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Dieter Schall

Vereinsgründung der
Europäischen Akademie
Neue Wissenschaft und Ethik
Sowohl die Geisteswissenschaften tion aller innovativen Weiterentwicklun- Alles wird mit allem auf den unter-
als auch die aus ihnen hervorgegange- gen in Forschung, Lehre und Anwendung schiedlichsten Ebenen in unterschiedli-
nen Naturwissenschaften entstammen an. Dabei will die Akademie nicht in Kon- cher Impulsstärke vernetzt. Die Akade-
dem Bestreben der Menschen, die Na- kurrenz treten zu den vielen schon beste- mie möchte gerade hier ansetzen. Sie
tur nicht nur in höherer Weise nutzbar henden öffentlich-rechtlichen wie priva- soll in Zusammenarbeit mit Wissen-
zu machen und zu beherrschen, son- ten Bildungseinrichtungen. Sie wird viel- schaftlern die Grundlagen und Voraus-
dern sie vor allem auch erklären zu kön- mehr die Schnittstelle für internationale setzungen erarbeiten und bereitstellen,
nen und zu verstehen. Kontakte sein - die das auf diesem Gebiet um die Welt letztendlich als ein interak-
Ohne Zweifel führte die mit der Auf- bereits tradierte und bestehende Wissen tives, hochkomplexes Netzwerk zwi-
klärung historisch gewordene Trennung sammelt, es als weiterführende Bildung schen Mensch und Natur besser ver-
der Naturwissenschaften von den Geis- in Praxis und Lehre vermittelt und es in stehen zu können.
teswissenschaften wie auch in den ein- Zusammenarbeit mit Hochschulen und
zelnen Disziplinen der Naturwissen- Universitäten in synergetische Konzep- Ethik vermitteln
schaften untereinander zu bahnbre- te umsetzt. Dieses Wissen erweist sich Dazu gehört das Wissen um ethi-
chenden Erkenntnissen. Mit dem mo- schon jetzt als elitäres Kulturgut. Es wird sche Grundsätze für jede Ebene, ver-
dernen Prinzip der Analyse und Reduk- ganz entscheidend die Welt der interna- bunden mit einem ganzheitlichen Men-
tion und der damit möglichen Vereinfa- tionalen Kultur, der Wissenschaft, Wirt- schenbild. Der Respekt und die Ach-
chung in der Erforschung und Ausmes- schaft und Technologie beeinflussen und tung den Mitmenschen gegenüber muss
sung der Dinge wurde eine sehr effek- durchdringen. offensichtlich gelehrt und erlernt wer-
tive wissenschaftliche Methodik entwi- den. Denn das Rechts- und Unrechtsbe-
ckelt. Jedoch - die Wissenschaften der In der Luft liegt der kulturelle wusstsein ist heute in Verbindung mit
letzten hundertfünfzig Jahre haben eine Wandel schon jetzt... ethischem Handeln nur noch rudimen-
zunehmend einseitige Sicht der Natur, Stärker wahrgenommen werden tär entwickelt. Was uns der Holocaust
des Menschen und des Lebens entwi- heute eine ganze Reihe in diesem Sinne lehrte: Gelinde gesagt, selbst Menschen
ckelt. Für eine gewisse Zeit war dies modern denkender Wissenschaftler aus mit guter wissenschaftlicher Bildung
eine gute Alternative - bis dieses Kon- den vergangenen Jahren und Jahrzehn- können unter einem eklatanten Mangel
zept an seine Grenzen gelangte. Jetzt ist ten, die in ihren Forschungsbereichen an Ethik und Respekt für den Anderen
der Zeitpunkt gekommen - um eine tra- massgebliche Impulse setzten. Dazu leiden.
gende Brücke zwischen Geisteswissen- gehören z.B. der Physiker Fritjof Cap- An den Universitäten wird vorrangig
schaft und Naturwissenschaft zu ra mit seiner Definition der „Lebensnet- die fachliche Kompetenz gelehrt. Meist
schaffen. Die scheinbar unüberbrück- ze“ oder Rupert Sheldrake mit der Ent- nur improvisiert wird die methodische
bare Schere soll sich wieder schliessen deckung der „morphogenetischen Fel- Kompetenz von den Studenten selbst er-
mit synergetischem Tun. Und die ver- der“. Auch der kürzlich verstorbene worben. Deshalb hat die Akademie u.a.
lorengegangene, gegenseitige Anerken- Physiker Burkard Heim mit seiner auch den Schwerpunkt der ethischen
nung braucht wieder den stetigen Dia- „Quantenfeldtheorie“, der vor einigen und menschenverantwortlichen Kompe-
log und die gemeinsame Zusammenar- Jahren verstorbene Schweizer Physiker tenz im Akademie-Veranstaltungsplan.
beit, um eine fruchtbare, respektable Jules Muheim mit seiner „Wechselwir- Dort soll die Entwicklung „vom Ich
Beziehung aufzubauen. Mit den not- kungskosmologie“ oder der Autodidakt über das respektierte Du zum geachte-
wendigen und wesentlichen Einsichten in Gerhard Häberli mit seiner bemerkens- ten Wir“ erfahrbar gemacht werden.
grössere Zusammenhänge entstehen werten Arbeit zum Thema „Geist und Ma- Aber nicht nur dort:
dann auch die weiterführenden Grund- terie“ gehören neben vielen anderen hier Die Akademie möchte sich deshalb
lagen und damit auch die innovativen nicht genannten Forschern dazu. auch besonders im Bereich von Ethik
Perspektiven für die Gesellschaft. und Kultur engagieren. Es sollen dabei
„Ganzheitlich orientierte Wissen- Strukturvernetzung insbesondere Kunst- und Musikveran-
schaften“ sind der entscheidende Inno- staltungen angeboten werden, damit an-
Letztendlich geht es bei der Neuori- gehende Wissenschaftler sich über diese
vationsmotor für Wirtschaft und Tech- entierung der Wissenschaften um das
nologie in den nächsten Jahrzehnten ! Synergiefunktion auf verschiedenen
Erkennen und Verstehen von Daseins- Ebenen auch für ethisches Denken sen-
Das 21. Jahrhundert wird geprägt sein strukturen in ihren Vernetzungen und
von neuen Prinzipien und Entwicklun- sibilisieren können.
Wirkungsketten:
gen, die das übergeordnete Ganze als Beispiel naturkonforme Medizin
entscheidenden und allesbestimmenden ... Kunst ... Ästhetik ... Kommunikation ...
Faktor zugrunde legen. Arbeitswelt und Beruf ... Unternehmen ... Gesellschaftliche und kulturelle Ver-
Gesellschaft ... Politik ... Wissenschaft ... änderungen sollen erfasst werden und
Das ganze Sein sehen ... Umwelt ... Technologie ... Daseinsgestal- die Akademie beabsichtigt, gestaltend
Die Akademie strebt im Sinne der tung ... Körper ... Geist ... Seele ... Schick- daran mitzuwirken. Besondere Aufmerk-
Ganzheitlichkeit vorrangig die Integra- sal ... Lebenssinn ... Persönlichkeit ... Fa- samkeit wird der naturkonformen Medi-
milie ... Gesellschaft ... Staat ... Kosmos

28 EFODON-SYNESIS Nr. 5/2002


Europäische Akademie Neue Wissenschaft und Ethik
zin gewidmet. Sie kann sich mit ihren be- Der Transfer von traditionellem und
währten Methoden sehr weit an die Na- Innovationswissen für Hochschulab-
turgesetzlichkeit annähern und zu hoher solventen, Nachwuchswissenschaftler,
Effizienz beitragen. Wirtschaftsfachleute und Unternehmer
ist deshalb für die Akademie eine ihrer
Führungswissen - der vorrangigen Aufgaben in der Gegenwart
Erfolgsfaktor und Zukunft.
Wissenserneuerung hat in der heuti-
gen Wirtschaft einen sehr hohen Stel- Die Initiative soll die Gründung der
lenwert. Gerade in wissensintensiven Europäischen Akademie - neue Wissen-
Wirtschaftsbereichen - wie Beratung, schaft und Ethik ermöglichen. Seien
Hightech, Kommunikation u.a. ist Wis- Sie mit dabei! Fordern Sie ausführli-
senserneuerung ein permanenter Prozeß che Information an unter folgender
und kann für den Erfolg eines Unterneh- Kontaktanschrift:
mens entscheidend sein.
Im Bereich der Ausbildung zu Füh- Initiative Gründung der Europäischen
rungsverantwortlichkeit ist es das zen- Akademie
trale Anliegen der Akademie, der heran- Dipl. Ing. Dieter Schall
wachsenden Generation eine fachliche, Herrenäckerstr. 5
methodische und sozial-ethische Kom- D-76530 Baden-Baden
petenz - auch in der Funktion als Vorbild Tel. 07221-393385
- mit auf den Weg zu geben. Die Fähig- Fax 07221-393381
keit weiterzubilden und Verantwortung Email: Initiative@ingenio.de
für andere Menschen in vernetzter und 
ganzheitlicher Sicht übernehmen zu kön-
nen, soll dazu entwickelt werden.
Die seit vielen Jahren immer wieder
geführten Gespräche haben gezeigt,
dass die Notwendigkeit für Einrichtun-
gen wie die Europäische Akademie -
Neue Wissenschaft und Ethik seit lan-
gem besteht. Hier und da kann man sehen,
wie solche Akademien entstehen oder
wie in bestehenden Einrichtungen An-
strengungen unternommen werden,
um solche neuen Wege zu gehen. Den-
noch sind es viel zu wenige Menschen,
die sich zusammenschließen, um ge-
meinsam in der Potenzierung der Kräf-
te das zu schaffen, was der Zeitgeist
längst fordert -
• die konsequente Betrachtung
• des größeren Ganzen.
Dornröschen schläft nicht mehr
Seit den 90-er Jahren ist der Ruf
nach strategischen Forschungskonzep-
ten lauter geworden. Jetzt erkennen wir:
Nichts kann nur isoliert oder linear ge-
sehen werden. Dieser Bewusstseins-
wandel ist fühlbar in die tägliche Reali-
tät gedrungen. Klar ist, nur national-in-
ternational ganzheitlich-strategische
Konzepte sind überlegene Zukunftsmo-
delle in Forschung, Lehre und Wirt-
schaft.
Hinzu kommt das ganz besondere
Anliegen, ein geistig-ethisches und mo-
ralisches Fundament in den Natur- und
Geisteswissenschaften mit einzubezie-
hen - für immer mehr Menschen jeder
Herkunft und jeden Alters eine Frage von
herausragender Bedeutung. Nur wenn die
Wissenschaft den ganzen Menschen ein-
bezieht und sich ganzheitlich orientiert,
kann ihr als gesellschaftlich anerkannte
Autorität eine Leit- und Vorbildfunktion
weiterhin zukommen.

EFODON-SYNESIS Nr. 5/2002 29