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eload 24 Buddhismus für Neugierige

Stefanie Barthold

Klicken, Lesen, Weitermachen. So einfach geht das.

Rubrik Weltanschauung
Thema Buddhismus
Umfang 29 Seiten
eBooklet 00147
Preis 3,95 Euro

Autor Stefanie Barthold

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eload 24 Buddhismus für Neugierige
Stefanie Barthold

eload24 GmbH Inhalt


Blegistrasse 7
CH-6340 Baar
Was ist eigentlich Buddhismus?. 3 Der „Achtfache Pfad“............... 11
info@eload24.com Geschichte und Entstehung....... 4 Das Prinzip von Ursache
www.eload24.com Buddha, der Prinz aus Indien.... 4 und Wirkung..........................12
Verbreitung der Lehre.............. 5 Die Meditation........................12

Copyright © 2006 eload24 GmbH


Religion oder Lifestyle?............. 5 Die Natur des Geistes.............14
Alle Rechte vorbehalten. Die buddhistischen Richtungen...7 Wie werde ich Buddhist?..........15
Trotz sorgfältigen Lektorats können sich Theravada – Buddhistische Gemeinschaften.15
Fehler einschleichen. Autoren und Verlag
sind deshalb dankbar für Anregungen das Kleine Fahrzeug..................7 Zuflucht nehmen....................16
und Hinweise; jegliche Haftung für Folgen, Mahayana – Nützliche Links....................... 17
die auf unvollständige oder fehlerhafte
Angaben zurückzuführen sind, ist jedoch das Große Fahrzeug..................7
aus­geschlossen. Vajrayana – Erfahrungsbericht:
Fotos unterliegen dem Copyright und das Diamantfahrzeug............... 8 Buddha für ein Wochenende.....18
­entstammen folgenden Quellen:
Grundideen des Buddhismus.... 11
fotolia.de | istockphoto.com | photocase.de
Die „Vier edlen Wahrheiten“..... 11 Index....................................29
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Was ist eigentlich Buddhismus? 84.000 Belehrungen soll der erleuchtete Bud-
dha gegeben haben, im Laufe der Jahrhun-
Der Dalai Lama taucht in Talkshows auf, im derte wurden sie in vielfältiger Form überlie-
örtlichen Kulturzentrum streuen tibetische fert. Noch Fragen? Gut. Im Folgenden werden
Nonnen Medizinbuddha-Mandalas, die Nach- all diese Weisheiten nicht auftauchen. Die
barin sitzt meditierend in ihrem Zen-Garten Geschichte des Buddhismus in all ihren Fa-
und der Arbeitskollege erzählt etwas von cetten zu beleuchten, würde ebenfalls zu weit
Ich-Verlust und schlechtem Karma. Es ist
führen. Aber: Dieses eBooklet bietet einen
allerorts einiges zu hören, zu lesen, zu se­
kleinen Einblick in ein sehr spannendes The-
hen vom Buddhismus dieser Welt. Der wahre
ma und vermittelt interessierten Neulingen
Boom dieser fernöstlichen Weltanschauung
ein Gefühl dafür, worauf die buddhistische
ist kaum zu ignorieren. Aber was genau
Weltanschauung besonderen Wert legt. Wer
steckt dahinter?
gleich aktiv ausprobieren möchte, ob der

Weltweit leben geschätzte 400 Millionen Buddhismus etwas für ihn ist, der erfährt,

Menschen buddhistisch, bei der Vielzahl der wie er dabei am besten vorgeht. Ein per-

Schulen und Übertragungslinien kann man sönlicher Bericht über erste Erfahrungen mit
schon mal den Überblick verlieren. Doch dem Karma-Kagyü-Buddhismus gibt einen
was verbindet diese Menschen? Wo liegt der Eindruck davon, wie sich eine Annäherung in
kleinste gemeinsame Nenner? der Praxis anfühlen kann.

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Geschichte und Entstehung beeindruckten diese Erlebnisse. Er begann


zu verstehen, dass alles Leid untrennbar mit
Die Geschichte des Buddhismus ähnelt einem dem Leben verbunden ist. Doch wie ist dann
alten Baum. Im Laufe der Jahrhunderte sind überhaupt dauerhaftes Glück möglich? Auf
unzählige Zweige und Verästelungen gewach- der Suche nach der Antwort auf diese Frage
sen, manche davon existieren bis heute, an- entschloss sich der Prinz zur Askese, lebte als
dere sind mit der Zeit wieder verkümmert. armer Mönch, fastete, litt und begriff nach
Um die Ursprünge des Buddhismus zu erklä- sechs Jahren, dass es irgendwo einen Mit-
ren, muss man bis ins Jahr 563 v. Chr zu- telweg zwischen Askese und Luxus-Leben
rückblicken. geben muss. Siddharta ließ sich unter einer
Pappelfeige nieder und beschloss, dort nicht
Buddha, der Prinz aus Indien eher aufzustehen, bis er herausgefunden hat-
te, wie menschliches Leid zu überwinden ist.
Der Überlieferung nach lebte Siddharta Nach sechs Tagen und Nächten tiefer Medita-
Gautama, der später als Buddha bekannt tion verließ er seinen Platz als Buddha, „der
wurde, vor etwa 2500 Jahren als Königssohn Erleuchtete“. Und weil Buddhisten nie nur an
im heutigen Nepal. Unzufrieden mit seinem sich selbst, sondern auch an andere denken,
eintönigen Luxus-Leben, verließ der Prinz mit behielt Buddha sein Wissen nicht für sich: Bis
29 Jahren seinen Palast. Er wanderte fortan zu seinem Tod im Alter von 80 Jahren gab er
durchs Land und begegnete erstmals Ent- seine Erkenntnisse an aufgeschlossene Men-
behrung, Krankheit, Tod. Siddharta Gautama schen aller Gesellschaftsschichten weiter.

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Verbreitung der Lehre Der nördliche Buddhismus erreichte über die


Seidenstraße Ost­asien, wo sich weitere Tra-
Siddharta Gautama machte seine Lehre in ditionen entwickelten. Über China, Japan und
seiner nordindischen Heimat bekannt. Von Korea ging es über den Himalaja nach Tibet.
dort breitete sich der Buddhismus auf drei Alle Länder vermischten regionale Bräuche
Hauptrouten aus. Eine Route führte nach Sri und Anschauungen mit den Überlieferungen
Lanka und Zentralasien, ein weiterer Aus- Buddhas – das ist der Grund für die Vielfalt,
läufer waren die Länder die bis heute spürbare Weltoffenheit und das
Südost­asiens.
daraus resultierende Wachstum des Bud-
dhismus. Selbst in China, wo sie lange Zeit
unterdrückt wurde, erlebt die buddhistische
Weltanschauung in der heutigen Zeit eine
Renaissance.

Religion oder Lifestyle?

Mit geschätzten 400 Millionen Anhängern


ist der Buddhismus heute die fünftgrößte
Religion der Welt. Religion? Oder doch eher
eine Philosophie? Darüber lässt sich streiten.
Besonders im Westen haben sich die ural-

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ten buddhistischen Lehren längst zu einem Doch seit einigen Jahren wächst die Zahl der
Lifestyle-Trend entwickelt. Buddhismus ist westlichen Lamas, das buddhistische Erschei-
schick, meinen manche. Hinter dieser ober- nungsbild erfährt eine „Modernisierung“.
flächlichen Ansicht steckt nur wenig von der
eigentlichen buddhistischen Weltanschauung.
Ihr großer Anziehungsfaktor ist der Aufruf zu
Eigenverantwortung und Selbstbestimmung.
Ein Aufruf, der viele aufgeklärte Menschen
anspricht – ebenso wie die Tatsache, dass
jede Autorität hinterfragt, jede These, ähn-
lich wie in der Wissenschaft, mit dem eigenen
Verstand überprüft werden kann und soll.

Die große Freiheit, die in diesem Ansatz


steckt, ist auch der Auslöser dafür, dass sich
beispielsweise die Psychologie oder der Sport
den buddhistischen Lehren geöffnet haben,
Managerseminare und Meditation längst nicht
mehr unvereinbar sind.

Die buddhistischen Organisationen in Europa


pflegen enge Kontakte zu asiatischen Lehrern.

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Die buddhistischen Richtungen Kambodscha, Vietnam oder Thailand. Sie


stammt von den Mönchen ab, die als ers-
84.000 Belehrungen und Erklärungen soll te Schüler Buddhas galten, und bringt noch
der erleuchtete Buddha der Überlieferung heute dem Mönchstum eine besonders hohe
nach entwickelt und seinen Zuhörern mit Wertschätzung entgegen. Oberstes Ziel des
auf den Weg gegeben haben. Nach seinem Theravada ist die Vermeidung von Leid und
Tod gingen aus all diesen Erkenntnissen drei das Beruhigen des Geistes. Als Grundlage
Hauptzweige hervor: Theravada, Mahayana dafür dient den Theravada-Buddhisten Wis-
(ab 380 v. Chr.) und Vajrayana (ab 8. Jahr- sen. Der Philosoph Arthur Schopenhauer ließ
hundert). Aus ihnen ergaben sich wiederum sich im 19. Jahrhundert von dieser Schule
zahlreiche buddhistische Schulen und Unter- inspirieren und gilt als ein Pionier des euro-
gruppierungen, die bis heute Menschen mit päischen Buddhismus.
ganz unterschiedlichen Wünschen und Ein-
stellungen ansprechen. Mahayana – das Große Fahrzeug

Theravada – das Kleine Fahrzeug Einen Schritt weiter geht die Mahayana-
Schule. Ihre Anhänger wollen nicht nur Wis-
Theravada, die „Lehre der Älteren“, ist die sen ansammeln und sich selbst aus dem
einzige noch verbliebene Schule des Hina- Leidenskreislauf des Lebens befreien. Ihre
yana (sanskrit: Kleines Fahrzeug) und be- Motivation ist es, auf dem Weg zur Erleuch-
sonders in Südasien verbreitet: in Sri Lanka, tung insbesondere Mitgefühl für andere zu

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entwickeln, Zorn zu vermeiden und somit gelangen und anderen damit dienen kann.
viele ihrer Erkenntnisse zum Nutzen ihrer Der Vajrayana-Buddhismus unterscheidet
Mitmenschen einzusetzen. Im Mahayana sind sich vom Mahayana nicht im Ziel, der eige-
Mönche und Laien gleichgestellt. Der Große nen Buddhaschaft, sondern vor allem in der
Weg setzte sich in Nordasien durch, doch Methodik. Ausgehend von den Grundlagen
auch die Zen-Schulen, die ab dem 8. Jahr- des Mahayana, spielen im Vajrayana gezielte
hundert vor allem in Japan überliefert wur- tantrische Techniken eine große Rolle: Wäh-
den, beziehen sich auf ihn. Bloßes Wissen rend der Meditationen werden beispielsweise
ist für Zen-Schüler nutzlos, sie wollen selbst Buddhas oder Mandala-Bilder visualisiert und
erleuchtet werden. Es geht ihnen um Ein- Mantras gesprochen – all das soll den Weg
sichten, die eng an die eigene Persönlichkeit zur Erleuchtung beschleunigen.
und Lebensweise geknüpft und nur durch das
Verlassen der Verstandes-Ebene zu erlangen Teil des Vajrayana ist der tibetische Bud-
sind. dhismus. Hier hat der Lehrer (Lama) einen
starken Vorbildcharakter und ist von ebenso
Vajrayana – das Diamantfahrzeug zentraler Bedeutung wie die Selbständigkeit
des Schülers. Der tibetische Buddhismus
Auch die Vajrayana-Schule geht davon aus, bringt wiederum vier Haupt-Schulen hervor:
dass jedem Menschen eine Buddha-Natur Nyingma, Kagyü, Sakya und Gelug. Die Ge-
innewohnt, jeder also dem Beispiel Buddhas lug-Schule ist eine der bekanntesten – denn:
folgen, durch Meditation zur Erleuchtung Ihr Oberhaupt ist der Dalai Lama, die höchste

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weltliche und eine bedeutende religiöse Auto-


rität des buddhistischen Tibet.

Der so genannte Diamantweg wird in der


Tradition der tibetischen Karma-Kagyü-Li-
nie gelehrt und bezeichnet den im Westen
vertretenen Zweig der Kagyüpa. Der Name
Diamantweg leitet sich aus dem Sanskrit-Be-
griff Vajrayana (= Diamantfahrzeug) ab. Die
Zentren der Diamantweg-Buddhisten wurden
vom Dänen Ole Nydahl gegründet, der auch
als „Lama Ole“ bekannt ist. Er und seine Frau
Hannah waren in den Sechzigern und Sieb-
zigern die ersten westlichen Schüler des 16.
Karmapa. Es soll der Wunsch ihres Lehrers
gewesen sein, den Buddhismus im Westen
bekannter zu machen. Seit Anfang der sieb-
ziger Jahre bereist Ole Nydahl die Welt, hält
Vorträge, erteilt Kurse und gründete bis heu-
te etwa 500 Diamantweg-Zentren in Mittel-
und Osteuropa, Asien, Australien und Ameri- Der 14. Dalai Lama ist das geistige Ober-
haupt der tibetischen Gelug-Schule.
ka.

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Ole Nydahl gilt als umstritten. Nicht nur die Der Karmapa ist der Linienhalter der Karma-
Tatsache, dass er sich Lama nennt, obwohl ­Kagyü-Schule. Er verkörpert die Tatkraft al-
er nicht den klassischen Ausbildungsweg ler Buddhas. Die Diamantwegler beziehen
eines buddhistischen Lehrers durchlaufen sich auf den 16. Gyalwa Karmapa – die so
hat, ruft viele Kritiker auf den Plan. Auch der genannte „16. Karmapa-Meditation“ ist eine
Eifer, den Nydahl bei der Gründung neuer ihrer Grundpraktiken –, er starb 1981. Als
Zentren an den Tag legt, lässt sich für viele seine Wiedergeburt wird von den Diamant-
Buddhisten nicht mit der ausdrücklich nicht- weg-Buddhisten der 23-Jährige Trinlay Thaye
missio­narischen buddhistischen Philo­sophie in Dorje angesehen.
Einklang bringen.

Des Weiteren führen sehr eigenwillige Äuße-


rungen Nydahls zum Islam, zu Homosexua-
lität oder den Geschlechterrollen zu Befrem-
den und führten sogar zu einem Streit mit
der Deutschen Buddhistischen Union (DBU),
dem Dachverband buddhistischer Organisa­
tionen. Wichtig zu wissen ist in diesem Zu-
sammenhang: Ole Nydahl ist kein Repräsen-
tant der tibetischen Karma-Kagyü-Tradition,
er arbeitet lediglich mit Teilen dieser Lehre.

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Die Grundideen des Buddhismus Der „Achtfache Pfad“

Buddha war kein Missionar, kein Gott, kein Buddhas Regeln des „Achtfachen Pfads“ sind
Gottesbote. Er appellierte an die Eigenver- simpel. Sie leiten zu einem Leben in Weis-
antwortung jedes einzelnen, dem er seine heit, Sittlichkeit und Vertiefung an – und
Unterweisungen gab, er begrüßte Kritik und wenn man sie in die Sprache der heutigen
Skepsis. Buddhas Lehre war frei von Dog- Zeit übersetzt, könnte man auch sagen: Bud-
men – und ist es bis heute. dha wollte nichts anderes, als den Menschen
ein reflektiertes, rücksichtsvolles, achtsames
Die „Vier edlen Wahrheiten“
Leben und Handeln empfehlen, das anderen
Die wichtigste Erkenntnis des Buddha steckt nicht schadet. Im Grunde ein sehr einfaches,
in den „Vier edlen Wahrheiten“: erstrebenswertes Modell. Und genau das ist
der Grund, warum Buddhismus auch im 21.
1. Das Leben ist leidvoll.
Jahrhundert, 2500 Jahre nach seiner Entste-
2. Leid hat Ursachen: vor allem Gier, Ver-
hung, noch zeitgemäß ist.
langen, Hass.
3. Das Leid endet, sobald die Ursachen be-
Der „Achtfache Pfad“ umfasst folgende acht
seitigt werden.
Punkte:
4. Jeder kann dieses Ende selbst, aus ei-
gener Kraft, herbeifügen: mit Hilfe des ■■ Rechte Anschauung und Erkenntnis
„Achtfachen Pfads“, dem moralischen ■■ Rechte Absicht
Wegweiser für alle Buddhisten. ■■ Rechtes Reden

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■■ Rechtes Handeln Konzept: Jede Handlung und jeder Gedanke


■■ Rechter Lebenserwerb haben Folgen, die mitunter erst in einem der
■■ Rechtes Streben nächsten Leben sichtbar werden. Denn der
■■ Rechte Achtsamkeit Buddhist glaubt an die Wiedergeburt (Samsa-
■■ Rechtes Sichversenken ra). Gelingt es dem Menschen, Leid zu ver-
meiden – nicht nur bei sich selbst, sondern
Das Adjektiv „recht“ steht hier als Synonym
auch mit Blick auf seine Mitmenschen – ist
für „auf das große Ganze bezogen“ – das Ich
das ein Grundstein für ein gutes, ein posi-
soll sich bei all dem ein wenig zurücknehmen. tives Karma. Handelt ein Mensch Leid brin-
Generell ein ganz guter Tipp, oder? Ihn zu gend, stiehlt er zum Beispiel, tötet oder lügt,
beherzigen, fällt leicht, wenn man das Prinzip so führen die Buddhisten das nicht auf Bos-
von Ursache und Wirkung verinnerlicht hat, haftigkeit zurück, sondern sehen den Grund
ein zentraler Gedanke der buddhistischen darin, dass dieser Mensch das Prinzip von
Lehre. Ursache und Wirkung nicht verinnerlicht hat.
Eine Schlüsselpraktik auf dem Weg zu einem
Das Prinzip von Ursache und Wirkung achtsamen, verantwortungsvollen Umgang
mit sich und der Welt ist die Meditation.
Jeder ist für sein Tun verantwortlich – dies ist
ein Grundgedanke des Buddhismus. Das Prin-
Die Meditation
zip von Ursache und Wirkung regt zu selbst-
bestimmtem Handeln an. Der Begriff Karma Meditieren beruhigt den Geist. Diese These
(sanskrit: Wirken, Tat) steht für genau dieses könnte leicht missverstanden werden, denn

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gerade in diesem Zustand tiefster Versunken-


heit – das ergeben wissenschaftliche Unter-
suchungen – ist das Gehirn besonders aktiv.
Der Buddhist nutzt die Meditation also nicht
nur zum Abschalten vom stressigen Alltag,
sondern begibt sich auch aktiv auf die Suche
nach der zeitlosen Natur des Geistes. Durch
Meditation wird das theoretische Wissen, das
in den Lehren Buddhas steckt, erlebbar. Auch
wenn es unzählige Formen der Meditation
gibt – am Anfang steht immer das achtsame
Sich-Konzentrieren auf die eigene Atmung,
das Sammeln der umherirrenden Gedan-
ken. Schon das allein hilft dabei, sich frei von
Projektionen und so genannten Störgefühlen
(Neid, Gier usw.) zu machen und die Dinge
so zu erkennen, wie sie wirklich sind. Tradi-
tionellerweise meditieren die Buddhisten im
Lotus-Sitz. Es gibt jedoch auch aktive For-
men der Meditation, zum Beispiel die Ver-
beugungs-Meditation. Im Zen-Buddhismus

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können sehr verschiedene Tätigkeiten und


Bewegungsabläufe den Zweck der Meditation
erfüllen – vom einfachen Gehen bis zum Bo-
genschießen.

Die Natur des Geistes

Die buddhistische Lehre geht davon aus, dass


der Mensch nicht der eigene Körper ist, son-
dern ihn besitzt und sinnvoll verwenden soll-
te. Alles, was man normalerweise als Selbst
bezeichnen würde, ist nichts als freier, end-
loser Geist. So lehrte es Buddha, überzeugt
davon, dass der Schlüssel zum dauerhaften
Glück in der Abkehr vom Ich und der Rea-
lisierung der Unendlichkeit des Geistes zu
suchen ist. Ziel der buddhistischen Lehre
ist es, durch Erleuchtung die zeitlose Natur
des Geistes zu erfahren, das Karma zu über-
winden und somit dem immer währenden
Kreislauf von Leben, Tod und Wiedergeburt
(Samsara) zu entkommen.

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Wie werde ich Buddhist? abende und Vortragsreihen an, an denen


Neugierige ganz unverbindlich und meist
Buddhistische Gemeinschaften kos­tenlos teilnehmen können. Auch zum
Mit­meditieren sind interessierte Neulinge
In Europa bekennen sich heute weit mehr als jederzeit eingeladen. Das Miteinander spielt
1 Million Menschen zum Buddhismus. Schät- besonders bei den Karma-Kagyü-Buddhisten
zungen sind schwer, da bei Weitem nicht alle eine große Rolle. In deren Zentren finden
Buddhisten auch einer offiziellen Gemein- teilweise täglich Meditationen statt. Um ein
schaft angehören. In Deutschland, Österreich
und der Schweiz existieren sehr viele bud- „Promi-Buddhisten“
dhistische Gruppen, einige sind groß und gut
Es gibt sehr viele Prominente, die sich
organisiert, andere kleiner und etwas weniger
zum Buddhismus bekennen. Hier einige
präsent. Die Europäische Buddhistische Union
Beispiele:
(EBU) hat sich zum Ziel gesetzt, die einzel-
nen Gruppierungen sukzessive zu vernetzen Sängerin Tina Turner, die Schauspieler
und zu stärken. Während der Buddhismus in Keanu Reeves, Richard Gere, Uma Thur-
Österreich bereits seit 1983 als Religionsge- man und Jackie Chan, Punk-Röhre Nina
meinschaft gilt, warten Deutschland und die Hagen, Apple-Chef Steve Jobs, Golfprofi
Schweiz noch auf die staatliche Anerkennung. Tiger Woods, die Fußball-Stars Roberto
Baggio und Fabien Barthez oder der
Alle buddhistischen Zentren und Organisa- Künstler Leonard Cohen.
tionen bieten immer wieder Informations­

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Gefühl dafür zu bekommen, welche bud- dhistische Lehre) und zur Sangha, der bud-
dhistische Richtung zu einem passt und wo dhistischen Gemeinschaft. Diese drei Objekte
man sich aufgehoben fühlt, ist es ratsam, sind die „Drei Juwelen“. Die Zufluchtnahme
sich viel Zeit zu nehmen, kritisch zu sein und geschieht, indem man einen kurzen, traditio­
über mehrere Wochen oder gar Monate hin- nellen Text nachspricht. Wer sich einer bud-
weg unterschiedliche Angebote auszuprobie- dhistischen Gemeinschaft anschließt, wird
ren. Besonders in größeren Städten fällt das dort erfahren, wann und wie er dieses Ritual
leicht. vollziehen kann.

Zuflucht nehmen

Jeder Mensch kann buddhistisch leben, auch


ohne das explizit so zu nennen. Wer fest
davon überzeugt ist, auch ganz formal einer
Gemeinschaft praktizierender Buddhisten
angehören zu wollen, bezeugt dies durch
ein kleines Ritual: die Zufluchtnahme. Man
nimmt Zuflucht zu Buddha (der in diesem Fall
nicht nur für die historische Person, sondern
auch für die voll entwickelte, freie Natur des
Geistes steht), zu Dharma (das ist die bud-

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Nützliche Links

Im Internet gibt es eine Reihe hilfreicher


Seiten, auf denen auch die Kontaktadressen
buddhistischer Organisationen und Zentren
zu finden sind:

■■ www.dharma.de ■■ www.diamantweg.de
Homepage der Deutschen Buddhistischen Buddhistische Zentren der Karma-Kagyü-
Union (DBU) Linie
■■ www.sbu.net ■■ www.dalailama.com
Buddhismus in der Schweiz Homepage des 14. Dalai Lama
■■ www.buddhismus-austria.at ■■ www.karmapa.org
Österreichische Buddhistische Religions- Alles über den 16. Karmapa, das spiritu-
gesellschaft elle Oberhaupt der Karma-Kagyü-Linie,
■■ www.e-b-u.org und seine Inkarnation, den 17. Karmapa
Englischsprachige Homepage der Euro- Trinlay Thaye Dorje
päischen Buddhistischen Union ■■ www.zenbuddhismus.de
■■ www.buddhismus.de Eine Einführung in den Zen-Buddhismus
Angebot des Buddhistischen Dachver- ■■ www.buddhismuslexikon.de
bands Diamantweg (BDD) Buddhismus von A bis Z

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Buddha für ein Wochenende Versuchung, zurück in meinen Schlafsack zu


schlüpfen und mich vom Gemurmel einlul-
Buddhismus ist weder schick noch cool. len zu lassen. Stattdessen nehme ich also
Aber vielleicht näher, als man denkt. im Schneidersitz auf meinem mitgebrachten
Beobachtungen einer Ahnungslosen. Kissen Platz, schlinge mir den wärmenden
Schlafsack um die Hüften, strecke den Rü-
cken und warte. Herrlich. Stunden könnten
Mantrisches Murmeln hinter dünnen Tü- so vergehen, würden mich nicht nach weni-
ren. Ich stehe draußen, lauschend, Kissen gen Minuten meine eingeschlafenen Beine
und Schlafsack unterm Arm, und traue mich schmerzhaft daran erinnern, warum ich hier
nichts. Es ist früh, ich habe schlecht geschla- bin. Die Buddhisten nennen das Meditieren
fen und Gewissensbisse beim Anblick der vie- „müheloses Verweilen in dem, was ist”.
len Schuhpaare, die mit mir warten. Auf was
warte ich? Es ist zugegebenermaßen wagemutig, sich
nach fünf kurzen Besuchen in einem Bud-
Zaghaft, ängstlich und unverkennbar miese- dhistischen Zentrum, ein wenig Internet-Re-
petrig betrete ich den Raum. Misanthropie cherche und mit einem zur Hälfte gelesenen
und sich schlagartig potenzierende Unsicher- Sachbuch im Gepäck auf den Weg in ein
heiten bestimmen meinen Platz in der letz- Retreat-Wochenende zu machen. Retreat,
ten Reihe, dort, wo keine Kissen mehr auf das bedeutet Meditation in Zurückziehung,
dem kühlen Boden liegen. Ich widerstehe der intensiver geht es kaum. Das schlichte und

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zweckmäßige Ambiente einer Jugendherber- das? Sind die anders? Bin ich anders? Ich
ge scheint dafür den perfekten Rahmen zu versuche mich zu beruhigen.
bieten. Sonst würden sich nicht Jahr für Jahr
Hunderte Buddhisten aus ganz Deutschland Den Geist beruhigen, zur Ruhe kommen:
zu solchen Retreats treffen, um kontemplativ Jede Meditation beginnt so. Entspannt sitzen,
und abgeschieden im Kreis der Sangha, der atmen und die Konzentration auf den Luft-
Gemeinschaft, zu praktizieren. strom lenken, der an der Nasenspitze kommt
und geht – schon das kann Herausforderung
Bin ich anders? sein, wenn die Gedanken umherirren. Der

Ich fühle mich etwas unbehaglich. Ich bin Geist, das begreift man im Zusammensein
neu, ahnungslos, habe keinen Schimmer, was mit Buddhisten schnell, ist das, was bleibt.
mich erwartet. Bezeichnenderweise geht es Die einzige Konstante in einer schnelllebigen
ja im Buddhismus genau darum: den Teu- und vergänglichen Welt. Es gibt kein Ich, der
felskreis von Erwartung und Enttäuschung zu Geist ist alles und überall, der Geist ersetzt
durchbrechen, indem man den Fokus auf das das Ich. Daher sind die Abkehr von materiel-
„Hier und Jetzt” richtet. Zwischen Theorie und len Dingen und die bewusste Arbeit mit dem
Praxis liegt jedoch in meinem Fall eine ganze Geist zwei Grundgedanken, die fest in der
Welt. Ich bin nervös und versuche mir einzu- buddhistischen Lehre verankert sind.
reden, dass das vollkommen okay ist. Meine
Neugier rettet mich, meine Fragen: Was sind Buddha, der Königssohn, der vor etwa 2500
das für Menschen hier? Wieso machen die Jahren als Siddharta Gautama in Indien lebte,

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konnte sich vor Reichtümern und schönen sechs Tagen und Nächten war es soweit.
Frauen kaum retten. Doch mit 29 Jahren
verließ er den Palast und lernte das Leben Sechs Tage und Nächte, nein, so lange kann
neu kennen, er begegnete Tod, Krankheit, ich nicht warten, es riecht nach Kaffee und
Alter und Leiden. Ein Schlüsselerlebnis für mein Magen knurrt. Ich lasse die bunte Welt
den jungen Mann, der fortan einen entbeh- aus Kissen und Decken zurück und erfreue
rungsreichen und leidvollen Weg wählte, um mich am erstaunlich reichhaltigen Früh-
dem Geheimnis dauerhaften Glückes näher stücksbüffet. Im Speiseraum geht es ent-
zu kommen. Nach sechs asketischen spannt und fröhlich zu. Zum ersten Mal
Jahren erfuhr der Prinz die Erleuch- nehme ich nicht mehr nur mich und
tung: In dem kleinen nordindischen meine Befindlichkeit, sondern auch all
Dorf Bodhgaya ließ er sich unter einem die Menschen um mich herum wahr. Es
Baum nieder und beschloss, diesen sind schöne Menschen mit posi-
Platz nicht zu verlassen, bevor er tiver Ausstrahlung. Oder bilde
sein Ziel erreicht haben wür- ich mir das nur ein? Auch ein
de – die Antwort auf die Frage, paar Kinder sind dabei. Der
wie menschliches Leid zu über- Kleinste ist drei, die Ältesten
winden ist und die Fähigkeit, vielleicht elf. Das gefällt
allen Wesen mit dieser mir. Ob Buddhisten-
Erkenntnis nutzen kinder besser auf-
zu können. Nach wachsen? Angst-

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freier vielleicht, selbstständiger, souveräner. Geist freigesetzt werden können. Daher ist
Wenn die Eltern es schaffen, sich von ihrem der Begriff „Buddha” zweifach besetzt: Er
Ich zu lösen, dann werden sie es wohl kaum meint einerseits die historische Person Sid-
auf ihre Kinder projizieren. Das klingt zumin- dhartas, andererseits den klaren Zustand des
dest theoretisch toll. voll entwickelten Geistes, den jeder Diamant-
weg-Buddhist erreichen möchte und deswe-
Thomas ist schon sehr lange dabei, ich ken- gen Zuflucht nimmt. Zum Buddha, zur Lehre
ne ihn aus dem Buddhistischen Zentrum. (Dharma), zur Gemeinschaft (Sangha) und
Ein freundlicher Mensch, Ende 30, groß, lä- zum Lehrer (Lama). All diese Elemente ver-
chelt viel, redet langsam. Ich erfahre, was gegenwärtigt man im Laufe der Meditation.
es mit der Zuflucht-Meditation auf sich hat,
dem „Starterpaket”, das die Basis für jeden Identifikation und Vertrauen

bildet, der den buddhistischen Weg gehen Ich finde es befremdlich, mir einen Lehrer
möchte. Es gibt verschiedene Übertragungs- vorzustellen, verstehe auch nicht, wozu ich
linien, darunter den so genannten Diamant- den brauche. „Der Lehrer wird nicht als Per-
weg (sanskrit: Vajrayana), eine im Westen son gesehen. Vielmehr geht es um die Ei-
sehr verbreitete Schule, die großes Vertrauen genschaften, nach denen man strebt und die
in die eigene Buddha-Natur voraussetzt. Das der Lehrer bereits erreicht hat”, erklärt mir
bedeutet: Man geht davon aus, dass in je- Thomas. „Durch Identifikation und Vertrauen
dem die Fähigkeiten eines Buddhas schlum- wird die eigene Entwicklung beschleunigt.”
mern und durch intensive Arbeit mit dem Ich stutze, begreife nicht, wie das gehen

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soll. Und ich ahne, dass sich hier ein Problem er mit lockeren Sprüchen, sprach stattdes-
auftut, das ich bisher verdrängt habe. Lehre, sen immer wieder von der „Bedrohung”, die
Buddha, Gemeinschaft – alles gut und schön, seiner Meinung nach von Religionen wie dem
aber muss es da einen mir unbekannten Islam ausgehe. Selbst mein größtes Bemü­
Menschen geben, den ich als Vorbild sehen hen um Offenheit, Verständnis und Respekt
soll? scheiterte an dieser Stelle. Wie kann mir ein
solcher Mensch Vorbild sein?
Frustriert trotte ich ins Sechsbettzimmer. Die
Sache mit dem Lama betrübt mich. In der Lama Ole möchte ich nicht als Lehrer haben.
Diamantweg-Schule – Teil der Karma-Kagyü- Dann schon eher den herzlichen Jigmela,
Linie – gibt es unterschiedliche Lehrer, doch eine eher traditionelle Erscheinung, aus Tibet
das macht es mir nicht einfacher. Der im stammend und in einem Kloster in der Dor-
Westen bekannteste und auch umstrittenste dogne wohnend, wohin man auch zu einem
von ihnen ist der Däne Ole Nydahl, der in den Dreijahres-Retreat fahren kann. Vorerst ge-
siebziger Jahren in Nepal als erster Westler nügen mir drei Tage, ehrlich, aber bei Jigmela
zum Lama ausgebildet wurde. Er reist dau- würde ich mich gewiss aufgehobener fühlen.
ernd, ist fast täglich in einer anderen Stadt, Dennoch: Die Lehrer-Fixierung widerstrebt
ich sah den 64-Jährigen bei einem Vortrag mir. Und allein die Tatsache, dass mir jeder
in Wuppertal. In seinem jugendlichen Outfit erfahrene Buddhist sagt, dass meine Abnei-
wirkte er auf mich wie ein Motivationstrainer, gung vollkommen normal sei und im Laufe
ein chauvinistischer obendrein. Tschakka! der Zeit verschwinden werde, macht mich
Kritische Fragen des Publikums banalisierte misstrauisch. Wie kann das sein? Macht Bud-

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dhismus unkritisch? Wohl kaum. Es muss ziergang durch Felder und Wiesen und fühle
also noch einen anderen Grund, einen ande- mich in meine Kindheit im Sauerland zurück-
ren Faktor geben, der dafür sorgt, dass Hun- versetzt. Total tote Hose, nur in meinem Kopf
derte sympathisch, aufgeklärt und kritisch kehrt keine Ruhe ein. Fast glaube ich, mir
wirkende Menschen einen Guru „anhimmeln”. fehlt das Meditieren.
Irgendeinen Grund, der mir bisher verborgen
blieb, irgendein sehr buddhistisches, sehr er- Mantren
wachsenes Argument.
Im tibetischen Buddhismus sind Man-
„Ich glaube, man ist erwachsen, wenn man tren heilige Wörter oder Silben, die ei-

beginnt, für sich und die Dinge, die man tut, nen bestimmten Buddha-Aspekt auf der
Klang-Ebene verkörpern. Ein Beispiel:
Verantwortung zu übernehmen”, sagt Mathias,
Dem Buddha Liebevolle Augen, der uni-
während er mit seinem Mittagessen an un-
verselles Mitgefühl für alle Wesen ver-
serem Tisch Platz nimmt. Schon beginnt eine
körpert, wird das Mantra Om Mani Peme
kleine Diskussion unter Fremden, und obwohl
Hung zugeordnet. Es ist das älteste und
ich so etwas eigentlich mag, ist mir die Situ-
bedeutendste Mantra im tibetischen Bud-
ation nicht geheuer. Ich stecke noch im Anti-
dhismus, denn seine sechs Silben sind
Lama-Modus fest. „Der Früchtetee schmeckt
Ausdruck einer grundlegenden Haltung
total retro”, findet Maike, und ja, ohnehin
des Erbarmens und des Ziels, dass allen
bewegt sich hier einiges zurück zu seinen
Lebewesen geholfen wird.
Ursprüngen: Ich mache einen kleinen Spa-

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Der Mantra-Teil ist bei den Diamantweg-Bud- Übungen, weitaus öfter.


dhisten Kern einer jeden Meditation und das
wirklich spannende Element. Das Rahmen- Eine Stunde halte ich diesmal durch, dann
gerüst ähnelt sich stets in Form und Dauer, verlangt mein Körper erneut nach Ablenkung.
das Mantra hingegen ist sehr spezifisch und Die Kinder haben eine Art Musical vorbereitet
bedeutungsvoll. Manche Mantren sind kurz und führen es im Treppenhaus vor. Ich bin
und trocken, andere länger, komplizierter gespannt. Der Dreijährige spielt den Hund
und – sofern sie auf Tibetisch gesprochen Semmelbrösel, die älteren Mädchen prä-
werden – wunderschön klingend. Während sentieren einen Sketch, es geht um Freund-
erfahrene Buddhisten in stundenlangen Mant- schaft. Anschließend geben sie noch einen Hit
ra-Singsang versinken können, leidet meine von Tokio Hotel zum Besten und tanzen dazu.
Konzentration darunter, dass ich mich ständig Am Ende des Stückes wird Semmelbrösel
verhaspele. Das klackernde Geräusch der Ma- im Publikum zum Streicheln herumgereicht.
las, das sind die buddhistischen Gebetsketten, Es kommen immer mehr Kinder mit zu den
hilft mir. 108 kleine Perlen und eine große. In Retreats.
der Mantraphase wird gezählt, während die
Mala durch die Finger gleitet. Das Zählen ist Im Waschraum, über einem der fünf Spie-
wichtig, denn jedes Mantra soll wiederholt gel, hängt ein „Reserviert”-Schild. Seltsam.
werden – bei der Zuflucht-Meditation ins- Ich ziehe mich zurück, auch ich möchte mich
gesamt 11.111 Mal, später, wenn es richtig jetzt reservieren, denn ein leichter Lagerkol-
losgeht mit den eigentlichen buddhistischen ler kündigt sich an. Mein Mitbewohner Martin

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hält nichts vom Chillen. Er ist wild entschlos- das große Bild des 16. Karmapa, spirituelles
sen und Fan der neu entdeckten Einschlaf­ Oberhaupt der Karma-Kagyü-Linie, genauer
meditation „Klares Licht”. Er möchte sie an, das neben weiteren Devotionalien den
gleich am Abend im Sechsbettzimmer ge- unwohnlichen Jugendherbergsraum schmückt.
meinsam praktizieren. Die Begeisterung hält Karmapa, inzwischen verstorben und durch
sich in Grenzen. seine 17. Reinkarnation Thaye Dorje ersetzt,
erinnert mich an den Inhaber meines Lieb-
Wunderschöne Sitzkissen, Medita- lings-China-Imbisses. Sobald man dort die
tipp tionsmatten und -Bänke gibt es
im Internet unter www.bosiki.de.
Türe öffnet, begrüßt einen dieser bis über
beide Ohren grinsende Mensch, manchmal
Die Kissen sind nicht nur zum kommt er gar überraschend hinter dem Tre-
Meditieren super, sondern dienen sen hervorgesprungen, strahlend: „Schön,
Erwachsenen wie Kindern als gemütliche dass Sie wieder da sind!” Genauso strahlt
Sitzgelegenheit. Karmapa auf diesem Bild, ich muss schmun-
zeln und bekomme Lust auf süß-sauer.
Später jedoch, als sich die ganze große Grup-
pe wieder in der Kissenwelt versammelt, um Der Reiselehrer erzählt sehr viel, sehr detail-
einem Vortrag über den bedeutenden tibe- liert und sehr ausdauernd. Ich bewundere
tischen Lama Milarepa zu lauschen, wäre Milarepa, der für die Stärke seiner Entsagung
mir das „Klare Licht” sehr recht. Ich bin un- und seine kompromisslose Entschlossen-
konzentriert und abgelenkt und sehe mir heit, den gesamten Weg zur Buddhaschaft in

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einem einzigen Leben zu gehen, berühmt ge- die Ursache für alles Leid. Buddhas „Vier
worden ist. Und ich merke, dass es sehr viel edle Wahrheiten” klingen einleuchtend. Ers-
Disziplin, Achtsamkeit und unbedingte Bereit- tens: Das Leben ist leidvoll. Zweitens: Leid
schaft braucht, um Buddhist zu sein. Denn hat eine Ursache. Drittens: Es gibt ein Ende
nur dann entsteht, bestenfalls, Gleichmut. des Leidens. Viertens: Es gibt einen Weg
zum Ende des Leidens, den jeder beschreiten
Wenn ich mir diese heiteren Menschen so kann.
ansehe, die sich in der kühlen Neonlicht-At-
mosphäre der Jugendherberge selbst genug
sind, die kein stimmungsvolles Ambiente,
keinen Kerzenschein, keine formale Gemüt-
lichkeit brauchen, um sich wohl zu fühlen,
dann werde ich ein wenig neidisch. Neid ist
neben Unwissenheit, Anhaftung, Abneigung,
Stolz, Geiz und Eifersucht eines der Haupt-
Störgefühle, die es im Buddhismus zu über-
winden gilt. Solch ein Störgefühl ist neben
den „Zehn schädlichen Handlungen” (Töten,
Stehlen, sexuelles Leid bringen, Lügen, Ver-
leumdung, verletzende Rede, sinnlose Rede,
Habgier, Böswilligkeit, falsche Anschauungen)

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Nach seiner Erleuchtung reiste Buddha bis auch mir. Spontan entscheide ich mich gegen
zu seinem Tod im Alter von 80 Jahren um- die Empfehlung, morgen erneut um sechs
her, gab seine Belehrungen und Erkenntnisse Uhr aufzustehen und komme meinem Bedürf-
unentwegt an aufgeschlossene Menschen nis nach Schlaf nach. Ich trage meine Mala
weiter. Mit Hingabe, aber ohne missiona- am Handgelenk. Dreimal umwickelt, das sieht
rischen Eifer. Der Buddhismus ist eine Er- hübsch aus.
fahrensreligion, viele meinen gar, dass man
lieber von einer Philosophie oder Psychologie Stark und furchtlos
sprechen sollte. Immer wieder soll Buddha Der nächste Tag beginnt mit einer Überra-
seinen Schüler dazu geraten haben, ihre ei- schung. Ich bin nicht die einzige, die die
genen Erfahrungen zu sammeln und jegliche 7-Uhr-Meditation Rotwein-bedingt hat sau-
Erkenntnis fortwährend in Frage zu stellen. sen lassen. Überall müde Augen, zwinkernd.
Eigenverantwortlichkeit, das uralte buddhisti- Semmelbrösel ist heute ein Kätzchen, das
sche Prinzip von Ursache und Wirkung – eine unterm Büffet maunzt. Zwei junge Män-
zeitlose, stets moderne Botschaft, die ich ner laufen verschwitzt und in Sportkleidung
sehr schnell verinnerliche. Ebenso wie das durchs Foyer. Sie haben die Verbeugungs-
Fehlen jeglicher Dogmen, der Hauptgrund Meditation gemacht, eine der „Vier Grund-
für den Buddhismusboom im Westen. Viele übungen” (tibetisch: Ngöndro), vor der
moderne Menschen wissen zu schätzen, dass ich jetzt schon großen Respekt habe. Den
es keine Regeln oder Gebote gibt, sondern Fitness­aspekt des Buddhismus bewahre ich
lediglich Empfehlungen und Mittel. Das gefällt mir für später auf, vorerst halte ich mich an

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meine kleine Zuflucht. Sobald die Mantra- tische Prinzip von „Mitgefühl und Weisheit”
Phase einer Meditation beendet ist, folgt die ist. Meditation und Gemeinschaft können in
Verschmelzung des Geistes. Das hört sich der hektischen Gesellschaft hilfreiche Mittel
großartig an, funktioniert aber nur, wenn auf der Suche nach bewusstem Sein darstel-
man sich komplett in den Moment hineinfühlt. len. Mit oder ohne Lama.
Manchen Buddhisten gelingt das nie, anderen
durch intensive Übung, den wenigsten sofort.
Der zentrale Aspekt in der Verschmelzungs-
phase ist die Erkenntnis, dass der Geist aller
Buddhas, also der Geist aller Menschen, sich
mit unserem Geist vermischt. Diese Erfah-
rung der grenzenlosen Einheit macht die
Buddhisten in Kombination mit der Erkennt-
nis der Flüchtigkeit aller Dinge stark und
furchtlos. Ja, bleibendes Glück, das bedeutet
vor allem Furchtlosigkeit.

Auch wenn ich das Lama-Problem noch nicht


vollends aus der Welt geräumt habe, merke
ich, dass ich ruhiger werde. Und langsam er-
kenne, wie greifbar das überlieferte buddhis-

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Index Hinayana 7 Religion 5


Ich 19 Retreat 18
Achtfacher Pfad 11
Japan 8 Ritual 16
Askese 4
Kagyüpa 9 Samsara 12, 14
Atmung 13
Karma 12, 14 Sangha 16
Bogenschießen 13
Karma-Kagyü-Linie 9 Schopenhauer 7
Buddha 4, 21
Karmapa 9, 25
Buddha-Natur 8 Selbst 13
Lama 6, 8
Buddhismus 11, 15 Selbstbestimmung 6
Lehrer 21
Buddhistische Zentren 15 Siddharta 4, 20
Leid 4, 11, 26
China 5 Theravada 7
Dalai Lama 8 Mahayana 7
Tibet 5
Dharma 16 Mala 24
Ursache und Wirkung 12
Diamantweg 9, 21 Mantra 23
Vajrayana 7, 8, 9
Dogmen 11 Meditation 13, 19
Vier edle Wahrheiten 26
Drei Juwelen 16 Milarepa 25
Nepal 4 Wiedergeburt 12, 14
Eigenverantwortung 6
Ole Nydahl 9 Zehn schädliche
Erleuchtung 14, 20
Europäische Buddhistische Philosophie 5 Handlungen 26
Union 15 Psychologie 6 Zen 8, 13
Gautama 4, 20 Regeln 11 Zuflucht 16, 24
Gelug 8 Reinkarnation 25

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