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Spanien in der Krise - der Katalonien-Konflikt

Der Konflikt um eine mögliche Unabhängigkeit Kataloniens spitzt sich immer


mehr zu. Die bereits seit längerem schwelende Auseinandersetzung zwischen
der autonomen Region und der spanischen Zentralregierung hat in den
vergangenen Wochen einen neuen Höhepunkt erreicht. Doch worum geht es
bei dem Streit eigentlich? Warum will Katalonien die Abspaltung von Spanien,
was sind die historischen Zusammenhänge – und warum eskaliert der Konflikt
gerade jetzt? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Um welche Region geht es überhaupt?


Katalonien liegt im Nordosten Spaniens, an der Grenze zu Frankreich. Die Region
rund um die Metropole Barcelona hat 7,5 Millionen Einwohner und ist eine der 17
autonomen Gemeinschaften in Spanien. Im Vergleich zu anderen Regionen genießt
Katalonien bereits relativ weitreichende Autonomierechte. So hat die Region zum
Beispiel eine eigene Polizei und ein eigenes Schulsystem.

Vielen Katalanen reicht das jedoch nicht: Sie sehen sich aufgrund historischer,
sprachlicher und kultureller Unterschiede zum übrigen Spanien als eine eigene
Nation an. Von der spanischen Zentralregierung fühlen sie sich oftmals
bevormundet. Ihre Kultur und Sprache, das Katalanische, werde nicht respektiert.
Aus diesem Grund strebt die Regionalregierung in Barcelona unter Präsident Carles
Puigdemont die Unabhängigkeit an. Katalonien soll in Zukunft komplett selbst über
sein Schicksal entscheiden können.

Gibt es historische Gründe für das Bestreben?


Kataloniens Selbstverständnis als unabhängige Nation reicht tatsächlich weit in die
Geschichte zurück. Bis ins 15. Jahrhundert hinein war Katalonien eine eigenständige
Macht – neben Kastilien die wichtigste auf der iberischen Halbinsel. 1469 begannen
sich die Königreiche Kastilien und Aragon, zu dem Katalonien gehörte, durch die
Hochzeit von Ferdinand von Aragon und Isabella von Kastilien zwar anzunähern.
Doch Katalonien behielt trotz dieser Personalunion noch lange seine
Unabhängigkeit.

Erst 250 Jahre später verlor die Region in Folge des Spanischen Erbfolgekriegs ihre
Eigenständigkeit – forderte aber immer wieder die Autonomie. Dieses lang ersehnte
Ziel erreichte sie nach dem Sturz der spanischen Monarchie im Jahr 1931 und wurde
zur autonomen Gemeinschaft innerhalb der Spanischen Republik. Doch die
Unabhängigkeit währte nicht lange: Nach dem Spanischen Bürgerkrieg wurden
Katalonien unter der Franco-Diktatur sämtliche Sonderrechte aberkannt, das
Katalanische verlor den Status der Amtssprache.
Viele politische Häftlinge aus Katalonien, das sich während des Bürgerkriegs zur
wichtigsten Bastion gegen den heraufziehenden Faschismus entwickelt hatte,
wurden nach dem Sieg Francos in Konzentrationslagern interniert. Diese Erfahrung
mag die ohnehin historisch verankerte Ablehnung einer Bevormundung durch eine
spanische Zentralgewalt gestärkt haben. Nach der Diktatur erkämpften sich die
Katalanen den Status einer "autonomen historischen Gemeinschaft".

Welche Rolle spielt das Geld?


Sicherlich spielt auch das Geld eine Rolle für den Wunsch Kataloniens nach einer
vollständigen Abspaltung. Die Region galt schon immer als exportorientiert und
leistungsstark und ist vergleichsweise reich. Das liegt unter anderem daran, dass
hier viele große Unternehmen sitzen – zum Beispiel der Sekthersteller Freixenet.
Viele dieser Firmen drohen allerdings angesichts der rechtlichen Unsicherheiten im
Falle einer Unabhängigkeit schon jetzt mit dem Wegzug.

Bisher haben diese Konzerne der Region hohe Steuereinnahmen beschert. Einen
relativ großen Teil davon muss Katalonien jedoch jedes Jahr in die Staatskasse
einzahlen und damit andere, schwächere Regionen unterstützen. Viele Katalanen
halten diese Steuerbehandlung durch den spanischen Staat für ungerecht. Die
Region bekäme dafür zu wenige Leistungen zurück und werde beispielsweise beim
Ausbau von Zugstrecken oder Flughäfen benachteiligt. Tatsächlich sind
separatistische Bestrebungen wohlhabender Regionen in Europa kein Einzelfall –
Katalonien gliedert sich damit in eine Reihe mit Gebieten wie Südtirol, Flandern oder
Schottland ein.

Warum ist der Konflikt jetzt eskaliert?


2006 wähnten sich die katalanischen Nationalisten bereits am Ziel. Denn am 30.
März räumte das spanische Parlament Katalonien weitgehende Vollmachten in der
Steuergesetzgebung und im Justizwesen ein. Außerdem erkannte es die Region als
Nation an. 2010 jedoch dann der große Vertrauensbruch: Ausgerechnet Mariano
Rajoy, der heutige Ministerpräsident Spaniens, und seine konservative Volkspartei
klagten vor dem Verfassungsgericht gegen diese Entscheidung – und bekamen
Recht.

2010 entschied das Gericht unter anderem, dass die Beschreibung Kataloniens als
Nation keine gesetzliche Gültigkeit habe. Seitdem ist das Verhältnis zwischen
Katalonien und der Zentralregierung zerrüttet. Regelmäßig demonstrieren die
Katalanen an "ihrem" Nationalfeiertag am 11. September für ihre Rechte. Seit 2012
gab es zudem eine ganze Reihe von Unabhängigkeitsreferenden.