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Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen – Mythos Lehmann Brothers http://www.gruene-bundestag.de/cms/archiv/dok/296/296997.mythos_...

Autorenpapier 22. Juli 2009

Mythos Lehmann Brothers


1. Die Finanzkrise begann lange vor der Pleite von Lehman Brothers und hatte
bereits in ihren ersten 15 Monaten eine historische Dimension.
Das Platzen der großen Spekulationsblase an den Immobilienmärkten USA, Irland, Spanien,
Großbritannien und die damit verbundene Finanzkrise begann eigentlich schon Ende 2006 mit dem Ende
der Preissteigerungen auf den genannten Immobilienmärkten. Spätestens seit Juni 2007, als die
Investmentbank Bear Stearns eigene Hedgefonds retten musste, und Juli 2007, als die Deutsche
Industriebank IKB gerettet wurde, war die Krise offen sichtbar und nahm ihren Lauf. Kurze Zeit später
ging die American Home Mortgage Investment Corporation insolvent, BNP Paribas schloss drei
Investmentfonds, die SachsenLB wurde durch einen Notverkauf gerettet. Im September 2007 gab es
einen Bank-run bei Northern Rock in Großbritannien. Der Sachverständigenrat beschreibt bereits die
Situation im Herbst 2007 als „massive Vertrauens- und Liquiditätskrise“. Auch die Rettungsmaßnahmen
waren damals bereits von historischen Ausmaßen: Im August 2007 gab es einen Schnelltender der EZB
über 95 Mrd. Euro, wenige Wochen später erneut ein zusätzliches langfristiges Refinanzierungsgeschäft
in Höhe von 40 Mrd. Euro.

Nach dem Ausbruch der Krise um den Wechsel vom 2. zum 3. Quartal 2007 und der Verschärfung gegen
Ende des 3. Quartals verschlechterte sich die Situation quartalsweise weiter. Zum Jahreswechsel
2007/2008 waren erneut starke Liquiditätshilfen erforderlich, im Januar 2008 erschütterte die Nachricht
vom Milliarden-Verlust der Citigroup die Märkte. Dann kam am 16. März die dramatische
Rettungsaktion für Bear Stearns in den USA. Das nächste Quartal begann am 11. Juli 2008 mit dem
Zusammenbruch von IndyMac, dem bis dahin größten Fall in der Finanzkrise. In jedem Quartal bot
diese Krise eine neue Eskalationsstufe. Wer nach dieser Entwicklung meinte, nicht mit weiteren
Verwerfungen rechnen zu müssen, hatte offensichtlich die schon vor dem 15.9.2008 historische
Dimension dieser Krise nicht verstanden.

Dasselbe gilt übrigens für die Realwirtschaft. Der Abschwung in Deutschland begann bereits vor der
Pleite von Lehman Brothers, wird aber in Deutschland als Folge dieser Pleite interpretiert. Tatsächlich
waren die Auftragseingänge der Industrie in Deutschland schon im 3. Quartal 2008 rückläufig, also vor
der Pleite von Lehman Brothers. Die Kapazitätsauslastung ging zurück. Die Industrieproduktion in der
Eurozone sank ebenfalls bereits im dritten Quartal. In Deutschland wurden zahlreiche
ArbeitnehmerInnen, insbesondere LeiharbeiterInnen und Beschäftigte mit Zeitverträgen bereits in den
Monaten Juli, August und September 2008 entlassen. Auslöser dieses Rückgangs waren neben dem
auch durch die Finanzkrise bedingten Rückgang der US-Konjunktur, der sich schon in der ersten
Jahreshälfte 2008 zeigte, die hohen Energiepreise, die bereits im dritten Quartal in Deutschland zu
einem leichten Rückgang der Konsumnachfrage führten.

Dieser Beginn der Rezession wurde von der Regierung Merkel ignoriert. Finanzminister Steinbrück wies
noch am 25.9.2008 im Bundestag daraufhin, dass die Krise ein amerikanisches Problem und
Deutschland nicht betroffen sei. Man versuchte damals schon, alle Probleme als US-amerikanische
Probleme zu deuten, obwohl zu diesem Zeitpunkt bereits vier deutsche Banken (die IKB, die
SachsenLB, die West LB und Düsseldorfer Hypothekenbank) gerettet werden mussten, sich bei anderen
Banken bedrohliche Schieflagen abzeichneten (bspw. der Bayern LB) und die wirtschaftliche Entwicklung
sich verschlechterte. Ich selbst habe im Juni 2008 im Bundestag gesagt, dass die eigentlichen Kosten
dieser Finanzkrise Rezession und Arbeitslosigkeit sein würden – und nicht die 11 Mrd. Euro zur Rettung
der IKB, die damals im Zentrum der Aufmerksamkeit standen. Doch die Verantwortlichen in
Deutschland verschlossen lieber die Augen und zeigten mit dem Finger auf die USA.

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Quelle: http://www.gruene-bundestag.de/cms/archiv/dok/296
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