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Wohlfahrtspolitik und Sozialforschung Sandro Cattacin

Herausgegeben von Bemd Marin

Stadtentwicklungspolitik zwischen
Europaisches Zentrum Wien Demokratie und Komplexitat
Zur politischen Organisation der Stadtentwicklung:
Band4 Florenz, ·Wien und Zürich im Vergleich

Mit einem Vorwort von Klaus Eder

Campus Verlag
Frankfurt / New York
a Teresa e Ubaldo

Die Deutsche Bibliothek - CIP-Einheitsaufnahme

Cattacin, Sandro:
Stadtentwicklungspolitik: zwischen Dernokratie und
Kornplexitãt : zur politischen Organisation der
Stadtentwicklung ; Florenz, Wien und Zürich irn Vergleich /
Sandro Cattacin. Mit einern Vorw. von Klaus Eder. -
FrankfurtlMain ; New York : Carnpus Verlag, 1994
(Wohlfahrtspolitik und Sozialforschung ; Bd. 4)
ISBN 3-593-35185-4
NE:GT

© Europãisches Zentrurn Wien, 1994

Das Werk einschlie81ich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede
Verwertung ist ohne Zustirnmung des Verlages unzulãssig. Das gilt insbesondere
für Vervielfãltigungen, Übersetzungen, Mikroverfilrnungen und die Einspeicherung
und Verarbeitung in elektronischen Systernen.
Satz: Michael Eigner, Europãisches Zentrurn, Wien
Druck und Bindung: Druck Partner Rübelrnann, Hernsbach, Deutschland.
lnhaZtsverzeichnis

Verzeichnis der Tabellen und Abbildungen ix

Vorbemerkung Xl

Vorwort von Klaus Eder xiii

Einleitung 1

Kapitel I:
Theorie und Methode: Stadtentwicklungspolitik
als U ntersuchungsfeld 7

1. Die Analyse der Stadtentwicklungspolitik 7

2. Die Untersuchung der Stadtentwicklungspolitik:


Methodische Anmerkungen 27

KapitellI:
Die politische Organisation der Stadtentwicklung
in Florenz, Wien und Zürich aus historischer Sicht 39

1. Klientelistische Stadtentwicklungspolitik in Florenz:


Der Florentiner Immobilismus 39

2. Sozialpartnerschaftliche Stadtentwicklungspolitik in Wien:


Der Wiener KompromiB 63

3. Die Dominanz des wirtschaftsliberalen Credos


in der Zürcher Stadtentwicklungspolitik 77

4. Die politische Organisation der Stadtentwicklung aus


historischer Sicht: Zusammenfassende Bemerkungen 89
r

viii

Kapitel ID: Verzeichnis der Tabellen


Stadtentwicklungspolitik über GroBprojekte 97
und Abbildungen
1. Zur Ausgangslage: Orientierungs-, Steuerungs-
und Legitimationsprobleme des loka1en Staates
in den achtziger J ahren 97
Tabelle 1: Zentra1e Inhalte, Akteure und Regeln in den
2. Florenz: Die Variante Nord-Ovest besprochenen Theorieansatzen 18
114
Tabelle 2: Rollen und Anzahl der Interviewten 30
3. Wien: Die Weltausstellung 1995 119 Tabelle 3: Vorgehen bei der Darstellung der Ergebnisse 37
Tabelle 4: Zentra1e strukturelle Dimensionen
4. Zürich: HB-Südwest 125 der Stadtentwicklung 90
Tabelle 5: Zentrale Inhalte, Akteure und Regeln, 1945-1985 92
5. Stadtentwicklungspolitík über GroBprojekte 130 94
Tabelle 6: Agglomerationsentwicklung 1970-1980
Tabelle 7: Bevolkerungsentwicklung der Gemeinden Florenz,
KapitelIV: Wien und Zürich, 1950-1988 94
Stadtentwicklungspolitik zwischen Demokratie Tabel1e 8: Entwicklung des Tertiarsektors in F1orenz,
Wien und Zürich, 1960-1980 94
und Komplexitat: Minimalstaatsstrategien Entwicklung des Stimmenanteils der Linken in den
Tabel1e 9:
auf kommunaler Ebene 137 Erneuerungswahlen zum Gemeindeparlament in
Florenz, Wien und Zürich, 1950-1990 95
1. Stadtentwicklungspolitische Positionen 138 Leitbi1der der Planung und zentrale
Tabelle 10:
Planungsinstrumente 96
2. Die Herstellung kollektiven Handelns über GroBprojekte 154 132
Tabelle 11: Kennzeichen der Projekte
Tabelle 12: Zentra1e Inhalte, Akteure und Regeln, ab 1985 133
3. zu Demokratie und Komplexitat:
Tabelle 13: Projektphasen 136
LegltImatlOnsprobleme in der politischen Organisation
der Stadtentwicklung über GroBprojekte Tabelle 14: Interessen, Strategien und handlungslegitimierende
175 169
Positionen der Akteure der Projektgemeinschaft
Staatliches Handeln und Grenzen der Integration 182
SchluBwort 189 Tabelle 15:

Anmerkungen Abbildung 1: Generelles Modell 20


193
Abbildung 2: Florentiner Territorium und zentra1e im Text
Bibliographie 217 erwiihnte Orte 41
Abbildung 3: Wiener Territorium und zentrale im Text
Dokumente 237 erwahnte Orte 65
Abbildung 4: Zürcher Territorium und zentrale im Text
erwiihnte Orte 78
Vorbemerkung

Der folgenden Studie liegt meine Dis ertation, die ich im Juni 1992 am
Europruschen Hochschulinstitut erfolgreich verteidigt habe, zugrunde. Sie
entstand in der Zeit zwischen 1987 und 1991 und mit der Unterstützung von
Freunden und Kollegen. Vor allem mõchte ich in diesem Zusammenhang
die hilfreichen Diskussionen und die unentbehrliche Zusammenarbeit bei
der Durchführung der Interviews mitArmin Kühne, Erwin Rüegg und E1ena
Sartoris erwahnen.
Für die erhellenden konzeptuellen Diskussionen und die klarenden Infor-
mationen mõchte ich auch folgenden Personen danken: Antonella Ferrari,
Rita Franceschini, Claudia Giovanardi, Patrick Kenis, Ulrich Klõti, Philippe
C. Schmitter und Danilo Zolo.
DieEntwicklung der Studie wurde in diesen vier Jahren von verschiede-
nen Supervisoren, den Professoren Bemd Marin, A1essandro Pizzomo, Klaus
Eder und Hanspeter Kriesi, m.itverfolgt, die diese durcb ihre kritischen
Kornmentare erheblich verbessem halfen. Die (notwendige) stilistische und
grammatikalische Überarbeitung besorgte Evelyn Wellding. AU diesen
Personen sei an dieser Stelle herzlich gedankt. GrõBten Dank bin ich jedoch
den über hundert Interviewpartnern verpf1ichtet, die sehr geduldig und offen
inforrnierten und die mir überhaupt erst erlaubten, die komplexe Thematik
der Stadtentwicklungspolitik zu entwirren.

Sandro Cattacin
Vorwort

In der Stadtpolitik: verschriinken sich am engsten die beiden widersprüch-


lichen Anforderungen an Politik: in der modemen GeseUschaft: die Herstel-
lung demokratischer Legitimitat von Politik und die Regierbarkeit von
komplexen sozialen Fonnen. Stadtpolitik verweistauf diePolis a1s dem Tdea1-
modell der Demokratie, an dem sich modeme poLitische Systeme orientie-
ren. Stadtpolitik: ist rugleich politische Regulierung der urbanen Form so-
zia1en Lebens, in der sich die Probleme modemer Gesellschaften kumulie-
ren (der Begriff der »Komplexitat« artikuliert nichts anderes a1s Problem-
kumulation).1n der Stadtpolitik treffen sich aber nicht nur Systemprobleme:
es treffen sich auch Akteure, diejenigen, die Politik: ru machen und durch-
zusetzen suchen (der »loka1e Staat«), wirtschaftliche Eliten, die an Stadt-
politik ein materielles Interesse haben, und schlieBlich die Bürger der Stadt
se1bst, die diese Akteure beobachten, sie kritisieren und bisweilen durch
kollektives Handeln eingreifen.
Am Beispiel der Stadtplanung in drei europaischen Stadten - Florenz,
Wien und Zürich - diskutiert Sandro Cattacin diese widersprüchlichen An-
forderungen und die Akteure, durch die hindurch diese widersprüchlichen
Anforderungen miteinander vermittelt werden. Er bringt ideale Vorausset-
zungen für diese vergleichende Fallstudie mit: sprachliche wie lebens-
weltliche Vertrautheit mit den Stãdten und ihrer Kultur, die den Zugang rum
Feld erschlossen sowie den angemessenen interpretativen Umgang mit dem
Fa1lmateria1 ermõgticht haben.
Theoretischer Ausgangspunkt der Ana1yse ist das korporatistische Mo-
dell des Interessenausgleichs in modemen komplexen polítischen Systemen,
das ru einer Mikroana1yse des loka1en Korporatismus führt. Über dieses
Modell hinaus führt die theoretische Idee, die im loka1en Korporatismus iden-
tifizierten Strukturen sozia1er Beziehungen als Spielregeln eines sozia1en
xiv Stadtentwicklungspolitik zwischen Demokratie und Komplexitiit Vorwort xv

Kampfes zu deuten, in dem es nicht nur um Interessen, sondern um die Autonomie im stadtplanerischen Handlungsfeld, auf den Effizienzdruck
Definition sozialer ReaIitat, um die Definition eines »Bildes« der Stadt aIs okonomischer Eliten und auf die legitimatorischen Anforderungen der stad-
solehes geht. Die Rekonstruktion dieser Spielregeln und der mit ihnen er- tischen Gesellschaft mit minimalistischen Strategien. Der Versuch, diese
zeugten (konkurrierenden) ReaIitatsdefinitionen ist das Thema dieser Ar- Autonomie durch Kooperation mit wirtschaftlichen Eliten wiederzu-
beit. Theoretisch spannend wird die Analyse dort, wo die Grenzen der tra- gewinnen, scheitert. Der Versuch, durch offene Kommunikation mit den
ditionellen funktiona1istischen AnaIysen von kOlporatistischen Arrangements Bürgern die Handlungsfãhigkeit des lokalen Staates wiederherzuste11en,
überschritten werden und handlungstheoretische Erklarungen in dieAnaIy- scheitert. Der Versuch schlieBlich, für die Stadt ein Stück ko11ektive Iden-
se eingebaut werden, die Theorien kollektiven Handelns mit Theorien der titat zu entwerfen, schlagt gleichermaBen fehl. Dem lokaIen Staat bleibt nichts
soziaIen Konstruktion von Realitat zu verknüpfen suchen. als Selbstbeschrankung, das minimalistische Programm politischen Han-
Alle drei Fiille gehen von iihnlichen Ausgangsbedingungen aus. Doch die delns.
Entwicklung dieser Falle variiert in Abhiingigkeit von Akteurskon- Der Widerspruch zwischen Demokratie und Komplexitat lost sich somit
stellationen. Diese Feststel1ung liefert die zentraIen Aussagen dieser Arbeit, dadurch auf, daB politisches Handeln zurückgenommen wird. Doch das
die in zwei Schritten vorgeht. Bevor die Strategien der Teilnehmer am verschiebt nur das Problem der Koinplexitat und das Problem der Legiti-
politischen Spiel analysiert werden, werden - auf der Grundlage von mation. Angesichts dieser Situation ergeben sich zwei Optionen: Die Kom-
Interviewmaterial - zunachst die Realitatsinterpretationen der einzelnen plexitat sich selbst zu überlassen oder neue Formen demokratiscber Regu-
Teilnehmer identifiziert. Dieser Analyseschritt vermeidet das Problem, daB lierung von Komplexitat zu entwickeln. In dem MaBe wie Komplexi.tats-
den Handlungen der Akteure eine einheitliche RationaIitat zugeschrieben probleme Legitimatioosprobleme nacb sich zieben, wird die stadtische
wird; er hilft vielmehr, die spezifischen und oft kontradiktorischen Offentlichkeit, die Offentlichkeit der Stadtbürger der Schlü sel moglicher
Rationalitaten zu verstehen, die im politischen Spiel entstehen. Diese un- Verãnderungen. Sandro Cattacins SchluBfolgerungen sind die
terschiedliche Rationalitaten haben damit zu tun, daB der Rekurs auf fak- nach mehr Pluralismus, nach mehr stadtischer Lebensform, nach mehr Of-
tische Zwange die Autonomie und Effizienz der beteiligten Akteure be- fentlichkeit. Dann aber ste11t sich die Frage, wie mehr Offentlichkeit kol-
schrãnkt. Am prekãrsten wird dies für politische Eliten, die ihre eigene lektives Handeln moglich machen kann, und die weitergehende Frage, wie
Legitimitat herstellen und zugleich rationaIe Entscheidungen in einem Feld in diesem emergenten ko11ektiven Handeln politische Regulierung von
treffen müssen, das von Unsicherheiten gepragt ist. Das schafft wiederum Komplexitat stattfinden kann.
spezifische Handlungschancen für okonomische Eliten, die in der Etablie- Sandro Cattacin hat eine hervorragende Analyse geliefert, die genau an
rung von »Projektgemeinschaften« ihren sinnfiilligen und euphemistischen diesen kritischen Punkt führt. Das Beste, was man zu einer Forschungsarbeit
Ausdruck finden. In den von solchen »Projektgemeinschaften« initiierten sagen kann, ist, daB sie nicht nur alte Fragen behandelt, sondern daB sich
»GroBprojekten«, die seit den frühen achtziger Jahren in allen drei Fãl1en aus deren Behandlung neue und richtungsweisende Fragen ergeben. Dies
in Angriff genommen werden, laBt sich zeigen, daB der Versuch politischer ist hier der FaII.
und okonomischer Eliten, der Stadtplanung eine neue Orientierung zu ge-
ben und einen funktionalen Konsensus zu erzeugen, scheitert. Diese GroB-
projekte führen vielmehr zu »minimalistischen politischen Strategien«. Der
Fehlschlag der maximaIistischen politischen Programme der Stadtentwick- Florenz, im Februar 1994 Klaus Eder
lung ist nicht kontingent, sondern das Ergebnis der Unmoglichkeit, kol1ek- Europaisches Hochschulinstitut
tives Handeln herzustellen.
DaB GroBprojekte zu minimaIistischen Politikstrategien führen, ist die
zentrale These der Arbeit. Der lokale Staat reagiert auf den Ver1ust der
Einleitung

Die Stadt findet bereits anfangs des zwanzigsten Jahrhunderts in der Bil-
dung von Agglomerationen ihren heute noch wirkenden dominanten Struktur-
typ der sozia1en und rãumlichen Organisation. Zwei Entwicklungsphasen
sind in diesem J ahrhundert unterscheidbar:
• In der ersten Phase der diffusen industriel1-tertiãren Urbanisierung beginnt
sich die Stadt von ihren historischen Wurzeln der Industria1isierung zu
lõsen. Die Industrie zieht sich aus den Stadtkemen zurück; diese werden
zu Polen der Konzentration spezialisierter Dienstleistungen. In der Ag-
glomeration bildet sich eine polizentrische Konfiguration von Verkehrs-
verbindungen.
• In der darauf folgenden Phase der postindustriellen Urbanisierung setzt
sich der ProzeB der Tertiarisierung fort und durchdringt über die Neuen
Technologien immer weitere Tei1e der Gesel1schaft. In den stãdtischen
Agglomerationen - eigentlichen metropolitanen Landschaften - entste-
hen vemetzte Polarisíerungen. Das Wirtschaftssystem diffundiert in die-
ser Landschaft, wobei vor a11em die Industrie weiter an den Stadtrand ge-
drãngt wird. 1
Beide Phasen sind geprãgt durch den sãkularen ProzeB der Subur-
banisierung, der die soziale und funktionale Differenzierung der Gesell-
schaft rãumlich abbildet. Die soziale Segregation in der Folge des Sub-
urbanisierungsprozesses bewirkt im Agg1omerationsraum groBflãchig an-
gelegte Siedlungsformen, die radia1 mit den Stadtzentren verbunden sind,
wãhrend die Kernstãdte sich im Austausch mit dem Umland entleeren.
Diese Entwicklung ist begleitet von rãumlichen, konflikterzeugenden Ver-
drãngungsprozessen von sozia1 schwãcheren Gruppen (vgl. Hãussermannl
Siebe1, 1987: 26ff.).
2 Stadtentwicklungspolitik zwischen Demokratie und Komplexitiit Einleitung 3

Eingebettet sind diese Prozesse der sozialen Segregation in den umgreifenden der Bürger mit Infrastrukturen und wohlfahrtsstaatlichen Diensten zu ga-
Kontext der funktionalen Segregation. Die Entmischung sozialer Gruppen rantieren. Das politische System beschrãnkt sich in diesem Modellverstãndnis
in segregierte Teilrãume ist verbunden mit der Zuordnung von Teilrãumen auf die Herstellung günstiger Wachstumsbedingungen für die Wirtschaft und
zu gesellschaftlichen Funktionen. Dieser ProzeB findet seinen Ausdruck in auf die Regulierung negativer Folgen dieses Wachstums. Die resultierende
den B au- und Zonenplãnen der stãdtischen Verwaltungen. Wãhrend die Stadt Dynamik des Wachstums über den Markt hat immer, trotz a11er negativen
mit der funktionalen Rationalisierung ihrer Rãume ein adãquates Prinzip Folgen wie der Zerstorung der Umwelt, der Verbauung von Grünflãchen,
gefunden hat, das Wirtschaftswachstum in diesem J ahrhundert effizient und der Entleerung der Innenstãdte durch die Verdrãngung von Wohnraum und
effektiv urnzusetzen, treten vermehrt die okologischen Kosten dieser Ent- der Gefâhrdung der sozia1en Integration durch die politisch unkontrollierte
wicklung (zum Beispiel die sprunghafte Zunahme des motorisierten Pend- Entwicklung sozial und funktional differenzierter Teilrãume, einen breiten
lerverkehrs) sowie die durch die Entmischung und Entleerung alltãglicher Konsens mobilisieren konnen.
Lebensrãume geforderten sozio-kulturellen Verarmungserscheinungen in den Die zweite in den sechziger und siebziger Jahre vorherrschende Ordnungs-
Vordergrund. Die Stãdte spalten sich immer mehr in drei Bereiche: vorstellung der Steuerung der Stadtentwick1ung orientiert sich an der Zen-
• in der City befinden sich die Glanz- und Hohepunkte mit überregiona1en tralitãt staatlicher Interventionen in das stãdtische Gefüge. Das Potential
Funktionen wie Messe-, KongreB- und Hotelkomplexen, aufwendige Frei- so1cher Interventionen in die Gesellschaft wird in der Wachstumsphase der
zeit- und Kultureinrichtungen, Verwa1tungen von intemationalen Unter- Wirtschaft durch den Ausbau des Wohlfahrtsstaates erweitert. In der Über-
nehmen und luxuriose Wohnungen; zeugung der Planer sol1 sich die Stadt auf der Grundlage von Plãnen ent-
• der zweite Bereich besteht aus der Arbeits-, Versorgungs- und Wohnstadt wickeln.
für die Mittelschicht mit den Funktionen eines regionalen Oberzentrums; Das klassische Steuerungsinstrument dieses Modells sind Bau- und
• im dritten Bereich befinden sich die Randgruppen und treten vermehrt Zonenplãne, die mit unterschiedlicher rechtlicher Verbindlichkeit den
Verslumungstendenzen auf (vgl. HãusserrnannlSiebel, 1987: 139).2 Wettbewerb der :Nutzungen regeln sollten. Das Leitbild staatlicher Steue-
Seit Mitte der sechziger Jahre wird in diesem Zusammenhang immer hãu- rung in der Stadtentwicklungspolitik ist die funktionalistische Planung, deren
figer von der Krise der Stadt gesprochen, womit nicht nur die Zunahme der MaBstab die funktiona1e und verdichtete Stadt ist. Wissenschaftliche
Problemlast in Stãdten, sondem auch die Zunahme der Steuerungsprobleme Planungsmodelle sollen die a1s Wachstum begriffene Modernisierung der
von Stãdten angesprochen wird. Die Rede von der Krise der Stadt und damit Gese11schaft auf kommunaler Ebene umsetzen.
verbunden von der Unregierbarkeit der Stiidte 3 in den sechziger und vor So1che Zielsetzungen und MaBnahmenkataloge sind im Vergleich zu frü-
allem siebziger J ahren findet am Ende einer Periode des starken wirtschaft- heren Perioden nichts Neues. Neu ist die Intensitãt des Zugriffs und damit
lichen Wachstums statt; die analytischen Losungen der Steuerungskrise ori- die Qua1itãt und Massivitãt der Stadtentwicklung und des Stadtumbaus. Die
entieren sich an zwei gesellschaftlichen Ordnungsvorstellungen: Die Orga- riesigen Projekte der F1ãchensanierung (der Umbau der Innenstãdte durch
nisation der Stadt durch den Markt oder durch den Staat. den radika1en AbriB und Neubau ganzer Quartiere, die Planung und der Bau
GemãB der Ordnungsvorstellung des Marktes sollten Stãdte sich modell- riesiger Trabantenstãdte an der Peripherie, der Ausbau der Verkehrs- und
haft über die private Allokation von Ressourcen im Spiel von Angebot und Versorgungsinfrastrukturen, die Koordination der Stãdte mit den Um1and-
N achfrage entwickeln. Der Markt a1s Entwicklungsprinzip der Stadt erzeugt gemeinden) sollten die Vision einerneuen Stadt, die in nichts mehr der Stadt
Stadtentwicklung als Nebenfolge der Marktstrategien, nicht aber als deren des 19. J ahrhunderts gleicht, zum AbschluB bringen und den endgültigen
intendiertes Resultat. Die Stadtentwicklungspolitik hat sich in historisch Bruch mit der Tradition zugunsten einer funktionalistisch-rationalen Mo-
unterschiedlichem AusmaB immer auf das Modell des Marktes a1s zentra- deme signalisieren.
lem Steuerungsmechanismus gestützt, um die wirtschaftliche Konkurrenz- Die beiden Ordnungsvorstellungen der Steuerung der Stadtentwick1ung
fãhigkeit der Stadt zu erhalten und die finanziellen Mittel zur Versorgung treten historisch immer zusammen auf. Keine hat je für sich die Stadt-
Einleitung 5
4 Stadtentwicklungspolitik zwischen Demokratie und Komplexitêit

entwicklungspolitik dominiert; doch erweisen sich beide Vorstellungen Im SchluSteil wird versucht, genera1isierend und Bezug nehmend auf die
imrner ungeeigneter, a1s Entwicklungslogiken den Weg aus der Krise vor- neunziger Jahre auf die untersuchungsleitende Frage nach der politischen
zugeben (vgl. Ma1donado, 1987: 67-95). Organisation der Stadtentwicklung zu antworten. Die gangige Stadt-
Erst in den achtziger Jahren reagieren, zumindest auf der Ebene der stadte- entwicklungspoLitik über GroBprojekte wird a1s Strategie interpretiert, durch
baulichen Leitbilder, Stadteplaner, Politiker und Intellektuelle auf die Her- den Abbau lokalstaatlicher Prasenz in der Stadtentwicklungsplanung auf
ausforderung der siebziger J ahré mit neuen Ideen für die Zukunft der Stadt. die zunehmende gesellschaftliche Komplexitat zu reagieren. Neben der Ein-
Diese Reaktion wirkt sich auch in bezug auf die Steuerungsmodelle der schãtzung der Planung von GroSprojekten als zentralen Elementen der
Stadtentwicklung aus, die heute verschiedene Wege zwischen Staat und politischen Organisation der Stadtentwicklung werden diese Minima1staats-
Markt vorzeichnen. strategien hinsichtlich ihres demokratischen Geha1ts beurteilt werden (vier-
Vermehrt getestet werden in der Stadtentwicklungspolitik insbesondere tes Kapitel).
hõchst unterschiedliche Kooperationsformen zwischen loka1em Staat und Das Instrumentarium der Analyse, das im folgenden ersten Teil der Ar-
organisierten Interessen (vgl. Hesse, 1987). Die bekannten Mõglichkeiten beit vorgestellt wird, beruht konzeptuell auf den Erfahrungen der Neokor-
gehen von forma1isierten Interessenvermittlungssystemen über informelle poratismusforschung der achtziger Jahre und methodisch auf der Anwen-
neokorporative Gremien bis zu Formen privater Interessenkoordination ohne dung hermeneutischer Verfahren in der Sozialwissenschaft.
Staat; vor a1lem in der Politikimplementation scheint die Stellung organí-
sierter Interessen und privater Firmen gegenüber dem lokalen Staat kontí-
nuíerlich zuzunehmen (vgl. Samek LodovicíIBemareggi, 1990).
Díe folgende Untersuchung schlieBt an díe Frage der Regíerbarkeít der
Stadte an und versucht, anhand von drei aktuellen stadtentwicklungs-
politischen Konflikten in Florenz, Wien und Zürich, zu rekonstruieren, wie
der loka1e Staat die Veranderung der Stadt organisiert. Diese Fragestel1ung
wird in drei Schritten ausgeführt. Zuerst werden aus historischer Sicht die
in den drei Stadten bisher vorherrschenden Model1e der Organisation der
Stadtentwicklung dargestellt. Es wird sich zeigen, daS in den drei Stadten
Florenz, Wien und Zürich verschiedene Politikmuster in der Stadtentwick-
lung vorherrschen; in Florenz überwiegt ein eher klientelistisches Muster
der politischen Organisation der Stadtentwicklungspolitik; in Wien tragen
sozialpartnerschaftliche Vereinbarungen die Stadtentwicklungspolitik; in
Zürich fmdet sich in der Stadtentwicklungspolitik eine zUfÜckha1tende Rol1e
des loka1en politischen Systems, dessen Trager ein wirtschaftslibera1es Credo
vertreten (zweites Kapitel).
Im darauf folgenden Teil werden aktuelle stadtentwicklungspolitische
Konflikte in den drei Silidten rekonstruiert und verglichen. Ein wichtiges
Ergebnis dieses Teils besteht in der überraschenden Ãhnlichkeit der drei
Stadte im Versuch, die aktuel1e stadtentwicklungsplanerische B10ckierung
über Gro.fJprojekte als dynamisierende Interventionen zu überwinden (drit-
tes Kapitel).
!ÚPITEL I

Theorie und Methode:


Stadtentwicklungspolitik als
Untersuchungsfeld

Im folgenden werden die zentra1en Konzepte, die bisher zur Ana1yse des
politischen Systems auf lokaler Ebene verwendet wurden, kurz dargestellt
und diskutiert. Die Ergebnisse dieser Diskussion führen zur Begründung der
eigenen Analysedimensionen und der ausgewahlten Methode (1.). Im zwei-
ten Teil dieses Kapitels wird das methódische Vorgehen beschrieben (2.).

1. Die Analyse der Stadtentwicklungspolitik


Die in den letzten Jahrzehnten erschienenen Studien zum politischen Sy-
stem auf kommuna1er Ebene spiegeln die zunehmende Pluralisierung der
Theorieproduktion in den Sozia1wissenschaften wider. Die fünfziger und
sechziger J ahren werden vor allem von der amerikanischen Community
Power Forschung gepragt, die, wie Linder (1980) feststellt, in Europa ihre
Nachahmung fmdet. Das Konzept der Macht wird zum entscheidenden Fokus
der unter handlungstheoretischen Prãmissen geführten Debatten.

1.1 Community Power


Die Stadtana1ysen im Rahmen der Community Power gehen vom bewuBten
Handeln von individuellen Akteuren aus, auf die Machtausübung zurück-
geführt wird. Im Handlungsmodell wird Macht zur Fahigkeit, den Willen
anderer zu beeinflussen. In der Community Power Forschung kann eine
liberal-pluralistische Variante dieses Machtkonzepts von einer sozial-
kritischen unterschieden werden.
8 Stadtentwicklungspolitik zwischen Demokratie und Komplexitiit Theorie und Methode: Stadtentwicklungspolitik als Untersuchungsfeld 9

Die sozialkritische Variante geht davon aus, daS eine kleine Elite in Gemein- Der liberal-pluralistische Machtbegriff ist hinsichtlich seiner handlungs-
den die politische Macht auf sich konzentriert (vgl. z.B. Mil1s, 1954; Polsby, theoretischen Begründung problematisch, denn es ist anzunehmen, daS es
1980; Gabriel, 1979). Multiple Beteiligung an verschiedenen Organisationen Machthandlungen (entsprechend den elitetheoretischen Hinweisen) gibt, bei
oder subjektive Einschatzung der Macht einzelner Personen, das heiSt: denen Widerstreben nicht sichtbar ist. Widerstreben ist auch genau dann nicht
Rol1enkumulation und Reputation gelten a1s Indikatoren zur Identifikation zu erwarten, wenn sich der Macht Erleidende seiner Schwãche bewuSt ist
der Machtelite. Loka1e Eliten zeichnen sich (in der Weiterentwicklung die- und desha1b nicht handelt (vgl. Offe, 1977).
ses Konzepts durch Bachrach/Baratz, 1970) dadurch aus, daS sie ihre Vor- Probleme beinha1tet jedoch auch der Machtbegriff der sozia1kritischen
machtstellung gegenüber neuen und latentenAnliegen mit derTaktik des non- Community Power Forschung, die in ihrem elitetheoretischen Konzept
decision-making bewahren. Sie nutzen die Fi1termoglichkeiten der Normen- politischeAkteure als Urheber von Normen und Spielregeln sieht, durch die
und Institutionenstrukturen politischer Systeme, um festzulegen, was in die sich die Institutionen des politischen Systems konstituieren. Eine handlungs-
politische Agenda kommt. Der instrumentelle Charakter der Institution zei- theoretische Konzeption institutioneller Strukturen lost diese in strategisches
ge sich, so Schma1s (1982: 108f.), gerade im selektiven AusschluS konkur- Entscheidungs- und Nichtentscheidungshandeln auf, was nicht mehr erlaubt,
rierender Interessen. Die Kritik gilt der Blockierung der neuen Politikinhalte die institutionellen Mechanismen zu erkennen, we1che diesen Eliten die
durch den hegemonia1en Anspruch in der Politikformulierung der sich aus den Moglichkeit gibt, strategische Entscheidungen zu treffen.
eigenen Reihen reproduzierenden Elite. l Ein Ausbau dieser handlungstheoretischen Konzeption deutet sich bei
Die Faktoren der Konstitution von Macht finden sich in der Interessen- Bachrach und Baratz an, deren zweites Gesicht der Macht, die Strategie des
struktur der dominanten Akteure.2 Das gegenseitige Einverstandnis der non-decision-making und die damit verbundene Filterung von Interessen und
dominanten Akteure darüber, daS das okonomische Wachstum der Stadt Anliegen, als Systemstruktur verstanden werden kann. Neuere Untersuchun-
gefOrdert werden muS, führt zur Bildung von loka1en Elitekartel1en und gen in der Tradition der Community Power Forschung von Stone (1985) oder
Wachstumskoalitionen, 3 die mit dem Argument der Arbeitsplatzsicherung, Henig (1986) nahem sich ebenfalls einem strukturellen Machtbegriff:
beziehungsweise Arbeitsplatzentwicklung, als vera1lgemeinerungsfahiges • Stone versteht Macht als Moglichkeit, die soziale Umgebung, in der
Interesse groBe Teile der lokalen Gemeinschaft hinter die Wachstumsstrategie Akteure handeln, strukturieren zu konnen. Dieses Machtverstandnis
scharen. 4 impliziert, daS Akteure unerwünschte Resultate ihrer Interaktionen ak-
Die liberal-pluralistische Variante der Community Power Forschung faSt zeptieren. Die Akzeptanz unerwünschter Folgen erfolgt nach Stone indi-
Macht als kausales Entscheidungshandeln von Individuen auf, die ihre rekt über nicht durchschaute Interessenstrukturen, über vielfaltige
Pduerenzen gegenüber anderen duchzusetzen trachten. Der Wille, Macht Ursachenzusammenhange oder über zeit1iche Verschiebungen, so daS
auszuüben und das Widerstreben des Macht Erleidenden sind die notwen- diese Folgen nicht eindeutig bestimmten Ereignissen oder Akteuren zu-
digen Handlungen, die es erlauben, eine politische Führung zu identifizie- geordnet werden konnen. Komplexe Umwelten werden in diesem Sinn
ren. Die politische Führung ist nicht mehr eine Machtelite, sondem eine von Akteuren a1s kontingente Umwe1ten wahrgenommen. 5
Pluralitat von zielorientierten und stimmenabhangigen Akteuren. Die poli- • Henig (1986: 233 und 242) stel1t eine Veranderung der Mobilisierung in
tische Partizipation und der EinfluS der Akteure der Wirtschaft wird a1s Kon- Stadten fest. Er führt diese auf institutionelle Veranderungen und kom-
sequenz ihrer zentralen Bedeutung für die Wohlfahrt und Entwicklung der plexere politische Interventionen und Strategien zurück, die auf die
Gemeinde interpretiert und flieSt in die Meinungsbildung der letztlich ent- Mobilisierungspotentia1e der BevOlkerung einwirken; insbesondere die
scheidenden Wiihler ein. Die Wahlen werden dadurch zu handlungsleitenden sozia1en und funktionalen Segregationstendenzen in urbanen Rãumen
Orientierungen der Entscheidungstrager, deren Politik in Anbetracht kon- unterlaufen die politische Offentlichkeit und führen zu einer Trennung
kurrierender Politikmuster vom Wiihler beurteilt wird (Vgl. Dahl, 1962; von Politik und Gesellschaft.
ShlaylRossi, 1981: 279; Waste, 1986: 16f.).
r
10 Stadtentwicklungspolitik zwischen Demokratie und Komplexitiit Theorie und Methode: Stadtentwicklungspolitik als Untersuchungsfeld 11

Zwar schwãchen diese Versuche die in der Community Power Forschung ohne Fãlle in ihrer Eigenkomplexitãt und -dynamik rekonstruieren zu kon-
beinhaltete handlungstheoretische Perspektive ab, ergiinzen jedoch diese nen.
nicht mit einer systemtheoretischen Sichtweise, die Handeln in Systemen Die Kritiken an diesem Ansatz wurden sehr früh laut: So bezeichnete
ana1ysiert (wie auch Gottdiener, 1987 festhalt). Doch erst mit dem Einbezug Grauhan diese Ansãtze a1s »Output-Forschung, die in groBem MaBstab Daten
eines »dritten Gesichts der Macht«, wie Lukes (1974) vorschlãgt, wãre die über kommuna1e Ausgaben (a1s outputs des kommuna1en politischen Sy-
Community Power-Diskussion weiter zu bringen (vgl. auch Gottdiener, stems) untereinander und mit sozio-okonomischen Strukturdaten statistisch
1987). Dieser Vorschlag analysiert die Selektivitãt von Verfahren nicht nur zu korrelieren sucht, um daraus Schlüsse für die Selektivitãt lokaler Poli-
unter dem Aspekt der bewuBten Selektion a1s strategisch eingesetzter Macht tiken zu ziehen« (Grauhan, 1975: 35), wãhrend Siewert (1982: 24) vor a1lem
(dem »zweiten Gesicht der Macht«), sondem auch unter dem Aspekt der auf die fehlenden Bezüge zwischen der loka1en Ebene und überloka1en Struk-
latenten Selektion a1s struktureller Macht (das »dritte Gesicht der Macht«). turen hinwies. Hartwich (1985: 3) betonte dagegen die Gefahr, in der tech-
Über das strukturelle Machtverstãndnis a1s Ana1ysedimension erhãlt die nischen Ausrichtung dieser Ansãtze »blinde Flecke« in bezug auf norma-
Community Power Forschung die ihr fehlende systemtheoretische Sicht- tive Fragen zu erzeugen und strich die mangelnde »Theoriefáhigkeit« her-
weise, die sie jedoch nicht weiter entwickeln wird (Offe, 1977: 22). aus.

1.2 Funktionalistische Ansiitze 1.3 System- und Gesellschaftsanalysen


Die in den sechziger und siebziger Jahren stattfindende systemtheoretische Die Versuche in der Stadtforschung der siebziger und achtziger Jahre, die
Verflüssigung des Machtbegriffs und die technokratische Wende in der Stadt- funktiona1istische Vereinseitigung der Ana1yse zu überwinden, erfolgen in
forschung kann sowohl als Reaktion auf die in eine Sackgasse geratene verschiedenen Formen von System- und Gesellschaftsana1ysen. Die wich-
Community Power Forschung wie als Versuch der Vereinheitlichung der tigsten Konzepte sind, geordnet nach ihrem wissenschaftsrelevanten Auf-
Sozialwissenschaften, »ohne handlungstheoretische Elemente in sie einzu- treten, Theorien des Krisenmanagements, Theorien zur relativen Autono-
bauen« (Friedrichs, 1977: 38; vgl. auch Friedrichs, 1980), verstanden wer- mie des lokalen Staates und Theorien zum lokalen Korporatismus.
den. 6
Die lokale Politikforschung der funktionalistisch-technokratischen 1.4 Krisenmanagement
Richtung lost loka1e politische Systeme aus ihrer gesellschaft1ichen Einbet-
Im AnschluB an Adomo reflektiert Offe (1975) die lokale Ebene als
tung und arbeitet vor allem vergleichend. Diese Ansãtze, die von
instrumenta1isiertes Glied im Krisenmanagement der siebziger J ahre, die als
Hãussermann und Krãmer-Badoni (1980) polemisch als »Stadtsoziologie
politisches Systemkeine eigene Identitat besitzt (vgl. auch Rodenstein, 1974
mit der MeBlatte« bezeichnet werden, haben ihren Beitrag zur Stadt-
und 1987). Offe halt mit seiner Negierung einer lokalen Identitat im Begriff
forschung dadurch geleistet, indem in den siebziger Jahren ein umfangrei-
der »nationa1en Agglomerationspolitik« Adomos und Horkheimers Befund
ches Datenmaterial erarbeitet wurde, das a1s Strukturdaten der Bi1dung von
zwanzig Jahre früher für überholt. Diese sahen nãmlich »die Nivellierung
Normalitãtsverstãndnissen von Stãdten dienlich ist. Das Ziel dieser
historischer Differenzen durch eine nationa1-egalitãre Form der Vergesell-
Forschungsrichtung, einen direkten Bezug zur kommunalpolitischen Pra- schaftung« in Europa noch nicht rea1isiert (Offe, 1975: 305). Das Argument
xis herzustellen, hãtte vor allem durch die Übertragung der Verwaltungs-
Offes, daB die lokale Ebene über die fodera1istische Aufgabenteilung im
und Wirkungsforschung auf die kommuna1e Ebene geschehen sollen (vgl.
politischen System instrumenta1isiert werde, findet in der angelsãchsischen
HellsternlWollmann, 1978). Diese Absicht einer positivistisch verfahren-
Literatur Entsprechungen. Duncan, Goodwin und Halford schreiben dazu:
den Stadtsoziologie einen Praxisbezug herzustellen konnte jedoch nicht
verwirklicht werden, denn die Aggregatdaten lieferten zuviel common Die Entwicklung staatlicher Institutionen, welche in diese autonomen wie
sense Wissen oder nicht umsetzbares hypothetisch formuliertes Wissen, sozialen Systeme eingreifen, ist ein Mittel, durch das Kapitalisten ihre Umwelt
12 Stadtentwicklungspolitik zwischen Demokratie und Komplexitiit Theorie und Methode: Stadtentwicklungspolitik als Vntersuchungsfeld 13

zu regulieren versuchen. Da diese Systeme rãumlich konstituiert und Durchsetzung kapitalismuskritischer Interessen, die Widerspriiche im Be-
differenziert sind, benõtigen auch staatliche Systeme spezifisch lokale reich der Reproduktion der Arbeitskraft thematisieren. Seine vier Ausgangs-
Dimensionen (Duncan/GoodwinIHalford, 1987: 14). thesen besagen:
Gemeinsam ist diesen Ansatzen der Versuch, die Funktion und die instru- l The City is a social product resulting from conflicting social interests and
mentelle Einbettung der kommunalen Ebene innerhalb ausdifferenzierter values.
moderner Megasysteme zu bestimmen. Vernachlassigt wird in diesem Sinn 2 Because of the institutionalization of socially dominant interests, major
eine Analyse des Beitrags der lokalen Ebene als relativ autonomen Teil des innovations in the city's role, meaning, and structure tend to be the outcome
politischen Systems, der in dieser spezifischen Funktionsteilung eigene Wege of grassroots mobilization and demands. When these mobilizations result in
the transformation of the urban structure, we call them urban social movements.
gehen kann. Die sachzwanginduzierte Beschrãnkung des lokalen Staates als
3 Yet the process of urban social change cannot be reduced to the effects
unterster Ebene des Krisenmanagements auf Funktionen der Verarbeitung
produced on the cíty by successful social movements. Thus a theory of urban
und Vermeidung von Konflikten, wie Offe (1972, 1972a) und Grymer (1979) change must account both for the spatial and social effects resulting from the
beschreiben, ist zwar durchaus eine der relevantesten Aufgaben des lokalen action of the dominant interests as well as from the grassroots' altemative to
politischen Systems; 7 sie vergiSt jedoch die gerade auf lokaler Ebene dieser this domination.
Tendenz entgegentretende Funktion der Stadt als hmovationszentrum. Lokale 4 Finally, although class relationships and class struggle are fundamental in
politische Systeme kõnnen nicht nur in ãhnlichen strukturellen Situationen understandig urban conflict, they are not, by any means, the only primary
verschiedene Wege beschreiten;8 sie beruhen auch auf verschiedenen kul- source of urban social change. The autonomous role of the state, the gender
turellen Traditionen, die oft das politische System entscheidend beeinflus- relationships, the ethnic and national movements, and movements that define
sen. 9 themselves as citizen, are among other altemative sources of urban social
change (Castells, 1983: 291).10
1.5 Die relative Autonomie des lokalen Staates Die Stadt erhãlt die »historische Aufgabe« der Weiterführung der
Theorien der relativen Autonomie des lokalen Staates nehmen diese Elemente Kapitalismuskritik über neue soziale Bewegungen. Die historische Aufga-
auf unterschiedliche Weise auf. Sie teilen den verschiedenen Ebenen der be besteht darin, aus der Kritik der »Erfahrungsverhaltnisse« in ihrer ge-
staatlichen Organisation eigene, konkurrierende und oft antagonistische sellschaft1ichen Bedeutung und als Geltungsanspruch, das Potential der
Interessen zu. Im Gegensatz zu den Theorien der nationalstaatlichen Infragestellung der international organisierten Produktionsverhãltnisse und
Instrumentalisierung der lokalen Ebene, die das Verhaltnis zwischen loka- der nationalstaatlich festgelegten Machtverhãltnisse zu entwickeln. Die
ler und nationaler Ebene vor a11em im Bereich des Vollzugs untersuchen, neuen sozialen Bewegungen ermõglichen, das Bestimmungsverhaltnis von
konzentrieren sich diese Theorieansatze auf den Bereich der Entstehung von oben nach unten umzukehren, das Primat der Erfahrung gegenüber der
Politikarenen und der Politikformulierung. eindimensionalen Information und das Primat des Gebrauchswertes gegen-
Ein wichtiger Vertreter dieser Idee ist Castells (1983). Er versteht die Stadt über dem Tauschwert durchzusetzen (Castells, 1983: 305ff.).
als Ort der »kollektiven Konsumtion« und der Reproduktion der Arbeits- Auch Lojkine (1977) sieht auf lokaler Ebene spezifische Chancen für
kraft und beurteilt stadtische Konflikte vor allem als Auseinandersetzungen oppositionelle Bündniskonstellationen zwischen Arbeiterklasse und nicht-
um Klassenpositionen. Dabei ist der Aspekt wichtig, daS neue Akteure, wie monopolistischen Kapitalfraktionen. Die Konflikte werden jedoch im Ge-
die sozialen Bewegungen auf lokaler Ebene, aus diesen Konflikten hervor- gensatz zu Castells nicht durch soziale Bewegungen initiiert und ausgetra-
gehen und oppositionelle Koalitionen entstehen. Die Konflikte betreffen vor gen, sondem unter »Notabeln« des lokalen Staates, die in ihrer ambivalen-
allem die Sphãre der Reproduktion der Arbeitskraft, aber auch die Siche- ten Funktion als »Sprecher« für lokale Interessen und zugleich als
rung der kulturellen Identitat von Akteuren, die lokale Kultur als Gemein- »Schaltstellen« für die Durchsetzung zentra1staatlicher Interessen fungie-
schaft oder die lokale Autonomie. Die lokale Ebene wird zum Ort der ren. Die Durchsetzungschancen von Interessen zur Verbesserung der Le-
14 Stadtentwicklungspolitik zwischen Demokratie und Komplexitiit Theorie und Methode: Stadtentwicklungspolitik als Untersuchungsfeld 15

bens- und »Erfahrungsverhãltnisse« sind allerdings generell durch die Cawson (1986: 119) und King (1985: 225f.) betrachten die Entwicklung
Knappheit kommunaler Ressourcen infrage gestellt und lokalspezifisch neokorporatistischer Regulierungsformen auf kommuna1er Ebene in dieser
vou politiscben Traditionen wie der sozia1en Zusammensetzung der Bevõl- Logik als Verschiebungen der Verhandlungsebene vom N ationalstaat zu
kerung abhangig. unteren Ebenen der Staatsorganisation. 11 Beide Autoren argumentieren dazu
Von Saunders (1981) stammt eine weitergehende Analyse der relativen anhand des englischen Beispiels, das stark von Deregulationsprogrammen
Autonomie des loka1en Staates, we1che das Verhãltnis zwischen nationaler der konservativen Regierung geprãgt ist, die zu bedeutenden Aufgaben-
und loka1er Ebene im Konzept der »dua1en Politik« umfaBt, die den verschie- verschiebungen führten (vgl. auch Stoker, 1988). In England wurde die Ent-
denen fõdera1en Ebenen verschiedene politische Inha1te, Politikformen und wicklung neokorporatistischer Verhandlungsstrukturen auf lokaler Ebene
handlungsleitende Ideologien zuschreibt. Auf nationalstaatlicher Ebene besonders dadurch begünstigt, daB den Handelskammern ehema1s õffent-
werden nach Saunders eher Produktionsprobleme und Klassengegensãtze liche Aufgaben wie die Fõrderung der Ansiedlung neuer Unternehmen
über neokorporatistische Politikmuster reguliert, wãhrend auf loka1er Ebe- zugewiesen wurden. Die darnit verbundene Zuteilung õffentlicher Mittel und
ne Probleme des Konsums und der Versorgung auftauchen, die in plurali- wirtschaftspolitischer Funktionen fõrderte die Notwendigkeit der Ko-
stisch-konkurrenzhaften Formen ausgetragen werden (vgl. dazu Hãusser- ordination mit dem lokalen Staat und verstãrkte deren EinfluBmõglichkeiten
mann, 1991: 52f.). im lokalen politischen System.
Alle drei Autoren streichen zentra1e Elemente der lokalen Ebene hervor, N eokorporatistische Arrangements finden sich gemãB den meisten Auto-
gehen jedoch in ihrem Zuordnungsdeterminismus meines Erachtens zu weit. ren vor allem im Bereich wirtschaftlicher RegulierungsmaBnahmen. Der
Insbesondere die Hervorhebung einzelner Akteure und einzelner Verfahren lokale Staat und die lokalen Wirtschaftsverbãnde werden jedoch nicht a1s
wird der Dynamik der lokalen Politik, der national unterschiedlichen Aus- antagonistische Akteure beschrieben, sondern, ãhnlich wie bei Dornhoffs
gangslagen wie der historisch verschiedenen Phasen der Stadtpolitik nicht Logik der»Wachstumsmaschine«, als Partner im Kampf gegen Arbeitslosig-
gerecht. Den gleichen Mangel weist die in den achtziger Jahren auf die loka1e keit und Rezession, die durch den Willen, stãdtisches Wachstum zu fõrdern,
Ebene übertragene Neokorporatismusdiskussion auf, die sich oft zu stark miteinander verbunden sind. Die Integration von loka1em Staat und Wirt-
auf eine unter vielen Steuerungsvarianten in der Stadtpolitik fixiert. schaftsverbãnden führt deshalb über das loka1e neokorporatistische Arrange-
ment zur Bildung eines neuenAkteurs mit spezifischen Interessen gegenüber
1.6 Lokaler Korporatismus dem Nationa1staat und in der Stãdtekonkurrenz (vgl. King, 1985: 227f.;
Erst seit wenigen Jahren ist das Neokorporatismus-Konzept Teil der tradi- Hernes/Selvik, 1981: 121). Der Gemeinde gelingt diese Interessenwahr-
tionellen Stadt- und Gemeindeforschung und figuriert unter der Etikette nehmungjedoch nur, wenn sie relativ autonome Staatsstellen entwickelt (oder,
»Loca1 Corporatism«, weswegen die Anwendungen dieses Konzepts noch wie in stark fõdera1istisch geprãgten politischen Systemen, von vornherein
nicht sehr weit gediehen sind. Generell wird der loka1e Korporatismus a1s besitzt), we1che die Wahrnehmung der Interessenreprãsentation gegenüber
neues Politikmuster auf loka1er Ebene beschrieben, dessen Entstehungs- anderen fõderalen Ebenen oder konkurrierenden Stãdten erlaubt (Cawson,
bedingungen in verãnderten überloka1en Rahmenbedingungen zu finden sind. 1985: 146 und 1986: 121). Bestehtdiese institutionelleAutonomie nicht, fehlt
In diesen Ansãtzen erscheint die Einrichtung loka1er neokorporatistischer der Nutzen derneokorporatistischen Konsens- und Entscheidungsfmdung auf
Gremien a1s Reorganisationsversuche nationaler Regierungen, die infolge lokaler Ebene, die ihren Sinn erst in der Entwicklung gemeinsamer Interes-
anhaltender Rezession in den acbtziger Jahren mehr und mehr früher in sen erhãlt, die gegenüber dem Nationalstaat und im Stãdtesystem vertreten
nationa1staatlicher Kompetenz erfüllteAufgaben auf die loka1e Ebene über- werden kõnnen. Im Mangel an Reprãsentationsmõglichkeiten der loka1en
tragen, was den Steuerungsbedarf aufkommuna1er Ebene erhõht (vgl. Bauer, Ebene gegenüber anderen fõdera1en Ebenen in Italien sieht - entsprechend
1983;Cawson, 1985: 129f.;Dunleavy, 1980: 133; Hernes/Selvik, 1981: ll1f.; dieser Logik - Trigilia (1985) die Begründung des seltenen Auftauchens neo-
12
Savitch, 1988; Wollmann, 1986: 98). korporatistischer Arrangements auf dieser Ebene.
16 Stadtentwicklungspolitik zwischen Demokratie und Komplexitat Theorie und Methode: Stadtentwicklungspolitik als Untersuchungsfeld 17

Die Folgen neokorporatistischer Interessenvermittlung auf lokaler Ebene im Sozialsektor, ganz fehlen). Insbesondere ist der Gegensatz Kapital-Ar-
werden vor a1lem in der Umwandlung der Stadtplanung in tauschformige beit abgeschwãcht, und es finden sich im Gegenteil eher Interessen-
Ware gesehen. Stadtplanung dient nicht mehr der Forderung der harmoni- konvergenzen zwischen Kapital und Arbeit (oft in Koalition gegen andere
schen Stadtentwicklung, sondem wird dazu mi8braucht, partikulare Interessen, wie die Studie weiter unten zeigen wird).
Investitionsinteressen mit dem Ziel der ErhOhung der wirtschafltichen Ver-
wertung stadtischen Bodens gegeneinander auszuspielen. Insbesondere im 1.7 Zur politologischen Stadtforschung
Falle starker Wirtschaftsverbãnde auf lokaler Ebene verformen, wie Die politologische Stadtforschung, wie sie hier sicher in verkürzter Weise
Simmie (1981 ;1985) feststellt, neokorporatistische Arrangements den Sinn dargestellt wurde, entwickelt eine Vielzahl von Betrachtungsweisen zur
der Planung und Landzuweisung, die dadurch okonomischen und nicht Frage, wie der loka1e Staat kollektives Handeln organisiert: Die Community
planerischen Rationalitãtsstandards unterstellt und von demokratischen Power Forschung betont vorwiegend klientelistische oder parlamentarische
Mechanismen der Entscheidungsfindung abgekoppelt wird (vgl. auch Muster der Steuerung; die Theorien des Krisenmanagements zeigen die
Cawson, 1985: 146f.).B Einbettung der lokalen Ebene in überregionale und staatliche Strategien; die
Verschiedene Kritiken wurden bereits an der Übertragung des Neo- Theorien der relativen Autonomie des lokalen politischen Systems weisen
korporatismus-Ansatzes auf die lokale Ebene formuliert: Ein Problem be- auf die Agglomerations- und Verflechtungsprobleme, die kommunale
steht in der Betrachtung der Integration von Akteuren in Verhandlungs- und Planungsautonomie und die Bedeutung der sozia1en Bewegungen im Kon-
Austauschgremien a1s Inkorporation von Interessen (vgl. z.B. Dion, 1984 text Stadt hin; schlie8lich betont die Diskussion um den lokalen
oder HeinzeNoelzkow, 1991). Problematisch an dieser Inkorporierungsthese Korporatismus die Problemlosungen in Kooperation zwischen privaten und
ist, wie Bauer (1991) festhãlt, die mangelnde Sicht auf neokorporatistische offentlichen Akteuren (vgl. die zusammenfassende Tabelle 1).
Arrangements a1s neue Politikstrukturen und Regelungsmodi in ihrer inno- Es sind Beschreibungen, die wichtige Phãnomene der Stadtpolitik der
vativen Funktion. Denn die Einführung so1cher Verhandlungsstrukturen zielt letzten vierzig Jahre ansprechen sowie die zentralen, in dieser Zeit geführ-
meistens nicht nur auf die Kooptation und damit die Stabilisierung von neuen, ten Diskussionen in der politischen Theorie, die mit den Stichworten »Tech-
gegnerischen oder kritischen Akteuren, sondem ganz im Gegenteil auf den nokratie«, »Unregierbarkeit« und »Neokorporatismus« nur angedeutet wer-
Einbezug des innovativen Potentials dieser Akteure. den sollen, widerspiegeln. 15 Sie bestãtigen die Feststellung, daS die etablier-
Auch führt die fehlende Gesamtsicht über das in seiner Komplexitãt von ten Muster der Konfliktlosung nicht mehr den notigen Steuerungs- und
der loca1 corporatism-Forschung unterbewertete lokale politische System Legitimationsbedarf liefem. Stichwortartig sind die zentralen Phãnomene:
zu einer verkürzten Sichtweise auf das Regelungs- und Steuerungsnetzwerk • die Entmachtung des Parlamentes;
der lokalen Ebene; anstelle einer Betrachtung der neokorporatistischen • die klientelistische Unterwanderung der Stadtpolitik;
Arrangements a1s weiterer Ausdifferenzierung des loka1en politischen Sy- • die an der interkommunalen Konkurrenz gescheiterte interkommuna1e
stems, werden diese a1s Altemativen zu anderen Regelungs- und Steuerung- Koordination;
sformen gesehen. Dies führt auch dazu, da8 in den bisherigen Analysen die • die Untergrabung der kommunalen Planungsautonomie durch national-
Verkoppelung von verschiedenen zentra1en Verfahren als Strategie der an staatliche Politiken und überkommunalen wirtschaftlichen Zusammen-
neokorporatistischen Verhandlungen beteiligten Akteure unterbeleuchtet hãngen;
wird. • die selektive Wahmehmung von Interessen und die fehlende demokrati-
Eine weitere Schwãche der bisherigen Übertragungen des Neo- sche Basis neokorporatistischer Arrangements.
korporatismus-Modells auf die loka1e Ebene besteht darin, da8, wie Wind- Die beschriebenen theoretischen Ansãtze beschrãnken sich meines Erach-
hoff-Héritier (1989: U5f.) hervorhebt, eine Reihe konstitutiver Elemente tens jedoch zu stark auf ausgewãhlte Dimensionen und werden dadurch der
des ursprünglichen Modells 14 nur in geschwãchter Form auftreten (oder, wie Komplexitãt der Stadtpolitik zu wenig gerecht. Insbesondere zwei Mãngel,
18 Stadtentwicklungspolitik zwischen Demokratie und Komplexitat Theorie und Methode: Stadtentwicklungspolitik als Untersuchungsfeld 19

TabelIe 1: Zentrale Inhalte, Akteure und Regeln in den korporatismusforschung; sie versucht jedoch über die Integration eines neuen
besprochenen Theorieansãtzen Ana1yseelements - die Notwendigkeit sprachlicher Verstiindigung zwischen
den an der Stadtpolitik betei1igten Akteuren zur Herstellung kollektiven
Handelns - die Brücke zwischen Ausgangssituationen und Ergebnissen von
Inhalte Akteure Regeln Stadtpolitik zu schlagen.
Ansãtze Zum anderen hat die politologische Stadtforschung zuwenig die Einbet-
Liberal-pluralistische Konkurrenzie- tung ihres Gegenstandes in die urbanistische Diskussion berücksichtigt. Eine
Variante der Community rende Programme Parteien Wahlen Konzeptualisierung des urbanistischen Diskurses aus politologi-scher Sicht
Power Forschung von Parteien ist vor a11em desha1b wichtig, weil sie in der Konstruktion der strategischen
(Dahl)
Optionen der kommuna1en Akteure eine zentrale Rolle spielt. Zum Beispiel
Sozial-kritische kann der Übergang von der Planlogik zur Projektlogik in der Stadt-
Variante der Community Wirtschafts- Machtelite Non-decision- entwick1ungspolitik der achtziger Jahre nicht a11eine über das Scheitem der
Power Forschung wachstum making Plãne erk1art werden; denn eine zentia1e Rolle spieIt dabei der an Gewicht
(Mills, BachrachIBaratz)
gewinnende Diskurs der Postmodeme in der Architektur und in der Stadt-
Funktionalistisch- Allokation wohl- und Raumplanung, der die Projektlogik über die Planlogik stellt.
technokratische lokale fahrtsstaatlicher Regierung und Technische
Politikforschung Programme Verwaltung Verfahren 1.8 Analytisches und methodisches Vorgehen
(Friedrichs)
Die diese Untersuchung leitende Intuition sieht in den Verstãndigungs-
Theorien des Lokal auftretende Offentliche und prozessen zwischen den kollektiven Akteuren in Entscheidungssituationen
Krisenmanagements gesellschaftliche pri vate Akteure Krisenmanage- nicht nur die Konfrontation zur Selektion der Strategien der machtigsten
auf lokaler Ebene Krisen auf überlokaler ment
(Offe) Ebene
Akteure, sondem auch eine kommunikative Auseinandersetzung, die - viel-
leicht nur in einem geringen, aber keineswegs unbedeutenden MaS - auf die
Theorien der relativen Protest, Identitaten der Akteure einwirkt, indem sich diese Identitaten verãndem und
Autonomie des lokalen K1assen- Neue Soziale Konkurrenz um - findet kein »exit« eines bedeutenden Akteurs und darnit ein Abbruch der
Staates gegensãtze Bewegungen Machtpositionen
(Castells, Lojkine) Entscheidungsfmdung statt - annahem. Erst diese Annaherung erlaubt mei-
nes Erachtens gemeinsarnes Handeln verschiedener kol1ektiver Akteure.
Wirtschafts- Diese Annahme erlaubt, sich von den plura1istischen Theorieansiitzen abzu-
Lokaler Korporatismus Wirtschafts- verbãnde und Aushandlung setzen, indem nicht über ein individua1isierendes Model1 das Handeln der
(Cawson) wachstum lokaler Staat
Akteure erk1art wird. Mit dieser Annahme kann aber auch ein struktura1is-
tischer KurzschluS verhindert werden, da mit dem Grundelement der Inter-
aktion immer Struktur undHandeln in einer dynarnischen Sicht gleichzeitig
auf deren Überwindung die folgende Untersuchung besonders achten wird, angesprochen werden konnen (vg1. Donati, 1991).
müssen herausgestrichen werden: Diese in Interaktionen erzeugte Komplementaritiit und gemeinsarne Iden-
Zum einen fehlen diesen Theorien jene Elemente, die, über die Interessen- titat zwischen gesellschaft1ichen Akteuren wird bisher in der
logik in der Stadtpolitik hinausgehend, das Entstehen von kollektivem Neokorporatismus-Forschung vor a11em unter zwei Aspekten diskutiert:
Handeln erkHiren konnten. Die vorliegende Untersuchung orientiert sich zwar • Einerseits wird der Charakter der Einbindung der Akteure in Verhandlungs-
an den dargestellten Diskussionen und insbesondere an der Neo- gremien festgestel1t. Diese Einbindungen bezeichnet Streeck (1982: 62-
20 Stadtentwicklungspolitik zwischen Demokratie und Komplexitiit Theorie und Methode: Stadtentwicklungspolitik als Untersuchungsfeld 21

72) als »Entideologisierungen«, womit verkannt wird, daS der Vorgang sowohl auf die Identitat der sich bildenden Projektgemeinschaft (3) wie auf
der Identitatsbildung in neokorporatistischen Gremien, bei dem sicher- die zukünftigen Strategien der einzelnen kollektiven Akteure (4) zurück. Die
lich ideologische Abkoppelungen zwischen der im Gremium aktiven Veranderung von Identitaten und Strategien erzwingen dauemde Ab-
Organisationselite und deren Basis stattfinden, zu neuen ideologischen stimmungsprozesse zwischen der nach innen und der nach au8en gerichte-
Referenzen führen, deren »Ideologiegehalt« nicht voraussehbar ist. 16 ten Aktionslogik von kollektiven Akteuren (5).
• Andererseits wird der Vorgang des sich über den ProzeB der Konsens- Um dieses generelle Modell umzusetzen, bediente ich mich einerseits einer
bildung stabilisierenden Elitekartells unterstrichen, das eine eigene Iden- sinnverstehenden Methode (a) und andererseits eines relativ offenen ana-
titat in relativer Autonomie von der vertretenen Organisationsbasis und lytischen Konzepts (b). .
der politischen Offentlichkeit ausbildet. 17 ad a) Die sinnverstehende Methode, die in dieser Untersuchung m erster
Der hier im Vordergrund stehende Aspekt der Identitãtsbildung als Binde- Linie über ein hermeneutisches Verfahren der Interpretation von mit qua-
glied zwischen partikularen Strategien von kol1ektiven Akteuren und gemein- litativen Interviews erhobenen Daten umgesetzt wurde, drãngte sich für die
samen Handeln dieser Akteure wurde jedoch bisher nicht genauer beleuch- Analyse der Identitaten und Strategien der an
tet. Das generelle Modell, das dieser Untersuchung zugrunde liegt, konnte prozessen beteiligten Akteuren auf. Damit konnten über inte:akt1?ns-
in verkürzter Form etwa wie in Abbildung 1 dargestellt werden. vermittelte Nahe zu Kontexten partikularer Lebenswelten Texte 1m Smne
Kollektive Akteure verfolgen ein Projekt und sind darauf angewiesen, protokol1arisch festgehaltener Lebenspraxis produzier:
dieses mit anderen Akteuren abzustimmen, sei es, weil es alleine nicht durch- handlungsentlastet in bezug auf den untersuchten Kontext m emer theone-
setzbar ist und Partner benotigt werden, sei es, weil andere Akteure das überprüfenden und theorieproduzierenden Einstellung interpretiert werden
gleiche Projekt anvisieren. In den Abstimmungsprozessen bildet sich eine konnten (Schütz, 1971: 45f.). In den Texten zeigten sich sowohl die für die
akteurübergreifende Identitãt (1), die erst ermoglicht, gemeinsam dasselbe Stadtentwick1ungspolitik relevanten Gegenstãnde, als auch die Diskurse (die
Projekt zu verfolgen (2). Als feedback wirkt dieses gemeinsame Vorgehen Rechtfertigungszusammenhange), die darüber geführt wurden. Die Texte
erlaubten eine Rekonstruktion
• der Ereignisse, wie sie die Interviewten erlebt hatten (wie zum Beispiel:
Abbildung l: GenerelIes ModelI »ich habe y gesagt, worauf der andere x geantwortet hat«),
• der subjektiven Erfahrungen (»ich fühlte mich betrogen«) und
strategisches Abstimmen Spannung in der Abstimmung • der Rechtfertigungen des eigenen Handelns (»weil er x sagte, muBte ich
zwischen kollektiven Akteuren 5 .. zwischen interner und
über Kommunikation externer Akteurlogik y antworten«).18 . .
ad b) Identitat und Verstãndigung als Dimensionen wurden m1t dem relat1v
l offenen Konzept des politischen Spiels analysiert,19 das ein Interaktions-
system zwischen verschiedenen kollektiven beschreibt.
akteurübergreifende litische Spiel ist durch Regeln strukturiert, we1che dle Handlungswe1se 1m
Identitãt zwischen den Spiel bestimmen. Politisch am politischen Spiel ist die Erzeugung kollek-
4 kollekti veu Akteuren
tiven Handelns durch kollektive Akteure. 20 Die charakteristische Ressour-
ce des Tausches im politischen Spiel kann in Anlehnung an Pizzomo (1978)
2 3 21
als Konsens oder Unterstützung bezeichnet werden.
, Mit dem politischen Spiel als Rahmen lassen sich prinzipiell alle Inhalte
kollektives Handeln eines der Politik analysieren. 22 Die Konkretisierung des politischen Spiels findet
'----- »neuen« kollektivenAkteurs t--- über die Auswahl von stadtentwicklungspolitischen Konflikten als Fal1studien
(projektgemeinschaft)
22 Stadtentwicklungspolitik zwischen Demokratie und Komplexitiit Theorie und Methode: Stadtentwicklungspolitik als Untersuchungsfeld 23

und über die Bestimmung von konkreten Situationen als Ereignissen im tionen erneuern, kann davon ausgegangen werden, daB in der situations-
politischen Spiel statt, in denen über Kommunikation kollektives Handeln intemen Definition des Spielinhalts genügend Gemeinsamkeiten und Ahn-
entsteht oder kollektiv bindende Regeln erzeugt werden. 23 Situationen sind lichkeiten zwischen den verschiedenen Akteurlogiken vorhanden sind. 25 Es
zum Beispiel die Sitzung einer gemeinderãtlichen Kommission oder ein kann deshalb vermutet werden, daS Spiele sich stabilisieren, auch wenn keine
informelles Treffen zwischen einem Bauherm, der eine GroBüberbauung Einigkeit zwischen den Akteuren in bezug auf die Abgrenzung des Inhalts
plant, und der Stadtteilgruppe, die sich gegen diese Überbauung wehrt. In besteht; oder eben, daS der Inhalt, der in einer konkreten Situation behan-
beiden Situationen ist erkennbar, deIt wird, einen latenten SinnüberschuB besitzt, der erlaubt, trotz divergen-
• über we1chen Inhalt debattiert wird und in we1chem politischen Zusam- ten Sinnzuordnungen, die Situationen zu stabilisieren, indem der Inhalt von
menhang dieser steht; seiten der beteiligten Akteure auf verschiedene Weise wahrgenommen
• we1che Akteure mit we1chen Strategien und Interessen am Spiel teilneh- werden kann. 26
men (auch in dem sie nicht an der konkreten Situation beteiligt sind); Dieser AbstimmungsprozeB zwischen Akteurlogik und Situationslogik
• we1ches regelhafte Verhalten in diesen Situationen von den Akteuren begleitet die Evolution des politischen Spiels, was den Inhalt des Spiels
abgerufen oder von anderen Akteuren aufgezwungen oder systemisch temporalisiert. Der jeweils aktuelle Inbalt des Spiel wird bei den Akteuren
vorgegeben wird; über die Thematisierung der symbolisch fiir das Spiel stehenden Sinnbilder
• und we1che Verstiindigungsprozesse zu kollektivem Handeln bewegen. abgerufen. In den untersuchten Stãdten heiBen die wichtigsten Sinnbilder
Konkretes Handeln in Situationen bewirkt sowohl die Veriinderung wie die Variante Nord-Ovest in Florenz, Expo 95 in Wien und HB-Südwest in Zürich,
Stabilisierung von Spielen über konkrete Tauschhandlungen, we1che die die je nach Zeitpunkt einen anderen Sinngehalt zugeschrieben bekommen.
Akteure untereinander verbinden. 24 In so1chen Situationen kann in diesem HB-Südwest bedeutet zum Beispiel in den siebziger Jahren ein stãdtebau-
Sinn nachvollzogen werden, wie mittels Entscheidungen oder Nicht-Ent- licher Wettbewerb, anfangs der achtziger J ahre eine Architekturdebatte, ab
scheidungen kollektives Handeln entsteht und wie dieses kollektive Han- 1985 eine Auseinandersetzung um die Zukunft der Stadt.
deln gefáhrdet oder stabilisiert werden kann. Die Untersuchung nahm deshalb die genaue Bestimmung des Inhalts des
Im folgenden sollen die hier angesprochenen Dimensionen kurz erlãutert konkreten politischen Spiels nicht vorweg. Dadurch konnte die zeitliche
werden: EntwickJung der Defmition des Inhalts durch die kollektiven Akteure als
Gruppe und a1s einzelne Akteure im Diskurs der Akteure mitverfolgt werden.
1.9 Der Inhalt des politischen Spiels
Der Inhalt von politischen Spielen wird nicht als objektiver Inhalt in Situa- 1.10 Die Akteure des politischen Spiels
tionen thematisiert. Vielmehr existieren vor den Tauschhandlungen und vor Akteure des politischen Spiels zeichnen sich dadurch aus, daS sie an kon-
der Ausbildung einer Eigendynamik in den Situationen vorgefaBte Defini- kreten Situationen, in denen der Inhalt des politischen Spiels mit der Ab-
tionen der kollektiven Akteure, was Inhalt zu sein hat. Diese vorgefaSte sicht zu beeinflussen diskutiert wird, teilnehmen. Akteure des politischen
Sichtweise kann weitgehend aus der internen Logik der Konstruktion von Spiels sind aucb virtuelle Teilnehmer, die physisch in den Situationen nicht
Orientierungen bei kollektiven Akteuren verstanden werden. reprasentiert sind, deren Priisenz jedoch von den anderen Akteuren virtuel1
Im Laufe der Beteiligung der Akteure an Situationen veriindert sich diese nachvoUzogen wird. Diese virtoelle Teilnahme von Akteuren an Verband-
interne Logik der Bestimmung des Konfliktinhalts. Sie wird ergiinzt durch lungen, Treffen und so weiter komrot sehr hliufig vor und wird oftaucb offen
eine Logik der Situation, in der die Definition des Inhalts in einem kom- deklariert, wenn zum Beispiel die Ergebnisse von Verhandlungen bereits hin-
munikativen ProzeB stattfindet, der alle Akteure (mehr oder weniger) inte- sichtlich der Beurteilung eines nicht anwesenden Akteurs vorwegnehmend
griert. Damit wird der Inhalt von Situation zu Situation zum Spielball der mit diesemAkteur abgestimmt werden. In den dargestellten Fiillen wird sich
Defmitionen und Redefinitionen. Solange Akteure die Teilnahme an Situa- zum Beispiel zeigen, daB einer moglichen Opposition von seiten stiidtischer
24 Stadtentwicklungspolitik zwischen Demokratie und Komplexitiit Theorie und Methode: Stadtentwicklungspolitik als Untersuchungsfeld 25

Bewegungen vorwegnehmend über spezifische Legitimationsstrategien spielen neben informellen Regeln forma1e Regeln wichtige Rol1e.
begegnet wird. oft werden Verfahren wie direktdemokratische Abstlmmungen oder gencht-
Bei diesen virtuel1en Akteuren handelt es sich um reale Akteure. In die- liche Wege zur Losung von Konfli.kten von Akteuren eingeschlagen. Zudem
sem Sinn werden nicht organisierte Akteure als latente Interessenvertreter zeichnet sich die lokal e Ebene durch eine InteIdependenz verschiedener ter-
im politischen Spiel aus der Analyse der Akteure ausgeschlossen. 27 Dieser ritorialer Steuerunasebenen und in diesem SinTI verschiedener Regelungs-
Entscheid, nur Organisationen im weitesten Sinne als Akteure des politischen systeme aus. Es sind immerwenigerPolitikbereiche auszumachen, die alleine
Spiels in die Analyse aufzunehmen, beruht auf der Annahme, daB erst über lokalen Regelungsmechanismen unterstellt sind (vgl. Kloti, 1985: 21); alle
die Organisierung von Interessen (und damit Interessenvertretung), diese am drei ausgew1i.hlten Konfliktfálle sind Beispiele fuI dieseDurchdringung von
untersuchten politischen Spiel handelnd und damit beeinflussend teilneh- Steuerungsebenen der verschiedenen territoria1en Kõrperschaften, welche
men konnen. ei ne hierarchische Eingliederung der jeweils untersuchten Sitnation zur E r-
Das Handeln kol1ektiver Akteure rückt damit ins Zentrum. DieseAkteure, arbeituna derformellen Regelstruktur bedingt.32 Eine Einordnung im insti-
die von wenig formalisierten Bewegungsorganisationen bis zu staatlichen tutionell:n Rabmen derjeweils analysierten Situation ist zum Verstandnis der
Stel1en reichen, verfügen, auch temporal beschrankt, über kol1ektiv erstel1- Regelstrukturen desha1b notwendig (vgl. Marin, 1990: 56).
te Ressourcen und über eine selbstreferentiel1 stabilisierte, für eine sich or- Doch sind die informellen Regeln in ihrer Bedeutung nicht zu untersch1i.t-
ganisierte Personengruppe verbindliche ldentitiit: zen. Insbesondere bei Bauvorhaben tauchen immer wieder Absch1i.tzungs-
• die Ressourcen eines kol1ektiven Akteurs geben weitgehend die Moglich- fragen auf. Auch werden von seiten der Akteure oft
keiten an, in Situationen EinfluB auf den Inhalt des Spiels auszuüben; moralischer Regeln eingenommen, wie diese zum Belsplel lm Shchwort
• wahrend die Identitat eines Akteurs die langerfristigen Ziele und die »Lebbarkeit der Stadte« zumAusdruck kommen konnen (vgl. Wessel, 1983).
zentralen Regeln des Handelns des Akteurs bestimmt (vgl. Heinze, 1981: Informelle Regeln zeigen sich aucb als Tabuisierungen von Themen oder, wie
33
28-53).28 Bei kol1ektiven Akteuren ist das Handeln standig an diese sym- die fol aende Analyse ausführen wird im Sprachgebraucb der Akteure.
bolisch festgelegte Identitat zurückgebunden, was eine Identifikation des DieAnalyse des regelhaften Verhaltens von Akteuren dient dem Verstiind-
Akteurs ermoglicht29 (Melucci, 1985: 239). Die akteurinterne Anbindung nis der Ordnung des politischen Spiels und erlaubt, auf zukünftiges Verhal-
der Veranderung von Identitat unterscheidet sich zum Teil sehr stark von ten zu scblieBen. Regelhaftes Verha1teo aktualisiert in cliesem Sinn st1i.ndig
Akteur zu Akteur. Wahrend zum Beispiel Arbeitgeberorganisationen eher Stroktur. Die Rege1n selbst sind dabei sowohl Medium des Handelns wie
wenig mit internen Abstimmungsschwierigkeiten zu kampfen haben, Resultat der Handlung (Giddens, 1984).
müssen Gewerkschaften die einzunehmenden Positionen norma1erweise
über interne Legitimationsverfahren absichern. 30 1.12 Die Dynamik von politischen Spielen
Politische Spiele lassen sich durch Phasen der Entscheidungsfindung struk-
1.11 Die Regeln des Spiels turieren. Diese Phasen sind durch eine dominante Akteurkonstellation, durch
Die Regeln der politischen Spiele sind analytisch erst über die Rekonstruk- eine dominante darin Anwendung findende Regel und durch eine dominan-
tion des regelhaften Verhaltens von Akteuren in Situationen zu bestimmen. te inhaltliche Bestimmung charakterisiert.
Sie sind al1gemeine Sol1enssatze, »in denen intersubjektiv beziehungswei- So1che Phasen werden durch einen Entscheid eines oder mehrerer Akteure
se sozial verbindliche Anforderungen formuliert werden« (Hopf, 1987: aeneriert, der auf den lnha1t (oder einen Aspekt des Inhalts) des politischen
250).31 Spiels über clie Aktivie rung von Regeln des politisc.hen Bezu? nimmt.
Im regelhaften Verhalten der Akteure drücken sich diese Sol1enssatze a1s Zum Beispiel kann eine Partei eine Phase durch die Aktivterung emes Ver-
Z wange aus, we1che die Situationen, in denen kollektive Handlungsfahigkeit fahrens wie eine Volksabstimmung generieren . Damit wird eine Regel der
generiert werden soll, strukturieren. Im Bereich der Stadtentwicklungspolitik Entscheidungsfindung in politischen Spielen aktiviert, die weit mehr als die
Theorie und Methode: Stadtentwicklungspolitik als Untersuchungsfeld 27
26 Stadtentwicklungspolitik zwischen Demokratie und Komplexitiit

einzelnen Akteurstrategien die RegeIstruktur prágt (vgl. Marin, 1990: 61); und Verstándnis notwendig, was eine Ebene intersubjektiver Gültigkeit
inhaltlich wird die Phase durch das zur Abstimmung kommende Thema ge- erzeugt, mit der sich alle Akteure, bewuBt oder unbewuBt, identifizieren.
prágt; alle an diesem Thema interessierten Akteure entwickeln Strategien Indem in Situationen eine akteurübergreifende Identitát über Sprech-
bezüglich der Beeinflussung des Abstimmungsresultats und konstituieren handlungen hergestellt wird, bekommt die Situation einerseits einen akteur-
dadurch zusammen eine für diese Phase dominante Akteurkonstellation. übergreifenden Sinn, zum anderen erlaubt dies die Herstellung und Verbes-
36
Für diese Phasen erstellen Akteure eine politische Agenda als temporale serung von wechselseitiger Berechenbarkeit und Vertrauen. Erst diese
Strategie; so1che temporalen Strategien sind Ergebnisse von Erwartungen Identitát erlaubt den Akteuren ihre Handlungen zu ordnen und Handlungs-
an das Handeln anderer Akteure und von vermuteten Fremdwahr- folgen abzuleiten (vgl. Luhmann, 1974: 89). Über gemeinsame Identitát
nehmungen. 34 So1cheAgenden verándem sich laufend, doch bestimmen sie integrieren sich Akteure. Sie stabi1isieren Situationen, indem sie die latente
die Dynamik innerhalb der politischen Phase (vgl. E1chardus, 1990). Das situationsvermittelte Identitat als eigene erweiterte Identitat akzeptieren und
Problem der dauemden Veránderung der Agenden áuBert sich in Stádten oft nicht dauemd hinterfragen müssen.
in der Schwierigkeit, die relativ unflexiblen Pláne an veránderte Bedingun- DieAbsicht der Akteure, Tauschhandlungen in Situationen zu vollziehen,
gen anzupassen oder etwa neue Ideen zu integrieren (wie Secchi [1990: 40f.] um strategische Vorteile zu gewinnen, führt dernnach zur Bildung einer
beschreibt). akteurübergreifenden situationsstabilisierenden Identitát.37 Die Notwendig-
Phasen sind dann abgeschlossen, wenn kol1ektiv bindende Entscheidun- keit der Kommunikation zur Umsetzung der Strategie spielt den Akteuren
gen getroffen und durchgesetzt werden. 35 Nach der Abstimmung muB zum deshalb sozusagen einen Streich; indem in Verhandlungssituationen über
Beispiel der Verlierer das Abstimmungsergebnis akzeptieren oder nach an- Kommunikation auch eine gemeinsame Identitát entsteht, tritt neben die
deren Wegen und somit regelhaft verlaufenden Verfahren der Beeinflussung strategische Absicht, die an der Verhandlungssituation beteiligten Akteure
politischer Spiele suchen, die, findet er sie, eventuel1 eine neue Phase aus- auszuspielen, der Wi11e, auch im Dienst der neuen Identitat und des »neu-
lõsen. en« kollektiven Akteurs zu handeln. 38
Analytisch werden Situationen Phasen des politischen Spiels zugeschrie- Neben der Identitatsbildung über Kommunikation führen die Tausch-
ben, in denen Akteure sich bezüglich der ausgelosten Verfahren und der handlungen selbst zur Stabilisierung von Situationen. Mit dem Austausch
dominanten Themen koordinieren. So1che Situationen sind Ausdruck des von Ressourcen unter den am Spiel beteiligten Akteuren entstehen insbe-
Zwangs zu kollektivem Handeln. Eine Phase besteht in diesem Sinn aus einer sondere Tauscherwartungen und Tauschketten, die verschiedene Situatio-
Summe von aufeinander bezogenen Situationen, über we1che die Dynamik nen über die Zeit hinweg verbinden. In Situationen abgegebene Versprechun-
der Phase des politischen Spiels rekonstruiert werden kann. gen werden so zum Beispiel in folgenden Situationen auf ihre Einhaltung
hin überprüft (vgl. Marin, 1990: 43ff.).
1.13 Kollektives Handeln in Situationen Die Bildung akteurübergreifender Identitaten in Interaktionen und die
Tauschketten sind die zentralen Elemente der Erzeugung einer Projekt-
Das Interesse für Situationen erklárt sich damit, daB in Situationen die
gemeinschaft, in der verschiedene Akteure gemeinsam ein Ziel verfolgen
Entstehung und Stabilisierung kollektiven Handelns nachvollzogen werden
kann (vgl. Ceri, 1984: 31). Situationen in politischen Spielen sind dadurch (oder eben kol1ektiv handeln).
definiert, daB sich mindestens zwei am politischen Spiel beteiligte kollek-
tive Akteure über Sprechhandlungen auch unabhángig von ihren Intentio- 2. Die Untersuchung der Stadtentwicklungspolitik:
nen beeinf1ussen. In so1chen Situationen strategischer Koordination entste- Methodische Anmerkungen
hen über Sprechhandlungen in ihrem Zeitbezug, auch nur kurzfristig, ge-
meinsame Identitáten zwischen den Interagierenden. Denn indem ziel- In den folgenden Ausführungen steht das methodische Vorgehen im Vorder-
orientiert miteinander gesprochen wird, wird auch gegenseitiges Verstehen grund. Die Stadtentwick1ungspolitik wurde, wie bereits erwáhnt, durch eine
28 Theorie und Methode: Stadtentwicklungspolitik als Untersuchungsfeld 29
Stadtentwicklungspolitik zwischen Demokratie und Komplexitlit

sinnverstehende Forsehungsstrategie analysiert. Zuerst wurde das theoreti- Grenzen der Untersuchungseinheit, die je nach Fall raum1ich und zeit1ich
sehe Wissen bezüglieh des zu untersuehenden Gegenstandes erarbeitet, was varüerten. Die problemspeziflsch vorgenommene Eingrenzung eignete sich
ein erstes Verstandnis der Stadtentwieklungspolitik. auf einer middle-range besonders zur Analyse von Konflikten. Denn über die Konflikte wurden
Ebene erlaubte. 39 In einem zweiten Sehritt wurde das empirisehe Material ver chledenste Verfahren generiert und abgerufen und Themen- und Inter-
zum Verstãndnis der ausgewahlten Fãlle in ihrer historisehen Dimension zu- essenkomplexe mobilisiert, die zusammen auf die Konfliktbearbeitung
samrnengestellt. In einem dritten Sehritt wurde dieses eher theoretisehe spezialisierte Politik.arenen42 erzeugten.
Wissen über Interviews mit den Akteuren der Stadtentwieklungspolitik. dureh
praktisehes sinnadaquates Wissen ergãnzt. 2.2 Die Datenbasis
Diese Forsehungsstrategie der kontinuierliehen Annaherung an die Die Wahl einer sinnverstehenden Forschungsstrategie beantwortet noch nicht
Untersuehungergebnisse auf den Ebenen des Wissens der Akteure und des die Frao-e wie der Forscher in der Datenerhebung arbeitet. Qualüative
theoretisehen Wissens bediente sich zudem der Mõgliehkeiten des verglei- existieren in einer Vielzahlood sind nicht al
ehenden Vorgehens, in Einzelfallen Typen zu erkennen und fallübergreifend Methoden gegeneinander ausspielbar. Die Auswahl hat vielmehr pragma-
Ãhnliehkeiten festzustellen. tisch zu erfolgen und muB der Struktur des untersuehten Kontextes ange-
messen 43 sein. Zur Erhebung der Daten in den drei unter uchten Stãdten hat
2.1 Definition der Untersuchungseinheit und Auswahl der Fiille sich ein dreistufiges Vorgehen als geeignet erwiesen.
Die Analyse von aktuellen - und in diesem Sinne in ihrem Ausgang oft Die erste Phase besteht in der detaillierten Rekonstruktion der Entstehungs-
kontingenten - politischen Entscheidungsablaufen und Entscheidungs- O'eschichte des Konflikts bis zum letzten zuganglichen Ereignis. Da Zie11st
situationen ermõglicht in der Regel nicht die Analyse einer reprasentativen chronologische Rekonstruktion aller Ereignisse auch indirekt
Auswahl von Fãllen noch eine vor der Untersuchung vorgenommene ge- Bildung des Entscheidungsprozesses beigetragen haben.
naue Abgrenzung der zu beobachtenden Ereignisse. 40 Eine Hilfskonstruk- beruht weitgehend auf schrift1ichen QueUen . Besonders wlchtlg lst der Zu-
tion, die beide Probleme überwinden hilft, ist die bewuBte Auswahl von O'anO' zu offi.ziellen Dokumenteu wie Verlautbarungen der stãdtischen Regie-
wenigen »Politikniederschlagsgebieten« (vgl. Knoepfel, 1987: 7). Damit Sitzungsprotokolle von Kornmissionen. Ratsdebatten so
wird versucht, die Fãlle nicht nach reprãsentativen Gesiehtspunkten sondem Nicht zu unterschatzen ist der Infonnationswert der lokalen Zeltungen. dle
gemãB ihrer Bedeutsarnkeit auszuwahlen. oft bereits die ideologische Basis des Konflikts
Das bedeutete für die Auswahl der FaHe, daS diese durch einen stadt- ter und Experten waren als mündliche Quellen in allen drel Stãdten wlchtl-
entwicklungspolitisch relevanten Konflik.t gekennzeichnet sein muBten, der ue in die Problemati.k einfuhrende ond die Problematik erganzende lnfocrnan-
empirisch zugãnglieh war. Es sollte sich dabei um einen Konflik.t handeln, die der Rekonstruktion des historischen Mosaiks dienten.
dessen wie auch imrner gestaltete Bearbeitung maSgeblich die Zukunft der Die Ergebnisse dieser Rekonstruktion lieferten bereit. erstes
Stadt beeinfluBte. Die Bedeutsarnkeit der FãHe konnte zusatzlich dadurch nis der Entscheidungsprozesse und eine Liste der wlchtlgen Erelgmsse.
erhõht werden, daS drei verschiedene nationale Kontexte ausgewahlt wur- Gleichzeitig konnte dadurch ein Set der relevanten wer-
den. Die drei schlieBlich ausgewahlten Fãlle Florenz, Wien und Zürich ent- den die bereits nach Rollen uud Verãnderung der POSltlonen lm Laufe der
spraehen diesen Charakteristik.en, wiesen sie doch alle drei einen zentralen Zeit differenziert werden konnten. Diese vorlaufige Rekon truktion erlaub-
stadtentwicklungspolitischen Konflikt auf, der seit Jahren die politisehe te zudem ein erstes Verstãndnis der raumlichen, zeitlichen und sachlichen
Diskussion in diesen Stadten pragte. Zudem befanden sich die Stadte in Tragweite des Konflikts.
politisch und kulturell unterschiedlichen nationalen Kontexten. 41 Eine zweite zum Teil para1lel rur ersten stattfindende Phase der Daten-
Die Untersuchungseinheit wurde empirisch nicht durch vorgegebene erhebung bestand in einer direkten Auseinandersetznng mit dem
Grenzen beschrãnkt, sondem das anfallende Problem selbst bestimrnte die lokalen Kontext irn Sinne einer teilnehmenden Beobachtung. Es wurden 10
30 Stadtentwicklungspolitik zwischen Demokratie und Komplexitiit Theorie und Methode: Stadtentwicklungspo/itík a/s Untersuchungsfeld 31

dieser Phase Protokolle über politische Veranstaltungen, Ratsdebatten und In den drei Stãdten wurden 111 Interviews durchgeführt und 102 trans-
stãdtisch relevanten Ereignissen erstellt und von den Konflikten betroffene kribiert. 47 Die jeweils am Ende des Interviews explizit gestellte Frage nach
Stadtviertel besucht. Um die in dieser Phase gebi1deten Vorurteile festhal- den entscheidenden Personen im Konflikt erlaubte eine relativ sichere Ein-
ten zu konnen, wurden erste Einschatzungen des Konfliktes verfaSt, die auf kreisung der relevanten Personen. Tabelle 2 gibt einen quantitativen Über-
ihre Vorurteile hin reflektiert wurden. Dieses Wissen über die Vorurteile blick und zeigt die institutionellen Rol1en der Akteure. Diese Verteilung hat
erhohte die Kompetenz, in den spãter durchgeführten Interviews affektiv sich stadtspezifisch in dieser dritten Phase ergeben.
beeinfluSte Momente zu kontr01lieren. 45 Insgesamt dauerte die Feldarbeit Durch die Interviews konnten die Problemperspektiven und politischen
in Wien sechs Monate, in Florenz und Zürich neun Monate. Handlungslogiken der Akteure in Erfahrung gebracht werden sowie der Wert
Die wichtigste Datenquelle wurde in der dritten Phase über qua1itative der in der ersten und zweiten Phase erarbeiteten Informationen getestet
Interviews rnit Schlüsselfiguren im Konflikt gewonnen, die zum Teil durch werden. Diese Informationen gelangten in die Interviews über die Bildung
die Rekonstruktion der Chronologie des Konfliktes in der ersten Phase und von Hypothesen, die zur Diskussion gestellt wurden. Dadurch konkretisier-
zum Tei1 über eine Art Schneeballverfahren über die Interviewten eruiert ten sich diese Arbeitshypothesen bereits im Laufe der Interviewphase, so
wurden. 46 daS die Interviews immer gezielter durchgeführt werden konnten.
Die produzierte Interviewsituation kann als thematisch strukturierter
Dialog bezeichnet werden. 48 Im Pluralismus interviewtechnischer Vor-
TabeUe 2: Rollen und Anzahl der Interviewten
gehensweisen erwies sich der thematisch strukturierte Dialog für Gesprã-
che rnit politischen Eliten besonders geeignet. Der thematisch strukturierte
Florenz Wien Zürich Tota! Dia10g versucht, die Reziprozitãt unterschiedlicber Ãusserungen der Dia1og-
partner rnit dem Ziel gegenseitigen Verstehens sukzessive anzunãhem und
Regierungsvertreter 12 5 6 23 wird so dem Umstand gerecht, daS Gesprachsrollen nicht von anderen
Alltagsrollen künstlich isoliert werden konnen. Es handelt sich dabei um eine
Traditionelle Parteien 6 6 3 15
rnindestens konstatierende Kommunikation rnit den Akteuren über ihre er-
Grüne I Bewegungen 4 3 2 9 fahrungsbedingten Deutungen. Dies entspricht einem a11tãglichen Verha1tens-
stil, in Interaktionen miteinander zu sprechen.
Quartierprasidenten 1 2 - 3 Dieser Dia10g ist durch eine lose Vorstrukturierung des Gesprachs nach
Argumenten gekennzeichnet, die Ergebnis vorangegangener Überlegungen
Hõhere Beamte 1 7 5 13 und Interviews sind. Der im Zusammenhang mit der Erstellung eines
Vertreter parastaatlicher Themenablaufs auftretenden Gefahr einer »Leitfadenbürokratie« (Hopf,
Organisationen l 5 2 8 1982: 307f.) wurde damit begegnet, daS an den Interviews immer zwei
Untemehmer/-vertreter
18
Forscher teilnahmen. Dadurch konnte eine gegenseitige Kontrolle der
Gewerbevertreter 6 6 6
Gesprachsführung dahingehend stattfinden, daS erstens die thematische
Gewerkschaften - 1 - 1 Strukturierung offen genug blieb, um dem Befragten die Moglichkeit zu
geben, komplexe Gedankengãnge zu entfalten und die angesprochenen
Architektenl-vertreter - 5 1 6 Themen seiner individuellen Denkstruktur entsprechend darzustellen, und
lntellektuelle/
daB zweitens die Dia1ogsituation geschlossen genug blieb, darnit dem In-
Joumalisten 4 10 1 15 terviewten auch etwas abverlangt werden konnte und dieser nicht bei be-
liebigen, austauschbaren Stereotypen stehen blieb.49
Total 35 50 26 111
32 Stadtentwicklungspolitik zwischen Demokratie und Komplexitiit Theorie und Methode: Stadtentwicklungspolitik als Untersuchungsfeld 33

Zur Erhohung des Aussagewertes des Interviews und zur Venninderung der 2.4 Die Spezijizitiit des Falles: Zur diachronen Analyse
Abwehr des Interviewten war es notig, den Interviewten über Vorkenntnis- Das Festhalten von Wissen über Differenzen erfordert eine historische Ana-
se vor dem Interview so gut wie moglich ins Bild zu setzen. Dieses Problem lyse über den Ursprung und die Konsequenzen der Ziel der
wurde durch den zum Interview einladenden Brief und durch die Darstel- rischenAnalyse ist die Entwicklung von Phasen derurbanlStlschen Geschichte
lung der Forschungsarbeit vor dem Interview gelost. Zudem muBte sich der einer Stadt sowie die Bildung von Typen. 52 Es geht mir nicht darum, eine Art
Interviewer als weitere vertrauensbildende MaBnahme über überparteiliche «Stadiengesetz« zu fonnulieren; vielmehr sollen die fallspezifischen Beson-
Institutionen ausweisen. Beide Elemente - das Wissen des Interviewten über derheiten der Entwicklung in den Vordergrund gestellt werden. Das Vorge-
das Wissen des Interviewers sowie das über die institutione11e Einbettung hen sieht hier in einem ersten Schritt davon ab, Vergleiche zu ziehen. Erst in
entstandene Vertrauen - garantierten im Interview eine groBere Offenheit einem zweiten Durchgang geht die vergleichende Perspektive in das Verfah-
des Befragten, sowie die Bereitschaft mit dem Interviewer in eine Ausein- ren ein, indem auf die wesentlichen Dimensionen politischer Spiele und auf
andersetzung über den zu analysierenden Konflikt zu treten. 50 die stadtspezifischen Unterschiede hingewiesen wird. Die der
Die Problematik der wã.hrend des Interviews nur noch schwer trennbaren diachronen Sichtweise geht in Richtung eines strukturellen Verstãndmsses
Unterscheidung der Rolle des Wissenschafters von der des politisch enga- Falles' die als wesent1ich betrachteten Elemente politischer Spiele werden m
gierten Beobachters wurde in der Analyse der Interviews angegangen, in- ihrer historischen Veranderung betrachtet. NeueAkteurkonstellationen, ver-
dem die Motive, die zu einer Aussage führten, auch auf diese verschiedenen anderter Problemdruck und neue Spielregeln gehen als konstitutive zusam-
Rollen hin untersucht wurden. 51 menhangende Elemente in die Rekonstruktion der politischen
Die Vorteile dieser Interviewtechnik liegen vor allem in ihrer Flexibili- Damit wird implizit das A11gemeine des Falles in der diachronen Slchtwelse
tat. Wã.hrend des Gesprachs kann auf die angesprochenen Themen, auf die bevorzugt betrachtet und zur Konstruktion des Typus verwendet. .
Besonderheiten der Situation, aber auch auf die Personlichkeit des Interview- Die Typenbildung findet explorativ statt. Als heuristische Methode bIl-
ten eingegangen werden. In einem solchen Interview findet ein differenzierter det sie die Voraussetzung für die Erklarung der als typisch ge1tenden Struk-
Dialog statt, der mit einem standardisierten Fragebogen nie reproduziert turen und Prozesse. Es sol1 also versucht werden, dem analysierten Konflikt
werden konnte. Dies kann jedoch auch zum Nachteil werden, denn dieser eine historische Perspektive zu geben und die zu erwartenden Elemente der
differenzierte, im Interview erzeugte Problemhorizont zwingt den Forscher, Kontinuitat im betrachteten politischen Spiel vorzuzeichnen. 53 Diese Aus-
ihn wieder einzugrenzen. Es stellt sich damit das Problem der Analyse der gangsbasis zum Verstandnis eines vor die
Daten. zwischen den FaIlen erklãren und dle Grundmfonnatlonen des Falles pra-
gnant bezeichnen helfen, die dadurch in die synchrone eingehen
2.3 Zur Analyse der Daten: Das vergleichende Vorgehen
konnen. Die »Objektive Henneneutik« beschreibt diese vorganglge Rekon-
Die vergleichende Analyse dreier Fallbeispiele begründet sich damit, daB struktion als Typenrekonstruktion. Die die
über die Spezifizitãt der Fãlle die Differenz zwischen den FaIlen erkennbar bildung entspricht, erlaubt dem Forscher die Bildung emer ersten mtmtlven
wird und diese Differenzen Ausgangspunkt der Suche nach Ãhnlichkeiten Ahnung bezüglich der zu interpretierenden Situation. Die darauf
sein konnen. Zur Erarbeitung von Spezifizitãten und Generalisierungen Interpretationen von Interviewtranskriptionen so
eignet sich die Kombination einer diachronen und einer synchronen Sicht- gelenkt stattfinden und den RückschluB auf dle »Nonnalltat« und auf dle
weise auf die Falle. Die diachrone Analyse ist eher fallorientiert und wird Besonderheit des Falles unterstützen (vgl. Allert, 1984: 56; Oevennann et
in der Logik der historischen Rekonstruktion der Fiille durchgeführt, wã.h- al., 1980: 17f.; Reichertz, 1986: 240f.). Das Datenmaterial der diachronen
rend die synchrone Analyse eher durch theoretische Frageste11ungen ange- Analyse wurde in der ersten und zweiten Phase der
leitet ist (vgl. Cipolla, 1988: 462ff.; Ragin, 1987: 69-85). nen. Die Ergebnisse der diachronen Analyse werden vor allem lm zwelten
Teil dargestellt.
34 Stadtentwicklungspolitik zwischen Demokratie und Komplexitiit Theorie und Methode: Stadtentwicklungspolitik als Untersuchungsfeld 35

2.5 Die Ahnlichkeit der Fiille: Zur synchronen Analyse Das Textanalyseverfahren ist nicht technisch, sondem intuitiv. 6O Wichtig und
Die synchrone Analyse lenkt das Augenmerk weg von fallspezifischen konstitutiv ist die Interpretationsmaxime, die besagt, daB Texte in ihrer
RegelmaBigkeiten und betrachtet bevorzugt die fallübergreifenden Àhnlich- Zeitlichkeit, das heiBt Schritt um Schritt, interpretiert werden sollen, damit
keiten, die oft gerade jene Elemente ausmachen, die sich der historischen »die Sequenzanalyse der Struktur der Moglichkeit bietet, sich selbst zum
Rekonstruktion entziehen. Im Vergleich zur diachronen Analyse kann des- Vorschein zu bringen« (Reichertz, 1986: 249). Die Theoriebildung über
hàlb die Interpretation in der synchronen Analyse von historischen Deter- dieses Verfahren kann als Erkenntnissammeln bezeichnet werden. Jede vor-
minanten besser abstrahieren. 54 In der diachronen Analyse fanen die Unregel- gehende Interpretation wird im Laufe weiterer Interpretationen überprüft,
maBigkeiten gegenüber dem zentralen Trend der Geschichte eines Falles modifiziert oder falsifiziert. Die mit Texten vereinbaren Interpretationen
wenigerins Gewicht, wie Diani (1986: 218) feststellt, womit oft gerade neue werden in den Bestand der Erkenntnis aufgenommen, oder wie Oevermann
Elemente, Innovationen, Anfánge von Veranderung nicht aufgenommen und et al. (1979: 395) ausführt:
zukunftsgerichtet interpretiert werden konnen. 55 Die synchroneAnalyse da- Jeder FalI führt zu einer Interpretation in alIgemeinen Begriffen, aus der sich
gegen pflegt geradezu die vertiefte Interpretation von Auffhlligkeiten im - zunãchst spekuIativ im Hinblick auf die geringe ZahI von MerkmaIstrãgern
Fallvergleich. Sie konzentriert sich auf wenige, als zentral erachtete Zusam- - allgemeine theoretische Sãtze herausschãIen Iassen. Diese fassen wir aIs
menhange zwischen den in der theoretisch angeleiteten Annãherung an die Paradigmen von theoretischen MõgIichkeiten auf. Jeder neue Fall gibtAnIaB,
Fhlle hergeleiteten Dimensionen. Es handelt sich um einen selektiven Fall- diese MõgIichkeiten auszubuchstabieren, anzureichern und aus dessen revi-
vergleich, in dem die Falle als Argumentationslogiken zur Herleitung von dierter Perspektive die vorausgehenden FalIinterpretationen zu reformulieren.
Generalisierungen eingesetzt werden. Je intensiver man die ersten FalIe einer Untersuchungsreihe untersucht und
Die für die synchrone Analyse wichtigsten Daten sind neben allen ande- ausgeIeuchtet hat, desto aussagekrãftiger und zeitsparender geIingen die
weiteren FallananaIysen.
ren erwãhnten Quellen und den Ergebnissen der diachronen Analyse die
transkribierten Interviews 56 mit den wichtigsten Akteuren im jeweiligen Die Interviewinterpretationen werden in diesem Sinn in generalisierender
stadtentwicklungspolitischen Konflikt. Zwolf davon wurden interaktions- Absicht vorgenommen. Die erkannten Strukturmerkmale werden als jene
analytisch in Anlehnung an die »Objektive Herrneneutik« interpretiert. 57 Die interpretiert, we1che die Stadtentwicklungspolitik der achtziger Jahre prag-
Transkriptionen wurden dabei als Texte behandelt, die von konkreten Inter- ten. Sie erlauben insbesondere die Erarbeitung der Problemsicht der Akteu-
aktionen abgelOst sind und als Ausdruck allgemeiner Strukturen von Bedeu- re wie die Rekonstruktion des vermuteten regelhaften Verhaltens der spe-
tungen und Bedeutungsmoglichkeiten verstanden werden (vgl. Reichertz, zifischen Rollen zuteilbaren Akteure.
1986: 226; Hopf, 1982). Die Interpretationen werden im dritten und vor allem im vierten Teil dieser
Handlungsleitend im interpretativen Vorgehen ist die Fragestellung der Arbeit vorgestellt. Die Interviews erscheinen im Text
Untersuchung. 58 Das angewandte Verfahren der Sequenzanalyse beginnt mit • in erster Linie als Textstellen, die in generalisierender Absicht interpre-
der ausführlichen Interpretation der ersten Textszene. Die Interpretation der tiert werden;
ersten Textstelle nimmt eine besonders wichtige Stellung ein, »weil der • als Illustrationen von Aussagen und
Befragte hier im Bemühen der angemessenen Selbstprasentation und der • als Quellen, die Argumente stützen.
angemessenen Situierung seiner weiteren Textproduktion sich besonders Die einzelnen Interviewstellen werden aus Gründen der Vertraulichkeit
Mühe gibt und seine Texte sowohl im Hinblick auf die rationalisierungs- anonymisiert. Interpretationen der Interviews werden mit dem Wissen über
bedürftigen Antriebe besonders leicht auszulegen sind und weil die ersten Zusammenhange aus der historischen Rekonstruktion erganzt. Zusatzlich
Seiten, gewissermaBen wie eine >Ouvertüre<<< (Oevermann et al., 1980: 44), werden die Interviews illustrativ verwendet, indem typische Aussagen aus
die wichtigsten Textelemente bereits anschneiden und ein »Mikroformat der Interviews angeführt werden. 61
Fallstruktur« abgeben. 59
36 Stadtentwicklungspolitik zwischen Demokratie und Komplexitiit Theorie und Methode: Stadtentwicklungspolitik als Untersuchungsfeld 37

2.6 Überleitung Tabelle 3: Vorgehen bei der Darstellung der Ergebnisse


In der politologischen Stadtforschung tauchen sinnverstehende Methoden
selten auf, so daS diese Arbeit aus methodischer Sicht ein Fallbeispiel der Teil der Arbeit : : Hauptsiichlich
(Kapitel) I Ziel I verwendete Daten
Anwendung so1cher Methoden darstellen will. Die Vorteile der sinnverste- ___ _________ J _____________ ____________
henden Methoden liegen in theoretischer Hinsicht nicht auf der Ebene der I I
I Typen der Stadtentwick-
detaillierten Deskription von einzelnen Dimensionen, sondem vielmehr in Stadtgeschichten (n.) I lung (historischer Sekundiirliteratur
der Moglichkeit, Schritt für Schritt Aussagen genauer zu formulieren. Es : Hintergrund) I
_ ___ ____ __ __ _____________ L ____________
wurden in diesem Sinn Erklarungen nicht im Vorfeld der Untersuchung über
die Bildung der zu messenden Dimensionen vorweggenommen, sondem im aktuelle Problem- : Subjektive Wahmehmung : Sekundiir1iteratur,
Verlauf der Untersuchung nach Aussagen über die gesellschaftliche Wirk- wahmehmung der I der Akteure vom Hinter- I Interview-
lichkeit gesucht. zentralen Akteure (III. l) I grund ihres Handelns I interpretationen
Der Zugang zum analysierten FalI über Interviews als partizipative
Methode erlaubt zudem in praktischer Hinsicht eine Annã.herung von For- Darstellung der stadt- I Grundsiitzliche Sekundiirliteratur,
entwicklungspolitischen : Informationen, : Interviews (illustrative
scher und Politiker und bereits dadurch einen partielIen Praxisbezug der Konflikte (III. 2-5) I materielle Ausgangslage I Verwendung)
Analyse (vgl. Ulrich, 1987: 331; Hoffmann-Riem, 1980: 325-338). Dieser I I
Praxisbezug findet sich auch in der folgenden Analyse, indem sie sich an
der Sprache der Akteure und auch an deren Fragen orientiert. Es solIte des- Strategien der Akteure : Darstellung der Mecha- I Interview-
halb die Absicht erkennbar sein, Wissenschaft an praktische Fragen in der und ihre Einbettung I nismen, die zu kollek- interpretationen
in Spiele (N. 1-3) I tivem Handeln führen I
Stadtentwicklungspolitik anzukoppeln. 62
Die angewandte Methode solIte zu einem Aufbau der Arbeit führen, I Systematische Darstel- I
der von einer Interviewinterpretation ausgeht und diese soweit auslegt, bis Bedingungen des I lung der Probleme in der I Ergebnisse der
Regierens (N. 4,
der FalI in seiner Struktur erkennbar und damit theoretisch interpretierbar : politischen Organisation : Untersuchung
SchluBwort)
ist. Doch wurde von diesem Vorgehen, daS dem Forschungsablauf entspricht, T der Stadtentwicklung T
abgesehen, um an Verstã.ndlichkeit zu gewinnen. Die DarstelIung der Er-
gebnisse geht genau umgekehrt vor, indem erst ganz allgemein das Umfeld
eines FalIes beschrieben wird, um darauf aufbauend, immer spezifischer,
auf den FalI eingehen zu konnen. Die DarstelIungsstrategie ist in der fol-
genden TabelIe 3 vorgestellt. In der linken Kolonne sind die Teile der Arbeit
aufgeführt, in der mittleren Kolonne die Ziele, die ich mir für die einzelnen
Teile gesteckt habe und in der rechten Kolonne die Daten, die hauptsachlich
zur Erarbeitung der Kapitel verwendet wurden.
--

KAPITEL II

Die politische Organisation der


Stadtentwicklung in Florenz, Wien
und Zürich aus historischer Sicht

Die historische Rekonstruktion der politischen Organisation der Stadtent-


wicklung der drei untersuchten Stiidten beruht weitgehend, wie bereits
ausgeführt, auf Dokumenten und Sekundiirliteratur, doch flieBen ebenfalls
Interpretationen aus den Interviews ein. Die historische Rekonstruktion wird
versuchen, die zentralen Dimensionen der Stadtentwicklungspolitik in den
letzten vierzig Jahren aufzuzeichnen, um die drei Stiidte a1s Typen identi-
fizieren zu kõnnen. Sie reicht bis in die achtziger Jahre und hõrt dort auf,
wo die analysierten Konflikte und Projekte einsetzen. Insbesondere stehen
folgende Fragen im Vordergrund:
• Welche Phasen durchliiuft die Stadtentwicklung?
• Was sind die wichtigsten Inha1te der stadtentwicklungspolitischen Aus-
einandersetzung in diesen Phasen (der zentra1e urbanistische Diskurs)?
• Welche Akteure beeinflussen maBgeblich die Stadtentwicklung (die
dominanten Akteure)?
• Welche Verfahren spielen die wichtigste Rolle in den verschiedenen
Phasen (die zentralen Regeln)?
Das Ziel der Darstellung der Stadtgeschichten von Florenz (1.), Wien (2.)
und Zürich (3.) besteht darin, die historische Erfahrung der Akteure aufzu-
zeichnen, vor deren Hintergrund diese heute handeln.

1. KJientelistische Stadtentwicklungspolitik in Florenz:


Der Florentiner Immobilismus
Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickeln sich in Italien vor a1lem die vier
GroBstiidte Rom, Mailand, Neapel und Turin, und der italienische Agrar-
40 Stadtentwicklungspolitik zwischen Demokratie und Komplexitiit Die politische Organisation der Stadtentwicklung aus historischer Sicht 41

sektor beschaftigt rund 40% der Erwerbstatigen. Erst in den sechziger Jah- Italiens erstellt, was in diesen Gebieten zu einer Spezifizitat der Suburba-
ren übertragt sich die Urbanisierung groBer Raume auf die mittelgroBen Stad- nisierung Italiens führte, die als pauperistische Variante des »urban sprawl«
te Genua. Pa1ermo, Bologna und Florenz, wahrend zu diesem Zeitpunkt die bezeichnet werden kann (vgl. Padovani, 1988).
Metropolen bereits ihr Wachstum verlangsamen. In den folgenden Jahren In dieser Dialektik von Peripherie und Zentrum ist auch die bauliche
verlagert sich dieser ProzeB auf weitere mittlere und danach auf die kleinen Entwicklung von Florenz zu sehen (vgl. zur Orientierung Abbildung 2); oder,
Stadte; in den GroBstadten stagniert oder sinkt der Bevolkerungsbestand. wie Campos Venuti (1987: 214) ausführt:
Mitte der achtziger Jahre wachst die Bevõlkerung in Italien nicht mehr; der Lo sviluppo urbano di Firenze nell'ultimo secolo e segnato dalla giustappo-
Agrarsektor wird zurückgedrangt und beschaftigt lediglich noch 10% der sizione di nuovi tessuti a caratteristiehe relativarnente omogenee, oltre ehe dalla
Bevolkerung (vgl. Becchi Collidà, 1984). trasfonnazione progressiva dell'uso (e soI o in parte della fonna) attribuito ai
Neben diesen quantitativen Transformationen vollziehen sich in lta1ien tessuti precendenti. Questi tessuti mantengono tutt'oggi caratteri omogenei
auch qualitative Veranderungen in der Wirtschaftsstruktur. Wahrend die e necessitano di interventi di razionalizzazione e di trasfonnazione rispetti-
fünfzigerund sechziger Jahre noch von der Nord-Süd-Dia1ektik gekennzeich- varnente differenziati.
net sind, entwickelt sich a1s Reaktion auf die Strukturveranderungen der
siebziger Jahre ein dritter Pol der Klein- und Mittelbetriebe in den Regio-
nen des von Bagnasco (1977) sogenannten »Dritten Italiens« (terza Italia). Abbildung 2: Florentiner Territorium und zentrale im Text
Es sind dies die nordostlichen und Zentrumsregionen, in denen sich die kleine erwãhnte Orte
und mittlere Industrie entfa1tet.
In diesem Dritten Ita1ien gelingt es den kleinen und mittleren Stadtenjenes
sozia1e Netz der Bildung, des Gesundheitssystems, der Kultur und des Sports Prato
zu realisieren, das diesen Stadten eine den GroBstadten qua1itativ ebenbür-
tigen Lebensstandard sichert. Das polyzentrische Stadtesystem in diesen
Sesto Fiorentino
Regionen erleichtert die homogene und ausgeglichene sozio-okonomische
Entwicklung. Im Gegensatz zu den kontinenta1europaischen Entwicklungen
entstanden in Italien (aber auch in Spanien) keine »Zentren der Reichen«
im Grünen: Die ita1ienischen Stadte bleiben bevorzugte Wohngebiete mit
allen Zentrumsvorteilen, wahrend die peripheren Raume relativ benachtei-
ligt sind.
Amo
Zu diesem Bild gehOrt auch die unterschiedliche Bautatigkeit in zentra- L'!solotto
len und peripheren Zonen. In Ita1ien kann durch eine den Hausbau fordem-
de Kreditpolitik der Zugang zum eigenen Haus auch niedrigen Einkommens-
schichten offen gehalten werden; sie müssen sichjedoch in den Peripherien
niederlassen. Die kostspielige Stadtnahe kann so nur noch durch den sozia-
len Wohnungsbau legal garantiert werden. Die illega1e Gegentendenz - die
verbreitete unbewilligte Bautatigkeit in den Peripherien von GroB- und
Mittelstadten - wird dann zum verstandlichen sozialen Phlinomen der Zen-
trum-Peripherie-Trennung: In den letzten fünfzehn J ahren wurden auf diese
Weise über die Halfte der Wohnungen vor a1lem im Zentrum und im Süden
42 Stadtentwicklungspolitik zwischen Demokratie und Komplexitat Die politische Organisation der Stadtentwicklung aus historischer Sicht 43

Das historische Zentrum wie die Stadt des 19. Jahrhunderts haben ihre gleichfalls durch ihre mangelnde Kohasion mit der Stadt wie durch die
Funktion radikal zugunsten einer starken Tertiarisierung verãndert. Bereits fehlenden Infrastrukturen aus.
in den sechziger Jahren richtet sich die Stadtplanung in Florenz auf die Die aujJerurbanen Raume sind durch zwei Erscheinungsbilder charakte-
Konservierung und funktionale Urnnutzung des hlstorischen Zentrums aus. risierbar:
Seitdem ist der um das historische Zentrum im 19. J ahrhundert entstandene • Gebiete mit landwirtschaftlicher Nutzung in den Peripherien im Westen
Stadtteil neben der funktionalen auch einer morphologischen Transforma- nordlich und südlich des Amo und relativ kleine Überschwemmungsge-
tion unterworfen. Den historischen Raumen von Florenz zuzurechnen sind biete an den ostlichen Ufem des Amo.
auch die kleinen Zentren an der Via Pistoiese (Petriolo, Quaracchi, Brozzi), • Gebiete auf den Hügeln rund um die Stadt, die mit Baumen bepflanzt und
die bisher oicht geschütz1 wurden und, auch im Zuge des sozia1en Wohnungs- vor allem mit vereinzelten Wohnhausem verschiedener Epochen bebaut
baus, starke Verãnderungen erfahren haben. sind.
Rund um die Stadt des 19. Jahrhunderts entsteht zwischen den beiden Diese Gebiete stellen heute die aus okologischer Sicht zu konservierenden
Weltkriegen ein heute als Zwischenzone erkennbarer Raum, der in seinen Grünflachen dar, wobei im ersten Raum die 1andwirtschaftliche Komponente,
Dimensionen der Stadt des 19. J ahrhunderts gleicht. In diesem Gebiet stellt im zweiten Raum die landwirtschaftlich-kulturelle Komponente auszubau-
sich heute das Problem der verkehrstechnischen Verbindungen zu AuBen- en waren.
wie Innenraumen, das vor allem dadurcb entstebt, daB die Umfahrungs- Die Siedlungsstruktur hat sich in der Nachkriegszeit ebenfal1s in der
tra/3e zwiscben Zentrum und Vororten 1iegt (vgl. Re, 1983). Für die Bevol- Dia1ektik von Zentrum und Peripherie radika1 verãndert. Die Bevolkerungs-
kerungsschichten mit niedrigem Einkommen (die in den Gebieten zwi- entwicklung in der Kemgemeinde stagniert seit zwanzig J ahren und in
schen der Eisenbahn und dem Gebiet der Cascine. in den Quartieren des nachster Zukunft ist mit einem Rückgang zu rechnen (Masci, 1983: 95). Die
Oltrarno. am Viale. Giannotto. an der Via Pisana und in Teilen des Quartiers Gürtelzonen wachsen dagegen in den sechziger Jahren noch stark an. Scan-
Carnpo Marte leben) ist das Problem der Sanierung und Aufwertung der dicci in südwestlicher Richtung überholt bevolkerungsmaBig Sesto Fioren-
Gebaude akut. tino, das in der geplanten Wachstumsrichtung Nordwesten liegt, und wird
Der auBerste, nach dem Zweiten Weltkrieg entstandene, Stadtgürtel zeigt zur groBten Gürtelgemeinde.
die groBten Diskontinuitaten. Nur im nordlichen Teil verbinden sich die
Bauten mit den anderen Stadttei1en. Die groBte Ansiedlung ist im Nordwe- 1.1 Sozio-okonomische Entwicklungsmerkmale von Florenz
sten im Gebiet um Novo1i. Diese Teile von Florenz weisen a11e negativen Die sozio-okonomische Entwicklung von Florenz gleicht den nationalen
Eigenschafteo der Peripherie auf (Campos Venuti, 1987: 216). Tendenzen und zeichnet sich im Vergleich zum kontinentalen Europa durch
Die Probleroatik der peripheren Raurne verschã.rft sich vor allem dadurch, ein schlecht ausgebautes System õffent1icher Verkehrsmittel aus. Dem Boom
daS der soziale Wohnuogsbau in cliesen Gebieten ohne den Einbezug oko- der Tertiarisierung folgt in Italien die okonomische Krise Mitte der siebzi-
nomiscber Entwicklungen stattfmdet. was zu mooofunktionalen Raumen ger Jahre. Der Krise wird mit einer Intensivierung des Einsatzes neuerTech-
führt und die Peripherien zu Schlafstadten degradiert. Besonders das Ge- nologien und einer Politik der Deregulation begegnet. Die k1einen und
biet von Novoli im auBeren Stadtgürtelleidet an der bisher fehlenden ur- mittleren Betriebe erleiden durch ihre beschrãnkte Kapita1starke, we1che die
banistiscben Entwicklungsplanung. Die strategisch gute Lage VOn Novoli technologische kostenintensive Innovation verhindert, ebenfa11s Rückschlage
a1s Verbindung zwischen Florenz und Prato kann durcb diese unorganische und stellen das in den siebziger Jahren durch das Dritte lta1ien erreichte
Entwicklung nicbt ausgeoutzt werden und wirkt eher als negativer. Verãn- Gleichgewicht wieder infrage. Das Pendel schlagt so wieder zugunsten des
derungen bremsender Fak.tor. Aucb die letzten beideo realisierten groBeren nordwestlichen Dreiecks Mailand-Turin-Genua aus, das auf den kapita1-
Bauprojekte in der F10rentiner Peripherie, in den Quartieren Torri-Cintoia intensiven Technologiesektor setzt. Eine Antwort auf die Verringerung des
und Le Piagge, passen in dieses Bild offener Entwicklung und zeichnen sich wirtschaftlichen Potentia1s des Dritten ltaliens bleibt auch wegen der Schwa-
44 Stadtentwicklungspolitik zwischen Demokratie und Komplexitiit Die politische Organisation der Stadtentwicklung aus historischer Sicht 45

ehe des Transportsystems aus. l Diese Sehwãche umerstützt die Beibehal- da deren Industrien stark exportorientiert sind oder aber lediglicb loka1e Ab-
tung eines atomisierten Wirtscbaftssystems zll einem Zeitpunkt, der eine satzmarkte besitzen. Ein weiterer Indikator fur die schwacbe Integration
Koordination von Poljtik. und Wirtschaft erfordert. dieses Wirtschaftsraums ist die seltene Vertretung von Unternehmungen, die
In Florenz beginnt der Exodus vom Land in die Stadt naeh dem Zweiten in Florenz lokalisiert sind, im um1iegenden Territorium. Insgesamt nimmt
Weltkrieg.ln den sechziger Jahren setzt sich dieserfort, doch erhõhen sicb auch das õkonomische Gewicht von Florenz in den echziger Jahren in der
die Schwierigkeiten, un sek:undãren Sektor zu Beginn der Deindustrialisie- Region ab. 2 . ' . . ..
rungsphase einen Arbeitsplatz zu finden. Zwischen 1963 und 1964 setzen Die siebziger Jahre bestãtigen die vorgezelchneten L1men der
die ersten Krisenzeichen im sekundaren Sektor ein, die eine erste Restruk- nomischen Entwicklung. Die Toskana gehõrt weiterbin zu den
turierungsphase einleiten. Die mitt1ere Beschãftigung siokt von 7,5 Ange- sten Regionen lta1iens. Die Industrialisierung rund um Florenz setzt slch
stellten pro Betrieb 1961 auf 6,3 Angestellte 1971, l1nd die Betriebe begin- eigendynamisch und zuungunsten der Gemeinde Florenz fort. Florenz muB
nen von zentrumsnahen Gebieten wegzuziehen. Die Gemeinde Florenz sieht einen weiteren Verlust des sekundãren Sektors von 34,4% 1971 auf29,4%
den Industriesektorvon 40,4% der arbeitenden Bevõlkerung 1961 auf 28,9% 1981 hinnebmen. Der tertiãre Sektor expandiert weiter und erreicht 1981
1971 schrumpfen. SebI \riele Gewerbebetriebe, besonders nach der Über- 122.729 Beschãftigte oder rund 70% a11er Beschãftigten. Der Tourismus-
schwemmung von 1966 siedeln sich in den neun Gürtelgemeinden rund um sektor hebt sich in diesem Wachstum hervor und führt zu einer relativen
Florenz an. DequaIifizierung des tertiaren Sektors von Florenz. Er profitiert von. sechs
Florenz selbst erlebt eine starke Ausdehnung des Tertiarsektors, der seit Millionen Besuchern im Jabr, was die Modemisierungund Restrukturierung
1961 über 100.000 Angestellte (64,2% aller Bes,chãftigten) aufnimmt. Ei- der Tourismuslogistik zur Folge hat. Die Gemeinde Florenz zahlt ungefãbr
nen starken õkonomischen Entwick1ungsfaktor stel1t dabei der Tourismus 400 Hotels und bietet 80% aJler Betten der Provinz FIorenz an.
dar. 1971 werden beinahe fü.nfMillionen Touristen verzeichnet. Neben dem
traditionellen TourismlJlS verstarkt sich immer mehr der Messe- und Aus- 1.2 Die Florentiner Stadtentwicklungspolitik
stel1ungstourismus, der Florenz zu einem der wichtigsten Mes estandorte In Italien ist die Stadtentwicklungspolitik von der Erstarkung der linken und
Italiens werden lãBt. reformistischen Krafte auf kommuna1er Ebene gepragt. Die urbanistische
Eine wichtige Erscheinung der sechziger Jahre ist die Entwicklung un- Politik der Lioken baut in den sechziger Jahren auf einer Kritik des Boden-
terschiedlicher Wirtschaftsmodelle im Raum Prato-Plorenz. Baldeschi rechts auf. Den Stadtrerierungen in den roten Regionen gelingt es, eine
(1983: 66) vermutet, daS selbst die Reifegrade derWirtscbaftsmodelle ich reformistiscne Politik d:r quaJitativen Bodennutzung zu realisieren. Trotz
immer mebr unterscheiden und sich in diesem Raum differenzierte Produk- des Wahlerfolgs der Linken 1975 verbreitet sich diese Politikjedoch nicht
tionsarten Distributionsarten und Arten der Gewinnzirkulation herausbjj- in a1len Stãdten. Denn die Einheit der politisch-urbanistischen Kultur gebt
den. Ende der sechzíger Jabre haben sícb Gemeinden mit früher ãhnlichen infolge der nicht erkannten strukturellen Veranderungen Jah-
ozi.o -õkonomiscben Modellen spezia1isiert: Ak:tivitãten des Tertiarsektors re im Bereich derTechnologie uud der Umwelt verloren. Dles bewrrkt neue
und der mecbanischen Industrie befmden sicb im Raum Florenz; die Tex- Widerspruche in der Stadtpolitik der Linken, einerseits zwischen MaBnah-
tilindustrie befindet sich im Bisenziotal im Norden von FIorenz; stel1t men gegen die Umweltverscbmutzung in der Stadt. und ?er Fõrderung des
eine Zwischenposition dar, wã.hrend landwirtscbaftliche Tatigkeiten als Verkehrs andererseits zwischen den hoben EnergIeprelsen und dem Ban
Haupterwerb sich ím Raum südlich von Florenz um Greve und San Casci- energieerzeugender Kraftwerke (vg1. Aiken!Mar-
ano finden. Der Raum Prato-FIorenz selbst ist wirtschaftlich nur schwach tinotti, 1982). Auch wird der Orientierungswechsel der Investoren nicht
integriert. Wãhrend die kommerziellen und tertiaren Aktivitaten von Flo- programmatisch umgesetzt: Nacb Jahren der Vorherrschaft de.r
renz die ganze Region anvisieren, nimmt die Hauptstadt derToskana für die Renten auf dem Immobilienmarkt setzen sicb mehr und mehI dle Dlffere?-
umliegenden Gemeinden keine bedeutende Stellung aIs Absatzmarkt ein, tialrenten als Bezugspunkt der Investoren dUTCh . Ein drittes Moment lSt
46 Stadtentwicklungspolitik zwischen Demokratie und Komplexitiit Die politische Organisation der Stadtentwicklung aus historischer Sicht 47

entscheidend zum Verstãndnis der fehlenden programmatischen Verãnde- • Zonenplãne, die detailliert ein Gebiet beschreiben (piani particolareggia-
rungen: In den italienischen GroBstãdten scheiterten urbanistísche Pro- ti),
gramme an der massíven Konfrontation mít der bürgerlichen Offentlichkeít • Bebauungsplãne und Nutzungsplãne, welche Ergebnisse von Aushand-
und den Kapitalinvestoren, die auf eine mangelnde Integration dieser Inter- lungen zwischen offentlichen und privaten Akteuren festhalten (piani di
essen zurückzuführen ist. Wichtig für das Scheitem einer neuen linken ur- lotizzazione convenzionati),
banistischen Politik ist zweifellos auch, daS die stãdtische Politik nícht • Nutzungsplãne für spezielle Nutzungen wie durch den Offentlichen
durch eine entsprechende nationale politische Basis mítgetragen wird. Ganz Wohnungsbau (piani per l'edilizia economica e popolare),
im Gegenteil ist seit den achtziger Jahren im Zuge der DeregulationsmaS- • Nutzungsplãne, we1che die Industriegebiete festlegen und
nahmen eine Gegenreform der Gesetzgebung bezüglich der Stadt- und • Variantenplãne, die Varianten zum generellen Richtplan darstellen und
Raumplanung im Gang, die durch die parlamentarische Minderheit der der gleichen Genehmígungspraxis wie der Richtplan unterstellt sind.
Linken nicht gestoppt werden kann (vgL Benevolo, 1979). 1980 führt ein Die urbanistísche Gesetzgebung beruht im wesentlichen auf der Unterschei-
in diesem Trend liegender Entscheid des Verfassungsgerichts bezüglich der dung zwischen Landbesitzrecht und Bebauungsrecht. Jede bauliche Trans-
Autbebung des Gesetzes von 1977 zum Bodenmarkt zu einer Neuorientie- formation untersteht der Bewilligurig durch den Bürgermeister der betrof-
rung der urbanistischen Politik. Enteignungen werden erschwert und Pro- fenen Gemeinde und einer Gebühr für die Bereitstellung üffentlicher Infra-
jekte lassen sich nur noch in geschwãchter Verhandlungsposition und mít strukturen, die zwischen fünf und zwanzig Prozent der Baukosten variiert
privaten Investoren rea1isieren. Planungen müssen sich dadurch immer und durch die regionale Gesetzgebung festgelegt ist. 4
mehr den Marktbedingungen ungesteuerter Expansion anpassen (vgl. Cam- Bereits diese Aufzãhlung der Planungsinstrumente weist auf eine relatív
pos Venuti, 1988). komplexe Entscheidungsstruktur in der Stadtentwicklungsplanung hin, deren
Die urbanistische Gesetzgebung reduziert sich auf wenige kaum im- zentralen Merkmale sind:
plementíerbare Bestimmungen und geht auf das nationale Gesetz von 1942 • Die Interdependenz der Entscheidungsebenen; insbesondere spielt die
(Gesetz 1150) zurück, das Bauen und Landbesitz eng verbindet. Erst mít der regionale Ebene in der Stadtentwicklung eine wichtige Rolle. Sie erstellt
N achkriegsverfassung wird der Bau von Gebãuden und der Landbesitz auch die regionalen Plãne, in denen Richtlinien für die Gemeinden formuliert
durch spezielle soziale Richtlinien verbunden. Die Stadt- und Raumplanung sind und kontrolliert, wie bereits erwãhnt, die kommunale Planung.
fãllt gemãB dem Artikel 117 der Verfassung in den Kompetenzbereich der • Die geringe Autonomíe der lokalen Ebene; es besteht erst seit kurzem eine
Regionen. Díese Kompetenz besteht im wesentlíchen in der gesetzlichen sehr beschrãnkte lokale Finanzautonomíe. Der GroBteil der Finanzen wird
Regelung der regíonalen Raumplanung und in deren Verwaltung. Die Re- vom Zentralstaat verwaltet.
gionen setzen in íhren urbanistischen Plãnen vor allem Grenzen der Über- Die wichtigsten in der Stadtentwicklungspolitik zum Tragen kommenden
bauung fest und bestimmen, welche Gemeinden obligatorisch oder fakul- politischen Organe auf Gemeindeebene sind:
tativ Richtplãne zu erstellen haben. Zum Plan kann sich jeder ãuBem und • Der Gemeinderat (consiglio). Dieser wird alle fünf Jahre über die soge-
Verãnderungen vorschlagen. Die Erklãrung der Verbindlichkeit des Planes nannten Admínistrativwahlen5 bestellt und hat legislative Funktíonen.
geschieht durch die Region, die auch das Recht hat, Ãnderungen anzufü- • Die Regierung (giunta). Sie wird aus den Mitgliedem des Gemeinderats
gen. 3 Der Plan teilt kommunale Gebiete in Zonen auf und bestimmt deren gestellt und vom Gemeinderat gewãhlt; sie nimmt die exekutiven Funk-
Nutzung und Aussehen. Zudem wird darin festgelegt, in welchem (verbind- tíonen wahr und unterteilt sich in Funktíonsbereiche, die sogenannten
lichen) Zeitraum sich das Territorium zu verãndem hat. Unterhalb dieser Assessorate. Die Zahl der Assessorate ist beschrãnkt und hãngt von der
generellen Planungsebene finden sich verschiedene weitere Planungsinstru- GroBe der Gemeinde ab. Florenz mit weniger als 500.000 Einwohnem
mente: darf hOchstens zwolf Assessorate stellen. In der Stadtentwicklungspoli-
tik nehmen das Stadtplanungs- und das Verkehrsassessorat eine zentrale
48 Stadtentwicklungspolitik zwischen Demokratie und Komplexitiit Die politische Organisation der Stadtentwicklung aus historischer Sicht 49

Stellung ein, werden doch in diesen Einheiten die relevanten Entwick- Politiker. Das Konzept enthalt aber auch Kontinuitaten zu früheren Vorschla-
lungs- und Verkehrspliine erstellt. gen aus der faschistisehen Planung. 8 Vor allem bleibt im Entwicklungskon-
• Der Bürgermeister (sindaeo). Er ist Mitglíed des Gemeinderats und wird zept von Florenz die Unterstellung des Florentiner und Prateser Raums
vom Gemeinderat gewãhlt; die Wahl geschieht auf der Basis eines Pro- bestehen: Die Florentiner Planung erhebt den Anspruch, die Entwicklung
gramms, das mindestens von einem Drittel der Gemeinderate unterschrie- der GroBagglomeration ohne Beteiligung der urn1iegenden Gemeinden zu
ben ist und unter anderem auch den Namen des Bürgermeisterkandidaten bestimmen. Dies berüeksiehtigt zu wenig die Eigendynamik und Eigenstiin-
und die Liste der Regierungsmitglieder enthalt. Für die Wahl muB dieses digkeit dieses Raumes und weekt in den Urn1andgemeinden ein MiBtrauen,
Dokument von der absoluten Mehrheit der Gemeinderatsmitglieder an- das die Kooperationsbereitschaft, die für die Umsetzung jeder Stadtentwick-
genommen werden. Gelingt es dem Gemeinderat nicht, innerhalb von lungskonzeption nõtig ist, mindert.
sechzig Tagen6 naeh seiner Wahl eine Regierung zu stellen, wird der Im Konzept von 1951 taucht bereits der spater immer wieder auftauchen-
Gemeinderat aufgelOst und die Gemeinde bis zu den Neuwahlen durch de Vorschlag der prioritaren Expansionsrichtung Nordwesten auf (entlang
einen vom Staatsprasidenten eingesetzten Beamten (eommissario) ver- der Aehse Novoli, Castello, Sesto Fiorentino, Calenzano bis naeh Prato am
waltet (vgl. Vandelli, 1991). Fusse der Hügelketten). Dieser Vorsehlag impliziert, daB die bipolare Ent-
Mitbestimmungsmõglichkeiten sind in der italienischen Kommunalverfas- wicklung Richtung Osten (pontassieve) und Westen gestoppt werden soll.
sung nur in einem sehr geringen Masse vorgesehen. Neben maehtlosen Auf dem kritischen Entwicklungsgebiet Novoli, das ungeordnet von Fabri-
Quartierraten existiert seit kurzem das sogenannte konsultive Referendum, ken und Arbeitersiedlungen bebaut wird, ist im Konzept von 1951 ein neues
auf das ich spater eingehen werde. 7 Bahnhofsareal geplant. 9 Die zweite Entwicklungslinie, die im Konzept vor-
geschlagen wird, geht in Richtung Westen - am rechten Amoufer der Via
1.3 Die Trennung von Planung und Politik in der Pistoiese entlang - und hat das Ziel, die kleinen historisehen Zentren von
Florentiner Stadtentwieklung na eh dem Zweiten Weltkrieg Peretola, Quaraechi und Brozzi miteinander zu verbinden und die Via Pi-
Die linke im November 1946 gewãhlte Regierung von Florenz widmet sich sana (in Richtung Südwesten) zu entlasten. Die Expansionsrichtung Süd-
primar dem Wiederaufbau der vom Zweiten Weltkrieg stark angesehlage- westen wird sich aber trotzdem in den folgenden Jahrzehnten als ein star-
nen Stadt (vgl. Zoppi, 1982). Die Stadtregierung wird von Kommunisten kerer Anziehungsfaktor der Stadtentwicklung erweisen. Ein wichtiger
angeführt; ihr gelingt die Reorganisation der Verkehrsmittel und der õffent- weiterer Entscheid im Stadtentwicklungskonzept ist der Verzicht der Über-
lichen Dienste, die Sanierung der Kommunalbilanz, die Wiedererstellung bauung der Hügelgebiete und die Verlagerung des Wohnungsbaus auf das
und Neukonstruktion von Wohnsiedlungen. Kurz vor den kommunalen linke Ufer des Amo unter Schonung der Cascine.
Wahlen von 1951 schlagt die Regierung ein vom Urbanisten Detti erarbei- Die Niederlage der linken Regierung in den Kommunalwahlen von 1951
tetes Konzept der Stadtentwieklung (das Planungssehema genannt wird) vor blockiert jedoeh die weitere Arbeit am Konzept und dessen Umsetzung.
(vgl. Detti, 1982; Museo, 1982). Die Ziele des Konzepts werden aus mo- Gründe für die Niederlage sind sicherlich in der Wahlreform zu suehen, die
dellhaften Überlegungen hergeleitet, die weniger der konkreten Situation von Koalítionen über ein Majorzsystem bevorzugte, aber aueh im Koalitions-
Florenz als der raumplanerisehen Diskussion entspringen. Im Gegensatz zur wechsel der Sozialdemokraten (Psdi) und Republikaner (Pri) zu den Christ-
Stadt- und Raumplanung imFasehismus wird die Relation zwischen Kultur demokraten (De). Die Niederlage der Kommunisten (Pci) wird zum Tei1
und Politik umgekehrt. Die Politik wird zum Mittel der Stadt- und Raum- durch ihren Gewinn in den Provinzwahlen kompensiert. In der Gemeinde
planung. Die Planer setzen sich zum Ziel, Florenz von den eisemen Regeln Florenz wird dagegen am 5. Juli 1951 der Christdemokrat Giorgio La Pira
der B au- und Landrendite zu befreien (vgl. Michelueci, 1982). Doch bedeu- als Bürgermeister gewãbJt, der eine ausgewogene Personlicbkeit mit sozia-
tet diese Urnkehrung im Endeffekt eine Trennung der Stadt- und Raumpla- lem Engagement ist uud damit nicht alle Brücken zur linken Sozialpolitik ab-
nung als Disziplin von den realen Überlegungen zur Stadtentwicklung der bricht (vgl. Cassigoli, 1987). Dle Parteien1andschaft ãndert sich in den fünf-
50 Stadtentwicklungspolitik zwischen Demokratie und Komplexitiit Die politische Organisation der Stadtentwicklung aus historischer Sicht 51

ziger Jahren im gemaBigt-linken Spektrum: IntelIektuelle verlassen naeh den Systems zeigt aueh seine Konsequenzen in der fehlenden Zukunftsplanung,
Wahlen die Psdi von Saragat mit dem Vorwurf, daB die Partei ebenfalls von und die Stadt dehnt sieh, mangels Entwieklungsperspektiven, unkontrolliert
der wenig legitimen Wahlreform profitiert habe. Am 5. Januar 1953 bildet aus. Es existiert zwar ein Richtplan, der sehr heterogen ist und mehr aus
diese dissidente Gruppe zusammen mit anderen Intellektuellen der aufgelO- reehtliehen, als aus stadteplanerisehen Gcünden erstellt wurde; er bleibt
sten fcüheren »Aktionspartei« die Bewegung »Autonomia Soeialista«. We- jedoeh gerade wegen seiner Heterogenitat unanwendbar (Campos Venuti,
nig spater wandelt die Bewegung ihren Namen zu »Unità Popolare« ab, um 1987: 194).10
aueh sozialreformerisehe Politiker aus anderen Lagem aufnehmen zu kbn- Typisehe Phanomene urbaner Gebiete wie Industrialisierung, Suburba-
nen. In den nationalen Parlamentswahlen erha1t die »Unità Popolare« bei- nisierung und Migration in die Stadt eharakterisieren die Stadtentwieklung
nahe 200.000 Stimmen, was deren Etablierung in der Florentiner Parteien- der fünfziger Jahre. Vor allem die starke Expansion der traditionellen Pra-
landsehaft zur Folge hat. 1955, im Liehte dieses Erfolgs, vereinbaren »Unità teser Textilindustrie und der Florentiner mechanischen Industrie führen zu
Popolare« und die Sozialisten (Psi) die Zusammenlegung ihrer Listen für die einer relevanten Bevblkerungskonzentration in den vier gr6Bten Gemein-
Kommunalwahlen vom 27. Juni 1956. Diese Kommunalwahlen führen zu den der Provinz Florenz (Prato, Sesto Fiorentino, Seandieei, Campi Bisen-
einem starken Wandel der Parteienverhaltnisse, denn die Psi-Unità Popola- zio), die zusammen 80% der Agglomerationsbev6lkerung ausmachen. Die
re-Liste ist zuungunsten der Pci erfolgreieh. Die De kann ihre Position mit Bev6lkerungskonzentration nimmt aber allgemein im Zuge der Industria-
den beiden dem linken Lager der De angehbrenden Vertretem La Pira und lisierung in der Provinz zu. Die Industrialisierung rund um Prato und Flo-
Piste1li verbessern, doeh sehneidet die Koalition De-Psdi-Liberale insgesamt renz homogenisiert zwar den Wirtsehaftsraum, doch bleibt die sehiehtma-
sehleehter ab; sie erhalt 30 von 60 Sitzen im Gemeinderat, so daB die exter- Bige Zusammensetzung in den Gemeinden relativ stabil, wobei in Florenz
ne Unterstützung dureh die Psi-Unità Popolare-Liste unausweiehlieh wird. se1bst weiterhin der GroBteil der Angeh6rigen der Ober- und Mittelsehieht
Doeh ein Eintritt der Psi-Unità Popolare in die Regierung findet nieht statt. wohnt. Zwei Entwieklungen eharakterisieren in diesem Sinn die fünfziger
Die nationale De verhindert dieses Experiment einer Mitte-Links-Regierung. Jahre:
Die Bürgermeisterwahl dureh den Gemeinderat endet mit einem Patt zwi- • Demographiseh spitzt sieh die Differenz zwisehen zentralen urbanen und
sehen dem Vertreter der Linken, Raffaelo Ramat (Psi), und Giorgio La Pira peripheren landliehen Gebieten zu.
(mit je 26 Stimmen). La Pira wird, weil alter, als Bürgermeister einer Min- • Strukturell finden zwar industrielle Homogenisierungen des Territoriums
derheitsregierung De-Psdi gewãhlt, die seehs Monate lang überlebt und an statt, doeh bleiben die Vormaehtsverhaltnisse innerhalb des Raums be-
ihrer fehlenden Programmatik und Mehrheit im Februar 1957 seheitert. Die stehen.
grbBte Oppositionspartei, die Pei, kann das Vakuum nicht auffüllen, denn Diese Entwicklung wird vor allem durch das Fehlen jeglieher urbanistiseher
zu sehr marginalisiert sie sieh mit ihren Stellungnahmen zum Ungamauf- Steuerung gestützt. Die Stadtplaner verlieren dureh ihr teehnisehes Selbst-
stand. Der De gelingt es darauf, eine kurzlebige handlungsunfahige Einpar- verstandnis an Bedeutung, da sie zur politischen Diskussion keinen AnschluB
teienregierung aufzustellen. Diese Handlungsunfáhigkeit, die hauptsaehlieh finden. Diese findet ungeaehtet der konkreten Probleme von Florenz statt
mit der fehlenden gemeinderatliehen Mehrheit erklãrbar ist, führt kurz darauf und besteht vor allem aus intemen Ausmachungen in der für die Regierungs-
zu einer Intervention des Staatsprasidenten, der die Regierung und den bildung zu zerstrittenen Christdemokratisehen Partei. Gleiehzeitig werden
Gemeinderat von Florenz auflbst und die Stadt bis zur Durehführung von Baulizenzen unüberlegt oder zum Teil auf der Basis des Riehtplans von 1924
Neuwahlen 1960 dureh einen beauftragten Beamten (Kommissiir) verwal- unter Becüeksichtigung des Konzepts von 1951 erteilt; einzig der für kul-
ten lãBt, dessen Funktion die Aufreehterhaltung des Vollzugs der ordentli- turelle Güter zustandigen Beh6rde (Soprintendenza ai Monumenti) in der
ehen Aufgaben der Gemeinde ist. Stadt gelingt es, zum gr6Bten Hindernis einer ungesteuerten Bautatigkeit zu
Die Phase zwischen 1951 und 1961 ist, was MaBnahmen der urbanisti- werden.
sehen Planung anbelangt, nieht relevant. Die Bloekierung des politisehen
52 Stadtentwicklungspolitik zwischen Demokratie und Komplexitiit Die politische Organisation der Stadtentwicklung aus historischer Sicht 53
1.4 Die Phase des Unterlaufens der Planung
• Drittens eine spezifisch territoriale Sicht, we1che die Ausrichtung der
durch korporative lnteressen
StadtentwickZung in nordwestZicher Ríchtung, die Dezentralisierung der
Zu Begion der sechziger Jabre besUitigt sich die planeriscbe Ohnmacht der sozialen Dienste und die bessere Ausrüstung mit verkehrstechnischen In-
kom:munalen Behorden, indem das F10renz betreffende Teilstück der Auto- frastrukturen der externen Stadtgürtel vorsieht.
strada del oh?e Anhorung der Stadt Florenz gebaut wird. Die poUti- Die Realisierung des Plans basiert auf vier Grundannahmen:
wJrd lmmer mehI als e.inzige Mõglich.keit gesehen, Florenz • die stãndige interkommunale Koordination;
zu machen. Die Kommunal wahlen Yom 6. November 1960 • die Rea1isierung vertraglicher Vereinbarungen zwischen staatlichen und
lauten dJesen Wandel em: Die Christdemokraten verlieren ihre beo-emonia- kommunalen Verkehrsbetrieben und der Autobahngesellschaft Anas mit
le Stellung sehen sich einer erstarkten Kommunistischen Part:i und ei- der Stadt zur Finanzierung der Eisenbahnlinien von Osten nach Westen
nem ]elchten Verlust der Sozialisten gegenüber, die gleich nach den und der Autobahntangenten im Westen (Autobahnanschluf3 nach Siena
Wah1en lhren Anspruch auf eine Regierungsbeteiligung fonnulieren. Nacb bei Careggi) und Osten (Anschluf3 in Varlango-Campo di Marte nach
Verbandlungen bahnt sich - w:ie in Genua, Mailand und Venedio- - Florenz-Süd);
10 Mit:e-Links-Regierung an, die von La pjra angeführt w;d, • die Integration offentlicher und privà.ter Finanzierungen wie die Erhohung
der Dc-Psdi.-Psi-Regierung wird. Neben der traditionel- managerialer Fãhigkeiten der Gemeinde Florenz zur Realisierung von
len Slcbtweise von La pita entsteht dadurch ein reformisti- Dienstleistungszentren;
cber Pol. der Die programmatische Vereinbarung zwiscben • der systematische Ausbau des offentlichen Wohnungsbaus zur Aufwer-
leht vor allem die Forderung der lokalen Autono- tung der Peripherien.
rme, die der Administration und die Verabschiedung ei- Alle vier Annahmen realisieren sich jedoch nicht: 11 Das Wachstum der
nes kommunalen Rlchtplans vor, der sich gegen die Spekulation stellen fünfziger J ahre setzt sich in den sechziger J ahren nicht fort. Die 1963 ein-
und elD geordnetes Wachstum von Florenz fordern soU. setzende Rezession führt zu einem, auch im relativ flexiblen und durch den
. der finanziellen Scbwierigkeiten nirumt die Regierung gIeich die Tourismussektor stabilisierten Wirtschaftsraum, geschwachten Wachstum
wlcbugsten Probleme in Angriff: Bau von SchuIen sozialer Wohnungsbau, und zu strukturellen Veranderungen. Die durch die Rezession mitaus-
des Transportsystems und der offentlichen Beleucbtung. Der geloste Inflation bewirkt erhOhte Investitionen in Immobilien. Die Boden-
wlchtl?stePunkt bestebt in der Erarbeitung des neuen Richtplans durch den preise erbohen sich dadurch in dem dicht bebauten Raum Florenz und
Edoardo Detti, der am 28. Dezernber 1962 im Gemeinderat zwingen renditescbwache Industrien zum Verlassen des stadtischen
verabschledet wird (SpinjJCasali, 1986: 165). Raums. Die Wohnungspreise werden zwischen 1964 und 1971 zu den
Der kommunale Ricbtplan besitzt drei zentrale Elemente die bereits im hOchsten Italiens.
von 1951 von Detti entwickelt wurden (Campos Veduti 1987: 196. Die veranderte Wirtschaftslage führt zu Konkurrenzverhaltnissen zwi-
• schen den Gemeinden, was auch die interkommunale Koordination er-
• Z.um eiI1:e defensi Strategie der Wachstum.sk:ontrolle, die versucbt, schwert. Die Gemeinden rund um Florenz tendieren eher dazu, autonome
dle die vor der urbanen Expansion zu Richtplãne aufzustellen und sich an der Koordination, die dubiose Vorteile
schutzen, aber auch die Satunerung der stãdtischen Wohngebiete ru stop- verspricht, nicht zu beteiligen (Baldeschi, 1983: 64). Der Richtplan von 1962
pen . erhoht demnach eher die strukturelle Heterogenitat des Raums Prato-Flo-
• anderen eine planerische Herausforderung in der politisch-admini- renz als daB er sie vermindert .
. tratlven Anrassung an die h.ationalen gesetzlichen Bestimmungen wie Auch die zweiteAnnahme verwirklicht sich nicht: Sowohl die staatlichen
m der VOD Modellbestimmungen der physisch-rãumlichen Eisenbahnen wie die Autobahngesellschaft kooperieren nicht oder nur halb-
Stadtentwlcklung vor al1em im Bereich Verkehr und Dienstleistungen. herzig mit der Stadt Florenz. Damit wird auch das geplante Dienstleistungs-
........

54 Stadtentwicklungspolitik zwischen Demokratie und Komplexitiit Die politische Organisation der Stadtentwicklung aus historischer Sicht 55

zentrum, vier Kilometer vom historischen Zentrum entfemt, nicht realisier- schlage (Dc von 34 4% auf 28,4%, Psi von 13,9% auf 10,7%), die sich zu-
bar. Die Planung der sechziger J ahre hãlt sich weiterhin von der Ebene von gunsten der Pci (von 32,5% auf Li?eralen
Novoli fem und realisiert GroBbauten wie den KongreBpalast, den Handels- 4 8 % auf 12%) au wirken, wahrend s1ch dle PSd1 stab111Slert. Dle Dc verhert
palast und das Staatsarchiv im Stadtzentrum, ohne daB diese Bauten not- rechts, was die Kritik an La Pira legitimiert, die Psi nach links zugun-
wendigerweise im Stadtzentrum liegen müBten. Auch die Beachtung der so- sten der Pci und der neuen Parte i Psiup. Die Linke der Dc wie die aktioni-
zialen Vorhersagen des Plans bleibt gering. Die sozialen Infrastrukturen stische Fraktion der Psi werden parteiintem marginalisiert. Doch verhindern
werden kaum realisiert und der offentliche Wohnungsbau beschrankt sich die neuen Krafteverhaltnisse im Gemeinderat die Bildung einer stabilen Re-
auf die auBerste Peripherie. gierung. Bis zu den ordentlichen Wahlen vom 12. 19?6 w.echseln
Der im Plan vorgesehene starke Eingriff in die Privat- und Immobilienin- Exekutiven standig, wobei sich der Machtkampf auf dle b1shengen Reg1e-
teressen bewirkt in dieser Rezessionsphase zusatzlich einen koordinierten rungsparteien der Mitte-Links-Koalition und deren intemen
Angriff der konservativen Krafte und der Kapitalinteressen: Im November beschranken. Florenz wird dadurch emeut unregierbar, woran auch d1e
12
1962, am Parteitag der Sozialdemokraten, beginnt die Kampagne durch den folgenden Wahlen nichts andem werden.
Stadtrat Giulio Maier, we1cher der Regierung Immobilismus, schlechte In eine groBe Krise stürzt Florenz jedoch am 4. November 1966, als der
Steuerung des Finanzhaushalts und mangelnde Bereitschaft zur Zusammen- Amo über die Ufer tritt und Hauser, Monumente, Bibliotheken und Museen
arbeit vorwirft. Der konservative Flügel der Dc unterstreicht diese Kritik in zerstõrt. Die Florentiner Bevõlkerung, unterstützt von einer groBen natio-
La Nazione, der Dc-nahen Tageszeitung. Im Dezember 1962 reicht Giulio nalen und intemationalen Solidaritat, reagiert darauf mit Arbeitsamkeit, Ruhe
Maier seinen Rücktritt ein, doch gelingt es ihm nicht, dadurch eine Regie- und Selbsthilfe (vgl. Vannucci, 1988). Dagegen zeigt die politische Führung
rungskrise auszulõsen, denn ein Parteikollege Maiers tritt an dessen Stelle. eine absolute Handlungsunfahigkeit (vgl. Zevi, 1982). Für die Stadtplanung
Die Annahme des kommunalen Richtplans erlaubt der Regierung ei ne bedeutet dieses Ereignis eine Rückkehr in die frühe Nachkriegszeit, denn
Verschnaufpause. Es gelingt die Realisierung õffentlicher Arbeiten (Schu- emeut wird das historische Zentrum zum Schauplatz der Stadtentwicklungs-
len, StraBen, FuBgangerübergange und die Überdeckung des Affrico) sowie diskussion und der PlanungsmaBnahmen, wahrend die Peripherie weiterhin
die Wiederaufnahme der Initiativen im von der F10rentiner Politik traditio- sich selbst (oder eben dem spekulativen Hausbau) überlassen bleibt (Bal-
nen gepf1egten intemationalen Bereich. Dies lOst jedoch emeut Angriffe von deschi, 1983: 70).
rechts auf die Florentiner Regierung aus, die durch die Entscheidung des Dieser Rückschlag in der kommunalen Planung starkt jene konservati-
Bürgermeisters, die Durchführung des nationalen Unità-Festes in Florenz ven Interessen, die Florenz auf das Territorium des historischen Zentrums
zu gestatten, weiter geschürt werden. Zudem wird von seiten des Sekretãrs beschrankt sehen wollen. Hinter diesen Interessen steckt ein politisches
der Sozialisten, Mariotti, Kritik an den eigenen Stadtraten laut, die sich zu Projekt, das einen Tertiarisierungsschub vorschlagt, von dem sowohl die
stark an La Pira ausrichten und zu wenig der Parteilinie folgen. Auch in der Bau- und lmmobiliengesellschaften wie die Kleinbesitzer, Handler
Dc entstehen zwischen Parteilinken und -rechten starke Konf1ikte (Spinil Handwerker profitieren soUen. Dem Projekt gelingt es jedoch nicht, sich
Casali, 1986: 167). durchzusetzen, denn die zerstrittene christdemokratiscbe Florentiner Elite
Anfang 1964 bringen diese Auseinandersetzungen die zu erwartende übernimmt diese Konzeption nicht. Auch ist das der politischen Zielsetzung
Regierungskrise und den emeuten Rücktritt von La Pira. Dies führt bis zu entsprechende õkonomische Ziel der Korporatisierung der Tertiarinteressen
den Kommunalwahlen vom 22. November 1964 zu einem politischen Va- für den an Differentialrenten orientierten fortgeschrittenen Tertiãrsektor zu
kuum und zur programmatischen Blockierung. Die Planungsleitung der Stadt wenig attraktiv. Doch genügt diese politisch vorgetragene .um
operiert in dieser Zeit ohne Erfolg: Ihr mangelt es an politischer Unterstüt- die Florentiner Wirtschaft weiter von den umgebenden Gememden ZU 1S0-
zung wie an minimalen Entscheidungskompetenzen. Die vorgezogenen lieren und Versuche kommunalerund interkommunaler Planung zu erschwe-
Wahlen vom 22. November 1964 bringen der Dc und der Psi starke Rück- ren.
í 56

I?as in
tí.on
Stadtentwicklungspolitik zwischen Demokratie und Komplexitiit

Jahren begonnene Experiment der Mitte-Links-Koal i-


t Jcb als zu schwach, um Florenz zu regieren. Es geJingt zwar,
Die politische Organisation der Stadtentwicklung aus historischer Sicht

interkommunalen Richtplan vorlegt (Piano intercomunale fiorentino - Pif).


Die Planungsgruppe besteht aus den zwei Chefingenieuren von Prato und
57

Florenz und aus je einem Partei vertreter von Dc, Psi und Pci. Die wichtigste
emeo zu erstellen, doch ist er politisch nicht dorchsetzbar. In be- Neuerung im Vergleích zu früheren Planungsideen besteht in der Grundop-
scbeltert er der feblenden politiscben Kontinuitat. Die stand:iae
tion einer Steuerung, die auf der Philosophie der Grenzen des Wachstums
und von Regierungen sowie die Aufspaltungen in aufbaut. Zwei Schlüsselideen stützen diese Option: Der Versuch, die freien
den vor allemjn konservati ve Vertreter deT Gewerbein- Raume zu schützen (»piano dei vuoti«) und der Versuch, die bebauten Raume
tere.s ?es Zentroms und in progressive cbristlich-soziaJ oder sanft zu renovieren und umzunutzen (»razionalizzare l' esistente«). Doch
mspu?erte .erlauben den jeweils für die Stadtplanung stehen diese Plane in offenem Widerspruch zu den VorschUigen des GroB-
zustánd:igen Stad.trate.n eme langfristig angelegte Planung zu. betrei- ausbaus der Verkehrsinfrastrukturen, die dem Wachstumsmodell naheste-
ben .. lm Dle Regterungsãmter werden je nach Kriifteverhãltnis- hen. Der ínterkommunale Richtplan wird ebenfalls nícht umgesetzt. Die
sen den Partelen verschiedenen Intere seovertreter verteilt. und Planergruppe wírd durch die Regierungen der an der
es W.ITd eherver ucht. dle elgene Klientel in den kurzen Regierungsperioden Gemeinden schwach gehalten, logistisch nícht ausgerüstet, und lhre Vorschla-
als ru betreiben. Das Stadtplanungsas-
ge werden nicht gewürdigt (Baldeschi, 1983: 71). . ' ..
slch besonders gut. klientelistische Politik zu betrei- Die F10rentiner Regierung zeigt sich unfahig zu jeghchem pohttschen
ben, . es wlrd von schillernden Personlichkeíten durch die Wech eI der Entscheid und entwickelt weder Vorschlage zur territorialen Organisation,
Jahre .?ef?brr, die vor aUem darauf bedacht sind. sich genügend noch zur Wohn- und Nutzungspolitik des historischen Zentrums. Dieser
l!nterstutzung für dle folgenden RegierungsverhandJungen oder Wahlen zu Immobilismus der Florentiner Regierung bewirkt trotzdem groBe Verande-
slchern. rungen in der sozia1en Schichtung des Stadtzentrums; der
nismus der Wohnnutzung lost sich von politischen Standards und wlrd dem
1.5 Die Phase der gescheiterten Suche nach Auswegen
Marktmechanismus überlassen. GroBere strukturelle Veranderungen wie der
Gleichzeitig mit den wahlen anfang der siebziger Jahre wird zum Bau des Hilton-Hotels oder eines Universitatscampus in unbebauten Grün-
ersten der Rat gewãhJt In der Region bildet sích die erste zonen wird nur durch die starke Opposition der Kornmunistischen Partei und
wabrend sich in F10renz am 17. September 1970 der linken Offentlichkeít verhindert. Die Selbstblockierung des politischen
eme. tarke Mitte-Links-Koalüion formiert, die eine stabilere Systems stoppt auch die Losung anstehender urbanistischer Probleme ,:ie
Reglerungspenode verspricbt. Doch spaJtet sich diese Koalition schon nach die Ausdehnung der universitaren Raumlichkeiten (die seit 1965 geplant Ist)
in zwei sicb neutralisierende Lager. 14 Konflikte entstehen und die Schaffung notiger Raume für die regionale Administration, für das
uber dle und d:ie Unterstützung des õkonomischen Gericht und für Messetatigkeiten. Urbanistische Fragen werden mit dem
Dle Reglerungskrise folgt im JuU 1973 durch den Rücktritt der Mittel des Projektwettbewerbs gelost. Diese Methode hat den Vorteil, Ent-
chen Stadtrate bei der Abstimmung der Haushaltsbilanz. ImAu!rust scheide zu verschieben und als Sondierungsmittel potentiel1e Konflikte
Wtrd zwar wieder ein Bürgermeister gefunden, doch prasidierr e/'nur auszumachen. Jedes Projekt wird durch den Wettbewerb Konflikten ausge-
emlge :W0chen eine rninoritare Dc-Psdi-Regierung. Ende Oktober tritt die- setzt, was in der Folge den Immobilismus weíter steigert und díe Nichtwahl
se auch in dern Wissen über díe Notwendigkeit einer tar- von Projekten zur Regel werden laBt. . .
keo Regter:ung m Phase des Auftauchens des ersten Terrorismus in Die Kornmunalwahlen vom Juni 1975 bringen emen Trendwechsel m
komnu sarische VerwaJtung wird erneut bis zu den Wahlen im Florenz mit sich. Síe bestatigen den schon vor einem Jahr im Scheidungs-
JUDJ 1975 emgesetzt. Referendum sich bemerkbar machenden Linksrutsch und führen nach 25
In diesem Hand.lungsspielraum operiert die 1969 eingesetzte Pla- Jahren wieder zu einer linken Regierung im Palazzo Vecchio. Bürgermei-
nungsgruppe, dle 1974 emen Bericht zur ersten Phase der Arbeit an einem
Die politische Organisation der Stadtentwicklung aus historischer Sicht 59
58 Stadtentwicklungspolitik zwischen Demokratie und Komplexitiit

ster wird der Kommunist Elio Gabbuggiani, Vizebürgermeister der Sozia- Die lnteressenvielfalt und der knappe Verteilungsspielraum lassen die
list Giorgio Morales (vgl. Zoppi, 1982). Die urbanistisehe Situation naeh Nutzungsprobleme des historischen Zentrums, die von
den Wahlen ist gekennzeiehnet zeotren und das Flugplatzproblem dring1ich und glelchzeltlg sehwer
• dureh die Existenz eines Riehtplans ohne lnhalte; erscheinen. JegLiche Entscheidung verursacht in diesem Klima Konflikte,
• die diehte Bebauung des Verkehrsrings um Florenz, der wie eine Barriere so daB die Recrierung eher dazu neigt, Entscheide in ausdifferenzierte ek-
wirkt; tonelle Entscheidungsgremien auszulagem die den direkten Zugang der
• die Notwendigkeit, die Rãumliehkeiten der Universitat auszudehnen' Interessengruppen erlauben und bedingen' die
• die Dringliehkeit, neue Raume fur den Tertiarsektor auBerhalb des werdeo dadurch entmacbtet. Diese in den siebziger Jahren lOst1tutmna1isJer-
trums oder dureh die Umnutzung innerhalb des Zentrums zu sehaffen und ten sektoralen Entsebeidungsgremien tendieren zur Konservierung ihrer
spontane, die Stadtentwieklung blockierende Ansiedlungen rüekgiingig Entscheidungskompetenz und werden so zu Zentren der
zu machen; ten aber relati v effizienten Interessenmediation, welcbe dle Konfhkte la-
• die ausgedehnte pbysisehe Dimension der Stadt, die jedoeh das Woh- ha1ten und reproduzieren, aber nieht verhindem. . .
Die Institutionalisierung starker sektoraler Entscheldungsgremlen steht
nungsproblem meht aufhebt, sondem es aufgrund der dureh die Neuan-
siedlung von Untemehmen ausgelõsten Anziebungskraft der Stadt auf im Wider pruch zur potentieU erstarkten der
das UmJand aueh in der stiidtiscben Peripherie versehi:irft (vgl. Ma ei, Denn a1.1e Exekutiven der Florentiner und Prateser Gememdeo zelgen em
1983: 95). homogenes Bild linker Koalitionen, was eine erhohte zur
Regierung entfa1tet zu Beginn der Legislaturperiode eine groBe Akti- dination erwarten lieBe. Aueh werden im Laufe der Rev1Sl0n der
V1tat und kündet damit mren Reformwillen und bessere Zeiten für Florenz len Kompetenzverteilung in den siebziger Jahren, und
an. Ein Plan - das »ProjektFlorenz« - wird vom Gemeinderat verabschie- den mit mehr Entseheidungsbefugnissen ausgestattet. Den lmken Reglerun-
det. Der PIan siebt Investitionen von 155 Milliarden Lire vor und steJlt ein gen erõffnet dies die Mõglicbkeit auf
kohiirentes Projekt dar. Die Finanzierung solJ über Hypotheken und Obli- institutionellen Ebenen. Doeh führt dlese Homogemtat aueh dazu, daB dle
gationen gesichert werden. Die Projekte sind in verschiedenen Bereichen wirkliehen lnteressengegensatze zwisehen den sozio-okonomischen Forma-
angesiedelt: Interventionen im Wirtscbaftssystem sollen versueben den tionen kIar bervortreten. .
Die sozio-okonomische Entwieklung Ende der siebziger Jahre bestat1gt
qua1.itativen Tertiiirsektor zu fõrdern und die lokale Produktion zu
der Kulturbereicb so11 mit MaBnahmen rur Wertsteigerung und Sanierung die seit Beginn der siebziger Jahre anbaltende Tendenz des Attraktivitats-
der kulturel1en DenkmaIer, der Organisation von hochwertigen AussteUun- verlustes des Raums Prato-F1orenz, der sicb in der Verlagerung der lndu-
striebetriebe vom Zentrum in die Peripherie und in den negativen Migra-
gen und der Pavorisierung der Universitãt und der Bibliotbeken aufgewer-
tet werden. Florenz soU auch wieder an eine interkommunale Politík der tionssaldi ausdrüekt. Diese Tendenz findet para1lel zur Abnahme der Bevõl-
õkonomisehen und sozia1en Entwieklung angebunden werden. Der Ausbau kerung statt. Die urbanistisehen MaBnahmen veriindem in
der sozialen Infrastruktureo und der Verkehrsinfrastrukturen sin d weitere dieser institutionell-politisehen und sozio-strukturellen meht:
Der interkommunale Plan wird nicbt mit neuen lnbalten angerelehert oder
wiehtige Ziele. Doeh gelingt die Umsetzung der hoehcresteckten Ziele
nicbt. Die Versehãrfung der õkonomisehen Krise und damit erhõbten revidiert sondem behaIt seine widerspriichlicheo Elemente bei. Die urba-
sowie das Problem der Terrori musbekãmp-
ni un
Planung steckt Dilemma der zunehmenden und
fung blockieren die Umsetzung der MaBnahmen. Aucb die Institutiona11- mangelnden Projektfàhigkeit chwach geha1tener r:'le
der 1976 a1s dezentralisierte admioistrative Organe zunehmend ioterveniereoden lnteressengruppen relchen von den Gemem-
rrut Vorschlagsrecbt lO der Planung führt nur zu Teilerfolgen 15 (Spini/Ca- deregierungen, der regionalen Regierung, der Universitat, den
sali, 1986: 172). nen, der Autobahngesel1schaft, der Flugplatzgesellsebaft Peretola blS hm zu
61
Die politische Organisation der Stadtentwicklung aus historischer Sicht
60 Stadtentwicklungspolitik zwischen Demokratie und Komplexitiit

erklãrt weitgehend die B10ckierung des politischen Systerns und den einfa-
den den Gewerbe- uud Berufsgruppenverban- 17
chen Zugang, den lnteressengruppen zur Regierung haben.
den deo professlOoellen Urbarusten und den Quartierraten.
Gleichzeitig verhindert diese Situation eines zur Blockierung neigenden
der in Florenz demnach eine linke Regie-
politischen Systems dieAusbildung einer an
rung, dle zwar die. RegIerbarkelt und die korrekte Administration garantie-
ten Stadtentwicklungspolitik. Zwar ge1ingt sowohl der Mltte-Lmks-Regle-
ren kann doch kemen Weg findet, mit den vielen etablierten Interessen in
rung von 1962 als auch in den von Kommunisten geführten Regierungen die
urnzugehen und zukunftsweisende Projekte fur die Stadt zu formu-
Formulierung von komplexen Planungsvorstellungen (wie zum Beispiel der
lieren oder gar umzusetzen.
Detti-Plan), doch bleiben diese gerade wegen den Widerstãnden von lnter-
1982 tri.tt cliese linke Regierung, die durch einen Koalitionswechsel in
essengruppen, die leicht Zugang zur Regierung haben, unrealisiert. Auch die
Minderbeit gerãt, 16 zuriickund macht einer nacb rõmischem Muster formier-
einzige seit der Nachkriegszeit beinahe immer in der Regierung vertretene
ten Dc-Psi-Psdi-Pri-Liberale Platz. Die KommunaIwablen
Sozialistische Partei kann keine führende Rol1e einnehrnen, denn ihre Zusam-
v.?n brmgen der Fünferkoalition in ganz Italien eine Niederlage uud
mensetzung war und ist weiterhin zu heterogen. Als Sammelbecken von
fü.ru:eu. Florenz - mitbestimmt durch einen Klimawechsel innerhalb der
vie1en Interessen kann sie nur stark werden, indem sie keine Projekte formu-
SOZlali tl cben Partei, in der die Linke wieder erstarkt - zur Wiederaufnah-
liert, aber al1en Interessengruppen einen leichten Zugang in die Regierung
de .Dialogs mit den Kommunisten und der Bildung einer Viererkoali-
erlaubt.18 Sie kann auch als einzige Partei diesen Zugang garantieren, denn
[l?n Sozialisten, Sozialdemokraten und Liberalen ,
ihr Beitrag an der Bildung von Regierungen ist entscheidend, was nicht nur
- 0.1 t der erste mit viel und Willen zur Verbesseruug zu ihrer stãndigen Tei1nahme an der Regierung führt, sondem ihr auch er1aubt,
dle m dle Hand mmrnt und die Ausarbeitung eines
darin ihre Forderungen durchzusetzen. Dies führt, wie Cazzola (1987) auf-
neuen Rlchtplal1s ennõglicht (vgl. Morales 1989: 134-157).
zeigt, dazu, daB die Vertreter dieser Partei oft jene Stadtratsmandate
1.6 Schluj3folgerungen haben die am meisten Verteilungsspielraum erlauben, aber auch dazu, Wle
Mass;ri (1987) feststellt, daS diese Partei gemessen an ihrem Stimmenanteil
Aucb rueser Regierung wird e nicht glücken, eiD »Projekt für Florenz« in den Exekutiven stark überreprasentiert ist.
19
umzusetzen. Dem Florentiner lmmobili mus kann auch durch die Beteili- Die strukturellen Verãnderungen im Florentiner Raurn sind deshalb eher
gung der Kommunisten an der Regierungsverantwortung ab 1975 kein Ende als Ergebnisse einer fehlenden urbanistischen Steuerung in den Gerneinden
gesetzt .werden: Sie befinden skh - und das ist die einzige Konstante der zu interpretieren. Der Motor der Stadtentwicklung ist der Markt, dessen
Pohtik der letzten dreiSig Jahre - mit relativer Mehrheit in einer Entwicklun al:) slol:>o ik die Vormacht gegenüber der Planung aufgrund der•
in der clie ent cheidenden Krãfte kleine Parteien sin d, Untergrabun l:>a aller bisherigen Florentiner Regierungen durch korporatlVe
20 .
ihr kampfen und dieses nur garantieren kõnnen, wenn sie Interessen bewahrt (vgL Asor Rosa, 1987; Cusmano, 1990: 83ff.). Dle ur-
e1De .elgene aufbauen pflegen. Als Zünglein an der Waage gelingt banistischen Rege1ungen zur Gebietsnutzung sind durch eine groBzügige
es dlesen .ID1tregterenden klemen Parteien jederzeit - egal ob sie mit den Praxis der Vergabe von Nutzungsrechten gekennzeichnet, was eine Verdrãn-
Kommumsten oder den Christdemokraten regieren - Entscheidunaen zu gung der lndustrie vorn Kemgebiet und eine durch
verhindem, weJche dle vorherrschenden Verhãltnisse in der Stadt unddamit gen erleichterte Neuansiedlung im Gürtel zur hat. Dle
den eigenen verandem kõnnten. Dle Regierongs- der Wohngebiete folgt grõBtenteils der demographlschen Umstruktunerung
mussen zwar kemesweg einstimmig gescbehen, doch lõst und den billigeren Bodenpreisen und führt zu einer erhõhten Bautatigkeit
de.r Austrrtt emes au der Regierung automatisch eine Regierungs- im Gürtelgebiet. Einen gewichtigen Einflu6 hat die Intervention im
kris: einer Partei einem Veto zu eiuem Regie- des urbanen und des Agglomerationsverkehrs. Die Mobilitat im Florentmer
runl:)sQeschãft glelchkornrnt. Dleser Sachverhalt einer fehlenden starken Raum beruht noch heute auf den breiten UrnfahrungsstraBen des historischen
Mehrheitund eines die kleinen Parteien favorisierenden Regierungs ystem
.. orgamsa
. (wn der Stadtentwicklung aus historischer Sicht 63
Die polLtlsche
62 Stadtentwicklungspolitik zwischen Demokratie und Komplexitiif
Sozialpartnerscbaftlicbe Stadtentwicklungspolitik in Wien:
Zentrums und auf der Autobahntangente. Die urbanistische Erfahrung von 2.
Der Wiener KompromiB
Florenz zeigt also einen ungenügenden Gebrauch des Planungsinstrumen-
tariuros auf. Der Entwurf zum neuen Richtplan versucht diese Miingel zu . h O · d West führte Wien zu einer Posi-
beheben, ist aber bereits politisch umstritten. I?ie ist eine der drei Uno-Stãd:e und
tlOD von we tpo 1 S B . "d E as Im osterreichlschen
So resumiert Cusmano (1983: 55) die urbanistische Situation von Flo- ahIt zu den bedeutendsten Kongre sta< ten urop . d ' "b
renz in den achtziger Jahren als Krise, die sich in der Polaritat von Urbanitat nimmt Wien einerseits die. alzeHauptsta ;
und Niedergang ausdrückt. Die Stadt besitzt zwar enonne Entwicklungspo- aeordneten Einricbtungen ein. Anderer elts ISt Wlen ntrum un
Q .
tentiale; sie kann diese jedoch nicht ausnutzen. Auch Campos Venuti (1987:
200) beurteilt die Florentiner Stadtentwick1ung kritisch indem er feststellt, roBte Gemeinde Osterreichs und zeichnet sich
daB die lange Phase ohne kommunalen Richtplan (von 1962 bis 1985) zu . WirtschaftsmodeUen anderer o:r-
einer urbanistischen Politik des Krisenmanagements ohne generelle Vision lm. .. 11' difti enzierte Wirtschaftsstruktur aus. er
reichlscher dw:c .seme B er . a1produktes entstebt in der Stadt-
geführt hat (vgl. auch Cresti 1987). Die Folgen dieser Politik zeigen sich
in verschiedenen Schlüsselbereichen der Stadtplanung: An den Grenzen zu ein des arbeitet in dieser Region über
regIon len em l "lk u l o rund 1 8 Millionen
den Hügelketten entstehen kleine Zonen der Übernutzung, in welchen die . F"nftel der õsterreichischen Bevo erono' a s . ' . k
in den nationalen und regionalen Gesetzen vorgeschriebenen sozialen In- em u . D' Be wirtschaftltche Bedeutung ann
Men chen, lebt in der be' nahe allen Wirtschaftssparten
fra trukturen unüber1egt plaziert werden. Die Prax:is der Verdichtungen im auch anhand der fubrenden Ro e lens m l .
Hügelgebiet wird erst 1975 mit dero regionalen Gesetz zum Schutz der d (vgl Kainrath 1988: 163-167). .
abgeles en wer :. . . . . . h' he Stadtesystem seit dem Zwel-
landwirtschaftlichen Gebiete gestoppt Er t 1980 kanu durch clie regionale Trottdem welst das ubnge lSC.. . amik f D· e erklart
Gesetzgebung clie Zerstorung des mit zwei- bis dreistockigen Wohnhausern . . '/I l· h zu W.en etne oroBere Dyn . au. l
und alten Industriegebauden besetzten Stadtrings aus dem ] 9. Jahrhundert ehTdg. elc l n'veRandlaa;Wiens in Europa (es liegtost1icher
slch emerselts durc le re a o . E' hriinkungen
gebremst werden. Bis dahin hat sich das Bild der Stadt jedoch stark veriin- al Prao u) und andererseits durch die . h hm' _
dert. Hunderte neuer Hauser und Fabriken mit hoher Nutzungsintensitat . l h d' Wirt cbaft lill Osten vsterrelC s
nach dem WeltIa:leg, we c e le n as zu beteiligen. Nach dem
stehen im empfindlichen Gewebe der Stadt des 19. J ahrhunderts. Die Prax:is derte sich am desUinder eine
des muddling through hat in der Kernstadt weniger formalen Schaden an- Zweiten Weltkrieg erhielten vor allem dle
gerichtet. Sie favorisiert aber eine weitere funktionale Umnutzung hin zum . .. Bere Bedeutung. Auch der Ausbau des natlon en . .
Tertiar- und Tourismusbereich21 ohne Losungen für clie im Zentrum noti- sich eher an West- und Innerosterreich als :m Wlen. In dle em
gen Spitalraumlichkeiten aufzuzeigen. Auch betreffend der für Plorenz be- Sinne stellte 1982 der amtierende Stadtrat Wurzer fest. .
deutenden interkommunalen Dimension sind Koordinationen bisher geschei- . d S" dautobahn der baldige Bau des Semmenng-
tert. 22 Die rasche Ferhgstellung ber dU W sind deshalb unter anderem
Angesichts der Probleme der Deindustrialisierung, der Tertiarisierung und Basistunnels der Aus .au er de B deshauptstadt von sehr groBer
für die zukünftlge Entwlcklung er un
des touristischen Booms, verfügt Florenz zu Beginn der achtziger J ahre weder Bedeutung (Wurzer, 1983: 8). . .
über einen organischen Plan noch über interkommunale Unterstützung. Die ' . . h d Landesteilen splegelt slch aucb
AuBengemeinden sind auf ihr Territorium als urbanistischen Wirkungsbe- Diese Regionen wider.
reich beschriinkt, ohne die Moglichkeit zu besitzen, auf groBe Veriinderun- in der . h (Buraenland Niederosterreich
gen wie die Ausdehnung in Richtung Nord- und Südwesten reagieren zu Wahrend die Bevolkerung m Ostosterrelc o. • . . . In f-
und Wien) zwiscben 1951 und 1981 um 1 9% abmmmt, stelgt Sle lD ne
konnen.
Die politische Organisation der Stadtentwicklung aus historischer Sicht 65
64 Stadtentwicklungspolitik zwischen Demokratie und Komplexitiit
d die Kemstadt wird baulieh weiter verdiehtet. Zwi-
õsterreieh (Kãmten, Oberõsterreieh und Steiermark) um 11,1 % und in tung Nordosten, un 6 00 W h n gebaut
West6sterreich gar um 40,7% (Salzburg, Tirol und Voralberg) an. h 1951 und 1961 werden jahrlieh ungefãhr 2 o nunge .
se en . d N b lb . ken im Westen und 10
Die zukünftige Entwicklung Wiens deutet jedoeh auf einen Trendweeh- mit den hoehsten Zuwaehsraten 10 en o e . . (H'
. k Fl .d dorf Favonten und LleslOg el-
sel bin (vgL MayrlSeitlinger, 1984). Die Bevõlkerung nimmt zwar von 1971 den Stadterweiterungsbezlr en on s , . h' Jahren
. h 1985' 83) Mit dem Konjunkturaufsehwung 10 den see
bis 1981 weiterum5,5% von 1,62 Millionen auf 1,53 Mi1lionen Einwohner mse , .' d noehmals um etwa 114.000 Einhelten, also
ab, docb scbeinen sich die im Stadtentwicklungsplan (STEP, 1985: 44)
eine klare Standortpolitik de.s
gestellten Prognoseo eines weiteren Rückgangs nieht zu verwirklichen. Im um am südliehen und nordliehen Stadtrand mlt ehar tenst1-
Gegenteil wird fur die neunziger Jahre wieder mit eioem Wacbstum gerech- WohnungsbaU\ la en wie der Per Albin Hanssen-Siedlung oder der
net (vgl. Magistrat der Stadt Wien et al. 1990). Vor allem die Offnung der
Grenzen im Osten und die fortschreitende europãische Integration, an der die AuB.enbezirke
. erin wacbsen an, wahrend dle Innensta t an 10.
sich ein Teil der õsterreichischen politischen und wirtschaftlichen Elite
S:en b;ginnr. Auch die Betriebsansiedlungen
beinabe euphorisch beteiligt (vgl. Cattacin/Kühne, 1989), Hilit eine steigen-
a zum Teil aus Platzgründen, da
de BedeutungWien und einen Wiedergewinn seiner Rolle - in Konkurrenz
nieht mehr mõglieh ist: zum Teil werden dle Betnebe aue
zu Berlin - als Drehscheibe zwischen Ost und West erwarten. 23 Das in der
Nachkriegszeit durch die relative Randlage Wiens bedingte langsamere Wirt-
schaftswachstum im Vergleich zum Westen Osterreichs scheint inzwischen Abbildung 3: Wiener Territorium und zentrale im Text
beinahe überwunden. Die Struktur der Wiener Wirtscbaft wird vom Terti- erwãhnte Orte
ãrsektor dominiert, der rund 70% der Aktivitãten ausmacht. Die Stabilitãt
und geringe Krisenanfãlligkeit der Wiener Wirtschaft beruht auf der von \
Donau
Klein- und Mittelbetrieben geprãgten Betriebsstruktur (vgl. Kainrath, 1988:
93f.).
Die bauliche Gestalt Wiens ist geprãgt von der Hügelkette des Wiener-
waldes der Einbettung in die Flu.Blandschaft der Donau und den vielen
Grünzonen (vgl. ZUI Orientierung AbbiIdung 3). Vom historischen Zen-
trum, der inneren Stadt, gehen zu Beginn des 18. Jahrhunderts wichtige,
die heutige bauliche Struktur prãgende Entwicklungen aus. Die »Befrei-
ung der Inneren Stadt« f'mdet, wie auch in anderen europãischen Stãdten
Mitte des 19. Jabrhunderts statt. Anstelle der Stadtmauern tritt der Ring, an 22.
dessen Seiten groBe Gartenanlagen und imposante õffentliche und private Donaustadt
Bauten entstehen (vgl. Lichtenberger 1977). Das Ende des 19. Jahrhun-
derts und der Beginn des 20. Jahrhunderts sind von einem neuen Expansi-
onsschub Wiens gekennzeichnet, der insbesondere von der Berichtigung
des F1uBlaufes der Donau profitiert. Die von Industriebetrieben geprãgten
neuen Ansiedlungen kõnnen dadureh konzentriscb entstehen. Ab 1910
werden neue, den Fabrikarbeitem gewidmete Wohnquartiere erstellt. In
der Phase des Wiederautbaus des durch den Zweiten Weltkrieg stark zer-
stõrten Wiens expandiert die Stadt über das linke Ufer der Donau in Rieh-
66
Stadtentwicklungspolitik zwischen Demokratie und Komplexitiit
Die politische Organisation der Stadtentwicklung aus historischer Sicht 67
durch den tertiãren Sektor verdrangt. In den siebziger Jahren kOll2entriert
sich der soziale Wohnungsbau aut den südlichen nnd nõrdlichen Stadtrand Landes weitergehende Autonomien vor. Die Wiens zeich-
(Liesing Favoriten, Simmering sowie Donaustadt). Wãhrend der bevõlke- net sich vor a1lem dadurch aus, daB Wien gleichzeltlg reglonale und
Bezirk Favoriten bereits Sattigungserscheinungen zeigt, muna1e Einheit ist. Diese Doppelstellung als Bun?esland und
ll1mmt FIondsdorf nochmals um 35% zu. Die Abnahme der Neubautãti-a- de erlaubt eine erhõhte lm zu oster-
keit in den siebziger Jahren aufgrund eines stagnationsbedingten reichischen Stadten, die mit Iandesgesetzhchen lhrer
den Nachfragedrucks am Wohnungsmarkt signa1isierte »das Ende der nungstatigkeit umgehen müssen. 24 Wíen gehõrt zudem zu 14
Stadterweiterungspolitik zugunsten einer Rückbesinnung auf die vorhan- ren Gemeinden mit speziellem Status, der die Einführung
dene Bausubstanz« (Heinisch, 1985: 84). Stadtrechts erlaubt (was insbesondere die Bezirksebene a1s weltere fodera-
Die Wiener Wohnungsstruktur laJ3t heute zwei groBe Problembereiche le Ebene ermõglicht).
erkennen: Die wichtigsten Organe der Stadt Wien sin d gemaB dem Landesgesetz-
• Aufgrund immer noch ungünstiger BeJegungsverhãltnisse besteht wei- blatt:
terhin ein..Wohnungsfehlbestand (beziehungsweise eine ÜberbeJegung) • Der Gemeinderat. . .
trotz Bevolkenmgsabnahme und fast konstanter Neubautatigkeit. In den • Der Bürgermeister, der vom Gemeinderat bestellt m .den
180.000 Kleinstwohnungen mit Dur einem Wohnraum leben 1981 circa meínderatsausschüssen, Unterausschüssen und KomrrusslOnen emen Sltz
270.000 Menschen. Die derzeitige WohnungsgrõBe ist mit 64 Quadrat-
hat. . d ãhlt d
metern gemaJ3 Befragungen um ein Drittel unterhalb der Wunschwerte. • Der Stadtsenat und die Stadtrate, die vom Gemem erat &.ew en.
• Ein GroBteiJ der A1twohnungssubstanz ist sanierungsbedürftig. Ungefãhr Der Stadtsenat wird vom Bürgermeister einberufen. Bel der Halfte der
210.000 Wohnungen, also etwa ein Drittel des Gesamtbestandes, gehõ- Anwesenden ist er beschluBfahig. Beschlüsse bedürfen der absoluten
ren zum Substandard (vgI. Eigler, 1988: 42). Mehrheit. h M· l· d
• Die Ausschüsse, die aus einem Stadtrat und mindes.tens ze n ltg le em
2.1 Stadtentwicklungspolitik in Wien des Gemeinderats bestehen. Sie sind die beschheBenden Organe der
Die õsterreichische Bundesverfassung definiert für einen Bundesstaat er- Gemeínde und sie bereiten die Angelegenheiten des Stadtsenats vor.
staunlich genau den Handlungsspielraum der Gemeinden. In organisatori- Beschlüsse bedürfen, zwecks Abstimmung mit dem Budget,
scher Hi?sicht gelten beinahe für alle Gemeinden dieselben Regeln _ sie mung des Finanzstadtrats, der dadurch eine Stellung lm mstItu-
haben em Recht auf Selbstverwaltung und sind die unterste Verwal- tionellen Design einnimmt. In den Ausschüssen smd ver-
tungseinheit -, wãhrend bezüglich der Finanzverfassung die GrõBe einer treten und der Magístratsdirektor darf an alIen Ausschussen mlt beraten-
Gemeinde ausscWaggebend ist (die Behandlung einer Gemeinde wird ím der Stimme und Recht auf Antragsstellung teílnehmen. .
Finanzausgleichsgesetz bestimmt). Die Bundesverfassung definiert zu- • Díe Kommissionen, die der Gemeinderat zur Vorberatung emzelner
dem die Gemeinde aJs selbstandigen Wirtscbaftskõrper, was ihr erIaubt, Gegenstande und zur unmittelbaren Berichterstattung den
Unteme.hmungen in Eigenregie zu führen. Im fõderalen Aufbau Õster- oder Gemeinderat wahlt. Síe kõnnen anstelle der Ausschusse Beschlusse
reíchs haben der Bund und die Lander lediglich Aufsichtsbefugnisse. Die- fassen. . h b . d
se Art von Vetomacht der übergeordneten territorialen Einheit wird jedoch • D·e Beirate der Stadtrate a1s Expertenkommissíonen. Sle a en m en
vor aHem Von den Landem und eher in seltenen FaHen vom Bund wahrge- Jahren an Bedeutung gewonnen. Ihre Arbeit findet abgeschottet
nommen (vgl. Rack, 1988). von der Offentlichkeit statt. . .
Die õsterreichische Planungsgesetzgebung (vgl. dazu Weber, 1985) sieht • Die Bezirksvertretungen mit dreiBig Mitgliedem und emem von
für Wien im Vergleich zu den anderen Stadten als einzige GroBstadt des gewãhlten Bezirksvorsteher. haben eme
geringe Autonomie; sie werden dlrekt vom Burgermelster kontrolhert, der
68 Stadtentwicklungspolitik zwischen Demokratie und KomplexitCit Die politische Organisation der Stadtentwicklung aus historischer Sicht 69

über Beseh1üsse informiert werden mu3, an den Sitzungen teilnehmen darf • Im Fliichenwidmungsplan werden zwar für alle Flachen Widmungskate-
und Beschlüsse sistieren kann. Die Bezirksvorsteher sind Exekutivorgane gorien festgelegt und damit zulassige Widmungskategorien
der Gemeinde und des Bürgenneisters. doch sind sie nur Ennachtigungen und nieht Gebote. Dennoch smd Sle
Die verschiedenen Ogane sind hierarchisch geordnet mit dem Bürgermei- zusammen mit den Bebauungspliinen die wichtigsten Instrumente der
ster an der Spitze, dem alle Stadtrate, Bezirksvertreter und Beamte unter- 6rtlichen Raumplanung. Alle raumbezogenen MaBnahmen dürfen dem
stellt sind und mit den schwachen Bezirksvertretuogen an der Basis, dieBe- Flachenwidmungsplan nicht widersprechen. Der Bebauungsplan steUt die
schwerden und AnreguDgeo der Bevolkerung gegenüber anderen Gemein- bebaubaren Flachen in ihrer Bau- und Nutzungsweise dar. Dadurch werden
deorganen kaum wirkoogsvoll vertreten konDen (vgJ. Mãrki, 1983: 137). Festlegungen im Flachenwidmungsplan, in Planu.ngen un?
Geoerell kano festgestellt werden, daS die Demokratisierung des Verfas- der Lander ersichtlich. Auch der Bebauungsplan Ist nur eme Ermacht1-
sungsreehts und der direkteo Demokratie in Wien zugunsten eines starken gungsplanung und keine Gebotsplanung. Dennoch ist der Bebauungsplan
Zentrali mus zuriickgeblieben sind. Die Verfassungsanderung von 1978 er- das wichtigste Instrument für die strukturelle Stadterneuerung. Denn er
moglicht zwar, daS Volksabstimmungen auf gesetzlicher Grundlage durch- bildet im FaHe von Neu- und Umbauten die Planungsgrundlage für die
geführt werdeD· die Volksabstinunungen sind jedoch schwer auszulosen - es vorgesehenen MaBnahmen.
braucht 60.000 U nter chriften dazu - und deren Ausgang ist rechtlich un ver- Der gr6Bte Mangel dieser Instrumente besteht in der
bindlich. Die Durchführu:ng hi:i.ngt zudem von einer Genehmigung des Ge- Moglichkeit zur Durchsetzung von gewünschten MaBnahmen, dle
meinderats ab, was die Gefahr der parteipolitischen In trumentallsierung Realisierung von Vorgaben hangt weitgehend von den Entscheldungen
erhoht. der Grundeigentümer ab. Zudem sind in diesen Planen keine
Die starke Verstrickuog vou Verwaltuog uud Parteien führt zudem zu Zonenfestlegungen moglich, die zum Beispiel umweltschützenschen
einem ge chlossenen politisch-administrativen System, daS in allen Berei- Bedenken Rechnung tragen k6nnten.
ehen der Stadtplanung konfliktscheu i t uod die Bevolkerung kaum betei- • Die rechtlichen Grundlagen sind in den Raumordnungsgesetzen der
Iigt. Versuche, die Bevolkerung miteinzubeziehen existieren zwar in den Li:i.nder - in Wien mit Doppelstatut - in der Bauordnung festgelegt. Die
Stadterneuerungsgebieten, beschri:i.nken sich jedoch nur auf die - trotzdem Bauordnung begrenzt die bauliche Ausnützung von Parzellen und Bau-
sehr wiehtige - Anhõrung und individuelle Hilfe. b16cken durch Bestimrnungen im Flachenwidmungs- und Bebauungsplan
Rechtllch betrachtet sind die wichtigsten lnstrumente der Scadtplanung rnittels der Regelung der GeschoBzahl, der Baudichte und der Fluchtli-
der Stadtentwicklungsplan und eine raumlichen Konzepte, der Flachenwid- nien (als Bebauungsgrenzen und Freiflaehenanteilen).
mungs- und Bebauungsplan die Bauordnung, das Stadterneuerungsgesetz Die aktuellen Bestimrnungen generieren eine Baustruktur mit hoher
und die ver chiedenen wohnungspolitischen Instrumente, auf die .kurz ein- Verdiehtung, die durch MaBnahmen wie Abbruch, Neubau, Ausbau, der
gegangen werden sol1: Nutzungsanderung und der Ãnderung des Grundstückszuschnitts laufend
• Stadtentwicklungsplan: Der Stadtentwicklungsplan formuliert Entwick- veranderbar ist. Die Bauordnung erlaubt zudem der Gemeinde, fa1ls ein
lungsziele unter Beriicksichtigung wirtschaft1icher und sozialer Faktoren offentliches Interesse vorliegt - wie zum Beispiel der U-Bahnbau -
und weist auf entsprechende territoriale Konsequenzen hin. Dieser Rah- entschadigungspflichtige Enteignungen.
men sollte die Grundlage der Flachenwidmungsplane bilden. Den kon- • Das Stadterneuerungsgesetz erlaubt der Gemeinde auf Antrag von Eigen-
zeptionellen Entwicklungsvorstellungen im al1gemeinen und zur Stadt- tümern Bezirksverwa1tungen oder dem Gemeinderat, Gebiete als sanie-
erneuerung im spezifischen kommen zwar eine besonders groBe Bedeu- zu erklaren und mit einer Reihe von MaBnahmen die
tung a1s Koordinationsinstrument der Bodennutzungs- und Finanzplanung Sanierung in diesen Gebieten zu fordern. .
zu, doch haben sie keine Rechtsfolgen. 25 • Für die Stadtplanung wichtige wohnungspolitische Instrumente smd das
1984 erlassene Wohnhaussanierungsgesetz, das Haus- und Wohnungs-
70 Stadtentwicklungspolitik zwischen Demokratie und Komplexitiit Die politische Organisation der Stadtentwicklung aus historischer Sicht 71

an.ieru.ngsmaJ3nabmen materiel1 fordert und das Mietreehtsgesetz, das Der Entwurf sol1 urspTÜnglich den Charakter eines internen Leitplanes
dem vor Kündigung gescbützten Mieter erlaubt, SaruerungsmaBnahmen besitzen, bekommt jedoch eine immer wichtigere politische Bedeutung, so
ohne die Zustimmmung des Eigentümers durchzuführen. daB am 9. Marz 1951 eine gemeinderatliche Kommission zur Vorberatung
des Entwurfs eingesetzt wird.
2.2 Die Phasen der Stadtentwicklungspolitik in Wien
nach dem Zweiten Weltkrieg Diese Kommission sti:i.rkt zuerst den Planungsentwurf, indem sie dem
Gemeinderat empfiehlt, dessen Vorschlage als Richtlinien für die zukünf-
Wiens Stadtentwiek1ungsplanung naeh dem Zweiten Weltkrieg durchlauft tige Stadtplanung zu genehmigen. Die wichtigste im Entwurf vorgeschla-
drei Phasen: Die Phase des Wiederautbaus und deT ersten pTovi orischen gene MaBnahme betrifft den sozialen Wohnungsbau. Sie wird von der
PlanungsvorsteUungen bis in die fünfziger Jahren, die Pbase der Expansion Kommission als prioritares Ziel in die politische Agenda der Stadtentwick-
Wien und der Entwicklung der ersten Grund.konzepte von Stadtentwick- lung Wiens aufgenommen. Wieweit diese Absichten jedoch realisiert wer-
lung in den ecbziger Jahren, die Fonnu1ierung von Leitlinien und der den ist schwer abzuschatzen. Sicherlich bekommt der soziale Wohnungs-
Ver ueh in der dritten Phase diese in einen komplexen StadtentwicklunO's- bau' den in den politischen Absichten formulierten Stellenwert, doch
plan zu integrieren. o
scheint der Entwurf a1s Interpretationsvorschlag für die zukünftige Stadt-
entwicklung keinen Richtliniencharakter übemommen zu haben. Oder wie
2.3 Der Wiederau.fbau
Wurzer feststellt:
Wien wird nach de.m zweiten Weltkrieg unter den vier Besatzungsmachten Nach dem Ausscheiden KarI Brunners im Jahre 1951 dürfte dieser erste
aufgeteilt, worunter vor allem die sowjetisehe Zone (Brigittenau, Wieden, Flachenwidmungsentwurf - der Originalplan ist leider unauffindbar - nicht
Favoriten und das linke Donauufer), deren wirtscbaftliche Entwicklung mehr weiter bearbeitet worden sein. Die bisherige Vorgangsweise, zur Lõsung
blockiert wird, zu Jeiden bat. Der Wiederaufbau kann trotzdem nach der Un- von Einzelproblemen jeweils einzelne Flachenwidmungs- und Bebauungs-
abhangigkeitserklarung Osterreichs vom 27. Apri11945 in Angriff genom- plãne zu erstellen, wurde daher fortgesetzt. Wie weit dabei der Flãchen-
men werden. Der Wiener Bürgermeister Theodor Korner konstituiert im Juli widmungsplan-Entwurf Brunners fallweise Berücksichtigung gefunden hat,
1945 eme Enquete für den Wiederau.fbau, welche dieAufgabe hat, Empfeh- ist heute kaum mehr feststellbar (Wurzer, 1983: 25).
lungen rur ein Sofortprogramm ein Wiederaufbauprogramm und ein Pro-
gramm rur die lãngerfristige Zukunftsentwicklung Wiens auszuarbeiten (vgl. 2.5 Der Abschluj3 des Staatsvertrags und die Entwicklung
Maetz, 1946). Diese ermoglicht in den ersten Jabren des Wiederaufbaus eines stiidtebaulichen Grundkonzepts
gezielte Interventionen. InnerhaJb von vier Jahren gelingt es rund 100.000
Der AbschluB des Staatsvertrages von 1955, der Wiens Aufteilung unter die
WOhnungen instandzusetzen und den Wiederaufbau einiger neura1gischer
Siegermachte autbebt, lautet symbolisch die Nachkriegsphase ein; die wirt-
Orte Wiens wie den Karlsplatz den Stephansplatzund den Donaukanalbe-
reich in Angriff zu nehmen. schaftlichen Rahmenbedingungen verbessern sich und ein kultureller und
politischer Wiederaufstieg Wiens wird erwartet. Für die Stadtentwicklung
2.4 Der Fliichenwidmungsplan-Entwuifvom Jahre 1952 folgenreich ist die Ausgemeindung von 80 der 97 Randgemeinden, die 1938
von Niederosterreich zu GroB-Wien gekommen sind. Trotzdem ist Wien mit
Der erste gesamtsti:i.dtische Planungsentwurf wird von der ersten GroBen 414 Quadratkilometern immer noch wesentlich groBer als gegen Ende der
Koalition Wiens - der sogenannten Rathauskoalition zwischen der Sozia- Monarchie. Insbesondere »die dünnbesiedelten Gebiete am südlichen Stadt-
listischen Partei (SPO) und der Volkspartei (OVP), die bis 1973 regieren wird rand sowie nordlich der Donau, erwiesen sich für die Stadterweiterung a1s
- in Auftrag gegeben und zwischen 1949 und 1951 in der Magistratsabtei- wertvoll« (Heinisch, 1985: 21). Die geplante Stadt-
lung 18 unter Leitung von KarI H. Brunner erstellt. entwicklung spielt bei diesen Erweiterungen eine unbedeutende Rolle. Die
in diesen Jahren entstandenen riesigen Wohnsiedlungen in den Peripherien,
72
Stadtentwicklungspolitik zwischen Demokratie und Komplexitiit
Die politische Organisation der Stadtentwicklung aus historischer Sicht 73
díe vorwíegend aus Fertígbauteílen erstellt werden, zeugen rur díese Pla-
phie integriert die veranderten der
nung ohne Gesamtkonzept. Die wichtigsten negativen FolO'en bestehen ín
Die Bevolkerungsentwick1ung stagmert, dle kommunalen
einer sozialen und demographiscben Segregation von und Arbeí-
pen sich und die mehr un? mehr ms
ten. Die monofunktionalen Siedlungen sind meistens ínfrastrukture11 unter-
Gleichzeitig nimmt die õffenthche Kritik an von
eine gro13e Zunahme der Pendlerbewegung und benõ-
der Offentlichkeit abgeschotteten Planung zu. Dle pohttsche ReaktlOn auf
tIgen elOe Reihe von kostspieljgen Folgeinvestitionen zur Verbesserung des
Wohnumfeldes. diese Kritík und auf die veranderten Entwicklungsbedingungen besteht von
seiten der Wiener Regierung in der Vorstellung von Leitlinien für die Sta?t-
Obschon die Zunahme von Entwicklungsproblemen in Wien zur Einrich-
entwicklung und in der Lancierung einer offentlic?en dle-
tung einer Stadtplanungsgruppe führt, die auch ein stadtebauliches Grund-
se Leitlinien. Die zwei relevantesten Neuerungen m den Leltbmen smd der
konzept erarbeitet, bleibt díe Planung wirkungslos. Insbesondere die Rat-
Einbezug neuer Planungsinstrumente, we1che die Beteiligung der
hauskoalition zwischen den Sozialisten und der Volkspartei (bei regelmãJ3i-
wohner an der Entwick1ung und Gestaltung Wiens varsehen und dle Ent-
ger Integration der Freiheítlichen Partei) verbindert durch ihre, in der Phase
scheidung zugunsten des Vorrangs der Stadtemeuerung gegenüber der Stadt-
eingespielte kurzsichtige Verteilungspoli-
erweiterung. Die in den Leitlinien als Orientierungshilfen vorgesehenen
tIk dle Verwlrkhchung emer Stadtentwicklungspolitik mit einheitlichen
Ideen sol1en in einem komplexen Stadtentwicklungsplan umgesetzt
Zielen. Die ideologisch labile Basis der Ratbauskoalition stabiJisert sich nicht
mit dessen Erarbeitung 1977 begonnen wird. Das Ziel dieses Stadtentwlck-
durch Programme und Projekte, sondem dank der Moglichkeit, die standig
wachsenden Einnahmen auf die Partner der Gewinnkoalition zu verteilen. lungsplans besteht in der Ausarbeitung.
Wien und in der Schaffung eines KoordmatlOnsmstrumentes für dle Tat1g-
Díe Fraktionsmentalitat in der Rathauskoa1ition blockiert die Formulierung
keit der Stadtverwaltung. Dazu wird innerhalb der 18
von gemeinsamen Zukunftszielen, und VorschJage in diese RichtunO' wer-
ein Arbeitskreis und zusatzlich von der Magistratsdirektion ein Arbeltsaus-
den, wídersprechen sie nur eínem der Akteure im »Zweieinhalbparteiensy-
schuB eingesetzt, der aus Vertretem samtlicher Geschaftsgruppen zusammen-
stem« (pe1inka, 1974: 33), gleicb abgelehnt. Dem durch zentralisierte Ent-
gesetzt ist und die fachliche Planung Geschaftsste11en koor-
sch.eídung strukturen gepragten politischen System Wiens gelingt es, alter-
dinieren sol1. In dieser Phase werden noch keme Kontakte auBerhaIb des
natIve VorschJagen bereits in ihrer Entstehungsphase über Vereinnahmung
abzublocken. Magistrats gesucht. Erst nach Abstimmung. und Diskussion innerhalb des
Magistrats konfrontieren sich die Planer rrnt den der
Für die Planungsdiskussion bedeutet jedoch der Entwurf eines stadtebau-
Stadt. Danach wird der Stadtentwicklungsplan kapltelwelse lm
lichen Grundkonzepts für Wíen den ersten Versuch eíner angemessenen
rat vorgeste11t. Erst nach diesen Abstimmungen wird. eine breitere ?ffent-
Reaktion auf díe rapíden Entwicklungen der Nachkriegszeit. Die in díesem
lichkeit eingeladen, sich zum Plan zu auBem. 1985 wrrd vom
Konzept angestrebte stadtebauliche Idee beruht im wesentlichen »auf einem
der Stadtentwick1ungsplan mit folgenden tragenden Elementen verabschle-
funktionelI gegliederten, aufgelockerten Organismus mit dífferenzierten
Betriebsbaugebieten«, »der sích unter Schonung der landschaftlich wertvoI- det: .
• Die Zersiedlung der Landschaft sol1 durch Siedlungsachsen
len westlichen Gebiete hauptsachlich nach Süden und Osten entwickeln sol1«
(Rain er, 1962: 68). werden die van Hauptzentren ausgehen. Diese funktionsdurchrrnschten,
relativ Siedlungsbander am Stadtrand sol1en durch õffentliche
2.6 Die Leitlinien der siebziger Jahre Verkehrsmittel erschlossen werden, zu denen a11e Bewohner aufgrund der
und der erste Stadtentwicklungsplan bandartigen Form der Siedlungen relativ leicht Zugang haben
AuBerha1b dieser Siedlungsachsen liegende Wohngebiete sol1en stablb-
Die planerische Diskussion um Wíen zu Begínn der siebzíger Jahre íst von siert und nicht mehr ausgedehnt werden. Zwischen diesen
einer neuen Auffassung von Planung getragen. Díe neue Planungsphiloso- sen sollen Grünkeile zum Zweck der Naherholung und des okologlschen
74 Stadtentwícklungspolitík zwischen Demokratie und Komplexitiit Die politische Organisation der Stadtentwicklung aus historischer Sicht 75

Gleichgewichts angelegt werden. Grüngebiete, wie der Wiener Wald und halb sol1en weitere ErweiterungsmaBnahmen nur erganzend zu vorhan-
die Donaulandschaft, sol1en in der heutigen Forrn vor Stadterweiterun- denen Nutzungen vorgenommen werden.
gen geschützt werden. • Das raurnliche Leitbild Nordost betrifft den 21. und 22. Bezirk nordost-
• Stadtnahe Hauptzentren, die in den letzten J ahren der Stadtrandwanderung lich der Donau. Diese beiden Bezirke stellen die groBten raurnlichen Ent-
an Bedeutung gewonnen haben, jedoch mit Dienstleistungen unterversorgt wicklungsreserven Wiens dar. Durch eine Aufwertung dieser Gebiete sol1
sind, sol1en zu Kornmunikationsorten und Verbindungsste11en zwischen der Randwanderung in den saturierten Süden eine attraktive Altemative
der Wiener Innenstadt und diesen Siedlungsachsen ausgebaut werden. Die gegenübergestellt werden. Diesem Ziel dient die Starkung der wichtig-
Verbindung dieser Hauptzentren untereinander und mit der inneren Stadt sten Zentren im Nordosten durch die Ansiedlung mit Dienstleis-
sol1 über offentliche Verkehrsmittel erfolgen. Hauptzentren sind hiiufig tungsbetrieben zur Steigerung der Arbeitsplatz- und Versorgungsquali-
Umsteigeste11en zwischen S-Bahn, U-Bahn, StraBenbahn und Bus. tat. Durch die Schaffung von Arbeitsplatzen in diesen Teilen mit über-
• Die Nahversorgung dieser Siedlungsachsen sol1 über die Integration wiegender Wohnfunktion sol1 die Pendlerbewegung über die Donau ab-
kleiner und mittlerer Betriebe in die Wohngebiete erfolgen. Nichtintegrier- gebaut werden. In Zukunft sollen zwei von drei Betrieben im Nordosten
bare groBere Betriebsanlagen sollen in Siedlungsachsen zugeordneten Be- angesiedelt werden. Der Nordteil des Donauraums so11 als Naherholungs-
triebsgebieten angesiedelt werden. gebiet erhalten und die Donauinsel zum Wasserschutzgebiet erklart
• Dieses Konzept von Siedlungsachsen und Hauptzentren greift in seiner werden. Die Gebiete am linken Donauufer im Erholungsgebiet, darunter
raurnlichen Ausdehnung auf benachbarte administrative Zustandigkeits- die UNO-City, sol1en sich nicht mehr verandem.
bereiche in Niederosterreich über. Die Logik des Konzepts ist deshalb • Das raurnliche Leitbild der Bezirksgruppe Mitte urnfaBt den 1. bis 9. und
auf eine Zusarnmenarbeit angewiesen, die in der Planungsgemeinschaft den 20. Bezirk. In diesen Bezirken liegen die zentralen Einrichtungen mit
Ost (zwischen Wien, Niederosterreich und Burgenland) realisiert werden überlokalerund überregionaler Bedeutung. Sie sind charakteristische City-
sol1. Gebiete, in denen die Wohnfunktion systematisch verdrangt wird. Die
Für morphologisch verschiedene Gebiete werden im Stadtentwicklungsplan groBe Bebauungsdichte sol1 durch Blockzusammenlegungen, durch
unterschiedliche raumliche Leitbilder entwickelt: Hofentkemungen, durch die Schaffung von Grünflachen, durch die Re-
• Das raumliche Leitbild West bezieht sich auf einen Stadttei!, der einer- duktion der zulassigen BebauungshOhen und durch den Ausbau der so-
seits durch die dichte gründerzeitliche Bebauung in den stadtzugewand- zialen Infrastrukturen aufgelockert werden.
ten Gebieten gepragt ist. Dort liegen die urnfangreichen Wiener Stadter- Die politische Situation in den siebziger Jahren verandert sich dahinge-
neuerungsgebiete. Andererseits ist dieser Stadtteil durch den locker be- hend, daB die Rathauskoalition sich auflost und an deren Ste11e 1973 eine
bauten, an den Wald- und Wiesengürtel angrenzenden Teil gepragt, der Einparteienregierung tritt. Die wichtigste Folge dieser Veranderung besteht
in seiner lockeren Struktur und als bevorzugter Wohnort Wiens erhalten in der Zunahme des EinfluBbereichs der mit groBer Mehrheit regierenden
bleiben sol1. In den Stadtemeuerungsgebieten sol1en Wohnungszusam- sozialistischen Partei. Insbesondere vergroBert sich die Macht von a11en
menlegungen, Verbesserungen der Sanitarausstattung und Neubauten direkt von der Regierung beste11ten Gremien zuungunsten vor a11em der
getatigt werden. Die Durchmischung mit kleinen und mittleren Betrie- gemeinderatlichen Vertretung. Neben der hierarchischen und zentralisti-
ben soll erhalten bleiben und die Zentrenentwicklung gefordert werden. schen Entscheidungsstruktur treten verrnehrt und mit wachsender Bedeu-
Wie im Nordosten und Süden sol1en die tangentialen Linien des offent- tung Ausschüsse, Unterausschüsse, Kommissionen und Beirate auf, die
lichen Verkehrs die Zentren miteinander verbinden und diese dadurch auf- von Experten getragen sind und eher als eine parteipolitische Logik eine
werten. sektorale Interessenlogik besitzen. Auch in der Stadtplanung ist diese tech-
• Das raurnliche Leitbild Süd zeichnet sich durch das Problem der durch nokratische Entpolitisierung sichtbar. Stadtplanerische Entscheide werden
die Stadterweiterungsprozesse bewirkten Bodenverknappung aus. Des- entweder von Technikem oder von Interessenvertretem in sozialpartner-
76 Stadtentwicklungspolitik zwischen Demokratie und Komplexitiit Die politische Organisation der Stadtentwicklung aus historischer Sicht 77

schaftlichen Gremien getroffen, ohne daB eine Diskussion über die Zukunft 3. Die Dominanz des wirtschaftsliberalen Credos
Wiens stattfande. in der Zürcher Stadtentwicklungspolitik
Die parteipolitische Landschaft reagiert ebenfa1ls etwa Mitte der siebzí-
ger Jahre auf die Wirkungen der Einparteienregierung. Der Einsturz der Das schweizerische Stadtesystem zeichnet sich im Gegensatz zu Osterreich
Reichsbrücke 1976 wie der kostspielige Bau des Allgemeinen Krankenhau- oder Italien durch seine ausgewogene Rangordnung der GrõBe der Stadte aus.
ses sind symbolische Momente,26 die neben einer in der steigenden Wahl- Trotz der GrõBe Zürichs existieren rnit Basel, Genf-Lausanne und Lugano-
abstinenz sichtbaren politischen Resignation auch neue, gegenüber dem be- Locarno-Bellinzona sowie der Bundeshauptstadt Bem auf engem Raum Ge-
volkerungsfemen und bürokratischen PlanungsprozeB kritische Krafte fõr- gengewichte, welche die Schweiz mit ihren beinahe sieben Mi1lionen Einwoh-
dert. nem fast a1s eine Stadt erscheinen lassen (vgl. Frey, 1990).28 Vor al1em die
Agglomerationsbildung und Suburbanisierung seit dem Zweiten Weltkrieg
2.7 SchlujJfolgerungen führten zu sich überlappenden stadtischen Gebieten, die besonders dieAchse
Die Wiener Stadtentwicklungspolitík ist seit dem Zweiten Weltkrieg durch Zürich-Genf zu einer wenig geordneten Bandstadt werden lieBen (vg1. Len-
die Abwesenheit einer verbindlichen Planung gekennzeichnet. Planungen di, 1986: 110). Dieser Entwick1ung versuchtdie schweizerischeRaumplanung
dienen a1s Orientierungen, die letztlich jedoch nicht verfolgt werden. Als seit Mitte der siebzíger J ahre Herr zu werden, indem sie die Zentrumsvorteile
Alibiübungen in der politischen Organisation der Stadtentwicklung heizen der verschiedenen Stadte durch denAusbau der Kommuníkationswege zu Zen-
sie Debatten an, die sich selbst blockieren. Die politische Verantwortung für trumsvorteilen der Schweiz werden lassen will (vgl. Schuler/Bassand, 1987).
die Planungen wird nur selten, und wenn, dann nur vorübergehend, über- Die õffentlichen Verkehrsrnittel, insbesondere die Bahn (im Konzept Bahn
nommen. So kann zum Beispiel ohne weiteres in einem raurnlichen Leit- 2000), nimmt dabei eine zentrale Rolle ein, wie Maurer (1988: 20) ausführt:
bild zwar stehen, daB das UNO-Gebiet nicht verandert werden sol1; in der Das durch die Bahn 2000 mogliche Verbindungsnetz der Zentren der Süidte
politischen Auseinandersetzung und in den einschlagigen Interessenabstim- und groBen Ortschaften er1aubt, einen erheblichen Teil der Schweiz funktional
mungsgrernien gilt es jedoch als hochinteressantes Investitionsgebiet für die als eine Stadt für Spitzenaktivitãten zu verwenden, sofern die Nutzungen im
Stadterweiterung, wie die spater dargestellte Expo-Planung zeigen wird. Bereich der Stationen (damit sind auch entsprechend gelegene Industrie- und
Sowohl die GroBe Koa1ition bis 1973 und spater die Alleinregierung for- Gewerbegebiete gemeint) intensiviert werden.
dem ein technisches Vorgehen in der Stadtplanung, das keine Beteiligung der Die spezífischen Zentrumsfunktionen von Zürich im schweizerischen Stad-
Bevõlkerung erlaubt. Die Stadtplaner leben rnit dem »technokratischen Traum tesystem betreffen die wirtschaftliche Tatigkeit. Im labilen Gleichgewicht
einer umfassend-rationalen und detailliert-konkreten Stadtplanung« (Ulram, zwischen den Schweizer Stadten nimmt Zürich die Stellung der Handels-,
1976: 104-122). Einzig die von den Parteien nicht beanspruchte Vertretung Finanz- und Industriemetropole ein (vg1. Bauer, 1986; Hõpflinger, 1978).
von Wirtschaftsinteressen wird in die inkrementalistische Planung integriert. In den letzten dreiBig Jahren hat sich die Position Zürichs in der Schweiz
Besonders in den siebzíger und achtziger Jahren, in denen sich der finanzi- verstarkt, was durch wachsende Zuflüsse an Wertschopfung aus den ande-
elle Handlungsspielraum Wiens einschrankt, verstarkt sich diese Tendenz zur ren Regionen belegt wird (vgl. Briner, 1986: 122; Jürgensen/Koller, 1972).
Planung unter AusschluB der Offentlichkeit und unter Beteiligung der Wirt- Diese herausragende Stellung in der Schweiz erklact sich auch durch die geo-
schaftsinteressen, welche die sozia1partnerschaftliche Organisation der Stadt- graphische Lage Zürichs in Europa: Es profitierte sowohl von seiner Lage
entwicklung charakterisiert; es wachst aber auch der Protest von seiten neu- zwischen Frankfurt und Mailand a1s auch zwischen Lyon und München.
er Akteure, wie den Grün-Altematíven und von seiten der aus dieser sozíal- Dieser Vorteil hat sicher auch dazu beigetragen, daB Zürich a1s Finanzzen-
partnerschaftlichen Politik ausgeschlossenen Akteure wie der FPO, die sich trum die anderen Schweizer Stadte überflügelte und heute zusammen mit
gegen die gangigen unflexiblen Politikmuster wenden. 27 London, Frankfurt und París zu den wichtigsten Finanzzentren Europas zãhlt
(vgl. Vontobel, 1986).
78 Stadtentwicklungspolitik zwischen Demokratie und Komplexitiit
Die politische Organisation der Stadtentwicklung aus historischer Sicht 79
Entsprechend dieser Rol1e Zürichs ist sein bauliches Erscheinungsbild von
An ihrer Stelle entstehen die Wahrzeichen des neuen Zürichs: Am Limmat-
der Innenstadt der Dienstleistungen geprãgt, in der kaum mehr gewohnt wird
platz im Industriequartier baut die Migros einen 74,5
(vgl. zur Orientierung Abbildung 4). Die kleine Altstadt übedebte diesen
hohen Turm, im citynahen Wiedikon werden lTI1t den Gewerbebetneben
Citydruck nur teilweise und exi tiert heute vor allem als Fassade ausgekernter
ganze Wohnquartiere - die »Werdsanierung« - zugunsten von
Hauser. Seit dem Zweiten Weltkrieg beschleunigten Umzonungen in den
hausern abgerissen, um das »Bedürfnis, an guter Stelle
beiden Cityrandquartieren AuBersihl und Industriequartier die Cityausdeh-
de zu erstellen«, zu befriedigen, wie es in einer Weisung der stadt1schen
nung in die traditioneUen Wohn- und Gewerbequartiere im Vorbahnhotbe-
Exekutive (vom 2.7.1970) heiBt. Am Stadtrand wird dagegen die Industria-
reich (vgl. Janos, 1987). Dienstleistungsbetriebe verdrangen auch immer
lisierung und der Massenwohnungsbau, der sich in einer Hochhauskruste
mehr Industriestandorte, die ins Limmattal, Glattal und in die übrigen In-
dustriezonen der Agglomeration ziehen. rund um die Stadt ausdrückt, nicht gebremst; die Agglomeration Zürich ent-
wickelt sich an ihren Rãndem als Industriestadt weiter.

Abbildung 4: Zürcher Territorium und zentrale im Text 3.1 Sozio-okonomische Entwicklung der Schweiz und Zürichs
erwabnte Orte Die Schweiz zeichnet sich seit Beginn dieses Jahrhunderts durch ihren
kontinuier1ichen, von keinen groBen Einbrüchen beeinfluBten, wirtschaft-
________ FIUrhafen;Winterthur lichen Autbau aus. Zwischen 1890 und 1950 wuchs die schweizerische
Volkswirtschaft um durchschnittlich zwei Prozent. Ihre Starken liegen bis
dahin vor a11em in der Maschinenindustrie, die hochwertige Produktions-
güter herstellt und weltweit exportiert. Das Breitenwac?stum
Seebach
Affoltern setzt ab 1950 an. Vor al1em der soziale Frieden - der dle Schwelz zu emem
bevorzugten Investitions- und Kapitalanlageland macht - und die Mõglich-
keit, auf eine bedeutende Immigration aus Ita1ien zurückgreifen zu kõnnen,
Oerlikon
sind die Motoren dieses Wachstums, das in den fünfziger Jahren Zuwachs-
raten des Bruttoinlandproduktes von über fünf Prozent realisiert. Dieses
Jahrzehnt zeichnet sich durch die laissez-faire Doktrin aus, die dem Staat
keine wirtschaftspolitischen Interventionen erlaubt. Die Folgen dieses un-
gesteuerten Wachstums werden vor al1em im Infrastrukturbereich bemerk-
bar, wo es dem gebremsten Staat gelingt, die für d.as Breiten.wachstum
notwendigen, aus lãngerfristigen Uber1egungen resulherenden, mfrastruk-
turellen Investitionen zu tatigen. Diese beschrãnkte infrastrukturel1e Expan-
sion wirkt in den sechziger J ahren als Hemmschuh für die Entwicklung des
privatwirtschaftlich-industriellen Wachstums. Die Reaktion darauf besteht
in einem dem wirtschaftlichen Wachstum entsprechenden, vor allem sek-
tora1en Breitenwachstum des Staates im Bildungswesen, StraBenbau und
Gesundheitssystem (vgl. Linder, 1983). Insbesondere der NationalstraBen-
bau kurbelt das Wirtschaftswachstum weiter an und führt zu konjunkturel-
len Überhitzungen, die zu Beginn der siebziger Jahren zu wachstumsbeding-
ten Folgeproblemen werden:
81
80 Stadtentwicklungspolitik zwischen Demokratie und Komplexitiit Die politische Organisation der Stadtentwicklung aus historischer Sicht

tigsten Handelspartnem. Die Suche einer findet sich in allen


• An e:ster Stelle teht das Problem der sozialen Folgen einer sich rapid
Politikbereichen und wird als Folge msbesonders dle strukturerhaltende
entwlckelnden Anweseoheit von einer MilIion ImmÍ!rranten in der
Politik der bedarfsweisen Kontingentierung der Immigration in Zukunft nicht
Schweiz, die als billige Produktionsfaktoren in der schweizerischen
Wutschaft eingesetzt werden. Dies verhindert einerseits, daS sich die Kon- rnehr ermõglichen.
Das Wirtscbaftszentrum Zürich spiegelt die gleichen sozio-okonomischen
kurrenzfàhigkeit der Schweizer Wirtschaft über strukturelle Investitionen
und führt andererseits zu sozia1en Spannungen zwischen ei n- Trends der Schweiz wider:
• Die wirtschaftliche Konjunktur setzt ebenfalls nach 1950 ein und fõrdert
heuD1 cher und eingewanderter Bevolkerung.
bis 1962 das Bevõlkerungswachstum in der Stadt auf 440.000 Einwoh-
• Das ungebremste und ungesteuerte Wachstum führt zu Wachstumsun-
ner. Ab 1962 wird die Gemeinde an Bevõlkerung bis zu den 336.000 heu-
den verscbiedenen Regionen. Diese Dispari-
tigen Einwohnem ver1ieren, ohne das jedoch ein
taten drucken slcb auch rn der verstarkten Ver tadterung und in der
im Um1and einsetzt, das kontinuier1ich weiterexpandlert. Dle
Ent1eerung von Randgebieten aus, die neben den Folgen einer verscbarf-
tur bringt Zürich auch eine besonders groBe Anzahl an Immigranten, dle
ten Wohnungsnot in den Stadten und einem Niedergang der BerQWirtschaft
.den an nationa1er Raumplanung erl<:ennen lassen (vg1. 1973). rund zwanzig Prozent der Bevolkerung ausmachen: .'
• Bis beute gehoren die Textil- und die sich daraus entwlcke1te
Dle weltwelte Rezession Mitte der siebziger Jahre erreicht die Schweiz star-
dustrie zu den Hauptstützen der Wirtschaft des Kantons. Selt dem Zwel-
ker a1s a11e anderen OECD-Lãnder (Scbmidt 1985).29 Innerbalb von zwei
ten Weltkrieg siedelten sich in Zürich weitere an., ins-
verliertdieSchweiz rund 300.000 Arbeitsplãtze, wasjedoch nicht zll
besondere das Druckgewerbe, die chemiscbe und dle Lebensrruttelmdu-
Arbeitslosigkeit führt, denn das Problem wird groBtentei1s ex-
strie. Um 1939 entfielen von allen Betrieben im Kanton Zürich je rund
portIert: Uber2oo.000 Immigranten kehren in ihre Heimatlãnderzurück. Die
ein Drittel auf die drei Wirtscbaftssektoren. Seither hat sich vor al1em der
restlichen abgebauten Arbeitsplãtze treffen vor aUem wirschaftJich schwã-
primare Sektor stark zurückgebildet. Im sekundaren Sektor
und nicht organisierte Gruppen, insbesondere Franen (Cattacin, 1988);
sich zeitweise die Anzahl der Beschãftigten und vor al1em der tertlare
die Ge amtbeschãftigung nimmt zwischen 1974 und 1978 um über 10% ab.
Sektor expandierte wie in keiner anderen Region und
Die Wütschaftskrise bewirkt parallel dazu durch die Abnahme der Steuer-
umfaBt in der Stadt Zürich über siebzig Prozent der Arbeltsstellen.
einnahroen eine Verknappung der Staatsfinanzen auf allen fõdera1en Ebe-
Innerhalb des Kantons Zürich ist die sozio-õkonomische Entwicklung seit
nen, die ganz von der jeweiligen Wirtschaftslage zu ei-
nem der wlchtlgsten polit1schen Tbernen geworden i5t. den siebziger J ahren durch zwei Merkmale charakterisierbar:
• Durch regionale Ballungs- und Entleerungserscheinungen.
Die wirtschaftliche Entwicklung der Schweiz in den achtziger Jahren
• Durch die regionale wirtschaft1iche Entmischung mit starker Konzentra-
durch1ãuft verschiedene Pha en. Sie erlebt 1982/83 eine weitere aus ver-
tion der Arbeitsplatze in der Kemstadt Zürich und die Ver1agerung des
schiedenen Gründen weniger einschneidendeRezession: Vor setzt die
chweizerische Wirtschaft auf den Dienstleistungssektor, der dank der ver- Wobnungsbaus in die Agglomertion.
scbiedenen Schutzbestimrnungen gegenüber der intemationalen Konkurrenz
weniger k:risenanfállig i t. Die Immigration wird weíterhin in aUen Saison-
3.2 Stadtentwicklungspolitik in Zürich
branchen (insbesondereim Bau- und Gastgewerbe und in der Landwirtschaft) Staatliche Planung ist in der Schweiz relativ schwach entwickelt. Sie wird
al struktnrerhaltender, in der GrõBenordnung leicht regu1ierbarer Faktor durch den foderalen Staatsaufbau, der den territorialen Einheiten groBe
1987). Dieses protektionistiscbeEntwicklung modell Freiheiten einraumt und der Mõglichkeit, über direktdemokratische Instru-
schemt den letzten beiden J ahren durch den Prozef3 der eUIopaischen mente re1ativ leicht komplexe Vorlagen zum Scheitem zu bri.ngen,
Integrauon mfrage gestel1t ru werden. Denn die bisherige Politik der Ab- dert. Soweit jedoch der Bund oder der Kanton plant, werden dle
chottung birgt immermehr auch Risiken der lso1ation gegenüber den wich- aus diesen Planungen ausgeschlossen. Eine wichtige Ausnahme besteht 10
Die politische Organisation der Stadtentwicklung aus historischer Sicht 83
82 Stadtentwicklungspolitik zwischen Demokratie und Komplexitlit

der Raumplanung, die als Koordinationsinstrument konzipiert ist (vgl. Die wichtigsten Verfahren und Institutionen in der Stadtentwicklungspoli-
Hangartner, 1988: 104). Bisher konnte sie sich jedoch nicht durchsetzen, so tik in der Gemeinde Zürich sind:
daB die Gemeinden ohne groBe Rücksichtnahme auf überortliche Zusam- • Der Gemeinderat, der aus 125 Mitgliedem besteht, die pro Stadtkreis im
menhange ihre eigenen Raumplanungen entwickeln (vgl. Bund Schweizer Proporz gewahlt werden.
Planer, 1980). • Der Stadtrat bestehend aus neun Mitgliedern, der im Majorzverfahren
Es kann im Falle der Schweiz von einem eigentlichen Planungsvakuum gewahlt wird. Der Stadtprasident ist in diesem Gremium primu s inter
ausgegangen werden. Nach dem Zweiten Weltkrieg werden zwar eine Un- pares. Er wird direkt vom Volk bestellt. . ..
zahl von Planungsinstrumenten entwickelt und angewandt (vgl. Jagmetti, • Die Prãsidialabteilung, die dem Stadtprasldenten unterstellt und dle
1981); vielmehr als zur koordinierten Besiedlung der Schweiz führen diese allgemeine Aufsicht über die Verwaltung hat sowie ReprasentatlOns- und
jedoch zu chaotischen Zersiedlungserscheinungen, die besonders mit dem Spezialaufgaben übernimmt. Ihr ist die Stadt-
MaBstabswechsel im Wohungsbau der sechziger Jahre - von den drei- bis entwicklungskomrnission unterstellt, dle zu Begmn der slebzlger J ahre
fünfgeschoBigen Bauten zu den GroBüberbauungen in den Agglomeratio- eingesetzt wurde.
nen - eine von extremer sozialer und funktionaler Entmischung begleitete • Das Stadtplanungsamt, das dem Tiefbauamt (Bauamt I) unterste?t und
Verschlechterung der Lebensqualitat mit sich bringen (vgl. Bachtold, regionale wie kommunale Richtplane vor allem im Verkehrsberelch er-
1983). Besonders in den Stadten wird in den siebziger Jahren Kritik an stellt. Das Stadtplanungsamt organisiert auch »offene Planungen« (vgl.
dieser wachstumsorientierten Raumplanung laut, die zu einer Revision der Brandle, 1981). . . .
bestehenden raumplanerischen Instrumente führt. Die Einführung eines • Das Bauamt II regelt die Baubewilligungsverfahren. Seme
nationalen Planungsinstrumentes Ende der siebziger Jahre, der Umwelt- nen sind das Baukollegium - eine beratende Expertengruppe, dle
vertraglichkeitsprüfung in den achtziger Jahren und die Anwendung der nische und asthetische Beurteilungen von Projekten vornimmt - und dle
flexiblen GestaltungspHine zur »Erlangung von stadtebaulich befriedigen- Kommission für Denkmalpflege.
den Losungen« in vielen Stadten konnen als planerische Resultate dieser • Die Bausektion II bestehend aus drei Exekutivmitgliedern, die Vorent-
Kritik betrachtet werden (vgl. Maurer, 1988; Brun et al., 1985). Doch ha- scheide und Letztentscheide bezüglich eingereichten Bauprojekten fallt.
ben diese Instrumente bisher nicht die in sie gesteckten Erwartungen erfüllt • Die Geschaftsprüfungskomrnission des Gemeinderats, die seit der enor-
(vgl. Linder, 1986). men Kostenüberschreitung beim Bau des neuen KongreBhauses neben der
Die zentralen in Zürcher Gemeinden zur Anwendung kommenden Pla- Verwaltungskontrolle auch direkt in Baugesuchsverfahren intervenieren
nungsinstrumente in der Entwicklungsplanung sind: kann.
• Die Flachenwidmungsplanung mit Bauordnung: Sie bestimmt die raum- • Die Fachstelle für U mweltschutz führt die Umweltvertraglichkeitsprüfung
liche von Bebauung und Besiedlung in ihrer Nutzung und zum bei Proiekten gemaB dem Umweltschutzgesetz durch.
J . dG . d 30 . l
Teil die Asthetik. • Neben den reprãsentat1ven Organen, Stadt- un erat, en
• Die ErschlieBungs- und Versorgungsplanung: Sie regelt die Infrastruktu- in der Stadtentwicklungspolitik Volksabstimmungen, dle auf verschlede-
ren des StraBen- und Verkehrsnetzes, der Wasser- und Energieversorgung ne Weise ausgelOst werden konnen (durch über
und -entsorgung. Einzelinitiativen im Gemeinderat, durch den Gememderat), eme zentrale
• Die Land- und Kreditpolitik: Die Gemeinden dürfen unternehmerisch Rolle. 31
handeln und Landkaufe wie Kreditvergaben tatigen.
• Die SteuerfuBpolitik: Dank der Steuerautonomie der Gemeinden besteht 3.3 Die Reaktion au! das Rote Zürich in der Nachkriegszeit
die Moglichkeit über die Veranderung des SteuerfuBes auf die Standort- In der planerischen Aufbruchsstimmung nach Zweiten Weltkrieg wird
qualitat einzuwirken. der heute noch in seinen Grundzügen rechtskraft1ge Zonenplan von 1946
85
Die politische Organisation der Stadtentwicklung aus historischer Sicht
84 Stadtentwicklungspolitik zwischen Demokratie und Komplexitiit
Der süindige Wertverlust der N achkriegsplanung ist leicht gebt
der die Stadt in Wohn-, Arbeits- und Erholungsgebiete einteilt und er docb mit einem in der õkonomischen Wachstumsphase emtretenden
dle frübere Planungspbilosophie der Stadtf1ache, die im wesentlichen nur Wertewande1 einher - weg von den óffentlichen Verkehrsmitteln hin zum
Bauland vorsah, ablõst. Vorbild der Bauordnung von 1946 ist das ldeal der
Individualverkehr (vgl. Fritzsche, 1984). Auch ist die Planung zu stark auf
»Gartenstadt«. Weite werden in Zonen mit niedriger Bebauungsdicb- den bedeutenden sekundaren Sektor ausgerichtet; sie vernachlassigt die
te so daB bel emet allfálligen Neuüberbauung eineAnnaherung
Tertiarisierung und den gleich nach dem Zweiten
dle stattfmden kann. Beinahe das ganze unbebaute Gebiet Aufschwung des Finanzzentrums Zürich. 33 Zudem tntt lm
wll'd der zugeteilt, um dessen Überbauung zu verhin- rich ein Wechsel im parteipolitischen Spektrum ein. Wii.hrend dle tra?I110-
Doch vom Bundesgericht nicbt gutge- nelle Parteikonstellation seit 1928 den beiden Linksparteien, den
helBen,.was dlese Ge?lete m eme scbwierige Rechtslage versetzt, die 1954 mokraten und den Kommunisten, eine klare Mehrheit sicherte, andert slch
dleAufzonung m Gebiete Init geringer Ausnutzung überwunden wird.
diese Ausgangslage sehr schnell nach dem
tritt erst acht Jabre nacb ihrer Erarbeitung in Kraft und ist re die Kornmunisten - die sich, wegen dem Partelbtldungsverbot fur Kom-
der emsetzenden Hochkonjunktur nicbt gewacbsen. unisten partei der Arbeit nennen - verlieren vor allem in Anbetracht in-
Planungsdebatte der Schweiznach dem Zweiten Weltkrieg ist bewegt m , 34 h d'
ternationaler Ereignisse mehr und mehr an Bedeutung. Doch auc le
und lm Gegensatz zum restlichen Europa nicht vom Thema Wiederautbau Sozialdemokraten geraten durch einige Skandale und profi1lose Exponen-
gepragt. Vielmehr gebt es da:ru.m, von dirigistischen und kollektivistiscben
ten in Schwierigkeiten (vgl. Widmer, 1984: 36f.). Die Wahlen von Ende 1949
Abstand zu nehmen, ohne den Sinn der Planung nach
bringen bereits den Wechsel von der linken Mehrheit des
gememschaftlicben Gesichtspunkten aus den Augen zu verlieren. Die Pla- zur bürgerlichen Mehrheit (vgl. Widmer, 1986: 234): Sta?tprasldent
nung al KompromiB zwischen »Individuum und Gemeinschaft« setzt sich
der Freisinnige EmU Landolt, und in der neuen Exekutl ve .smd noch Vler
als Planungsleitbild durch und bestimmt aucb in Zürich das immer wieder von neun Stadtraten Angehórige der Sozia1demokraten. Dle Sozlaldemokra-
a1s Modellfa1l der Diskus ion dient, die Entwic1dung in der Nacbkriegszeit
ten bleiben die starkste Partei, was eine lange Phase sachbezogen wechselnder
(vgl. Carol/Werner, 1949; Huber, 1989). Aus dieser Zeit der »KompromiB- Mehrheiten und mit der »KompromiBplanung« einhergehender Konsenspo-
flanung«32 stamn;ten viele õffentlicbe Wohnungsbauprojekte litik zwischen links und rechts einlautet, die bis Mitte der siebziger J ahre
ID der Agglomeratlon Zimchs. Thr cbaraktedstisches Merlanal ist der Verzicht
auf gesamtstadtische Planungund entsprechend dazu dieKonzentration auf andauern wird.
In diesem Geist verabschiedet der Zürcher Gemeinderat 1963 einen an
kleinraumige Entwicklungen. Der General-Bebauungsplan von Zürich au
Expansion orientierten Zonenplan, der ?ie mit Dienst-
dem Jahre 1946 entspricht dieser Logik und i5t aus eíner bumanistischen
leistungsanteil bis weit in die Wohnquartlere und See-
Haltung heraus im ZÜfcher Tiefbauamt entwickelt worden. Er sieht eine feld hinein definiert. In diesem Plan werden keme exphzlten Stadtent-
kontinuierlicbe Stadtentwicklung vor: die von einigen Planuogsgrundsatzen wicklungsziele formuliert, implizit wirdjedoch die Umsetzung der
getragen werden sol1. Der wichtigste besteht in der Bejahuno einer funktio-
sen des Tertiarsektors in der Innenstadt garantiert. In den Verkehrsbesttm-
nalen Segregation zwischen Wohnen und Arbeit. Beide Furiktionen sollen mungen wird zudem das Zürich der Pendler in das vor allem
getrennt )edoch õffentlichen Verkebrsmitteln im Einzugsbereich hinein und beraus gefahren werden kann (vgl. dazu GelBberger, 1986: 67f.).
von zwanZlg Mmuten blelben. Zehn Jabre nach seíner Prãsentation wird
dieser Entwicklungsvorschlag im Gemeinderatzusammen mit dem zum Teil 3.4 Siebziger und achtziger Jahre: Die Abkoppelung der Stadtplanung
m.n General-Verkehrsplan diskutiert, ohne jedoch an Ver- und das Auftauchen von Protest
?mdlichkelt ru Im Gegenteil, dje Diskussion konzentriert sicb
lmmer mebr auf emen Aspektder Plane, und zwar der sogenannten Tietbahn Ende der sechziger Jahre werden in Zürich die ersten Symptome der rein
der 1962 auch zur Abstimmung gelangt, ohne dabei erfolgreich zu sein . ' expansionsorientierten Stadtentwicklungspolitik, wie die Verdrangung von
Die politische Organisation der Stadtentwicklung aus historischer Sicht 87
86 Stadtentwicklungspolitik zwischen Demokratie und Komplexitiit

Wohnraum und Industrien, die Erhohung der Mieten und die verkehrsbe- turen in privaten Gremien; insbesondere die Transport, i? der die
dingte Verschlechterung der Lebensqua1itat, sichtbar. bürgerlichen Exekutivmitgtieder Einsitz nebmen, gilt a1s zentra1e pnvate Ent-
37
Die Ablehnung der Durchführung der Olympiade in Zürich in einer scheidungsstrul:tur in der Stadtplanung.
Volksabstimmung von 1969 kann a1s erstes Zeichen dieses Trendwechsels Erst zu Beginn der achtziger Jahre fübrt das neue kantonale
gewertet werden. Es ist auch ein Zeichen der Abkoppelung der Bevolke- und Baugesetz zu einer kurzen Phase versachlichter
rung von ihrer politischen Vertretung, die sich durch die stadtischen Dieses Gesetz das rnit der nationalen Planung abgesttmrnt wud, sleht dle
Wirtschaftsverbande und insbesondere durch die 1967 gegründete City- Planungspflicht für Gemeinden und Regionen was Gemeinde
Vereinigung 35 beeinflussen laBt (vgl. Blanc/Ganz, 1985). Paradebeispiel und Region zugleich ist, zwingt, auf diesen belden Ebe?en dle
dafür ist die Volksabstimmung zur U- und S-Bahn von 1973, bei der sich durchzufübren. Der Stadt aeLingt
b
dieses Vorhaben nIcbt denn eme .
erste

71 % der Stimm-berechtigten gegen das GroBprojekt aussprechen, daB ganz Variante wird vom Gemeinderat eine zweite von der Bevolkerung lO emer
im Gegenteil dazu von der Mehrheit des Gemeinderates bei nur drei Gegen- Abstimmun a abgelehnt. Die darauf folgendeAbscbwachung der Planungs-
stimmen als Projekt gutgeheiBen wurde. pflicbt im Planungs- und au.f e.ine
Dieses Debakel wirkt sich auch auf die Stadtregierung aus, die ein Gut- Dung ratifiziert in die em Sinu ledighch dle der Gememden
achten mit dem Titel »Wirtschaftswachstum in der Krise« in Auftrag gege- Richtplanungen durchzführen die gleichzeitig auch Sledlungs- uud Versor-
ben hat, dessen Ziel nach der Abstimmung in eine Analyse der Moglichkei- gungsplanungen ind (vgl. Widmer 1984: 64f).
ten zur Stabilisierung des Wachstums umgewandelt wird (vgl. Jürgensen et E wird jedoch nicht versucbt die Blockieruug der Planung flan-
al., 1973). kierende MaBnahmen zu überwinden. Deon h inter der Planungsblockierung
Als Entwicklungsziel für Zürich wird eine Bevolkerungszunahme auf steht die Mehrheit der Kollegialregierung und des Gemeinderats. In dieses
410.000 Einwohner zur Verbesserung der Bevolkerungsstruktur und zur Vakuum an offentlicher Planung in Zürich tritt in den achtziger J ahren die
Verringerung des Pendlerverkehrs sowie eine Stabilisierung der Anzahl der Planungslogik privater Investoren, die sicb nur selte? an die bestehenden
Arbeitsplatze auf 300.000 Stellen als wünschenswert erachtet (vgl. dazu ZoneD- und Bebauungsplane halten und über groBzügtg
Schi11ing, 1986: 51f.). Diese Entwicklungsziele, deren gemeinderatliche mebewilligungen ihre Interessen durchsetzen. Die Folgen dleser Entwlck-
Diskussion mit der okonomischen Rezession zusammenfallen, werden auf lung in Zürich zeigen sich sowobl in der stãndig abnebmenden Bevõlkerung,
Druck der Sozialdemokraten durch wohnungspolitische Forderungen er- als auch in seiner baulichen Gestalt:
ganzt. Die Initiative der Sozialdemokraten zur Einführung des Wohnerhal- • Das ViUen- und Parkquartier Talacker verschwindet innerhalb von we-
tungsgesetzes, we1ches die Verdrangung von Wohnraum stoppen sol1, ist nigen Jahren, wird tertiarisiert uud von Hocbháusern gepragt; im Indu-
erfolgreich und kommt Mitte der siebziger J ahre in Zürich zur Anwendung. 36 striequartier werden über tellt;
In dieser Phase der Starkung der Antiwachstumskoa1ition beschrankt sich den Schweizer GroBbanken gelingt e , dle Ansledlung auslandlscher
die bürgerliche Mehrheit in der Legislative und Exekutive mit Erfolg dar- Banken in der City zu kontrol1ieren und die Stadt nach ibrer Lo!P-k:mit
auf, die Einführung von Planungsinstrumentarien zu verhindem. Erst nach- Niederlas ungen auszustatteo· die Stadtteile Altstetten und
dem sich die Wirtschaft Ende der siebziger Jahren zu erholen beginnt, rea- werdeD ru Nebenzentren entwickelt; und vor allem wird rund UDl Zünch
gieren die bürgerliche Mehrheit und die Wirtschaftsverbande auf die Ein- die Planungslosigkeit in der ungesteuerten Zersiedlung sichtbar. .
fuhrung des Wohnerhaltungsgesetzes. Sie prasentieren einen »Plan der • Die Verdrangung der Bevolkerung in die hat als .gewlch-
Freiheit«, der sich gegen weitere SchutzmaBnahmen für Wohnungen aus- tige Nebenfolge den Veclust der Finanzsfuke d.er Sle produZ1ert zwar
spricht und fur die freie Entfaltung der Wirtschaft eintritt, was zu einer ZentruITIs<Tüter für das »Millionenzürich«, wudjedoch wegeo der beste-
Ideologisierung der Planungsdiskussion führt. Planungsentscheide fa11en in henden der Gemeinden nur von den eigenen Bewohnem
diesen J ahren mehr und mehr auBerha1b der forme11en Entscheidungsstruk- finanziert. Die U mlandgemeinden profitieren davon, indem sie imrner
89
88 Stadtentwicklungspolitik zwischen Demokratie und Komplexitiit Die politische Organisation der Stadtentwicklung aus historischer Sicht

reic?er werden und steuerkraftige Personen dank niedriger SteuerfüBe Planer entwickeln weiterhin nie zu realisierende Zukunftsvisonen fur
anzlehen, wiihrend die Stadt selbst an Finanzkraft und damit an notwen- rich und die Stimmbevõlkerung bringt ihre Planungsskepsis in konservatl-
verliert, die ihren Handlungsspíelraum weíter ven, von den Folgeschaden des Wirtschaftswachstums Haltun-
emschranken (vgl. Wldmer, 1986: 1Of.). Díe Stadt Zürich verliert dadurch gen vennehrt und unbeirrbar zum Erst E.nde der achtzlger J ahre
seit 1977 jiihrlich sieben Millionen Franken an Steuereinnahmen (Wag- verandert sich die politische Mehrhelt m Zunch dahmgehend: daB nun. eher
ner, 1986: 128f.). eine bessere Abstimmung von politischen Absichten der Reglerung mlt der
der achtziger Jahre führen diese Entwick1ungen zu starken Protesten Planung zu erwarten ist.
dle über díe »Wohnungsbewegung« an Offentlichkeit gewinnen. Aucb
verschlechtert sich das Klíma zwischen den büraerlicben Parteien. Die Die politische Organisation der Stadtentwicklung aus
4.
Politik der Christlichen (CVP) und die Ein- historischer Sicht: Zusammenfassende Bemerkungen
grüner in die Evangelische Volkspartei (EVP) stOBt auf
dle von selten der Wlrtschaft unter Druck stehenden Interessen der Freisín- Díe drei hier verglichenen Stadte zeichnen sich durch verschiedene. sozio-
nig-demokratischen Parteí (FDP). Beides führt in den Gemeínderatswahlen õkonomische Modelle aus, die in der vorhergehenden RekonstruktlOn der
1990, auch von Skandalen seÍtens der bürgerlichen Exekutívmit- Stadtgeschíchten dargestellt wurden: . .. . ..
gheder begleltet werden, nach über 40 Jahren zu einem Mehrheitswechsel. 38 • Florenz ist em regionales Zentrum mlt spezlallS1erten lm
Im Gemeinderat und Stadtrat zíeht eine rot-grüne Mehrheít eín díe seíther Bereich Tourismus und Bekleidungsindustrie. Mit seiner .und
mit allen Mitteln bekampft wírd. ' mittelgroBen Indu trie gehoTt zum »Dntten Itahen«
(Tena Italia), das die Wírtschaftsknse der !ahre dank fle-
3.5 Schluj3folgerungen xiblen Struktur seiner Betriebe gut iíberstand. Em radlkaler Innovat1ons-
chub blieb jedoch insbesondere in Florenz aus, heute ModeU
Die Zürcher Stadtentwícklungsplanung íst gepragt durch das Auseínander-
aeschwacht wird. Erst ein groBer Kapita1zufluB m dle Florentmer Wirt-
klaffen von Planungsdiskussion und bestimmeodem politiscbem Willen.
Nach dem ZweÍten Weltkrieg zeigen sích in der Stadtverwaltun a erstmals ;chaft kõnnte diesen 1nnovationsschub bewirken.
• Wien ist als Hauptstadt mit als
Ansatze, die Entwicklung der Stadt durch eine offentliche zu leo-
relativ gut vor Krisen geschützt. Die Offnung der
ken. Doch bleiben EinfluB auf Regie-
erlaubt Wien, an eine Zukunft wiedergewonnener wIrt-
rung der Stadt. Das Leltbl1d der Stadtentwlcklung als Wirtschaftsentwick-
schaftlicher Zentralitat zu hoffen. Zur besten Nutzung dleser
nimmt in der politischen Auseinandersetzung der von der Hocb.kon-
mõglichkeiten muB Wien jedoch wichtige m
junktur gepragten sechziger Jahre gegenüber jedem Planun a swillen über-
seiner Wirtschaft vomehmen. Insbesondere dle Pnvatlslerung der groBten-
hand. Die Planungsabsichten scheitem dabei nicht nur am :írtschaftslibe-
teils verstaatlichten Wirtschaft zur Verbessserung der Qualitat und An-
ralen Credo der regierenden Parteien, das sich im Glauben ausdriickt. daJ3
ziehung von Investitionskapital ist in dieser Situation ..
»wirtschaftliche Stabilitat die Grundlage« aller positiven Entwicklungen ist
• Zürich ist ein nationales Zentrum mit spezialisierten Funktlonen Dlenst-
(vgl. Wagner, 1986; 128), sondem auch am Willen der Zürcher Stimroberech-
leistun a s- Industrie- und vor allem Finanzbereich, in dem Zünch zu den
tigten. »den einzelnen Planungsprojekten in Volksabstimmungen von Mal
Zentren gehõrt. Besonders dieser Bereich
Z? Mal die Gefolgscbaft« verweigern (Kammerer, 1986: 60). In den sieb- Herausforderungen. Die europaische okonomische dle
zlger Jahren verschãrfen sicb die Gegensatze zwischen den drei bestimmen-
Schweiz mehr und mehr vom intemationalen Handel, was Zunch zu
den Akteuren der Planung: Die Stadtregierung treibt weiterhin in bester Zu-
spüren bekommt. Es kann immer weniger auf als emer
mit der stadtischen Wirtschaftslobby Projekte voran, díe den
der vier wichtigsten Finanzplatze Europas ziihlen und muBte deshalb struk-
Wlrtschaftsstandort Zürich fordern sollen (vgl. Ginsburg, 1986: 13), die
90
Stadtentwicklungspolitik zwischen Demokratie und Komplexitiit
Die politische Organisation der Stadtentwicklung aus historischer Sicht 91
tureI1e Moglichkeiten schaffen um die Innovatio ... .
relativ innovationsscheuen z h .. h nsfãll1gke1t der Iokalen, nung orientiert sich bis Mitte der achtziger Jahre an Zonenpliinen, deren
Der He fi . u er o en. bereits eingeschrankte Bestimmungen immer wieder durch Ausnahmebe-
raus or?erung der natlOna1en und internationa1en Stãdtek ok
zu begegnen Ist das zentral A I· . o urren2 willigungen umgangen werden. Die Transformation der Stadt nach der
Beginn der achtziger Jahre. Stãdte zu Marktlogik ist in Zürich am starksten ausgepragt (vgl. Tabelle 4).
Herausforderuno- begeo-nen konnte ti dle etner solchen Die politische Organisation der Stadtentwicklung durchlãuft in den letz-
F10renz wird ano . o S n, e. en Jedoch In allen drei Stadten. In ten vierzig Jahren in den drei Stãdten eine ahnliche Entwick1ung (vgl. Tabelle
emem neuen tadtentwlckl I h
rend sich dje Stadt über Ausnahmeb . . ungsp an erum?ebastelt, WM- 5). Der wesentlichste Unterschied findet sich sicherlich in den verschiede-
Die Scbwache des Ioka1en Staates . u:ucontroJbert entwickelt. nen Startbedingungen von Florenz, Wien und Züricb nach dem Zweiten Welt-
die ohne Finanzautonomie mit feh) 10 d zelgt slch in dieser Stadt, krieg, die nachhaltig, stãrker als die politische Entwick1ung, die okonol1Ú-
d sche Dynamik der Stadte beeinfluBten: Das wegen der strategischen Lage
:n ; ; :alLInemWiohne starke
. 1en werden dleArbelten arn Stadt . im Zweiten Weltkrieg stark zerst6rte Florenz wird im Nachkriegsitalien mit
der achtziger Jabre beendet ohne · d h e.ntwlcklungsplan erstMitte grundsãtzlichen Problemen des Wiederaufbaus konfrontiert, we1che dem
sekundãren Sektor eine wichtige Rolle zukommen lassen. Der direkte Zugang
:: Italiens zum internationalen Wirtschaftsraum und vor allem zu den AUfbau-
be· o.. er a t nocb lD dle tagtãgf h Ar hilfen der Alliierten erlaubt zudem eine enorme Entfaltung der Wirtschafts-
1t mtegnert (vgl. Schrage, 1990). In Zürich ist l c e -
nungslDstrumentarium sch h h . d as pla- kriifte. Wien sieht sich vor die gleichen Probleme wie Florenz gestellt, wird
Volksabstimmungen d d,:"ac alten; Jeder Ausbau scbeitert bisher an jedoch in seiner wirtschaftlichen Entfaltung durcb d.ie bis 1955 andauernde
. , un le natlOnale Rabmenplanuno- d· E d d .
zlger Jahre entwickelt wird bleibt in Z·· . b be o' le n e er leb- Be atzung gehemmt. Zürichs Ausgangslage nach dem Zweiten Weltkrieg
, . unc un acbtet. Die offizielle PIa- ist d.ie vorteilhafteste, da weder die Stadt in Triimmern liegt noch politische
Tabelle 4: Hindernisse die Wirtschaftsentwicklung bremsen, so daB die Tertiarisierung
Zentrale strukturelle Dimensionen der StadtentwickluDl! am Vorkriegsniveau ansetzen kann.
Diese jeweilig unterschiedliche wirtschaftliche Ausgangslage beeinfluBt
die inhaltlichen Auseinandersetzungen kurz nach dem Zweiten Weltkrieg.
Florenz Wien Geht es in Zürich darum, einen Weg zwischen zentralistischer Planung und
Zürich
D.imensionen frei em Markt als Expansionsmotor für eine kontinuierliche Stadtentwick-
lung zu finden, stehen in Wien und Florenz die Frage der Gestaltung der
Regionales neuen Stadt nach der Zerstorung im Vordergrund. Diesen Diskussionen
Stãdtesystem Zentrum, Spe- Hauptstadt Nationales
(Zentrum) Zentrllm mit gemeinsam ist das ihnen zugrundeliegende Leitbild eines »gesunden Stad-
zialisierung
Spezialisierung tewachstums«, das durch technisches Vorgehen wie Auflockerung, Sanie-
rung und Durchgriinung erreicht werden sol1 (vgl. Durth, 1988: 60).
Wirtschafts- Wirtschafts- Europ. Finanz- Die zentralen politischen Akteure in der ersten Nachkriegszeit sind in allen
modell Terza Italia platz, Schweizer drei Stãdten Unks-reformisti che Parteien. In Zürich und vor allem in Flo-
Osterreichs Wirtschafts-
zentrum renz beeinflussen mehr ader weniger arganisierte Wirtschaftsinteressen über
informeI1e Kanãle die politiscben Entscbeidungen. In Zürich führt dies zu
Rallmplanugs- Fehlende von Parteien
staatliche Implementa- einer Praxis der Aushandlung stadtentwicklungspolitischer Entscbeide,
gesetzgebllng unterlallfene tionsschwãchen
Reglllierung Gesetzgebllng wahrend in Florenz und Wien auch wegen des akuten Entscheidungszwangs,
im Fõderalismlls
der lokale Staat die Stadtentwicklung bestimmt. Die politische Organisati-
Die politische Organisation der Stadtentwicklung aus historischer Sicht
93
92 Stadtentwicklungspolitik zwischen Demokratie und Komplexitat
In der Aufschwungsphase in den sechziger Jahren wechseln in den drei
on der wird somit ausgepragt von derreformlstischen Lin- Stadten nicht nur die zentralen Inhalte der Stadtentwicklungspolitik, son-
ken bestunmt, was m allen drei Stãdten zur Entwicklung und Durchfü hrun o dern auch die Akteure uud Regeln. Die Verfestigung der W irtsch aft und deren
von des sozialen Wohnungsbaus führt. Globa1e Legitirnation qua Leistung verleihen ibren Interessenvertretern immer mehr
zwar in den Planungen immer wieder auf, doch entscbeidenden politischen Einf1uB. Das Ende der Nachkriegssolidaritãt
die bedingte PrioriUitensetzung im Wohnungsbau so- driickt sich auch in einer Verschiebung der Wãhlergunst zugunsten der
"":le das S.elbstverstã.ndnis der Planer (vgl. Frisch, 1976) zu Zentrumsparteien in Italien uud der bürgerlichen Parteien in der Schweiz
elOer VemacbJasslgung emer weiter gefaBten Sichtweise. aus. In Wien geht die Sozialdemokratische Partei weiterhin ungeschwacht,
eine Wachstumskoalition rnit der Osterreichischen Volkspartei em.
Tabel1e 5: Zentrale Inhalte, Akteure und Regeln 1945-1985 Der EinfluB der Wirtschaftsverbande auf die Stadtentwicklung bewirkt
in den drei Stadten eine Schwachung des lokalen Staates in bezug auf die
Bestimrnung der Stadtentwick1ung. Vor allem Zürich, das über schwache
Florenz Wien Zürich Planungsinstrumente verfügt, ist der Investitionslogik privater Anleger
Phase unterstellt. Dabei legt der Nationalstra.Benbau, der Züricb reichlicb berück-
sicbtigt und den die Stadt nicht beeinflussen kann, dieAchsen der wirtscbaft-
kontinuierliche licben Entwick1ung fest. Florenz ist fest in der Hand des Gewerbes im Stadt-
Inhalte Wiederaufbau Wiederaufbau Stadtentwicklung zentroID. das stadtplanerische Entscheidungen nur zugunsten der Erbõbung
der gewerblichen Ausnutzung des Zentrums zulaBt. Die stãdtische Regie-
N achkriegszeit Akteure Linke Parteien Sozialdemokratie Sozialdemokratie rong, die von einer Krise in die andere srurzt, ist in den secbziger Jahren an
(bis ca. 1950) Gewerbe der Stadtentwick1ungspolitik Dicpt beteiligt, was zu ungesteuerten baulicben
Staatliche Staatliche Aushandlung Verdichtungen rund uru Florenz führt, die zudem in:frastrukturell kaum er-
Regeln zwischen Staat
Regulierung Regulierung
und Wirtschaft schlossen sind. In Wien setzt die sozialpartnerschaftliche Organisatíon der
Stadtentwicklung iIue Wahrzeichen in der Peripherie, wo enorme Siedlun-
Wachstums- Wachstums- Wachstums- gen entstehen. Insbesondere der Süden wird in ungeordneter Weise über-
Inhalte planung planung planung
baut, wabrend sich im historischen Zentrum die Dienstleistungsfunktionen
Hoch- Miue-Links- GroBe Koalition Bürgerliche ausbreiten.
konjunktur Akteure Koalition Wirtschafts- Mehrheit In den siebziger Jahren beginnt in allen drei Stãdten eine Phase des
(bis ca. 1974) Gewerbe verbande Wirtschaftsverbande
Überdenkens der bisberigen rein expansionsorientierten Stadtentwicklungs-
Regeln
Klientelismus Sozialpartner-
Markt
politik, die jedoch ohne Konsequenzen auf di.e festgefabrene politische
Markt schaft Organisation der Stadtentwicklung bleibt. Der Hauptgrund für diese Refle-
xion liegt in den immer klarer auftretenden negativen Folgewirkungen des
Wachstums- Wachstums- Wachstums-
Inhalte regulierung Wirtschaftswacbstums uud in dem Mitte der siebziger Jahren eintretenden
regulierung regulierung
Wirtschaftseinbruch. Als Indikator dieser Veranderung kann die Entwick-
Wirtschafts- Sozialdemokratie Bürgerliche lung der Bevõlkerung betrachtet werden, die bis 1960 in aJlen drei Stãdten
krise Akteure Linke Parteien Wirtschafts- Mehrheit
(bis ca. 1985) Gewerbe verbãnde Wirtschaftsverbande anwãchst. In der darauffolgenden Phase teitt ein Trendwechsel in Richtung
Aushandlung Stagnation der Bevõlkerung in Florenz (bei wachsender Agglomeration) und
Klientelismus Sozialpartner- deren Rückgang in Zürich und Wien (bei stagnierender und abnehmender
Regeln schaft zwischen Staat
Markt und Wirtschaft
Die politische Organisation der Stadtentwicklung aus historischer Sicht 95
94 Stadtentwicklungspolitik zwischen Demokratie und Komplexitiit

ein, d.er vor al1em auf die Verdrãngungsprozesse im sich Der Tertiarsektor wachst in Zürich am schnel1sten und stellt 1980 rund drei
tert1arlS1erenden Stadtmnem zUTÜckzuführen ist (vgl. Tabelle 6 und 7). Viertel derArbeitsplatze. Auch in F10renz und Wien ist dieses Wacbstum zu
beobacbten (vgl. Tabelle 8), daS die Stadt als Wohnort infrage teUt und
zwar durch Verdrángungsprozesse, deren lndi.katoren Umnutzungen oder die
Tabelle 6: Agglomerationsentwicklung 1970-1980
ErhObung der Lebenskosten sind.
Die links-reformistischen Parteien in lta1ien und Osterreich profitieren
Agglomeration Florenz Wien Zürich von dieser Situation und verzeichnen gewichtige Wahlerfolge, die in Wien
zu einer Auflosung der GroSen Koalition und der Alleinregierung der So-
1970 769.000 1.927.900 832.500
zialdemokraten und in F10renz zu einer Linksregierung führen. In Zürich
starkt sich die Linke nicht (vg1. Tabelle 9). Es tritt vielmehr eine Verzette-
1980 898.800 1.876.300 838.700
lung der Stimmen unter ver cbiedenen neuen Parteien (sowohl vom ünken
wie vom rechten Spektrum) auf, welche die õkologische und õkonomische
Verãnderung in % +16% -3% +1%
Krisensituation anprangem. Die Regierungszusammensetzung ãndert sich
nicht, doch verãndertsicb die bis dabin verfolgte passive Haltung in der Stadt-
Tabelle 7: Bevõlkerungsentwicklung der Gemeinden Florenz entwicklungspolitik hin zu einer Integration einer lãngerfristigen Sichtwei-
Wien und Zürich, 1950-1988 (in tausend) , se in die stadtentwick1ungspoJitische Disk.ussion nicbt jedoch in die Ent-

Bevõlkerung Florenz Wien Zürich Tabelle 9: Entwicklung des Stimmenanteils der Linken in den
Erneuerungswahlen zum Gemeindeparlament in
1950 374 1616 390 Florenz, Wien und Zürich, 1950-1990
1960 436 1628 440
Linke in Prozent Florenz (a) Wien (b) Zürich (e)
1970 457 1620 422

1980 453 1531 369 1950 48 52 31

1988 450 1531 348 1960 59 54 35

Tabelle 8: Entwicklung des Tertiãrsektors in Florenz 1970 45 57 30


Wien und Zürich, 1960-1980 (in %) ,
1975 52 60 28

Anteil Tertiãr Florenz Wien Zürich 1980 53 57 35

1960 56 58 58 1985 52 56 28

1970 61 62 69 1990 46 55 29

1980 69 65 75 (a) Kommunisten und Sozialisten; (b) Sozialisten; (e) Sozialdemokratie.


96 Stadtentwicklungspolitik zwischen Demokratie und Komplexitiit

scheidfindung. Diese findet ihren Ort in nicht institutionalisierten Gremien


der Interessenvermittlung zwischen Regierung und Wirtschaftsverbanden.
In Wien wird zwar die Regierungskoa1ition zwischen der Sozia1demokra- KAPITEL 111
ti ehen Partei und der Volk.spartei aufgebrochen, nicht jedoch die nach
sozialpartnerscbaftlicher Logik fu:nktionierenden Gremien, in denen Regie-
rung und Handelskammer die Stadtentwick1un,g Wiens aushandeln. Florenz Stadtentwicklungspolitik über
versucht ebenfalls, Ende der siebziger Jahre Gremien der Ausbandlung zu
institutionalisieren, was jedoch wegen den Interessengegensatzen zwischen GroJ3projekte
Gewerbe und Industrie nicht gelingt. Die Versuche, eine überlegte Stadtpla-
nung einzuführen scbeitern an der Unberecbenbarkeit der Koa1itionspart-
ner der Kommunistischen Partei, die eine absolute Mehrheit in der Regie-
rung hatte, jedoch nur eine relative im Gemeinderat, wie an der Zerstritten-
heit zwischen linkem und rechtem Flügel der gleichen Partei. Klientelismus Dieser eben dargestellte AufriB der Geschichte
uud die Anforderungen des Marktes bleiben dadurch die bestimmenden von Florenz, Wien und Zürich sowie dle der
Regeln der Stadtentwicklung. Auf der Ebene der Leitbilder wird in der Pla- zentralen Dimensionen dieser Entwicklung werden lmmer
nungsdiskussion in den drei Stadten der Monotonie und Serialisierung des wieder in die Erklarung aktueller elOfheBen. Bevor
funktionalistischen Stadtebaus, der die Stadte austauschbar werden laBt, ein ichjedoch die drei Konflikte vorstelle, an slch dle aktuellen
Konzept der Attraktivierung entgegengestellt. Stadtreparatur und Stadtsa- der politischen Organisation der lassen, dle
nierung sind die neuen Leitwerte (vgl. Durth, 1985: 294 und Tabelle 10). strukturelle Ausgangslage der achtziger Jahre Intervlews
mit den zentralen Akteuren der Stadtentwicklungspohtik
·e Problemwahrnehmungen, die Grundlage der Strateglen slOd,
Tabelle 10 Leitbilder der Planung und zentrale we lch e dl . d b· h
widerspiegeln. Dieser Schritt erganzt en IS er gewon-
Planungsinstrumente nenen Hintergrund heutiger Stadtentwlcklungspohtik.

Leitbilder Aufgelockerte Funktionale Rekonstruktion Identitãts-


1. Zur Ausgangslage: Orientierungs-, Steuerungs- und Legitima-
und entrnischte und verdichtete der Stadt stiftende tionsprobleme des lokalen Staates in den achtziger Jahren
Stadt Stadt Hohepunkte
Zur Erorterung der Ausgangslage der aus der
Planungen Stadtteil- Richt-, Verkehrs- S tadtreparatur, Projektplanung der beteiligten Akteure werde ich von verschledenen
planungen und Nutzungs- Stadtsanierung ausgehen. Die bisherige Rekonstruktion dle
planung Vermutung, daB auch die an der Stadtentwlcklungspohtlk Ak-
-'" teure die Schwierigkeiten der politischen Steuerung
Periode ab 1945 ab 1955 ab 1970 ab 1980 prozess e wahmehmen. Die Interpretation der wlrd
daraufhinzielen, diese generellen Schwierigkeiten der pohtlschen
aufzuzeigen und zu illustrieren. Drei zentra1e Probleme werden dabel 10 den
Interviewausschnitten in den Vordergrund gestellt werden:
$o

98 Stadtentwicklungspolitik zwischen Demokratie und Komplexitiit Stadtentwicklungspolitik über GroJ3projekte 99

• Es fehlen Orientierungen in der Stadtentwicklungspolitik. Es hat sich nicht »Zentrum« wie »City« oder »Agglomeration« stehen als Begriffe zur Ver-
nur kein neues urbanistisches Paradigma nach der Krise der funktiona- fugung. Sie werden gegeneinander und gegen den Begriff »Stadt« ausge-
Iistischen StadtpIanung durchsetzen k6nnen (wie die Diskussion um PIan spielt. »City« steht für Wirtschaftszentrum, rãumlicb fur die innere Stadt
oder Projekt zeigt). Es wird auch gegen die 6konomische Funktionalisie- in Zürich fur das Bankenzentrum. Der Begriff »City« wird dem» Verõdungs-
rung der Stadte kein pIanerisches Gegengewicht geschaffen (vgl. dazu prozeB« zugeordnetzu dem B. keinen Zugang hat. Auch »Agglomeration«
auch Habermas, 1985). ist negati v gebraucht und stebt als Resultat einer ungesteuerten Entwicklung.
• Der Handlungsspielraum der Vertreter des lokalen Staates scheint stark Positiv besetzt i t einzig der Begriff »Zentrum« (»mit aller Vielfalt«). AIs
eingeschriinkt zu sein. Sachzwange verhindem, daB die Vertreter des Raum wird »Zentrum« ebenfalls mit der Stadtentwicklung in Zusammen-
Iokalen Staates eine eigene Politik verfolgen k6nnen. hang gebracht: Die »City« ver6det das »Zentrum« - die Stadt wird zur
• Die Exekutiven in den Stiidten stehen vor Repriisentationsproblemen. homogenen Landschaft. Alles ist »Agglomeration«.
Im folgenden werden diese Probleme, und wie damit umgegangen wird, Es zeichnet sich kein m6gliches politisches Handlungsfeld für B. ab. Indem
dargeste11t. Insbesondere werde ich versuchen, die von den Akteuren wahr- er die Frage nicht beantwortet, sondem sie in eine neue Frage verwandelt,
genommenen generel1en Schwierigkeiten in der Stadtentwicklungspolitik deutet B. dieses Handlungsvakuuman. Gegenüber der Stadt in ihrer ganzen
über die Darste11ung hinaus zu begründen. Zudem sol1 versucht werden, raumlichen Ausdehnung formuliert B . kein Veranderungsprojekt. Es bleibt
innovative Wege in den Interviews zu finden, die darauf abzielen, mit die- beim Verhinderungsprojekt eines für B. unaufhaltbaren Prozesses. »Stadti-
sen Schwierigkeiten besser umzugehen. Es wird sich zeigen, daB die Gren- sche Lebensqualitat« und »Vielfalt« weisen zwar auf die Orientierung von
zen des lokalen politischen Systems von den Akteuren zwar wahrgenommen B. an einem Konzept von Urbanitãt hin. Doch wirkt in dieser Vision einer
werden, doch weitgehend Innovationsstrategien fehlen. Stadt mit Lebensqualitãt, die es zu wahren gilt, die Negativvision der iden-
titatslosen GroBstadt mit, die nur als Verdichtung existiert. Die Stadt hat in
1.1 Zum Orientierungsproblem dieser negativen Vision keine die stãdtische Gemeinschaft schützenden
Die folgende Interviewszene soll spezifisch und exemplarisch die Hinter- Grenzen mehr. Sie wird nur noch in ihren Funktionen wahrgenommen und
gründe des OrientierungsverIustes erklaren. Es handelt sich dabei um die tendiert dazu, das »Zentrum mit aller Vielfalt« zu besetzen und fremd zu
Eintrittsszene in einem Gesprach mit einem langjahrigen Zürcher Gemein- bestimmen.
Diese Angst vor den Systemeigenschaften der Stadt ist typisch. Die
depolitiker der Linken:
entgrenzte Stadt der funktionalen Beziehungen und entsprechend dazu der
A: Welches sind Ihrer Ansicht nach die wichtigsten Probleme der Stadt- isolierten Personen wird in erster Linie als Verlust der Stadt als Gemeinschaft
entwicklung in Zürich? und in zweiter Linie als Verlust der politischen Offentlichkeit beschrieben.
B: Eine sehr umfassende Frage. - Ja, ich würde sagen, fur mich ist eigentlich Vor a11em die Zürcher Interviews betonen durchgangig diese Entgrenzung
die zentra1e Frage: Wie kann - das ist ein diffuser Begriff - wie kann die der Stadt. Stichworte aus den Gesprachen sind: »Die Schweiz als Stadt«,
Stadt eine Stadt sein und bleiben im Sinne einer stiidtischen Lebensqua1itiit. »WasserkopfZürich«, »Monokultur«, »stadtische Landschaft« oder, wie im
Das heiBt für mich jetzt, daB sie zwar einerseits ein Zentrum ist mit aller ausgewahlten Textausschnitt, die Kemfrage: »Wie kann verhindert werden,
Vielfalt, aber auf der anderen Seite den Verõdungsprozessen, die durch daS die Stadt zu einer groBen Agglomeration wird?«. Der Grund in Zürich
die City-Entwicklungen produziert werden, unterliegt. Das ist fur mich fur diese starke Betonung der Stadt der funktionalen Beziehungen als Gefahr
eigentIich die Kernfrage. Also ich würde sagen: Wie kann verhindert für die Gemeinschaft ist der gegenüber Wien und Florenz starker ausgepragte
werden, daB die Stadt zu einer groBen Agglomeration wird.
wirtschaftliche Druck, der in den letzten zehn J ahren zu groBen Verande-
In dieser Szene drückt B. die Schwierigkeit aus, Stadt raumlich zu bestim- rungen der baulichen Substanz geführt hat und in diesem Sinn symbolisch
men. Verschiedene Bezeichnungen werden fur Stadt verwendet: Sowohl immer wieder in der Stadt auftaucht. 1 Die auBeren Erscheinungen dieses
100 Stadtentwicklungspolitik zwischen Demokratie und Komplexitiit 101
Stadtentwicklungspolitik über Groj3projekte

Drucks sind Bodenpreissteigerungen. Mietzi:nserhOhungen. Erhohung der Der Beitrag der wirtschaftlichen Logik an die Stadt als Gemeinschaft
Lebenskosten, Verdrãngung von Gewerbe, Zunabme des Verkehrs und zwar auf den ersten Blick bedeutungsvoll, denn die Wirtschaft
Verkehrsüberlastungen. Es sind aUes Folgen des Aufstiegs von Zürich ru unterscheidbare, erkennbare Orte. Diese arte sind fur
einem wichtigen europãiscben Finanzplatz, der eine Eigendynamik in der schaftssystem in dem Sinn funktional, wie sie fur das Wlrt-
Stadtentwicklung ausgelOst hat· die »City-Entwicklungen« bringen Zürich schaftsleben stadtisches Ambiente erzeugen konnen. Doch werd.en
in eine Zentralitãtsspirale,2 die nicbt mebr aus der Gemeinschaftsperspek- produziert oder 1nhalte vermittelt, die nicht lokal smd. Sle
tive verstanden werden kann. konnten injeder Stadt sein und verbreiten, anstatt
Im Text ist erkennbar, daB der Begriff der Stadt. der gesucht wird und stüeke des Klisehees über die jeweilige lokale Identltat. Dle von :"lrt-
insofem politisches Handeln ermoglichen würde, die funktionale Sichtwei- schaft mitgetragene und gefOrderte 1nszenierung von lokaler er-
se der lebensweltlichen unterordnen müBte. Die po1itische Orientierung für laubt zwar soziale Identifikation; die erzeugten besonderen Ort.e smd er-
diese Sichtweise einer minimalen Zustandigkeit für die Stadt ist der Begriff kennbar, faBbar. Es bleibt jedoch dabei. 1ndivi.dualitat entsteht meht, ?enn
»stãdtiscbe Lebensqualitãt«; einzig diese konnte die Stadt als Gemeinschaft der Ort IOst nicht konkrete Handlungen aus, dle als Lempr.ozesse zu
retten. Doch muB dafür gegen den » VerOdungsprozeB« angetreten werden, tifikatorisehen Beziehungen und zor Bildung von
wogegen jedoch keine Strategien vorhanden sind.lm Gegenteil: Die Neu- kõnnten. Die Wirtsehaft als System generiert in dies.em Smn dauemd dle
fonnulierung der Frage deutet aufdas Vakuum. Zudemzeigt die relativier- Stadt als überlokalen Zusammenhang und fordert dle Wahmehmung der
ende Haltung (die Zurechnung der Au ssagen ins eigene Meinungsspektrum Differenz zwischen der Stadt als Gemeinsehaft und der als 1n-
[»für mich«] , ich-Formen, Moglichkeitsformen) daB mogliche Verhinde- vestitionsmogliehkeit. Im Textbeispiel steht di.eser Vor?er-
rungsstràtegien nicht über (irgend-)eine gemeinsarne Politik umgesetzt grund: VerOdung oder Vielfalt. Hier sind auch dle Bedmgungen emes
werden konnen. tigen politisch zu steuemden zwischen dem System der
Gemeinscbaft scheint nicbt mehr formulierbar, denn als Stadt deT funk- nalen Beziehungen und der Lebenswelt angelegt -
tionalen Beziebungen lOst sie sich von ihren politischen Grenzen und be- Konflikts um die Grenzen zwisehen systerruseher und lebenswelthcher
kommt einen regiona1en, nationalen oder kontinenta1en Horizont, der po- Reproduktion.
Litisch über loka1es Handeln nicht mehr angemessen berücksichtigt werden
kann. 3 In diesem raumlichen Horizont gewinnt die Funktionsweise des 10- 1.2 Sachzwiinge regieren die Stadt
kalen Wirtschaftssy tems gegenüber dern politischen Systern an Raum. Sie Von Unregierbarkeit der Stadte zu beinhaltet zwei
hat auf dieser Ebene keinen Legitirnationsbedarf und muB sich nicht durch- Erstens müBte mau wissen, was reglert werden so11. In dleser Bezle-
setzen, denn sie funktioniert in der Logik des überlokalen Systems von scheiden sich die Ansiehten. Das Aufgabenprofil des Staates
dem sie nur ein raumlich ausdifferenziertes und diese Logik ausführendes ist keineswegs genau definiert. zum Belsplel thema-
Subsystem ist. 4 Bezeichnenderweise werden in den Interviews. wie in Bei- tisieren gleichzeitig neue Aufgabenproftle und eme der
spielen weiter unten dargesteUt wird. systematisch sowohl von seiten der bereiche. Zweitens müBte man' um Unregierbarkeit zu Wlssen,
privaten Investoren wie von Regierungsvertretem Alltagsbegrifflichkeiten wie regiert werden sonte. Auch in diesem FalI Memungen aus-
in die Semantik des Wirtschaftssystems übersetzt. Synonym von »Hoff- einander. Neue institutionelIe Arrangements fur dle pohtlsche Steuerung von
nung in die Zu1runft« ist »Investitionsklima«, von »Vertrauen« »Erfolgs- Stadten wie Regionalisierungen oder Eingemeindungen, wurden zwar
voraussetzung«. Am stãrksten wird in Florenz die Semantik der Wirtschaft entwickelt und angewandt, doch werden die Erfahrungen auch von den
von õffentlichen Akteuren übemoIDIí1en. was auf die im Vergleich ru Wien Promotoren k.ritisch beurteilt (vgl. Dente, 1982 und 1989a). Neue Refo:m-
und Züricb grõBere Abhangigkeit von fmanziellen Ressourcen privater vorschlãge bezüglich des institutionellen Designs auf lokaler Ebene zelch-
lnvestoren hinweist. nen sich noch nicht ab.
p

102 S d
ta tentwicklungspolitik zwischen Demokratie und Komplexitãt
Stadtentwicklungspolitik über Groj3projekte 103

ist deshal?heute ein der Perspektivlosigkeit eampo infrastrutturale. Viabilità, strade, tramvia. Perehe generano una
z . h yse un? als an Analytiker und nieht an die Praktiker domanda di mobilità nuova, di spostamenti in una eittà nuova. E anehe
u ne ten. m S.tadten wlrd regiert. Es werden Entseheidun en questo e un problema eioe di riuscire a tenere fenni questi due punti. 6
dle z":.ar, Wle vlele Autoren unterstreichen, weder
quat noeh uber institutionelle Verfahren erfol a en (val B. nimmt in diesem Textausschnitt Bezug auf den Systemzusammenhang
Seeehl, 1982). Doeh smd dle Gründe dafür meht aU· . d O. O· eines fehlenden Bodengesetzes als Ausgangspunkt seiner Überlegungen zur
Weits· ht d P r ik . em m er mangelnden Stadtentwieklungspolitik. Dieser Systemzusammenhang stellt für B. einen
. le . er. o 1t er zu suehen, sondem, wie der folgende Interviewaus-
zelgt, m der Einschrãnkung ihrer Handlungsmo lieh- Zwang dar, sich mit privaten Investoren zu koordinieren und die Verhand-
Der folgende eines Gesprãehs mit einem Flore!tiner lungen mit diesen zugunsten des bffentlichen Interesses auszurichten. Da-
dJent dazu, diese Bedingungen zu il1ustrieren und als bei spricht B. drei zentrale Vorgaben lokalen Regierens an:
er di aften zu .interpretieren. Der Interviewte wird gefragt, wo • die vertikale Verf1eehtung;
e IS en m der betnebenen Stadtentwieklungspolitik sieht. • die Funktion des lokalen Staates der Erstel1ung der grundlegenden staat-
A: I risehi, dove li vede?
liehen Dienstleistungen, die indirekt auch dazu beitragen, einen gesell-
sehaftlichen Grundkonsens zu erzeugen;
B: I risehi i r"s hi d· . • der ru hohe Problemdruek auf lokaler Ebene.
. .' I sono, lei amo anehe qui ei sono moltepliei risehi. Direi
Il pnmo da un [Pause] obiettivo problema di oeslione di questa Das erste »objektive Problem« (»problema oggettivo«) der politisehen
trasfonnazlOne, l'Ital.ia uno deipoehi paesi, do:e ormai e riva di Steuerung der Stadtentwick1ung (» Transfonnationsprozesse«) besteht für B.
legge sul de! suoli. A differenza di molti paesi e· in der mangelnden Problemlosungsfãhigkeit auf nationa1er Ebene. Ein Auf-
l Olanda l:Inghilterra. Oggi jl regime, íl problema schieben eines Planungsgesetzes auf nationaler Ebene verlagert konkret das
trasfonnauone del suoli. del regime dei suoli in Italia non ereoulato da Problem eines fehlenden modemen Planungsgesetzes auf die lokale Ebene.
nessuna Si appliea ancora una legge di NapoJi, la cosidd:tta le e
di Napoli della fine del1 'ottocento ehe e diciamo íl riferimento gi .Jg
Grund dafür ist die nicht zu Ende gefiihrte Refonn des Bodenrechts, was
per la, per tutti i processi di trasformazione Non disporre d. un] eo 1985 durch einen Entscheid des Kassationsgerichts zu einer Wiederein-
l . d· ... . . I una eoge
setzung der über hundertjãhrigen Bodengesetzgebung führte. Bis dahin
reg;me ei suoh, anche porre I' ente pubb1ico in una
I eon ronto Con le nsorse finanziaOe private e allora quando si apre un stützte sich die Stadtplanung auf ein Gesetz des Nachkriegsitaliens, das mit
pubblieo e privato [pause] e un eonfronto in eui ei Sono Beginn der Refonn auBer Kraft gesetzt wurde. Indem die Refonn nieht zu
p.OSSlblhtã dJ [pause] .di .ripetere anehe le esperienze degli anni Ende gebraeht werden konnte, wurde das Rahmengesetz von 1885 für ver-
delIe trasfonnazioni edilizie ebe non hanno portato nulla bindlich erklãrt. Dieser Entscheid bewirkte eine weitere Einschrankung der
di pOSlllvo alle elttà. E questo e un rjsebio. Un altro risehio e quello d· kommunalen Planungsautonomie, indem die Gemeinden veranlaBt wurden,
I
zu nieht marktkonfonnen Preisen, enteignetes Land entweder wieder zurück-
A: Il risehio sarebbe la speculazione? zugeben oder die Differenz zwischen bezahltem und effektivem Preis aus-
zugleiehen. Neue Enteignungen sind seither für Gemeinden kaum noch
B: Beh direi SI il risehio, piu ehe la speculazione direi la [p ] .
la }' bb· .
eom, o lettIva eomplessità deUa oestione di quest
ause gestione
• finanzierbar (vg1. Campos Venuti, 1987: 127).
Pubbr . h <:>
. leo e pnvato, e e e un rapporto inedito come dicevamo s l .
o rapporto tra Die autonome Problemlosungsfãhigkeit hat dadurch weiter abgenommen,
[Pause J. un al tro rischio e<li non riuseire a fa: was aueh die Produktion der grundlegenden staatliehen Dienstleistungen auf
loka1er Ebene ersehwert7 - mit der Folge der Zunahme von Protest und Le-
?l pan passo .gh. ms.edlamenti edilizj eon il nUOV0 sistema delle
mfrastrutture .Vlane, eloe questi insediamenti hanno un senso se sono gitimationsproblemen. Jede Veranderung des Stadtgefiiges lost neue Erwar-
aeeompagnatI da una trasfonnazione, da un investimento privato nel tungen und Bedürfnisse aus, die der lokale Staat nieht befriedigen kann. B.
sprieht diese Sehwierigkeit im »zweiten Risiko« an: Gelingt es dem Staat
104 Stadtentwicklungspolitik über Groj3projekte 105
Stadtentwicklungspolitik zwischen Demokratie und Komplexitiit

nicht, entstebende Bedürfnisse zu befriedigen, verliert die Transformation (vgl. auch Kujath, 1988). Der lokale Staat muB in der vom Modemisierungs-
der an Sinn (»questi insediamenti banno un senso, se sono accompa- druck angeheizten Stãdtekonkurrenz der lokalen Wirtschaft Vorteile verschaf-
gnatl«). Der lokale Staat gerat dann unter Handlungs- und Legitimations- fen (vgl. EsserlHirsch, 1987; Trigilia, 1982). F10renz miBt am ?ordi.ta-
drock. lienischen Wirtschaftsraum Mailand, Turin und Genua; Wlen wIIl seme
Problem ist nicht mebr, wie B. ausführt, das Auftreten der »Speku- Zentralitãt in Mitteleuropa wiedergewinnen; Zürich versucht seine Rolle als
latton« sondern wie sie begriindet wird. Denn die »Spekulation« selbst kann intemationaler Finanzplatz zu sichem.
nicht aufgehalten werden, sie kann hõchstens in dem Rahmen gehalten In der horizontalen Dimension des Verhãltnisses zwischen lokalem Staat
werden, der gegenüber der Stadt als Wahlergemeinschaft noch leaitimier- und pri vaten Akteuren zeigen sich die verãnderten
bar i t. Die Ergebnisse der Verhandlungen mit den privaten Invest;ren sind allem im Bereich der Richt- und Nutzungsplanung. In dlesem Berelch
politisch zuschreibbar, so da.B die Regierungen gezwungen werden, in die weitgehender lokaler Kompetenz verscharfen sich die
»komplexe Steuerung« die Stadt al Wãhlergemeinschaft einzubauen. der Sicherung wirtschaft1icher Prosperitãt und der Real1Slerung sozlalmte-
Docb sowohl das erste wie das zweite angesprochene Risiko sind nicht grativer stãdtischer Werte wie und. In de.n
durch die Iokale Regierung beeinf1uBbar. Die nationale Gesetzgebung kann konflikten um den stadtischen Boden Spltzt slch dleser Konflikt zWlschen
nur auf nationaIer Ebene verãndert werden, und die KompromiBbereitschaft kurzfristigen Verwertungsinteressen, die sich als Sachzwang legitimieren,
privater Investoren legitimatorische Elemente in den Verhandlungen zu und einer lãngerfristigen Politik des sozialen Wandels zu (vgl. dazu auch
berücksichtigen, hãngtvon deren Investitionsrechnungen ab (die wiederum Duncan/GoodwinIHalford, 1987; King, 1985).
durcb viele extraIcomrounale Faktoren wie BesitzverhãJtnisse oder Ge chafts- Die Verflechtung mit überlokalen Problemfeldem und das über lokale
gang abhãngig sind). Die Chance, Legitimationsvorteile zu erzielen, blei- Engpãsse gesteigerte Konfliktpotential verursachen lokale Krisen, we1che
ben dadurch gering. Das Ri iko besteht, da.B sich die »Erfabrungen der die politische Prob1ernlosungskapazitãt überfordem (:gl. dazu auch
fünfziger Jahre wiederholen«. fudem sich der lokale Staat auf die privaten Schnabel, 1979). Die traditionellen Problemverarbeltungsstrukturen schel-
Investoren einlaBt, taucht das Problem der Realisierung sozialintearativer nen durch diese EntwickIungen ausgehOhlt zu werden, denn sie setzen eine
Werte.in der Zusarnmenarbeit mit oder durch den privaten selbst lokale Autonomie voraus (vgl. FürstJHesselRichter, 1984). Der sozialinte-
auf, da heiBt verbunden mit der Gewinnstrategie des privaten Investors. grativen Politik fehlen die finanziellen Mittel und der stãdtischen yerwal-
Der Textaus chnitt schneidet die in aUen drei untersucbten Stadten vor- tung oft sowohl Zielvorgaben, wie die den schnel1en Transformauonspro-
handenen Sachzwãnge in einer vertikaIen und horizontalen Dimension an. zessen angemessene F1exibi1itat und ausreichende Kompetenz (vgl. Haver-
In der vertikalen Dimension des Verhhltnisses zwischen nationaIem Staat kampf/Scbimanke, 1983: 23).
und lokalem Staat hat die nachkeynesianische Politik auf nationaIer Ebene, Besonders in der kIeinen Planungsabteilung in F10renz konnen keine über
die von Werten wie Selbsthilfe und Anspruchsdisziplinierung ausgeht und die Alltagsadministration hinausgehende Funktionen wahrgenommen wer-
über Austeritats-, Deregulations- und Dezentralisierungspolitiken vermittelt den. Der Mangel an Ressourcen drückt sich auch darin aus, da.B in privaten
wird den Problemdruck auf die lokaleEbene erhoht (vgl. auch Mayer, 1991: Fachgremien, wie im Falle der spater dargestellten Fiat- und
48). Nach der vom sozialdemokratischen Kompromij3 geprãgten Phase der Projekte, mehr Planungskompetenzen vereinigt werden als m
sechziger und siebziger Jahre, die wirtschaftlicbes Wachstum und den kom- stadtischen Verwaltung (vgl. Cusmano, 1990: 84). In Wlen Ist zwar dle
pensatorischen Ausbau der soziaIen Infrastrukturen zum lnhalt hatte,8 ste- Planungsbehorde personel1 und finanziel1 gut dotiert, doch führen
ben die achtziger Jahre im Zeichen des Transformationsdrucks der Wirtschaft Kompetenzüberlappungen wie sich verselbstãndigende
und verscl1ã.rfter Finanznot. In diesem Rabmen werden Stadte gezwungen, ten und die zwei auch innerhalb der Planungsbehorde konkurnerenden
verrnehrt die Verantwortung für den Bereich des Wirtschaftlichen zu über- Planungslogiken zu negativer Koordination und Selbstblockierung. Dage-
nehmen und Stadtpolitik rnit Interessen von Unternehmungen ru vermittelo gen ist in Zürich die B10ckierung der Stadtentwicklungspolitik nicht auf ver-
107
106 Stadtentwicklungspolitik zwischen Demokratie und Komplexitã.t Stadtentwicklungspolitik über Gro.fJprojekte

bilden, die einen für ein Wachstum, die auderen gegen ein Wachstum, ich
waltungsinterne Koordinationsprobleme zuriickzuführen, sondern darauf,
sage es sehr plakativ, oder die einen für anderen
daB die Koordinationsfunktion durch die Regierung wahrgenommen wird,
ums Stichwort die Stadt ist gebaut [lãchelt], oder, dle eme Ist urbanes
die aufgrund der direkten Volkswahl die Interessenpolarisierung reprodu- Zentrum mit Ausstrahlung, mit nationaler Dimension, die andere die
ziert und deshalb handlungsunfahig ist. Wohnstadt in der Arbeitsregion. Das gibt Verzerrungen und auch die
Die Einschriinkung der Handlungsmoglichkeiten des lokalen Staates führt Gefahr von Spaltungen. U nd das ist ein politisches und auch ein, wie soJl
zur Schwierigkeit der effizienten Umsetzung von Programmen. Autonome ich sagen , psychopolitisches Problem, das nicht gut ist die Ver-
Politik ist sowohl raumlich (gegenüber den übergeordneten Ebenen und ge- stãndigung in der Stadlerschwen. Und ich glaube, es wãre wlchuger,
genüber dem Umland) wie frnanziell eingeschrankt. Sachzwange regieren mau mehr das Gemeinsame in den Vordergrund rücken würde und mcht
die Stadt. das Trennende. Und wie kann mau das? Erst einmal durch eine offene
Informationspolitik. Zweitens durcb eine GeschJossenheit des Systems,
1.3 Das Dilemma der politischen Repriisentation der Polarisierung beziehungsweise von der Behõrde, ganz wicbtig, ganz wicbtig: Driltens
durch Foren, also durch
b mõo-üche Gesprachsformen von verscbledensten
..
Dem lokalen politischen System scheint es unter den Bedingungen eines Organen, Organisationen, Kõrperschaften, die solche Probleme rrutem-
fehlenden Grundko!1senses und einer fehlenden Autonomie und Effizienz ander beleuchten und bereden und ausleuchten, hinterfragen. Wir haben
nicht zu gelingen, sich für die Stadt im allgemeinen einzusetzen, sondem zum Beispiel eine Stadtentwicklungskommission, in der
nur noch für eine undefinierte Stadtidee. Stadtische Wahlen werden zum dene Vertreter drinnen sind; es gibt die Mõglicbkeit an õffenthchen D1S-
Barometer der gespaltenen Stadt, indem sie oft wechselnde Mehrheiten kussionen, an Vortrãgen, am Architekturforum, an SIA-Verans.taltunge?,
und instabile Regierungen erzeugen. Das offentliche Interesse differenziert was es auch immer ist, in den politischen Parteien, im Gememderat, m
sich in viele, sich zum Teil konkurrierende, sich zum Teil neutral gegen- Wirtschaftsverbãnden, in Arbeitnehmerverbanden, diese Probleme müs-
überstehende Varianten. Die Spaltung der Stadt übertragt sich auf das po- sen zur Sprache kommen, müssen beredet werden dann glaub ich, ist
litische System im engeren Sinn, dem es nicht gelingt, das stadtische Inter- eine Chance da, daS auch eine gewisse Differenzlerung vorgenommen
esse zu reprasentieren. Die folgende Textstelle aus einem Interview mit wird und nicht, daB es immer mehr zu plakativen Trennungen, zu Pola-
einem Zürcher Regierungsvertreter kann in diesem Sinn interpretiert wer- risierungen kommt.
den: B. wird als Regierungsvertreter angesprochen und hat Mühe, sich in ?ie er
A: Jetzt wenn Sie sagen es geht auch darum.. umzugeben mit diesen
Rolle zur Frage zu ãuBem, weil er selbst einem »Pol« angehort. Das Ist der
Problemeo die besteben, stellt man fese, daB in den Fragen um llinterarund fur die dauemden Schwierigkeiten mit den Ich-Bezügen, denn
Stadtentwicklung in Zürich selber eine starke PoJarisierung stattlindet. als mocbte er kein »Pol« ist es abe.r als
Wiegehen sie mlt solcben Problemen, daB es fase sowas wie zwei Lao-er beziehungsweise als Politiker. Er kann deshalb sern.e
.b ? . b
dja ausfüllen und ist selbst überfordert. Er bescbrelbt diese SltuatlOn lllSO-
gJ t um .
als etwas das mit ihm geschieht obwohl e besser nicbt geschehen
B: Das ist ei ne ganz aktuelle und sehr schwierige Frage, aucb weil [Pause]
sich leider, ich bin sehr persõnlich, leider diese Polarisierung in den letz-
würde. Damit 'meint B. nicht die Polarisierung als solche, die »stattfrnden
ten J ahren ergeben hat und ich selber zum Teil zumindest e.iner dieser Pole muB«, sondern die ungünstige Verknüpfung seiner Rolle dieser .Polari-
darstelle. Das ist heute ei ne politische Gegebenheit, aus dieser kommen sierung. Als Regierungsvertreter versucht B. die Gesamthett de: Splel.e
WiT nicht raus, die ist jetzt so, aber ich empfinde sie eher als Belastung Oraanisation Stadt zu erhalten. Dabei nimmt B. Bezug auf em »Wlr-lD-
als ja ich empfi nde sie eher al eine Belastung. lch versucbe ei nen Weg un:erer-Stadt«. Stichworte dazu sind »Dialog«, »Verstãndigung«, »das Ge-
zo finden auf verschiedenste Arten , icb komme auf Details um einen meinsame in den Vordergrund riicken«. B. deutet damit seine Absicht an,
Dialog aufrecht zu erbalten und dieser Polarisierung entgegenzuwirken. in der Polarisierung die Funktion der Vermittlung einnehmen zu wollen.
Und icb glaube, so eine Entwicklung, wenn sich dann quasi zwei Lager
108 Stadtentwicklungspolitik z:wischen Demokratie und Komplexitiit Stadtentwicklungspolitik über Gro.f3projekte 109

Die »Polarisierung« in Fragen der Stadtentwicklung ist jedoch strukturel1 Der Vorschlag einer »offenen Informationspolitik« von B. stOSt dort auf
vorgegeben und nicht vermittelbar, so daS B. sich in der gewünschten Grenzen, wo das Spielen mit Informationen für die anderen Akteure Kon-
Funktion nur schwer wird finden konnen. Vielmehr ist B. dem Dilemma trolle von UngewiSheit über das eigene Handeln und insofem Macht dar-
ausgeliefert, daS er Polarisierung a1s Regelstruktur ablehnt, ohne sich je- stellt. Die divergierenden Interessen segmentieren die Regierung und erleich-
doch dagegen stemmen zu konnen. B. als Regierungsvertreter und als tem den stãdtischen Interessengruppen, die Regierung zu beeinflussen. Deren
Politiker nimmt an diesen durch Polarisierung gekennzeichneten Spielen Mitglieder stehen dadurch andauemd vor dem Dilemma, das offentliche
teil und unterlauft jeweils die Rol1e, die er vertreten mochte. Der Versuch, Interesse und die partikularen Gewinnstrategien gleichzeitig vertreten zu
die Rolle des Regierungsvertreters zu bevorzugen, ist jedoch sichtbar und müssen.
auch die Konsequenz, in dieser Rolle von der partikularen Strategie unter- Dieses Reprasentationsdilemma der Regierungen wird von den privaten
laufen oder instrumenta1isiert zu werden. Damit Gewinnstrategien moglich Investoren in al1en drei Stadten, wie spater ausführlich gezeigt wird, als
bleiben, muS B. die Bedrohung seiner Rolle als Vertreter des Gesamtinter- Unsicherheitsfaktor in Verhandlungen wahrgenommen. Es erschwert zudem
esses steuem, weil mit dem Verlust dieser Rolle auch die Gewinnstrategien den Regierungsvertretem, ein offentliches Interesse in den Verhandlungen
bedroht sind. B. muB desha1b versuchen, die Bedingungen der Gesamtheit zu vertreten.
der Spiele der Organisation Stadt zu erha1ten, das heiSt die Polarisierung als Die Segmentierung der Regierungen wird so zum strukturellen Haupt-
»politische Gegebenheit« in einem Gleichgewicht zu halten. Dazu dienen problem der Bildung eines Offentlichen Interesses. Die Stadt aller
die Wir-Bezüge, die jedoch nur illusorische Gemeinschaftsbezüge darstel- ner existiert nur noch als Illusion, wie beschworerische Wir-Bezüge 10
leno Das prekãre Verhãltnis der Gesamtheit der Spiele zueinander im Aus- vielen Interviews zeigen. Entsprechend der Entkoppelung zwischen der
druck der Polarisierung hat aber die Rolle des Regierungsvertreters bereits Wirtschaftsstadt ohne Grenzen und der Stadt der Lebbarkeit und Urbanitat,
so sehr unterlaufen, daS ein Management über diese Rolle nicht mehr entsteht eine zweite Trennungslinie zwischen der politischen Reprasenta-
moglich erscheint. Dies ist eine Folge der Strategie von B., seine Rolle a1s tion der Stadt im offentlichen Interesse und der Stadt als Ausdruck vieler
Vermittler in Interessenkonflikten institutionell so schwach wie moglich zu Lebensformen.
halten, zum Teil um seine Rolle in der Verwicklung und im Positionsbezug
zu schützen und entsprechende Gewinnstrategien zu stãrken. Die Folgen 1.4 Politik mit den Grenzen und über die Grenzen hinaus
dieser Instrumentalisierung der Rolle des Regierungsvertreters drücken sich Die beschriebenen Grenzen dienen den Akteuren als Ausdruck der ausdif-
in den von B. genannten Ãnderungsvorschlagen des politischen Willensbil- ferenzierten Gesellschaft durchaus auch zum besseren Verstandnis der je-
dungsprozesses aus: Das Ziel dieser Ãnderungsvorschlãge auf institutionel- weils eigenen Systemlogik und der eigenen Lebenswelt. Doch stellt sich das
ler Ebene besteht darin, die Interessenkonflikte aus deren Gegensatzlichkei- Problem der gegenseitigen Integration weiterhin. Die Grenze selbst wird zum
ten zu losen - was den Interessenaustausch fordert -, die Gegensatze par- Thema der Politik.
tiell zu integrieren, die Bedingungen der Gesamtheit der Macht- und Der Versuch, mit diesen Grenzen Politik zu machen, stellt den lokalen Staat
Tauschbeziehungen in der politischen Organisation der »Stadt« zu erhalten selbst infrage, denn er thematisiert dadurch seine Autonomie gegenüber
und dadurch die polarisierten »Lager« an gemeinsamen Spielen weiterhin überlokalen politischen Einheiten, seine Effizienz gegenüber der Wirtschaft
zu beteiligen. Die zwischen diesen Lagem bestehenden Interessenkonflikte und seine politische Legitimation gegenüber der stiidtischen Gemeinschaft·
sind jedoch in der Logik eines Nullsummenspiels gefangen. Das macht den Die Erfolgsaussichten beim Versuch, mit der althergebrachten Politik die-
verpflichtenden Zwangscharakter der Polarisierung als »politische Gege- ser dreifachen Herausforderung zu begegnen, sind minima1. Die Dennoch-
benheit« aus. Diese Polarisierung in Lager stellt den Hintergrund für das Haltung wird trotzdem in a11en drei Stadten vertreten, indem die Beibehal-
Fehlen einer »Gesamtbeurteilung« dar, die ein Konsens beider Lager sein tung und Reproduktion des Verhãltnisses zwischen lokalem Staat und loka-
müSte. ler Wirtschaft verfolgt wird.
110 Stadtentwicklungspolitik zwischen Demokratie und Komplexitiit Stadtentwicklungspolitik über Groj3projekte 111

In das vom Tonrismus abhãngige Gewerbe das struktu- geht in die zunehmende Dezentra1isierung und Eigenstand.igkeit, a1so eher
Verh?ltfils zwlschen loka1em Staat und Wirtschaft, weil es als einziges RichtungAutonomie für, oder Selbstverwaltung in kleinen überblickbaren
Wege der lnteressenaggregation uud Interessendurchsetzung Dimensionen. U nd die andere Richtung, geht genau in die andere, wirklich
Eme be.s ondere Stellung nehmen wie sich zeigen wird, die zwei kontrãr, in, mehr Richtung, Schaffung von übergeordneten Strukturen, um
Fiatund Fondiaria, ein, die sich wegen ihrer diesen grenzüberschreitenden oder ganzheitlich zu lõsenden Problemen
Stãrke mcht von den lnteressenverbãnden vertreten lassen. besser Rechnung tragen zu k6nnen.lch kann ihnen jetzt kein Rezept geben,
Interessen vertretungspolitik der Wirtschaft einerseits und was besser ist.lch kann nur soviel sagen: Ich bin der Auffassung, daB diese
Strukturen, die wir heute haben, nicht genügen, um Probleme der Zukunft
des Parteiensystems andererseits verhindem die Aus-
zu lõsen. Da muB etwas passieren, aber ich mõchte zumjetzigen Zeitpunkt
blldung LDStitutlOna1is.ierter Formen der InteressenvennittJuog zwischen
nicht ein Rezept auf den Tisch legen.
lo.kaler Wirtschaft und lokalem Staat. Das vorherrschende Interessenvennitt-
lungsmodell kanu a1s Klientelismus bezeichnet werden. Es fehlen »Rezepte« für die Problernlosung. Das Problem der Reformen wird
Wien ist die Jokale Wirtschaft aufgrund der starken Interpenetration von politiscber Seite in einer Expertenhaltung dargestellt, für die es keine
zWlschen Staa.t und Wirtschaft (zum Beispiel versta.atlichte Ban- politische Antworten gibt. Das technische Problemverstandnis seitens der
sta.atlicher Mehrbeit, enge Verbindung zwischen Bauindu- etablierten Politik führt zu einem Rückzug aus der Stadtentwicklungspla-
stne und politJschen Parteien) von vornherein in em soz.iaJpartnerscbaftli- nung hin zum alltaglichen Management des Problemautkommens. Erganzt
ches ModeU der Interessenvennittlung eingebunden, das aucb in der Stadt- wird dieses technokratische Krisenmanagement durch eine Legitimations-
entwickJungspolitik Anwendung flDdet. strategie über symbolische Politik. Vor allem zwei Symbole werden immer
In Zürich ist das strukturel1e VerhaJtnis zwischen loka1er Wirtschaft und wieder legitimationsstiftend eingesetzt: Das Symbol der intemationa1en Stad-
wirtscbaftsliberale Credo gekenn- tekonkurrenz und jenes der Zusammenarbeit zwischen õffentlichen und
zelchner. lD dle slebZlger Jahre hjnein fand die Koordination zwischen privaten Akteuren. Beides sind an sich technische Gegebenheiten, die je-
der und Vertretem der Zürcher Wirtschaft in einer privaten doch legitimationswirksam eingesetzt werden konnen: Sie konnen dazu
Interessenreglen,tng - der Zürich Transport - statt. In den achtziger Jahren dienen, eine Mebrheit der stadtischen Bevolkerung unter Berufung auf Sach-
brach di.eser neokorporatistisch angelegte Versuch der Interessen- zwange wie »Wir sitzen alle im selben Boot« oder »Finanzkrise der Stadt«
verrmttlung au Die resultierende Eotkoppelung von Poli- hinter politische Entscheide zu scharen.9 Beide Symbole sind hochwirksam,
und WlrtSchaft, die slch dann ausdrückt, daB lediglich die »zweite Gar- denn sie thematisieren die Proteste auslosenden Grenzen des lokalen poli-
rutur«. der loka1en Elite die politische Interessenvertretung der WIctschaft tischen Systems, ohne sie selbst jedoch zu verandem. lO
wahrmmmt. führt dazu, daB die Interessenvermittlung zwiscben lokaler Wlrt- Die Wahmehmung der Grenzen der ProblemlOsungsfabigkeit des politi-
und nur inkrementalistisch über emzelne Projekte stattfindet. schen Systems ist auch ein Resultat des Protests neuer politischer Akteure
Dleses polttlsche Beharren auf altbergebrachten Strukturen hãnut mit der und der Wirksamkeit der von ihnen aufgeworfenen Politikinhalte. Diese
Ratlosigkeit der Politiker zusammen. Denn den meísten Politikem ist neuen Elemente werden aber von der politischen Elite nicht als Chance für
daB die bisher vorherrschende Politik der aktuellen Problema- eine Neuausrichtung der bisherigen Politik geseben, sondem als neuer
tik D1cht mehr angemessen ist, wie d.ie folgende Interviewszene aus einem Sachzwang. Die wichtigsten Varianten einer Neuausrichtung beschreibt B.
Gesprãch rrtit einem Zürcher Stadtrat zeigt: in den beiden »Reformwegen«: der Integration der Agglomeration in An-
A: Was für Mõglichkeiten von Refonnen sehen sie? betracht überlokaler Probleme einerseits, der Selbstorganisation der Gesell-
schaft über eine Dezentralisierung der politischen Strukturen andererseits.
B: Ja, ganz eine wichtige Frage, zentra1 rur die Zukunft. Da stelle ich mal Es scheint, daS Ansatze zur Veranderung nicht in den Zentren der poli-
fest, daB zwei gegensatzliche Bewegungen bestehen. Die eine Bewegung tischen Entscheidfindung formuliert werden, sondem vielmehr an deren
112 Stadtentwicklungspolitik zwischen Demokratie und Komplexitiit Stadtentwicklungspolitik über GrojJprojekte 113

Rãndem. Das konnte damit begründet werden, daB die zentralen Entschei- e delIe neeessità di oggi, e ehi inveee vuole eontinuare a perseguire inveee
dungssteIlen stark formalisiert und determiniert sind, wiihrend in den Rand- I' idea di u no svil uppo legalo alia rendi ta ehe aneora produee, voglio dire,
zonen Informationen ungenauer, fehlerhaft und deformiert sind, sodaB ein profilti, anche eonsiderevolí, ehe pero sarà sempre piu ristretta a poehi
Feld.der entsteht. Dieses Feld der Mehrdeutigkeit ist ver- cetí e in fin deí conti non dicíamo, riuscírà mai a dare uno sviluppo
rucht nur em Feld der Unvorhersehbarkeit von Ereignissen. Es 1st compíuto a questa città al suo eomprensorio. insomma al suo hinterIand. 12
em offenes Konf1iktfeld um moglicbe Interpretationen der Informa-
In der Interviewstelle wird der Gegensatz zwischen dem Denken in der
(vgl. zumBeispiel Mela, 1985). Eine Regierungsvertreterin wies
m emem Intervlew auf diesen Sacbverhalt hin: Agglomeration und im Zentrum aufgezeigt Die Zentrumskrãfte blockieren
die Entwicklung einer Gesamtsicht DieAgglomeration denkt »ganzheit1ich«
B: Die Veranderungen kommen aus den Rãndem und diese Rãnder sind nieht und kan n neue Anliegen mit der Idee einer modernen Stadtentwicklung ver-
der Reiehtum. In den Rãndem ist nieht die Maeht. Und wenn man was binden. Eine Stadtentwicklung, die durchaus nocb im Wachstumsschema
will, muB man mit den besehrãnkten Mitteln so intelligent wie steckt. Das Zentrumsdenken dominiert weiterhin die Stadtentwicklung und
mogheh umgehen, oder? Anderes haben wir nieht. So leben wir. Das hat ist nicht fãhig, okologische Orientierungen zu integrieren, wiihrend die
aueh etwas Faszinierendes, das ist nieht nur traurig zu beobaehten, wie
diese Rãnderanliegen rein kommen. Agglomeration als Kind der Produktionskultur sich im Denken den Erfor-
demissen der Zeit anpaBt.
An Rãndem organisieren sich neue Akteure, die kritisch zur alten Die Agglomerationssicht ist geprãgt von der Frustration gegenüber dem
PolItik emgestellt sind. B. deutet an, daB dieser ProzeB nicht aufzuhalten ist. Zentrum, das immer wieder über die Agglomeration aus seiner partikularen
die Selbstorganisation der Gesellschaft istAusdruck der Krise der Sichtweise entscheidet. Doch besteht für B. der Zwang, sich in den Dienst
losungsfáhigkeit des politiscben Systems. Der LemprozeB, der dah:inter steht, von Florenz zu stellen. um das Zentrum zu beeinflussen, denn erst dadurch
vor dem der Folgekosten der Wachstumspolitik um jeden kon nen umgekehrteAbhãngigkeiten generiertwerden. Diese Haltung bewirkt
Prels statt und Vedinderung der Wabmehmung der jedoch das Dilemrna, daS B., trotz seiner Frustration, immer mit dem Zen-
durch dle Politik. Slcbtbarste Folge in der etablierten Politik ist trum verbandeln muB. I:m Tausch bleibt die Agglomerationsgemeinde scbwa-
dle Krise der GrojJparteien in a11en analysierten Stãdten.l1 cher. Die Strategie bestebt desha1b im Versuch, das PartikuJarinteresse der
Eine solche sich mit neuen Themen und Modellen bemerkbar machende AuBengemeinde mit dem Gesamtinteresse durch den, Hegemonie beanspru-
Randzone stellt auch die Agglomeration dar. Die folgende Interviewstelle chenden Diskurs der »vollendeten Entwicklung« (»sviluppo compiuto«)
stammt a.us einem .Gesprãch mit dem Bürgermeister einer Florentiner Ag- zusarnmenzubringen. Strategisch kann damit ein kollektiver Handlungs-
glomeratlOnsgememde und zeigt, wie die neuen Elemente in die alte Politik zwang angestrebt werden. Die AuBengemeinde versucht mit anderen Wor-
eindringen: ten, ibr Randinteresse durch die Aufforderung zur Koalitionsbildung an das
B: E' eaduta l'idea delIo sviluppo dieiamo infinito, illimitato inveee le Zentrum uud durch die EntwickJung einer potentieU gemeinsamen Sichtwei-
soeietà, eomplessivamente, le istituzioni, dobbiamo fare i eon se zu verstãrken. Wichtig ist dabei, daS B., über die Tauschsituation vermit-
finitezza, sia da un punto di vista eeonomieo, sia da un punto di vista del telt, die neue Perspekti ve einer über die Grenzen der Stadtgemeinde hinaus-
territorio, quindi delIa eompattibilità eon l'ambiente ehe li eireondano. weisenden Planung (die auch die Folgen der grenzüberschreitenden okolo-
li, que.sto signifiea ehe un'idea eomplessiva delIo sviluppo di gischen Probleme beinhaltet) zur Sprache bringen kann.
Fuenze nel SUOI termini essenziali sia rimasta, eioe, ehe quelI 'idea abbia Durch das Randinteresse werden also neue Themen eingebracht, doch
ehe .aneora sona fortemente neeesssane per uno sviluppo gelingt es im Falle dieser Agglomerationsgemeinde nicht, auch eine neue
dlverso, pm quahfieato dI Frrenze. Eeeo, io, direi, in queste eose sta anehe Politik mitzudenken. Für B. bleibt die Hoffnung, am vom Zentrum bestimm-
il eontrasto anehe di oggi fra ehi vuole portare avanti questa idea ten Spiel mit Gewinn teilzunehmen. Wichtig ist hier der Hinweis, daB neue
dI svIluppo, se pure rivista alIa luee diciamo degli orientamenti eulturali
Themen von Akteuren, die nicht oder zu wenig an den Entscheidungspro-
114 Stadtentwicklungspolitik zwischen Demokratie und Komplexiti:it 115
Stadtentwicklungspolitik über Groj3projekte

zessen um die Stadtentwickln:ng teiInehmen konnen, fonnuliert werden. Ins- von der Versieherungsansta1t Fondiaria aufgekauft wurde, neben Wohnun-
die õkologischen Folgeprobleme der Stadtentwieklungspolitik gen und Dienstleistungen einen neuen Messestandort zu Beginn
werden m den Randzonen des lokalen politisehen Systems virulent. Die der Untersuchungsperiode von der Florentiner KoahtlOnsreglerung .(K?m-
neuen Forderungen der Randzonen implizieren, daB eine munisten, Sozia1isten, Sozia1demokraten und Liberalen), von der christlIeh-
asymmetnsehe Verteilung der Folgelasten von Entseheidungen auf soziale demokratischen Opposition und von den
Gruppen und Schichten nicht lãnger moglieh ist. Im Untersehied zu Poli- tete Variante Nord-Ovest sol1 der Stadt einen Impuls zur Uberwmdung Wlrt-
tikbereichen in denen Verteilungs- und Klassenfragen die Rationalitat von schaftlieher und stadtebaulieher Ungleichgewichte geben. Die Projekte sol1en
Entscheidungen dOnUnieren, also zum Beispiel in den traditionellen Berei- die Übemutzung des historisehen Zentrums kompensieren und eine a1ter-
ehen der industriellen Beziehungen, sind okologisierte Bereiche eher dureh native Tertiaransiedlung sowie synergetische Effekte in der betroffenen
eine .zirkulare Sehadigungsstruktur gekennzeiehnet, in denen die »Asym- Peripherie schaffen (vgl. CionilConte, 1988). .
metne von Tatem und Opfem«, wie das Offe (1989) zugespitzt ausdrüekt, Durch er<Tanzende Projekte entlang dieser Entwieklungsaehse Wle dem
»zur Identitat zusammenfállt«. Wahrend Klassen- und Verteilungsfragen im neuen univ:rsitaren Technologiezentrum in der Agglomerationsgemeinde
Rahmen der Rationa1itat einer teehnisehen Handhabbarkeit der Probleme Sesto Fiorentino und der Verbesserung der Infrastrukturen des
ohne prinzipielle Schwierigkeiten bearbeitet werden konnen, seheint die und privaten Verkehrs 15 in der diehtbesiedelten Region. Florenz-Prato-Pl-
Struktur okologiseher Probleme eine systematische Grenze dieser Regelungs- stoia k6nnte so die Vision, der 6konomisehe UmstruktunerungsprozeB ver-
fonnen zu bilden (vgl. CattacinJKühnelRüegg, 1991). swkt und dieser Ral1m im italienischen und
. Das.lokale politisehe System seheint allerdings diese prozeduralen und Stadtenetz aufgewertet werden (vgl. Giovannini, 1986). Di.e Idee
mha1thehen Grenzen nieht wahrzunehmen und die neuen Probleme mittels Ausdehnung von Florenz in Richtung Nordwesten geht auf dle zwanZ1ger
alter Meehanismen zu bearbeiten. Dieses Festhalten sehafft neue Fronten Jahre ZUIÜck und wird im Florentiner Stadtentwicklung plan von 1962 zur
und Akteure. Die Grenzen werden zu a11en Seiten hin neu fonnuliert. So- planerisehen Rea1itat.1 6 . .. ,
wohl die a1te, wie die in Ansatzen entstehende neue Politik nehmen auf diese Neben der Gemeinde Florenz a1s staathchem Akteur splelt dle ReglOn
Grenzen Bezug und entwickeln von da aus ihre Strategien. Die drei im Toseana eine zentrale Rol1e im Projekt. Denn in den siebziger Jahren wird
folgenden kurz vorgestellten stadtentwieklungspolitischen Konflikte sind die neu gegründete regionale Beh6rde mit
Beispiele, die zeigen, wie das loka1e politisehe System mit diesen Grenzen und somit wiehtiger, zur Florentiner Politik oft antagomstlseher, Partner m
- erfolglos - versueht umzugehen. der Stadtentwicklungspolitik. Im Laufe der Reorganisation der Planungs-
aufgaben in den aehtziger Jabren erhalt die weitere
2. Florenz: Die Variante Nord-Ovest sodaB die kritisch posítive Einsehatzung der Vanante du!ch dle
re2ionaJen Beh6rden diese zu einem wichtigen Orientlerungspunkt lm Pla-
Beim Beispiel handelt es sich um die Umnutzung eines Fabrik- werden lassen. Die natiooa1en
area1s m zentrumsnahen Naehkriegsperipherie (Novoli) und um eine dagegen keine relevante Rolle im Verfahrens- uod lm
Uberbauung einer Grünflache am Stadtrand (Castello).13 Beide Gegensatz zu den Wecbselo, Verschiebungen und Stimmungen na-
Areale hegen an der nordwestliehen Entwieklungsaehse von Florenz und tionaJen Parteieo, die besonders geme Stãdte al Nebensebauplatze zur
zusammen a1s »Variante Nord-Ovest« bezeichnet. Geplant ist eine Konfliktaustragung wahlen und oft dureh direkte Interventionen neue In-
Nutzung. Auf dem zweil1nddreiBig Hektar groBen Fa- teressenkonstellationen sehaffen.
bnkareal m Novoh, das Fiat gehõrt, so11 ein Zl1m historischen Zentrum Der zentra1e stadtentwieklungspolitisehe Konflikt in der Diskussion um
Stadtzentrum mit Dienstleistungen aller Art entstehen 14 wah- die »Variante Nord-Ovest« besteht in der Konfrontation zweier altemativer
rend die Uberbauung auf dem hundertaehtzig Hektar groBen Grüngebiet, das Zukunftsmodel1e für Florenz: Einerseits ein teehnokratisch orientierter, groB-
117
116 Stadtentwicklungspolitik zwischen Demokratie und Komplexitiit Stadtentwicklungspolitik über Groj3projekte

fHichig angelegter Vorseblag, der die Stadt in drei funk:tional differenzierte • die Einheit der Materie gewahrt werden muB (d.h. nur eine Frage zum
Gebiete teilt - das musealisierte bistoriscbe Zentrurn, den tertiarisierten gleichen Thema gestellt werden dari) und daB .
Nordwesten und das Erholungsgebiet im Nordosten; andererseits eine von • der Gemeinderat entscheidet, we1che Fragen zur Abstlmmung gelangen
GIÜnen Umweltscbutzorganisationen, der Jugendorganisation der Kommu- und wie sie formuliert werden.
nisten und einer InteUektuellengruppe getragene sozia1okologiscb orientierte Beide Initiativen bestehen aus fünfFragen zur Variante Nord-Ovest, was dazu
Vision einer lebenswerten, durchmischten Stadt. Diese Koalition auBert führt daB der Gemeinderat von zehn Fragen die ihm genehmsten fünf
gegenüber de! Variante Nord-Ovest vor allem Bedenken hinsichtLieh des kann. Bei der gegebenen politischen Mehrheit sind dies jene der
18
befürchteten Verdrangungseffekts (auf die Wobnbevolkerung und auf die Kommunisten, we1che das Projekt am wenigsten gefãhrden. Mit anderen
K1einindustrie) und der vorgesehenen GIÜnlandverbauung (vg1. Cusmano Worten: Das Instrument, das eigent1ich den Minderheiten und den Bewe-
1990: 88). gungen dienen sollte, wird von einem poütiscben uud meht administrativen
Beide Visionen streben ein anderes, neues F10renz an und wollen mit der oder juridischen Organ kontro1liert das.alle hat,.Volksbefra-
sei t den secbziger J ahren vorherrschenden urbanistischen Politik des Kri- !!Ungen zu entscbarfen. Da ganze Splel wrrd von den Medlen und ?en
senmanagements brechen. Doch der Florentine r lmmobilismus hat bis heu- Wãhlern _ auch wegen des starken Protestes der GIÜnen und der
te die Realisierung eines anderen, neuen F10renz durch den Brucb mit der die gegen dieses In troment sind - erkannt. Das der
Politik des Krisenmanagements verhindert (vgl. 1990: 98). Aueh sten wird von den Wãhlem mit einem Stimmboykott qU1tt1ert - d1e Summ-
die Variante Nord-Ovest folgt der gãngigen Praxis: Wettbewerbe Gestal- beteiligung erreicht trotz heftiger Diskussio.nen nur 25%. I?,ie Var!ante Nord-
tungsplãne die deo Stadtentwicklungs- und Richtplan weiter aushohlen, Ovest wird dabei zwar mit über 80% der Stlmmen DIe zur
Wechsel der politiseben Tragerschaft des Projekts, Interessenvermittlung ausgeartete Abstimmung lost jedoch keines vielen rut
über Kooptation und nicht zuletzt auch alibihafte konsuLtative Befragungen verbundenen Lecitimationsprobleme. Da Florentmer Vorgehen Ist be1Sp1el-
der Bevolkerung blockieren die PJanung und verh.indern eine lãngerfristig haft für die p';eipolitiscbe Instrumentalisierung jeglicher Reform und
angelegte Stadtentwicklungspolitik (vgl. Morisi 1990). charakterisiert das klientelistiseh integrierte politisehe System
Das F10rentiner Beispiel zeigt zudem, wie direktdemokratische Instrumen- Allein der U mstand, daB das Instrument der Initiative als KonzesSlOn an
te zur Farce werden konnen. Das erst 1987 eingeführte Instrument der Grüne Bewegung (vgl. Del Plato 1987) vom
beratenden Volksbefragung (referendum consultivo) wird gleich auf die wurde, zeigt, daB damit keine Altemative zur
GroBprojekte angewandt. Die GIÜnen lancieren mit ibrer Unterschriften- ven Demokratie angestrebt wurde. Solange es U1cht die
sammlung die Volksbefragung mit dem Ziel. dje Projekte im Nordwesten Routine und die damit reprãsentierten erstarrten Interessen tangtert, wlfd
zu delegitimieren. Das niedrige Unterschriftenquorum - es brauehtnur 3500 diese Beteiligungsform toleriert (vgl. Zolo, 1987). .
Unterschriften 17 - wird schnell erreicht. Aus taktischen G:ründen lancieren Die Variante Nord-Ovest, die hauptsachlich auf den Arealen von FIat und
die Kommunisten zur gleichen Frage ebenfa11s eine Uotersehriftensamm- von der Fondiaria zu liegen kommt, so11 weitgehend privat finanziert und
lung, um eine Volksbefragung zu bewirken. Ihr Ziel besteht jedoch im realisiert werden. Die GIÜnde für diese Kompetenzver1agerung von staat-
Gegensatz zur Initiative der Grünen darin die Projekte im Nordwesten und lichen zu nicht-staat1ichen Instanzen sind vor a11em im
damit das wiehtigste politische issue der Regierung, an der die Kommuni- blem der Variante Nord-Ovest zu sehen, denn so1che
sten maBgebend beteiligt sind zu legitimieren (vgl. CerveUati, 1989). Die konnen nicht mehr ausschlieBlich mit offent1ichen Geldem, schon gar mcht
taktisehe Überlegung basiert auf der Ausnützung zweier Gesetzesartikelzum mit Gemeindegeldem finanziert werden. Es drãngen sich deshal?
Referendum (vgl. Basile. 1987). die besagen, daB lungen mit privaten Investoren auf. Die kommunale Beho.rde Wle dle poh-
• nkht mehr a1s fünf Fragen gleichzeitig zur Abstimmung gelangen kon- tischen Parteien sind gezwungen, sich mit der Frage
nen, daB wie die Realisierung von Projekten durch die IntegratlOn pnvater Ressour-
p

118
Stadtentwicklungspolitik zwischen Demokratie und v l' ,
I\.omp exztdt Stadtentwicklungspolitik über Groj3projekte 119
cen mogIich ist. GemaB der bisher h '
tischen BehOrden ein für Inv t errschenden PraxIS sollen die poIi- 3. Wien: Die Weltausstellung 1995
fen und konkrete Wirtschaftsklima schaf-
rnit den AnIegem offentliche I ancen seb,en, Bei der fur 1995 geplanten Weltausstellung in Wien (der sogenannten Expo
ren, Dlese werden dann zu AusI" .;:teressen m, ProJekte zu mtegrie- 95) handelt es sicb um ein Projekt, das auf dem Gebiet der UNO-Ciry und
und private Interessen die offentliche eventuell in einem Teilgebiet de angrenzenden Donauparks rea1isiert wer-
HaItung so aus: . m orentmer Stadtrat dcückt diese den sol1. Der Standort auf der linken Seite des FLusses thematisiert die stad-
tebaulicbe Lage Wiens an der Donau. Kommt dieExpo 95 auf diesem Stand-
Erstens: Seid ihr einverstanden d B d' , ort zustande, würde Wien Dicht nur naber an die Donau cücken, sondero e
tens: Der Zufall hat dazu geführt slch ent.wickeln ,muB? Zwei- konnte auch ein BIÜckenkopf zwischen Wien und dem durch die Donau ab-
:' daB zwei wichtige õkonomische Krãfte a ,ha ben dle Geschlchte gegrenzten entwicklungsbedürftigen Nordosten der Stadt konstruiert wer-
Lm Nordweslen zu investieren, Drittens' D elge?em sind,
zu finden zwiscben deren Interesse . d er ,unkC Ist de r, em Glelchgewicbt
den. Ein weiterer zur Disku sion stehender Standort mit erganzender Funk-
n un . memen, tion i t der Nordbahnhof auf der der Stadt zugewandten rechten Seite der
Die gcüne Opposition bewertet diesen Zusammenha d Donau. Die beiden Standorte würden sich relati v einfach verbinden lassen.
ng an ers: Die stadtebauliche Funktion der beiden Standorte i t das zentra1e Tbema des
Welches ist der deklarierte Mecbani ?' ,
die õffentliche Hand sagt: Der Dle der Das heiBt: Konflikts um die Nachnutzung der anJá8lich der Weltausstellung nur punk-
wir uns das einmal vor Hier sind . s Milharden. Stellen tuell genutzten Gebaude. 19
Erpressung konfrontiert' und zwar d o n:u
t der Situation einer Die Idee, in Wien eine Weltausstellung durchzuführen, manifestiert sich
etwas zu bauen oder Stadt zu emZlge heute im Anliegen, Wien aus einer im Selbstbild der Stadt wahrgenommenen
ter Anleger zu verwenden. em, le lSt, Inveshtionsgelder pri va- kulturellen politischen und wirtschaftlichen RandsteUung herauszubringen.
Die WeltaussteUung sol! er tens kreative und kulturelle Kriifte der Stadt
er:iode' F ' .
Im Nordwesten durch In te In. smd die GroBprojekte mobilisieren um eine intellektuel!e Provinzialisierung gerade auch mít dem
Kurz Vor der Abstimmun zur Vari rventlOnen tn.frage ges.tellt worden. Ziel zu verhindern sich den steigenden Anforderungen einer icb scbnell
Iuni 1989, die den für da::;; Ende wandelnden Weltgesellschaft gegenüber angemessener verha1ten zu kõnnen.
Generalsekretãr der Ko ' . h' oJekt bedeutet hatte, tnterveniert der Zweitens wird der reale Wandel der sozialistischen Gesellschaftsysteme
mmurustIsc en Partei Ital' O h . in Ungarn und der Tschechoslowakei in Wien als histor:ische Chance wahr-
Florentiner Parteikol1egen rnit der Bitte d' Iens, cc ,etto, bel seinen
nochmals zu überdenken DI'ese I t , ?e PIanung Im Nordwesten genommen aus der geopolitiscben Randlage des Nachkrieg europas ber-
. n erventlOn dle am E d ' R' auszokomroen und zugleich an die Geschichte »Mitteleuropas« anzuknüp-
Protesten von Personlichke'te d ' n e emer elhe Von
Gebietes in Castello uud von des fen. Die Idee, Wien a1s Anlauf- und Vennittlungsstelle zwischen dem Osten
- so wird es vermutHcb in die G l ;:sh amp en to den steht, führt und dem We ten Europas sehen zu wollen ist faszi nierend und drückt sich
Regierungskr:ise, welche die te Florenz - zu einer in der Planung der Weltausstel1ung so aus daS sie zusammen mit Budapest,
Stillstand br:ingt. Seither Iass;n die \íj .. u;;g ImNor?westen weltgehend zum a1so einer Stadt in einer damals noch soziali tischen GeseJ1schaft, vorberei-
vor allem der Krebsgan a der K In der ParteienJandschaft, tet wird. Das Motto der Weltau stellung »BIÜcken in die Zukunft« hat in-
, o ommUD1sten m den Ad " . sofem seine konkreten Stützen in der gemeinsamen Geschichte des mittel-
1990, dle zu einer Neuauflage der Mitte-Links · .. von
der Projekte im Ungewissen erscheinen. -KOalitlOn führen, dieZukunft europãischen Raums.
Ein drittes wichtiges Motiv der WeltaussteIlung ist die Hoffnung, aus
diesero Anlal3 wirt chaftliche Impulse zu erha1ten, um in der intemationa-
len Konkurrenz der Metropolen be tehen ru konnen (vgl. Smeral, 1989).20
121
120 Stadtentwicklungspolitik zwischen Demokratie und Komplexitat Stadtentwicklungspolitik über Groj3projekte

Diese drei Motive flieBen in der Vorstellung der Weltausstellung als »Trã- Im Spannungsfeld zwischen der der
gerrak:ete« der Stadtentwicklnng zusammen. 21 Es ist daher verstãndlich daB hOchster politischer Ebene und der OppoSlt1on auf Bezlrksebene. s!edelt
alle etablierten Akteure binter diesem Projekt stehen, das zu Beginn von der der stãdtebauliche Konflikt auf der Ebene der an. Dle
Sozialistischen Partei, der Volkspartei, der Freiheitlichen Partei der Han- überwiegende Mehrheit der kommunalen Befürworter.wollen rruttels
dels- und Arbeíterkammer, den anderen Bundeslãndem und vom Bund sowie Infrastrukturen rund um die Weltausstellung eine Entwlcklungsachse ZWI-
den Banken und der Wirtschaft vorangetrieben wird. schen der Stadt und dem Nordosten jenseits der Donau vermehrt fordern.
Zentrales Element der Planungsgeschichte der WeltaossteUnng ist deren Dazu zahlt insbesondere auch die Propagierung der Idee einer vermischten
Einbettung in die Donauraumplanung. Im Vedauf dieser Planung in den Wohn- und Gewerbenutzung mit unterirdisch geführtem Verkehr auf dem
siebziger Jahren wird der als HochwassermaBnahme motívierte Bau der Gelãnde des Nordbahnhofs.
Donauinsel mit der Anlage eines attraktiven Naherholnngsgebietes legiti- Die Gegner, die Grün-Alternativen, vor die Weltausstel-
miert. Dies führt zu einer Aufwertung des gesamten Donauraums und in der lung als zentrales GroBereignis. Sie halten eme der. Stand-
Folge zu weiteren Überlegungen in bezug aut eine bessere stãdtebautiche orte in sanierungsbedürftige Viertel der Stadt für geelgneter zur.Welte:ent-
Nutzung dieses Gebietes in den achtziger Jahren. Im Rahmen eines zu diesem wicklung des Prozesses der Stadterneuerung schlagen diese mlt der
Zweck 1986/87 durchgeführten Wettbewerbs »Chancen für den Donauraum« visionaren Idee der Weltausstellung stadtebaulich zu verbmden.
setzt sich die Idee der Weltausstellung, die schon vorher von den Eliten der Bei der Planung des Donauraums hat sich eine vom üblichen Muster
beiden GroBparteien propagiert wird, letztlich durch. abweichende Planungspraxis entwickelt, die allerdings die
Trotz der Zweifel der planenden Experten am eher blendenden Charakter korporatistischen Interessenmanagements sel.t den
solcher GroBereignisse, welche Gefahr laufen, die im Wettbewerb formu- ger Jahren verlaufen die GroBp:oJekte, dle pn-
lierten allgemeinen Entwicklungsziele rur den Donauraum zu unterJaufen. mar von der politischen und wlrtschafthchen ElIte vorangetneben werden
und trotz der Zweifel über die Haltung der Bevõlkerung, wird die spekta- und deren Vorbereitungen andererseits über Wettbewerbe aus der Verwal-
Idee einer Weltausstellung von den Parteieliten unterstützt und pro- tung ausgelagert werden.
paglert. Das Resultat dieser Planung durch Wettbewerbe, deren vorgesehene
Die effek:tiven Vorbereitungen werden durch die Parteieliten und Wirt- Bürgerbeteiligungsmoglíchkeiten den Rang eines neuen Planungsmodells
schaftsmanager aufgrund von Beschlüssen auf hõchster politischer Ebene beanspruchen (vgl. Freisitzer, 1988), war der
parallel zum kommunalen Wettbewerbsverfahren in einem privaten Welt- Dieser verbindet die prinzipiell getrennten
ausstel!ungsverein weitergeführt. Diese Vorbereitungen und sozialpartner- lungsplan und Flachenwidmungs- und Bebauungsplan, m emem Entwurf.
schafthchen Verhalldlungen führen dazu, daS die ursprungljch breit ange- Wie schon der ebenfalls im Rahmen eines Wettbewerbsverfahrens entstan-
legte Planung des Wettbewerb »Chancen für den Donauraum«22 auf die dene »Stadtentwicklungsplan Donaubereich« von 1977 hat der
Frage des Standortes der Weltausstel1ung reduziert wird. Erst in diesem menplan« von 1986/87 weniger als vlel-
urn den sich eine konkrete Opposí tion gegen die von mehr Legitimationsfunktionen für dle proJekt1erende Ehte, dle an GroBpro-
vorgesehene Uberbauung des Naherbolungsgebiets Donaupark jekten interessiert ist (vgl. 1980). .
bIlden. DJese aus einer Bfugerinitiative und einem angrenzenden Bezirk Die Vorliebe der Parteieliten für eme Planung durch GroBproJekte kann
bestehende Opposition vermag die Konkretisierung der Expo-Vorbereitun- sich konkret auf eingespielte informelle Netzwerke der
gen (in bezug auf den Standort UNO-City/Donaupark) infrage zu stellen, tion stützen. So pflegt die Sozialistische Mehrheitspru::el .Jahren bel
die sich inzwischen auf die Ebene hõchster politischer Entscheidungen der GroBprojekten gute Kontakte mit der der Volkspartel Han-
nationalen Koalitionsregierung ver1a,gert hat. delskammer. Dieses sozialpartnerschaftlLche Vorgehen manlfest1ert
laBlich des Standortkonflikts der Weltausstellung in einer Absprache ZWI-
123
Stadtentwicklungspolitik über Groj3projekte
122 Stadtentwicklungspolitik zwischen Demokratie und Komplexitdt
Das ist auch ein Akzeptanzproblem. Finanziell, denn politisch ist keine
a11en Parteien im Gemeinderat (SPb " ". che Akzeptanz weder bei der Bevólkerung noch bei den anderen parteien. Die ÓVP
dle FunktiOD der Vermeidung von Konflik ' FPO). Dle A? pr.a hat und die FPÓ hãtten dem nie zugestiÍnmt, ohne daB es also nicht, zumindest
Akzeptanz bei der Bevõlkeru W' dle das GroBproJekt m seiner
7.10.1988 und 11.10.1988). ng lens gefahrden kõnnten (vg1. Die Presse, der Betrieb, nicht aus Steuergeldem kommt.
Legitimationsstrategien werdenjedoch in Wien auch über partizipationsver-
Der aus dieser Absprache resuJtie d . fahren wirksam. Bürgerbetei1igung wird lange in Form einer Marketings-
den Standort der Expo 95 wird im be ehe
23 Entscheid über
to trategie der Projektplaner angewandt und wird von diesen als Legitimati-
Phase der Realisierun CT des GroS . . k e.r gefàllt. In der folgenden
da.rin besteht, die Pri:atisieruno- ts eme Strategie wirksam, welche onsstrategie in dem Sinn instrumentalisiert, daB dadurch eine breitenwirk-
Weltausstellung durch einen Durchführung der same Akzeptanz erreicht werden sol1.24 Wettbewerbe, Meinungsumfragen,
ten LenkungsausschuR zu kontroIPl'leren unedn damit zu zusarnmengestell- Zeitungsartikel, Sensibilisierungsveranstaltungen aller Art er1auben vor a11em
.. ':JJ 1 .. . eine projektbejahende Beteiligung. Kritische Stimmen dürfen sich melden,
vatJsLerung wird über die Gründ . . . egltUTIleren. Die
Pri aber nur, um einzelne Ideen zu kommentieren, nicht jedoch, um grundsatz-
Zwei Begrundungszusammenhan emer verwirklicht.
tt liche Fragen aufzuwerfen. Die Bevólkerung wird von professionellen
Zum einen wird diese AuslaCTerugn waerdden diesen Sc?ri angeführt.
. . o g us er verwa1tung . . Meinungsforschungsinstituten rur Expo 95 befragt, und die Ergebnisse dieser
rgamsatlOn mit dem Manael
Ochen HandeJns begru"ndet °w' . W an Effi kf' .. . lD eme pnvate
e . lVltàt und Efflzlenz des bürokrati- Meinungsumfragen werden in Zeitungen, interpretiert je nach politischer
. ' le em lener Stadtrat ausführt: Couleur, verõffent1icht. 25 Diese bis dahin betriebene Politik der Imagewer-

groBgeworden und war' nie in der


e:
Ebene ist zll einem Teil wie I"
Fallen Jetzt der Fan ist in einem
.
elder bel der Verwa1tung m vielen
Bereich und
bung zeichnet das politische System Wiens im charakteristischen Merkmal
der Abkoppelung wichtiger Teile der politischen Elite aus,26 die, entweder
ursprünglich durch die auBerst stabile sozialdemok:rati che Mehrheit abge-
verkaufen. Sie hat Produkte d .'g .as Produkt, das Sle hat, auch zll
sichert oder, im Beispiel der Expo, durch das als Wiener Testfall erprobte
werden. Und sie e!gentlich nur.
dle elgentlich nicht nachgefracrt w d ,ro der PohtIk zu erzeugen, Stillha1teabkommen »GroBe Koalition«, zum Wohle des Volkes ohne das
. . o er en. Und das lSt das groBe Problem. 27
Volk regieren mochte.
Dle Entscheldung der privaten Finan . Die Rechung geht im FaHe der Expo 95 jedoch nicht auf: Nach AbschluB
zudem die Kommune vor flnanziell der entlastet der Untersuchungsphase in Wien überstürzen sich die Ereignisse. Die Expo
meint: en IS en, Wle em Politiker der spb
95 muBte abgesagt werden. Die ganze Trendumkehr beginnt mit den Wah-
len in Ungam, die eine Verschiebung der Mehrheiten mit sich bringen und
Das Hauptargument [für die Privatisierun o A .
Staat und der Bund tut ha1t t . b'. em. s.e.] Ist, daB alles was der 1990 den Ausstieg Budapests aus dem GroBprojekt Expo 95 einlauten. Die
. , a u omatlsch em Defi . t d' .
WeichenstelIun ist. E IZJ pro Etne ganz neuen Bedingungen werden von der Wiener Elite mit unterschiedlichen Stra-
SOLl
dle Inanspruchnahme von Steuge "t> SIn Haus aus nJcht o sein, daB tegien aufgenommen. Es setzt sich vermehrt die Position durch, die Expo
rml Le geschlehL en
95 alleine zu organisieren und nur in Wien abruhalten. Dageg wird an-
Zudem wird erwartet, über die Priv .. .. fangs 1991 von der FPb eine Volksinitiative in Gang gesetzt, der sich die
zu kõnnen. Die pri vate Aktien Probleme lõsen
ausschu.f3 begleitet in dem wrrd vom poltttschen Lenkungs- Grünen und Altemativen anschlieBen. Dieser unheiligen Koalition gelingt
l r mster der B d .
,
Stadtrate aus den beiden GroBpart' Ein' un esreglerung und vier es innerhalb kürzester Zeit, eine Volksbefragung zu erzwingen. Die spb ak-
nager, welche die Privatisierun eten nebmeo. Die politischen Ma- zeptiert die Volksbefragung, wahrend die bVP sich spaltet und weiter an
tistischen Para11elstruktur e' f dieser neokorpora- Profil verliert, besonders weil ihr neuer Spitzenexponent sich stark für die
Expo einsetzt.28 Mitte Mai kommt es zur Vo!ksabstimmung,29 deren Resul-
beteiligter OVP-Politiker FunktlOn zu, wie ein daran
tat die Erwartungen der Freilieitlichen vermutlich nocb übertrifft, denn sie
124
Stadtentwicklungspolitik zwischen Demokratie und Komplexitiit
Stadtentwicklungspolitik über Groj3projekte 125
führt nicht der Freiheitlichen Partei mit der Kon-
sequenz der Starkung parteipolitischen Profils, sondem auch zu einem 4. Züricb: BB-Südwest
klaren Votum gegen dle Expo 95 von zwei Dritteln der Wãhler D' Beim Zürcher Beispiel handelt es sich um das Projekt einer Überbauung der
Resultat ist sicherlich auch auf ein starkes MiBtrauen der Bevo':lk leses Geleiseanlagen des Hanptbahnhofs durch Dienstleistungs- und Wohn-
"ber d'les er A von r t·
Stadtentwlcklungspolitik zurückzuführen erung nutzunoen bei einer gleichzeitigen Erweiterung der Bahnhofskapazitãt. Das
für rnich unerwartete Ausgang der Expo-Geschichte im liegt am Rand der Zürcher City und grenzt an zwei Wohnquartiere
vor allem auf strategische Fehler hinsichtlich der Behandlung an. Das vorliegende Projekt HB-Südwest ist entsprechend der zentralen Lage
FPO l? auf die Expo-Planung zurückgeführt werden. Die FPO des Hauptbahnhofs und des damit verbundendeo Verwertungsdrucks auf eine
befgIts bel .der .eine eher kritische Haltung zum GroB- bobe Ausnutzuog angelegt: Auf 7 ,8 Hektar so11 rund 193.000 Quadratmeter
. Es dIe.'YIener Freiheitlichen durch die Integrati- Nutzflãche erstellt werden.
on emes Ihrer Vertreter m dIe pohtIschen Entscheidungsstrukturen der Expo Mit der Überbauung verbinden sich Hoffnungen auf nene wirtschaftliche
kommunaler Ebene zu kooptieren. 31 Der entsprechende Schritt wird aber Impulse, die Zürich braucbt, um weiterhin an der
auf vorgenommen, obschon von FPO-Parlamenta- vor aIlem im Infonnatik- und Finanzbereich teilnehmen zu konnen. Dle
nem berelts zu emem Zeitpunkt das GroBprojekt kritisiert wird. 32 geplante Schaffung von Arbeitsplãtzen und Wohnungeo, sowie die Inve-
I?er »Le?kungsausschuB« mmmt trotzdem von einer formalisierten Betei- stitionsmoglicbkeiten verbinden viele Interessen die von Untemehmerver-
hgung dIeser Partei Dies. erklfu1 sich sicher auch durch die groBe- bãnden und bürgerlichen Parteieo bis hin z;u den Gewerkschaften reichen.
ren Spannungen den reglerenden Parteien und der FPO auf natio- Die Idee einer Überbauung des Bahngelandes geht auf die »BehOrden-
n.aler Ebene,. als dIes auf lokaler Ebene in Wien der Fall ist. Der EntschluB delegation für den Regionalverkehr Zürich« zurück, in der sich der Kanton
slch Exp? 95 zu stellen, muB deshalb auch als Versuch der Zürich die Stadt Züricb und die Scbweizeri chen Bundesbahnen (SBB)
nalen FPO mterprehert werden, zu testen, wieweit es ihr gelingt, solche Kraft- koordinieren. 1969 schreibt die Behordendelegation ei nen Architekturwett-
proben zu bestehen. 33
bewerb für den Neubau des Hauptbahnhofs aus. In der Ausschreibung wird
Die jedoch damit nicht eingesteUt. Vielmehr findet eine an ein gewaltiges Dienstleistungszentrum nrit einem Raumprogramm von
Kon.verslOn des ProJektes statt (vgl. Der Standard, 13./14.7.1991). Mit der 400.000 Quadratmeter Nutzflacbe gedacht. Das ganze Vorhaben stbBt je-
Logik »aus .zwei mach eins = Neue Donaustadt«, wie Der Standard vom doch »in der Krisenluft und der solcbem Gigantismus abholden Zeitstim-
18.7 .199 wurden die ganzen Planungsanstrengun- munoo der siebziger Jahre« (Schilling, 1983: 13) auf Ablehnung.
gen auf die ReallSlerung emer »Zweiten Wiener City« auf dem für die Expo . .
Erst 1979 entschlieBt sicb die BehOrdendelegation zu emern zwelten
95 geplanten Gelande konzentriert:
Schritt. Mit den neunzehn Preistrãgem der ersten Wettbewerbsrunde wird
ist fixiert ist aber bis zum gegenwãrtigen Zeitpunkt, ein zweiter Wettbewerb durchgeführt Díe Aufgabenstellung wird jedoch
da13 dle Gememde Wlen ihre Planungshoheit voll ausspielen wil1. Sie baut dabei anders formuliert. Ein kleineres Projekt von 70.000 Quadratmetern Nutz-
auf den von Hans Holleinl Coop Himmelblau auf. Ihre flãche sol1 am südwestlichen Ende der bestehenden Perronhalle projektiert
nun vorhegende und stãdtebauliche Entwicklung 16st sich von werden. Das aus diesem Wettbewerb siegreich hervorgegangene Projekt
der Expo-Idee,. mmmt aber urbanistische Grundgedanken aus dem bildet seither die Grundlage der Diskussion um das Zentrum Südwest. Anfang
auf. Am wird dies an der symbolisch Mãrz 1981 sucbt die SBB, die Eigentümerin des Areals i t, über die Aus-
aufgeblahten >Spektakelhalle< slchtbar, am signifikantesten an der zwischen
schreibung des Projekts eine Tragerscbaft. 34
U-Bahn und Strom verlaufenden Achse (Der Standard, 18.7.1991).
Darauf melden sicb Interessenten aus dem In- und Ausland. Die von der
Schweizerischen K.reditanstalt, der Sch weizerischen Bank:gesellschaft, dem
Schweizerischen Bankverein, der Zfucher Kantonalbank der Pax-Lebens-
127
Stadtentwicklungspolitik über Groj3projekte
126 Stadtentwicklungspolitik zwischen Demokratie und K omp leXltat
· ..
initiative der Projektgegner durcbbrochen die aUerdiogs im Verbãltnis von
versicherun
• 1:>' o bn er AG und der Bührl -Imm ..
rr der G·· 37
HB-Clty lmmobilien AG erhaJ.t den ZusehJ J obllien AG gegründete sieben zu mei abgelehnt wird.
der HB-City-Immobilien AG und d ag.. 1982 wird zwisehen Nach der Abstimmung legt die HB_City-Immobilíen AG einen privaten
Gestaltungsplan für ein im Laufe der Projektierung betrãchtlich gewachse-
B.aurechtsvertrag abgeschlossen, der Bundesbahnen ein
nes Projekt vor. 38 lm Stadtparlament entsteht erhebliche Opposition von
blS dahin die HB-City-Immobilie AG k . hat. Wenn
seiten linker und glÜner Gemeinderãte gegen das Bauvorhaben. Das Urteil
wird Vertragsverbindung gultIge Baubewilligung hat,
des Baukollegiums - eine Expertengruppe, die das Bauarnt beratet - uud
I?arrut beendet auch die Behõrdendele ation . . 39
die Umweltvertraglichkeitsprüfung zumProjekt fallen negativ aus, wah-
nahon zwi ehen der Bauherrin (HB-Ci gImm Aufgabe. Dle Koordj-
rend die gemeinderatliche Komroission die das Projekt berat, mit zwõlf zu
.Kanton und der Stadt Zürich findet fo!n. AG), der SBB dem
der HB-City lmmobilien AG tatt, in der In der Baukomnlls ion siebenStimme.n dem Gemeinderat den privaten Gesta1tungsplan zur Annah-
Cbefbeamte vertreten sind. auch stadttsche und kantonale me empfiehlt, was darauflún auch geschieht. Die BaubewilligungsbehOrde
trifft in dieser Situation keinen Entscheid (vgl. Neue Zürcher Zeitung, 21.1
St:adtebaulich wird die Idee des Wachstu .
gegen die sich 1982 eine sozialõkologi h Verdiebtung propagiert, 22.5.1988 und 7.6.1988).
wendet sich gegen die erwartet Z Opposition bildet. Diese Die Gegner drohen mit der Lancierung einer weiteren Volksinitiative.
kreise vier und fünf. Im S":ch e me des Drucks auf die Stadt- Darauf entschlieBen sich die Bauherrschaft und die bürgerlichen Parteien,
. . u wo rt »vvasserkopfZürich kri al· den vom Gemeinderat genehmigten privaten Gestaltungsplan aus eigenem
d le wlchtigsten Elemente der Kritilc Weitere . . « st lisieren sich
Antrieb zur Volksabstimmung vorzulegen , um der drohenden Initiative
Stadtstruk.turen, Zunahme des Pendi der gewach enen
Arbeitsplatze im Stadtzentrum Z a:rverkehrs, weltere Konzentration der zuvorzukomm .40 Der knappe Ausgang der zweiten Volksabstimmung von
en
1988 _ nur 50,6% stimmten dem Gestaltungsplan zu - bewirkt einen poli-
des Protests rekmtieren sich me der DieA.kteure
ti ehen Partei, der Grünen und . em den ReJben der Sozia1demokra- tischen Druck auf die Bauherrschaft. Die private Bautragerschaft und die
Politiker haben Bedenken !,uch einzelne bürger1iche SBB unterstreichen in ihren Stellungnahmen zum Resultat der zweiten Ab-
stimmung ihre Bereitschaft, auf die gegnerischen positionen Rücksicht zu
. DiePlanungsgeschichtedes HB- em
nehmen und die Projektierung sowohl stadtebaulich zu integrieren, als auch
10 Züricb üblichen Muster: Eine zu Begmo. einem en
e mit umweltschützerischen Bedenken abzustimm .
bili . die Uberbau-
Der hart geführte Abstimmungskampf mit dem für alle überraschend
erbalt von seiten der büro-erlichen P o . sler:tihre politi cben Kanãle und
Planerisch formulienestãdtebauli h dle Unterstützung. knappen Ausgang zugunsten des Projekts zeigte viele für die Schweiz ty-
le Ansiedlung neuer Untemehm c e e und Opuonen für eine dezentra- pischen Grenzen der direktderookratischen Mittel:
. en treten In den li" t d 36 . • Das Projekt wurde symbolisch überhõht und nicht mehr konkret disku-
slerung des Vorschlags der Behõrde d l rr. LD Dle Reali- tiert. Es ging um Zürich und nicht um eine stadtebau1iche Frage. Die
schaft soU d:ie Beteilisruno- der OU n ; durcb eme private Bauherr-
en t Abstimmung fur oder gegen das ptojekt wurde zur Abstimmung für oder
(vo-l L. d .c . elt an über das
Parteien in die 19.86). gegen die Wirtschaftsstadt, fur oder gegen die grüne Stadt - weder die
s
Diskussion wah:rend des Abstimmungskampfes nocb das Abstimmung -
besondere soU die Sozialdemokr ri h werden. 1ns-
:on Wohnnutzungen im Pro .ekt a !c e artel dIe BelÜeksichtigung verfahren selbst erõffneten Wege zur KompromiBfindung. In einem In-
mnerstãdtische Gewerbe .(Vg]b Tages-Anzelger, 11.1.1984) und das terview wurde dies von einem Opponenten der Überbauung HB-Südwest
liehen N. utzungen (vgl Neue e wu.f3te Auswahl der im Projekt mõg- wie folgt dargestellt:
.dee . urc r Zeltung 12 1 1984) ru· .
l . . gewonnen werden. Die Kooptation iBr' . .. . r dle Projekt- Verstehen Sie, die Diskussion wurde hier schwierig, weil, wer aus ãsthetischen
telligung der Bevolkerun . l .m mgt. Dle AbslCht, ohne die Be- Gründen oder auS stãdtebaulichen Gründen etwas gegen das Projekt sagte,
. rr ZU P anen, wlId durch eine 19841ancierte Volks-
I:>
129
128 Stadtentwicklungspolitik zwischen Demokratie und Komplexitiit Stadtentwicklungspolitik über Groj3projekte

d B S· ·t 'hren Verwaltungen die Sie heute


sprach sich sozusagen gegen die Wünschbarkeit dieses Vorhabens aus. Er aSie schlichtweg Resultate
wurde quasi zum Vaterlandsverrãter, er stel1te sich gegen die Entwick1ung der
Stadt Zürich uIid das ist falsch. Man hãtte die beiden Dinge, die beiden mehr erzielen.
Diskussionsebenen wirk1ich getrennt halten sol1en. Ein Investor begründet dies ãhnlich:
• Zudem zeigte sich im Abstimmungskampf ein enonnes Ressourcenun- Es gab zwei Visionen: Macht selber einen
gleichgewicht zwischen Befürwortem und Gegnem; die Projektpromo- h d n habt ihr sehr vlele Unkosten. er l
toren fmanzierten einen aufwendigen Abstimmungskampf mit J ahnnarkt daB es einen
und Haushaltswerbung, der die aufgewendeten Mittel der Gegner um ein B'h die Stadt machen. Dann hatten Wlr aber mcht gewu , .
mu 1 n . . U d d andere' Man hãtte ja dann, wenn man emen
Mehrfaches übertraf. 41 macht. Das lSt das nda ash"tt natürlich das ganze Gebiet in diesen
• Die sich in den achtziger Jahren abzeichnende Entwicklung einer in zwei õffentlichen gemacht hatte, nn em . ur s ezifisch den HB-
Lager gespaltenen Stadt wurde bestatigt und über die stãndige Reproduk-
tion der gegensatzlichen Stadtbilder im Abstimmungskampf verfestigt. privaten Gestaltungsplan, konnten wir naturhch so gest ten, Wle WlT .
Die urbane Gesellschaft ist in Lager gespalten, die das Mehrheitsprinzip
in Abstimmungen infrage stellen.
• Bei maximalem Mobilisierungsaufwand wurde die für Zürcher Verhãlt-
nisse beachtliche Stimmbeteiligung von 40,1 % verzeichnet. Diese Stimm- Ein Gegner des Projektes memt:
beteiligung wurde auch dank der zusatzlich zur Frage der Überbauung . . . VerhaItms Politik-Wirtschaft.lch kann zwar
..ber seine Parzelle legen, aber ich
HB-Südwest zur Abstimmung gelangten Frage der Einführung des Fran-
einem eme? Nutzungsz::;: :andeln in diesem Sinn. Eigentlich
zosischunterrichts in der Primarschule erreicht, was zur Mobilisierung von kann ihn dann mcht zwmgen, nachh G 11 haft Und dort ist die
verschiedenen Personengruppen führte. Trotzdem sind es lediglich 40% . l b geben von der ese sc .
sollte es ich überhaupt vom politischen Bereich aus,
der Stimmberechtigten, die über komplexe und spezielle Fragen abstim- Hauptschwleng eI, 1 , . d· lenken also quasl
men und deren individuel1e Entscheidungsautonomie schon auf dem õkonomischen Entwicklungstendenzen lrgen Wle zu . k' l die mcht
. Ri h Zielsetzungen zu entwlc e n,
empfindlich ten Niveau der Infonnation/Kognition und poUtischer Kom- positive Investitionen m c von
munikation stark beeinfluBt wurde. Aggregiert führt dies oft zu einer einem õkonomischen Trend allem folgen. .
konservativen und retardjerenden Wirkung der direktdemokratischen Kon- Seit Ende 1988 wird das Projekt
fliktverarbeitungsverfahren, insbesondere wenn diese traditionelle Mo-
turbeirat, der zu Wien und
ral- und Wertbestande mobilisieren, die neue Problem1agen (wie zum
Beispiel die Zürcher lugendunruhen) nur selektiv wahmehmen (vgl. meiner Untersuchungsphase die
F10renz sc len m unc . Doch auch in Zürich stehen heute
Neidhart, 1984). Planung nicht mehr zu stoppen zu. semo . 17 A ust 1991
Die Entscheidung des Gemeinderats für einen privaten Gestaltungsplan wird
dem Projekt daS
sowohl mit dem Verzicht auf die Verwendung von Steuergeldem wie mit von der HB-Clty- mmo l len .. .
dem Vertrauen in die Weitsichtigkeit der privaten Investoren begründet. Im ich gerne im vollen Wortlaut wiedergeben mochte.
Konflikt um den HB-Südwest stehen sich zwei Logiken von Zusammenar- . T AG verantwortlich für den Bahnhof- und
beit mit privaten Investoren gegenüber. Die bisher vorscherrschende ver- Die HB-ü.ty-Imm.?bl len.., HB Südwest, und rlie Bauherrschaft
traut der Bauherrschaft. Bürgerliche Politiker und Investoren sind sich ei- Geschaftstell der Zurcher f" den Wohnteil werden die weiteren
»Wohnen lC ur k ordinieren: Nach dem Entscheid
nig, daB die private Planung und Realisierung des Projektes die flexibelste Planungsarbeiten blS zur Bauemga e enger o
und sinnvollste Vorgehensweise ist. Ein bürgerlicher Politiker meint dazu:
131
130 Stadtentwicklungspolitik zwischen Demokratie und Komplexitiit Stadtentwicklungspolitik über GroJ3projekte

der HB-City-Immobilien im Monat Mai dieses Jahres, auf eine weitere Zentra1isierungsschub und stehen im Gegensatz zu Dezentralisierungs-
Zusammenarbeit mit dem bisherigen Architekten zu verzichten, stoppte nun forderungen in den Planungen der drei Uinder. .
auch die Bauherrengemeinschaft die weiteren Planungsarbeiten mit dem 2. Die infrastrukturellen Leistungen, die mit den Projekten ,:,erbunden smd,
Architektenteam Bersin, Vilibald, Bãnziger. Der Planungsstopp betrifft stehen im Vordergrund des 6ffentlichen Interesses. Daffilt sollen vor al-
ausschlieBlich dieArchitektur. Sãmtliche übrigen Projektierungsarbeiten, wie lem Lücken früherer Planungen gedeckt werden. In Florenz ist eine Art
zum Beispiel die Arbeiten fúr das Verkehrs- und das Energiekonzept sowie Metro vorgesehen (»metropolitana leggera«), in .Wien sol1 die U-Bahn
die Bahnhofplanung in Zusammenarbeit nút den SBB, werden fortgesetzL ausgebaut werden, in Zürich ist der neue Bahnhof mnerhalb des Konzepts
September wird die HB-City-Immobilien vier Architekturgruppen einen
Studlenauftrag für die Gesamtüberbauung HB Südwesl, nun auch für den der Bahn 2000 geplant. . .
3. Die Projekte zielen auf einen Tertial'isie1"ungsschub. Irn hoch-
Bereich Wohnungen, erteilen. Die Nomination dieser Gruppen wird zusarnmen
wertigen Tertiarsektor wird der Motor aller zukünftigen ung
mit einem in Bildung begriffenen Expertengremium erfolgen, welches spãter
die zu beurteilen hat. Die Mitglieder des HB-Südwest-Beirates, gesehen (vgl. Mayer, 1991: 38). Obschon drei hohen
der slch über zwei Jahren mit der Projektentwicklung befal3t hat, werden Tertiaranteil aufweisen, die Konkurrenz zWlscben den Dlenstlelstungs-
zwecks Wahrung der Objektivitãt und U nvoreingenommenheit nicht in diesem betrieben wachst und auch die uÍnweltfreundliche Produktion die Stadte
Gremium Einsitz nehmen. verUillt bestimmt vor allem die Logik der Tertiarisierung die Projekte.
Die Erteilung des Studienauftrages !:rgibt bis zur Baueingabe eine weitere Diese Tertiarisierung soll jedocb nicht allein
zeitliche Verschiebung. Der Zeitplan sieht vor, daS die Einreichung eines ligenten Umgang mit den Neuen über eme mtelligen-
stãdtebaulich und architektonisch attraktiven, wirtschaftIich tragbaren und tere Nutzung bestehender Bauten - also ro der LOglk der Aufwertung des
bewilligungsfáhigen Bauprojektes 1992/93 rnoglich sein wird. 43 Bestehenden - erreicht werden, sondem vor allem über die Schaffung
neuer Raume.
4. Der Freizeitwert ist in allen drei Projekten hervorgehoben. In Fl?renz gilt
5. Stadtentwicklungspolitik über Gro6projekte es eine Parklandschaft zu erschlieBen, in Wien wird von zukünftlgen Kul-
In der Stadtentwicklungspolitik über GroBprojekte ist sicherlich ein Bruch gesprochen, in Zürich sollen Fortbildungsmoglichkeiten über
mit der Tradition zu erkennen, die in der kontinuierlichen Expansion der Stadt dem Bahnhof entstehen.
ihr Ziel sah. In der Planungsdiskussion wird dies ebenfalls deutlich, denn 5. Die Wohnfunktion hat im Projekt für die Planer einen marginalen Stel-
die Stadtentwicklungspolitik über GroBprojekte entfacht eine Diskussion um lenwert und erscheint hõchstens als legitimationssteigemdes Anhangsel
Stadtplanung, die zwischen Absage und Emeuerung der Planungsinstrumente des Projekts. . . .
steht. In dieser Diskussion werden Projekte von einer dorninanten Position Keines der Projekte formu1iert eine Zukunft der Stadt. Sle smd
a1s identitatssteigemde Hobepunkte in der Stadtentwicklung gesehen, von Hinblick auf die Berücksichtigung der gewachsenen Strukturen auch
denen positive Effekte auf das Stadtgefüge ausgehen (vgl. zur Planungsdis- ihrer Koordination mit der StadtentwicklungspJanung unterdouert. Dle
kussion auch die zusammenfassende Tabelle 10, Seite 96) . Einma1ígkeit der Projekte steht im und nicbt die .
Die charakteristischen Merkmale der dargestellten Projekte sind folgen- Die Stadtentwicklungspoljtik über GroBpro]ekte das wurde m
de (zum Vergleich der GroBprojekte siehe auch Tabelle 11 Seite 132): dieser kurzen Darste11ung kIar und wird im folgenden Kapitel
1. Bei a11en Projekten handelt es sich um Verdichtungen bereits überbauter dargestellt werden, dient der Dynamisierung der
Gebiete. Das heiBt: Die Logik der Stadtexpansion wird über Verdichtung lungspolitik und stebt im Gegensatz zum der
und nicht über Ausdehnung umgesetzt. Das Fiat-Areal in Novoli, der tionellen Planung. Es geht gezielt darum, alle Moghcbkelten zu
Zürcher Hauptbahnhof, der Wiener Nordbahnhof und die Uno-City sind sicb der Stadt bieten. Dies kommt einer expliziten Absage an die tradiUo-
bereits genutzte Gebiete. Die Projekte bewirken deshalb einen neuen nelle Planung gleich.

132
Stadtentwicklungspolitik zwischen Demokratie und Komplexitat Stadtentwicklungspolitik über Groj3projekte 133

Tabelle 11: Kennzeichen der Projekte (Stand 1988/89) Tabelle 12: Zentrale InhaIte, Akteure und Regeln, ab 1985
(Ergãnzung zur TabeUe 4)
NovoliJ HB-
Castel10 Expo 95
Kennzeichen Südwest
Florenz Wien Zürich
Kubikrneter 4,5 Mio. Phase
? ?
Hektaren 218 60 7,8
Kosten in Mrd. Ecu 60 Inhalte Metropolenkonkurrenz
143 23
Dienstleistungen 70 80 70
In % des Gesarntprojektes Aufbruchs-
Akteure Wachsturnskoalition
Arbeitsplãtze irn Tertiarsektor phase
28.000 ? 5000 Neue Bewegungen
(ab 1985)
Wohnungen 3000 15.000 300
Parkplãtze Stadtentwicklungspolitik über GroBprojekte
? 15.000 Regeln
l370 Direkte Dernokratie
SChulefForschung
- - x
Kulturangebot x x x entzieht das GroBprojekt der behutsamen demokratisehen Absieherung: Es
Verkehrsinfrastrukturen x x x wil1 gerade nicht behutsam sein, sondem in kurzer Zeit eine neue Realitat
schaffen. Partizipation heiBt deshalb von vomherein, entweder das GroBpro-
jekt als Ganzes abzulehnen, oder sich auf die Projektlogik einzulassen,
zentrale Ziel besteht darin, in der Metropolenkonkurrenz nieht ins keineswegs jedoeh das Projekt in die Logik der Stadtentwicklung zu inte-
zu gerat.en. DieAkteure, die dieses Interesse vorantreiben, sind grieren.
meht un pobtlschen Links-Reehts-Schema einzuordnen. Vielmehr stehen sich In der ersten Variante entstehen unvereinbare Fronten, die von unverein-
und Antiwachstumskoalitionen gegenüber (vgl. baren Stadtbildem gepragt sind. We1tstadtisches Denken und Gigantismus,
AlbrechtIBu1tena/H01berg, 1986). Letztere stellen ein neues Element in der Provinzialitat und Lebbarkeit heiBen zum Beispiel die entgegengesetzten
dar, das nur teilweise integrierbar ist und vor al- Metaphem. In der zweiten Variante werden Verhandlungssituationen geschaf-
aIs fiir Legitimationsprobleme, die mit dieser Planung auftauehen, fen, die sich zwischen Vertretem der offentlichen Hand und den privaten
mterpretlert werden kann (vgl. TabelIe 12). Investoren abspielen. Partizipation der Bevolkerung an so1chen Verhandlun-
Es wurde ebenfalls deutlieh, daB die Integration solcher neuer Akteure gen bedeutet normaIerweise die offentliche Hand aufEckwerte zu verpflich-
problematiseh ist, denn die Stadtentwieklungs- ten. welche die Verhandlungen unterminieren. indem sie den Handlungsspiel-
uber GroBproJekte kann gerade nicht auf einer demokratischen Wil- raum stark einsehranken.
beruhen .. Die ein GroBprojekt zu realisieren, kommt von Partizipation bedeutet desha1b in der einen oder in der anderen Variante,
der Ehte und muB rmttels Uberzeugungsstrategien umgesetzt werden. Das Stadtentwicklungspolitik über GroBprojekte einzuschranken, wenn nicht zu
GroBprojekt ist die Chance, die wahrgenommen werden muB. Diese Unab- verhindem. Das Problem der Legitimation der Stadtentwicklungspolitik über
hangkeit der Idee und ihres Auftauchens von der langerfristigen Planung GroBprojekte bleibt deshaIb ungelOst, wie die drei Beispiele aus F1orenz, Wien
135
134 Stadtentwicklungspolitik zwischen Demokratie und Komplexitat Stadtentwicklungspolitik über Groj3projekte

und Zürich illu triert haben. Es sind gescheiterte Versuche die Bevolkerung Altemativen zulãBt und dazu zwingt, sich entweder hinter oder gegen
an der politischen Organisation der Stadtentwicklung über GroBprojekte zu Projekt zu ste11en. Die Promotoren ziehen deshalb Verdeckungsstrategten
beteiligen. Zugespitzt ausgedrüekt: Mitbestimmung al Farce, als PR-Stra- gegenüber Politisierungsstrategien vor (vgl. Crosta, 1984; Em, .1979:
tegie, als Instrument der MiBtrauenskundgebung oder als Spalter der stadti- 345f). Kommt es dennoch zur politischen Auseinandersetzung m
schen Gemein chaft - diese Alternativen, mit Partizipation umzugehen breiten Offentlichkeit, wird von seiten der Promotoren versucht, ?lebts-
zeichnen sich in den drei Beispielen ab. Die Motive der gescheiterten Betei- zitãre Voten und Massenloyalitãt zu sichem, nicht jedoch differenztert
ligung kõnnen vor allem in folgendeo Punkten identifiziert werden: die Probleme einzugehen. In Florenz begannen die zw,t-
• GroBprojekte mobili ieren nicht nur Protestbewegungen sondern aucb schen der Regierung und den privaten Investoren 1985; ?leSe m
Kapitalinteressen, die das politisehe System dank ihren Ressourcen und kurzer Zeit zu verbindlichen Vereinbarungen. Die 6ffenthche
ihren hohem Integrationsgrad stark beeinfIussen kõnnen.1n Florenz sind begann erst rund drei Jahre spãter. Bei Expo in. wurden .dle
dies Fiat und Fondiaria, in Wien die Banken, IBM und Teile der Baubran- partizipationsmoglicbkeiten von vomherem durch dte mtt Panser
ehe, in Zürich das Bankenkartell; dieses selektive Wahmehmen von »Bureau Intemational des Expositions« eingegangenen
Interessen in der Stadtentwicklung über GroBprojekte erhoht die K1uft eingeschrãnkt. Das Projekt stand bis zur Auflõsung der
zwischen Politik und Gese11schaft. durch die Freiheitliche Partei als Sacbzwang quer zu allen Mttbest1m-
• GroBprojekte wirken auf einen überlokalen Raum und haben lokal die mungsabsichten. In Zürich fanden die Abstinunungen achtzehn ! nach
groBte Inzidenz. Sie entsprechen auch in ihrer baulichen Ausgestaltung der Lancierung des Projekts47 und zwei Jahre nach der KonsUtutlOn der
48
der Logik der entgrenzten Stadt. Die unterschiedliche Betroffenheit von projekttragenden statt. .. . .
verschiedenen Stadtteilen und verschiedenen territorialen Ebenen führt Diese sachlichen, riiumlichen und zeztlzchen Grunde, dle LO.glk der
zur Frage, welche politische Einheit überhaupt mitreden darf. In Florenz Planung über GroBprojekte eigen die der
liegt das Projekt im Zentrum der metropolitanen Region Florenz-Prato- Mitbestinunung. In dieser Planungslogik 1St eme der v.on
Pistoia; arn stãrksten trifft das geplante Projekt die Nachkriegsperipberie entwick1ung angemessene Partizipation nicht m6g1ich; l?ter-
in Novoli. Die Abstimmung findet in der Gemeinde Florenz statt. In Wien veniert als N otbremse, ist Instrumentalisierungen ausgesetzt und wlrd m ihrer
- so war die Vorstellung der Projektplaner - »ist die Durcbführung einer politischen Bedeutung der Mitgestaltung
Weltausstellung nicht nur ein nationales Anliegen, sondem eine võlker- Anregungen und kritische Auseinandersetzung rmt Stadtentw1cklung 1St m
verbindendeAufgabe. [ ... ] Einzelinteressen (von Personen, Gruppen und! diesen Beispielen vor allem professionellen und
oder Bezirken) ind zwar so weit wie moglich zu berücksiebtigen, aber vorbehalten 49 die über ein p01itisch relevantes Wlssen verfügen.
sie dürfen in einer Frage on dieser Bedeutung oicht ausschlaggebend partizipa;ion in Stãdten setzt Wissen voraus, sol1 sie nicht nur Vetocha-
sein« (Edlinger/Potyka 1989: 216). In Zürich wurde in den Abstimmun- rakter besitzen sondern Mitgestaltung sein (vgl. Dion, 1984; Thomassen,
gen sichtbar, daS die betroffenen Quartiere gegen HB-Südwest und die 1988). Dieses Wissen baut auf zwei, zum Tei1 der Entwick1ung von S
AuBenquartiere für dieses Projekt stinunten. 45 Zudem lieBen die Besit- entgegentretende Voraussetzungen auf: von
zer des Gelaodes, die Schweizerischen Bundesbahnen, vor der zweiten gersinn und der politiscben Bildung. Denn d1e Stadt .wlrken
Abstimmung verlautbaren daS man im Falle einer Ablehnung des Pro- und den Individuen hochsteAutonomie und Anonyrmtat zuslchem. Dle
jekts durch die Stadt alleufalls aut da nationale Eisenbahngesetz zurück- verspricht Individualitãt und die
greifen würde, um das Projekt dennoch zu realisieren. 46 schaft Unordnung und nicht Ubersicht1tchkett - Sle steht fur Aufstleg und
• GroBprojekte haben sehr lange uud kostspielige Anlaufzeiten. Zeitlich MobiÚtãt und ist Ausdruck der Entfremdung vom Hi.ndlichen Kontext.
betrachtet wird Partizipation erst in einem spaten Planungsstadium ak- Entsprechend mõchte sich der Stãdter auch nicht in forma1isierten
tuel1 (vgl. Tabelle 13), was kaum mehr grundsãtzliche Diskussionen über bewegen, wenn er »mitbestimmen« wi1l (vgl. Lüscher, 1984). Er entwlckelt
136 Stadtentwicklungspolitik zwischen Demokratie und Komplexitãt

im eine eigene Sprache der Politik, die nur selten ins lokale
pohttsche System integrierbar ist und sich am ehesten in direktdemokrati-
schen Verfahren in der Stimmabstinenz als Kehrseite technokratischer Steu- KAPITEL IV
erung Sachverhalten durch Eliten widerspiegelt. Sol1 der
s.1ch nut semer Stadt politisch auseinandersetzen, bedarf es einer
PolItik, d1e s1ch bewuBt dafür einsetzt, und zwar sowohl auf der Ebene der Stadtentwicklungspolitik zwischen
Inhalte als auch Verfahren, die zudem beide auf einem gese11schaftli-
Konsens bas1eren müssen. In den SchluBüberlegungen werde ich darauf
Demokratie und Komplexitiit:
zuruckkommen. Im.folgenden sol1jedoch zuerst spezifisch auf die projekt- Minimalstaatsstrategien au!
emgegangen werden, die versuchen, kol1ektives Handeln
uber GroBprojekte zu realisieren. kommunaler Ebene
Tabelle 13: Projektphasen

Projekte Offentliche Bisher wurde aufgeführt, daB sich aus historischer Sicht die politische
(Stãdte) Projektidee Projektierung FinanzierWlg Diskussion Resultate Organisation der Stadtentwicklung in den drei Stãdten markant unterschei-
det (Kapitel ll). In den achtziger Jahren wird dagegen in al1 diesen Stadten
\áriante Spitzenpolitiker Eingeladener Verhandlungen Medien, Aufschiebungen,
eine ahnliche Strategie angewandt, die darin besteht, die Stadt über GroBpro-
Nord-Ovest und Investoren Wettbewerb mit Einzelinve- Abstimmung Redimensionie- jekte zu entwickeln. Insbesonders drei strukturelle Merkmale wurden bis-
(Florenz) (um 1984) (1986-88) storen (1986) (1989) rungen her zur Erklarung dieser Ãhnlichkeit herangezogen : Der Autonomieverlust
Bildung einer
gegenüber übergeordneten Ebenen des politischen Systerns, der Effizienz-
Expo95 Spitzenpolitiker Eingeladener Investoren- Medien, Projektende druck gegenüber der Wirtschaft und der Legitimationsdruck gegenüber einer
(Wien) (um 1985) Wettbewerb vereinigung Abstimmung von Desintegration und kultureller Pluralisierung gefahrdeten und heraus-
(1990) (1990) (1991)
geforderten urbanen Gese11schaft (Kapitel Ill).
Bildung einer Die GroBprojekte scheinen heute in Stãdten die umfassendsten Spiel- und
HB-5Udwesl Spitzenpolitiker Projektwett- Investoren- Medien, Aufschiebungen, Tauschzusammenhange vor allem im Hinblick auf die Interessen der Wirt-
(ZUrich) (um 1969 und Re- bewerb vereinígung Abstimmung Redimensionie- schaft und des lokalen Staates zu bilden. Im kollektiven Handeln in Groj3-
lancierung 1979) (1969, 1980) (1981-82) (1985 u.1988) rungen
projekten zeichnen sich aber auch Strategien privater und offentlicher
Projekt Akteure ab, we1che die Rol1e des Staates an den Stellen gefáhrdeter Kon-
phasen ) . Phase 2. Phase und 3. Phase 4. Phase 5. Phase fliktregelungs- und Problernlosungsfahigkeit durch die Beschrankung des
StaatseinfluBes in GroBprojekten transformieren. Die anvisierte Verringe-
rung staatlicher Zustandigkeit gewinnt in ihrer Relevanz als politisch-stra-
tegisches Projekt an gesellschaftlicher Bedeutung, wenn die kritische Sicht-
weise der politischen und kulturellen Selbstorganisation der urbanen Ge-
sel1schaft auf diese Privatisierungsstrategien in GroBprojekten miteinbezo-
gen wird. Unter dieser Perspektive stel1t die Stadtentwicklungspolitik über
138 Stadtentwicklungspolitik zwischen Demokratie und Komplexitiit Minimalstaatsstrategien au! kommunaler Ebene 139

GroBprojekte eine Variante einer generelleren Strategie zur Minimalisierung B: Speranze nessuna, progetti, io parlerei di progetti e non di speranze, perehe
des Staates dar die darauf abzielt, demokrati ebe Mitbestimmung stark ein- non si possono investire dei soldi su delle speranze.
zuscbrãnken um in einer komplexen Umwelt wieder bandlungsfáhig zu
werden. L A: Si.
Diese Ausgangslage führt zur Fragestellung, die in diesem Kapitel, das B: A noi e stato mostrato da parte dell'amministrazione pubbliea una
genauer auf die Reproduktionsbedingungen der FaJle in den aehtziger Jah- detenninata idea di eittà. Cioe I'amministrazione pubbliea e'ha indetto
ren eingehen rnocbte, im Vordergrund stebt und wie fo]gt lautet: ehe a suo avviso Firenze si sarebbe dovuta sviluppare eome una eittà del
• Wie bewegen und legitimieren sich die an der Stadtentwicklung politik terziario meglio del quaternario, ehe per far questo aveva bisogno di una
über GroBprojekte beteiligten koUektiven Akteure uoter den bisher dar- riorganizzazione della distribuzione di funzioni nel suo polo interno, ehe
gestelleo Bedingungen? l' amministrazione pubbliea non vedeva Firenze eome una eittà vetrina
eioe eome una città eome potrebbe essere Venezia e ehe le sue intenzioni
Die Fragestellung entbãlt zwei Ebeoeo: Eioerseits die gewissennaBen be-
erano quelle di spingere la città verso varie appropriazioni del ruolo di
schreibende Ebene der Darstellung des Handelns der Akteure. Andererseits produzione, naturalmente di produzione non piii una produzione di prodotti
die Ebene der Rechtfertigung dieses Handelns oder Diskursebene, die dureh di natura industriale, ma una produzione di prodotti di natura intellettuale.
die AnaJyse der Stru.ktur der von deo Akteuren produzierten Texte gewon- Che la riorganizzazione del territorio, delle funzioni all'interno del suo
oen wird. Zur Beantwortung dieser Fragestellung werde ich zuerst auf die territorio era neeessaria non soi o in quest'ottiea ma anehe per risolvere
Strategien der zeotralen Ak:teure eingeheo und die Reehtfertigungen dieser una serie di problematiehe ehe Firenze ha e ehe sona sostanzialmente
Strategien analysieren. Die erlaubt die Rekonstruk1.ion der Sicbtweise der sintetizzate in un eeeesso di mobilità al proprio interno. Negli anni ehe,
Akteure in hinbliek auf ihr Handeln (1.). In einem zweiten Sehritt werde ich gli ultimi venti anni vedono una eolloeazione delle funzioni easuale
versuchen, diese Strategien in ihrer pragmatischen Anwendung in Spielen all'interno della eittà, eon una eoneentrazione all'interno del eentro storieo
darzusteUen; mit anderen Worten werde icb ru zeigen ver uehen, wie die ehe man mano ha perso le sue earatteristiehe di abitabilità, quando ei si
Strategien umgesetzt werden und zu welchen Ergebnissen dies fíihrt (2.). sona eoneentrate anehe funzioni ehe non avrebbero avuto la neeessità di
essere nel eentro storieo, perehe avrebbero potuto anehe essere fuori. Ci
AbschlieBend werde ich diese Strategien und Ergebnisse io hinblick auf ihr
fu ehiesto se a, se a noi eorrispondeva quest'idea di questo genere. Noi
Verhãltnis zu den struktureUen Grenzeo des lokal en Staates ioterpretiereo abbiamo riflettuto e abbiamo eonfrontato quest' idea di eittà eon l' idea ehe
uod, aus dieser Sichtweise, nach Gründen suchen, die erkHiren, wieso die noi abbiamo della nostra azienda. La nostra azienda eome voi sapete e
drei Versuche die StadtentwickJung über GroBprojekte zu dynamisieren un azienda di dimensioni onnai europee ehe per ereseere, per ingrandirsi
gescheitert sind (3.). ha bisogno proprio di vivere in un tessuto vivaee, in un tessuto di
produzione, non in un tessuto di sfruttamento di situazioni passate. E quindi
1. Stadtentwicklungspolitische Positionen abbiamo visto ehe la sopravivenza della ditta a Firenze era legata al fatto
ehe Firenze si muovesse verso la direzione ehe ho prima illustrato. E quindi
1.1 Die Sicht der Wirtschaftsvertreter: Die Notwendigkeit der ei siamo detti disponibili a dare il nostro eontributo; dare il nostro
politischen Legitimation okonomischen Handelns eontributo come? Risehiando de!, un ammontare di eapitali sul territorio
fiorentiono inveee ehe fare una politica, eome fanno le eompagnie
In der folgenden Darstellung der stadtentwicklungspolitischen Positionen d' assieurazione di distribuire il risehio dell' investimento nell' ambito di
der Wirtschaft wird von der ersten Sequenz aus einem Interview mit einem molte aree geografiehe. Da qui nasee I'idea della Variante, da qui nasee
Investor in Florenz ausgegangen: I'argomento di eui stiamo a diseutere. 2
A: La prima domanda si, vorrei eentrarla subito sul progetto stesso e vorrei lo einem ersten Interpretationsschritt so11 auf die Ebene des urbaoistischen
ehiederle quali sona le speranze ehe la ditta ha quando mostra questo Diskurses eingegangen werden, das heiBt, der Frage nachgegangen werden,
intento di fare un investimento di questo tipo nelI'area di Castello?
os

140
Stadtentwicklungspolitik zwischen Demokratie und Komplexitiit Minimalstaatsstrategien au! kommunaler Ebene 141

wie die Intervention über GroBprojekte in das Stadtgefüge von seiten eines mulierung eines Gesamtinteresses der Stadtentwicklung ist die Moglichkeit,
legitimiert wird. Die Lektüre des Interviewausschnitts offenbart seine Wachstumsoption darin zu integrieren (»unsere Untemehmung braucht,
dIesen in Bedeutung im kolIektiven Handlungs- um weiter zu expandieren, eine lebendige Umgebung«) .
.. wIrd eme bestimmte Intervention durch GroBprojekte, die B. verbindet das Gesamtinteresse mit dem Untemehmerinteresse, indem
hIer m emen smnvollen Zusammenhang mit der Entwicklung der ganzen er das GroBprojekt Novoli/Castello in den Mittelpunkt stellt. Es hat den
Stadt gestel1t werden.
Anschein, als ob B. dieses GroBprojekt hauptsachlich deshalb realisieren will,
Auf eine gesamtstadtische Sichtweise weist B. mit den Worten »eine weil damit das Problem der Dezentralisierung von Funktionen aus dem
der Stadt« (»una deterrninata idea di città«) hin. Gemeint überlasteten historischen Zentrum ge10st werden kann. Als Selbstverstãnd-
ISt darrut dIe mcht nur mogliche, vielmehr wünschenswerte Entwicklung von lichkeit wird unterstellt, daS es eindeutige Zusammenhange sowohl zwischen
zur des Tertiar- oder besser Quartarsektors« (»città del ter- den fonnulierten stadtentwicklungspolitischen Problemen und dem Problem-
ZIano o megho del quatemario«). Damit wird der Unterschied z\l einem Typ lOsungsansatz »Reorganisation des Territoriums«, als auch zwischen diesem
von Stadt als »Schaufensterstadt« (»città vetrina«) unterstriehen. Diese Sicht Problemlosungsvorschlag und dem GroBprojekt gibt.
der Stadt, die mehrere Entwicklungsmogliehkeiten beinhaltet, stellt den Die prazise Formulierung dieser Konstruktion ist fur deren Zweck nicht
Strukturwandel der Wirtschaft von der industriel1en Produktion zur Dienst- notwendig. Wichtig 1st vor allem daS darin eine gesarntstadti ebe Sieht Platz
leistungsproduktion in den Vordergrund. Aus der Sicht der Wirtschaft sol1 hat, und nieht, was diese Sieht im Detail beinhaltet. Hauptsache ist, daS es
die Stadt diesen Strukturwandel auf ihrem Territorium politisch unterstützen eine so1che Sicht gibt. Darauf deutet der Ausdruck »una deterrninata idea
Die aus dieser Sicht erschlieBbare Idee der Stadt thematisiert alS di città« das heiBt eine bestirrunte Idee der Stadt. »Determinata« hat die
die .in d.en zwanzig Jahren stattgefundene, ungeplante von »bestirrunt« und »gewiB«. Es gibt also eine gewisse und eine
EntwIcklung lffi hIstonschen Zentrum von F1orenz, das sieh zum über1aste- bestirrunte Idee, das heiBt im Grunde irgendeine Idee, deren zentrales Merk-
ten Wirtschaftszentrum wandelte, indem die Bewohnbarkeit stark beeintrach- mal darin bestehen muB, bestimmt zu sein. Sie darf insofem irgendeine Idee
tigt wurde: I?as wesentliche stadtentwicklungspolitische Konzept ist also die sein, wie deren Bestirruntheit die Fonnulierung eines, das heiBt irgendei-
DezentralisIerung von Funktionen, die sich im Laufe der Zeit zufãllig im nes, aber eines bestirrunten Gesamtinteresses zuHiBt, in dem eine engere und
Zentrum konzentriert haben.
konkretere Untemehmerstrategie in bezug auf die Realisierung des GroB-
. Gesamtinteresse, das hier ausgedfÜckt, projekts Platz hat. Bestimmt ist diese Idee in ihrer
erhillt fur den erst durch die implizite Wachstumsop- keit, die sich im Ausdruck der »Reorganisation des Temtonums« reallSIert.
tIon an Bedeutung. Uber dIese OptlOn konnen die privaten Investoren die Diese operative Bestirruntheit der Idee ist bedeutender als die Idee unter
Raum für die Tertiarisierung der Wirtsehaft suchen, ibn im inhaltlichen Gesichtspunkten, denn erst diese operative Bestimmbarkeit
aber nicht finden, ein Gesamtinteresse der Stadtentwicklung for- ennoglicht die Verknüpfung des GroBprojektes als Realisierung dieses
mulieren und es mit dem Investitions- und Wachstumsinteresse der Wirt- Reorganisationskonzepts mit dem Diskurs über die
verbinden, die ihre Tertiarisierung vorantreibt, um im europãischen bleme, obwohl die Idee selbst nicht aus einer Logik des stadtentw1eklungs-
WIrtschaftsraum konkurrenzfahig zu bleiben. Das Wachstumsinteresse der politischen Diskurses hergeleitet wird.
fonnuliert den stadtentwicklungspolitisehen Der urbanistische Diskurs der privaten Investoren ist in dem Sinne vor-
eode emes. B. will eine Stadt als »lebendiges Geflecht« strukturiert, als er bereits vom geplanten GroBprojekt in seiner problern1o-
(>:tessuto das helBt, als »Produktionsgeflecht« (»tessuto di produ- senden Funktion ausgeht. In der Sprache des urbanistischen Diskurses wird
z10ne«) reahsIeren. Demgegenüber wird der status quo als »Geflecht der Aus- das Gesamtziel des GroBprojekts fonnu1iert. Auf diese Verflechtung beider
beutung von yergangenheit« (»tessuto di sfruttamento di situazioni passa- Diskur e (projektdiskurs und urbanistiseher Diskurs) weist die grammati-
te«) kontrastterend abgelehnt. Zentral fur den Untemehmer an dieser For- kali eh falsche Fonnulierung »Cioe I' amministrazione pubblica c'ha indet-
142 Stadtentwicklungspolitik zwischen Demokratie und Komplexítiit Minimalstaatsstrategien au! kommunaler Ebene 143

to che a suo avviso Firenze si sarebbe dovuta sviluppare come una città« die Tradition eines urbanistischen Disk:urses. Er wird jedoch nicht, wie in
hin. »Indetto« meint hier »gesagt« und »beauftragt«. Als »gesagt«, das heiBt Florenz, von privater Seite als Mittel zumAbbau von UngewiBheit hinsicht-
als einfache Mitteilung, wie hier grammatikalisch richtig übersetzt werden lich des Verhaltens der õffentlichen Akteure eingesetzt. Ein so1cher Disk:urs
muB, bezieht sich das Gesagte nicht auf das implizit Gemeinte. Das Gesagte wird lediglich bis zur Entscheidung des Gemeinderats über den Standort der
kündigt den stadtentwicklungspolitischen Disk:urs an, der dann folgt. Als Ge- Expo intensiv geführt und mit dieser Entscheidung zur Seite gelegt. Die 1n-
meintes im Sinne von »beauftragt« macht dieser Ausdruck, beziehungswei- tensitãt des Standortkonflikts zeichnet auch in Wien den urbanistischen Dis-
se dieser Versprecher, nur Sinn, wenn das konkret mõgliche Auftragsver- kurs als jenen Disk:urs aus, dem ein GroBprojekt grundsãtzlich nicht auswei-
haltnis zwischen der Stadt und der Wirtschaft einbezogen wird. Dieses chen kann. 1m Sinne eines Krisenmanagements zur befürchteten Blockierung
Auftragsverhãltnis ist, im hier interessierenden Zusammenhang, die pri vate der politischen Konfliktregulierung gelingt es einer groBen Koalition der
Finanzierung und Planung des GroBprojekts. Der Versprecher »indetto« weist Parteien mit der Standortentscheidung, die politische Legitimation fTÜhzei-
darauf hin, daB der folgende urbanistische Disk:urs in seiner Funktion der tig und schnell zu organisieren und die stadtentwicklungspolitische Frage-
Formulierung eines stadtentwicklungspolitischen Gesamtinteresses zu in- stel1ung auf die Frage des Standortes zu beschrãnken. Die õffentliche Debatte
terpretieren ist, dessen Zweck darin besteht, die Realisierung des GroBpro- wird darnit abgebrochen, bevor sie sich auch auf die Frage der inhaltlichen
jekts durch diesen Disk:urs zu legitirnieren. Den Versprecher »c'ha indetto« Nutzung und funktionalen Einordnung des GroBprojekts aus urbanistischer
als Hinweis dafür zu benutzen, daB im folgenden urbanistischen Disk:urs im Sicht ausdehnen kann. Diese Organisationsleistung des lokalen politischen
Grunde ein Projektdiskurs geführt wird, daB also der urbanistische Disk:urs Systems entspricht einer Strategie der Konfliktvermeidung, denn in der Folge
die legitimatorische Funktion zur Formulierung eines Gesamtinteresses wird Offentlichkeit in bezug auf das GroBprojekt in der Sprache eines urba-
zwecks der Rea1isierung des GroBprojekts einnimmt, wird rnit dem spãter nistischen Diskurses organisatorisch verrnieden, indem sich die Diskussion
auftretenden, dem »c' ha indetto« verwandten »ci fu chiesto« belegt, das sich in konfliktregulierende Grernien zuTÜckzieht. Mit dieser Organisationslei-
an einer Stelle im Text explizit auf das Projekt bezieht. stung haben die õffentlichen Akteure eine grundsãtzliche UngewiBheit über
Diese Vermutung, daB der urbanistische Disk:urs, dessen Wahmehmung ihr Verhalten gegenüber den privaten Akteuren abgebaut.
und Analyse der Stadtentwicklungsprobleme im genannten spezifischen Die privaten 1nvestoren versuchen darauf, eine nãchste Phase stadtent-
Sinne abhãngig ist vom partik:ularen Untemehmerinteresse an der Realisie- wicklungspolitischer Konflikte organisatorisch zu verhindem. Dies errei-
rung des GroBprojekts, eine ideologische Funktion hat, wird schon durch chen si e, indem eine intensive 1nteraktion rnit den õffentlichen Akteuren wei-
das grundlegende Statement in den ersten Sãtzen der ersten Sequenz belegt. tergetrieben und die Legitimation auf einer symbolisch überhõhten Ebene,
Die dem common sense des Wirtschaftssystems nahestehende Redeweise, we1che die Stadtentwicklung selbst nicht betrifft, hergestellt wird. Die pri-
nicht aufgrund von »Hoffnungen«, sondem nur auf der Basis von »Projek- vaten Akteure greifen dazu zur »Mitteleuropaidee«. Was aus der Sicht der
ten« »investieren« zu wollen, stellt die operative Dimension des Sprachge- privaten Akteure in Florenz die »europãische Dimension« als übergeordne-
brauchs überhaupt, die des urbanistischen Diskurses im besonderen, in den te Ebene ist, wird in Wien zur »Mitteleuropaidee«. Wãhrend jedoch der
Vordergrund. Die Ersetzung des semantischen Wortpaars »Hoffnung-han- Investor in Florenz rnit »europãischer Dimension« die Investitionsreichweite
deln« durch »Projekt-investieren« artik:uliert als Grundeinstellung, die durch angibt, die in ein operatives Stadtentwicklungskonzept der »Reorganisati-
das ganze Interview durchgehalten wird, den zentralen common sense; daB on des Territoriums über GroBprojekte« umgesetzt werden kann, will der
heiBt, daB man sich erst aufgrund von konkreten Projekte für den urbani- Unternehmer in Wien rnit der »Mitteleuropaidee« an keinen urbanistischen
stischen Disk:urs interessiert, den man umgekehrt in diesem common sense Diskurs anschlieBen. Vielmehr wird rnit »Mitteleuropa« als überhõhtem
sinnvollerweise erst über Projekte realisieren will. Symbol für das GroBprojekt eine Legitimationsstrategie eingeschlagen, die
Diese stadtentwicklungspolitische Position des privaten Untemehmers ist versucht, der urbanistischen, konfliktanfãlligen Debatte auf praktischer und
strukturell übertragbar auf die beiden anderen Stãdte. In Wien existiert zwar symbolischer Ebene auszuweichen. Die Beteiligung an der Formulierung
144 Stadtentwicklungspolitik zwischen Demokratie und Komplexitãt Minimalstaatsstrategien au! kommunaler Ebene 145

eines Gesamtinteresses von der Seite der privaten Investoren wird damit Kemstadt al1ein gar nicht gerechtfertigt werden kõnnen. Legitimationspro-
indessen nicht suspendiert, sondem nur auf eine andere, der Konfliktanfhl- bleme bestehen auch darin, daS die Kemstadt von Agglomerationen als
ligkeit des loka1en politiscben Systems enthobeoe Ebene der mitteleuropãi- Zentrum in ihren politischen Gemeinschaftsfunktionen weitgehend erodiert
schen Integration Wiens ver1agert. Auf dieser Ebene wird auch in Wien wie ist und daB in Zweifel gezogen wird, ob die Kemstadt als »Zentrum« in der
Florenz auf der Ebene des stadtentwick1ungspolitiscben Diskurses.'eine politischen Form der Gemeinde überhaupt noch Legitimationsfunktionen
Ubereinstimmung mit den õffentlichen Akeuren gesucht. rur sich selbst übemehmen kann.
Die Wahl der symbolischen Überhõhung ist jedoch in Wien nur tei! weise Die von Zentrumsfunktionen unterlaufene politische Gemeinschaft bil-
mit dem frühzeitig gefallenen Standortentscheid zu begründen. Zwei wei- det nur noch den fonnalen Rahmen, der den Investor aber trotzdem zwingt,
tere Erklãrungen müssen hinzugezogen werden, die mit der Zeitknappheit in der stadtischen Offentlichkeit das Projekt zu rechtfertigen. DaS dies über
zusammenhangen. Denn die knappe Zeit erlaubt den Akteuren
die Infragestellung der Legitimation der stãdtiscben Offentlichkeit als
• erstens nicht, einen vertieften urbanistiscben Dislrurs zu beginnen, und über das Projekt stattfindet, zeigt den funktiona1en Systembezug, 10 den
fõrdert das Ausweicben auf eine von der konkreten Stadtentwicklungs- Grol3projekte primar gestellt werden. Der Diskurs überdie Stadt
politik abgehobenen, konfliktfreien Ebene der »Mitteleuropaidee«' als politische Gemeinschaft kõnnte zwar in einen D1Skurs
• zweitens fübrt die Zeitknappbeit aucb dazu daB díe õffentlichen Akteure übersetzt werden, indem in der Analyse der FehlentwlckIungen der
in den Verhandlungen gescbwãcht sind und kaum erwarten kõnnen, daB die Gründe genannt werden müBten und kõnnteo, die dahin führten, daS slch
sich die privaten Planer und 1nvestoren an der Fonnulierung eines stadt- die politische Gemeinscbaft a1s sozialintegrative Grundlage jeder
entwicklungspolitischen Gesamtínteresses als Legitimationshintergrund tion im Zerfall befindet. Stattdessen ersetzt dieser Diskurs über dle Knse
für das Grol3projekt betei1igen.
der stãdtischen politischen Gemeinschaft den urbanistischen Diskurs. Der
Im Unterschied zu Florenz oder Wien wird in Zürich weder ein urbanisti- Ersatz des urbanistischen Diskurses nimmt dabei nur Fragmente mõglicher
scher noch ein symbolisch überhõhter Diskurs geführt. Die privaten Inve- stadtentwicklungspolitischer Positionen auf und fügt sie so zusammen, daS
storen beschrãnken sich darauf, GroBprojekte im Licht ihres funktionalen das geplante GroBprojekt legitimiert wird.
Systembezug , der überloka1 und überregiona1 aufgespannt 1St zu norma- Diese Legitimation findet indessen nicht in der Interaktion zwischen den
lisieren und dadurch zu legitimieren. 3 Damit wird im Zürcher Beispiel aus privaten Investoren und den õffentlichen Akteuren statt, sondem in der
privater Sicht ein Diskurs zur strukturellen Nicht1egitimierbarkeit von inszenierten Offentlichkeit direktdemokratischer Verfahren, deren Zustan-
GroBprojekten innerbalb der territorialen Zustãndigkeit des lokal en Staates dekommen bereits Beleg dafür ist. daB diese Interak:tion nicht zustande kam,
begonnen. Ein Investor führt dies aus;
beziehungsweise gescheitert ist Der Mangel eines urbanistischen Diskur-
B; Man schaut die Stadt immer innerhalb ihrer politischen Grenzen an. Wenn ses seitens der pri vaten Akteure ist eine Funktion des Scheiterns
man aber diese Stadt funktional anschaut, mit an ihren Auswirkungen, Interaktion. Der stellvertretende Krisendiskurs drückt von daber nur dleses
dann geht diese Stadt nicht von Schwamendingen nach WolIishofen, Scheitem aus, an dem die õffentlichen Akteure insofem maBgeblich betei-
sondern sie gebt voo Schaffhausen nach Zug bis Richtung Luzern, sie geht ligt sind, als es ihnen nicht gelingt, einen urbanistischen im Sinne
vom Glarnerland miodestens bis aufBrugg oder 0lteo. Das ist eigentlich der Fonnulierung eines stadtentwicklungspolitischen Gesamtlllteresses zu
von der Funktion ber die Stadt unddie Stadt Zürich ist dann Dur noch quasi initiieren. Wenn für die privaten Investoren Grol3projekte nicht dmch einen
das verdichtete ZeOl:rum, das Zentrumsfunktionen wahrnimml.
von den õffentlicheo Akteuren angeregten urbanistischen Diskurs legitimier-
Der zentrale Bezug ist die funktionale Stadt der Agglomeration, deren bar ind, wenn also keine verhandelbare Tauschsituation zwischen õffent-
Kemstadt ein »Zentrum« ist. Legitimation ist in diesem Konstrukt von Stadt lichen und privaten Akteuren zustande kommt, besteht keine M?glichkeit
nicht al1ein deshalb infrage gestel1t, weil ein GroBprojekt im Zentrum für die privaten Investoren, das ungewisse Verha1ten der õffentlichen Ak-
Ausstrahlungskrafte und weitreichende Wirkungen besitzt, die von der teme in der Planung von GroBprojekten zu kontroIlieren.
146
Stadtentwicklungspo!itik zwischen Demokratie und Komplexitiit
MinimaZstaatsstrategien au! kommunaZer Ebene 147
Umgekehrt gibt es für die offentIichen Akteure keine Moglichkeit, auf der
Ebene urbaI?:istischer Diskurse, die privaten Akteure zu stadtentwicklungs- der offentlichen Akteure ist ein strategisches pri Un-
politischen Uberlegungen zu führen. Den privaten Investoren bleibt nur noch temehmer. Über die Beteiligung an der Fonnuherung emes mhaltllC? be-
übrig, in einer Stadt, die keine institutionelle Zustãndigkeit für die verbind- liebigen Gesamtinteresses, das sich in der des
liche Fonnulierung eines stadtentwicklungspolitischen Gesamtinteresses hat len Wirtschaftssystems tendenziel1 als Sumnuerung Invest1t1ons-
und über ke ine für die Interaktion zwíschen privaten und Offentlichen interessen realisiert und wachstumsorientiert ist, pnvate Investo-
Akteuren relevante Gesamtperspektive verfügt, sich auf die formalen Ver- ren das Verhalten der offent1ichen Akteure zu .
fahren der direkten Demokratie zu konzentrieren. Den gesellschaftstheoreti ehen Hintergrund bIldet
Die in den Positionen der Wirtschaftsvertreter enthaltenen stadtentwick- die Differenzierung von Stadt und Wirtschaft. Dle hat .slch als
lungspolitischen Überlegungen haben, so konnte man zusammenfassen, Subsystem aus der komplexen urbanen ausdiffereDZ1ert uud
insofem den ideologischer Orientierungsbemühungen, als sie den steht zu dieser im Verhãltnis eines Systems zu semer Urnwelt. Im !Ialldel:n
handlungslei tenden Horizont der pri vaten Investoren für die Einordnung von der Wirtschaftsorganisationen wird dieser her-
GroBprojekten in das stãdtische Gefüge abgeben. Dafür sind die privaten gestellt, indem Interventionen dieser 10
Investoren von ihrer Kompetenz und von ihrem privaten Profitinteresse her füge imrner soweit über leg.l-
allerdings nicht geeignet. Den Versuch, urbanistische Diskurse auBerhalb timiert werden rnüssen wie dadurch die und dle
der zentralen Aktivitãten der Untemehmungen zu führen, kanu als nicht Investition moglich wird. In diesem Zusammenbang der ehe
vorgesehene Kompetenzaneignung interpretiert werden. Das Ziel ist dabei Diskurs der privaten Investoren situiert, der dazu dlent, die
primãr, die komplexe urbane Umwelt von Untemehmungen pragmatisch zu kosten der Investition zu minimieren. Dieser geht,
kontrollieren. Dies findet über die Formulierung eines inhaltlich beliebigen, wie die Interviewinterpretation aufzeigt, genau sowelt, Wle
aber ausreichend bestimmten legitimatorischen Diskurses statt. In Florenz den Kosten noch in einem okonornisch vertretbaren Verhaltms zu dem zu
steht die Idee der »Reorganisation des Territoriums« im Vordergrund, in Wien erwartenden Nutzen des dadurch hergestellten stehen. Der
übemimmt die »Mitteleuropaidee« die gleiche Funktion, wãhrend in Zürich legitimatorische Diskurs in der Intervention in die
die Legitimationsstrategie darin besteht, die Stadt als politische Gemeinschaft in einer Positionierung des Handelns des privaten emer
infrage zu stellen. Die Funktion solcher Diskurse, die anlãBlich von GroB- Entwicklungsoption der Stadt. Darnit kann die notwendlge Investltlon ge-
projekten geführt werden, ist die Formulierung eines Gesamtinteresses, das genüber der politischen Offentlichkeit begründet werden. 4
erst dem kollektiven Handeln in GroBprojekten eine integrierende Kraft
verIeiht, wie spãter eingehend dargestellt wird. 1.2 Die neokonservative Position: Der lokale Staat
Projekte sin d insofem das Bindeg1ied zwischen privaten uud offentlichen Die folgende Textstelle aus einem Interview in
Akteuren, deren Interessen sich erst im Projektdiskurs differenzjeren und vennittelt die Innensicht der im Vergleich der drel Stadte
sich aufgrund dieser Differenz kontingent zueinander verhalten. Beide des lokalen Staates gegenüber privaten Posltlon ent-
Akteure gehoren zu verschjedenen Systemen, deren Prozesse der Interes- hãlt, wie sich zeigen wird, sowohlArgumente für eme nurnmale
senbildung fiir das jeweils andere System undurchschaubar und nicht kon- tung des lokalen Staates in GroBprojekten, als auch polttt-
trollierbar sind. Vor diesem Hintergrund der Kontingenz des politischen schen Perspektive, die das VerhaItnis zwi chen. und pnvateD In-
Sy tems fur den privaten Investor erschlieBt sich erst der Sinn des urbani- teressen institutionell rnittelfristig zugunsten emer starkeren Verantwortung
stischen Diskurses, nãmlich die UngewiBheitsprobleme, die dieser Kontin- des lokalen Staates verãndem will.
genz entsprechen, kontrollieren zu wollen, indem versucht wird, auf offent- A: We1ches sind für Sie die wichtigsten Probleme in der Stadtentwick1ungs-
liche Akteure EinfluB zu nehmen. Diese UngewiBheit über das politik?
149
148 Stadtentwicklungspolitik zwischen Demokratie und Komplexitiit Minimalstaatsstrategien au! kommunaler Ebene

B: Generell?
der Verwaltung ermõglieht zudem dem lokalen Staat, auf
Konfliktkosten zu vermindem und sich der Konkretisieru?g S
A: Die aktuellen. zu entziehen. Die Planung dureh GroBprojekte steht m smn lm
B: Ja. Einerseits gibt es eine Reihe von sogenannten GroBprojekten. Das ist . h . technokratisehen Konfliktmanagements dureh dle Verw a1tung,
Zele en emes p . k d· Deblockierung
sicherlich die Expo 1995. Das ist der Zentralbahnhof und die d· absorbiert von Konflikten um »kleinere rOJe te«, .. le .
Veranderungen in der Verkehrsstruktur m.it einem Zentra1bahnhof. Das Handlungsfãhigkeit dureh GroBprojekte sueht. kompe-
ist die Freimachung des sogenannten Nordbabnhofs. Das ist ein a1ter ·· ·hren Widerstand im Rahmen der »klemeren ProJekte«.aus-
Frachtenbahnhof in der Nahe der Ex,po. 1nsofern gehõrt das ein biBchen tenten Burger l . ... b . ··b G oBpro1ekte
üben, sol1 sich die Stadt an den Bürgenmtlatlven vor eI u er r J
zusammen. Das ist das Kraftwerk Wien, Staustufe Wien. Das ist die
sogenannte Gürtelplanung, das heiBt der Versuch, den lndividualverkehr weiter entwickeln. .d h d S· ht
Der technokratische Charakter von Groj3projekten WIr auc aus er le
im Bereich des Gürtels, ein auBerer Ring, umweltfreundlicher zu gestalten,
der Stadtplanung dureh das folgende Zitat eines Planers aus der Verwaltung
was sowohl den Gürtel als auch die Westeinfahrt nach Wien betrifft. Und
das ist sicherlich insgesamt die ganze Parkraumpolitik, das heiBt der Wiens unterstrichen:
Versuch, den lndividualverkehr zu reduzieren, unter anderem auch durch B: Ja ich glaube daB es einige MaBnahmen gibt, die man umsetzen
eine Ãnderung der Parkraumpolitik, a1so weniger Angebote im Zentrum über die Expo: Und das sin d vor allem das smd
und mehr Angebot je weiter Sie zum Stadtrand kommen. Das sind vor al1em Infrastruktureimichtungen, smd, ja, offe?thche Verkehrs-
sozusagen diese groBen Linien. Und dann gibts natürlich eine Reihe von mittel. Aber, a1so al1e anderen Dinge, dle schon em
kleineren Projekten, wo es immer wieder Konflikte gibt zwischen denen, und auch in Zukunft eines sein werden, namhc? Wle Grun ,
die bauen wollen, und den Nachbarn oder Bürgerinitiativen, die durch das wird über die Expo überhaupt nicht transportfahlg semo Also man kan?
diesen Bau eine Beintrachtigung ihrer Lebensqualitat spüren. Dort gibt über die Expo nur transportieren, was einen
es tagtaglich zu lõsende Konflikte, wo ein mehr oder weniger intensiver d zwar desweoen, wei1 sehr vie1e Emnchtungen auch mlt
h at . U n (o d·· U d deswegen muB
Widerstand da ist. Beteiligung des Bundes finanziert wer en mussen.. n h
man ganz genau nachweisen: Das hat mit der Expo emen
Die Gegenüberstellung von GroBprojekten und »kleineren Projekten« macht
Daher geschieht es jetzt und vorgezog en und schnel1er. Gru?khetIl
auf eine wichtige Unterscheidung aufroerksam. Indem kleinere Projekte . h Und damit geschie t as mc .
hat überhaupt kemen Zusammen ang.
durch ihr inhãrentes Konfliktpotentia1 ausgezeichnet werden, fehlt den
GroBprojekten dieses Merkmal. Diese lassen sich insofem als technokrati- Dahinter steht indessen eine grundsatzliche Gegnerschaft und Skepsis .ge-
sche Interventionen definieren. Sie stellen »die groBen Linien« dar, die genüber dem GroBprojekt, wie die folgende Stelle aus demselben Intervlew
jenseits der Konfliktkompetenz der Bürger angesiedelt sind, die sich in Form illustriert:
von Bürgerinitiativen anmelden. Diese sind durch GroBprojekte überfordert; B: Schau, weil ich dagegen bin, weil ich, wei1 ich, ich war,
es gelingt ihnen nicht, dagegen »Widerstand« zu leisten. Die groBen Inter- sich abgezeichnet hat, wie das wieder laufen wlrd. wlrd el:e
ventionen ins Stadtgefüge sind in diesem Sinn auf einer anderen Ebene normale õsterreichische Reinkost von groBe.n BaufIrmen un
angesiedelt als jene »kleineren Projekte«, bei denen sich Widerstand bilden bekannten, um nicht zu sagen verrufenen Architekten, a1so abgewlck .
kann, der die Verwa1tung in »tagtaglich zu lõsende Konflikte« verstrickt. Diese Sicht auf das GroBprojekt sucht vor dem Hintergrund ?rund-
GroBprojekte bieten sieh insofern der planenden Verwa1tung zum Zweck des satzlichen Ablehnung eine Abstimmung mit dle ;er
Managements einer rationalen, das heiBt, effizienten Konfliktorganisation
der Projektlogik differenziert werden. Im P. ;
an die der Bloek:ierung der kleinrãumigen Stadtentwicklungspolitik auf der ro·ekt steht die Wiener Verwa1tung. In der PraXlS as rOJe
Ebene von GroBprojekten ausweiehen kann. Die hohe Konfliktsehwelle und MaBnahmen« mõglieh, die zwar keine grundsatzhchen Proble-
die Privatisierung undAuslagerung der Organisation von GroBprojekten aus
Minimalstaatsstrategien au! kommunaler Ebene 151
150 Stadtentwicklungspolitik zwischen Demokratie und Komplexitiit

diese man die KonfIikte wirk1ich immer vermeiden kann. Das ware irrea1
me lõsen, aber dennoch aus der Sicht dieses Plans im Sinn eines Kompro- anzunehmen. Aber sie sollten, es sollte eine bessereAbstimmung sicherlich
misses legitimiert werden. erfolgen. Man muB dazu sagen, daB natürlich auch GroBprojekte,
. In der die Planer, Plan und Projekt abzustimmen, um insbesondere dasAKH [Allgemeine Krankenhaus,Anm. s.e.], in Verruf
Dynamik für Planungsziele zu nutzen, die grund- geraten sind, wobei an dere GroBprojekte an und für sich sehr gut
satzhch auch ohne Projekt, aber verspatet, realisiert werden kõnnten. Die funktionieren, ob das U-Bahn ist, die Donauinsel und so weiter. Aber
Konstruktion was »mit der Expo einen Zusammenhang« hat, wird natürlich die, unsere stadteigenen Planer und die Planer auch jetzt
a1s der Planer definiert. Der KompromiB von Plan und sozusagen gerade die jüngeren aus der sozialistischen Partei, und da trifft
Projekt m yerhandlungssituation zwischen õffentlichen und privaten man sich zum Teil mit Leuten aus der groBen Oppositionspartei, die haben
Akteuren wlrd uberlagert durch eine Tauschsituation zwischen 10ka1en und ei ne stãrkere Betonung der kleineren Projekte, wollten und wollen, uns
Akteuren. Dadurch wird die Verhandlungs- sicherlich auch mit einem gewissen Recht. Soda8 der Stadtent-
wicklungplan an diesen GroBprojekten eher ein biBchen vorbeigegangen
sltuatlOn rmt den pnvaten Akteuren entlastet. Für den Planer aus der Ver-
ist, es also viel kritischer sieht. Auf der anderen Seite glaube ich, daS eine
sieht die Situation dennoch wie ein Dilemma aus: Er muB an etwas Stadt, doch eineinhalb Millionen Einwohner, und eine Stadt, die immer
was er grundsatzlich ablehnt, was ihm aber gleichzeitig ermõg- auch nach auBen gewirkt und sich eigentlich nie begnügt hat, irgendeine
hcht, Fragmente des Plans (»technische MaBnahmen«) durch das was er Stadt halt zu sein, sicherlich so1che grõBere Projekte und Projektionen
grundsatzlich ablehnt, zu rea1isieren. ' braucht. Die Frage ist nur die Einbettung in den Stadtentwick1ungsplan,
Die folge?de Textstelle geht auf dieses hier beschriebene Abstimmungs- die Frage ist nur, wie sie konkret gestaltet werden und wie die
zWlschen Plan und Projekt, das sich in der Praxis a1s Kompromit- Bevõlkerungsschichten doch teilnehmen kõnnen am Entwicklungs- und
der erweist, ein. Der interviewte Wiener Stadtplaner verbin- EntscheidungsprozeB.
dle Plan-Projekt-Dískussion mit einer politischen Perspektive der Ver- Es wird deut1ich, daB der hier gegenüber Projekten entwertet dargestellte
anderung des Verhaltnisses zwischen Plan und Projekt zugunsten einer star- Plan regulative Funktionen übemimmt, wahrend GroBprojekte konstitutive
keren Kontrolle von Projekten durch den Plan: Funktionen für die Stadtentwicklung haben. Die Abstimmungsüberlegun-
B: jede Stadt braucht einen Stadtentwicklungsplan, der grund- gen werden zu dem Zweck gemacht, Tauschsituationen mit den privaten
satzliche Zlelsetzungen angeht. Jede Stadtentwicklungsplanung, wir haben Planem und Investoren herzustel1en, die erst den Plan in seiner praktischen
das formal auch immer gesagt, es ist schwierig, das in der Praxis zur Bedeutung aufwerten kõnnen. Offen bleibt dabei allerdings die Frage, wie
zu nehmen, ist eine fortzuschreibende Planung, die immer auch die privaten Investoren gezwungen werden kõnnen, Planüber1egungen in ihre
wleder durch gewisse Projektüberlegungen beeinfluBt wird. Wir haben Projekte einzubeziehen. Daraufhin ist die Beteiligung der Bevõlkerung ge-
sicherlich, und ich versuche das zum Teil zu korrigieren, die Situation
richtet. Als dritter Akteur neben den Stadtbehõrden und den privaten Inve-
gehabt, daB der Plan?as war und die Verwirklichung der GroBprojekte
storen son die Bevõlkerung unter Anleitung des Konflikt- und Beteiligungs-
das Andere, zum TeIl weIl emfach sehr unterscmedIiche Leute gearbeitet
haben an Dingen. Hier auf der einen Seite eine Gruppe von
managements der õffent1ichen Akteure die privaten Investoren zwingen,
Leuten, dle von, lch meine das jetzt nicht einma1 negativ, sondern von Planüberlegungen aufzunehmen. Die Inszenierung von bffent1ichkeit dient
abstrakten, lehrhaften Zielvorstellungen ausgegangen ist, und auf der diesem Ziel der staatlichen Planer, die somit ihre Position zugleich gegen-
gearbeitet haben, denen das võllig egaI war, über den privaten Akteuren wie gegenüber den Widerstanden von Bürger-
em ProJekt wollten entweder in der Stadt auf politischer initiatíven autonomisieren wol1en. Die Frage, »wie die Bevõlkerungsschich-
Selte oder extem m Verbindung mit den Wirtschaftskraften und Politikem ten doch am Entwicklungs- und EntscheidungsprozeB« teilnehmen kõnnen,
in der Stadt. !eh glaube, daB man den Plan stãrker natürIich auch auf so1che ist insofem beantwortet, als dieselbe Bevõlkerung über ein Management der
Projekte mn orientieren muB und umgekehrt die Projekte stãrker auf die Beteiligung selektiv im Rahmen der Ziele der Planung instrumentalisiert
Planvorstellungen. Und irgendwie muB man sich in der Mitte treffen, ohne
werden so11.
153
152 Stadtentwicklungspolitik zwischen Demokratie und Komplexitiit Minimalstaatsstrategien au! kommunaler Ebene

. " fen Eine solche Situation findet sich in


Zusammenfassend kann festgestellt werden, daB die privat organisierten und GroBprojekte zu . R 1itaten aesebaffen werden sollen, für
GroBprojekte nicht ohne die Beteiligung der offentlichen Akteure realisiert renz, wo ,n euede der Stadtplanung konstru-
werden konnen, beziehungsweise nur unter ungleich groBeren Schwierig- die nachtraghch eme das G amtinteress e zur Legitimation der
keiten, wiedas Beispiel Zürich zeigt, wãbrend urngekehrtdie Stadtentwick- iert wird. Die PO korrespondiert eine relati v groB.e
lungsplanung in GroBprojekten eine nicht zu verpassende Cbance sieht, privaten InvestltlOnen. Mlt l von den Ressourcen der pn-
bandlungsfáhig zu werden, Erst GroBprojekte bündeln jene Aufmerksam- Abhangigkeit der Tauschsituation zw1schenden
er
keit auf Fragen der Stadtentwicklung, die fuI die Planer notig ist, um .ihrer vaten Investoren, slcb 10 dd t g lnteressen a1s Identitat von Plan- und
praktiscben Bedeutungsscbwache teilweise zu entkommen. »Projektfáhig- Akteurenderõffenthchen un pnva en
keit« wird zum Stichwort der Planer in ihrer Bemühung, Iegitimatorische Projektlogik , d' sich in Zürieh findet, verzichtet auf einen
Zusammenbange zwischen GroBprojekten und der Stadtplanung herzustel- Die schwaehste le, rs und beteiligt sicb nur punktuell und
len, um o eigene Handlungslücken zu fullen, 5 Die offentlichen Ak:teure der d von den privaten Investoren nicht
Stadtplanung und die privaten Planer und Investoren finden sich dadurch in aktuell an Projektdisknrsen. Dlese wSer en dem vor dem Hintergrond des
. 't dem lokalen taat, son
einer Situation, dje nur über gemeinsames Handeln erlaubt, die jeweiligen in der lnteraktion m:r ,. tion in direktdemokratisehen Ve
Interessen umzusetzen. Z wanaS zur offenthchen Legltuna . ba"tzllng w'le in Wien undFlo-
l:> , . ati' t Gesamtemsc .
le nach institutioneller Starke der Stadtplanung drückt sich »Projektfâ- initüert. Eine . Sler den privaten Akteuren õffentliche Inter-
higkeit« in den drei Stadten verschieden aus und bewirkt auch verschiedene Tenz, uro Zwecke der Legitimation von GroBprojek-
Grade der Minimalisierung staatlicher Verantwortung fur groBflachige ln- es en zu mtegneren, 15 . h di Strategie des lokalen Staates
, rfu' b Deshalb verlagert SlC e . kt .
terventionen in das stadtische Gefüge. Die stlirkste strategisehe Position des ten mcht ve g ar, l' h Ausweichmano ver wie der arehite om-
lokalen Staates fmdet sich io Wien. Hier ist die Differenz zwischen Plan- auf stellvertretende symbo l e e d,' ' m weiteren Sinn auf die Kom-
p oiekten un 10 eme . ,' d
logik und Projekt1ogik zu erkennen, und es wird versucht, diese Differenz schen Gestaltung von r J h d' I szenierung eines »)poslt1ven Sta t-
in ein internes Abstimmungsverhaltnis innerhalb der Verwaltung umzuset- pensation von Planung h le. n Funktion darin jede beliebíge Ent-
zen. Damit õffnet sich die Perspektive einer »projektfáhigen Planung«, die erlebnis«. Der lokale Sle t als Systemzusammen-
in der Lage ist, verbandelbare Positionen gegenüber den privaten Investo- wicklung der Stadt, dle erster h satorisehe Bilder von Urbanitlit
ren einzunehmen. 6 Es entsteht die Moglichkeit, private GroBprojekte in einen hang wahrgenommen wlfd, dure ompen
u:mfassenden Plan zu integrieren. Diese politische Perspektive korrespon- zu tegitimieren: 'S"d d' Funktion des lokalen Staates, die
diert in Wlen mit der, im Vergleich lU Zürich und F1orenl, relativ geringen Gemeinsam l5t aUen drel ta ten le d' Kritik der Opposition ent-
Abhangigkeit des lokalen Staates von den privaten Investoren. Stadt über private GroBprojekte auch gegen der Starke der genannten
d dieses Voroehen gemi:1lJ .' '
Eine mittlere Position im Lokalen Staat tendiert dazu, die Differenz wickeln zu wo en li un . I:> t' "e Form8 dieser LegttIm au-
, . ' 7 Dle neokonserva l v . , d
zwisehen Planlogik und Projektlogik einzuebnen. Der urbanistische Diskurs positionen lU ho kratiseh 1nspiriert, variiert aber IDlt
der institutioneU zustandigen Planer integriert von vomeherein die Projekt- on ist in allen drel tee o aischen 1'auschsituation mit den pn-
logik als em der Planung innewohnendes Element. Der Diskurs um GroB-
projekte wird identisch mit jenem über die Stadtentwicklung, der nieht zu
Stlirk.e der Machtposltlon ID: der strate
vaten
i,
de:tire
Starke des lokalen Staates in
inszenierteBürgeTbeteiligung-
n
erkennen gibt, daS seine Wabmehmung und Analyse von der Projektlogik Wien °Die sehwachere Position des lokalen
vorstrukturiert ist, GroBprojekte erscheinen als symbolisch überhõhte Pro- sverfahren . ro einen über einen Disknrs des S.ach-
blemlosungen im Sinne einer »Reorganisation der Stadt über Projekte der Staates in Florenz legItlmlert slch zu " m' GroBproiekten angeslcbts
'b uf ' vate InvestltIonen J
urbanen Transformation« (vgl. Garin, 1988), Es fàllt auf, daS offentliche und zwangs, der vorgl t a p n . ht verziehten zu kônnen, und zum
private Akteure dasselbe operative Konzept verwenden, um Stadtplanung der (Ückstãndigen Infra trukturen D1C
F

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StadtentwickLungspolitik zwischen Demokratie und v l ' "
aomp eXltat MinimaLstaatsstrategien au! kommunaLer Ebene 155
andereo über An iitze einer instrumen ali ' " ,
Kontrolle allerdings nieht ausschlieBI h deren In den ana1ysierten Spielsitoationen wird versucht, private und 6ffent1iche
m Ak:teure auf ein gemeinsames Vorgehen hin abzustimmen, das nicht alleine
bleibt. Die p , Handen der .6ffentlichen
gJtumert sieh al1ein über symbolische m I.e- auf staatlieher oder ausscblieBlich auf marktmaBiger Steuerung beruht. Diese
des GroBprojek:t nieht ausreicht, eifen ' .. a d,lese ru,e LegltImation Versuche k6nnen einerseits al Miniroa1staatsstrategien interpretiert werden,
manager selbst zum Projekt- da durch Formen der Privatisierung und Deregulierung Handlungsblockie-
des tadtentwicklungspolitischeo D' rt:
abren rue Funktion rungen des lokalen Staates überwunden werden sol1en. Andererseits ist die
projekten mit einem Tau eh voo GroB- Realisierung von GroBprojekten offenbar nicht a1lejn durch eine Koordina-
abzugelten, zur be er auf<7emaehte ent le en uod Interessen tion privater Akteure ohne Beteiligung des lokalen Staates m6g1icb, Eine
reduziert wird , o n Propaganda der pnvaten Investoren rein private lnitiierung und Organisation von GroBprojekten, wenn dies
m6g1ich wãre, würde bedeuten daB Minimalstaatsstrategien zur handJungs-
und problementlastenden Verringerung der staatlichen Verantwortung kei-
2. Die HerstelJung koJJektiven Handeln "b G . nen Sinn hatten, wenn er ozusagen auf jeglicbe Intervention zur Realisie-
s u er roBproJekte
Schon bei der Er6rterung de P " rung von GroBprojekten verzichtén k6nnte. Es kann davon au gegangen
Staates konnte nicht OSltIO;en der Investoren und des lokalen werden, daB erst eine spezifische Intervention 6ffentlicher Interessen ein in-
n vestitionsgüDstiges Klima zur Rea1isierung eines GroBprojekts rur private
Zusammenhang und SteUenwert aof ihren strategisehen
stecken Positionen das
lm Kampf um und in Abhiin' . '
;D'
In, strategischen Bedeu-
em sleh dJe Ak:teure gegen eitig
lnvestoren scbafft' insbesonders dient diese Integration dem Abbau von Un-
gewiBbeiten, welche die Investitionen gefábrden konnten. Je unklarer und
haben in diesem von ihnen kontrollieren. Sie niedriger für Untemebmer der erwartbare Gewinn in solcben Projekten ist,
hangs vor allem die Funktion .ten emes Diskurszusamrnen_ desto geringer ist die Chance, daB diese allein au unternehmerischer lnitia-
anderen Akteure abzubauen d u?er das Verhalten der jeweils tive zustande kommen k6nnen.
Akteure über das eigene dle der anderen Wje wir geseben haben werden alle drei Projekte von staatlichen Stel1en
aufreehtzuerhalten. emem strateglseh smnvollen AusmaJ3 mit dem Ziel Ínitiiert dje stádtische Entwieklung zu fOrdern. Mit anderen
Es hat sich bisher herausgestellt daB d' , Worten ist es in erster Linie der Legitimationsdruck der offentlichen Akteu-
in dem sich Offentliche' un strateglsche re in der Situation der po1itischen Handlungsblockierung der zur Stadtent-
rrut dem Ziel koordinieren einen tra': p.nv:te antagomstisch wick.lungspoli.tik über GroBprojekte führt. Erst an zweiter StelJe steht der
Investitionsdroek der privaten Akteure. 9
zustellen, zu erhalten oder sh en her-
keit von historischen 6kono ' en m den drel Stiidten in Abhiingig- Private und 6ffent1iche Ak.teure sind von vomeherein aufeinander ange-
des lokalen und Po1itischen Faktoren wiesen. Weder der Staat noeh der Markt k6nnen als Steuerungssysteme je
ien. Dieser Teil wird sich auf den vari- für sich allein den Anspruch erheben, GroBprojekte realisieren zu k6nnen,
kurse konzentriereo Es wurd b ,P c ar ter dleser vamerenden Dis- Diese stellen von Anfang an eine Mischrechnung der Finanzierungs- und
' ., e erelts erwahnt daB G B . k Investitionsanteile dar, und sie werden in einem politischen Tausch zwischen
suc be mterpretiert werden k6nnen k 11 . ' ro prOJe Fte als Ver-
die BJoc.kierung des lokalen polit' ' h o sektlVes Handeln herzuste11en, um den sy temspezifischen Ressourcen Macht und Geld realisiert. Brst vor
. . ISC en ysterns "b · '
Jekte generieren Interaktionss st . zu u erwmden, GroBpro- diesem Hintergrund okonom.ischer Mischrechnungen und politischerTausch-
teressen oder eben SPielsituatlo eme Ak:teuren mit divergierenden In- zusammenhãnge kon tirutieren GroBprojek:te Spiele die eigenstandige 10-
eine eigene Rationalitat zu lro ihrem .Charak:ter terak:tionssysteme darstellen. Sie verbinden sowobl Elemente de.s Staates wie
den sol1en, ' anniiherungswelSe bestJtnmt wer- des Marktes, enthalten aber eine eigene Rationa1itat, die weder in jener des
Staates noch in jener des Marktes aufgeht.
156
Stadtentwicklungspolitik zwischen Demokratie und Komplexitiit
Minimalstaatsstrategien au! kommunaler Ebene 157
2. J Das Spiel der Wirtschaft
Dieser Text vermittelt aus der Sicht der privaten Planer und Investoren die
Rationalitat lassen sich grundsatzliche Problematik, kollektiv unter Bedingungen der Unsicher-
nager aus Wien ntervlews rrut emem privaten Projektma- heit handeln zu müssen, ohne auf relativ gesicherte Regelsysteme zurück-
greifen zu konnen und zu wollen. Das ist die Ausgangssituation der
A: viele künftige Entwicklungen eine so groBe UngewiBheit Schwierigkeit, GroBprojekte strategisch durchzuspielen und verschiedene
C;' ;000 die Projektierer dieses Projekts ihr Vertrauen?
es.. e orm emer slcheren OrganisationsslnJktur? DaB m . h h' .
Interessen zu integrieren, ohne sich auf Garantien staatlicher Institutionen
abzustützen. Der private Akteur spricht aus der Sicht eines an Erfolg und
mal uber Kommunikation koordiniert uud ' . an SlC ler Effizienz orientierten Managers. So wird die Frage nach dem »Vertrauen«
zueinander schaffr? Wo b'Id r ' b h . em ge wlsses Vertrauen
in die Frage nach »Erfolgsvoraussetzungen« uminterpretiert. Gemeint
Und wer beteiligt ar: Meinung nach?
sind die Erfolgsvoraussetzungen einer die Ineffizienz und Ineffektivitat
B : Das ist eine scbõne und sebr wichtige Fraoe und etwas was au des lokalen Staates vermeidenden Projektorganisation, die sich indessen
Alllagsvokabular sehr an den Rand gedrãn!?t d Al nicht auf die Mechanismen des Marktes allein verlassen kann. Es er-
Eine schwierige scheint als eine Selbstverstandlichkeit, daB mit der Kritik am bürokrati-
sieetwas bombastisch klingt, ist sichermal schen Staat und am loka1en politischen System keine Kritik an einer
, ro esslOn tat. Das Entscheidende bei aU diesen Pro 'ekten w marktformigen Organisationsform verbunden wird. Der Markt steht nicht
lCbb das sOGrevue passieren las e,1st, daS man einfacb zur Debatte. Zur Disk:ussion steht vielmehr der Versuch, die Abhangigkeit
o erstes ebot stel1t uod nicbt taktische üb l '.
Part' I 'ti' b ' " er egungen, selen sle der privaten Untemehmer von politischen Organisationsleistungen in eine
elpo J se e selen Sle Ideolooische seie . ,
und taktische P:etihkular
Strategie der Projektorganisation einzubinden, die gerade nicht auf den
lokalen Staat verzichten kann, aber die dessen lnterventionsreichweite
die Parteien sind ja langst nichl mehr so
sondern es gJbt uberbaupt our noch Partikul . . ' einzuschrãnken versucht. Im Zentrum dieser Strategie steht eine Disk:urs-
für besljmmte Ze' t" d" .annteressen,dJedannjeweils gemeinschaft, die »dieselbe Sprache« spricht. Die damit angesprochene
, 1 raume O er fur best1mmte Projek(e Koalitionen
emge?en, gren.züberschreitend oder innerha1b der eigenen Konolo- Vertrauensbildung über die gemeinsame Definition von Codes zwischen
Aber, Jch glaube erstens einma1 Professionalitat zwe' [
ens
b
, privaten und Offentlichen Akteuren steht allerdings unter dem Vorzeichen
wenn dle Professionalitãt da isr, das Vertrauen daS mao f lh SIC :r. einer Konfliktvenneidungsstrategie durch »Professiona1itat «. Professiona-
, t . P . , m ac sa<T[' Hier
Versuc?en wir dieselbe Sprache zu fmden. wir litat ist hier ein spezifischer Umgang mit der Konfliktivitãt von Interessen.
gememsamen Nenner zu definieren . Geben wir dem Sie soU auf der Ebene von Sachkompetenz Konflikte versachlichen. Die-
an eren Ven;rauensvorschuB, denn nut so geht es, Wenn ich mich ser techni che U mgang mit Konflikten wird zur Bedingung fur das Gelin-
pausen los ruckversJchern muB ob d d
so ' . , a s , was er an dere mirsagr, ta!sãchlich gen der Projektorganisation. In den eotsprechenden Projektgemeinschaf-
gemelOt Ist, dann komme ich vor lauter Enlwicklun
Konlrollsystemen nicht mehr dazu, inhalt1ich w' lili h kr ' ,g von ten kann die Blockierung des loka1en politiscben Systems mittels eines
. h h" . , Ir e eatlvzuselO Und technjschen Umgangs mit Konflikten überwunden werden. Zugleich kann
SlC er ge ort em drittes Elemem dazu Das ist di B ' .". .'
DaS . ç h . . e egeJsterungslãhigkeit in Projektgemeinschaften die Entwicklung »bürokratischer Kontrollsyste-
elOlac wlederum sagt: Ein Proiekt wo man Kr",ctemob'li' .
wo man di . li '" 1 slerr, me« verhindert werden.
wo man . ,SZlP nar: arbeltel, \Vo man schichtenübersehreitend arbeitet.
J tU

Damit werden zwei Elemente einer Minimalstaatsstrategie angesprochen:


. b' d aJle, die guten Willens sind' 0OeWI'sse""""aBen mo b'li
WIrkhch .
k 1 sleren
".LI
em In en kann. Was aber nicht blind machen 011 Und d ' Wahrend aufgrund der hohen Organisationsanforderungen der Interessen-
vJellelcht das vierte Elemenl. Also wirklich, perfekte as ISt koordination in GroBprojekten nicht auf Leistungen des lokalen Staates
verzichtet werden kann, konnen zugleich zwei wichtige N achteile des Staa-
tes aus der Sicht des okonomischen Systems begrenzt werden. Zum einen
159
Minimalstaatsstrategien au! kommunaler Ebene
158 Stadtentwicklungspolitik zwischen Demokratie und Komplexitãt
. I nlo· k der intemen Abstimmung der
entzieht da Element der Konfliktminimierung in Projektgemeinsehaften gik geht Hand in Hand rrut. der gt Defioition von Codes zwischen
betei1igten Akteure durch dle gememsame
GroBprojekte deo zu hohen Legitimationsaoforderungen, denen eine Pro-
jektorganisation durch den lokalen Staat ausgesetzt ist. wenn GroBprojekte n finden sich ausgeprãgt in ansatzwei-
ihr volles Konfliktpotential entfalten. Zuro andern verhindert das Element Solche Z ... h Die ausgewiihlte Intervlewsequenz
der infonnellen Vertrauensbildung die Entwicklung »bürokratischer Kon- se in Florenz und u?,c. die Autonomisierung einer Pro-
troUsysteme« des lokalen Staates. bezieht sieh auf d1e re1ativ weitgehend organisiert
Beide Elemente bilden den zentralen Begrundungszusammenhang fur die ·ektgemeinschaft
j gegenuber ar ··ff
. lr·· me o ne
t
Minimalisierung des loka1en Staates in der Form von Projektgemeinscbaf- ist und so eigene Handlungssple .au dureh·eine »gemeinsame Spraehe«
len oZugleich wird diese Minimalstaatsstrategie a1s Notwendigkeit vorge- Professiona1itiit und .ner Projektgemeinsehaft naeh
stellt. Denn angesichts der politischen Fragmentierung in Partiku1arinteres- finden sich a1s Elemente der und bffentlichtkeit auch in
sen und der Krise des blockierten loka1en politi chen Systeros, õffentliche innen und nach auBen gegenuber Aar 'h ·tt aus dem Interview mit dem
. . an den :ussc m
Interessen noch gla:ubhaft und effektiv entwickeln zu kõnnen, bieten sich Florenz. Ennnem wu uns f S .t 139 Es wurde dort argumentiert, daB der
nur noch Projekte an, die allein temporãre »Koalitionen« und damit kollek- Florentiner Untemehmer au e1 e h· d m Zweck dient sich mit den
.. D· ku des Unteme mers e ' . h
tives Handeln in der Stadtentwicklungspolitik ermõglichen. urban1Stlsehe IS rs .. d. en Über diesen Diskurs wud versue t,
Die Delegierung der Projektorganisation an Projektgemeinschaften õffentliehen Akteuren. zu verstan?d . Verhalten der õffentliehen Akteure
stellt ein kollektives Handeln dar, durch das versucht wird, Konflikte zwi- UngewiBheits?siken m as funktion des urbanistisehen Diskur-
schen den daran beteiligten õffentlichen und privaten Akteuren einzu- nach auBen hin gegenüber den
schrãnken, um so õffentliche Legitimationsanforderungen, die latent in ses für eme . . transparenten Konf1iktarena ab-
olitisehen UnberechenbarkeJten emer m . b zel· gt daS derselbe Dislcurs
groBf1achigen Interventionen in urbane Kontexte enthalten sind, zu redl1- P . . t vident, wenn es Sle ,
zieren. Die strategiscbe Option des »exit« sowohJ der õffentlichen wie der ll!enzt, wlrd mdessen ers e füh · d In der Tat wird an zentralen
privaten Akteure gefáhrdet diese Minimalstaatsstrategie als Konfliktver- :ucb seitens der Stadtplanung ge . W1r und des operativen
Stellen der Analyse der Stadtentw Le ung eben Die Verwendung gemein-
meidungsstrategie. Der strategi ebe Einsatz der Androhung dieser Option . . me Spraehe« gespro .. .
zielt darauf ab, die eigene Machtpositionen in der Tauschsituation zwi- Konzepts eme »gememsa . . erativen Konzepts einer »urbanen
schen den Akteuren zu tãrken. Projektgemeinscbaften sind in dieser Hin- samer Codes wie zum Ut die komrnunikative Grundlage
sicht Sehutzgemeinsehaften gegenüber der nlcht beteiligten Opposition, Transfonnation. durch GroBproje der »Professionalitãt«,
die dureh den Druck der poJitischen Offentliehkeit zugleich offentliche für das koUektlve Handeln dar. f1ikt wischen Interessen zu entsche1-
und private Akteure in Projektgemeinschaften im Sinne negativer Koali- versueht, unterstellten
den findet Sleh ebenfalls m er s g hm Auf dieser Ebene emer
tionen einander nãherrücken laBt. Sie müssen sich nach auBen abgrenzen. .' . S dt . d der Unteme ungen . . .
Es ist jedoch gerade die Funktion der õffentlichen Akteure, die an solCheo onentlerung . ta un li. Gronde jene Koalition ermõghcht werden,
WaehstuIDSonentlerung so IlU . m· )' Partikularinteressen«. a1-
Projektgemeinsehaften beteiligt sind. eine partieUe Kooperation der Oppo- · h F agmentlerung r

sition gegen GroBprojekte zu. gewãhr1eisten, das heiBt GroBprojekte und die angesiehts der poliu.se en . f. h .. ntlichen und privaten Interessen
oppositionelle Kritik zu versõbnen. Diese politische Leistung õffentlicher lein noeh über GroBproJekte o einer Wachstumskoalition er-
bergestellt werden kanu . Die Pro esslon D Rekurs auf die intemationale
Akteure ist vou groBer strategiseher Bedeutung für die privaten Akteure. . . .eler Interessen. e,r . . Z
Sie sind von diesem Beitrag der õffentlichen Akteure umso mehr abhãngig, laubt dle lntegratlon Vl . aisehen Wirtscbaftsraum reduZ1ert dle. u-
umstrittener ein GroBprojekt ist uud je agiler sich die Opposition in der Metropolenkonkurrenz europ . . <Ten einer entsprechenden ProJekt-
Offentliehkeit bewegt. Das ist der strategische Hintergnmd der »Begeiste- Uissigkeit mõglieher professionelle U mgang rnit die-
gemeinschaft als Wachstums o l .
rungsfáhigkeit« als Elernent von Projektgemejnsehaften. Diese AuBenlo-
160 Stadtentwicklungspolitik zwischen Demokratie und Komplexitiit Minimalstaatsstrategien au! kommunaler Ebene 161

ser Gefáhrdung stellt Sachkompetenz in den Vordergrund und macht deren B: AIso normalerweise ist es ja so, daB wenn man etwas erstellt, plant und
Sprache durchsetzungsfãhig. projektiert,jetzt vollig unabhangig von HB-Südwest, daB man schaut, daB
man mal eine eigene Baukorrunission hat in dieser Art vom Bauen her,
Durch die privaten Akteure vermitteln sich intemationale Strukturen der
da spielt Bauherr und der Architekt zusammen, das ist aber wahrscheinlich
kommunalen Ebene. Die »europaische Dimension« von investierenden
nicht, was Sie meinen. Aber man schaut mit Vorteil, daB man den Kontakt
Untemehmungen setzt die sich als Wachstumskoalition konkretisierende mit der Behorde von Anfang an hat, damit man von dort auch informiert
»Professionalitat« solcher Projektgemeinschaften erst ins rechte Licht. Diese wird, zum einen, und zum anderen von dort auch Beurteilungen bekorrunt,
»europaische Dimension«, nicht nur von privaten Akteuren in GroBprojek- ja, wie pal3t jetzt das in die Beurteilungen und Planungen vielleicht auch
ten, sondem dieser GroBprojekte selbst, setzt Projektgemeinschaften unter von der Stadt, wie paBt das rein. Und haufig bei grol3eren Sachen und auch
strategischen Druck. PrivateAkteure zwingen Stadte zur Beteiligung an der bei uns, hat man sich überlegt, wer von der Stadt und vom Kanton auch,
Metropolenkonkurrenz. Der Zwang begríindet sich in der Androhung der ehm, müBte eigentlich angesprochen werden, müBte angesprochen sein,
Exit-Option. Der Hinweis am SchluB der Interviewsequenz in Florenz (Sei- wird einmal etwas beurteilen müssen, wenn man einmal in diese Bau-
te 139) auf die Normalitat des Investierens in kleinere, dezentrale Projekte genehrnigungsphase hinein geht, und dann hat man mal mH diesen
unterstreicht diese Exit-Option, die über die normale, brancheninteme In- verschiedenen Beamten, Chefbeamten, einmal ein Gesprach geführt, ob
vestitionspraxis legitimiert ist. sie bereit waren und interessiert waren, in so einer Baukommission, und
das kann auch ein irreführender Name sein, rnitzumachen.
Die staodige Latenz eines Exits der offentlichen Akteure wird umgekehrt
durch das Bemühen der privaten Akteure belegt, das Verhalten der Stadtre- A: Dann ist das also ein Gremium, daB zwischen offentlichen und privaten
gierung ansatzweise zu kontrollieren, indem versucht wird, einen verpflich- Entscheiden über Experten verrnittelt.
tenden Konsens im urbanistischen Diskurs zu erzielen und aufrecht zu er- B: Kann man sagen, ja.
halten. Dieser verpflichtende Charakter einer »gemeinsamen Sprache« und
das Projektgemeinschaften nach innen und au Ben stabilisierende »profes- A: Gut, gibt's denn auch eine politische Koordination zwischen privaten und
sionelle« Konfliktmanagement sind im Beispiel von Zürich als Kontrastfall offentlichen Entscheidungstragern?
nicht vorhanden. Hier kommt keine effektive und legitimations-absichem- B: Ja, wer ist unser Ansprechpartner, nein, es gibt nichts Organisiertes, das
de Projektgemeinschaft zwischen offentlichen und privatenAkteuren zustan- da regelmaBig zusammentreten würde. Wir haben selbstverstandlich
de. Die Promotoren des GroBprojekts werden dadurch schlieBlich gezwun- Kontakt mit den Bauii.mtern, das ergibt sich aus dem konkreten Problem,
gen, sich der zerstrittenen stadtischen Offentlíchkeit in zwei direktdemokra- den konkreten Fragestellungen heraus; dann stellt man dort Fragen, wo
einfach die entscheidenden Behorden sind. Jetzt hat man das im Laufe
tischen Abstimmungen zu stellen und aus eigener lnitiative legitimations-
der fünf Jahre, in denen ich dabei bin, glaub ich, zweimal, dreimal, eine
erhohende Leistungen zu erbringen. Diese Leistungen bestehen konkret in
Stadtratsprasentation abhalten konnen, wo jeweils der dannzumalige Stand
der Integration von Wohnungen in einen Teil des GroBprojektes, die von vom Projekt im Stadtrat prasentiert wurde, also im gesamten Stadtrat. Und
Wohnbaugenossenschaften erstellt werden sollen. lO sonst lauft halt diese politische Maschinerie so ab, wie sie ablaufen muB,
Die folgende Sequenz aus einem Interview mit einem Wirtschaftsvertre- also diese Volksabstimmungen sind auch so gelaufen, zuerst in Stadtrat,
ter in Zürich zeigt die Beschraokung der Interaktion zwischen offentlichen dann in den Gemeinderat, dann vors Volk.
und privaten Akteuren auf gesetzlich vorgeschriebene punktuelle Kontakte.
Dieser Interviewausschnitt kann als Ausdruck des Scheitems einer Projekt-
Hier ziehen sich die Akteure auf Positionen legaler Autoritat zuríick:
gemeinschaft interpretiert werden, durch einen punktuellen Informations-
A: Konnen Sie vielleicht noch kurz schildern, was die Funktion der austausch in hinblick auf die Erhaltung der Baubewilligung hinaus, die
Baukommision ist? Welche Funktion hat diese Baukorrunission im ganzen weitergehende Zielsetzung der Steigerung gemeinsamer Handlungsmoglich-
Planungsablauf. keiten zu realísíeren. Dennoch sind auch in dieser Sequenz Ansatze zu einer
Minimalstaatsstrategien au! kommunaler Ebene 163
162 Stadtentwicklungspolitik zwischen Demokratie und Komplexitiit

Interak:tion zwischen privaten Investoren und offentlichen Akteuren, sowie stãrkt die Verhandlungsposition des offentlichen Akteurs. kann
die politische Absicht der Verrneidung offentlicher Legitimation herauszu- so eine Verrnitt1ungsposition zwischen privaten Perspektiven und Offent-
lesen. Ansatzweise ist auch hier die Moglichkeit gegeben, mittels einer Pro- lichkeit einnehmen und sich strategisch in beide Richtungen autonomisie-
jektgemeinschaft das Verha1ten der Verwa1tung durch deren Einbezug in eine ren mit dem Ziel, die privaten Investoren zu zwingen, in ihre Projekte mehr
eigene »Baukommission« zu kontrollieren und im Gegenzug »Beurteilun- Planüberlegungen miteinzubeziehen. GroBprojekte bleiben indessen in der
gen und Planungen« der offentlichen Akteure in das Projekt zu integrieren. Praxis technokratische Interventionen, die, wie dargestellt wurde, keine
Auf der Ebene von Kontak:ten mit der Verwa1tung hatte eine »gemeinsame grundsatzlichen Probleme der Plananalyse losen konnen. Handlungsspiel-
Sprache« zur Erhaltung der Baubewilligung entwickelt werden konnen. Die raume der Planung werden nur im Rahmen dieser technokratischen Gren-
Koordination mit der Stadtregierung gelang aber nicht. Stattdessen wurde zen des Gr08projekts soweit geoffnet, daS es moglich wird, Zusammenhan-
die »politische Maschinerie« der offentlichen Legitimation in Gang gesetzt. ge zwischen Plan und Projekt zu konstruieren.
Das Verha1ten der Stadtregierung und der den Bau bewilligenden Behõrde, Die Konstruktion so1cher Zusarnmenhange zur Legitirnation »technischer
der Bausektion, blieb für die privaten Akteure ungewiB. Der »Vorteil« eines MaSnahmen«, die dann dem Projekt angehangt werden konnen, erfolgt, wie
»Kontak:ts mit der Behorde« konnte nicht eingelOst werden. Das Scheitem das folgende Zitat aus einem Interview mit einem Regierungsvertreter in
der Realisierung einer Projektgemeinschaft führt in Zürich zu heftigen Wien zeigt, über die Auslagerung projektspezifischer Vorbereitungen aus der
politischenAuseinandersetzungen in der zerstrittenen stadtischen Offentlich- Verwaltung:
keit, die in direktdemokratischen Entscheidungen das von den privaten B: lch habe nichts davon, daS die Verwaltung alles selber macht. Ich glaube,
Investoren geplante Projekt nur mit abnehmender und schlieBlich sehr man kann diesen ldeenreichtum und dieses Spezialistentum in der
knapper Mehrheit billigt. Verwaltung selbst integrieren. Ich sehe die Verwaltung als
Koordinationsstelle an, als sozusagen clearing-Stelle, als Schlüsselstelle.
2.2 Das Spiel der offentlichen Akteure Und wir lagem nur insofem aus, daB, sozusagen die Vorbereitungen, die
Ideen sollen Leute liefern, die mit internationaler Erfahrung und alles
Je nach Stãrke ihrer Position gegenüber den privaten Akteuren entsprechen
Mõgliche und võllig ungehemmt von bürokratischen Restriktionen sind.
in den drei Stadten der Minimalstaatsstrategie von Projektgemeinschaften, Wenn es die Verwa1tung macht, dann sagt: Naja, das gefãllt dem nicht,
neben Staat und Markt, verschiedene Handlungsmoglichkeiten der offent- und da muB man das beTÜcksichtigen. Ich mõchte das nicht in der ersten
lichen Akteure. Die relativ weit vorangetriebeneAusdifferenzierung und star- Stufe haben. Das ist dann Aufgabe der Verwaltung zu sagen: O.K., hier
ke politische Kontrolle der Projektgemeinschaft in Wien wird von seiten der die Idee. Jetzt setzen wir uns darüber und schauen, was ist realisierbar.
offentlichen Akteure vom Versuch begleitet, mit dem Konzept einer »fort- Wenn ich die von vorneherein drinn habe, wird so viel an ldeen
zuschreibenden Planung« eine Orientierung für die Planung der GroBprojekte ausgeschaltet zu einem Zeitpunkt, wo das nicht notwendig ist, wãhrend
zu schaffen. Mittels einer Autonomisierung der eigenen Position gegenüber vielleicht mit leichten Verãnderungen das noch eine gute ldee ist. Und
Projekt und Plan wird versucht, einen Verhandlungszwang für die Wirtschaft wir werden jetzt zwei neue Leute aufnehmen für die Expo, aber wirklich
herzustellen. Diesem Ziel dienen inszenierte Bürgerbeteiligungsverfahren, so, daB dann, wenn das nicht mehr notwendig ist, dann in die norma1e
die nicht nur der spezifische Beitrag der offentlichen Akteure für Projekt- Verwaltung übergehen und irgendwe1che Leute, die pensioniert sind,
ablõsen. Ich halte nicht viel davon, jetzt einen Überapparat zu schaffen,
gemeinschaften darstellen, welche durch diese kontrollierte offentliche Kritik
sondem es gilt eher eine kleine Kerngruppe zu schaffen, die die Bewertung
vor weitergehenden LegitimationsanspfÜchen der Offentlichkeit geschützt übernimmt, die die Koordination übernimmt. Aber einen stãndigen
werden konnen, sondem die auch den strategischen Sinn haben, den Bürger Apparat zu schaffen, wo man dann wieder nicht weiB, was darnit .zu tun
als dritten Akteur in die Interak:tion zwischen Planung und privaten Projek- ist, ich halte nicht viel davon. Wozu gibt es viele freischaffendeArchitekten
ten einzubinden. Der dadurch hergestellte politisch kontrollierte Verantwor- und sonstige Leute, die ihre ldeen haben? Die sollen sie einbringen.
tungszwang für die privaten Planer und Investoren dem Bürger gegenüber
164 Stadtentwicklungspolitik zwischen Demokratie und Komplexitat Minimalstaatsstrategien au! kommunaler Ebene 165

Der allgemeine Begründungszusammenhang für diese Auslagerung von teure, wie das folgende Zitat aus einem Interview mit einem Mitglied des
Funktionen, welche die Minimalstaatsstrategie in Form von Projektgemein- Zürcher Stadtrates belegt:
schaften begleitet, ist eine Kritik, welche die Verwaltungsorganisation als A: Vertreten Sie selbst ein Konzept für Stadtentwicklungspolitik?
handlungsunfáhigen Machtapparat denunziert. Dabei bleibt das Herrschafts-
wissen über das »Labyrinth von Machtverhiiltnissen« bei der Verwaltung. B: Nein, neh. Das gibt's nicht. Das ist dumm, oder? Ich vertrete ein ganz
anderes Konzept. Ich vertrete das Konzept von der intelligenten Interven-
Die Verwaltung erhaIt sich so starke Kontrollfunktionen bei der Auslage-
tion, oder? Für mich sind das keine quantitativen Fragen, sondem qua-
rung von Aufgaben.
litative oder. Also meine ersten Anliegen sind qualitativer Art und ob es
Der relati v labilen und krisenanfalligen Ausdifferenzierung einer Projekt- ein mehr oder weniger gibt, ist für mich zweitrangig. Wichtig ist
gemeinschaft in Florenz entspricht eine, im Vergleich zu Wien, schwachere die Erhõhung der Qualitãt, vor allem die kulturelle Qualitãt. Und das ist
Position der õffentlichen Akteure. Indem es den õffentlichen Akteuren hier eben abhanden gekommen in den sechziger und siebziger Jahren, das
nicht gelingt, eine Differenz zwischen Plan und Projekt festzuhalten, ent- BewuBtsein, daB Bauen ei ne hochkulturelle Angelegenheit ist. Ich sag es
faIlt auch die Option der Planer, wie sie in Wien anzutreffen ist, zwischen Ihnen, es sindApparate, die bauen, es sind G.U. [Generaluntemehmungen,
diesen beiden Logiken eine autonome Position einzunehmen. Stattdessen Anm. s.e.], die bauen, sei es die SBB, die SBG, die, die im Moment ver-
wird von vornherein eine solche Differenz eingeebnet. Gro8projekte priva- antwortlich sin d für den Bau. Die verkaufen im nachsten Jahr Bananen
ter Investoren werden als inhiirente Bestandteile des Plans ausgezeichnet. oder spekulieren mit Gold. Es istja gar kein,ja gut, es ist auch ein MiBver-
Der Diskurs der privaten und õffentlichen Akteure ist identisch. Planung stãndnis von der Stadt, es ist einfach so.
legitimiert Projekte privater Investoren nicht in einem Proze8 zur Entwick- A: Würden Sie denn die zentralen Interessenkonflikte, die es gibt, nicht nur
lung einer »gemeinsamen Sprache«, sondern die zwei Diskurse werden beim HB-Südwest, sondem auch bei der Bau- und Zonenordnung als
ineinander geschachtelt. Der urbanistische Diskurs ist vorstrukturiert durch Konflikt Qualitãt versus Quantitãt ordnen?
den Projektdiskurs, gibt diese Vorstrukturierung indessen nicht explizit zu B: Ja, erstens einmal, reine Quantitãt gegen reine Qualitãt. Das andere ist
und verzichtet darnit auf die Mõglichkeit, differenzbedingte Verhandlungs- Entmíschung von Funktionen, auch Segregation kann sagen
positionen als SOlche auszuweisen. Die Handlungsspielraume, die in Wien neuer Integration. lch pUid:iere immer fúrs neue Integneren verschlede-
durch die Konstruktion von Zusammenhangen zwischen Projekt und Plan nerFunktionen oder. Und, also das an dere i teme reine Frage des Mehr-
geõffnet werden, sind so relativ stark eingeschrankt. Die Stadtplanung werts. Wenn Sie die Dienstleistung in die Industriezone umzonen, haben
übernimmt nur die Funktion, einen historisch geerbten Diskurszusammen- Sie massive Mehrwertsteigerung, aber jegliches planerische Instrument
hang weiterzuführen und ibn zu legitimieren. Diese Schwache einer eige- aus der Hand gegeben, qualitative Neuentwicklungen mac?en zu
nen Autonomie weist auf die groBe Abhiingigkeit der õffentlichen Akteure Verstehen Sie, wenn Sie einem Grundeigentümer oder emem
von GroBprojekten privater Investoren hin. Die Stadtregierung beschrank:t aentümerkonsortium in eínem Gebiet ein Riesengebiet, alles, was SJe
machen kõnnten , bereits gratis geben und alles erlauben
sich darauf, über private GroBprojekte eine minimale kollektive Handlungs-
die grõBten Ausnutzungen , alles, dann Sie Stadt jeden
fáhigkeit herzustellen. Im urbanistischen Diskurs wird insofern die problem-
EinfluB auf Gesta1tung, auf die stãdtischen Bedürfm se•.dle
lõsende Funktion von GroBprojekten fur die Stadtentwicklung überzeich- werden müssen, verloren, dann ist nichts mehr, dann slOd SJe ausgeb.e-
net (vgl. dazu auch den Stadtplanungsassessor Bassi, 1990 und 1988 sowie fert. Sie haben keine Mõglichkeit, EinfluB zu nehmen auf Verkehr,
seinen Vorganger Conti, 1988). Dabei bleiben GroBprojekte technokratische Verkehrsaufkommen, Energieaufkommen. Luftreinhaltung, AbfallbeWI:t-
Interventionen, die im Grunde nicht Probleme lõsen, sondern neue Reali- schaftung. Das ist dann alles eine Folge von dem, was Sie dort produzle-
taten schaffen. ren kOnnen. Die Stadt muB hinterherrennen und wieder Ordnung machen
Dem weitgehenden Fehlen einer gelingenden Projektgemeinschaft in Zü- und Sie haben überhaupt keine Mõglichkeit, Grundeigentümer, einzube-
rich entspricht die ausgesprochen schwache Position der õffentlichen Ak- ziehen in ein Gesamtkonzept, ist einfach verloren, das ist auch noch dumm,
166 167
Stadtentwicklungspolitik zwischen Demokratie und Komplexitiit Minimalstaatsstrategien au! kommunaler Ebene

[lacht], von der Kommune her gedacht, oder, istja das eine AIso manchmal bin ieh verschreckt über das Nichtwissen von diesen
unglaubhche Schwãche. Wirtschaftseliten. Nicht boser Wille! Das ist nicht, weil sie nicht wollen,
sondern einfach über die Strukturen der Politik, über das, was machbar
A: Sie ein Konzept vertreten konnen, das relativ niedrige ist, über die Spielregeln. Keine Ahnung über die Auswirkungen von
Ausnutzungszlffern beispielsweise zulãBt und ...
Entseheiden in einem anderen Ort gar nicht erwarten. 163 Mil1ionen
B: r:ichtig, veroünftige, daS man heute machen kann Franken geben wir jetzt aus für einen vierten Verbrennungsofen, 163
ln Stadt, Sle zuro Beispiel, von Oerlikon reden, reine Millionen, weil immer mehr hier verbrennt und entsorgt werden muB, das
lndustnezone
vi h d em biBchen
. DiensUeistungen
- , und da s'10 d , mu" B' geht über Steuergelder. leh weiB nieht, wie's früher war, heute ist es einfach
er an von DUT aus gesehen, müBte man dort die Hãlfte abzonen brutaler.
uDd dann ill Verhandlungen, zum Beispiel zugunsten stãdtebaulich
lin er A: Sie haben gesagt, daB die pri vaten Grundeigentümer einfaeh für sich
Qua a zugunsten von Wohnungen, die auch mü8ten drein, aber, planen und sich nicht rnit der Stadt koordinieren.
zugunsten Infrastrukturen fur den õffentlichen Verkehr zumBeispiel
Schulen Kindergãrten, Horte, diees dann brauchl, Grünanlagen wieder B: Früher, jetzt ist es besser. Wenn sie nicht frühzeitig in Dialog treten, das
geben, also eine Art im Geben und Nehmen, anstatt daS Sie den ganzeo wissen sie jetzt, bekommen sie einfach eine Ablehnung und und da haben
Mehrwert denen scbenken, ohne Gegenleistung; das iSl planerisch und sie wahnsinnige Verluste und Verzogerungen. Es hat sich ein biBchen
dann tUl man das miteinander aushandeln, zugunsten von Qualitãt, gebessert und vor al1em auch darom weil wir einfach nicbt mehr zu allem
zugunsten von neuer Zusammenfübrung von Funktionen entgegen ja und Amen sagen. Früher hat man das so gemachl. Wenn jemand
Monokulturen etcetera etcetera, na ja. eingefahren ist, derein bi8chen ei nen Namen hat, dann hatman sich gleich
geduckt und die Poüúker baben das Mãnnchen gemachL Das gehl niehl.
An einer anderen Stel1e im Interview wird weiter ausgeführt:
A: Wie ist denn das? Zwingen Sie quasi die GroBinvestoren, daS sie sich mehr
A: Man hort und da die Tbese, daS sich die Zürcher WITtsehaft nicht um Know How, anschaffen, aJso daB sie investieren, damit sie überhaupt einen
Stadtentwlcklung kümmert. Auf der anderen Seite aibt's immer mehr Ansprechpartner haben. Hat dort eine Kompetenzsteigerung in der
von Beeinftussungsmõgliehkeiten auBe;haJb der etablierten
Wirtschaft stattgefunden?
ge:vah1ten lst das eine neuere Situation in Zürieh, daB die
Wrrtschaft elOfach macht, was sie wi1l oder war das immer so? B: Ja, ieh habe das Gefühl. Also zum Beispiel in diesen Verhandlungen mit
der ABB in Oerlikon. Also ieh bin amAnfang echt erschrocken, wie wenig
B: Das weiB ich gar njcht, weil ieh früher nicht in der kommunaJen Politik die Generaluntemehmer überhaupt verstehen von dem, was sie eigent1ich
war..leh an , es war immer ein biBchen so, daB die Wirtschaft sich wollen. [lacht] Sie haben einfaeh Reehnungen im Kopf und denken, sie
um Ihre gekümmert hat, an sich nur wollte in Ruhe gelassen brauchen das Land, um es besser zu verwerten. Aber mit der Zeit eignen
werden, hberalen Staatseredo; aber sie kürtuílerl sich sehr wohl um sie sich über die Diskussion das Know How auch an. Oder. lch hab das
lch würde die These bestreiten, daS sie sich niebt Gefühl, es hat sich ein biBchen al1gemein gebessert. Hoffentlich geht's
kürrunert. Dle kümmert sich sehr wobJ und zwar dort, wo sie ihrelnteressen
wi11, da treten sie ganz massiv auf, ganz massiy tun weiter so.
sle au.eh unter Druck setzen. Sie intervenieren, wenn es darum Ein urbanistischer Diskurs der õffentlichen Akteure ist erst ansatzweise im
geht, lhre urelgenen Und sonst, um die übrigen Entstehen. Indessen werden autonome Positionen gesucht, die als Verhand-
Belange der Stadt kümmem sle slch leJder niehl. Was sie nieht sehen ist lungszwange erst in einer nachsten Phase in mõglichen Projektgeroeinscbaf-
ll
das Denken. Wenn man ihnen jetzl imm.er nachaeben wü; de ten gegenüber den privaten Investoren umgesetzt werden kõnnten. Dazu
was das fur die Kommune, für die Allgemeinheil? Si: haben ist bisher die Distanz zwischen õffentlichen und privaten Akteuren auf der
Interessen. Sie haben ihre spezi:fisehen privaten Wtrtsehafts- sachlichen Ebene des stadtentwicklungspolitischen Wissens noch zu groB.
lOteressen. Die sind nicht kongruent mit den kommunalen Interessen Eigentliche Lem- und Verhandlungszwange kõnnen erst auf der Grundlage
zurnindesl nicht in jedem FalI. Aber es fehlt ihnen auch an know how:
Minimalstaatsstrategien au! kommunaler Ebene 169
168 Stadtentwicklungspolitik zwischen Demokratie und Komplexitiit

einer starkeren Position fonna1er legaler Autoritat der õffentliehen Akteure Wachstumsorientierung und funktionale Stadt dIÜcken sich in GroBprojek-
bei den privaten Investoren bewirkt werden. N och vor der Konstituierung ten in der Bedingung aus, daB auBergewõhnlich groBe Investitionen getatigt
von Projektgemeinsehaften müssen hier bessere gesetzliehe Ausgangsposi- werden müssen. Investitionen, die, um rentabel zu sein, ein grõBeres Ter-
tionen gesehaffen werden. Von daher erklãren sieh die zentralen stadt- ritorium als die Stadt anvisieren und die von rein lokal orientierten Wirt-
entwieklungspolitisehen Konflikte, die von den õffentliehenAkteuren in Zü- schaftsakteuren oder vom loka1en Staat a11ein aus finanziellen GIÜnden nicht
rieh vennehrt auch auf die Revision der Bau- und Zonenordnung verlagert getatigt werden kõnnen. Die õkonomisch bedingte Hõhe soleher Investitio-
werden, wo die neuen gesetzlichen Grundlagen für stãrkere Maeht- und Ver- nen im funktionalen Stadtbezug der intemationalen Metropolenkonkurrenz
handlungspositionen in den Auseinandersetzungen um pri vate GroBprojek- mobilisiert GroBinvestoren, welche die entsprechenden Verlustrisiken tra-
te gelegt werden sollen. Die Minimalstaatsstrategie steht hier vor der Be- gen kõnnen. Der Investitionsdruck auf diese GroBinvestoren begünstigt GroB-
dingung, die >>unglaubliehe Sehwaehe« der õffentlichen Akteure zu über- projekte, weil sich in ihnen die verschiedenen sektoralen Interessen aufad-
winden. Minimalstaatsstrategien erweisen sich damit erst dann als wirksam, dieren lassen. Dieses Aufaddieren von Nutzungsinteressen wird durch die
wenn der loka1e Staat Verhandlungsfáhigkeit, die gesetzlich abgesiehert sein
muB, herstellen kann. An einer solehen Verhandlungsfáhigkeit sind aueh die Tabelle 14: Interessen, Strategien und handlungslegitimierende
privaten Investoren im Grunde insofem strategisch interessiert, als erst auf Positionen der Akteure der Projektgemeinschaft
der Grundlage einer Verhandlungsfãhigkeit des lokalen Staates solehe Pro-
jektgemeinschaften die für die privaten Investoren interessante Funktion
eines »professionellen« Konfliktmanagements übemehmen kõnnen. Erst
Interessen Privater Investor Lokaler Staat
dann kõnnen die Verfahren der »politisehen Maschinerie« eingeschrãnkt oder
vermieden werden. Verhandlungsfãhigkeit bedeutet in dieser Hinsicht, daS und Strategien
die õffeDttichen Akteure ihren für die privaten Akteure wertvollen Beitrag
zu leisten imstande sind, der darin besteht, GroBprojekte und oppositionelle Interesse an
Interesse Investitionsinteresse Projektfâhigkeit
Kritik zu vermitteln und Projektgemeinschaften vor zu bohen Legitimati-
onsanforderungen der stiidtischen Offentlichkeit zu schützen.
Kontrolle der Minimalisierung
2.3 Die Spiele in Grofiprojekten
Ungewillheit des Staates über
GroBprojekte, dies kann an dieser Stelle festgehalten werden, bewegen sich Strategie über Beteiligung Verlagerung zur
in der traditionellen Logik des quantitativen Stadtewachstums, auch wenn des Staates Wirtschaft
die qualitative Tertiarisierung anvisiert is1. Sie generieren Wachstumskoa/i-
tionen (Tabelle 14 faSt die Interessen, Strategien und handlungslegitimie- GroBprojekte als GroBprojekte als
Florenz Lõsung urbanistischer Chance für die Stadt
renden Positionen der Akteure der Projektgemeinsehaft zusammen). Erst eine
Probleme (Sachzwang)
a11en Akteuren gemeinsame Wachstumsorientierung erzeugt die Motivati-
on, welehe die verschiedenen Interessen verhandlungsfãhig und verhand- Handlungs- GroBprojekte als GroBprojekt als
lungsbereit macht. Diese Wachstumsorientierung sprengt die traditionellen legitirnierende Wien Beitrag zur Ost-West- Tragerrakete
Grenzen der Stadt als politisehe Gemeinde. GroBprojekte erfüllen Funktio- Position Problematik
nen in der weitergehenden »eigentlichen« Stadt. GroBprojekte als GroBprojekte als
Zürich Normalitat der identitatsstiftende
entgrenzten Stadt Interventionen
170 Stadtentwicklungspolitik zwischen Demokratie und Komplexitat Minimalstaatsstrategien au! kommunaler Ebene 171

Dominanz einer Rationalitat des Tausches zwischen den Akteuren erm6g- Menschen verwundern kann, das diese Wohnungen natürlich enorm teuer
licht. Umgekehrt f6rdert Stadtentwicklungspolitik als Verteilungspolitik mit werden, daB sie nicht gehen kõnnen, preislich, über den Geleisedachem. Dann
ihrem zentralen Prinzip des Interessenaustausches GroBprojekte, weil die sagt man, also dann müssen wir noch ei nen Zacken zulegen und dann hat sich
Aufaddierung von Interessen und entsprechenden Nutzungen Konflikte das standig wie eine Spirale hinaufgeschaukelt, ist volumenmaBig und so weiter
zwischen den Interessen minimieren. immer mehr geworden.
Die Investitionen in GroBprojekten übersteigen jedoch auch die gangige Dabei ste11t sich die Frage, ob die Interventionen der 6ffentlichen Akteure
Investitionspraxis von GroBinvestoren (wie imAuschnitt aus dem Interview noch einem offentlichen Interesse entsprechen. Vielmehr ist anzunehmen,
mit dem Florentiner Investor auf Seite 139 ausgeführt wird). Der Untemeh- daB die Dominanz der Tauschlogik in wachstumsorientierten Projektgemein-
mer muB sich desha1b über eine entsprechend angemessene Wachstumsori- schaften 6ffentliche Interessen den tauschf6rmigen, privaten Interessen
entierung der Stadtentwicklungspolitik absichem. So kommen die Investi- strukture11 anniihert. 12 Das zeigt sich einerseits daran, daB GroBprojekte nur
tionen erst über eine Beteiligung des lokalen Staates zustande, der minima- einen technischen Umgang mit der Stadtplanung favorisieren, aber keine
le Garantien für die Profitabilitat von GroBprojekten zusichem muB. Diese grundsatzlichen Probleme der Stadtentwicklung lOsen k6nnen. Es auBert sich
minimale oder liberale Intervention des lokalen Staates sol1 die Rahmen- zudem in einer generellen Krise der 6ffentlichen Interessen in den blockier-
bedingungen eines günstigen Investitionsklimas schaffen. ten politischen Systemen der drei Stadte, was ein Wirtschaftsvertreter in
Doch führt die Intervention auch dazu, daB im AustauschprozeB von Zürich in einer Interviewste11e hervorhebt:
Sicherheiten gegen Investitionen zur Risikoverminderung vom privaten
Investor erwartet wird, legitimationsstiftende MaBnahmen, wie den Ausbau B: Also, die gesetzliche Rahmenordnung führt natürlich schon zu Mehrheiten
der Verkehrsinfrastrukturen, den Einbezug von Wohnanteilen oder die Schaf- im Parlament oder in der Exekutive, denn es muB ja mal entschieden
werden und auch eine Stimme mehr ist eine Mehrheit, aber ein biBchen
fung von Kulturzentren im Projekt zu berücksichtigen. Diese Zusatz-
bedenklich kann einen stimmen, die Zürich Zeitung hat nach der
investitionen führen zu veranderten Rentabilitatsrechnungen und, wie in Abstimmung einen Artikel publiziert mit dem Titel, wer schützt die
Zürich und Florenz zu beobachten war, zu Wachstumsspira1en in der Pro- Mehrheit, also daB die Mehrheiten zwar entstehen, aber die Durchsetzung
jektplanung, die sich in erh6htem Bauvolumen oder erh6hten Ausnutzungs- des Mehrheitsentscheides, die Akzeptanz, um das schõne Wort auch einmal
ziffem manifestieren. Die Integration des Staates in diese Projekte kann zu gebrauchen, dieAkzeptanz von diesen Mehrheitsentscheiden, die wird
ihrerseits Projektvergr6Berungen der Untemehmer zur Folge haben, welche immer wieder infrage gestellt, und das auBert sich meiner Meinung auch
die Rentabilitat wiederherste11en müssen. In der Dominanz dieser Tauschlo- zum Beispiel darin, daB wir Rechtsnormen setzen, die mit Mühe durch-
gik sind GroBprojekte eine Funktion der Kosten-Nutzen-Verteilung zwischen setzbar sind, was zum Teil an den Behorden liegen mag, zum Teil aber
6ffentlichen und privaten Akteuren, wie ein Beamter in Zürich kritisch auch am Bürger, der die Tatsachen zwar kennt, aber sich nicht entsprechend
beschreibt: verhalt. Das ist vielleicht etwas Ãhnliches, wie ich vorher gesagt habe,
daB das Verhalten des Bürgers eben, auch wenn der Entscheid schon
Man hat ein Projekt, das maBstablich noch tragbar ist. Dann beginnt man zu gefallen ist, sehr wesentlich ist, auch um nachher diesen Entscheid noch
rechnen. Dann sagt man, ja, das ist ja wahnsinnig, das kostet viel zuviel. Bis zu tragen.
wir die Tragkonstruktion, die wir brauchen, amortisiert haben, da muB man
noch eimal. Dann geht man hin und plant noch eine Runde drauf. Dann kostet An einer spateren Ste11e fiihrt er fort:
das Zusatzvolumen, das ist auch nicht gratis, weil es wiederum unter relativ B: Ja, also ich komme nicht um den Eindruck herum, daB die BevOlkerung
schwierigen Bedingungen gebaut werden muB. Dann sagt man, die Rechnung in dieser Stadt sich gar nicht mit Stadtentwicklungsfragen auseinander-
stimmt immer noch nicht. Und es wird auch politisch schwierig, also müssen setzt. !eh vermute, wenn ich da den Lõwenplatz runter gehe und jemanden
wir auch noch Wohnungen haben, damit es dann der Gemeinderat friBt, machen frage, was gefallt ihnen, was nicht in dieser Stadt, sagen sie mir die drei
wir lieber auch noch Wohnungen. Dann stellt sich heraus, was auch keinen groBten Probleme in dieser Stadt. Dann kommt ganz sicher Verkehr heraus,
172 Stadtentwicklungspolitik zwischen Demokratie und Komplexitii.t Minimalstaatsstrategien au! kommunaler Ebene 173

und vielleicht noch Drogen, und Visionen, wie das weitergehen so11, jetzt Lebenswelten vor dem okonomischen »VerodungsprozeB der Stadt« in den
zum Beispiel über die Wirtschaftskraft, die Auswirkung von Zürich auf Mittelpunkt stellt, zeigt sich eine Spielstrategie der Opposition. Diese Stra-
Solothurn, da bin ich überzeugt, für die Mehrheit da in der Stadt ist das tegie besteht zum einen darin, sich an der Herstellung der
kein Thema, nie damit befaBt. Und wenn diese Polarisierung halt gleich higkeit der offentlichen Akteure politisch zu beteiligen, zum anderen slch
eine Tatsache ist, dan n sind es unter Umstanden relativ kleine aber nicht in das »professionelle« Konfliktmanagement von Projektge-
Gruppierungen, die übers Parlament, die in der Lage sind, das auf dieser meinschaften einzulassen, wenn deren Dominanz einer Tauschlogik zwi-
Ebene, weil sie ja darin sind, in die politischen Institutionen zu einem schen offentlichen und privaten Akteuren den von der Opposition interpre-
Thema zu machen, aber der Bürger.
tierten Schutz urbaner Lebenswelten nur kompensatorisch und am Rande
In der Analyse der privaten Projektmanager gibt es nur noch Partikularin- in private GroBprojekte integrieren kann. Private GroBprojekte bleiben für
teressen und »relativ kleine Gruppierungen«, die sich durchsetzen konnen. die Opposition technokratische 1nterventionen die gerade nieht der Ratio-
Diese Analyse der Krise der Reprãsentanz glaubt nicht mehr an die Mog- nalitãt urbaner Lebenswelten entsprechen, soodem funktionale Systembe-
lichkeit der Bildung offentlicher Interessen. Zentrales Element dieser Ana- züge des Legitimationsdrucks deroffentlichen Akteure und des Investi-
lyse ist die InfragesteUung der Bürgerkompetenz. tionsdrucks sektoraler okonomischer Interessen der privaten Akteure koor-
Das deutet darauf hin, daS in der Analyse der Investoren zur Krise des dinieren. Private GroBprojekte werden deshalb von der Opposition in der
offentlichen Interesses, die Beteiligung des Staates in Projektgemeinschaf- Offentlichkeit als technokratische Interventionen so lange abgelehnt, wie
ten nicht als Integrationsversuch offentlicher Interessen gewertet wird. Aus deren Stadtbegriff des »funktionalen Zentrums« sich antagonistiseh zu ei-
ihrer Sicht verfolgt der lokale Staat in erster Linie okonomische Interessen. nem Stadtbegriff von urbaner Lebenswelt verhãlt. Wenn die Projektge-
Erst in zweiter Linie stellt die Integration offentlicher Akteure eine Strate- meinschaften dieser urbanen LebensweIt nur kompensatorisch über For-
gie der instrumentellen Legitimationsbeschaffung dar. Dadurch wird die Re- men einer inszenierten, an GroBprojekte angehãngten Urbanitãt gerecht
priisentation offentlicher Interessen durch offentliche Akteure zur ideolo- werden, erhõht sich der Widerstand gegen das Projekt. Dem groBten Man-
gisch verwertbaren Fiktion. gel der Ergebnisse von Aushandlungen in solchen Projektgemeinschaften,
Auf diese Krise des Offentlichen Interesses reagieren neue Akteure. der darin besteht, daS die poIitischen Anliegen urbaner Lebenswelten den
Deren Opposition signalisiert die systematischen Grenzen von Projektge- Wirtschaftsinteressen untergeordnet werden, wird die Forderung nach ei-
meinschaften und deren Prinzip der Dominanz einer Tauschlogik, wenn ner günstigeren Tauschsituation entgegengestellt, die Offentliche Interes-
Stadtentwicklung allein als Verteilungspolitik betrieben wird. Neue Akteu- sen den privaten überordnet. Bei der Rede der Opposition, die den Ver-
re thematisieren die Okologisierung der Stadtentwicklungspolitik. Die Ent- õdungsprozeB der Stadt durch Offentlich.keit kontrollieren will, ist indes-
wicklung der Stadt reprãsentiert vermehrt die Problematik der Risikogesell- sen die Defensive urbaner Lebenswelten in Rechnung zu stellen, deren
schaft. GroBprojekte gewinnen einen Symbolcharakter für die Negation Fiihigkeit, Offentliche Interessen zu formulieren, im günstigen FalI einen
dieser Problematik in der Logik von Projektgemeinschaften. Die Stadt als entspreehenden ProzeB in Gang setzen kann. Andemfalls werden neokon-
Ort der Transformation der Gesellschaft zur RisikogeseUschaft bündelt in servative Positionen recht behalten, die, vor dem Hintergrund des Zerfalls
der Opposition gegen GroBprojekte die Konfliktvielfalt dieser Transforma- stãdtischer Offentlichkeit, der Opposition eine solche Fãhigkeit nicht mehr
tion. Die Bündelung dieser Konfliktvielfalt wird durch die Vielfalt sozialer zutrauen, Offentlich.keit mit »Angstrausehen« einer desintegrierten
Bewegungen und kultureller Stromungen getragen und zielt auf die Reha- schaft identifizieren und sich darauf beschriinken, die gewünschte Urbam-
bi1itation von Urbanitiit als Medium dieser Konfliktvielfalt (vgl. Wolf, tiit architektonisch und kulturell als »positives Stadterlebnis« zu inszenie-
1990). ren.
Vor dem Hintergrund der Entwicklung eines nicht nur autonomen, son- Die neuen sozialen Bewegungen und die Neokonservativen haben in der
dem auch querliegenden urbanistischen Diskurses, der den Schutz urbaner heute beobaehtbaren Rehabilitation von Urbanitãt als Idee gemeinsam, daB
174 Stadtentwicklungspolitik zwischen Demokratie und Komplexitiit Minimalstaatsstrategien au! kommunaler Ebene 175

die Stadt in der Transformation zur Risikogese11schaft ein zentraler Ort ist netzwerken entwickelt werden. In diesem ProzeB wl:ire der Ste11enwert der
und gerettet werden sol1. Doch welche Stadt ist gemeint? Was haben die lokalen demokratischen Institutionen zu untersuchen.
folgenden zwei Konzepte der Stadt gemeinsam?
B: Jetzt müssen Sie aufpassen. Das Bundesgesetz für Raump1anung gehtja 3. Schlu8folgerungen zu Demokratie und Komplexitat:
primiir von den Landesteilen aus, nicht von den Stãdten, richtigerweise, Legitimationsprobleme in der politischen Organisation der
denn funktional gesehen ist die Schweiz ei ne Region. Wir sind eine Stadtentwicklung über Gro8projekte
mittelgroBe Region im Kontinent. Die Schweiz ist eine Stadt, Zürich ist
ein Stadtquartier. Der Arbeitsmarkt von Zürich ist sowieso viel zu klein. Bisher wurde angeführt, daS der lokale Staat der dreifachen Herausforde-
Und die Bahn 2000 ist das Tram der Stadt Schweiz. Das ist eine Realitãt. rung des Autonomieverlusts gegenüber den übergeordneten Ebenen des po-
Alles andere ist eine Fiktion. litischen Systems, des Effizienzdrucks gegenüber der Wirtschaft, die auf 10-
kaler Ebene ihre Tertiarisierung vorantreibt, und des Legitimationsdrucks
Und:
gegenüber einer von Desintegration und kulture11er Plura1isierung gefahr-
B: Ich kann das mit einem Schlagwort sagen: Wasserkopfentwicklung. Das deten und herausgeforderten urbanen Gese11schaft mit Minima1staatsstrate-
heiBt in der Stadt Zürich werden immer mehr Funktionen, Menschen in gien begegnet. In den untersuchten drei GroBstadten wird dieser Problem-
das, in das, sagen wir mal, in das kleine Zentrum hineingepfercht ... Das horizont, dessen Bearbeitung durch die lokale Politik maSgeblich von der
gibt Probleme ... Wir merken's aber auch in einer anderen etwas was mir
internationalen Metropolenkonkurrenz strukturiert ist, vor a11em vom
sehr Angst macht, Entwicklung zu Monokulturen ... Wir sehen, ich sehe
Modemisierungsdruck der Wirtschaft gepragt. Stadte werden in dem Aus-
diese Monokulturentwicklung, daB ich also am Briefstapel, den ich auf
dem Pult habe, wo kleine Gewerbler, Privatschulen, kleine Sportschulen, maS von diesem Problem überfordert, wie sich aufgrund der nicht getrof-
ein Behindertenzentrum, ein was weiB ich, aU das, was Urbanitãt ausmacht, fenen Entscheidungen auf nationaler und fõderaler staatlicher Ebene der Pro-
die Vielfãltigkeit, das Kuriose, das was nicht, Nischen, das wird immer blemdruck auf die lokale Ebene verlagert, wahrend die lokale Problembe-
mehr vertrieben, weil es viel Geld hat. Wenn man viel Geld hat, will man arbeitungsfáhigkeit nicht zunimmt. Das in der Folge gesteigerte Konf1ikt-
es ja investieren, man investiert es moglichst im Zentrum. potential auf lokaler Ebene spitzt sich a1s zunehmender Gegensatz zwischen
wirtschaftlicher Prosperitat und der Realisierung sozia1integrativer Werte im
Die Formeln »die Schweiz ist eine Stadt« und die »Stadt der Nischen« stehen
Bereich der Richt- und Nutzungsplanung zu.
sich unvermittelt gegenüber.
AIs Resultat dieses Autonomieverlustes gegenüber fõderalen staatlichen
Die Existenz dieser zwei Konzepte von Stadt sind Ausdruck davon, daS
Ebenen und des gesteigerten Konfliktpotentials auf lokaler Ebene erscheint
Stadtentwicklungspolitik a1s Verteilungspolitik unvereinbare Gegensatze
den lokalen Regierungen die Durchsetzung der Verwertungsinteressen der
produziert. Vor diesem Hintergrund muB der loka1e Staat seine Handlungs-
Wirtschaft als einzige Mõglichkeit, wieder handlungsfáhig zu werden. Die
fahigkeit, die er über Minima1staatsstrategien in der Stadtentwicklungspo-
lokale Regierung, deren Abhangigkeit von privaten Investoren in der Stadt-
litik gewinnen mõchte, überprüfen. Die libera1e Form der minimalen Inter-
entwicklung infolge des eigenen Mangels an Ressourcen und an Problem-
vention des 10ka1en Staates, die in den drei Beispielen beobachtet werden
lõsungskompetenzen zugenommen hat, privilegiert die wirtschaftlichen
konnte, konserviert nur die bisher dominante Verteilungslogik in GroBpro-
Interessen. Sozialintegrative Werte geraten dadurch ins Hintertreffen und
jekten. Ein Ausweg kõnnte die Demokratisierung von Projektgemeinschaf-
f1ieBen einzig über neokonservative Strategien des Krisenmanagement in
ten darstellen. Offentliche Interessen müBten von neuem unter Beteiligung
die GroBprojekte ein (vgl. Vogel/Swanson, 1989).
der neuen Akteure entwickelt werden und als Ziele in GroBprojekte inte-
Mit dieser Problemkonste11ation wird eine erste Richtung der lokalen
griert werden. Die praktische Umsetzung solcher Interessen hatte zur Be-
Politik festgehalten. Es ist die Politik mit der Grenze zwischen dem loka1en
dingung, daS die loka1-spezifischen Strukturen der politischen Systeme
politischen System und dem lokal ausdifferenzierten Subsystem des überre-
(Neokorporatismus, Klientelismus und Wirtschaftsliberalismus) zu Po/itik-
Minimalstaatsstrategien au! kommunaler Ebene 177
176 Stadtentwicklungspolitik zwischen Demokratie und Komplexitiit

giona1 aufgespannten Wirtschaftssystems. Das Krisenmanagement der acht- titat führt indessen nicht zur Stadt als Gemeinschaft und a1s tragfáhiges
ziger Jahre stellt die Politik mit dieser Grenze zwischen den beiden Syste- Terrain des politischen Handelns. Sie kann insofem nicht darüber hinweg-
men an die erste Ste11e. Die zugleich als Bedingung dieser Politik, aber auch tauschen, daB der loka1e Staat seine Funktion der politischen Steuerong der
a1s deren Folge zunehmenden Legitimationsprobleme reproduzieren sich in urbanen Transformation nicht wahmimmt. Der instromenteUe Umgang mit
Formen der politischen Polarisierung, die in entsprechenden Konflikten der U rbanitat berücksichtigt in keiner1ei Weise die Anliegen der an U rbanitat ori-
Stadtentwicklungspolitik durch GroBprojekte die urbane Gesellschaft in entierten sUidtischen Opposition. Projekte, die Wirtschaftund stãdtische Ge-
Lager spa1tet, die das Mehrheitsprinzip in Wahlen undAbstimmungen infrage meinschaft integrieren, fehlen.lm Gegenteil: Der Bürger wird dazu aufge-
stellen. Die Stadt a1s politische Gemeinschaft (polis) gerat dadurch in dem rofen, sich in Abstimmungen und Wahlen fur oder gegen die Wirtschaft, fur
AusmaB in eine Krise, wie sich das offentliche Interesse infolge der kultu- oder gegen eine Stadtkultur auszusprechen (vgl. 1987).
rellen Plura1isierung der urbanen Gesellschaft nicht mehr überzeugend be- Dieser kompensatorische Umgang des loka1en Staates filt der Dlfferen-
stimmen laBt und wie es dem loka1en Staat nicht mehr gelingt, das offentli- zierung zw1schen dem Wirtschaftssystero und der urbanen GeseUscbaft kann
che Interesse zu reprasentieren. Die Lager bleiben in Konflikten in der Lo- a1s Politik mit der dritten Grenze bezeichnet werden.
gik von Nullsummenspielen gefangen. Der 10ka1e Staat bekundet Schwie- Das Krisenmanagement der achtziger Jahre ordnet diese drei Bezüge der
rigkeiten, die Interessengegensatze partiel1 zu integrieren. Statt Stadtentwick- lokalen Politik hierarcbisch, gemãB der vom lokalen Staat angenornroenen
lungsprobleme und -perspektiven in ihrer Gesamtheit verbindlich zu beur- Dring1ichkeit der jewei1igen Probleme, dje an diesen drei Grenzen erschei-
tei1en und in Projekte des Interessenaustausches gegenüber den privaten nen. Minimalstaatsstrategien in der Form von Projektgemeinschaften bei
Investoren umzusetzen, greift der loka1e Staat in seiner geschwachten Kon- GroBprojekten stehen im Spannungsfeld dieser drei Grenzbezüge. Als Orte
fliktregelungskompetenz und -leistung auf illusorische Gemeinschaftsbezüge der Herstellung koUektiven Handelns steUen die Projektgemeinschaften in
zurück. Minima1staatsstrategien signalisieren ihre Grenzen in Reformper- erster Linie Problemlosungen fur die Vennittlung zwischen dem Wirtschafts-
spektiven, welche die Transparenz der Stadtentwicklungspolitik durch eine system und dem lokalen poLitischen System dar. Sie privilegieren a1so die
»offene Informationspolitik« und kohãrentes Handeln durch eine »geschlos- Bearbeitung der genannten ersten Grenze. Nachgeordnet werden Legitima-
sene Regierung« herstellen wollen. Beides gelingt nicht. tionsprobleme an der zweiten Grenze und Orientierungsprobleme an der
Das untersuchte Management von Konflikten und Legitimationsproble- dritten Grenze, die über Formen der Instrumentalisierung lokaler partizipa-
men des lokalen Staates kann a1s Politik mit einer zweiten Grenze zwischen tiver Verfahren und über Formen der kompensatorischen Inszenierung von
dem 10ka1en politischen System und der urbanen Gesellschaft interpretiert Identitat der urbanen Gesellscbaft dann mitberücksichtigt werden, wenn
werden. Aufgrund seiner Reprasentationsprobleme kann der loka1e Staat kurzfristig auftretende Krisen es notwendig erscheinen lassen.
seine Funktion, die zunehmende Differenzierung zwischen der entgrenzten Dieser dreifache Grenzbezug von Minimalstaatsstrategien ist auch der
Wirtschaftsstadt und der urbanen Gesellschaft zu steuem und zu legitimie- strukturelle Problembezug der Projektgemeinscbaften. Im Hinblick auf das
ren, nicht mehr wahmehmen. Die urbane Transformation entbehrt einer um- Problemlosunaspotential
b
von Minimalstaatsstrategien in der Form
.
von Pro-
.

fassenden Orientierung. Die »Stadt« ist als handlungsleitender Begriff ab- jektgemeinschaften so11 zunachst nochma1s an deren wesentliche BestlID-
handen gekommen. 13 Im Vakuum eines politischen Begriffs von Stadt ste- munasmerkmale und Entstehungsgründe erinnert werden:
hen sich Hilfskonstrukte wie »stadtische Lebensqualitat« oder» Vielfa1t« und • der Sicht des okonomischen Systems bieten sicb angesichts der
eine okonomische Semantik antagonistisch gegenüber. In der Argumentati- politiscben Fragmentierung in Partikularinteressen und der Krise des
on der privaten Investoren und Planer kann der Verlust der urbanen Gemein- blockierten lokalen politischen Systems, offentlichelnteressen glaubhaft
schaft und urbaner Handlungsfahigkeit (vermittelt durch einen Stadtbegriff) und effektiv entwickeln zu konnen, nur noch GroBprojekte an die allein
über punktuell inszenierte Bilder von »Urbanitat« mit beliebigen Identifika- temporare Koalitionen, das heiBt kollektives Handeln, in der Stadtentwick-
tionsmoglichkeiten kompensiert werden. 14 Diese Inszenierung loka1er Iden- lungspolitik ermoglichen.
Minimalstaatsstrategien au! kommunaler Ebene 179
178 Stadtentwicklungspolitik zwischen Demokratie und Komplexitiit

• Zugleich konnen in Projektgemeinschaften die zwei zentralen Nachteile Vielmehr bleibt es dem Geschick der offentlichen Akteure überlassen, ei-
des loka1en politischen Systems fur die Interessen der Wirtschaft, nam- nen so1chen Zwang erst noch über Prozesse des selektiven Einbezugs der
lich die zu hohe Konfliktintensitãt offentlicher Politik und die Blockie- Offentlichkeit herzustellen. Dem Dilemma offentlicher Akteure, zum Zweck
rung durch bürokratische Kontrollsysteme offentlicher Verwa1tungen, ver- der Herstelluno von eÍ!rener Verhandlungsfàhigkeit, wenn auch selektiv, dia-
b b dd .
mieden werden. logiscbe Strukturen der Offentlich.keit einbeziehen zu müssen un
Die Zentralitãt des ersten Grenzbezugs in Projektgemeinschaften drückt eigene Verhandlungspositiooen dauemd zu gefãhrden, steht d!e
sich darin aus, daB das politische System einen Ausweg aus seiner Blockie- sehe Handlungsrationalitat privater Investoren gegenüber, dle Sleh meht
rung über Formen von Privatisierung und Deregulierung findet und damit organisationsintem legitimieren muB und damit konstante Verhandlungspo-
den wirtschaftlichen Interessen einen exklusiven Zugang zu minimalen sitionen bewahren kann. Dieser im Rabmen der Zweeke des Managements
politischen Organisationsleistungen erschlieBt, die in erster Linie fur die der Vermittlung zwisehen Wirtschaftssystem und poLitisehem System nur
Interessen der Untemehmer notwendig sind. An dieser Grenze zwischen selektiv zugelassene Bezug auf Offentlichkeit kennzeichnet
Politik und Wirtschaft wirkt die Dominanz einer gemeinsamen Wachs- strateo-ien in ihrem instrumenteUen Umgang mit der HersteUung offenth-
tumsorientierung bei offentlichen und privaten Akteuren integrierend. Die cher futeressen. J5 Als unverzichtbare Handlungsressource der offent1ichen
»Professionalitãt« des Konfliktmanagements bei privaten GroBprojekten Akteure dienen selektive Beteiligungsangebote zwar der Legitimation von
durch Projektgemeinschaften ist letztlich Ausdruck der strukturellen privaten GroBprojekten; sie reproduzieren aber nur unter verschiedenen
Nichtlegitimierbarkeit des intemationalen Transformationsdrucks der Gesichtspunkten stets von neuem die Reprãsentationsproble.me
Wirtschaft auf kommunaler Ebene, dem sich indessen die offentlichen Staates. Legitimation verlagert sich entweder auf sym??hsc?
Akteure nicht entziehen konnen. GroBprojekte werden von diesen als nicht Ebenen um diesen Problemen auszuweieben. Oder Legttlmauon wlTd von
zu verpassende Chancen interpretiert. Es entspricht der Zentralitãt dieses private; Seite mit dem Hinweis auf die Bedeutung des
systemvermittelnden politischen Grenzbezugs, daS die a1s zentral bewerte- nalen Systembezugs von GroSprojekten als Anspruch Dle
ten Ressourcendefizite der offentlichen Akteure primãr ein Abhãngigkeits- Reprãsentationsprobleme des lokalen Staates werden vor
verhaltnis zu den privaten Investoren entstehen lassen. So fá11t auf, daS ein deutlich, daB private Akteure für den Fall daB ihre offentlichen Mitspleler
Mangel an Zeit, Finanzen und Legitimation spezifische Verhandlungs- die Handlungsressouree Legitimation nicht ausreichend herstellen
zwange fur die offentlichen Akteure und ein, in bezug auf Handlungsfàhig- die Stadt als politi ehe Gemeinschaft mit dem Hinweis zu
keit, hoch bewertetes Tauschverhãltnis mit privaten Investoren hat entste- ren bereit sind daS deren Legitimationsanspruch zur Ideologle geworden
hen lassen. Die genauere Analyse dieses Tauschverhãltnisses zeigt ver- sel.
schiedene Strukturen des Verhandlungszwangs fur beide Seiten. So sind Der urbanistische Diskurs, der zunãchst fur die Realisierung privater
Exit-Optionen aus strukturellen Gründen zugunsten der privaten Investo- GroBprojekte durch die Formulierung eines beliebigen, aber bestimmten
ren ungleich verteilt. So steht der Krise der offentlichen Interessen die Gesamtinteresses, das lokale politische System mit der urbanen
»Norma1itãt« der partikularen wirtschaftlichen Interessen gegenüber. Die- vermitteln und insofem Reprasentationsfunktionen übemehmen so11, wlTd
ser Normalitãt privater Interessen entsprechen norma1e Ausweich- in der Folge seines Scheitems fragmentiert und dessen Versatzsrucke wer-
moglichkeiten des Investitionsdrucks, wãhrend private GroBprojekte fur den zur Propaganda in direktdemokratischen Verfahre.n
den Legitimationsdruck der Offentlichen Akteure eine Handlungslücke fül- Beoleitet wird das Gelingen oder Seheitem eines fur die Stabilislerung von
len, die allein aus eigener Initiative nicht ausgefü11t werden kann. Und Ta;schsituationen zwischen den Systemen von PoLitik und Wirtschaft for-
schlieBlich entspricht dem Zwang fur Offentliche Akteure, ihre Planung mulierten urbanistischen Gesamtinteresses von einer Strategie der Konflikt-
»projektfàhig« zu machen, kein so1cher Zwang fur private Akteure, sich an vermeidung in und durch Projektgemeinschaften. Der in
Planung zu beteiligen. liehkeitsabgeschirmte Gremien, Stillhalteabkommen zWlschen Partelen m
180 Minimalstaatsstrategien au! kommunaler Ebene 181
Stadtentwicklungspolitik zwischen Demokratie und Komplexitiit

Form von parlamentarisch hergestellten GroSen Koalitionen, die Versach- Projektlogik. In Wien wird die Sicht auf die Stadt in den mitteleuropaischen
lichung von Konflikten über »Professionalitat« und gemeinsame Wachstums- Raum hinein erweitert und verliert den konkreten Bezug zur urbanen Ge-
orientierungenynd der instrumentell-strategische Umgang mit der Oppo- sellschaft. Der Diskurs der Planer um deren Projektfahigkeit ist primiir im
sition und der Offentlichkeit dienen dem Zweck einer effizienten Konflikt- Hinblick auf ein technisches Interesse inspiriert, die infrastrukturelle Aus-
organisation und der Verminderung von Legitimationskosten. stattung einer Metropole in Mitteleuropa aufzubauen. In Zürich wird eine
Dieser politische Umgang von Projektgemeinschaften, mit Minimalstaats- Gesamtsicht erst allmahlich überhaupt wieder konstruiert, ist aber überla-
strategien die - zweite - Grenze zwischen dem politischen System und den gert durch die agglomerationsweite Fragmentierung des Raums und
Lebenswelten der urbanen Gesellschaft, der Vermittlung zwischen wirtschaft- durch die Krise der Gemeinde als politischer Raum. Das Wtrtschaftssystem
lichem und politischem System unterzuordnen, findet indessen sein kriti- hat sich emanzipiert von der Stadt und durchdringt sie zugleich. Gegen die
sches Element in der Verhandlungsfáhigkeit der offentlichen Akteure. Denn Besetzun o des Raums interveruert die Opposition von GroBprojekten. Ihre
Projektgemeinschaften benotigen nur soviel Legitimation, wie gebraucht Sicbt auf die Stadt i t geprãgt von der okologischen sozialen und politischen
wird, um partikulare Interessen privater Akteure durchzusetzen. Die Inte- Krise des u.rbanen Al1tags. der als sozial venniscbter Lebensraum und als
gration oppositioneller Kritik wird deshalb nur soweit vorgenommen, wie Ausdruck kultureller Vielfalt von Leben formen interpretiert wird. Diese
sie der Durchsetzung des partikularen Interesses der Projektgemeinschaft Sicht entspricht primiir einer kommunikati ven Handlungsrationalitat, die im
dienlich ist. Erwachsen dadurch zu hohe Kosten, ist die Projektgemeinschaft Sinne einer heterogenen Vielzabl bandlungsleitender Utopien die Stadt als
von der Aufkündigung der Zusammenarbeit von seiten der privaten Akteu- Ort demokratischer Lemprozesse ertraumt. Darauf antworten legitimatori-
re bedroht. Deshalb pendelt sich eine minimale Integration von Kritik ein, sche Kompensationsstrategien die Minimal taatsstrategien mit symboli-
die jedoch nicht ausreicht, um die herrschende Politik der Systemvermitt- scheo Ausweichmanõvem in Form von architektonischer Gestaltung von
lung durch Minimalstaatsstrategien einer Politik der Vennittlung zwischen Projekten und in der lnszenierung eines »positiven Stadter1ebnis« begleí-
den Systemen und den pluralen Werten der urbanen Lebenswelten unterzu- ten. Die entsprechenden Bilder von Urbanitãt, die jede beliebige Entwick-
ordnen. Es ist indessen durchaus moglich, daS diese minimale Integration tunu der Stadt legitimieren sollen, erlauben punktuelle ldentifikationen so-
je nach offentlichen Druck variieren kann. Je groBer dieser Druck ist und Gruppen mit dem fragmentierten Raum der Stadt, die íhren Ort als
je agiler offentlicheAkteure und Opposition zusammen handeln, desto groBer Lebensraum verliert und zum Ort funk:tionaler Systernzusammenhange re-
sind die Chancen der offentlichen Akteure, ihre Positionen gegenüber den duziert wird.
privaten Investoren so zu steigem, daS offentliche Interessen in die Inter- Die Minimalstaatsstrategien in den drei Stadten sind Ausdruck des Kri-
essenstruktur der Projektgemeinschaft einflieBen. senmanagements zwischen dem okonornischen und politiseben Die
Zum politischen Umgang von Projektgemeinschaften mit der dritten Verrnitt1ung zwischen cliesen Systemen und der urbanen Gesellschaft Ist von
Grenze zwischen dem sich entgrenzenden Wirtschaftssystem und den Le- einer Reprasentationskrise des lokalen Staates und des Stadtbegriffs gepragt,
benswelten der urbanen Gesellschaft kann festgestellt werden, daB der vor der sich aus der Pluralisierung kultureller Orientierungen entwiekeln konn-
dem Hintergrund des strukturellen Problernzusammenhangs lokaler Politik te. Die Zentra1itat einer Politik der Systemverrnittlung, die sich zur Repra-
abhanden gekommene Begriff von Stadt als praktischer Begriff einer in der sentationskrise und zur Unübersichtlichkeit kultureller Orientierungen in-
urbanen Gesellschaft verankerten kollektiven Handlungsfahigkeit nicht über strumentell-strategisch verhalt, findet ihren Ausdruck in einer Politik des
den Horizont eines relativ kurzfristigen Krisenmanagements hinaus gewon- Tausches von Interessen zwischen den Systemen. Diese Politik des Tausches
nen wird. So wird in Florenz die Sicht auf die Stadt durch die Sicht auf reproduziert lokalspezifi ehe des in Flo-
GroBprojekte verkürzt. Im operativen Konzept einer »urbanen Transforma- renz, des Neokorporatismus in Wien und der
tion durch GroBprojekte« ist die stadtentwicklungspolitische Gesamtsicht pelung von Staat und Wirtschaft in Zürich. Die dl-
in der Analyse und der Problemwahmehmung vorstrukturiert durch die rektdemokratischen Verfahren der po1itischen Wl11ensbtldung unterstützen
Minimalstaatsstrategien au! kommunaler Ebene 183
182 Stadtentwicklungspolitik zwischen Demokratie und Komplexitiit

diesen, in allen drei Stiidten dorninanten Typ von Minima1staatsstrategien natürlichen Umweltressourcen aufgrund der Defizite sozialintegrativ beding-
als Politik des Tausches und der Systemverrnittlung. Indessen sind in dieser ter Selbstbeschriinkungskrafte verhindert wird, beziehungsweise nur tech-
Politik an den drei genannten Grenzen Risiken sichtbar, die nicht im Rah- nokratisch kompensiert werdeo kann. .
men einer Logik des politischen Tausches und der entsprechenden Vertei- Eine Umkehr der Enrwicklungen die heute in Richtung einer ZentraU-
lungspolitik zu bewaItigen sind, sondern Stadtentwicklungspolitik zu einem sierung politischer Macht, einer Erosion der Bürgerkompetenz und der
Bereich der Risikogesellschaft werden laBt. 16 Bürgerrolle uud einer verstãrkten ozia1en Desintegration ?eht, ge-
An der ersten Grenze kann das Risiko eines zunehmenden Verlustes der sellscbaftliche Lernprozesse im Lernfeld Stadt erfordern. Em a1lem techno-
lokalen Autonornie gegenüber übergeordneten fõderalen Ebenen erkannt kratiscb inspiriettes Management die er Risiken stõBt dort an Grenzen,
werden. Darnit besteht die Gefahr einer zunehmenden Zentralisierung po- deren Bewãltigung durch individuelle und kollektive Krãfte der
litischer Macht. dung und Selbstkontrolle efflzienter und effektiver wãre (vgl. dle zusam-
An der zweiten Grenze besteht das Risiko einer Verschiirfung der Repra- menfassende Tabelle 15).
sentationsprobleme, das heiBt, einer tiefgehenden Entkoppelung zwischen
lokalem Staat und urbaner Gesellschaft. Sollte sich Stadtentwicklungspo- 3.1 Reformperspektiven: Demokratie und Komplexitiit
litik in den alten Formen fortsetzen, kõnnte ihr die Bürgerschaft abhanden Die Frage nach der Vermittlung zwi chen Demokratie und Koroplexitat
kommen. knüpft aus der Sicht der Reform des loka1en politischen an das
An der dritten Grenze driingt sich das Szenarium einer Verõdung stiidti- Primat der Lebenswelt gegenüber dem System an. Demokratle als
scher Kultur auf. Die Plura1isierung kultureller Orientierungen kõnnte dann Verfabren des politischeo System interpretiert werden daB diesem
zunehmend von einer Fragmentierung sozia1er Konflikte begleitet werden. Rechnung trãgt. Da liberale Demokratieverstãndnis das
Die Sozialintegration der urbanen Gesellschaft ware damit infrage gestellt Komplex fonnaler Regeln definiert deren Befolgung kollekt1v.e Entscbel-
und hiitte mõglicherweise zur Folge, daS der õkologische Umgang mit dungen bei maximalem Konsen und mioiroaler Gewalt abstra-
biert gerade vom nõtigen Grundkonsens, sich über dem0ta:atlscbe Verfah-
Tabelle 15: Staatliches Handeln und Grenzen der Integration ren zu einigen. Dieser, über Kriterien der
ge eH chaftlicbe Grundkon ens wird durcb die
Dominante staat- staatsstrategien aufgebrochen sodaB dadurch Jene Kritik entsteht, die das
Handlungs- Herausforderungen liche Reaktionl
Risiken des Primat der Lebenswelt a1s HandJungsorientierung im politischen
fáhigkeit staatlichen staatlichen
Grenzen der Strategie auf die hervorhebt. Es ist diese Verantwortung für den soziokultorellen Raum, dle
Handelns Handelns
Integration Herausforderungen den ProzeB der stiidtischen Desintegration über die Revitalisierung von
Offentlichkeiten brem en will. Di.e sich in Stiidten entwickelnden Reforrn-
Grenze zwischen Politik Metropolen- Deregulation und Autonomie- vi ionen die sich an den Werten von Urbanitat und Lebbarkeit orientieren,
und Wirtschaft konkurrenz Privatisierung verlust thematisieren Demokratie in d iesem Sinn in erster Linie zwar a1s In trument
in zweiter Linie jedoch auch norrnativ als Errungen cbaft der über den
lebensweltlichen Grundkon ens integrierten modernen Gesellschaft.
Grenze zwischen Politik Gerneinwohl- Reprasenta- Urbanitat und Lebbarkeit a1s zentrale Werte der Lebenswelt sind keines-
Entgrenzte Stadt
und urbaner Gesellschaft rhetorik tionsproblerne
wegs eindeutige Werte im Gegenteil: Gerade die vielfãltigen
Grenze des Managernents
BestimmuDO'en von Urbanitatund Lebbark.eit sindAusdruck der stadtlschen
Verõdung der Gesellschaft. So ind auch grundsatzlich zwei Reformstrategien in allen
der Integration zwischen Funktionalisierte
Identitiitspolitik stadtischen
Wirtschaft und urbaner Stadt untersucbten Stãdten erkennbar, die sich in unterschiedUcher Weise auf dle
Kultur
Gesellschaft
185
184 Minimalstaatsstrategien au! kommunaler Ebene
Stadtentwicklungspolitik zwischen Demokratie und Komplexitiit
geht. In diesern Vorscblag wird ein dezentrales Konzept vorgezogen, daB
Werte und Lebbarkeit berufen und, entsprechend unterschiedlich
gesamtstadtiscb ausgleicbende Wirkung haben sollte.
radika1isieren oder ihr Potential besser nutzen Die rekonstruktive position fmdet sich auch in Zürich. Insbesondere das
leno Es smd bel des die sich gegen die Kolonialisierung der
Alternativprojekt zum HB-Südwest von den beiden Architekten Botta und
Lebenswelt durch systeIDIsche Imperative wenden.
Snozzi entstebt in der Logik der Einordnung von Projekten in das gesamt-
radikale Kritik versucht, autonome Óffent1ichkeiten zum Protest ge- stadtische Gefüge. Die beiden Architekten kritisieren am zu realisierenden
Bedrohung der Lebenswelt und zum Durcbbrechen der Isolierun o der Projekt die zu starke Ausrichtung am Die.
Inclivldue? zu rnobilisieren, die al Leinjedocb den die Lebenswelt beclrohen- nen seien zu groB und es werde nicbt versucht, das StadtbIld zu mtegneren,
den nicht aufba1ten kõnnen. In dieser Kritik wird zwar sondern das Projekt »tauscbt den Bewobnern Situationen vor, man belügt
das der Lebenswelt hochgehalten, aber auch verabsolutíert, so daB eine sie. Das sind arcbitektoniscbe Lügen, die gegen die Stadt sind« (Snozzi, 1987:
Technikfemdschaft resultíert, die den grundlegenden Idealen der Urbanitat
und Lebbarkeit widerspricht. Denn Urbanitat und Lebbarkeit schlieBen nicht 48). .
Die Planlogik hinter diesen Alternativvorscblagen geht von emer
nUT an Konzepte wie Nahe und Vertrautheit an, sondern auch an Distanz und orientierung aus, welcbe die Verbindung von Mikro- und Makroperspektl-
als soziale Bestimmung von Kommunikation. Die in der radika- ve in der Rekonstruktion der Gescbichte der Stadt vorsiebt; die Fragestel-
Forderung nach Entdifferenzierung auf Kosten des lun o lautet dabei wie die Stadt als sozialer Lebenszusammenbang in die Pla-
mnovatlven Potentlals der unterlauft gerade die dialektísche Spannung nun"'g iotegriert werden kann und wie zugleich finanzielle Mittel
der Lebenskultur, slch sowohl auf sozialintegrative Elemente wie auf Investoren dieser Planung zuganglicb gernacbt werden kõnnen. Es smd
syste?lIsche zu stützen (vgl. Windhoff-Héritier, 1983). Au wege, die bewuBt auf die Partizipation der Bevõlkerung setzen un?
dle radlkale Kntik m den clrei Stãdten nicht relevant in die drei Komplexitatszunahrne anch als Zunahme menscblicber Projektfahigkelt
um GroBprojekte eingreift, gelingt es der reformi- interpretieren. Solche Neuorientierungen finden sich auch in neuen Planungs-
stlschen slch an .der Projektdiskussion zu beteiligen. In Florenz wird
von .refOfIDISt1scher Selte vor allem das Projekt der Fondiaria angegriffen, konzepten in den drei Stãdten. . .
Ein erster Versuch zu einer so1chen Neuorientierung kann am Belsplel
das lm krassen zum neuen, reformistisch inspirierten Richtplan der Wiener Stadtteilplanung gesehen werden. Auf der Ebene der Bezirke so11
von Florenz steht. Dle Differenz besteht in der bei den pri- die demokratische Beteiligung an der Planung verbessert werden. Bezirke
vaten Planern und Investoren m Castello - aber auch in Novoli - vorherr- erhalten das Recht, Bezirksentwicklungspliine in enger Zusammenarbeit mit
Pr?jektphilosophie gegenüber der die gesamtstadtische Entwick- der Bevolkerung und mit der stãdtischen Verwaltung zu erste11en. Dies erlaubt
lung Ref1exion irn Richtplan und in der reformistischen der Stadtplanung Zugang zu jenem Gemeinsinn, der bei Bewohnern und
OPPOSlt1.on. die Projektlogik von der Erwartung ausgeht, daB Benützern der Bezirke vorhanden ist (vgl. Brunner, 1982; EdlingerlPotyka,
poslt1ve Effekte als nicht kontrollierbare (und nicht zu kon- 1989), aber auch die Aufwertung des im politischen Systems schlecht ver-
Emergenzen auf ihr Urnfeld haben, versucht die reformistische tretenen Interesses von einzelnen Stadtbewobnern (vgl. Ceresa et al., 1980:
das. GroBprojekt in eine gesarntstãdtische Logik einzuordnen. Diese
313).17 . .
LOglk. an?ere Vorgaben für die Überbauung in Castello und Bei einer über die Bezirke aufgebauten Stadtplanung bestebt Jedoch dle
dle emer Rekonstruktion der Stadtentwick1ung der letzten Gefahr eines Ver1ustes an Weitsicht. Die wechselseitige Abbangigkeit ge-
drelBlg Jahre Wle emer Bedürfnisabklarung in der Bevõlkerung entspringen sarntstãdtischer Prozesse und stadttei1spezifischer Probleme wird bei dieser
(vgl. dazu Losavio, 1988). Art von Planung zu wenig beIÜcksichtigt Dezentrale Selbstverwaltungsein-
in entwickelt sich eine zur Expo-Planung rekonstruktiv aus- heiten auf Stadttei1ebene kõnnen kaum auf der Ebene der Gesarntstadt oder
?enchtete, Stadtgeschichte integrierende Realisierungsidee, die von der der Region Probleme in Angriff nehmen. Die Vorteile der Planung von unten
m den achtzlger Jahren schleppend vorangetriebenen Stadtsanierung aus-
187
Minimalstaatsstrategien au! kommunaler Ebene
186 Stadtentwicklungspolitik zwischen Demokratíe und Komplexitiit
reiche und legitime Politik in jenen Bereichen nõtig und ist, in
- und Dezentralisierung von Verwa1tungsstrukturen - kõnnen die Problem1agen der Risikogesellschaft vorliegen. Im Smne emes Mmder-
nur smnvoll genutzt werden, wenn eine in Wechselwirkung mit der Mikro- heitenscbutzes kõnnte meines Erachtens die Umweltvertrãglichk:eitsprüfung
Makroplanung an Bedeutung gewinnt. in der Planung ergãnzt werden durch eine Sozial- und
. Em zwelter ":'ersueh welcher der Krise der Makroplanung in den sieb- prü:fung.20 Diese würde jene Organisationen stãrken, dle
zlger und aehtz1ger Jahren begegnen will, ohne diese aufzugeben ist im gaben zwischen Staat und Gesel1schaft wahmehmen, und
Stadtentwicklungsplan von Florenz zu sehen: Über im Gegensatz zu den mstltu-
eme starke mstltutlOnelle Verankerung und einen langen ProzeB der Kon- tioneJlen Einbezug der wlchtlgen verbandlichen Offenthchkelt.
sensfindung der neue Stadtentwick1ungsplan von Florenz Planung pro- Diese drei Entwicklungen beinhalten meines Erachtens zentrale Elemen-
zeBhaft Im seinen rigiden und nicbt durchsetz- te einer reformistischen Stadtentwicklungsplanung, die Verantwortung ge-
baren Vor?angem slcb dleser PIan auf eine beschrãnkte Anzahl genüber dem urbanen Kontext in?em sie ?ie
von Entwlc.klungsgebl.eten (aree programma), die mittels der Kombination dort ansetzt, wo sie nachgefragt wrrd. Es smd dles Entwlcklungen die heute
von und von Verhandlungen mit mõglichen privaten parallel zur relativ undemokratiscben spektakularen über
radika1 verandert werden sol1en. In diesen Entwieklungsgebie- GroBprojekte auftreten und den Anspruch haben, als
die rund acht Prozent des Gemeindegebietes ausmachen, Iiegen aueb mente zur GroBprojektlogik in Konkurrenz zu treten. Dlese Parallehslerung
die geplanten GtoBprojekte ím Nordwesten. ist nicht nur stãdteplanerisch ein Problem, sie schadet auch dem
. Vorgaben sind vergleichbar mit denen die in Zürich tiepotential altemativer Wege in dem sie ..un.ter-
em ?ffenthcher plan bewirkt, und spiegel0 die grundlegenden lãuft. Mit anderen Worten: Die GlaubwÜfdlgkelt emer PoLItik, dle Mog1ich-
Optionen der Stadtentwlcklung wider. Die Koordinationsfunktion die die- keiten bei der Gestaltung der verkehrsberubigten StraBe erõffnet und nach-
se wahrnimmt erlaubt nicht nur die Verbindung sozialinte- her darüber eine Autobahnbrücke legt, wird sehr schnell infrage gestel1t
gratlver mit Investüionsentseheiduoaen privater Anleger
son.dem wud über den politiseheo ProzeB der Genehrnigung aucb an werden.
Stadtentwicklungsplanung sollte deshalb als politische Konstruktion
reglOnalen angebunden (vgl. Astengo/Campos Venuti, 1989. davon absehen urbane Lebensstile im Zuge eines Krisenmanagements im
yenutl 1990; Campos Venuti et al., 1985).18 WeltmaBstab hierarcbisieren; sie sollte vielmehr lemen, mit der Kontin-
dntter der auf die Problematik der Mehrheitsregel bei genz und Differenz urbaner Lebensstile demokratisch Versteht
e10geht (vgJ. dazu Guggenberger, 1983; Offe, 1982), kann sich Stadtentwick1ungsplanung als Politik der Differenzen, das helBt als Po-
m de.r El?fü h ru,ng der UmweJtvert:rii.glicbkeitsprüfung (UVP) in der Sebweiz litik die Altemativen zulãBt, die Verschiedenheiten zwischen den Stadttei-
und als raumplanerisches Instrument gesehen werden. Ohne len und Minderheiten schützt, kõnnte der lokale Staat sich auf die Rolle
dle Detai1s Instrumentes eiozugehen,19 scheint mir die MõgJicb- beschrãnken Prozesse der Konsens- und KompromiBfmdung auf der Mikro-
von .Umwelt über Anhõrungen, wie ebene der wie auf der Makroebene der langfristigen Ziel-
?le UVP vorsleht, meht nur eme bloBe Erweiterung des Kreises der Be- setzungen auszulõsen und institutionell vorzuseben.
teiligten ':'erh.andlungen zu sein, sondem aueh eine qualitative Erweite-
rung der Mõglichkeiten der Pwblembearbeitung. Die Um-
werden nieht nur in die einschlagigen neokorpo-
ratlstlsehen KomrmssIOnen kooptiert. Die Mõglichkeit der Verbandsbe-
und die Weiterentwicklung der Umweltpolitik in materieUer
deuten darauf mn. daB ein nicht-hierarehisches VerhaJtnis zwischen
verschiedenen Problembearbeitungsstrukturen fiir eine gleichzeitig erfolg-
Schluj3wort

Ich hoffe, mit dieser Analyse das zu Beginn der Arbeit gegebene Verspre-
chen der Erhellung der Mechanismen, die zu kollektivem Handeln in der
Stadtentwicklungspolitik führen, eingelost zu haben. In theoretischer Hin-
sicht sollte es mir gelungen sein, die Zentralitãt von Verstãndigung in der
Herstellung kollektiven Handelns herausgestrichen zu haben, denn Verstãn-
digung erlaubt, sowohl die Bi1dung als auch die Stabilisierung einer über-
greifenden Identitãt der A.kteure als bandlungsfãhige Projektgemeinschaft.
Ich hoffe ebenfa1ls in der Anwendung der sinnverstehenden Methode, die-
e, sozosagen zwischen den Zeilen, vorgestellt und als nützliche Methode
der Politikwissenschaften verteidigt zu haben.
Zusammenfassend mõchte ich nochmals auf die zentralen Ergebnisse
dieser Untersuchung zurückkommen und diese kurz kommentieren.
1. Der Steuerungsbedarf von Stãdten in den neunziger Jahren übertrifft bei
weitem die institutionellen Mõglichkeiten, diesem nachzukommen. Dem
lokalen politischen System gelingt es nicht, die Stadtentwicklungspolitik selbst
zu steuern. Nicht nur die Einbindung in überlokale politische und õkonomi-
sche Problemfelder, sondern auch der gesteigerte Problemdruck in den Stãdten
selbstüberfordern die lokalen Verfahren der Herstellung kollektiven Handelns,
wie das Parlament oder die direkte Demokratie. Es entwickeln sich, zum Teil
para1lel, zum Tei1 autonom zu den traditionellen Verfahren, neue Verfahren
zur Problemlõsung in der Stadtentwicklungspolitik, die sich von den struk-
turellen Einschrãnkungen der lokalen politischen Institutionen hinsichtlich
ihrerterritorial, finanziell und organisatorisch beschrãnkten Handlungsmõg-
lichkeiten trennen. indem sie sich auBerhalb der Institutionen ansiedeln. 1
Eines dieser Verfahren, die Bildung von Projektgemeinschaften, wurde
in dieser Analyse dargestellt; Projektgemeinschaften übernehmen die Funk-
191
190 Stadtentwicklungspolitik zwischen Demokratie und Komplexitiit SchluJ3wort

tion de! politischen Organisation der Stadtentwicklung und fonnulieren dazu gung von Wohnungen in der Projektierung oder der rechnerische Hinweis,
eine eigene Stadtvision, we1che die an ihr beteiligten Akteure verpf1ichtet, daB das Projekt »dem Steuerzahler nichts kostet«.
diese umzusetzen: Politisch, indem versucht wird, den Legitimationsbedarf Die Legitimationsstrategie der in die Projektgemeinschaft
herzustellen, okonomisch, indem die zur Rea1isierung notigen fmanziellen offentlichen Akteure besitzt einen zweiten wichtigen Ast der Rechtfertlgung
Mittel bereitgestellt werden. Die Verpf1ichtung wird dabei dadurch erzeugt, gegenüber der durch die private Planung entmachteten Verwa1tung.
daB sich die Akteure in der Projektgemeinschaft durch die Auseinanderset- Loya1itat wird über verwaltungsinterne Aushandlungsprozesse erzeugt. m
zung auf diese Stadtvision einigen. Die Stadtvision ist in diesem Sinn ein denen Zustimmung zum GroBprojekt mit Versprechen der Reali ierung von
Ergebnis der Interessenmediation zwischen Investoren und Vertretern der aus der Verwa1tung hervorgehenden geplanten Projekten über das GroBpro-
Logik des loka1en Staates. Projektgemeinschaften sind, das wurde ebenfalls jekt getauscht wird (es sei nur an die »Wiener
deut1ich, nicht mit neokorporatistischen Arrangements zu vergleichen, denn 3. Wieso gelingt kollektives Handeln nur als Handeln emer ProJektge-
konf1iktive Interessen werden nicht inkorporiert. Projektgemeinschaften mein chaft und nicht der Stadtgeroeinschaft? Wie bereits erwahnt, tritt der
erzeugen AusschluB und Konf1ikte. Diese Verfahren der privaten Organisa- Projektdiskurs in der derook:ratischen Óffentlichkeit als autonomer (oder
tion der Stadtentwicklung, wie sie in den drei untersuchten Stadte anzutref- privater) Diskurs auf, der neben anderen geführt kann. lro
fen sind, sind zudem durch die Trennung von den politisch legitimen Insti- satz zu den fünfziger und sechziger Jahreo deckt slch der Wachstumsrus-
tutionen standigen Legitimationsproblemen ausgesetzt. 2 kurs privater Iovestoren nicht mehr mit dem õffent1ichen Interesse. Die
2. Diese neuen Verfahren der Herstellung kollektiven Handelns sind Strategie der privaten Projektplaner besteht in der Durchsetzung eioes Par-
desha1b genauso unterkomplexe Interventionen in die Stadtentwicklungs- tikularinteresses dessen Anteil am offentlichen Interesse je nach Stadt stark
politik wie die bisherigen zur Anwendung gekommenen Verfahren. 3 Es variiert. Als partikularer Diskurs selegiert die Stadtentwick1ung politik über
gelingt zwar, die Legitimationsprobleme durch den partnerschaftlichen GroBprojekte Interessen: Gewachsene Strukturen im zum
Einbezug offentlicher Interessen in den privaten Planungsablauf punktuell neuen Projekt; Produktionsarten werden gegenemander
zu kontrollieren, doch nicht in einer langerfristigen Perspektive, denn die nieht zuletzt: Phanomene der Margina1isierung bereits chwach organlSler-
Projekte bleiben der privaten Projektsprache unterstel1t und treten a1s Inha1- ter Bevõlkerungsteile durch die externen Effekte des Projektes werden in
te von autonomen und nicht offentlichen Diskursen auf. Den offentlichen Kaufgenommen (vgl. HaussermannlSiebel 1987:
Akteuren gelingt es nicht, eine Strategie zur angemessenen Berücksichti- 56). In Wien geljngt es letztlich nicht, ein õffentliehe Interes e am Projekt
gung des offentlichen Interesses zu entwickeln (vgl. Secchi, 1989: 23). Im zu wecken. In Zürich wird zwar darüber abgestimmt, docb das knappe Re-
partnerschaftlichen Planen von GroBprojekten zwischen privaten und offent- sultat zeigt, wie gering das õffent1iebe Interesse an HB-Südwest a.ls GroB-
lichen Interessen bilden sich Diskursgemeinschaften, die eine eigene Welt überbauung ist. Die Florentiner Projekte in Novoli und Castello 1elden von
hervorbringen, in die nur die Teilnehmer der Diskursgemeinschaft Eintritt vornherein an einem fehlenden überzeugenden offent1ichen Diskurs und
finden. Diese Integration ist partiell und muB desha1b mit Legitimations- werden allgemein als Investitionsprojekte Init dubiosem Gewinn für die
strategien, die vom lokalen Staat und teilweise auch von den privaten Ak- Stadtgemeinschaft interpretiert. . .
teuren ausgehen und we1che die Projektumwelt anvisieren, verbunden Das groBte Problern in dieser Auseinandersetzung
werden. Wahrend jedoch der loka1e Staat seine Legitimationsstrategie über ren Projektstrategien und õffeotlichem Diskur besteht Jedocb 10
einen offentlichen Diskurs aufbaut, der das Projekt a1s unverzichtbar für die zeit1icben Dimension. Die Stadtentwick1ungspolitik über GroBprojekte
Stadtgemeinschaft darstellt und dadurch eine Art kollektive Sachzwang- erzeugt politische Opportunitatsstrukturen, die den
argumentation führt, versucht der private Akteur in der Investitionslogik zug von Offentlichkeit verbindero und im Prinzip nur KonfrontatlOnen roJt
durch Konzessionen an a1s allgemein anerkannte Interessen seine Legitima- ungewissem Ausgang in der Eine
tionsstrategie zu konstruieren. Es sind dies zum Beispiel die Berücksichti- Optimierung der Planung über GroBprojekte, .die erst 10 Forrn
der offentlichen Diskussion gestel1t werden. Ist deshalb rucht moglich.
192 Stadtentwicklungspolitik zwischen Demokratie und Komplexitiit

4. Nach der Auflosung der Stadtvision a1s Vision einer immer wachsenden
Stadt und in Anbetracht der immer starker hervortretenden Interpretation der
Stadtentwicklung a1s Risikobereich, scheint es unumganglich, sich in Zu-
kunft mit der Frage, welche Stadt fur we1che Menschen, auseinanderzuset-
zen. Eine Reform der Stadtplanung kann meines Erachtens jedoch TIicht von
der GroBprojektlogik ausgehen, sondem muB sicb vielmebr zuerst um die Anmerkungen
Herstellung einer k.ol1ektiven Identitãt der Stadtgemeinschaft kümmem. 4
Denn die Stadtentwicklung ist keine technische Frage, sondem gebOrt zum
Diskurs über Stadtvisionen. Und welche Stadtvision die beste für ein Kol-
lektiv darstellt, kann erst durch die Beteiligung der Stadtbewohner an der
Einleitung
Festlegung dieser Vision ermittelt werden. Die Stadtvision konnte dadurch
den Stellenwert einer Verfassung fur eine Nation oder eines Lebensprojek- 1 V 1 zu diesen Phasen Mela, 1985 und Cervellati, 1984: sind
tes fur eine Farnilie erhalten; a1s diskursiv vermittelte Vision konnte sie den n;r 'theoretiseh unterseheidbar. In der Praxis fli.eBen Sle Ube:u
lokalen Grundkonsens darstel1en, der politisch handlungsbestimmend wãre treten in Fãllen besehleunigter Entv:icklung S. 147-
Phasen der Stadtentwicklung aueh Plzzorno, 1962 un eu ee ,
und kollektives Handeln in stadtentwicklungspolitischen Fragen an diesen
gesellschaftlichen Grundkonsens anbinden würde (vgl. Indovina, 1990: 33). 169. h n/L' d
Die Mõglichkeit der Ermittlung dieser Stadtvision wird stark vom loka1en 2 Grau a m e . . . l S egation in Stãdten gar »em
politik infolge dieser sozlalen und en e.gr
Staat in seiner Funktion als Organisator abhangen (vgl. Ferrero, 1991: 6lf.). Abgleiten in den stãdtisehen freundhchen Fasehlsmus«c 11" (1978) rnit
Verschiedene Modelle stehen dabei in den aktuellen Planungsdebatten zur dazu den Sammelband, herausgegeben von Paolo l
3
Diskussion: Vorgeschlagen werden Planungen, die eine Gesamtsicbt aufge-
ben (»1 'urbanistica debole«, die als Konzept von Mela 1987 vorgescblagen
wird); Planungen, die von Inha1ten befreit sind und vor allem Prozesse in
Gang setzen sollen (vgl. Crosta, 1986 und 1990); und Planungen, wie sie nieht nur um eine planerische
4
oben vorgestellt wurden, die bindende Bestimmungen und offene Momente h Versuehe auf die õkonomische Restruktunerung der ac tzlger
dem auc wl'rd' in der Postfordismus-Diskussion hervorgehoben; vgl.
kombinieren (vgl. Campos Venuti, 1990).5 Sicherlich werden neue, im Ver- J ahre zu reagleren,
gleich zu früher flexiblere Verfabren notig sein. Zentra1 werden auf jeden Indovina, 1990 und Mayer, 1991.
Fall die inha1t1ichen Bestimmungen und der Konsens über diese inhaltlichen
Bestimmungen der Planungen sein (vgl. Folin, 1990: 62). Vor allem wird
die Stfu:ke des Staates in der Wabrung der Rolle als Organisator der Stadt- I. Theorie und Methode: U t h gsfield
entwicklung, gleich welcbes ModelI c:fie technische Grundlage der Stadtent- Stadtentwick1ungspolitik als n ersuc un
wicklungspolitik sein wird, bestimmend dafür sein, inwieweit die zukünf- 77' Dye 1986' 46f und Waste,
tigen Veranderungen offentliche Interessen berücksichtigen werden. l V gl. zur Diskussion dieses Ansatzes: Offe, 19 , , . .

2
Dlllerenzlerung e ' . fl"\..: k 't d r Akteure
Unternehmenssitzen und der KoordinatlOns <1.l1.1g el e. .
3 Moloteh si eh
4 V gl. Dom o , u , .
195
194 Stadtentwicklungspolitik zwischen Demokratie und Komplexitiit Anmerkungen

die lokale von der nationalen Machtelite darin, das die lokale Elite »an aggre- Ideologien in neokorporatistischen Gremien als Versachlichung und Pragma-
gate of land-based interests that make their money from the increasingly inten- tisierung bezeichnen.
si ve use of their land« ist (Domhoff, 1986: 56). Elitentheorien zufolge ist die 17 Insbesondere wurde die Veranderung der gewerkschaftlichen und linken Po-
Landkontrolle die wichtigste Ressource auf kommunaler Ebene, deren Besitz sitionen beleuchtet, deren Integration in Vermittlungsgremien einerseits die
die politische Elite auszeichnet; es handelt sich dabei um Vertreter von Hypo- Ausbildung systemkonformer Handlungsmuster und den Autbau einer Verhand-
thekarbanken, Immobilien- und Grundstückshãndler, Bauherren und Landbe- lungskultur in der Elite fordert (vgl. z.B. Farago, 1980;
sitzer (Dye, 1986: 48). Esser/Fach, 1981) und andererseits den Konsensbedarf »emvernehmhcher
5 Vgl. Stone, 1986, S. 84-91; um dieses Verhãltnis zwischenAkteur und Umwelt Politik« über die verstãrkten kooperativ-komplementãren Beziehungen erhoht
zu beschreiben, verwendet Stone den Begriff »ecological power«. (vgl. Linder, 1983: 301ff.).
6 Eine Zusarnmenfassung dieser Forschungsrichtung bietet Binder, 1983. 18 Weiter unten (2. Methodische Anmerkungen) wird die Methode ausgeführt
7 Dahingehend ist auch der Versuch von GrauhanILinder, 1974 zu interpretieren, werden.
welche die Verstãdterung als gesellschaftliches und nicht als kommunales 19 Analysieren bedeutet hier, daB durch abstrakte Kategorien, welche die Realitãt
Problem begreifen. selektiv wahrnehmen, die angedeutete Intuition besser verstãndlich gemacht
8 Wie in Hesses (1983) Reader »Politik von unten« dargestel1t wird. und beschrieben werden kann.
9 AIs extremes Beispiel der Beeinflussung des lokalen politischen Systems durch 20 In Marins (1990: 62) Worten: »1 consider exchanges political whenever they
kulturel1e Traditionen kann die Rolle der Mafia in Palermo genommen werden either require or cause collective action (instead of single organizational or
(vgl. Cancila, 1988: 524f.). Vgl. zur Bedeutung ortlicher politischer Traditio- market strategies) of collective actors; or if, through their being part of larger,
nen die Untersuchungen von Lojkine, 1980. more comprehensive networks of generalized exchange, obstructive consequen-
10 V gl. dazu auch das Konzept der Gegenmachtbildung bei Krãtke/Schmoll, 1987. ces for ongoing political games (econornic policies) or even an established meta-
11 In Cawson (1986) erscheint die von Offe (1984) entwickelte Idee, neokorpo- game (political-economic regime) might occur«. . .
ratistischeArrangements als Systemaltemativen zu Markt- und Staatssteuerung 21 »What kind of goods are bein g traded in this political market? While m the
zu sehen. Doch ist die Verwendung dieser Makrobeschreibungen als histori- atomistic market more gains were obtained in exchange for more effort, and
sche Abfolgen von dominanten Problemlosungsmustem in westlichen Demo- in the collective bargaining in exchange for continuity of work, in the political
kratien meines Erachtens nicht zum Verstãndnis lokaler experimentierfreudi- market the resource given in exchange may be called consensus or support«
ger politischer Systeme tauglich. (Pizzorno, 1978: 279).
12 Die Interessenverrnittlung in Italien verlãuft dadurch, so Trigilia (1985: 206f.) 22 Die sehr offene Definition des politischen Spiels findet sich auch im hier
oder Tarrow (1977), eher über die Parteien und besitzt klientelistische Züge. zugrunde liegenden Konzept des Generalized Political Exc?ange (GPE).
13 Pestoff (1990) stellt für Schweden - Simmies Vermutung der Notwendigkeit (1990: 40) definiert »political exchange as mutually
starker Verbãnde auf lokaler Ebene zur Erzeugung neokorporatistischer Arran- cal and -econornic transactions between autonomous, orgamzed, collectlve
gements bestãtigend - ein weitgehendes Fehlen von Wirtschaftsverbãnden und actors with divergent!competitive/antagonistic, but functionally interdependent
neokorporatistischen Arrangements auf lokaler Ebene fest und begründet dies interests, the binding character of which cannot be based on law and contract«.
mit der Zentralisierung neokorporatistischer Verhandlungen auf nationaler 23 Auf die Notwendigkeit und Fruchtbarkeit der Analyse von Situationen und
Ebene, die verbindliches Verhalten auf allen Ebenen festlegen. Situationslogiken weist insbesondere Vobruba (1983: 156-189) im Rahmen
14 Wie sie zum Beispiel von Schrnitter (1974) formuliert werden. seiner Forschungsarbeit zu den Mechanismen der Inpflichtnahme in neokor-
15 Auch Wollmann (1991: 28) weist auf diesen Zusammenhang zwischen Proble- poratistischen Grernien hin.
men, Theorieansãtzen und politologischer Stadtforschung für die deutsche 24 Die Regulierung des Austauschs, der von Friedberg (1990) als
Diskussion hin; vgl. zur franzosischen Diskussion Rémy, 1985; zur amerika- Beziehungsmuster von Spielen definiert wird, findet ihren Ausdruck m den
nischen Diskussion Rosini, 1988. »rules of the game«, die empirisch als strukturierte Interaktionen untersucht
16 Áhnlich interpretieren Marin (1980: 159) oder Schmitter (1985: 6) neue ideo- werden konnen und deren Analyse »patterns of negociation and exchange«
logische Referenzen als Abbau von Ideologie, indem sie die Übernahme neuer hervorbringen.
196 Stadtentwicklungspolitik zwischen Demokratie und Komplexitiit Anmerkungen 197

25 V gl. zum Problem der Abstimmung mit mindestens zwei anderen Logiken bei 38 Genau darin besteht der Unterschied zwischen einer Tauschhandlung in einem
kollektiven Akteuren: Wil1ke, 1978: 233ff.; E1chardus, 1990. politischen Spiel und einer Tauschhandlung auf dem Markt; denn die Logik des
26 Ganz abgesehen von komplexen Entscheidungssituationen handelt es sich dabei Marktes, der õkonomische Tausch, falIt hinter die Zentralitat von Kommuni-
um eine Grundregel von Kommunikation. Kommunikation erzeugt nie eine kation und deren Manipulation (vgl. Rusconi, 1983: 267).
vollstiindige Verstãndigung im Sinne einer võllig identischen Interpretation aller 39 Als methodischer Schritt wird die eklektische Erarbeitung einer middle-range
verwendeten codes von seiten aller Kommunikationsteilnehmer; vielmehr führt Theorie von Galtung (1990: 100) als sinnvoller Weg zur Theoriebildung be-
Kommunikation zu standigen Übercodifizierungen, die auch den Freiheitsgrad schrieben. Der Begriff middle-range (mittlere Reichweite) stammt von Merton
der Interpretation andeuten. Ein Kunstwerk erlaubt sicher einen grõBeren In- (1964). Er bezeichnet Theorien, die zwischen punktuellem konkreten und all-
terpretationsreichtum als eine technischeAnleitung; beide codes müssenjedoch gemeinem abstrakten Verstandnis sozialer Phanomene stehen.
trotzdem ausgelegt und einer Vielfalt von Sinnprovinzen zuganglich sein (vgl. 40 Wie auch Dente (1989: 56f.) festhiilt.
dazu z.B. Mela, 1985). 41 Es handelt sich dabei jedoch weiterhin um einen im Sinne von Ferrari (1990:
27 Latente Interessen werden im Rahmen der Rekonstruktion des Spielinhalts in 67) horizontalen Vergleich: » >Vertical< comparison concems social contexts
der empirischen Untersuchung thematisiert werden. showing a very different level of economic and technological development.
28 Oder in den Worten von E1chardus (1990: 233): »The identity of an actor should, >Horizontal< comparisons is concemed with social contexts sharing a relativ-
in other words, be defined as a state of the actors' guiding principles and factors«. ely similar level of economic and technological developement«. V gl. zur
29 So1che Symbole kõnnen zum Beispiel »KlassenbewuBtsein«, »Natur«, »Chri- Auswahl von Fallen auch Kohn, 1987: 726 und Przeworskyrreune, 1970 (die
stentum« oder »Untemehmerfreiheit« sein. dieses Vorgehen als »most similar systems design« bezeichnen).
30 Vgl. zu dieser (inzwischen stark kritisierten) Unterscheidung zwischen der 42 Vgl. zum Konzept der politischenArena Kitschelt, 1980: 12-34; vgl. zu dieser
»monologischen« und »dialogischen« Struktur der Interessenbildung: Offe, Vorgehensweise auch Melucci, 1985: 243.
1979: 72-79 und Offe/Wiesenthal, 1985. 43 Ein Argumentationsbeispiel zur Auswahl einer angebrachten Methode findet
31 Über die methodischen Implikationen der Bestimmung der Regeln über die sich in Soeffner, 1989: 211; allgemein dazu als Überblick: Cicourel, 1974: 63-
Akteurperspektive vgl. Hopf, 1982 und 1987. 110; Lazarsfeld, 1944; Neumann, 1984: 118.
32 Mit Hierarchie ist »an asymmetric interdependence or power-relationship 44 In allen drei untersuchten Stiidten bestand die lokale Presselandschaft aus
between system elements« gemeint (Marin, 1990: 56f.). ideologisch unterschiedlichen Erzeugnissen, die es erlaubten, den Blick auch
33 Zur Zentralitat informeller Regeln in politischen Spielen vgl. Mutti, 1990: 201. auf die politischen Gegensatze zu schiirfen. In Florenz wurden die Berichter-
34 Oder eben Erwartungserwartungen (Luhmann, 1984: 413f.). stattungen zu stadtentwicklungspolitischen Konflikten der Zeitungen La Na-
35 DaB es sich dabei auch um einen arbitriiren Entscheid des Forschers zur Ver- zione, L'Unità, Paese Sera und im Laufe der Untersuchung neu mit einer
einfachung der historischen Rekonstruktion handelt, ist kIar. Lokalbeilage herausgekommenen Zeitung La Repubblica systematisch verfolgt;
36 Wie Rusconi feststellt, kann sogar davon ausgegangen werden, daS die rigide- in Wien: Die Presse, die AZ, der Standard und der Kurier; in Zürich die Neue
ren Identitaten in komplexen strategischen Aushandlungen eher auf der Verlie- Zürcher Zeitung, der Tages-Anzeiger und das Volksrecht.
rerseite sind: »In effetti, in una situazione strategica con forte investimento di 45 V gl. zu dieser Art »Reinigungsritual«: BierterlBinderlRüegg, 1987 und Cicou-
senso (quale eil caso dei grandi conflitti industriali) le identità rigide sona spesso rel, 1974: 125.
perdenti. Viceversa, un' identità esce modificata anche da una strategia vincen- 46 Um nicht in einem spezifischen Kreis von Personen zu bleiben, zum Beispiel
te« (Rusconi, 1983: 269; vgl. auch Rusconi, 1984); vgl. zum Stellenwert von Ratsrnitgliedern, wurde nach den Interviews explizit nach wichtigen Personen
Vertrauen in politischen Spielen Granovetter, 1985 sowie Mutti, 1990: 21Off. und aus anderen gesellschaftlichen Gruppen gefragt, wie zum Beispiel Intellektu-
1985. elle, Unternehmer und so weiter, so daS die verschiedenen Personenkreise wie
37 Wie auch Hesse für die in der stadtischen Politik mehr und mehr an Bedeutung auch vermutete wichtige Personen in die Auswahl integriert werden konnten.
gewinnenden politkfeldbezogenen Grernien feststel1t, die der »Organisation von 47 Lediglich zwei angesprochene Personen verweigerten das Interview. Bei bei-
Interaktionsprozessen zur Konsensfindung und Akzeptanzgewinnung und der den handelt es sich um Personen, die in Korruptionsprozesse verwickelt wa-
Organisation der Kompetenz- und Ressourcenbereitstellung, um kol1ektives ren; nicht transkribiert, sondem sinngemãB zusammengefaBt, wurden die In-
Handeln materiell zu ermõglichen«, dienen (Hesse, 1987a: 72).
198 Stadtentwicklungspolitik zwischen Demokratie und Komplexitiit
Anmerkungen 199
terviews mit eher informativen Charakter. In zwei Fãllen wurde uns die Auf-
nahme des Gesprãchs verweigert. Es handelt sich dabei um ein Gesprãch mit Interpretation einstelIenden Eindrucks, mit neuen, für
einem Bankdirektor und einem Direk:tor einer parastaatlichen Institution in die Fragestellung relevanten Interpretationen gewmnen zu konnen.
Zürich. Zu diesen beiden Interviews wurde eine Mitschrift und ein Gesprãchs- 58 Was auch einer Art »abkürzender Suchstrategie« entspricht (Oevermann, 1983:
protokoll verfaBt.
48 Vgl. dazu Marin, 1978: 249f; Neumann, 1984: 121; Wieder/Zirnmermann, 1976: 59 Verfahren insbesondere auch Oevermann, 1979: 395ff; Reichertz,
116f; Kohli, 1978. 1986: 120ff.
49 Zu den Problemen, die wãhrend Interviews auftauchen kõnnen, vgl. die um- 60 Dem Problem, Intuition als methodische Anleitung in dieses zu
fassende Aufzãhlung von Marin, 1978: 246-276. integrieren und damit einen inter ubjektiven der
50 V gl. zur Diskussion und Validierung wãhrend Interviews CremerslReichertz, leistung infrage zu stellen. wurde damit begegnet, daB dle InterpretatIOnen l.n
1980: 241. einem ProzeB der Konsensbildung zwischen den an der betel-
51 Zum Dilemma im Interview, sich sowohl dem Interviewten in seiner Alltags- ligten Forschern entstanden. Damit wurde zum Teil die Jnlersub-
sprache und in seinem DiskussioosstiJ aonãhem zu m.üssen, wie die Rolle des jektiv nachvolIziehbaren Argumenten ergãnzl (vgl. zu vor aJler,n
Wissenschaftlers beizubehalten, vgl. Hron 1982: 45lf. FuchslWingens, 1986; zur Gruppenarbeit aJs Fehlerkorrektlv bel hermeneutJ-
52 Als Metbode des Vergleichs wurde die Typenbildung von Max Weber einge- schen Verfahren: KellerhoflWitte, 1990). ..
führt; vgl. Weber, 1973: 186-262. 61 In dieser Funktion werden die Interviews in .Sprache.
53 Die Methode der Typenbildung schiirft den Blick auf die Kontinuitãt von Werden Interviewinterpretationen vorgestellt, verblelben dle m
Fallgeschichten und schützt vor übereilten Schlüssen bezüglich der Notwen- Originalsprache (mit Ausnahme der. schweizerdeutschen Texte, dle wortwort-
digkeit von Phãnomenen, wie sie oft. wie Maurice (1989: 175-191) feststellt, lich ins Hochdeutsche übertragen smd). . ..
in international vergleichenden Studien, die die historischen Dimensionen 62 Zur Umsetzung sozialwissenschaftIicher Forschung vgl. CattaclnlKleger/Kuh-
unterbeleuchten, vorgenommen werden. nelRüegg, 1989.
54 In den Worten von Kohn (1987: 716): »1 believe that where we find cross-
nacional simiIarities tbe mos t efficient strategy in searching for an explanation D. Die politische Organisation der Stadtentwicklung in Florenz,
is to focu on what is structurally im.ilar in tbe countries being compared, not Wien und Zürich aus historischer Sicht
on tbe often di vergent bistorical processes that produced tbese social-structuraJ
similiarities«. Oder an einer anderen Stelle: »The Interpretation mUSl be histo- 1 Die Schwãche des Transportsystems kennzeichnet nicht nur .das Dritte Italien,
rically ioformed, but sociological interpretations, even of cross-national diffe- sondern ist eines der zentralen Merkmale des italienischen
rences, are essentially trans-mstorical« (Kohn, 1987: 729); vgl. auch Raginl Die Tertiarisierung der Wirtschaft in Italien kann heute weder eme
Zaret, 1983: 747f. tralisierung ihrer Leistungen noch auf ein schnelles dle
55 Dies auch die zentrale Kritik von Benhabib (1981: 370f.) an der Methode der trumsfunktionen besser auslastendes Transportsystem zãhlen. Ganz lm
Typusbildung von Weber. setzt Italien noch in den achtziger Jahren auf den StraBenverkehr, berelts
56 Bei der Transkription wurde ein einfaches Vorgehen gewãhlt: Alle ÀuBerun- drei Viertel des Personen- und Warenverkehrs absorbiert, wãhrend dle Bahnen
gen wãhrend des Gesprãchs wurden notiert. Zusãtzlich wurden Pausen und rund zehn Prozent dazu beitragen. . .
emotive Verãnderungen protokolliert (insbesondere Lachen oder Wut betonende 2 Die Abnahme der Bedeutung der Zentren der Region slcher. auch rrut der
Aussagen). Die im Durchschnitt eineinhalbstündigen Interviews lieferten etwa auftretenden Stagnation des Bevõlkerungswachstums lm Florentmer und Pra-
dreiBigseitige ProtokolIe. teser Raum zusammen. . .
57 Die AuswabJ von zwõ1fInterviews ist relativ zufãIlig. Zufàllig, weil im Prinzip 3 Doch treten diese kommunalen Richtplãne erst über emen ErlaB natlOnalen
in jedem Interview der FalI erkennbar ist. Relativ zufàllig, weil vor allem die Regierung in Kraft. Das Verfahren der ISt
Interviews ausgewãhlt wurden. die aus meiner Sicht die wichtigsten oder »in- MaBgeblich dafür verantwortlich sind insbesondere dle vlelen daran betellig-
teressantesten« waren. Die Anzahl der Interviews, zwõlf, ist ein Resultat der ten bewiIligenden Behõrden: Nachdem der Richtplan von der kommunalen Re-
zeitlichen Beschrãnkung der Untersuchung, aber auch des sich wãhrend der gierung dem Gemeinderat vorgeschlagen wird, dieser ihn absegnet, geht der
200 Stadtentwicklungspolitik zwischen Demokratie und Komplexitiit 201
Anmerkungen

Richtplan an eine technische Kommission der Regierung (commissione regio- Verkehrsregelung konzentriert sich im Vergleich zum
nale tecnica ammin.istrativa, crta), d.ie den Plan begutachtet und der reg:ionalen zept von 1951 nicht mehr auf die konzentrischen Umfahrungsaehsen blS
Regierung zur Annahme oder Ablebnung empfieblt. Diese Komm.ission kann die Hügelketten; sie sieht vielmehr ei ne West-.Ost-Verbindung der EI-
aueh konkrete Ãnderungen vorscblagen. Die Regierung der Region muB dar- senbahnlinie vor. Der Plan beschrãnkt sich auf mnerkommunale EntwIcklungs-
auf den Plan dem regionalen Parlament vorstellen. Das Parlament bespricbt den richtlinien: Das Gebiet õstlich der Bahnen wird der Bebauung freigegeben,
Plan in eioer Kommission (quinta commissione) die ebenfaUs Ãnderungsvor- wobei das nõrdliche Gebiet Richtung Sesto aussehlieBlich Industriebauten, das
schlãge fonnul.iert. Das regiona1e Parlament diskutiert schlieBlich den Plan und südliche dagegen als neuer tertiãrer Pol (Zona Porto) zur Verfügung
kann verbindliche Ãnderungen der Gemeinde diktieren. Danacb geht der PIan Das strategisehe Gewicht der Ebene von Novo1i wird dagegen vernaehlasslgt,
zurück an d.ie Gemeinde d.ie ibn korrigiert, erneut durch den Gemeinderat was zu einer unkoordinierten Saturierung von Novoli führen wird (Campos
absegnet und zur Bewilligung an die regionaleBehõrde zUTÜckschickt. Ledig- Venuti, 1987: 195). Das wichtigste Gebiet der strategisehen Richtung N ordwe-
lich die techniscbe Kommission und die regionale Regierung kõnnen den Plan sten wird dadurch systematisch blockíert und der Raum zwisehen der Stadt und
dann noch ãndern. Wird er auf dieser Stufeakzeptiert, braucht es noch ein Dekret der offenen Ebene geseblossen. . . .
der nationalen Regierung damit der Richtplan rechtskrãftig wird. 11 Das heiBt nicht, daB der Plan ignoriert wird; er findet vIelmehr semen Platz m
4 Vgl. zur Urbanistikgesetzgebung und zur urbanistischen Geschichte ltaliens seit der symbolísehen Politik, wie Cusmano ausführt: >;Quel del '62,
dem Zweiten Weltkrieg: Secchi, 1984. viene adottato - cioe fatto proprio da11' amministrazlOne - e pOl approvato, qumdl
5 In der BezeiehnungAdministrativwablen (elezioni arnministrative) steckt bereits reso eseeutivo ma, nei fatti, non viene mai aceettato né dalIe forze politiche ehe
eine ganze Menge italienischer Geschichte: Zur Zeit des Faschismus wurde die si sueeederanno al potere - fossero esse eentriste o di sinistra -
kommunale Autonomie und Demokratie abgeschafft. Die Gemeindeebene imprenditoriale e, forse, dalIa stessa Anehe fu
existierte als Verwaltungsebene. Die politischen Entseheidungen wurden auf presente - citato e reeitato - nei programml poliuc! e nelle ufficIah
nationaler Ebene gefãlIt. Im Nachkriegsitalien wurde die demokratische Ver- degli amministratori. Sarebbe, anzi, molto istruttlvo - anche
fassung der Gemeinden zwar wieder eingeführt doch blieb die Unterscheidung interessante - rieostituire i perché di un dima di aeeettazione e dI
zwischen politischer nationaler Ebene (das Parlament und der Sena!. die in den versione effettiva. Come se questa eittà - ancora una volta - avesse blsogno dI
politiscben Wahlen, den sogenannten elezioni politiche, bestellt werden) und uno sfondo fatto di grandi íntraprese, di uno scenario di rinnovata grandeur, per
adminístrativer lokaler Ebene bestehen. Erst seit den siebziger Jahreo ist eine giustifieare e naseondere una prassi di piecolo eabotaggio, ovvero per eoltivare
Trendumkehr festzusteUen, die Ferrari (1988: 68) im Konzept »von der staat- una miriade di minuti ma sensati eampicel1i« (Cusmano, 1990: 8lf.).
lichen (bürokratischen) Lokalverwaltung zur autonomen (demokratischen) 12 Die sozialreformerisehe De verkündet im Ju1i 1965 durch Danilo Zolo das Ende
Kommunalverwaltung« zusammenfaBt. der Mitte-Links-Regierung des Sozialisten Lagorio. Die Gegenoffensive
6 Diese zeitliche Befristung ist neu. In der vorhergehenden Gesetzgebung wur- rechten Dc-Flügels lãBt nicht lange auf sich warten. Die Dc sehlãgt für dIe
den MaBnahmen lange Zeit aufgeschoben und Gemeinden blieben dadurch oft Kommunalwahlen vom 12. Juni 1966 auf dem ersten Listenplatz Piero Bargel-
monatelang ohne Regierung. 1ini vor, der vom Bürgertum unterstützt wird und alle einer
7 Zur italienischen Kommunalverfassung, vgl. Legge 8. giugno 1990, n. 142, sehwachen politisehen Figur hat. Innerhalb der Dc r.eagIert
Ordinamento del1e autonomie loeali; Ferrero, 1983; Ferrari, 1988. risehe Gruppe, indem sie über ein Flugblatt (mamfesto del 42) dIe
8 V gl. Confederazione nazionale sindacati faseisti professionisti e artisti, 1934. auffordert nicht die De zu wãhlen. In den sieben Monaten vor der Wahl erlel-
9 Doch verkennt di ese Idee die Zentralitãt von Novoli als erstem Absehnitt in der det das Florenz erneut die Einsetzung eines Kommissars. Die Wah-
prioritãren Entwicklungsriehtung, denn ein groBes Bahnhofsareal in diesem len bestãtigen die Krãfteverteilung. Einzig die Psi gewinnt leicht
Gebiet würde eher den Verkehrsflu8 stoppen als fõrdern . meister wird, wie zu erwarten war, Barge1lini, der eine sehwaehe
10 Der Plan, der 1958 in Kraft tritt, sieht eine intensive Bebauung der Gebiete am Regierung anführt. Bereits im September 1966 wird Regieru.ngskrlse em-
FuBe der Hügelketten (mit Ausnahme des Grevegebiets) vor. Das hisroriscbe geleitet, weil die Sozialisten den Haushaltsvorsehlag meht akzeptleren. l
Zentrum wird nur sehr generel1 in den Plan aufgenommen. Die Grünflachen Oktober 1967 kommt es emeut zu Konflikten zwisehen der De und der PSl (mlt
und die Rãume für die õffent1ichen Dienste werden sehr gering gehalten. Die der inzwisehen die Sozialdemokraten zur Vereinten Sozialistischen Partei [Psu]
202 Stadtentwicklungspolitik z;wischen Demokratie und Komplexitiit Anmerkungen 203

verschmolzen sind) und dem Rücktritt der Regierung. Am 3. November 1967 22 Die Relevanz dieser Dimension hat verschiedene Gründe: Das kommunale
wird eine neue Mitte-Links-Regierung unter Führung des Anwa1ts Luciano Bausi Gebiet von Florenz ist das kleinste im Vergleich zu den anderen groBen Stadten
eingesetzt, die aber in der Minderheit ist und in entscheidenden Momenten der in Italien und zudem besteht ein Drittel dieses Territoriums aus nicht urbani-
Unterstützung der Liberalen bedarf, was dem sozialistischen Teil der Psu nicht sierbarem Kulturland auf den Hügelketten. Bezeichnend für die Bedeutung der
gefállt und zum Rücktritt ihrer Stadtrate führt (die Psu bleibt bestehen, doch interkommunalen Koordination sind die von Detti bereits früh aufgeworfenen
entspricht sie der Psdi, wahrenddem sich die Psi neu formiert). Die Blockie- Vorschlage und die Florentiner Dekrete von 1956 ZUI interkommuna1en Pla-
rung der Regierung wird durch den Rücktritt von Bausi im Juli 1968 nicht nung. Jedoch konnte bisher kein interkommuoaler Plan. insti.tutionalisiert
beendet. Einen Monat spater wird er wieder als Bürgermeister einer Minder- werden. Verschiedene assoziative Fonnen der Aggregierung \lon Gemeinden
heitsregierung eingesetzt. In dieser durch die 68er-Unruhen zusatzlich erschwer- führten im besten Fall zu einer Koordination der urbanistischen Politiken, nie
ten Zeit erscheint die erneute Einsetzung eines Kommissars die einzige Lõsung jedoch zu einer gemeinsamen Planung. Dje in den siebzi.ger Jahren entstande-
zur Herstellung der Regierbarkeit; das Komrnissariat beginnt imApril1969 und nen regionalen Organe urbanistischer P1anung konnten ebenfaJls bisher keine
dauert bis zu den Neuwahlen am 7.18. Juni 1970 (vgl. zu dieser politischen Losungen formulieren. Erschwert wird in Florenz die interkommunale Zusam-
Krisenzeit auch Morales, 1989: 9-25). menarbeit sicberlich auch dadurch, daS mit Prato eio gewichtiger sekundarer
13 Wie Cazzola (1991) eindrücklich zeigt. Pol in der Provinz Florenz besteht, der zur Autonomie strebt und auch von der
14 Auch hilft die gegensatzliche politische Ausrichtung der Region nicht, in Flo- Region Toskana a1s eigenstandiges urbanes Gebiet definiert wird, obschon starke
renz klarere Regierungsverhaltnisse zu schaffen. integrierende Faktoren zwischen F.Iorenz und Prato vorhanden sind. Dies führt
15 Die Quartierrate in Florenz werden von der Bevõlkerung bestellt. Sie haben zwar zu einer hohen SelbstausIÜstung mit primaren Infrastrukturen in den
jedoch praktisch keine Entscheidungsbefugnisse und werden von der Bevõl- Gemeinden rund um Florenz, aber eben auch zur unkontro1lierten, hohe Ko-
kerung auch nicht ernst genommen. Ihre Reform ist in Aussicht gestellt; vgl. sten verursachenden Expansion in Richtung Sesto Fiorentino-Prato und Scan-
zur Quartierdemokratie in Italien: DentelRegonini, 1980. dicci.
16 Diese Wahlen standen im Zeichen der in der Bundesrepublik eingelauteten 23 Eine Modernisierung der Wirtschaft und die Anpassung an europaischen Stan-
»Wende« und hatten das Ziel, homogene Koalitionen in ganz Italien über eine dards ist momentan im Gange, was eine Veranderung der Wirtschaftsstruktur
autoritare Intervention der nationalen Regierungsparteien in die lokale Partei- in zweierlei Hinsicht bewirkt: Einerseits führt die Privatisierung der staatlichen
enlandschaft zu schaffen. Unternehmen vor allem im Industriebereich, aber auch im Banken- und Ver-
17 V gl. zu dieser Charakteristik des italienischen politischen Systems, die allge- sicherungswesen zu schmerzhaften Restrukturierungen, andererseits bewirkt
mein als »partitocrazia« bezeichnet wird: LaPalombara, 1987. der Abbau von Zollschranken eine hartere Konkurrenz mit international tati-
18 Innerhalb der Florentiner Partei sind drei Fraktionen zu erkennen, die nicht gen Unternehmen. Beides führt zu einer immernoch anhaltenden Strukturschwa-
politisch unterscheidbar sind, sondern seit rund zwanzig Jahren personenge- che der õsterreichischen Wirtschaft und einem im Vergleich zu anderen ver-
bunden sind (Colzi, Spini und Lagorio sind diese auch auf nationaler Ebene gleichbaren europaischen Landern erhõhten strukturellen Nachholbedarf (vgl.
wichtigen Führer, die sich in Florenz gegenseitig in Schach halten). NZZ 7.18.121991).
19 Und zwar siri.d die Sozialisten rund dreimal starker in den Exekutiven vertre- 24 Der diesbezügliche Verfassungsartikel (Artikel lO8,Absatz 1) besagt: »Für die
ten, als ihr Stimmengewicht es erwarten HiBt, vgl. Martinotti, 1987. Besonders Bundeshauptstadt Wien a1s Land har der Gemeinderat au eh die Funktion des
diese Partei wurde in Florenz von etlichen Skandalen heimgesucht, die auf deren Landtages, der Stadtsenat auch die Funktioo der Landesregierung, der Bürger-
heterogene Zusammensetzung zurückzuführen sind. meister auch die Funktion des Landeshauptmannes, der Magistrat auch die
20 Zur Klientelismus-Diskussion in Italien vgl. Graziano, 1980; Emilianirrascio- Funktion des Amtes der Landesregierung und der Magistratsdirektor auch die
tti (1988: 234f.) stellen fest, daB auch strukturelle Elemente des ita1ienischen Funktion des Landesamtsdirektors«.
politischen Systems klientelistische Praktiken fõrdern. Insbesondere die Tat- 25 Dieses Instrument ist aufLanderebene geregelt und existiert auBer in Wien noch
sache, daB die Stadtrate unterbezahlt sind und oft nicht genügend kompetent. in Oberõsterreich, Niederõsterreich, Salzburg und Steiermark. In Niederõster-
21 Dabei handelt es sich nur in geringem MaBe um neue Bereiche des qualifizier- reich haben die Bestimmungen des Stadtentwicklungsplanes Verordnungscha-
ten Tertiarsektors. Die Modernisierung findet in diesem Sinn nicht statt; vgl. rakter und somit eine verbindlichere rechtliche Form.
Baldeschi, 1990: 99ff und Sforzi, 1988.
204 Stadtentwicklungspolitik zwischen Demokratie und Komplexitiit Anmerkungen 205

26 Vgl. dazu: Expertenkommission Reichsbrücke, 1977 und Wonn, 1981. Familienwohnungen sind rnindestens Drei-Zimmer Wohnungen. In der Praxis
27 Zur Sozialpartnerschaft in Osterreich, vgl. Grande, 1988; Marin, 1981 und 1980. wird eine Veranderung bewilligt, wenn auf dem betroffenen Gebiet dem ver-
28 Neben diesen Stadten müssen in der Nordostschweiz Winterthur-St.Gallen und schwundenen Wohnraum entsprechender neuer Wohnraum geschaffen wird.
in der Innerschweiz Luzern zu den weiteren stadtischen Konzentrationen ge- 37 Die Zürich Transport wurde vom Zürcher Stadtingenieur Bernath ins Leben
zahlt werden. In diesem Zusammenhang ist die starke Zunahme der stadtischen gerufen. AIs Vorbild dient die New York PorthAuthority, die ein Gremium der
Agglomerationen in den letzten zwei Jahrzehnten besonders für die territoriale Zusammenarbeit von Beamten und Privatwirtschaft ist. Die Zürich Transport
Entwicklung der Schweiz erwahnenswert. Im Rahmen der letzten Volksziih- hat jedoch, eher als ein Organ der Zusarnmenarbeit zu sein, den Charakter eines
lung wurde dabei diese Entwicklung als Verkleinstii.dterung der Schweiz be- Wirtschaftsgrerniums zur Beeinflussung der Stadtregierung. In den achtziger
schrieben, denn die kleinen Gemeinden gewannen im Vergleich zu den Stii.dten Jahren ziehen sich die Stadtrate aus diesem Gremium mehr und mehr zurück
an Attraktivitat (vgl. NZZ 21.122.12.1991). und 1990 folgt der Austritt der Stadt als Beh6rde.
29 »Warum war die Beschaftigungskrise in der Rezession 1974/76 so groB?« fragt 38 Das Rote Zürich der Zwischenkriegszeit existierte bis 1949 rnit einer Mehrheit
sich auch Schmidt (1974: 216), der wie folgt darauf antwortet: »Die Schweizer von fünf von neun Stadtraten.
Wirtschaft stand unter einem überdurchschnittlich groBen Problemdruck von 39 Widmer weist ebenfalls auf dieses Auseinanderklaffen der drei Positionen hin,
auBen (AuBenwirtschaftspolitik) und von innen. Für das letztere waren Folge- wobei die Abstimmungen als Bremsen der Stadtentwicklungspolitik wirken:
probleme früherer Erfolge und Versaumnisse maBgebend. Ein verschleppter »Versuche, Zürich groBe gemeinsame Aufgaben zu stellen, sind gründlich
Strukturwandel, die »Überindustrialisierung« und die »Über-Erwerbstatigkeit« miBglückt. 1969lehnten die Stimmberechtigten eine Bewerbung für die Olym-
(sehr hohe Erwerbsquoten und sehr lange Arbeitszeiten) sind dabei vorrangig pischen Winterspiele 1976 deutlich ab. 1972 verwarfen sie das Projektfür eine
zu nennen. Hinzu kam, daB der Problemdruck schnell und direkt auf den Ar- U-Bahn. Gnadenlos durchkreuzte der Sou verãn zwei Anlii.ufe zu einem Hi.nger-
beitsmarkt durchschlug. Schwach ausgebildete Konjunkturstabilisatoren wa- fristigen Konzept für eine Planung auf regionaler Stufe, 1982 und 1984«
ren hier verantwortlich und das geringere AusmaB an arbeitsrechtlichen und (Widmer, 1984: 49).
politischen Sicherungen gegenArbeitsplatzabbau. Die Stabilisierungskrise lieB
sich deshalb 6konomisch und politisch schnell (und überdies weitgehend ge-
rauschlos) durchsetzen«. 111. Stadtenwicklungspolitik über GroBprojekte
30 In Zürich existieren keine quartierdemokratischen Strukturen; vgl. zur Einschat- l Doch findet sich diese Analyse auch in Florenz; vgl. Cusmano, 1990: 83.
zung dieser Strukturen für Klein- und mittelgroBe Stadte: Kl6ti, 1983. 2 V gl. dazu den Sarnmelband Zürich ohne Grenzen, herausgegeben von Gins-
31 Auf dieses Instrument werde ich in der Fallbeschreibung zurückkommen; vgl. burg et al., 1986.
zur direkten Demokratie in der Schweiz: Lafitte, 1987 und Kriesi, 1991; vgl. 3 Sennett (1991, 1974) beschreibt die Folgen der funktionalen Stadt auf das
allgemein zur kommunalen Autonomie in der Schweiz: Bassand, 1986 und Individuum, das sich mehr und mehr zurückzieht und sich von der Stadt als
Meylan, 1986. Gemeinschaft isoliert.
32 Diese Planungslogik wird von Max Frisch vortrefflich beschrieben und in ihrer 4 Vgl. dazu die These der »città omologata« von Barcellona, 1990.
Tendenz zur Mediokritat kritisiert; Frisch, 1953: 325ff. 5 Ganz in diesem Sinn betreibt die Zürcher City-Vereinigung eine bewuBte Politik
33 Wie Widmer (1984: 40f.) zeigt, verdoppelt sich die Bilanzsumme der GroB- der Âsthetisierung der Innenstadt (vgl. Blanc/Ganz, 1985).
banken Kreditanstalt und Bankgesellschaft bereits zwischen 1942 und 1952. 6 Übersetzung:
34 Der Einmarsch in Ungarn Ende November 1956 führt zum Zerfall der Partei A: Wo sehen sie die Risiken?
der Arbeit, die in den Gemeinderatswahlen,von 1958 nur noch ei nen Sitz B: Die Risiken, die Risiken sind, sagen wir, auch hier gibt es eine Vielfalt von
gewinnt. Risiken. Ich würde sagen, das erste stammt aus einem objektiven Problem der
35 Die City-Vereinigung ist ein Dachverband von etwa 25 autonomen Organisa- Steuerung dieser Transfonnation, das heiBt, ltalien ist inzwischen eines der
tionen der Zürcher Innenstadt, darunter acht Einkaufszentren und drei Finanz- wenigen Uinder, das kein Gesetz zur Regulierung des Bodenrechts besitzt. Im
instituten. Unterschied zu vielen europaischen Lãndern, Holland, Frankreich, England.
36 Das Wohnerhaltungsgesetz vom 30.6.1974 sieht für den Abbruch, Umbau oder
die Zweckanderung von Familienwohnungen ei ne Bewilligungspflicht vor.
206 Stadtentwicklungspolitik zwischen Demokratie und Komplexitiit Anmerkungen 207

Heute ist das Bodenrecht, das Problem der Transformation der Bodennutzung, gen Zeit berücksichtigt - auch von einem kulturellen Gesichtspunkt aus betrach-
von keinem Gesetz geregelt. Es wird immer noch ein Gesetz aus Neapel an- tet -, und jenen, die dagegen eine Entwicklungsidee haben, die sich an den Wirt-
gewandt, das sogenannte Gesetz von Neapel, das aus dem Ende des 19. Jahr- schaftssektoren orientiert, die noch produktiv sind, die noch Profit erzeugen,
hunderts stammt und der juristische Bezugspunkt für aIle Veranderungen der auch groBen, der jedoch immer weniger Schichten zugute kommt. Eine Idee
Bodennutzungen ist. Kein Bodenrecht zu besitzen, bedeutet für die offentlichen also, die dieser Stadt, ihrem Hinterland keine ganzheitliche Entwicklung brin-
Ste11en auch, sich in eine Position der Konfrontation mit den privaten Finanzres- gen kann.
sourcen zu ste11en, und dann, wenn so eine Konfrontation entsteht, ist diese eine 13 Vgl. zu einer Darstellung und Diskussion der beiden Projekte: Ventura, 1990,
Konfrontation, bei der die Mog1ichkeit besteht, auch die negativen Erfahrun- Di Pietro, 1990 und Centro Documentazione Progetto Castello, 1987 zu »Ca-
gen der fünfziger Jahre zu wiederholen; die groSen baulichen Veranderungen, stello«; Rossi, 1990 zu »Novoli«; zu beiden Projekten: Cassigoli, 1988.
die der Stadt nichts Positives gebracht haben. Und das ist ein Risiko. Ein anderes 14 Die Fabrik selbst sol1 nach Campi Bisenzio verlegt werde (vgl. L'Unità
Risiko ist [PauseJ 18.12.1987 und 23.4.1988).
A: Das Risiko ist die Spekulation? 15 Dabei ist der Ausbau des Flughafens Peretola (Casini BenvenutilMaltinti, 1990),
B: Ich würde sagen, mehr als die Spekulation, die Regulierung, die objektive der Zugverbindungen und des StraBennetzes in diesem Raum anvisiert (CdF,
Komplexitat der Regulierung dieses Verhaltnisses zwischen offentlich und 1986: 26). .
privat, das ein neues Verhiiltnis ist, wie wir bereits sagten, auf nationaIer Ebe- 16 Vgl. zur Geschichte dieser Entwicklungsachse: Lombardi, 1987.
ne. Ich würde sagen, daS ein anderes Risiko darin besteht, nicht gleichzeitig 17 Inzwischen wurde es durch die Intervention der Sozialistischen Partei auf 8000
mit den baulichen Veriinderungen auch die Verkehrsinfrastrukturen bereitzu- erhoht.
stellen. Das heiBt, diese Bauten haben einen Sinn, wenn sie von einer Investi- 18 Eine solche Umformulierung und Auswahl führte zum Beispiel zu folgender
tion der Privaten im Bereich der Infrastrukturen begleitet sind. Verkehr, Stra- Abanderung: Eine Frage lautete in der Version der Grünen: »Wollt ihr, daS die
Ben, Tram. Weil sie eine neue Nachfrage nach Mobilitiit in der Stadt generie- Justizverwaltung im Stadtzentrum bleibt und nicht auf das Areal von Fiat in
ren. Und das ist auch ein Problem, diese beiden Punkte festzuhalten. Novoli verlegt wird?« Zur Abstimmung kam folgende gemeinderatlich geneh-
7 Die von Gottdiener (1987: 195) als wichtigste Funktion der lokalen Ebene migte Version: »Bist du einverstanden, daS die Gemeinde Florenz den neuen
bezeichnet wird. Justizpalast in Novoli konstruiert - und damit die juristischen Dienstleistungen
8 A1so im Zeichen der »Simultanpolitik« standen, vgl. Saunders, 1985. rationaler und effizienter erbringen kann - und in den freigewordenen Gebau-
9 Vgl. dazu auch die Ausführungen des damaIigen Stadtprasidenten Wagner den im historischen Zentrum universitiire und museologische Funktionen un-
(1986: 130f.). terbringt? «
10 Auf Sachzwange als legitimationsstiftende Argumente geht Vobruba (1983) 19 Vgl. zur Diskussion um die Nachnutzung: Wiener Messen, 1989.
vertieft ein; vgl. auch Kleger, 1986a. 20 Vgl. zu den Expo-Visionen:DiePresse25.126.3. 1988 und 27.12.1988; die beiden
11 V gl. zu Osterreich Gerlich, 1984; zur Schweiz GrunerlHertig, 1983; zu Italien Sondernummern zur Expo der Zeitschrjft der aufbaulPerspektiven Nr. 3 und 41
Calise, 1983 und Pasquino, 1980. 5, 1990; Kops, 1988.
12 Übersetzung: 21 Im Vokabular der Grünen: »Trojanisches Pferd« (vgl. Franke, 1991).
B: Die Idee der Entwicklung, die, sagen wir, unendlich, unbegrenzt ist, ist 22 V gl. dazu die beiden Nummern zum Wettbewerb der Zeitschrift der aufbau,
gescheitert. Die Gese11schaft, in ihrer Ganzheit, die Institutionen, müssen 1987/1-2 und 1988/2.
dagegen mit der Abgeschlossenheit dieser Entwicklung umgehen lernen, so- 23 Vgl. zur Standortdiskussion: Die Presse 18.10.1988; Planungsteam Expo 95,
wohl vom wirtschaftlichen aIs auch vom territorialen Standpunkt aus betrach- 1988.
tet, das heiSt, vom Gesichtspunkt der Kompatibilitiit mit der Umwelt, die sie 24 Oder wie es in der Bechtel-Studie zum Projekt unter dem Risiko »mangelnde
umgibt. Das heiSt nicht, daS eine ganzheitliche Idee der Entwicklung von Akzeptanz seitens der Offentlichkeit« heiBt: Es braucht »ein gezieltes Voraus-
Florenz in seinen wichtigsten Bereichen heute keinen Wert mehr hat, denn diese marketing, gefolgl und untersrutzt von dynamiscber Werbung und Forderung«;
Idee einer anderen qualifizierteren Entwicklung ist heute dringend notig. Darin Economics Research Associations, 1988; vgl. auch Knoth/Reiter, 1988.
besteht auch heute der Grundkonflikt zwischen jenen, welche diese Idee einer 25 EdlingerlPotyka, 1989: 216, beschreiben dies wie folgt: »Im Zuge der Umfra-
Entwicklung weiterverfolgen wo11en, welche die Notwendigkeiten der heuti- gen stellte also ein Institut fest, daS in Wien bereits eine Mehrheit für die Durch-
208 Stadtentwicklungspolitik zwischen Demokratie und Komplexitiit Anmerkungen 209

führung der Weltausstel1ung gegeben wiire. Ein anderes lnstitut pubJizierte ein zurãumen gedenken. Interessenten an der Bildung der Bautrãgerschaft oder an
Ergebnis. Dieses Ergebnis erklãrte sichjedoch aus der FragestelIung: der Übernahme einer minimalen Beteiligung von 5.000.000 Fr. wenden sich
»Osterrelch und Ungarn wollen 1995 gemeinsam eine Weltausstel.lung abhal- zur Beschaffung der Verhandlungsunterlagen an:«.
ten. Halten sie das für sinnvoll, au eh wenn dabei Steuergeld verwelldet werden 35 Was konkret nicht stattfand. Der Vertrag ist bis 1997 verlãngert. Wenn bis dahin
muB?« Die Frage naeh der Verwendung von Steuergeldern hãtte hOchstens als keine Ausführungsbewilligung für das Projekt vorliegt, solIen alIe Plãne an die
gestellt werden dürfen. Trotzdem haben viele Tageszeitungen dieses Bundesbahnen fallen.
negatlve Ergebnis als Titelzeile gebracht.« 36 Propagiert wurde von Planerseite ei ne »dezentrale Konzentration« mit der
26 "y'gl. dazu den Samrnelband herausgegeben von A. Pelinka, Populismus in Absicht, die Wirtschaftsaktivitãten zu dezentralisieren und dadurch die Zen-
Osterreich, Wien, 1987; zur elitiiren Abkoppelung die Analyse von Plasser/ tralitãtsspirale auf Zürich zu bremsen (vgl. Schilling, 1986: 50).
Ulram, 1982. 37 Die lnitiative, mit dem bezeichnenden Títel »Bahnhofüberbauung, so nicht!«,
27 Diese Wirkung beschreibt bereits Otto Kirchheimer (1964: l32-l37) am oster- verlangt eine ruedrigere Ausnutzung, maximal 1000 Quadratrneter Ladentlã-
reichischen Beispiel. che und maximalloo Parkplãtze sowie einen Wohnanteil von 40%.
28 Die OVP empfiehlt die Stimrnenthaltung. Sie hofft, daB die Hürde der dreiBig 38 Im Vergleich zum Abstimmungsprojekt ist das neue Projekt um 27% gewach-
Prozent Stimrnbeteiligung rucht übertroffen wird und daB dadurch das Wahl- sen.
ergebnis als nicht verbindlieh erklãrt wird. 39 Die vom Bauamt 11 zur Durchführung der Umweltvertrãglichkeitsprüfung
29 Vgl. zu diesem lnstrument in Wien und Osterreich: Welan, 1986. beaufuagte Umweltschutzfachste11e fordert in ihrer ablehnenden Haltung zum
30 Die eher oegative Hallung der FPO aber auch anderer oppositionellen Gruppen HB-Südwest:
gegenüber Gr oBprojekten entspringt der noch friscben Erinnerung an den • Hochstens 293 Parkplãtze. HB-Südwest sieht ohne Wohnüberbauung 940
bei:m Bau des neuen A11gemeinen Krankenhauses (vgl. Worm, 1981). Parkplãtze vor; allerdings existieren aueh noch Varianten mit 390 und 1440
31 dle sogenanore »Fünferbande«, die aus je zwei Vertretern der SPO und der Parkplatzen. Die Kommission der UmweltscbutzfachsteUe beantragt verbind-
OVP sowie einem Vertreter der FPO besteht. lich, die Zahl der niedrigsten Variante um ein VierteI auf maximal 293
32 Die FPO kritisiert insbesondere die mit der Expo 95 zu erwartende Ressourcen- Parkplãtze zu reduzieren. Diese dürften zudem erst dann in Betrieb genom-
konzentration im Infrastrukturbereich auf Wien, die zu Lasten der anderen men werden, wenn das provisorische Parkdeck Gessnerallee aufgehoben sei.
Regionen gehen konnte. • Bessere ErschlieBung. Unabdingbare Voraussetzung sei eine bessere Er-
33 Typischerweise konnte für diese Kraftprobe jedes Thema herhalten. Die schlieBung auf der Südseite (Eingang Postbrücke) durch zusãtzliche Tram-
Umsetzung nationaler Strategien auf lokaler Ebene gehen in diesem Fall auf linien. Die nordliche ErschlieBung der Geleiseüberbauung durch den lndi-
die Kosten der Expo. Ganz im Sinne von Lehmbruchs (1975) »Januskopfigkeit vidualverkehr habe sich auf ZolIbrücke und Sihlquai auszuríchten, Hafner-
der Ortsparteien« müssen Profilierungsversuche der FPO auf lokaler Ebene _ und JosefstraBe dürfen rucht beansprucht werden.
insbesondere seít der Ara Haider (vgl. MorasslReischenbock, 1987) - sicher- • Energieversorgung. Die Gebãude sind laut Kommission so zu projektieren,
lich auch als Gründe für diesen Wechsel betrachtet werden. Die Strategie hat daB der Heizenergiebedarf - entsprechend dem h6chsten Stand der Techruk
sich auch in den letzten Gemeinderatswahlen bewãhrt, bei denen - mirumal ist. Auf Klimaanlagen sol1 weitgehend verzichtet werden, zudem
die FPO einen Erdrutschsieg feiern konnte, indem sie ihren Stimrnenanteil um wird díe ErstelIung einer Wiirmekraftkopplungsanlage gefordert.
10% auf über 22% erhoht. • Liirmbelastung, Bauphase. Da die Frage der Liirmbelastung vom Gesuch-
34 Der Text der Ausschreibung lautet: »Die Sehweizerischen Bundesbahnen pla- stelIer nicht behandelt wurde, müBten entsprechende Untersuchungen über
nen aufgrund mit Kanton und Stadt Zürich durchgeführten Wettbewerbs den Bau- und Verkehrsliirm nachgereicht werden. Zur Mínderung der gro-
ei ne teilweise Uberbauung ihrer Geleiseanlagen im Hauptbahnhof Zürich. Es Ben zusãtzlichen Schadstoffemissionen wãhrend der dreijãhrigen Bauphase
solI ein Dienstleistungszentrum entstehen mit einer Nutztlãche von werden auBerordentliche Vorkehrungen ver1angt.
Quadratrnetern. Neben Büroraum sind Wohnungen, Lãden, Restaurants sowie • Klimagerechtes Bauen. Die Kommission geht davon aus, daB der HB-Süd-
eine Park-and-ride-Anlage vorgesehen. west die lokalklimatischen Verhãltrusse verschlechtern wird. Die Struktu-
Errichtung und Betrieb der Bauten sollen einer privatrechtlichen Bautrãger- ren des Gebãudekomplexes müssen darum nach wissenschaftlich anerkann-
schaft obliegen, weIcher die Schweizerischen Bundesbahnen ein Baurecht ein- ten Richtlinien des klimagerechten Bauens überarbeitet werden. Dabei sei
210 Stadtentwicklungspolitik zwischen Demokratie und Komplexittit Anmerkungen 211

eine Lõsung mit überwiegender Begrünung der Dacht1ãchen anzustreben B: Hoffnungen keine, Projekte, ich würde von Projekten und nicht von Hoff-
(vgl. Umweltschutzfachstelle, 1987). nungen sprechen, weil man kein Geld in Hoffnungen investieren kann.
40 Vgl. zu diesen Überlegungen der Bauherrschaft, Tages-Anzeiger 23.1.1988. A: Ja.
41 In diesem Zusammenhang wurde nach der Abstirnmung auch eine Stimmrechts- B: U ns wurde von sei ten der stãdtischen Behõrden eine bestimmte Idee von Stadt
beschwerde eingereicht, welche die Beteiligung von staatlichen Institutionen aufgezeigt. Genauer gesagt: Die stãdtischen Behõrden haben uns gesagtlbeauf-
wie der Bundesbahnen und der Post am Abstimmungskampf aufgriff und die- tragt, daS sich die Stadt als Stadt des Tertiãrsektors, oder besser des Quartãrsek-
sen vorwarf, ihre Pt1icht zur Neutralitãt in Abstimmungskampfen verletzt zu tors entwicklen sollte, und daS sie, um dies erreichen zu kõnnen, eine Reorga-
haben. Doch wurde die Beschwerde rnit der Begründung abgelehnt, daB Inter- nisation der Funktionen innerha1b der Stadt brauchen. Die stãdtischen Behõrden
ventionen von õffentlichen Untemehmungen a1s zuHissig zu betrachten sind, wollen also nicht, daB die Stadt zu einer Kulissenstadt wird, wie es Venedig zum
wenn die Abstimmungen deren Interessen in starkem MaBe tangieren. Beispiel ist. Sie mõchten sich vielmehr verscbiedene Funktionsbereiche aneig-
42 V gl. zur ausführlichenArgumentation der Projektgegner: VereinAlle gegen das nen nicht industrielle Produktion sondern intellektuelle. Diese Reorganisation
Unding, 1988. sei nur unter diesem Gesichtspunkt wichtig, sondern auch, weil Florenz,
43 Diesem Fahrplan werden inzwischen bekannt gewordene weitere Schwierig- kurz gesagt, an einem Überschu.B an Mobilitãt in sein em Innem leidet. Die letz-
keiten begegnen; insbesondere setzt sich der enthobene Architekt Bãnziger zur ten Jahre haben eine zufâUige Anordnung von Funktionen in Florenz mitsich-
Wehr(vgl. NeueZürcherZeitung 1O.9.1991).Auch bestehtmomentan imRaum gebracht, mh einer Konzeotration im Innern des historischen Zentru.ms das
Zürich ein Überangebot an Bürot1ãchen, was die Investoren sicherlich nicht dazu dadurch im.mer mehr seine Wohnqua1itãten verljert, auch wei1 sich viele Funk-
führt, die Baueingabe zu forcieren. Die Bauherrschaft setzt sich zu diesem tionsbereiche dort angesiedelt haben, die es nicht nõtig hatten, im historischen
Zeitpunkt das Ziel, die Baubewilligung Mitte 1993 einzuholen ( vgl. Tages- Zentru.m zu sein, weil sie auch auBerhalb rnõg1ich wareo. Wir wurden gefragt,
Anzeiger 12.12.1991). ob uns diese Idee interessieren würde. Wlf haben nachgedacht und diese Idee mit
44 Wie auch Dente (1990) für ein Mailãnder und ein Turiner GroSprojekt feststellt. den Strategien verglichen dieunsere Untemehmunghat. Unsere Untemehmuog
45 In den vom Projekt am stãrksten betroffenen Wahlkreisen 3, 4 und 5 wird HB- ist, wie sie wissen, eine Untemehmu.ngrniteuropaischen Dimensionen, die, um
Südwest kIar abgelehnt (Im Kxeis 5 rnit 71,5% Nein-Stimmen). weiter zu expandieren. eine lebendige Umgebu.ng braucbt, eine Umgebung der
46 V gl. N eue Zürcher Zeitung und Tages-Anzeiger vom 7.6.1988. Formal fâllt das Produktion die nicht von der Ausoutzungvon Vergangenem lebt. Wir haben al so
Projekt in den Kompetenzbereich der nationa1en Eisenbahngesetzgebung. gesehen, daB das Überleben der Unternehmung in Florenz von der eben darge-
47 1969 fand der erste Projektwettbewerb statt. stelhen Transfonnation abhãngt. U nd darum haben wir uns bereit erklãrt unse-
48 Es ist nicht so, daB keine Altemativen formuliert wurden. In Florenz wurden ren Beitrag dazu zu leisten, indem wireine Kapita1summe im Florentiner Raum
a1ternative Ideen von Giovanni Astengo und Giuseppe Campos Venuti, in Wien riskieren und nicht, wie andere Versicherungsgesellschaften, ihr Investitionsri-
von den Grünen und in Zürich von Luigi Snozzi und Mario Botta eingebracht. siko auf viele geograpmsche Gebiete verteilen. Und mer wird die Idee der Va-
Nur standen diese nie õffentlich a1s Altemativen zur Debatte. Vgl. Astengo/ riante Nordovest geboren. mer wlichst das Argument, über das wir sprechen.
Campos Venuti, 1989; Snozzi, 1987; Floh, 1988/8. 3 Vgl. zur Investitionslogik privater Anleger in schweizerischen Stãdten: Ger-
49 Die an den ersten Projektphasen teilnehmen, vgl. Tabelle 10. heuser/Sartoris. 1989.
4 Die Kosten dieser politischen Legitimation des õkonomischen Handelns vari-
ieren in den drei Stãdten erheblich, erreichen aber überall ein betrachtliches
IV. Stadtentwicklungspolitik zwischen Demokratie und Komplexitãt: AusmaB, insbesonders weil Volksabstimmungen, beziehungs\\(eise Volksbefra-
Minimalstaatsstrategien auf kommunaler Ebene gungen, zu den Projekten stattfinden, aber auch etliche
tungen (Ausstellungen Diskussionen workshops und so weJter) orgaruslerl
l V gl. zur Diskussion um den Minimalstaat: Kleger, 1987; CattacinIKühne, 1991.
werden, die von den privaten Investoren finanziert sind oder an denen sie sich
2 Übersetzung:
zurnindest finanziel1 beteiligen.
A: Die erste Frage, die ich ihnen stellen mõchte, bezieht sich auf das Projekt. 5 Vg\. zum Problem der zeitlicheo Entkoppelung zwischen Planung undReali-
Ich würde geme wissen, welche Hoffnungen ihr Untemehmen rnit dieser In-
sierun a von u.rbanistischenInterventionen in der traditionellen Stadtplanung und
vestition in Castello verbindet. der d:rut zusammenhãngenden fehlendeo Effizíenz: Indovina, 1990: 17.
213
212 Stadtentwicklungspolitik zwischen Demokratie und Komplexitiit Anmerkungen

6 Vg1. dazu auch die Überlegungen des Planungsstadtrates Swoboda, 1990. 8 V g1. zum Neokonservativismus: Kleger, 1985. Die zentralen Dimensionen eines
7 In a11en drei Stiidten haben die pri vaten GroBprojekte, wie bereits erwãhnt, eine neokonservativen Verstandnisses der gesellschaftlichen Entwick1ung sind: Ein
Opposition mobilisiert und aktiviert. Diese interveniert zum einen, an den technokratisches Bild geseIlschaft1icher Entwick1ung und die Einsicht, daS diese
Institutionen parlamentarischer Õffentlichkeit vorbei, über basisdemokratisch technokratische Entwicklung über identitatsstiftende oder allgemeiner, sinnstif-
orientierte Formen der Gegen6ffentlichkeit gegen die Zerst6rung des urbanen tende Politiken begleitet werden muB, welche die Folgen technokratischer
Kontextes durch solche GroBprojekte. Zum anderen wil1 die Opposition nicht Entwicklungen kompensieren sollen.
allein beim kurzfristig und reaktiv bleibenden Protest verharren, sondern auch 9 Dieser ursprünglich politische Entscheid, der hinter GroBprojekten steht, er-
den Weg zur demokratischen Õffent1ichkeit suchen. Die Opposition in den drei laubtPara11e1en zum Konzeptder »neuen Subsidiaritat« zu ziehen, die in Stad-
Stadten agiert aus schwachen institutionel1en Positionen heraus. Sie hat weder ten an Bedeutung gewinnt. Dabei delegiert der Staat früher durch 6ffentliche
in den neokorporatistischen noch in den parlamentarischen Politikformulie- Akteure bereitgestel1te Leistungen an private Akteure oder initiiert Projekte,
rungsmuster EinfluBchancen. Und sie kann sich auch in den direktdemokrati- die von Privaten übernommen werden; vg1. Mayer, 1991: 45; HeinzeNoe1z-
schen Verfahren nur se1ten durchsetzen. Allerdings zeigen sich gerade bei kow, 1991; eine erste Bestirnmung der Bedeutung der neuen Subsidiaritat für
solchen GroBprojekten Grenzen der Mehrheitsdemokratie. Der Diskurs über die Schweiz findet sich bei Bütschi/Cattacin, 1993.
Politik- und Demokratiekonzepte hat hier seinen kornmuna1politischen Hinter- 10 Was übrigens den Genossenschaften auch bewuBt war, wie die folgende Inter-
grund. Diese Situation pragt auch die politische Identitat des stiidtischen Pro- viewszene aus dem Gesprach mit einem Direktor einer dieser beteiligten Bau-
testes, der sich nicht mehr a11ein als Opposition in den bestehenden Formen der genossenschaften zeigt: »Ja, also, der Gestaltungsplan wurde schon sehr knapp
Mehrheitsdemokratie versteht, sondern auch über Formen des zivilen Unge- angenommen. Wenn jetzt zum Beispie1 die beteiligten Baugenossenschaften
horsams die Legitimationsstrategien des Minima1staates in der vorwiegend über eben nicht gewesen waren, oder wenn es überhaupt kein Wohnteil gegeben hatte,
ein privates Management von GroBprojekten vorangetriebenen Stadtentwick- dann kann man annehmen, ware es wahrscheinlich umgekehrt gewesen, ware
lungsplanung unterlauft (vg1. Kleger, 1989; Saunders , 1979: 290-296). Die es wahrscheinlich abgelehnt gewesen. Das halt ich also schon für einigerma-
soziale Basis der stiidtischen Opposition hat sich zwar in Formen der Rekon- Ben wahrscheinlich, daS das dann so rausgekommen ware«.
struktion und Konstruktion der Erfahrung von kulturel1er Vielfalt stiidtischer 11 Das drückt sich auch darin aus, daS die von der Stadt Zürich in die private
Lebensformen zu bilden begonnen und stel1t den technokratischen Kompen- Baukommission entsandten Beamten nicht wuBten, welche Position zu vertre-
sationsstrategien zur Desintegration der stiidtischen GeseUschaft einen demo- ten sei, wie ein Chefbeamter in einer Interviewstel1e ausführte: »Da habe ich
kratischen LernprozeB als praxisleitende Utopie entgegen (vg1. KlegerlNüsslil dem Stadtrat über eine Anfrage, das kann ich als Dienstchef, die Frage gestellt:
Rüegg, 1985). Soll jedoch dieses sozia1e Protestpotential im Rahmen urbaner (a) was ich, ob er aktiv am HB-Südwest beteiligt sein wi1l, das heiBt, also.mehr
Diskurse, die von privaten GroBprojekten ausge16st werden, politisch nicht als nur formell als Anhanger hinten mitgezogen, ob die Stadt selbst an dlesem
belanglos bleiben, muB es aus der Erfahrung der Kontingenz stadtischer Le- Vorhaben aktiv beteiligt sein wol1e und die Frage gestellt, ob das in Form einer
benswelten heraus politische Verbindlichkeiten konstruieren, die sich relevant finanziellen Beteiligung oder irgendeiner Form, daB sie wirk1ich effektiv mit-
in 6ffentliche Stadtentwick1ungsplanungen einmischen k6nnen. Dies bleibt machte ob sie das wollen und wenn nein, welche Anliegen, 6ffentliche, ich,
jedoch aufgrund der Erkenntnisse aus den drei Stadten Bruchstück. Es bleibt genau ;u vertreten hatte. Weil nur gerade fürs Mittagessen, Kasebr6tchen beim
beim Vorsch1ag, eine durch GroBprojekte geplante Stadtentwick1ung mit mi- Ralph Banziger und den WeiBwein, das kann es ja nicht gewesen sein. Und das
nima1er Beteiligung des Staates zugunsten einer intendierten, geplanten Ent- paSte mir nicht. Die Antwort lautete, der Stadtrat ist der Meinung, die Stadt,
wicklung zu verandern. Ziel ist, über verbindliche Nutzungsbestirnmungen in man solle nicht aktiver als bisher beteiligt sein, das heiBt, also nicht; und (b)
Planen, die Verhandlungsposition des Staates gegenüber den privaten Investo- die Dienstchefs sollen weiter dort dabei sein und die 6ffentlichen Interessen,
ren mindestens zu starken. Die Reversibilitiit solcher Plane selbst wird a1s po- ich glaube die Frage wurde weitgehend nicht beantwortet. Auf a11e Falle nicht
litischer ProzeB verstanden, der nur über eine Demokratisierung der institutio- substantiel1. Das heiBt einfach, das ist eine sehr unbefriedigende Situation, darum
nalisierten Stadtentwicklungsplanung m6g1ich ist, in der sich die Bündelung haben wir übrigens nach der Volksabstimmung noch einmal, hat das Gremium
der Interessenvielfa1t stadtischer Lebensformen in neuen Formen einer urba- nochmals eingeladen, sogenannte Baukommission haben sie das genannt, ja-
nen Demokratie artikulieren kann. wohl, haben sie nochmals eingeladen, noch einmal und da hat man sich ent-
215
214 Stadtentwicklungspolitik zwischen Demokratie und Komplexitiit Anmerkungen

schieden, daS man sich für gut vertage, das bringt nichts oder wir haben nichts 2 »Dies ist der Preis für verst1irkte unternehmerische Gesichtspunkte, die bei der
K.lares zu vertreten, sondern jetzt ist das einfach privat. Es war nicht sehr wirtschaftlichen Betãtigung der Kommunen gefordert werden«, führen dazu
befriedigend für die Vertreter der Verwaltung, weil wirklich das Mandat nicht Ganseforth und Huttner aus (1991: 247).
ganz klar war«. 3 Inzwischen lassen sich bereits eine ganze Reihe von gescheiterten Realisierun-
12 Oder wie Mayer ausführt: »Die über das neue Akkumulationsregime vermit- gen von GroBprojekten aufzãhlen (vgl. zum Beispiel Bagnasco, 1990
telte regionale Konkurrenz auf intemationaler Ebene herrscht den Lokalstaa- 1990), was aber nicht bedeutet, daS diese immer scheitem müssen, Wle etllche
ten uberall eine aktive Koordinations- und Steuerungsleistung auf, die nur in Gegenbeispie1e zeigen. . .. .
flexibler Zusammenarbeit mit den die jeweiligen lokalen Interessen reprãsen- 4 Die wie HãusserrnannJSiebel (1991) feststellen, nur über eme PohtISlerung der
tierenden Gremien zu erbringen ist. Für die konkrete Ausgestaltung dieses stãdtischen Kultur entstehen kano; es bandelt sich bei dieser Identitat um eine
»stãdtischen Managements« sind natüdích die jewei1igen lokaJen Problemla- Art »vorpolitischen Grondkonsens«, der wieder hergestellt werden sollte; vgl.
gen entscheidend«(Meyer, 1991: 42). aucb Grymer, 1989. . .
13 Gottdiener (1987: 7ff.) beschreibt dieses Phãnomen als »decline of political 5 Ene zu wenig in die Planungsdiskussion einbezogene, aber durcbaus wlchtIge
culture« in der GroBstadt. Planungserfahrung stellt das Projekt »HeaJthy City« der Weltgesundheitsorga-
14 Homuth, 1987 hat für diese kompensatorische Politik den Begriff »Identitats- nisation dar; vgl. dazu Evers, 1990 und BalbolIngrosso, 1988.
politik« gepragt.
15 Nelles, 1983 beschreibt solche (und andere) Instrumentalisierungsstrategien von
Partizipation.
16 Zur Rekonstruktion der Spezifizitat heutiger Risiken vgl. BonB, 1991.
17 Vgl. allgemein zur Quartierplanung: Ulram, 1980; Huber, 1981; zur notigen
Integration von »Problemnãhe, Problembetroffenheit und Problemwahrneh-
mung«: Hesse, 1986: 12.
18 Auch in Zürich sind Versuche und Überlegungen in diese Richtung in Gang
gekommen, wie die Beispiele der Überbauungen am Steinfels-Areal oder in
Oerlikon zeigen.
19 Insbesondere die osterreichische Version der UVP bedürfte einer kritischen
Betrachtung.
20 Die Starke solcher »Prüfungen« besteht in den verbindlichen Regelungen
betreffend irreversiblen Prozessen. Diese sollten dadurch abgeschwacht wer-
den (vgl. zur Reversibílitat als Norm in der Risikogesellschaft: K.leger, 1986).
21 Ein wichtiges in diesem Zusammenhang zu erwahnendes (und zu losendes)
Problem bleibt die Ausstattung mit technischem Wissen der einspruchsberech-
tigten Organisationen, aber auch der Politiker. Bei diesem technischen Wissen
handelt es sich neben der Kenntnis über das Verfahren selbst, auch um inhalt-
liches, den Problembereich betreffendes Wissen.

Schlu6wort
l Dieses Phãnomen findet sich übrigens nicht nur in der Stadtentwicklungspo-
litik. In verschiedenen Politikbereichen der Stadt scheint diese Deinstitutiona-
lisierung von offentlichen Aufgaben zu greifen (vgl. Mayer, 1991: 46).
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Wohlfalutspolitik und Sozialforschung . Band 4

Diese Studie schlieBt an die Frage der Regierbarkeit der Stadte an und re-
kon truiert anhand von drei aktuellen tadtentwicklung politi chen Kon-
flikten in Plorenz, Wien UJJd Zürich, wie der lokale Staat die Veranderung
der Stadt organi iert. Die e Fragestellung ist in drei Schritten au gefübrt.
Zuerst werden au ' bistori cher Sicbt die in den drei Stadten bi ber vorherr-
schenden Modelle der Organi ation der Stadtentwicklung darge teUl. In
einem zweiten Schritt werden aktuelle stadtentwicklung politische Konflikte
in den drei Stadten verglichen. In einem dritten Schritt werden verschiede-
ne Aspekte der politischen Organisation der Stadtentwicklung beleuchtet.
Die gangige Stadtentwicklungspolitik über Grol3projekte wird dabei als
Strategie interpretiett, durch den Abhau lokalstaatlicheJ' PJ'Qsenz in de!" Stadt-
enfwi 'klungsplanun.g auf die zuoehmende geselJ chaftliche Komplexital zu
reagieren. Neben der Ein chatzung der Planung von GroBprojekten al
zentralen Elementen der politi cben Organj aüon der Stadtentwicklung
werdeo diese Minimalstaat trategien hin ichtlicb ihres demokrati chen
Gehalts beurteilt.

Sandro Cattacin (geb. 1963), ist Oberassistent am Departement für politi-


sche Wissenschaften der Universiüit Genf, Lehrbeauftragter am Lehrstuhl
für Sozialarbeit der Universitat Freiburg (Schweiz) und seit Jahren Research
Affiliate des Europaischen Zent:rums im Rahmen vergleichender Studien zum
Dritten Sektor.

ISBN 3-593-35185-4