Está en la página 1de 2

Beim Sprachenlernen geht es gar nicht so sehr um Wissen, sondern um Psychologie.

Was setzt beim Lernen die Dynamik in Gang? „Die Motive der Lernenden sind sehr individuell“, sagt Riemer.
Jeder muss seinen eigenen Rubikon finden. Das Ziel kann innerhalb oder außerhalb der eigenen Person
liegen. Die Psychologie unterscheidet zwischen intrinsischer und extrinsischer Motivation. Intrinsische
Motivation bedeutet ein tiefes Interesse für etwas. Extrinsische Motivation wird durch Motive von außen
ausgelöst, zum Beispiel durch Geld.

Nicht ohne Ziele lernen!

Eine Sprache ist nicht irgendein Lerninhalt – sondern ein Mittel zur Kommunikation. „Beim Sprachenlernen
geht es gar nicht so sehr um Wissen, sondern um Psychologie“, sagt Sarah Mercer. Die Professorin für
Didaktik der Anglistik an der österreichischen Universität Graz ist eine der Pionierinnen der internationalen,
interdisziplinären Sprachlernpsychologie, bei der Emotionen beim Fremdsprachenlernen im Zentrum stehen.
Wer eine neue Sprache lernt, fügt seiner Persönlichkeit neue Facetten hinzu: Diese Grundthese der
Sprachlernpsychologie macht die Untersuchung der Motivation so interessant – aber auch ziemlich komplex.

Analog zur Unterscheidung zwischen extrinsischer und intrinsischer Motivation unterscheidet die
Sprachlernforschung zwischen integrativen und instrumentellen Motiven. Wer eine Sprache aus integrativen
Motiven lernt, interessiert sich für die Kultur einer Gruppe, zu der er gehören möchte. Wer aus
instrumentellen Gründen lernt, will mit Sprache vor allem etwas erreichen – zum Beispiel einen besseren
Job. Diese Unterscheidung geht auf den kanadischen Psychologen Robert Gardner zurück. Bis in die 90er-
Jahre hat sie die Sprachlernforschung dominiert. Intrinsische oder integrative Motive galten als die besseren
Voraussetzungen für Lernerfolg.

Illustration: Laptop mit kleiner gelber Figur drin

Inzwischen halten viele Experten Gardners Theorie für zu ungenau. Zum Beispiel, weil bei vielen Lernenden
integrative und instrumentelle Motive kaum voneinander zu trennen sind. „Es gibt keine besseren oder
schlechteren Gründe, Deutsch zu lernen“, sagt Britta Hufeisen, die an der Technischen Universität (TU)
Darmstadt Professorin für DaF ist und deren Sprachenzentrum leitet. „Auch ein extrinsisches Ziel wie die
Aussicht auf einen tollen Job kann zu einer riesigen Motivation führen.“

Claudia Riemer hat viele Jahre lang in rund 20 Ländern mehr als Tausend Deutschlernende befragt. Sie war
überrascht, wie wichtig die instrumentellen Motive bei den Befragten sind: Viele wollen entweder selbst
Deutsch unterrichten, in einem deutschsprachigen Land studieren oder mit Deutschkenntnissen einen Job in
einer internationalen Organisation bekommen. Das alles sind sehr starke Motive, den Rubikon zu
überschreiten. „Die Motivation, eine Sprache zu lernen, ist komplex, individuell und dynamisch“, sagt
Riemer.

Das zurzeit populärste Motivationsmodell geht auf den ungarischen Psycholinguisten Zoltán Dörnyei zurück.
Auch für ihn ist die Motivation ein dynamischer Prozess. Im Zentrum seiner Theorie steht der Blick in die
Zukunft: Lernende sollten sich ihr „zukünftiges Selbst“ vor Augen rufen, um ihre Ziele zu definieren – also
was sie mit und in einer Sprache erreichen wollen. „Fragen Sie sich, welches Sprachen-Selbst Sie sein
möchten“, rät Riemer. Wer eine stabile Vision