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Kapitel 1

Politikwissenschaft
und Politik
Entwicklung der Politikwissenschaft
Ausgangsbasis

 Philosophie–Staatswissenschaften-Geschichte

 Beginnende Institutionalisierung Ende 19. Jh.

 Abgrenzung von:
 Philosophie: Moral
 Staatswissenschaften: Formale Prozesse
 Geschichte: Zeit, Raum
 Dennoch: Querverbindungen
• 1. Institutionelle Phase
• 2. Untersuchungen zu politischer
Macht und politischen Eliten
• 3. Systemischer Ansatz

• Aufschwung nach II. Weltkrieg

• Methodenvielfalt
Politikwissenschaft

1. Sozialwissenschaftliche Teildisziplin
Methoden – Untersuchungsobjekt

2. Empirische Wissenschaft
Soziale Wirklichkeit vs Spekulation

3. Forschungsobjekt
eng-/weit - fliessende Grenzen
 Neutralität der Wissenschaft

 Wertfreiheit der Wissenschaft


Hauptrichtungen der
Politikwissenschaft

1. Empirisch – analytische Richtung

Wirklichkeitsnahe - wertfreie Wiedergabe pol.


Wirklichkeit
Techniken der empirischen Sozialforschung
Trennung Politik/Politikwissenschaft
Behaviorismus – powi Verhaltenslehre
Vorwurf: mangelnde Distanz
2. Normativ – praktische Richtung

Verwertung pol.-wiss. Erkenntnisse


in politischer Praxis

Dienstleistung - Vorwurf Elfenbeinturm ad 1


3. Kritisch – dialektische Richtung

Analyse der gesamtges. Rahmenbedingungen


weiter Politik-Begriff
Vorwurf ad 1/2: Herrschaftsabhängig
bes. verschiedene marxistische Strömungen
Vertreterinnen pw. Frauenforschung
gender studies
Hermeneutische Methode

 Interpretierende, verstehende Vorgansweise

 Interpretation empirischer Informationen durch


Verstehen dieser Informationen – Aufdecken
direkter und versteckter Botschaften

 Abzielen auf Sinn (Inhalte des Handelns oder


Verhaltens von Personen oder Organisationen)
Frauen- und Geschlechterforschung
Geschlechterforschung
• Androzentrischer Mainstream: hegemoniale
Sichtweisen einer wiss. Disziplin
• Marginalisierung politikwiss.
Geschlechterforschung

Ziel:
A: Dekonstruktion maskulinistischer
Annahmen der politikwiss. Schlüsselbegriffe
B) Geschlechtersensible Rekonstruktion
 Sichtbarmachung der Trennung zwischen
öffentlich und privat

 Politikgenerierende Effekte sozialer


Ungleichheit zwischen Männern und Frauen

 Geschlecht als politische Kategorie

 Integration von Fragen der Macht und


Herrschaft im Geschlechterverhältnis
• Traditionelle Frauenforschung
verfährt additiv – ergänzt Gegenstandsbereiche
der Sozialwissenschaften um Frauen

• Feministische Frauenforschung
fragt nach gesellschaftlichen Ursachen,
politischen Mechanismen von
Benachteiligungen und Überforderungen von
Frauenexistenzen
Zielt auf soziale und pol. Emanzipation von
Frauen/Umbau von Gesellschaft, Politik und
Wissenschaft
 Biologisches Geschlecht (Sex)
natürlicher Genus, Unterscheidbarkeit des
Menschen

 Soziales Geschlecht (gender)


Soziale Konstruktion von Geschlecht
Gender: Verfahren zur Herstellung sozialer und
politischer Differenzen
Was ist Politik?
Was ist Politik?
 Äußerst viele Definitionen einer
Vielzahl von PhilosophInnen,
StaatsrechtlerInnen, SoziologInnen
und PolitikwissenschaftlerInnen

 Langsamer Entwicklungsprozess
Polis – Civitas
 Polis: Erfahrung und Fähigkeiten der
Menschen, aufgebaut auf Vernunft und
Einsatz der Sprache

 In Polis unterscheidet sich Politik für „zoon


politicòn“ nicht von Gesellschaft

 für gesell. Zusammenleben: römische


civitas als Rechtsgemeinschaft, Grundlage:
Gesetz
 XV Jh. Machiavelli:
Politik trennt sich von Moral. Trennung
Staat – Gesellschaft
Vertikale Dimensionen der Macht

 XVII-XIX Jh. Politik Unterscheidung von


Markt und ökonomischen Regeln
Ökonomie: Ziel – Profit
Religion: Ziel – Moralische Pflicht
Politik: ?
Politik

Wer
Wo

Wie
Warum
Politikbegriffe I
Enger – weiter Politikbegriff

Eng: Ausschluss von vielen Bereichen


der Gesellschaft – eher defensiv

Weit: Einschluss aller Bereiche der


Gesellschaft – alles ist zumindest
potentiell politisch eher offensiv
Politikbegriffe II
1. gouvernemental - partizipatorisch

2. normativ - deskriptiv

3. konflikt- konsensorientiert

4. historisch - ahistorisch
Dimensionen des Politikbegriffs III
Dimension Erscheinungsform Merkmale Bezeichnung

Form  Verfassung  Organisation polity


 Normen  Verfahrens-
 Institutionen regelung
 Ordnung
Inhalt  Aufgaben/Ziele  Problem- policy
 Politische lösung
Programme  Aufgaben-
erfüllung
Prozess Interessen Macht politics
Konflikte Konsens
Kampf Durchsetzung
Konstitutive Merkmale der
Politik

1. Politik mündet immer in Macht

2. Knappheit – von Gesellschaft wertvoll


eingestellte Güter

3. Konflikt – um Verteilung dieser Güter


zwischen ganz unterschiedlichen Akteuren.
Austragung von Konflikten ist Aufgabe der
Politik – Entscheidung mit Verbindlichkeit
Macht
 1920-1940: Schule von Chicago
• Kritik an legalistischem Zugang
/Institutionen

• Einführung:
interdisziplinär/empirisch/quantitativ

Interesse wendet sich auf MACHT


Definition von Macht nach
Max Weber
„Macht bedeutet jede Chance, innerhalb
einer sozialen Beziehung den eigenen
Willen auch gegen Widerstrebenden
durchzusetzen, gleichviel worauf diese
Chance beruht. (..) Alle denkbaren
Qualitäten eines Menschen und alle
denkbaren Konstellationen können jemand
in die Lage versetzen, seinen Willen in einer
gegebenen Situation durchzusetzen.“
 Physische
 Verhinderung der Durchsetzung
 Besetzung von Begriffen

„Herrschaft soll heißen die Chance, für


einen Befehl bestimmten Inhalts bei
angebbaren Personen Gehorsam zu
finden“.
Macht ist ein unvermeidlicher
Bestandteil des Politischen

Politikwissenschaft ist die Lehre von der


Gestaltung und Veränderung von
Machtverhältnissen

Hinterfragung von Macht


Frage: Wer besitzt Macht?
 Elitistische Schule:

• Robert & Helen Lynd: Middletown (1929)


Primäre Ressource = Reichtum/ermöglicht
auch ideologisch-politische Machtausübung

Floyd Hunter: Regional City (1953)

• Positionales Konzept von Macht


 Pluralistische Schule:
• Robert Dahl: Who governs. Democracy and
power in an American City (1961)

Dispersion ökon. u. pol. Ressourcen


Abhängig von Konsensbildung

• Relationales Konzept von Macht


Macht und Legitimität (Weber)
 Tradition (vorindustrielle Gesellschaften),
Weitergabe durch Vererbung – Monarchien

 Charisma: anerkannte
Außergewöhnlichkeit eines Herrschers
 Begründet:
a) religiös (z.B. Christus, Mohammed)
b) kriegerisch: z.B. Alexander der Große,
Napoleon
c) moralisch: z.B. Gandhi,
 legal-rationale Form:
 Basiert auf Regeln, Ämtern,
Mechanismen des
Herrschaftsapparats, nicht auf
individuellen Amtsinhaber abgestellt

 Routinisierung von Herrschaft


Politische Systeme
 Gabriel Almond: The Politics of the Developing
Areas (1960)

• Ein System ist in seiner allgemeinsten Form


eine Menge von Elementen, Objekten oder
Variablen, zwischen denen wechselseitige
Beziehungen bestehen – Interdependenz

• Alle sozialen Systeme sind analytische Gebilde,


sind offen und dynamisch
Analyserahmen für alle politischen
Systeme
 Regierungslehre: Staat, Nation, Regierung,
Opposition usw

 Reduktion von Politik auf Institutionen und


Verfassungstexten

 Vergleich mit afrikanischen, asiatischen,


lateinamerikanischen usw pol. Systemen –
oft rein formal – aber andere Aspekte
vernachlässigt
Politisches System
• An Stelle von Institutionen und Amt:
Struktur: regelmäßige und wahrnehmbare
Handlungsformen, miteinander verbundene
Rollen
• Rolle: Beruf des Richters
• Struktur: zB. Gericht, umfasst Gesamtheit
aller an einem Gericht wahrgenommenen
Rollen, vom Gerichtsdiener bis zum Richter
• Institution (z.B. Gericht) und Amt (Richter)
weisen auf normative Regeln

• Rolle und Struktur weisen auf empirisch


wahrnehmbare Verhalten dieser Individuen

• Funktion: Aufgabe oder Leistung, die von


Struktur erbracht wird/werden soll
Die gemeinsamen Charakteristika
aller politischen Systeme
(Gabriel A. Almond) (Birle/Wagner 1996, 111)
1. Alle politischen Systeme besitzen eine politische Struktur.
2. Alle politischen Systeme üben die gleiche Funktion aus:
Input-Funktionen: - politische Sozialisation
(Forderungen und - Interessenartikulation
Leistungserwartungen - Interessenaggregation
demands & supports) - politische Kommunikation

Output-Funktionen: - Regelsetzung
- Regelanwendung
- Regelauslegung
3. Alle politischen Systeme sind multifunktional
4. Kennzeichen aller politischen Systeme ist ihr kultureller
Mischcharakter
Funktionsweisen des politischen
Systems

I Forderungen O
Entscheidungen
N U
Politisches oder Inhalte
P T
U Unterstützungen System P
T U
S T
S
Feedback

Umgebung
 Kritik:
- Zu stark auf Input-Funktionen konzentriert
- Zu stark westliches Politikverständnis

- Eine Konsequenz:
- Analyse der Inhalte staatlicher Politik (=
output-Komponenten des pol. Systems)
Weitere Modifikationen des
Modells
 Output – Implementierung –outcomes

 Input-Funktionen: pol. Sozialisation,


Rekrutierung, pol. Kommunikation werden
zu Systemfunktion

 Bei Implementation kann es durch


unterschiedliche inner- oder
außergesellschaftliche Akteure zu
unterschiedlichen outcomes kommen
Modell eines politischen Systems
und seiner Funktionen (Birle/Wagner 1996, 119)
Grenzen des Politischen

 Begrenzung durch die Menschenrechte

Produkt der Aufklärung, der Politik


Politik kann in unveräußerliche Rechte nicht
eingreifen
Schutz von Individuen und Minderheiten
Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte
 Grenzen der politischen Machbarkeit

• des wirtschaftlich Machbaren


• des technisch Machbaren
• von Raum und Zeit
Grenzen verschieben sich ständig

Nicht alles kann politisch gesteuert werden


 Grenzen der Partizipationsbereitschaft und
der Partizipationsmöglichkeit

• Eingeschränktes Interesse

• Politik in Konkurrenz mit anderen Bereichen

• Seymour Martin Lipset: pol. Beteiligung


Intensive Beteiligung:
Revolutionen – Transformationsprozesse

Paradoxon:
Stabile Demokratien – polarisierte
Demokratien 1932
Bio - Politik
Grenzen, angelegt in der Natur des
Menschen: Alter, Geschlecht

Missbrauch der Natur zum Ausschluss


(zB. Frauen) - willkürliche Grenzen

Unterschiedliche Perzeption von Politik


Politik und Wissenschaft
Politik hat Interesse an Wissenschaft
Wissenschaft Interesse an Politik

1. Dezisionistisches Modell
Möglichst Trennung von Politik und
Wissenschaft
Aufgabe der Wissenschaft: Entscheidungshilfe
für Politik, Beratung
2. Technokratisches Modell

Vorrangigkeit der Wissenschaft, Komplexität


der Realität
(Pluralität der) Wissenschaft kann Politik nicht
Entscheidungen abnehmen
Vorrang wäre Ende der Demokratie,
Wissenschaftlichkeit würde sich einem
demokratischen Meinungs- und
Entscheidungsbildungsprozess entziehen
3. Diskursives Modell

Gegenseitige Öffnung
Scharfe Trennlinie ist nicht möglich

Entwicklung des diskursiven Modells durch


Jürgen Habermas
Politischer Missbrauch der Wissenschaft

(Pseudo)Wissenschaftlicher Missbrauch der


Politik

Aktuell: Gen-Forschung