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18469 4. Brandenburg-Preußen und das Haus Hohenzollern FWG Bd.

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4. Brandenburg-Preußen und das Haus
Hohenzollern

Als die alliierten Siegermächte 1947 beschlossen,
»den Preußischen Staat zusammen mit seinem zentra-
listischen Regierungssystem und all seinen Behörden
aufzulösen«, begründeten sie diese Maßnahme u.a.
mit dem Argument, daß dieser Staat »von frühen
Tagen an in Deutschland ein Träger von Militarismus
und Reaktion gewesen« sei1. Auch wenn man nicht
auf »Preußens Wiederkehr«2 hofft, muß man sagen,
daß diese Einschätzung ein Produkt von Siegermenta-
lität und Ignoranz war. Denn was hier auf den Hohen-
zollernstaat unter dem Namen »Preußen« bezogen
wurde, galt nicht für ein Preußen, das seit der Gold-
bulle von Rimini im Jahre 1235 unter dem besonde-
ren Schutz von Papst und Kaiser stand, seit 1454 ein
Lehen Polens war und bis zum Jahre 1660 ein frei-
heitliches Eigenleben führte3.
Diese Tatsachen müssen bedacht werden, wenn
man Preußen historisch erfassen und seine Beziehun-
gen zu Deutschland bewerten will. Werden in diesem
Zusammenhang die Linien »von Luther über Friedrich
II. und Bismarck zu Hitler« bemüht4, um die Diktatur
des ›deutschen Unwesens‹ in Gestalt des »Militaris-
mus« zu erklären, dann kann man sich darüber zwar

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18470 4. Brandenburg-Preußen und das Haus Hohenzollern FWG Bd. 25, 191

entrüsten, aber derartige Konstruktionen im Gefolge
der alliierten Position gehen zu Lasten deutscher Hi-
storiker selbst5. Diese bemühten sich nach 1945, vor
allem das Phänomen des Militarismus zu erklären –
freilich ohne überzeugende Resultate6. Denn dazu
hätte es einer gründlichen Beschäftigung mit den
»Verfassungen des Vaterlandes« bedurft, wie sie vor
1660 in einem libertären Geist in Preußen bestanden
haben und 1848 in einer liberalen Gesinnung wieder
eingerichtet werden sollten. Man hätte also in der bo-
russisch orientierten deutschen Historiographie erken-
nen müssen, daß es neben dem Haus-Staat der Ho-
henzollern noch ein anderes Preußen gegeben hat, das
mit Militarismus und Absolutismus nichts zu tun
hatte, dafür aber auf einer Staatsvorstellung beruhte,
die etwas von ständischer Freiheit und völkerrechtli-
chen Verträgen wußte. Allerdings von der Ansicht
überzeugt, daß erst »im Zeitalter des Absolutismus all
das entsteht, was wir Staat nennen«7, nämlich das
Zusammenwirken von »Kriegsverfassung« und Ver-
waltung, |konnte man sich nicht zu der Einsicht durch-
ringen, daß der libertäre Staat des Ständewesens ein
Vorläufer des »modernen Staates« in liberaler Gestalt
war.
Der »Primat der Außenpolitik« (Ranke) und die
dualistische Vorstellung vom »monarchischen Prin-
zip« (O. Hintze), die »Idee der Staatsräson« (Meinec-

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18471 a. Der Abbau des »Condominats« in Cleve-Mark FWG Bd. 25, 191

ke) und der Imperativ einer »normativen Kraft des
Faktischen« (G. Jellinek) haben als ideologische Vor-
gaben zur Verteidigung des Hohenzollern-Staates nie
die entscheidende Frage gestellt, warum nach 1660
aus dem »freiesten Land in der Christenheit« das
»sklavischste ... von Europa« werden konnte.

a) Der Abbau des »Condominats« in Cleve-Mark.
Der Erwerb des »absoluten Dominats« in Preußen.
Die Ideologie vom »souveränen Haus«: Leibniz.

Die letzten Regierungsjahre Georg Wilhelms waren
nach dem Prager Frieden von 1635 und in den fort-
dauernden Wirren des »Teutschen Krieges« durch die
häufig nezessitär begründeten Übergriffe in der Poli-
tik des ersten Ministers Schwarzenberg gekennzeich-
net. Hintze, der Altmeister der borussischen Behör-
denwissenschaft, bewertete denn auch das oft skrupel-
lose Verhalten des katholischen und mächtigen Mini-
sters als »absolute Diktatur«, die Kurfürst Friedrich
Wilhelm mit der Berufung des mehr libertär gesinnten
Kanzlers Götze von seinem Regierungsantritt an we-
sentlich zu mildern gedachte.
Man kann gut beobachten, wie sich der junge Re-
gent bemühte, trotz der steigenden Erfordernisse der
Kriegslagen verfassungskonform zu regieren, aber

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192 mehr und mehr auf den Widerstand der Stände in allen seinen Landen traf.. veränder- ten die Beamten weitgehend ihre libertäre Qualität und wurden zu Bedienten des Fürsten. um sie neuen Haus-Behörden zuzuordnen. daß sich die libertäre Zeit mit ihren beamteten »Gesetzeswäch- tern« allmählich dem Ende zuneigte. deren reziproke Rechtsnatur aus dem Lehnswesen ab- geleitet wurde. Gemäß den Forderungen des Landtags ver- pflichtete er sich. zu allen öffentlichen Ämtern (officia) durften nur »einge- borene. das Indigenat zu wahren. clevemärki- Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte . in deren Verlauf unter dem wachsenden Einfluß Waldecks aus dem alten Geheimen Rat von 1604 die Bereiche Militär. Der Abbau des »Condominats« in Cleve-Mark FWG Bd. wenn er mit zusätzlichen Geldforderungen für seine Truppen einkam. Mit der Neuordnung von 1651. BEERBTE und BEGÜTERTE .18472 a. d. Nach dem Tod Götzes 1650 wurde das Amt des Kanzlers nicht mehr besetzt.. unter denen die »Kommissare« des Kurfürsten wohl die wichtigsten waren und durch ihre Existenz anzeigten. Finanzen und Domänenwesen ausgegliedert wurden.h.2 Bezeichnend für diesen inneren Umschwung ist das Verhalten Friedrich Wilhelms von 1649 in Cleve und Mark. 25. zu persönli- chen und exekutiven |Instrumenten. dessen Inhaber stets auch Vertre- ter »der ständisch-territorialen Staatsordnung« waren und damit Beamte im »Geist der alten Verfassung«1.

In dieser gefährlichen Krise durften die beiden streitenden Häuser die Ansicht der noch selbstbewußten Stände hören. Der Abbau des »Condominats« in Cleve-Mark FWG Bd. Diese wehrten sich aber zunächst erfolgreich: Sie erreichten die mutuelle Vereidigung. Es sollte nämlich nicht nach den libertären Bedingun- gen der Verfassung von 1510 durchgeführt werden. die dafür ge- forderten Zahlungen zu bewilligen. 192 sche Landsassen« zugelassen werden. 25. sei ein ungewöhnliches Anmuten. Da die Stände sich anfangs weigerten.und Amtskammerrä- te zugleich in der Stände Namen VEREIDEN lassen. Denn »alle Ihre geheimen Justiz. Doch dieses Zugeständnis erfuhr eine gravierende Einschränkung. versuchte es Friedrich Wilhelm in der Manier des verstorbenen Schwarzenberg mit militärischer Gewalt und steigerte den Konflikt in einen Krieg mit dem katholischen »Haus Pfalz-Neuburg«. Die Hoheit des Landesherrn wird also nicht mehr reziprok auf die Libertät der Stände bezogen. daß nämlich »die PO- SSIDIERENDEN FÜRSTEN die Lande gegen Jeder- Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte .18473 a. das seit dem Xantener ERB- VERGLEICH von 1614 die Länder Jülich und Berg administrierte. während der Kurfürst mit ihrem Geld aufrü- sten wollte. so Ihrer HOHEIT verkleinerlich und zur Einführung eines CONDOMI- NATS und DIVISI IMPERII« geeignet3. und außerdem verlangten sie nach dem Frieden die »Abdankung« der Kriegs- völker.

Ch. den Rechts-Widerstand der Stände als »Eigennutz« und fehlenden »Patriotismus« auszugeben. 25. Autorität und Jurisdiktion« getragen. die in der Durchführung und im Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte . |Man hatte allen Grund. Der Abbau des »Condominats« in Cleve-Mark FWG Bd. am we- nigsten gegeneinander«. Die Stände ergreifen hier entschieden die Partei des Friedens und des Rechts und sind der begründeten Meinung. nicht aber daß die Stände die Für- sten im BESITZ derselben schützen sollten. während er selbst für sein eigenes Haus und dessen »Hofstaat« oft zu Mitteln griff. der immer schnell bei der Hand war. die gemeine NEZESSI- TÄT und SEKURITÄT dieser Lande vorgeschützt wird«5. Das meldete der Berater Hörn dem Kur- fürsten7. Im übrigen hätten sich die Fürsten »auf dem Wege der Güte oder des Rechts« zu einigen und die Stände unbehelligt zu lassen4. Auf der anderen Seite würden aber auf den Domänen etwa in Mark »eigennützige Leute die Stände und Einwohner wie SKLAVEN traktieren«. D. Noch war das Bewußtsein vom libertären Eigen- wert der Landschaft lebendig und wurde politisch von beiden Ständen – Ritterschaft und Städte-Bürger – unter der Berufung auf »des Reiches Hoheit. 193 mann verteidigen. der »als der große Friedensbrecher galt«6. gegen diesen Hohenzoller mißtrauisch und vorsichtig zu sein.18474 a. daß »von I. welche mit ihrem Rechts- schutz die »Wohlfahrt dieser Lande« zu garantieren hatte.

daß es sich bei Cleve und Mark um »Mediat-Reichslande« han- delte. Darüber hinaus pochte der Adel auf seine Steuerfreiheit. Dabei begünstigte ihn der rechtliche Umstand. Diese Spannungen und Separationen zwischen den Ständen nützte Friedrich Wilhelm für sich aus. daß »die Adli- chen gegen den Bürgerstand« kämpften und »der Bür- gerstand gegen die Adlichen«9. Hatten sich die Stände während der 40er Jahre zur Abwehr der fürstlichen Übergriffe in einer »Union« geeinigt. deren Nennwert dop- pelt so hoch war wie ihr Realwert.18475 a. was der Fürst als Herzog selbst war. 25. Wegen der »Türkensteuer« fürs Reich und der »Kaminsteuer« fürs Land gerieten sie in heftigen Streit. Verbitterung weckte auch das Recht des Adels. so erleichterten sie nun in den 50er Jahren durch eine »Separation« die hausbedingten Machen- schaften des Kurfürsten. Der Statthalter Johann Moritz berichtete dem Kurfürsten denn auch 1665 auf dem Höhepunkt der innerständischen Krise. Bauern zu legen und damit den eigenen Grund- besitz zu erweitern. und die Landstände gegenüber den unmittelba- ren Reichsständen. wie Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte . Die gewaltsame Einführung einer Silbermünze. steigerte den Wi- derstand und die Verwirrung vornehmlich in den Städten. im gleichen Maße ins Hintertreffen gerieten. 193 Effekt mehr als fragwürdig waren. Der Abbau des »Condominats« in Cleve-Mark FWG Bd. während die Städte-Bürger eine Steuergleichheit der Stände forderten8.

Der Abbau des »Condominats« in Cleve-Mark FWG Bd. 194 die kaiserliche Rechtsmacht abnahm. Mißtrauen und Uneinigkeit er- Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte .. Ch.18476 a. Die Wahlkapi- tulation von 1658 für Kaiser Leopold I. LANDESFÜRSTLICHE HO- HEIT und Respekt . die in Gestalt der Kurfürsten und Her- zöge vor allem nach und nach die Appellation an ei- gene Gerichte und damit in ihre Macht zu ziehen suchten.. begünstigte dessen Politik der ›dominialen Durchdringung‹ des vorgegebenen Libertäts-Systems. 25.und Gerichtsmacht für die Reichsstände. D. welche I.. wodurch zwischen Deroselben als LANDESHERRN und den STÄNDEN gleichsam CONSORTIUM RE- GIMINIS oder CONDOMINIUM eingeführt und ein stets währendes .. Das wachsende Sonderinteresse des einsässigen Adels in Cleve und Mark. weil darin verschiedene Punkte begrif- fen. Laut Statthalter könne der Herzog und Kurfürst die anderen Rechte der Stände »nicht halten. der bei Friedrich Wilhelm Schutz und Garantie seines Besitzes fand. bekräftigte diesen Zuwachs an Rechts. Die 1649 widerwil- lig geleisteten Rechtsgarantien an alle Stände und die Landschaft – darunter die Bedingung des Konsenses der Stände bei Werbung und Einführung von Truppen sowie die mutuelle Beeidigung der mediatorischen Amtsträger – wurden 1660 zurückgenommen. war die Steuerbewilligung und die weitere An- erkennung des Indigenats. nachteilig und abbrüchig sind. |Was blieb.

wenig Positives erreicht.18477 a. schlug eine »Kriegesverfassung« nach schwe- Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte . Alle Patente und Berufungen der Stände auf ihr altes libertäres Recht wurden als »angemaßte Macht und Autorität« sowie als »verbrecherisches Attentat« auf die Hoheit des Fürsten ausgegeben und brutal mit militärischer und polizeilicher Gewalt verfolgt. Der Abbau des »Condominats« in Cleve-Mark FWG Bd. Trotz der exekutiven Machtfülle aufgrund des Kriegsrechts und der Position eines Landesherrn hat Friedrich Wilhelm in diesen Herzogtümern. war dies auch Friedrich Wilhelm in zwanzig Jahren Arbeit nicht ge- lungen. Ob- gleich die Stände seit Beginn des Jahrhunderts immer wieder darauf gedrungen hatten. und die Stände hatten mit Geldbe- willigungen und Schuldentilgungen auszuhelfen11. damit sie ihren Hof und die öffentlichen Ausgaben finanzieren konnten. wäh- rend gleichzeitig das Chaos in der herzoglichen Do- mänenverwaltung nicht mehr zu übersehen war. Der märkische Adlige von Pfuel. schon gar nicht die Verbindung der libertären Verfas- sung mit dem »stehenden Heer«. 194 weckt wurde«10. obgleich es dafür Pläne gegeben hat. ohne die Stände über Gebühr zu strapazieren. daß die Herzöge aus dem »Hause Hohenzollern« endlich Ordnung in die Kammergüter brachten. den »Vormauern des Reichs«. 25. einst Kommissar und Kriegsrat in der schwedischen Armee. 1661 mußte sogar der »offene Bankerott« zu- gegeben werden.

die Einberufung eines Landtages erzwingen zu kön- nen. 195 dischem Muster vor. daß er »aus absoluter Gewalt« (ex potestate absoluta) Veränderungen in der Administration vornehmen konnte12.18478 a. allerdings um den Preis der Fortdauer von Leibeigenschaft und ohne das wirkliche Machtmittel. Damit wurde das bisherige Condominat zwischen Landesherr. Aber im Bereich der »Fundamentalverfas- sung« gelang es dem Kurfürsten nicht. über |nezessitä- re Phasen hinaus einen »absoluten Dominat« auf Dauer und in rein patrimonialer Form einzurichten. Der Abbau des »Condominats« in Cleve-Mark FWG Bd. das Konsens- recht und die Bewilligungsformel anerkannt zu be- kommen. Der Erosionsprozeß libertärer Rechte ist nicht zu Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte . weil die Notwendigkeit eines »Miles perpetuus« noch nicht erkannt und die Möglichkeit einer politisch-rechtlichen Kontrolle dieses Machtin- strumentes verkannt wurde. So setzte sich die nezessitäre Politik des Kurfürsten sowohl in Cleve-Mark als auch in der Kurmark auf dem Landtag von 1653 vor allem in der Weise durch. 25. mediatorischen Räten und Landtag weitgehend abgebaut und durch Haus-Behör- den ersetzt. Doch die Widerstände waren vor allem im Adel zu groß. Es war dem Adel und Unadel durch eine Reihe von Zugeständnissen ermöglicht worden. welche die Prinzipien und Orga- ne der libertären Friedensverfassung durchaus erhal- ten hätte.

Der Abbau des »Condominats« in Cleve-Mark FWG Bd. wenn ihm nicht Adlige wie Weimann. diese Konsenspflicht formell aufzuheben. 25. Das bedeutete nichts anderes. Spaen oder der Statthalter Norpath in Cleve-Mark geholfen hätten. 1658 besondere Rechte gegenüber den eigenen Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte .und Erbfragen die Einwilligung der Stände bemühen mußte. Danach sollten »Erb-Pacta« und die zuge- hörigen Erbhuldigungen stets auch vom Landesherrn gehalten werden. und diese ist in einem christlichen Land nicht zugelassen. die sich von einem Nachgeben die Sicherheit ihrer eigenen Hausinteressen versprachen. Die Position des Kurfürsten hätte sich kaum so günstig entwickeln können. Blaspeil. wie sie Sec- kendorff in seinem »Teutschen Fürsten-Staat« darge- stellt hatte. die bestehende Ei- gentumsordnung gegen Ansprüche von unten abzusi- chern. Gladebeck. Sie durften sich dabei mit Überlegungen beruhigen. Tatsächlich hat es Friedrich Wilhelm nicht ge- schafft.18479 a. wenn er sich »nach Gesetz« verhalten wollte13. dem es nicht gestattet war. Ein derartiges Verhalten wäre eine »Türkische Herr- schaft«. als daß der Fürst in fundamentalen Eigentums. ob- gleich ihm als Reichsstand neben den anderen Reichs- ständen mit der Wahl-Kapitulation des Kaisers Leo- pold I. aber auch die Tendenz. eine un- umschränkte Herrschaft über alle Liegenschaften und Besitztümer des Landes und seiner repräsentationsfä- higen Bürger »nach seinem Gefallen« auszuüben. Isinck. 195 übersehen.

die einst dem »Dominium und Terri- torium« eigen war (J. damit auch die Jurisdiktionen und Polizeigewalten im kirchlichen Regiment abgebaut. Er stieß hier an eine von Rom gezogene universale Grenze. die dann erreicht wurde. Der Abbau des »Condominats« in Cleve-Mark FWG Bd. Als »Summus episco- pus« und »kirchlicher Souverän« festigte er die ober- ste Jurisdiktion. ohne in ihr die Stellung eines »Summus episcopus« zu erhalten. »kann also in der Kirche thun und befehlen. deren Existenz er aufgrund der Bestimmungen des Westfälischen Friedens anerkennen |mußte. Erfolgreicher war er dagegen in der Kirchenpoli- tik14. Auf der ande- ren Seite lag es allerdings bei ihm selbst. wie es die Prädestinationslehre der Reformierten kannte. wurde die korporativ-libertäre Drei-Stände-Lehre abgelehnt. Gemäß dem »absolutum decretum«. was er will« (Rieker)15. 196 Landständen eingeräumt worden waren. Aber mit der Aneignung kirchlicher Jurisdik- tion in den anderen Religionskörpern erweiterte er die Sphäre seiner Kompetenzen und bereitete auch damit die allmähliche Verselbständigung gegenüber dem Heiligen Reich vor. jetzt aber vom Lan- desherrn beansprucht wurde. Er durfte die Kirche »als seine Domäne« betrachten. 25. als die Stände die Möglichkeit der Appellation ans Reichs- kammergericht verloren. Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte . Stephani).18480 a. Eine Ausnahme bildete die katholische Kirche. ob er die Stände bemühte oder nicht.

18481 a. mußte er nicht nur Partei ergreifen. Noch zu Beginn seiner Regierungszeit hatte er ernsthaft gehofft. er könne den Heiratsplan Gustavs II. der Tochter des Statthalters der Nie- derlande. Es stand vielmehr auch die Frage an. wo er selbst lange Jahre hindurch gelebt hatte und ausgebildet worden war. Frankreich und das Haus Habsburg samt dem Heiligen Reich hinein- gezogen wurden. in den das Moskauer Zar- tum hineinspielte. List und auch Terror den Verfassungskampf in Cleve und Mark leidlich be- standen. die ihn wirklich »souverän« und »absolut« machte. so war die Krise um Preußen un- gleich schwieriger zu lösen. Die Vision eines antipapistischen Großstaates in Nordosteuropa zerschlug sich aber. 196 Hatte der Kurfürst mit Härte. Adolf realisieren und mit Christine eine Ehe einge- hen. ohne daß die Niederlande. Denn im Kampf zwi- schen Schweden und Polen. Der Kurfürst beschied sich mit Luise Henriette. um sich in Preußen zu halten. 25. ein neues Experiment mit einem Doppelstaat zu wagen. Verfassungsgrün- de verhinderten die Ehe (der Kurfürst war Kalvinist). Mit dieser Heirat 1646 erwarb er sich gewisse Ansprüche auf die »ora- Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte . ob er sich in dieser Zerreißprobe das polnische Lehen Preußen in einer Qualität aneignen könnte. Der Abbau des »Condominats« in Cleve-Mark FWG Bd. aber auch die Abneigung der Reichsregierung um Axel Oxenstierna.

Der Abbau des »Condominats« in Cleve-Mark FWG Bd.6. |gestand Karl X. Schweden und dem Moskauer Zartum.1656 die Wojewodschaften Posen. in der Ukraine. beobachtete er gespannt die Entwicklung der ›osteuropäischen Krise‹ u. erlaubte Schweden zunächst nur das Durch- marsch-Recht in Hinterpommern. 25. mußte aber dann nach den Siegen der Schweden über Polen im Vertrag von Königsberg 1656 auf die Seite Schwedens treten und wurde gleichzeitig mit dem herzoglichen Preußen und dem Ermland belehnt.18482 a. Gustav unter dem Druck der verschlechterten Lage dem Kur- fürsten im Vertrag von Marienburg am 25. In der Verschärfung des Konflikts. den der Kosakenaufstand unter Bogdan Chmielnicki verursacht hatte. In der berühmten dreitägigen Schlacht von War- schau errangen die Truppen Schwedens und Branden- burg-Preußens dann einen großen Sieg. Friedrich Wilhelm. Kalisch. alle günstigen Ge- legenheiten und Konjunkturen auszunützen. die aber weitgehend uneingelöst bleiben sollten. in den auch Dänemark hinein- gezogen wurde. !"czyca und das Land Wielun zu. der aber von Schweden diplomatisch und politisch nicht genutzt Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte . als Verbündeter heftig umwor- ben. Sie führte schließlich zum offenen Krieg zwischen dem geschwächten Polen.a.16 Darauf bedacht. um seine Haus-Macht zu vergrößern. und zwar unter der Bedingung eines Bündnisses mit Schweden17. 197 nische Erbschaft«.

Der Abbau des »Condominats« in Cleve-Mark FWG Bd.18483 a. Der Einfall polnischer und tatarischer Truppen im Südostteil des Herzogtums Preußen im Herbst 1656 veranlaßte den Kurfürsten.11.1656. Nach harten Verhandlungen kam es zum Vertrag von Labiau am 20.1656 verschaffte aber den Befürwortern das Übergewicht und den Beginn der Einrichtung eines »absoluten Dominats« über Preußen18. das kein Glied des Heiligen Reiches war. wie sie zuvor mit Polen und nun mit Schweden bestanden hat. Das bedeutete die Ablö- sung der Lehnshoheit. so bekam er auf dem folgenden Landtag den massiven Widerstand der Stände zu spüren. Sie erinnerten ihn unmißverständlich daran.11. Sein vorzeitiger Tod am 3. der eine fol- genreiche Entwicklung für das libertäre Preußen ein- leitete und den Aufstieg der Hohenzollern wesentlich mitbegründete. Denn zum ersten Male wurde dem »Haus Brandenburg« ein »DOMINIUM SUPRE- MUM« über dieses Gebiet zuerkannt. dem bedrängten Schwedenkönig Zugeständnisse für seine Bündnis- treue abzutrotzen. 197 wurde. dessen Kanzler Erik Oxenstierna gegen diese Umwandlung des DOMINI- UM UTILE in ein DOMINIUM DIRECTUM war. Hatte der Kurfürst vor allem mit dem schweden- freundlichen Waldeck und dem Diplomaten Schlip- penbach dieses Projekt über die Köpfe der Stände hinweg verfolgt und dabei die Gunst der Stunde aus- genützt19. 25. daß »dieses Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte .

sondern auch die FUNDAMENTALVERFASSUN- GEN dieses Herzogtums Preußen großenteils beru- hen«. und zwar seit dem Thorner Frieden von 1466. Der Abbau des »Condominats« in Cleve-Mark FWG Bd. 25. daß er die interimsweise gewährte Appellation nicht verewi- ge. den Ständen die »Verletzung der Eide und Pflich- te« nicht zumute und gar »die Verringerung ihrer Freiheiten« betreibe21. Da die Souveränität auch die Exemtion von jegli- cher Jurisdiktion bedeutete. ut quod omnes tangit ab omnibus etiam approbetur«. lee- ren Versprechungen und Drohungen bis hin zum offe- nen Terror und Ausnützen der Kriegslage durch.18484 a. welche die »Conserva- tion« des Landes berührten20. versuchte Friedrich Wil- helm. als das Land aus der Verfügung des DEUTSCHEN ORDENS genommen wurde und als »ein Glied der Krone Polen« galt. 198 Landes Verfassungen gemäß ist. Man erwarte deshalb vom Kurfürsten. Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte . standen doch interna- tionale Verträge zur Debatte. Das alles aber setzte er in einer Mischung aus vor- dergründigem Nezessitätsgebaren. das herzogliche Preußen aus der Appellation an die Krone Polen zu ziehen und mußte sich sofort sagen lassen. Rechtstricks. »daß auf der Appellation nicht allein die hohen Jura königlicher Majestät und der Krone Polen. Mit der Belehnung von 1525 an Markgraf Albrecht von Brandenburg wurde dieses Rechtsverhältnis ebenso bestätigt wie 1609 oder| 1614.

Gewonnen hatte er aber erst. Landräte. Durch seinen radikalen Kurswechsel von Schweden zu Polen hin und damit auch zum Kaiser war es Friedrich Wilhelm gelungen. Der Abbau des »Condominats« in Cleve-Mark FWG Bd. Im epochalen Frieden von Oliva am 3. die drohende Dominial- Diktatur des Hohenzollern abzuwehren. Das aber war eine schwere Aufgabe. Mai 1660 wurde ihm dann unter kaiserli- cher und französischer Vermittlung der angestrebte Dominial-Status von Polen und Schweden garan- tiert24. Die Stände – Oberräte.18485 a. daß beim Ausbleiben der natürlichen Erbfolge das Herzogtum wieder an Polen zurückfal- le22. als der massive legale Widerstand der preußischen Stände gebrochen war. einen entscheidenden Schritt dahin zu tun. deren Erfül- lung als Beginn eines ›inneren Militarismus‹ angese- hen werden kann. 198 zumal ihm in den Verträgen von Wehlau und Brom- berg im Herbst 1657 das DOMINIUM SUPREMUM unter der Vermittlung des kaiserlichen Gesandten Li- sola von polnischer Seite zuerkannt wurde – über die Köpfe der Stände hinweg und nur mit der Einschrän- kung versehen. 25. Preußen »zu SOUVERÄNEM RECHT und GANZ ILLIMITIERTER REGIE- RUNG«23 zu erlangen. Ritterschaft und Bürgerstände der drei Städte Königsberg samt kleine- rer Städte – haben mit allen Rechtsmitteln und Ver- fassungsgeboten versucht. In ihrem »ge- Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte .

In seinen Worten von 1756. wurde. das in Cleve-Mark bereits erfolgreich gewesen war und später eine Haupt-Maxime Fried- richs II. indem man »das EIGENTUM des Herzogtums Preußen von der Krone Polen getrennet« und sich die Inhabe des DOMINIUM DIRECTUM zugeeignet habe. Nach diesem Verfahren ging man auch in Preußen Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte .18486 a. Der Abbau des »Condominats« in Cleve-Mark FWG Bd. daß der Herzog bei Abschluß der »neuen Pac- ten« die Stände ohne Vorwissen gelassen hätte – ent- gegen allen »Landesverfassungen«. um sie dann einzeln zu bekämpfen und niederzuschlagen«26. Trotz aller verba- len Beteuerungen von seiner Seite. vornehm- lich sein Statthalter Radziwi## und Graf Schwerin zu jenem Mittel.und Organ- garantie der bisherigen Fundamentalgesetze in der alten und vertraglichen Form beibehalten zu wol- len25. ohne dabei die Rechts. als in sein wahrhaftiges Ge- genteil und in eine GANZ ANDERE VERFASSUNG gesetzet« werde. 199 einigten Bedenken« zu Beginn des Großen Landtages von 1661 bis 1663 vermerkten sie mit Sorge und Be- dauern. sei es in Wahrheit so. die Privilegien der Stände zu wahren. zu Be- ginn des Siebenjährigen Krieges ausgedrückt: »Die Römer suchten ihre Feinde zu trennen. 25. Gegen diesen verfassungsmäßigen Widerstand griffen Friedrich |Wilhelm und seine Helfer. daß dieses Land Preußen »vom MEDIATO DOMINIO und aus seinen FUNDAMENTALGESETZEN und in IMME- DIATUM DOMINIUM.

Graf Schwerin. wenn man Exzesse bei ihnen geklaget. August 1661 die Hauptbefürchtungen der Königsberger zusammen: »Es kann auch keine TYRANNIS oder DOMINAT ärger beschrieben werden. indem man allmählich die Ritterschaft von der Bürgerschaft Königsbergs trennte. Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte . daß es dabei nicht anders sein könnte. in welcher vor allem der Schöppenmeister Hieronymus Roth und die Zünfte den Verfassungskampf »wider die Souveräni- tät« führten. Ch. Sie sagen auch. daß wenn er Geld haben wollte und einen rufen ließ und fragte. der König von Frankreich sei al- lein SOUVERÄN und der habe Macht. so hätte der Mensch seinen Kopf verloren und der König nehme alles das SEINIGE und die Macht würden E. Der Abbau des »Condominats« in Cleve-Mark FWG Bd. faßte in einer Eingabe vom 9. D. auch haben. Ich halte auch wohl davor. wenn Sie SOUVERÄN wären. ein skrupelloser und mit allen Betrugsfinten vertrauter Helfer Friedrich Wil- helms. sie alles mit der SOUVERÄNITÄT entschuldigt hätten. Unter anderem ist der Bürger- schaft beigebracht. es wären einteils E. die Sache würde lange so schwer nicht gefallen sein«27. 25.18487 a. Ch. 199 vor. EIGENE DIENER. sondern SUPREMI ET DIRECTI DOMINII gebrau- chet. wenn man sich des Worts SOUVERÄN nie. wie viel Geld er hätte und derselbe bekennete es nicht sofort und man erführe es anders. D. wel- che. als wie sie die SOUVERÄ- NITÄT beschreiben.

den Clevischen Ständen desfalls versprochen«. Oeconomie wieder in guten Stand ge- bracht werden möge. »daß E. wenngleich ungern. Als der Widerstand vor allem der Königsberger unter Roth nicht nachließ. ist Gott leid« und wünschten. weil sie hoffen. Der Abbau des »Condominats« in Cleve-Mark FWG Bd. welche sich schon auf die Parole einstimm- ten »gezwungen Eid. daß E. D. Ch. D. daß »das Mißtrauen so unermeßlich groß« war und man sich auch darauf berief. keines Potentaten unmittelbare Untertanen geworden. Er faßte gar ins Auge. 25.18488 a. »was E. Schwerin aber wies alle Eingaben und Angaben ab. Zwangsmittel gegen die Stände gebrauchen müssen«. nachdem wir liberrima et spontanea deditione (durch freie und freiwillige Unterwerfung) Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte . so lange wir Christen gewesen. 200 Kein Wunder. Roth zeitweise vom Landtag auszusper- ren. drohte man mit der »Sper- rung der Commercien« und lockte bei ihrem Nachge- ben mit der »Beforderung der Commercien«. und. D. Ch. D. Der Mangel aber an recht verständigen tüchtigen Leuten machet. Ch. daß sie alsdann desto weniger werden angesprochen werden. Ja es ge- lang sogar. »daß E. Ch. »alldieweil wir Preußen freie Leute sein und. Oekonomiewesen über alle Maßen übel bestellet ist«28. Auf diesem war er als Repräsentant des Erbge- richtes Kneiphof |tätig und wehrte sich in dieser Ei- genschaft gegen alle Machenschaften des Hohenzol- lern und seiner ergebenen Helfer.

nicht ein Edelmanns-Gut weggeben ohne Consens dessen. der die freien Preußen allmählich zu »Erbsklaven« der Hohenzol- lern machte – Roth steht für das libertäre Recht und Schwerin für die absolute Macht ein. die klar die Fronten diese Kampfes zeigt. Im übrigen dürfe ein polnischer König gemäß seiner »teuren Obligationen . dem es gehöret.M. sind wir unter dero Schutz gekommen und im Laufe der Zeit. Diese Argumentation steht in seinem Privat-Cirku- lar. mit dem er eine Unterredung hatte. wie es die Akten bezeugen. Darin verwahrte er sich gegen Anschuldigungen Schwerins.. 200 der löblichen Krön Polen einverleibet. dem hochlöblichen Hause Bran- denburg nur zu regieren salvis privilegiis per modum vasallagii (bei Bewahrung der Privilegien nach Maß- gabe der Lehnsbeziehung) mit unser aller CONSENS anvertrauet worden«. Der Abbau des »Condominats« in Cleve-Mark FWG Bd.18489 a. wie sollte dann I. uns. ohne unser Vorwissen und Einwilligung unverschuldeterweise von der Krone (Polen) dismembrieren können«29.K. ein FREIES VOLK. Roth hatte als Schöppenmeister nach eigenem Be- kunden die »Abstimmungen (vota) der Gemeine in den öffentlichen Verhandlungen zu kolligieren und auf dem Rathause coram Senatu auszubringen«. aus denen er Schwerin gegenüber die Stimme des Adligen Otto von der Gro- Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte . In dessen Archiv gab es Akten..K.M. nichts veralienieren. Immo es könnte ja I. ein Herzogtum. 25.

daß er die Alleinschuld an Krise und Krieg der »Sündenlast« dieses Landes zuschob. als Geschenk und Gaben. wie man sich Rechtens zu verhalten hatte und bedurfte nicht der abwegigen Be- lehrungen eines Hohenzollern. Roth. der KÖNIGE WORTE SOL- LEN KRÄFTIGER SEIN ALS DER PRIVATLEU- Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte . folgende Antwort erhalten haben soll. 25. Man wußte in Königsberg. der 46 Jahre lang Hofgerichts. wie er uns gefunden. der selbst im Lande nicht eine Hube EIGE- NES hat. er könne diese Preußen damit einschüch- tern oder überreden. wie ihm von Schwerin plump unter- stellt wurde. daß »unser gnädig- ster Herr uns auch lassen muß. als ihm 70 Hufen Land geschenkt werden sollten: »Was will mir der Herr verleihen. hatte keine »blut- dürstigen Pläne«.18490 a. fuhr Roth kommentierend fort.« Und der Hohenzol- ler glaubte. daß er gesaget. »hat er seinen Eid und Pflicht mehr in Acht genom- men. er hätte einen Tyrannen in seinem Busen. Er war auch nicht gegen das »Kurhaus Brandenburg«. dessen Vorfahr Georg Friedrich vom Großvater des Roth. Der Abbau des »Condominats« in Cleve-Mark FWG Bd.und Geheimrat gewesen war. wie leider anitzo wohl geschieht«30. Hiemit«. aber er verlangte. dessen eigene Geschäfte nicht besonders gut gegangen sein sollen und der gar von den Gegnern als »Bankerotteur« verschrieen |wurde. 201 ben zitierte: »Es wäre kein Potentat so fromm. Vom Könige Alfonso dem Weisen (Aragonien) lieset man.

in der Freiheit der Verfassung. ja teure Eide. son- dern auch Brief und Siegel. die Schwerin als Lügner und Betrüger erscheinen ließ. Nun haben wir von dem löblichen Hause Brandenburg nicht allein ein fürstliches Wort. »was kann die Souveränität dem Kurfürsten frommen. Dieser Hieronymus Roth. daß man uns.«32. die der Gewalt wei- chen mußte: »Der Preußen edle Freiheit ist in der gan- zen Christenheit berühmt. 25. Der Abbau des »Condominats« in Cleve-Mark FWG Bd. ja es heisset IN LIBERA CIVITATE ET MENTES ET LINGUAE DEBENT ESSE LIBERAE (in einem freien Gemeinwesen müs- sen sowohl Geist als auch Gespräche frei sein) und kann mich niemand verdenken. den Nugel den »Märty- Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte . wie sie uns gefunden. lassen wollte. 201 TE EIDE.« Und im üb- rigen. Das Vaterland existierte für diesen einfachen Schöppenmeister. wenn alle unsere Privilegien ungeschmälert bleiben«31? Das war in der Tat die entscheidende Frage. was den Ständen spätestens in dem Augenblick auf- ging. den Friedrich Wilhelm bald verhaf- ten und ohne ordentlichen Gerichtsprozeß bis zu sei- nem Tode 1678 in Haft halten ließ.18491 a.. daß ich vor die Frei- heit meines Vaterlandes rede .. als die von ihm entworfene »Regierungsverfas- sung« bekannt wurde. Die Worte des Hieronymus Roth an den Helfer des Hohenzollern erscheinen dabei wie ein Fanal der Freiheit.

der die innere Geschichte Preußens kennt. um den Haus- Eigennutz des Hohenzollern zu befriedigen. die von der politischen Mündigkeit der Besitz-Bürger aller Stände ausgingen. Aber eine historische Tatsache bleibt es. als sich die gesamten Stände am 3. über- gangen oder verketzert wurde – es ist das Zeugnis einer ›inneren Freiheit‹ in libertärem Geist33.18492 a. Es ist eine Legende. reprä- sentiert einen »Staatsgedanken« Preußens. 25. der über Generationen hin von den borussisch und damit auf die Hohenzollern fixierten Historikern verkannt. Niemand. sich an seine Konfirmation der Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte . Es klang wie ein Abgesang. Der Abbau des »Condominats« in Cleve-Mark FWG Bd. daß mit der Neuordnung der Verhältnisse in Preußen durch Friedrich Wilhelm erst so etwas wie ein Staat und eine Rechtsordnung ent- standen sei und die Stände nichts anderes im Sinne gehabt hätten als ihren privaten Eigennutz.und Vertragssystem mutwillig und mit allen Mitteln des Terrors zerschlagen wurde. daß es auch in libertären Zeiten zu Mißständen und Mißwirtschaft. der dann als Gemeinnutz ausgegeben wurde. 202 rer« des tradierten ständischen Systems nannte. daß ein libertäres Ver- fassungs. Dezember 1661 in einem Protest gegen die neue »Regierungsverfassung« wehrten und den Fürsten anmahnten. Eigennutz und Eigenmächtigkeiten ge- kommen ist. aber diese Mängel sprechen nicht gegen die libertären Fundamentalverfassungen |an sich. wird bestreiten.

Von Kalckstein. die ihr wichtigstes Organ verlieren sollte – die »Oberrats- stuben« in ihrer Funktion als »Mediator«. nachdem es von frei- en Leuten und vornehmen Geschlechtern Deutscher Nation unter dem Orden bezogen. wurde aus Warschau unterm Bruch des Völkerrechts entführt und in Memel enthauptet35. Hab und Gut bei ihrer lieben Landesherrschaft zu allen Zeiten und bei erheischen- der Not aufgesetzet. der mit polnischer Hilfe militärischen Widerstand aufbauen wollte.«34 Aber der libertären Bewegung fehlten die realen Machtmittel der Erzwingbarkeit. so ist es gewißlich dieses Herzog- tum Preußen. dessen Einwohner...18493 a.. 202 Verfassungen im Jahre 1642 zu erinnern: »Wo sich solcher Glückseligkeit einiges Land in der Christen- heit zu rühmen. Der Abbau des »Condominats« in Cleve-Mark FWG Bd. . ließ Friedrich Wilhelm seine Helfer zupacken. daß die hohe Landesherr- schaft in der ganzen Welt die höchste Ehre davon ge- tragen und auch an fernen Orten ein jeder sich geseh- net. 25. sondern sie sind auch deswegen zur Belohnung ihrer würdigen Treu und Standhaftig- keit mit so stattlichen FREIHEITEN und VERFAS- SUNGEN begnadigt . unter so höchstlöblicher Herrschaft sich zu sassen und sein Leben hinzubrin- gen. und wo sie beschafft werden sollten. in so freiem Lande. An ihrer Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte .. Die Sprache der Macht kannte keinen Pardon vor dem Recht der Freiheit. haben nicht allein ihr Leib und Leben..

Solches wird deroselben mit Fug niemand verdenken können. als E. den OBERRAT als Regierungsorgan und ›Hüter der Ver- fassung‹ zu bewahren. zumal ihm Graf Schwerin geraten hatte. damit die GRUNDGESETZE nicht Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte . zielte darauf. ja die OBERRÄTE selbst sich auch wohl endlich darin schicken müssen«37. darauf bedacht zu sein. Der Abbau des »Condominats« in Cleve-Mark FWG Bd. »wie die OBERRÄTE in den Schranken GEHORSAMER DIENER verbleiben und ihre AUTORITÄT nicht weiter. erstrecken mögen. Krisen und Kriege zum Vorteil Preußens und auch der Landesherrn gemeistert. Ch. Denn dem »SUPREMO DOMINO ste- het allemal frei. Die Forderung der Stände vom März 1662. seiner DIENER Autorität zu moderie- ren oder zu amplifizieren. 25.18494 a. D. 203 »Macht und Autorität« dürfte »nichts benommen« werden »ohne Präjudiz der Landesverfassungen«. das vertragliche System der TROIS PREROGATIVES gegen die Macht des Kurfürsten zu verteidigen. es zu- lasset. Aber Friedrich Wil- helm ließ sich auf dieses Ansinnen und Anmahnen nicht ein. Schließlich hatte man damit fast zweihundert Jahre lang alle Kon- flikte. Damit wurde nichts anderes vorbereitet als die bewußte Umpolung |dieses libertä- ren Verfassungsorgans in eine patrimoniale Verwal- tungsbehörde. jedoch mit dem Bescheide in diesem Lande. die STÄNDE. worin »auch alle Realität landesfürstlicher Hoheit be- ruhet«36.

dessen Qualität mit der alten »Hoheit« des Landesherrn nichts mehr gemein hatte. 25. reine Rhetorik. aveuglement ratifizieren und konfirmie- ren. Deshalb ist auch die Einschränkung.oder Grundgesetzen wurden zu Bedienten und entpolitisierten Befehls- empfängern – kraft des erworbenen SUPREMUM DOMINIUM. 203 umgestoßen werden«38. was sie ge- ordnet hätten. daß »die Freiheit. Den Stän- den wurde denn auch bald klar. und also hat PREUSSEN anstatt EINES SOU- VERÄNEN FÜRSTEN GANZER VIERE.«39 Und dieser Zustand eines Condominats auf Ver- tragsbasis war jetzt nicht mehr erwünscht. wie sich die Machtgewichte im Laufe des Krieges und unterm Schutz des Friedens von Oliva zugunsten des Kurfürsten und Herzogs verla- gert hatten: »IN OECONOMICIS und anderen Din- gen. Der Abbau des »Condominats« in Cleve-Mark FWG Bd. Er und andere hatten für diese radikale Verän- derung auch eine Begründung zur Hand. die Religion und alle unsere Privilegien mit der Verände- rung des DIRECTI DOMINII auch verändert. da haben die OBERRÄTE zu allen Seiten gesu- chet und begehret. Die Beamten oder Amtsträger des libertären Sy- stems mit seinen Fundamental. daß dabei die Grundge- setze Preußens bewahrt werden sollen. Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte . um gleichzeitig mit aller Kraft für eine neue FORMA REGIMINIS in Preußen zu wirken. die nach- drücklich zeigt. sollte dasjenige. Seren.18495 a. Fuchs bringt sie vor. das ist.

wie viele »Mittel der Kurfürst an die Hand bringen könne. be- gnügte sich nach dem Tode Karls X. Gustav von 1660 an mit einer Mission Esaias Pufendorfs. 25. Der Bruder Samuel Pufendorfs. seinen ABSOLUTUM DOMINATUM mit Gewalt zu stabilieren«. der ab 1668 ebenfalls in schwedische Dienste trat. Schweden. der auskundschaften soll- te. sollte den kämpfenden Ständen in Aussicht stellen. daß »ihre alte Freiheit TAM IN ECCLESIASTICIS QUAM POLITICIS wiederum« erreichbar wäre und »Lutheranismus allda prävaliere«. Aber Friedrich Wilhelm unterband seine Tätigkeit. daß sich bei einem |schwedischen Eingreifen in den preußischen Verfassungskampf der Hohenzoller noch enger dem Kaiser und Frankreich anschließen würde. befürchtete. 204 vermindert werden«. Der Abbau des »Condominats« in Cleve-Mark FWG Bd. Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte . gab sich im Bericht an die Reichsregierung in Stockholm optimistisch. das diesen inneren Destruktionsprozeß Preußens aus sicherheitspolitischen Gründen zugelassen hatte.18496 a. das »dem Kurfürsten die SOUVERÄNITÄT VON PREUSSEN garantieren wolle«41. wenn man sich massiv und militärisch gegen den Brandenburger wende und schwedische Hilfe anfordere. und die Vormundschaftsregierung für Karl XI. Pufendorf. Hilfe in diesem streckenweise verzweifelt geführten Abwehrkampf gegen die Domi- nial-Diktatur war trotz Berufung auf den Rezeß von 1566 von Polen nicht mehr zu erwarten40.

daß »doch leider der Name Souveränität gleichsam zum Gift und durch dasselbe der meisten Herzen verhärtet und fast desperat wor- den«. Nach Dobersinsky schoben sie Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte .. SOUVERAINETÉ alle Tage und der Stände vori- ge übermäßige FREIHEIT nimmt ab. Und diesen ist gerade wegen einer allgemeinen »Confirmation« des Hohen- zollern vom 20. Der Abbau des »Condominats« in Cleve-Mark FWG Bd... limi- tieren«. D. Auch er will »durch die er- langte Souveränität die Gemüter auf einen gelindern Sinn . Die »Patrioten« Preußens um den Bürgerlichen Roth und den Adligen von Kalckstein standen gegen die »Royalisten« vom Schlage Schwerins.«42 Nichts anderes hoffte sein anderer Helfer Dobersin- sky in einer Denkschrift. Es war nicht nur Roth die »alleinige Ursache« des Kampfes. Ch.18497 a. die große LIBERTÄT etwas .. daß sich mehr als zwei Jahrhunderte Libertät dem Ende näherten. auch nicht von den Niederlanden oder England. 204 Von den libertären Mächten Polen und Schweden war also keine Hilfe zu erwarten. bekennt aber. der es mehr als einmal in Königs- berg wegen seiner fortgesetzten Betrugsmanöver mit der Angst zu tun bekam. Dezember 1661 bezüglich einiger ihrer ökonomischen und sozialen Privilegien klar ge- worden. aber dann doch Friedrich Wilhelm mitteilen konnte: »Es wachset eben E. bringen. Sondern hinter diesem stand – bei allen Sonderungstenden- zen – der Hauptteil der Stände. 25. wie Friedrich Wilhelm meinte.

Soviel hat der Widerstand aber doch eingebracht. daß dessen hohe Macht. Der Abbau des »Condominats« in Cleve-Mark FWG Bd. 25.. Menge der Bedienten etc. Oberrat (Autorität) und Landtag (Libertät) der Gewalt. Oberburggraf und Kanzler – pro forma weiterexistieren durften. daraus mit Furcht geschlossen. 205 viele Übergriffe vor allem der Truppen auf die »große Autorität des KOMMISSARIATS . daß bei der ERBHULDIGUNG von 1663 ähnlich wie in Cleve den Ständen gewisse Bewilligungsrechte blieben und auch die Oberräte – Landhofmeister. Obermarschall. daß dasselbe die escla- tanste Marque der Souveränität wäre. weil der Ruf insgemein erschollen. Aber in der Realität mußte das libertäre Condominat mit seiner institutionellen Trichotomie von Landesherr (Majestät). und. Gewiß beunruhigte dies Friedrich Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte . dahero sie sich dann die Souveränität als ein ab- scheuliches Monstrum vorgestellet und derselben äu- sserst zu widerstreben entschlossen haben«43.. eine ewige Dienstbarkeit und unaussprechlichen Dominat auf den Hals ziehen wird..18498 a.. ihnen . dem Titel nach sogar bis 1706. war der »absolute Dominat« nicht von Seiten der Stände anerkannt. der »vorgeschützten Nezessität« und der patrimonialen Verfügung wei- chen – wider die »Fundamentalgesetze« oder »Lan- desverfassungen«44. |Solange aber Hieronymus Roth nicht abschwor und es formale »Confirmationen« gewisser Rechte gab.

25. daß herrschende Häuser Not.18499 a. um ihre Besitz–. Bald danach jedoch arbeitete der Philosoph und Jurist Leibniz an einem Gutachten mit dem Titel De jure suprematus ac legationis. kann man besonders nach 1648 die Entwicklung be- obachten. seinen Be- hördenapparat und die Armee weiter auszubauen45. Bedeutete libertäre Politik »die Kunst des Gleichen und Guten« (Ars aequi et boni) im Rahmen einer Friedenssicherung mit Hilfe Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte . Der Abbau des »Condominats« in Cleve-Mark FWG Bd. es hielt ihn aber nicht davon ab. seine Reputation für sein Haus weiter gesteigert zu haben. zumal er sich dabei zum Sachwalter »teutscher« Belange ma- chen konnte und seinen Ruf als »Großer Kurfürst« fe- stigte. der schon immer von der bo- russischen Geschichtsschreibung militärisch und poli- tisch überschätzt wurde. Wie schon an anderen Beispielen zu sehen war. Den Erwerb Schwedisch-Pommerns brachte dieses gewonnene Scharmützel aber nicht ein. indem ihm eine Gleichran- gigkeit mit »gekrönten« Häuptern konstruiert wurde. 205 Wilhelm.und Kriegs- zeiten ausnützten. nachdem es zu erheblichen Schwierigkeiten bei der Beschickung des Friedenskongresses in Nimwegen von 1676 an gekommen war46. glaubte er. Erb.und Macht- interessen mit Hilfe der Armee gegen libertäre Ver- hältnisse durchzusetzen. Mit seinem Sieg bei Fehrbellin über schwedische Truppen im Jahre 1675.

Der Abbau des »Condominats« in Cleve-Mark FWG Bd.18500 a. 25.und Vertragsband der ›transpersonalen Krone‹. das mit der Erlangung eines DOMINIUM SUPREMUM die vertraglichen Bindungen aus dem Lehnswesen nicht mehr anerken- nen wollte und damit das libertäre Verfassungssystem an seinem Lebensnerv tödlich traf. welche die bedrängten preußischen Stände in Gestalt der Krone Polens vergeblich bemühten. die Reichslehen POMMERN und BREMEN sind nicht der königlichen FAMILIE. um die Stände einzu- schüchtern und ihre Rechte der Meinungsfreiheit. sondern der KRONE selbst gegeben worden. so genügte jetzt die Beherrschung des oft vorgegebenen ›übergesetzlichen Notstandes‹.und LANDFRIEDENS-Ordnungen. 206 der HAUS. in denen Schweden beteiligt war: »Wir haben in der schwedischen KRONE ein Bei- spiel. An dessen Stelle traten die neuen Bedingungen eines ›personalen Hauses‹. Das tradierte Sicher- heits. wurde aufge- löst. Leibniz demonstrierte dieses für heutige Vorstel- lungen ungemein komplizierte Verhältnis libertären Lehnsbesitzes zum Landesherrn mit Hinweisen auf verschiedene Fälle.«48 Damit |wurde eine patrimoniale Verfügung über diese vertraglich abgetretenen Länder ausgeschlossen. der Versammlungsfreiheit und der Bewilligungen samt ihren zugehörigen Organen zu beschränken und all- mählich ganz zu unterbinden47. der den König in Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte . solange die Krone als ein Rechtsträger galt.

welche Dynastien und herrschende Häuser daran hinderten. es gab auch Fälle im Heiligen Reich. Diese Veränderung wurde aber dann akut. Die neue Lage seit dem Westfälischen Frieden. Allerdings. Der Abbau des »Condominats« in Cleve-Mark FWG Bd. den die Landstände. massiv unter Druck ge- setzt. ohne deshalb gleich den libertä- ren Verfassungsbestand aufgeben zu wollen: ein Phä- Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte . wenn ein Krieg zu Ende ging und nach langen diplomatischen Verhandlungen ein Frieden ge- schlossen war. 206 Schweden selbst über einen Herrschaftsvertrag binden konnte. wurde nun von Leib- niz in seinem Gutachten und zahlreichen Begleit- schriften definiert. Es waren also entscheidende Vorbehalte vorhan- den. Der »ständige Soldat« sollte das alte ständische Defensionswerk ersetzen und selbst in Friedenszeiten eine Art ›inneren Kriegszustand‹ si- chern. damit sie sich nach den Bedingungen des Landfriedens von 1555 in dem »Ihrigen« selbst schützen und im Notfall gegen einen ›despotischen Kaiser‹ das aktive Wider- standsrecht handhaben konnten. bei denen sich die Stände auf der Ebene der Kreise selbst einen »MILES PERPETUUS CIRCULI« leisteten.18501 a. der den Fürsten als REICHSSTÄNDEN das JUS AR- MORUM ET FOEDERUM genehmigt hatte. sich zum absoluten Dominial-Besitzer von Lehen zu machen. in scheinlegalen Beschlüssen einigen Fürsten genehmigt hatten. 25.

also daß ein SOUVERAIN wohl eines Imperii (Reiches) Mitglied und dessen Gesetzen unterworfen. nicht entgegen. die er als »FREY und SOUVERÄN« erach- tete. weil man ja die welschen Fürsten der Pflichten. 207 nomen. Leibniz. also daß er die Freiheit behält. faßte nun in einem Schreiben an den Ge- sandten Grote 1682 seine Theorie von der »Maison souveraine« zusammen. wollte er »gewiesen haben. WIE ER VON UNS DEFINIERET WIRD. wenn ihm nur die Hände durch eine WIRKLICH ZWINGENDE MACHT IN SEINEM HAUS nicht gebunden.18502 a. Im »Parallelismus« der deutschen und welschen Fürsten. damit sie dem REICH verwandt. daß eine solche UN- TERTÄNIGKEIT. der SOUVERAINETÉ oder dem SUPREMATUI. |nach Befindung seines Gewissens Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte . Der Abbau des »Condominats« in Cleve-Mark FWG Bd. so von denen REICHSLEHENS- und HULDIGUNGSPFLICHTEN her kommt. das auch in Österreich und Ungarn zu beob- achten ist49. der nach Holz »nie eine Ideologie und Staatstheorie des monarchischen Absolutismus« for- muliert haben soll und »nie eine Rechtfertigung der Unselbständigkeit des Knechtes gegenüber dem Herrn«50. unge- achtet vor SOUVERAINS halten will. sondern das JUS ARMORUM ET FOEDERUM bleibt. solche Definitio auch dem gemeinen Gebrauch nicht zuwider sein müßte. 25. auch durch Eid und Pflicht gebunden sein kann.

die sich mit einer ›libertären Majestät‹ und Ständekontrolle nicht mehr begnügen wollten. den Theoretiker des Ter- ritorial-Absolutismus sehen52. so lange sie solche Freiheit durch KEIN WIRKLICHES ZWANGS- RECHT benehmen. wiewohl sie durch die Formel VON GOTTES GNADEN gerade darauf ver- pflichtet wurden. Die Rechts. Man muß deshalb in Leibniz. Dagegen wird das nezessitäre DO- Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte . Daraus erschei- net. worin auch dann der rechte Charakter der Freiheit be- stehet. Der Abbau des »Condominats« in Cleve-Mark FWG Bd. Das patrimonial verstandene Erb- recht und die Verfügung über eine eigene Haus- Armee lassen bei diesem Machtmodell den nominel- len Untertan (Kurfürst) zum reellen Souverän werden. der so wenig durch einen HULDIGUNGS–. Leibniz hat hier gegen die aristotelische Termino- logie und gegen Bodin die »absolute Souveränität« der Reichsfürsten vertreten und begründet.18503 a. 207 durch WAFFEN und Bündnisse das GEMEINE BESTE und seines Landes Wohlfahrt zu befördern. daß alle Pflichten und Obligationes mit dem SU- PREMATUI wohl stehen können. als BÜNDNISEID aufgehoben wird. 25. welcher Unterschied nicht wohl erkläret wird«51.und Or- ganschranken des Lehnswesens mit seinem libertären DOMINIUM UTILE treten in ihrer politischen Be- deutung zurück. der sich bei Vor- schlägen zur Reichsreform den Kaiser als »absoluten Diktator« vorstellen konnte.

25. Noch 1686 probte er in der Manier eines absoluten Testamentators gewisse Erb-Abtren- nungen für den »zureichenden Unterhalt« der Prinzen des Hauses und hoffte auf die Exekution des Testa- mentes durch den Kaiser. um diese dann nach und nach aus ihrer vertraglichen Mitbestimmung in Landes. Der »Consensus fidelium« (Zustimmung der Lehnsleute). seit 1433 in Brandenburg für das »Haus Hohenzol- lern« durch verschiedene Haus-Verträge und Rezesse vorgeschrieben. welche durch das »ste- hende Heer« dergestalt auch gesichert wird. auch nach Maßgabe der Goldenen Bulle von 1356.und Regierungssachen zu verdrängen. daß das »souveräne Haus« das patrimoniale DOMINIUM ABSOLUTUM über Domänen und Kammergüter dafür in Anspruch nehmen53 und dann auf das ganze Land ausdehnen kann.18504 a. Nur wenn man auch hier am Beispiel Preußens die- sen Mechanismus der Machtverschiebung nicht über- sieht. wurde von Friedrich Wilhelm außer Funktion gesetzt. findet man eine durch die Quellen gedeckte Er- klärung für die Maßnahmen der Fürsten zur Anhe- bung des Status ihrer »Häuser«. Der Abbau des »Condominats« in Cleve-Mark FWG Bd. nachdem er noch 1680 Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte . Schmitt) zum Träger einer Souveränität. 207 MINIUM EMINENS und die damit verbundene »Be- herrschung des Ausnahmezustandes« (C. das »Kondominat der Stände« bei »Erbteilun- gen« (Hallmann) zu übergehen. Sie begannen meist damit.

als eine libertäre Schranke. der das Testament gerade wegen dieser faktischen Möglichkeit der Erb- Abtrennungen von Minden. wo der »Große Kurfürst« 1685 im Toleranzedikt von Potsdam den französischen Huge- notten erlaubt. Lauenburg. Über ihren Verlust klagten selbst die Adligen in Preußen. sich in der Zwischenzeit aber wieder am Kaiser orientierte. sollte mit seiner Politik der absoluten Unteilbarkeit des gesamten Haus-Gutes diese Tendenz noch ver- stärken und den weiteren Nachweis dafür liefern. 208 Ludwig XIV. in der die Erb- Untertänigkeit die alte Libertät ersetzte57. Es fin- det sich auch dort. »Warenproduktion« und »Geldwirtschaft« das »Entstehen des Absolutis- mus« verursachten55. Friedrich III. als Vollstrecker seines |damaligen Te- stamentes benannt hatte. sondern das nezessitäre und pa- trimoniale Verfügen über Land und Leute56. Halberstadt. 25. daß nicht »bürgerliche Verhältnisse«. Der Abbau des »Condominats« in Cleve-Mark FWG Bd. die Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte . sich »in allen Ländern und Provinzen unserer Domination« niederzulassen. de jure bis 1806. war es aber. Bütow und Engeln ablehnte und sogar meinte.18505 a. Sein designierter Nach- folger Friedrich III. sondern auf kaiserliche Majestät und das Heilige Reich ihren UNTERTÄNIGEN RESPEKT habe«54. daß »eine teutsche fürstliche Hoheit nicht gar ABSOLUT sei. Noch wirkt das Heilige Reich. aber de facto war der Prozeß der Umpolung der Lehnsverträge in Patrimonialver- hältnisse schon weit fortgeschritten.

dessen Regenten wohl die »Freiheit eines Christenmenschen« jeden Bekenntnisses sicherten. wie es auch Hieronymus Roth vorgelebt hat. Herr hilf uns. wir gehen unter und verderben! Daß ihre FREIHEITEN zu- gleich mit untergehen. 208 während und nach dem »Großen Landtag« zwischen 1661 und 1663 Friedrich Wilhelm im Interesse der Sicherung ihres Besitzes geholfen hatten. zu einem Zeitpunkt. war eine Absage an den »blinden Gehorsam«. Der Abbau des »Condominats« in Cleve-Mark FWG Bd. denen eine politische Mündigkeit abgesprochen wurde – erzwungen durch »Separation«59 und Usur- Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte .18506 a. als auch in Schweden das Licht der Libertät zu verlöschen be- gann. Sie sind der Welt ein Beispiel ohne Beispiel. D. aber dafür »freie« und »hochvernünftige Leute« im politischen Leben zu »Erbsklaven« degradierten. erreichte die Erbitterung der preußischen Ritter- schaft ihren Höhepunkt: »Wie Ertrinkende rufen sie zu Gott und S. Am 12.: Herr. Einst ein überaus freies. ist ihr größtes Leid. zu »Landeskindern«.«58 Diese Demonstration eines freiheitlichen Preußen- tums. sondern durch seine TREUE GEGEN DEN HERR- SCHER verdorben. den »abso- luten Dominat« schrittweise zu etablieren. Ch. in voller Lebensblüte stehendes Land. November 1680. ist PREUSSEN jetzt nicht durch die Schuld der Feinde. 25. an die Verdunkelung des Rechts und den Terror absoluter Macht eines »souveränen Hauses«.

18507 a. Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte . Der Abbau des »Condominats« in Cleve-Mark FWG Bd. 25. 208 pation.

für das »Haus Hohenzollern« eine Krone zu erwerben.« Aufklärung. daß das »Haus Oldenburg« in Dänemark und das »Pfälzische Haus Zweibrücken« in Schweden zu Königskronen gekommen waren. daß »die beiden Könige des Nordens von SOUVERÄNEN HÄU- SERN der Fürsten des Reiches abstammen«. Als Leibniz einmal darauf hinwies. »Staatsräson. 25. ihn mit dem Titel »mon frère« (mein Bru- der) anschrieb.« Die Bestrebungen des Kurfürsten Friedrich Wilhelm. Das Kanton-System. Der »Soldatenkönig«. die mehr als nur die Bestätigung des äuße- ren Aufstiegs dieses »souveränen Hauses« war1. die Reputation seines Hauses und dessen Status zu er- höhen. »Das mit Cron und Szepter prangende Preußen. ohne ihre sonstigen Haus. der sonst nur für »gekrönte Häupter« vorgesehen war. Reformen. »Depeupliertes« Preußen. Ende des Lehnswesens. 209 b) »Das mit Cron und Szepter prangende Preußen.und Standesrechte im Reich aufzugeben2. daß Lud- wig XIV. aus dem sächsi- schen »Haus Wettin«. Der patrimoniale Haus-Staat. zeigte er auch an. Es blieb seinem Nachfolger vorbe- halten.18508 b. Das- selbe gelang auch Kurfürst August II. führten trotz des Leibnizschen Rechtsgutach- tens von 1676 erst in den 80er Jahren dahin.« Aufklärung FWG Bd. der 1697 zum König von Polen gewählt wurde. Sein Übertritt zum Katholizismus ent- Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte .

was zu der königlichen Würde gehört. auch noch mehr als andere Könige. beobachtete dieses Streben der Kurfürsten nach einer souveränen Krone sehr genau und befand nach der eigenen Einschätzung sei- ner Lage und Stellung: »Wenn ich alles habe. »Caput Evangelicorum« im Heiligen Reich zu sein. Friedrich III. durch einen Rangeklat beim Besuch in Den Haag 1696 und beim Friedenskongreß von Rijswijk 1697 verärgert.. Er war seit 1668 in zweiter Ehe mit Sophie Char- lotte von Braunschweig-Lüneburg verheiratet und trat damit in Verbindung mit dem »Welfen-Haus Hanno- ver«. 1697 in Schweden und 1699 von Friedrich IV. Eine solche wurde von Karl XII. 25. das 1692 die Kurwürde erhalten hatte und in seiner engen Verwandtschaft mit dem »Hause Stuart« Rechte auf den englischen Thron besaß. 210 ledigte ihn der nicht unwichtigen Funktion. »Das mit Cron und Szepter prangende Preußen.18509 b.« Aufklärung FWG Bd. zu. den Namen eines Königs zu erlangen?« Diesen Wunsch als »höchst naiv« zu bezeichnen3. in Dänemark vorgenommen und bestärkte den brandenburgischen| Kurfürsten. etwas Ähnliches in Preußen zu unterneh- Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte . unter- schätzt die Bedeutung von Rangfragen in der damali- gen Zeit und den Wert der zeremonialen Bestätigung des patrimonialen Absolutismus durch eine Eigenkrö- nung. die auch bald erfüllt werden sollten. Diese fiel nun dem brandenburgischen Kurfürsten Friedrich III. warum soll ich dann auch nicht trach- ten.

Juli 1700 die Zuerken- nung einer Krone an Friedrich III. 25. Zwar erfüllte sich der Anspruch. »Das mit Cron und Szepter prangende Preußen. Januar 1701 »durch einen ganz neuen Weg« (Besser) seine Eigenkrönung in seiner Geburtsstadt Königsberg. Dänemark und die Nie- Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte . mit diesem Königstitel »den Größten dieser Welt gleich geworden« zu sein. Dieses glanzvolle Ereignis. Lü- dinghausen-Wolff (ein Balte. England. zunächst nur in der Anerkennung durch den Kaiser. Polen.« Aufklärung FWG Bd.) und des polnischen Grafen Zulinski (Bischof von Ermland und Vermittler der Hilfe des Königs Jan Sobieski 1683 für das von den Türken bedrohte Wien). die Befürworter dieser Krone aufzuhängen4. 210 men.18510 b. Ungehindert zelebrierte Friedrich III. war in vielerlei Hinsicht von Bedeutung. Nach deren Vollzug nannte er sich »König in Preu- ßen« und Friedrich I. man täte gut daran. Ja- nuar 1871 bei der Proklamation des preußischen Kö- nigs zum Kaiser des kleindeutschen Reiches im Spie- gelsaal zu Versailles symbolhaft Bezug genommen wurde. auf das noch am 18. das de jure kein Glied des Heiligen Reiches war. Nicht zuletzt auf Betreiben der Jesuiten Vota. billigte die ›ständige Staats- konferenz‹ in Wien am 27. den Zaren. Baron und Beichtvater des Kaisers Leopold I. Gegen alle Wider- stände besonders seines Lehrers Danckelman hat er dieses Projekt verwirklicht. am 18. von dem Prinz Eugen ge- sagt haben soll.

schlug Friedrich dessen Mitglieder vor seiner Krönung zu Rittern. die nur die »Größten und Edelsten des Hauses und Reiches« wer- den durften. »nach der schon einmal erlangten Souveränität« auch den Erwerb »einer königlichen Krone« allmählich in ganz Europa bestätigt zu bekommen und damit eine absolute Sta- tus-Erhöhung5.. dem als Vorbild mittelalterliche Vereinigungen und der englische Hosenband-Orden dienten. seine patrimoniale Erb-Monokratie mit Leib und Leben.« Aufklärung FWG Bd. wurden doch sonst die Ritterschläge erst nach einer Krönung vorgenommen. 211 derlande. Als »Großmächtigster Souverain und Groß-Meister« dieses hochadligen Geheimordens. |Aber nicht nur dieser Akt war ein Ausdruck seiner besonderen Eigenwilligkeit. wurden auf Friedrichs Wahlspruch »SUUM CUIQUE« (Jedem das Seine) eingeschworen und damit einseitig verpflichtet. Aber ein ver- heißungsvoller Anfang war gemacht.. Karl XII. Das war ein Bruch mit allen bisher in Europa geltenden Traditionen. Denn der Hohenzoller Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte . 25. und der auch als Gegenstück zum polnischen Weißen-Adler-Orden gedacht war.18511 b. der Heilige Stuhl und andere verweigerten. »Das mit Cron und Szepter prangende Preußen. Dem Krönungsakt selbst ging die Stiftung des »Ritter-Ordens vom Schwarzen Adler« vorauf. während sich Ludwig XIV. Gut und Blut zu verteidigen. Seine Mitglieder (höchstens dreißig an der Zahl).

nahmen dann der reformierte Hofprediger Ursinus und der Lutheraner Sonden vor. den »Winterkönig« und Wahlkönig von Böhmen: »Daß man meinet. Die Salbung selbst »in Form eines Zirkels oder Krone«. Als man vor allem in England ihre episkopale Qualität in Zweifel zog. Reichs-Apfel und Reichs-Siegel« trugen. dessen Eigenkrönung den Ratgebern Friedrichs bis in Details hinein bekannt war. das Reichs-Schwert. Bischöfe zu machen. vom Schloß zum Dom. von Schweden entlehnt. begleitet von der Königin Sophie Charlotte. Das hatte er bei Karl XII. welche bei den »Mathematicis die allervoll- kommenste Figur ist« (von Besser). Ich aber tue solches aus Macht eines Königs«6. »Das mit Cron und Szepter prangende Preußen. die er eigenhändig gekrönt hatte. Ich hätte keine Macht. welche die »Reichs-Kleinodien. Krön und Szepter. 211 setzte sich nämlich auch noch vor der Salbung in sei- nem Schloß zu Königsberg die Krone aufs Haupt. Beide hatte Friedrich. verteidigte er sich mit dem Hinweis auf Friedrich V. zog er dann. und daß die engli- schen von denen Aposteln herkommen. Diese Äußerung von 1704 entspricht seinem Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte . von der Pfalz.« Aufklärung FWG Bd. ohne eine Weihe zu verlangen. gefolgt von den »Preußischen Herren Ober-Räten«. Mit »Purpur. kurzerhand zu Bischöfen ernannt. den eigentlichen Merkmalen königlicher Ho- heit« angetan. 25.18512 b. solches wäre auch sehr schwer zu beweisen.

daß er im weltlichen. Damit hatte er den Status der Monokraten in Däne- mark und Schweden erreicht und wurde in dieser Ei- genschaft geradezu Muster des sog. unter Mithilfe des Kai- sers.« Aufklärung FWG Bd. Das spektakuläre Vorziehen von Ritterschlag und Krönung ist Ausdruck des DOMINIUM ABSOLU- TUM über Preußen und eine Bestätigung des Grund- satzes »JUS IN RE EST DOMINIUM«. 25.18513 b. war durch die »Vorsehung Gottes«. gegen den Protest des Papstes. durch die Ermunterung des Zaren und mit der Duldung des Lehnherrn Polen sowie »durch sich selbst und das Seinige König geworden«8. »Souveraineté und Besitz der preußischen Länder«. Die Absage an jeden Krönungseid gegenüber dem Lande Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte . Dieses Bekenntnis unterstreicht. woraus sich auch die Formel »König in Preußen« ableitete. Friedrich I. 211 Selbstverständnis als Monokrat und »Summus epi- scopus« in seinen Landeskirchen: »Ich will immer HERR SEIN IN MEINEM LANDE und werde kei- nen anderen Bischof dulden als mich selbst«7. Jure-divino-Kö- nigtums. »Das mit Cron und Szepter prangende Preußen. Er hat sich also vom »vorigen Lehns-Herzog von Preußen« (Do- minium utile) »zu einem souveränen Erb-König selbi- gen Landes gemacht« (Dominium absolutum)9. geistli- chen und im eigenen Haus-Regiment der absolute Herr war und über die »eigenthümlich souveräne Re- gierung« verfügte nach Maßgabe von »Erbrecht«.

25. weit höher ist der Ruhm/den unser Souverain erlangt zum Eigenthum«. |Die zahl- reichen Sinnsprüche und Herrschaftsformeln an den Ehrenpforten von Königsberg bis Berlin drücken den Umschlag vom libertären Gottesgnadentum ins patri- moniale Jure-divino-Königtum sehr deutlich aus. aus denen ihr Widerstandsrecht hervorging10.. Das erklärt auch den Ausschluß der Stände. ☉ Abb. die vertraglichen »Fundamentalverfassungen« Preußens beschwor. wie es im libertären Gottesgnadentum verlangt wurde. In Friedrichswer- der war der Hinweis auf »TERRORI AC TUTELAE« (Schrecken und Schutz) zu lesen. 6: Krönungsgabe der Berliner Juden an Friedrich I. 213 Preußen und seinen |Oberräten samt Ständen war die Verneinung eines Herrschaftsvertrages auf Gegensei- tigkeit und die Ablehnung des »mediante homine«.18514 b. die unmittelbare Zueignung der Krone durch Gott selbst und verhinderte damit die Anwendung des Grundsatzes »JUS AD REM EST OBLIGATIO«. »Das mit Cron und Szepter prangende Preußen. In Löbenicht stand der Reim »Des Ad- lers Flug ist hoch. »A DEO DESTINATA« (Von Gott gegeben) hieß es in Königsberg. 1701 Statt dessen berief er sich auf das »immediate Deo«. und die »Französi- sche Kolonie zu Berlin« verwies auf die Untrennbar- Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte .« Aufklärung FWG Bd. daß Friedrich I. sie waren nur noch zeremoniale Staffage und konnten nicht mehr durchsetzen.

wenn man nicht an Wunder glauben woll- te11. »Das mit Cron und Szepter prangende Preußen. mit seiner Eigenkrönung und Erhöhung des »Erb-Kö- niglichen Chur-Hauses Brandenburg« die Form des Absolutismus der Bourbonen in Frankreich »ins Preu- ßisch-Deutsche übersetzt« habe12. beschwor außerdem den »TERROR ET ORBIS AMOR« (Schrecken und Liebe des Erdkreises) und führte das Sinnbild vom Pelikan an. Man kann demnach nicht sagen. 25. wie Jakob de la Gardie in Schweden vermerkt hat.« Aufklärung FWG Bd. 213 keit von Krone und Kurhut. die nur. der mit seinem eigenen Blut die hungrigen Jungen füttert. Tatsächlich waren hier die skandinavischen »Eingewalts«-Vorbilder maßgebend. war hier geschwunden. Ebenso fehlte die in England gebräuchliche Königsformel »DIEU ET MON DROIT« (Gott und mein Recht) nicht. Adolf von Schweden in der HERRSCHAFT DES RECHTS verstanden haben. in einem vertraglichen Bezug auf »Fundamentalgesetze« und zugehörige Verfassungsorgane verstanden wer- den durfte. wie ihn Alfons von Aragonien. wenngleich in einer eigenwilligen Abänderung der Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte . Denn dort wurden nach dem Reimser Zeremoniell alle Könige unter der Leistung von Eiden gekrönt. daß Friedrich I. Erst die Eigenkrönung Napoleons in Anwesenheit des Papstes setzte dieser Tradition vorerst ein Ende.18515 b. Der ehemals libertäre Gehalt dieses Symbols. Wilhelm von Oranien oder Gustav II.

Das gele- gentliche »Fridericus Magnus«. Rex in Prussia« und die vielfache Dar- stellung des preußischen Adlers. wie er sich noch in der preußischen |Regierung ohne realen Verfassungsbezug gehalten hatte. Der Prunk der Eigenkrönung war »hohler Pomp« (Hubatsch). aber auch eine Machtdemonstration der patrimonialen Substanz einer Monokratie. Diese Anordnung war der Schlußpunkt eines lan- gen Destruktions.« Aufklärung FWG Bd. daß der »Titul von Oberräten«. »Das mit Cron und Szepter prangende Preußen. der im Fluge aus dem Himmel ohne menschliche Vermittlung gekrönt wird.und gleichzeitigen Konzentration- sprozesses. 25. 214 tradierten Vorgänge und mit einem nicht unwichtigen »Abbau des Religiösen« versehen13. das häufige »Vivat Fridericus. Man darf sich dabei nicht von der Art Friedrichs I. täuschen lassen. in dessen Verlauf trotz Bestehen des Ge- heimen Rates alle wichtigen Dezisionen im Stile pa- trimonialer Arkan-Politik vom Monokraten selbst ge- fällt werden konnten. die sich mit dieser besonderen Aufmerksamkeit die Ver- besserung ihrer gefährdeten Stellung erhofften (siehe Abbildung). der gerne Aufga- ben und Aufträge nebst Entscheidungen an persönli- Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte .18516 b. kann diesen Befund nicht verdecken. So war es aus der Sicht des Monokraten nur konsequent. wie es auch das Ehrenbild der Juden zeigt. »gänzlich abolieret« sei und die entsprechenden Bedienten sich »wirklich geheime Räte« zu nennen hatten14. als er 1706 verfügte.

zumal er eine Reihe von Aufträgen »irresponsabel« aus- führen durfte. am nächsten und wurde auch 1702 sein ›Premier‹. der über den anderen Menschen steht. war trotz der engen Bindungen seiner Repräsentanten an den Monokraten nur unter Mühen von diesem zu kontrol- lieren. daß er alles selber tut«. der Reichsgraf Wittgenstein ihm zeit- weise völlig ergeben war und der Militär Graf War- tensleben nicht recht zum Zuge kam16. »Das mit Cron und Szepter prangende Preußen. die man schamlos nennen Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte . Bei der Krönung und in »Staatssachen« assi- stierte er Friedrich I. Denn das berüch- tigte »Dreigrafenministerium des ›dreifachen Wehs‹«. ohne eine »wirkliche Institution« (Koch) zu sein. und Wittgenstein wirtschafteten in einer Art und Weise in die eigene Tasche. Besonders Wartenberg. einer Emmericher Schifferstochter. über die Re- gierenden zu regieren«15. daß »die Tüchtigkeit eines Königs. sondern darin »bestehe die höchste und vollkommenste Regierung. stieg der Einfluß des Grafen Wartenberg alias Colbe. auch in der Funktion als Oberkämmerer. das sich unter seiner Regierung etabliert hatte.18517 b. 25. der Friedrich Wilhelm so ergeben gedient hatte.« Aufklärung FWG Bd. Nach Danckelmans Sturz und der Abdrängung des Fuchs. 214 che Vertraute delegierte – etwa nach dem Rat Mentors an Telemach. erlangte Graf War- tenberg eine Position quasi-absoluter Macht. Das aber war nicht immer leicht. nicht darin liegt. Unterstützt von seiner Frau.

des dänischen Monokraten Friedrich IV. an dessen militä- rischen Aktivitäten Friedrich I. aber in dem Menschen sey ein zweyfacher GUTER und BÖSER GEIST«18. Seine Hoffeste. Nicht anders als das pompöse Begräbnis seiner 1705 gestorbenen Frau Sophie Charlotte. Was Bloch daran als »spekulatorische Eierschalen« empfindet. die dritte Hochzeit des alternden Mo- nokraten selbst 1708 mit Sophie von Mecklenburg. als man nach der vernichtenden Nie- derlage Karls XII. die Hochzeit des Kron- prinzen Friedrich Wilhelm mit Sophie Dorothea von Hannover 1706. oder die Zu- sammenkunft des polnischen Königs August II. sich dann doch nicht unmittelbar beteiligte17. oft »japanisch« oder »indianisch« ausgestattet... nach der auch Charlottenburg benannt ist. erweist sich als durchaus brauchbar.. 25.18518 b. 215 müßte. kosteten Unsummen. bei Poltawa ein »höchst |heilsames Concert gegen Schweden« besprach. Nach der Sittenlehre des Thomasius von 1709. »be- stehen alle Cörper aus Materie und Geist . der 1690 aus Leipzig vertrieben worden und an die Rit- terakademie im brandenburgischen Halle gekommen war.. »Das mit Cron und Szepter prangende Preußen. 1709 in Berlin. um dort nach deren Umwandlung 1694 in eine Universität bis zu seinem Tode 1728 zu lehren. die in den Wahnsinn getrieben wurde.« Aufklärung FWG Bd. wären da nicht die Prunkbedürfnisse des Mo- nokraten gewesen. den Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte . mit Friedrich I.

um aus Archivalien »Leben und Taten Friedrich Wilhelms« in einer ähnli- chen Form zu beschreiben. Sein System des Natur. 215 ambivalenten Charakter des Systems aus seinen zeit- bedingten dualen Verhältnissen zu erfassen. der Ausrichtung auf die Zehn Gebote Gottes. 25. auch »gute« Taten zu vollbringen. die auf der Suche nach dem »Licht« rationa- ler Erkenntnis waren. und Samuel Pufendorf kam aus Schweden angereist. der so bedeutend war wie sein jüngerer Kollege Chri- stian Wolff. Die Stei- gerung der possessiven Macht in eine patrimoniale Absolutesse erzwang die politische Ohnmacht und fortgesetzte »Finsternis« der Stände. Gustav von Schweden angefertigt hatte19. gefiel sich darin. noch von der »impositio Dei«.h. wird von ihm das JUS NA- Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte . in einer entscheidenden Weise »gesäu- bert«. »Das mit Cron und Szepter prangende Preußen. d. Die »böse« Seite des Absolutismus mit der Degra- dierung des Beamten zum Bedienten. So durfte Schlüter in Haus-Auf- trägen sein Genie erproben.und Völkerrechts.18519 b.« Aufklärung FWG Bd. des Amtes zum Posten und des freien Bürgers zum Erbsklaven des ›herrschenden Hauses‹. geprägt. wie er auch die auf den Krieg abgestellte Biographie Karls X. in der Weiterentwicklung des Grotiani- schen Gedankens vom Eigenwert des Rechts (auch wenn es Gott nicht gäbe). wurde von Thomasius. ermöglichte aber auch eine gewisse Förderung der Künste und Wissen- schaften.

Obgleich Thomasius zeitweise dem Pietismus um Spener und August Hermann Francke anhing und auch die Naturphilosophie eines Paracelsus und Franck aufgriff. das Streben nach Glück und der Erhalt des Friedens. Der Leitgedan- ke ist das »natürliche Licht« des Rechts.« Aufklärung FWG Bd. geför- dert von der freisinnigen Kurfürstin Sophie Charlotte. der 1700 Präsident der |neu- geschaffenen »Sozietät der Szienzien« geworden war und dort dem Utilitarismus-Postulat huldigte. »Das mit Cron und Szepter prangende Preußen. 216 TURAE & GENTIUM in einer grundlegenden Schrift von 1705 ohne Gottesbezug begriffen. »den anderen zu dem. das Geziemende (decorum) und das Ehrenhafte (honestum) waren ihm die Leitge- danken von Glück und Frieden in einem Gemeinwe- sen.18520 b. das tue den anderen. 25. zu zwingen«. was er willig leisten sollte.) besaß. Doch entsprach seine Definition des GERECHTEN als dem Vermö- gen. in welcher auch Hobbes und Voltaire den Inbe- griff der Aufklärung sahen: »Was du willst. der Position von Leibniz hinsichtlich des Wesens einer Souveränität absoluter Macht. war er zu einer Apologie des Hohen- zollern-Absolutismus nicht bereit. daß dir geschehe. Das Gerechte (iustum).und Zwangmittel. die einen »aufgeklärten Verstand« (Friedrich II. Dabei erschien ihm das Gerechte als eine Forde- rung. verband ihn aber noch mehr. daß das Gerechte er- Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte . Mit diesem.« Mit dieser Maxime verweist er gleichzeitig darauf.

dessen Haupt- teile »das positive Recht. Gesetzes. dessen absolutes Gewalt–. Nichts anderes entwickelte Leibniz in seinen Überlegungen zum Wesen des Rechts. JEDEM DAS SEINE ZUTEILEN. Dessen Motto lautete ja »Jedem das Seine« – ein Wort aus der vertraglichen Besitz-Systematik des Aristoteles und des libertär angelegten Landfriedens von 1555! In der systematischen Aufspaltung von Moral und Recht wird aber hier ihre Einheit in der »Nikomachi- schen Ethik« geleugnet. 216 zwingbar ist. »Das mit Cron und Szepter prangende Preußen. die Recht- schaffenheit« umfassen sollten. EHRENHAFT LEBEN«21. die Höhen des GEISTES von den Niederungen erzwing- barer GEWALT. in der Distinktion von Macht und Religion die Einheit von Thron und Altar geloc- Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte . Damit legitimierten beide nicht weniger als Christi- an Wolff. die bestehenden Machtverhält- nisse unter dem Monokraten Friedrich I. den Bereich des RECHTS von dem der MORAL zu trennen. 25. was als STAAT ausgegeben wurde. letztlich auch die GESELL- SCHAFT von dem. welche »in den Vor- schriften enthalten sind: NIEMANDEM SCHADEN.und Ge- richtsmonopol in den Händen des Monokraten blieb20. die Billigkeit. der einflußreiche Vertreter des rationalisti- schen Dogmatismus.18521 b.« Aufklärung FWG Bd. Auf diese Weise gelingt es ihm. nicht jedoch in jedem Fall das Gezie- mende und schon gar nicht das Ehrenhafte.

« Aufklärung FWG Bd. zum »reinen Wort« und zur »reinen Vernunft«. Es ließ sich demnach im Hohenzollern-Staat durchaus »vernünftig. beginnt mit ihm und in seinem |Gefolge mit Wolff eine Rückbesinnung auf die sog. daß das Philosophieren eine teutsche Terminologie erhielt. klug und artig leben«. in deren Verlauf Wolff vor allem die Grundlagen dafür schuf. 25. das waren die unverwech- selbaren Kennzeichen der Aufklärung seit der Refor- mation und der sie begleitenden Naturphilosophie im Sinne eines fortlaufenden Aufstiegs zum »Licht«. Gegen den Dominat des Latein in der Gelehrtenre- publik und gegen den Primat des Französischen in herrschaftlichen und diplomatischen Kreisen gerich- tet. Reinigen und Säubern. welchen Leuten und Landen es unter dem Vor- wand der Notwendigkeit abgepreßt worden war. Deshalb auch nannten sich die Fürsten durchgehend »Durch- Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte . Mit dieser Formel übersetzte Thomasius den Titel des Werkes Oraculo manual y arte de prudencia (Handreichung und Kunst der Klugheit) des Spaniers Gracian und hielt darüber 1687 noch im sächsischen Leipzig die erste Universitäts-Vorlesung in »teutscher Sprache«22. »Das mit Cron und Szepter prangende Preußen. 217 kert und mit der Unterscheidung von Mäzen und Re- gent war es außerdem möglich.18522 b. »teutsche Macht- und Heldensprache«. Sie wurde einer dauernden Puri- fikation und Erneuerung unterzogen. ohne lange danach fragen zu müs- sen. den Nutzen des Gel- des zu begrüßen.

Ver- nunft und Mathematik. hielten sie sich doch für den Hort politischer Vernunft. son- dern auch seine Zeitschrift TEUTSCHER MONAT. während sich nicht wenige Gelehrte als Träger des »Lux in tene- bris« wähnten. dessen Pädago- gik und Didaktik (Ganzheitsmethode) Thomasius wieder aufzugreifen bemüht war. Vernunft und Gefühlserleben ließ den Menschen in seinem Verstand und seiner Ei- genwürde ins Zentrum der Philosophen einer Aufklä- rung treten. dem »jus talionis«. Forum für diese aufklärerischen Aktivitäten war für Thomasius nicht nur die Universität Halle selbst. ihm das »Licht der Ver- nunft« zu bringen. aber zwanzig Jahre vor Defoes REVIEW. Guten. So empfand z.18523 b. 25. Die »Verbannung der Tortur aus dem Gericht der Christen« war 1708 für Thomasius ebenso eine Forderung wie die Abschaffung der He- xenprozesse und die Verbesserung des oft alttesta- mentarisch begründeten Strafrechts mit seinem un- barmherzigen Vergeltungsdenken. In ihr focht er Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte . den Menschen durch gezielte Erzie- hung zu vermenschlichen. die nur vier Jahre nach Bayles NOUVELLES DE LA REPUBLIQUE DES LETTRES 1688 erschien. Comenius die intel- lektuelle Kraft der rationalen Einsicht und der Suche nach dem Wahren. Die Ambivalenz von Vernunft und Eigentum. Schönen.« Aufklärung FWG Bd. 217 laucht« oder »Durchleuchtigster«. die als dauernder Prozeß und Auftrag ver- standen wurde. »Das mit Cron und Szepter prangende Preußen.B.

solange sie nicht direkt politische Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte . Dem Monokraten Friedrich I.. soviel gelehrte Leute gegeben«. die das Verhältnis von Geist und Ge- walt im deutschen Bereich bis weit ins 19. Auf diese Weise entstand eine merkwürdige Konstellation. daß »der Verstand keinen |Oberherrn als Gott er- kennt«. 218 unerschrocken gegen die lutherische Orthodoxie und scholastischen Dünkel.. »Die Freiheit«. 25.18524 b. »welche allem Geiste das rechte Leben gibt und ohne welche der menschliche Verstand gleichsam tot und entseelt zu sein scheint«. leuchtete dieses Be- kenntnis ein und auch die Feststellung des Thoma- sius. Jahrhun- dert hinein wesentlich geprägt hatte: Der Absolutis- mus konnte Aufklärung über die Universitäten und Akademien gleichsam in kontrollierten Enklaven dul- den und fördern. »was denen Holländern und Engländern.. seinen patrimonialen Absolutismus grundsätzlich ab- zulehnen. . gegen die Gottunmittelbarkeit der Monokratie und für die Freiheit des Geistes.« Aufklärung FWG Bd. wie seine Gelehrten und Philosophen nicht auf die Idee kamen. schrieb er einmal an Friedrich I. Er ließ in diesem Sinne religiöse Toleranz und künstlerische Liberalität so weit gelten. deren Einlösung erklärt. ja denen Franzosen (vor der Verfolgung der Reformier- ten). so sehr unterdrückt« werden trotz ihrer guten Geistes- anlagen23. während die Spanier und Italiener aus »Mangel dieser Freiheit. »Das mit Cron und Szepter prangende Preußen. ist eine Forderung.

18525 b. es wurde aber in der Hauptsache durch die Aussaugungspolitik Ber- lins geschwächt. als sich der Ab- solutismus in sein patrimoniales Stadium steigerte. »Das mit Cron und Szepter prangende Preußen. und hatte unter den Einwirkungen des Großen Nordischen Krieges zu leiden. den die sieben Göttinger Professoren 1837 wegen Aufhebung der Verfassung demonstrierten. zumal es das Aufmarschgebiet der schwedischen Truppen war. nachdem es die politische Landeskultur weitgehend zerschlagen hatte. Es war also eine objektive Notlage Preußens. so daß vom »totalen Ruin« Preußens gesprochen wurde25.« Aufklärung FWG Bd. die Stände politisch entmachtet und entmündigt waren und die Länder der Hohenzollern-Macht. das den materiellen Landesausbau versäumte. besonders aber Preußen mit seiner kümmerlichen Universität Königsberg. ökonomisch in nicht gekanntem Ausmaß von ihrem vorigen »Flor« in den »Ruin« gebracht wurden. Die Pest und große Hungersnot von 1709 an entvölkerten zusätzlich das einst blühende Land. die Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte . Preußen war zwar auch durch die Wirren des 30- jährigen Krieges in Mitleidenschaft gezogen worden. 218 Freiheit forderte und jenen Mut aufbrachte. Es gehört zu den Besonderheiten dieser deutschen Geschichte. daß sich in Halle und Berlin Vertreter einer intellektuellen Aufklärung von europäischem Rang zu einer Zeit versammelten24. 25.

219 Friedrich I. veranlaßte. Zunächst ließ er Wittgenstein verhaften.18526 b. ließen ihn zusammen mit Luben stürzen. Er begnügte sich mit einer verhältnis- mäßig geringen Vergleichssumme. was wiederum zeigt.und Brandschutz sowie eine unpopuläre Salzsteuer. Das Gutachten der Geheimen Hofkammer und der »Domainenkommissi- on« zur Lage Preußens und zu des Monokraten »ei- genhändiger Erbrechnung« war so niederschmetternd. Dieser hatte selber davor gewarnt. ohne die eigenen Unterschlagungen schmälern |oder abstellen zu wollen. die dann in eine hektische Reformära überleiteten26. 25. daß sich die »absolute Macht« nicht nach dem objektiven Gesetz mit seinen ordentlichen Gerichten zu verhalten brauchte. wenn der subjektive Willen jedes Gesetz außer Kraft setzen konnte – ein sicheres Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte . seinen subjektiven Machtwil- len nach den neuen Umständen zu richten. während er sonst diese nach den künstlichen Bedürfnissen seiner »Chimären« abzurichten suchte. Der 1711 gegen Wittgenstein angestrengte Pro- zeß wurde aber auf Geheiß des Monokraten erst gar nicht eröffnet. daß er sich zu einer Reihe von Maßnahmen entschloß. die ihm angelastet wurde. Seine Machenschaften mit Versi- cherungen und Abgaben der Bürger für Feuer. »Das mit Cron und Szepter prangende Preußen.« Aufklärung FWG Bd. den »Staat (gemeint war in erster Linie der materiellmonetäre Haushalt) in eine unendliche Schuldenlast und Verderben« zu treiben. der sich durch Flucht ins Ausland ret- tete.

18527 b. 25. die man nun nicht mehr den Ständen zur Last legen konnte. Man forderte dabei einen »zulänglichen Gehalt. dessen Verwaltung der Kronprinz Friedrich Wilhelm einmal »die dollste Haushaltung von der Welt« nann- te. Alle diese Mißstände. um alle Corruptiones zu verhüten«. Das dauernde Abfließen der Geldmit- tel vom Land zum Hof in Berlin müsse in der bisheri- gen Form unterbunden werden. suchte vor allem auf diesem Gebiet bessere Ver- Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte . Man sei in Preußen nicht überall nach Maßgabe ge- rechter »Proportion« verfahren. die dem gesamten Be- hördensystem sehr zu schaffen machten. wenn die bestehenden Gewerbe gefördert und neue Manu- fakturen angelegt würden. 219 Kriterium jeder Diktatur27. Außerdem nähme die drückende Leibeigenschaft den Leuten allen Mut zur Eigeninitiative. In der Bestandsaufnahme der Notlagen in Branden- burg und Preußen wurden vor allem Ungerechtigkei- ten bei den verordneten Kontributionen festgestellt. Ergänzt wurde dieses Gutachten noch durch alar- mierende Berichte der Landesregierung in Königsberg über der »armen Bedienten unbeschreibliche Not«. Friedrich I. ebenso zögen die aus dem Ausland bezogenen Luxusgüter allzu große Men- gen guten Geldes ab. könnten nur gemildert und abgestellt werden. die Erbpacht nach Luben auch verschwände und ein Allgemeines Landrecht kodifiziert würde28.. »Das mit Cron und Szepter prangende Preußen.« Aufklärung FWG Bd.

25.18528 b. ent- schuldigte man sich dadurch. Man schob das Problem also auf die »Ermangelung an capablen Leuten«. sondern KÖNIGLICHE DIENER sein« zu sol- len. sondern durch die Erhöhung des Gehorsams. einer der vertrauten |Ratgeber Friedrichs I. das Korrup- tion und Eigennutz geradezu fördern mußte. das den Geist der Gegenseitigkeit und der libertären »Fides pu- Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte . daß die Widerspenstigen auf der Cameralen Verlangen sofort arretieret und in gefängliche Haft ge- bracht werden sollen. formulierte und nicht auf das absolutistische System. desinteressierte (nicht korrupte) und gute Oeco- nomicis« seien. fleißig und arbeit- sam.« Ein Verfahren. deren »Renitenz und Ungehorsam billig coercie- ret und jeder zu dem seinen Oberen schuldigen Re- spekt angehalten werden muß. wenngleich es auch darunter »recht- schaffene Leute« gäbe. jedoch nicht durch erhöhte Ge- hälter. wie es Alexander von Dohna. »nicht ihre. weil es keine Verantwortlichkeit gegenüber einem vertragli- chen Staat gab. »Das mit Cron und Szepter prangende Preußen.. sondern nur hinsichtlich des Mono- kraten und seines Haus-Interesses. Deshalb müßten solche wei- terhin »in allen Ständen« gesucht werden. Bei der Bekämpfung des »Übels der Geschenke«. daß die »Subjecta« nicht immer »treu und aufrichtig. vor dem Hieronymus Roth einst gewarnt hatte. Den Bedienten in allen Behörden wurde denn auch eingeschärft. 220 hältnisse zu erreichen. Daher Wir dann resol- vieret.« Aufklärung FWG Bd.

die »unsre SOUVERAINE HOHEIT« angehen. Mit der Einrichtung des »Generalcommis- sariats-Collegiums« im Jahre 1712 wurde zusätzlich eine Art Oberbehörde »unseren Landesregierungen und den Justiz-Collegiis« zugeordnet. Von seinen beiden Nachfol- gern wurde es immer wieder angewendet. Ängstlich darauf bedacht. ohne wirk- lich jenen Beamten-Typus hervorzubringen. bei aller Reformfreu- digkeit nicht die monokratische Position auch nur Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte . indem die Be- schränkung der Replikationen (Gegenreden) der Ad- vokaten verordnet wurde. Doch »Kammersachen«.18529 b. Diesen wiederum sei durch »absonderliche Edicta« angezeigt. Sie sollte ge- wisse Kontrollfunktionen ausüben. welche das Appellationsge- richt in Königsberg ursprünglich »gänzlich« abschaf- fen wollte. 220 blica« nicht mehr kannte.« Aufklärung FWG Bd. sollten neben anderen Fällen an »unsere Regierung« geleitet wer- den. 25. ohne jedoch die oberste Juris- diktion des Monokraten anzutasten30. »wie weit die POTESTÄT und JURISDIKTION eines jeden Collegii gehen solle«. »Das mit Cron und Szepter prangende Preußen. von dem sich die borussische Behördenwissenschaft so man- chen Mythos zurechtgelegt hat29. Mit der Vergatterung der Bedienten ging eine Re- form des Gerichtsverfahrens einher. Ein umfangreiches »Domänen-Reglement« für die Regierung und Kammer in Preußen ergänzte diese Maßnahmen. ohne allerdings diesen Kollegien »Eintrag« zu tun.

soll- te aufgrund einer Instruktion für die Kriegs. die zu »treuer Eidespflicht« angehalten wurden und im Falle einer Pflichtverletzung mit Ehr. daß »an Kerbstöcken jährlich zu kontrollieren ist. »die neu eingeführte Oeconomie-Art mit WENIGER LEUTEN und MEHREREM NUTZEN« Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte . Alle diese Maßnahmen standen unter dem Motto des Wachstums und der Ertragssteigerung für das »souveräne Haus«. »Das mit Cron und Szepter prangende Preußen. deren alleinigen Oberbefehl der Mono- krat innehatte und die hauptsächlich durch holländi- sche und englische Subsidien unterhalten wurde. bestimmte Friedrich I. daß »in öko- nomischen und Kameralfällen« keine Appellation. in einem Erlaß zur Kammer-Reform.und Steu- erkommissare. d. mehr Mittel aus den ei- genen Landen |erhalten. damit »Sei- ner Königlichen Majestät NUTZEN« gewahrt und vermehrt werde. 221 dem Scheine nach zu schwächen. Hab und Gut zu haften hatten.« Aufklärung FWG Bd. 25.18530 b. Es wurde auch begonnen. Dazu gehörte die beabsichtig- te Verbesserung der Domänenverwaltung.h. ob jeder NACH PRO- PORTION seiner Familie auf den königlichen Müh- len hat mahlen lassen«32. Dessen Bediente wurden streng angewiesen. Die Armee. eine Anfechtung eines in seinem Namen ergange- nen Urteils in letzter Instanz möglich ist31. einen Re- gister-Index für die vorhandenen Güter von 1612 an mit zugehörigen »Erbregistern« (Urbarien) zu erstel- len. Außerdem sah man darauf.

« Aufklärung FWG Bd. Dieser Vorgang beweist erneut die gezielte Poli- tik der Herauslösung des Hohenzollern-Staates aus der Rechtshoheit des Heiligen Reiches und die stufen- weise Steigerung der Macht gegen das überkommene Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte . sollte Vorschüsse gegen »zureichende Caution« er- möglichen und damit die Ansiedlung neuer und den Ausbau bisheriger Gewerbe fördern: darunter auch die Seidenindustrie.18531 b. »Das mit Cron und Szepter prangende Preußen. 221 einzubürgern und mit aller Macht pünktlich und genau durchzusetzen. war auch bereit. 25. Ein neu geschaffener Fonds (Fundus). Friedrich I. deren Bewohner ein JU- DICIUM MAGIS ABSOLUTUM anzurufen gedach- ten. die sog. aus der die Chargenkasse und 1721 mit dieser verbunden die Rekrutenkasse hervorging. nach dem Vorbild der Marinekasse von 1686 angelegt. und zwar »für alle im Reich außer der Mark Brandenburg bele- genen königlichen Lande«. »Fa- brikenkasse«. In dieser kurzen Reformperiode wurde auch die be- wußte Zusammenlegung des Ravensberger Appellati- onsgerichtes mit dem in Colin betrieben. deren Anfänge noch in die letzten Regierungsjahre des »Großen Kurfürsten« fielen und die mit der »Chinesischen Kompagnie« und dem Er- werb von Kolonien in Afrika33 Ausdruck des ›ökono- mischen Orientalismus‹ ist. den »Manufacturies und Fabricanten in Unseren Landen nach Notdurft und Befinden assistieren« zu wollen.

vor dem er für seine Regie- rung Rede und Antwort stehen wollte. Der spätere Friedrich II. der »aus Eigensinn heftig und aus Sorglosigkeit sanft war«. hatte er die Ge- wißheit. aber es wies doch seinem Nachfolger den Weg34. sondern kurfürstlich und somit liber- tär ausgerichtet. weil »dieser Name meinem Hause glückbringend gewesen ist«36. wobei Kaiser Karl VI. daß die Erbmonokratie gesichert war. wie an- gegeben wurde. Aber auf derartige Unterschiede nahm Friedrich I.18532 b.« Aufklärung FWG Bd. Dies war ein Zeichen weiterer Anerkennung der neuen Monokratie. 25. »Das mit Cron und Szepter prangende Preußen. Januar 1712 war ein Enkel geboren worden. Denn am 24. und Zar Peter I. Friedrich I. Als er am 25. Sein inneres Reformprogramm blieb zwar Stückwerk. ließ er es nicht zu. waren doch die Länder des »Hauses Hohenzol- lern« außerhalb Preußens nicht »königlich«. und im Besitz |dieses neuen Status. 222 Recht. substantiell etwas von der »absoluten Macht« an Untergebene ab- zutreten. daß er »in den verschiedenen Kriegen des Kaisers und seiner Bun- desgenossen 30000 Untertanen opferte«35. Februar 1713 vor den Richter- stuhl Gottes treten mußte. den er aus der Gottunmit- telbarkeit herleitete. welche Friedrich Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte . keine besondere Rücksicht mehr. neben anderen vermittels ihrer Vertreter die Patenschaft übernommen hatten.. hatte den Erwerb der »Kö- nigswürde« dadurch auch betrieben. Er sollte seinen Namen tragen. wurde unter großem Pomp getauft.

Selbstherrlichkeit. sich bei diesem Ereignis mit den Insignien eines Souveräns vom Schwarzen-Adler- Orden zu zeigen. Unterdrückung und Kor- ruption. Terror und »Aussaugung« befestigte er mit dem Patrimonium Preußen den Ab- solutismus seiner Krone. anscheinend. Es genügte Friedrich Wilhelm I. Die folgenden »Erb-Huldigungen« vor allem der Kur-Mark mit der einseitigen Eideslei- stung der Ritterschaft und der Berliner Bürgerschaft bestätigten den entschlossenen Willen dieses Potenta- ten. »Das mit Cron und Szepter prangende Preußen. mehr verdankte.« Aufklärung FWG Bd. daß er der Erb-Herr im Vollbesitz seiner absoluten Haus-Macht war.18533 b. Eine Eigenkrö- nung fand allerdings nicht statt. die jedem Anwesenden bedeuteten. 25. Der kaiserliche Gesandte Schönborn in Berlin be- richtete dies nach Wien und traf damit Friedrich Wil- helms I. an dem die Nachfolger wei- terbauen konnten. Bei aller Mißwirtschaft. häufig geäußerte Selbsteinschätzung als Selbstherrscher sehr genau. Diese floß aus der »Con- duite des Königs in Preußen« und damit aus der Natur des DOMINIUM ABSOLUTUM und preußi- Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte . Der neue König in Preußen bereitete seinem ver- storbenen Vater ein Prunk-Begräbnis mit einer pom- pösen Aufbahrung im Berliner Dom. als die Lobredner seiner beiden Nachfolger und seines Vorgängers zugestehen möch- ten. 222 I. »alles selbst und allein tun zu wollen«37.

Leute. August 1713 bekräftigte er nach- drücklich die seit 1688 zu beobachtende Tendenz. erneuerte Friedrich Wilhelm I. die auf sie »vererbten Lande.und Fürstlichen Hauses« – gemeint war in erster Linie der Geraer Hausvertrag von 1599 – mit einem »ewigen Fideicommiß belegt« hatte. Städte. den bereits weit fortgeschrittenen Bestand des patrimonial angelegten Haus-Staats zu erweitern: Das »Anwach- sen Unseres Königlichen Hauses« wurde der Motor seiner Politik der verstärkten Destruktion libertärer Restbestände. künftig aus diesem Hausbesitz eine Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte . diesen Ent- schluß. der 1710 den gesamten Hausbesitz im Rahmen der bestehenden »Verfassungen |und Grundgesetze dieses Königlichen. Diese Maßnahme zur »Conservation Unseres Kö- niglichen Hauses« betrieb gleichzeitig in forcierter Form die rechtliche Gleichschaltung der »Schatoul- und ordinairen Kammergüter« sowie diejenige der alten und neuen »Domänen-Gefälle«. 223 schen Patrimoniums. 25. Unter Hinweis auf das »freye Gefallen« seines Va- ters. »Das mit Cron und Szepter prangende Preußen. Chur.18534 b. In seinem bekannten »Edict von der Inalienabilität derer alten und neuen Domänen- Güter« vom 13.« Aufklärung FWG Bd. Schlösser und andere Zuhörungen zu des Hauses Nachteil völlig alienieren und auf andere transferieren« zu wollen. Es war fortan allen »regierenden Herren und Mitgliedern« seines Hauses streng untersagt. Außerdem wurde untersagt.

. 25. »Das mit Cron und Szepter prangende Preußen. Man hat in dieser einschneidenden Maßnahme eine umfassende »Verstaatlichung« der Kammergüter und des sonstigen Dominialbesitzes sehen wollen. Das Unterbinden jeglicher Verlehnung aus diesem patrimonial angelegten Haus-Eigentum bedeutete gleichzeitig eine Absage an ein lehnsbezogenes Ver- tragswesen mit zugehörigen Gerichten und »Assecu- Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte .18535 b. die sich auf einen Staat neben oder gar über dem jeweiligen Regenten gar nicht mehr beziehen will. Wurde sie dennoch ge- währt.« Aufklärung FWG Bd.. »der- gleichen Alienationes zu revocieren . Tat- sächlich handelte es sich aber um eine gezielte Priva- tisierung dieser vormals libertär kontrollierten Lan- desgüter mit haus-staatlicher Wirkung. ohne daß dem Detentori einige Erstattung« genehmigt zu werden brauchte. unterschrieb mit seinen »eigenen hohen Händen« dieses wichtige Dokument als »Unsere ewigwährende Constitution«38. dann hatten die Nachfolger das Recht. das 1713 neu geschaffen wurde. Diese selbst- herrliche Aneignung ist Ausdruck einer »dynastischen Auffassung des Staates« und der Inbegriff einer »pa- trimonialen Entartung« (Hintze). 223 Verlehnung vorzunehmen.. Friedrich Wilhelm I. hatte diese possessive Gleich- schaltung »gehorsamst« zu überwachen. »Unser General-Finanz-Direktorium«.

Als beim Eintreiben der sog.« Aufklärung FWG Bd. In seiner Eigenschaft als »von Gottes Gnaden König in Preußen« hob er »alle und jede in unserem König- Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte . So verfügte er auch die Aufhebung des alten »Landkastens« und er- zwang 1717 die Abschaffung des Lehnswesens.«39 Das Einberufen der Landtage ob in Cleve-Mark oder Preußen hält er also für eine windige Sache. wenn man zum Zweck kommt. 224 rationen«. Nichts fürchtete Friedrich Wilhelm I. Kriegsgefälle der Vorschlag von preußischer Seite gemacht wurde. Das Verhalten der preußischen Adligen um Wallenrodt und Müllen- heim – sie ließen sich ihre Opposition mit kleineren Summen abkaufen – konnte seinen Respekt vor den »Junkers« dabei nicht gerade erhöhen. zumal er für seinen Unterhalt als Landesherr »Diäten« (Tagungsgelder) zu stellen hatte. die erwarteten Gelder in Höhe von 220000 Taler im her- kömmlichen Verfahren einer Beratung mit dem Land- tag bewilligen zu lassen. kommentierte er dieses An- sinnen mit den berühmten Worten: »Ich komme zu meinem Zweck und stabiliere die SOUVERÄNITÄT und setze die KRONE fest wie einen ROCHER |VON BRONCE und lasse den Herren Junkers den Wind von Landtag. mehr als eine Rechtskommunikation mit den Stän- den. »Das mit Cron und Szepter prangende Preußen. die nur noch in den Reichs-Landen formal geleistet wurden. Man lasse den Leuten Wind. 25.18536 b. die noch wichtiger war als das Domänenedikt von 1713.

Schulzen. so daß der »innerliche Wert der bisheri- gen Lehngüter um ein Merkliches verbessert wird«40.und ERBGÜTER«. ist »gänzlich aufzuheben«. Die »bisherigen Lehngüter« dürfen »hinfüro als Erbgüter besessen und genützet. Freiheiten und Gerechtigkeiten Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte ... die aus der »königlichen Gnade« komme. an adeliche. Die neuen Erb-Besitzer bekamen bald darauf eine Denkhilfe. jenseits der Elbe und Oder« sollte der alte »Roßdienst« pro Erbgut abgegolten werden. dem »Adel zum Besten . einsehen und sich beraten. auch in der Chur und anderen Landen belegenen LEHEN ohne Unterschied. Mit »jährlich 40 Reichs- talern.. 224 reich Preußen. Die Ritterschaft. meist Militärpferde. wes Namens oder Art dieselben sein. Der »darauf haftende NEXUM FEUDALEM und alles. die bisherigen Lehnsleistungen. auf andere Weise zu beschaffen und zu unterhalten.« Aufklärung FWG Bd. was demselben dem LEHNRECHTE nach anklebet und davon depen- dieret«. über selbige von den Eigentümern frei und ungehindert disponieret« werden. »Auf ewig« sollten alle Lehnsbeziehungen »cassieret und annul- lieret« sein. wie man der königlichen Kasse jährlich mit einem festen Be- trag helfen könne. Vasallen und sonstigen Lehnsleu- te sollten nach dem Willen des Monokraten den Vor- teil dieser Maßnahme. 25.oder Bauren-Lehen« auf und erklärte sie »vor ALLODI- AL. dessen Güter noch überdem mit solchen Prärogativen. »Das mit Cron und Szepter prangende Preußen.18537 b.

zerstörte Friedrich Wilhelm I.und eingestellt und anstatt des- sen an Unser hiesiges Oberappellationsgericht appel- lieret« werden solle.B. Als Grund für diese Veränderung gab er Kostenersparnis an und die Möglichkeit. wie es hieß. Dohna) beibehal- ten wollte. das Fundament des vormals geltenden libertären Lehns-Staates voll- ends. 25. ganz aus dessen Justiz-Hoheit herauszulösen. die »nicht den geringsten Schatten von denen alten |Verfassungen« (A. So bestätigte der Hohenzoller z.« Aufklärung FWG Bd. Mit dieser »Veränderung des Lehnswesens«. eher als bisher ein »unparteiisches Recht in der letzten In- stanz« zu bekommen. welche rechtlich zum Heiligen Reich gehörten. 225 (zu) benefizieren« dem Erb-Herrn im Sinne lag41. stellte sich aber bald als Eigennutz heraus. Denn er verhinderte mit dem verordneten Um- schlag vom libertären DOMINIUM UTILE der Lehnsleute ins patrimoniale DOMINIUM DIREC- TUM der Erbbesitzer jede Klage wegen Felonie von Seiten der Lehnsleute. Denn Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte . diejenigen Länder. In diese Politik. aber im Zuge der Etablierung einer neuen Justizordnung erklärte er ihnen. den Ständen im Fürstentum Minden formal ihre alten Rechte und Freiheiten. Was sich als vernünftig und »aufgeklärt« ausgab.18538 b. paßte das Bestreben. »Das mit Cron und Szepter prangende Preußen. daß »die bisher noch gebräuchlichen Provocationes an die Judicia Imperii (Reichsgerichte) hinfüro gänzlich ab.

wollte sich in den anstehenden »Domänenprozessen«. zeigt sein Vorgehen bei dem Erwerb von Geldern 1714. 25. Gemäß den Bestimmun- gen des Venlooer Vertrages von 1543 war der Hohen- zoller als Rechtsnachfolger der Erzherzöge des »Hau- ses Österreich« verpflichtet. als Souverän gleichzeitig der »höchste Richter« zu sein. der die libertäre Lehnsstruktur dieses »specialen Fürsten- tums« garantierte und dabei das Recht der Reichsap- pellation einschloß. obgleich er dort als Kur- fürst oder Herzog einen vertraglichen Rechtsstatus besaß. Im Bewußtsein. 225 Friedrich Wilhelm I. der ihn nominell als Untertan des Kaisers und des Reiches einstufte. verfährt Friedrich Wilhelm I. unter der Anwendung seines Königstitels auch in seinen »Reichsprovinzen«. die er gegen adlige Kammer- guts-Besitzer führte. den Homagial-Rezeß von 1650 und auf den Reichstagsabschied von 1654. Bei der »ersten Erbhuldigung« Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte . nicht von der Appellation an die Reichsgerichte behindern lassen. »Das mit Cron und Szepter prangende Preußen. aber gab zur Antwort.18539 b. die libertären Rechte der Stände anzuerkennen. Friedrich Wilhelm I. Die Mindener Stän- de protestierten denn auch gegen die Vorstellungen des Berliner Monokraten und beriefen sich auf den Westfälischen Frieden. daß »Wir in solchen Dominialprozessen nimmer einige Appellation an die Reichs-Judicia ver- statten werden«42.« Aufklärung FWG Bd. Wie empfindlich er in dieser Hinsicht geworden war.

und seinem Nachfolger Friedrich II. daß die früher in Dokumenten gebräuchlichen »Wörter LEHEN DES HEILIGEN RÖMISCHEN REICHES Deroselben |an Dero unbe- schränkter Souveränität . Denn er war in seiner Qualität und Funktion dessen absolu- tistische Negation. und somit schworen die Vertreter der Stände in holländischer Sprache ihren Eid auf den »souverainen Erbherrn«. Augstein) zu nennen. Dieser Prozeß der dominialen Durchdringung der bestehenden libertären Lehnsstruktur in all seinen alten und neu erworbenen Ländern ist das Kennzei- chen eines ›patrimonialen Absolutismus‹.. dessen stu- fenweise Etablierung es nicht gestattet. 226 in diesem Gebiet der habsburgischen Niederlande. daß Geldern nicht als »Reichslehen« behandelt werde. »Das mit Cron und Szepter prangende Preußen.. diesen Haus- Staat der Hohenzollern unter Friedrich Wilhelm I.« Aufklärung FWG Bd. im geringsten nicht nach- teilig« sein dürfen43. Deshalb auch führte die Zerstö- rung und Beseitigung noch vorhandener »Libertät« der Stände zu der Besonderheit der »Cameralwissen- schaft«. Gooch. bei der er sich durch Kommissare und ein Porträt vertre- ten ließ. Dieser wurde auch geleistet. Außerdem verlangte er. Aber nur kurze Zeit später bestand der Monokrat darauf. bestanden die Stände auf dem Verfassungs- eid.18540 b. zu der absolutistischen Verwaltungslehre eines patrimonial angelegten Haus-Staates mit einem Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte . einen »Feudal- Staat« (Mehring. 25.

Hinzu kam der käufliche Erwerb des Gebietes in Vorpommern von Stettin bis Peene im Frieden von Stockholm im Jahre 1720. Er schaffte es durch das Eintreiben ausstehender »Erbschaftsgelder«. Ein Beispiel mehr dafür. Zählten die Oberräte 1648 in Preußen 48354 Hufen an Kammergut.. Außerdem hatte er nach eigenem Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte . den England garantierte... 25. bereits 123146 Hufen. das »Dänische Gesetz«. d.« Das war eine der wichtigsten Devisen Friedrich Wilhelms I. daß sich der Absolutismus der Hohenzollern in essentiellen Bereichen weniger an Frankreich als an den Eingewalts-Ländern Schweden und Dänemark orientierte44.. so gut wie man kann. auch dank der gewonnenen Dominialprozesse.h. wobei der »in dem Königreich Dänemark . der im Inneren den Besitzstand seines »souveränen Hauses« erheblich vergrößerte. An den »alten Dessauer« schrieb er dazu: »Ich darf (es) aber nit sagen. fürs ganze Land« und einer Justizord- nung. eingeführte MODUS PROCEDENDI (Prozeßgang) absonderlich zum Modell« genommen wurde. ich muß Schweden 2 Millionen Taler und an die Herren Reichsräte 120000 Taler geben und anno 1722 muß alles bezahlt sein«45.18541 b. »Das mit Cron und Szepter prangende Preußen.. das der »Enevaelde«-Monokrat Christian V.« Aufklärung FWG Bd. so waren es bereits 1722. denn ich mir schäme. 226 »Landrecht . »Das SEINIGE muß man in Acht nehmen. 1699 verordnet hatte.

Allerdings mußte Fried- rich Wilhelm I. werde ich mir als Herr des- potisch soutenieren. am Berliner Hof fast vergessen. und der Kaiser intervenierte auch neben anderen. nachdem er seit seinem Re- gierungsantritt radikal alle Gehälter der Zivil. die Ur- teile der eigenen Gerichte mißachtend.. Gegen Katte selbst aber verhängte er. schrieb der Monokrat: »Solange Gott mir das Leben gebe. der in der eigenen Familie als »Haus- Tyrann« verschrien war. um der »Tyrannei« des Va- ters zu entgehen. jener Philosoph und Jurist also. An die Adresse Londons gerichtet. wegen »Desertion« hinrichten lassen wollte.18542 b. Diese Maßnahme traf auch das Gehalt des Akademie-Präsidenten Leibniz. Denn der Kronprinz stand als Reichsfürst unter dem Rechtsschutz des Hei- ligen Reiches. als der Monokrat seinen Nachfolger Friedrich II. der mit der Theorie vom »Maison souveraine« und der souveränen Qualität militärischer Hausmacht besonders diesem »Haus Brandenburg« ideologisch den Weg zu einem absolu- ten Haus-Staat geebnet hatte. wenn ich auch 1000 der Vor- nehmsten die Köpfe abschlagen lassen sollte. Denn Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte . »Das mit Cron und Szepter prangende Preußen. |besonders in der Affäre um den Kronprinzen Friedrich und dessen Freund Katte 1730 erfahren. 25. das Todesur- teil. daß seine »Absolutesse« immer noch eine juridische Begrenzung hatte. wohin der Kronprinz fliehen wollte.« Aufklärung FWG Bd.und Militärbedienten gekürzt hatte. der 1716 starb. 227 Bekunden »genug Geld«.

»wie in Deutschland noch nit gese- hen worden wäre«. das »General-Ober-Finanz-Kriegs. daß die Gewalt über das patrimoniale Eigentum eine Eigendynamik entwickelte. daß ich keine Nebenre- genten nit würde bei meiner Seite zulassen«46. »Das mit Cron und Szepter prangende Preußen. Die Gleichschaltung und Konzentration der Behörden er- lebte 1723 einen neuen Höhepunkt.und Do- mänen-Direktorium« gründete. dessen Inhaber auf Wachstum eingestellt sind und deren »Sinnen und Trachten auf nichts als Haben und Haben und Zusammenbringung großen Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte . daß er ihren Ungehorsam so zu be- strafen gedächte. Das Machtmittel dieser Selbstherrschaft nach Wil- lem war das pausenlose Einbleuen der »Subordinati- on« auf allen Ebenen dieses Haus-Staates. 227 die Engländer sollten wissen. 25. Seine patrimoniale Monokratie näherte sich von der possessiven Anlage her der »Eigengewalt« seines östlichen Nachbarn wie der monokratischen Natur der »Eingewalt« in Dänemark. und zwar »exemplarisch und auf gut russisch«47.18543 b. Dabei ist nicht zu überse- hen. die dynastischen Ei- gennutz und Eigensinn förderte. Er erklärte dabei sei- nen »Bedienten«. der hier zur »großen Einheit« führte. als Friedrich Wil- helm I. Es ist nicht der Mer- kantilismus. wie Schmoller und seine Nachfolger meinten.48 son- dern der ›Patrimonialismus‹ als Inbegriff absoluten Besitzes.« Aufklärung FWG Bd.

die Einführung des »teutschen Pflugs« und die Bestellung der Felder in größeren Einheiten. Mehr als einmal klagte denn auch der Monokrat. Ansiedlung von 20000 Protestanten aus dem Salzburger Land. so will ich nit zu Gott kommen«.« Aufklärung FWG Bd. sowie der Einsatz neuer Bedienter des Re- genten und »alle Jahr 600000 Taler« von Berlin an direkten Zuschüssen brachten nur allmählich die er- warteten »Profite«. Gerade in Preußen. wandte er sich gegen den Merkantilismus.18544 b. Übernahme »teutschen Gel- des« – »das hat mir der liebe Gott eingegeben« –. Er wollte. der 1738 bei der Abschaffung der Prü- gelstrafe die preußischen Bauern davon ausnahm. »Das mit Cron und Szepter prangende Preußen. entsprach diesem Urteil in jeder Hinsicht. 25. über das er die Qualität eines Erbherrn besaß. Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte . So er- folgte auch nach der endgültigen »Vernichtung des ständischen Einflusses« (Iwanowius) in Preußen |die Organisation des Behördenwesens nach seinen patri- monialen Haus-Bedürfnissen. Landvermessungen. 228 Geldes und Armeen gerichtet« ist (Schönborn). Verteilung des Bodens nach »neuem Fuß«. Bestra- fung von »rebellischen« Bauern. gegen »die Neuerheiten wegen des Commerce«. was nicht ohne Verlu- ste ablief: »In meinen Af fairen ist so eine große Con- fusion. fast woraus zu kommen«49. Friedrich Wilhelm I. daß ich nit weiß. »daß das platte Land flo- rieren soll und habe ich eine ander Intention als diese (Neuerer). Ver- kürzung der Fron.

»Das mit Cron und Szepter prangende Preußen. »sehr kostbarer Edelgesteine« und bei der Beschaffung der »schönen Kerls«. Er nahm mit dieser Formulierung eine Bewertung auf. 228 weil sie angeblich faul und nichtsnutzig waren. weil sie ihn »nicht als dero ERBHERREN« anerkennen wollten50. als wirkte dieser »Fluch« auf das »Haus Hohenzollern« zurück: »Preußen rui- niert mich total. den Gooch nicht zu Unrecht als »Geiz« ver- steht. um seinen Nachfolger auf die Behandlung der Preußen einzustimmen. Er hatte jedoch dort seine Grenzen. kam aus seinem Sinn für »Spar- samkeit«. wo sich der Monokrat an Aktien-Spekulationen in England und den Niederlanden ebenso beteiligte wie am oft ver- tuschten Ankauf »silberner Möbel«. die ihm an Wuchs nicht »lang« genug sein konnten. 25. war auf der Basis seiner Haus.und Kapitalmacht ein Universal-Unternehmer großen Stils. während er gleichzeitig Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte . jener Soldaten also. Es hat fast den Anschein. Der Markgraf Albrecht (1525–1568) habe den Preußen nach der Säkularisierung des Ordenslandes »den Fluch anstatt Segens gewünscht«. Friedrich Wilhelm I. über die »Preußische Haushaltung« und meinte. wobei die Merkantil-Politik in den Städ- ten mit ihrer Förderung der Gewerbe und Manufaktu- ren einigen Gewinn abwarf.« Aufklärung FWG Bd. das frißt mich auf.18545 b. die sein Vater in den »Staatsma- ximen« von 1698 anführte. es liege »ein Fluch darauf«.«51 Das Gejammer Friedrich Wilhelms I.

die 1721 in Berlin beraten wurde: »Wer . 25.« Aufklärung FWG Bd.18546 b. zeigt dies ebenso wie seine Bemerkung zur Domänenlage in Preußen... Dabei wird aber zu wenig berücksich- tigt. Braubach.B. Österreich). »Das mit Cron und Szepter prangende Preußen.und Disziplinierungsinstrument für die eigenen Behörden – das »Auge und Ohr des Kö- nigs« –. dem die lange Friedenszeit oft als eine |überaus positive Lei- stung angerechnet wurde (Hinrichs. Hint- ze. eine Verlehnung an den »alten Dessauer« mit dem Bescheid. Ich will Preußen traktieren. So gestattete er z. hat die unter sei- nem Großvater begonnene Neuordnung nach Reform- Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte . 229 verwandte und andere Häuser durch Landvergaben geneigt machte. ein Inquisitions. »Dero Fürstliches Haus auf solche Art noch fester an Mich verbunden zu sehen52«. muß wirtschaften in allen Landen. ein Wirt ist. Der Ausbau des »Fiskalats«. da KEINE VERFASSUNG ist. als wenn ich es vom Feinde erobert hätte. Der »größte innere König« Preußens (von Schön 1816). das erst 1809 aufgelöst wurde. der als »der große Wirt in Preußen« (Bornhak) die ersten volkswirtschaftlichen Professuren in Frank- furt/Oder und Halle einrichten ließ. Kein Potentat des »Hauses Hohenzollern« hat sich vor ihm durch dauerndes Reisen so um seinen Besitz- stand gekümmert wie Friedrich Wilhelm I.. die soll neu gemacht werden«53. daß dieser Monokrat eine Art ›inneren Kriegszu- stand‹ verwaltete.

die Leibniz so am Herzen lag. der auf der Ebene der ZENTRALINSTANZ weitere Konzentra- tionen der Kompetenzen ebenso durchsetzte – 1728 sogar ein »Department für auswärtige Affairen« – wie im Bereich der PROVINZIALINSTANZ. 25. Bei aller Vereinheitlichung und Zentralisierung von Befugnissen in der Hand des Monokraten gelang aber weder die Einheit oder »Union« der reformierten mit der lutherischen Kirche. In diesen Bezeichnungen gibt sich auch das »immediate Deo« zu erkennen und das »übermenschliche PRO DEUS«- Verhalten (Hubrich) dieses Hohenzollern. wo die »rein landesherrlichen Kriegskommissariate oder Kriegskammern« (E. Bei der LO- KALINSTANZ schließlich verdrängte der Commissa- rius loci (Steuerrat) besonders in den Städten die überkommenen Magistrate mit ihrer Selbstverwaltung vollends54. 229 ansätzen seines Vaters im Rahmen des Kriegsrechts vorangetrieben und das erprobt.und Regalienämter ablösten.« Aufklärung FWG Bd. – mit ihren »Immediat«-Berichten der Minister und den »Immediat«-Instruktionen des Monokraten. noch schaffte er trotz der Kriminalordnung von 1717 und der Einheit im Strafprozeß und Appella- tionswesen die Kodifikation eines Allgemeinen Land- Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte . Schmidt) noch bestehende alte Domänen. was man die »Regie- rung aus dem Kabinett« genannt hat – davon auch die Bezeichnung »Kabinettskriege« im 18. Jhd.18547 b. »Das mit Cron und Szepter prangende Preußen.

. der »in der Person des Kurfürsten. ob Friedrich Wilhelm I.. Cleve-Mark und anderen Ge- bieten noch einen gewissen Schutz gewährte und das Haus Hohenzollern in Rechtsschranken wies. so zu steigern. und berück- sichtigt man die Rechtsvorbehalte des Heiligen Rei- ches.« Aufklärung FWG Bd. dann er- scheint es recht zweifelhaft. Bedenkt man. ein übergeordneter »Staat«. Kategorien wie die transpersonale »Nation«. das der Kurmark.und Be- rufsständen gar nicht zu reden. sinnfällig ver- körpert« gewesen sei. 25. daß »die Grundlage zur Erlangung einer Großmacht-Stellung für den preußischen Staat ge- legt« wurde – »kaft (der) historischen Notwendigkeit des Absolutismus«55. 230 rechts für alle Territorien seines Haus-Staates. Auch die allgemeine Schulpflicht von 1717 hat nicht jenes Einheitsdenken im Auge gehabt. der sich aus fundamentalen Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte . daß Armee und Beamtentum nur In- strumente der »absoluten Macht« waren.18548 b. um sich dann über die »Idee des Gesamtstaates« unter Friedrich Wilhelm I. »Das mit Cron und Szepter prangende Preußen. seinem Beamtentum . das der kleindeutsche Borussismus nach 1871 in allen Aktionen des »Soldatenkönigs« angelegt sehen wollte: Den »Staatsgedanken einer modernen Zeit«. je an einen Einheits-Staat im späteren Sinne gedacht hat. Von der scharfen ökonomisch-rechtlichen Trennung in Stadt und Land oder zwischen den Besitz. in |seiner Armee.

230 Verträgen konstituierte oder gar ein souveränes »Volk« waren ihm völlig fremd. wie es gehen soll. Mors.« Aufklärung FWG Bd. indem die politischen Rechte der Stände storniert. die Selbstregierung allein war Ausdruck dieser Haltung: »Parol auf dieser Welt ist nichts als Mühe und Arbeit. die Nase in allen Dreck stecket. auch das Instrument. ihre Orga- ne neutralisiert und die eigenen Hausbehörden organi- siert wurden.. Das »souveräne Haus« allein war diesem Monokraten Inbegriff des Politischen. so gehen die Sachen nit. Mit der Steigerung der possessiven Potenz des ei- genen Hauses durch die Konzentration und Gleich- schaltung der Domänen sowie durch den Erwerb der Länder von Lingen. Das »persönliche Regiment«. und wo man nit selber . wo man nit selber danach sehet«56. »Das mit Cron und Szepter prangende Preußen. denn auf die meisten Bedienten sich nit zu verlassen. Er selbst hatte als Kronprinz 1709 an der Schlacht bei Malplaquet unter dem Kommando des Prinzen Eugen und Marlbor- oughs persönlich teilgenommen und meinte zum Krieg an sich: »Das ist meine Passion und wird sie Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte . Rechtlichen und ökonomischen. Neuenburg oder Geldern aus dem oranischen Gebiet im Frieden von Utrecht 1713 samt Teilen Vorpommerns verbesserte Friedrich Wilhelm I. 25.18549 b.. das zur Sicherung dieser wachsenden Landmasse nach innen und außen unabdingbar war – die Armee.

um damit auch die eigene korporative Befugnis in Mili- tärsachen hinsichtlich des ständischen Defensionswer- kes anzumelden. das sich im Kriegs- recht rückversichert.18550 b. Und sein subjekti- ver Wille war auch in diesem Bereich von der Wir- kung eines objektiven Gesetzes. Jhd. Mit der nicht er- laubten Berufung auf seine Stellung als »König« in den kurfürstlichen Reichslanden ist es sein Wille. aber das hinderte ihn nicht. weiln ihre Charge ganz unnötig.K. »Das mit Cron und Szepter prangende Preußen. ließ der Monokrat den Ständen mit- teilen: »Das JUS BELLI AC PACIS und was davon dependieret. am wenigsten aber |S. daß die von den Ständen bemühte Verfassung vom Naturrecht im Sinne des »Gemeinen Besten« ge- Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte . ohne gleichzeitig gelten zu las- sen. wird man wohl S. Er versprach zwar. aussterben sollen«. wie der Kurfürst Friedrich Wil- helm und sein Vater.M:t verhoffentlich nicht streitig machen oder darunter ein CONDOMI- NIUM prätendieren. sein System der Kommissare unter der Berufung auf das Kriegsrecht weiter auszubauen.M:t die Hände binden wollen. berief.K. 25.« Aufklärung FWG Bd. »die Stände in ihren JURIBUS confirmieren« zu wollen. 231 bleiben«57. wenn sie dieserhalb etwas zu des Landes Bestem zu verordnen gut und nötig fin- den«. Als sich Magdeburg zu Beginn seiner Regierung auf die alte Verfassung aus dem 16. »daß die Landes-Commissarii.

»Das mit Cron und Szepter prangende Preußen. Der Auftrag des Glockenspiels an der Garnisons- kirche zu Potsdam – »Üb immer Treu und Redlich- keit« –. Es er- scheint aus diesem Grunde recht merkwürdig. als er bei einem Besuch in Hannover die dortigen Truppen besichtigte und diese selbst seinen hohen Drillansprü- Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte . die vorhandenen Rechtsorgane zu wahren und sich nicht gegen ihre Benutzung zu wehren. Eine direkte Folge dieser einseitigen Pflichtforde- rung war das Verlangen nach der absoluten Subordi- nation. dem alle anderen Interessen unter dem Deckmantel des »Gemeinen Besten« untergeordnet wurden. sondern nur noch auf das eigene Haus-Interesse. das Kennzeichen eines vertraglich geordneten Gemeinwesens. 231 schützt wurde58. die beschworene Vertragstreue den Ständen gegen- über zu halten. ohne genügend zu bedenken. Denn dann wäre er gezwungen gewe- sen. das er bei seinen Studienaufenthalten in den Niederlanden schätzen gelernt hatte. bewog ihn nicht.18551 b. wenn diesem Monokraten immer wieder sein »strenges Pflichtbewußtsein« als oberste Staatstugend ausgege- ben wird. einer vollkommenen Anerkennung aller Befeh- le »ohne Räsonnieren«. war ihm völlig fremd. 25. und es erstaunte ihn nicht wenig.« Aufklärung FWG Bd. Vertrauen als Fides publica und Absprache auf Gegenseitigkeit. daß die Pflicht nicht mehr nach Maßgabe des libertären »Treu Herr – Treu Knecht« auf garantierte Rechte bezogen wurde.

wie er gerne sagte. keine geordnete Listenführung oder eine Übersicht der Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte . daß »mancher zum Soldaten nicht . mit seinem guten Willen gebracht. denn sie (die Offiziere) fast keinen Kerl schlagen dürfen bei (des) Königs Ungnade..18552 b. hatte zu gehorchen und mechanisch zu funktionieren. Danach sollen diese Soldaten bei »vorfallenden Notfällen« ihrem »König und Landesherrn treu und redlich dienen . den man wegen des Ausbaus der Armee als »stehendes Heer« nicht ganz zu Unrecht den »Soldatenkönig« nannte. das wundert mir sehr«59. stellte er ver- wundert fest.. Schon im Edikt von 1711 gegen die häufige Desertion der Soldaten gestand man ein. »Das mit Cron und Szepter prangende Preußen. und das wissen die Gemeinen und gehet doch in Ordnung.« Aufklärung FWG Bd... gab es keine geregelte Dauer der militärischen Dienstpflicht. Seine Vorstellung von Selbst-Herrschaft duldete kein Selbstbewußtsein der Untertanen oder gar der Soldaten. dem der »blinde Gehorsam« in entwürdigender Weise eingeprügelt wurde. »aber nit aus Subordination. sondern viele mit Gewalt ausgenom- men und geworben werden müssen«. und Gut und Blut für die gemeine Reichs. 232 chen genügten: »Sie tun es aus Lust«. zu einem gedrillten Befehlsempfänger. Die »Maschine«. Bis zu Friedrich Wilhelm I. aber nicht zu denken. 25. Der militärische Mensch in |seiner Haus-Armee wurde zum willenlosen Maschinenteil degradiert.und Lan- deswohlfahrt willig hergeben«60..

232 wehrfähigen Männer. weil es keine Institution mehr gab. be- gann er. aus dem alten Wibranzen. das Abrüstungsgebot des Utrecht-Friedens einzuhalten. Die Ausdehnung des neu organisierten Kriegsdien- stes auf die Friedenszeit »erschien dem öffentlichen Rechtsbewußtsein zunächst als ein Akt des Despotis- mus« (Jany). Am Beginn der Neuordnung des Militärdienstes im Hohenzollern-Staat steht also ein offensichtlicher Bruch des Völkerrechts und der libertären Landesver- fassungen. 25. Mit der Aufhebung der alten Miliz wurden von 1713 an die tradierten »Kapitulationen« verboten. Die zahlreichen Dekrete und Reglements dazu sind denn auch von einer Gewalttätigkeit gekennzeichnet. die nur nach dem Gefallen des Monokraten gewährt wurden.18553 b.und Milizsystem eine Militärmacht einzurichten. Die Untertanen in Stadt und Land wurden außerdem »nach ihrer natürlichen Geburt und des höchsten Gottes eigener Ordnung und Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte . die Friedrich Wilhelm I. Statt die Abrüstung nach den Bedingungen des Utrechter Friedens zu betreiben. soweit sie noch bemüht werden konnten. »Das mit Cron und Szepter prangende Preußen. demnach die »Entlassungen« von Soldaten und Offizieren nach einem Friedensschluß.« Aufklärung FWG Bd. die als »Kanton-Ver- fassung« im Prinzip bis 1806 bestehen sollte. die nur aufgrund der Rechtlosigkeit der Soldaten und der absoluten Macht des Monokraten erklärbar ist. hätte zwingen können. aber die zugehörigen Maßnahmen waren nicht aufzuhalten.

h. so daß zeitweise sogar die Finanzierung dieser »Maschi- ne« gefährdet war. Weniger Bauern erbrachten gerin- gere Einnahmen der KONTRIBUTION. einer indirekten Verbrauchssteuer. Dabei sollten die fehlenden Soldaten durch eine Gewaltwerbung zu- sätzlich beschafft werden. und statt Gewaltwer- bung sollte ein freiwilliges Eintreten in die Armee bei öffentlichem Trommelschlag und mit Überreichung Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte . daß »angesessene Leute als Bürger. |Der einsetzende Drill unter Prügeln verursachte bald aber eine »unerhörte Desertion« und eine Flucht aus dem Herrschaftsbereich dieses Monokraten.18554 b.« Aufklärung FWG Bd. 25. Bauern und Kossäten« nicht als Soldaten weggenommen werden sollen. Deshalb verfügte der Soldatenkö- nig. d. um das zahlenmäßig wachsende Heer finan- zieren zu können. Die einzige Beschränkung dieser Maßnah- me bestand im Wachstum und der körperlichen Größe des jeweiligen Postillons. und eine Entvölkerung der Städte hatte fast den gleichen Ef- fekt. 233 Befehle mit Gut und Blut« zum neuen Kriegsdienst für »schuldig und verpflichtet« erklärt. Beide Einnahmequellen mußten aber leistungsfähig bleiben. »Das mit Cron und Szepter prangende Preußen. es durften aufgrund einer Ordre »zu Kriegsdiensten etwa tüchtige Passa- giere und Postillons MIT GEWALT weggenommen werden«. welche Häu- ser haben. nämlich Rückgang der AKZISE. einer direk- ten Steuer des Landes für die Kriegskasse.

wie er hinzufügt. war für die Sollstärke der Regimenter wichtig. lehnte eine mit Ständevertretern gemischte Untersuchungs- kommission ab und verordnete eine Strafe von 20000 Talern und Gestellung von 200 Rekruten aus seiner Machtvollkommenheit. »Das mit Cron und Szepter prangende Preußen. als ein Kommando des Regiments Nr. ausgenommen Bürgersöhne.18555 b. was auch auf die Praktiken der einzelnen Regi- menter und Kommandeure zurückzuführen ist.« Aufklärung FWG Bd. schon Kinder zu »enrollieren« und sie mit einem »Laufpaß« zu versehen. deren Eltern 10000 Reichstaler und mehr Vermögen besaßen(!). Noch nach dem kurzen Pommern-Feldzug 1715 war der Monokrat bereit. trotz der weiterhin erfolgten Gewaltwerbung. Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte . Das »Enrollieren« als Eintragen aller ›Wehrfähi- gen‹. 233 eines Handgeldes erfolgen. weil dafür auch der Unterhalt vom Monokraten geleistet wurde. So kam es 1720 sogar zu einem Aufruhr in der Graf- schaft Mark. Ein Edikt von 1721 aber be- stand darauf. Widerstand war zwecklos und wurde hart geahndet. daß die Regimenter damit begannen. 9 in einen lutherischen Gottesdienst eindrang und mit Gewalt rekrutieren wollte. Die Fluchtbewegung war dennoch nicht einzudäm- men. die Sol- daten »mit guter Manier. aber auch. 25. die Werbung »freiwillig und ohne List« zu betreiben mit dem Erfolg. mit »möglichster Li- stigkeit«61. gelinden Worten« zu wer- ben. Friedrich Wilhelm I.

Dieses Listensystem. geord- net nach Kantonen. In dieser Armee nahmen die »langen Kerls« eine Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte . ermöglichte nach Friedrich Wilhelm I. Aus der Kombination von Aktiven und sog. in den Städten zeitweise einem Beruf oder Gewerbe nachzugehen. Nicht umsonst sollen die Mütter ihre Jungen gewarnt haben: »Wachse nicht. weil die |Offiziere »alles enrollieren« mußten.« Aufklärung FWG Bd. »was tüchtig ist und Wachstum hat«.« In der Regel waren die Rekruten zwischen dem 20. mit Ablauf seiner Dienstzeit auch die Erlaubnis zu heiraten und sich häuslich niederzulassen. einer der größten Woll- manufakturen des Kontinents. »Das mit Cron und Szepter prangende Preußen. 25. ergab sich bei einem Anteil von etwa einem Drit- tel geworbener Ausländer eine enorme Erweiterung der Militärmacht. Wer sich aber zu den Soldaten meldete. die nicht mehr dienten. »Ausrangierten«. eine quantitative Steigerung der Armee. und 26. bekam neben dem Handgeld und einer Uni- form aus dem »Lagerhaus«. in denen die Regimenter werben durften. aber in Reserve gehalten wur- den. dessen ERBTEIL wurde eingezogen und die Eltern bestraft62.18556 b. Lebensjahr aktiv im Dienst. ohne jedoch eine Allgemeine Wehr- pflicht eingeführt zu haben. 234 Wer austrat. wobei es Beur- laubungen für die Feldbestellung und Erntezeit eben- so gab wie die Möglichkeit. dich fangen die Werber.

die blutig niedergeschlagen wurden. Vor allem die Auslän- der. »ehrliche Gassenlaufen«. daß die Werber Friedrich Wil- helms I. die Gesetze und Grenzen achten sollten. wobei das sog. Sie gab es auch in Kur- sachsen und sollten die Zierde des ersten Gliedes sein.18557 b. Ungeachtet aller Einwände sah Droysen in diesem Kanton-System. Diese Reaktion ist weitge- hend der Ausdruck eines Machtsystems. zeigen außerdem. »trotz aller Willkür und Gesetzlosigkeit« biete diese gewaltsame Heeresreform doch den »ver- Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte . das mit den Kriegsartikeln von 1713 den geringsten Ungehorsam »es sei auch nur mit Worten oder Räsonnieren« streng bestrafte. »den ersten Schritt zum Staatsbürgertum«. wollten es aber oft gar nicht. unter ihnen auch Russen. wenn es um seine Ei- geninteressen ging. probten zwischen 1724 und 1730 zahlreiche Aufstände in Berlin. die oft bei ihren Werbungen gebrochen wurden. wie wenig Recht und Gesetz von diesem Haus-Staat geachtet wurden63. »Das mit Cron und Szepter prangende Preußen. und Jany meinte. 25. das ab 1730 seine innere Festigung erfuhr. läßt sich aus vielen Klagen der Gerichtsbehörden von Königsberg bis Kleve nach- weisen und die Anmahnungen verschiedener Fürsten des Heiligen Reichs. besonders gefürchtet war. 234 gewisse Sonderstellung ein. die sie oft »wie ihr Eigentum« (Jany) behandelten. Die Rechtlosigkeit der einfachen Soldaten gegen- über den Offizieren. bis zu dreißigmal.« Aufklärung FWG Bd.

Jagen und Geldscheffeln. die er niemals selbst in einem großen Krieg erprobte. die Belange seiner Monokratie durch das Militär sichern zu können. war er stets darauf bedacht. op- timal für ihn arbeiteten. auch die Angehörigen der eigenen Familie. »Das mit Cron und Szepter prangende Preußen. 25. Nur auf diese Weise glaubte Friedrich Wilhelm I. daß dieses Heer allmählich einen inneren Eigenwert entwickelte und für nicht wenige Männer aus den Un- terschichten gewisse Chancen des materiellen Fort- kommens bot. 235 söhnenden Anblick eines entscheidenden politischen und militärischen Fortschritts«. Unmäßig beim Essen und Trinken. wie unmündige Kinder.« Aufklärung FWG Bd.18558 b. Es ist sicher richtig. die »Domestiquen« (Haus-Diener). In der Affäre Kleist ließ er daran keinen Zweifel64 und be- stand auf absoluter »Manneszucht«. das ist das vorderste im ganzen Dienst«.. Besonders in der stehenden Armee. daß seine Bediensteten. zu dem auch die Verheiratung der Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte . erzwang er die »Subordination«. das durch den Terror des Monokra- ten und der adligen Offiziere sowie durch die brutale Erzwingung eines Dienstes zusammengehalten wurde. aber es blieb doch ein künstliches Drill-Instrument. der den libertären |Gedanken des Dienens auf Gegen- seitigkeit in ein unmündiges Reagieren veränderte. Als patrimonialer Landesvater betrachtete er alle seine Untertanen. ganz im Stile ande- rer Zeitgenossen. Sie »muß sein.

wenn sie irgendeine Bindung an sein Haus hatten. die spätere Königin von Schweden und Mutter Gustavs III.18559 b. fuhr er fort. gestern ist eine (Tochter) auf die Welt gekommen« – es war Prinzessin Luise Ulrike. der sein eigenes Regiment nicht richtig in Ordnung gehalten haben soll. 235 eigenen wie der übrigen Landeskinder gehörte. ohne daß dazu die Erlaubnis des Monokraten eingeholt worden war. die den »Tri- umph des Weibchens« (Sombart) in Barock und Ro- koko nicht ausstehen kann. »Das mit Cron und Szepter prangende Preußen. zeigt sein Zornesaus- bruch. Auch wenn er dies mit einem zwinkernden Auge geschrieben haben sollte. Er spricht von ihnen mit jener Verachtung. Männer kriegen sie nit alle . 25. »ich werde ein Kloster anlegen«. als sich eine Tochter des »Dessauers« mit dem Prinzen Heinrich von Schwedt verlobte.«65.. –. wenn sie standesgemäß vermittelt und aus- gestattet werden müssen.« Aufklärung FWG Bd. »da können Euer Lie- ben auch Nonnen furnieren oder man muß sie ersau- fen oder Nonnen daraus machen. die Töchter und Frauen in erster Linie als Heiratsware einstuft und dann als lästig empfindet. 1720 schreibt er dazu an den Freund »Dessauer«: »Es ist Fotzenzeit. Dabei haben ihm vor allem die Töchter Verdruß bereitet. wurde nachdrücklich Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte . Der Prinz. so drückt sich darin doch eine Haltung aus. auch darum kümmerte.. Wie sehr sich Friedrich Wil- helm I.

wenn einer seiner Brüder dabei war. den eigenen Ruf »durch ein knechtisches Verhältnis zu einem Weibe (zu) beflecken«.« Aufklärung FWG Bd.. Sein Nachfolger Friedrich II. verfuhr in diesem Punkt nicht anders. können. 25. daß er »nicht allein MEIN VASALL« sei. den sie dem Chef der Familie allemal ablegen müssen. Dieser |Prinz habe deshalb »gegen seinen Devoir (Pflicht) gehandelt.. »da vermö- ge der Grundgesetze des brandenburgischen Hauses alle apanagierten Prinzen nicht ohne MEINEN CON- SENS heiraten . verhinderte«67. vermöge des Eides. daß er mich. »sondern auch MEIN OFFIZIER und MEIN VETTER«. Dem schlesischen Minister von Mün- chow verweigerte er die Heirat ebenso. als seinen KRIEGSHERRN und CHEF DER FAMILIE vorbeigegangen«.. Gemäß Artikel 11 des Offizierreglements darf er aber »ohne MEINE ERLAUBNIS« nicht heiraten. und schon gar nicht als Vasall und als Vetter. wie er »die Heirat seiner Edelleute mit Mädchen aus bürgerli- chem Stand .. 236 vom Monokraten in einem Schreiben daran erinnert. »Das mit Cron und Szepter prangende Preußen. Er achtete auf seine Vorstellung von »Manneszucht« und reagierte möglicherweise aus seinen homoerotischen Neigungen heraus massiv. Aus alter Freundschaft zum »Des- sauer« erteilte er aber dann den Konsens und bestätig- te nach eigenhändigen Abänderungen den »Ehe- pact«66.18560 b. Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte . wenn sie mündig sind«.

war durchdrungen von der Maxime seines Vaters. jedem das Seine zuzuerkennen und dabei vor allem dem eigenen Haus Hohenzollern. indem er die Untertanen hörig hielt. Er hat danach im Stile eines absoluten Hausvaters ge- handelt. so lange sie nicht freigelas- sen wurden. welche ihm ebenso hörig wie einem römischen Vater seine ungefreiten Kinder waren«68. in welchen sogar die »Capitalia« der Prin- zen bei einer Heirat in Höhe von 200000 Talern ein Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte . Die Ragione di Stato ist in erster Linie Ragione di dominio durchaus im Sinne der Sui- tas. Die Deutschen hingegen hatten die- sen Begriff aus dem HAUSSTANDE in die STAATSVERFASSUNG übertragen und nach derselben konnte auch ein Herr ein ganzes Gefolge von SUIS (Seinigen) halten. 236 Hier wird die Staatsräson über ihre Beziehung zur Kriegsräson hinaus zur Haus. »Das mit Cron und Szepter prangende Preußen. der Hörigkeit der Römer »im Hausstande«. dem Vater hörig.« Aufklärung FWG Bd. »verdun- kelte Domänenstücke« als ihm zugehörig erklären ließ und seinem Nachfolger dringend riet. 25. mit allem. was von ihnen geboren wurde. die etablier- te »Allodial-Herrschaft« über die Haus-Güter nicht zu schmälern. Nach dieser »waren die Kinder. den Meinecke zu sehr in den Bereich der Ideen verlegt hat. Friedrich Wilhelm I. und zwar als handfestes und kalkuliertes Interesse jenseits aller Spekulationen mit dem Begriff der Räson als Vernunft.18561 b.und Besitzräson.

damit die Güter–. Die Warnung. Ka- pital.und Heiratsinteressen des »souveränen Hauses« erhalten und fortlaufend erweitert werden. von den uneingeschränkten Möglichkei- ten des absoluten Besitzes geradezu besessen.«69 Das war ein klarer Auftrag zur Erweiterung des vorhandenen Besitzstandes. ich habe das Land und die ARMEE instandgebracht. in einem historischen Rückblick dem Kronprinzen in diesem Sinne die unmißverständliche Anweisung: »Kurfürst Friedrich Wilhelm hat das rechte Flor und| Aufnehmen in UNSER HAUS gebracht. verschie- dene Statusregeln zu beachten. an Euch.18562 b. mein Vater hat die KÖNIGLICHE WÜRDE gebracht.. Friedrich II. In seinem patrimonialen Testament von 1722 gibt Friedrich Wilhelm I. »Das mit Cron und Szepter prangende Preußen. die UNSEREM HAUSE von Gott und rechtswegen zugehören. war Rhetorik. hielt bei der Durchsetzung seiner posses- siven und damit auch politischen Interessen vom »höchsten Wesen« nur in seiner Propaganda etwas. weil einen solchen »Gott verboten« hat. Staatsräson ist demnach die Erkenntnis. zu soutenieren und Eure Prätentionen und Länder herbeizuschaffen. Ansonsten aber betrieb er den Rechtsbruch und ließ Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte .« Aufklärung FWG Bd. 25. mein lieber Successor ist. 237 »perpetuierliches Fideicommiß unserer Königlichen Familie« zu bleiben hatten. der Nach- folger solle keinen »ungerechten Krieg« beginnen. was Eure Vorfahren ange- fangen.

237 die Waffen sprechen.. »Das mit Cron und Szepter prangende Preußen. gar nicht einmal zuträg- Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte .18563 b. die sofort unterbunden wurde. diese den RECHTSSTAAT charakterisieren- de Idee« gab es nicht..« Aufklärung FWG Bd. Jedes vorhandene Gesetz konnte zu jedem beliebigen Zeitpunkt aufge- hoben werden – ohne Ständekonsens oder Behörden- einrede. kannte weder die persönliche Selbstbeschränkung noch das Selbstbewußtsein der Untertanen. Eine »scharfe Scheidung zwischen Justiz und Verwal- tung . In dieser patrimonialen Monokratie verstärkte sich der Trend hin zu einer umfassenden possessiven Aut- arkie in dem Maße. Rechtsansprüche der Stände an den Landesherrn aber eine Herausforderung. wie das noch vorhandene libertäre »Feudalsystem« (Lichtenberg) zerstört wurde. alle Eide im zivilen wie militärischen Bereich einseitig und erzwungen geleistet werden mußten70 und die Opportunität von Gelegenheit zu Gelegenheit die »landesherrliche Decision« ermöglichte. »Machtsprüche« waren an der Tagesordnung. Die Selbst-Herrschaft Friedrich Wilhelms I.. 25. Sie wäre »für die geschichtliche Mission des Absolutismus . Er setzte die auf beinahe 80000 Mann angewachsene Armee aus dienstverpflichteten Untertanen und angeworbenen Ausländern ein und vertraute auf die normative Kraft des faktischen Machtmißbrauchs. ohne sich im Recht der Stände durch vorherige Deliberation rück- versichern zu müssen71...

die das Einüben liberaler Rechtsregeln und Aneignung parlamentarischer Umgangsformen hun- Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte . |Für das eigene Haus mag die Zerschlagung des li- bertären Lehnsstaates eine »geschichtliche Mission« gewesen sein. souveränen. die politische Entmün- digung und selbst die private Bereicherung etwa des Bankiers Johann Andreas Kraut. ohne ihm jemals die Sub- stanz nehmen zu wollen – das DOMINIUM ABSO- LUTUM.18564 b. der blinde Gehorsam. die nur eine gesetzliche Beschrän- kung kannte. wie der individuelle Terror. unbeschränkten Macht« (Friedrich I. hinaus be- stimmt« und ließ eine »dunkle Last« zurück (Oest- reich). das Friedrich II. haben Land und Leuten oft in verheerender Weise geschadet. die Rechtsbeugungen. die Willkür.) befestigt und materiell ausgebaut als ein »système militaire«73. angewandt und in man- chen Teilen verfeinert hat. bestand aber vor der Errichtung der Dominial-Diktatur. Die »in- nere Militarisierung hat den Charakter Preußens von der Wurzel her über Friedrich Wilhelm I.« Aufklärung FWG Bd. Aber alle damit verbundenen Forderun- gen und Wirkungen. Der Soldatenkönig hat diese im Sinne der »königli- chen. die unbedingte Subordination. 238 lich gewesen«72. »Das mit Cron und Szepter prangende Preußen. 25. wenn man die Vorbehaltsrechte des Hei- ligen Reiches einmal beiseite läßt – das patrimonial angelegte Haus-Gesetz mit seiner agnatischen Erbfol- ge.

25.18565 b. »Das mit Cron und Szepter prangende Preußen. wenn das Recht keine Fürsprecher mehr hat. Ihn als »Vater« (Klepper) und Vorbild ausgeben.« Aufklärung FWG Bd. zeigt nur. die seinen hohen Ansprü- chen wenigstens annähernd genügen wollen74. 238 dert Jahre später so sehr erschwerte. wie Macht dann zu faszinieren weiß. Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte .

deutlich. »Staatskunst« als Besitzpolitik. Der »erste Diener des Staates«? Beim Tode Friedrich Wilhelms I. das auf dem Prinzip der Gegenseitigkeit beruht. greift zu kurz. . und mit der Formel der Entwicklung und Geschichtsnot- wendigkeit dieses Machtsystem zu entschuldigen. Rechte des Individu- ums und für ein Ämterwesen. Friedrich II. Hier nur von »Grobianismus« (Hubatsch) oder dem »rauhen Vernunftsstaat« (Haffner) zu sprechen. während die Preußen als »Nation falsch und li- stig« galten und Beamte mit dem Titel »Idioten« vor- liebnehmen durften1.»Sa Majesté très Voltairienne. In Cleve-Mark mußten sie ertragen.« Die »Berlinische Freiheit«: FWG Bd.« Die »Berlinische Freiheit«: Lessing. atmeten die Stände in allen Teilen des Haus-Staates auf. der »blinde Gehorsam« – von Luther gepredigt – und die »absolute Macht« eines Patrimonialherrn haben ein System in seinem Wesen geprägt.Lessing 25. Der »unfreie Wille«. In diesen Zuordnungen steckt eine tiefe Verachtung für Menschenwürde. 238 c) Friedrich II. das sich trotz aller Energien und Terrorisierung noch nicht ganz vom Ständewesen befreit hatte. – »Sa Majesté très Voltairienne.18566 c. daß sie als Vasallen »dumme Ochsen aber malicieus wie der Teufel« geheißen wur- den. Die Huldigungen von Cleve-Mark bis Preußen machen dies beim Regie- rungsantritt Friedrichs II. Nicht daß dabei Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte .

239 wirkliche Herrschaftsverträge abgeschlossen worden wären. Friedrich II.18567 c.»Sa Majesté très Voltairienne. Damit sagte er auch. daß er sich in gewissen Fällen durchaus »nach Gesetz«.Lessing 25.« Die »Berlinische Freiheit«: FWG Bd. also monarchisch verhalten könne. antwor- tete auf diese Vorhaltung. aber eben auch »nach Gutdünken«. Und |es gereicht den Ständen Preu- ßens bei allem. Aber die Tatsache der Berufung der Stände al- lein hatte zumindest eine nicht unwichtige psycholo- gische Bedeutung. Zum Überfall auf Schlesien 1740 und 1745 erklärt er jeweils kurz und bündig: »Ich habe den Rubikon Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte . Friedrich II. Er sprach oft von der Friedenskunst und trieb doch nach innen wie nach außen bei einer »guten Occasi- on« Kriegspolitik gegen alle irenischen Beteuerungen. es wäre »eine irrende Staatskunst. durchaus zur Ehre. dem der Ruf eines »aufgeklärten« Po- tentaten vorausging und der in seiner Schrift gegen den »Fürsten« Machiavellis hehre Worte über Ver- tragstreue und Gerechtigkeit verlauten ließ3. er betrachte Preußen als »pays despotique et monarchique«. was sie seit 1660 an Demütigungen erfahren haben. daß sie dem neuen Monokraten durch ihren Repräsentanten von der Groeben 1741 sagen ließen. . nämlich despotisch im Sinne eines patrimonialen Willens zum Nutzen des eigenen Hauses und des persönlichen Ruhmes.. einen verweigerten Landtag den An- wachs unumschränkter Macht und Oberherrschaft zu nennen«2.

Denn dieses hatte Friedrich II. das Heer nur Akzidenz. »Dämpfung« des Hauses Habsburg. mit seinem Überfall auf Schlesien gebrochen. Friedrich II.»Sa Majesté très Voltairienne.« Die »Berlinische Freiheit«: FWG Bd. mit ins Grab nehmen. selbst den Namen Preu- ßen. Das Haus ist bei ihm die Substanz. Dabei kam ihm eine Reihe Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte . neben den Behörden das wichtig- ste Instrument zur Durchsetzung seiner Besitzwün- sche und Besetzungspolitik. mehr als irgendein anderer zur Er- hebung MEINES HAUSES beizutragen«4. Ich habe es zu meiner Eh- renpflicht gemacht.und Völkerrecht. 239 überschritten. Dieses mußte besonders im Frieden von Aachen 1748 den Rivalen aus dem Norden im Kampf ums »teutsche System« in seinem Eigengewicht aner- kennen5 – auf Kosten des Heiligen Reiches und des Vertrauens ins Natur.Lessing 25.18568 c. In der Sicherung des eigenen Hauses und in der Ausweitung seines materiellen und personellen Be- sitzstandes nach außen und innen liegt der Haupttrieb eines Staatsverständnisses. Sie brachte ihm vor allem Schlesien und später das »königliche Preußen« ein und forcierte die sog. Der Entrüstung darüber begegnete er mit scheinle- galen Rechtfertigungen. das ausschließlich Statu- sdenken ist.« Aber neben dem Durst nach Ruhm fügt er als zweiten Beweggrund seiner Völkerrechts- brüche hinzu »und will meine Machtstellung behaup- ten oder untergehen und alles. .

die von Paris aus Ruhm vor Recht ergehen ließen und berauscht von seinen »gro- ßen Taten« die öffentliche Meinung zu seinen Gun- sten |beeinflußten: Diderot und d’Alembert zählten zu seinen Bewunderern. daß es bei diesem Mo- nokraten besonders darauf ankam. zwischen An- spruch und Wirklichkeit zu unterscheiden. Unter der Patina der Poesie und Gelehrsamkeit erschien aller Humanität zum Trotz im Konfliktsfall das wahre Ge- sicht einer absoluten Macht.« Die »Berlinische Freiheit«: FWG Bd. wie sie nur in einem Sy- stem persönlichen Willens von Seiten des Monokra- ten und seiner Kreaturen gehandhabt werden konnte.»Sa Majesté très Voltairienne. 1750 reiste er sogar nach Ber- lin. wähnt sich in einem »Märchen- land« und glaubt gar. daß die Philosophie den Cha- rakter Friedrichs II. wo an der Akademie der Wissenschaften bereits Maupertuis aus Saint Malo (auch Geburtsort Dide- rots) Präsident war. Der Gelehrte aus Leiden und Mitglied der Berliner Akade- mie wies dem fast allmächtigen Maupertuis nach. Und auch Voltaire wollte sich dem Urteil dieser Intellektuellen nicht ganz entziehen.18569 c. Friedrich II. von den Festen zu seinen und anderer Ehren überrascht. wozu sie die Geldzuweisungen aus Potsdam sicher noch mehr anspornten. 240 von Aufklärern zu Hilfe. Aber bald mußte auch er feststellen.Lessing 25. Der Fall Koenig zeigte ihm dies sehr deutlich. »vervollkommnet« hat6. daß bereits Leibniz das Prinzip der »minimalen Bewe- Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte . Voltaire. .

Die Kritik Koenigs führte zu einem Skandal. wie sehr meine Freiheit einem König mißfallen mußte. So berichtete der englische Gesandte Thomas Roe 1627 von der Osma- Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte . verweist sie doch auf einen wesentlichen Tatbe- stand. als Voltaire im anstehenden Ränkespiel die Partei Koenigs ergriff. und Armut schwächt den Mut.»Sa Majesté très Voltairienne.Lessing 25. Auch wenn diese Formel literarischen Charakter hat.18570 c. aber seinen Präsi- denten unterstützte. Denn bei aller Machtfülle des Sultans hatte sich vor allem nach der Schlacht bei Mohácz von 1526 bis zum Frieden von Carlowitz von 1699 ein System ausgebildet. Ich fühlte. Das »tyrannische Vorgehen gegen den armen Koenig« empörte Voltaire. Friedrich II.« Die »Berlinische Freiheit«: FWG Bd. Mathematiker und Lappland-Rei- sende für seine ureigene Entdeckung. mit der alle Pro- bleme zwischen Himmel und Hölle letztgültig gelöst werden könnten. »mit der Angele- genheit eines Freundes die Freiheit der Schriftsteller zu verteidigen«. wenn sie gedemütigt werden. Denn »die meisten sind arm. Friedrich II. jeder Hofphilosoph aber wird genauso zum Sklaven wie der höchste Würdenträger. der absoluter war als der Großtürke«7. 240 gung« analysiert und verworfen habe. Dieses aber hielt der Präsident. . »Wenige Schriftsteller halten es so« und ziehen davon. in dem die Paschas eine wichtige Rolle als ›Zwischenmacht‹ spielten. Gleichzeitig nahm er aber das Vergnügen wahr. um damit die eigene Autonomie und Freiheit zu sichern.

die noch for- mell zum Heiligen Reich gehörten. und ich regiere meine Preußen. bei Friedrich II. wie er wollte. in religiösen Din- gen ohnehin recht diffus veranlagt.« Erscheint von dieser Beobachtung aus die For- mulierung übertrieben. daß sich dieser Monokrat »nach Gutdünken« über das Göttliche. 241 nischen Pforte: »Die Verfallserscheinungen sind uner- träglich geworden. Friedrich II. nicht denkbar. Friedrich II. es gibt keine Befehlsgewalt und keinen Gehorsam mehr.18571 c.»Sa Majesté très Voltairienne. Jeder Pascha weit und breit ist König in |seinem Bereich und bemüht sich eifrig. Darüber hinaus wurde der Sultan auch durch die Vorschriften des Koran nicht unwesentlich in seiner Macht einge- schränkt9. hingegen.« Die »Berlinische Freiheit«: FWG Bd. auch wenn der entpolitisierte Adel für den Monokraten Hoheitsfunktionen etwa in der Patri- monialgerichtsbarkeit wahrnehmen durfte. brauchte sich um derartige Bindungen wenig zu kümmern. daß nämlich »Friedrich über die Kirche ebenso despotisch herrschte wie über den Staat«?10 Es besteht kein Zweifel. . Als von kirchlicher Seite vorsichtige Kritik an seiner Schei- dungsjustiz geübt wurde mit dem Hinweis auf die in der Heiligen Schrift beschriebene Praxis. wie es mir paßt. soll er ge- antwortet haben: »Moses lenkte seine Juden. seinen Besitz zu wahren.«8 Eine derartige Minderung der absoluten Macht war in Preußen und selbst in den Gebieten.Lessing 25. Natürliche und Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte .

den Niederlanden. war sicher ein Schritt zu einer gewis- sen Humanisierung bei der Rechtsfindung. Daß er es nicht immer tat. Die Abschaffung der Folter.B. ist kein Argument gegen die Möglichkeit. in England und selbst im Heiligen Reich manche Städte durch die »Gazetten« mehr Aufklärung zuließen.Lessing 25. Es ist ein bo- Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte . und das Verbot der Prügel- strafe gegenüber Bauern galt in diesem Sinne nicht für die Armee11 und das Schulwesen. und das Pressewesen. . in der freien Reichs. die ihn daran hätten hin- dern können.und Krönungsstadt der rö- misch-deutschen Kaiser Frankfurt am Main bereits 1694 erfolgt ist. existierten nicht mehr. es ungestraft übertreten zu können.»Sa Majesté très Voltairienne. Zu dessen Aus- bau hat Friedrich fast gar nichts unternommen.18572 c. wenn man seine ›Reformen‹ als Bewertungsmaßstab seiner Erb-Souveränität und Absolutesse nimmt. also bei Straftaten gegen den Monokraten. Aber sie wurde für Majestätsverbrechen beibehalten. während in Schweden. Friedrich II. Diesen Zustand muß man stets bedenken.« Die »Berlinische Freiheit«: FWG Bd. hat er schon bald nach seinem Regierungsantritt hart und selbstherrlich in die Zensur genommen. Denn irgendwelche Institution- en oder Verfassungsorgane. das Haus Hohen- zollern und dessen Mitglieder. Das Abschotten der Dynastie gegen alle Kritik von unten wirkte im Straf recht noch bis 1918 nach. wenn er es für rich- tig und nützlich hielt. die z. wie noch näher zu sehen sein wird. 241 Völkerrecht hinwegsetzen konnte.

weder an den Universitäten noch in den Kirchen. und zwar »an dem gemeinsamen Ziel: Das Volk zu erziehen. erlebte am eigenen Leib. 242 russischer Mythos. in der Armee oder am Hof. in der »alles so militä- risch pünktlich erledigt« und »so blind gehorcht wurde«. In diesem Sinne war das vorhandene Macht- system des DOMINIUM ABSOLUTUM hermetisch.»Sa Majesté très Voltairienne. wenn vom »Anblick ohnegleichen in der Geschichte« geschrieben wird. keinen Platz beanspruchen. zu Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte . nicht aber die Dominanz des Rechts. Prediger. Voltaire. Philosophen wie Christian Wolff gaben Anregungen. das dem Individuum seine freie Entfaltung hätte sichern können. Friedrich II. der seit Spener und Francke den Primat von Glaube und Gnade predigte13. konnte unter Friedrich II. dargeboten |habe. zuwider war14. Lehrer und Schriftsteller«. Es wurde zudem von einem Pietismus unterstützt.Lessing 25. die auf die Überwindung des monokra- tischen Haus-Staates ausgerichtet war. dem eine Ordnung. König. »wie jetzt in diesem preußischen Staate alles begeistert zusam- menarbeitet. Beamte. indem man es aufklärt«12.18573 c. Aufklärung. wie das System der Bevormun- dung und des Abbaus individueller Autonomie und Rechtswahrung immer stärker voranzutreiben sei. der sich beim Machtantritt Friedrichs II.« Die »Berlinische Freiheit«: FWG Bd. Weniger vornehm ausgedrückt: Die Gesellschaft wurde unter diesem Regiment zu einer »Zuchtanstalt« eines Haus-Staates. .

Goethe. wurde er in Frank- furt am Main unterm Bruch der Stadt. . und sein eigener Wille erschafft Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte .und Reichsver- fassung verhaftet. bemerkte zu dieser Konstellation von Gewalt und Geist im »West-östlichen Divan«: »Der Herrscher selbst ist der erste Anmaßliche. und von der Person Friedrichs II. vor den Augen ganz Europas bloßgestellt hatte15. dort heraus. wo sie sich dessen Zugriff entziehen konnte. eingenommen. aber nicht von Preußen als »Staat«. bis der Potentat in Potsdam den Band seiner »Oeuvres de poésie« wiedererlangt hatte – sein »Eigentum«16. Diese Spannung zwischen Dichter und Despot erzeugte fast zwangs- läufig jenen »Unmut«. der »Diatribe du docteur Akakia«. Als der Aufklärer nämlich Potsdam 1753 im Groll verließ und mit der »vernichtendsten Satire des Jahrhunderts«. Friedrich II.»Sa Majesté très Voltairienne. in seinem exzessiven Be- sitztrieb fähig sein konnte. 242 welchen Taten Friedrich II. nie- mand gebietet ihm. er ist der Gebieter sein(er) selbst. wenn er seine Ehre verletzt glaubte. der die übrigen alle auszuschließen scheint.« Die »Berlinische Freiheit«: FWG Bd. Maupertuis und auch Friedrich II. durchaus »fritzisch gesinnt«. Die persönliche Freiheit des Dichters Voltaire im Bewußtsein rationaler Autonomie forderte die Freiheit eines Despoten wie Friedrich II.Lessing 25.18574 c. Ihm stehen alle zu Dienst. Dazu gehörte auch die materielle Unabhängigkeit. der nur in einer »glücklichen Lage« zu einem gegenseitigen Erfolg führen kann.

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die übrige Welt, so daß er sich mit der Sonne, ja mit
dem Weltall vergleichen kann. Auffallend ist es je-
doch, daß er eben |dadurch genötigt ist, sich einen
Mitregenten zu erwählen, der ihm in diesem unbe-
grenzten Felde beistehe, ja ihn ganz eigentlich auf
dem Weltenthrone erhalte. Es ist der Dichter, der mit
und neben ihm wirkt und ihn über alle Sterblichen er-
höht.«17
Dieses Programm der Versöhnung von Geist und
Gewalt war eine Rechtfertigung Goethes für die Be-
wunderung, die er Napoleon entgegengebracht hatte.
Es trifft auch auf die Beziehung Voltaires zu Friedrich
II. insofern zu, als beide wohl eine Zusammenarbeit
zum gegenseitigen Ruhme betreiben wollten, aber
bald erkennen mußten, daß keiner von ihnen weder
einen »Neben–« noch einen »Mitregenten« ertragen
wollte. Was sie trennte, war die »Eigenliebe«. Ihr Ab-
solutheitsanspruch führte auch zu dem spannungsrei-
chen Verhältnis zwischen Voltaire und Rousseau, das
als »einer der bedauerlichsten Makel im Antlitz der
Aufklärung« (Durant) bezeichnet wurde. Es war der
Streit zwischen idealem Anspruch und realer Lebens-
weise in einer Gesellschaft, die oft Rangfragen mehr
Bedeutung beimaß als dem Zuwachs der Agrarpro-
duktion. Ja, dieses Zeitalter zog geradezu seine gestal-
tende Energie aus dem Zelebrieren der Eigenliebe.
Ohne sie war weder Friedrich II. möglich noch Vol-

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taire, der um die Sicherung seines ›geistigen Eigen-
tums‹ (man denke nur an die Fälschungen seiner
Werke durch Arnaud) ähnliche Privatkriege führte
wie der Potentat aus Potsdam auf der Ebene des
Haus-Staates. Doch gab es dabei einen fundamentalen
Unterschied. Der Aufklärer kämpfte um sein Recht als
Individuum, das ihm von »absoluten Herren« oft ver-
weigert oder geschmälert wurde, und seine Waffe war
nur »eine Feder«18.
Nicht ohne Grund warnte Friedrich Wilhelm I. sei-
nen Nachfolger vor den alten Grafenfamilien, welche
»die alten Preußischen Polnischen Privilegia noch im
Herzen tragen« und auf das »Nie pozwalam« (Ich er-
laube es nicht) des polnischen Adels zurückkommen
könnten. Einst hat »der Landesherr vom Adel depen-
diert«, aber »ietzo dependiert alles von mir sonder
Räsonnieren«19.
Unter »alles« war nicht nur die »preußische Haus-
haltung« zu zählen, die trotz des massiven Einsatzes
von Geld und neuen Siedlern zu wünschen übrigließ,
sondern auch das Verhältnis zur Religion. Sie wurde
geduldet, weil sie in Gestalt des neuen Pietismus
machtstabilisierend wirkte oder wie im Falle des Ka-
tholizismus gemäß dem Westfälischen Frieden zuge-
lassen werden mußte. Im Haß gegen den tyrannischen
Vater, der ihm nicht nur den Jugendfreund Katte
gegen alles Recht genommen hatte, sondern auch die

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c. Friedrich II. - »Sa Majesté très Voltairienne.« Die »Berlinische Freiheit«:
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Liebe zur Kunst verleidete, war Friedrich II. auch in
dieser Hinsicht recht indifferent. Er glaubt zwar an
ein »höchstes |Wesen« und an die »Vorsehung«, was
für einen Kalvinisten nicht überraschend ist20, aber
man kann nicht sagen, er habe »die monarchische Idee
ihres religiösen Gehaltes beraubt« und »ihr das Got-
tesgnadentum genommen«21. Denn dieser Vorgang
der »Entzauberung« war schon am 18. Januar 1701
abgeschlossen worden. Ein Gottesgnadentum hat es
nach diesem Zeitpunkt in Preußen realiter nicht mehr
gegeben, wie sehr sich seine Monokraten auch »von
Gottes Gnaden« eingesetzt fühlen mochten. Denn sie
lehnten ein Mitspracherecht der Stände in der Aus-
übung ihrer absoluten Macht kategorisch ab.
Friedrich II. war dort sicher »très Voltairien«
(Lichtenberg), wo er sich am Spott über Gott und die
Welt übte und sich an manch einem frechen und frei-
en Wort des Aufklärers erfreute. Aber dort war er
ganz »fritzisch«, wo er darauf bedacht sein mußte,
den Haus-Staat und dessen Reputation mit allen nur
denkbaren Mitteln bis hin zur »ultima ratio« des Krie-
ges zu erhalten. Er wollte seinen Untertanen keine po-
litischen Rechte zubilligen, die sie autonom gemacht
hätten, verlangte aber die Pflicht des »blinden Gehor-
sams« und der Subordination. Daraus entstand ein
Obrigkeitsstaat von besonderer »Schroffheit« (O.
Hintze). Er konnte zwar Toleranz zwischen den ein-

Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte

. 244 zelnen Bekenntnissen gewähren. wie der Katholizis- mus sich in Schlesien oder in Cleve-Mark konstitutio- nal verhalten konnte23.»Sa Majesté très Voltairienne. Neben diesen Narrheiten gab es aber noch ein nicht Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte . der im berühmten »Müller«-Prozeß gehen mußte.18578 c. Manch einer wurde in diesem Haus-Staat im Sinne Luthers »verflucht«. Der »Lutheranismus« in Preußen hat vor 1660 bewiesen. um das Verhältnis von Leib und Seele zu klären24. der »die Werke des Gesetzes er- füllt« sehen wollte – ob in lutherischer Gesinnung wie Paul Gerhardt. Friedrich II.Lessing 25. in libertärem Geist wie Roth oder im Dienste des Gesetzes wie der Richter Fürst. der an patagonischen Riesen Vivisektionen vornehmen lassen wollte. Die Einführung von Vernunft und Gedankenfreiheit in das öffentliche Leben gehörte zum Programm der Akademie unter Maupertuis. daß er sich mit der »Libertät« so gut verbinden kann.« Die »Berlinische Freiheit«: FWG Bd. aber diese durfte sich nicht politisch umsetzen und Vertragstitel einfordern. weil er sich nach geltendem Recht verhalten wollte.und Pflichtfeti- schismus verstanden wird. Luthers Verteidigung der Tyrannen22 fand im Machtsystem des Hauses Hohenzollern auch unter Friedrich II. Schon von die- ser Seite erscheint die häufige Gleichung von »Preu- ßentum« und Protestantismus fragwürdig. wenn dar- unter nur pietistischer Gehorsamkeits. manch eine Bestätigung.

um diese Maßnahme allerdings später wieder etwas aus seiner unstillbaren Geldgier heraus zu lockern. ent- wickelte sich vornehmlich im 18. Beklagte sich Friedrich I. gegen das bestehende Monopol- Privileg der »Berlinischen Privilegierten Zeitung« Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte . Er erprobte und bildete eine »öffentliche Meinung«. In der Gestalt des »homme des lettres«. Friedrich II. darüber.Lessing 25. was gedruckt und gelesen werden durfte. Denn es war von deren Gutdünken in der Regel abhängig. in denen er aus persönlicher Ruhmsucht und einem ge- wissen herostratischen Trieb folgend genannt sein wollte. Jhd. wenn sie »in- teressant« bleiben wollten25.« Die »Berlinische Freiheit«: FWG Bd. daß die Gazet- ten wieder einmal falsch über seine Diamanten-Affä- ren berichtet hätten.»Sa Majesté très Voltairienne. daß er bei sei- nem Regierungsantritt alle Zeitungen verbot. der Typ des Journalisten. und haßte der »Soldatenkönig« die »Blackschisser« aller Art so sehr. die mit ihren Organen. so verfuhr Friedrich II. von 1740 an anders. . Die Gazetten. 245 unwichtiges Instrument |der Vermittlung von »Aufklä- rung« in der Nähe und im Kontakt mit dieser Akade- mie – das Gazettenwesen. sollten »nicht genieret« werden. den Zeitungen und Zeitschriften. der als Poet. Er gestattete deshalb dem Verleger Haude. Philosoph und Publizist tätig sein konnte. erst allmählich zu einer Art »Gegenge- walt gegen Irrtum und Willkür der Fürsten« (Holl- dack) wurde.18579 c.

. Diese Freiheit nützte er auch unter dem Symbol des preußi- schen Adlers und dem Motto »Wahrheit und Frey- heit« ausgiebig. und Haude sah sich veranlaßt. Lessing schrieb denn auch 1751 an seinen Vater. ohne jedoch dasjenige des Monokraten mit einem ein- zigen Wort zu erwähnen. indem er vor allem gegen das in Deutschland grassierende »Franzosentum« wetterte. und zwar mit der Auf- lage. den preußischen Adler samt Motto zu streichen. Friedrich II.Lessing 25. daß die Zeitungen in Berlin »wegen der scharfen Censur größtenteils unfruchtbar und trocken seien.« Die »Berlinische Freiheit«: FWG Bd. Haude wurde für alle Berliner Lokalangelegenhei- ten »unumschränkte Freiheit« zugestanden. 245 Rüdigers ein Konkurrenzblatt mit dem Titel »Berlini- sche Nachrichten« erscheinen zu lassen. Selbst wissenschaftliche Bei- träge von der Akademie fielen darunter. 1743 gar wurde die »Zeitungszensur für alle Artikel ohne Un- terschied« angeordnet. die auf ein wie auch immer ge- artetes ›freies Wort‹ der Untertanen gar nichts gab.»Sa Majesté très Voltairienne. Aber schon nach wenigen Wochen wurde diese Zeitung wie die anderen unter verschärfte Zensur genommen. daß ein Neugieriger wenig Vergnügen darin finden könne«27. Statt dessen hieß es nur noch »mit kö- niglicher Freiheit«26. weder über »Policey-Sachen« (Staatsaktionen) noch über ökonomische Dinge zu berichten. 1755 – das Akademie-Mitglied Beausobre war mittlerweile nach Hertzberg zum »Zensor« bestimmt Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte .18580 c.

und zwar in der Regel mit einer bewußten Täuschung des Publikums. daß Berlin bald vom »Onkel Spe- ner« und der »Tante Voß« sprach. 246 worden – wurde die Zensur |wegen eines Protestes des russischen Residenten bezüglich der Nachrichten über Rußland noch einmal verschärft. im Lande blieb. als 1748 Spener das Haude-Blatt und 1751 Voß das Rüdiger-Blatt kauften und so gestalteten. was zuvor in den Petersburger Gazet- ten bereits zensiert erschienen war. Natürlich wehrten sich die Zeitungen gegen die Zensur mit allen denkbaren Finessen und erlangten gar eine gewisse Popularität. Außerdem wurden Informationen aller Art über das Kriegswesen oder laufende Kriege strikt untersagt. wie in den »Lettres d’un officier prus- sien« zur Zeit des Ersten Schlesischen Krieges. wenn der König selbst zur Feder griff und. aus seiner Sicht die Kriegslage schilderte. Alle »hazardierten Räsonnements über die publiquen Affären und jetzi- gen Konjunkturen in Europa« wurden in den Zeitun- gen verboten.»Sa Majesté très Voltairienne. Außerdem unterrichtete er das Volk über den Nutzen des Roggenkaffees. damit das Geld. . das sonst für den Kolonial. Von nun an durften die Berliner Zeitungen über Rußland nur noch das veröffentlichen.oder Bohnenkaffee ausgegeben werden mußte.18581 c. Dies galt nicht.« Die »Berlinische Freiheit«: FWG Bd.Lessing 25. Beide Zeitungen hatten die Konkurrenz des nicht unbedeutenden »Ob- servateur Hollandois« oder des »Spectateur en Alle- Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte . Friedrich II.

Sie reduziert sich einzig und allein auf die Freiheit. lassen Sie es ihn versuchen. der schon einmal kräftiger Kritik üben konnte und dafür häufig in Schwierigkeiten geriet. Als Ende der 1760er Jahre der russisch-osmanische Krieg aus- brach. daß Lessing in seinem berühm- ten Brief von 1769 an Friedrich Nicolai drastisch und treffend äußerte: »Sonst sagen Sie mir von Ihrer BER- LINISCHEN FREIHEIT zu denken und zu schreiben ja nichts. wie es itzt sogar in Frank- reich und Dänemark geschieht: und Sie werden bald Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte .18582 c. über andere Dinge so frei zu schreiben. Lessings Freund. alles »in rus- sischer Beleuchtung« zu berichten: Aufklärung hatte Verdunkelung zu sein28. als man will. gegen die Religion soviel Sottisen zu Markte zu bringen. der für die Rechte der Unter- tanen.« Die »Berlinische Freiheit«: FWG Bd. Lassen Sie es aber doch einmal einen in Berlin versuchen. als Sonnenfels in Wien geschrieben hat. lassen Sie einen in Berlin auftreten. Kein Wunder also. als dieser sie ihm gesagt hat.Lessing 25. waren alle Berliner Blätter gehalten – und in ihrem Gefolge diejenigen von Königsberg. Und dieser Freiheit muß sich der rechtliche Mann nun bald zu bedienen schä- men. Friedrich II. Halle. der gegen Aussaugung und Despotismus seine Stimme erheben wollte.»Sa Majesté très Voltairienne. . 246 magne« ebensowenig zu fürchten wie die Wochen- schrift »Der Wahrsager« von Mylius. Magdeburg. Stettin und Cleve –. dem vornehmen Hofpöbel so die Wahrheit zu sagen. Breslau.

Er verhielt sich dabei ähnlich wie Katharina II.»Sa Majesté très Voltairienne. aber doch zunehmend beachtet und beobachtet wurde. sie sei von ihren »aufge- klärten« Idealen abgekommen31. als sich durch veröffentliches Räsonnieren in ihrem Machtbestand anzweifeln zu lassen. welches mir oder meiner Sache präjudizierlich sei oder mich bei dem Publico odieus (verhaßt) machen kann«30. seinen Agenten in Den Haag an. damit nichts in denen holländischen Zeitun- gen gesetzt werde. Als der Erlanger Zeitungsverleger Groß wiederholt in seinem Lokal-Blatt von Desertio- nen aus dem Heer Friedrichs II. bekam er den »langen Arm« des Monokraten sehr schnell zu Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte . die von den Potentaten zwar nicht gefürchtet. von Rußland. die nach dem Puga$ev-Aufstand von 1772 mit der Hilfe Voltaires bei westlichen Zeitungen intervenierte.«29 Die Unterdrückung des ›freien Wortes‹ in Branden- burg-Preußen und die sture Reglementierung des ›ge- druckten Wortes‹ sind Kennzeichen einer »absoluten Diktatur«. Friedrich II.18583 c. 247 die |Erfahrung haben. . die eher durch Gewalttaten ihren Ruf rui- nieren läßt. »Acht zu geben.Lessing 25. welches Land bis auf den heuti- gen Tag das SKLAVISCHSTE LAND VON EURO- PA ist.« Die »Berlinische Freiheit«: FWG Bd. Die Gazetten waren bei aller Einschränkung bereits eine Macht geworden. So wies Friedrich II. damit durch Berichte über ihr grausames Strafgericht nicht der Eindruck entstehen sollte. berichtet hatte.

247 spüren. auch die preußi- schen Relationen abzudrucken. Dieser vertrat als Herausgeber der »Ga- zette de Cologne« die österreichischen Interessen und erregte damit den Unmut des borussischen Monokra- ten. der ›Fall Roderique‹. seiner Regionen. daß es für seine materielle Sicherheit besser war. Auch diese Methode ist Ausdruck einer absoluten Willkür. Weitaus schwieriger war für Friedrich II. Für 50 Taler wurde ein Kölner Schläger gedun- gen. Dieser »schändliche Erlanger Zei- tungs-Schreiber« begann danach einzusehen. Kreise und Städte nicht zu halten gewillt war. wie die »Oberpostamts- Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte . wenn sie Schranken für das eigene Interesse be- deuteten.18584 c.Lessing 25. Zeitungen aus dem Reich.»Sa Majesté très Voltairienne. Nach 1763 gab Groß dem König sogar den Beinamen »der Große«. was ihm den preußischen Hofratstitel eintrug. sich mora- lischer Kritik an diesem Potentaten und dessen Mili- tärmaschine zu enthalten. .« Die »Berlinische Freiheit«: FWG Bd. Friedrich II. die bei passender Gele- genheit (Occasion) sich in den Kriegsstand versetzt sieht und Recht und Verfassung des Reiches. Er ließ den »Monsieur le Gazetier« über die Anordnungen seiner Lieblingsschwester Wilhelmine von Ansbach-Bayreuth ohne Gerichtsprozeß ins Ge- fängnis werfen. einer Diktatur patrimonialen Bewußtseins. der Roderique unterm Bruch der Gesetze auf of- fener Straße verprügelte und schließlich unter der An- drohung weiterer Züchtigung nötigte.

Prag und Brüssel. Fest) gewesen sei.C. aus Wien. die öffentliche Meinung beeinflussen und im Geiste der Aufklärung bilden konnte. aus Regensburg. waren in Brandenburg-Preußen nicht zugelassen. die Lessing in seinem privaten Brief an Nicolai beim Wort nannte. Die Repressionen im Inne- ren gegen die Gazetten aller Art sowie die terroristi- schen Übergriffe auf Verleger im Reich hinderten Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte . Aber was galt dieses Recht. 248 zeitung« aus |Frankfurt am Main. war Friedrich II. sich »über zu scharfe Zensur . Es hätte sich nämlich dabei jene Wahrheit als gefährlich für den Bestand dieses Haus-Staates erweisen kön- nen. den Hauptstädten der Habsburger. wo der Immerwährende Reichstag seine Sessionen ab- hielt. dagegen ein paar zensierte Hamburger Blätter. Gewiß.. daß dieses Preußen der »Hort der Aufklärung« (J.»Sa Majesté très Voltairienne. nichts gelegen. An der Freiheit von Untertanen.18585 c. während gleichzeitig J. . wenn es vor einem unab- hängigen Gericht nicht einklagbar war?32 Allein diese Gazetten-Politik widerspricht dem immer noch vorhandenen Bild.. nach englischem Vorbild. beim Kabinettsminister zu beschweren«. die neuen Zensurverord- nungen von 1772 und 1774 räumten zum ersten Male den Verlegern das Recht ein. Friedrich II. Moser in den »Osnabrücki- schen Intelligenzblättern« von 1766 zeigte. wie man auf eine andere Weise.Lessing 25. über seine Monokratie zu räsonnieren und sie damit der Kritik zu unterziehen.« Die »Berlinische Freiheit«: FWG Bd.

daß nicht einmal ein Schmeichler kommen sollte. zu der auch eine strenge Buch-Zensur gehörte. . Als Johann Jacob Moser. 1770 schreibt er an den Mo- nokraten von Sanssouci: »Die Philosophen und die Literaten aller Länder. Ein solcher war gewiß d’Alembert.« Das war mehr als übertrieben. sehen Sie seit langem als ihren Führer und ihr Vorbild an. besonders des französischen Volkes. die Be- fürchtung Lessings auf ihre Weise zu bestätigen: »Ich will nicht darauf schwören. Denn weder Fontenelle noch Rollin. aber gerade Vertreter der »Enzyklo- pädie« machten nicht wenige Anstrengungen. intervenierte Friedrich II. der württembergische »Landschaftscon- sulent« und bedeutende Kommentator des »Teutschen Staatsrechts«. dem auch vom englischen und dänischen Gesandten in dieser Affäre Vorhaltun- gen gemacht wurden. 1759 durch willkürliche Anordnung des Herzogs verhaftet wurde. für »den alten würdigen und hartbedrängten Mann« am Wiener Hof.18586 c. Das Doppelbödige der »Berlinischen Freiheit«.« Die »Berlinische Freiheit«: FWG Bd. wo er dem »Hause Habsburg« schaden konnte. dort den Gönner und Vorkämpfer publizistischer Freiheit zu spielen. ist zwar von deutschen Aufklärern wie Lessing und Wieland erkannt worden.»Sa Majesté très Voltairienne.Lessing 25. von Voltaire nach Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte . 248 Friedrich II. welcher die gegenwärtige Epoche der deutschen Literatur die Epoche Friedrichs des Großen zu nennen für gut findet«33. allerdings nicht. Friedrich II.

ausdrückt34. als die Nachricht von Friedrichs Überfall auf Schlesien 1740 in Versailles eintraf: »Das ist ein Narr! Der Mensch ist verrückt!« Und seine einflußreiche Mätresse.Lessing 25. Dieser soll ausgerufen haben. von deutschen Aufklärern wiederent- deckt. nicht anders als sein Vater. große Frau? Nennen Sie ihn den Tyrannen. die »Staatskunst« des »Roi du Nord« in ihrer oft unberechenbaren Sprunghaftigkeit zu verste- hen.»Sa Majesté très Voltairienne. zumal es ihm einige Lust verschaffte.18587 c. Dar- aus entwickelte sich manch närrisches Wort und manch nützliches Werk.«35 Paracelsus. Aber zur »Freiheit eines Christenmenschen« und seiner politischen Mündig- keit hat weder diese »Gelehrtenrepublik« noch das Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte . Friedrich II. schrieb zu Beginn des Siebenjährigen Krieges an die Frau von Lützelburg: »Den nennen Sie den Sa- lomon des Nordens. und Sie sollen recht behalten. dem Professoren im »Tabakskolle- gium« als Hofnarren zu dienen hatten37. Es überstieg sicher die Phantasie einiger Zeitgenossen.« Die »Berlinische Freiheit«: FWG Bd. haben ernsthaft diesen Mo- nokraten in diesem Sinne eingeschätzt. die Madame Pom- padour. selbst Fa- milienmitglieder zum Narren zu halten. 249 1753 |gar nicht zu reden. »Weckung der Phantasie« war ein Programmpunkt der Berliner Akademie und ihrer »Aufklärung«. der bei aller Schmeichelei doch auch ein Stück Opposition gegen Ludwig XV. . bezeichnete »die Phantasie den Eckstein der Narren«36.

Im häufigen Überspringen der Regierungszeit Friedrichs I. Friedrich II. bildete auch hier keine Ausnahme von der Regel. der in der bisherigen Analyse und Dar- stellung aller untersuchten Fälle die Bedeutung für die Erfassung dieses historischen Phänomens unter Be- weis gestellt hat – die Bewahrung und den Erwerb von Besitz. Schmidt) abhebt. das Verfahren des »Solda- tenkönigs« als »prinzipiellen Absolutismus« (Schmoller) und Friedrichs II. Politik als Inbegriff des »aufgeklärten Absolutismus« (Hintze) ausgegeben. die geeigneten Maß- nahmen zur Wahrung der Staatsinteressen zu ergrei- fen«. von denen sich die Formel »polizeistaatlicher Absolutis- mus« (E. haben prominente Vertreter der borussi- schen Position in der Absolutismus-Forschung das Verhalten des »Großen Kurfürsten« als »praktischen Absolutismus« (Härtung). Friedrich II. Dabei besitzt der »Staat« aber keinen besonde- ren Eigenwert neben oder über dem |»souveränen Haus«. So ist die Politik für ihn nichts anderes als die »Kunst. .18588 c. Alle diese recht allgemeinen Zuordnungen. 250 Gazettenwesen substantiell etwas beitragen dürfen.Lessing 25. auch wenn er dies gelegentlich. vor allem nach Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte .»Sa Majesté très Voltairienne. vernachlässigen bewußt jenen Bereich.« Die »Berlinische Freiheit«: FWG Bd. war doch sein Monokratentum vorherr- schend auf diesen auch von Marxisten wenig unter- suchten Komplex bezogen.

daß diese Hauptpfei- ler im Grunde instrumenteller Natur waren. Aber bei sich selbst war dieses Prinzip der Selbster- haltung der Haupttrieb aller Politik. »Anti-Machia- vell« war er sich der Substanz des patrimonialen Erbes bewußt. wußte sehr wohl. 250 dem Siebenjährigen Krieg von 1763 an. das ein bedeutendes Schlüsseldokument des patrimonialen Absolutismus darstellt. das für die Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte . die durch die »Rechtspflege«.« Die »Berlinische Freiheit«: FWG Bd. daß »der Ei- gennutz der überzeugendste und stärkste Beweg- grund« für das Leben war40. Der Staat war bei ihm nichts anderes als ein großes Erbgut. Friedrich II. Auf diese »Hauptpfeiler« setzte er in seinem Politi- schen Testament von 1752 den Erfolg einer Haus-Re- gierung. wie ihn alle Hohenzollern-Potentaten nach 1648 in verschiedenen Stadien und Qualitäten erprobt haben39. in zweideuti- gen Formulierungen angedeutet hat. Reputationsdenken und Besitzpo- litik. Staatsinteresse ist Status-Bewußtsein. . Bereits im sog. Friedrich II. Zwar geißelte er ihn beim Adel und Unadel und führte dagegen das oft be- schworene Gemeinwohl und den Gemeinnutz an. aus dessen Wesen die Politik und Phi- losophie der Eigenliebe als »moralisches Prinzip« re- sultierte. Trotz ihres Eigengewichtes wogen sie »das Gewicht ererb- ten Rechtes« nicht auf. eine »weise Fi- nanzwirtschaft« und durch die »straffe Erhaltung der Manneszucht im Heere«38 gesichert wird.18589 c.»Sa Majesté très Voltairienne.Lessing 25. Noch 1770 stand für ihn fest.

der den »Be- sitz Schlesien« erneut bestätigte und noch das von Friedrich II.»Sa Majesté très Voltairienne. denn die Befehle an die Truppen sind gege- ben«42. dem Frieden von Dresden 1745. daß die Krie- ge durch |»Diversion und Prävention« erfolgreich be- standen werden. daß sie heimlich daran arbei- ten. dar- unter England und Frankreich. also die Ihre. Beim Überfall auf Schlesien 1740 gab er in diesem Sinne seinem Minister Podewils die knappe Anwei- sung: »Die RECHTSFRAGE ist Sache der Minister. zu Beginn des Siebenjäh- rigen Krieges (1756–1763) in rechtlicher Hinsicht etwas vorsichtiger und auch geschickter. der den österreichischen Erbfolgekrieg abschloß und dem »Hause Brandenburg« von den Garantiemächten. Friedrich II. Diesmal jedoch ließ er seinen Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte . auf das er allerdings gewisse Erb- rechte besaß und dem Frieden von Aachen 1748.« Die »Berlinische Freiheit«: FWG Bd. der das Herzogtum Schlesien mit der Grafschaft Glatz ein- brachte. fiel er zwar auch ohne Kriegserklä- rung über Sachsen her. . verfuhr Friedrich II. kurzerhand besetzte Fürstentum Ostfries- land anerkannte. Nach dem Frieden von Breslau 1742. Gemäß der Maxime des Guichiardini. Schlesien endgültig beließ. Und das bedeutete in erster Linie die Kombi- nation aus Rechtsansprüchen und Machtsprüchen. Wie sollte dieser possessive Auftrag aber erfüllt werden? »Durch reiche Erbschaften oder durch Eroberun- gen«41.Lessing 25. es ist Zeit. 251 Dynastie erhalten und erweitert werden mußte.18590 c.

machte er unter Berufung auf den gleichen Artikel geltend. . gelten sie nur bedingt. dem »sogenannten STATUM NATURALEM«. und es sei erlaubt. Im übrigen seien die be- mühten »Reichs-Constitutiones« zwar dem »Natur- und Völkerrechte nicht entgegen.18591 c. aber im »freien und natürlichen Zustand«.»Sa Majesté très Voltairienne. Als er in einem Kaiserlichen Hofdekret nach dem Artikel 54 des LANDFRIEDENS von 1555 des »ganz offenbaren Landfriedensbruchs« bezichtigt und als »offenbarer Reichsfeind« erklärt wurde.und Völkerrechts. »daß sich ein jeder bei dem SEINIGEN so gut er kann schützen und zu seiner Sicherheit die nötigen Maßregeln ergreifen könne«. vielmehr darauf ge- bauet«. um den eigenen Besitz vor dem un- gerechten Übergriff anderer zu schützen43. 251 angeblichen Präventivschlag mit einem ganzen Arse- nal von Rechtsgründen versehen. sowie nach dem JUS ARMORUM der Reichsstände und nach Maßgabe der »Kriegsregel und sogenannte RAISON DE GUERRE« Maßnahmen zu ergreifen. weil man sich von Seiten des »Hauses Österreich« nach dem Aus- Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte .« Die »Berlinische Freiheit«: FWG Bd. daß die Reichsverfassung »bekanntermaßen« gestatte.Lessing 25. die ein Akt der Notwehr. nach den Regeln des Natur. der Prävention und der unabdingbaren Selbsthilfe seien. Friedrich II. daß die »Krön Böhmen das DOMINIUM DIRECTUM per felo- niam« über Schlesien verloren hätte. Es stand für diesen Monokraten fest.

»Sa Majesté très Voltairienne. wenn der DOMINUS DIREC- TUS das Lehen dem VASALLO mit Unrecht vorbe- hält.h. was auch dem »natürlichen Rechte« gemäß sei. der sich gegenüber Voltaire mitunter als ein »Handwerker in der Politik« bezeichnete. 252 sterben der herzoglichen Liegnitz-Linie »de facto in die POSSESSION gesetzt und durch Gewalt deren EIGENTUM okkupiert« habe – »wider alle Privilegia und Jura«. das willkürliche »Gutfinden eines teutschen Kaisers«. könne er nicht anerkennen und die |Folgen seiner Depossedierung hinnehmen. ihm Schlesien nach dem »renversement des alliances« wieder abzu- nehmen. daß die habsburgi- schen Kriegsvorbereitungen in Böhmen und Mähren gegen ihn gerichtet waren mit dem Ziel. Doch die »JURA FEU- DALIA besagen. Alle Einredendes »Hauses Brandenburg« hätten in Wien nichts genützt.« Die »Berlinische Freiheit«: FWG Bd.. Friedrich II. ließ hier eine juridische Begründung seiner Besitzansprü- che zimmern. d. ihren Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte . »wie Grotius behauptet«44. .Lessing 25. die davon ausging. dieser solches mit Gewalt von ihm abfördern könne«. sich über die vertraglichen Rechte der Reichsstände hinwegzuset- zen. daß. Nicht unwichtig ist hier seine energische Be- rufung auf die »COMITIAL-Rechte derer Stände ra- tione derer MIT-Erkenntnis und MIT-Beratschlagung in denen das allgemeine Wohl und Sicherheit des Reichs betreffenden Sachen«.18592 c. In Strubes Frage geklei- det: »Würde man den Ständen anmuten können. Friedrich II.

Das ist das Besondere an der Staatskunst der Re- genten und Monokraten des »Hauses Brandenburg«. so wenig erkennen.Lessing 25. Deshalb kommt auch der unmißver- ständliche Bescheid: »S. als eine SOUVERÄ- NE MACHT und GEKRÖNTES HAUPT und BE- SITZER so vieler SOUVERÄNER FÜRSTENTÜ- MER und STAATEN« könne aufgrund dieser Quali- täten »die anmaßliche Competenz des Reichs-Hofra- tes . sich auf die Position eines Souveräns zurückzuziehen. und denen Reichs-Ständen dasjenige Joch der SCLAVE- REY aufzulegen.. als mit Hilfe der Rechte als Stand (état) des Reiches alle Übergriffe auf einen Besitzstand abzuwehren.K. 252 Freiheiten zu entsagen und sich einer willkürlichen und DESPOTISCHEN GEWALT zu unterwerfen?« Nichts anderes hätte das »Haus Habsburg« im Sinn. als König in Preußen und sou- veräner Herzog in Schlesien« nicht der Jurisdiktion Wiens unterliegt. als eine »unumschränkte Herrschaft Teutschland auf- zudringen.« Die »Berlinische Freiheit«: FWG Bd. daß sie als Reichsstand gegen einen angeblich »des- potischen« Kaiser das libertäre Widerstandsrecht zur Sicherung des eigenen Haus-Besitzes bemühen..M:t. .»Sa Majesté très Voltairienne. wornach dessen Vorfahren gestrebet. woran seit Jahrhunderten in Wien gearbeitet werde«45. der in seiner »Qualität . als jemand in der Welt«46. Hier bedeutet Staatskunst nichts anderes..18593 c. um dann. Friedrich II. wenn diese Argumente nicht ausreichen. ohne Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte ..

18594
c. Friedrich II. - »Sa Majesté très Voltairienne.« Die »Berlinische Freiheit«:
FWG Bd.Lessing
25, 253

den eigenen Ständen dasselbe zu gestatten, und sich
dann noch auf die Souveränität Preußens oder Schle-
siens beziehen, die sie von der Jurisdiktion des Kai-
sers ausnimmt. Mit einem Bein steht man im Reich
und mit einem außerhalb. Eine Situation, die auch in
gewisser Weise auf Hannover-England, Sachsen-
Polen, Holstein-Rußland, Pommern-Schweden und
Österreich-Ungarn zutrifft und damit ein wesentli-
ches, oft übersehenes Stück der Bündnis- und Besitz-
politik im Zeitalter des Absolutismus ausmacht, in
dem die Aufklärung über Erbrechte und Genealogien
eine enorme Bedeutung hatte und wohl auch den an-
geblichen Niedergang der »Kriegskunst« erklärt. Das
Eingraben in Festungen, die Bevorzugung des »klei-
nen Krieges« und das Manövrieren, das der Diploma-
tie und dem Verhandeln diente, ist Ausdruck der Be-
sitzsicherung und Scheu, die kostspieligen Armeen
ohne Not einer Vernichtungsschlacht auszusetzen47.
Alle Bewegungen der Politik Friedrichs II., wie die
der meisten seiner Zeitgenossen, kreisen dauernd um
die Erhaltung und Erweiterung von Besitz. Selbst
dort, wo er sich bereits im Ersten Schlesischen Krieg
alle Mühe gab, den adligen Offizieren »den gemein-
schaftlichen Namen Preußen« im Sinne eines ›preußi-
schen Patriotismus‹ einzuimpfen, ist das Vaterland
nichts anderes |als das ›Land besitzender Väter‹, das
nach außen und nach innen verteidigt werden muß:

Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte

18595
c. Friedrich II. - »Sa Majesté très Voltairienne.« Die »Berlinische Freiheit«:
FWG Bd.Lessing
25, 253

»Damit der ADEL sich in seinem BESITZ behauptet,
ist zu verhindern, daß die Bürgerlichen adlige Güter
erwerben, und zu veranlassen, daß sie ihre Kapitalien
im Handel anlegen, so daß, wenn ein Edelmann seine
Landgüter verkaufen muß, nur Edelleute sie erwer-
ben«48. In den Notzeiten des Siebenjährigen Krieges
hat er einigen vom Unadel dennoch erlaubt, sich adli-
ge Güter zu kaufen. Sie durften allerdings nicht die
daran haftenden Vorrechte des Adels erwerben. Dazu
gehörten die Steuerfreiheit, die Patrimonialjustiz zu-
sammen mit der Verfügung über die gutsherrliche Po-
lizei und das Vorschlagsrecht zur Wahl eines Landra-
tes.
Neben der Konservierung dieser Rechte verordnete
Friedrich II. 1758 nach der Schlacht bei Zorndorf
Maßnahmen zum Wiederaufbau (Retablissement) des
adligen Grundbesitzes besonders in der Neumark,
wobei er anfangs direkte Geldzuschüsse zahlte und
von 1762 an, nach dem Frieden mit Rußland, von
Brenckenhoff eine freie und beinahe unumschränkte
Vollmacht gab, diesen Landesteil ebenso wie Pom-
mern wieder auf die Beine zu bringen. Das Füllen der
DOMÄNENKASSE und die Wiederherstellung des
LANDBUCHES mit der Regelung des Agnaten- und
Successionsrechtes wurde eingeleitet, und finanzielle
Stundung erlaubt, war doch der adlige Grundbesitz
am Ende dieses Krieges durch Kaufgelder und Erbab-

Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte

18596
c. Friedrich II. - »Sa Majesté très Voltairienne.« Die »Berlinische Freiheit«:
FWG Bd.Lessing
25, 254

findungen teilweise hoch verschuldet, wie von Roh-
wedel 1770 in seiner Denkschrift »Von dem Grunde
der Sicherheit« feststellte49.
Zwar wurde neben den Adelshilfen auch Bauern-
schutz betrieben. Doch mit der Wiederbesetzung wü-
ster Bauern–, Halbbauern- und Kossätenstellen wurde
nicht die Aufhebung der Leibeigenschaft verbunden,
deren Vorhandensein die Stellung des Adels zusätz-
lich stärkte. Friedrich II. war bestrebt, »das Gleichge-
wicht zwischen Bauer und Edelmann« zu erhalten.
Das bedeutete nichts anderes, als daß es »den Bauern
zu verwehren ist, daß sie Ländereien von Adligen
kaufen, und die Adligen am BAUERNLEGEN zu
verhindern. Denn die Bauern können nicht als Offi-
ziere im Heere dienen, und die Adligen vermindern
durch Erwerbung von Bauernland die Zahl der Ein-
wohner und Ackerbauern«50.
Er wehrte sich also gegen eine Kumulation von Be-
sitz zugunsten eines Standes auf Kosten eines ande-
ren, obgleich sie in der Praxis nicht selten zugunsten
des Adels erfolgte, in dem einige Standesgenossen
ihre Vorrechte mißbrauchten und sogar öffentlich als
»Verschwender« angeprangert wurden. Es mag diese
Einstellung Friedrichs II. gewesen sein, die Engels
veranlaßte, vom Absolutismus zu sagen: »Ausnahms-
weise kommen Perioden vor, wo die |kämpfenden
Klassen einander so nahe das GLEICHGEWICHT

Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte

die auf drastische Art jedem vorführte. Friedrich II. daß die Staatsgewalt als scheinbare Vermittle- rin momentan eine gewisse Selbständigkeit gegenüber beiden erhält«51. nahm sich der Monokrat des Falles selber an. daß er »niemals in den Lauf des gerichtlichen Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte . sondern entzog dieses auch der Kontrolle des Rechts. wer in Brandenburg-Preußen der oberste Gerichts. . Als der Müller in einem Pachtstreit mit einem Adli- gen vom zuständigen Patrimonialgericht bis zum Kammergericht in Berlin vorgedrungen war. des- sen »Erhaltung ein Gegenstand der Politik des Königs von Preußen« zu sein hatte – auch dort.Lessing 25. So wurden im Siebenjährigen Krieg Gerichtsprozesse gegen Offizie- re ausgesetzt und Versteigerungen von Adelsgütern bis zum Kriegsende untersagt. Das DOMINIUM EMINENS in Kriegs. praktizierte dieses Verfahren nach dem Ende des bayerischen Erb- folgekrieges 1779 im Fall des Müllers Arnold in einer Weise. Daß diese unter Friedrich II. 254 halten. wo der König und seine Behörden als Richter und damit »Vermitt- ler« oder »Mediator« tätig sein mußten.und Grundherr war52.« Die »Berlinische Freiheit«: FWG Bd. entgegen sei- ner Maxime aus dem Politischen Testament von 1752.und Notzeiten gestattete dem- nach nicht nur willkürliche Eingriffe in das Privat-Ei- gentum der Untertanen. oft nur »scheinbar« war.18597 c.»Sa Majesté très Voltairienne. zeigt die eindeutige Bevorzugung des Adels. Friedrich II.

mußte zugeben. Als der Großkanzler Fürst das Urteil des Kammerge- richtes begründen wollte. sozusagen aus dem Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte . das den Müller abgewiesen hatte.Lessing 25. daß sein Justizkollegium »gefährlicher und schlimmer als eine Diebesbande« war. die von Fall zu Fall durchbrochen werden konnte entgegen auch dem »Codex Fridericianus«. Denn der Mühlenbesitzer war im Unrecht. der »ent- schlossene Lobredner Friedrichs II.18598 c. 255 Verfahrens eingreifen« wolle.»Sa Majesté très Voltairienne. und der Herrscher soll schweigen«53. Selbst Schmoller. Es war eine Soll-Bestimmung. Auch dieser Fall dokumentiert. Friedrich II. daß dieses Vorgehen ein »willkürli- cher und ungerechter Akt der Kabinettsjustiz des Gro- ßen Königs« war54. die drei Richter wurden von ihm sogar zur Festungshaft verurteilt und ihrer Ämter enthoben. Überzeugt davon. im Verfahren Kabi- netts-Ordres zu berücksichtigen. zog er die Entscheidung dieses Falles an sich und entschied für den Müller! Auch nach heutigem Recht wäre das eine Rechts- beugung. nach dem das Berliner Kam- mergericht nicht gehalten war. daß das absoluti- stisch regierte |Brandenburg-Preußen kein Rechtsstaat war. »denn in den Gerichts- höfen sollen die Gesetze sprechen. .« Mehr noch. entließ der Monokrat seinen obersten Richter in militärisch barschem Ton: »Marsch! Marsch! Seine Stelle ist schon besetzt.« Die »Berlinische Freiheit«: FWG Bd.« (Hegemann). Denn der Monokrat konnte.

die aus bür- gerlichen Familien mit gekauftem Adelsbesitz stamm- Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte . Sie waren dem Gutdünken und der Gnade des Monokraten auf Gedeih und Verderb ausgeliefert nach dem unerbittlichen Wort Friedrichs II. wenn er es für geboten hielt. Die Offiziere gar. Dieses Kennzeichen jeder Diktatur de- gradiert das Recht und seine Institutionen zum Instru- ment der Macht und einer Staatsräson. Friedrich II. aufgrund des DOMINIUM ABSOLUTUM und des DOMINIUM EMINENS dann in jeden Pro- zeß intervenieren. Tabakkol- legiums seines Vaters Friedrich Wilhelm I.Lessing 25.: »In einem Staate wie Preußen ist es durchaus notwendig. Der Anti-Machiavell gibt das zu erkennen. . Schmitt) genannt wurde. eine absolutistische Ent- scheidung aus unumschränkter Machtvollkommen- heit. daß der Herrscher seine Geschäfte selbst führt«55. Ihm ist die libertäre Staatskunst vom Anspruch her durchaus geläufig.18599 c. mit dem römischen Senat gewiß manchem Zeitgenossen eher ›ridicul‹ denn rational. wie sie bei einer passenden Gelegenheit oppor- tun erschien.« Die »Berlinische Freiheit«: FWG Bd.»Sa Majesté très Voltairienne. was »okkasionalistischer Dezisionismus« (C. So erschien der Vergleich des sog. das sich gern mit einem verschrobenen Römertum be- hängte. aber die Praxis liefert die Betätigung eines absolutistischen und quasiprivaten Staatshandwerks. die in erster Linie Besitzräson ist. Er be- trieb das. Fürst und seine Mit-Kollegen hatten keine Möglichkeit der Einklagbarkeit ihrer Ab- setzung. 255 Stand.

wenn er darin eine Gefahr witterte. wie sie sich nur in einem von allen Rechtsschranken befreiten Privatbesitz austoben dürfen56. Seine »weise Finanzwirtschaft« ist dafür ein weite- res Beispiel. auf eine »Generaladministration der königlichen Gefälle«. Friedrich II. um den oft künstlichen Bedarf zu decken. was Willkür. 256 ten und ihm im Siebenjährigen Krieg nicht schlechter als viele adligen dienten.18600 c. den er über sein Haus allein und un- eingeschränkt. . Münz- manipulationen und Geldfälschungen reichten bei weitem nicht aus. Das indi- viduelle Verdienst (meritum) belohnte er nicht mit einer entsprechenden Geste in Gestalt eines Prae- mium.Lessing 25.« Die »Berlinische Freiheit«: FWG Bd. So verfiel er fast genau hundert Jahre nach der Ein- führung der |»modi generales« (1667). entließ er wieder. Denn die dauernde Aufnahme bürgerlicher Offiziere in seine Armee betrachtete er als »den ersten Schritt zum Ver- fall des Staates«. Zur Finan- zierung seiner Militärmaschine und prunkvoller Schloßbauten benötigte er enorme Geldmittel.»Sa Majesté très Voltairienne. beherrschte. die unter dem berüchtigten Namen der Regie ab 1766 Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte . der Ver- brauchssteuern nach niederländischem Vorbild. aber auf den entpolitisierten Adel ge- stützt. ebensowenig die Erhebung direkter Steuern. Dabei waren viele wichtige Ent- scheidungen oft von seinen persönlichen Launen und Eitelkeiten abhängig. eingebildete Sachkompe- tenz und Machtdünkel anrichten können.

Ihre Hauptaufgabe – Gewinnbe- teiligung zugesichert – bestand im unerbittlichen Ein- treiben der AKZISE. Sie belastet die Armen nicht: Brot. 256 ihre bald verhaßte Arbeit aufnahm. Davor aber hatte er durch ein Machtwort den Adel von der Akzise ausgenommen! Fleisch und Getränke aller Art wurden im Preis er- höht. Sie trifft nur den Luxus der Wohlha- benden«57. die bezahlen können. . Kaffee. Sie war seiner Mei- nung nach »von allen Auflagen die gerechteste. Fleisch. während zusätzlich das Salz–. neben den KONTRIBUTIONEN des Landes als der »zweite Fonds der Kriegskasse«. Was sich in Worten ›sozial‹ und gerecht anhört. einer indirekten Steuer auf fast alle Verbrauchsgüter. Bier müssen wohlfeil sein. Friedrich II. lediglich das Brot wurde ermäßigt besteuert.« Die »Berlinische Freiheit«: FWG Bd.»Sa Majesté très Voltairienne. Der schwarze Markt und der Schmuggel blüh- ten.18601 c. Geleitet wurde dieser Abschöpfungsapparat von dem Franzosen de Launay. ich gebe sie Ihnen preis«58. dem drei weitere Regisseure aus Frankreich beigeordnet waren. Launay ermächtigte er: »Neh- men Sie nur von denen.Lessing 25. daran änderten auch drakonische Strafdrohungen nichts.und Tabakmo- nopol zu einer auch privaten Bereicherung ausgenützt wurde. den die Städte mit eben die- ser Akzise zu unterhalten hatten. war in Wirklichkeit eines seiner vielen Täuschungs- und Betrugsmanöver. Sie galt Friedrich II. zumal der Monokrat selbst daran beteiligt war Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte .

die dem |»allgemeinen Commercio höchst schädlich« seien. . nannte der Monokrat die französischen Bedienten selbst »lauter Schurkenzeug«. Ursinus versuchte mit dem Hinweis auf die Wirkung der Mo- nopole. In einem Gutachten ver- wies er auf die negativen Auswirkungen der »Regie« und klagte über die »verschiedenen im Lande einge- führten MONOPOLIA«. das Friedrich II. 257 und das »Denunziations. das Marktprinzip gegen einen Diri- gismus zu retten. Friedrich II. mit dem ihm eigenen Stolz als »mein Werk« aus- gab. Der Monokrat fühlte sich getroffen.« Die »Berlinische Freiheit«: FWG Bd. während die eigenen Bedienten »Erz- schäkers«.18602 c. nicht die erhofften Gewinne brachte. »Federfuchser«. daß »absolu- te Macht« sofort zurückschlägt. »Windbeutel« und »Nar- ren« geheißen wurden. wenn ihrem Inhaber Irrtümer und Mißgriffe nachgewiesen werden.»Sa Majesté très Voltairienne. Einer unter ihnen war der »ge- heime Finanzrat« Ursinus.und Spioniersystem« (F. Als dieses gezielte Abschöpfsystem. daß »mit die- ser Gewalttat der preußischen Bürokratie für Fried- richs Regierungszeit das Rückgrat gebrochen war«59.Lessing 25. Mehring) versagte. gar ertappt und verfügte: Ursinus wird so- fort »cassiert und nach Spandau zur Festung ge- bracht«. und von der »weisen Finanzwirtschaft« nichts anderes übrigblieb als der erneute Beweis dafür. Man wird hier sicher sagen müssen. der mit staatlicher Macht Profite er- Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte .

18603
c. Friedrich II. - »Sa Majesté très Voltairienne.« Die »Berlinische Freiheit«:
FWG Bd.Lessing
25, 257

zwingen wollte und damit die Wohlfahrt der Bürger
aufs Spiel setzte, somit auch Handel und Wandel in
Gestalt eines Vertragssystems auf Gegenseitigkeit,
das sich mit dem Merkantilprinzip sehr wohl vertra-
gen konnte. Man darf also nicht sagen, daß »die mer-
kantilistische Theorie das ideologische Wirtschaftssy-
stem des FÜRSTLICHEN ABSOLUTISMUS war,
der sich aus dem WARENHANDEL und der WA-
RENPRODUKTION entwickelt hatte«60. Denn der
gesamte Warenverkehr, wie er auch organisiert
wurde, war nur ein Instrument der Fürsten, nicht aber
die Basis ihrer patrimonialen Besitzmacht, die trotz
der Gleichschaltung von Haus- und Kammergütern,
sowie der einzelnen Zentralbehörden, das nicht schuf,
was in der Euphorie von 1871 oft genug angenommen
wurde – den totalen Einheitsstaat.
Friedrich II. hat sich bei aller Bemühung um Ein-
heit dagegen gewehrt, alle Teile seines Haus-Staates
»nach den gleichen Gesetzen regieren (zu) wollen«,
weil das bedeutet hätte, die »Provinzen mutwillig (zu)
verderben«61. Die steuermäßige Abgrenzung von
Stadt und Land oder die Besteuerung des Adels in
Preußen bei gleichzeitiger Befreiung in der Kurmark
zeigen u.a., daß der Weg zu jener Vereinheitlichung,
die erst ein Ergebnis des späten 19. Jahrhunderts
wurde, noch weit war.

Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte

18604
c. Friedrich II. - »Sa Majesté très Voltairienne.« Die »Berlinische Freiheit«:
FWG Bd.Lessing
25, 257

Es gehört seit Roschers Systematik des Absolutis-
mus zur Standardbewertung dieses Phänomens, die
Formel vom »ersten Diener des Staates«, wie sie
Friedrich II. mitunter verwendet hat, als Inbegriff des
»aufgeklärten Absolutismus« auszugeben. Bei einer
näheren Analyse aber zeigt sich, daß der patrimonial
angelegte Haus-Staat der Hohenzollern mit den For-
derungen der politischen Aufklärung nichts gemein
haben durfte, wollte er sich im Verständnis der vor-
handenen Haus-Constitution nicht selbst aufgeben.
Friedrich II. hat nicht einem mediatorischen
Reichs- oder Landrat und schon gar nicht einem
Reichs- oder Landtag Rechenschaft ȟber die Ver-
wendung der Steuern« gegeben62, sondern seinem di-
rekten Nachfolger in der Dynastie. Der Staat erscheint
dabei als Fidei-Commiß der Familie und des Hauses
Hohenzollern, dem mit dem Erwerb der Königswürde
»ein politisches Meisterstück« gelungen war. Denn
»durch die Königswürde entzog sich das Haus Bran-
denburg der Knechtschaft, in der Österreich damals
alle deutschen Fürsten hielt«63.

☉ Abb. 7a: Brandenburg-Preußen beim Tode des Kurfür-
sten Friedrich Wilhelm, 1688. Fläche dieses Staates:
110836 km2. 1,5 Millionen Einwohner (Angaben nach
J. Schoeps).

Unter diesen Bedingungen war es undenkbar, daß

Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte

18605
c. Friedrich II. - »Sa Majesté très Voltairienne.« Die »Berlinische Freiheit«:
FWG Bd.Lessing
25, 258

sich die Hohenzollern in Preußen an eine politische
Mitsprache der Stände binden |ließen, die in den Herr-
schaftsgebieten unter der Rechtshoheit des Heiligen
Reiches nur im äußersten Notfall bemüht wurden,
nämlich als Kreditträger zu fungieren. Tatsächlich hat
sich in der forcierten Ablösung des libertären Lehns-
wesens das Machtsystem dieses Hauses »seit 1713
und 1740 ... zu einer despotischen, willkürlichen und
unumschränkten Herrschaft« ausgebildet, welche an-
dere Reichsstände »copiren« wollten, ohne daß es
ihnen bis 1806 recht gelingen konnte. Der Grund für
ihr Scheitern lag dabei vor allem in dem Umstand,
daß das »ganze Recht« der Hohenzollern-Monokraten
»darin besteht, daß sie 100000 Mann auf den Beinen
halten, und keinen Richter über sich, oder doch selbi-
gen nicht zu fürchten haben«64, und das konnten sich
andere Reichsfürsten selten leisten.
Was J.J. Moser 1769 in der Substanz genau be-
schreibt, ist ein Haus-Staat, der seine Souveränität als
Ausnahme von jeglicher Jurisdiktion mit Hilfe eines
stehenden Heeres und mit der Perpetuierung des Aus-
nahmezustandes zu erzwingen versteht. Die Handha-
be des DOMINIUM EMINENS machte jedem denk-
baren Gegner nach innen und von draußen klar, daß
das souveräne Haus im uneingeschränkten Besitz des
DOMINIUM DIRECTUM oder ABSOLUTUM war
und damit auch das »persönliche Regiment« seiner

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259 Monokraten sicherte65.4 Millionen Einwohner (Angaben nach J. wenn es nicht aus einem einzigen Kopfe hervor- geht . Schoeps). wie sie die po- litische Aufklärung immer wieder gegen die Einseitig- keit des Despotismus aufstellte und Friedrich II. dann erweist sich der angeb- lich so »aufgeklärte Absolutismus« als ein hölzernes Eisen. der Fürst muß sein System entwer- fen und es selbst zur Ausführung bringen«66. Bedenkt man diese patrimonialen und arbiträren Verhältnisse.« Die »Berlinische Freiheit«: FWG Bd.. Ca. um nicht die Substanz der eigenen Haus-Constitution zu gefährden. meinte er 1752. 7b: Brandenburg-Preußen beim Tode Friedrichs II. als ein innerer Widerspruch. 1786. aus |einer eigentümlichen Egologie ableitete. das heißt.. ☉ Abb. . Forderungen also. dessen Begründung Friedrich II.Lessing 25. Friedrich II. Es gehörte sicher zum »aufgeklärten Verstand« eines Landesherrn »aus souveräner landesherrlicher Gewalt«.. »in gemeinsamer Arbeit mit Leibniz und Descartes sein Gravitationsge- setz hätte entdecken können. wie seine Vorgänger und Nachfolger abwehren mußten. »So- wenig Newton«. auf den eigenen Domänen vor allem »alle Leibeigenschaft und Sclave- Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte .. Mit diesem Auftrag eines Selbsteigners verweigerte er sich dem Dialog. so wenig kann ein politi- sches System aufgestellt werden und sich behaupten. Fläche dieses Staates: 194891 km2.18606 c.»Sa Majesté très Voltairienne. 5. dem Vertrag und den Bindungen der Gegenseitigkeit.

für welche das Volk aus Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte . sondern soll- ten diesen zusätzlich sichern. damit auch u. . Was letztlich um 1777 in der Bauernfrage erreicht wurde. war die »Umwandlung des unerblichen Besitz- rechts der Bauern in erbliches«. 260 rei« aufzuheben.»Sa Majesté très Voltairienne. die das eigene Justizwesen ver- höhnten. Nicht anders verhielt es sich mit der Armee. nicht aber den einzelnen Bauern«68. Die Stockschläge.« Die »Berlinische Freiheit«: FWG Bd.18607 c. in wel- cher ein »blinder Gehorsam« verlangt und geleistet wurde. willkürlichen Entlassungen aus einer Behörde oder andere Machtsprüche. Friedrich II. sind Ausdruck »der sogenannten väterlichen oder Patrimonialregierung. und von einer politischen Mündigkeit war schon gar nicht die Rede. aber gleichzeitig durfte diese Maßnahme nicht dazu führen. »denen Grundherrschaften und Besitzern adeliger und anderer Güter die ihren |Gütern anklebenden Rechte und Be- fugnisse über die dazu gehörigen Untertanen zu ent- ziehen«67.a. ist unverständlich. Entwürdigung und Verachtung des Individuums mit der Aufklärung zu tun haben soll. Was diese Demütigung. Der Monokrat schützte dabei »wohl im Interesse der Rekrutierung der Armee den Bauernstand als Ganzes. Die aufge- klärten Maßnahmen veränderten demnach nicht den patrimonialen Kern des eigenen Haus-Staates mit sei- ner Erb-Souveränität und Absolutesse. die »bloße Willkür der Besitzer der Güter« aufhöre.Lessing 25.

keine ständische Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte . »Ich bin gewissermaßen der Papst der Luthe- raner und das kirchliche Haupt der Reformierten. im Prinzip nie aufgegeben hat. daß sich die politische Aufklärung und der nezessitäre oder arbi- träre Absolutismus ausschließen mußten. von dessen Politik der Reichs-Freiherr vom Stein 1807 meinte. sie hätte im Inneren »Wohlstand. Ich ernenne die Prediger«70. Sie do- kumentiert erneut den Status eines »absoluten Her- ren«.Lessing 25. das Friedrich II. die Stände im Rechtsverband des Heiligen Reiches am Kodifikationswerk eines neuen Gesetzbuches zu beteiligen. nicht rütteln. und zwar im Stadi- um des patrimonialen Absolutismus. Gleichzeitig aber erkannte er auch die unübersehbaren Nachteile dieses absolutistischen Systems: »Nur war alles auf Selbstregierung berechnet. Geisteskultur.« Die »Berlinische Freiheit«: FWG Bd. das seiner korporativen Autonomie beraubt wurde. das 1794 zum »Allge- meinen Landrecht für die preußischen Staaten« führen sollte. Der Versuch.18608 c.»Sa Majesté très Voltairienne. Friedrich II. Zu diesem Befund gehört auch die totale Kontrolle des Kirchen- wesens. An dieser Position ließ Friedrich II. bestätigte nur in seinem Scheitern. . auch wenn er gegenüber der Römischen Kirche zugänglicher sein mußte. 260 einer Masse Unmündiger bestehen und sich beliebig leiten und führen lassen soll«69. Denkfreiheit« befördert und »als Mu- ster und Ziel des Nachstrebens für die übrigen deut- schen Staaten und besonders für Österreich« gewirkt.

um das Heilige Reich vor dem »kaiserlichen Despotis- mus« zu bewahren72. |alle Tätigkeit erwartete den Anstoß von oben. die libertäre Verfassung des Heiligen Reiches zu si- chern. Das sei ihm »als Greis mit Kraft und Weisheit durch den Teschener Frieden« von 1779 und »den deutschen Fürstenbund« von 1785 auch gelungen.»Sa Majesté très Voltairienne. Friedrich II. 261 Verfassung.« Die »Berlinische Freiheit«: FWG Bd. nach dessen Maßgabe und Struktur »ein jeder Staat drei Gewalten in sich enthält« und »wo- durch sich das Volk selbst zu einem Staat constitu- Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte . hat Friedrich II. Übersicht des Ganzen bilden. Darauf war seine Politik in erster Linie gerichtet und nicht auf die Bewahrung eines »ursprünglichen Contracts«. gewisse feste Verwaltungsmaximen sich entwickeln konnten.71 Was die politische Aufklärung leisten wollte. sicherte sich mit dem Erhalten der »wun- derlichen Verfassung« des Reiches die Möglichkeit. so stellt er bereits 1752 fest. kein als Vereinigungspunkt dienender. »das Recht des Besitzes ist im Heiligen Römischen Reich ein großer Vorteil«73. . nirgends Selbständigkeit und Selbstgefühl«. sein eigenes Staatsgebiet durch Erbtitel legal zu ar- rondieren! Denn. Weniger betulich ausgedrückt: Friedrich II. Dessen »ernster Wille« sei es gewesen. keine Einrichtungen. wo sich Ge- meingeist. verweigert.18609 c.Lessing 25. näm- lich die Aktivierung des einzelnen Besitzbürgers in einem dreiteiligen Vertragssystem. tätiger Staatsrat.

Friedrich II. hie- rin ein Volk zu täuschen«. zumal selbst die Zi- vilbehörden als Ersatz für die alten Ständeämter sich einer »militärischen Unterordnung« fügen mußten75. äußerte sich Hegel recht vehement. die sogar gegen das Göttliche Ge- setz Bigamie sanktionieren konnte. von einer inne- ren Militarisierung zu sprechen. deren Geist weit ins 19. ja selbst die Re- volution von 1848 überdauerte und den Neo-Absolu- tismus prägte. wie die Menno- niten). nämlich in der »unmittel- baren Gewißheit seiner selbst«76. die es erlaubt. »ob es erlaubt sei. 1778 der Berliner Akade- mie stellte. Ka- tholizismus.Lessing 25. 1752) und im Vollbesitz absoluter Macht. Französisch. zu der Selbstein- Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte . Litauisch) und zahlreichen Religionen anhing (Lutheranismus.« Die »Berlinische Freiheit«: FWG Bd. Jhd. Was Kant in einem aristotelischen Sinne be- schreibt. zu sich selbst kommen? Wurde es nicht von Monokraten regiert. Sie »tauge nichts«. Kalvinismus. Mosaismus und Sekten. Wie sollte aber ein Volk in Gestalt entrechteter und entpolitisierter Indi- viduen. »weil es unmöglich ist. das in fünf Sprachen lebte (Deutsch. . meinte er. Zu der Preisfrage.18610 c. ein Volk zu täuschen«. reichte. war in Preußen seit 1660 Schritt für Schritt abgebaut und in der Kurmark oder in Cleve in einer Weise storniert worden. die Friedrich II. Polnisch. die in der totalen Selbstregierung einer Arkanpolitik (»Ich verschließe mein Geheimnis in mir selbst« – Friedrich II. Flämisch. 261 iert«74.»Sa Majesté très Voltairienne.

»genau wie bei den welterobernden Römern in der Periode des Auf- stiegs. als Gustav Adolf.Lessing 25. genau wie in Schweden. Nur ein Selbsteigner und Selbstherrscher war zu einem derartigen |Ratschlag an den Nachfolger fähig. dann werdet ihr Euch nie täuschen«?77. als ein Monarch. 262 schätzung gelangten: »Rechnet nur auf Euch selbst.»Sa Majesté très Voltairienne. im Haß auf die Monarchie und in Gestalt einer libertären Republik? Und begriff sich nicht Gu- stav Adolf.« Die »Berlinische Freiheit«: FWG Bd. die Welt mit ihrem Ruhm erfüllten und der Ruf des schwedischen Na- mens bis in die fernsten Lande drang«78. Friedrich II. der »nach Gesetz« und nicht wie ein Monokrat »nach Gutdünken« regierte? Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte . dessen »beschränkte« Macht Friedrich II. . bekannt war. Ist Rom aber nicht groß geworden durch »viele gute Männer«. der darauf zu achten hatte. Gustav und Karl XII. Karl X.18611 c. daß das Militär in »Preu- ßen die erste Stelle einnehmen« solle. »wenige Gesetze« und unter der Herrschaft des Rechts.

Trotz der Reste ständisch-politischen Lebens hatten sich die Verhältnisse »des dominii utilis. arbiträres. so daß im eigentlichen Preußen bis 1806 das entstehen konnte. dem »Hause Österreich«. immer wieder vorzuwerfen nicht müde wurde – »Despotismus«3. »daß die Preußische Monarchie sich auf ein rein despotisches. Digitale Bibliothek Band 119: Fischer Weltgeschichte . des emphy- teutischen Vertrags« in diejenigen des »Dominii di- recti« verwandelt2. was man dem ärgsten Rivalen innerhalb des »teutschen Systems«. militärisches und orientalisches Regierungssystem gegründet hat«1. 262 Zusammenfassung: Im neuen Nachdenken über Preußen wird man unter den Bedingungen der extremen Personalisierung aller Politik seit 1660 verstärkt auf jene Stimme hören müssen. die da sagt. 25.18612 Zusammenfassung FWG Bd.

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