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Costa Blanca Nachrichten I Nr. 1476, 30. März 2012

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Blanca Nachrichten I Nr. 1476, 30. März 2012 CostaBlanca Máximo Buch, Wirtschaftsminister des Landes Valencia:

Máximo Buch, Wirtschaftsminister des Landes Valencia: „Sowohl schwierige wie spannende Herausforderung.“

Fotos: Land Valencia/EFE

„Auf gutem Weg“

Máximo Buch, Wirtschaftsminister des Landes Valencia, über Lösungen für die Krise

Michael Allhoff Herzlichen Glückwunsch zu Ih- Es war für mich eine große Ehre, über 100-jährigen

Michael Allhoff

Herzlichen Glückwunsch zu Ih-

Es war für mich eine große Ehre,

über 100-jährigen Unternehmens-

Angesichts der wirtschaftli-

Das Land Valencia steht wie alle

schaft, der Krise des Finanzsystems

Eine düstere Perspektive

Valencia

rer Ernennung zum Wirt-

tradition. Ich habe als Vorstand

und der Unsicherheit der Kredit-

Mit der Ernennung von Máximo Buch zum Minister für Wirtschaft, Industrie und Handel des Landes Valencia beginnt eine neue Ära. Der studierte Wirtschaftsingenieur mit spanischem und deutschem Pass hat an der Deutschen Schule in Valencia Abitur gemacht und war zehn Jahre als Abgesandter des Landes Valencia bei der deut- schen Handelskammer in Spanien tätig. Der erfahrene mittelständi-

schaftsminister des Landes Va- lencia. Wie kam es zu dieser Entscheidung?

dass Ministerpräsident Fabra an mich gedacht hat, um die Verantwortung zu übernehmen, die das Amt des Minis- ters für Wirtschaft beinhaltet. Dass ich meinem Land dienen kann in dieser bedeutenden Stellung ist für mich eine Herausforderung, die ich mit Begeisterung und Dienstver- pflichtung angenommen habe.

und Unternehmer in mehreren Fir- men gearbeitet. Die letzten Jahre war ich Partner bei Boyden, einem Unternehmen zur Vermittlung von Führungspersonal, sowie bei der Risikokapitalgesellschaft Tandem.

chen Krise ist es eine besonde- re Herausforderung, die Verant- wortung für Wirtschaft, Indus- trie und Handel im Land Valen- cia zu schultern. Wie schätzen

märkte ergibt. All dies betrifft un- mittelbar die Kapazität der Verwal- tung, ihre Schulden zu refinanzie- ren. Unsere Unternehmer haben er- schwerten Zugang zu neuen Kredi- ten. Das ist auch ein Grund für die Erhöhung der Arbeitslosigkeit. Der weltweite Wandel im Industrie- und Handelsbereich zwingt unsere Wirt- schaftssektoren außerdem dazu, ihre Wettbewerbsfähigkeit zu steigern.

sche Unternehmer und Finanzma- nager tritt an in einer schwierigen Zeit. Leere Kassen, Schulden und die hohe Arbeitslosigkeit gestalten

Ihr beruflicher Hintergrund hat nichts mit der Politik zu tun. Sie kommen aus der Wirtschaft

Sie die aktuelle Situation ein?

anderen umliegenden Regionen vor einer schwierigen Situation, die sich

Dazu kommt in unserem Fall, dass die Vorgängerregierung in Hin- sicht auf die effektive Einwohner- zahl des Landes Valencia unange-

sein Amt zu einer Herausforderung.

Ich bin Teil einer Familie mit einer

aus dem Abwärtstrend der Weltwirt-

messen für die Finanzierung Sorge

Nr. 1476, 30. März 2012 I Costa Blanca Nachrichten

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getragen hat. Das hat die Situation weiter erschwert. Ohne Zweifel, wenn die Valencianer gleichgestellt zum Durchschnitt aller Spanier ge- wesen wären, hätten wir heute so- wohl im Hinblick auf die Finanzie- rung wegen unserer Einwohnerzahl wie für Investitionen 11,735 Milliar- den Euro mehr zur Verfügung. Das würde bedeuten, dass unsere Schul- den um 60 Prozent niedriger lägen. Doch ich bin voll und ganz der Überzeugung, dass wir mit den Maßnahmen, die wir vom Ministeri- um aus ergreifen, dank der Mitarbeit der gesamten Bevölkerung sowie dem Rückhalt seitens der neuen Re- gierung von Mariano Rajoy auf dem richtigen Weg nach vorne sind.

Welche Weichenstellungen wer- den in den kommenden Mona- ten erforderlich sein?

Unser Ziel ist es, all jene Initiati- ven zu fördern und zu erleichtern, die dazu beitragen, unsere Wirt- schaft anzukurbeln. Es geht um die Schaffung dauerhafter und qualifi- zierter Arbeitsplätze. Dafür braucht es mehr Unternehmungsgeist und innovative Anregungen. Gleichzei- tig müssen wir die erforderliche Liquidität sicherstellen, damit sich unsere Finanzsituation so schnell wie möglich normalisiert.

Was bedeutet das konkret?

Im erstgenannten Bereich werden wir ein Anreizprogramm auflegen, dotiert mit über 200 Millionen Euro, das sich vornehmlich an Fir- mengründer richtet. Innovation muss Vorrang haben. Es gilt, die In- ternationalisierung der heimischen Wirtschaft zu begünstigen. Mittel- ständische Unternehmen müssen ei- nen besseren Zugang zu Krediten erhalten. Mit diesem Programm wollen wir auch den Außenhandel des Landes Valencia unterstützen.

Sie setzen offenbar auf Impulse für Firmengründer.

Ja. Konkret haben wir das Geset- zesdekret für Unterstützungsmaß- nahmen für Unternehmertum er- lassen (Decreto Ley de Medidas de Apoyo a la Actividad Emprendedo- ra). Damit räumen wir der privat- wirtschaftlichen Initiative Hinder- nisse aus dem Weg und fördern die Dynamik unseres Unternehmens- und Dienstleistungsgeflechts.

Dynamik unseres Unternehmens- und Dienstleistungsgeflechts. Besuch in der Markthalle von Valencia: „Deutschland ist

Besuch in der Markthalle von Valencia: „Deutschland ist wichtiger Handelspartner von Valencia.“

Das ist auch ein Kostenfaktor.

Sicherlich. Um wieder über die er- forderliche Liquidität zu verfügen, haben wir seitens der Verwaltung mehrere Anpassungen beschlos- sen, die uns den erforderlichen fi- nanziellen Spielraum garantieren und sich auf die Wirtschaftsleis- tung auswirken werden.

Zum Beispiel?

Der staatliche Sektor und der Un- ternehmensbereich werden restruk- turiert. Damit gelingt es uns, dieses

Jahr etwa 900 Millionen Euro ein- zusparen. Mittels des Gesetzes-De- krets bezüglich Notfallmaßnahmen zur Reduzierung des Defizits (De- creto Ley de Medidas Urgentes de Reducción del Déficit) wird Va- lencia dieses Jahr 1,057 Milliarden Euro einsparen. Zudem zählen wir auf die Rückendeckung der Regie- rung, die zehn Milliarden Euro mit Option zur Erhöhung auf 15 Milli- arden Euro den autonomen Regio- nen zur Verfügung gestellt hat, zur Begleichung auslaufender Schuld-

Club of Rome

Máximo Buch Torralva, ge- boren am 11. August 1959 in Valencia, ist Wirtschafts- ingenieur und hat sich auf Un- ternehmensorganisation spe- zialisiert. Seinen Abschluss machte er an der Universität von Valencia. Von der Univer- sität von Navarra erhielt er sei- nen MBA. Bis zu seiner Ernennung zum Minister für Wirtschaft, Handel und Industrie im Land Valencia war er bei Boyden In- ternational Search Consultants tätig, einem Unternehmen für die Vermittlung von Führungs-

kräften, sowie als Generaldi- rektor von Tandem Capital

Gestion. Máximo Buch hat bei Osborn International gearbei- tet, einer Tochter der Fonds- gesellschaft SawMill Capital. Seit 1987 gehört er der spa- nischen Sektion des Club of Rome an und war von 1992 bis

2002 Abgesandter für das Land

Valencia der Deutschen Han- delskammer in Spanien. Von

1999 bis 2002 hat sich Máxi-

mo Buch als Vorstandsmit- glied des „Instituto Valenciano para el Estudio de la Empresa Familiar“ (Ivefa) engagiert.

verpflichtungen in den nächsten Monaten.

Und dann sind da auch unbe- zahlte Rechnungen bei Zuliefe- rern der öffentlichen Hand

Dafür hat die Regierung in Madrid einen Zahlungsplan auf den Weg gebracht, der den Autonomen Re- gionen Spaniens die Begleichung der Rechnungen mit Unterneh- mern und Selbstständigen ermög- licht. Angesichts dieser Maßnah- men gehe ich von einer Reaktivie- rung der wirtschaftlichen Aktivität aus sowie von neuen Investitionen in das Land Valencia.

Wo sehen Sie die Chancen für ein erneutes Wachstum?

Es ist offensichtlich, dass wir, um den gegenwärtigen wirtschaftli- chen Konjunkturzyklus zu über- winden und daraus erstarkt in der Zukunft hervorgehen zu können, man es nicht bei kurzfristigen Maßnahmen bewenden lassen kann, die wir bereits umsetzen. Es braucht eine erweiterte Vision, die es uns ermöglicht, die Basis für unser Produktionsmodell der nächsten Jahre zu definieren, mit dem Ziel, die Wirtschaft des Lan- des Valencia wieder anzukurbeln.

Und wie könnte der stotternde Wirtschaftsmotor des Landes Valencia wieder zum besseren

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Laufen gebracht werden?

Wir arbeiten bereits an der Anpas- sung unserer Strategie für Indus- triepolitik (Estrategia de Política Industrial, EPI) an die finanziellen Perspektiven der Europäischen Uni- on und an die Strategie 2020, um unser Industriemodell und unsere Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Diese Marschroute beinhaltet rund 30 Kriterien, die die Wirtschaft des Landes Valencia bis 2020 erfüllen muss. Wir werden diesen Plan in Einzelheiten mit den verschiedenen wirtschaftlichen und sozialen Agen- ten abstimmen. Dafür laden wir in Kürze das Observatorium der In- dustrie ein sowie die Plattformen al- ler Wirtschaftssektoren.

Kann es sein, dass an der Küste des Landes Valencia wieder verstärkt auf die Bautätigkeit gesetzt werden soll?

Unser Ziel ist es, die Entwicklung zu fördern und globale Unterneh- men zu etablieren, die wettbewerbs- fähig sind. Das gilt für bestehende Firmen wie für neu zu gründende Unternehmen. Es geht darum, ein produktives Modell zu gestalten, das auf mehr Wettbewerbsfähigkeit beruht. In jedem Fall werden wir weiter auf die traditionelle Industrie setzen, die sich bis heute immer wieder an die Erfordernisse der Wirtschaftszyklen anpassen konnte. Gleichzeitig müssen wir aufkom- mende Sektoren unterstützen, näm- lich Neue Technologien und Inno- vation. Der Bausektor ist ein nicht zu verleugnender Wert unseres Landes, der sich als Motor auf an- dere Industriebereiche auswirkt. Wir wollen, dass dieser Sektor wie- der ein herausragendes Gewicht in der Wirtschaft erhält. Tatsächlich haben wir über das valencianische Institut für Export einen Plan ausge- arbeitet, der unseren Stock an Im- mobilien in mehreren europäischen Ländern präsentiert.

Sie waren bislang nicht in die Politik involviert

Es ist für mich neu, im öffentlichen Dienst tätig zu sein. Bislang habe ich meinen Beruf in der Wirtschaft ausgeübt. Was mich dazu gebracht hat, diese neue Verantwortung an- zunehmen, ist meine Überzeugung, dass Ministerpräsident Fabra ein Projekt ins Leben gerufen hat, das

Fabra ein Projekt ins Leben gerufen hat, das Sinn für Humor: Buch beim Besuch einer Falla-Werkstatt

Sinn für Humor: Buch beim Besuch einer Falla-Werkstatt in Valencia.

Persönliche Fragen

Erlauben Sie uns zum Schluss ein paar kurze per- sönliche Fragen. Wie erho- len Sie sich?

Indem ich lese oder im Zusam- mensein mit Freunden.

Ihr Lieblings-Fußballverein?

Der Valencia FC.

Welche Bücher würden Sie mit auf die Insel nehmen?

Ich lese gern historische Roma- ne, mein Lieblingsbuch ist Si- nuhe der Ägypter von Mika Waltari.

Welche

schaftspolitikerschätzenSie?

Ohne Zweifel Rodrigo Rato. Er war der Architekt des spani- schen Beitritts zum Euro und damit ist ihm in sehr kurzer Zeit ein spektakulärer Wandel unse- rer Wirtschaft gelungen, dank dessen wir uns in der europäi- schen Konvergenz positioniert

Wirt-

spanischen

haben,

Wachstums.

auf

einem

Weg

des

Welche internationalen Wirt- schaftstheoretiker haben Sie beeinflusst?

Paul Samuelson. Und Milton Friedman.

Welche

schaftsfachleute?

Ludwig Erhard.

Wirt-

europäischen

IhreLieblingstugend?

Der Optimismus.

Was schätzen Sie an sich?

Die Fähigkeit, hart zu arbeiten.

Was schätzen andere an Ih- nen?

Ich glaube, dasselbe.

HabenSieeinLebensmotto?

Wenn du Honig ernten willst, tritt nicht mit den Füßen gegen den Bienenstock.

das Land Valencia wieder unter den führenden Regionen in Spanien po- sitionieren wird. Meine persönliche Befriedigung ergibt sich daraus, meinen Beitrag in einer Regie- rungsmannschaft leisten zu können, die unseren Ministerpräsidenten in dieser schwierigen, aber auch span- nenden Herausforderung unterstützt.

Als Nachfahr deutscher Einwan- derer mit spanischem und deut- schem Pass, wie deutsch fühlen Sie sich. Oder wie spanisch?

Ich fühle mich als Valencianer und Europäer. Als Valencianer, weil ich hier geboren und stolz darauf bin. Als Europäer, weil ich das Blut zweier Länder in mir trage und davon überzeugt bin, dass das Projekt des europäischen Mitei- nanders das Beste für unsere ge- meinsame Zukunft ist.

Hat Sie Ihr deutsches Kultur- erbe geprägt?

Mein deutsches Erbe hat mir in vielen Aspekten geholfen. Ich bin in einem zweisprachigen Eltern- haus aufgewachsen, mit dem Vor- teil, dass ich als eigene Sprachen sowohl Deutsch wie Spanisch be- herrsche. Außerdem hatte ich das Glück, meine Ausbildung an der Deutschen Schule von Valencia absolviert zu haben. Während die Altersgenossen meiner Generation ihr Abitur unter dem Bildungssys- tem des Franquismo machten, konnte ich auf eine gemischte Schule gehen, an welcher der Dia- log, die Toleranz und das kritische Denken in einem multikulturellen Umfeld gefördert worden sind.

Welche Bedeutung hat der spa- nisch-deutsche Wirtschaftsaus- tausch für Valencia?

Deutschland ist traditionell einer der Absatzmärkte für das Land Valencia. Im Jahr 2011 war Deutschland der zweitgrößte Ab- nehmer für unsere Exporte, im Ge- samtwert von 2,2 Milliarden Euro. Das entspricht elf Prozent unseres Gesamtexports. An erster Stelle steht dabei der Automobilsektor, der im letzten Jahr um 60 Prozent gewachsen ist. Obst und Gemüse folgen auf den Plätzen zwei und drei, ungeachtet des Einbruchs we- gen ungerechtfertigter Warnungen vor spanischen Agrarprodukten.