Fliegende Regenbogen

Europäische Bienenfresser

Portfolio

Von Ramon Navarro
Wenn tausende Bienenfresser aus ihren afrikanischen Überwinterungsgebieten auf dem europäischen Kontinent ankommen, ist dies ein eindeutiges Zeichen für den aufkommenden Frühling. Während der gesamten Sommermonate sind die Vögel mit den bunt schillernden Flügeln vor allem im südlichen Europa am Himmel zu sehen. Bei der Ankunft an ihren alten Brutplätzen spielen sich die typischen Rituale ab, die jeden Naturliebhaber in ihren Bann ziehen.

Es herrscht ständige Aktivität innerhalb der Bienenfresserkolonien: die Partnersuche, das Graben von Bruttunneln, immer wieder und aufflackernde Kämpfe zwischen den Vögeln, die Paarbildung und gegenseitiges Füttern. Und später wechseln sich Paarungen mit dem Ausbau der Bruträumen ab, in die sich das Weibchen dann zurückzieht, um drei Wochen lang die Eier auszubrüten – manchmal auch mit Unterstützung des Männchens. Einen ganzen Monat lang bleiben die Kleinen in der dunklen Höhle, in der sie geboren wurden. Dann stecken sie ab und zu ihren Kopf aus dem Eingang und fangen kurz darauf an, unbeholfen um das Nest herum zu fliegen. Bienenfresser sind die vermutlich meist fotografierte Vogelart Spaniens. Amateur- wie Profifotografen erliegen gleichermaßen ihrem Reiz. Sie sind recht leicht zu finden und nicht besonders scheu – und so versuchen Heerscharen von Fotografen jedes Jahr schöne Erinnerungen dieser so exotisch anmutenden Vögel mit nach Hause zu bringen. Böschungen und Steilwände entlang von Flüssen sind Orte, an denen man die Vögel oft antrifft. Das nahe Wasser schafft gute Lebensbedigungen für viele Insekten und damit eine gute Nahrungsgrundlage für die Bienenfresser.

Bienenfresser fotografieren
Am Anfang steht eine genaue Analyse der Umgebung. Es gilt einen optimalen Standort für das Tarnversteck zu ermitteln und dieses dann so zu gestalten, dass es möglichst gut mit der Umgebung verschmilzt. Idealerweise errichtet man

Ein Pärchen verteidigt aggressiv sein Revier. Canon EOS-1D Mark II | 420 mm | 1/1.600 sec | f5 | ISO 250

sein Versteck nachts, um die Tiere möglichst wenig zu stören. Die mögen sich dann allenfalls wundern, dass da über Nacht ein neuer Busch gewachsen ist. Kurz nach dem Eintreffen der Vögel, kann man dann Putzaktivitäten, Partnerwerbung und später dann erste Paarungen und beispielsweise die Übergabe von „Brautgeschenken“ – meist großen Insekten – einfangen. Geduld ist dabei die wichtigste Tugend, denn die Wahrscheinlichkeit für außergewöhnliche Bilder steigt mit jedem Tag, den man bei den Vögeln verbringt. Und so kann man dem Glück zumindest ein wenig auf die Sprünge helfen. Während der Brutperiode sollte man seine fotografischen Aktivitäten aussetzen. Einige Tage nach dem Schlupf, wenn die Eltern abwechselnd Futter für die Nestlinge herantragen, kann man sich wieder ins Versteck begeben, das am besten am Rande der Kolonie platziert wird, um so die Störung zu minimieren. Ich setze Objektive vom 70-200 mmZoom bis zur 600 mm Festbrennweite ein. Die Bienenfresser sind immer wunderschön, doch ergeben sich je nach Sonneneinstrahlung zuweilen beträchtliche Farbunterschiede im Gefieder. So kann beispielsweise das Brustgefieder ein und desselben Individuums mal smaragdgrün und dann wieder blau erscheinen, je nachdem, in welchem Winkel das Licht auf die Federn trifft. Schließlich verlassen die Jungen das Nest und begeben sich dann bald schon auf ihre lange Reise über die Straße von Gibraltar zu ihren Überwinterungsgebieten.

Nach einer Nacht in seinem Unterschlupf gähnt der Bienenfresser zunächst kräftig, bevor er aktiv wird. Canon EOS-1D Mark II N | 600 mm | 1/250 sec | f6,3 | ISO 250

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Einige Tage nachdem sie in den Brutgebieten eingetroffen sind, fangen die Bienenfresser an, ihre Niströhren zu graben. Canon EOS-1D Mark II N | 420 mm | 1/1.600 sec | f5,6 | ISO 250

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Linke Seite: Ohne Zweifel handelt es sich bei den Bienenfressern um die europäischen Vögel mit den spektakulärsten Farben. Canon EOS-1D Mark II N | 420 mm | 1/1.600 sec | f5,6 | ISO 250 Oben: Wenn das Männchen dem Weibchen während der Brutsaison Insekten zum Geschenk macht, ist dies eine Einladung zur Paarung. Canon EOS-1D Mark II N | 420 mm | 1/1.600 sec | f5,6 | ISO 250

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Rechts: Ankunft am Nest mit Insektenbeute. Canon EOS-1D Mark II N | 140 mm | 1/250 sec | f10 | ISO 200

Links: Nachdem er einen kleinen Käfer gefangen hatte, drehte der Bienenfresser diesen in der Luft, um ihn besser herunterschlucken zu können. Canon EOS-1D Mark II N | 600 mm | 1/1.250 sec | f5,6 | ISO 200

Ramón Navarro Der spanische Fotograf hat sich auf Sport- und Naturfotografie spezialisiert. Er lebt nahe dem Doñana-Nationalpark im Süden Spaniens, in dem er viel Zeit verbringt und der für ihn ein echtes Paradies für Naturfreunde ist. Besonders die Vogelwelt interessiert ihn. Verhaltensweisen möchte er mit seinen Fotos ebenso einfangen wie die Schönheit der Tiere und der Landschaften, in denen sie leben. Internet: www.ramonnavarro.net

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