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„Zinswetten“: Deutsche Bank muss Schadensersatz zahlen - Wir... http://www.faz.net/s/Rub0E9EEF84AC1E4A389A8DC6C23161...

Aktuell Wirtschaft Wirtschaftspolitik

„Zinswetten“

Deutsche Bank muss


Schadensersatz zahlen
Niederlage für die Deutsche Bank: Im Streit um sogenannte „Zinswetten“
verurteilte der Bundesgerichtshof Deutschlands größte Bank zur Zahlung von
541.00 Euro Schadenersatz an ein Unternehmen, das bei einem solchen Geschäft
große Verluste erlitten hatte.

22. März 2011 Je riskanter spekulative


Finanzanlagen sind, desto umfassender müssen
Banken ihre Kunden über die Risiken informieren.
Dies entschied der Bundesgerichtshof (BGH) in
einem am Mittwoch verkündeten Urteil, das von
Bedeutung für zahlreiche Anleger und Kommunen
ist. Die Deutsche Bank muss nun wegen
fehlerhafter Beratung zu Zinswetten rund 541.000
Euro Schadenersatz an ein klagendes Unternehmen
zahlen. (AZ: XI ZR 33/10)

Die Deutsche Bank hatte dem mittelständischen


Hygienetechnik-Unternehmen Ille sogenannte
Spread Ladder Swaps verkauft. Dabei wetten die
Kunden gegen die Bank auf Zinsentwicklungen (zur
Funktionsweise siehe „Spread Ladder Swaps“: Eine
Wette auf den Zinsabstand). Der vorsitzende
Richter des BGH-Senats, Ulrich Wiechers, kritisierte
in der mündlichen Urteilsbegründung das
komplizierte und hochriskante Anlageprodukt
Die Deutsche Bank muss wegen riskanter
Zinswetten 540.000 Euro Schadenersatz zahlen
scharf. Solch' eine Anlage aber als „Wette“ zu
bezeichnen, sei noch eine „Verharmlosung“, weil
das Verlustrisiko des Kunden nicht auf das angelegte Geld begrenzt ist. Die Verluste seien
vielmehr nach oben offen und könnten Anleger je nach Zinsentwicklung auch konkret
ruinieren.

Über solche Risiken müsse die Bank in „verständlicher und nicht verharmlosender Art“
aufklären, damit der Kunde mit Blick auf das Risiko den gleichen Wissensstand hat wie die
ihn beratende Bank, urteilte der BGH. Nur dann sei ihm eine eigenverantwortliche
Entscheidung möglich, ob er die ihm angebotene Zinswette annehmen will.

Die Bank hatte zudem laut Wiechers ihre gesetzliche Pflicht verletzt, dem Kunden als
„Beraterin“ zur Seite zu stehen und dessen Interessen zu wahren. Stattdessen habe sie als
Wettgegnerin das Anlageprodukt „bewusst“ so strukturiert, dass die Anlage von vornherein
einen um vier Prozent geringeren Marktwert hatte und der Kunde mit Vertragsabschluss
sofort 80.000 Euro verlor. Dieser von der Bank gezielt angelegte „negative Marktwert“ der
Anlage habe es ihr ermöglicht, sich den Vertrag dann durch „Hedge-Geschäfte“
gewinnbringend abkaufen zu lassen und umgehend aus dem Wettrisiko auszusteigen.

Ille-Anwalt Jochen Weck geht davon aus, dass der


Zum Börsenkurs Schaden, den die Deutsche Bank und andere Banken mit
Kurs Chart Watchlist diesem Finanzprodukt angerichtet haben, bei etwa einer
Milliarde Euro liegt. Spread Ladder Swaps seien rund 700
Mal verkauft worden mit einer durchschnittlichen
Anlagehöhe von einer Million Euro.

Zu den Geschädigten gehören auch zahlreiche Kommunen. Die Deutsche Bank legte nach
eigenen Angaben eine Vielzahl der Fälle bereits durch Vergleiche bei. Insgesamt seien noch
25 Gerichtsverfahren offen, acht davon beim BGH. Wie viele Streitigkeiten andere Banken
führen, ist ebenso unklar wie die Zahl der Kommunen, die bislang noch nicht geklagt
haben.

Der Anwalt der Deutschen Bank, Christian Duwe, sagte nach der Urteilsverkündung, die
Bank habe für die noch offen streitigen Fälle „Risikovorsorge“ getroffen. Die Bank werde
das Urteil nun „sorgfältig lesen und prüfen, ob der Faktor Risikoaufklärung bei der Beratung
erweitert werden muss“.
entschiedenen Fall. Der Verbraucherzentrale
Weck geht nach eigenen Worten davon aus, dass den Banken wegen ihrer Pflicht zur Bundesverband begrüßte das Urteil. Es mache
deutlich, dass Banken sowohl über Risiken als auch über
Risikoberatung künftig der „Boden entzogen“ ist für derart hohen Gewinnmargen wie im
ihre eigenen Interessen aufklären
müssen. Dies gelte auch für Privatanleger.

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