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Einführung

in die Rhetorik der Präsentation


Modul „Wissenschaft trägt Verantwortung“

erstellt von Dr. Asta von Schröder

© Leuphana Universität Lüneburg | Wissenschaft trägt Verantwortung | September - Oktober 2015


Leitfaden für Präsentationen im Modul „Wissenschaft trägt Verantwortung“

Inhalt
Vom Referat zur Präsentation – verständliche Wissenskommunikation mit Medienunterstützung .......... 3

Referat oder Präsentation – was ist der Unterschied?......................................................................... 3

1. Themenfindung (inventio) ................................................................................................................ 4

2. Aufbau und Gliederung (dispositio) .................................................................................................. 5

Einleitung/Eröffnung ........................................................................................................................ 5

Hauptteil .......................................................................................................................................... 6

Schlussteil ....................................................................................................................................... 6

3. Ausarbeitung und Argumentation (elocutio) ..................................................................................... 7

Was ist ein „Argument‘‘?.................................................................................................................. 7

Schlussformen und Fehlschlüsse .................................................................................................... 8

Auswahl der Argumente .................................................................................................................. 9

Anordnung der Argumente .............................................................................................................. 9

Fachbegriffe vs. Fachjargon .......................................................................................................... 11

Wiederholungen ............................................................................................................................ 12

4. Die Vortragssituation (actio) – das Kernstück der Präsentation ..................................................... 12

Das Publikum ................................................................................................................................ 13

Die Rahmenbedingungen: Herrschaft über Raum, Ort, Zeit .......................................................... 13

Einzel-oder Gruppenpräsentation.................................................................................................. 13

Gallery Walk .................................................................................................................................. 14

Stichpunkte oder ablesen? ............................................................................................................ 15

Körpersprache: Haltung, Gestik, Mimik ......................................................................................... 15

Lampenfieber – was ist das und wie gehe ich damit um? ............................................................. 17

Medieneinsatz und Visualisierung ..................................................................................................... 19

Ziele der Visualisierung ................................................................................................................. 20

Welche Medien stehen zur Verfügung?......................................................................................... 21

Die Gestaltung einer guten PowerPoint Präsentation ................................................................... 24

Die Abschlussdiskussion ................................................................................................................... 26

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Vorbereitung auf die Diskussion .................................................................................................... 27

Umgang mit Fragen ....................................................................................................................... 27

Aufgaben der Diskussionsleitung / Moderation ............................................................................. 28

Nachbereitung ................................................................................................................................... 28

Reflexion ....................................................................................................................................... 28

Feedback....................................................................................................................................... 29

Schriftliche Ausarbeitung ................................................................................................................... 30

Auswahl weiterführender Literatur.......................................................................................................... 31

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Leitfaden für Präsentationen im Modul „Wissenschaft trägt Verantwortung“

Vom Referat zur Präsentation – verständliche Wissenskommunikation


mit Medienunterstützung
Referat oder Präsentation – was ist der Unterschied?
Noch vor wenigen Jahren war es in vielen Fachdisziplinen üblich, zum Scheinerwerb ein Referat zu
halten, das als Grundlage für die Hausarbeit diente. Ähnelte das klassische Referat häufig einem
schriftlich ausformulierten Vortrag, der noch dazu selten frei vorgetragen wurde, wird heute aufgrund
der Digitalisierung und der mit ihr einhergehenden Allgegenwärtigkeit von Laptops und
Präsentationssoftware mehr Wert auf die Dramaturgie des Vortrags gelegt. Die Vermittlung von
Sachinformationen soll durch den Einsatz (meist visueller) Begleitmedien unterstützt werden. Das
hauptsächlich informative Referat wandelt sich zur Präsentation mit einem gewissen Anspruch an
Unterhaltung – wobei „Unterhaltung“ im akademischen Kontext bedeutet: Aufmerksamkeit wecken,
Interesse binden, Relevanz für die Praxis1 verdeutlichen.

In beiden Vortragsformaten lernen Studierende, das frisch erarbeitete Wissen zu gliedern, es in den
größeren Forschungszusammenhang einzuordnen, Informationen, Aussagen und Thesen zu bewerten
und die Ergebnisse einem Fachpublikum vorzustellen. Diese Kompetenzen werden auch außerhalb der
Universität erwartet – in Workshops, auf Konferenzen, im Vertriebsgespräch oder im Teammeeting wird
erwartet, dass Sie Ihr Wissen zu spezifischen Themen adäquat, verständlich und zeitgerecht
präsentieren können.

Aus rhetoriktheoretischer Sicht gibt es übrigens keinen Unterschied zwischen Referat und Präsentation,
denn die Erstellung einer jeden Rede (= Vortrags) wird in die gleichen Arbeitsschritte unterteilt:

1. Themenfindung (inventio)
2. Gliederung (dispositio)
3. Ausformulierung (elocutio)
4. Vortragssituation (actio)

Mit der Bezeichnung „Präsentation“ wird lediglich ein größerer Fokus auf Punkt 4, also die
Vortragssituation und die eigentliche Performanz des Vortragens gelegt als beim Referat – eigentlich
aber sollte man bei jedem Referat Wert auf die actio legen.2 Aus diesem Grund werden die Begriffe
innerhalb dieses Leitfadens synonym verwendet. Will man aber unbedingt eine Unterscheidung

1Der Begriff der „Praxis“ schließt selbstverständlich auch die akademische Forschungspraxis ein.
2Der fünfte Arbeitsschritt (memoria) bestand darin, die Rede auswendig zu lernen und fokussiert auf verschiedene
Memotechniken, wie z. B. den durch „Sherlock“ und „The Mentalist“ populär gemachtem „Gedächtnispalast“. Da im
akademischen Kontext sehr selten komplett frei gesprochen wird, wird dieser Punkt in diesem Leitfaden nicht behandelt
werden.

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einführen, so bezeichnet „Referat“ einen kurzen, sachlich-informativen Vortrag und „Präsentation“ die
Vermittlung von Inhalten mithilfe von (meist audiovisueller) Medienunterstützung.

Dieser Leitfaden befasst sich mit den vier genannten Arbeitsschritten, wobei natürlich ein besonderer
Fokus auf der actio, der performativen Vortragssituation liegt. Dabei werden auch die beiden für das
Modul „Wissenschaft trägt Verantwortung“ wichtigen Präsentations-Situationen, nämlich
Gruppenpräsentation und Impulsvortrag im Gallery-Walk behandelt.

Angesprochen werden auch der Vortragsstil (frei, halbfrei oder abgelesen), der Einsatz von
Hilfsmitteln, Medienwechsel und der Umgang mit Lampenfieber. Zuletzt soll die Nachbereitung
thematisiert werden: die Diskussion kann zahlreiche Anregungen für weiterführende Aspekte bieten, als
geschickter Moderator oder Moderatorin kann man sie lenken. Der kluge Umgang mit Feedback kann
nicht nur den Vortrag selbst verbessern, sondern auch zukünftige Präsentationen.

1. Themenfindung (inventio)
Wenn das Thema nicht genau festgelegt ist, muss es eingegrenzt werden. Dies geht am einfachsten in
Form einer zielgerichteten Frage. Also nicht: „Präsentation“, sondern: „Wie halte ich eine gute
Präsentation in 20 Minuten?“ oder „Sollten wir für Präsentationen PowerPoint verwenden?“3 Diese
Frage muss dann während des Referates beantwortet werden, und zwar in Form eines begründeten
(bzw. begründenden) Aussagesatzes - Ihrer These.

Wählen Sie dabei möglichst eine Fragestellung, die Sie selbst auch interessant finden. Es wird Ihnen
nicht nur leichter fallen, sich in das Thema einzuarbeiten und geeignete Argumente zur Unterstützung
Ihrer These zu finden, sondern auch, anregend darüber zu sprechen. Ihre persönliche Anteilnahme wird
Ihrem Publikum auffallen und Ihnen den Vortrag leichter machen. Ihre These muss nicht unbedingt
kontrovers sein, doch sollte sie zumindest etwas neues Licht auf altbekannte Fragen werfen – und wenn
es nur für Ihr Publikum neu ist. Sonst laufen Sie Gefahr, banal und langweilig zu sein. Und natürlich
sollte Ihre Frage am Ende der Präsentation auch beantwortet sein. Notieren Sie sich maximal drei
Informationen, die Ihr Publikum am Ende der Präsentation auf jeden Fall mit nach Hause nehmen soll,
und konzentrieren Sie sich darauf, diese Informationen zu vermitteln.

Die schriftliche Ausarbeitung kann ausführlicher als eine einzelne Präsentation sein – es ist durchaus
üblich, aus einer umfangreicheren Forschungsarbeit verschiedene Teilbereiche einzeln zu präsentieren.
Ob Ihre Präsentation übrigens „Henne“ oder „Ei“ ist, ist dabei unwesentlich – manchmal ist es einfacher,
aus einem fertigen Projektbericht (bzw. Hausarbeit) ein Referat bzw. eine Präsentation zu destillieren,

3Vgl. zu diesem Punkt auch den „Leitfaden für die Projektarbeit im Modul „Wissenschaft trägt Verantwortung“, insbesondere
Kapitel 2, S. 7-11.

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manchmal ist es sinnvoller, einem Referat bzw. einer Präsentation während der schriftlichen
Ausarbeitung mehr „Fleisch auf die Knochen“ zu schreiben. Beide Texte – Präsentation und
Projektbericht – entwickeln sich in der Regel parallel und werden sich gegenseitig beeinflussen.

2. Aufbau und Gliederung (dispositio)


Damit die Zuhörerschaft einem Vortrag überhaupt folgen kann, ist eine klare Gliederung von Nöten. In
der Regel gilt auch hier der Dreisatz von Einleitung, Hauptteil und Schluss – aber was heißt das für den
Inhalt? Die populäre Rhetorikliteratur hat mehrere Formeln entwickelt, die sich für den Einzelfall gut
adaptieren lassen. Da ist der berühmte amerikanische Prediger-Dreischritt

1. Tell them what you gonna tell them

2. Tell them

3. Tell them what you just told them

Demnach folgt auf die Ankündigung des Themas, beispielsweise in Form der Fragestellung, die
ausführlich begründete Beantwortung derselben und zum Schluss eine Zusammenfassung der
Argumente - eventuell mit Hilfe des ausformulierten, thesenartigen Antwortsatzes.

Weniger auf den Inhalt, als auf die Ziele der einzelnen Redeteile richtet sich die sogenannte AIDA-
Formel:

A - Attention

I - Interest

D - Desire

A - Action

Am Anfang soll also Aufmerksamkeit geweckt werden – z. B. durch eine kontroverse Fragestellung.
Dann soll das Interesse geweckt oder vertieft werden, schließlich eine Begehrlichkeit (z. B. nach
vertiefterem Wissen) geweckt und zu einer Handlung (z. B. Teilnahme an der Diskussion) aufgerufen
werden.

Einleitung/Eröffnung
Inhalte der Einleitung sind in jedem Fall

1. die Begrüßung und Vorstellung der vortragenden Person bzw. Personen (soweit und so ausführlich
wie erforderlich)

2. die Nennung des Themas

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3. die Vorstellung des „Fahrplans“ in Form einer Gliederungsfolie, auf der sie die
Hauptgliederungspunkte nennen, bei Gruppenreferaten ggf. mit dem Name der bzw. des
Präsentierenden. An dieser Stelle können Sie auch Unterlagen für die Zuhörenden austeilen oder
ankündigen und

4. die Einstimmung auf das Thema.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Aufmerksamkeit des Publikums zu gewinnen. Die Formulierung
von Fragen regt zum Mitdenken an. Die Einbettung in einen praktischen Kontext oder die Darstellung
persönlicher Betroffenheit verbindet das möglicherweise abstrakte Thema mit Ihnen und/oder den
Zuhörenden und zeigt auf, warum es sinnvoll ist, Ihnen zuzuhören. Besonders kuriose oder gewagte
Thesen hingegen provozieren das Publikum – das kann Ihnen seine Aufmerksamkeit sichern, aber auch
dazu führen, dass es voreingenommen gegenüber ist.

Hauptteil
Sie haben die Aufmerksamkeit des Publikums geweckt und ihm gesagt, worüber Sie sprechen wollen –
nun sprechen Sie darüber! Im Hauptteil wird das Thema systematisch vorgestellt und von allen Seiten
untersucht. Dazu können Sie beispielsweise Quellen, Beispiele und Gegenbeispiele erörtern,
verschiedene fremde oder eigene Positionen vorstellen oder Fallstudien auswerten. In jedem Fall dient
der Hauptteil der Beantwortung der Forschungsfrage. Ihre Antwort (These) muss mit einer sinnvollen,
mittels Fakten, Daten und anderen Sachinformationen gut begründeten Argumentation abgesichert
werden.

Unter Argumentation verstehen wir die Aneinanderreihung von Argumenten zur Erläuterung,
Begründung und Beweisführung der vertretenen Ansicht. Jede Argumentation beruht auf mehr oder
weniger expliziten Wertungen, Stellungnahmen und Schlussfolgerungen. Es geht also nicht darum, nur
bereits vorhandenes Wissen aus der Literatur vorzutragen (zu referieren), sondern darum, dieses
Wissen zu bewerten und eigene Positionen zu entwickeln.

Schlussteil
Im Schlussteil fassen Sie Ihren Vortrag noch einmal knapp zusammen: Das Thema, bzw. die
Fragestellung, Ihre wichtigsten Argumente, sowie Ihre These, Schlussfolgerung bzw. Antwort auf die
Fragestellung. Welches waren die drei Informationen, die sich das Publikum unbedingt merken sollte?
Bedanken Sie sich bei Ihren Zuhörern für die Aufmerksamkeit und bieten Sie an, (Verständnis-)Fragen
zu beantworten. Sie können auch mittels eigener, weiterführender Fragen gleich in die Diskussion
überleiten und so das Thema der Debatte vorgeben.

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Genau wie Ihren ersten Satz (in der Regel die Begrüßung) sollten Sie auch Ihren letzten Satz genau
ausformulieren und sich an diese Formulierung halten. Bei der Einleitung hilft Ihnen dieser
„festgeschriebene“ Absatz über die erste Nervosität hinweg. Beim Schlussteil sorgt er dafür, dass Sie
mit Ihrer Präsentation punktgenau landen und tatsächlich ein Ende finden, statt sich mit allerlei
Nachsätzen zu zerfasern. (Alles, was Sie meinen vergessen zu haben, können Sie in der Diskussion
anbringen.) So weiß das Publikum, wann Sie fertig sind und wann es Ihnen applaudieren darf.

3. Ausarbeitung und Argumentation (elocutio)


Viele wichtige Dinge zur schriftlichen Ausarbeitung der Präsentation finden Sie bereits im „Leitfaden für
die Projektarbeit im Modul „Wissenschaft trägt Verantwortung““ – aber da sich, wie oben erwähnt,
Projektbericht und Präsentation gegenseitig befruchten, sollen einige wichtige Punkte auch an dieser
Stelle gesagt werden.

In der Wissenschaftskommunikation geht es stets um Argumentation. Sie bringen eine These vor, die
Sie beweisen müssen. Oder Sie greifen eine These an – auch hier gehen Sie argumentativ vor.
Letzteres Vorgehen ist übrigens weitaus häufiger – absolute Wahrheiten sind in den meisten Disziplinen
nicht das Ziel. Geistes- und Sozialwissenschaften müssen sich notgedrungen sehr häufig mit dem Ziel
„Wahrscheinlichkeit“ bzw. „Plausibilität“ begnügen. Auch der „Beweis“ einer These ist in der Regel nicht
zu 100% erbracht – Wissenschaftler falsifizieren häufiger – und lieber – als dass sie verifizieren. Auch
Newton’s Physik galt nur so lange, bis Einstein einen neuen Ansatz ins Spiel brachte.

Umso wichtiger ist es, sowohl die Angriffe auf etablierte Thesen als auch die Verteidigung eigener,
möglicherweise revolutionärer Thesen argumentativ gut abzusichern.

Was ist ein „Argument‘‘?


Ein Argument besteht aus einem Satz von Aussagen, bei denen die Schlussfolgerung (Konklusion)
notwendigerweise aus einigen mehr oder weniger ausgesprochener Annahmen (Prämissen) folgt. In
diesem Fall ist ein Argument gültig (valide), d. h. wenn die Prämissen wahr sind, muss auch die
Schlussfolgerung wahr sein.4

Beispiel:

Wenn es regnet, ist die Straße nass. Es regnet. Also ist die Straße nass. (Wenn A, dann B. A ist wahr.
Ergo B.) ist ein gültiger Schluss. Hingegen ist der Umkehrschluss: die Straße ist nass, also regnet es

4Achtung: es gibt überraschend wenige gültige Schlussformen, machen Sie sich damit vertraut.
Die fettgedruckten Begriffe sind Fachbegriffe.

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(Wenn A, dann B. B ist wahr. Ergo A) nicht gültig – die Straße kann bspw. aufgrund eines
Rasensprengers nass sein.

Wenn sichergestellt ist, dass die Prämissen wahr sind, und der Schluss gültig, bezeichnet man ein
Argument als schlüssig. Im oben genannten Beispiel ist das Argument nur schlüssig, wenn es
tatsächlich regnet, die Prämisse also wahr ist. (Als Wissenschaftler_in ziehen Sie zum Beleg der
Prämisse weitere Daten heran, z. B. den Wetterbericht, die gemessene Niederschlagsmenge,
Augenzeugenberichte etc.). Diese Form von Argumenten bezeichnet man auch als Syllogismus.
Leider findet man Syllogismen selten in ihrer reinen Form vor. Sehr häufig werden Prämissen (aber
auch Schlussfolgerungen) nur impliziert, aber nicht ausgesprochen. Bei solchen Enthymemen ist die
Gefahr groß, dass Ihre Struktur unklar (und damit der Schluss ungültig) oder der Wahrheitsgehalt der
Prämissen schwer überprüfbar ist. In diesem Fall kann ein Fehlschluss vorliegen. Bemühen Sie sich
darum, die zugrundeliegenden Annahmen – häufig sind dies implizite Aussagen bspw. über
(vermeintlich) geteilte Grundwerte – explizit zu machen, um sie überprüfen zu können.

Schlussformen und Fehlschlüsse


Außerdem unterscheidet man zwischen deduktiven Schlüssen und induktiven Schlüssen. In der
Deduktion schließt man von allgemeinen Prinzipien (z. B. einer Theorie) auf spezifische Ergebnisse.
Die Wahrheit der Prämissen garantiert dabei die Wahrheit der Schlussfolgerung. Deduktive Schlüsse
haben daher eine hohe Beweiskraft.

Die Induktion geht umgekehrt vor: aus spezifischen Informationen (Beobachtungen, gesammelten
Daten) entwickelt man eine Theorie, die diese Daten erklärt. Das heißt die Prämissen liefern Indizien5,
die die Glaubwürdigkeit der Konklusion unterstützen. Die Beweiskraft eines Induktionsschlusses ist
jedoch nur eingeschränkt, da ein einziges Gegenbeispiel ihn widerlegen kann. Die Wahrscheinlichkeit
seiner Gültigkeit ist daher stark abhängig von der Größe der Stichprobe. Je glaubwürdiger die Indizien,
desto stärker (oder eben schwächer) das Argument. Dennoch: In großen Teilen der Geistes- und
Sozialwissenschaft und selbst in Jura reichen wahrscheinliche, plausible Argumente aus. Allein die
Mathematik und bestimmte Naturwissenschaften verlangen absolute logische Wahrheit.

Fehlschlüsse oder Trugschlüsse sind logisch ungültige Schlussformen. Sie haben keinerlei
Beweiskraft. Sie liegen beispielsweise vor, wenn die Konklusion nicht aus den Prämissen folgt oder
aber wenn die Wahrheit der Prämissen als nicht bewiesen (oder als wahrscheinlich anerkannt) gilt. Ein
wichtiges Beispiel ist der Zirkelschluss, bei dem Konklusion und Prämissen identisch (aber anders
formuliert) sind. Unter Umständen kann auch die Berufung auf Autoritäten zu Fehlschlüssen führen.

5 „evidence“, not „proof“

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Daher müssen alle Quellen immer sorgfältig geprüft werden – man kann schließlich zu jeder dummen
Behauptung eine Statistik finden. Auch Versuchsanordnungen müssen genau aus diesem Grund
nachvollziehbar und wiederholbar sein.

Nur wenn eine These durch gültige logische Schlüsse (Konklusionen) aus wahren Voraussetzungen
(Prämissen) abgeleitet (deduziert) wird, bezeichnet man dies als Beweis. Aber auch Indizien,
statistische Daten, die Aussagen Anderer oder Artefakte können als Argumente dienen. Argumente
sollten akkurat, präzise, repräsentativ, verlässlich und problembezogen sein - und nicht zuletzt
ausreichende Beweiskraft haben.

Auswahl der Argumente


Für die Präsentation sollten Sie aus dem Fundus Ihrer Argumente eine begründete, dem Publikum
angemessene Auswahl treffen. Dabei ist weniger ist oft mehr: Beschränken Sie sich auf die drei bis
fünf wichtigsten Argumente, wobei die wichtigsten Argumente diejenigen sind, welche Ihr jeweiliges
Publikum überzeugen. Der Wurm muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler. Falls Sie dabei auf Ihr
Lieblingsargument verzichten müssen, grämen Sie sich nicht: die restlichen Argumente können Sie bei
Bedarf ja noch in der anschließenden Diskussion anbringen oder für den Projektbericht oder eine
mögliche Hausarbeit verwenden.

Bedenken Sie, dass jede Argumentation nur innerhalb eines gewissen Weltbildes gilt. Wenn Sie die
Vorteile der chinesischen Medizin erläutern wollen, müssen Sie vor einem Publikum von
Mediziner_innen der Charité anders argumentieren als vor dem Verband Deutscher Heilpraktiker e.V.
Dies sind zwar Klischees, doch werden erstere wahrscheinlich auf klinischen Studien als Beweisen
bestehen, während letztere sich vielleicht schon mit Erfahrungsberichten zufrieden geben würden.
Machen Sie sich also vorher klar, ob Ihr Publikum Ihr Weltbild, also Ihre Grundannahmen teilt, oder ob
es Ihre – meist unausgesprochenen – Prämissen hinterfragen wird.

Achtung: dies kann Ihnen schon vor fachfremden Publikum im interdisziplinären Diskurs passieren!
Beispielsweise wird die Aussagekraft von qualitativen und quantitativen Daten in den verschiedenen
Disziplinen sehr unterschiedlich eingeschätzt.

Anordnung der Argumente


Mehrere Argumente können in verschiedener Form zu einer Argumentation verknüpft werden. Wenn die
Argumente für und gegen eine These geprüft und gegeneinander abgewogen werden, spricht man von
einer Erörterung.

Es gibt viele unterschiedliche Vorstellungen, wie die gewählten Argumente am sinnvollsten und
effektivsten angeordnet werden sollten.

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Möglich wäre zum Beispiel


 von alt zu neu
 von einfach zu komplex
 von unumstritten zu umstritten
 chronologisch
 vergleichend
 einem Prozess folgend
 dialektisch
 nach Wichtigkeit bzw. Aussagekraft
Diese Auswahl bezieht sich auf den Inhalt der Argumente. Die Anordnung der Argumente kann aber
auch nach formalen Kriterien unterschieden werden.

Die lineare Argumentation


1. These -- - Begründung der 1. These
2. These -- - Begründung der 2. These usw.
(oder: wenn A, dann B. Wenn B, dann C. Wenn C, dann D. etc.)
Achtung: Diese Argumentationsform birgt die Gefahr von Einseitigkeit und unkritischer Polemik. Auch
schlüssige Gegenargumente werden ausgeblendet.

Die kontroverse Argumentation (Erörterung)


1. These -- - Begründung der 1. These
1. Gegenthese -- - Begründung der 1. Gegenthese etc.
(oder: wenn A, dann B. Aber wenn C, dann D. etc)
Das Problem hier liegt in der Gefahr von Beliebigkeit. Die Versuchung ist groß, sich nicht auf eine
Position festzulegen. Die Forderung nach einer objektiven, sachlichen Darstellung eines Problems heißt
aber keineswegs, dass Sie keine eigene (gut begründete!) Meinung vertreten sollen.

Die dialektische Argumentation


These -- - Antithese -- - Synthese (= neue These) etc.
(oder: wenn A, dann B. Wenn C dann D. Wenn B und auch D möglicherweise E usw.)
Häufig wird diese Argumentationsform bei dem Versuch konstruktiver Problemlösung oder in
konsensorientierten Debatten angewandt. Das Problem liegt hier darin, dass Pragmatismus kein
Paradox beseitigt. Einige Widersprüche sind und bleiben unlösbar (und bilden ein Dilemma).

Wie also soll man seine Argumente reihen? Am einfachsten folge man hier der lateinischen Devise
„Res habet verba sequitur -- - Die Worte folgen der Sache‘‘. Bauen Sie nicht auf ein allgemeingültiges

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Schema -- - das gibt es nicht - sondern passen Sie Ihre Argumentation der These und dem Publikum
an, bis sie „Ihre“ Geschichte erzählt.

Fachbegriffe vs. Fachjargon


Die Wahl des richtigen Sprachregisters bleibt eine der größten Herausforderungen für alle
Vortragssituationen. Einerseits soll man sich verständlich und nachvollziehbar ausdrücken, andererseits
soll auch die Sprache ein angemessenes akademisches Niveau spiegeln. Und bei alldem gilt es, seine
eigene Stimme zu behalten! Kein Wunder, dass über „Fachchinesisch“ und „Akademikerdeutsch“ Witze
gemacht werden. Allerdings zeigt sich der Unterschied zwischen „Wissenschaft“ und der viel
geschmähten „Populärwissenschaft“ nicht in der Verständlichkeit der Formulierung (oder gar im
Publikationsmedium), sondern im sauberen Umgang mit den Quellen, der Komplexität des
Gedankenganges und in der Schlüssigkeit der Argumentation. Und diese ist wiederum abhängig von
der präzisen Verwendung definierter Begriffe – deshalb gibt es in jeder Disziplin eine klar ausgebildete
Fachterminologie. Fachbegriffe ermöglichen es uns, sehr komplexe Sachverhalte mit einem Wort klar
zu benennen, sodass sie ein präzises Instrument im Werkzeugkasten der wissenschaftlichen Analyse
sind. Übrigens sind Fachbegriffe nicht automatisch Fremdwörter: aus gutem Grund sprach Freud von
„Es“, „Ich“ und „Über-Ich“. Erst die englische Übersetzung bescherte uns die latinisierte Fassung von
„Id“, „Ego“ und „Super-Ego“.

Fachjargon hingegen benutzt häufig griechisch-lateinisch-englische Imponiervokabeln ohne


semantischen Mehrwert, um das Publikum zu beeindrucken und vielleicht sogar einzuschüchtern.
Manchmal funktionieren sie wie eine verbale Nebelkerze und verdunkeln die Bedeutung eines
Sachverhalts, statt sie zu klären. Überprüfen Sie, ob sich die Bedeutung eines Satzes ändert, wenn Sie
Fremdwörter übersetzen – oder ob er bloß verständlicher wird. Es gilt: Vermeiden Sie Fremdwörter um
des reinen Effekts willen. Vergewissern Sie sich, dass Sie jeden Begriff korrekt verwenden. Auch in
einer Präsentation vor Fachpublikum sollten Sie Fachbegriffe jederzeit erklären können! Das gilt
ebenfalls für Anglizismen. Wenn man einen komplizierten Sachverhalt richtig verstanden hat, kann man
ihn in der Regel auch allgemein verständlich erklären.

Fachbegriffe sind wichtig und nützlich, wo sie helfen, das Wesentliche mit dem richtigen Ausdruck zu
benennen. Fachjargon ist falsch (und gefährlich), wo er dazu dient, die Position des Sprechers zu
unterstreichen (Herrschaftssprache), das Publikum einzuschüchtern oder aber zu verbergen, dass man
eigentlich nichts zu sagen hat.

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Wiederholungen
Während des Vortrages bedenken Sie zwei Dinge: Was für Sie bekannt und selbstverständlich ist, ist
für Ihr Publikum neu. Und Ihr Publikum kann, anders als bei einem Text, nicht zurückblättern.
Wiederholen Sie die wichtigsten Argumente oder Thesen also ruhig. Und denken Sie immer daran:
Sprachliche Bilder erzeugen Anschaulichkeit. Verwenden Sie daher eine bildhafte Sprache voller
Vergleiche, Metaphern und Beschreibungen, damit Ihr Publikum Ihnen besser folgen kann.

4. Die Vortragssituation (actio) – das Kernstück der Präsentation


Sie haben eine Fragestellung, beantwortet durch eine These, und Sie haben die Argumente, um diese
These zu stützen, vielleicht sogar zu beweisen. Nun gilt es, Ihre Ergebnisse zu präsentieren. Ihr Ziel ist
es, ihrem Publikum eine klare Botschaft zu übermitteln. Dazu müssen Sie sich über einige
Voraussetzungen Gedanken machen.

1. Was ist Ihre Botschaft? Was ist die eine Aussage, was sind die drei Fakten, an die sich Ihr
Publikum unbedingt erinnern soll?
2. Wer ist Ihr Publikum?
3. Was sind die Rahmenbedingungen, unter denen Sie auftreten?

Wahrscheinlich haben Sie schon einmal vom „Sender-Empfänger-Modell“, nach seinen Erfindern
auch Shannon-Weaver-Modell genannt gehört.

Bildquelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Sender-Empf%C3%A4nger-Modell

Dieses Modell nutzt die Metapher eines Radiogeräts. Dementsprechend gibt es einen Sender (Sie),
einen Empfänger (Ihr Publikum) und einen Informationskanal (Ihre Präsentation). Ihre Aufgabe ist es,
ein möglichst eindeutiges, störungsfreies Signal zu übermitteln (Punkt 1). Dazu müssen Sie zum einen
Ihre Botschaft genau kennen, und davon handelte der erste Teil dieses Leitfadens.

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Sie müssen aber auch wissen, wer Ihr Publikum ist – auf welcher Frequenz es seinen Radioapparat
eingestellt hat, damit Sie auf genau dieser Frequenz senden können (Punkt 2). Und Sie müssen sich
Gedanken darüber machen, was die Radiowellen, mit denen Sie Ihre Botschaft senden, außerdem
beeinflussen könnte – Gewitter? Sonnenstürme? Störsender? Gebirge? bzw. Raum, Zeit und Umstände
ihrer Präsentation (Punkt 3). Von diesen beiden Punkten handelt der Rest dieses Leitfadens.

Das Publikum
Als erstes gilt es herauszufinden, wer die Adressatinnen und Adressaten der Präsentation sind. In
einem universitären Kontext vor lauter „Fachleuten“ können Sie ein ganz anderes Vorwissen
voraussetzen, als wenn Sie in Ihrer Freizeit Ihren Großeltern von Ihrem Studium erzählen. Wird Ihr
Publikum Ihre These teilen oder ist sie sehr kontrovers? Welche Daten, welche Methoden werden es
überzeugen? Welche disziplinären Überzeugungen teilt es mit Ihnen – oder auch nicht?

Respektieren Sie Ihre Zuhörer und Zuhörerinnen genauso, wie Sie von Ihnen respektiert werden
möchten: halten Sie sie nicht für dümmer halten als sie sind und geben Sie sich selbst nicht für
intelligenter aus. Dazu gehört es unbedingt, nicht nur inhaltlich, sondern auch technisch gut vorbereitet
zu sein – und darauf gefasst zu sein, dass die Technik nicht funktioniert.

Die Rahmenbedingungen: Herrschaft über Raum, Ort, Zeit


Auch die zeitlichen und örtlichen Rahmenbedingungen müssen Sie berücksichtigen: Sprechen Sie als
letzter von dreien, am Freitagabend kurz vor den Weihnachtsferien? Oder sind Sie die erste Referentin
des Semesters? Wie groß ist der Raum und welche Akustik oder technischen Möglichkeiten bietet er
Ihnen? Ist er hell oder dunkel, wie weit entfernt sitzt Ihr Publikum, haben Sie Einfluss auf Ihre Position
bzw. Bewegungsradius? Und, ganz wichtig: wie viel Zeit haben Sie, um Ihr Anliegen vorzubringen?

Bringen Sie diese Rahmenbedingungen rechtzeitig in Erfahrung und überprüfen Sie, inwieweit Sie sie
zu Ihrem Vorteil beeinflussen können. Vielleicht können Sie den Zeitpunkt Ihrer Präsentation direkt nach
der Mittagspause nicht ändern – aber Sie können sich auf postprandiale Trägheit einstellen und bspw.
vor Präsentationsbeginn noch einmal ordentlich durchlüften. Sie können Tische aus dem Weg räumen
oder Tafeln an den Rand, Flipcharts auf die Bühne stellen oder den Punkt, von dem Sie sprechen vom
Rednerpult ins Publikum verlegen. Vor allem aber können Sie kontrollieren, wie lange Sie sprechen.
Halten Sie sich an den vorgegebenen Zeitrahmen!

Einzel-oder Gruppenpräsentation
Auch, ob Sie alleine vortragen, oder in der Gruppe, beeinflusst die Rahmenbedingungen ihrer
Präsentation. Eine einzelne Person kann den ganzen Prozess von vorne bis hinten kontrollieren, einen
Tonfall festlegen und einen Rapport zur Zuhörerschaft aufbauen. Die Aufteilung der Präsentation auf

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verschiedene Gruppenmitglieder könnte den Ablauf oder den Redefluss zum Stocken bringen. Sie birgt
allerdings auch Chancen, die Präsentation abwechslungsreicher und damit unterhaltsamer zu gestalten.
In jedem Fall gilt es, sich rechtzeitig mit der Verteilung der unterschiedlichen Rollen zu beschäftigen.
Überlegen Sie sich daher genau, wie Sie die Präsentation so aufteilen, dass jede und jeder seine oder
ihre Stärken ausspielen kann.

Dazu gehört es, dass jedes Gruppenmitglied die Präsentation von Anfang bis Ende so gut kennt, dass
er oder sie sie auch alleine halten könnten – jeder muss jederzeit für jeden einspringen können. Was
machen Sie, wenn am Tag X einer von Ihnen krank ist? Egal, wie Sie die Recherchearbeit vorher und
die Ausformulierung später aufgeteilt haben – für die Präsentation sind alle gemeinsam verantwortlich.
Nur dann und mit mehrfacher Übung können die verschiedenen Rollen wie Zahnräder ineinander
greifen.

Aber nach welchen Kriterien teilt man die Präsentation auf? Es wäre naheliegend, einfach die
verschiedenen Redeteile einzelnen Personen zuzuordnen – einer macht die Einleitung, einer den
Hauptteil, einer den Schluss. Aber wäre das auch die sinnvollste Nutzung der Ressource
„Vortragender“? Vielleicht stellen Sie ja eine alte und eine neue Forschungsrichtung vor, oder
vergleichen zwei widersprüchliche Thesen? Da wäre es naheliegend, jeder „Meinung“ ein „Gesicht“ zu
geben und die Forschungsdebatte so zu personalisieren. (Dazu braucht es kein Kostüm.) Oder eine
Person trägt harte Zahlen, Daten, Fakten vor, und eine weitere Person erläutert sie anhand von
Beispielen und kontextualisiert sie, während eine dritte Anschauungsmaterial herumreicht. Es ist
schwierig, eine allgemeingültige Antwort zu geben, ohne den Inhalt und den Aufbau der Präsentationen
zu kennen – aber nutzen Sie die Möglichkeiten Ihrer Gruppe voll aus.

Gallery Walk
Beim Gallery Walk herrschen wiederrum ganz andere Rahmenbedingungen als bei einem Vortrag im
Hörsaal oder Seminarraum. Statt dass ein Publikum auf Sie wartet, warten Sie auf ein Publikum – und
dabei stehen Sie mit Ihrer Präsentation in direkter Nachbarschaft (und freundschaftlicher Konkurrenz)
zu vielen anderen Präsentationen, die alle um die Aufmerksamkeit des Publikums buhlen. Warum sollte
jemand gerade bei Ihnen stehen bleiben? Bleibt aber eine Gruppe stehen, ist das ganze Setting
interaktiver: die Zuhörerschaft ist wahrscheinlich kleiner und ist Ihnen näher, so dass es leichter
Zwischenfragen stellen kann. Und die Fragen nehmen mit 13 von 20 Minuten prozentual mehr Raum
ein als eine klassisch moderierte Diskussion, zugleich ist es möglicherweise schwieriger, sie zu steuern.

Passen Sie Ihre Präsentation diesen Rahmenbedingungen an, indem Sie sich auf die Stärken des
Gallery Walk einlassen und die räumliche Nähe und kleinere Gruppengröße des Publikums und den
Aufmerksamkeitswettbewerb mit den anderen Stände in Ihrer Präsentation berücksichtigen. Stellwände

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und Tische sollten dabei nicht als Barriere dienen, und auch Ihre Körpersprache sollte jederzeit
einladend und dem Publikum zugewandt sein. Vergessen Sie auch hier nicht, als Team aufzutreten und
jedem in der Gruppe eine bestimmte Rolle zuzuweisen (die sie natürlich rotierend tauschen können).
Ein Trockendurchlauf zur Übung ist übrigens immer eine gute Idee.

Stichpunkte oder ablesen?


Halten Sie Ihre Präsentation am besten frei oder nach Stichpunkten (halbfrei). Der ganze Sprachduktus
ist viel angenehmer: Ihre Sätze sind kürzer, die Stimme weniger monoton und Sie können besser auf
das Publikum reagieren.

Gerade wenn Sie noch wenig Präsentationserfahrung haben, hilft es möglicherweise, wenn Sie Ihren
Vortrag im Vorfeld einmal komplett ausformulieren. Diesen Text können Sie dann auf Stichpunkte
reduzieren. So verhindern Sie auch, vom Thema abzuweichen und „von Hölzchen auf Stöckchen zu
kommen“. Zitate sollten Sie ablesen – selbst wenn Sie sie sehr gut auswendig können, steigt Ihre
Glaubwürdigkeit, wenn Sie Daten, Fakten, und eben auch wörtliche Zitate sozusagen „auf Papier
vorlegen“ können. Dass es sinnvoll ist, feste Formulierungen für die Einleitung und den Schluss
vorzubereiten, wurde schon erwähnt – so finden Sie schnell und ohne zu stolpern ins Thema und
schaffen zum Ende eine Punktlandung.

In jedem Fall sollten Sie Ihre Präsentation mindestens einmal vollständig proben – nur so können Sie
sicher sein, dass Ihre Struktur organisch ist, die Formulierungen gut von der Zunge rollen, Ihr
Zeitmanagement stimmt, die eingesetzten Medien passen und Ihre Rollenaufteilung innerhalb der
Gruppe funktioniert.

Körpersprache: Haltung, Gestik, Mimik


Die zwischenmenschliche Kommunikation verfügt über eine Sach- oder Inhaltsebene und eine
Beziehungsebene. Paul Watzlawick hat das so formuliert: „Man kann nicht nicht kommunizieren‘‘. Selbst
wenn Menschen schweigen, ist das eine Aussage. Andauernd senden wir einander (nonverbale)
Nachrichten über unsere Körpersprache, d. h. durch Gestik, Mimik und Haltung.

Bisher haben Sie sich vor allem mit der Sachebene beschäftigt, also mit den Inhalten Ihres Vortrages. In
der Ausgestaltung der Präsentation müssen Sie nun auch die Beziehungsebene einbeziehen – Sie
werden alleine oder in der Gruppe vor einem Publikum stehen und mit diesem interagieren. Es gilt, ein
Gesprächsklima herzustellen, bei dem Sie und Ihr Publikum miteinander fair, offen und auf Augenhöhe
kommunizieren. Dieses Gesprächsklima spiegelt sich nicht nur in den Inhalten und Ihrer Wortwahl,
sondern auch in Ihrer Körpersprache – in Gebärden, Gesichtsausdruck und Tonfall.

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Auftreten/Haltung
Schon Ihre äußere Erscheinung transportiert zahllose Botschaften. Diese Erkenntnis kann man bei der
Wahl der Kleidung berücksichtigen – Sie kennen das von Vorstellungsgesprächen. Dabei ist es wichtig,
dass Sie sich in Ihrer Haut (und Kleidung) wohlfühlen.

Das bedeutet nicht, dass Ihre Kleidung unbedingt „bequem“ sein muss – wir bewegen uns aber anders
in einem Sweatshirt als in einem Hemd/Bluse mit Jacke. Deren „Steifigkeit“ kann auch als Rüstung
dienen, die automatisch eine andere Körperspannung verlangt. Wenn Sie sich in formaler Kleidung
verkleidet vorkommen, diese aber erwartet wird, dann tragen Sie sie ein, bis Sie sich daran gewöhnt
haben. Das gleiche gilt für Schuhe mit ggf. ungewohnter Absatzhöhe. Ihre Körperhaltung sollte aufrecht
und stabil sein, das Gewicht auf beide Beine verteilt – nehmen Sie ganz wörtlich einen eigenen, festen
Standpunkt ein.

Auch den Abstand zum Publikum können Sie beeinflussen: Sie können bspw. bewusst Nähe herstellen,
um Zuhörende stärker anzusprechen. Bedenken Sie auch: die Einrichtung des Seminarraums ist nicht
gottgegeben – Sie können den Raum durchaus so umgestalten, wie es für Sie am angenehmsten ist.

Gestik
Ihr Ziel ist eine freie, natürlich Gestik – dem stehen zwei Dinge im Wege. Erstens: Sie haben
möglicherweise die Hände nicht frei, sondern bspw. in der Hosentasche, oder hinter dem Rücken
verschränkt. Oder Sie halten sich an Karten, Kugelschreibern oder Laserpointern fest. Und zweitens:
Sie sind befangen, nervös, und wissen nicht wohin mit Ihren Händen. Dadurch, dass Sie verstärkt
darauf achten, wird aber jede Geste (in Ihrer Selbstwahrnehmung) nur noch schlimmer – ein
Teufelskreis.

Am besten ist es, die Hände ganz zu ignorieren – das mag eine Minute komisch aussehen und sich
merkwürdig anfühlen. Wenn Sie an einem Rednerpult stehen, legen Sie die Hände bis zum Handgelenk
auf den Tisch. Wenn Sie frei stehen, heben Sie die Hände in den Gestikbereich (ein Feld begrenzt
durch die Brust oben, den Gürtel unten, und seitlich von der Schulterbreite - und legen Sie sie
ineinander, oder halten Sie Ihren Daumen fest oder bilden Sie die Merkel-Raute.

Über die unbehagliche erste Minute hilft Ihnen nun Ihr vorformulierter, auswendig gelernter erster Satz
hinweg. Und wenn Sie kurz darauf frei, lebhaft und engagiert von Ihrem Thema berichten, wird sich eine
unbewusste, natürliche Gestik ganz von alleine einstellen – wenn Sie sich in der Mensa unterhalten,
passiert das ja auch! Halten Sie dann möglichst nichts in den Händen, denn sonst fangen Sie an zu
fuchteln. Auch ist die Gefahr, aus Nervosität mit dem Kugelschreiber zu klicken oder die Büroklammer
zu verbiegen – oder gar Ihre Karteikarten fallen zu lassen – viel zu groß.

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Mimik
Halten Sie regelmäßig und konstant Blickkontakt mit Ihren Zuhörerinnen und Zuhörern. Schauen Sie
nach links, nach rechts, in die Mitte – immer abwechselnd und nicht zu flüchtig, sonst wirken Sie fahrig.
Denken Sie daran, dass das Publikum Ihnen wahrscheinlich wohlwollend-interessiert gegenübersitzt –
sonst wäre ja niemand da. Nutzen Sie diese positive Grundstimmung für sich und verstärken Sie sie mit
dem Blickkontakt: Ich spreche zu Euch! Euch allen! Außerdem erhalten Sie so wichtiges Feedback über
Ihren Vortrag: Hört man Ihnen zu? Schüttelt jemand den Kopf, oder nickt oder macht sich furios
Notizen? Reagieren Sie darauf, aber lassen Sie sich nicht erschüttern. Kollektives Gähnen kann zum
Beispiel auch auf die schlechte Luft im Seminarraum zurückzuführen sein.

Tonfall
Sprechen Sie laut und deutlich, nicht zu schnell und in einem natürlichen Tonfall. Vor allem das freie
Sprechen kann einen monotonen, einschläfernden Sprachduktus verhindern. Haben Sie den Mut zur
Pause – wichtige Informationen kann man ruhig sacken lassen. Eine ruhige Atmung bis tief in den
Bauch vertreibt zum einen Lampenfieber, zum anderen erdet sie den Redner/die Rednerin.

Lampenfieber – was ist das und wie gehe ich damit um?
Sind Sie nervös, weil Sie vielleicht zum ersten Mal vor einer Gruppe Menschen stehen und einen
Vortrag halten sollen? Keine Sorge! Lampenfieber ist eine völlig normale Reaktion auf Stress. Mehr als
das: Lampenfieber ist grundsätzlich eine gute Sache! Doch was passiert bei Lampenfieber überhaupt?

Der Hypothalamus, die Steuerzentrale im Gehirn, löst eine Sympathicusreaktion aus. Das heißt, die
Nebennierenrinde produziert Adrenalin und Noradrenalin, der Atem beschleunigt sich und der Blutdruck
erhöht sich. Und genau da liegt auch das große Potential von Lampenfieber: Durch den Adrenalinstoß
werden Sie wach, Ihre Reaktionsfähigkeit verbessert sich, die Konzentration steigt. Im Endeffekt wirkt
Lampenfieber wie ein Aufputschmittel.

Gefährlich wird es nur, wenn Sie die so entfesselten Kräfte nicht mehr lenken können. Damit die
Nervosität Sie nicht überwältigt müssen Sie sich folgendes klar machen: Lampenfieber ist völlig normal
und wird nie ganz verschwinden – Sie können aber lernen, es zu kontrollieren und für Ihre Zwecke zu
nutzen. Hochkonzentriert und reaktionsschnell zu sein hat noch keiner Referentin und keinem
Referenten geschadet. Vom Kopf her hat man das verstanden, aber wenn es drauf ankommt, schwitzen
eben doch die Hände – wie bekommt man das Lampenfieber in den Griff?

Lampenfieber basiert fast immer auf einer falschen Selbstwahrnehmung. Gut zeigen lässt sich dies an
einem Schema, das 1955 von den amerikanischen Sozialpsychologen Joseph Luft und Harry Ingham

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an der University of California entwickelt wurde: dem so genannten Johari-Fenster. Hier geht es um die
verschiedenen Formen von Wahrnehmung einer Person.

Bildquelle https://de.wikipedia.org/wiki/Johari-Fenster

Oben links ist das, was das Publikum


tatsächlich von Ihnen sehen kann – z. B. Ihre
Kleidung oder Ihr Auftreten. Unten links sind die
Dinge, die Sie gerne verbergen möchten – das
Loch in Ihrer Socke, die schwitzigen Hände.
Oben rechts sind die Dinge, die das Publikum
weiß, aber Sie nicht: zum Beispiel der
Spinatrest zwischen Ihren Zähnen. Zuletzt gibt
es noch einen Bereich, von dem weder Sie
noch das Publikum etwas wissen. Wenn man
das Fenster betrachtet wird klar, dass Ihr
Publikum nur sehr wenig von Ihnen weiß – und
das wenige (Kleidung, Auftreten, ja sogar den Spinatrest) können Sie genau steuern. Das, was Sie in
eine Spirale der Nervosität hineinsteigert – die Angst, dass alle mitbekommen, wie nervös Sie sind – ist
dem Publikum in der Regel aber nicht bekannt. Und es interessiert sich auch gar nicht dafür. Und
deshalb sollten Sie das auch nicht tun.

Ihre Hände sind schwitzig? Trocknen Sie sie an einem Taschentuch ab – einmal, sonst fällt es auf, und
es rutscht vom Fenster unten links in das Fenster oben links. Sie wissen nicht, wohin mit den Händen?
Folgen Sie den Tipps zur Gestik und denken Sie daran: Wenn Sie erst mal mit richtigem Engagement
über Ihr Thema sprechen, werden Sie von ganz alleine eine natürliche Gestik entwickeln.

Und was können Sie noch tun – außer viel üben? Hier sind die wichtigsten Tipps gegen
Lampenfieber:

1. Bereiten Sie sich gut vor!


Das wird Ihnen Sicherheit geben.
2. Entschuldigen Sie sich nicht für Ihre möglicherweise schlechte Vorbereitung!
Warum sollte ich jemandem zuhören, der sagt, sein Vortrag sei schlecht oder
uninteressant? Oder wollen Sie nur nach Komplimenten fischen? Sollten Sie tatsächlich
schlecht vorbereitet sein, merkt das Publikum das spätestens in der Diskussion von ganz

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alleine, und erst wenn Sie auffliegen, müssen Sie Mängel begründen oder sich
entschuldigen.
3. Kneifen gildet nicht – auch ein schlechter Vortrag ist eine gute Übung!
Und in der Regel will das Publikum Ihnen helfen oder etwas erfahren und dann sind selbst
Ihre (gefühlten) 50% Leistung besser als gar nichts. Und Sie haben in jedem Fall etwas
gelernt.
4. Machen Sie Atem- oder Entspannungsübungen!
5. Achten Sie auf eine kontrollierte Körpersprache!
Niemand wird sehen, wie sehr Ihre Hände zittern, wenn Sie nicht damit herumwedeln.
6. Sollten Sie wirklich festhängen: Wahrscheinlich merkt es gar keiner.
Häufiger als Sie glauben werden kurze Hänger als gezielte und angenehme Sprechpausen
empfunden. Wenn es doch auffällt, gelten die Regeln 2 – 4. Und: geben Sie den Hänger
einfach zu – das bringt Sympathien und macht Sie menschlich. Ihr Publikum hat im besten
Fall zugehört und kann Ihnen den roten Faden wieder zuwerfen. In jedem Fall gewinnen
Sie so Zeit, sich Ihre Notizen genau vorzunehmen.

Medieneinsatz und Visualisierung


Für ein Publikum ist es sehr schwierig, sich Fakten und Inhalte zu merken, die es ausschließlich gehört
hat. Im Durchschnitt merkt man sich so nur 10%. Hat man etwas ausschließlich gesehen, kann man
sich im Schnitt an 20% erinnern. Eine Kombination aus Wort und Bild – ein Vortrag mit ergänzenden
visualisierenden Elementen – führt bereits zu einer Quote von 50%. Steigern lässt sich dies nur noch,
wenn es gelingt, das Publikum aktiv mit einzubeziehen. Dies wissen und nicht beachten wäre fahrlässig.
Daher sollten Sie sich gut überlegen, mit welchen Medien Sie den Inhalt Ihres Referates am besten in
den Köpfen der Zuhörer verankern können.

Es ist ratsam, in jedem Fall einen Medienwechsel einzuplanen, um die Aufmerksamkeit des Publikums
zu binden. Planen Sie bspw. eine PowerPoint-Präsentation, überlegen Sie, ob eine Grafik nicht auch als
Tafelbild funktionieren würde, oder ob eine Veränderung auf einem Overheadprojektor nachvollzogen
werden kann. Vielleicht haben Sie Musterteile, die Sie herumreichen möchten?

Dennoch: Man kann ein Referat durchaus ohne den Einsatz von zusätzlichen Medien (Folien, Dias,
Flipchart …) halten. Und Ihr Vortrag sollte natürlich auch dann funktionieren, wenn technische Desaster
den Einsatz unterstützender Medien verhindern – der Erfolg Ihres Referats sollte auf keinen Fall von
mangelnder Kreide oder einem Stromausfall abhängig sein. Unterschätzen Sie auch nicht, dass Sie
alleine über die Sprache selbst mit Bildern arbeiten können – schon durch den gezielten Einsatz von
Vergleichen, Beispielen oder Metaphern können Sie Ihre Fakten anschaulicher vermitteln.

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Ziele der Visualisierung


Mittels unterstützender Medien zur Visualisierung können Sie

 die Aufmerksamkeit der Zuhörerinnen und Zuhörer auf das Wesentliche konzentrieren
 die Betrachterinnen und Betrachter einbeziehen
 den Redeaufwand minimieren
 Informationen leicht(er) erfassbar machen
 Gesagtes ergänzen und vertiefen
 das Behalten fördern
 zu Stellungnahmen ermuntern

Alle diese Anliegen sind wichtig. Aber damit Ihr Vortrag nicht ziellos in einem Brei aus Effekten und
Bildchen untergeht, will der Medieneinsatz sorgfältig geplant und überlegt sein. Beantworten Sie sich
folgende Fragen:

 Was will ich darstellen? (Inhalt)


 Wozu soll die Darstellung dienen? (Ziel)
 Wen will ich informieren oder überzeugen? (Zielgruppe)

Unabängig von den gewählten Medien gibt es unterschiedliche Elemente, mittels derer Sie Ihr Anliegen
visualisieren können. Zum einen ist das Ihr Vortrag, eine bildhafte, klar strukturierte Sprache. Zum
anderen können es

 Texte
 Tabellen
 Grafiken und Diagramme
 Symbole
 Modelle
 Bilder

sein. Auch in der Visualisierung gibt es unterschiedlich erfolgreiche Darstellungen: So sind


beispielsweise Diagramme oder Abbildungen leichter verständlich als Tabellen oder Listen.

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Welche Medien stehen zur Verfügung?

1. Analoge Präsentationen
Overhead-Projektor
Fertige Folien werden auf den Projektor aufgelegt und an die Wand projiziert. Dabei ist einiges zu
beachten: Beim Wechseln der Folien entstehen oft Sprechpausen, man sollte nicht mit dem Finger,
sondern mit Stift oder Pointer zeigen. Wie bei allen anderen Geräten auch sollte man sich vorher mit der
Technik und ihren Tücken vertraut machen: Wie stellt man zum Beispiel das Gerät scharf, welcher
Abstand zur Wand ist nötig (bedingt Größe der Darstellung)?

Vorteile
 Folien können vorbereitet (mit Grafikprogrammen), aber auch situativ entwickelt werden
 (Ergänzungen per Hand mit Folienstiften)
 Folien sind leicht transportierbar, einfach zu kopieren
 Gerät kann unmittelbar ausgeschaltet werden, wenn es nicht gebraucht wird
Nachteile
 Präsentationsfläche und Verdunkelung nötig
 Birne kann durchbrennen, daher Ersatzbirne vorrätig haben (oft im Gerät vorhanden)
 Handhabung umständlicher als am PC (Folien auf- und abnehmen, Abdeck- und
 Overlay-Technik sind mit PP einfacher umzusetzen)
 Bild wird unter Umständen verzerrt dargestellt
Flipchart/Brownpaper
Flipcharts, oder die etwas größeren Brownpaper, die auf Stellwände geheftet werden, dienen häufig als
kollektiver Notizzettel (d.h. als ergänzendes Medium), zum Beispiel beim Brainstorming oder als
fortlaufendes Ergebnisprotokoll. Der Einsatz empfiehlt sich für Gruppen bis zu 10 Personen, da sonst
die Lesbarkeit schwierig wird. Sie können aber auch vorbereitend angefertigt werden und bspw.
Diagramme, Zeichnungen oder Stichwortsammlungen zeigen. Schreiben Sie die Blätter nicht zu voll
und leserlich/groß.

Vorteile

 einfach handhabbar
 kann vorbereitet werden
 Diskussionsbeiträge können unmittelbar festgehalten werden
 man kann zurückblättern
 einzelne Charts können abgerissen und an der Wand befestigt werden

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 kann als Stichwortgeber für Vortrag dienen


Nachteile

 Schrift kann nur in geringer Entfernung gelesen werden


 große Schrift setzt zeichnerische Übung voraus
 nicht fotokopierfähig (kann aber fotografiert werden)
 Lagerungsprobleme der Charts
 vorhandener Schriftraum muss gut geplant werden (ggf. mit Bleistift vorzeichnen)
Tafel/Whiteboard
Ähnlich wie das Flipchart oder Brownpaper anzuwenden, erlaubt die Tafel großformatige Schaubilder
oder das Erstellen einer Grafik vor/mit Publikum. Das Tafelbild sollte sorgfältig geplant werden, damit
der Platz ausreicht und nicht zu viele Ergebnisse ausgewischt werden müssen. Auch hier können
Grafiken, Zeichnungen oder Text vorbereitet werden.

Vorteile

 einfach handhabbar
 Diskussionsbeiträge können unmittelbar festgehalten werden
 kann als Stichwortgeber für Vortrag dienen
Nachteile:

 große Schrift setzt zeichnerische Übung voraus


 nicht fotokopierfähig – kann aber fotografiert werden
 nicht permanent – wird ausgewischt
 vorhandener Schriftraum muss gut geplant werden
 spezielles Schreibmaterial muss mitgebracht werden (Tafelschreiber, Kreide, Schwämme)

Poster
Poster werden meist im Format A0 oder A1 gedruckt und bilden eine ästhetisierte Zusammenfassung
der Thesen und Argumente. Dabei ist ein gutes Layout, das die Aufmerksamkeit des Betrachters bindet
und lenkt, ausschlaggebend. Beeinflussen Sie die Leserichtung des Posters durch weiße Flächen,
Signalfarben, Nummerierungen, grafische Elemente wie Pfeile, Kästen oder Sprechblasen, und nutzen
Sie dabei die gesamte Fläche des Papiers aus. Ist es sinnvoller, ein Hochformat oder ein Querformat zu
wählen? Ist es notwendig, das Auge von oben links nach unten rechts zu lenken, oder kann die
Aufmerksamkeit im Zickzack oder Kreis geführt werden? Gute Lesbarkeit steht auch hier an oberster
Stelle, daher ist weniger mehr: es handelt sich um Betrachter/innen, nicht Leser/innen – das Publikum

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steht und hat wenig Zeit und Muße, viel Text zu lesen. Verdichten Sie die Aussagen Ihrer Präsentation
daher auf die kürzesten Sätze und aussagekräftigsten Grafiken oder beschränken Sie sich auf das
wichtigste Argument – der ausführlichen Erläuterung dient die Präsentation am Stand und das
Gespräch mit den Interessierten.

Vorteile

 Layout kann sehr professionell aussehen


 Fotos, Grafiken und Schriften können auch farbig abgebildet werden
 Der Kern der Präsentation kann auf einen Blick erfasst werden
 Kann möglicherweise in verkleinerter Form als Flyer dienen
Nachteile:

 der Druck ist aufwendig und ggf. teuer, Änderungen in letzter Minute sind schwierig
 ist nicht interaktiv nutzbar
 gutes Posterlayout ist schwierig

2. Digitale Präsentationen
PowerPoint/Beamer
PowerPoint-Präsentationen zählen inzwischen zum Standardrepertoire eines jeden Vortragenden. Sie
werden via Beamer vom PC/Notebook übertragen.

Vorteile
 relativ einfache Handhabung des Programms
 es können Bilder, Töne u. Videos eingebunden werden
 die Präsentation kann ausgedruckt oder digital/als PDF an Teilnehmer versandt werden
Nachteile
 Beamer kann nicht rasch ab- und eingeschaltet werden, Nebengeräusche
 es kann zu technischen Ausfällen oder Kompatibilitätsproblemen kommen, deshalb vorab
Hardware gründlich testen und gutes Krisenmanagement sicherstellen (Folien auch für
Overheadprojektor parat haben)
 Präsentationen werden im Extremfall zur Filmvorführung („Überpowerung“): Weniger ist mehr!
 Sie benötigen eine gute Präsentationsfläche und die Möglichkeit zur Verdunkelung
 die Erstellung einer guten Präsentation ist relativ zeitintensiv

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Wegen der weiten Verbreitung und einfachen Konzeption von PowerPoint Präsentationen (wir
beschränken uns hier auf die Nennung des Marktführers) werden wir im Folgenden auf die Gestaltung
der Folien noch genauer eingehen.

Prüfen Sie gegebenenfalls, ob andere Software (z. B. Prezi) für Ihr Anliegen besser geeignet wäre. Die
Visualisierung soll den Vortrag unterstützen, nicht ihn ersetzen!

Die Gestaltung einer guten PowerPoint Präsentation


Aufbau der Präsentation, Anzahl der Folien
Die Titelfolie nennt Thema, Datum, Namen des Referenten. Entsprechend dem Aufbau Ihres Referats
folgt als zweite Folie eine Gliederungsfolie oder Agenda (Aufbau der Präsentation). Die folgenden
Folien richten sich in Anzahl, Aufbau und Inhalt nach Ihrem Vortrag. Die Abschlussfolie sollte die
Schlussfolgerung oder bewiesene These aufnehmen und möglicherweise weiterführende Fragen für die
Diskussion auflisten. Es ist üblich geworden, sich auf der letzten Folie beim Publikum zu bedanken,
doch können Sie das auch mündlich tun. Während es nach 10 Minuten Diskussion möglicherweise
langweilig ist, auf ein „Danke fürs Zuhören“ zu starren, kann die Auflistung wichtiger Fragen oder
Thesen dabei helfen, die anschließende Diskussion zu lenken und zu fokussieren.

Power Point ist kein Teleprompter! Und die Folien sollen Sie unterstützen, nicht ersetzen. Niemand
möchte Ihre Notizen von der Wand ablesen. Gesprochener Text (Ihr Vortrag) soll nicht konkurrieren mit
geschriebenem Text (z. B. Bullet-Points oder Zitaten) – ergänzen Sie lieber mit Bildern oder Grafiken.

Überlegen Sie gut, ob und wie Sie Ihr Anliegen visualisieren – und haben Sie den Mut, auch einmal
etwas wegzulassen. Weniger ist mehr: damit es nicht zu unruhig wird, sollten Sie mindestens 2-5
Minuten pro Folie reden können. Unter Umständen kann es sogar ausreichen, nur Titel, Gliederung und
Abschlussfolie zu zeigen.

Layout
Die Folien sollen Ihren Vortrag unterstützen, nicht von ihm ablenken. Daher müssen sie gut lesbar und
gut verständlich sein. Lesbarkeit wird durch ein übersichtliches und einheitliches Layout gewährleistet.
Am einfachsten wird es durch die Definition eines Folienmaster umgesetzt. Dort werden die wichtigsten
Formatierungen für die gesamte Präsentation festgelegt. Dies sind Titelbereich, Objektbereich,
Schriftart und -größe, Überschriften (Ebenen, Einzüge, Hervorhebungen), Kopf- und Fußzeilen,
Bildmarken und Hintergrundbilder. Wer den Master nicht selbst erstellen will, oder zentral definierte
Folien im Corporate Design benutzen kann (muss), kann auf Vorlagen der Software zurückgreifen.
Wählen Sie eine Schriftart ohne Serifen (z. B. Arial) und eine Schriftgröße, die im ganzen Raum lesbar

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ist, am besten fett gedruckt. Für die Titelzeile sollten es mindestens 32-36 pt sein, für den Text 18 - 28
pt. Darunter wird es unleserlich.

Verständlichkeit erzielen Sie auch im Layout durch eine klare Gliederung. Die Überschrift sollte ein
Aussagesatz sein, damit das Publikum nicht Zeit und Konzentration auf mögliche Interpretationen
verschwendet, sondern gleich in die von Ihnen intendierte Richtung denkt. Das Tortendiagramm einer
Bundestagswahl überschreiben Sie also nicht: „Wahlergebnisse Bundestagswahl 2005‘‘, sondern „CDU
gewinnt Bundestagswahl‘‘ – oder „SPD verliert Bundestagswahl‘‘– je nachdem, worauf Sie inhaltlich
hinaus wollen. Behalten Sie die Interpretationshoheit so lange wie möglich in der Hand!

Alle Texte sollten unseren Lesegewohnheiten entsprechend linksbündig sein und nicht über zwei Zeilen
reichen. Grafiken oder parallel formulierte Listen sollten nicht mehr als drei Punkte enthalten. Studien
haben gezeigt: wir lesen nicht Buchstaben, sondern ganze Wörter. Das heißt, dass wir die Form eines
Wortes erkennen, und daher schneller lesen können. Vermeiden Sie daher Wörter in Großbuchstaben
(Kapitälchen), da sie die Lesegeschwindigkeit vermindern.

Hierarchische Gliederungen lassen sich einfach über die Schriftgröße erzielen. Damit ein Unterschied
auf der Leinwand (anders als am Bildschirm) überhaupt wahrgenommen werden kann, sollte der
Unterschied zwischen den Schriftgrößen mindestens 4 pt betragen. Bedenken Sie die Macht der Farben
und setzen Sie sie nur sparsam ein. Eine helle Schrift auf dunklem Grund ist per Beamer leichter zu
lesen. (Beim Overhead gilt es umgekehrt). Achten Sie auf einen ausreichenden Kontrast, z. B. indem
Sie in die Schwarz-Weiß- oder Graustufen-Ansicht wechseln. Häufig wirken Farben und Kontraste auf
Ihrem Bildschirm ganz anders als wenn sie an die Wand projiziert werden. Bedenken Sie auch, dass
Farbsinnstörungen wie bspw. die Rot-Grün-Blindheit häufiger sind, als man meint.

Jedes Design-Element muss eine Funktion haben! Nur weil das Programm Designvorlagen anbietet,
heißt das nicht, dass Sie sie auch verwenden müssen. Halten Sie es lieber schlicht – der Hintergrund
soll nicht von Ihrem Vortrag ablenken. Dies gilt im Übrigen auch und besonders für Animationen – der
fünfte Bulletpoint, der sich mit Jet-Geräusch ins Bild wirbelt, wird mehr Aufmerksamkeit erlangen als Sie
– und wahrscheinlich Antipathien wecken. Außerdem zwingt er Ihnen einen Zeitrahmen auf.
Beschränken Sie sich besser auf die Funktionen Erscheinen und Verschwinden.

Für das Publikum ist es hilfreich, wenn es sich über den Fortschritt Ihrer Präsentation jederzeit
orientieren kann. Deshalb sind Seitenzahlen auf der Folie nützlich. Aber auch Variationen von
wachsenden Verlaufsbalken oder Zeitstrahlen am Rand der Folie können Aufschluss darüber geben, ob
wir noch am Anfang oder schon am Schluss des Vortrags sind.

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Und vor allem: Überfrachten Sie die Folien nicht! Das Publikum soll Ihnen zuhören, nicht lesen!
PowerPoint mag idiotensicher sein. Nutzen Sie es dennoch intelligent.

Beherrschung der Software. Notizenfunktion, Tastaturkürzel, Kurzvariante von Präsentationen.


Nutzen Sie die Möglichkeiten der Software voll aus. Kennen Sie zum Beispiel die nützliche
Notizenfunktion? Jeder Folie können Sie einen ausformulierten Text, bspw. einen Absatz Ihres
ausformulierten Projektberichtes, zuordnen und dabei prüfen, ob und wie Sie diesen Abschnitt
visualisieren. Das ist auch eine gute Möglichkeit, die Struktur Ihres Textes gegenzuprüfen: Hat jedes
Argument einen eigenen Absatz? Was ist seine Hauptaussage? Und stimmt diese Aussage mit Ihrer
Titelzeile überein?

Ausgedruckt kann Ihnen die Notizenseite als Skript dienen – notieren Sie sich eventuelle Klicks für
Animationen gleich in den Text. Allerdings sollten Sie mit Animationen sparsam umgehen – da die
Technik immer streikt, wenn es darauf ankommt (Murphy’s Law), ist es ratsam, eine voll funktionsfähige
Version der Präsentation als PDF bereit zu halten – auf diese Weise zerreißt es Ihnen nicht Ihr
sorgfältig ausgetüfteltes Layout.

Machen Sie sich mit den wichtigsten Tastaturkombinationen vertraut. Mit F5 gehen Sie bspw. gleich in
den Präsentationsmodus. Und wenn Sie die Foliennummern kennen, können Sie gezielt hin- und
herspringen oder auch etwas weglassen, indem Sie einfach Foliennummer und Enter drücken.
Markieren Sie sich für Text und Begleitmedien, welche Informationen Muss-, Soll- und Kann-
Informationen sind. So wissen Sie gleich, was Sie unter Zeitdruck am ehesten weglassen können. Sie
können zu diesem Zweck auch benutzerdefinierte Präsentationen mit unterschiedlicher Länge bzw.
Folienzahl erstellen. Vertrauen Sie nicht darauf, dass sich Ihnen das Programm von selbst erschließt –
beschäftigen Sie sich mit seinen Möglichkeiten. Machen Sie einen Kurs, lesen Sie ein Buch, schauen
Sie sich ein paar Youtube-Tutorials an – lassen Sie sich inspirieren.

Die Abschlussdiskussion
Es ist geschafft, das Referat ist vorbei. Anerkennend hat das Publikum auf die Tische geklopft. Vorbei?
Noch nicht ganz. In der Regel folgt jetzt die Diskussion – und sie ist genauso wichtig wie die
Präsentation! Bedenken Sie: Eine wissenschaftliche These gilt in der Regel nur solange als bewiesen,
bis sie widerlegt wird. Sie wird also nicht verifiziert, sondern falsifiziert. Die Argumente, die Sie bereits
vorgetragen haben, sollen die wichtigsten Widerlegungen von vornherein ausräumen oder unmöglich
machen. In der Diskussion müssen Sie aber mit weiteren Widersprüchen rechnen. Daher muss sie gut
vorbereitet werden. Der Angriff auf Ihre These ist im Übrigen kein persönlicher Angriff auf Sie als

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Person, sondern wissenschaftliches Prinzip! Je mehr Angriffe auf Ihre These Sie abwehren können,
desto wahrscheinlicher ist sie. Ein sachlicher Umgangston ist dabei unerlässlich.

Vorbereitung auf die Diskussion


Diskussionen im Anschluss an Präsentationen sind in der Regel angekündigt. Sie sollten sich daher gut
darauf vorbereiten, denn es gibt keine Ausreden… Klären Sie im Vorfeld folgende Punkte:

 Wer leitet die Diskussion?


Eine neutrale, unabhängige Leitung entlastet die Vortragenden, diese können besser Notizen
machen. Stellen Sie die Diskussionsleitung (Moderator/in) gegebenenfalls vor.
 Was ist der Zeitrahmen?
Wenn nur 10 Minuten Zeit sind, offene Fragen zu klären, stellen Sie sicher, dass Sie möglichst
die Fragen diskutieren, die Sie selbst interessieren oder weiterbringen.
 Was ist das Ziel der Diskussion?
Möchten Sie Ihre Methoden diskutieren, oder Ihre Ergebnisse, oder möchten Sie den
Schwerpunkt auf weiterführende Fragen richten? Entscheiden Sie das im Vorfeld und bemühen
Sie sich, aus der Diskussion einen Nutzwert für sich selbst (und z. B. den Projektbericht) zu
ziehen.
 Welche Eröffnungsfrage wollen Sie stellen?
Wenn Sie mit einer gezielten Frage einsteigen, geben Sie eine Diskussionsrichtung vor. Mit
etwas Glück lässt sich das Publikum darauf ein und diskutiert etwas, das für Sie interessant ist
– und nicht die unerklärlichen Schwächen in Ihrer Methodik oder Datenlage…
 Welche Kommentare, Fragen, Angriffe aus dem Publikum könnten kommen und wie
können Sie ihnen begegnen?
Fragen aus dem Publikum können zum Beispiel folgende Punkte betreffen: Die angewandte
Methode, gewählte Theorien, präsentierte Definitionen, getroffene Annahmen, Thesen, offene
Fragen. Überlegen Sie sich, wo Sie angreifen würden, und seien Sie darauf gefasst. Hier
können Sie übrigens endlich all die anderen schönen Argumente anführen, die Sie aus
taktischen oder zeitlichen Gründen nicht im Hauptteil anbringen konnten oder wollten.
Umgang mit Fragen
Machen Sie sich noch einmal klar, dass alle Fragen sich auf die Sache richten, und nicht auf Ihre
Person. (Sollte es wider Erwarten doch zu persönlichen Angriffen kommen, verwahren Sie sich ruhig
dagegen und ignorieren Sie die Person.) Und dann antworten Sie so gut Sie es können. Es ist keine
Schande, eine Frage nicht beantworten zu können – notieren Sie sie und bedanken Sie sich für die gute

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Anregung. Dies gilt auch für konstruktive Kommentare. Versuchen Sie aber, Gegenvorträge oder Co-
Referate frühzeitig abzubrechen – eine Diskussion ist dafür nicht der richtige Ort.

 hören Sie die Fragen geduldig und bis zum Ende an.
 wiederholen Sie die Frage gegebenenfalls, um sicherzustellen, dass Sie (und je nach
Raumakustik der Rest des Publikums) die Frage richtig verstanden haben
 beantworten Sie nur die gestellte Frage, nicht mehr und nicht weniger
 richten Sie Ihre Antwort an alle
 versichern Sie sich bei dem/der Fragenden, ob er/sie mit der Antwort zufrieden ist
Aufgaben der Diskussionsleitung / Moderation
Damit eine Diskussion weder inhaltlich noch zeitlich ausufert und bestenfalls das von Ihnen geplante
Ziel verfolgt – das können Sie leider nicht immer bestimmen – sollte sie sorgfältig moderiert werden. Die
Diskussionsleitung hat dabei folgende Aufgaben:

 Wortmeldungen sammeln und koordinieren


 dafür sorgen, dass auch zurückhaltende Teilnehmer und Teilnehmerinnen zu Wort kommen
 Missverständnisse klären
 ggf. verbale Angriffe versachlichen
 Diskussion in eine bestimmte Richtung lenken
 Diskussionsergebnisse zusammenfassen
 Diskussion abschließen
Darüber hinaus muss die Diskussionsleitung in der Lage sein, eine Diskussion ins Rollen zu bringen,
zum Beispiel indem er/sie eine gute erste Frage stellt oder (z. B. bei Konferenz-Panels) ggf. die
Verbindung zu vorangegangenen Beiträgen herstellt.

Nachbereitung
Um mit jeder Präsentation und jedem Referat an Vortragskompetenz zu gewinnen, ist es unerlässlich,
eine gründliche Nachbereitung der Präsentation vorzunehmen. Dazu stehen Ihnen zwei Mittel zur
Verfügung – die Reflexion des gerade gehaltenen Vortrags und die Analyse des Feedbacks. Falls nötig
oder möglich lassen Sie die Ergebnisse der Diskussion, Ihrer Eigenanalyse, und des erhaltenen
Feedbacks in die Ausarbeitung der Präsentation (Projektbericht oder Hausarbeit) einfließen.

Reflexion
An dieser Stelle rekapitulieren Sie, welche Stärken und Schwächen Ihre Präsentation Ihrer eigenen
Meinung nach hatte. Anders als das Publikum können Sie beispielsweise beurteilen, ob und wieviel

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Leitfaden für Präsentationen im Modul „Wissenschaft trägt Verantwortung“

Folien Sie aus Zeitmangel übersprungen haben, und wie es dazu kam. Stellen Sie sich (ggf. im
gesamten Präsentationsteam) folgende Fragen:

 Ist die Zielsetzung erreicht worden? Haben Sie Ihre drei Fakten vermittelt? Wenn nicht, woran
hat es gelegen?
 Entsprach die inhaltliche Aufbereitung den Bedingungen der Zuhörer?
 Hat sich der Ablauf bewährt? Wenn nein, in welchen Punkten müsste er abgeändert werden?
 Ist die Eröffnungsphase gelungen?
 Gab es im Hauptteil kritische Situationen? Konnten sie gemeistert werden? Was muss besser
werden?
 Wie sind Abschluss und Diskussion gelungen?
 War die Organisation gut? (Zeitplan, Rollenverteilung)
 War der Medieneinsatz in Ordnung? Gab es Pannen? Welche und wie kam/en ich/wir damit
zurecht?
 Ggf.: Wie war die Beziehung/der Kontakt zwischen den Präsentierenden innerhalb der Gruppe?
Muss daran gearbeitet werden?
 Wie war der Kontakt zum Auditorium?

Feedback
Häufig wird am Ende einer Seminarsitzung noch Gelegenheit zu so genannter „Seminarkritik“
eingeräumt. Dabei muss es nicht ausschließlich um negative Kritik gehen. Sie dürfen und sollten
durchaus auch Positives nennen. Ein gutes Feedback ist

 beschreibend – nicht bewertend oder interpretierend


 konkret – nicht verallgemeinert, nicht pauschal
 realistisch – nicht utopisch
 unmittelbar – nicht verspätet
 erwünscht – nicht aufgedrängt

Geben Sie Feedback. Beginnen Sie positiv: Bedanken Sie sich für das interessante Referat.
Relativieren Sie, d. h. formulieren Sie bewusst subjektiv. Schildern Sie Ihren eigenen Eindruck und
sprechen Sie nicht für andere mit.

Nehmen Sie Feedback an. Lassen Sie die Rückmeldenden ausreden. Sie werden nicht als Person
angegriffen – ergo müssen Sie sich nicht verteidigen, höchstens Missverständnisse erklären oder
klarstellen. Danken Sie für das Feedback – und nehmen Sie es ernst! Lernen Sie daraus, und machen
Sie es beim nächsten Mal noch besser!

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Leitfaden für Präsentationen im Modul „Wissenschaft trägt Verantwortung“

Hilfreich kann auch die Auswertung eines anonymen Beurteilungsbogens sein (siehe Anhang).

Schriftliche Ausarbeitung
Referate und Präsentationen müssen häufig schriftlich eingereicht werden. Klären Sie im Vorfeld, ob die
Ausarbeitung den Kenntnisstand des Vortragenden zum Zeitpunkt der Präsentation widerspiegeln soll,
oder ob erwartet wird, dass Sie darüber hinausgehen. Im ersteren Fall kann die Ausarbeitung komplett
im Vorfeld erfolgen und dann auf Stichpunkte für das Redemanuskript gekürzt werden. Die Übernahme
besonders prägnant formulierter Sätze kann gerade den Einstieg in das Referat und die
Zusammenfassung am Schluss erleichtern und ein Ausufern der Referentin / des Referenten
verhindern.

Soll der Projektbericht oder die Hausarbeit über die Präsentation hinausgehen, so werden
Diskussionsergebnisse, Feedback und gegebenenfalls weiterführende Literatur bzw. Fragestellungen in
den Text eingearbeitet.

In jedem Fall gilt – wie für jeden anderen Text auch:

1. Fassen Sie sich kurz!


(KISS-Regel = keep it short and simple)
2. Schreiben Sie zur Sache!
(Beschränken Sie sich auf das Wesentliche – nicht alles, was interessant ist, ist wichtig.)
3. Lieben Sie Ihre Leser wie sich selbst!
(Die Zuhörenden können nicht zurückhören. Ihre Lesenden können zwar zurückblättern, aber
wollen nicht! Also formulieren Sie klar, knapp und präzise.)

Weitere Informationen finden Sie im Leitfaden für die Projektarbeit.

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Leitfaden für Präsentationen im Modul „Wissenschaft trägt Verantwortung“

Auswahl weiterführender Literatur

Birkenbihl, Vera F.: Rhetorik. Redetraining für jeden Anlass, Genf, München 2002.

Alley, Michael: The Craft of Scientific Presentations, New York u. a. 2003.

Donnert, Rudolf/Sterzenbach, Marion: Präsentieren – gewußt wie. Praktischer Leitfaden für Vortrag,
Moderation und Seminar unter Einsatz neuer Medien. 2. Aufl., Würzburg 1999. Signatur 7.6. 1 Mod 10
(Infothek).

Hierhold, Emil: Sicher präsentieren – wirksamer vortragen. 5. Aufl., Wien/Frankfurt 2000. Signatur 7.6.
1 Mod 28 (Infothek), Signatur 4 SoW 240 99 A (Rotes Feld).

Höge, Holger: Schriftliche Arbeiten in Studium und Beruf. Ein Leitfaden. 3. Aufl., Stuttgart 2006.
Signatur 3 Allg 010 272 (Rotes Feld).

Pabst-Weinschenk, Marita: Reden im Studium. Ein Trainingsprogramm. Berlin 2000. Signatur: 7.6 1
Mod 23 (Standort Infothek). Signatur Ling 415.034.

Ravens, Tobias: Wissenschaftlich mit PowerPoint arbeiten, München 2003.

Rost, Friedrich: Lern- und Arbeitstechniken für das Studium. 4. Aufl., Wiesbaden 2005. Signatur 7.4 1
Lern 54 (Infothek).

Schneider, Wolf: Deutsch für Profis, München 1999.

Seifert, Josef: Visualisieren, Präsentieren, Moderieren. 21. Aufl., Offenbach 2001 (Originalausgabe von
1989).

Simon, Walter: GABALs großer Methodenkoffer. Grundlagen der Kommunikation. Offenbach 2004.

Standop, Ewald/Meyer, Matthias: Die Form der wissenschaftlichen Arbeit. Ein unverzichtbarer
Leitfaden für Studium und Beruf. 17. Aufl., Wiebelsheim 2004. Signatur Allg 720.001 (Campus).

Stickel-Wolf, Christine/Wolf, Joachim: Wissenschaftliches Arbeiten und Lerntechniken. Erfolgreich


studieren – gewusst wie! 2. Aufl., Wiesbaden 2002. Signatur 7.4. 1 Lern 41 (Infothek).

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