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IDV-Arbeitstreffen 2015

in Lübeck
Sprachenpolitisches Agieren von Verbänden
Impressum

Deutsche Auslandsgesellschaft e. V. Der Internationale Deutschlehrerinnen- und


www.deutausges.de Deutschlehrerverband
info@deutausges.de www.idvnetz.org
Koberg 2 kontakt@idvnetz.org
23552 Lübeck

V. i. S. d. P.: Martin Herold Fotos und Gestaltung: Leif Bonorden


Marianne Hepp (Präsidentin, Der Internationale Deutschlehrerinnen- und Deutschlehrerverband)
Martin Herold (Geschäftsführer, Deutsche Auslandsgesellschaft)
Sebastian Vötter (Leiter des Bereichs Sprache und Bildungspolitik, Goethe-Institut)

Vorwort

Die jüngste weltweite Erhebung zu den Multiplikator/inn/en teilgenommen haben,


Deutschlernerzahlen zeigt, dass die Nach- darunter 84 Verbandsvertreter/innen aus 70
frage nach Deutsch in rund 60 % der Länder Ländern. Das umfangreiche Kernprogramm
weltweit gestiegen ist, vor allem in Asien, La- machte in Fachvorträgen, Workshops und
teinamerika, Afrika und Nahost. Aktuell gibt einer Podiumsdiskussion deutlich, dass gute
es 15,4 Millionen Deutschlernende auf der Sprachenpolitik ein Prozess auf vielen Ebe-
Welt. Deutsch als Fremdsprache hat wieder nen ist. Für die Verbandsarbeit bedeutet das,
Konjunktur. Die überwiegende Mehrheit der künftig noch stärker das durch die Verbände
Deutschlernenden (87 %) erwirbt die Sprache gebündelte Expertenwissen im DaF-Bereich
im schulischen Fremdsprachenunterricht. in die Diskussionen mit Bildungsbehörden
Auch orientieren sich heute junge Deutsch- einzubringen, die weltweite Vernetzung und
lernende zunehmend am grenzüberschrei- den kollegialen Austausch auszubauen und
tenden Bildungs- und Arbeitsmarkt. eine noch aktivere Rolle bei der Verankerung
Vor diesem Hintergrund wird das sprachenpo- von Deutsch als Fremdsprache in den Bil-
litische Agieren von Deutschlehrerverbänden dungssystemen der Länder zu spielen.
immer wichtiger. Dieser Aspekt der Verbands- Der IDV dankt allen Teilnehmenden und
arbeit stand daher auch ganz im Zentrum des Förderern der Tagung, insbesondere dem
9. IDV-Arbeitstreffens, dessen Gastgeber die deutschen Auswärtigen Amt und der Stadt |1
Deutsche Auslandsgesellschaft in Lübeck Lübeck.
war und an dem über 100 Expert/inn/en und
Hansestadt Lübeck
Tagungsort

Lübeck ist eine Großstadt im Norden


Deutschlands, deren mittelalterliche Alt-
stadt als UNESCO-Weltkulturerbe bekannt
ist. Lübecks Geschichte war vor allem
durch Handel und die Hanse geprägt.
Wahrzeichen der Stadt ist das Holstentor.

Katharineum
Tagungsort

Das Katharineum zu Lübeck ist ein Gymnasi-


um mit fast 500-jähriger Geschichte. Heute
hat die Schule ca. 1000 Schülerinnen und
Schüler. Zu den bekannten ehemaligen Schü-
lern gehören Thomas und Heinrich Mann
sowie Theodor Storm.
Inhaltsverzeichnis

Vorwort 1
Tagungsort 2
Welche wirkungsvollen Argumente für Deutsch sind aktuell –
weltweit und länderspezifisch? 4
Lernerbezogene Gestaltung des DaF-Unterrichts 5
Lehrwerke multimedial ergänzen

DACH in Lehr- und Lernmaterialien – Was ist drin, wenn‘s drauf steht? 6
Eine Entdeckungsreise

Deutsch Lehren Lernen (DLL) 7


Zum weltweiten Qualifizierungsprogramm für Lehrkräfte von
Deutsch als Fremd- und Zweitsprache des Goethe-Instituts

Sprachen – Macht – Markt 8


Gefordert, gefördert – und für gut befunden? 9
Mehrsprachigkeit im Spannungsfeld von Politik, Schule und Forschung

Sprachenpolitisches Agieren von Verbänden 10


Ergebnisse einer Podiumsdisskussion

DACHL-Fundstücke. Entdeckt von Deutschlehrenden weltweit 13


Ein Wettbewerb

Rückblick auf das DACHL-Seminar des IDV 09. – 27.07.2015 14


Sprachpraxis-Elemente 15
Vorstellungen aktueller Lehr- und Lernmaterialien 16
Autorenlesung mit Angelika Klüssendorf 16
Prof. Dr. Hans-Jürgen Krumm (Universität Wien) Workshop
Mag. Anne Pritchard-Smith (Universität Wien)

Welche wirkungsvollen Argumente für


Deutsch sind aktuell –
weltweit und länderspezifisch?

Ziel des Workshops war es, Verbänden An- 3. „Marketing“ für Deutsch
regungen für sprachenpolitische Projekte
Beispiele:
zu geben: Wie lassen sich Regierung und
• Deutschwagen-Kampagnen in verschie-
Bildungsverwaltung, Schulleitung, Eltern und
denen Ländern
Öffentlichkeit gewinnen, um Deutsch zu för-
• Fahrrad-Projekt des Österreich Instituts
dern bzw. zu wählen.
• Sprachentage
1. Weshalb Deutsch? Ziel ist
Viele Gründe lassen sich in drei Gruppen zu- • die Qualität des Deutschunterrichts sicht-
sammenfassen: bar zu machen
1. Deutsch ist eine starke Welt(wirtschafts)-​ • SchülerInnen einzubeziehen und deren
sprache. Potenziale sichtbar zu machen
2. Deutsch ist die zentrale europäische • erste Kontakte zu Deutsch zu schaffen
Sprache. (Schnupperkurse)
4| 3. Deutsch ist eine starke Kultur- und Im Rahmen des Workshops wurde eine di-
Wissenschaftssprache. gitale Pinnwand mit Beispielen eingerichtet:
Aber viele Menschen lernen Deutsch, weil sie www.deutausges.de/idv-pinnwand
neugierig auf den deutschsprachigen (Kultur-)
Raum sind, weil sie persönliche oder fachli- 4. Sprachenpolitische Projekte „Wir-
che Beziehungen zu den deutschsprachigen kungsvolle Argumente für Deutsch“
Ländern haben.
Die 26 TeilnehmerInnen des Workshops
2. Wie lassen sich wirkungsvolle haben insgesamt 21 Projekte konkreter aus-
Gründe für Deutsch finden? gearbeitet, die sie in ihre Verbände mitneh-
men und nach Möglichkeit umsetzen wollen
Im Workshop wurden Beispiele für Bedarfs- (demnächst auf der Pinnwand).
erhebungen besprochen. Sprachenpolitische
Forderungen finden besser Gehör, wenn sie
durch Fakten und Zahlen untermauert sind.
Prof. Dr. Gabriele Kniffka (Pädagogische Hochschule, Freiburg i. Br.) Workshop
André Moeller (Deutsche Welle, Bonn)

Lernerbezogene Gestaltung des


DaF-Unterrichts
Lehrwerke multimedial ergänzen

Lehrwerksergänzung durch Neue zu multimodalen und hybriden Textformen


Medien macht den DaF-Unterricht (Konvergenz der Medien, Verschmelzung
klassischer Einzelmedien). Computer- und
attraktiv
netzbasierte digitale Medien übernehmen
Die Workshopgruppe ist sich einig: Traditio- im Lehr- und Lernkontext verschiedene Funk­
nelle Lehrwerke müssen durch Neue Medi- tionen: Sie sind Informationsquelle, Kommu-
en ergänzt werden. Die Gründe: sprachliche nikations- und Schreibmedium, individuelle
Varietäten und Tendenzen der Gegenwarts- Lern- und Übungsplattform und Hilfsmittel
sprache, Aktualität der Themen (zum Beispiel zur Kooperation.
Tagesgeschehen und Landeskunde), Authen-
tizität. Schlussfolgerung – neue Anforderun-
gen an die Aus- und Fortbildung von
Der Einsatz Neuer Medien kann aus spracher-
werblicher Sicht gut begründet werden (Ellis/ LehrerInnen
Shintani 2014). Unterricht, der erfolgreich Die o. g. Charakteristika und Funktionen der
sein will, erfordert Fokus auf Bedeutung, Neuen Medien erfordern neue Kompetenzen |5
Output-Orientierung, reichhaltigen Input und auf Seiten der Lehrenden und Lernenden.
Gelegenheiten zur Interaktion. Die neuen Anforderungen an die Produk­
tion und die Rezeption von Inhalten bringen
Charakteristika und Funktion Neuer
didaktische Herausforderungen, vor allem
Medien im Rahmen von Fremdspra- im Hinblick auf Multi-Literacies, mit sich. Die
chen-Unterricht Professionalisierung im Bezug auf die Neuen
Die Veränderung von Produktions-, Distri- Medien ist damit wichtiger Bestandteil bei
butions- und Rezeptionsbedingungen führt der Aus- und Fortbildung von LehrerInnen.
Naomi Shafer (Freiburg i. Üe./Fribourg) Workshop

DACH in Lehr- und Lernmaterialien –


Was ist drin, wenn‘s drauf steht?
Eine Entdeckungsreise

Wofür steht DACH und wie steht es um DACH einzustufen. Die (standard-)sprachliche Viel-
in DaF-Landeskunde-Materialien? falt des Deutschen sollte für die Lernenden in
Diese Fragen standen im Zentrum des Work- Hör- und Lesetexten erfahrbar werden (ggf.
shops, in dem die Teilnehmer/innen sich mit ergänzt durch explizite Informationen zur
dem DACH-Prinzip befassten – also mit dem Plurizentrik), um ihr Verstehen verschiedener
vom IDV massgeblich unterstützten Grund- Varietäten zu unterstützen.
satz, die Vielfalt des deutschsprachigen Rau- Für die Entwicklung von (landeskundlichen)
mes anzuerkennen und einzubeziehen, etwa Materialien wurde dafür plädiert, dass Au-
in der Lehrerausbildung, in Verbandsaktivitä- tor/innen aus mehreren deutsch- und nicht-
ten oder in der Kulturvermittlung. Den Kern deutschsprachigen Ländern zusammen­
des Workshops bildete eine gemeinsame arbeiten, z. B. um die sachliche Richtigkeit der
Analyse von (DACH-bezogenen) Landeskun- Inhalte zu gewährleisten. Angeregt wurden
de-Lehrmitteln. für die Zukunft auch mehr Materialien, Infor-
Als Ergebnis lassen sich folgende Anregun- mationen und Fortbildungen zum (D)ACHL-
gen und Desiderate festhalten: Zur Förde- Raum … damit die kulturelle und sprachliche
6| rung interkultureller Lernprozesse sollten in Vielfalt der deutschsprachigen Länder nicht
Lehr- und Lernmaterialien Gemeinsamkeiten als Nachteil verstanden werden muss, son-
und Unterschiede der DACHL-Länder noch dern als Vorteil für Deutsch genutzt werden
stärker binnenkontrastiv verglichen werden; kann!
die bisherige Präsentation ist als eher additiv
Karin Ende (Goethe-Institut, München) Workshop

Deutsch Lehren Lernen (DLL)


Zum weltweiten Qualifizierungsprogramm für Lehrkräfte von
Deutsch als Fremd- und Zweitsprache des Goethe-Instituts

Charakteristika Reflektierendes Erfahrungslernen


Die Materialien der Reihe DLL berücksichti- Fortbildung ist dann erfolgreich, wenn Theorie
gen die Bedingungen moderner Fortbildung: und Praxis verknüpft werden. Dies geschieht
Sie sind modular aufgebaut, lassen sich auch durch Reflexion der Anwendbarkeit des fach-
online bearbeiten, bieten Einblick in Deutsch- lichen Inputs sowie Erforschung der eigenen
unterricht durch Unterrichtsdokumenta­ Praxis: Lehrende werden zu Unterrichtsfor-
tionen und spiegeln den aktuellen Stand der schern. Sie gehen in Praxiserkundungsprojek-
Fachdidaktik. Zielgruppe: Lehrende mit Un- ten selbst gewählten Fragestellungen nach,
terrichtserfahrung ab Sprachniveau B1. tauschen sich mit Kolleginnen und Kollegen
www.goethe.de/dll aus und werten ihre Ergebnisse aus.

Didaktisch-methodische Prinzipien Schlussfolgerung


Empirisch ist nicht belegt, dass die Verwen- Die Materialien eignen sich für die Nutzung
dung einer bestimmten Methode zu besseren in der Qualifizierung von Deutschlehrenden.
Lernergebnissen führt. Prinzipien wie Hand- Fortbildungsmaßnahmen sollten kontinu-
lungsorientierung, Interaktionsorientierung, ierlich und kooperativ gelpant werden, um
reflektierendes Erfahrungslernen möglich zu |7
Mehrsprachigkeitsorientierung oder Förde-
rung autonomen Lernens ermöglichen die machen. Multiplikatoren oder Fortbildende
Entwicklung von beobachtbaren Indikatoren. sollten über eine Selbsterfahrung dieses Ak-
tionsforschungsansatzes verfügen.
Prof. Dr. Hans-Jürgen Krumm (Universität Wien) Fachvortrag

Sprachen – Macht – Markt

Sprachenpolitik ist ein recht junger Begriff ihr persönliches Potenzial stärkt. Dabei sollte
in den Wissenschaften, aber inzwischen ist nicht versucht werden, Deutsch gegen andere
klar, dass Sprachunterricht eingebunden ist Sprachen durchzusetzen, Deutsch ist sinnvol-
in politische, wirtschaftliche und individuelle ler Bestandteil einer Mehrsprachigkeitsstra-
Interessen. Immer schon haben Macht- und tegie. Sprachenpolitisch sollten Vertreter der
Marktkräfte maßgeblich beeinflusst, welche verschiedenen Sprachen zusammenarbeiten,
Sprachen gelehrt und gelernt werden konn- um generell ein sprachenfreundliches Klima
ten. zu schaffen.
Verbände für Deutschlehrerinnen und In der pädagogischen Debatte muss eine Ba-
Deutschlehrer müssen sprachenpolitisch ak- lance hergestellt werden zwischen prüfungs-
tiv sein; eine Person im Vorstand sollte sich und inhaltsorientierten Angeboten, zwischen
speziell um sprachenpolitische Fragen küm- standardisierten Unterrichtskonzepten und
mern. der Möglichkeit individueller Sprachenwahl.
Deutsch ist auf Grund der Rolle der deutsch- Nur so kann erreicht werden, dass auch eine
sprachigen Länder in Politik und Wirtschaft, Balance zwischen politisch-wirtschaftlich mo-
in Wissenschaft und Kultur eine Sprache, die tivierten Sprachangeboten und den individu-
zu lernen lohnt. Deutschkenntnisse können ellen Interessen auch an kleineren Sprachen
als Chance gesehen werden, sich selbst neue hergestellt wird. Eine sprachenpolitische
Welten zu erschließen, der Deutschunterricht Dimension ist daher für das Fach Deutsch als
8| Fremdsprache erforderlich.
sollte es deshalb unterstützen, dass Lernende
Deutsch auch als eine Sprache erleben, die
Prof. Dr. Thomas Studer (Universität Freiburg i. Üe./Fribourg) Fachvortrag

Gefordert, gefördert – und für gut befunden?


Mehrsprachigkeit im Spannungsfeld von
Politik, Schule und Forschung

Mehrsprachigkeit umfasst individuelle, ge- gatorischen Schulzeit über Kompetenzen in


sellschaftliche, politische und institutionelle mindestens einer zweiten Landessprache und
Aspekte und kann entsprechend unterschied- einer weiteren Fremdsprache verfügen.
lich definiert werden (z. B. Gogolin & Lüdi Die Förderung der Mehrsprachigkeit findet
2015). Für schulisches Lehren und Lernen sich ausdrücklich auch in der Sprachenstra-
von besonderer Bedeutung sind grundsätz- tegie der Eidgenössischen Konferenz der
lich die individuelle Mehrsprachigkeit (‚Men- kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK, Spra-
schen, die sich in mehr als einer Sprache chenstrategie von 2004), dort allerdings oft in
verständigen können‘) und spezifisch sowohl Form von Aussagen, deren wissenschaftliche
die lebensweltliche oder migrationsbedingte Überprüfung noch aussteht. Dazu gehört z.B.
Mehrsprachigkeit (‚Menschen, die im Alltag die Aussage, dass frühes Sprachenlernen ef-
in mehr als einer Sprache leben‘) als auch die fizienter sei. Aus empirischer Sicht, d. h. auf
fremdsprachliche oder schulisch intendierte Basis u. a. der umfassenden Literaturana-
Mehrsprachigkeit (‚Menschen, die Fremd- lyse von Lambelet & Berthele (2014) zum
sprachen im Unterricht lernen‘). sog. Altersfaktor beim Sprachenlernen, lässt
Fremdsprachliche Mehrsprachigkeit gehört sich dazu einstweilen nur sagen, dass früher
zu den zentralen Anliegen der Bildungs- und Fremdsprachenunterricht so, wie er in der |9
Sprachenpolitik in vielen Ländern, so auch Schweiz eingerichtet ist, wahrscheinlich nicht
in der vielsprachigen Schweiz. Gemäss dem ineffizienter ist als später einsetzender Unter-
Schweizer Sprachengesetz von 2010 sollen richt.
Schülerinnen und Schüler am Ende der obli-
Geraldo de Carvalho (Der Internationale Deutschlehrerinnen- und Deutschlehrerverband)
Joachim Hoefele (Der Internationale Deutschlehrerinnen- und Deutschlehrerverband)
Sonja Winklbauer (Der Internationale Deutschlehrerinnen- und Deutschlehrerverband)

Sprachenpolitisches Agieren von Verbänden


Ergebnisse einer Podiumsdiskussion
Keith Cothrun (American Association of Teachers of German)
Prof. Dr. Ludwig M. Eichinger (Institut für Deutsche Sprache)
Prof. Dr. Hans-Jürgen Krumm (Universität Wien)
Anne Lind (Goethe-Institut Tallinn/Estland)
Prof. Dr. Galina Perfilova
(Überregionaler Deutschlehrerverband Russlands)
Sebastian Vötter (Goethe-Institut)

Im Rahmen des IDV-Arbeitstreffens 2015 fand tor der American Association of Teachers of
am 30. Juli im Katharineum zu Lübeck eine German, USA), Prof. Dr. Hans-Jürgen Krumm
Podiumsdiskussion zum Thema „Sprachen- (Universität Wien; Ehrenmitglied des IDV),
10 | politisches Agieren von Verbänden“ statt, an Anne Lind (Leiterin der Spracharbeit des Goe-
der folgende Diskutantinnen und Diskutanten the-Instituts Tallinn/Estland), Prof. Dr. Galina
teilnahmen: Prof. Dr. Joachim Hoefele als Mo- Perfilova (Präsidentin des Überregionalen
derator (Zürcher Hochschule für Angewand- Deutschlehrerverbands Russlands, Moskau)
te Wissenschaften, Experte Schweiz im IDV- und Sebastian Vötter (Leiter des Bereichs
Vorstand, Zürich), Prof. Dr. Ludwig Eichinger Sprache und Bildungspolitik im Goethe-Insti­
(Direktor des Instituts für Deutsche Sprache tut, Experte Deutschland im IDV-Vorstand).
Mannheim), Keith Cothrun (Executive Direc-
Der Diskussion lagen folgende Hauptfragen von ca. 14,7 Mio. auf ca. 15,4 Mio.). Beschlüs-
zugrunde: se von Bildungsministerien, das Erlernen ei-
1. Was ist der derzeitige Stand des Deut- ner zweiten Fremdsprache in nationale Curri-
schen als Fremdsprache weltweit? cula aufzunehmen, können als Chance für das
Deutsche gesehen werden. Gleichzeitig wur-
2. Warum lernen Schüler/innen bzw. junge de in der Diskussion aber auch die Notwen-
Erwachsene die Fremdsprache Deutsch? digkeit von gutem Unterricht unterstrichen,
3. Über welche sprachenpolitische Möglich- da Deutsch natürlich im Wettbewerb mit an-
keiten verfügen die Deutschlehrerver- deren zu wählenden Sprachen steht.
bände und welche Maßnahmen werden Wichtig erscheint allen Podiumsteilneh-
ergriffen? mern und -teilnehmerinnen die Tatsache,
Die Auseinandersetzung mit der ersten Frage dass Mehrsprachigkeit und das Erlernen von
über den Stand des Deutschen als Fremdspra- Fremdsprachen im Allgemeinen gefördert
che beruhte auf einer jüngst veröffentlichten werden muss und dass Englisch nicht in Kon-
Erhebung des Auswärtigen Amtes der Bun- kurrenz zu Deutsch steht bzw. stehen soll. Die
desrepublik Deutschland, deren Ergebnisse Frage, die im Vordergrund stehen soll, lautet
regional unterschiedlich sind. Während in eher: Deutsch vor oder nach Englisch? Das als
manchen Teilen der Welt – z. B. in Südamerika grundlegender Punkt, der die Debatte um die
und Asien – die Anzahl der Lernenden gestie- Dominanz des Englischen überflüssig erschei-
gen ist, verzeichnen andere Gebiete, wo tra- nen lässt.
ditionsgemäß Deutsch gelernt wurde, einen Bei der Beantwortung der zweiten Frage
Rückgang an Deutschlerner/inne/n. Zusam- konnte festgestellt werden, dass nach wie vor
menfassend wurde dargestellt, dass sich die viele Faktoren bei der Wahl des Deutschen
Zahl der Lerner/innen im Vergleich zur letzten als Fremdsprache eine Rolle spielen. Wäh-
Erhebung 2010 leicht erhöht hat (Zunahme rend für viele Deutschland ein attraktiver | 11
Standort für Bildung und Arbeitsmarkt bleibt, Alle Podiumsteilnehmenden sind sich einig,
interessieren sich andere für Deutsch als die dass die Sprachenpolitik nunmehr im Vorder-
Sprache der Klassiker und der Kultur. Ein Stu- grund stehen soll, und zwar in enger Koope-
dium in einem deutschsprachigen Land ist ration auch mit Verbänden anderer Sprachen.
trotz der anfänglichen Schwierigkeiten, mit Die Verbände müssen in ihren Ländern das
denen ausländische Studierende konfrontiert Wort ergreifen, jeder Verband soll in seinem
werden, einer der wichtigsten Gründe, wes- Gremium zumindest eine Person haben, die
halb Deutsch in den Heimatländern gewählt die sprachenpolitischen Agenden kompetent
wird. Und für die Gestaltung der Lehrpläne in und aktiv übernimmt. Es muss ins Bewusst-
vielen Ländern außerhalb der EU ist der Eu- sein rücken, dass nicht Deutsch unterrichtet
ropäische Referenzrahmen für Sprachen von wird, sondern Menschen, die Deutsch lernen
großer Bedeutung. wollen – und diese Menschen sollen vertre-
ten werden.

12 |
Marianne Hepp (Der Internationale Deutschlehrerinnen- und Deutschlehrerverband)
Sebastian Vötter (Goethe-Institut)

DACHL-Fundstücke.
Entdeckt von Deutschlehrenden weltweit
Ein Wettbewerb

Sebastian Vötter, Leiter des Bereichs Sprache Länder exem­plarisch in den Unterricht zu
und Bildungspolitik im Goethe-Institut und holen.
Experte Deutschland im IDV-Vorstand, stell- In der 1. Runde des Wettbewerbs präsen-
te einen Wettbewerb vor, der im Auftrag der tieren die Teilnehmenden ein sogenanntes
politischen Vertreter der deutschsprachigen Fundstück, das sie in ihrer Umgebung vor-
Länder (Deutschland, Österreich, Liechten- gefunden haben. Dieses Fundstück reprä-
stein und die Schweiz) vom IDV unter Feder- sentiert jeweils eine Besonderheit aus den
führung des Goethe-Instituts durchgeführt D-A-CH-L-Ländern. In der 2. Runde des Wett-
wird. Zielgruppe sind Deutschlehrkräfte welt- bewerbs erarbeiten 16 prämierte Teilneh-
weit im Primar-/Sekundarbereich und in der mende Unterrichtsvorschläge, die zeigen, wie
Erwachsenenbildung. Der Wettbewerb wird sie mit den Fundstücken im Unterricht arbei-
voraussichtlich im Oktober 2015 ausgelobt ten.
und anlässlich der Internationalen Deutsch-
lehrerInnentagung 2017 in Fribourg mit der Der Wettbewerb wird auf einer Webseite do-
Preisverleihung offiziell abgeschlossen. kumentiert werden.
| 13
Der Wettbewerb hat zum Ziel, innovative In einem sich an die Präsentation des Wett-
Möglichkeiten kulturbezogenen und landes- bewerbs anschließenden Redebeitrag un-
kundlichen Lehrens und Lernens im Deutsch- terstrich auch die Präsidentin des IDV, Frau
unterricht weltweit sichtbar zu machen. Prof. Marianne Hepp, noch einmal die großen
Außerdem entstehen Unterrichtsvorschläge Chancen, die sich durch diesen Wettbewerb
für Deutschlehrkräfte weltweit, die es ermög- ergeben und warb bei den Verbänden um
lichen, die vielfältige und mitunter überra- eine aktive Unterstützung bei der bevor­
schende Wirklichkeit der deutschsprachigen stehenden Durchführung.
Monika Janicka (Polnischer Deutschlehrerverband)

Rückblick auf das DACHL-Seminar des IDV


09. – 27.07.2015

In dem Beitrag wurde das DACHL-Seminar vor- und eine Projektdokumentation präsentiert,
gestellt, das vom 09.07. bis zum 27.07.2015 wie das DACHL-Prinzip an den einzelnen Se-
in Winterthur (Schweiz), Triesenberg (Liech- minarorten umgesetzt wurde. Es wurde auch
tenstein), Wien (Österreich) und Leipzig die Frage aufgeworfen, wie die während des
(Deutschland) mit 19 Teilnehmerinnen und Seminars gewonnenen Kenntnisse an andere
Teilnehmern aus 19 verschiedenen Ländern Deutschlehrende vermittelt und multipliziert
stattfand. Das DACHL-Seminar, eine Initiati- werden können. Eine der Formen, die Nach-
ve des IDV, hat zum Ziel, den Deutschlehren- haltigkeit des Projektes sichern, ist die spezi-
den aus aller Welt ein aktuelles Bild von den ell für die Seminarteilnehmer eingerichtete
deutschsprachigen Ländern zu vermitteln Moodle-Plattform, wo Unterlagen aus dem
sowie Einblicke in die Vielfalt und Kultur der Seminar sowie die erarbeiteten Texte und
deutschsprachigen Länder zu ermöglichen. Projekte abgerufen werden können.
Das Motto des diesjährigen Seminars lautete Der Bericht wurde aus der Sicht einer Per-
„DACHL erlesen“. Um diesem Motto gerecht son verfasst, die während des Seminars eine
zu werden, wurde der Zugang zur deutsch- doppelte Funktion innehatte: Sie war eine
sprachigen Landeskunde und Kultur an allen Teilnehmerin des Seminars und zugleich soll-
Standorten mit besonderem Blick auf literari- te sie als Begleitperson u. a. einen Blick auf
14 | sche Texte und Spuren gewährleistet. „den roten Faden des Seminars“ behalten so-
Während des Beitrags wurde über Bilder, aus- wie eine integrative Funktion in der Gruppe
gewählte Texte der Seminarteilnehmer/innen wahrnehmen.
Martin Herold (Lübeck)
Signe Ilmjärv (Toila/Estland)
Outi Verkama (Tampere/Finnland)

Sprachpraxis-Elemente

An zwei Tagen begann die Arbeit mit einem Ordnen Sie die folgenden Sätze schweizeri-
jeweils knapp 30-minütigen plenaren Sprach- schem, österreichischem und deutschländi-
praxis-Element – zu den Themen DACHL (mit schem Deutsch zu!
Schwerpunkt Plurizentrik) und „Facebook- • Letzten Sonnabend wollte ich mit meiner
Deutsch“. Beim Betreten des (großen) Rau- EC-Karte bezahlen, aber es ging nicht.
mes erhielt jeder ein kompaktes Arbeitsblatt, • Gestern Morgen habe ich mein Velo vor
das textgleich in verschiedenen Farben vor- dem Spital parkiert.
lag. Über die Farben wurde eine Aufteilung • Die Zahl der Arbeitslosen ist heuer gestie-
im Raum vorgenommen. Niemand sollte sich gen – kontinuierlich seit Jänner.
hinsetzen. Aus dem Arbeitsblatt zum Sprachpraxis-Ele-
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer soll- ment „Facebook-Deutsch“:
ten sich in zufällig eingeteilten, kleinen und Wenn irgendjemand auf Facebook etwas ge-
mehrfach wechselnden Gruppen zu vorgege- postet hat, kann ein anderer Facebook-User
benen Aspekten der deutschen Sprache aus- den Post (bzw. den Beitrag) liken, kommentie-
tauschen und voneinander lernen. Mehrere ren und/oder teilen.
Hilfskräfte bekamen den Status einer „Au- • Könnte man hier statt „auf Facebook“
toritätsperson“ verliehen und achteten u. a. auch „bei Facebook“ sagen?
darauf, dass Gruppenwechsel genau nach | 15
• Sind Frauen, die bei Facebook sind, „Face-
Anweisung verliefen und dass während der book-User“ oder „Facebook-Userinnen“?
Gruppenphasen jeder ausreichend zu Wort • [ganz ernsthaft:] Bitte konjugieren Sie
kam. „posten“ und „liken“ im Präsens und im
Aus dem Arbeitsblatt zum Sprachpraxis-Ele- Perfekt!
ment DACHL: „Richtige Antworten“ finden sich seit nach
der Tagung auf www.deutausges.de .
Vorstellungen aktueller
Lehr- und Lernmaterialien
Dr. Gunther Weimann (Cornelsen) Katharina Bosserhoff (Deutsche Welle)

Einfach leichter lehren Kostenlos Deutsch lernen


und lernen – Panorama mit der DW
macht‘s möglich! Mit der DW lernt jeder Deutsch, wie, wo und
Die digitalen Medien spielen heute eine noch wann es ihm gefällt: Von aktuellen Nachrich-
größere Rolle für das Lehren und Lernen. ten über eine spannende Telenovela bis hin
Dem trägt Panorama Rechnung und bietet zu internationalen Communitys auf Facebook
Lehrenden und Lernenden intelligente, fle- und Twitter – das Online-Angebot ist jeder-
xibel einsetzbare Arbeitsmaterialien für den zeit und überall kostenlos verfügbar. Zahlrei-
Unterricht. che Materialien zum Download erleichtern
den Einsatz im Unterricht.

Wilfried Völker (Hueber)


Rainer Koch (Klett-Langenscheidt)
Wortschatzarbeit im
DaF-Unterricht Grammatik überraschend
Eine systematische Erarbeitung des Wort- anders! Aber wie?
schatzes sollte von Anfang an erfolgen. An Spielerisch, rhythmisch, animiert: Anhand
ausgesuchten Beispielen aus dem Lehrwerk von praktischen Beispielen aus dem neuen
16 |
Beste Freunde wurden einige Thesen zum Grundstufenlehrwerk DaF leicht konnten ori-
Wortschatzerwerb überprüft anhand der Fra- ginelle Wege entdeckt werden, wie Lehrende
ge: Wie können Lehrende und junge Lernen- und Lernende Grammatik nicht als schwierige
de ganz effizient einen Lernwortschatz auf- Hürde, sondern als hilfreiche Brücke erleben
bauen und diesen im Laufe des Unterrichts können.
festigen und vertiefen?

Autorenlesung mit Angelika Klüssendorf


Kooperation mit dem Buddenbrookhaus
Angelika Klüssendorf liest aus „April“, der Klüssendorf liest in der Aula des Katharine-
Fortsetzung des Romans „Das Mädchen“. Bei- ums, der Schule, die Thomas und Heinrich
de standen schon auf Shortlists für den Deut- Mann zu ihren Schülern zählen kann. Was sie
schen Buchpreis. Inhalt: Das Mädchen ver- an Thomas Mann am interessantesten fin-
sucht, sich gegen alle Widrigkeiten eine eigene det? Sein im Buddenbrookhaus ausgestelltes
Existenz aufzubauen. Ihre neue Identität zeigt schlechtes Schulzeugnis. Und was sie und den
sich auch im selbst gewählten Namen „April“ Schriftsteller Thomas Mann verbindet? Sie
– nach dem Lied von Deep Purple und zugleich arbeitet genauso diszipliniert: Früh am Mor-
auch, so die Autorin, nach dem Monat April, gen aufstehen, dann schreiben, schreiben,
„denn der macht, was er will“. Das Publikum schreiben.
ist sich einig, dass das Wetter während der
IDV-Tagung sich passend zum Romantitel zeigt.
IDV-Arbeitstreffen 2015 in Lübeck
Sprachenpolitisches Agieren von Verbänden

Im Zeitraum 27.07. – 01.08.2015 haben sich mehr als 100 an zentralen Positionen verantwortli-
che Akteurinnen und Akteure für Deutsch als Fremdsprache (DaF) und Deutsch als Zweitsprache
(DaZ) aus mehr als 70 Ländern zum 9. Arbeitstreffen des Internationalen Deutschlehrerinnen- und
Deutschlehrerverbandes (IDV) in der Hansestadt Lübeck getroffen. Leitthema der Tagung war Spra-
chenpolitisches Agieren von Verbänden. Die Deutsche Auslandsgesellschaft hat die im Wesentlichen
vom Auswärtigen Amt der Bundesrepublik Deutschland finanzierte Veranstaltung ausgerichtet.
Der vorliegende Kurzbericht soll via Bildern und Text einen schnellen Einblick in den Verlauf und
in die Ergebnisse der Tagung ermöglichen. Eine möglichst weite Verbreitung der Informationen im
Bereich DaF/DaZ ist erwünscht.