Está en la página 1de 12

KLUBZEITUNG DER SÜD -TIROLER FREIHEIT | 3-2017 | ERSCHEINT VIERTELJÄHRLICH

Unabhängigkeit Keine Angst, Europa!

KATALONIEN SAGT SÍ Europa hat Angst. Vor Katalonien. Vor


Veränderung. Vor der oft beschwo-
Feiernde Menschen, prügelnde Polizisten und ein Land am Scheideweg: Am 1. Oktober stimmte Katalonien renen „Kleinstaaterei“. Eine Klein-
über seine Unabhängigkeit ab. Nun sitzt die Regierung in Haft oder im Exil. Ist der Traum vom eigenen staaterei, die es zu verhindern gelte,
Staat damit zu Ende? Die Süd-Tiroler Freiheit war in Barcelona dabei. Ein Stimmungsbericht in zwei Teilen. meinte EU-Kommissionspräsident
Jean-Claude Juncker (sprach der Mann
aus dem Kleinstaat Luxemburg). Die
Angst ist unbegründet. Katalonien ist
eine Chance für die EU!
Vielerorts sinkt die Zustimmung zum
Gemeinschaftsprojekt. Nur rund ein
Drittel der Tschechen, Griechen, Itali-
ener und Kroaten halten die EU-Mit-
gliedschaft für eine gute Sache. Für
viele ist Brüssel vor allem eines: ein
Bürokratiemonster. Gurkenkrüm-
mungsregulierer. Weit weg.
Anders Katalonien. Anders Schott-
land. Sie feiern einen proeuropäischen
Patriotismus. Abschottung (welch
Wortspiel) ist nicht ihr Ziel. Im Ge-
genteil. „In Vielfalt geeint“ lautet das
Motto der EU. Erst wenn Europa die
schönen Worte von Subsidiarität und
Vielfalt auch lebt, hat es eine Zukunft.
Ansonsten könnte auf den Brexit bald

A
renys de Munt ist eine kleine Stadt 45 Kilometer mung, ebenfalls unverbindlich. Aber wie zuvor in den Ge- der nächste „Exit“ folgen.
nördlich von Barcelona. Malerischer Ortskern, meinden, sprach sich auch bei diesem Referendum eine
zwischen Hügeln gelegen, Blick auf das Mittel- große Mehrheit der Bevölkerung für die Schaffung einer Stefan Zelger,
meer: eine Ortschaft wie viele an der katalanischen Küste. katalanischen Republik aus. Über 80 Prozent sagten „Sí“ Sekretär der Landtagsfraktion
Und doch ist Arenys de Munt besonders. Es ist das gallische zur Unabhängigkeit.
Dorf Kataloniens, eine DER Keimzellen der katalanischen Gestärkt durch diese Volksbefragungen, siegte im September
Unabhängigkeitsbewegung. Vor acht Jahren wurde hier 2015 ein überparteiliches Bündnis für die Unabhängigkeit bei
erstmals ein unverbindliches Referendum zur Frage der den Wahlen zum katalanischen Regionalparlament. Bereits
Unabhängigkeit Kataloniens abgehalten. Ein Fanal, denn bei seiner zweiten Sitzung billigte es eine Resolution, die
über 550 Gemeinden folgten dem Beispiel und organisierten „den Beginn des Prozesses der Schaffung eines unabhängigen
ebenfalls unverbindliche Volksabstimmungen. Der Geist der Staates und der Einleitung eines verfassungsgebenden Verfah-
Unabhängigkeit war aus der Flasche gelassen. rens“ festschrieb. Mit der absoluten Mehrheit im Parlament
Im November 2014 folgte eine landesweite Volksabstim- im Rücken, gingen die Befürworter (Fortsetzung Seite 2)

www.suedtiroler-freiheit.com/landtag

Schottland will’s noch einmal wissen


Auch Schottland will noch einmal über seine Unabhängigkeit abstimmen. Das schottische Parlament
hat Ende März die Weichen für ein weiteres Referendum gestellt. Eines der größten Argumente der
Unabhängigkeitsgegner war, dass Schottland aus der EU fliegen würde, sollte man sich vom Vereinigten
Königreich trennen. Doch der EU-Austritt passiert nun mit dem Brexit, obwohl sich eine große Mehrheit
der Schotten für einen Verbleib in der EU ausgesprochen hatte. Die Schotten haben aber einmal mehr
bewiesen, dass das Selbstbestimmungsrecht ein proeuropäisches Projekt ist. (SZ)
1
TIROLER STIMMEN 03/2017 | SÜD -TIROLER FREIHEIT

LANDTAG: (Fortsetzung von Seite 1) der Unabhängigkeit nun daran, die Eine Entscheidung, die der spanische Staat mit allen Mit-
BLA BLA STATT vermeintlich finale Abstimmung über die Unabhängigkeit teln zu verhindern suchte. Er drohte allen Direktoren und
Kataloniens vorzubereiten. Am vergangenen 1. Oktober Gemeindevertretern mit Konsequenzen, falls sie ihre Schule
INFORMATION war es soweit. Die harte und nervöse Reaktion Spaniens vor, für die Wahl freigeben sollten. Dass die Wahllokale erst gar
während und nach der Wahl zeigte: diesmal wird es ernst! nicht öffnen konnten, dafür sollten die Militärpolizei „Gu-

D
er Gemeindenverband führ- ardia Civil“ und die Staatspolizei sorgen. Die Wahl sollte
te im Auftrag des Ressorts Erinnerung an überwunden geglaubte Zeiten „absolut unmöglich“ gemacht werden, sagte ein Vertreter
von Landesrätin Martha der Zentralregierung Spaniens in Katalonien.
Stocker eine Erhebung durch. Es Dass es diesmal um mehr als um Symbolpolitik ging, zeigte Drohung, Einschüchterung, Verfolgung: das alles schreckte
sollte herausgefunden werden, wie das harte Vorgehen Spaniens bereits vor der Abstimmung. die Katalanen nicht. Als Reaktion auf Spaniens Drohgebärden
viele Wohnungen in den Gemeinden Über 10.000 Polizisten wurden vor die Tore Barcelonas wurden überall im Land Schulen friedlich besetzt, darunter
leerstehen. Ziel der Erhebung: Unter- beordert, Regierungsbeamte festgenommen, Parteizentralen auch die Schule Ramon Llull. Zelger hat die Schule am
künfte für Asylbewerber zu finden. Die gestürmt, Webseiten blockiert, Wahlzettel beschlagnahmt, Vorabend der Wahl besucht: „Über 200 Menschen jeden
Süd-Tiroler Freiheit wollte Einsicht in ja sogar Panzer nach Katalonien verlegt. Ausnahmezustand. Alters haben sich in und vor der Schule versammelt, um ‚ihr‘
diese Studie nehmen. Dies wurde ihr Für die Landtagsabgeordneten der Süd-Tiroler Freiheit Wahllokal mit friedlichen Mitteln vor der Staatsmacht zu
aber von Landesrat Arnold Schuler verteidigen. Ein beeindruckendes Beispiel für Zivilcourage.
verweigert, obwohl die Anfrage nicht Gelebte Demokratie!“ Insgesamt eine seltsame Atmosphäre.
seinen Amtsbereich betraf. Deshalb Anspannung, Aufbruchstimmung, Unsicherheit. Brettspiele
stellten die Landtagsabgeordneten die- und Picknick, bevor die Staatsmacht kommt.
selbe Anfrage an Landesrätin Stocker. „Wir werden die ganze Nacht hierbleiben und falls die ‚Gu-
Ergebnis? Nichts! ardia Civil‘ kommt, werden wir friedlich dagegen halten“,
betont Antoni, ein Mann mittleren Alters aus Barcelona.
Dieses Verhalten hat seit einiger Zeit Bela kam vor vielen Jahren aus Südamerika nach Barcelona.
Methode: „Es ist dies bereits unsere Sie fühlt sich durch und durch als Katalanin und pflichtet
vierte Anfrage bezüglich Migrantenun- Antoni bei: „Wir sind hier um die Menschenrechte zu
terbringung, die von der Landesregie-
rung nicht beantwortet wurde“, ärgert Europa 2017: Vor dem Unabhängigkeitsreferendum verlegte Spanien
sich Stefan Zelger, Sekretär der Land- sogar Kampfschützenpanzer vom Typ „Pizzaro“ nach Katalonien.

tagsfraktion der Süd-Tiroler Freiheit.


„Gerade in so einem sensiblen Bereich war dieses Vorgehen eines EU-Staates unwürdig: „Mitten
wie die Einwanderung ist Information in Europa wird eine demokratische Abstimmung mit Ver-
entscheidend. Doch aus Parteikalkül, haftungen und militärischem Muskelspiel zu verhindern
Angst vor der Reaktion der Bevölke- versucht. Was Spanien in Katalonien veranstaltet, erinnert
rung und schierer Unfähigkeit hüllt an längst überwunden geglaubte Zeiten!“ Und mit dieser
man sich in Schweigen!“ Haltung standen die Abgeordneten nicht alleine da.
Ada Colau Ballano ist Bürgermeisterin von Barcelona. Sie ist
Für die Süd-Tiroler Freiheit ist das keine Befürworterin der Sezession Kataloniens. Gegen das
nicht hinnehmbar, da die Erhebung unverhältnismäßige Vorgehen Spaniens vor der Wahl fand
schon erstellt wurde und nicht eigens aber auch sie klare Worte: „Schwerwiegende Ereignisse pas-
durchgeführt werden musste. Zudem sieren im Moment; einmalige in der spanischen Demokratie,
haben die gewählten Abgeordneten ein (…) nur um zu verhindern, dass die Bürger Kataloniens an Mit Schlafmatten und Brettspielen gegen die Staatsmacht. Überall im
Recht auf Information und Einsicht. diesem Sonntag, (…) abstimmen können.“ Land besetzten mutige Bürger die Wahllokale, um sie vor der Schlie-
ßung durch die „Guardia Civil“ zu schützen. Die Süd-Tiroler Freiheit
„Das Verhalten der Landesregierung ist Entsprechend angespannt war die Lage kurz vor dem Un- besuchte die Schule „Ramon Llull“.
ein demokratiepolitisches Armutszeug- abhängigkeitsreferendum. Eskalation nicht ausgeschlossen.
nis!“ ärgert sich Landtagsabgeordneter Mit Spannung beobachtete auch die Süd-Tiroler Freiheit verteidigen. Wir haben der Welt immer gezeigt, dass wir
Bernhard Zimmerhofer. Man werde die Ereignisse. Stefan Zelger, Sekretär der Landtagsfraktion, friedlich demonstrieren. Wir kämpfen hier nur um unser
sich aber nicht abwimmeln lassen, gibt reiste nach Barcelona. Zum einen, um die Verbündeten in Recht zu wählen!“ Maria Clara besetzt die Schule, in der
sich Zimmerhofer kämpferisch. (SZ) Europa zu unterstützen, zum anderen aber vor allem, um für sie normalerweise Englisch unterrichtet. Sie sei hier, weil sie
das eigene Hauptanliegen, die Unabhängigkeit Süd-Tirols endlich über die Unabhängigkeit abstimmen möchte und
von Italien, Eindrücke und Erfahrungswerte zu sammeln. sie zeigt sich kämpferisch: „Wir werden heute hier schlafen
und wir werden morgen wählen. Sicher!“
„Wir kämpfen um unser Recht zu wählen!“
Der Blutsonntag von Katalonien
Die Schule Ramon Llull liegt im Stadtzentrum Barcelo-
nas, nur wenige hundert Meter von der Basilika „Sagrada „Wollen Sie, dass Katalonien ein unabhängiger Staat in Form
Família“ entfernt. Sie besteht aus zwei großen ockerfarbenen einer Republik wird?“. Die Frage, über die die Menschen
Bernhard Zimmerhofer: „Anfragen sind eines Gebäuden. Hier sollte am 1. Oktober eines von knapp 2.300 in Katalonien am 1. Oktober abstimmten. Ab 9.00 Uhr
der wichtigsten Kontrollinstrumente der Op- Wahllokalen in Katalonien sein. Wo sonst Kinder fit für konnten die Bürger ihre Antwort darauf geben.
position. Das Verhalten der Landesregierung
ist nicht hinnehmbar!“ die Zukunft gemacht werden, entschied man nun über die Der Tag begann ungemütlich: strömender Regen, eisiger
Zukunft des ganzen Landes. Wind. Doch den Menschen vor der Ramon-Llull-Schule

2
TIROLER STIMMEN 03/2017 | SÜD -TIROLER FREIHEIT

war das egal. Bereits um 6.00 Uhr morgens wartet eine


große Menschenmasse vor den Toren um Einlass. „Ich habe
mein ganzes Leben auf diesen Tag gewartet. Was machen
da ein paar Stunden?“ fragte eine ältere Dame sichtlich
berührt. Als um 7.00 Uhr die ersten Wahlhelfer durch die
Menge schritten, brandete Applaus und Jubel auf. Laute Rufe Zahl des Monats

67,3
folgten: „votarem, votarem“, „wir werden abstimmen“. Ein
beeindruckendes Bild. Dann kam die Staatsmacht.
Gegen 8.00 Uhr zogen knapp 20 Polizisten vor das Tor der
Schule. Mehrere hundert Menschen versperrten ihnen den
Weg. Die Polizisten harrten zunächst passiv vor der Menge
aus. Sie trugen schwere Schutzkleidung, Schusswaffen, Schil-
de, Schlagstöcke und große Gewehre mit Gummigeschossen.
Kein Laut war zu hören. Totenstille. Eine unheimliche 13
Atmosphäre.
Diese Ruhe wurde jäh durchbrochen, als wenig später die
Haupttruppe anrückte. 200 Mann riegelten die Straße,
in der das Wahllokal stand, von beiden Seiten her ab. Die So viel Prozent der jungen Men-
Beamten gingen nun hart gegen die friedlichen Wähler vor Über 10.000 schwer bewaffnete Polizisten sollten die Katalanen am schen zwischen 14 und 25 Jahren
und versuchten das Tor zu stürmen. Menschen wurden aus Unabhängigkeitsreferendum hindern. Bilder, die man sonst nur aus in Süd-Tirol stimmen folgender
der Türkei oder Russland kennt.
der Menge gezogen. Über die Leute, die am Tag zuvor noch Aussage zu: „Ohne Identität, ohne
friedlich die Schule besetzten, gingen Knüppelschläge nieder. halten Ausschau nach der Guardia Civil. Sie geben Alarm, Heimat ist eine Gesellschaft verlo-
Tränen flossen. Die Lage drohte zu eskalieren. Die Wähler wenn es brenzlig wird.“ Nur wenige Minuten später hatte ren“. Das ergab eine Studie des Lan-
blieben aber immer friedlich. Hier vor der Ramon Llull und Kollmann Pitzalis wieder am Telefon: „Bis vor Kurzem war desstatistikinstitutes ASTAT. Für
in allen anderen Teilen Kataloniens. es uns gelungen, die Guardia Civil zurückzuhalten, aber die Süd-Tiroler Freiheit ein erfreu-
Um 10.00 Uhr stürmten 30 Polizisten mit Vorschlaghammer soeben konnte sie die Blockaden überwinden. Nun sind liches Ergebnis, zeigt es doch, dass
einen Nebeneingang zur Schule und beschlagnahmten die sie vor dem Wahllokal angelangt.“ Im Hintergrund hörte der Heimatbegriff bei der Jugend
Wahlurnen. Beamte in Zivil rannten unter lautstarken Pfiffen man, wie die Militärpolizisten mit „Independència“-Rufen hierzulande positiv besetzt ist. (SZ)
mit den Urnen davon und warfen sie hastig in Zivilfahr- empfangen wurde.
zeuge. Eine Sitzblockade der aufgebrachten Wähler wurde Durch die vielen Berichterstatter und die sozialen Medien
mit Gummigeschützen regelrecht zerschossen. „Keiner der verbreiteten sich die Bilder von den prügelnden Polizisten
Polizisten trug eine Erkennungsnummer. Eine Identifizierung schnell in der ganzen Welt. Alte Menschen, blutüberströmt. Leichtfertig: Keine
nach den Übergriffen war somit ausgeschlossen“, berichtete Frauen, die an ihren Haaren aus den Wahllokalen gezerrt Teststrecke gegen
Zelger. Narrenfreiheit. Für die „Hauptstreitkraft“ ging es wurden. Noch nicht einmal Rollstuhlfahrer blieben von der Motorradunfälle!
weiter. Zum nächsten Wahllokal. marodierenden Staatsmacht verschont. Eine Staatsmacht, die
So wütete die Militärpolizei überall im Land. Auch die mit Brutalität gegen Menschen vorging, die nichts anderes
kleineren Dörfer blieben nicht verschont. Rosa Pitzalis wollten, als frei über ihre eigene Zukunft abzustimmen. Der Abgeordnete der Süd-Tiroler Frei-
aus Prettau im Ahrntal lebt seit 1985 in der katalanischen Szenen, die an die Türkei oder Russland erinnerten, sich heit, Bernhard Zimmerhofer, zeigt sich
Kleinstadt Borges Blanques. Im 6.000-Seelen-Ort wehrten aber im Herzen Europas abspielten. Am Ende des Tages enttäuscht darüber, dass sein Antrag
sich die Bewohner ebenfalls friedlich gegen die drohende waren fast 900 Menschen verletzt worden… (SZ) zur Reduzierung von Motorradun-
Schließung des Wahllokals. Dem Pressesprecher der Land- fällen im Landtag abgelehnt wurde.
tagsfraktion der Süd-Tiroler Freiheit, Cristian Kollmann, Lesen Sie in der nächsten Ausgabe: Der Antrag hätte vorgesehen, auf einer
hat Pitzalis ihre Eindrücke am Nachmittag des Wahltages Teststrecke einen zeitlich begrenzten
geschildert: „Seit heute 6.00 Uhr in der Früh bewachen wir - „Hola nou País“ – Hallo neuer Staat: Wie die Katalanen der Pilotversuch mit baulichen Maßnah-
das Wahllokal, das einzige in unserer Stadt. Von den ca. 4.000 Gewalt trotzten und dennoch abstimmten. men durchzuführen.
Wahlberechtigten haben fast 2.000 bereits gewählt. Noch - Augen zu und durch: Wie Europa die Augen verschloss und
nie war die Wahlbeteiligung so hoch. Die drei Zufahrten die Demokratie verhöhnte. „Gerade in Süd-Tirol verunglücken
des Ortes sind durch Traktoren blockiert, und die Bauern - Vorbild Süd-Tirol? Warum Katalonien schon heute eine jedes Jahr fast zwei Dutzend Motor-
bessere Autonomie als Süd-Tirol hat und Süd-Tirol nicht radfahrer tödlich. Hier wäre ein in-
als Autonomie-Vorbild für Katalonien taugt. novativer Test mit Maßnahmen wie
- Wir sind Republik: Wie die Unabhängigkeit Kataloniens Rüttelstreifen oder Fahrbahnteiler
erklärt wurde und wie Spanien darauf reagierte. mehr als angebracht gewesen“, betont
- Heute Katalonien, morgen Süd-Tirol? Was die Süd-Tiroler Zimmerhofer.
Freiheit aus den Entwicklungen in Katalonien mitnimmt.
- Regierung in Haft: Wie es in Katalonien jetzt weitergeht. Mit den Stimmen von SVP und PD
wurde der Antrag allerdings versenkt.
Für Zimmerhofer eine nicht nach-
Sehen Sie dem Link folgend im Video: vollziehbare vertane Chance, da der
Die Süd-Tiroler Freiheit war hautnah
Brachiale Gewalt gegen friedliche Wähler. Spanien machte z.T. nicht dabei, als ein Wahllokal durch die Staat- Antrag lediglich einen Test mit über-
mal vor alten Leuten und Behinderten Halt! spolizei gestürmt wurde. schaubaren Kosten forderte. (SZ)

3
TIROLER STIMMEN 03/2017 | SÜD -TIROLER FREIHEIT

Neues Grödenlogo
WARUM NICHT GHERDËINA?

I
m September 2017 hat der Tourismusverein Grö- einzig die Zugehörigkeit des Gebiets zu Italien und nicht
den das neue Grödenlogo präsentiert. Es trägt den seine sprachlichen Besonderheiten zählen. 6. Orts- und
Schriftzug „Dolomites Val Gardena“. Ein ladinisches Flurnamen sind identitätsstiftend und sind keine Ware,
„Gherdëina“ oder ein deutsches „Gröden“ sucht man die aus marktstrategischen Überlegungen heraus mani-
im Logo vergebens. Der Tourismusverein hat also be- puliert wird.
[VAL GARDENA]
schlossen, das Tal ausschließlich mit dem italienischen „Gebrauch der historisch fundierten Orts- und Flur-
Namen zu bewerben. namen in der Tourismuswerbung“ – so lautete ein Be-
Der Name „val Gardena“ oder einfach Dies ist aus folgenden Gründen bedauerlich: 1. Ein schlussantrag der Süd-Tiroler Freiheit, der im Juni 2015
nur „Gardena“ gehört zu jenen ca. 200
geografischen Namen in Süd-Tirol, die englisches „Dolomites“ und ein italienisches „Gardena“ im Süd-Tiroler Landtag behandelt wurde. Ein Teil des
nicht von Ettore Tolomei zum Zwecke passen nicht zu einem Tal, das mehrheitlich ladinisch Beschlussantrages, nämlich die Prämissen des beschlie-
der Manipulation der Sprach- und Sied- und im vordersten Abschnitt deutsch besiedelt ist! Zwar ßenden Teiles, wurde damals vom Landtag angenommen.
lungsgeschichte konstruiert wurden. könnte „Dolomites“ auch für das Ladinische stehen, Sie lauteten: „Der Süd-Tiroler Landtag fordert die Lan-
„Gardena“ verfügt über dieselbe Ety- doch im Zusammenhang mit „Gardena“ ist der Begriff desregierung auf, bei der Südtirol Marketing Gesellschaft
mologie wie „Gröden“ und „Gherdëina“. sicher als Englisch und damit als international aufzufas- zu intervenieren, damit diese die Feriengäste Stück für
Der gemeinsame Ausgangspunkt all sen. 2. Bereits in der Vergangenheit gab es Widerstände Stück an die authentische Toponomastik heranführt und
dieser Formen ist alpenromanisch von Seiten der Bevölkerung, als man beschloss, auf den die Richtlinien zum Gebrauch der Orts- und Flurnamen
*Gradéna. Auf dieser Stufe wurde der
Name ins Deutsche entlehnt, wo er deutschen Namen „Gröden“ gänzlich zu verzichten und in der Tourismuswerbung entsprechend modifiziert und
sich über althochdeutsch „Gredina“ nur noch einsprachig italienisch mit „Val Gardena“ zu verfeinert“.
über mittelhochdeutsch „Greden(e)“ zu werben. 3. Vor vier Jahren argumentierte der Grödner Nun, nach über zwei Jahren, kann man sich zu Recht
neuhochdeutsch „Gröden“ entwickelte. Tourismusverein, dass in den Namen „Gardena“ und fragen: Wie sieht es konkret mit der Umsetzung des
Doch den Namen für Gröden gab in das damalige Logo, das ein großes G darstellte, viel Beschlussantrages am Beispiel Gröden aus? Warum hat
es bereits in vorrömischer Zeit. Geld investiert worden sei und man dieses Logo nicht man sich, wenn schon einsprachig, nicht für „Gherdëina“
Ansetzen ließe sich ein vorrö- einfach so ändern könne. Nun wurde das Logo dennoch entschieden? (CK)
misch-indogermanisches *Gratéina geändert: das G, das sprachlich neutral gewesen wäre, ist
= ‘Ansammlung von Flechtwerken’. Dr. Cristian Kollmann ist Sprachwissenschaftler sowie Presse- und
Der Name wäre demnach urverwandt nicht mehr da. 5. Es hat den Anschein, dass als Kriterium Kommunikationssprecher der Landtagsfraktion der Süd-Tiroler
mit lateinisch „crãtis“ = ‚Flecht- für die Sprachwahl, in diesem Fall italienisch „Gardena“, Freiheit.
werk‘ und deutsch „Hürde“.

Anfragen der Süd-Tiroler Freiheit


In Schlanders kursierte die Nachricht, dass im dortigen Im Februar 2015 hat Landesrat Philipp Achammer
Asylantenheim eine 80-Kilowatt-Stromleitung zuge- angekündigt, eine Arbeitsgruppe mit Vertretern von
führt werden sollte. Die Süd-Tiroler Freiheit wollte in Verbänden, Organisationen und Verwaltungsämtern
Recht auf Mutter- Erfahrung bringen, ob das stimmt und mit welchen einzurichten. Das Ziel: Ein Maßnahmenpaket auszuar-
sprache garantieren! monatlichen Kosten zu rechnen sei. beiten, das bürokratische Hindernisse für ehrenamtlich
Tätige abbaut. Die Süd-Tiroler Freiheit fragte nach
Am zweiten Septembersamstag fand Landesrat Christian Tommasini bestätigte, dass die Anschluss- den Ergebnissen der Arbeit dieser Gruppe.
der „Tag der deutschen Sprache“ statt. leistung eigens auf 70 Kilowatt erhöht wurde. Die monatlichen
Die Süd-Tiroler Freiheit nahm diesen Stromkosten belaufen sich demnach auf ca. 1.000,- Euro. Das Ergebnis fiel leider mager aus. Anregungen seien im neuen
Tag zum Anlass, um auf die ständigen Landeskulturgesetz aufgenommen worden, mehr aber auch
Verletzungen des Rechts auf Gebrauch Die Süd-Tiroler Freiheit wollte wissen, wer für die nicht. Für die tägliche Arbeit der vielen Ehrenamtlichen in
der Muttersprache hinzuweisen. Jüngs- Benennung von Weilern und Fraktionen zuständig Süd-Tirol hat das aber kaum Auswirkungen. Süd-Tirol ist ein
tes Negativbeispiel: das Krankenhaus ist und auf welchen gesetzlichen Grundlagen die Be- Land, dass auf vielen Freiwilligen in allen möglichen Berei-
in Bozen. Hier wurde ein Patient we- nennungen fußen. chen aufgebaut ist. Das Ehrenamt sieht sich aber leider weiter
gen seiner deutschen Muttersprache mit einer erdrückenden Bürokratielast konfrontiert und die
diskriminiert. Beileibe nicht der erste Landeshauptmann Arno Kompatscher bestätigte, dass die Kom- Landesregierung scheint dem nicht viel entgegenzusetzen. (SZ)
Fall in Bozen. Das Recht auf Gebrauch petenz für die Benennung von Weilern, Fraktionen, Stadtvier-
der Muttersprache ist eine Grundsäule teln, Fluren usw. bei den Gemeinden liegt. Gebietsabgrenzungen,
der Autonomie, weshalb die Süd-Tiro- Zusammenlegung und Umbenennungen von Gemeinden an sich
Dem Link folgend finden Sie ausführliche Infor-
ler Freiheit auch diesen Fall mittels erfolgen laut Autonomiestatut mit Gesetzen der Region, aller- mationen aller Anfragen der Süd-Tiroler Freiheit
Anfrage in den Landtag brachte. (SZ) dings erst, nachdem die betroffene Bevölkerung befragt wurde. im Landtag.

4
TIROLER STIMMEN 03/2017 | SÜD -TIROLER FREIHEIT

TOMMASINI:
RÜCKTRITT
GEFORDERT!
Landesrat Christian Tommasini vom
„Partito Democratico“ wollte Süd-
Tirol zusammen mit Venedig als Teil
der Großregion „Triveneto“ für die
Kulturhauptstadt 2019 bewerben und
hat dafür Unsummen an Steuergeld
verschwendet. Die Süd-Tiroler Freiheit
hat mit mehreren Landtagsanfragen
diese Verschwendung aufgedeckt.
Denn während der Mitbewerber Ve-
nedig nur knapp 70.000 Euro für die
Bewerbung ausgab, wurden in Süd-
Tirol mehr als eine Million Euro an
Steuergeld vernichtet. Allein für ein
Gala-Dinner im „Museion“ wurden
mehr als 50.000 Euro ausgegeben!

Dem PD-Landesrat ging es mit der Be-


Am Brenner ist für viele Züge oftmals Endstation. Dann heißt es: aussteigen, umsteigen und warten. Mit einem kundenorientierten werbung vor allem darum, Süd-Tirol
Personentransport im vereinten Europa hat das nichts zu tun. Ein grenzüberschreitender Regionalzugverkehr und eine direkte Zug- möglichst italienisch darzustellen und
verbindung Bozen-Wien brächten viele ökonomische Vorteile und wären eine Bereicherung für Pendler, Studenten und Touristen. als Teil der italienischen Kulturnation
zu präsentieren.

Nach den Aufdeckungen der Süd-Tiro-


ler Freiheit wurde der Rechnungshof
tätig und verurteilte Tommasini und
Verbesserte Bahnverbindungen seine Mitarbeiter. Der Landtagsabge-
ordnete Sven Knoll zeigt sich zufrieden

ENDSTATION BRENNER?! mit dem Urteil und fordert personelle


Konsequenzen: „Ein Landesrat, der
Wer mit dem Zug über den Brenner gereist ist, hat es schon erlebt: Am Bahnhof an der Grenze heißt es oft: wegen der Verschwendung von Steu-
„Nächster Halt, Brenner. Ende der Zugreise“. Danach ist Aus- und Umsteigen angesagt. Für Studenten, ergeld verurteilt wurde, hat in der
Pendler und Touristen ist der innertirolische Regionalzugverkehr von großer Bedeutung. Ebenso wichtig für Regierung nichts mehr verloren! Wir
den Tourismusstandort Süd-Tirol ist eine direkte Zugverbindung von Bozen nach Wien. Um den Bahnverkehr erwarten uns nun ein konsequentes
aufzuwerten, wurden im Landtag mehrere Anträge der Süd-Tiroler Freiheit diskutiert und angenommen. Handeln der SVP und keine falsche
Rücksichtnahme auf den Koalitions-

N
och immer ist es mühselig und zeitaufwendig, mit mit eine attraktive und direkte Anbindung an internationale partner. Die SVP hat schon viel zu lan-
dem Zug vom Süden in den Norden Tirols zu Destinationen erhalten“, unterstreicht Knoll. Er sieht eine ge dieser Geldverschwendung tatenlos
reisen. „Wer beispielsweise mit einem Regionalzug Anbindung mit den sogenannten Railjet-Zügen technisch zugesehen!“ Durch die hartnäckige
von Meran nach Innsbruck fahren möchte, muss bis zu zwei und wirtschaftlich machbar: „Zwischen Innsbruck und Wien Arbeit der Süd-Tiroler Freiheit sei es
Mal umsteigen. Vor allem der Umstieg am Brenner ist ein verkehren durchschnittlich alle zwei Stunden Railjet-Züge. gelungen, wenigstens einen Teil des
vermeidbarer Zeitverlust“, gibt Landtagsabgeordneter Sven Da die Garnituren koppelbar sind, bestünde die Möglichkeit, Steuergeldes zu retten, unterstreicht
Knoll zu bedenken. Auch wirtschaftlich betrachtet verursa- eine Zuggarnitur von Bozen aus kommend in Innsbruck an Knoll abschließend. (SK/SZ)
che die innertirolische Trennung des Regionalzugverkehrs den dortigen Railjet zu koppeln.“
Unter anderem mit gelben Containern, die
Mehrkosten, da bisher zwei getrennte Zuggarnituren mitsamt Die Landesregierung wird nun mit der ÖBB und der ös- mehr als eine Viertelmillion Euro gekostet
dem jeweiligen Personal bis zur Grenze fahren müssen. terreichischen Regierung in Verhandlungen treten, damit haben, sollte der Bevölkerung Süd-Tirols die
Bewerbung zur Kulturhauptstadt als Verbund
Im Landtag wurde deshalb ein Antrag der Süd-Tiroler Frei- Süd-Tirol in das Railjet-Netz aufgenommen wird. Und der im „Triveneto“ schmackhaft gemacht werden.
heit angenommen, mit welchem direkte und umsteigefreie Zeitpunkt scheint günstig, denn in den kommenden Jahren
Regionalzugverbindungen zwischen den Tiroler Landesteilen sollen alle EC-Züge durch Railjet-Garnituren ersetzt werden.
gefordert werden. „Damit wurden nun die politischen Wei- Derzeit laufen bereits Verhandlungen und Testfahrten zur
chen dafür gestellt, dass die Europaregion Tirol mit Leben Zulassung des Railjets in Italien. (SZ/SK)
gefüllt wird“, zeigt sich Knoll überzeugt.
Auf Antrag der Süd-Tiroler Freiheit hat sich der Landtag Sehen Sie dem Link folgend im Video:
„Endstation an der Grenze“. Was Sven
außerdem für die Einführung einer direkten Zugverbindung Knoll zur Initiative „Innertirolische
von Bozen nach Wien ausgesprochen. „Süd-Tirol würde da- Zugverbindungen“ sagt.

5
TIROLER STIMMEN 03/2017 | SÜD -TIROLER FREIHEIT

TEURE Toponomastik
WARTEZEITEN!
Die langen Wartezeiten bei nicht-drin- WISSENSCHAFT GEGEN AGI-
TATION – „ITALIENER HABEN
genden Visiten sind nicht „nur“ ein
Ärgernis für die Menschen, son-
dern auch teuer für das Land. Der
Süd-Tiroler Sanitätsbetrieb garantiert
den Bürgern eine Vergütung von 50
RECHT AUF INFORMATION!“
Euro, wenn sie länger als 60 Tage auf Ettore Tolomei, unter Mussolini faschistischer Ehrensenator, machte es sich zur Lebensaufgabe, Süd-Tirol
eine nicht dringende Visite warten bis in den entlegensten Winkel zu italianisieren. Über 8.000 erfundene Orts- und Flurnamen stammen aus
müssen. Da die durchschnittliche seiner Feder. Sogenannte Wissenschaftler der „Academia della Crusca“ haben eine Unterschriftenaktion
Warteizeit kontinuierlich steigt und gestartet und behaupten, dass Tolomeis Fälscherwerk wissenschaftlich fundiert und als Kulturgut zu
die Landesregierung das Problem nicht bezeichnen sei. Die Süd-Tiroler Freiheit hält nun mit einer Informationsbroschüre in italienischer Sprache
in den Griff bekommt, steigen auch dagegen und hat dafür prominente Unterstützung bekommen: Annibale Salsa, emeritierter Professor für
die Kosten für die Rückvergütungen. Philosophie und Kulturanthropologie sowie ehemaliger Vorsitzender des „Club Alpino Italiano“ (CAI).

D
In zwei Landtagsanfragen haben sich Die Süd-Tiroler Freiheit will mit der Informati- Die Süd-Tiroler Freiheit kann mit Annibale Salsa auf die
die Abgeordneten der Süd-Tiroler Frei- onsbroschüre auch ihre italienischen Mitbürger Unterstützung eines prominenten Italieners zählen. Annibale
heit, Sven Knoll, Myriam Atz Tam- für die Thematik sensibilisieren. Der Topono- Salsa ist emeritierter Professor für Philosophie und Kul-
merle und Bernhard Zimmerhofer, mastikexperte der Süd-Tiroler Freiheit, Cristian Kollmann, turanthropologie an der Universität Genua sowie ehemaliger
kundig gemacht, wie viele Bürger bringt es auf den Punkt: „Die Italiener in Süd-Tirol und in Vorsitzender des CAI in Italien. Die „Tiroler Stimmen“ haben
diese Leistung in Anspruch genom- Italien sind seit Jahrzehnten gezielten Fehlinformationen ihn zu einem kurzen Interview getroffen.
men haben und welche Kosten damit
verbunden waren. Laut Antwort von
Landesrätin Martha Stocker wurden
von 2014 bis 2016 1,2 Millionen Euro
ausgegeben. In nur zwei Jahren war
eine Steigerung bei den Rückerstattun-
gen von 123 Prozent zu verzeichnen!

Dabei fällt besonders auf, dass jedes


Jahr der Hauptanteil der Vergütun-
gen die Augenvisiten betrifft, und
zwar zu mehr als die Hälfte. Deshalb
plant der Sanitätsbetrieb, die Dauer
von Augenvisiten von 20 Minuten
auf 17 Minuten und 30 Sekunden zu
kürzen. Die Süd-Tiroler Freiheit lehnt
dies aber strikt ab. „Visiten müssen
sich nach den Bedürfnissen der Pa-
tienten ausrichten und dürfen nicht
unter Zeitdruck erfolgen. Es ist keine
Akkordarbeit“, betont die Süd-Tiroler
Freiheit. (SZ) Prof. Annibale Salsa (links) im Interview mit Cristian Kollmann, Toponomastikexperte der Süd-Tiroler Freiheit. Der emeritierte Professor für
Philosophie und Kulturanthropologie und ehemalige Vorsitzende des CAI in Italien spricht sich gegen die faschistischen Orts- und Flurnamen,
und für eine wissenschaftliche Lösung der Problematik aus.

ausgeliefert. Und genau hier wollen wir gegensteuern. Die Professor Salsa, warum unterstützen Sie unsere Bemü-
Italiener haben das Recht, objektiv und sachlich über die hungen, die italienischen Mitbürger in Süd-Tirol und
Toponomastik informiert zu werden!“ anderswo in Sachen Toponomastik zu informieren?
Und Beispiele für die Absurdität von Tolomeis Schaffen gebe
es laut Kollmann viele: Collalbo = „Weißbichl“, Colle Isarco Ich denke, es ist eine Form der moralischen Entschädigung.
= „Eisackbichl“, Passo Rombo = „Rumpelpass“, Colle Isarco Denn hier haben wir eine anomale Situation im Vergleich zu
= „Eisackbichl“ und Vetta d’Italia = „Italiengipfel“! „Umso anderen Gebieten im Alpenbogen, aber auch zu den anderen
peinlicher und beschämender ist es, wenn so genannte Wis- Regionen Italiens. Das möchte ich betonen. Im Vergleich zum
Augenvisite mit Stoppuhr? Um die ausufern- senschaftler von der Accademia della Crusca hergehen, und restlichen Alpenbogen, wo diese Fragen bewältigt wurden
den Kosten für die langen Wartezeiten in den derart völlig aus der Luft gegriffene Pseudonamen auch noch oder nie existierten. Sie sind anders angegangen worden. Ich
Griff zu bekommen, sollen laut Sanitäts-
betrieb Augenvisiten statt 20 Minuten nur als wissenschaftlich fundiert und als Kulturgut bezeichnen“, nehme das Beispiel Aostatal her, das ich als bedeutendstes
mehr 17 Minuten und 30 Sekunden dauern. kritisiert Kollmann. empfinde, denn dort träumt keiner davon, den wiederher-

6
TIROLER STIMMEN 03/2017 | SÜD -TIROLER FREIHEIT

gestellten französischen Namen, die nach dem Faschismus Man kann sich nicht auf einen Punkt in der Geschichte be- BRINGT NICHTS
wiedereingeführt wurden, italienische Namen anzuhängen. ziehen, der erst kürzlich geschah. Deshalb tue ich mich auch - CLIL BLEIBT
Es kümmert keinen. Ich verstehe, wieso in Süd-Tirol das schwer, dieses Konzept vom kulturellen Erbe zu verstehen.
Thema ideologisch aufgeladen ist. Die Ideologie macht Denn, ich wiederhole, das kulturelle Erbe verweist auf eine TROTZDEM
blind. Sie gestattet es einem nicht, sich an die Wahrheit zu historische Dimension. Die Italianität Südtirols ist, bis auf
halten, an die Objektivität der Tatsachen. Dennoch glaube wenige Ausnahmen, nicht historisch-kulturell geschichtet. CLIL. Die Abkürzung steht für „Con-
ich, dass nunmehr nach 70 Jahren der Moment gekommen tent and language integrated learning“
ist. Ich verstehe zwar das Argument, dass die italophonen Sie sind selbst Wissenschaftler. Was halten Sie von Wis- und bedeutet, dass Sachunterricht in
Namen vertraut geworden sind, aber kurzum: Wäre man in senschaftlern, welche ihre Disziplin aus italienisch nati- der Schule in einer Fremdsprache un-
Süd-Tirol so vorgegangen wie 1948 im Aostatal, würde das onalistischen Motiven instrumentalisieren? terrichtet wird. Z.B. Mathematik in
Problem nicht existieren. 70 Jahre sind unnütz vergangen. italienischer Sprache.
Ein Wissenschaftler sollte das nicht machen. Denn hier han-
Wie bewerten Sie den Aufruf der Mitglieder der „Ac- delt es sich um einen ethischen deontologischen Kodex. Wenn Der CLIL-Unterricht ist äußerst um-
cademia della Crusca“, welche darauf pochen, dass die man die Rolle eines Wissenschaftlers kohärent interpretiert, stritten, da er gegen Artikel 19 des
sogenannte italienische Toponomastik in Süd-Tirol als kann man das nicht machen. Ich wollte nie Politik machen. Autonomiestatuts verstößt. Der Ar-
allgemeines kulturelles Erbe angesehen werden sollte. Ich habe meine Vorstellungen, andere haben andere Vorstel- tikel besagt, dass der Fachunterricht
Sind Sie mit dieser Behauptung einverstanden? lungen. Und ich respektiere diese. Aber als Wissenschaftler in der Muttersprache zu erfolgen hat.
habe ich eine Verantwortung darüber hinaus. Es stimmt, Doch nicht nur politisch steht der
Damit tue ich mich schwer. Ich tue mich sehr schwer, diese dass es keine absolute Neutralität gibt, noch nicht einmal CLIL-Unterricht in der Kritik, auch
Position zu rechtfertigen. Ich respektiere die freie persönliche in den Naturwissenschaften. Aber der Wissenschaftler sollte aus pädagogisch-didaktischer Perspek-
Meinung. Aber ich tue mich schwer. Weil das Wort Gemein- sich bemühen unabhängig zu sein. Ein freier Denker zu sein. tive ist er in Süd-Tirol abzulehnen.
gut aus dem Lateinischen kommt. „Pater“ und „Munus“. Eine Studie der EURAC hat nämlich
Die Hinterlassenschaft der Väter. Worauf verweist das Wort Das Interview führte Cristian Kollmann. gezeigt, dass die Sprachkenntnisse der
„Patrimonio“? An historische Ereignisse von langer Dauer. Schüler durch CLIL sogar abnahmen!
Eine weitere Erhebung der Landes-
regierung förderte zutage, dass auch
der Fachunterricht unter der Methode
leidet. Nur ein Bruchteil des normalen
Unterrichtspensums konnte in den un-
tersuchten Fächern geschafft werden.

Ausschank von Alkohol Trotzdem hält die Landesregierung

IMMER MEHR BÜROKRATIE:


am CLIL-Unterricht fest und dehnt
ihn immer weiter aus! Die Süd-Tiroler
Freiheit hat festgestellt, dass in weitaus

„SCHLUSS MIT DEN mehr deutschen Schulen CLIL-Pro-


jekte laufen, als die Schullandesräte

STÄNDIGEN VERBOTEN!“
in einer Landtagsanfrage einräumten.
Für die Süd-Tiroler Freiheit ist dies
schlicht verantwortungslos. Sie for-
„Früher litten wir an Verbrechen, heute an Gesetzen“. Wohl kaum eine Aussage trifft, auch fast 2.000 dert die Landesregierung dazu auf,
Jahre später, so zu, wie jene des römischen Geschichtsschreibers Tacitus. Unternehmen wie Ehrenamtliche die Sprachexperimente einzustellen.
haben unter einer regelrechten Flut von Gesetzen, Verordnungen und Vorschriften zu leiden. Im Regio- Stattdessen sollte Deutsch in italie-
nalrat kam vor kurzem eine weitere Einschränkung für die Gastwirtschaft hinzu. Die Süd-Tiroler Freiheit nischen Schulen und Italienisch in
hat deshalb einen offenen Brief an Süd-Tirols Gemeindeverwalter geschickt. deutschen Schulen als Fremd- und
nicht als Zweitsprache unterrichtet

I
m Regionalrat wurde eine Bestimmung verabschiedet, schon alle Möglichkeiten, die Öffnungszeiten der Betriebe so werden. So wie es schon in beiden
welche vorsieht, dass Bürgermeister die Befugnis haben, zu gestalten, wie sie es für angemessen halten. Zudem haben Schulsystemen mit der englischen
Gastwirten für einen bestimmten Zeitraum den Aus- die Bürgermeister bereits jetzt die Möglichkeit, wenn es zu Sprache praktiziert wird. (SZ)
schank von Alkohol zu verbieten. Für die Abgeordnete der wiederholten Ruhestörungen kommt, die Ausschank- und
Süd-Tiroler Freiheit, Myriam Atz Tammerle, ist die neue Öffnungszeiten abzuändern.“
Bestimmung ein weiterer Eingriff in die Berufsausübung von Atz Tammerle richtete daher einen offenen Brief an alle
Gastronomen. Damit wolle man zwar gegen die Ruhestö- Bürgermeister von Süd-Tirol, in welchem sie diese über die
rung in den Nachtstunden vorgehen, doch diese Regelung Problematik des neuen Regionalgesetzes informierte und
gehe am eigentlichen Ziel vorbei, da nur dem Gastwirt die sie darum ersuchte, bei Konfliktsituationen gemeinsame
Verantwortung zugeschoben werde. Lösungen zwischen Gastwirten und Anrainern zu suchen,
Atz Tammerle verweist darauf, dass es bereits genügend Spiel- anstatt strenge Verbote zu erlassen. „Zu einem funktionieren-
raum für die Gemeinden gäbe: „Die Gastgewerbeordnung in den Dorfleben gehören nämlich auch die Gastwirtschaften,
Süd-Tirol regelt bereits die Ausschank- und Öffnungszeiten denn diese beleben die Ortschaften und schaffen zahlreiche
der Gastbetriebe, und damit haben die Bürgermeister heute Arbeitsplätze“, betont Atz Tammerle. (SZ/MAT)

7
TIROLER STIMMEN 03/2017 | SÜD -TIROLER FREIHEIT

AUTONOMIE „Wollen sachliche Diskussion anregen“


FÄNGT IN
GEMEINDE AN! DOPPELTE STAATSBÜRGER-
Der Landtag hat in seiner letzten Sit-
zungswoche ein Gesetz zu den Befug-
SCHAFT: AKADEMISCHER TA-
nissen der Gemeinden beschlossen.
Keine Zustimmung zum SVP-Gesetz
GUNGSBAND VORGESTELLT
kam von der Süd-Tiroler Freiheit. Der Landtagsklub der Süd-Tiroler Freiheit organisierte im Oktober 2015 in Bozen eine internationale Tagung
„Der Gesetzestext spricht zwar von ‚lo- mit dem Titel „Doppelte Staatsbürgerschaft als Mittel des Minderheitenschutzes im europäischen bzw.
yaler Zusammenarbeit zwischen Land internationalen Vergleich“. Dabei wurde aufgezeigt, dass Doppelstaatsbürgerschaften eine Bereicherung
und Gemeinden‘, ist aber absolut dik- für ethnische Minderheiten sind. Auf einer Pressekonferenz wurde nun der Tagungsband vorgestellt. Er
tatorisch ausgerichtet und steht im Wi- soll Universitäten zu weiteren Forschungen, aber vor allem der Politik zur Umsetzung der doppelten
derspruch zur Gemeindeautonomie!“, Staatsbürgerschaft dienlich sein.
bemängelt die Landtagsabgeordnete

I
Myriam Atz Tammerle. n zwölf Beiträgen wird das Thema doppelte Staatsbür- zes, der Befriedung zwischen Mehrheit und Minderheit
gerschaft aus diversen (rechtlichen, länderspezifischen, sowie der Bereicherung für jede Minderheit bewährt hat.
Einerseits würden die Gemeinden, minderheitenbezogenen) Perspektiven beleuchtet, und Exemplarisch Alexandra von Schantz aus Åland, die betonte:
unter Androhung von finanziellen als Leser gewinnt man dabei interessante Einblicke in die „Befürchtungen, dass eine doppelte Staatsbürgerschaft die
Sanktionen bis hin zur Einsetzung Situation einer betreffenden Minderheit. Die Autoren, die Gesellschaft spalten könnte, haben sich nirgends bewahr-
eines Kommissärs, zur Zusammenle- aus den unterschiedlichsten Regionen der Europäischen heitet. Im Gegenteil: Die Gesellschaft wird nicht gespalten,
gung von Diensten und Befugnissen Union und der restlichen Welt stammen, sind oft selbst sondern gestärkt, weil durch die doppelte Staatsbürgerschaft
verpflichtet. Andererseits übertrage Angehörige einer Minderheit und fungieren (nach dem die Minderheiten mehr Anerkennung erfahren. Finnland
man den Gemeinden neue Befug- Stand von Oktober 2015) als politische Vertreter, hohe und Åland sind gute Beispiele dafür.“
nisse mit hohem Konfliktpotenzial, Beamte, Juristen, Wissenschaftler an Universitäten oder Mit der Tagung und dem nun vorliegenden Tagungsband
wie etwa über die Spielhallen und Vertreter von Kulturvereinen, wobei sich ihre Funktionen wurde der Süd-Tiroler Freiheit von einem namhaften Refe-
Tanzlokale, obwohl die Arbeit der teilweise überschneiden. renten und Koautor, Prof. Daniel Turp von der Universität
Gemeinden ohnehin schon immer Die Beiträge im Tagungsband geben eine Vorstellung davon, Montréal, attestiert, dass sie wissenschaftliches Neuland
komplexer und aufwändiger geworden dass in den meisten Staaten der EU sowie weltweit die dop- betreten hat. In der Tat war und ist es das Ziel der Süd-Tiroler
sei. Atz Tammerle brachte eine Reihe pelte Staatsbürgerschaft längst Realität ist und sich auch in- Freiheit, das Thema doppelte Staatsbürgerschaft auf eine
von Änderungsanträgen ein, die in all ternational zum Schutz von Minderheiten bewährt hat. Und akademische Ebene zu heben und dabei eine Reihe von
diesen Bereichen den Gemeinden Ent- selbst Italien ermöglicht seinen Abkömmlingen im Ausland, Halb- und Unwahrheiten auszuräumen.
scheidungsfreiheit überlassen sollten, z.B. in Kroatien und Slowenien, die doppelte Staatsbürger- Die Süd-Tiroler Freiheit wird nun den Tagungsband allen
sie wurden jedoch nicht angenommen. schaft. Maurizio Tremul aus Capodistria unterstrich bei der Abgeordneten im österreichischen Parlament, aber auch den
Tagung: „Die Wiedererlangung der italienischen Staatsbür- Landtagsabgeordneten im Bundesland Tirol und in Süd-Tirol
Grundsätzlich spreche, so Atz Tam- gerschaft hat für uns einen besonderen moralischen Wert. Sie zukommen lassen. Er soll eine wissenschaftliche Grundlage
merle, zwar nichts dagegen, Arbeits- unterstreicht die Verbundenheit zwischen der Mutternation für eine sachliche Diskussion bilden, gerade im Hinblick
abläufe effizienter zu gestalten oder Italien und den Italienern von Kroatien und Slowenien und auf die Umsetzung der doppelten Staatsbürgerschaft für
besonders in kleinen Gemeinden Be- sie trägt dazu bei, dass die italienische Identität, Sprache und die Süd-Tiroler. Die Süd-Tiroler Freiheit ist überzeugt: Die
reiche wie den Bauhof zusammenzule- Kultur gestärkt und intensiver gelebt werden.“ Wiedererlangung der österreichischen Staatsbürgerschaft wäre
gen, doch sollte dies laut Atz Tammerle Durchgehend stellt sich heraus, dass die doppelte Staats- ein Meilenstein in der Süd-Tirol-Politik und langfristig die
den Bedürfnissen der Gemeinden ent- bürgerschaft einen Mehrwert darstellt und sie nirgends zu beste Absicherung der Autonomie. Die Süd-Tirol-Autonomie
sprechen und sie sollten selbst darüber einer Spaltung der Gesellschaft geführt hat, sondern, im ist nämlich eine rein ethnische Autonomie zum Schutze der
entscheiden dürfen. Und dies könne Gegenteil, sich als probates Mittel des Minderheitenschut- österreichischen Minderheit in Italien. (CK/SZ)
nur gelingen, indem das Land ihnen
Mit der Tagung zur doppelten Staatsbürgerschaft hat die Süd-Tiroler Freiheit akademisches Neuland betreten. Der Tagungsband ist nun bei
Anreize biete und sie nicht, wie im Ge-
der Landtagsfraktion der Süd-Tiroler Freiheit erhältlich (v.l.: Fraktionssekretär Stefan Zelger, Landtagsabgeordneter Sven Knoll, Pressesprecher
setz vorgesehen, dazu zwinge. (CK/MAT) Cristian Kollmann, Landtagsabgeordnete Myriam Atz Tammerle und Landtagsabgeordneter Bernhard Zimmerhofer).

Landtagsabgeordnete Myriam Atz Tam-


merle: „Autonomie der Gemeinden ist zu
respektieren!“

8
TIROLER STIMMEN 03/2017 | SÜD -TIROLER FREIHEIT

„FÜR SVP IST


ITALIEN NÄHER
ALS TIROL!“
Der Landtagsabgeordnete der
Süd-Tiroler Freiheit, Bernhard Zim-
merhofer, zeigt sich enttäuscht darü-
ber, dass sein Antrag zur gemeinsamen
Sportlerehrung in der Europaregion
Tirol im Landtag abgelehnt wurde.
Für den Landtagsabgeordneten ist klar:
„Die SVP hat ihren Kompass schon
dermaßen auf Rom ausgerichtet, dass
sogar die Europaregion Tirol nur ein
volkstumspolitisches Feigenblatt ist!“

Wenn die Europaregion Tirol kein


toter Buchstabe bleiben solle, dann
brauche es Gesamttiroler Initiati-
ven. „Gerade der Sport trägt sehr
zur Identitätsstiftung, nicht nur des
Individuums, sondern der Gemein-
Im Landtag präsentierte die Süd-Tiroler Freiheit die erschreckenden Zahlen der ÖH-Erhebung. Gleichzeitig zeigte die Süd-Tiroler schaft bei und schafft ein Gefühl der
Freiheit auf, was man gegen das Problem Ärzteflucht tun könnte. (V.l.: Sekretär der Landtagsfraktion Stefan Zelger, Landtagsab- Zusammengehörigkeit. Daher ist es
geordnete Myriam Atz Tammerle, Landtagsabgeordneter Sven Knoll, Landtagsabgeordneter Bernhard Zimmerhofer und Bezirks- wünschenswert, dass im Sportbereich
sprecherin im Vinschgau Sieglinde Gander Stocker).
enger zwischen den Tiroler Landestei-
len zusammengearbeitet wird“, zeigt
sich Zimmerhofer überzeugt.

Und mit dem Wunsch einer engeren


90 Prozent kommen nicht zurück Zusammenarbeit ist die Süd-Tiroler
Freiheit nicht alleine. Landesdirektor

DRAMATISCHE ÄRZTEFLUCHT Helmut Krieghofer vom ORF Tirol


hat eine Gesamttiroler Sportlerehrung
Der einstige Musterschüler ist zum Sorgenkind geworden: Süd-Tirols Sanitätswesen galt lange als beispiel- beim Ball des Sports in Meran befür-
haftes Vorbild und erlebt zurzeit einen ebenso beispielhaften Niedergang. Immer längere Wartezeiten, wortet. Und auch Tirols Landtagsprä-
eine heillos überforderte Erste Hilfe im Bozner Krankenhaus und immer weniger zweisprachige Ärzte sind sident Herwig van Staa hat bei einem
nur einige der Symptome des kranken Mannes Gesundheitswesen. Die Süd-Tiroler Freiheit warnt nun vor Treffen mit der Süd-Tiroler Freiheit
einem Ärztemangel ungeahnten Ausmaßes und fordert innovative Gegenmaßnahmen. in Innsbruck mehr Engagement von
Seiten der Süd-Tiroler gefordert.

D
ie Landtagsabgeordneten der Süd-Tiroler Freiheit die flächendeckende Gesundheitsversorgung in Süd-Tirol
zeigen sich alarmiert. Fast niemand der Süd-Tiro- nicht mehr aufrecht zu erhalten sein“, warnt Knoll. Die „Nur bei der SVP sieht man das wieder
ler Medizinstudenten in Innsbruck will nach Gesundheitspolitik der Landesregierung bezeichnet er als einmal anders. Sie lehnt reihenweise
Süd-Tirol zurückkommen. „Ein Ärztemangel ungeahnten verfehlt und gescheitert. Anträge zur Stärkung der Europare-
Ausmaßes droht, falls nicht weitgreifende Gegenmaßnahmen Die Süd-Tiroler Freiheit fordert von der Landesregierung nun gion Tirol ab, ohne aber selbst zur
erhoben werden“, warnen die Abgeordneten. endlich wirkungsvolle Maßnahmen: „Anstatt Unsummen Aufwertung beizutragen“, kritisiert
Sie berufen sich auf eine Erhebung der Österreichischen für die Anwerbung ausländischer Ärzte auszugeben, sollte Zimmerhofer abschließend. (SZ/BZ)
Hochschülerschaft (ÖH) über die Pläne und Erwartungen man dafür sorgen, dass Jungärzte nach ihrer Ausbildung
von angehenden Medizinern. Für 90 Prozent der Süd-Tiroler wieder nach Süd-Tirol zurückkehren. Insbesondere die
Jungärzte kommt demnach eine Rückkehr nach Süd-Tirol aufwendigen Bewerbungsverfahren wirken abschreckend.
nicht in Frage! Einige Jungärzte hatten vor kurzem auf die Sie sollten unbürokratischer gestaltet werden. Zudem sollte
Missstände im Süd-Tiroler Gesundheitswesen aufmerksam die Landesregierung den angehenden Ärzten Wohnungen
gemacht. „Anstatt die Warnungen ernst zu nehmen, hat man zur Verfügung stellen, für die automatische Anerkennung
diese jedoch ignoriert und die Jungärzte als Querulanten von ‚ausländischen‘ Facharzttiteln sorgen und finanzielle
abgestempelt. Die ÖH-Studie zeigt nun, dass es noch viel Anreize schaffen“, fordern die Landtagsabgeordneten. (SZ/SK)
schlimmer ist“, kritisiert Knoll. Landtagsabgeordneter Bernhard Zimmerhofer
„In den nächsten Jahren stehen große Pensionierungswel- Sehen Sie dem Link folgend im Video: kritisiert, dass die SVP nichts zur Stärkung
„Autonomie wird schrittweise abge- der Europaregion Tirol unternimmt und
len unter der Ärzteschaft bevor. Wenn aber nur mehr 10 schafft“. Sven Knoll zur verfehlten Ge- stattdessen Anträge der Süd-Tiroler Freiheit
Prozent der Jungärzte nach Süd-Tirol zurückkehren, wird sundheitspolitik des Landes. in diese Richtung blockiert.

9
TIROLER STIMMEN 03/2017 | SÜD -TIROLER FREIHEIT

Euregio scheitert Tiroler Radtour


schon an Winterrei-
fen!
MUT, SCHWEISS UND
THEMEN: STRAMPELN FÜR
Der Landtagsabgeordnete Bernhard
Zimmerhofer erinnert anlässlich der
bevorstehenden Winterreifenpflicht
an die Absurdität der einzelstaatli-
chen Regeln im Straßenverkehr. Diese
DIE HEIMAT
Absurdität zeige sich besonders am (TEIL 1) 6 Tage, 7 Städte, 420 Kilometer, 2.000 Höhenmeter – und das alles mit dem Fahrrad. Mit einer
Beispiel der unterschiedlichen Win- nicht alltäglichen Aktion startete die Süd-Tiroler Freiheit in den politischen Herbst. Die Abgeordneten
terausrüstungspflicht in den Tiroler und Funktionäre radelten gemeinsam quer durch das Land. Dabei trafen sie sich entlang der Strecke
Landesteilen. mit Bürgern und Politikern zu Gesprächen. Das Ziel: Die Probleme der Leute vor Ort besser kennen zu
lernen, die Europaregion Tirol auszubauen und die Zusammenarbeit zwischen den Tiroler Landesteilen zu
Zimmerhofer sieht die EU in der verstärken. Erste Initiativen im Landtag wurden bereits in die Wege geleitet.
Pflicht: „In der EU gibt es viele

W
unterschiedliche Regelungen zu enn von der Europaregion Tirol die Rede ist, gereicht. U.a. für eine staufreie Autobahn, für die Förderung
Geschwindigkeitsbeschränkungen, geht es meistens um abstrakte Gemeinsamkei- des Schüleraustausches oder für eine Harmonisierung des
Winterreifenpflicht, Promillegrenzen, ten, um nebulöse Chancen, um unverbindliche öffentlichen Nahverkehrs.
Rettungsgassen oder Straßenschildern. Sonntagsplauderei. Selten geht es um wirklich konkrete Um aus der leeren Schachtel ein wirkliches Zukunftsprojekt
Die EU-Politiker sind angehalten, all Zusammenarbeit zwischen den Tiroler Landesteilen. „Die Eu- zu machen, nahmen die Landtagsabgeordneten Sven Knoll
diese einzelstaatlichen Regeln in ein roparegion Tirol ist leider nicht mehr als eine leere Schachtel. und Bernhard Zimmerhofer auch buchstäblich Fahrt auf.
gemeinsames gesamteuropäisches Re- Das neue volkstumspolitische Feigenblatt der SVP“, kritisiert Begleitet von Mitgliedern und Gemeinderäten, wurde Anfang
gelwerk zusammenzuführen“, betont Sven Knoll, Landtagsabgeordneter der Süd-Tiroler Freiheit. September der Startschuss für die Tiroler Radtour gegeben.
Zimmerhofer. (BZ) Um endlich auch Inhalt in die Schachtel zu packen, hat die Lienz, Bruneck, Sterzing, Innsbruck, Landeck, Meran, Bozen.
Süd-Tiroler Freiheit bereits mehrere Anträge im Landtag ein- Und dazwischen eine Menge Gespräche und Diskussionen.

Der Fakten-Test
VERFASSUNG VERBIETET
SELBSTBESTIMMUNG?

D
as Hauptargument der Selbstbestim- festigen wollen. Die Geschichte zeigt aber, dass Völker haben das Recht auf Selbstbestimmung“.
mungsgegner lautet, dass die italienische derartige Bestimmungen nur toter Buchstabe sind, Seither ist die Forderung nach Selbstbestimmung
Verfassung die Unteilbarkeit des Staates wenn sie von Teilen des Staatsvolkes nicht oder in Italien nicht mehr verfassungswidrig und kann
vorschreibt und eine Abspaltung somit nicht mög- nicht mehr anerkannt werden. auch nicht mehr als „Anschlag auf die Einheit
lich ist. Doch stimmt das überhaupt? des Staates“ geahndet werden. Der renommierte
Die großen politischen Veränderungen der letzten kanadische Verfassungsexperte Daniel Turp hat
Effektiv steht im Artikel 5 der italienischen Verfas- 30 Jahre in Europa waren streng genommen al- sich eingehend mit dem Selbstbestimmungsrecht
sung der Zusatz „La Repubblica una e indivisibile, lesamt „verfassungswidrig“. Die Unabhängigkeit für Süd-Tirol auseinandergesetzt und kommt zum
...“ (Die Republik, einig und unteilbar, ...). Die der baltischen Staaten, die Abspaltung der jugos- Schluss, dass im Völkerrecht das Prinzip der Unteil-
Verfassung wurde aber nach dem Zweiten Welt- lawischen Staaten, bis hin zur Wiedervereinigung barkeit nur zwischen Staaten gilt. Für Völker inner-
krieg geschrieben. Als damals von „Unteilbarkeit“ Deutschlands, all diese Entwicklungen waren nicht halb eines Staates kommt es nicht zur Anwendung.
gesprochen wurde, war der Einmarsch eines ande- mit den damals gültigen Verfassungen vereinbar. Der Internationale Gerichtshof hat festgestellt, dass
ren Staates gemeint und nicht, dass sich ein Teil Sie sind dennoch geschehen. Keine Verfassung das Prinzip der territorialen Integrität nicht für ein
des Staatsgebietes auf eigenen Wunsch von Italien legitimiert nämlich dazu, ein Volk gegen seinen Volk innerhalb eines Staates gilt. Die italienische
löst. Auch andere Staaten habe derartige Formu- Willen in einem Staat einzusperren. Verfassung kann somit die Selbstbestimmung
lierungen in ihren Verfassungen, zuvörderst sind Süd-Tirols nicht verbieten. (SK)
dies Staaten, die umstrittene Gebiete beanspruchen Italien hat zudem 1977 die UN-Menschen-
und damit ihren „ewigen“ territorialen Anspruch rechtspakte ratifiziert. Sie definieren klar: „Alle

10
TIROLER STIMMEN 03/2017 | SÜD -TIROLER FREIHEIT

Verschiedene Staaten, gemeinsame Probleme… im Pustertal und das Alpinidenkmal, den sogenannten
„Kapuziner-Waschtl“.
Dass es mit der Zusammenarbeit zwischen den Tiroler Das Völkermorddenkmal sorgte wieder für Schlagzeilen, da
Landesteilen hapert, wurde schon beim ersten Treffen mit ein Teil des Denkmals beschädigt wurde. Sven Knoll brachte
dem Ost-Tiroler Landtagsabgeordneten Josef Schett klar. Als die Haltung der Süd-Tiroler Freiheit auf den Punkt: „Diese
ein konkretes Beispiel wurde das Krankenhaus in Innichen faschistischen Relikte sollten zwar nicht zerstört, aber in ein
genannt. Es kann von den Bewohnern des Nachbarortes Museum gebracht werden. Und man muss das Denkmal in
Sillian kaum genutzt werden. Der Grund: bürokratische Bruneck als das bezeichnen, was es ist: Ein Denkmal für den
Hindernisse. Sillian liegt auf der österreichischen Seite des Völkermord an den Abessiniern!“ Erfreut zeigte er sich über

So kann man die


„Tiroler Stimmen“
beziehen

Die Tiroler Stimmen sind die Klub-


zeitung der Süd-Tiroler Freiheit, in
der alle wichtigen Informationen zur
Landtags- und Regionalratstätigkeit,
der Tätigkeit im Dreierlandtag bzw.
der Arbeit der Landtags- und Regi-
onalratsabgeordneten veröffentlicht
werden. Die Tiroler Stimmen erschei-
nen viermal im Jahr und können von
allen Bürgern unentgeltlich bestellt
werden. Die Redaktion der Tiroler
Stimmen freut sich über Rückmel-
dungen und Verbesserungsvorschläge!

Sie kennen jemanden, der die „Tiroler


Stimmen“ unentgeltlich zugestellt be-
kommen möchte? Sie haben die „Tiroler
Einmal quer durch Tirol. Die Abgeordneten und Gemeinderäte der Süd-Tiroler Freiheit fuhren mit dem Rad durch Ost-, Nord- und Süd-Tirol, Stimmen“ aus Versehen doppelt zuge-
um mit Bürgern und Politikern ins Gespräch zu kommen. So u.a. mit dem Landtagsabgeordneten Josef Schett (unteres Bild links, zwischen Sven stellt bekommen oder möchten sie ab-
Knoll und Bernhard Zimmerhofer) und mit Brunecks Bürgermeister Roland Griessmair (mittleres Bild, zweiter von links). Auch dem Völker-
morddenkmal in Bruneck wurde ein Besuch abgestattet (unteres rechtes Bild). bestellen? Entsprechende Mitteilungen
ergehen unter Angabe von Namen und
Pustertales. Die Grenze durch das Pustertal wird hier spürbar. die Haltung von Bürgermeister Griessmair, der betonte, dass Anschrift an:
„Auch ein Austausch am Arbeitsmarkt sowie eine Zusammen- die Gemeinde kein Geld für die Sanierung des Denkmals
arbeit im Tourismus findet kaum statt. Vor einiger Zeit wurde ausgeben werde. • Büro der Landtagsfraktion:
Süd-Tiroler Straße 13, 39100 Bozen
sogar die direkte Zugverbindung Innsbruck-Bruneck-Lienz Ein zentrales Thema der Diskussion war die Mobilität im
• Telefonisch:
eingestellt“, bemängelte Zimmerhofer. Pustertal. Bernhard Zimmerhofer sprach sich für die Reak-
0471 981064
Schett machte sich deshalb für gemeinsame Schritte stark: tivierung der Tauferer Bahn aus und traf damit auf offene • E-Mail-Adresse:
„Man sollte ein gemeinsames Arbeitspapier erstellen, mit Ohren. Bruneck sei sofort bereit gewesen, sich an einer landtag@suedtiroler-freiheit.com
Vertretern von Vereinen und Verbänden. Man muss her- Studie diesbezüglich zu beteiligen, betonte Griessmair. Man
ausarbeiten: Was brauchen wir wirklich, um die Lebenssi- war sich einig, dass ein funktionierender Nahverkehr für • Büro der Regionalratsfraktion:
tuation der Bevölkerung auf beiden Seiten der Grenze zu die Stärkung des ländlichen Raumes unerlässlich sei. „Und Laubengasse 9, 39100 Bozen
verbessern?“ Beim Treffen in Lienz wurde daher vereinbart, hier ist die Bahn das Rückgrat. Deshalb haben Initiativen • Telefonisch:
0471 970208
einen gemeinsamen Forderungskatalog zu erstellen. Das Ziel: in diese Richtung unsere volle Rückendeckung. Vor allem
• E-Mail-Adresse:
Ost-Tirol und Süd-Tirol stärker zu vernetzen. im Landtag“, betonte Zimmerhofer, ehe sich die Delegation
regionalrat@suedtiroler-freiheit.com
wieder auf den Fahrradsattel schwang. (SZ)
Von Verkehr und Faschismus…
Die Zeitung steht auch auf der Home-
page der Süd-Tiroler Freiheit und
Nach dem Austausch mit Schett fuhren die Teilnehmer der Lesen Sie den zweiten und letzten Teil in der nächsten Ausgabe der
Tiroler Stimmen. folgendem Link zum Herunterladen
Radtour weiter ins rund 70 Kilometer entfernte Bruneck. Im
bereit:
Rathaus von Bruneck wurde die Delegation der Süd-Tiroler Sehen Sie dem Link folgend: Film-
beiträge, Eindrücke, Interviews und
Freiheit von Bürgermeister Roland Griessmair (SVP) emp- Hintergrundinformationen zur Tiroler
fangen. Diskutiert wurde u.a. über das Verkehrsproblem Radtour.

11
TIROLER STIMMEN 03/2017 | SÜD -TIROLER FREIHEIT

Bär und Wolf


„GEREGELTE JAGD DARF KEIN
TABU SEIN“
Langfristig wird sich das Süd-Tiroler Landschaftsbild verändern, sichert der Berglandwirtschaft Rückhalt im Landtag zu: „Wir
sollte das Problem um Bär und Wolf nicht gelöst werden. Das werden, wo nötig und so gut als möglich, die Berglandwirtschaft
ist das Ergebnis mehrerer Aussprachen der Landtagsfraktion der unterstützen!“
Süd-Tiroler Freiheit mit betroffenen Verbänden. Das Problem mit Bär und Wolf werde immer akuter. Zahlreiche
Der Landtagsabgeordnete Bernhard Zimmerhofer traf sich Schafe und Ziegen fallen den Raubtieren regelmäßig zum Opfer.
u.a. mit dem Obmann des Kleintierzüchterverbandes Lorenz „Deshalb darf auch eine geregelte Jagd kein Tabu mehr sein.
Müller und der Geschäftsführerin Barbara Mock. Diskutiert Verhandlungen in Rom und Brüssel müssen in diese Richtung
wurde über die Zukunft der Berglandwirtschaft. Zimmerhofer gehen“, betonten die Vertreter der Süd-Tiroler Freiheit. (SZ)

Beschwerden bei
Verletzungen der
Zweisprachigkeits-
pflicht können unter
folgenden Nummern
gemeldet werden:

Tel. 0471 412 236


oder 412 230.
„Die Probleme mit Wolf und Bär entschlossen angehen“: (v.l.) Der Obmann des Kleintierzüchterverbandes Lorenz Müller, Landtagsabgeordneter
Bernhard Zimmerhofer, Gemeinderat Dietmar Weithaler, Geschäftsführerin Barbara Mock und Gemeinderat und Jungbauer Christoph Mitterhofer.

Termine
Der Zopf... 28. November -
Impressum
- Eigentümer und Herausgeber:

1. Dezember: Süd-Tiroler Freiheit / Landtagsfraktion


Sitzungswoche des Landtages. Süd-Tiroler Straße 13, 39100 Bozen
Süd-Tiroler Freiheit / Regionalratsfraktion
Kompatscher fordert im 5.-6. Dezember: Laubengasse 9, 39100 Bozen
Konflikt um Katalonien eine Sitzung des Regionalrates. - Presserechtlicher Verantwortlicher:
„autonomiepolitische Lö- Dr. Herbert Campidell
sung“. Katalonien hat aber 12.-15. Dezember: - Redakteure dieser Ausgabe:
schon eine weitreichendere Sitzungswoche des Landtages. Stefan Zelger, BSc, BA (SZ)
Autonomie als Süd-Tirol. Dr. Cristian Kollmann (CK)
16.-19. Jänner:
Soll Katalonien Kompeten- Sven Knoll (SK)
Sitzungswoche des Landtages.
zen abgeben, um auf den Myriam Atz Tammerle (MAT)
Stand von Süd-Tirol zu Bernhard Zimmerhofer (BZ)
kommen?! - Fotos: Pixabay, STF, Landespresseamt
- Druck: Effekt GmbH (Neumarkt)
- Eintragung im Register der Druckschriften
des Landesgerichts Bozen Nr. 1/2015 vom
An Sitzungstagen können Sie die Landtags- 5.3.2015
sitzungen live mitverfolgen. Einfach die-
sem Link folgen oder die Internet-Addresse
landtag-bz.org/de/aktuelles/live-uebertra-
gung-landtagssitzung.asp öffnen.