Está en la página 1de 435

Handbuch E-Money, E-Payment & M-Payment

Thomas Lammer
Herausgeber

Handbuch
E-Money, E-Payment
& M-Payment

Mit 121 Abbildungen


und 18 Tabellen

Physica-Verlag
Ein Unternehmen
von Springer
Mag. Thomas Lammer
1070 Wien
Österreich
E-mail: lammer@go.cc

ISBN 3-7908-1651-5 Physica-Verlag Heidelberg

Bibliografische Information Der Deutschen Bibliothek


Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen National-
bibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.ddb.de
abrufbar.
Dieses Werk ist urheberrechtlich geschützt. Die dadurch begründeten Rechte, ins-
besondere die der Übersetzung, des Nachdrucks, des Vortrags, der Entnahme von
Abbildungen und Tabellen, der Funksendung, der Mikroverfilmung oder der Verviel-
fältigung auf anderen Wegen und der Speicherung in Datenverarbeitungsanlagen, blei-
ben, auch bei nur auszugsweiser Verwertung, vorbehalten. Eine Vervielfältigung dieses
Werkes oder von Teilen dieses Werkes ist auch im Einzelfall nur in den Grenzen der
gesetzlichen Bestimmungen des Urheberrechtsgesetzes der Bundesrepublik Deutsch-
land vom 9. September 1965 in der jeweils geltenden Fassung zulässig. Sie ist grundsätz-
lich vergütungspflichtig. Zuwiderhandlungen unterliegen den Strafbestimmungen des
Urheberrechtsgesetzes.
Physica-Verlag ist ein Unternehmen von Springer Science+Business Media
springer.de
© Physica-Verlag Heidelberg 2006
Printed in Germany
Die Wiedergabe von Gebrauchsnamen, Handelsnamen, Warenbezeichnungen usw. in
diesem Werk berechtigt auch ohne besondere Kennzeichnung nicht zu der Annahme,
dass solche Namen im Sinne der Warenzeichen- und Markenschutz-Gesetzgebung als
frei zu betrachten wären und daher von jedermann benutzt werden dürften.
Umschlaggestaltung: Erich Kirchner
Herstellung: Helmut Petri
Druck: Strauss Offsetdruck
SPIN 11550273 88/3153 – 5 4 3 2 1 0 – Gedruckt auf säurefreiem Papier
Inhalt

Einleitung ...............................................................................................................1
Thomas Lammer

GRUNDLAGEN & ALLGEMEINE INFORMATIONEN ...............................5

E-Payments Evolution...........................................................................................7
Monika E. Hartmann
1 Introduction...............................................................................................7
2 High technology, market specifics and payments innovation...................8
3 Developments in E-Money, mobile payments and
innovative banking services......................................................................9
4 Conclusions.............................................................................................17
References ...................................................................................................18

Zahlungsverkehrsinnovationen im Wandel der Zeit


und ihre Vermarktung ........................................................................................19
Ewald Judt
1 Innovationen als Grundlage des Fortschritts...........................................19
2 Innovationen präg(t)en Zahlungsverkehr................................................22
3 Innovationen im Zahlungsverkehr und ihre Vermarktung......................28
4 Fazit ........................................................................................................33
Literatur.......................................................................................................34

Zahlungsverhalten am Point of Sale in Deutschland –


aktuelle Entwicklungen.......................................................................................35
Hugo Godschalk
1 Status Quo...............................................................................................35
2 Deutschland auf dem Weg zur bargeldlosen Gesellschaft? ....................38
3 Fazit ........................................................................................................41
Literatur.......................................................................................................41

Zahlungsverhalten und Bargeldverwendung in Österreich ............................43


Helmut Stix
1 Einleitung................................................................................................43
2 Verwendung und Verbreitung von Zahlungskarten................................44
3 Wachstum der EFT-POS-Zahlungen bewirkte Rückgang
bei Bargeldverwendung und -nachfrage .................................................50
4 Fazit ........................................................................................................54
Literatur.......................................................................................................55
VI Inhalt

Internet-Zahlungssysteme in Deutschland und Österreich: ein Überblick.... 57


Thomas Lammer, Karsten Stroborn
1 Einleitung ............................................................................................... 57
2 Kategorisierung von Internet-Zahlungssystemen ................................... 59
3 Pre-Paid-Verfahren ................................................................................. 60
4 Pay-Now-Verfahren................................................................................ 62
5 Pay-Later-Verfahren ............................................................................... 64
6 Fazit und Ausblick.................................................................................. 69
Literatur....................................................................................................... 71

M-Payment im internationalen Kontext............................................................ 73


Johan Karlsson, Karim Taga
1 Ein langsamer Anfang ............................................................................ 73
2 Viele Player haben viel zu gewinnen...................................................... 73
3 So funktionieren M-Payments ................................................................ 75
4 Regionale Unterschiede .......................................................................... 77
5 Der Führende prägt den Markt................................................................ 79
6 Eine Branche mit Zukunft ...................................................................... 80
7 Die Herausforderungen........................................................................... 81
8 Fazit ........................................................................................................ 86
Literatur....................................................................................................... 87

RECHTLICHE & POLITISCHE ASPEKTE .................................................. 89

Die Auswirkungen von Zahlungsverkehrsinnovationen


auf die Geldpolitik............................................................................................... 91
Stefan W. Schmitz
1 Einleitung ............................................................................................... 91
2 Konzeptionelle Grundlagen .................................................................... 92
3 Die Auswirkungen der Verbreitung von
Zahlungsverkehrsinnovationen auf die Geldpolitik................................ 96
4 Fazit ...................................................................................................... 109
Literatur..................................................................................................... 110

Internet-Zahlungssysteme für Händler und Verbraucher


im deutschen Rechtssystem .............................................................................. 113
Dania Neumann
1 Mediengerechte Zahlungen für den Handel über das Internet .............. 113
2 Belastungszeitpunkt.............................................................................. 116
3 Innovative vorbezahlte Zahlungsverfahren (Pay before)...................... 117
4 Fazit ...................................................................................................... 129
Literatur..................................................................................................... 129
Inhalt VII

Neuer europäischer Rechtsrahmen für den Zahlungsverkehr:


zivilrechtliche Aspekte ......................................................................................133
Julian Langner
1 Ausgangsposition..................................................................................133
2 Regelungsinhalt ....................................................................................135
3 Rechtsnatur ...........................................................................................135
4 Beschränkung auf das Endkunde-Anbieter-Verhältnis .........................135
5 Abstraktion der Regelungsinhalte.........................................................137
6 Die einzelnen Regelungsbereiche im Detail .........................................137
7 Fazit ......................................................................................................141
Literatur.....................................................................................................141

SEPA – Auf dem Weg zu einem einheitlichen


Euro-Zahlungsverkehrsraum...........................................................................143
Thomas Lammer, Markus Pammer
1 Einleitung..............................................................................................143
2 Rückblick und Entwicklung..................................................................143
3 Ziele des einheitlichen Euro-Zahlungsverkehrsraumes ........................144
4 Europaweite Zahlungsinstrumente........................................................145
5 SEPA Zeitrahmen .................................................................................150
6 Aktivitäten der Oesterreichischen Nationalbank zum Thema SEPA ....150
7 Fazit ......................................................................................................151
Literatur.....................................................................................................152

Digitale Signatur – gelebte Praxis


gerade auch im Finanzdienstleistungsbereich.................................................155
Eugen Pernkopf
1 Zum Begriff der (sicheren) digitalen Signatur.......................................155
2 Weitere Voraussetzungen der Anwendbarkeit ......................................162
3 Einwände gegen die Nutzung der digitalen Signatur ............................164
4 Anwendungsbeispiele............................................................................165
5 Fazit.......................................................................................................167
Literatur.....................................................................................................168

INNOVATIVE EINZELSYSTEME ................................................................169

mPAY24 Multi Payment Plattform für E- und M-Commerce ......................171


Erich Gassner
1 Entwicklung des Unternehmens ............................................................171
2 Zahlungssysteme der mPAY24 Plattform .............................................172
3 mPAY24 Varianten ...............................................................................175
4 Technische und organisatorische Aspekte.............................................179
5 Gütezeichen und Vertrauen ...................................................................180
6 Merchant-Unternehmen.........................................................................181
7 Rechtliche Aspekte................................................................................182
8 Fazit.......................................................................................................183
VIII Inhalt

T-Pay von T-Com: Einfach und vielseitig online bezahlen............................ 185


Jens Pöschl, Axel Hübner
1 T-Pay – Ein kurzer Abriss zur Entwicklungsgeschichte ....................... 185
2 Funktionsweise von T-Pay .................................................................... 187
3 Rechtliche Aspekte ............................................................................... 190
4 Technik.................................................................................................. 191
5 Einsatzgebiete von T-Pay...................................................................... 194
6 Kosten ................................................................................................... 195
7 T-Pay in der Praxis................................................................................ 196
8 Fazit: Gründe für den Erfolg von T-Pay................................................ 197
Literatur..................................................................................................... 197

Pago eTransaction Services GmbH –


Acquirer & Payment Service Provider............................................................ 199
Markus Weber
1 Kurze Pago-Historie ............................................................................. 199
2 Online-Handel: anonym und asynchron ............................................... 200
3 Die Pago-Plattform: Transaktionen elektronisch.................................. 201
4 Pago Online-Reporting: Transparenz und Interaktion .......................... 202
5 Pago-Doppelrolle: Acquirer und Payment Service Provider ................ 202
6 Fokus Risiko-Management................................................................... 203
7 Pago-Services: Von der Kreditkarte bis zu Direct-Debit-Verfahren .... 204
8 Pago-Report: Marktstudien als Instanz................................................. 205
9 Pago-Partner-Netzwerk......................................................................... 207
10 Fazit ...................................................................................................... 208
Literatur..................................................................................................... 208

Click&Buy von FIRSTGATE .......................................................................... 209


Philipp Barthold, Timo Seidel
1 Einleitung ............................................................................................. 209
2 Funktionsweise ..................................................................................... 209
3 Strategische Meilensteine ..................................................................... 211
4 Aufsichtsrecht....................................................................................... 214
5 Fazit ...................................................................................................... 219
Literatur..................................................................................................... 219

paybox austria – eine M-Payment Erfolgsgeschichte..................................... 221


Jochen Punzet
1 paybox – Österreich zahlt mit dem Handy ........................................... 221
2 Funktionsweise von paybox ................................................................. 222
3 Das Zahlungsmittel für das mobile Zeitalter......................................... 225
4 paybox für Kunden und Partner............................................................ 228
5 paybox macht Bezahlen einfach sicher................................................. 229
6 paybox Facts & Figures ........................................................................ 230
7 Schlüssel zum Erfolg: Breites Angebot und Kundenzufriedenheit....... 233
8 Fazit ...................................................................................................... 234
Inhalt IX

Literatur.....................................................................................................235

PayPal – Globales Zahlungssystem mit


Kompetenz für lokale Zahlungsmärkte...........................................................237
Frerk-Malte Feller
1 Geschichte von PayPal..........................................................................237
2 Regulatorische Aspekte ........................................................................240
3 Funktionsweise von PayPal ..................................................................240
4 Einsatzgebiete .......................................................................................243
5 Zahlen ...................................................................................................245
6 Ausblick................................................................................................246
7 Fazit ......................................................................................................246
Literatur.....................................................................................................247

paysafecard – die führende Wertkarte zum Bezahlen im Internet ...............249


Michael Müller
1 Geschichte des Unternehmens paysafecard ..........................................249
2 Rechtliche Aspekte ...............................................................................250
3 Funktionsweise .....................................................................................251
4 Technik und Operations........................................................................256
5 Einsatzgebiete .......................................................................................257
6 Kosten für Nutzer, Händler und Webshop-Partner ...............................258
7 Aktuelles ...............................................................................................258
8 Gründe für den Erfolg bei Kunden und Händlern.................................259
9 Fazit ......................................................................................................260

Die GeldKarte, das bessere Kleingeld..............................................................261


Volker Koppe
1 Status Quo: Die Chipkarte der deutschen Kreditwirtschaft
gewinnt weiter an Akzeptanz................................................................261
2 Wahrnehmung der Konsumenten .........................................................269
3 Marketing..............................................................................................270
4 Jugendschutz-Instrument GeldKarte.....................................................273
5 Initiative GeldKarte e.V........................................................................275
6 Fazit ......................................................................................................276
Literatur.....................................................................................................276

Quick – eine Erfolgsstory..................................................................................277


Ewald Judt, Robert Komatz
1 Der Background....................................................................................277
2 Das Produkt ..........................................................................................277
3 Die Kartenarten.....................................................................................278
4 Die Ladung ...........................................................................................280
5 Die Zahlung ..........................................................................................281
6 Die Vermarktung ..................................................................................286
7 Das Wachstum ......................................................................................287
X Inhalt

8 Fazit ...................................................................................................... 289

ERFOLGSFAKTOREN FÜR
INNOVATIVE ZAHLUNGSSYSTEME & AUSBLICK............................... 291

Internet-Zahlungssysteme aus Händlersicht: Bedeutung, Bewertung,


Eigenschaften..................................................................................................... 293
Sebastian van Baal, Jens-Werner Hinrichs
1 Problemstellung .................................................................................... 293
2 Methodik und Stichprobe ..................................................................... 294
3 Aktueller und geplanter Einsatz von Zahlungssystemen ...................... 295
4 Bewertung einzelner Zahlungssysteme................................................. 299
5 Relevanz einzelner Eigenschaften von Zahlungssystemen................... 299
6 Fazit ...................................................................................................... 303
Literatur..................................................................................................... 304

Internet-Zahlungen aus der Sicht der Verbraucher ...................................... 307


Malte Krüger, Kay Leibold
1 Einleitung ............................................................................................. 307
2 Sieben Jahre „Internet-Zahlungssysteme aus Sicht der Verbraucher“.. 307
3 Wie wird bezahlt? ................................................................................. 308
4 Digitale Güter holen langsam auf ......................................................... 312
5 Materielle Güter: Bücher, Bücher, Bücher ........................................... 314
6 Die Zahlungsbereitschaft für digitale Güter steigt................................ 315
7 Einzelsysteme im Vergleich ................................................................. 317
8 Zahlungsverkehr als E-Commerce-Bremse? ........................................ 321
9 Fazit: Bezahlen attraktiver gestalten..................................................... 323
Literatur..................................................................................................... 324

Anforderungen des E-Government an innovative Zahlungsverfahren ........ 325


Markus Breitschaft, Thomas Krabichler, Ernst Stahl, Georg Wittmann
1 Einführung ............................................................................................ 325
2 Typologie bestehender Zahlungsverfahren........................................... 326
3 Anforderungen an Zahlungsverfahren für
E-Government-Dienstleistungen .......................................................... 328
4 Entwicklung eines Vorgehensmodells zur
Auswahl von Zahlungsverfahren für E-Government............................ 334
5 Fazit und Ausblick................................................................................ 341
Literatur..................................................................................................... 342

The Fall and Rise of Micropayment Systems.................................................. 343


Róbert Párhonyi, Lambert J.M. Nieuwenhuis, Aiko Pras
1 Introduction .......................................................................................... 343
2 Characteristics of micropayment systems............................................. 344
3 First generation micropayment systems................................................ 346
4 Second generation micropayment systems ........................................... 353
Inhalt XI

5 Discussion and analysis ........................................................................358


6 Conclusions...........................................................................................361
References .................................................................................................361

Abrechnung mobiler Dienste im Mobile-Payment-Referenzmodell .............363


Key Pousttchi, Dietmar G. Wiedemann
1 Einführung ............................................................................................363
2 Mobiles Bezahlen im Mobile Commerce .............................................365
3 Mobile-Payment-Referenzmodell (MPRM) .........................................371
4 Ausblick................................................................................................375
5 Fazit ......................................................................................................376
Literatur.....................................................................................................377

What Future for Electronic Purses? ................................................................379


Leo Van Hove
1 Introduction...........................................................................................379
2 Current state of European E-Purses ......................................................380
3 A broader view .....................................................................................389
4 The invasion of the hybrids?.................................................................397
5 Conclusion: E-Purses, transit, and Darwin ...........................................401
6 Coda......................................................................................................403
References .................................................................................................403

Erfolgsfaktor Standardisierung am Beispiel vom


eps e-payment standard ....................................................................................407
Joachim Geisler
1 Einleitung..............................................................................................407
2 Standardisierung, ein Zusammenspiel aus Normen und Standards ......408
3 Motive und Hemmnisse der Standardisierung ......................................409
4 Best Practice: eps e-payment standard..................................................411
5 Fazit ......................................................................................................418
Literatur.....................................................................................................418

E-Payment-Systeme: Treiber einer notwendigen


Evolution der Zahlungssysteme .......................................................................419
Stefan Heng
1 Elektronischer Handel benötigt Online-Zahlungssysteme ....................419
2 Zahlungssysteme bauen auf Netzwerk..................................................420
3 Zahlungssystem im Spannungsfeld der Anforderungen .......................421
4 Sicherheit als KO-Kriterium des E-Business........................................422
5 Kunde will nutzerfreundliche Systeme .................................................423
6 Charme der Idee vom Handy als Geldbörse verblasst
in der Konfrontation mit der Praxis ......................................................423
7 Regulierer stellt Innovation vor Gleichbehandlung ..............................426
8 Fazit: Auch in der digitalen Welt bleibt der Vorteil bei den
bereits etablierten Zahlungssystemen ...................................................426
XII Inhalt

Literatur..................................................................................................... 428

AUTORINNEN & AUTOREN ........................................................................ 429


Einleitung

Thomas Lammer

Geld ist wie Sprache – ein Instrument der Kommunikation


Herbert Giersch, dt. Ökonom.

Die Geschichte des Zahlungsverkehrs ist geprägt von zunehmender Entmateriali-


sierung der Zahlungsinstrumente. Mit der Internet-Euphorie in den 1990er Jahren,
sahen zahlreiche Autoren und Analysten bereits das Ende von traditionellen Zah-
lungsverfahren und -instrumenten gekommen. Die mit großem Medienecho und
entsprechendem Marketingaufwand eingeführten E-Payment-Systeme der ersten
Generation scheiterten jedoch nahezu ausnahmslos – obwohl sie zumeist technisch
ausgereift und vollkommen funktionsfähig waren. Bei der Betrachtung der rele-
vanten Erfolgsindikatoren für Zahlungssysteme werden die Gründe für das Schei-
tern offensichtlich. Jenen E-Payment-Systemen, die ihr Service einstellen muss-
ten, gelang es nicht eine kritische Masse an Händlern und Kunden zu erreichen,
eine notwendige Voraussetzung für den Erfolg des Netzeffektgutes Zahlungsver-
kehr. Die Kundenanzahl alleine ist jedoch nicht ausreichend. Einige Zahlungssys-
teme schafften es zwar eine beachtliche Anzahl an registrierten Nutzern zu errei-
chen – scheiterten aber dennoch. Mitentscheidend ist demnach die Nutzungshäu-
figkeit. Nachdem die Geschäftsmodelle von Zahlungsverkehrsanbietern meist auf
prozentuellen Erträgen vom Zahlungsbetrag aufsetzen, ist schlussendlich auch das
Transaktionsvolumen von entscheidender Bedeutung für den wirtschaftlichen Er-
folg von Zahlungssystemen (Lammer 2004).
Für die Bezahlung von Kleinbeträgen am Point of Sale (POS) wurden in der
zweiten Hälfte der 1990er in zahlreichen Ländern Elektronische Geldbörsen ein-
geführt – mit sehr unterschiedlichem Erfolg. Während sich einige wenige dieser
hardwarebasierten E-Money-Systeme als Zahlungsinstrumente für geschlossene
Systeme und Automaten positionieren konnten, stehen andere kurz vor der Ein-
stellung ihres Services. Jene erfolgreicheren Elektronischen Geldbörsen haben
vielfach auch den Sprung in den E-Commerce gewagt und bieten ein System für
das Bezahlen im Internet an. Mit dem Siegeszug des Mobiltelefons wiederholte
sich die übertriebene Euphorie aus der Anfangszeit des Internets. Unzählige Mobi-
le Payment-Systeme für das Bezahlen im E- und M-Commerce sowie in der realen
Welt wurden in den letzten Jahren angekündigt. Die Zahl jener, die über die Pilot-
phase hinausgekommen sind, ist schon überschaubarer und jene Mobile Payment-
Verfahren, welche sich etablieren konnten an einer Hand abzählbar.
Die E-Payment-Systeme der zweiten Generation haben großteils die Lehren aus
dem Scheitern der frühen Systeme gezogen. Wobei zwei Gruppen erkennbar sind:
zum einen innovative Systeme, welche die Möglichkeiten der Informations- und
Kommunikationstechnologie (z.B. die E-Mail-Kommunikation) für neue Zah-
lungssysteme nutzen. Andererseits werden traditionelle Zahlungsinstrumente –
2 Thomas Lammer

wie beispielsweise die Kredit- oder die Debitkarte – für das Bezahlen im Internet
adaptiert. Allen ist gemein, dass sie versuchen die kritischen Erfolgsfaktoren,
nämlich Schaffung von Mehrwert, Sicherheit und Vertrauen, Benutzerfreundlich-
keit, breite Akzeptanz, Kompatibilität und Interoperabilität, Testmöglichkeit und
geringe Kosten, bestmöglich zu erfüllen (Lammer 2004).
Im Rahmen dieses Buches wird die Materie Zahlungsverkehr mit besonderem
Fokus auf Zahlungsverkehrsinnovationen von zahlreichen ExpertInnen grundle-
gend behandelt. Im Zuge einer einführenden Betrachtung wird von M.E. Hart-
mann die Evolution von E-Payment-Systemen beleuchtet sowie von E. Judt ein
Überblick über Zahlungsverkehrsinnovationen im Zeitablauf und deren Vermark-
tung gegeben. Gemäß der Analyse des aktuellen Zahlungsverhaltens, sowohl in
Deutschland als auch in Österreich, durch H. Godschalk und H. Stix wird klar,
dass Bargeld am POS immer noch dominiert, wenn sich auch ein Trend in Rich-
tung Kartenzahlungen und hier insbesondere der Debitkarten abzeichnet. Wenn
man den Schritt in die „E-World“ wagt, so zeigt der gemeinsam mit K. Stroborn
erstellte Überblick der Internet-Zahlungssysteme in Deutschland und Österreich,
dass trotz zahlreicher innovativer Einzelsysteme auch dort traditionelle Zahlungs-
systeme (noch) dominieren. Die Analyse von M-Payment-Systemen im internati-
onalen Kontext durch J. Karlsson und K. Taga veranschaulicht, dass es in den di-
versen europäischen Ländern große Unterschiede hinsichtlich des Fortschritts gibt.
Wesentlich für Nutzer, Händler und Zahlungssystemanbieter sind nicht zuletzt
die rechtlichen und politischen Rahmenbedingungen für den E-Commerce und
den daraus resultierenden Zahlungen. Aus dem Blickwinkel des öffentlichen Inte-
resses sind die geldpolitischen Implikationen von Zahlungsverkehrsinnovationen
von besonderer Bedeutung – S. Schmitz beleuchtet diese im Rahmen seines Bei-
trages. Die Überlegungen betreffend die geldpolitischen Implikationen haben ent-
scheidend zu den derzeitigen rechtlichen Rahmenbedingungen für innovative Zah-
lungssysteme beigetragen. D. Neumann stellt die Internet-Zahlungssysteme für
Händler und Verbraucher im deutschen Rechtssystem dar. Aufgrund der Tatsache,
dass die rechtlichen Regelungen im Zahlungsverkehr in Europa jedoch keines-
wegs einheitlich sind und diese Zersplitterung bis dato trotz einheitlicher Währung
selbst in der Eurozone das Entstehen eines einheitlichen Zahlungsverkehrsraumes
im bargeldlosen Bereich verhindert hat, arbeitet die Europäische Kommission an
einem einheitlichen europäischen Rechtsrahmen für den Zahlungsverkehr. Wie J.
Langner darstellt, wird dieses unter dem Begriff „New Legal Framework“ bekann-
te Vorhaben, entscheidenden Einfluss auf die zivilrechtliche Ausgestaltung des
künftigen bargeldlosen Zahlungsverkehrs in Europa haben. Der angestrebte ein-
heitliche Rechtsrahmen ist eine wesentliche Voraussetzung für die Schaffung ei-
nes einheitlichen Euro-Zahlungsverkehrsraumes, der so genannten Single Euro
Payment Area. An der Entwicklung der SEPA – deren Grundzüge zusammen mit
M. Pammer beschrieben werden – arbeiten aktuell das European Payments Coun-
cil, die Europäische Kommission und das Europäische System der Zentralbanken
(ESZB). Ein wesentlicher Aspekt, damit ein Kaufprozess im elektronischen Han-
del überhaupt initiiert wird, ist die Rechtssicherheit sowie das subjektive Sicher-
heitsgefühl potenzieller KäuferInnnen. Das subjektive Sicherheitsgefühl begründet
sich zu einem guten Teil aus der de facto Sicherheit. Hier wird versucht, die Digi-
Einleitung 3

tale Signatur als elektronisches Pendant zur eigenhändigen Unterschrift zu etablie-


ren. E. Pernkopf beschreibt die Digitale Signatur und ihre Anwendung im Finanz-
dienstleistungssektor.
Von wesentlicher Bedeutung für die Entwicklung des bargeldlosen Zahlungs-
verkehrs im Allgemeinen und von E- und M-Payment im Besonderen sind natür-
lich die innovativen Einzelsysteme. Viele Webshops nutzen heute bereits die Ser-
vices von so genannten Payment Service Providern (PSP). PSP sind spezialisierte
Unternehmen, welche sich auf die technische Anbindung und die Transaktionsab-
wicklung von Zahlungssystemen im E- und M-Commerce spezialisiert haben und
den Händlern typischerweise den Zugang zu einer Vielzahl unterschiedlicher Zah-
lungssysteme anbieten können. Neben einer Reihe von Start-Ups hat sich während
der letzten Jahre eine kleine Zahl von E- und M-Payment-Systemen, welche so-
wohl das Platzen der New-Economy-Blase wie auch die Ernüchterung nach dem
Ausbleiben der übertriebenen Erwartungen im Bereich M-Commerce überstanden
haben, am Markt etabliert. Diese weisen nachhaltiges Wachstum – sowohl bezo-
gen auf die Anzahl der registrierten Händler und Kunden, wie auch beim Transak-
tionsvolumen – auf. Die Ausgangsposition der einzelnen Systeme ist dabei durch-
aus unterschiedlich. Einerseits gibt es Zahlungssysteme die ausgehend vom Kern-
geschäft der Unternehmen entwickelt wurden, um eben die Leistungen des
Kerngeschäfts abrechnen zu können. Als Grund dafür lässt sich vermuten, dass ein
Fehlen von adäquaten Bezahlsystemen am Markt dazu geführt hat, aus der Not ei-
ne Tugend zu machen und selbst – durchaus über die Abrechnung des Kernge-
schäftes hinaus – als Betreiber aktiv zu werden. Dies kann sogar soweit gehen,
dass konkurrierende Lösungen übernommen werden. Andere Zahlungssysteme
wiederum haben im Laufe der Zeit eine Umpositionierung vorgenommen und sich
durch Erschließung weiterer Geschäftsfelder zusätzliche, manchmal sogar alterna-
tive, Standbeine geschaffen. Eine wichtige Rolle scheinen auch Kooperationspart-
ner, insbesondere etablierte Unternehmen aus dem Finanzdienstleistungs- oder Te-
lekommunikationssektor, zu spielen: sei es nun als Vertriebspartner oder – besser
noch – als (Mit-)Eigentümer. Die Vorteile liegen auf der Hand: Finanzkraft, um
die am Anfang oft unvermeidliche Durststrecke bis zum Erreichen einer soliden
Händler- und Kundenbasis zu überwinden und durch entsprechendes Marketing
diese sogar zu verkürzen. Dennoch gibt es auch hier die berühmten Ausnahmen,
welche die Regel bestätigen. Die Zahlungsverkehrsinnovationen des letzten Jahr-
zehnts haben auch vor dem Point of Sale nicht Halt gemacht. Elektronische Geld-
börsen treten in Konkurrenz zu Bargeld (insbesondere Münzgeld) und Zahlungen
mit Debit- oder Kreditkarte. Ein Bemühen, dass insbesondere bei der Bezahlung
am Automaten – u.a. bedingt durch rechtliche Rahmenbedingungen wie z.B. Ju-
gendschutzbestimmungen – Erfolg versprechen könnte. Im Rahmen dieses Buches
stellen neun Zahlungssystemanbieter ihre Lösung vor.
Entscheidend für die Akzeptanz von Zahlungssystemen sind die Anforderun-
gen, welche die unterschiedlichen Akteure an diese stellen. Hier haben sich die
Erhebungen „Internet-Zahlungssysteme aus Händlersicht (IZH)“ und „Internetzah-
lungssysteme aus Sicht der Verbraucher (IZV)“ als unverzichtbare Trendbarome-
ter für innovative Zahlungssysteme etabliert. S. Van Baal und J.-W. Hinrichs stel-
len die Ergebnisse der neuesten IZH-Umfrage dar, M. Krüger und K. Leibold die
4 Thomas Lammer

Sicht der Verbraucher. Neben dem traditionellen E-Commerce wird E-


Government als wichtiges Einsatzfeld für innovative Zahlungssysteme angesehen.
Die Behörden wiederum erwarten vom E-Government erhebliche Einsparungspo-
tenziale. Wesentlich dabei sind jedoch laut ibi research der Universität Regens-
burg spezifische Anforderungen – insbesondere jene der Zahlungsgarantie – wel-
che das E-Government an innovative Zahlungssysteme stellt. Traditionelle
Zahlungssysteme sind für die Abrechnung von Klein- und Kleinstbeträgen (Mic-
ropayments) – zumeist für die Bezahlung digitaler Inhalte – weit weniger geeig-
net, als für Medium- und Macropayments. Aus diesem Grund sind sehr früh Mic-
ropayment-Systeme entstanden. Viele der E-Payment-Systeme der ersten
Generation fallen bzw. fielen in diese Kategorie. Die zahlreichen gescheiterten
Micropayment-Systeme gaben der Universität Twente die Chance die Gründe für
deren Misserfolg zu identifizieren und Erfolgsfaktoren abzuleiten. Ebenso wie im
Micropaymet-Szenario haben traditionelle Zahlungssysteme auch im M-Com-
merce Unzulänglichkeiten. Abrechnungsarten im M-Commerce sollen – wie K.
Pousttchi und D.G. Wiedemann argumentieren – die wesentlichen Eigenschaften
des mobilen Angebots teilen. Die Mobilfunktechnologie, ebenso wie die drastisch
gesunkenen Telekommunikationskosten, haben auch wesentliche Auswirkungen
auf Elektronische Geldbörsen. Diese könnten gemäß L. Van Hove vor einer Wei-
terentwicklung im Sinne der darwinistischen Evolutionstheorie stehen. Wichtige
Faktoren für den Erfolg von E-Money-, E-Payment- und M-Payment-Systemen
sind – aufgrund des Netzeffektes – Kompatibilität bzw. Interoperabilität, wodurch
ein Mindestmaß an Standardisierung notwendig wird. J. Geisler analysiert den Er-
folgsfaktor Standardisierung im Zahlungsverkehr.
Wie S. Heng veranschaulicht, werden traditionelle Zahlungsinstrumente wohl
in absehbarer Zeit noch die digitale und vor allem die reale Welt dominieren.
Dennoch gehen von den über 100 aktuell am Markt befindlichen innovativen Zah-
lungssystemen wichtige Innovationsimpulse aus. Einzelne dieser E-Money-, E-
Payment- und M-Payment-Systeme werden ihre Marktposition ausbauen und das
Zahlungsverhalten der NutzerInnen nachhaltig beeinflussen.
Das „Handbuch E-Money, E-Payment & M-Payment“ zielt darauf ab, die tech-
nischen, wirtschaftlichen, rechtlichen und politischen Zusammenhänge innovati-
ver Zahlungssysteme aus Sicht der unterschiedlichen Akteure zu behandeln und
somit ein umfassendes Bild über den Status Quo und die künftige Entwicklung im
Bereich von Zahlungsverkehrsinnovationen zu zeichnen.
Der besondere Dank gilt den zahlreichen an diesem Buch mitwirkenden Zah-
lungsverkehrsexpertinnen und -experten, deren Beiträge dieses Buch überhaupt
erst ermöglichten.

Literatur

Lammer T (2004) Mobile Payment Systems. Grundlagen – Praxisbeispiele – Erfolgsstrate-


gien. Innsbruck-Wien-Bozen, StudienVerlag
GRUNDLAGEN &
ALLGEMEINE INFORMATIONEN
E-Payments Evolution

Monika E. Hartmann1

European Central Bank, Frankfurt

1 Introduction

Paying for an article with a click of your mouse; settling an auction purchase via
your e-mail account; buying an electronic ticket using your mobile phone. Ways
in which people can pay electronically are becoming more and more sophisticated,
leading to new options for transferring (or even depositing) money. Innovative
payment services try to cater for new markets and needs. They may promise high
convenience, flexible use, high transaction speed and/or lower fees than traditional
payment instruments. However, they have to compete with legacy solutions and
comply with rules and regulations which often vary from country to country.
Outside and within the common market of the European Union, and even
within the single currency area of the Euro, payments innovation is always related
to specific backgrounds: it addresses the diversity of needs and weaknesses of
grown infrastructures. Payment innovators that are able to offer solutions with a
significantly advantageous profile will have a chance to win against the inertia of
long-established payment habits and/or payment procedures. However, many solu-
tions do not succeed in reaching a critical mass of users – maybe with the excep-
tion of monopolistic infrastructures and services that can dictate the way people
pay. The prospects for and challenges faced by innovative payment services and
the potential contribution of such services to European market integration are at
the core of the work of ePSO, the e-Payment System Observatory, which has been
operated by the European Central Bank since 2003 (ECB 2005a). On the basis of
its statutory responsibility “to promote the smooth operation of payment systems”,
the Eurosystem aims at providing a forum for co-operation between the stake-
holders at the European level, and at offering analysis and statistics to support the
further development of more efficient and secure payment mechanisms by the
markets. Some recent observations on innovation in retail payments in Europe will
be sketched in the following paragraphs. The focus will be on selected develop-
ments in the area of E-Payments. In principle, E-Payments may be defined as all
payments that are initiated, processed and received electronically. One can distin-

1 The views expressed in this article are the author’s and do not necessarily reflect those of
the European Central Bank.
8 Monika E. Hartmann

guish between E-Commerce retail payments (business-to-consumer or B2C pay-


ments) and E-Payments amongst consumers (Private-to-Private or P2P payments),
as well as electronic adoptions of “traditional” banking services (electronic trans-
actions between a bank and its customers, e.g. for initiating credit transfers or
authorising direct debits). However, there are overlaps between these categories.
For instance, E-Banking services can also serve payment purposes between con-
sumers and businesses or between private persons.

2 High technology, market specifics and payments


innovation

The technological progress in information technology and communications (ITC)


offers a vast potential for new services, from the adoption of existing payment in-
struments to the capabilities and requirements of these new media and communi-
cation channels to the introduction of fundamentally new concepts for payment
initiation, processing and receipt. Figure 1 illustrates the expansion of new ITC
like the internet and mobile phones across Europe. In some countries the majority
of citizens already have regular access to internet services. However, the expan-
sion of mobile networks is even more advanced. A few countries have already
reached a stage where the average citizen owns more than one mobile phone,
while in only very few EU countries has the penetration level not yet reached an
average coverage of two-thirds of the population.
However, innovation in payments faces some particular challenges. Payment
services are a special market with strong network effects, specific roles, niches
and rules. It is also highly regulated, since closely related with money and finance.
Nevertheless, payment services are not purely the domain of banks any more (and
in some countries they never were): wherever there are uncovered niches, non-
and near banks offer their products and services. However, such payment innova-
tors that come from outside the banking industry also need to be connected to the
existing banking infrastructure and payment systems, in order to allow funding
and withdrawals out of their schemes. They may face entry barriers, especially if
they aim at international expansion of their services.
Furthermore, some low-tech payment products may be dominant enough to
prevent the broad usage of innovative schemes. The development track in the
payments industry does not automatically lead from low tech to high tech, like in
the production industry. The example of cash indicates that low-tech alternatives
can exist for a very long time in parallel with more innovative schemes, due to a
specific set of characteristics that seems to be difficult to substitute. It is remark-
able that the introduction of innovative payment instruments during the last centu-
ries was normally accompanied by the expectation that cash might disappear, but
that any such expectation has so far proven premature. For instance, John Fullar-
ton discussed the potential substitution of banknotes by cheques in the year 1845.
Similar debates occured when the credit card was introduced in the middle of the
twentieth century, during the introduction of debit cards in the 1980s and again
E-Payments Evolution 9

during the 1990s in the context of evolving E-Money and internet payment
schemes (Hartmann 2000).
EU-25 average
Luxembourg
Italy
Czech Republic
Spain
Portugal
Finland
Sweden
Denmark
Austria
Slovenia
UK
Ireland
Germany
Belgium
Greece
Netherlands
Malta
France
Slovak Republic
internet users per 100
Hungary inhabitants
Lithuania
Estonia
Cyprus mobile subscribers per
Latvia
Poland 100 inhabitants
0 50 100

Fig. 1. Penetration rates of internet and mobile phone services in the European Union

The following section will discuss the evolution of E-Money, mobile payments
and innovative banking services as three prominent innovation areas.

3 Developments in E-Money, mobile payments and


innovative banking services

3.1 Electronic money

3.1.1 Definition
According to the “Report on electronic money” published by the ECB in August
1998, electronic money was “broadly defined as an electronic store of monetary
value on a technical device that may be widely used for making payments to un-
dertakings other than the issuer without necessarily involving bank accounts in the
transaction, but acting as a prepaid bearer instrument” (ECB 2000). However, this
definition no longer covers all types of schemes that are nowadays subsumed as E-
Money in the EU (see the following section on generations and spread in Europe).
A legal definition of electronic money is provided in Article 1 of the European
Parliament and Council Directive 2000/46/EC on the taking up, pursuit of and
prudential supervision of the business of electronic money institutions (E-Money
10 Monika E. Hartmann

Directive, European Parliament 2000). According to this definition, “electronic


money shall mean monetary value as represented by a claim on the issuer which
is: (i) stored on an electronic device; (ii) issued on receipt of funds of an amount
not less in value than the monetary value issued; (iii) accepted as means of pay-
ment by undertakings other than the issuer.” The E-Money Directive restricts the
business activities of electronic money institutions (ELMIs) to the issuing of elec-
tronic money and to closely related financial and non-financial services, e.g. ad-
ministering of electronic money and of other means of payment, but excluding the
granting of any form of credit, and to the storing of data on the electronic device
on behalf of other undertakings or public institutions.

3.1.2 Generations and spread in Europe


The first generation of pre-funded electronic payment schemes was based on chip
cards, with monetary values protected and managed on the chip of a smart card
(hence functioning as an “electronic purse”). Such cards were introduced in the
1980s for single-purpose prepaid services (e.g. for paying for meals at a local can-
teen, as electronic forms of loyalty schemes or as prepaid telephone cards) and for
multiple purposes, especially to replace low-value cash payments at the point of
sale. The latter group of schemes was started with high ambitions of becoming a
widely accepted substitute for cash, in some cases also for payments between pri-
vate persons. Consequently, European national central banks considered the val-
ues stored on widely accepted multipurpose chip cards to constitute a new type of
means of payment called electronic money (EMI 1994). A discussion among pub-
lic authorities was held to establish if and to what extent such prepaid card sche-
mes might need rules or business restrictions, e.g. in order to safeguard the mone-
tary order. This debate gained further momentum with the emergence of the
internet during the 1990s, when a second group of prepaid schemes raised the at-
tention of regulators (BIS/CPSS 1996). This new group of schemes was named
software-based E-Money. This type of E-Money is managed by software that
needs to be installed at the user’s local computer (or any other electronic device
with an integrated online communication function). It does not require the use of
specific, protected hardware for the storage of E-Money values and is hence less
costly to set up than E-Money based on chip cards. Most of the first generation
software-based E-Money schemes were however fairly short-lived owing to lim-
ited use, and have today nearly vanished from the market.
Meanwhile, new types of E-Money schemes are being introduced, based on en-
hanced technology. A dominant form of such new E-Money systems is that they
are server-based, i.e. funds are not stored locally on chip cards or computers, but
kept at a central server (e.g. at the issuer). They promise their users greater con-
venience and lower set-up costs than the first generation of E-Money. These sys-
tems can be divided into two sub-categories: one concept consists of new types of
E-Money accounts that can be based on e-mail addresses or mobile phone num-
bers, etc; the other sells prepaid funds of specified amounts by providing a simple
access number to the funds that can be entered for spending. Most of these newer
generations of pre-funded payment schemes may not fit exactly into the initial
E-Payments Evolution 11

definitions of E-Money systems. However, the categories of card and software-


based schemes are still officially in use, e.g. for data collection and monetary sta-
tistics (Fig. 2).
€ millions
450
400
350
300
250
200
150
100
50
0
Jun 98

Jun 99

Jun 00

Jun 01

Jun 02

Jun 03

Jun 04

Jun 05
Dez 97
Mrz 98

Sep 98
Dez 98
Mrz 99

Sep 99
Dez 99
Mrz 00

Sep 00
Dez 00
Mrz 01

Sep 01
Dez 01
Mrz 02

Sep 02
Dez 02
Mrz 03

Sep 03
Dez 03
Mrz 04

Sep 04
Dez 04
Mrz 05
Fig. 2. Euro area E-Money volume in EUR millions (end of month, not seasonally adjusted)
(ECB 2005b)

The currently outstanding values of E-Money schemes in the Euro area presented
above equal to or less than 0.1% of Euro cash in circulation. There was a marked
increase in E-Money issuance right before the euro changeover, and there was also
some increase during the first halves of 2003 to 2005. However, the increase in
transaction volumes reported until 2003 was lower than the according growth rates
of other payment instruments (e.g. cards, direct debits). The number of E-Money
transactions effected in the EU-25 in 2003 represented a share of 0.5% of all cash-
less payments (ECB 2005c).

3.1.3 Monetary policy issues


From a monetary policy perspective the diffusion of E-Money may imply certain
risks. The most prominently discussed issues are:
x The E-Money issuance might decrease demand for banknotes and coins (one of
the autonomous factors in forecasting the structural liquidity position for the
banking sector) and traditional bank deposits (the element of the reserve base).
One consequence might be instability of money demand, with detrimental ef-
fects on the ability of central banks to formulate and conduct monetary policy.
The eroding demand for banknotes and coins may lead to the shrinkage of the
central bank balance sheet and the structural liquidity deficit, thereby compli-
cating monetary policy implementation.
x Moreover, there is a possibility of a reduction of seigniorage income arising
from a lower demand for banknotes, given substitution into E-Money as a
means of payment. This may lead to a reduction of central bank revenue and,
ultimately, to the limitation of central bank financial independence.
12 Monika E. Hartmann

However, the limited diffusion of E-Money in European economies and, espe-


cially, the existence of European directives on this matter seem to limit the risks
described above2. At the same time, the legislative framework for E-Money is un-
der review (European Commission 2005): its effectiveness is to be discussed, es-
pecially for avoiding certain risks and for fostering the pan-European expansion of
innovative payment services, but also its neutrality regarding technological solu-
tions and regarding competitors of varying industry origin. The future European
E-Money legislation also needs to fit to the concept of the New Legal Framework
for Payment Services (NLF), a project by the European Commission (European
Commission 2004 – see the article of Julian Langner later in this edition).

3.1.4 Global spread of E-Money


A look at the market developments of E-Money and prepaid services in other parts
of the world may provide additional insight.
x Prepaid services in the United States vs the European Union. While the Euro-
pean legistlator and the Eurosystem set up a framework for the issuance of E-
Money during the late 1990s, the US federal legislators decided against any
regulation of prepaid services, due to concerns of permature regulation of a
market that is still at an early stage (Hartmann 2000). When comparing the
situation in the EU and the USA today, both markets have had a similarly reluc-
tant start. Meanwhile, the market opportunities of prepaid services are again be-
ing discussed more vividly in the US, especially the socio-economic objective
of providing more efficient payment services to the parts of the population
without bank accounts (see, e.g. Digital Transactions 2005).
x World leaders in Asia: example Singapore. The payment statistics from Singa-
pore reveal figures that may at first sight be interpreted as a silent E-Money
revolution: the volume share of card-based E-Money transactions reported has
increased to a share of 85.3% of all cashless transactions within just a few years
(BIS/CPSS 2005 – Red Book). However, does this also imply that Singapore is
the first country that has arrived at a cashless society? The answer is no. First, it
should be noted that the total figure of cashless payment instruments for Singa-
pore in the Red Book does not include the volume of credit card transactions.
The overall share of E-Money transactions would be lower if these card trans-
action volumes were taken into account. Second, the high demand for E-Money
has not decreased the demand for cash. According to the Monetary Authority of
Singapore the strong growth of E-Money (called stored value facilities accord-
ing to the legal framework in Singapore) was mainly due to the introduction of
the transit-based, contactless EZ-Link card, as competitor to the already estab-
lished NETS CashCard transit payment card. This suggests more a replacement
of cash use for transit facilities rather than the strong decrease in the usage of
cash generally for small value payments. Consumers in Singapore and else-

2 For a detailed monetary policy discussion see the article of Stefan W. Schmitz (forthcom-
ing in this edition).
E-Payments Evolution 13

where use their E-Money cards for very specific purposes, with the highest
growth rates in the transfer business (public transportation, road tolls)3. How-
ever, the major factors of cash demand are not necessarily fundamentally af-
fected: the value of notes and coin in circulation in Singapore for instance has
steadily increased since 2000, despite of – and in parallel to – the strong growth
of stored value facilities.
Overall, E-Money seems to remain a relevant topic, whose business opportunities
evolve with technological progress – maybe with more success in specific applica-
tion areas and niche markets than as a general substitute for cash.

3.2 Mobile payments

3.2.1 Definition
Mobile phones and other wireless communication devices offer new ways to ac-
cess accounts and to use payment services. Payments initiated through mobile
phones etc. are called mobile payments. Payments made via mobile phones can be
conducted to pay for digital goods delivered over the mobile phone, for goods or-
dered via the internet, and for goods or services bought in the physical world.

3.2.2 Types
There are different technical solutions for mobile payments. For proximity pay-
ments, the payment message can also be transmitted contactless, e.g. via radio fre-
quency (for instance in public transportation). For distance payments, the commu-
nication usually takes place with the help of SMS or automatic voice messages.
So far, the market for mobile digital goods (ring tones, logos, games, etc.) is
well-developed. The dominant payment solutions for these mobile services are
premium-rate services (PRS). PRS are settled either via the telephone bill (post-
paid) or via prepaid airtime.
A wide variety of advanced mobile payment-related services is conceptually
feasible. Apart from the already mentioned premium rate services that are funded
from a prepaid airtime account or charged to the regular telephone bill (and hence
payment processing, clearing and settlement may be carried out by the mobile
network operator), the mobile phone can also be used to initiate payments to be
debited from the mobile phone holder’s credit/debit card – or directly from his/her
bank account. In these cases the mobile network operators have a role in messag-
ing, but not in the clearing and settlement process. Alternatively, transactions can
be effected on the basis of electronic money schemes, with electronic purses either
integrated into mobile devices or their values stored separately, e.g. on a server or
an interoperable chip. The potential role of the operators in this case depends on
the question of who issues and redeems the values stored in these E-Purses. The
market for all these more advanced types of mobile payment services beyond PRS

3 For more details see the forthcoming article of Leo Van Hove in this edition.
14 Monika E. Hartmann

is at a less developed stage. Many innovative mobile payment schemes are strug-
gling to acquire the necessary number of active customers and attractive mer-
chants, to define common standards and to address emerging security issues. Also,
certain functions of mobile banking may be subsumed under M-Payments, for in-
stance credit transfers that are initiated via mobile devices. However, this group
could also be regarded as a mere distribution channel for banking services that ad-
dress specific customer segments.
Mobile payments can rely on different ways of paying and therefore also on
different claims. Mobile payment schemes either rely directly on commercial bank
money, or at least need to have an interface to the banking sector in cases where
mobile operators also act as settlement agents. The development of viable coop-
eration models between banks and mobile providers is therefore a major issue.

3.2.3 Statistical and regulatory issues


As shown in the previous section, mobile payments are a group with various con-
ceptual, technical and organisational options. A subgroup is closely linked to the
premium rate service portfolio of the mobile industry. In many other cases M-
Payments are built “on top of” existing payment services, i.e. their processing is
effected via established payment instruments of the banking industry. This is also
the reason why reliable and comprehensive figures on M-Payments can hardly be
found: the transactions are either treated as part of the business relationship be-
tween the mobile operators and their customers, or only indirectly counted via the
payment instruments that are being used for collection purposes in the banking
sector. As far as mobile payments are made in the context of premium rate ser-
vices they are generally not included in any payment statistics – although this is,
as already stated, a mature market with high turnovers. As long as M-Payment
services are registered as E-Money schemes, they will be reported in figures cate-
gorised as E-Money transactions in payment statistics. If the mobile phone is used
to debit a payment card account, these M-Payments may appear in the payments
statistics as cards payments. In cases where the mobile phone holder authorises a
direct debit of his/her bank account, these M-Payments will generally be counted
as direct debits in the payments statistics.
The functional, contractual and technical relationships between the parties in-
volved need to be examined in order to understand the general structure of mobile
phone services and to what types of constellations the current legal framework for
payment services should be applied. The European Commission addressed the
specific controversy on the application of the E-Money Directive to prepaid pay-
ment services provided by mobile operators. The Commission published a consul-
tation paper on this issue in May 2004. The consultation resulted in a guidance no-
te on the regulatory treatment of mobile operators under the E-Money Directive
(European Commission 2005). However, as already discussed, mobile phone op-
erators are not restricted to offering pre-funded payment services to third parties
that clearly need to be categorised as E-Money as defined in the European frame-
work. The operators can also choose many different functional roles along value
and transaction chains (ECB 2004).
E-Payments Evolution 15

3.2.4 Global spread


The high penetration rate of mobile and wireless networks seems to imply a vast
market potential for mobile payment services. The increasing popularity of mobile
phones, personal digital assistants and other devices for wireless communication
might offer potential benefits to users, e.g. as a convenient means of access to
online services and customer-specific mobile services – which often include pay-
ment functions. Mobile devices could be well positioned for this, as they are per-
sonalised, carried around permanently, designed to be connected, and have a pene-
tration level even higher than internet usage in Europe (as was already shown in
Fig. 1). However, the development of complex mobile payment schemes that re-
quire cooperation between the banking and mobile industries is often challenging,
and if viable business and cooperation models are achieved, the acceptance by us-
ers might nevertheless develop only reluctantly – similar to the first years of E-
Money issuance in Europe.
There is so far little progress visible in the standardisation and interoperability
of national mobile payment solutions or in the development of concepts for the
European market. Simpay, an initiative to create a new European-wide mobile
payment service that had been launched by a group of mobile network operators,
was discontinued in mid-2005. National mobile payment providers that have re-
cently expressed or confirmed intentions of expanding their mobile payment ser-
vices beyond their home market are infrequent, too. At the same time, in other
parts of the world (especially in Asia) and in certain customer segments, new
types of M-Payment services are becoming increasingly popular. For example,
mobile phones are being used for effecting money transfers between industrial and
developing countries. Generally such payments are initiated by foreign working
citizens who want to transfer parts of their income to recipients in their home
countries and make use of specialised mobile money transfer services. They trans-
fer the payment amount either by card or in cash into such a transfer system,
which passes it on to a specified mobile phone account in the home country. In
these home countries – like the Philippines or Mexico – large shares of the popula-
tion do not have a bank account, but increasingly often they can afford the acquisi-
tion of a prepaid mobile phone. Amounts transferred to the mobile phone account
may be used for phone calls, be kept on deposit or withdrawn as cash.
This last example shows that the mobile phone can become a versatile tool to
support various payments functions in many different ways – provided the rele-
vant business models are built on market segments with sufficient demand.

3.3 Innovative banking services

3.3.1 Definition
Banking services may be roughly defined as the communication and the distribu-
tion of banking products between a bank and its customers. Innovation may, for
instance, occur in the form of new banking products, new procedures or new
communication methods. Two examples come to mind. First, internet banking be-
16 Monika E. Hartmann

tween banks and consumers has become an important distribution channel for
banking services, including – and beyond – retail payment transactions. This ap-
plies to certain groups of customers in the EU-25 countries with high internet
penetration ratios (Fig. 1). Second, the opportunities of mobile banking have al-
ready been briefly mentioned in the previous section. Both banking service cate-
gories can be regarded as recent elements in the context of an impressive history
of innovation banking and payment services, as presented by Ewald Judt in this
edition. A specific payment concept that builds on online banking services, but
goes beyond the bilateral customer-bank relationship, will be described in the fol-
lowing paragraph.

3.3.2 Online banking payment solutions at merchant websites


There are many market solutions which facilitate payment transactions from con-
sumers to online merchants, but few of them have gained nationwide user accep-
tance (or even offer pan-European availability). This issue is addressed by provid-
ers of payment portals or integrated payment services. These specialists offer
access to the services of different payment networks, hence increasing the number
of eligible payment options between payer and payee. Access to such services
may be effected via internet browsers or mobile phones. For high convenience
these services are embedded in the online shopping process, e.g. via an automatic
popup window connecting to the service provider and already containing all nec-
essary transaction details. The customer is invited to choose a payment option and
provide his account details. The completed transaction data set will be routed to
the relevant payment service provider for authorisation. After successful payment
authorisation the bank (or other payment service provider) confirms the payment
to the merchant so that the purchase transaction can be completed. Then the cus-
tomer is redirected to the merchant’s website. Innovative features of this type of
service are the integration of bank-based, credit card-based and other types of
payment services at the merchant’s websites. Challenges are the creation of inter-
operability or standards that allow integrative services, as well as the reduction of
fraud risks during the automated routing steps (for information on payment secu-
rity issues like phishing attacks see ECB 2004). Banks in countries with a devel-
oped online banking infrastructure and a high popularity of credit transfers (or
similarly direct debits) may be regarded as natural candidates to provide such in-
tegrated services. The automatic connection to the payer’s bank during an online
purchase promises advantages in convenience in comparison to a separate initia-
tion of a credit transfer: the payment amount, recipient account and other transac-
tion details do not need to be specified again. However, it requires the setup of
common rules and standards for online banking, to enable as many bank account
holders as possible to access the service via a similar procedure. Only the banking
sectors in a few European countries have achieved interoperability agreements or
even standards that facilitate such integrated bank payments from online merchant
E-Payments Evolution 17

websites4. At an even earlier stage of development are integrated E-Payment ser-


vices that enable not only national, but also pan-European transactions between
online bank accounts. The E-Payments Task Force of the European Payments
Council (EPC) is working on such a European solution. The EPC is a pan-
European banking body that aims at bringing about SEPA, the Single Euro Pay-
ments Area, by 2010. It sets the speed of progress in this direction and is the place
where European banks make common decisions, e.g. on standards (EPC 2005).

4 Conclusions

x E-Payment evolution across Europe varies in terms of form and speed. There
are large differences between countries in terms of existing infrastructure and
user habits. Gradual innovation is often based on existing banking and card in-
frastructure. However, more “revolutionary” concepts – such as E-Money and
mobile schemes – are appearing in some countries. The technological basis for
innovative payment solutions is available to more of the population (access to
internet and mobile networks).
x Innovation in payments faces some particular challenges. Payment services are
a special market with strong network effects, specific roles, niches and rules.
They are also highly regulated, since they are closely related with money and
finance. Nevertheless, payment services are not purely the domain of banks:
wherever there are uncovered niches non- and near-banks offer their products
and services. However, the road of payments evolution is bumpy: the develop-
ment track in the payments industry does not automatically lead from low tech
to high tech. The example of cash indicates that low-tech alternatives can exist
for a very long time in parallel with more innovative schemes, due to a specific
set of characteristics that seems to be difficult to substitute.
x E-Money usage has seen some increase in recent years, but at least in Europe
the growth rates are much lower than those of other payment instruments. Spe-
cific market segments, like the transit sector, however, could deliver a fast in-
crease in the future, as the example of Singapore indicates. The almost five-
years-old legal framework for E-Money in Europe is currently under review.
x Mobile payments are a group with various conceptual, technical and organisa-
tional options. A subgroup is closely linked to the premium rate service portfo-
lio of the mobile industry. In many other cases M-Payments are built “on top
of” existing payment services, i.e. their processing is effected via established
payment instruments of the banking industry. This is also the reason why reli-
able and comprehensive figures on M-Payments can hardly be found. The mo-
bile phone can become a versatile tool to support various payments functions in
many different ways – provided the according business models are built on
market segments with sufficient demand.

4 One example is the Austrian eps e-payment standard which is explained by Joachim
Geisler later in this edition.
18 Monika E. Hartmann

x Only the banking sectors in a few European countries have achieved interop-
erability agreements or even standards that facilitate integrated bank payments
from online merchant websites. At an even earlier stage of development are in-
tegrated E-Payment services that enable not only national, but also pan-
European transactions between online bank accounts.
x More information on recent developments in E-Payments is available at the e-
Payment Systems Observatory website operated by the European Central Bank
(ECB 2005a).

References

BIS/CPSS (1996) Implications for central banks of the development of electronic money.
Bank for International Settlements, Basel
BIS/CPSS (2005) Statistics on payment and settlement systems in selected countries – fig-
ures for 2003 (Red Book). CPSS Publications No. 66. Bank for International Settle-
ments, Basel, http://www.bis.org/publ/cpss66.htm
Digital Transactions (2005) The promise of stored value, title story of magazine. Volume 2,
number 4–July/August 2005, http://www.digitaltransactions.net/files/DT_v2n4.pdf
ECB (2000) Issues arising from the emergence of electronic money. Monthly Bulletin, No-
vember 2000. European Central Bank, Frankfurt
ECB (2004) E-payments without frontiers, issues paper and conference documentation.
European Central Bank, Frankfurt,
http://www.ecb.int/events/conferences/html/epayments2004.en.html#intro
ECB (2005a) ePSO website of the European Central Bank. Frankfurt, www.e-pso.info
ECB (2005b) Monetary statistics – electronic money, as of August 2005. European Central
Bank, Frankfurt, http://www.ecb.int/stats/money/aggregates/emon/html/index.en.html
ECB (2005c) Blue Book Addendum incorporating 2003 figures. European Central Bank,
Frankfurt
EMI (1994) Report on prepaid cards. European Monetary Institute, Frankfurt
EPC (2005) European Payments Council website.
http://www.europeanpaymentscouncil.org
European Commission (2004) New legal framework website. European Commission, Brus-
sels, http://europa.eu.int/comm/internal_market/payments/framework/index_en.htm
European Commission (2005) E-money website. European Commission, Brussels,
http://europa.eu.int/comm/internal_market/bank/e-money/index_en.htm#emoney
European Parliament (2000) Directive 2000/46/EC of the European Parliament and of the
Council of 18 September 2000 on the taking up, pursuit of and prudential supervision
of the business of electronic money institutions, http://europa.eu.int/eur-
lex/pri/en/oj/dat/2000/l_275/l_27520001027en00390043.pdf
Hartmann M E (2000) Elektronisches Geld und Geldpolitik – eine Analyse der Wechsel-
wirkungen. Universitätsverlag Karlsruhe,
http://www.ubka.uni-karlsruhe.de/vvv/2004/wiwi/6/6.pdf
Zahlungsverkehrsinnovationen im Wandel der
Zeit und ihre Vermarktung

Ewald Judt

Institut für Marketing-Management der Wirtschaftsuniversität Wien


Europay Austria Zahlungsverkehrssysteme GmbH, Wien

1 Innovationen als Grundlage des Fortschritts

Ohne Innovationen kommt es zu wirtschaftlichem Stillstand – sei es bei Unterneh-


men, bei Regionen oder bei ganzen Volkswirtschaften. Deswegen sind Innovatio-
nen eine Notwendigkeit und werden zur Grundlage des Fortschritts. Sie treten in
Form von originären oder von adaptiven Innovationen auf, können für Kunden
„sichtbare“ Innovationen als Produktinnovationen oder lediglich als „fühlbare“
Prozessinnovationen erlebt werden. Innovationen sind in unserer marktorientierten
Gesellschaft auch ein konkurrenzpolitisches Instrument, um – zumindest kurzfris-
tige – Wettbewerbsvorteile zu erzielen. Bei Entscheidungen pro oder contra eine
Innovation – die immer unter unterschiedlichem Unsicherheitsgrad getroffen wer-
den – ist die Wirtschaftlichkeit das wesentliche Element. All das trifft auch für
Banken und deren Zahlungsverkehrsprodukte zu.

1.1 Innovationen als Notwendigkeit

Kein Unternehmen kommt um Innovationen herum – wenn es bestehen will.


Kommt es zu Innovationen, ist das langfristige Überleben möglich. Kommt es zu
keinen Innovationen, ist das langfristige Überleben fraglich oder es verkümmert
zu einem Nischen-Unternehmen im Retro-Style (Lancaster u. Massingham 1999).
Die Notwendigkeit von Innovationen ergibt sich daraus, dass es zum einen
nicht oder nicht optimal erfüllte Kundenbedürfnisse gibt und daher von dort ein
Druck kommt („Demand Pull“). Zum anderen ergeben sich Innovationen durch
Verbesserungen bei der Produkterstellung („Technology Push“), was nicht nur zu
besseren Produkten, sondern für das Unternehmen auch Kostenvorteile, schnellere
Transaktionsabläufe und höhere Sicherheit bei der Produkterstellung/-nutzung be-
deuten kann.
Innovationen beziehen sich meist auf bestehende (aktuelle oder potentielle)
Kundenschichten von Unternehmen, deren Bedürfnisse dadurch besser befriedigt
werden können. Es kommt aber immer öfter vor, dass Innovationen zu neuer
20 Ewald Judt

Nachfrage führen und damit neue Märkte schaffen, die vorher noch nicht existiert
hatten.

1.2 Originäre und adaptive Innovationen

Innovationen können originäre Innovationen sein, wo das Unternehmen


selbst aktiv die Innovation bis zur Umsetzung betrieben hat. Innovationen können
aber auch adaptive Innovationen sein, wo das Unternehmen schlicht und einfach
die originären Innovationen anderer Unternehmen als mehr oder weniger merkba-
re Imitationen einführt. In beiden Fällen kommt es jedoch für das jeweilige Unter-
nehmen und für dessen Kunden zu Innovationen – zu neuen oder modifizierten
Produkten und Prozessen.
Als Innovation wird jedoch nur eine solche Veränderung bezeichnet, die für die
Kunden einen gewissen Neuheitsgrad aufweist. Dieses Ausmaß der Neuheit, die
Innovationshöhe, zeigt sich in der Verbesserung des Kosten-Nutzen-Verhältnisses
für den Kunden gegenüber bisherigen Angeboten vom Unternehmen oder dessen
Wettbewerbern am Markt.

1.3 Innovationen im Wettbewerb

Bei originären Innovationen lassen sich in der Industrie zweifellos – temporäre –


Wettbewerbsvorteile erzielen. Diese treten bei anderen Branchen – wie Banken –
nur in beschränktem Ausmaß auf, da relativ kurzfristig der Vorsprung am Markt
durch die Imitationen der Wettbewerber wieder verloren geht. Dennoch gibt es in
allen Wirtschaftszweigen – offenbar durch den immer stärkeren Wettbewerb –
mehr und mehr Innovationen. Dies zeigt, dass das Management sich auf die geän-
derte Situation eingestellt hat, Innovationen zunehmend aufgeschlossener gegenü-
bersteht und deren Entstehen oft aktiv fördert. Demgemäß sind Innovationen viel-
fach Teil der Unternehmenspolitik geworden. Auch ist der Innovationsgedanke
immer öfter bereits in der „Corporate Mission“ oder gar der „Corporate Culture“
verankert (Kohlmann 1995). Das Innovationsmanagement hat dabei üblicherweise
keine gesonderte Struktur, sondern ist in die Bereichs- und Abteilungsorganisation
integriert.

1.4 Innovationen unter Unsicherheit

Die Entscheidung pro oder contra eine konkrete Innovation ist dabei trotz aller
Cost-Benefit-Analysen immer von einer großen Unsicherheit geprägt, ob die Inno-
vation wirklich angenommen wird. Dies deshalb, da bei Innovationen Erfah-
rungswerte aus anderen Gebieten nur bedingt auf spezifische Innovationsentschei-
dungen übertragen werden können.
Dabei ist bei originären Innovationen der Unsicherheitsgrad wesentlich höher
als bei adaptiven Innovationen. Hinsichtlich der Kosten ist bei Innovationen die
Zahlungsverkehrsinnovationen im Wandel der Zeit und ihre Vermarktung 21

Gefahr der Kostenüberschreitung – sowohl was einmalige als auch was laufende
Kosten betrifft – zwar vorhanden, jedoch nicht so dramatisch, da die Kosten bei
Innovationen durch entsprechende Projektorganisation gut im Griff gehalten wer-
den können. Wesentlichstes Risiko bei Innovationen – besonders von Produktin-
novationen – ist das Absatzrisiko, dass die erwartete Anzahl an Transaktio-
nen oder die Größe des Umsatzvolumens nicht erreicht wird und damit den Kosten
unzureichende Erträge gegenüberstehen.

1.5 Innovationen und Wirtschaftlichkeit

In diesem Zusammenhang kommt der Fristigkeit als einem wesentlichen Element


des Innovationsmanagements Bedeutung zu. Das Erreichen des Break-Even von
Innovationen unter Berücksichtigung aller Investitionskosten ist üblicherweise
kurzfristig nicht erreichbar, was vor allem mit den erforderlichen Änderungen des
Nachfrageverhaltens der potentiellen Kunden zusammenhängt. Bei adaptiven In-
novationen, wo man den originären Innovationen anderer folgt und damit auch aus
deren Erfolge/Misserfolge Schlüsse ziehen und entsprechende Maßnahmen setzen
kann, ist ein Break-Even früher zu erreichen als bei originären Innovationen, wo
es darum geht, schlummernde Nachfrage zu wecken. Dabei stellt sich oft die Fra-
ge, ob man durch hohe Markteinführungskosten – bei entsprechend höherem fi-
nanziellen Risiko – den Break-Even schneller erreicht, als bei Markteinführungs-
kosten, die sich auch an den Erträgen bemisst.

1.6 Innovationen bei Banken

Auch bei jeder Bank sind Innovationen inhärent und damit Element des Bank-
managements. Die Entwicklung der letzten Jahre hat gezeigt, dass es gerade bei
Banken eine Fülle von Innovationen gegeben hat. Im Mittelpunkt stehen dabei in
der Regel Produktinnovationen. Sie beziehen sich auf das Angebot von Bank-
dienstleistungen. Produktinnovationen sind bei Banken nicht immer, aber oft mit
Prozessinnovationen verbunden. Diese beziehen sich auf die Erstellung von Bank-
dienstleistungen. „Sichtbar“ für Kunden sind nur die Produktinnovationen, da die-
se meist aktiv angeboten werden (oder aktiv angeboten werden sollten). Die Pro-
zessinnovationen hingegen sind für Kunden höchstens „fühlbar“, da sich mit ihnen
die Abwicklung bestehender Produkte üblicherweise verbessert.
Wenngleich Produkt- und Prozessinnovationen meist im Mittelpunkt der Inno-
vationspolitik einer Bank stehen, sind sie aber nicht die einzigen für die Kunden
„sichtbaren“ oder „fühlbaren“ Innovationen. Eine nicht zu unterschätzende Bedeu-
tung haben bei Banken auch die Innovationen, die sich auf die anderen Marketing-
instrumente beziehen: so die Etablierung eines neuen Vertriebskanals wie z.B. der
Bankshops, so der Aufbau einer neuen Transaktionsabwicklung wie z.B. des E-
Bankings, so die Einführung eines neuen Preissystems wie z.B. des „All Inclusive-
Kontos“ oder so die Entwicklung eines völlig neuen kommunikativen Auftritts.
22 Ewald Judt

Aufgrund ihrer besonderen Rolle in der Volkswirtschaft ist es für Banken auch
wichtig, bei der geplanten Einführung von Innovationen in den Markt nicht nur
die potentiellen Nachfrager und die möglichen Reaktionen von Konkurrenten,
sondern auch das sonstige Umfeld (wie z.B. Konsumentenschutzorganisationen)
in die Überlegungen mit einzubeziehen.

2 Innovationen präg(t)en Zahlungsverkehr

Seit jeher war der Zahlungsverkehr ein dankbares Feld für Innovationen. Diese
Innovationen gehen die Geschichte lange zurück. Mit rund 100 Jahren relativ kurz
ist hingegen die Zeit des klassischen bargeldlosen Zahlungsverkehrs, der mit
Scheck, Überweisung und Lastschrift, erstaunliche Resultate gezeigt hat. Noch
jünger ist der Kartenzahlungsverkehr, der sich seit der Aufnahme des Privatkun-
dengeschäfts dynamisch entwickelt. Dynamisch nicht nur was Karten, Transaktio-
nen und Umsatz betrifft, sondern auch was Innovationen betrifft. In rund 50 Jah-
ren wurden nicht nur genormte Debit- und Kreditkarten, Magnetstreifen und Chip,
sondern auch Geldausgabeautomaten und POS-Terminals im Markt eingeführt.

2.1 Warengeld, Bargeld, Giralgeld

Hält man sich die Entwicklung des Zahlungsverkehrs und seiner Innovationen vor
Augen, so stimmt es für den Zahlungsverkehr nicht, dass Banker – angeblich – ri-
sikobewusste Skeptiker und keine wagemutige Innovatoren sind (Süchting 1982).
Denn die Geschichte des Zahlungsverkehrs ist die Geschichte von Innovationen.
Seit 40.000 Jahren gibt es den Jetzt-Menschen. Demgegenüber ist die Geschichte
des Geldes und damit der Zahlungen und des Zahlungsverkehrs eine sehr kurze.
Vorerst gab es Warengeld als Tauschmittel und Wertmesser für Güter und
Dienstleistungen seit dem 5. Jahrtausend vor Christi. D.h. seit rund 7.000 Jahren
gibt es Zahlungsmittel. Dieses Warengeld waren damals Fundgegenstände, die
man für wertvoll hielt (Muscheln, Perlen, etc.), handwerkliche Produkte (Pelze,
Speerspitzen, etc.) und Vieh. Davor – d.h. in den ersten 33.000 Jahren der Ge-
schichte des Jetzt-Menschen – existierte kein Geld. Sofern überhaupt gehandelt
wurde, gab es ausschließlich den realen Austausch von Gütern, den Naturaltausch.
Erst Anfang des 7. Jahrhunderts vor Christi, d.h. vor rund 2.700 Jahren gab es
mit Münzen erstmals Bargeld. Damit war das Münzgeld, das heute noch in unse-
ren Geldbörsen vorkommt, erfunden. Wie bei allen guten Innovationen kam es zu
einer raschen Verbreitung vor allem in Form von Gold- und Silbermünzen. Erst
im 18. Jahrhundert – d.h. vor rund 200 Jahren – gab es die ersten Banknoten. Mit
dem Bargeld – Münzen und Papiergeld – als Zahlungsmittel wurden Verkäu-
fe/Käufe deutlich einfacher als mit dem Warengeld.
Gegenüber diesen Entwicklungssprüngen, zwischen denen Jahrhunderte lagen,
folgte im bargeldlosen Zahlungsverkehr, den es seit rund 100 Jahren – auf Basis
Buch- oder Giralgeld – gibt, Innovation auf Innovation. Beschleunigt wurde diese
Zahlungsverkehrsinnovationen im Wandel der Zeit und ihre Vermarktung 23

Entwicklung von Innovationen durch den Kartenzahlungsverkehr, den es erst seit


50 Jahren gibt. In dieser – wenngleich rund 100 Jahre andauernden und dennoch
kurzer – Zeitspanne haben sich die Zahlungsgewohnheiten des Menschen – nicht
nur in Österreich und Deutschland – gravierend verändert.
Die Geschichte des bargeldlosen Zahlungsverkehrs hat erstaunliche Resultate
gezeigt:
x Zahlungen von Unternehmen an öffentliche Haushalte sind heute in Österreich
und in Deutschland zu 100 % bargeldlos. Umgekehrt gilt gleiches.
x Zahlungen von Privaten an öffentliche Haushalte werden heute in Österreich
und in Deutschland nahezu zu 100 % bargeldlos getätigt. Umgekehrt gilt glei-
ches.
x Lediglich Zahlungen von Privaten an Unternehmen, die in der Regel am POS
des jeweiligen Handels- oder Dienstleistungsunternehmens erfolgen, werden in
Österreich wie in Deutschland noch überwiegend bar bezahlt. Umgekehrt wer-
den nahezu 100 % der Zahlungen bargeldlos durchgeführt.

2.2 Scheck, Überweisung, Lastschrift

Erstes bargeldloses Zahlungsmittel war der Scheck. Er wurde bereits Ende des
Mittelalters eingesetzt, um die räumliche Distanz bei notwendigen Zahlungen von
Kaufleuten zwischen den großen europäischen Messe- und Handelsplätzen
zu überbrücken. In Österreich und Deutschland wurde der Scheck erst Ende des
19. Jahrhunderts zwischen Kaufleuten intensiver verwendet. Eine vergleichsweise
kurze Blütezeit erlangte der Scheck als kartengarantierter „eurocheque“ von 1968
bis 2001. Im angelsächsischen Raum hat er heute noch große Bedeutung: dort ge-
schehen Geldtransfers noch heute durch Übersenden von Schecks.
Der erstmalige Einsatz der Überweisung wie wir sie heute kennen, war Ende
des 19. Jahrhunderts. Wie auch beim Scheck war ihr Zweck die bargeldlose Be-
gleichung von Rechnungen unter Kaufleuten. Sie hat im deutschen Sprachraum
große Bedeutung erlangt, die durch die sukzessive Ausstattung der Bevölkerung
mit privaten Girokonten laufend zunahm, wobei dies auch auf Dauerüberweisun-
gen zurückzuführen war.
Das dritte klassische bargeldlose Zahlungsmittel, die Lastschrift, wurde in den
zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts als „rückläufige Überweisung“ erfun-
den, wo der Zahlungsempfänger die Initiative ergreift und den offenen Betrag vom
Konto des Zahlungspflichtigen, der seiner Bank einen Abbuchungsauftrag erteilt
hat, einzieht. Vor allem Großunternehmen mit regelmäßig anfallenden Zahlungen
vieler Kunden nutzen sie zur Begleichung dieser Rechnungen.
So wurden mit den drei grundlegenden Innovationen Scheck, Überweisung und
Lastschrift – die insbesondere in der Abwicklung laufend weiterentwickelt wur-
den, in der Grundkonzeption jedoch unverändert blieben – weite Teile der Zah-
lungen zwischen Privaten, Unternehmen und öffentlichen Haushalten bargeldlos
abgewickelt. Von den Abwicklungsinnovationen seien hier nur die Belegcodie-
rung, die Beleglesung, das beleglose Scheckinkasso, der Datenträgeraustausch und
24 Ewald Judt

die Datenfernübertragung genannt. Der nächste Innovationsschritt wird die An-


gleichung der Abwicklung im grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr – zumin-
dest in der Eurozone – sein.

2.3 Kartenzahlungsverkehr

2.3.1 Privatkundengeschäft als Innovationstreiber


Der Aufschwung des Kartenzahlungsverkehrs begann mit der Aufnahme des Pri-
vatkundengeschäfts durch die Banken – in den USA früher, in Europa etwas spä-
ter. Dieser hat sich dabei von zwei Ursprüngen entwickelt – von der Kreditkarte
und von der Debitkarte, beides Innovationen, die heute bereits Milliarden von
Menschen nutzen.
Die Entwicklung der Kreditkarte ist dabei girokontounabhängig als „Travel &
Entertainment-Kreditkarte“, deren Rechnung monatlich zu zahlen ist, und als
„Bankkreditkarte“, die mit einer Kreditfazilität ausgestattet ist, vor sich gegangen,
während die die Entwicklung der Debitkarte in einem engen Zusammenhang mit
dem Girokonto zu sehen ist, wo sie eine wesentliche Verfügungsmöglichkeit über
das dort vorhandene Guthaben oder den eingeräumten Überziehungsrahmen dar-
stellt. Damit diese Karten auch eingesetzt werden können, wurden mit den Geld-
ausgabeautomaten und den POS-Terminals Innovationen geschaffen, die heute
über die ganze Welt verbreitet sind und zum Alltagsleben gehören.

2.3.2 Kreditkarten und Debitkarten


Kreditkarten1. Als Geburtsjahr der Kreditkarte gilt das Jahr 1950. Damals kam in
den USA die erste Universalkreditkarte auf den Markt, die bei allen Unternehmen
eingesetzt werden konnte, mit denen der Systembetreiber einen Vertrag geschlos-
sen hatte. Ihre Akzeptanten waren vorwiegend im Bereich von Hotellerie und
Gastronomie, weshalb sie auch als Travel & Entertainment Card bezeichnet wur-
de. Hinter dieser Innovation stand die Idee, dass Vielreisende mit einer derartigen
Karte zur Begleichung ihrer Hotel- und Restaurantrechnungen (aber auch der
Flugtickets und Mietautos und ähnliches) immer liquide sind. Dieser – der Diners
Club-Karte – folgte als weitere Kreditkarte im Travel & Entertainment-Bereich ab
1958 die American Express-Karte.
Ebenfalls 1950 starteten verschiedene US-Banken mit Kreditkarten mit einer
Kreditfazilität. Der Grund für die Einführung dieser Innovation, einer „echten“
Kreditkarte, war die einfache Einräumung eines revolvierenden Kredits für „Ein-
käufe“ aller Art, die bargeldlos mit Karten bezahlt wurden. Die jeweilige monatli-
che Rechnung musste dabei nicht zur Gänze beglichen werden, es genügte meist
eine Teilzahlung von 10 %. Der nicht beglichene Teil wurde kreditmäßig verzinst.
Diese Karten wurden Bankkreditkarten genannt. Ihre Betreiber schlossen sich in
Hinblick auf eine breitere Akzeptanz insbesondere bei Handelsunternehmen (und

1 Mehr zu Kreditkarten bei Judt u. Bödenauer 2000.


Zahlungsverkehrsinnovationen im Wandel der Zeit und ihre Vermarktung 25

später auch bei Dienstleistungsunternehmen) aller Art bald zu Vereinigungen zu-


sammen, aus denen sich die MasterCard- und die Visa-Organisation entwickelten.
Sowohl Travel & Entertainment-Karten als auch Bankkreditkarten wurden auch
bald zum Bargeldbezug an Bankschaltern zugelassen und ihre Einsatzmöglichkei-
ten international – auch das waren aufgrund von Kundenbedürfnissen realisierte
Innovationen. Nach der bis ca. Ende der sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts
abgeschlossenen Einführungsphase kam es seitdem zu einem Kreditkartenboom
auf allen Kontinenten, der durch ein expansives Wachstum von Karten, Akzeptan-
ten, Transaktionsanzahl und Umsatz gekennzeichnet ist. Ende 2004 gab es welt-
weit rund 2,2 Milliarden international einsetzbare Kreditkarten, die 66 Milliarden
Transaktionen mit einem Betragsvolumen von 5.581 Milliarden US-Dollar gene-
rierten.
Beide Formen von Kreditkarten wären mit der ursprünglichen Abwicklungs-
form – einem Beleg, auf den die Kartendaten und die Daten des Akzeptanten mit-
tels eines Handprägegeräts, Imprinter genannt, aufgebracht wurden, der vom Kar-
teninhaber unterschrieben und zur Abrechnung per Post eingereicht wurde – nicht
zu dem Erfolg geworden, zu dem sie dank den erfolgreichen Innovationen „POS-
Terminal“ und „Geldausgabeautomat“ geworden sind.
Debitkarten2. Bedingt durch die zunehmende Anzahl an privaten Lohn-, Gehalts-
und Pensionskonten war es in den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts not-
wendig geworden, eine Lösung zu finden, um einerseits die Bargeldbeschaffung
und andererseits die bargeldlose Zahlung zulasten dieser Konten zu erleichtern. In
Österreich und in Deutschland war dies vorerst ein mit einer Scheckkarte garan-
tierter Scheck, der bald danach auch grenzüberschreitend zur Bargeldbeschaffung
in Banken und zur bargeldlosen Zahlung bei Handels- und Dienstleistungsbetrie-
ben eingesetzt werden konnte. Beide waren aber mehr als lediglich eine neue
Dienstleistung der europäischen Banken im sich gerade entwickelnden Privatkun-
dengeschäft. Sie wurden zu einer der ersten Marken im Bankenbereich. Mit dem
Aufkommen von Geldausgabeautomaten kam für die eurocheque-Karte eine wei-
tere Debitfunktion, die direkte Abbuchung von Geldausgabeautomatenbezügen
mit Karte und PIN vom Girokonto, hinzu. Bald folgte der nächste Schritt, die di-
rekte Abbuchung von bargeldlosen Zahlungen mit Karte und PIN an POS-
Terminals. War alles vorerst national, so wurden seit 1993 die meisten euroche-
que-Karten mit der Maestro-Funktion, die eine globale ATM- und POS-Nutzung
ermöglicht, ausgestattet.
Etwas später – mit dem Aufkommen der ersten Geldausgabeautomaten in den
siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts – wurden in den USA die ersten Debit-
karten als reine ATM Cards ausgegeben, die über das Cheque Account des Kar-
teninhabers abgerechnet wurden. Ursprünglich nur für den Bezug von Banknoten
aus bankeigenen Geldausgabeautomaten zu gedacht, bildeten sich bald ATM
Switches, die es den Karteninhabern der kooperierenden Banken ermöglichten, ih-
re ATM Cards über die Geldausgabeautomaten der kontoführenden Bank hinaus
zu nutzen. Nachdem sich der Bargeldbezug an Geldausgabeautomaten mit Karte

2 Mehr zu Debitkarten bei Judt u. Zimmerl 2003.


26 Ewald Judt

und PIN durchgesetzt hatte, bargeldlose Zahlungen nach dem gleichen Verfahren
an POS-Terminals möglich wurden und die bankbezogenen und lokalen POS-
Systeme an der mangelnden Frequenz scheiterten, übernahmen die regionalen,
bankneutralen und interoperablen ATM Switches auch diese Funktion und schu-
fen damit umfassende EFTPOS Networks. Heute sind Debitkarten praktisch Be-
standteil jedes Girokontos. Die beiden weltweit größten Debitkartensysteme
Maestro und Visa Electron versuchen derzeit am rasch wachsenden Markt an De-
bitkarten zu partizipieren und
x in jenen Ländern, wo es bereits existierende lokale/regionale/nationale Debit-
kartensysteme gibt, diese in ihre Systeme einzubinden, und
x in jenen Ländern, wo Debitkarten (noch) nicht verbreitet sind, durch die Kar-
tenausgabe via Mitgliedsbanken eine Debitkartenbasis zu schaffen.
Dabei zeigt sich, dass mehr und mehr Debitkarten zu global einsetzbaren Debit-
karten werden. Die Anzahl der Debitkarten stieg im Laufe der Jahre auf rund 2,6
Milliarden (Ende 2004), wobei ein Gutteil davon nur räumlich begrenzt einsetzba-
re Debitkarten sind.
Für den Erfolg der Debitkarten gilt ähnliches was für Kreditkarten erwähnt
wurde. Auch die beiden Ursprünge der Debitkarten wären ohne die beiden erfolg-
reichen Infrastrukturinnovationen „POS-Terminal“ und „Geldausgabeautomat“
nicht zu den Erfolgen geworden, die sie geworden sind.

2.3.3 Geldausgabeautomaten und POS-Terminals


Geldausgabeautomaten3. 1965 kam es zu einer Innovation, die unser aller Leben
veränderte – der Geldausgabeautomat wurde erfunden. Der Amerikaner Don Wet-
zel konzipierte eine Maschine, welche die Barauszahlungen durch Einschieben ei-
ner Karte und Eingabe eines Codes automatisierte. Bis der Geldausgabeautomat
zum Erfolg wurde dauerte es allerdings. Denn die erste Geldausgabeautomatenge-
neration wurde von den Banken nur zögerlich eingesetzt. Die Gründe dafür lagen
in der technischen Konzeption der Geräte, der nicht ausreichend vorhandenen Si-
cherheit und der zu geringen Informationskapazität der verwendeten Karte. All
dies lies nur einen begrenzten Einsatz für die Kunden der jeweiligen, den Geld-
ausgabeautomaten betreibenden Bank zu.
Die zweite, verbesserte Geldausgabeautomatengeneration wurde Anfang der
siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts angeboten. Hier wurden bereits genormte
Plastikkarten eingesetzt und Sperrmöglichkeiten waren in eingeschränkter Form
vorhanden. Auch sie wurden – nunmehr schon in größerer Stückzahl – vor allem
von einzelnen Geldinstituten eingesetzt. Bedingt durch die Fortschritte in Hard-
und Softwareentwicklung brachte die dritte Geldausgabeautomatengeneration den
Durchbruch zur breiten Installation, zur bankübergreifenden Kooperation, zur
grenzüberschreitenden Akzeptanz, zur Ausstattung nahezu aller Bankkarten mit
der Geldausgabeautomatenfunktion und damit zu rasant steigenden Transaktions-
zahlen. Diese Entwicklung beruhte auf der Ausstattung der Plastikkarte mit einem

3 Mehr zu Geldausgabeautomaten bei Judt u. Scholz 2000.


Zahlungsverkehrsinnovationen im Wandel der Zeit und ihre Vermarktung 27

Magnetstreifen mit weltweit einheitlichen Standards und Spezifikationen. Nun-


mehr ist bereits die vierte Geldausgabeautomatengeneration auf dem Markt. Sie
basiert einerseits weiterhin auf dem Magnetstreifen und andererseits bereits auf
dem weltweiten EMV-Chip, wodurch Geldausgabeautomaten als weitere Funktion
die Ladung von Elektronischen Geldbörsen übernehmen können.
Für den Erfolg der Geldausgabeautomaten war nicht nur der Bargeldbezug rund
um die Uhr ausschlaggebend, sondern die Tatsache, dass dies durch Kooperation
der Banken weltweit möglich ist. Heute kann der Inhaber einer Karte des Master-
Card-Systems (MasterCard, Maestro, Cirrus) und des Visa-Systems (Visa, Visa-
Electron, VisaPlus) davon ausgehen, dass er nahezu überall, wo er einen Geldaus-
gabeautomaten sieht, ihn auch nutzen kann – egal ob dieser an der Außenfront von
Banken („Through-the-Wall ATMs“), im (meist rund um die Uhr zugänglichen)
Foyer von Banken („Lobby ATMs“), in den Innenräumen der Banken („Indoor
ATMs“), an (meist hochfrequentierten) Standorten außerhalb von Banken („Off-
Premises ATMs“) oder an speziellen Autoschaltern („Drive-through ATMs“) plat-
ziert ist.
Zusammenfassend war der Geldausgabeautomat – noch vor dem PC – das erste
Computerterminal, dem es gelungen ist, weltweit bei breiten Bevölkerungsschich-
ten unentbehrlich zu werden. Dies zeigt sich auch in Zahlen: Im Jahr 2004 wurden
bei den rund eine Million in aller Welt installierten Geldausgabeautomaten Schät-
zungen zufolge rund 32 Milliarden Behebungen über in etwa 4,5 Billionen Euro
getätigt.
POS-Terminals4. Sofort nach dem sich abzuzeichnenden Siegeszug der Geldaus-
gabeautomaten wurden Überlegungen angestellt, den Bargeldbezug durch Private,
deren Barzahlungen und die Bargeldablieferung der Handels- und Dienstleis-
tungsunternehmen durch Terminals am POS zu ersetzen, die den Geldtransfer
vom Konto des Käufers auf das Konto des Betriebes vornehmen. Die gedankli-
chen Grundlagen für POS-Systeme schuf Dale L. Reistad, indem er seine Vision
einer bargeldlosen Gesellschaft publizierte (Reistad 1968 u. 1969). Über die erste,
Anfang der siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts realisierte, Generation an
POS-Zahlungssystemen ist aufgrund der Tatsache, dass es sich lediglich um lokale
Ereignisse – räumliche Beschränkung (nur ein eingegrenztes Gebiet) und kun-
denmäßigen Beschränkung (jeweils nur mit Kommerzkunden und Privatkunden
einer Bank) – handelte, die nicht besonders erfolgreich verlaufen sind, nicht allzu-
viel publiziert und damit auch nur wenig bekannt geworden.
Nachdem die lokalen und bankbezogenen POS-Systeme an der mangelnden
Frequenz scheiterten, bildeten sich regionale, bankenneutrale und damit interope-
rable POS-Systeme der zweiten Generation. Die aus der Debitkartenwelt mit PIN-
Eingabe kommenden POS-Terminals wurden bald um die Kreditkartentransaktion
erweitert und somit zu Universal-POS-Terminals, die in der Lage waren, sowohl
PIN-basierende als auch Unterschrifts-basierende Transaktionen abzuwickeln. Die
Abwicklung einer Kreditkartentransaktion entsprach – mit Ausnahme der Feststel-
lung der Karteninhaberechtheit – der einer Debitkartentransaktion. Die seit Ende

4 Mehr zu POS-Terminals bei Judt u. Gruber 2002.


28 Ewald Judt

des letzten Jahrhunderts auf dem Markt befindlichen POS-Terminals der dritten
Generation basieren einerseits weiterhin auf dem Magnetstreifen und andererseits
bereits auf dem Chip (Hybridterminals). Bei Verwendung des Chips anstelle des
Magnetstreifens sind diese POS-Terminals auch in der Lage eine Prüfung der Kar-
tenechtheit vorzunehmen, was den Einsatz gefälschter Karten dort unmöglich
macht. Derzeit werden sukzessive POS-Terminals auf den weltweiten EMV-
Chipstandard migriert. Diese POS-Terminals sind in der Lage nicht nur Transakti-
onen mit PIN und mit Unterschrift abzuwickeln, sondern auch solche aus einer auf
einem Chip befindlichen Elektronischen Geldbörse.
Mit dem sich durchsetzenden Erfolg der POS-Terminals der dritten Generation
wurde als Mangel die durch die Leitungsanbindung erforderlich Stationärität der
Geräte für manche Branchen (z.B. Restaurants, fahrende Händler, Marktstände)
bemängelt. Aus diesem Grund wurden als Ergänzung der stationären POS-
Terminals mobile POS-Terminals auf GSM-Basis entwickelt, die mehr und mehr
zum Einsatz kommen.
Hinsichtlich der Akzeptanz geht der Trend dahin, dass die aufgestellten Termi-
nals alle üblichen Kartentypen akzeptieren, wobei es unterschiedliche finanzielle
Arrangements gibt. À la longue wird jedes Handels- und Dienstleistungsunter-
nehmen zumindest ein derartiges Universalterminal haben. Bestätigte Zahlen über
die Anzahl der POS-Terminals liegen nicht vor, wie es auch keine Statistik über
die weltweit im Einsatz befindlichen POS-Terminals gibt. Schätzungen gehen je-
doch davon aus, dass es im Jahr 2004 rund 40 Millionen in aller Welt installierte
POS-Terminals gab.

3 Innovationen im Zahlungsverkehr und ihre


Vermarktung

Wenngleich die Innovationen im Zahlungsverkehr ganz wesentlich auch aufgrund


der Kooperationen der Banken von den Kunden angenommen wurden und damit
der Weg zu einer „LessCash Society“ gebahnt werden konnte, hat gerade die Not-
wendigkeit der Kooperation dazu geführt, dass die Produkte weitgehend den glei-
chen Regeln folgen und einer Produktdifferenzierung damit Grenzen gesetzt sind.
Diese ausgeprägte Homogenität der Zahlungsverkehrsprodukte, die mit einer
wahrgenommenen (und tatsächlichen) Austauschbarkeit der Produkte verbunden
ist, stellt eine zentrale Herausforderung für die Profilierung der Produkte der Ban-
ken im Zahlungsverkehr dar. Wie diese gemeistert werden kann, liegt – wenn-
gleich nur in beschränktem Ausmaß – in der Produktpolitik, soweit sie nicht die
durch die Kooperation erreichten Kundenvorteile beeinträchtigt, und im konse-
quenten Einsatz der anderen Marketinginstrumente (Homburg u. Krohmer 2003).
Zahlungsverkehrsinnovationen im Wandel der Zeit und ihre Vermarktung 29

3.1 Produktpolitik

Für den Kunden steht bei einem Zahlungsverkehrsprodukt die Kernleistung mit
den Komponenten „einfach“, „bequem“, „zuverlässig“, „sicher“ und „weltweit“
im Fokus seiner Bewertung. Es ist daher unumgänglich notwendig, die kundensei-
tige Abwicklung einfach und bequem (z.B. rund um die Uhr) zu gestalten, mit ho-
her Zuverlässigkeit alle Transaktionen sicher zu verarbeiten und dies nicht nur im
eigenen Land. Diese Maßnahmen sollten vor anderen produktpolitischen Maßnah-
men Priorität haben.
Da der mit einem Zahlungsverkehrsprodukt der aus der Kernleistung herrüh-
rende Basisnutzen zur Selbstverständlichkeit geworden ist und von einer Bank al-
lein nicht und auch gemeinsam mit anderen Banken nur schwer veränderbar ist,
können Zusatzleistungen eine Profilierungsmöglichkeit bieten. Dann ist der Erfolg
des Zahlungsverkehrsprodukts nicht mehr durch die Kernleistung alleine, sondern
auch durch die Zusatzleistung/en bestimmt.
Derartige Value-Added Services sind produktbegleitende Zusatzleistungen (Se-
kundärleistungen) zu den Kerndienstleistungen, die nicht als eigenständige Dienst-
leistungen vermarktet werden, sondern mit dem Produkt in eine Beziehung ge-
bracht werden, womit der Kunden den Nutzen eines bestehenden Produkts stei-
gern kann. Sie ermöglichen auch einer Bank ihre Produkte von jenen der Kon-
kurrenz abzuheben, sollen den Wert des Zahlungsverkehrsprodukts erhöhen und
zielen insbesondere auf die Loyalität von Kunden ab. Das Leistungsbündel aus
Kern- und Zusatzleistung/en soll Kunden einen höheren Wert vermitteln als Kon-
kurrenzangebote mit gleicher Kernleistung.
Value-Added Services werden in der Regel unentgeltlich, gelegentlich jedoch
zu einem für den Kunden günstigeren Preis – als er bei Anschaffung der Zusatz-
leistung/en allein zahlen müsste – angeboten. Der vom Kunden empfundene Wert
ist dabei der vom individuell wahrgenommenen Zusatznutzen, der die Kernleis-
tung entsprechend aufwerten soll. Da Zusatzleistungen zu einem Upgrade der
Kernleistung führen, ist – so diese so attraktiv sind und es der Markt erlaubt –
auch ein höherer Preis für die Hauptleistung samt Zusatzleistung/en sinnvoll, d.h.
höhere Preise durch mehr Leistung/en.
Der Phantasie bei der Entwicklung von Value-Added Services sind kaum Gren-
zen gesetzt – wenn man von den Kosten absieht. Die Grenze ist immer eine ge-
wisse Affinität zur Kernleistung. Zu weit von der Kernleistung entfernte Zusatz-
leistungen führen in Praxis meist nicht zu größerer Kundenzufriedenheit und mehr
Kundenbindung bei der Kernleistung, da sie nicht mit dieser assoziiert werden.
Bei Value-Added Services mit einem hohen Affinitätsgrad wird der Kunde seine
Zufriedenheit mit der/den Zusatzleistung/en in der Regel auf die Kernleis-
tung übertragen, womit deren gewünschte Profilierung erreicht wird. Demgegen-
über besteht bei Value-Added Services mit geringem Affinitätsgrad die Gefahr,
dass der Bank die Kompetenz zur Erstellung der angebotenen Zusatzleistung/en
abgesprochen wird und deshalb die Zusatzleistung/en von den Kunden entweder
nicht in Anspruch genommen oder im Falle der Inanspruchnahme getrennt von der
Kernleistung wahrgenommen und bewertet werden und es somit es nicht zur Pro-
filierung der Kernleistung kommt.
30 Ewald Judt

Neben den Bestreben mit Value-Added Services bestehende Kunden zu erhal-


ten und neue Kunden zu gewinnen, wird mit zielgruppenspezifischen Value-
Added Services auch eine Profilierung der Zahlungsverkehrsprodukte erzielt.
Durch die Anreicherung ausgewählter Produkte mit Value-Added Services kommt
es einerseits zu einer besseren Differenzierung gegenüber Konkurrenzprodukten –
InterBrand-Differenzierung. Andererseits werden die (mehr oder weniger glei-
chen) Zahlungsverkehrsprodukte einer Bank für unterschiedliche Zielgruppen
voneinander abgegrenzt – IntraBrand-Differenzierung.
Im Kreditkartengeschäft sind Value-Added Services stark ausgeprägt: So gibt
es das Lost & Stolen Card Reporting meist rund um die Uhr an allen Tagen des
Jahres oder Emergency Card Replacement z.B. Neuausstellung einer Kreditkarte
innerhalb von zwei Werktagen praktisch für alle Karten. Spezielle Versicherungen
wie z.B. bei Reiseunfällen und Reisestorni gibt es für gehobenere Karten. Für Pre-
mium-Karten gibt es z.B. Best-in-class Emergency Travel Assistance und Road
Assistance sowie Zutritt zu Airport Lounges.
Ähnliche Trends zeigen sich auch im Debitkartengeschäft. So hat die österrei-
chische Maestro-Karte – nach Kartenanzahl, Transaktionen und Umsatz das füh-
rende Kartenprodukt in Österreich – zusätzlich zur klassischen Anwendung „Zah-
len und Bargeld weltweit“ mehrere Funktionen, womit sie für die Karteninhaber
zu einer Art „Schweizermesser“ wird. Derartige Features sind eine Elektronische
Geldbörse („Quick“)5, die Möglichkeit an Stammkundenprogrammen (ohne spezi-
fische Stammkundenkarte) teilzunehmen, das Laden von Wertkartenhandys an ös-
terreichischen Bankomaten („Code & Load“), ein Kennzeichen für Jugendliche
auf dem Maestro-Kartenchip (das die Entriegelung von Zigarettenautomaten für
Jugendliche verhindert), der MasterCard SecureCode zum sicheren Zahlen im In-
ternet auch für Maestro und eine qualifizierte digitale Signatur6.
Nicht vergessen werden soll anlässlich einer zunehmenden Kartenfülle ein we-
sentliches Element der Produktpolitik, das am Ende des Produktzyklusses steht,
nämlich die Produktelimination. Produktüberprüfungen sollten regelmäßig deren
Bedeutung für die Bank ermitteln und ebenso regelmäßig in negativen Fällen zur
Bereinigung und Straffung der Produktpalette führen. Maßstäbe sind dabei einer-
seits Umsatzvolumen, Marktanteil und Deckungsbeitrag, aber auch Kundenbedarf,
Kundenakzeptanz und Cross Selling-Effekte.

3.2 Preispolitik

Ein Produkt wird nur dann am Markt erfolgreich sein, wenn aus Sicht des Kunden
sein Nutzen zumindest so groß ist, wie der Preis er dafür zu zahlen hat. Umgekehrt
wird eine ertragsorientierte Bank nur dann ein Produkt anbieten, wenn die Kosten
gedeckt werden.

5 Für eine detaillierte Beschreibung der Elektronischen Geldbörse Quick siehe das Praxis-
beispiel „Quick – eine Erfolgsstory“ (Judt u. Komatz 2005) in diesem Buch.
6 Die digitale Signatur und ihre Anwendung im Finanzdienstleistungsbereich werden im
Beitrag von Pernkopf in diesem Buch im Detail betrachtet.
Zahlungsverkehrsinnovationen im Wandel der Zeit und ihre Vermarktung 31

Aufgrund der Wettbewerbssituation ist eine kostenorientierte Preispolitik oft


nicht möglich, weshalb sich die Preisgestaltung nach dem Markt – den Kunden,
aber auch nach der Konkurrenz – richten muss. Dazu kommt, dass der Zahlungs-
verkehr oft nur als Zubringerfunktion für andere Geschäftssparten betrachtet wird,
weshalb ertragsmäßige Unterdeckungen akzeptiert werden. Beides verhindert al-
lerdings die Beachtung des Verursacherprinzips, weshalb oft Quersubventionie-
rungen durch andere Produkte vorkommen.
Aufgrund dieser Gegebenheiten gibt es im Zahlungsverkehr eine Fülle von
Preisstrategien. Sie reichen beim Girokonto und den über dieses Konto laufenden
Transaktionen von der Gratisführung von Girokonten über einem fixen (z.B. mo-
natlich zu zahlenden) All Inclusive-Preis für ein Girokonto bis zu Preisen je über
das Girokonto durchgeführter Transaktion. Im Kartenzahlungsverkehr richten sich
die Preise weitgehend nach den Produkten: je höherwertiger das Produkt ist, desto
höher der Preis, der dafür vom Kunden zu zahlen ist. Damit kann sowohl das Dis-
count-Massensegment mit niedrigen Preisen als auch das Qualitäts-Premiumseg-
ment mit höheren Preisen bedient werden.
Eine Preisdifferenzierung innerhalb der Kundensegmente kann dabei nach
mengenmäßigen Kriterien (z.B. transaktions- oder umsatzorientierter Kartenpreis)
oder nach personellen Kriterien (z.B. spezielle Kartenpreise für Studenten) erfol-
gen (Kühlmann et al. 2002). Darüber hinaus können für Zusatzleistungen wie z.B.
beim Bargeldservice oder beim Karteneinsatz in fremder Währung Zusatzentgelte
verrechnet werden. Diese sind meist ein fixer und/oder prozentueller Betrag.

3.3 Kommunikationspolitik

Bei Zahlungsverkehrsinnovationen ist es erforderlich, die Zielgruppe von der E-


xistenz dieses neuen Produktes, seiner Produkteigenschaften und vor allem des
Grundes, warum es für die Zielgruppe in Frage kommt, a) zu informieren und b)
für eine Anschaffung geneigt zu machen. Der Medienwerbung kommt daher be-
sondere Bedeutung zu. Ohne entsprechende Investitionen wird sich ein neues –
obgleich kundenorientiert gestaltetes – Zahlungsverkehrsprodukt nur zähe zu ei-
nem Markterfolg entwickeln.
Wenngleich Zahlungsverkehrsprodukte in der Regel durch ihre Immaterialität
gekennzeichnet sind, ist gerade bei Zahlungsverkehrsinnovationen deren Materia-
lisierung durch die entsprechenden Tools – wie z.B. Karten – leicht möglich. Da-
her kommt deren Bezeichnung und deren Gestaltung besondere Bedeutung zu.
Hierbei gilt es, das Produkt zu einer Marke, einem Brand, werden zu lassen. Bei
Karten kommt noch das Design hinzu, das tunlichst zielgruppenspezifisch gestal-
tet werden soll.
Für den raschen Absatzerfolg von Innovationen können massive kommunikati-
ve Investitionen in den Markt beitragen, was in der Regel bedeutet, dass der
Break-Even dadurch weit hinausgeschoben werden kann. Umgekehrt wird bei ei-
ner Zurückhaltung an kommunikativen Investitionen in den Markt der Break-Even
einer Innovation sich früher, der Absatzerfolg am Markt allerdings sich nur suk-
zessive einstellen. Ein Sonderfall sind Innovationen, die sich selbst ohne kommu-
32 Ewald Judt

nikative Investitionen in den Markt katapultieren – das sind offenbar Produkte, auf
die Markt gewartet hat und die sich insbesondere durch Mundpropaganda prak-
tisch von selbst verkaufen. Sie kommen allerdings nur sehr selten vor.
Neue Produkte sind heute ohne Medienwerbung nur schwer auf dem Markt zu
platzieren. Denn Innovationen werden vom Kunden üblicherweise nur dann als
Innovationen wahrgenommen, wenn die Produkte als Neuheit erlebt werden, was
nur Kommunikation – welcher Art auch immer – bewirken kann. Neben der beab-
sichtigten Bekanntmachung der Innovation für die Zielgruppe ist auch die ver-
stärkte Sichtbarkeit des neuen Produkts im persönlichen Verkauf motivierend für
diejenigen, die es verkaufen sollen.

3.4 Vertriebspolitik

Der Vertrieb der meisten Zahlungsverkehrsprodukte erfolgt heute über die Retail-
banken. Dieser Vertriebsweg hat zu einer nahezu vollständigen Abdeckung der
Bevölkerung mit Girokonten und Debitkarten geführt. Bei Kreditkarten ist man
auf dem Weg dorthin. Aufgrund des heute von den meisten Retailbanken einge-
schlagenen Weges des Multi Channel Bankings können sie heute ihre Produkte
über verschiedene Vertriebswege anbieten. Diese sind im Wesentlichen der statio-
näre Vertrieb (wie klassische Filialen oder Bank Shops), der mobile Vertrieb (wie
Außendienst oder mobile Zweigstellen) und der direkte Vertrieb (wie Telefon-
und Online-Banking oder Direct Marketing).
Diese Vertriebspolitik ermöglicht es, Zahlungsverkehrsprodukte allen für diese
Produkte in Frage kommenden Personen anzubieten. Die größte Bedeutung hat bei
Zahlungsverkehrsinnovationen immer noch der persönliche Verkauf einer neuen
Bankdienstleistung in einer Bankstelle. Dies deshalb weil bei Zahlungsverkehrs-
innovationen eine Eigeninitiative der Kunden kaum vorhanden ist. Wird der per-
sönliche Verkauf geplant, organisiert und kontrolliert, ist er allen anderen Ver-
triebsformen überlegen, wobei die Beratungs- und Verkaufsqualität der Bankmit-
arbeiter das Kaufverhalten der potentiellen Kunden in besonderem Maße beein-
flussen können. Dieser Vertriebsweg bedarf allerdings der Ergänzung durch inten-
sive – mitarbeiter- und kundenorientierte – Verkaufsförderungsaktivitäten und der
Unterstützung durch Direktmarketingmaßnahmen.
Selbstverständlich soll der Absatz nicht nur über den stationären/mobilen Ver-
trieb durch Bankmitarbeiter erfolgen, sondern es sollten sämtliche Möglichkeiten
eines Multi-Channel-Vertriebs eingesetzt werden. Bei diesen Vertriebswegen kann
man aber a) aufgrund der fehlenden Möglichkeit einer aktiven Kundenansprache
und b) wegen der Erklärungsbedürftigkeit der meisten Zahlungsverkehrsinnovati-
onen nicht mit ähnlich hohen Abschlussquoten wie beim persönlichen Verkauf
rechnen. Vergleichsweise kann daher bei reinem Direktmarketing das bei jeder
Zahlungsverkehrsinnovation vorhandene Absatzpotential nicht oder nicht so er-
folgreich und nur mit erheblichen Mehrkosten (z.B. durch massiven Werbeunter-
stützung) erschlossen werden. Daher setzen nur den Retailbanken fern stehende
Kartenorganisationen auf diese Vertriebsform, die in der Regel aus einem der
Zielgruppe direkt übermittelten Angebot besteht.
Zahlungsverkehrsinnovationen im Wandel der Zeit und ihre Vermarktung 33

Im Vergleich zu den USA relativ selten ist der Vertrieb von Zahlungsprodukten
und damit auch von Zahlungsverkehrsinnovationen über betriebsfremde Absatz-
mittler wie Kaufhauskonzerne, Autofahrervereinigungen, Gewerkschaften, Reise-
veranstalter, etc., wenngleich es z.B. im Kartengeschäft mehr und mehr Gemein-
schaftsprodukte in Form von Affinity- und Co-Branding-Karten gibt (Hüttermann
1992). Auch in Europa gibt es schon zahlreiche Beispiele hiefür. Es ist nicht aus-
zuschließen, dass diese Beispiele Schule machen werden.

4 Fazit

x Innovationen sind die Grundlage des Fortschritts. Sie basieren einerseits auf-
grund nicht oder nicht optimal erfüllte Kundenbedürfnisse und dem daraus re-
sultierenden Druck der Kunden („Demand Pull“). Zum anderen ergeben sich
Innovationen durch Verbesserungen bei der Produkterstellung („Technology
Push“), was nicht nur zu besseren Produkten, sondern für das Unternehmen
auch Kostenvorteile, schnellere Transaktionsabläufe und höhere Sicherheit bei
der Produkterstellung/-nutzung bedeuten kann.
x Im Falle von originären Innovationen betreibt das Unternehmen selbst aktiv die
Innovation bis zur Umsetzung. Bei adaptiven Innovationen führt das Unter-
nehmen schlicht und einfach die originären Innovationen anderer Unternehmen
als mehr oder weniger merkbare Imitationen ein.
x Bei Banken stehen Produkt- und Prozessinnovationen meist im Mittelpunkt der
Innovationspolitik.
x Der Zahlungsverkehr ist seit jeher von Innovationen geprägt, wobei der klassi-
sche bargeldlose Zahlungsverkehr, mit Scheck, Überweisung und Lastschrift,
mit rund 100 Jahren noch verhältnismäßig jung ist. Erst seit etwa 50 Jahren gibt
es den Kartenzahlungsverkehr, der sich jedoch mit genormten Debit- und Kre-
ditkarten, Magnetstreifen und Chip sowie Geldausgabeautomaten und POS-
Terminals als besonders innovationsfreudig herausgestellt hat.
x Die Vermarktung von Zahlungsverkehrsinnovationen stellt aufgrund der ausge-
prägten Homogenität von Zahlungsverkehrsprodukten eine besondere Heraus-
forderung für die Profilierung dar.
x Produktpolitik: Kerneigenschaften wie „einfach“, „bequem“, „zuverlässig“,
„sicher“ und „weltweit“ von Zahlungsverkehrsprodukten werden als selbstver-
ständlich betrachtet. Profilierungsmöglichkeit bieten Zusatzleistungen. Es ist
jedoch darauf zu achten, dass zu weit von der Kernleistung entfernte Zusatz-
leistungen in Praxis meist nicht zu größerer Kundenzufriedenheit und mehr
Kundenbindung bei der Kernleistung führen.
x Preispolitik: Aufgrund der Wettbewerbssituation und der Tatsache, dass Zah-
lungsverkehr oft nur als Zubringerfunktion für andere Geschäftssparten be-
trachtet wird, ist eine kostenorientierte Preispolitik oft nicht möglich, weshalb
sich die Preisgestaltung nach dem Markt – den Kunden, aber auch nach der
Konkurrenz – richten muss.
34 Ewald Judt

x Kommunikationspolitik: Zahlungsverkehrsprodukte sind in der Regel durch


Immaterialität gekennzeichnet, können jedoch vielfach durch die entsprechen-
den Tools – wie z.B. Karten – materialisiert werden. Eine Positionierung von
neuen Zahlungsverkehrsprodukten ist heute ohne Medienwerbung nur schwer
möglich.
x Vertriebspolitik: Die meisten Zahlungsverkehrsprodukte werden heute von Re-
tailbanken im Multi-Channel-Vertrieb abgesetzt, wobei dem persönlichen Ver-
kauf die größte Bedeutung zukommt. Alternative Vertriebskanäle über betriebs-
fremde Absatzmittler – wie dies in den USA beispielsweise weit verbreitet ist –
sind in Europa – noch – vergleichsweise selten.

Literatur

Homburg C, Krohmer H (2003) Marketingmanagement. Strategie, Instrumente, Umset-


zung, Unternehmensführung, Gabler, Wiesbaden
Hüttermann M (1992) Chancen und Risiken des Co-Branding, 2. Aufl, Hoppenstedt &
Wolff, Hamburg
Judt E, Bödenauer W (2000) 50 Jahre Kreditkarte – 20 Jahre MasterCard in Österreich. In:
Bank-Archiv 10/2000, S 829–837
Judt E, Gruber, E (2002) 30 Jahre POS-Terminals – 15 Jahre Bankomat-Kassen in Öster-
reich. In: Bank-Archiv 4/2002, S 299–306
Judt E, Scholz A (2000) 35 Jahre Geldausgabeautomat – 20 Jahre Bankomat in Österreich.
In: Bank-Archiv 10/2000, S 839–846
Judt E, Zimmerl P (2003) 35 Jahre Debitkarten – 5 Jahre Maestro-Karten in Österreich. In:
Bank-Archiv 9/2003, S 665–671
Kohlmann P (1995) Kartengestützte Zahlungssysteme als bankbetriebliches Innovations-
feld. Deutscher Sparkassen Verlag, Stuttgart
Kühlmann K, Käßer-Pawelka G, Wengert H, Kurtenbach WW (2002) Marketing für Fi-
nanzdienstleistungen. Fritz Knapp GmbH, Frankfurt/Main
Lancaster G, Massingham L (1999) Essentials of Marketing, 3rd edn, Prentice Hall, Maid-
enhead
Reistad DL (1968) Die beleglose Gesellschaft. In: Zeitschrift für das gesamte Kreditwesen,
Beilagenheft zu Nr. 21 vom 1.11.1968, Ausgabe Technik, S 4–6
Reistad DL (1969) Ein Einkaufsbummel in der Zukunft. In: Zeitschrift für das gesamte
Kreditwesen, Beilagenheft zu Nr. 8 vom 15.4.1969, Ausgabe Technik, S 3–5
Süchting J (1982) Kreativität und Innovation – Grundvoraussetzungen zur Bewältigung zu-
künftiger Probleme in der Kreditwirtschaft? In: Sparkasse 9/1982, S. 372–378
Zahlungsverhalten am Point of Sale in
Deutschland – aktuelle Entwicklungen

Hugo Godschalk

PaySys Consultancy GmbH, Frankfurt

1 Status Quo

Die Kartenzahlung ist weiterhin auf dem Vormarsch in Deutschland. Der mit un-
terschiedlichen Zahlungskarten im Jahr 2004 am Point of Sale (POS) in Deutsch-
land getätigte Umsatz betrug 156,3 Mrd. Euro und verzeichnete gegenüber dem
Vorjahr ein Wachstum von 6,3 %. Dieser Umsatz wurde von in- und ausländi-
schen Karteninhabern initiiert, die insgesamt fast 2,5 Mrd. Transaktionen tätigten.
Dabei kamen 123,5 Mio. inländische Karten zum Einsatz.

Handels- und
Tankkarten; 7% ELV; 35%

Debitkarten
Kredit- insgesamt; 73%
karten;
POZ; 8%
20%

ec cash &
Maestro; 30%

GeldKarte; 0,1%

Abb. 1. Kartenumsatz am Point of Sale in Deutschland 2004 (in- und ausländische Karten-
inhaber): 156,3 Mrd. Euro

Die meisten Umsätze werden mit den von Kreditinstituten ausgegebenen Debit-
karten (so genannte ec-Karten oder Maestro-Karten) getätigt (73 %), gefolgt von
den klassischen Kreditkarten1 Visa, MasterCard, American Express und Diners

1 Der Begriff „Kreditkarte“ umfasst hier so genannte Charge Cards (monatliche Abrech-
nung), Karten mit Revolving Credit sowie Debitkarten, die mit einem internationalen
Brand (wie z. B. Visa) herausgegeben werden.
36 Hugo Godschalk

Club (20 %) und den Tank- und Handelskundenkarten2 (7 %). Die GeldKarte
spielt nach wie vor eine unbedeutende Rolle. Das umsatzstärkste Zahlungssystem
ist ELV, das vom Handel angebotene elektronische Lastschriftverfahren mittels
Debitkarte (auf Unterschriftsbasis ohne Zahlungsgarantie für den Händler). In et-
wa 35% des gesamten Kartenumsatzes erfolgt über ELV. Addiert man allerdings
die Umsätze der drei vom Kreditgewerbe angebotenen Zahlungsverfahren ec cash
(PIN), Maestro (PIN) und POZ3 (Unterschrift), dann haben die bankgestützten
Debitverfahren ELV erstmals überholt.
Gegenüber 2003 gibt es 2004 innerhalb der einzelnen Kartenarten jedoch einige
bemerkenswerte Strukturverschiebungen, wie folgende Tabelle zeigt:

Tabelle 1. Wachstumsraten 2004 pro Kartenart


Kartenart Veränderung gegen-
über 2003
ec cash + 19,6%
Kreditkarte + 11,2%
GeldKarte + 7,7%
ELV + 0,1%
Kundenkarten - 2,3%
POZ - 10,9%
Insgesamt + 6,3%

Die hohe Wachstumsrate des ec cash-Umsatzes (plus 19,6 %) ist insbesondere auf
die Einführung der bargeldlosen Zahlung mittels Debitkarte in den Discount-
Ketten Lidl, Aldi, Schlecker u.a. zurückzuführen. Eine Differenzierung des ec
cash-Umsatzes nach Handel und Tankstellen zeigt, dass der Anstieg insbesondere
im Handelsbereich generiert wurde (plus 25,3 %). Eine weitere Ursache ist ver-
mutlich auch eine Verlagerung der Umsätze im POZ-Bereich (minus 10,9%) zu ec
cash, bedingt durch die Ankündigung des Kreditgewerbes, das wenig geliebte
POZ-Verfahren Ende 2006 einzustellen.
Im Kreditkartenbereich zeichnet sich noch keine Sättigung ab. Für die befürch-
tete Kannibalisierung der Kreditkartenumsätze durch die Debitkarte gibt es wenig
Anzeichen, obwohl der durchschnittliche Umsatzbetrag einer Debitkartentransak-
tion noch relativ hoch ist (ca. 62 € Euro4). Wichtige Faktoren für die weitere
Verbreitung der Kreditkarten in Deutschland sind die Marktliberalisierung auf der
Kartenakzeptanzseite („Acquiring“) und der intensive Wettbewerb zwischen den
Zahlungssystemen MasterCard und Visa in den vergangenen Jahren. Beide Kar-
tensysteme zusammen verfügen derzeit über einen Marktanteil von fast 87 %
(20045). In den letzten Jahren hat Visa seinen Marktanteil zu Lasten von Master-

2 Inklusive Kundenkarten mit Zahlungsfunktion, die z.B. von Hotels, Autovermieter u.a.
herausgegeben werden.
3 POZ steht für „Point of Sale ohne Zahlungsgarantie“.
4 Der durchschnittliche Umsatzbetrag einer in Deutschland getätigten Kreditkartentrans-
aktion beträgt ca. 85 Euro (2004).
5 Gemessen am Umsatz aller Kreditkarten in Deutschland.
Zahlungsverhalten am Point of Sale in Deutschland – aktuelle Entwicklungen 37

Card auf 49 % ausbauen können und ist derzeit – gemessen am in Deutschland ge-
tätigten POS-Umsatz – Marktführer. Dabei zeigte sich insbesondere die von der
Bayerischen Landesbank ausgegebene Lufthansa Visa Karte als Wachstumsmotor.
Im Gegensatz zum Bereich der Debitkarten spielen die Umsätze ausländischer
Kreditkarten eine wichtige Rolle. Der Umsatzanteil beträgt ca. 25 % des Kredit-
kartenumsatzes in Deutschland und verzeichnet überdurchschnittliche Wachs-
tumsraten. Auf der Debitkartenseite ist dagegen dieser Anteil noch sehr gering (ca.
0,2 %), obwohl in Europa die Debitkarte stark verbreitet ist. Das gleiche Bild zei-
gen die Umsätze deutscher Karteninhaber im In- und Ausland. Der Auslandsanteil
am Umsatz beträgt bei der Kreditkarte ca. 30 %, bei der Debitkarte dagegen nur
ca. 1,7 %. Während die Debitkarte die bevorzugte Zahlungskarte im Inland ist,
übernimmt die Kreditkarte diese dominierende Rolle bei den grenzüberschreiten-
den Zahlungen6.
Etwa die Hälfte des Kreditkartenumsatzes in Deutschland wird im so genannten
Travel & Entertainment (T&E)-Bereich getätigt: Hotels, Restaurants, Tankstellen,
Bahn und Fluggesellschaften, Autovermietung, usw. Auch hier dominiert die Kre-
ditkarte. Im Einzelhandelsbereich dagegen spielt die Kreditkarte im Vergleich zur
Debitkarte eine untergeordnete Rolle. Der Kreditkartenanteil am Einzelhandels-
umsatz beträgt ca. 4,4 % (2004), wächst aber gegenüber 2003 (3,9%)7. Der Anteil
der Debitkarte beträgt dagegen – laut EHI8 – ca. 25,5 % (2004).
Jede fünfte Kartenzahlung findet an Tankstellen statt. Neben ec cash und Kre-
ditkarten spielen die so genannten Tank-, Diesel- und Flottenkarten (wie z.B.
UTA, DKV, Aral Card, usw.) eine bedeutende Rolle. Das Verhältnis zwischen den
ec cash, Kreditkarten und diesen Kundenkarten beträgt – gemessen am Umsatz –
ca. 60:20:20. Der Tankumsatz mit Karten hat 2004 um 6 % zugenommen. Stei-
gende Benzinpreise haben dazu sicherlich beigetragen.
Der Umsatz der Handelskundenkarten mit Zahlungsfunktion9 (wie z.B. Doug-
las, Ikea, Quelle, A.T.U und Breuninger) stagniert vermutlich. Über den getätigten
Umsatz gibt es wenig gesicherte Zahlen. Nach einer stetigen Wachstumsphase
zwischen 1992 und 2002 stagniert die Anzahl der herausgegebenen Karten insge-
samt auf ca. 8,5 Mio. (2004). In den vergangenen Jahren gab es nur wenige neue
Kartenprogramme auf dem Markt. Bei einigen Kartenportfolios wurde die proprie-
täre Zahlungsfunktion durch ein Co-Branding mit Visa oder MasterCard ersetzt
(wie z.B. bei der Karstadt Kundenkarte). Im Vordergrund der Handelskundenkar-

6 Bei der GeldKarte und den Kundenkarten spielt der grenzüberschreitende Umsatz keine
Rolle, da diese Karten in der Regel nur im Inland eingesetzt werden können.
7 Laut EHI (Rüter 2005) beträgt der Umsatzanteil der Kreditkarten am deutschen Einzel-
handelsumsatz 5% (2003 und 2004). Eine Hochrechnung des T&E-Umsatzes ergibt al-
lerdings einen geringeren Umsatzanteil.
8 EHI: EuroHandelsinstitut (Köln).
9 Handelskundenkarten, die von Händlern an Endkunden herausgegeben werden, bei denen
der jeweilige Händler auch die Zahlungsfunktion bereitstellt. Nicht enthalten sind dem-
nach: Co-Branding-Karten mit Kreditkartenfunktion (Visa, MasterCard, usw.), Bonus-
karten mit GeldKarte-Zahlungsfunktion, Zahlungskarten im B2B-Bereich, händlerüber-
greifende CityCards mit Zahlungsfunktion, usw.
38 Hugo Godschalk

ten stehen die Kundenbindungsfunktion und die dafür erforderliche Datengewin-


nung. Bei Bonus-Programmen ist die Zahlungsfunktion nicht länger notwendig, da
die Karte zur Erlangung der Bonuspunkte auch ohne Zahlungsfunktion vorgelegt
wird.
Der Umsatz mit der GeldKarte10 (vorausbezahlte Elektronische Geldbörse)
steigt zwar (+ 7,7 %), bleibt jedoch noch weit hinter den Erwartungen zurück. Die
Umsatzbeträge pro Bezahltransaktion sind in den letzten Jahren kontinuierlich von
ca. 14 Euro (1996) auf ca. 2 Euro (2004) zurückgegangen. Aufgrund dieses nied-
rigen Umsatzbetrages fallen die GeldKarte-Umsätze bei dem Gesamtkartenumsatz
am POS kaum ins Gewicht (0,05%). Auf Transaktionsbasis beträgt der Anteil
1,5% (2004). Der Einsatz der Karte findet vorwiegend außerhalb des Einzelhan-
dels an Automaten (öffentlicher Nahverkehr, Zigarettenautomaten, Parkhäuser
usw.) statt.
Das Beispiel der GeldKarte zeigt, dass es bei den Umsatzbeträgen pro Karten-
art eine erhebliche Spannbreite gibt. Der Durchschnittsbon einer Kartenzahlung
beträgt fast 63 Euro, variiert aber je Kartentyp von 2,16 Euro (GeldKarte) bis
141,58 Euro (POZ).

2 Deutschland auf dem Weg zur bargeldlosen


Gesellschaft?

Die oben genannten Zahlen zeigen „nur“ den Business-to-Consumer-Bereich11


(B2C-Bereich) der Zahlungsverkehrslandschaft und in diesem Segment nur die
kartengesteuerten Zahlungsströme am physischen und virtuellen POS.
Am virtuellen Point of Sale (E-Commerce und Mailorder) konkurrieren die
(Kredit-)Karten12 mit anderen Zahlungssystemen (Überweisung, Lastschrift und
Internet-Zahlungssystemen, wie PayPal)13 am physischen POS vorwiegend mit
Bargeld14. Ob und in welchem Umfang andere Zahlungsmedien durch Kartenzah-
lungen substituiert werden, ist mangels Daten über den Gesamtumfang der Be-
reichs „B2C“ und mangels zuverlässiger Daten über die in diesem Segment kon-
kurrierenden Zahlungsmedien kaum möglich. Außerdem sind die unterschied-
lichen Inflationsraten in verschiedenen Marktsegmenten (wie z. B. Mineralöl) zu
berücksichtigen, die in den Kartenumsatzstatistiken voll zu Buche schlagen. So

10 Für eine detaillierte Beschreibung der GeldKarte siehe den Beitrag von Volker Koppe
später in diesem Buch.
11 In den Kreditkartenstatistiken sind auch so genannten Commercial Cards enthalten. Diese

Umsätze könnten auch dem B2B-Bereich zugeordnet werden.


12 Debit-, Geld- und Kundenkarten spielen am virtuellen POS bisher kaum eine Rolle (Krü-

ger u. Leibold 2004, Van Baal et al. 2005).


13 Siehe dazu auch den Beitrag von Lammer u. Stroborn im Rahmen dieses Buches.
14 In beschränktem Umfang – nämlich 3 % im Jahr 2004 – wird noch im Einzelhandel per

Rechnung bezahlt (Rüter 2005).


Zahlungsverhalten am Point of Sale in Deutschland – aktuelle Entwicklungen 39

könnte sich z. B. die Steigung des Kartenumsatzes im Tankstellenbereich (6% in


2004) preisbereinigt als eine rückgängige Kartennutzung entpuppen.
Ein Indikator für die wachsende Bedeutung der Kartenzahlungen wäre der An-
teil der Kartenzahlungen an den Gesamtkonsumausgaben der privaten Haushalte
in Deutschland (ohne wohnungsbezogene Ausgaben für Mieten, Strom, Wasser,
usw.)15. Dieser Anteil beträgt 16,5 % im Jahr 2004 (Vorjahr 15,8 %). Ein weiterer
Indikator wären die Umfrage-Daten des EHI aus dem Einzelhandelsbereich. Hier
sehen wir einen wachsenden Anteil der Kartenzahlungen zu Lasten des Bargeldes.
Der Anteil der Kartenzahlungen am Gesamtumsatz des Einzelhandels betrug 1994
noch 6,2%, 10 Jahre später schon 31,6%. Der Bargeldanteil verringerte sich in
dieser Periode von 78,7% (1994) auf 64,9% im Jahr 2004 (Rüter 2005)16.
Außer diesen EHI-Umfragedaten gibt es für Deutschland keine zuverlässigen
aggregierten Daten über die Nutzung des Bargeldes als Zahlungsinstrument und
deren Veränderungen. Obwohl das Medium Bargeld im B2C- und C2C-Bereich -
gemessen an der Anzahl der Transaktionen – vermutlich nach wie vor eine markt-
beherrschende Stellung hat, ist das Datenmaterial sehr dürftig. Diese Lage hat sich
durch die Einführung des Euro-Bargeldes noch verschlimmert, weil dadurch eine
länderbezogene Bargeldumlauf-Statistik erschwert wurde17. Auch die Statistiken
über die Bargeldabhebung (Umsatz und Transaktionen) an Bargeldautomaten sind
– ohne Kenntnis der Gesamtanzahl der Barabhebungen – als Indikator ungeeignet,
denn diese Transaktionen können auch Bargeldabhebungen am Schalter substitu-
ieren18.
Wie folgende Tabelle zeigt, gibt es über die Anzahl der Bargeld-Transaktionen
in Deutschland (B2C und C2C19) unterschiedliche Schätzungen:

15 Die Konsumausgaben der privaten Haushalte im Inland betragen 2004 in jeweiligen Prei-
sen 948,19 Mrd. Euro (exklusive Ausgaben für Wohnung, Wasser, Strom, Gas und ande-
re Brennstoffe). Vgl. Daten des Statistischen Bundesamtes Deutschland auf der Homepa-
ge www.destatis.de (Stand 23.8.05).
16 In dieser Periode haben die Kartenzahlungen nicht nur Bargeld sondern auch Papier-

Schecks ersetzt.
17 Für Deutschland war auch in dem DM-Zeitalter die Bargeldumlauf-Statistik als Indikator

für die inländische Nutzung dieses Mediums problematisch, da bekanntlich viel DM-
Bargeld im Ausland umlief.
18 Die Anzahl der Barabhebungen an Geldautomaten ist in den letzten 10 Jahren kontinuier-

lich gestiegen und betrug im Jahr 2003 ca. 2,1 Mrd. Die von der Europäischen Zentral-
bank für 2003 veröffentliche Anzahl in Höhe von 3,3 Mrd. weicht erheblich ab und ist
daher mit Vorsicht zu betrachten. Es gibt keinen Grund für den von der EZB ausgewie-
senen Zuwachs in 2003 gegenüber 2002 in Höhe von fast 100% (ECB 2005).
19 Consumer-to-Consumer.
40 Hugo Godschalk

Tabelle 2. Schätzungen zur Anzahl der Bargeldtransaktionen in Deutschland


Quelle Periode Anzahl der Bargeld-
Transaktionen
pro Kopf p.a.
Bundesbank* 1978 570
Bundesbank** 1986 650
McKinsey*** 2002 (?) 575
*
Input der Bundesbank zu den Zahlungsverkehrsstatistiken der BIZ („Red Book“).
** Es ist bemerkenswert, dass die Bundesbank für 1986 – im Vergleich zu 1978 – eine hö-

here Anzahl Bargeld-Transaktionen pro Kopf schätzt.


*** (De Ploey et al. 2005)

Auf Basis von Haushaltsbefragungen, in denen Haushalte über eine längere Perio-
de sämtliche Bargeldtransaktionen20 notieren, gibt es für die Niederlande und
Großbritannien Werte in Höhe von 495 (2002)21 bzw. 450 (2002)22. Ein Selbstver-
such des Autors über 163 Tage in 2005 ergab eine Hochrechnung von ca. 480
Bargeldtransaktionen p.a. im Inland, davon ca. 90 % in einem Umkreis von 50 Ki-
lometer des Wohnorts. Nur ca. 50 % der Transaktionen wurden in B2C-Bereich
getätigt (Einzelhandel23, Gewerbe, Automaten), die restlichen 50 % im C2C-
Bereich oder nicht-gewerblichen Bereich (öffentliche und karitative Institutionen,
Bazars usw.) Obwohl diese Zahlen mit Sicherheit nicht repräsentativ sind24, liegt
die Vermutung nahe, dass der C2C-Bereich und die örtliche Nähe des Wohnorts
bei Bargeldtransaktionen eine wichtige Rolle spielen.
Über das zukünftige Gewicht der Karten- und der Bargeldzahlungen kann man
spekulieren. Oft wurde die bargeldlose Gesellschaft schon angekündigt, aber bis-
lang hat das Bargeld seine – bereits über 2.500 Jahre alte – Marktführerschaft
(gemessen an der Anzahl der Transaktionen) im Zahlungsverkehr der privaten
Konsumenten am physischen POS nicht verloren. Derzeit gibt es auch – unter den
heutigen Marktbedingungen und den ordnungspolitischen Rahmenbedingungen –
keine ernstzunehmenden Bedrohungen trotz Kriegsandrohungen einiger Kartenor-
ganisationen („War on Cash“). Das heißt aber nicht, dass das Substitutionspoten-
zial bereits ausgereizt ist. In wichtigen Bargelddomänen, wie Kleingeldzahlungen
am bemannten POS und im C2C-Bereich ist eine wirtschaftliche und verbraucher-
freundliche Alternative für Bargeld auf dem deutschen Markt noch nicht in Sicht.
Die GeldKarte und auch ähnliche vorausbezahlte E-Geld-Produkte in anderen

20 Bei den Angaben über die Anzahl der Bargeldtransaktionen wird in der Regel nicht diffe-
renziert zwischen Transaktionen im In- und Ausland. Oft werden die Zahlen pro Kopf
nicht korrekterweise zu Gesamtzahl der Bartransaktionen im Inland extrapoliert.
21 Datenquelle: National Forum on the Payments System (2004)
22 Datenquelle: APACS (2003)
23 Der Anteil im Einzelhandel betrug nur ca. 25 %.
24 Der Autor lebt in einer Familie mit zwei minderjährigen Kindern und ist meist nicht ein-

bezogen in die täglichen Haushaltseinkäufe. Außerdem hat er die Kartenzahlung soweit


wie möglich genutzt und nur auf Bargeld zurückgegriffen, wenn Karten nicht akzeptiert
wurden oder wesentlich unbequemer in der Handhabung waren.
Zahlungsverhalten am Point of Sale in Deutschland – aktuelle Entwicklungen 41

Ländern haben die Erwartungen bezüglich ihres Bargeldeinsparungspotenzials bis


dato nicht erfüllt25 und werden unter den heutigen Marktbedingungen26 und in ih-
rer heutigen Produktgestaltung wahrscheinlich weiterhin eine Nischen-Rolle im
Bereich der nicht-bemannten POS spielen. Es bleibt noch abzuwarten, ob interes-
sante Innovationen im Bereich der kontaktlosen Postpaid-Kartenprodukte (wie
z.B. PayPass) die Verhältnisse nachhaltig am deutschen POS ändern werden.

3 Fazit

x Der Kartenzahlungsverkehr gewinnt am Point of Sale weiterhin an Bedeutung.


x Im Jahr 2005 wurden in Deutschland fast 2,5 Mrd. Kartentransaktionen getä-
tigt. Nahezu drei Viertel des Umsatzes entfallen auf Debitkarten, ca. ein Fünftel
auf Kreditkarten. Wobei allein 35 % des gesamten Kartenumsatzes auf das e-
lektronische Lastschriftverfahren (ELV) entfallen. Aufgrund der Übernahme
des ec cash-Verfahren durch zahlreiche Lebensmitteldiscounter konnte dieses
Verfahren beachtliche Wachstumsraten verzeichnen.
x Aussagen über die substituierende Wirkung von Kartenzahlungen am deut-
schen Point of Sale sind mangels fundierten Datenmaterials kaum möglich. Es
ist wahrscheinlich, dass – wie im Segment „Einzelhandel“ – Bargeld substitu-
iert wird.
x Von der vielfach zitierten „bargeldlosen Gesellschaft“ ist Deutschland noch
weit entfernt. Nichtsdestotrotz gibt es für bargeldlose Zahlungsmittel noch er-
hebliches Marktpotenzial am deutschen POS – insbesondere im Bereich der
Kleingeldzahlungen im Präsenzhandel und bei Zahlungen unter Privatpersonen.

Literatur

APACS (2003) In Brief. UK Payment Markets Trends and Forecasts. www.apacs.org.uk,


Abruf: 2.9.2005
European Central Bank (2005) Blue Book Payment and Securities Settlement Systems in
the European union, Addendum incorporating 2003 Figures, Frankfurt
De Ploey et al. (2005) European Payment Profit Pool Analysis: Casting Light in Murky
Waters, McKinsey & Company
Godschalk H (1999) Business Case für die GeldKarte. In: Braatz F et al. (Hrsg) Alles über
Zahlungsverkehr mit Karten, Neuwied

25 Nach 9 Jahren (Start in 1996) erreichte die Anzahl der GeldKarte-Zahltransaktionen mit
38 Mio. (2004) die Zahl, die laut der „Worst Case“(!)-Prognose des deutschen Kreditge-
werbes bereits nach 3 Jahren erreicht werden sollte. Die mittlere Einschätzung für diese
Periode betrug 2,2 Mrd. Transaktionen, davon ist nach 9 Jahren 1,7% erreicht. Der Han-
del schätzte damals das Potenzial auf 1,2 bis 1,3 Mrd. Transaktionen ein.
26 Ein Business-Case für die GeldKarte ist – bis auf weiteres – nicht realistisch (Godschalk

1999).
42 Hugo Godschalk

Krueger M und Leibold K (2004) Internet Zahlungssysteme aus der Sicht der Verbraucher.
Ergebnisse der Online-Umfrage IZV7, Universität Karlsruhe (TH), Karlsruhe
National Forum on the Payments System (2004) The Costs of Payments Survey on the
Costs involved in POS Payment Products, Working Group on Costs of POS Payment
Products, March 2004
PaySys Consultancy (2005) Kartenmarkt-Statistik Deutschland 1995–2004, Frankfurt (in
Vorbereitung)
Rüter H (2005) Karten-Entwicklungen aus Handelssicht – EHI-Research: Zahlungen per
Karte, Vortrag im Rahmen des EHI-Fachkongresses am 26.4.2005 in Köln
Van Baal S, Krueger M, Hinrichs JW (2005) Internet-Zahlungssysteme aus Sicht der Händ-
ler: Ergebnisse der Umfrage IZH3, Köln, Institut für Handelsforschung an der Univer-
sität zu Köln
Zahlungsverhalten und Bargeldverwendung in
Österreich

Helmut Stix1

Oesterreichische Nationalbank, Wien

1 Einleitung

Während der letzten Jahre hat sich die „Zahlungskultur“ in Österreich wesentlich
gewandelt. Waren noch vor 10 Jahren Zahlungen per Karte die Ausnahme, so
werden heute erhebliche Umsätze bargeldlos abgewickelt. Vor diesem Hinter-
grund analysiert dieser Beitrag die Entwicklung des Zahlungsverhaltens in Öster-
reich sowie deren Auswirkungen auf die Bargeldverwendung und -nachfrage.
Die Studie ist wie folgt aufgebaut: Zunächst werden einige Kennzahlen zur
Entwicklung bei den Bankomat- und Quick-Zahlungen vorgestellt. Wir konzent-
rieren uns auf diese beiden Karten, zumal, erstens, die Bankomatkarte (eine De-
bitkarte) die mit Abstand am häufigsten genutzte bargeldlose Bezahlform am
„Point of Sale“ ist und zweitens, das elektronische Geldsystem Quick aufgrund
seiner Funktionalität Bargeld am nächsten kommt. Im Anschluss daran werden
Umfragedaten über den Besitz und die tatsächlichen sowie die geplanten Nutzung
von Zahlungskarten präsentiert. Diese Zahlungskartenumfragen werden seit 1996
von der Oesterreichischen Nationalbank quartalsweise in der österreichischen Be-
völkerung ab dem 15. Lebensjahr durchgeführt, wobei die aktuellsten Daten aus
der Umfrage aus dem zweiten Quartal 2005 stammen. Indem sie die subjektiven
Einschätzungen der befragten Personen widerspiegeln, erlauben die Umfragedaten
zweifellos interessante Einblicke in das Zahlungsverhalten der österreichischen
Bevölkerung.
Der starke Anstieg der bargeldlosen Zahlungen wirft die Frage auf, welche
Auswirkungen diese Entwicklung aus ökonomischer Sicht für Notenbanken hat.
So wird etwa argumentiert, dass eine vermehrte Bargeldsubstitution geldpolitische
Implikationen mit sich bringen könnte und dass eine rückläufige Bargeldnachfrage
die Geldschöpfungsgewinne der Notenbanken verringert2. Um die Bedeutung sol-

1 Dieser Beitrag spiegelt ausschließlich die persönliche Meinung des Autors und nicht
notwendigerweise die der Oesterreichischen Nationalbank wider.
2 Für eine Diskussion siehe Stix (2004a). Obwohl diese Effekte statisch betrachtet mögli-
cherweise gering sind, so kann die abdiskontierte Summe der Rückgange der zukünftigen
Geldschöpfungsgewinne beträchtlich sein.
44 Helmut Stix

cher Effekte evaluieren zu können, bedarf es einer Quantifizierung des gegenwär-


tigen Ausmaßes der Bargeldsubstitution. Aus diesem Grund wird im abschließen-
den Abschnitt abgeschätzt, wie sich der wertmäßige Anteil von Barzahlungen an
allen Transaktionen in den letzten Jahren entwickelt hat. Dies erlaubt Rückschlüs-
se auf die Veränderung der Bargeldnachfrage, die durch Kartenzahlungen ausge-
löst wird.

2 Verwendung und Verbreitung von Zahlungskarten

2.1 Deutliches Wachstum bei EFT-POS-Transaktionen

Die wichtigste Zahlungskarte ist in Österreich zweifellos die Bankomatkarte (Pro-


duktname „Maestro“), mit der man bargeldlos mittels Karte und Code an „Elect-
ronic Funds Transfer at the Point of Sale (EFT-POS)“- Kassen zahlen kann. So
waren Ende des Jahres 2004 etwa 6,6 Mio. Bankomatkarten im Umlauf, sodass
statistisch gesehen praktisch jede(r) ÖsterreicherIn über 18 Jahren mit einer Karte
ausgestattet ist. Im internationalen Vergleich lag Österreich damit im Jahr 2002,
dem letzten Jahr für das international vergleichbare Daten vorliegen, an siebenter
Stelle unter 15 EU-Staaten, knapp über dem EU-Durchschnitt (EZB 2004).

12,0 +120,0

Veränderung zum Vorjahr


10,0 +100,0
Umsatz (in Mrd. Euro)

8,0 +80,0 (in %)

6,0 +60,0

4,0 +40,0

2,0 +20,0

0,0 +0,0
1989 1991 1993 1995 1997 1999 2001 2003

Umsatz Veränderung zum Vorjahr

Abb. 1. Bankomatkarte-Zahlungsumsätze3.

Die Bedeutung dieser Bezahlmöglichkeit nahm in den letzten Jahren rasant zu.
Noch 1989 konnte erst an 229 EFT-POS-Kassen bezahlt werden. Bis zum Ende
des Jahres 2004 wuchs deren Zahl auf über 78.000 an. Ebenso rasant verlief die
Entwicklung bei den Umsätzen: Diese wuchsen von 29 Mio. Euro im Jahr 1989

3 Quelle: Mooslechner et al. 2002 und Europay Austria 2005.


Zahlungsverhalten und Bargeldverwendung in Österreich 45

auf 9,6 Mrd. Euro im Jahr 2004 (Abb. 1). Im Jahr 2005 dürfte die 10 Mrd. Euro
Umsatzmarke überschritten werden.
Trotz dieses hohen Wachstums ist sowohl die Ausstattung mit Zahlterminals
als auch das Zahlungsvolumen im internationalen Vergleich noch relativ niedrig.
So lag Österreich im Jahr 2002 im Bezug auf die Anzahl an POS-Terminals pro
Einwohner an vierzehnter Stelle und im Bezug auf die Anzahl an Zahltransaktio-
nen pro Einwohner an zehnter Stelle unter fünfzehn EU-Staaten (EZB 2004).
Bezüglich einer Einschätzung der weiteren Entwicklung dieses Bezahlsystems
zeigt sich bei Betrachtung der jährlichen Wachstumsraten der Umsätze, dass diese
zwar schon deutlich abgenommen haben, jedoch noch immer weit über den
Wachstumsraten der Einzelhandelsumsätze oder der Steigerungsraten des privaten
Konsums liegen. Aus diesem Grund wird der Marktanteil dieses Zahlungsinstru-
mentes weiter steigen. Auch im Vergleich mit der schon etwas länger existieren-
den Bankomattechnologie (für Bargeldbezüge) zeigt sich, dass die EFT-POS-
Umsätze noch höhere Wachstumsraten aufweisen. Dies deutet darauf hin, dass
sich diese Technologie in einer noch früheren Phase als die Bankomattechnologie
im oftmals S-kurvigen Verlauf der Wachstumskurve von Innovationen befindet.
Demnach ist auch in Zukunft noch mit höheren Zuwachsraten zu rechnen.

2.2 Entwicklung bei der Benützung von Quick

Neben den EFT-POS-Zahlungen mittels Bankomatkarte, die den Zugriff auf be-
stehende Konten ermöglicht, ist aus geldpolitischer Sicht besonders die Verwen-
dung von elektronischem Geld von Interesse. Obwohl es in Österreich bereits
mehrere E-Money-Systeme gibt, ist derzeit quantitativ nur das Quick-Geldbörsen-
system von Bedeutung. Da dieses System an anderer Stelle in diesem Buch detail-
liert behandelt wird (siehe Judt u. Komatz 2005), soll die Entwicklung bei Quick
nur kurz dargestellt werden (siehe Tabelle 1).

Tabelle 1. Einige Kennzahlen zum Quick-System


Zahlungen
Anzahl der Anzahl der Verände- Durch-
Quick- Quick- rung zum schnitts-
Jahres- Zahlungs- Lade- Volumen Vorjahr wert
endstand terminals terminals (in Mio Euro) (in %) (in Euro)
1997 12.756 3.495 5,7 13
1998 19.118 4.954 9,2 63 % 8
1999 29.564 5.225 11,7 27 % 5
2000 41.585 5.162 15,2 30 % 5
2001 60.848 5.419 28,5 87 % 6
2002 74.657 5.775 132,5 365 % 8
2003 79.806 5.879 116,8 -12 % 7
2004 86.690 6.452 121,3 4% 6
Quelle: Europay Austria.
46 Helmut Stix

Bei der Anzahl der Zahlungs- und Ladeterminals sowie bei den ausgegebenen
Karten mit Quick-Funktion hat Quick bereits eine beachtliche Verbreitung er-
reicht. Obwohl das System erst seit 1996 flächendeckend in Betrieb ist, standen
Ende 2004 bereits fast 87.000 Zahlungsterminals sowie fast 6.500 Ladeterminals
zur Verfügung. Diese Ausbreitung kann vor allem damit erklärt werden, dass bei
Quick auf die Infrastruktur von Bankomaten (für Quick-Ladungen) sowie EFT-
POS-Kassen (vielfach auch für Quick-Zahlungen geeignet) aufgebaut werden
konnte. An Karten waren Ende 2004 etwa 7 Mio. Stück ausgegeben. Die Gesamt-
summe der Zahlungen wuchs – jedoch von niedrigem Niveau aus – sehr stark,
nämlich von 5,7 Mio. 1997 auf 121 Mio. Euro im Jahr 2004. Auffallend sind die
hohen Zuwachsraten der Jahre 2001 und 2002.
Im Vergleich mit anderen kartenbasierten E-Money Systemen im Ausland liegt
Quick sehr gut: Bezüglich der Anzahl an Karten pro Einwohner lag Quick im Jahr
2002 hinter den Niederlanden und Luxemburg an dritter Stelle und im Hinblick
auf die Anzahl an Transaktionen an vierter Stelle (hinter Belgien, Luxemburg und
den Niederlanden), mit etwa doppelt so vielen Transaktionen pro Einwohner als
im EU-Durchschnitt (EZB 2004).
Aus dem Gesichtspunkt der Bargeldsubstitution sind vor allem die Zahlungs-
umsätze aufschlussreich (siehe Tabelle 1). In diesem Zusammenhang zeigt sich,
dass die durchschnittliche Zahlung von 13 Euro auf etwa 6 Euro abnahm4. Quick
ist demnach also vor allem ein Bezahlsystem für Kleinbeträge.
Soweit zur Marktentwicklung der Bankomatkarte und der Karte mit Quick-
Funktion. Diesen Daten sollen nun um die subjektive Einschätzung der Nutzer von
Zahlungskarten ergänzt werden.

2.3 Zahlungskartenbesitz und -nutzung

In der Zahlungskartenumfrage gaben im zweiten Quartal 2005 rund 80 % der Be-


fragten an, zumindest eine Zahlungskarte zu besitzen. Untergliedert nach Karten-
funktionen, zeigt sich, dass ungefähr 78 % der Befragten angaben, eine Karte mit
Bankomatfunktion, 27 % eine Kreditkarte, 22 % eine Karte mit Quick-Funktion
sowie 14 % eine Handelskundenkarte mit Zahlungsfunktion zu besitzen.
Da die Umfragen bezüglich des Kartenbesitzes bereits seit 1997 quartalsweise
durchgeführt werden, ist es möglich, die zeitliche Entwicklung darzustellen (siehe
Abbildung 2). Demnach zeigt sich ein deutlicher und stetiger Anstieg des Besitzes
von Karten mit Bankomatfunktion von 41 % im ersten Quartal 1997 auf 78 % im
zweiten Quartal 2005. Einen langfristig positiven Trend weist auch die Entwick-
lung des Kreditkartenbesitzes auf (von 19 auf 30 %), wobei dieser Anteil seit 2001
weitgehend stagniert. Im Gegensatz dazu ist der Anteil der Handelskundenkarten
mit Zahlungsfunktion leicht zurückgegangen.

4 Im Vergleich dazu lag der durchschnittliche Betrag, der mit der Bankomatkarte beglichen
wurde, in den letzten Jahren relativ konstant bei etwas über 50 Euro.
Zahlungsverhalten und Bargeldverwendung in Österreich 47

in % der Befragten
90

80

70

60

50

40

30

20

10

0
98Q1

98Q3

99Q1

99Q3

00Q1

00Q3

01Q1

01Q3

02Q1

02Q3

03Q1

03Q3

04Q1

04Q3

05Q1
Karte mit Zahlungsfunktion gesamt Karte mit Bankomatfunktion
Kreditkarte Karte mit Quick-Funktion
Handelskundenkarte mit Zahlungsfunktion

Abb. 2. Umfrageergebnisse zum Zahlungskartenbesitz (1. Quartal 1998 – 1. Quartal 2005)5

Anders verläuft die Entwicklung bei den Karten mit Quick-Funktion: Bis zum ers-
ten Quartal 2000 stieg der Prozentsatz der Befragten, die angaben über eine
Quick-Funktion zu verfügen, auf bis zu 25 %, um jedoch danach wieder auf unter
20 % zu fallen. Erst im vierten Quartal 2001 kam es zu einem erneuten Anstieg.
Dieser Anstieg dürfte vermutlich mit der Ausgabe neuer Karten und dem damit
verbundenen höheren Wissensstand der Befragten über die Funktionalität der neu-
en Karten verbunden sein. Ein weiterer Grund könnte sein, dass vor der Eurobar-
geldeinführung verstärkt für Karten mit Quick-Funktion geworben wurde. Ab
2002 stagnierte der Anteil der Karte mit Quick-Funktion unter den Befragten. An-
gesichts der oben diskutierten hohen Anzahl an ausgegebenen Karten mit Quick-
Funktion fällt auf, dass nur ein relativ geringer Anteil der Befragten über die
Quick-Funktion Bescheid weiß. Überdies nahm die Anzahl der tatsächlich ausge-
gebenen Karten mit Quick-Funktion in den letzten Jahren zu, während der Anteil
derer, die angaben über eine Karte mit Quick-Funktion zu verfügen, tendenziell
konstant blieb.

5 Anmerkung: Die Abbildung zeigt die Entwicklung der Antworten auf die Frage „Über
welche dieser Karten verfügen Sie persönlich?“ Quelle: OeNB.
48 Helmut Stix

Tabelle 2. Besitz und Nutzung von Zahlungskarten


Kundenkarte
Karte mit Karte mit eines
Bankomat- Kredit- Quick- Handels-
funktion karte Funktion unternehmens

Besitz 1. und 2. Quartal 2005 78 28 21 14


Nutzung mehrmals pro Woche 31 7 7 9
ca. 1x pro Woche 26 17 7 18
mind. 1x pro Monat 14 39 9 26
seltener 16 34 21 35
gar nie 14 3 57 11
Anmerkung: Die Tabelle zeigt sowohl die Antworten bezüglich des Besitzes von Zahlungs-
karten (erste Zeile; in Prozent der Befragten) als auch die Antworten bezüglich der Nut-
zungshäufigkeit (ab Zeile 2; in Prozent derer, die eine Karte besitzen). Rundungen können
von 100% abweichende Ergebnisse verursachen. Quelle: OeNB.

Da die interviewten Personen auch über die Zahlungshäufigkeiten befragt werden,


erlauben die Umfragen interessante Einblicke in die Nutzungsgewohnheiten der
Kartenbesitzer. Die möglichen Antworten sind kategorisiert und in Schritten von
„mehrmals pro Woche“ bis „nie“ eingeteilt. Die Ergebnisse für das erste Halbjahr
2005 sind in Tabelle 2 zusammengefasst. Überhaupt benutzt werden Kreditkarten
von 97 %, Handelskundenkarten von 89 % und Bankomatkarten von 86 % der
Kartenbesitzer. Im Gegensatz dazu wird die Quick-Funktion nur von 43 % der
Kartenbesitzer benutzt. Bezüglich der Häufigkeit der Benutzung zeigt sich, dass
Bankomatkarten am häufigsten benutzt werden, gefolgt von Handelskundenkarten
und Kreditkarten. Die Quick-Funktion wird im Durchschnitt am seltensten be-
nutzt. In der zeitlichen Entwicklung betrachtet (siehe Abbildung 3) zeigt sich auch
hier der deutliche Anstieg in der Benutzung der Bankomatkarte: Der Anteil derer,
die diese Karte zumindest einmal pro Woche verwenden, stieg von etwas über 20
% im Jahr 1997 auf fast 60 % im Jahr 2002 um seither auf diesem Niveau zu stag-
nieren. Ebenfalls erhöht hat sich der Prozentsatz bei den Quickkarten – vor allem
vor der Eurobargeldeinführung. Zuletzt fiel dieser Anteil wieder leicht. Im Gegen-
satz dazu verlief die Nutzungshäufigkeit bei den Kredit- und Handelskunden-
karten über die Zeit relativ konstant6.

6 Im Gegensatz zu den anderen Karten liegt bei den Kreditkarten die Mehrzahl der Ant-
worten bei einer Nutzung von „zumindest einmal pro Monat“
Zahlungsverhalten und Bargeldverwendung in Österreich 49

70
in % der jeweiligen Kartenbesitzer

60 Karte mit Bankomatfunktion

50

40
Kundenkarte Handel

30 Kreditkarte

20

10
Karte mit Quickfunktion

0
1997Q2

1997Q4

1998Q2

1998Q4

1999Q2

1999Q4

2000Q2

2000Q4

2001Q2

2001Q4

2002Q2

2002Q4

2003Q2

2003Q4

2004Q2

2004Q4

2005Q2
Abb. 3. Zahlungskartennutzung im Zeitverlauf7

2.4 Beabsichtigter Erwerb und Nutzung von Zahlungskarten

Zur Analyse der zukünftigen Entwicklung des Kartenzahlungsverhaltens wurde


bei Befragten, die derzeit nicht über Zahlungskarten verfügen, erhoben, ob sie die
Absicht haben, sich innerhalb der nächsten 12 Monate eine entsprechende Zah-
lungskarte zuzulegen. Hier zeigen die Ergebnisse, dass das Interesse an einem ge-
planten Erwerb sehr niedrig ist, was darauf hindeutet, dass der Markt bereits gut
versorgt ist. Nennenswerte Erwerbsbekundungen finden sich lediglich bei der Kar-
te mit Bankomatfunktion, bei der etwa ein Drittel der derzeitigen Nicht-Besitzer
antwortet, sich in den kommenden 12 Monaten ein solches Zahlungsmittel zule-
gen zu wollen (von etwa 22 % der Bevölkerung über 15 Jahren, die angeben, nicht
über eine Bankomatkarte zu verfügen). Erwartungsgemäß sind dies vor allem die
in oder am Ende ihrer Schulausbildung Stehenden, die einen Erwerb beabsichti-
gen.
Weiters wurden die derzeitigen Besitzer von Zahlungskarten in der Erhebung
gefragt, wie sie beabsichtigen, die jeweiligen Karten in den nächsten 12 Monaten

7
Anmerkung: Die Abbildung zeigt die Entwicklung der Kartenbesitzer, die zumindest ein-
mal pro Woche mit ihrer Karte bezahlen. Für die Kundenkarte wurden vor dem dritten
Quartal 2000 keine Daten über die Nutzungshäufigkeit erhoben. Quelle: OeNB.
50 Helmut Stix

einzusetzen (siehe Tabelle 3). Hier zeigt sich im Wesentlichen, dass – je nach Kar-
te – zwischen 86 % und 89 % der Befragten nicht plant, das derzeitige Zahlungs-
verhalten im Bezug auf die Einsatzhäufigkeit zu ändern. Der Saldo aus dem Pro-
zentsatz derer, die die Karte häufiger nutzen wollen und dem Prozentsatz derer,
die sie weniger oft nutzen wollen, deutet darauf hin, dass die Bankomatkarte etwas
häufiger eingesetzt werden könnte, während sich bei den Handelskundenkarten
aus den Umfragen eine tendenziell geringere beabsichtigte Nutzungsfrequenz er-
gibt. Für Quick- und Kreditkarten sind im Wesentlichen keine Änderungen beab-
sichtigt.

Tabelle 3. Beabsichtigte Nutzung von Zahlungskarten in den nächsten 12 Monaten

Karte mit Karte mit


Bankomat- Kredit- Quick- Handels-
(in %) funktion karte Funktion kundenkarte
häufiger benützen 7 5 8 4
weniger oft/
nicht mehr benutzen 4 6 7 7
Anmerkung: Angaben in Prozent derer, die über die jeweilige Karte verfügten.
Quelle: OeNB.

3 Wachstum der EFT-POS-Zahlungen bewirkte


Rückgang bei Bargeldverwendung und -nachfrage

Aufgrund des rasanten Anstiegs bei den Kartenzahlungen, erscheint es von Inte-
resse abzuschätzen, wie sich diese Entwicklung auf die Bargeldverwendung sowie
die Bargeldnachfrage der privaten Haushalte ausgewirkt hat. In diesem Kapitel
wird daher eine solche Abschätzung vorgenommen.

3.1 Bargeld hat noch immer hohen Marktanteil

Über die Verwendung von Bargeld und dessen „Marktanteile“ gibt es wenig ori-
ginäre Informationsgrundlagen. Aus diesem Grund muss meist auf indirekte Evi-
denz aus Umfragedaten zurückgegriffen werden. Die OeNB führte zuletzt in den
Jahren 1996 und 2000 Umfragen über die Struktur der Zahlungstransaktionen der
österreichischen Haushalte durch (Mooslechner u. Wehinger 1997, Mooslechner
et al. 2002). Laut diesen Umfragen ist der Anteil der Bankomatzahlungen am
„Point-of-Sale“ bezogen auf den Zahlungsbetrag von 1996 bis 2000 deutlich von
2,5 % auf 11,1 % gestiegen, während der Anteil der Scheckzahlungen stark sowie
der Anteil der Kreditkartenzahlungen leicht rückläufig war8. Der Anteil des Bar-

8 Diese Anteile spiegeln nur direkte Zahlungstransaktionen wider (keine Überweisungen).


Zahlungsverhalten und Bargeldverwendung in Österreich 51

geldes ist von 84,4 % auf 81,5 % gesunken. Bargeld hatte also noch eine sehr be-
deutende Marktstellung.
Die Wachstumsraten der Umsätze der verschiedenen Zahlungsformen seit 2000
sind in Tabelle 4 zusammengefasst. Diese Daten beruhen zum einen auf Zahlen
des Blue Book der Europäischen Zentralbank (EZB), die nur bis 2002 verfügbar
sind, und zum anderen auf Zahlen von Europay Austria9.

Tabelle 4. Entwicklung der Anteile von Bargeld am Zahlungsbetrag


Anteil am Wachstums- Hochgerechneter Hochge-
Zahlungs- raten der Anteil am Zah- rechnete Ver-
betrag Umsätze lungsbetrag änderung

1996 2000 2000–2004 2004 2000–2004

in % in % in % in %-Punkten
Bargeld 84,4 81,5 69,5–72,2 (-12)–(-9,3)
Bankomatfunktion 2,5 11,1 114 22,5–23,6 11,4–12,5
Kreditkarte 4,3 2,6 47 3,8–4,0 1,2–1,4
Quick-Funktion 0,0 0,1 698 0,5 0,4
Anmerkung: Die Anteile am Zahlungsbetrag ergeben sich je nach angenommener Wachs-
tumsrate der Gesamtzahlungen (Gesamtzahlungen wachsen entweder wie die privaten Kon-
sumausgaben oder wie die Einzelhandelsumsätze) sowie je nach angenommener Wachs-
tumsrate der Kundenkarten- und Scheckumsätze. Die derart berechneten Anteile stellen
eine grobe Hochrechnung dar. Quelle: Mooslechner u. Wehinger 1997; Mooslechner et al.
2002; EZB 2004, Europay Austria 2005 und OeNB.

Die aus der Umfrage des Jahres 2000 ermittelten Anteile der verschiedenen Zah-
lungsmittel können in Verbindung mit Daten über die Wachstumsraten der Zah-
lungsmittelumsätze verwendet werden, um aktualisierte Zahlungsmittelanteile für
das Jahr 2004 grob hochzurechnen. Dies beruht auf der Überlegung, dass aus dem
Anstieg der Gesamtzahlungsumsätze sowie den Wachstumsraten der Umsätze der
bargeldlosen Zahlungsmittel, der Barzahlungsanteil residual folgt. In der Praxis
muss jedoch eingeschränkt werden, dass eine solche Berechnung nur eine grobe
Abschätzung liefern kann. Dies hat mehrere Gründe: Erstens beruhen die für das
Jahr 2000 ermittelten Anteile auf Umfrageergebnissen, die selbst einer gewisse
Schwankungsbreite unterliegen. Zweitens müssen die Wachstumsraten der Zah-
lungsmittelumsätze bekannt sein. Die im Blue Book (EZB 2004) ausgewiesenen
Wachstumsraten der Scheckumsätze dürften jedoch hauptsächlich Scheckzahlun-
gen von Firmen widerspiegeln10. Ebenso liefern die Daten aus dem Blue Book
keine Hinweise über die Entwicklung bei den Handelskundenkarten. Aus diesem

9 Quelle: Europay Austria 2005. Da für die Jahre 2003 und 2004 keine Daten über das
Wachstum der Kreditkartenumsätze vorliegen, wurde angenommen, dass die gesamten
Kreditkartenumsätze gleich stark wie die Umsätze von Mastercard gestiegen sind.
10 Obwohl darüber kaum Daten vorliegen, dürften Schecks nur mehr eine marginale Rolle

im Zahlungsverhalten privater Haushalte spielen.


52 Helmut Stix

Grund werden nachfolgend mehrere Szenarien hinsichtlich der angenommenen


Entwicklung bei diesen beiden Zahlungsformen analysiert11. Und drittens bedarf
es für diese Berechnung einer Abschätzung der Wachstumsrate der Gesamtumsät-
ze, also aller baren und bargeldlosen privaten Einkäufe bzw. Zahlungen der Öster-
reicherInnen. Diese sind nicht direkt verfügbar, können jedoch ungefähr durch die
nominelle Wachstumsrate des privaten Konsums, bzw. durch die Wachstumsrate
der Einzelhandelsumsätze, geschätzt werden12. Die sich aus diesen Überlegungen
ergebenden Zahlungsanteile für das Jahr 2004 sind in Tabelle 4 zusammengefasst.
Wie ersichtlich ist, sank der Anteil der Barzahlungen deutlich um, je nach unter-
stellter Wachstumsrate der Gesamtumsätze, 9 bis 12 Prozentpunkte – absolut be-
trachtet dürfte der Barzahlungsanteil Ende 2004 zwischen 70 und 72 % betragen
haben. Den stärksten Anstieg wiesen die Bankomatzahlungen auf, die Ende 2004
einen Anteil von 23 bis 24 % gehabt haben dürften. Dies entspricht einer mehr als
Verdopplung des „Marktanteils“ seit dem Jahr 2000. Die mehr als Versiebenfa-
chung der Quick-Umsätze bewirkte einen Anstieg des Quick-Anteils auf rund
0,5 %. Trotz der gebotenen Vorsicht bei der Interpretation dieser Ergebnisse, zei-
gen sich dennoch einige Trends: Erstens, obwohl der Bargeldanteil rückläufig ist,
dürfte er Ende 2004 noch immer 70 % betragen haben. Im Vergleich mit anderen
europäischen Staaten ist dieser Anteil noch relativ hoch (Snellman et al. 2001).
Zweitens ist der Rückgang in der Bargeldverwendung hauptsächlich auf Anteils-
gewinne der Bankomatzahlungen zurückzuführen. Drittens lassen sich aus der Zu-
nahme der bargeldlosen Zahlungen Rückschlüsse auf die Veränderung der Trans-
aktionsbargeldnachfrage ziehen. Dies wird im abschließenden Abschnitt näher
diskutiert.

3.2 Bargeldnachfrage ist moderat gesunken

Wenn die nominellen Einzelhandelsumsätze steigen, dann wird bei konstanter


Umlaufgeschwindigkeit des Geldes üblicherweise mehr Geld nachgefragt. Die
Bargeldnachfrage steigt jedoch nicht im gleichen Ausmaß, sondern geringer.
Schätzungen einer Nachfragefunktion für jene Bargeldmenge, die direkt für
Transaktionen verwendet wird, zeigen, dass eine 1-prozentige Veränderung der
Umsätze zu einer Veränderung der Bargeldnachfrage im Ausmaß von etwa 0,5 %
bis 0,6 % führt (Stix 2004a).
Wenn man nun die aus der Umfrage des Jahres 2000 geschätzten Bargeldum-
sätze und die hochgerechneten Bargeldumsätze des Jahres 2004 vergleicht, ergibt
sich die prozentuelle Veränderung der Bargeldnachfrage als etwa 0,5 bis 0,6 Mal
der prozentuellen Veränderung der Bargeldumsätze. Die derart berechnete Ände-

11 Für Schecks wird angenommen, dass sie nicht mehr verwendet werden. Bei den Kunden-
karten wird angenommen, dass deren Umsätze entweder wie die Kreditkartenumsätze
oder wie die Gesamtumsätze wuchsen.
12 Dabei wird implizit angenommen, dass es zu keinen bedeutenden Umschichtungen von

Zahlungsmitteln, die in der Umfrage von 2000 nicht erfasst waren (z. B. Zahlungen mit
Erlagschein), zu Zahlungsmitteln kam, die in der Umfrage erfasst waren.
Zahlungsverhalten und Bargeldverwendung in Österreich 53

rung der Bargeldnachfrage spiegelt somit rein Änderungen des Zahlungsverhal-


tens wider. Jene Veränderungen der Bargeldnachfrage, die durch das Bargeldbe-
zugsverhalten ausgelöst werden (etwa durch die vermehrte Benützung von Ban-
komaten), bleiben davon ausgeblendet13.
Konkret zeigen die Simulationen, dass die nominellen Bargeldumsätze von
2000 bis 2004 rückläufig waren – grob geschätzt, liegt die Veränderungsrate je
nach angenommenem Szenario zwischen -2 % und -10 %. Bei einer geschätzten
Transaktionselastizität von 0,5 bis 0,6 impliziert diese Entwicklung somit einen
Rückgang in der nominellen Bargeldnachfrage im Ausmaß von etwa 1 % bis 6 %
– real betrachtet, dürfte die Transaktionsbargeldnachfrage von 2000 bis 2004 um
etwa 5 % bis 10 % gesunken sein.
Alternativ zum reinen Jahresvergleich könnte man sich hypothetisch auch die
Frage stellen, wie hoch die Bargeldnachfrage im Jahr 2004 gewesen wäre, wenn
sich das Zahlungsverhalten des Jahres 2000 nicht geändert hätte. Ein Vergleich
der hochgerechneten tatsächlichen Bargeldumsätze des Jahres 2004 mit diesem
hypothetischen „no change“-Szenario zeigt, dass die Bargeldnachfrage um etwa
14 % bis 18 % niedriger sein dürfte, als sie gewesen wäre, wenn sich keine Ver-
schiebung der Zahlungsmittelanteile ergeben hätte.
Trotz dieser doch bedeutenden Effekte muss eingeschränkt werden, dass die
Bargeldmenge, die für Transaktionen verwendet wird, nur etwa 10 % des gesam-
ten umlaufenden Bargeldes ausmacht (Stix 2004b). Der Großteil des Bargelds
wird demnach gehortet, in der Schattenwirtschaft verwendet oder läuft im Ausland
um. Da diese Nachfragekomponenten kaum von Zahlungskarten beeinflusst wer-
den, dürften die Auswirkungen der Zahlungskartenverwendung auf die gesamte
Bargeldnachfrage derzeit quantitativ nicht übermäßig bedeutsam sein.
Wie hoch der Bargeldanteil in Zukunft sein kann und welche Auswirkungen für
die Bargeldnachfrage zu erwarten sind, wird durch Tabelle 5 verdeutlicht. Im
konkreten zeigt die Tabelle den Bargeldanteil am „Point-of-Sale“ für verschiedene
(von den Befragten behauptete) Häufigkeiten von Zahlungen mit Bankomatkarte,
wobei die Bargeldanteile wieder aus der Studie von Mooslechner et al. 2002 ge-
nommen wurden. Außerdem sind die relativen Anteile der jeweiligen Benutzer
angeführt. Wie ersichtlich ist, variieren die Bargeldanteile systematisch mit der
Nutzungshäufigkeit von Bankomatkarten: Der Bargeldanteil reicht von durch-
schnittlich 93,4 % für Nicht-Nutzer bis 54% für jene Befragten, die angaben,
mehrmals pro Woche mittels Bankomatkarte zu zahlen. Anhand dieser Zahlen
wird das potentielle Ausmaß der Bargeldsubstitution verdeutlicht. Wenn man an-
nimmt, dass jede(r) ÖsterreicherIn mehrmals pro Woche mit Bankomatkarte zahlt,
dann würde der Bargeldanteil am „Point-of-Sale“ etwa 54 % betragen – bezie-
hungsweise könnte dieser Anteil nunmehr etwa niedriger sein14.

13 Die Auswirkungen des Abhebeverhaltens werden in Stix 2004b diskutiert. Für eine Dis-
kussion der Rolle von Zahlungsinnovationen auf die Bargeldnachfrage, siehe Markose u.
Loke 2003.
14 Ohne aktuelle Daten ist es schwierig abzuschätzen, wie hoch dieser Anteil derzeit ist.

Aufgrund der gestiegenen Anzahl an EFT-POS Kassen dürfte er jedoch gefallen sein.
54 Helmut Stix

Dieses Szenario ist jedoch nicht sehr wahrscheinlich, zumal im Jahr 2000 im-
merhin noch etwa 69 % der Österreicher weniger oft als ein Mal pro Woche mit
Bankomatkarte bezahlten. Der Vergleich der Nutzungshäufigkeiten der Jahre 2000
und 2004 zeigt, dass die Bankomatkarte jetzt zwar deutlich häufiger für Zahlungen
verwendet wird, aber es zahlen immer noch 59 % der Österreicher seltener als ein
Mal pro Woche. Dies deutet darauf hin, dass sich das Zahlungsverhalten zwar än-
dert, aber auch, dass die Änderung nicht abrupt ausfällt. Überdies gibt es ver-
schiedene ökonomische Argumente, weshalb Bargeld weiterhin Verwendung fin-
den wird und sich daher ein Gleichgewichtspunkt einstellen wird, bei dem keine
weitere Substitution von Bargeld zu Karten stattfinden wird15.

Tabelle 5. Häufigkeiten von Bankomatkartenzahlungen und Bargeldanteile


Relative Anteile der
Zahlfrequenz mit Bankomatkarte Bargeldanteil Benützer
am Point-of- (in % der Bevölke-
Sale rung)
2000 2000 2004
zahlt nie mit Bankomatkarte 93,4 44,0 38,0
zahlt weniger oft als ein Mal pro Monat 84,4 24,9 21,1
zahlt ein Mal pro Woche 74,3 18,0 19,4
zahlt häufiger als ein Mal pro Woche 54,0 13,0 21,5
Quelle: Stix (2004a), OeNB und eigene Berechnungen.

4 Fazit

x Umfrageergebnisse über den Besitz und die Nutzung von Zahlungskarten zei-
gen, dass Mitte 2005 etwa 78 % der ÖsterreicherInnen über 14 Jahren angaben,
über eine Zahlungskarte mit Bankomatfunktion zu verfügen. 27 % verfügten
über eine Kreditkarte, 22 % über eine Karte mit Quick-Funktion und 14 % über
Handelskundenkarten mit Zahlungsfunktion.
x Bezüglich der Nutzungshäufigkeiten zeigt sich, dass die Bankomatkarte mit
Abstand am häufigsten für Zahlungen verwendet wird. 57 % der Bankomatkar-
tenbesitzer zahlen zumindest ein Mal pro Woche mit dieser Karte. Für Han-
delskunden- und Kreditkartenbesitzer trifft dies auf 24 % bis 27 % zu. Quick
wird nur von 14 % zumindest einmal pro Woche verwendet.
x Der Zahlungskartenmarkt scheint gut gesättigt zu sein, zumal seitens der der-
zeitigen Nicht-Besitzer von Zahlungskarten kaum Erwerbsinteressen bekundet
15 Dazu zählen etwa Kostenoptimierungsaspekte: Für gewisse Betragskategorien verursacht
Bargeld, aus Konsumentensicht, geringere Transaktionskosten als die Kartenverwen-
dung, beziehungsweise zeitigt die Kartenverwendung erst ab einer gewissen Transakti-
onssumme einen positiven Nettonutzen. Jene, die mit ihren Einkäufen nicht über diese
Transaktionssumme kommen, werden keine Kartenzahlungen tätigen.
Zahlungsverhalten und Bargeldverwendung in Österreich 55

werden (am ehesten wird noch der Erwerb einen Bankomatkarte beabsichtigt).
Die Umfrageergebnisse deuten ebenso darauf hin, dass die Österreicher keine
maßgebliche Änderung der Nutzungsfrequenz ihrer Zahlungskarten beabsichti-
gen.
x Aufgrund des deutlichen Anstiegs der Bankomatkartenzahlungen ist der be-
tragsmäßige Anteil von Bargeldzahlungen am „Point-of-Sale“ von 1996 bis
2000 von 84,4 % auf 81,5 % zurückgegangen. Einer groben Abschätzung zu-
folge, dürfte dieser Anteil Ende 2004 jedoch noch immer etwa 70 % betragen
haben. Gleichzeitig dürfte der Anteil von Bankomatzahlungen von 2,5 % im
Jahr 1996 auf über 20 % im Jahr 2004 gestiegen sein.
x Der Anstieg von Kartenzahlungen resultierte in einer zurückgehenden Bargeld-
nachfrage. Da der Anteil jenes Bargeldes, das für Transaktionszwecke einge-
setzt wird, am gesamten Bargeldumlauf relativ gering ist, und da sich das Zah-
lungsverhalten nicht abrupt ändert, dürfte diese Entwicklung kaum geldpoliti-
sche Auswirkungen haben.

Literatur

Europay Austria (2005) http://www.europay.at, Abruf: 30.7.2005


EZB (2004) Payment and Securities Settlement Systems in the European Union. Addendum
Incorporating 2002 Figures. Blue Book, April 2004. ECB, Frankfurt,
http://www.ecb.int/pub/bluebook/bluebook.htm, Abruf: 30.7.2005
Fischer B, Köhler P und Seitz F (2004) The Demand for Euro Area Currencies – Past, Pre-
sent and Future. ECB Working Paper nr 330
Markose SM, Loke YJ (2003) Network Effects on Cash-Card Substitution in Transactions
and Low Interest Rate Regimes. The Economic Journal 113, pp 456–476.
Mooslechner P, Stix H und Wagner K (2002) Austrian Households' Payment Habits - Re-
sults of a Study on the Use of Payment Cards and the Structure of Payment Transac-
tions in 2000. Focus on Austria 1/2002, OeNB, Vienna, pp 89–117.
Mooslechner P, Wehinger G (1997) Aspekte des Zahlungsverhaltens privater Haushalte in
Österreich. Berichte und Studien 4/1997. OeNB, Wien, S 44–65
Snellman J, Vesala J. Humphrey D (2001) Substitution of Noncash Payment Instruments
for Cash in Europe. Journal of Financial Services Research. 19 (2-3), pp 131–45
Stix H (2004a) How Do Debit Cards Affect Cash Demand? Survey Data Evidence, 2004,
Empirica, vol 31(2-3), pp 93–115.
Stix H (2004b) Wie wirken sich Bankomatabhebungen und Zahlungsinnovationen auf die
Bargeldhaltung in Österreich aus? Geldpolitik und Wirtschaft 1/2004, OeNB, Wien,
S 99–115
Internet-Zahlungssysteme in Deutschland und
Österreich: ein Überblick

Thomas Lammeri, Karsten Strobornii


i
Oesterreichische Nationalbank, Wien1
ii
Deutsche Bundesbank, Frankfurt2

1 Einleitung

Im Rahmen dieses Beitrages werden verschiedene Internet-Zahlungssysteme ein-


führend betrachtet. Der Fokus liegt dabei auf Deutschland und Österreich und
hierbei auf den bekanntesten Systemen bzw. Prinzipien des Internet-Zahlungs-
verkehrs, es wird daher kein Anspruch auf Vollständigkeit erhoben. Payment Ser-
vice Provider, also Unternehmen, welche sich auf die technische Anbindung der
Zahlungsmittel und die Transaktionsabwicklung im E-Commerce spezialisiert ha-
ben, werden im Zuge dieses Beitrages nicht behandelt.
Ein Blick auf die Verteilung der Bezahltransaktionen in der realen Welt zeigt,
dass Österreich trotz der Entwicklung im Laufe der letzten Jahre noch immer als
„bargeldlastiges“ Land qualifiziert werden kann. Wie Helmut Stix früher in die-
sem Buch dargestellt hat, lag der betragsmäßige Anteil von Bargeldzahlungen am
Point of Sale im Jahr 2000 noch über 80 %. Auch wenn daraus geschlossen wer-
den kann, dass die ÖsterreicherInnen bis dato ein traditionelles Zahlungsverhalten
an den Tag gelegt haben, zeigt sich dennoch eine Veränderung im Zahlungsver-
halten: seit 1996 verzeichnet der Bargeldanteil, gemessen an der Gesamtzahl der
getätigten Transaktionen, einen leichten Rückgang. Dies ist vor allem auf die zu-
nehmende Bedeutung von Debitkarten zurückzuführen. Debitkarten konnten in-
nerhalb desselben Zeitraumes auch im bargeldlosen Zahlungsverkehr Zuwächse
zu Lasten von Kreditkarten- und Scheckzahlungen erzielen (Mooslechner et al.
2002). Wie von Helmut Stix dargestellt, hat sich von 2000 bis 2002 der Trend zur
Debitkarte verstärkt, der Rückgang im Anteil der Bargeldzahlungen dürfte in die-
sem Zeitraum einer Hochrechnung zufolge rund 6 bis 7 Prozentpunkte betragen
haben (Stix 2004). Damit liegt Österreich im internationalen Trend: „Significant
increases of card coverage ratios and rapid expansion of the network density of

1 Dieser Beitrag spiegelt ausschließlich die persönliche Meinung des Autors und nicht
notwendigerweise die der Oesterreichischen Nationalbank wider.
2 Dieser Beitrag spiegelt ausschließlich die persönliche Meinung des Autors und nicht
notwendigerweise die der Deutschen Bundesbank wider.
58 Thomas Lammer, Karsten Stroborn

payment terminals have made card payments the most important cash substitute in
many industrialized countries“ (Stix 2003).
In Deutschland hat der bargeldlose Zahlungsverkehr bereits eine weitaus größe-
re Bedeutung als in Österreich. Im Jahr 2002 wurden nur mehr 67 % (1994: 79 %)
aller Umsätze im deutschen Einzelhandel3 bar bezahlt, knapp 30 % (1994: 6 %)
entfielen auf Karten. Die Zunahme des Kartenzahlungsverkehrs ist auf den Rück-
gang der Bargeldzahlungen, den Rückgang von Zahlungen auf Rechnung (3 Pro-
zentpunkte) sowie das Auslaufen der Scheckzahlungen (8 Prozentpunkte) zurück-
zuführen. Letztere spielen, wie auch in Österreich, im Einzelhandel keine Rolle
mehr (Bundesbank 2003). Der Trend in Richtung bargeldlosen Zahlungsverkehr
setzt sich auch in Deutschland fort: 2004 sank der bar bezahlte Einzelhandelsum-
satz auf nur mehr 64,9 %, bei gleichzeitigem Ansteigen des kartengestützten Zah-
lungsverkehrs auf 31,6 % (EHI 2005).
Im Falle der Zahlungen am POS konnte also in den letzten Jahren eine verstärk-
te Änderung in den Zahlungsgewohnheiten der deutschen und österreichischen
KonsumentInnen verzeichnet werden. Hat diese Verhaltensänderung auch Aus-
wirkungen auf das Bezahlverhalten im E-Commerce?
Zwischen 1,6 und 2,2 Millionen ÖsterreicherInnen, das entspricht in etwa ei-
nem Viertel der österreichischen Bevölkerung, haben 2004 online eingekauft. Die
aus diesen Einkäufen resultierenden Warenlieferungen führten zu einem Umsatz
von 1,5 Milliarden Euro. Wird diese imposant klingende Zahl jedoch in Relation
zum gesamten Einzelhandelsvolumen gesetzt, so relativiert sie sich: nur 3,4 % des
gesamten Einzelhandelsvolumens entfallen auf den E-Commerce. Wobei Öster-
reich mit einer Wachstumsrate von 10 bis 20 % pro Jahr unter dem europäischen
Durchschnitt (plus 63 % im Jahresvergleich) liegt4. Dies ist eventuell mit ein
Grund für die hohe Schließungsrate unter den österreichischen E-Shops: seit 2002
haben rund 45 % der beobachteten Onlineshops wieder geschlossen (Zeger
2005a). Online-Einkäufe privater Haushalte tragen in etwa ein Drittel zum gesam-
ten Verkaufsvolumen über das Internet bei, rund zwei Drittel spielen sich im B2B-
Bereich ab. In Summe verbleiben ca. 75 % der verkauften Waren und Dienstleis-
tungen in Österreich, etwa 16 % gehen in andere EU-Länder und der Rest verteilt
sich auf das Nicht-EU-Ausland (Statistik Austria 2004). Es zeigt sich also, dass
offensichtlich auch im World Wide Web die räumliche Nähe zwischen Verkäufer
und Käufer relevant ist. Gründe dafür dürften neben Versandspesen auch Rechts-
sicherheit und die angebotenen Zahlungsverfahren sein. Hinzu kommt, dass ein er-
folgreiches internationales Produkt nach kurzer Zeit auch für inländische Anbieter
interessant wird. Bei den angebotenen Zahlungsmöglichkeiten sind klassische
Zahlungsverfahren laut einer Erhebung von e-rating.at sehr stark vertreten: 73 %
der Onlineshops bieten Nachnahme an, knapp 60 % Kreditkarte, 52 % Vorauskas-
se und 33 % Zahlschein (Zeger 2005a).
Laut Hauptverband des Deutschen Einzelhandels ist in Deutschland der Anteil
des E-Commerce am gesamten Einzelhandelsumsatz binnen fünf Jahren von

3 Ohne Hotels, Fluggesellschaften, Autovermieter, Kfz-Branche, Tankstellen und Apothe-


ken.
4 2003: 63 Milliarden Euro, 2004: 103 Milliarden Euro.
Internet-Zahlungssysteme in Deutschland und Österreich: ein Überblick 59

0,5 % auf 2,6 % (2004) gestiegen. 2004 wurden 13 Milliarden Euro im Internet
umgesetzt. Im Jahr 2005 werden es voraussichtlich 14,5 Milliarden Euro sein
(HDE 2005). Auch in Deutschland dominieren die traditionellen Zahlungsverfah-
ren den E-Commerce, wie Van Baal und Hinrichs später in diesem Buch darstel-
len. 82,3% der Händler bieten Vorauskasse an, gefolgt von Nachnahme (knapp
64 %) und Rechnung (knapp 49 %). Die Kreditkarte kommt, wenn die Ausprä-
gungen SSL-Verschlüsselung, Abfrage der Kreditkartenprüfnummer sowie Veri-
fied by Visa und MasterCard SecureCode additiv betrachtet werden, auf über
70 %. Hinzu kommen nochmals 5,4 % der Händler, welche erstaunlicherweise
noch immer Kreditkartenzahlung ohne SSL-Verschlüsselung anbieten. PayPal
wird bereits von nahezu 30 % der Merchants angeboten und nimmt somit eine
Sonderstellung unter den innovativen Zahlungssystemen ein. Andere innovative
Systeme finden sich in einer Bandbreite von 1,9 % und 7,3 % der Händler wieder.

2 Kategorisierung von Internet-Zahlungssystemen

Die Einordnung von Internetzahlungssystemen kann anhand der unterschied-


lichsten Kriterien erfolgen: z.B. regionale Verbreitung (national oder internatio-
nal), Anwendungsszenarien (E-Commerce, M-Commerce, POS, etc.), Höhe des
Transaktionsbetrages (Micro- oder Macropayments) oder Branchenzugehörigkeit
des Betreibers (Bank, Kreditkarten-, Telekom-, Softwareunternehmen, etc.).

Pre-Paid Pay-Now Pay-Later


Hardware-basiert Nachnahme Kreditkarte
ƒ GeldKarte Lastschrift ƒ mit Prüfnummer
ƒ @Quick ƒ Online-Lastschrift ƒ ohne/mit SSL
ƒ elektronisch, vom ƒ 3-D Secure
Software-basiert Händler initiiert
ƒ paysafecard Überweisung
ƒ papiergebunden
ƒ MicroMoney nach Lieferung
ƒ WEB.Cent Online-Überweisung ƒ online
ƒ eps ƒ papiergebunden
ƒ Pago Billingverfahren
E-Mail-Payment ƒ FIRSTGATE
ƒ PayPal click&buy
ƒ Moneybookers ƒ T-Pay (per Tele-
komrechnung)
Debitkarte ƒ bill-it-easy
ƒ Maestro Secure Code
Mobile Payments
ƒ paybox
ƒ MIA
ƒ Handypay
ƒ M-Pay
Abb. 1. Kategorisierung von Internet-Zahlungssystemen
60 Thomas Lammer, Karsten Stroborn

Dieses Buch orientiert sich an der Kategorisierung von Stroborn et al. (2002): dem
Zeitpunkt, an dem das Kundenkonto mit dem Zahlungsbetrag belastet wird. Dem-
nach ist eine Unterscheidung in Pre-Paid-, Pay-Now- und Pay-Later-Zahlungssys-
teme möglich. Die Einteilung erfolgt anhand des – aus Sicht der Autoren – domi-
nierenden zeitlichen Merkmals, aus Gründen der Übersichtlichkeit gibt es weder
Zwischenstufen zu den drei genannten Kategorien, noch wird ein und dasselbe
System mehr als einer Kategorie zugeteilt. Es finden nur Systeme Berücksichti-
gung, die aus Sicht der Autoren in Deutschland und/oder Österreich vertreten sind.

3 Pre-Paid-Verfahren

3.1 Hardware-basiert

3.1.1 GeldKarte
Seit 2002 ist der Einsatz der deutschen GeldKarte im Internet möglich. Die Kun-
dInnen benötigen ein so genanntes Internet-Kundenterminal: einen besonders si-
cheren und von der deutschen Kreditwirtschaft zugelassenen Chipkartenleser der
Sicherheitsklasse 3 mit eigener Tastatur und eigenem Display. Im Internet positio-
niert sich die GeldKarte vor allem in Verbindung mit der Jugendschutzfunktion
für Online-Medien, basierend auf der offiziellen Anerkennung als Jugendschutzlö-
sung von der Kommission für Jugendmedienschutz der Landesmedienanstalten
(KJM 2003). Die GeldKarte-Zahlung ist derzeit bei einem knappen Dutzend Onli-
ne-Shops möglich; derzeit laufen jedoch verschiedene Pilotprojekte, die im Laufe
des Jahres 2006 zu einem raschen Wachstum an Akzeptanzstellen, insbesondere
im Bereich der digitalen Güter, führen sollen. Ebenso wie in der physischen Welt
soll die GeldKarte hier ihre Stärken der raschen und anonymen Bezahlung aus-
spielen. Eine genaue Beschreibung der GeldKarte bietet Volker Koppe später in
diesem Buch.

3.1.2 @Quick
Wie Judt und Komatz in ihrem Praxisbeispiel zu Quick darstellen, kann die öster-
reichische Elektronische Geldbörse seit 2001 unter dem Produktnamen „@Quick“
auch für Zahlungen im E-Commerce eingesetzt werden. Hierfür ist der Einsatz ei-
nes handelsüblichen Kartenlesers Voraussetzung.
Vom Jänner bis August 2005 wurden 3.500 Transaktionen in einem Gesamt-
wert von 1 Mio. Euro mit @Quick getätigt. Bis zum Jahresende 2005 sollen sich
sowohl die Transaktionsanzahl, wie auch der Gesamtwert der Transaktionen ver-
doppeln. Per August 2005 gab es 28 Akzeptanzstellen, bis Ende 2005 soll sich
diese Zahl auf 50 erhöhen. Für Europay Austria liegt – entgegen der Quick-
Philosophie – der Durchschnittsumsatz bei @Quick weit höher als bei anderen E-
Commerce-Anwendungen. Der Grund dafür ist, dass @Quick bei der Zahlung von
Internet-Zahlungssysteme in Deutschland und Österreich: ein Überblick 61

Studiengebühren einer Reihe von Universitäten besser als erwartet angenommen


wird5.

3.2 Software-basiert

3.2.1 paysafecard
paysafecard startete im Jahr 2000 in Österreich und ist seit Mai 2001 auch in
Deutschland aktiv. Es handelt sich dabei um ein vorausbezahltes Zahlungsinstru-
ment, bei dem das Guthaben zentral verwaltet wird. Mittels PIN – der auf Rubbel-
karten, Ausdrucken oder online erworben werden kann – kann auf diese Guthaben
zugegriffen werden. Ein Kernelement der paysafecard ist die Möglichkeit, damit
anonym zu bezahlen. In Österreich wird die paysafecard von der BAWAG P.S.K.,
in Deutschland von der Commerzbank AG herausgegeben. Im Praxisbeispiel pay-
safecard beschreibt Michael Müller später in diesem Buch die paysafecard im De-
tail.

3.2.2 MicroMoney
Im Jahr 2002 nahm MicroMoney, die vorausbezahlte Guthabenkarte von T-Pay,
ihren regulären Betrieb in Deutschland auf. MicroMoney kann in jedem T-Punkt
aber auch online erworben werden. Wie auch bei paysafecard erfolgt die Gutha-
benverwaltung Server-basiert. MicroMoney wird von der Postbank herausgege-
ben. Nähere Details zu MicroMoney beschreiben Pöschl und Hübner im Praxis-
beispiel T-Pay im Rahmen dieses Buches.

3.2.3 WEB.Cent
Bei WEB.Cent handelt es sich um ein Server-basiertes Konto, welches über tradi-
tionelle Zahlungsmittel (Kreditkarte, Lastschrift, Überweisung oder Bareinzah-
lung) aufgeladen werden kann. Mit Ausnahme des Aufladens per Kreditkarte wer-
den bis zum Zahlungseingang temporäre WEB.Cents vergeben, welche für ein-
geschränkte Services nutzbar sind. Das WEB.Cent Guthaben ist an andere
registrierte WEB.Cent-Nutzer übertragbar, sofern die E-Mail-Adresse von
WEB.de bekannt ist. Durch das Anklicken des WEB.Cent-Logos bei Akzeptanz-
partnern kann der Bezahlprozess gestartet werden, wobei Beträge ab 1 Euro abge-
rechnet werden können. Nach Eingabe von Username und Passwort werden Pro-
duktbeschreibung, Händlerdetails und Preis angezeigt und durch die Bestätigung
des Kunden der Bezahlprozess abgeschlossen. Der Anbieter bekommt den Betrag
umgehend seinem Händlerkonto gutgeschrieben. Die Übertragung der Daten er-
folgt mit SSL-Verschlüsselung. Aktuell verfügt WEB.Cent über ca. 50 Akzeptanz-
partner. Für den Kunden ist WEB.Cent kostenlos. Die Anzahl der WEB.Cent-

5 Persönliches E-Mail von Dr. Ewald Judt (Europay Austria GmbH), vom 2.9.2005.
62 Thomas Lammer, Karsten Stroborn

Konten wird mit über 5 Mio. angegeben, die Zahl der abgewickelten Käufe pro
Jahr mit über 14 Millionen6.

4 Pay-Now-Verfahren

4.1 Nachnahme

Das traditionelle Zahlungsverfahren Nachnahme erfreut sich insbesondere unter


den Online-Händlern großer Beliebtheit und wird dementsprechend auch von vie-
len Angeboten: 73 % der österreichischen Onlineshops bieten Nachnahme an (Ze-
ger 2005a), bei den deutschen Onlineshops sind es immerhin noch 63 %7. Durch
den „Zug um Zug-Charakter“, nämlich Geld gegen Ware, gibt die Nachnahme
sowohl den Händlern, als auch den Kunden die Sicherheit, dass die Gegenseite ih-
re Leistung erbringt. Die Nachnahme hat jedoch auch wesentliche Nachteile, zu
denen Kostenintensivität, Bequemlichkeitsnachteile (Anwesenheitspflicht des
Kunden, Bargeldhaltung) und die mangelnde Eignung für online gelieferten digi-
talen Content (Stroborn et al. 2002).

4.2 Lastschrift

Lastschrift ist ein weiteres traditionelles Zahlungsverfahren, welches im Internet


zur Anwendung kommt. Obschon es unterschiedliche Ausprägungen gibt, ähnelt
sich dennoch die Vorgehensweise. Der Kunde gibt die relevanten Daten (v.a. Na-
me, Kontonummer und Kreditinstitut) an den Händler weiter und stimmt gleich-
zeitig der Belastung seines Kontos zu. Dies kann auf herkömmlichen Weg (pa-
pierbasiert) oder online erfolgen. Wie im Zuge von IZH3
(Internetzahlungssysteme aus Sicht der Händler, 3. Online-Umfrage) ermittelt
wurde, bietet nahezu jeder zweite deutsche Online-Shop die Möglichkeit per Last-
schrift zu bezahlen. Wie Krüger und Leibold später in diesem Buch zeigen, ver-
zeichnet die Online-Variante der Lastschrift heutzutage erhebliche Zuwächse,
welche zu Lasten der papiergebundenen Lastschrift gehen.

4.3 E-Mail-Payment

Zu Beginn der 1990er Jahre wurden E-Mail-Payments von First Virtual konzepti-
onalisiert. First Virtual war eines der ersten gescheiterten Internetzahlungssysteme
– mit Sicherheit jedoch nicht das letzte. Mit Hilfe von First Virtual konnten Per-
son-to-Person (P2P) Zahlungen durchgeführt werden, wobei E-Mail und die Web-
site des Payment Service Providers als Kommunikationsmittel genutzt wurden, die

6 Alle Informationen von der Anbieterwebsite https://www1.webcent.web.de.


7 Beitrag zur IZH3 in diesem Buch (Van Baal u. Hinrichs 2005).
Internet-Zahlungssysteme in Deutschland und Österreich: ein Überblick 63

E-Mail-Adresse diente zur Authentifizierung. Um das Service nutzen zu können,


musste vorab eine Anmeldung erfolgen und ein herkömmliches Zahlungsmittel für
die Abrechnung „hinterlegt“ werden. Eine Grundlogik, die auch bei den heute
dominierenden Anbietern noch gilt, wenn diese auch ihre Services in zahlreichen
Komponenten erweitert haben.

4.3.1 PayPal
PayPal ist das erfolgreichste Unternehmen im Segment der E-Mail-Payments und
hat basierend auf den Erfolg in den USA einen weltweiten Expansionskurs gestar-
tet. In Europa ist PayPal als E-Geld-Institut in Großbritannien registriert und be-
treibt seinen Service auf Basis einer Zulassung der Financial Service Authority
(FSA) gemäß EU-Recht in zahlreichen Ländern Europas. In Deutschland und Ös-
terreich ist PayPal seit 2004 mit länderspezifischen Websites vertreten und hat zu-
sätzlich seine Dienste an die lokalen Kundenbedürfnisse angepasst. Im Detail be-
schreibt Frerk-Malte Feller im PayPal-Praxisbeispiel das Service später in diesem
Buch.

4.3.2 Moneybookers
Moneybookers8 setzt auf dasselbe Konzept wie PayPal auf. Moneybookers Limi-
ted ist ein Geldtransfer-Service und operiert unter englischem Recht. Sowohl Geld
zu empfangen und zu senden ist ebenso wie die Registrierung kostenlos. Mit Aus-
nahmen von der Einzahlung via Bankkonto verlangt Moneybookers bei allen an-
deren Dotierungsvarianten Gebühren, ebenso bei der Behebung von Geld. Stand
September 2005 reklamiert Moneybookers über 1 Million Kunden für sich.

4.4 Online Überweisung

Bei der Online-Überweisung als Pay-Now-Verfahren, handelt es sich nicht einfach


um die Überweisung des Rechnungsbetrages mittels E-Banking-Applikation, was
vielmehr das Pendant zur papiergebundenen Überweisung darstellt. Es handelt
sich dabei um ein innovatives System, welches in den Kaufprozess integriert ist
und keine Medienbrüche verursacht (ECC 2004).
Im Rahmen des Bezahlvorganges tätigt der Kunde eine Online-Überweisung,
wie bereits durch die Nutzung des E-Bankings erlernt. Der Vorteil für den Kunden
ist, dass er nicht zwischen Merchant-Website und Website der Bank wechseln
muss, sondern dass sich im Zuge des Bezahlprozesses automatisch ein Fenster
öffnet. Der Händler wiederum hat den Vorteil, dass er vor Leistungserbringung
eine Zahlungsbestätigung erhält. In Deutschland bietet beispielsweise Pago9 seit
2003 diese Form der Online-Überweisung an.

8 Weitere Informationen sind unter http://www.moneybookers.com abrufbar.


9 Siehe dazu auch das Pago-Praxisbeispiel später in diesem Buch.
64 Thomas Lammer, Karsten Stroborn

Wie Joachim Geisler später in diesem Buch darstellen wird, gelang es in Öster-
reich nicht nur, dass sich die Banken auf eine einheitliche technische Schnittstelle
für Zahlungen im Rahmen des E-Commerce mittels der Online Banking-
Anwendung einigten. Darüber hinaus haben sie sich entschlossen, die eigenen
Produktbezeichnungen abzulösen und unter der „Dachmarke“ eps Online Über-
weisung zu firmieren. Trotz der Bezeichnung „Überweisung“ handelt es sich hier-
bei um ein „Pay-Now-Verfahren“. Nachdem der Kunde die Auswahl mit eps zu
bezahlen getroffen hat und seine Hausbank ausgewählt hat, erscheint die vertraute
– jedoch bereits vorausgefüllte – Eingabemaske aus der E-Banking Applikation.
Das Konto des Kunden wird nach Bestätigung der Zahlung mittels TAN oder Di-
gitaler Signatur unmittelbar im Kaufprozess belastet.

4.5 Debitkarte: Maestro SecureCode

Europay Austria startet Maestro Secure Code in Österreich Anfang November


2005. Alle der aktuell 750 MasterCard SecureCode Akzeptanzpartner werden
auch die Debitkarte Maestro im Internet akzeptieren.

5 Pay-Later-Verfahren

5.1 Kreditkarte

Erst 37 % der österreichischen Kunden begleichen ihre Online-Einkäufe mit Kre-


ditkarte, womit die Kreditkarte unter den traditionellen Zahlungsmitteln im Inter-
net den vierten Platz einnimmt. Die österreichischen VISA-KundInnen (in Summe
rund 940.000) haben im Jahr 2004 einen E-Commerce-Umsatz in der Höhe von 60
Mio. Euro bei österreichischen Händlern getätigt12. In Deutschland sind 11,8 Mio.
Visa Karten im Umlauf. Hinter Großbritannien, auf das mehr als drei Viertel aller
E-Commerce-Umsätze von Visa in Europa entfallen, ist Deutschland für Visa der
zweitgrößte E-Commerce-Markt in Europa. Im ersten Halbjahr 2004 stieg der Vi-
sa-E-Commerce-Umsatz in Deutschland im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um
77 % auf 569 Millionen Euro10.
MasterCard verzeichnete in Österreich in den ersten acht Monaten einen Ge-
samtumsatz im E-Commerce von 34 Mio. Euro (380.000 Transaktionen) bei 2.100
Vertragspartnern, für das Gesamtjahr 2005 werden 60 Mio. Euro (670.000 Trans-
aktionen) bei 2.500 Vertragspartnern erwartet13.
Die überwiegende Mehrheit der österreichischen Online-Shopper nutzt jedoch
Zahlschein, Nachnahme oder Internetbanking, vielfach aus subjektiven Sicher-
heitsbedenken. Das 1996 von VISA und MasterCard entwickelte Sicherheitsproto-
koll SET (Secure Electronic Transfer) sollte eben diese Bedenken zerstreuen, hatte

10 Alle Daten von der Visa-Website www.visa.de.


Internet-Zahlungssysteme in Deutschland und Österreich: ein Überblick 65

jedoch einen wesentlichen Nachteil: die Notwendigkeit einer aufwändigen, fehler-


behafteten Softwareinstallation am Nutzer-PC (DiePresse 2005).

5.1.1 Kreditkarte mit Prüfnummer


Die Abfrage der dreistelligen Prüfnummer, welche auf der Rückseite der Kredit-
karte angebracht ist, soll das Risiko der missbräuchlichen Verwendung von Kre-
ditkartendaten verhindern. Die Abfrage der Prüfnummer soll daher einen erweiter-
ten Schutz bieten und wird zusätzlich zur SSL-Verschlüsselung bei der
Datenübertragung angewandt. Interessant ist allerdings, dass kaum ein Konsument
sich der Tragweite dieser Nummer bewusst ist und sie unkenntlich macht – bei
Entwenden der physischen Karte (oder nur der Kartendaten) ist somit bis zur Sper-
rung der Karte unrechtmäßiges Einkaufen im Netz möglich.

5.1.2 Kreditkarte mit SSL


Laut einer Erhebung von e-rating.at ist in Österreich die hohe Zahl der Online-
Shops, welche keine SSL-verschlüsselte Datenübertragung anbieten, auffallend.
Nur 44,5 % der österreichischen Online-Shops bieten Verschlüsselung an, jedoch
70 % der internationalen (Zeger 2005a). Der geringe Einsatz von Verschlüs-
selungstechnologien ist überraschend, da einerseits die Sorge um die Sicherheit
der Zahlungen für die österreichischen KundInnen als wichtigstes Hindernis bei
Internet-Verkäufen angesehen wird (Statistik Austria 2004) und andererseits für
Anbieter von Onlinediensten aus der EU-Richtlinie 2002/58/EG11 eine Ver-
pflichtung zur Gewährleistung der sicheren Übertragung persönlicher Daten abge-
leitet werden kann (Zeger 2005b). Spätestens seit der Einführung des neuen PCI
(Payment Card Industry) Data Security Standard müssen sich jedoch Onlineshops
ohne verschlüsselte Datenübertragung künftig Alternativen überlegen. Der PCI
Data Security Standard – auf den sich MasterCard, Visa, American Express, Di-
ners Club, Discover und JCB gemeinsam geeinigt haben – schreibt Mindeststan-
dards für die Datensicherheit beim Einsatz von Kreditkarten vor und ist seit dem
30. Juni 2005 weltweit verpflichtend. Die Übertragung von Karteninhaberdaten
und sensiblen Informationen in offenen Netzwerken darf demgemäß nur mehr ver-
schlüsselt erfolgen (Visa 2005a).
Im Zuge der IZH3 Erhebung, auf die Van Baal und Hinrichs später in diesem
Buch eingehen, gaben immerhin noch über 5 % der deutschen Händler an, keine
Verschlüsselung für die Übertragung von Kreditkartendaten anzubieten.

11 Richtlinie 2002/58/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 12. Juli 2002
über die Verarbeitung personenbezogener Daten und den Schutz der Privatsphäre in der
elektronischen Kommunikation (Datenschutzrichtlinie für elektronische Kommunikati-
on).
66 Thomas Lammer, Karsten Stroborn

5.1.3 Kreditkarte mit 3-D Secure


MasterCard und VISA haben sich im Rahmen von 3-D Secure (Three Domain Se-
cure) auf ein einheitliches Protokoll für Online-Zahlungen geeinigt. Mit „Verified
by VISA“ und „MasterCard Secure Code“, wie die jeweilige Umsetzung heißt,
möchten die beiden Kreditkartenunternehmen Sicherheitsbedenken beikommen
und gleichzeitig die Nachteile von SET überwinden. Der Kunde benötigt keine zu-
sätzliche Software, der Händler muss für 3-D Secure jedoch ein Merchant Plugin
installieren. Händler die dieses Verfahren unterstützen, profitieren von einer Zah-
lungsgarantie, unabhängig davon, ob der Issuer das Verfahren unterstützt. Wie be-
reits unter Punkt 4.5 gezeigt, ist das 3-D Secure-Protokoll so allgemein entworfen,
dass es auch für Debitkarten genutzt werden kann (Karasu 2005). 3-D Secure stellt
im Wesentlichen eine zusätzliche Authentifizierung des Kunden dar, welche eine
Abstreitbarkeit der Zahlung durch den Kunden verhindert. Nach Übermittlung der
Daten durch den Kunden an den Händler sendet das Merchant Plugin diese an das
Kreditkartenunternehmen welche die Daten an den Issuer weiterleitet. Der Issuer
initiiert via Merchant Plugin die Abfrage von User-ID und Passwort über den
Browser des Kunden. Bei korrekten Daten erhält der Merchant eine Bestätigung
und eine herkömmliche Kreditkartentransaktion wird initiiert.
Verified by Visa. Ende 2003 führte VISA-AUSTRIA die auf 3-D Secure basie-
rende „Verified by Visa“-Lösung ein. Bis August 2005 hatten sich etwa 40.000
der insgesamt rund 940.000 Visa-Kunden für „Verified by Visa“ angemeldet. Per
Ende August 2005 boten rund 200 Visa-Vertragspartner „Verified by Visa“ an12.
MasterCard Secure Code (MCSC). Europay Austria startete im 2. Quartal 2004
mit MCSC. Von Jänner bis August 2005 wurden 90.000 Transaktionen mit einem
Gesamtbetrag von 5 Mio. Euro bei den 750 MCSC-Akzeptanzpartnern getätigt.
Für das Gesamtjahr 2005 werden 150.000 Transaktionen mit einem Gesamtbetrag
von 9 Mio. Euro erwartet. Die Zahl der Merchants, die MCSC akzeptieren, soll bis
Jahresende 2005 auf 1.000 ansteigen13.

5.2 Überweisung nach Lieferung

Egal ob online oder papiergebunden, diese Art der Bezahlung stellt für den Händ-
ler – der in Vorleistung tritt – das größte Risiko dar. Vielfach wird die Möglich-
keit einer Bezahlung per Überweisung daher beim Erstkauf nicht angeboten. Wie
Van Baal und Hinrichs später in diesem Buch zeigen bietet dennoch immerhin fast
jeder zweite deutsche Online-Shop die Lieferung gegen Rechnung an, in Öster-
reich ist es immerhin noch jeder dritte (Zeger 2005a). Allerdings ist zu beachten,
dass bei etablierten Händler-Kunde-Beziehungen das Risiko für den Handel er-
heblich sinkt, da er einerseits über eine entsprechende Zahlungshistorie verfügt,

12 Persönliches E-Mail von Dr. Gabriele Liegler (VISA-SERVICE Kreditkarten Aktienge-


sellschaft), vom 31.8.2005.
13 Persönliches E-Mail von Dr. Ewald Judt (Europay Austria GmbH), vom 2.9.2005.
Internet-Zahlungssysteme in Deutschland und Österreich: ein Überblick 67

andererseits aber auch bestimmte Spezialhändler (bspw. Outdoorhändler) einen


Kundenkreis servicieren, dem eine zukünftige Bedienung wichtig ist – und somit
die Zahlungsmoral erhöht ist.
Im Falle der papiergebundenen Überweisung wird der mitgesendete Zahlschein
vervollständigt und bei der Bank abgegeben. Die Online-Überweisung erfolgt über
die gewohnte E-Banking-Applikation.

5.3 Billingverfahren

Billingverfahren treten typischerweise im Micropayments-Bereich auf, wo das


Settlement jeder einzelnen Transaktion zumeist unwirtschaftlich ist. Demgemäß
aggregieren Billingverfahren typischerweise die Transaktionen über einen be-
stimmten Zeitraum, um sie danach den Kunden gesammelt in Rechnung zu stel-
len.

5.3.1 FIRSTGATE click&buy


Die FIRSTGATE Internet AG führte im Jahr 2000 ihr System zum Vertrieb und
zur Abrechnung von digitalen Inhalten, click&buy, in Deutschland ein. Eine de-
taillierte Beschreibung von click&buy findet sich im Beitrag von Barthold und
Seidl später in diesem Buch.
Auf dem Weg zur Internationalisierung des Systems wurde im Jahr 2002 auch
das österreichische Lastschriftverfahren integriert. Seit 2004 wird click&buy auch
in Österreich aktiv vermarktet.

5.3.2 T-Pay (per Telekomrechnung)


Im Jahr 2003 stellte die T-Com die Bezahlvariante Telekomrechnung vor. Pöschl
und Hübner beschreiben später in diesem Buch die T-Pay Servicepalette im De-
tail.

5.3.3 bill-it-easy
bill-it-easy ging 2004 in Livebetrieb und bietet die Möglichkeit Zahlungen über
die Rechnung des Internet Service Providers abzuwickeln. Hinter bill-it-easy steht
die montax payment services GmbH, ein Tochterunternehmen von Kapsch und
DIMOCO. Zwar ist es auch möglich bill-it-easy für die Bezahlung physischer Gü-
ter anzuwenden, aufgrund der Ausgestaltung der Lösung erscheint sie jedoch bes-
ser für die Abrechnung von digitalem Content im Micropayment-Bereich geeignet
zu sein. Per September 2005 können die Angebote von 23 unterschiedlichen An-
bietern mit bill-it-easy bezahlt werden14.

14 Gemäß Unternehmenswebsite www.billiteasy.com, Abruf: 2.9.2005.


68 Thomas Lammer, Karsten Stroborn

5.4 Mobile Payments

Im Rahmen der von Karlsson und Taga in diesem Buch vorgestellten Studie zu M-
Payment findet sich Deutschland in der Anfangsphase in Bezug auf die voll-
ständige M-Payment-Marktreife, während Österreich als fortgeschritten hinsicht-
lich des Marktreifestatus bewertet wird. Ein wesentlicher Grund dafür ist zweifel-
los die Einstellung des paybox-Endkundenservices in Deutschland vor nunmehr
über zwei Jahren. In Österreich – wo das Service fortgeführt wurde – setzen neben
paybox jedoch insbesondere die Mobilfunkbetreiber Akzente im Bezahlen per
Mobiltelefon. Die mobilkom austria war nach eigenen Angaben das erste Tele-
komunternehmen, welches im Jahr 2002 eine Bank (A1 Bank) gegründet hat. En-
de 2002 folgte T-Mobile Austria mit einer Banklizenz für die T-Mobile Billing &
Service GmbH15, gefolgt von der Nummer drei am österreichischen Mobilfunk-
markt, One. Vor allem A1, T-Mobile Austria („T-Mobile pay by phone“) und One
(„One mobil“) sind es auch, die ihren Vertragskunden die Möglichkeit anbieten,
Güter und Dienstleistungen mit dem Handy zu bezahlen und – je nach Anbieter –
über die Telefonrechnung, Bankeinzug, Wertkarte oder Kreditkarte abzurechnen
(Lammer 2004). Andere Verfahren, die bei Initiierung oder Autorisierung eben-
falls auf das Mobiltelefon zurückgreifen, haben zwar wesentliche Elemente eines
Billingverfahrens, werden im Rahmen dieses Beitrages jedoch den Mobile Pay-
ment-Verfahren zugerechnet, da die Abrechnung zumeist über die Mobilfunk-
rechnung erfolgt.

5.4.1 paybox
Im Jahr 2000 wurde die paybox austria AG als Tochterunternehmen der deutschen
paybox.net AG gegründet und bietet seit Anfang 2001 ein betreiberunabhängiges
M-Payment-Service in Österreich an. Ende 2002 zog sich die Deutsche Bank, bis
dahin zu 50 % Eigentümer der paybox.net AG, aus dem Unternehmen zurück, was
die Einstellung des paybox-Endkundengeschäfts u.a. in Deutschland zur Folge
hatte. Die mobilkom austria, bis zu diesem Zeitpunkt 49 % Eigentümerin der pay-
box austria, übernahm die Österreich-Tochter zur Gänze (Lammer 2004). Jochen
Punzet beschreibt in seiner Fallstudie später in diesem Buch paybox detailliert.

5.4.2 MIA – M-Commerce Interface Austria


Ähnlich wie die Banken im Rahmen von eps haben sich die österreichischen Mo-
bilfunkbetreiber 3, One, T-Mobile und tele.ring auf eine einheitliche technische
Schnittstelle für Zahlungen mittels Handy geschaffen: MIA16 (M-Commerce Inter-
face Austria). Die mobilkom austria wiederum konzentriert ihr M-Payment-
Engagement vor allem in der 100 % Tochter paybox AG, bietet über die A1 Bank
jedoch auch ihren Mobilfunkkunden die Möglichkeit ihre Handynummer als Ver-

15 Im September 2005 hat die T-Mobile Billing & Service GmbH die Bankkonzession al-
lerdings wieder zurückgelegt (OeNB 2005).
16 Die Website ist unter http://mia.co.at abrufbar.
Internet-Zahlungssysteme in Deutschland und Österreich: ein Überblick 69

rechnungskontonummer zu führen. Bereits bestehende Anwendungen wie Mobile


Ticketing sind in die neue Bank-Lösung eingebunden. Anfang Oktober 2005 kün-
digte One an, ein Sechstel der paybox-Anteile von der mobilkom austria zu über-
nehmen. Vorausgesetzt der Genehmigung europäischer Behörden, zeichnet sich
damit eine weitere Konsolidierung des österreichischen M-Payment-Marktes ab
(paybox 2005).
Bei MIA gibt der Kunde bei der Bezahlung seine Telefonnummer bekannt und
autorisiert den Bezahlvorgang. Im Anschluss bekommt der Kunde noch eine
Bestätigungs-SMS vom Shop zugeschickt. Die Abrechung erfolgt über die monat-
liche Telefonrechnung, bei manchen Betreibern auch über Kreditkarte oder via
Bankkonto. Die Höchstbeträge variieren bei jedem Netzbetreiber.

5.4.3 Handypay
Der Contentprovider Jamba! AG hat mit Handypay17 ein Bezahlsystem für digita-
len Content gestartet, welches Kunden von T-Mobile, Vodafone und O2 zur Ver-
fügung steht. Handypay kann für Zahlungen bis zu einem Betrag von 10 Euro ge-
nutzt werden. Nach Eingabe der Mobilfunknummer auf der Website des Anbieters
erhält der Kunde eine SMS mit PIN-Code, welcher im Bezahlfeld auf der Website
eingegeben werden muss. Die Abrechnung erfolgt über Mobilfunkrechnung oder
das Prepaid-Guthaben beim Mobilfunkbetreiber. Für Verbraucher ist das Service
gebührenfrei.

5.4.4 M-Pay
Vodafone M-Pay18 ermöglicht Bezahlen im E- und M-Commerce sowie am Au-
tomaten und hat aktuell mehr als 40 Akzeptanzpartner. M-Pay steht den Kunden
von Vodafone zur Verfügung und ist ohne zusätzlichen Basispreis nutzbar – es
werden die anfallenden Kommunikationskosten verrechnet. Die Abrechnung er-
folgt über die Mobilfunkrechnung, wobei die einzelnen Transaktionen extra aus-
gewiesen werden.

6 Fazit und Ausblick

x Auch wenn die kommerzielle Bedeutung der elektronischen Bezahlverfahren


im Internet (noch) eher gering ist: Es handelt sich aus zwei Gründen um ein
stark wachsendes attraktives Marktsegment. Zum einen bestimmt eine neue In-
ternet-orientierte Einkaufskultur den Wunsch nach adäquaten Zahlungsmitteln
für dieses Medium. Dazu zählt einerseits der Bequemlichkeitsaspekt für den
Verbraucher, sich im Netz gut zu informieren und nach umfassenden Preisver-

17 Weitere Informationen sind unter http://www.enterpayment.de/download/hp/ abrufbar.


18 Weitere Informationen sind unter folgender URL abrufbar:
http://www.vodafone.de/dienste_kommunikation/infos_unterhaltung/56690.html.
70 Thomas Lammer, Karsten Stroborn

gleichen auch dort einzukaufen, andererseits auch eine neue Einkaufskultur à la


eBay, bei der unter anderem auch neue Vertriebswege ausprobiert werden. Zum
anderen ermöglichen erst geeignete Zahlungsverfahren die Entwicklung digita-
ler Güter- und Dienstleistungsmärkte.
x Auch wenn deren Dynamik in der Anfangseuphorie des WWW überschätzt
wurde, so zeigen die letzten Jahre eine stetige Zunahme sowohl des teils sehr
innovativen Angebots aber auch der Nachfrage nach Digitalem. Interessant
hierbei ist, dass beispielsweise im äußerst erfolgreichen Segment elektronischer
Kleinanzeigen von den Anbietern Gebühren verlangt werden können – abge-
rechnet über elektronische Bezahlverfahren – die bislang im Druckgeschäft bei
der Masse kostenloser Möglichkeiten nicht mehr durchgesetzt werden konnten.
Es sieht so aus, als wäre die Kostenlos-Kultur im Netz an ihre Grenzen gesto-
ßen und sich eine Bezahl-Kultur entwickelt. Daran haben die elektronischen
Bezahlverfahren einen starken Anteil – teils hat ihre Existenz den Markt erst
ermöglicht, da die Transaktionskosten elektronischer Ware massiv gesenkt
werden konnten und zudem das Bündeln der Abrechnung vieler kleiner Beträge
über einen Zahlungssystemanbieter die Abrechnung dieser Beträge erst lukrativ
ermöglicht hat. Einzig im Micropayment-Segment unter 1 Euro tut sich entge-
gen den Erwartungen in den 1990er Jahren relativ wenig.
x Nicht nur die Online-Umfragen, auch die vorgelegten Geschäftszahlen der
Kreditkartenorganisationen zeigen die Marktmacht der Kreditkartenzahlungen.
In der Offline-Welt sind Kreditkarten neben der Barzahlung das einzige inter-
national einsetzbare Zahlungsmittel. Im Internet sieht es ähnlich aus. Der Vor-
teil der Kreditkartenanbieter ist die relativ einfache Verwendung eines existie-
renden Netzwerks inklusive bereits etablierter Vertragsgestaltung zwischen den
Akteuren. Ein solches Netzwerk muss für innovative Zahlungsmittel erst zu
hohen Kosten aufgebaut werden, eine Chance liegt allerdings in neuen Marke-
tingwegen und eventuell niedrigeren Transaktionskosten
x Sicherlich ist eine zu komplizierte Technik noch immer ein Hindernis für inno-
vative Zahlungsverkehrslösungen. Gleichwohl lassen sich aus dem Vergleich
des österreichischen und deutschen Marktes interessante Erkenntnisse gewin-
nen. Zunächst lässt sich die These, innovative Zahlungsverkehrssysteme wären
den Kunden kaum zu vermitteln, so nicht halten. Während paybox in Deutsch-
land den Rückzug angetreten hat, hat das österreichische Pendant einen erfolg-
reichen Marktauftritt; die Konsumenten scheinen den Zusatznutzen erkannt zu
haben. Während in Deutschland die potenziellen Kooperationspartner sowohl
in der Finanzbranche als auch bei den Telekommunikationsunternehmen
Schwierigkeiten haben, gemeinsame technische Plattformen zu bilden, ist die-
ser Weg in Österreich in vollem Gange – sowohl im Bereich Mobile Payment
als auch bei Online-Überweisungen. Von den Kunden werden diese Lösungen,
da sie einen erkennbaren Zusatznutzen bilden, bereitwillig angenommen.
x Wird die Vermarktung intensiviert und bietet der Kooperationspartner respekti-
ve die Konzernmutter deutliche Unterstützung, lassen sich darüber hinaus auch
neuartige, für die Konsumenten ungewohnte Zahlungsverfahren wie das Bezah-
len per E-Mail bei PayPal durchsetzen – dies gilt nicht nur für Österreich und
Deutschland. PayPal beispielsweise ist auf dem besten Weg eine weltweit ak-
Internet-Zahlungssysteme in Deutschland und Österreich: ein Überblick 71

zeptierte Zahlungsverkehrslösung zu werden, die den kritischen Punkt bei


Netzeffektgütern – die Teilnehmerzahl – bereits deutlich erreicht hat.
x Mehrere der in diesem Buch vorgestellten Verfahren und Fallbeispiele zeigen
zudem eine zunehmende Technikaffinität der Kunden bzw. bestimmter Kun-
densegmente im Internet gegenüber den Zeiten einer chancenlosen SET User-
wallet-Installation. In dem Moment in dem der Zusatznutzen für den Kunden
deutlich wird, und sei es über den Leidensdruck eine Dienstleistung im Internet
sonst überhaupt nicht zu erhalten, steigt die Motivation sich mit technischen
Details auseinander zu setzen. So wird beispielsweise damit gerechnet, dass die
GeldKarte, trotz notwendigem Klasse-3-Lesegerät, zur Altersverifikation im In-
ternet durchaus Chancen hat, wenn andere vermeintlich einfachere Wege de ju-
re blockiert sind.
x Generell gilt, das der Markt der Zukunft auch weiterhin durch eine Vielfalt an
Bezahlverfahren und -systemen bestimmt wird, da einerseits viele Spezialwün-
sche befriedigt werden wollen, andererseits unterschiedliche Transaktionsgrö-
ßen auch verschiedene Zahlungsvarianten erfordern. Allerdings wird es sicher-
lich hinsichtlich der Marktanteile keine Gleichverteilung geben. Einige wenige
Marktteilnehmer werden den Markt anführen, dabei werden die „konventionel-
len“ Zahlungsmethoden vorne dabei sein. Inwieweit die klassischen Zahlungs-
systemanbieter, Banken und Kreditkartenorganisationen, auch weiterhin füh-
rend bleiben, wird vor allem der Erfolg oder das Scheitern anderer
Anbieterkooperationen bzw. -konstellationen entscheiden.

Literatur

Bundesbank (2003) Münzgeldentwicklung in Deutschland. Eine empirische Studie über


den Münzgeld- und Banknotenumlauf in der Bundesrepublik Deutschland mit einer
Prognose der Münzgeldnachfrage bis 2007. Frankfurt, Deutsche Bundesbank,
http://www.bundesbank.de/download/bargeld/muenzgeldentwicklung.pdf,
Abruf: 26.8.2005
DiePresse (2005) E-Service: Sicher bezahlen im Internet. Die Presse, 6.4.2005,
http://www.diepresse.com/Artikel.aspx?channel=es&ressort=esh&id=474604,
Abruf: 26.8.2005
ECC (2004) Die Online-Überweisung als Internet-Zahlungssystem der Zukunft?
http://www.ecc-handel.de/erkenntnisse/971276104/, Abruf: 1.9.2005
EHI (2005) Bargeld weiter auf dem Rückzug. Köln, EHI-EuroHandelsinstitut eV,
http://www.ehi.org/aktuell/10/200505/02_001.html, Abruf: 1.9.2005
HDE (2005) Shopping im Netz. Hauptverband des Deutschen Einzelhandels,
http://www.einzelhandel.de/servlet/PB/show/1047084_l1/Online-Hits.gif,
Abruf: 1.9.2005
Karasu I (2005) Privatkundengeschäft und Banktechnologie: Meilensteine auf dem Weg ins
Online-Zeitalter. In: die bank 06/Juni 2005.
http://www.die-bank.de/printArtikel.asp?artID=400, Abruf: 1.9.2005
Ketterer KH, Stroborn K (2002) Handbuch ePayment. Zahlungsverkehr im Internet: Syste-
me, Trends, Perspektiven. Köln, Dt. Wirtschaftsdienst
72 Thomas Lammer, Karsten Stroborn

KJM (2003) KJM (2003) Pressemitteilung vom 11. Dezember 2003. http://www.kjm-
online.de, Abruf: 18.8.2005
Lammer T (2004) Mobile Payment Systems. Grundlagen-Praxisbeispiele-Erfolgsstrategien.
Innsbruck-Wien-Bozen, StudienVerlag
Mooslechner P, Stix H und Wagner K (2002) Austrian Households' Payment Habits – Re-
sults of a Study on the Use of Payment Cards and the Structure of Payment Transac-
tions in 2000. Focus on Austria 1/2002, OeNB, Vienna, pp 89–117
OeNB (2005) Version-Info Kreditinstituts-Verzeichnis 2005,
http://www.oenb.at/de/img/internet_ba_std05_tcm14-26661.zip, Abruf: 6.10.2005
paybox (2005) mobilkom austria und ONE mit paybox als gemeinsame m-payment Lö-
sung, http://www.paybox.at/266.php, Abruf: 6.10.2005
Statistik Austria (2004) E-Commerce 2003/04. Ergebnisse der Europäischen Erhebung über
E-Commerce 2003/04 und der Europäischen Piloterhebung über E-Commerce 2003/04
im Bereich Kredit- und Versicherungswesen. Wien, Statistik Austria
Stix H (2003) How Do Debit Cards Affect Cash Demand? Survey Data Evidence, Working
Paper 82, Vienna, Oesterreichische Nationalbank,
http://www.oenb.at/de/img/wp82_tcm14-6175.pdf, Abruf: 1.9.2005
Stix H (2004) Wie wirken sich Bankomatabhebungen und Zahlungsinnovationen auf die
Bargeldhaltung in Österreich aus? Geldpolitik und Wirtschaft 1/2004, OeNB, Wien,
S 99–115
Stroborn K, Heitmann A, Frank G (2002) Internet-Zahlungssysteme in Deutschland: ein
Überblick. In: Ketterer KH, Stroborn K (2002) Handbuch ePayment. Zahlungsverkehr
im Internet: Systeme, Trends, Perspektiven. Köln, Dt. Wirtschaftsdienst, S 31–44
VISA (2005a) Unternehmenswebsite.
http://www.visa.de/visa_fuer_haendler/sicherheitsstandards_karteninhaberdaten_ais.ht
m, Abruf: 1.9.2005
Zeger HG (2005a) Online Shopping Guide 2005 erschienen.
http://www.e-rating.at/php/cms_monitor.php?q=PUB-TEXT-E-
RATING&s=59298bbi, Abruf: 1.9.2005
Zeger HG (2005b) Analyse der Einhaltung der eCommerce-rechtlichen Bestimmungen bei
Online-Shops. Bundesministerium für soziale Sicherheit, Generationen und Konsu-
mentenschutz, Wien
http://www.bmsg.gv.at/cms/site/attachments/9/4/0/CH0036/CMS1118233173090/studi
e_ecommerce.pdf, Abruf: 1.9.2005
M-Payment im internationalen Kontext

Johan Karlsson, Karim Taga

Arthur D. Little Austria GmbH, Wien

1 Ein langsamer Anfang

Der Markt für Mobile Payments ist bisher hinter den Erwartungen der Analysten
zurückgeblieben. Ältere Prognosen von Marktforschungsunternehmen, die mit
Umsätzen von bis zu 15 Milliarden US-Dollar in 2003 rechneten, haben sich als
zu optimistisch herausgestellt. Auch wenn der M-Payment Markt in den letzten
Jahren gewachsen ist, so hat das Wachstum bei weitem nicht die Erwartungen er-
füllt, denn in Realität verzeichneten mobile Transaktionen einen Umsatz von nur
3,2 Milliarden US-Dollar.
Warum ist es im M-Payment Segment nicht zu dem von vielen Branchenexper-
ten vorgesehenen explosiven Zuwachs gekommen? Das lag zum einen an der
wirtschaftlichen Entwicklung und der Situation der Finanzmärkte nach dem Dot-
com- und Mobilfunk-Hype, zum anderen hat die Industrie selbst die Entwicklung
durch unklares Marketing, nicht ausreichend kommunizierten Nutzen für den
Kunden, mangelnde Standardisierung der verschiedenen Systeme sowie fehlenden
Partnerschaften behindert. Arthur D. Little hat das Feld M-Payment in einer welt-
weiten Studie, im Zuge derer über 100 Experten aus mehr als 30 Ländern inter-
viewt wurden, untersucht (Taga u. Karlsson 2004).

2 Viele Player haben viel zu gewinnen

Insgesamt ist es bei allen Arten von M-Payment-Transaktionen auffällig, dass es


sich stets um eine komplexe Wertschöpfungskette handelt – im Vergleich zu ande-
ren Formen der Bezahlung. Entlang der M-Payment Wertschöpfungskette sind
mehr Akteure involviert als bei herkömmlichen Zahlungsverfahren und ihre Rol-
len sind Änderungen unterworfen (siehe Abb. 1). Deswegen ist es für alle Betei-
ligten eine große Herausforderung, eine klare Rollenverteilung zu finden und für
alle Player selektive Anreize zu setzen.
74 Johan Karlsson, Karim Taga

M-Payment Wertschöpfungskette
Verbände und Foren
Regulierungsbehörden
Anbieter von
Transaktions- Banken
diensten
Mobilfunk-
Händler Neue Anbieter Kunden
betreiber

Kreditkarten Interbanken

Middleware /
Anwendungen Plattformbetreiber Gerätehersteller

Abb. 1. M-Payment Wertschöpfungskette

Mobilfunkunternehmen befinden sich hier in einer guten Position, um stark von


der Zunahme von M-Payments zu profitieren. Sie haben eine enge Beziehung zum
Kunden, verfügen über die nötige Infrastruktur für M-Payments und haben Ein-
fluss auf die Endgerätewahl der Kunden. Mit zunehmender Reife des Marktes für
Sprachtelefonie interessieren sich Mobilfunknetzbetreiber für mobile Datenüber-
tragung, um ihre Margen zu erhöhen oder zu sichern. Dabei ist es für Betreiber ein
nahe liegender erster Schritt in Richtung M-Payments, das Wiederaufladen von
Prepaid-Karten über M-Payment anzubieten, und somit die hohen Distributions-
kosten für Prepaid-Karten zu reduzieren. Betreiber die innovativere M-Payment
Dienste anbieten, wie z.B. M-Parking und M-Ticketing erreichen durch zusätzli-
che Service-Gebühren höhere Margen. Die Vorteile für Mobilnetzbetreiber sind
allerdings nicht nur finanzieller Natur. In der Arthur D. Little Studie nannten Mo-
bilnetzbetreiber vor allem die Möglichkeit zur Differenzierung gegenüber den
Wettbewerbern als einen der Hauptvorteile von M-Payments.
Finanzdienstleistungsunternehmen wie Kreditkartenfirmen und Banken haben
gute Beziehungen mit Händlern und Kunden aufgebaut und darüber hinaus ver-
fügen sie über fundiertes Wissen im Bereich Zahlungstransaktionen und Risiko-
management. M-Payment gibt Banken die Möglichkeit, neue Kundensegmente zu
erschließen, die sie sonst nicht erreichen würden. Ein Beispiel ist das Jugendseg-
ment, welches in der Regel kein signifikanter Anwender von Bankdienstleistungen
ist. Viele Banken wollen aber nicht in M-Payments investieren, da sie die dafür
notwendigen Investitionen und eine mögliche Kannibalisierung ihres Kernge-
schäfts abschrecken.
Nichtsdestotrotz stellt M-Payment für Mobilfunkunternehmen sowie Finanz-
dienstleistungsunternehmen eine mögliche zusätzliche Ertragsquelle mit Gewinn-
margen zwischen 2,4 % und 5 % dar.
M-Payment im internationalen Kontext 75

Einzelhandel allgemein 2,4%

Überweisungen an Telefon 2,4%

Verkaufsautomaten 3,4%

Eintrittskarten 3,8%

Fahrscheine 4,0%

Mobile Gambling 4,8%

Mobile Insurance 5,0%

0% 2% 4%
Durchschnittlich erwartete Gewinnmarge (in %)

Abb. 2. Gewinnmargen bei M-Payment

Händler sehen in M-Payment-Anwendungen die Möglichkeit, sich zu differenzie-


ren und dadurch ihren Umsatz zu erhöhen. Zusätzliche Vorteile können sie durch
die schnellere Zahlungsautorisierung und das im Vergleich zu Kreditkarten poten-
tiell niedrigere Niveau von Zahlungsbetrug lukrieren. In vielen Fällen stellen die
M-Payment-Betreiber sogar eine Zahlungsgarantie aus.
Zulieferer, wie z.B. Plattform- und Endgerätehersteller, warten die Systeme;
entwickeln Applikationen für M-Payments und können vom erhöhten Umsatzpo-
tential des neuen M-Payments-Marktes profitieren. Der führende Handyhersteller,
Nokia, versucht bewusst eine führende Rolle im Prozess einzunehmen und hat an-
gefangen mit Banken, VISA und MasterCard zu kooperieren, um ein neues M-
Wallet Applikation zu entwerfen.
Zusätzlich finden auch Kunden, vor allem durch die Convenience der M-Pay-
ment-Dienste einen Nutzen. Der bedeutendste Differentiator von M-Payments ist
das hohe Maß an Flexibilität, das die Applikationen in Zeit und Raum mit sich
bringen.

3 So funktionieren M-Payments

Basierend auf dem Zahlungskanal gibt es fünf Kategorien von mobilen Transakti-
onen.
x Telekomnahe Transaktionen und mobiles Portal: Transaktionen zwischen dem
Mobilbetreiber und dem Kunden. Hierzu zählt zum Beispiel das schon heute
bedeutende Segment für Handystyling, welches Zahlungstransaktionen für
Klingeltöne, Logos, Wallpapers und Spiele beinhaltet. Auch das Aufladen von
Wertkartenhandys kann zu diesem Segment gezählt werden. So kann ein Fami-
lienmitglied über sein Vertragshandy die Wertkartenhandies der weiteren Fami-
76 Johan Karlsson, Karim Taga

lienmitglieder aufladen. Der ganze Betrag wird dem Vertragshandy verrechnet


und der Mobilbetreiber vermeidet hohe Vertriebskosten.
x Phone to Machine (P2M): M-Payments an Automaten für Einkäufe von Waren
wie Getränken, Zigaretten und Tickets. Wenn z.B. ein Kunde Zigaretten von
einem Automaten kaufen will, schickt er eine SMS mit dem Code für die ge-
wünschte Zigarettenmarke an eine besondere M-Payments-Nummer. Das M-
Payments-System schickt dann den Befehl an den Automaten, die Zigaretten
auszuliefern. In den meisten EU-Ländern muss bei Tabakverkäufen in Kürze
überprüft werden, ob der Kunde ein Mindestalter erreicht hat und M-Payment-
Lösungen können das Alter des Kunden überprüfen, bevor die Transaktion bes-
tätigt wird.
x Face to Face (F2F): M-Payments bei Point-of-Sale-Terminals (POS) in Ge-
schäften, Tankstellen und Taxis.
x Online: Diese Transaktionen werden direkt von einem an das Mobilnetz ange-
schlossenen Server abgewickelt. Beispiele sind Transaktionen für Bücher, CDs,
DVDs, Event Tickets oder Antworten an mobile Push-Marketing Aktionen. M-
Parking, anfangs einer der beliebtesten M-Payment-Dienste, gehört auch zu
dieser Kategorie. Der Kunde schickt eine SMS mit der gewünschten Parkdauer
an den M-Commerce-Server. Der Server antwortet gleich mit einem elektroni-
schen Parkschein. Zehn Minuten bevor der Parkschein ausläuft schickt der Ser-
ver noch eine Erinnerung an den Kunden und der Kunde kann den Schein ver-
längern, ohne an sein Auto zurückgehen zu müssen.
x Phone to Phone (P2P): Bezahlungen für Einkäufe über Versteigerungsplattfor-
men wie z.B. eBay, Bezahlungen wo Restaurantgäste ihren Teil der Rechnung
an einen Freund zahlen und der Freund dann die Gesamtrechnung an das Re-
staurant bezahlt, Übertragen von Taschengeld an Kinder, etc. In diesen Fällen
schickt der Kunde eine SMS mit der zu übertragenden Summe und der Mobil-
nummer des Empfängers an den M-Payment-Server. Der Server ruft zurück
und verlangt zur Autorisierung der Transaktion einen PIN-Code. Das Geld wird
dann an das Telefonkonto des Empfängers transferiert.
Zusätzlich wird zwischen Micro- und Macropayments unterschieden. Generell
wird eine Grenze bei 10 Euro gezogen. Transaktionen unter 10 Euro werden Mic-
ropayments und Transaktionen über 10 Euro Macropayments genannt. In den In-
terviews zur Studie ist allerdings aufgefallen, dass die Trennung viel mehr nach
den jeweiligen Authentifizierungsverfahren zu ziehen ist. Eine Transaktion die nur
durch die SIM-Karte authentifiziert wird, ist eine Micropayment, während Trans-
aktionen, die zusätzlich über eine PIN (Personal Identification Number) authenti-
fiziert werden, unter Macropayments fallen. In Abb. 3 werden die verschiedenen
M-Payment Transaktionen nach Zahlungskanal und Transaktionsgröße kategori-
siert: Im Bereich Telekom und mobiles Portal werden vorwiegend Transaktionen
geringer Größenordnung abgewickelt, während Makrozahlungen in erster Linie
über Online- und persönliche Kanäle erfolgen.
M-Payment im internationalen Kontext 77

Höhe der Beträge Point of Sale


Zahlungskanal
Mikrozahlungen Makrozahlungen (Beispiele)
< 10 Euro* > 10 Euro*

TK - mobiles Portal Content Server

Webseite- /
Online M-Commerce-Plattform
P2M Getränke- /
(Phone-to-Machine) Ticketautomat
F2F
(Face-to-Face) Taxi

P2P -
(Phone-to-Phone)
*) indikative Werte, abhängig vom Umfang des jeweils verwendeten Authentifizierungsverfahrens

Abb. 3. Kategorisierung von M-Payments nach Zahlungskanal und Transaktionsgröße

4 Regionale Unterschiede

Bei einem Ländervergleich wird deutlich, dass die einzelnen Länder sich in unter-
schiedlichen Reifephasen hinsichtlich der Marktdurchdringung mit M-Payments
befinden. Während im technologiefreundlichen Asien M-Payments zum Teil weit
verbreitet sind, befinden sich viele lateinamerikanische Länder noch am Anfang
der Entwicklung. Die niedrige Bankkontopenetration in Lateinamerika begrenzt
zum Teil das M-Payment Potential. Allerdings gibt es Mobilfunkbetreiber, die
schon neue Geschäftsmodelle entwickeln, um die an Banken nicht angeschlosse-
nen Kunden zu bedienen. In Venezuela, ein Land mit einer mittleren Mobilpenet-
ration und einer hohen Prepaid Kundenbasis, steht schon ein Dienst zum Aufladen
von Wertkartenhandys zur Verfügung. In Europa liegt vor allem Österreich weit
vorne.
Auch in den USA ist der M-Payment Markt sehr klein. Das ist vor allem auf die
starke Fragmentierung des Bankensektors und der Mobilfunkbranche, und weiters
auf die breite Zugänglichkeit von weit akzeptierten Zahlungsinstrumenten wie
z.B. Kreditkarten zurückzuführen. Allerdings hat die USA die höchste Rate an
PC-Anwendern und Kreditkarteninhabern weltweit. Dies, kombiniert mit dem ho-
hen Wachstumspotential des Mobilsegments, könnte zur Entstehung eines sehr att-
raktiven M-Payment Markts führen, wenn M-Payment-fähige POS-Endgeräte am
Markt verbreitet werden.
Basierend auf der Arthur D. Little-Studie wurden Rahmenbedingungen identi-
fiziert, die zur Marktentwicklung in Märkten am Anfang der Entwicklung beige-
tragen haben:
78 Johan Karlsson, Karim Taga

x ein gut etablierter Finanzdienstleistungssektor,


x hohe Mobilpenetration mit hohem Anteil an Vertragskunden,
x ein entwickelter Internetmarkt und
x eine regulatorische Umgebung, die zumindest nicht die M-Payment-Entwick-
lung entmutigt hat.
M-Payment*

Österreich
Marktreife

Korea
Relative

Singapur
Norwegen
100%
Spanien
Japan
Finnland
80% Italien
Kroatien
China
60% Niederlande
Schweiz
Schweden
40% Deutschland
UK
Tschechien
Venezuela Kanada
20% USA
Slowakei Estland
Frankreich
Kolumbien Belgien
0%
Hongkong
Marktreife
Status
nicht ausgereift Anfangsphase in Entwicklung fortgeschritten vollständig
*) in Bezug auf vollständige Marktreife

Abb. 4. M-Payment Marktreife

Entsprechend dieser Rahmenbedingungen erwarten die befragten Experten für


2006 bis 2008 eine tendenziell größere Verbreitung von M-Payment in Asien und
Australien im Vergleich zu Europa.

80%
Asien & Australien 71%
Europa
60%
51%
43%
40%

20%
8%
2% 0%
0%
2004 2006 2008
Abb. 5. Prognostizierte Verbreitung des M-Payment (% der Befragten, die eine hohe
Verbreitung erwarten).
M-Payment im internationalen Kontext 79

5 Der Führende prägt den Markt

Innerhalb der einzelnen Märkte lassen sich in Abhängigkeit davon, wer entlang
der Wertschöpfungskette den Prozess maßgeblich vorangetrieben hat fünf ver-
schiedene Geschäftsmodelle ausmachen: getrieben
x von den Mobilfunknetzbetreibern,
x von den Banken,
x von unabhängigen Payment Service Providern,
x von der Regierung oder
x von der Industrie.
Wenn ein M-Payment-Markt ganz am Anfang der Entwicklung steht, oder wenn
er in einem großen, sehr liberalisierten Geschäftsumfeld versucht zu wachsen,
scheint Anarchie zu herrschen. Anarchie herrscht, wenn verschiedene Stakeholder
ihre eigenen Plattformen mit wenig Kooperationen, geschlossenen Schnittstellen
und proprietären Lösungen pushen. Beispiele von Ländern, die sich in einem Sta-
tus von Anarchie befinden sind Italien, Deutschland und Großbritannien. Hier sind
die Rollen der Teilnehmer in der Wertschöpfungskette noch unklar. Der Mangel
an einem starken Geschäftsmodell begrenzt die Zusammenarbeit zwischen den un-
terschiedlichen Playern am Markt. In Großbritannien und Deutschland hat sich
gezeigt, dass Content Aggregator in den M-Payment Markt gehen. Grund dafür ist
sicherlich, dass digitaler Content zurzeit der größte Markt für M-Payments ist.
Bango in Großbritannien und Jamba in Deutschland sind zwei Beispiele dafür,
dass Content Aggregator eigene M-Payment Dienste auf den Markt gebracht ha-
ben.
Im einem Geschäftsmodell, das von Mobilfunkbetreibern getrieben wird, kon-
trolliert der Mobilfunkbetreiber die Mehrzahl der Transaktionen und Verträge mit
den Händlern. Beispiele für dieses Modell sind mobilkom mit paybox in Öster-
reich und NTT DoCoMo in Japan. So hat mobilkom bereits 1999 zusammen mit
der österreichischen Eisenbahn ÖBB ein M-Ticket eingeführt und seitdem konti-
nuierlich an der Ausweitung des M-Payment Diensteportfolios gearbeitet.
In Modellen, die von Banken getrieben werden, bilden Finanzdienstleistungsin-
stitutionen eine Joint Venture zur Entwicklung, Betrieb und Vermarktung von M-
Payment-Plattformen und laden Mobilfunkbetreiber zur Zusammenarbeit ein. In
Belgien gibt es ein Beispiel für ein bankengetriebenes Modell. Dort wurde dem
Clearinghouse Banksys die Vollmacht von den Banken erteilt, M-Payment-
Aktivitäten zu entwickeln. Bis jetzt hat Banksys eine M-Payment-Plattform entwi-
ckelt, die schon erfolgreich das Aufladen von Wertkartenhandys für den zweit-
größten Mobilfunkbetreiber abwickelt. Man sieht noch Partnerschaften mit zwei
weiteren Mobilfunkbetreibern vor und es ist wahrscheinlich, dass die Plattform
zum Standard für M-Payments in Belgien wird.
Singapur und Korea sind zwei der fortgeschrittensten M-Payments-Märkte der
Welt und exzellente Beispiele von regierungsgetriebenen Märkten. In Singapur hat
man auf Initiative der Regierung die Entwicklung einer M-Payment-Plattform
ausgeschrieben. Die Stakeholder jedes bietenden Konsortiums mussten die gesam-
80 Johan Karlsson, Karim Taga

te Wertschöpfungskette unterstützen. Eine Reihe von M-Payment Pilotprojekten


sind schon weit fortgeschritten. YW8, eine Zusammenarbeit zwischen Banken,
Transaction Service Providern, Mobilfunkbetreibern und Händlern, ist dank des
entstehenden M-Lifestyle im Land sehr erfolgreich.
Auf einigen Märkten haben unabhängige, oft Venture Capital finanzierte Servi-
ce Provider eine Banklizenz erworben und sind fähig mobile Zahlungstransaktio-
nen abzuwickeln. Contopronto ist ein norwegischer M-Payment Dienstleister mit
einer unabhängigen M-Payment-Lösung, die im Jahr 2002 auf den Markt gebracht
wurde. Die Firma hat auch eine E-Geld-Lizenz vom norwegischen Finanzministe-
rium bekommen. Contoprontos Plattform erlaubt Mobilfunkkunden Bezahlungen
und Geldtransaktionen an jedes Bankkonto und jede Kreditkarte über das Handy
abzuwickeln.

6 Eine Branche mit Zukunft

Auch wenn der M-Payment Markt in den letzten Jahren gewachsen ist, so hat das
Wachstum die Erwartungen bei weitem nicht erfüllt. Seit einiger Zeit gibt es aller-
dings in einigen Ländern Zeichen dafür, dass Marktteilnehmer angefangen haben,
Partnerschaften zu entwickeln, um den Markt besser zu bedienen und es gibt Bei-
spiele aus mehreren Ländern, in denen M-Payment Dienste erfolgreich auf den
Markt gebracht worden sind.
Im Zuge der Arthur D. Little-Studie wurden Experten nach dem momentanen
Entwicklungsstand ihres Marktes hinsichtlich unterschiedlicher M-Payment
Dienste befragt. Jene Dienste, die zurzeit in Entwicklung oder schon eingeführt
sind, sind in Abb. 6 aufgelistet. Demnach sind die üblichsten M-Payment Dienste
Kino- und Eventtickets, Internetzahlungen und mobile Shopping.

Fernverkehrszugtickets 4% 5% 9% 25% 58%

Nahverkehrstickets 2% 14% 11% 21% 53%


Mobiles Gambling 4% 23% 9% 26% 39%

Automaten 9% 18% 23% 18% 33%

M-Parking 5% 25% 25% 18% 28%

Mobiles Shopping 11% 28% 9% 25% 28%

Internettransaktionen 2% 37% 7% 28% 26%

Eventtickets 18% 16% 19% 25% 23%

Kinotickets 14% 25% 18% 28% 16%


0% 20% 40% 60% 80% 100%

Interviewteilnehmer (in %)

Start < 6 Monate her Start >= 6 Monate her Pilot In Entwicklung Nicht geplant

Abb. 6. Entwicklungsstand unterschiedlicher M-Payment Dienste


M-Payment im internationalen Kontext 81

Unterschiede im Reifegrad verschiedener Märkte wird es auch in Zukunft geben.


Wie schnell M-Payment Dienstleistungen brauchen, um Fuß zu fassen, ist vor al-
lem von Marktbesonderheiten, Key Playern und entsprechenden Regulatoren ab-
hängig. Grundsätzlich wird der Markt auch in Zukunft insbesondere von den Mo-
bilfunkbetreibern getrieben werden. Allerdings werden, zu Gunsten des M-
Payment Marktes, die Banken und Kreditkarteninstitutionen eine größere Rolle
spielen. Regulatoren wird ebenfalls eine wichtige Rolle beigemessen, da sich ohne
ihre Unterstützung M-Payment in keinem Markt behaupten kann.
Die Grundinvestition in eine M-Payment Plattform ist nicht zu unterschätzen,
so kann etwa eine M-Ticketing Plattform 250.000 US-Dollar kosten. Es gibt aller-
dings besondere Vorteile für den Marktführer und signifikante Risiken für den, der
keine M-Payment Strategie entwickelt. Ein Unternehmen, das die M-Payment
Entwicklung führt, wird nicht nur am Markt als einen Innovationsführer angese-
hen, sondern kann auch ein System entwerfen, das seiner Marktpositionierung und
seinen Stärken angepasst ist. Zu einem gewissen Teil wird der Marktführer auch
die Bedingungen anderen Unternehmen, die später auf den Markt eintreten vor-
schreiben und letztendlich hat er eine stärkere Verhandlungsposition.
Auf der anderen Seite werden Unternehmen, die den M-Payment Markt im
Moment vernachlässigen, damit konfrontiert sein, den Start eines schnell wach-
senden Marktes verpasst zu haben. Ein später Markteintritt birgt die Risiken, al-
leine dazustehen, nur wenige potentielle Partner zur Auswahl zu haben und nur
teure Optionen für den Zugang zu einer M-Payment Plattform vor zu finden.
Basierend auf unserer Studie, glauben wir, dass M-Payments in den nächsten
Jahren hauptsächlich Dienste wie M-Parking und M-Ticketing unterstützen wer-
den. Weiters sind wir davon überzeugt, dass M-Payments in der nahen Zukunft
zum Beispiel Kreditkarten nicht ersetzen werden. Allerdings in Märkten wie z.B.
in den USA, in denen Kreditkarten sehr häufig verwendet werden, kann M-
Payments ein zusätzliches Medium werden, über welches Kreditkartentransaktio-
nen ausgeführt werden können.
In Österreich akzeptieren schon 4.000 Stellen das Handy als Zahlungsmittel.
Wie in Abb. 7 dargestellt, kann man ohne Probleme einen ganzen Tag ausschließ-
lich mit dem Handy als Zahlungsmittel gestalten.

7 Die Herausforderungen

Der M-Payment Markt ist noch weit davon entfernt, weltweit etabliert zu sein. Um
dies zu erreichen, müssen mehrere strategische Herausforderungen von allen Teil-
nehmern der Branche adressiert werden.
82 Johan Karlsson, Karim Taga

12
Kauft Ticket für die Straßenbahn unterwegs zur
9 3
Haltestelle. Vermeidet die Schlangen vor den
Ticketautomaten.
6

12
Kauft eine Schachtel Zigarette vom
9 3 Automaten bei der Straßenbahnhaltestelle.
6

12
Auf dem Weg zum Büro bekommt er eine
9 3 Einladung zu Freunden in Berlin und kauft das
6 Zugticket Wien-Berlin über sein Handy.

12 Besucht einen Kunden zusammen mit einem


9 3 Kollegen, fährt mit dem Auto und bezahlt die
6
Parkgebühr per Handy.
12 Das Kundengespräch läuft gut und dauert länger
9 3 als geplant. Das Parkticket wird über Handy
6
verlängert, ohne Verlassen des Meetings.
12
Auf dem Weg zurück füllt er den Tank auf. Ein
9 3 Cola wird vom Automaten außerhalb des Büros
6 gekauft. Alles wird mit dem Handy bezahlt.

12 Pizza für die ganze Belegschaft im Büro wird


9 3
bestellt. Die Rechnung wird gesamt per Handy
bezahlt. Kollegen bezahlen ihren Teil der Rechnung
6
vom Handy zu Handy.
12
Während der Mittagspause wird ein Lottotip
9 3 abgegeben und Tickets für das Britney Spears-
6 Konzert nächste Woche gekauft. Die Tickets sind
noch dazu versichert und er bekommt das Geld
12
zurück im Falle von Krankheit.
9 3
Der nächste Kundentermin fängt bald an und die
6
Fahrt wird mit Taxi unternommen. Die Rechnung
12
wird mit dem Handy bezahlt.
9 3 Auf dem Rückweg kauft er ein Weingeschenk
6 für die Freunde in Berlin. Der Wein wird mit
dem Handy bezahlt und an das Büro geliefert.
12

9 3 Es ist Zeit für einen Kaffee – in Wien gibt es etliche


6 Kaffeehäuser, wo mit dem Handy bezahlt werden kann.
12

9 3
Der nächste Kundentermin findet in einem
M-Payment-fähigen Restaurant statt.
6

12 Am Abend informiert er sich über das Kino- und


9 3 Theaterangebot. Er entscheidet sich für Theater
6 und kauft die Tickets mit seinem Handy.
12
Gleich nach dem Theaterbesuch ruft die Tochter
9 3
an. Sie hat gerade eine Freundin besucht und
möchte abgeholt werden. Geld für ein Taxi wird
6
direkt an ihr Handy übertragen.

Abb. 7. M-Payment Anwendungsszenarien in Österreich


M-Payment im internationalen Kontext 83

7.1 Herausforderung 1: Klare Verteilung von Rollen und Anreizen


entlang der Wertschöpfungskette

Die großen Mobilfunkunternehmen und Netzbetreiber sind wegen der vorhande-


nen technischen Infrastruktur und der relativ großen Kundenzahlen am besten ge-
eignet, um M-Payment-Dienstleistungen zur realisieren. Beim Zahlungstransfer
fehlen ihnen jedoch oft die Transaktions-Infrastruktur und die notwendigen Kern-
kompetenzen. Hinzu kommt, dass das Sicherheitsbedürfnis bei Kunden stark aus-
geprägt ist und ein ausreichendes Vertrauen in die Abwicklung von Zahlun-
gen eher bei den etablierten Banken gegeben ist. Bei der Abwicklung der
Zahlungen über das Girokonto der Kunden – wie dies gerade für Macro-Payments
von vielen Kunden bevorzugt wird – sind die Banken ohnehin ein notwendiger
Partner. Viele Netzbetreiber haben diesen Trend erkannt und halten entsprechende
Partnerschaften für sinnvoll.
Daneben beherbergt die Wertschöpfungskette für M-Payment eine Reihe von
weiteren Marktteilnehmern, die sich Nutzen aus mobilen Zahlungsmöglichkeiten
versprechen. Die Gefahr von proprietären Insellösungen und Schnittstellenprob-
lematiken ist bei mangelnden Partnerschaften also groß.
Ein Mehrwert kann nur dann für den Kunden und die Anbieter geschaffen wer-
den, wenn sich entsprechende übergreifende Allianzen z.B. zwischen Netzbetrei-
bern, Banken, Handelsorganisationen und Terminal-Anbietern bilden. Abb. 8 zeigt
beispielhaft den Ablauf einer M-Payment Transaktion mit mehreren beteiligten
Partnern. Ein vollständiger M-Payment-Prozess enthält demnach Initiierung, Au-
torisierung, Clearing und Abrechnung, Bestätigung des Geldtransfers und Liefe-
rung von Dienstleistung oder Ware.

Monatliche
Mobilfunk- Wertkarte Bankkonto Kredit-/Debit- Stored Value
rechnung Karte Account

3
Clearing / Abrechnung

Mobile Payment
Dienstleister 4
1
Initiierung Bestätigung
2 Geldtransfer
Autorisierung

5
Kunde Lieferung von Dienstleistung/Ware Händler

Abb. 8. Ablauf eines M-Payment Prozesses


84 Johan Karlsson, Karim Taga

7.2 Herausforderung 2: Standardisierung der Technologie, damit eine


offene Payment Lösung entstehen kann

Offene Standards und Interoperabilität zwischen Plattformen und Dienstleistungen


sind kritisch für den weitflächigen Zugang zu M-Payment-Diensten. So lange ein
Standard fehlt, trauen sich viele Unternehmen nicht in M-Payment zu investieren.
Sie würden sich schwer tun, einen genügend großen Markt zu erschließen. Es gibt
viele Standardisierungsorgane, die sich mit M-Payment beschäftigen. Beispiele
sind Mobey Forum, Open Mobile Alliance, MeT Ltd., Pay Circle und Simpay,
wobei letzteres seine Aktivitäten vorerst eingestellt hat. Ziel dieser Organisationen
ist die Harmonisierung der M-Payment Standards. Die Organisationen sind aller-
dings alle sehr branchenspezifisch (siehe Abb. 9) und es findet zu wenig Aus-
tausch zwischen den Branchen statt.

Branchengruppen

Mobilbetreiberfokussiert

Bankenorientiert

Technologiefokussiert

Sonstige

Abb. 9. Standardisierungsgremien mangelt es an branchenübergreifender Kooperation

Da viele M-Payment-Verfahren eine erstmalige Anmeldung am Verfahren oder


sogar Softwareinstallation auf dem mobilen Endgerät benötigen, sind einheitliche,
benutzerfreundliche Standards und eine damit verbundene Vielzahl von Akzep-
tanzstellen wichtig. Nur wenn der Zusatz-Aufwand für den Kunden in einem zu-
mutbaren Rahmen bleibt, werden sich neue Bezahlverfahren durchsetzen können.

7.3 Herausforderung 3: Entwicklung bzw. Aufbau einer


vertrauenswürdigen Marke, um Vertrauen in M-Payments bei
einer kritischen Masse von Endkunden und Händlern zu erzeugen

Die Akzeptanz von mobilen Zahlungsverfahren bei den Kunden ist ein entschei-
dender Faktor für den Erfolg von M-Payment. Ein sehr wichtiges Kriterium dafür
ist die wahrgenommene Sicherheit der Transaktionen und Schutz der persönlichen
M-Payment im internationalen Kontext 85

Daten des Kunden. Als die relevantesten Segmente für M-Commerce und damit
auch M-Payment wurden im Rahmen der Arthur D. Little-Studie Erwachsene und
Teenager identifiziert.

Erwachsene 96%
Teens 79%
Kleinstunternehmen
& Heimbüros 40%

Corporates 35%

KMUs 29%

Schüler 25%

Kinder 13%

0% 20% 40% 60% 80% 100%


Relevante Segmente (in %)
Abb. 10. Relevante Segmente für M-Commerce und M-Payment

Bei der Abrechnung von M-Payment Transaktionen herrscht auf der Kundenseite
oft Unsicherheit hinsichtlich der Vertraulichkeit und Sicherheit der persönlichen
Daten. Negative Schlagzeilen aus dem Handel im Internet haben Verbraucher
deutlich sensibilisiert – Sicherheitsbedenken senken die Wechselbereitschaft zu
mobilen Finanztransaktionen. Auch hier sind Partnerschaften mit renommierten
Marken aus dem Finanzsektor zur Schaffung von Vertrauen bei neuen Bezahlver-
fahren von Bedeutung – nicht zuletzt da Sicherheit ja zum großen Teil auch ein
subjektives Empfinden ist.
Viele neue Dienstleistungen setzen sich erst mit dem Erreichen einer kritischen
Masse an Nutzern langfristig durch. Eine flächendeckende Verfügbarkeit ist damit
von großer Bedeutung, da die Kunden erwarten, dass Ihnen ein mobiles Zahlungs-
system überall zur Verfügung steht. Genauso wichtig sind eine einfache, flexible
Benutzung des Systems und die Schaffung echter Mehrwerte für den Kunden.

7.4 Herausforderung 4: Zunächst Schwerpunkt der Dienste und des


Marketings auf Nutzenvermittlung, einfacher Anwendung und
einfachen Zugang

Ein nicht zu vernachlässigender Faktor sind auch die entstehenden (Zusatz-) Kos-
ten auf Seiten der Kunden und Händler: Viele Kunden sind in der Vergangenheit
im Internet mit kostenlosen Dienstleistungen "verwöhnt" worden. Die Zahlungs-
bereitschaft für die zusätzlichen Gebühren einer Geldtransaktion oder gar ein not-
wendiges Upgrade des verwendeten Endgeräts ist daher erfahrungsgemäß eher ge-
ring. Zusätzliche Kosten sind somit ein hemmender Faktor für den Erfolg von M-
Payment Produkten. Auch bei den Händlern dürfen die Margen durch Nutzungs-
gebühren für den Einsatz von mobilen Zahlungsverfahren nicht übermäßig be-
schnitten werden.
86 Johan Karlsson, Karim Taga

In der Konsequenz bedeutet dies für Anbieter von neuen M-Payment-Lösungen


erst einmal eine längere Durststrecke auf dem Weg zu positiven ROIs (Return on
Investments). Langfristig sind jedoch Gewinne aus mobilen Bezahlverfahren zu
erwarten – vor allem als Synergien mit mobilen Datendiensten, Cross-Selling und
Cross-Marketing.

8 Fazit

x Der Markt für Mobile Payments ist bisher hinter den Erwartungen zurück-
geblieben.
x Insgesamt ist es bei allen Arten von M-Payment-Transaktionen auffällig, dass
es sich stets um eine komplexe Wertschöpfungskette handelt – im Vergleich zu
anderen Formen der Bezahlung
 Mobilfunkunternehmen befinden sich in einer guten Position, um stark von der
Zunahme von M-Payments zu profitieren;
 Finanzdienstleistungsunternehmen wie Kreditkartenfirmen und Banken haben
gute Beziehungen mit Händlern und Kunden aufgebaut und darüber hinaus ver-
fügen sie über fundiertes Wissen im Bereich Zahlungstransaktionen und Risi-
komanagement;
 Händler sehen in M-Payment-Anwendungen die Möglichkeit, sich zu differen-
zieren und dadurch Ihren Umsatz zu erhöhen, zusätzliche Vorteile können sie
durch die schnellere Zahlungsautorisierung und das im Vergleich zu Kreditkar-
ten potentiell niedrigere Niveau von Zahlungsbetrug lukrieren;
 Kunden finden vor allem durch die Convenience der M-Payment-Dienste einen
Nutzen.
x Die einzelnen Länder befinden sich in unterschiedlichen Reifephasen hinsicht-
lich der Marktdurchdringung mit M-Payments
 im technologiefreundlichen Asien sind M-Payments zum Teil weit verbreitet;
 viele lateinamerikanischen Länder befinden sich noch am Anfang der Entwick-
lung;
 in Europa liegt vor allem Österreich weit vorne;
 in der USA ist der M-Payment Markt klein, vor allem durch starke Fragmentie-
rung des Bankensektors und Mobilfunkbranche, weiters durch die breite Zu-
gänglichkeit von weit akzeptierten Zahlungsinstrumente z.B. Kreditkarten.
x Innerhalb der einzelnen Märkte lassen sich in Abhängigkeit davon, wer entlang
der Wertschöpfungskette den Prozess maßgeblich vorangetrieben hat fünf ver-
schiedene Geschäftsmodelle ausmachen
 von den Mobilfunknetzbetreibern;
 von den Banken;
 von unabhängigen Payment Service Providern;
 von der Regierung oder;
 von der Industrie
M-Payment im internationalen Kontext 87

x Seit einiger Zeit gibt es in einigen Ländern Zeichen dafür, dass Marktteilneh-
mer angefangen haben, Partnerschaften zu entwickeln, um den Markt besser zu
bedienen und es gibt Beispiele aus mehreren Ländern, in denen M-Payment
Dienste erfolgreich auf den Markt gebracht worden sind.
x Ein Unternehmen, das die M-Payment Entwicklung führt
 wird am Markt als einen Innovationsführer angesehen;
 kann ein System entwerfen, das seiner Marktpositionierung und seinen Stärken
angepasst ist;
 wird auch die Bedingungen anderen Unternehmen, die später auf den Markt
eintreten vorschreiben können;
 hat eine stärkere Verhandlungsposition.
x Auf der anderen Seite werden Unternehmen, die den M-Payment Markt im
Moment vernachlässigen, damit konfrontiert sein
 den Start eines schnell wachsenden Marktes verpasst zu haben;
 das Risiko alleine dazustehen;
 nur wenige potentielle Partner zur Auswahl zu haben;
 nur teure Optionen für den Zugang zu einer M-Payment Plattform vor zu fin-
den.
x Der M-Payment Markt ist noch weit davon entfernt, weltweit etabliert zu sein.
Um dies zu erreichen, müssen mehrere strategische Herausforderungen von al-
len Teilnehmern der Branche adressiert werden:
 klare Verteilung von Rollen und Anreizen entlang der Wertschöpfungskette;
 Standardisierung der Technologie damit eine offene payment Lösung entstehen
kann;
 Entwicklung bzw, Aufbau einer vertrauenswürdigen Marke, um Vertrauen in
M-Payments bei einer kritischen Masse von Endkunden und Händlern zu er-
zeugen;
 zunächst Schwerpunkt der Dienste und des Marketings auf Nutzenvermittlung,
einfacher Anwendung und einfachen Zugang.

Literatur

Taga K, Karlsson, J (2004) Arthur D. Little Global M-Payment Report – Making M-


Payments a Reality. Arthur D. Little Austria GmbH, Wien
RECHTLICHE &
POLITISCHE ASPEKTE
Die Auswirkungen von Zahlungsverkehrs-
innovationen auf die Geldpolitik

Stefan W. Schmitz1

Oesterreichische Nationalbank, Wien

1 Einleitung

Die Auswirkungen neuer Technologien auf die Nachfrage nach Zentralbankgeld


stehen im Mittelpunkt der Diskussion um die geldpolitischen Auswirkungen von
Zahlungsverkehrsinnovationen. Die Analyse geht damit implizit davon aus, dass
technologische Innovationen zentral für die stattfindenden Veränderungen sind.
Technologische Innovationen haben zudem oft die Aura der Einzigartigkeit, so-
dass auch den durch sie induzierten Veränderungen im gesamtwirtschaftlichen
Zahlungssystem historische Singularität zugeschrieben wird. Die Entwicklung des
gesamtwirtschaftlichen Zahlungssystems ist aber einem ständigen, historischen
Prozess des institutionellen Wandels unterworfen, der von politökonomischen statt
von technologischen Faktoren bestimmt wird (Schmitz u. Wood forthcoming).
Zahlungsverkehrstechnologien sind also endogen. Die Emergenz des Münzsys-
tems, die Entwicklung von Banknoten, Bankkonten und die Verbreitung von Kre-
dit- und Debitkarten sind Ausprägung des institutionellen Wandels. Als solche
werden auch gegenwärtige Zahlungsverkehrsinnovationen interpretiert. Gemein-
sam ist den verschiedenen Ausprägungen dieses Prozesses, dass Zahlungsver-
kehrsinnovationen zur Reduktion der Nachfrage nach relativ teuren Zahlungsmit-
teln in Form des allgemein akzeptierten Tauschmittels (z.B. Zentralbankgeld)
durch Substitute der jeweiligen Zahlungssystembetreiber (z.B. Bankbuchgeld)
führen. Die Reduktion der Nachfrage ist eine Folge der Reduktion der Liquiditäts-
kosten durch Zahlungsverkehrsinnovationen. Diese sind aber in der Regel mit ei-
ner größeren Unsicherheit verbunden, da lediglich das allgemein akzeptierte
Tauschmittel ökonomische Finalität garantiert, während seine Substitute häufig
mit höherem Kredit- und Liquiditätsrisiko verbunden sind. Rezente Zahlungsver-
kehrsinnovationen werden in den Kontext des historischen Prozesses des instituti-
onellen Wandels des gesamtwirtschaftlichen Zahlungssystems gestellt. Dadurch
wird es möglich, die Auswirkungen der historischen Veränderungen des gesamt-
wirtschaftlichen Zahlungssystems auf die Geldpolitik als Erfahrungswerte in die

1 Dieser Beitrag spiegelt ausschließlich die persönliche Meinung des Autors und nicht
notwendigerweise die der Oesterreichischen Nationalbank wider.
92 Stefan W. Schmitz

Analyse einzubeziehen. Weiters wird es dadurch möglich, die Auswirkungen von


Zahlungsverkehrsinnovationen auf einzelne institutionelle Charakteristika des ge-
samtwirtschaftlichen Zahlungssystems zu untersuchen und die Implikationen für
die Geldpolitik differenzierter und präziser zu erfassen. Die Analyse geht vom ge-
gebenen regulatorischen Umfeld aus und unterscheidet zwischen Zugangs-
produkten (z.B. Debitkarten) und elektronischem Geld (karten-, netz- oder soft-
warebasierenden Prepaid-Produkten). Die institutionellen Charakteristika des ge-
samtwirtschaftlichen Zahlungssystems werden in Abschnitt 2.1 erläutert. Die kon-
zeptionellen Grundlagen der Geldpolitik bilden den theoretischen Rahmen der
Analyse und werden in Abschnitt 2.2 umrissen.
Prinzipiell sind zwei Szenarien hinsichtlich der Auswirkungen auf die Geldpo-
litik in der Analyse zu unterscheiden. Das erste geht davon aus, dass Zahlungsver-
kehrsinnovationen zur Verwendung neuer Währungen und Recheneinheiten füh-
ren, wodurch die Geldpolitik der Zentralbank völlig wirkungslos würde. Es wird
in Abschnitt 3.1 untersucht. Das zweite Szenario geht davon aus, dass Zahlungs-
verkehrsinnovationen die Rolle traditioneller Währungen als Grundlagen des ge-
samtwirtschaftlichen Zahlungssystems prinzipiell unberührt lassen. Dennoch kön-
nen sich auch im zweiten Szenario Auswirkungen auf die Geldpolitik ergeben:
Niveau und Volatilität der Geldnachfrage können sich ändern und damit die Ef-
fektivität der Geldpolitik berühren (Abschnitt 3.2). Zudem können Zahlungs-
verkehrsinnovationen Auswirkungen auf die Implementierung der Geldpolitik ha-
ben (Abschnitt 3.3). Die indirekten Implikationen von Zahlungsverkehrs-
innovationen für die Geldpolitik, die sich aus ihren Auswirkungen auf die Effi-
zienz des gesamtwirtschaftlichen Zahlungssystems sowie auf mögliche Liqui-
ditätsschocks ergeben, werden in den Abschnitten 3.4 und 3.5 diskutiert. Die Ana-
lyse konzentriert sich im Wesentlichen auf die Untersuchung von Zahlungsver-
kehrsinnovationen im Retail-Bereich. Abschnitt 4 fasst die Ergebnisse zusammen.

2 Konzeptionelle Grundlagen

2.1 Institutionelle Charakteristika des gesamtwirtschaftlichen


Zahlungssystems

Die zentralen institutionellen Charakteristika des gesamtwirtschaftlichen Zah-


lungssystem sind das allgemein akzeptierte Tauschmittel (definiert als Gut mit der
größten Marktgängigkeit (Menger 1909) und dem geringsten Spread zwischen
An- und Verkaufskurs; gewährleistet die ökonomische Finalität von Zahlungen),
die Recheneinheit sowie die Charakteristika jener Institution, die das allgemein
akzeptierte Tauschmittel, das die ökonomische Finalität von Zahlungen garantiert,
emittiert. In den meisten Volkswirtschaften ist das allgemein akzeptierte Tausch-
mittel die von der jeweiligen Zentralbank emittierte nationale Währung (als Zent-
ralbankgeld bestehend aus Bargeld und Reserven bei der Zentralbank), die zu-
gleich die einheitliche Recheneinheit darstellt. Darüber hinaus bestehen aber in
der Regel auch andere Zahlungsmittel (z.B. Schecks, Überweisungen, Kredit- und
Die Auswirkungen von Zahlungsverkehrsinnovationen auf die Geldpolitik 93

Debitkarten). Diese stellen allerdings lediglich Ansprüche gegen den Betreiber des
jeweiligen Zahlungssystems dar. In der Regel werden diese Ansprüche letztlich
wieder in Zentralbankgeld (i.d.R. Reserven der Banken bei der Zentralbank) abge-
rechnet, wodurch ihnen erst ökonomische Finalität zukommt.
Die Tiering-Struktur eines gesamtwirtschaftlichen Zahlungssystems erfasst, wie
viele „Stufen“ das System hat. D.h. wie viele Wirtschaftssubjekte rechnen in Re-
serven bei der Zentralbank ab (direkte Teilnehmer – erste Stufe), wie viele in
Bankbuchgeld der direkten Teilnehmer (zweite Stufe), wie viele in Bankbuchgeld
der Teilnehmer der zweiten Stufe etc. Eine hohe Tiering-Struktur – ein vielstufi-
ges System mit wenigen Teilnehmern auf der ersten Stufe aber vielen Teilneh-
mern in den höheren Stufen – bedeutet, dass ein größerer Anteil der nominellen
Transaktionen einer Wirtschaft in Bankbuchgeld abgerechnet wird. Dadurch wird
die Nachfrage nach Reserven bei der Zentralbank relativ zu einem System mit vie-
len Teilnehmern auf der ersten Stufe bei gleichem nominellem Transaktionsvolu-
men reduziert. Eine hohe Tiering-Struktur erhöht allerdings die Risiken des ge-
samtwirtschaftlichen Zahlungssystems, da ein (weitgehend) risikoloses Zahlungs-
mittel (Zentralbankgeld) durch Zahlungsmittel mit Kredit- und Liquiditätsrisiko
(Bankbuchgeld) ersetzt wird. Sinkendes Vertrauen in die Qualität des Bankbuch-
geldes kann zu einem starken unerwarteten Anstieg der Nachfrage nach Zentral-
bankgeld führen („flight to quality“). Derartige Nachfrageschocks wirken sich auf
die Implementierung der Geldpolitik aus, sind aber schwierig zu prognostizieren.
Die Nachfrage nach Reserven der Banken bei der Zentralbank hängt auch da-
von ab, ob die Zahlungssysteme in der Wirtschaft Netto- oder Bruttozahlungssys-
teme sind. In Nettozahlungssystemen wird jede einzelne Transaktion während des
Tages verbucht, aber nicht sofort in Zentralbankgeld (oder Bankbuchgeld) abge-
rechnet. Stattdessen wird in regelmäßigen Abständen die Nettoposition jedes Teil-
nehmers gegenüber allen anderen Teilnehmern (multilaterale Verrechnung) ermit-
telt und nur diese in Zentralbankgeld abgerechnet. In Bruttozahlungssystemen
wird hingegen jede einzelne Transaktion sofort verbucht und in Zentralbankgeld
abgerechnet. Die Nachfrage nach Zentralbankgeld ist in Nettozahlungssystemen
bei gleichem nominellem Transaktionsvolumen niedriger als in Bruttozahlungs-
systemen.
Neben den institutionellen Charakteristika der Zahlungssysteme spielen auch
deren operationale Charakteristika – vor allem ihre Effizienz – eine Rolle für die
Geldpolitik. Die Effizienz von Zahlungssystemen wird vor allem anhand des Float
und der Dauer eines Zahlungsvorgangs bestimmt. Es werden zwei Arten des Float
unterschieden: Summe der Beträge, die bereits vom Konto des Zahlenden abge-
bucht, aber noch nicht dem Konto des Empfängers gutgeschrieben wurden (redu-
ziert Liquidität); oder Summe der Beträge, die bereits dem Konto des Empfängers
gutgeschrieben, aber noch nicht vom Konto des Zahlenden abgebucht wurden
(schafft Liquidität). Der Netto-Float setzt sich aus der Differenz zwischen diesen
beiden Formen des Float zusammen.
94 Stefan W. Schmitz

2.2 Konzeptionelle Grundlagen der Geldpolitik

Zur Darstellung der konzeptionellen Grundlagen der Geldpolitik werden drei Be-
reiche unterschieden:
x Voraussetzungen für den geldpolitischen Einfluss der Zentralbanken
x Determinanten der Effektivität geldpolitischer Maßnahmen
x Determinanten der effektiven Implementierung der geldpolitischen Maßnah-
men.
Viele Zentralbanken (z.B. Bank of England, EZB, Federal Reserve Bank) imple-
mentieren Geldpolitik durch die Veränderung des relativen Preises des Zentral-
bankgeldes (Banknoten und Münzen in Umlauf und Reserven der Banken bei der
Zentralbank)2. Der relative Preis entspricht dabei den Opportunitätskosten der
Zentralbankgeldhaltung. Für die Banken entsprechen die Opportunitätskosten der
Zinsdifferenz zwischen den Zinsen auf die Reservehaltung bei der Zentralbank
und der optimalen Alternativveranlagung (z.B. Kreditvergabe auf dem Interban-
kenmarkt oder refinanzierungsfähige Anleihen). Zentralbanken verfügen über ein
Monopol bei der Bereitstellung des allgemein akzeptierten Tauschmittels einer
Wirtschaft. Ihre Grenzkosten sind dabei gleich null. Die Nachfrage der Banken
nach Reserven bei der Zentralbank ergibt sich vor allem aus ihrer Rolle im Inter-
banken-Zahlungsverkehr sowie aus den Mindestreservevorschriften. Die Rolle des
Zentralbankgeldes im Interbanken-Zahlungsverkehr ergibt sich wiederum aus sei-
ner Rolle als allgemein akzeptiertes Tauschmittel, das als einziges Zahlungsmittel
ökonomische Finalität impliziert (im Unterschied zur rechtlichen Finalität als un-
widerrufliche und unbedingte Zahlung, die auch andere Zahlungsmittel bieten
können). Alle anderen Zahlungsmittel stellen lediglich Forderungen gegen den
Emittenten dar. Die Verwendung von Zentralbankgeld im Interbanken-Zahlungs-
verkehr eliminiert das Kredit- und Liquiditätsrisiko, das auch nach der Abrech-
nung mit Forderungen gegen die Emittenten anderer Zahlungsmittel (z.B. Forde-
rungen gegen ein Clearing-House, falls die Abrechnung über dessen Konten
erfolgt) verbunden ist. Die positive Nachfrage nach Zentralbankgeld stellt den
Konnex zwischen den geldpolitischen Entscheidungen der Zentralbank, dem ge-
samtwirtschaftlichen Zahlungssystem und den nominellen Größen Bruttoinlands-
produkt sowie Preisniveau dar. Die Notenbank kann als einzige Institution die ag-
gregierte Liquidität im Interbanken-Zahlungssystem verändern. Dieses Monopol
über das aggregierte Angebot in Kombination mit Grenzkosten von null sichert ihr
den Einfluss auf die kurzfristigen Zinsen auch durch geringe Veränderungen der
Zentralbankgeldmenge und durch ihre Kommunikationspolitik.
Wie effektiv eine geldpolitische Maßnahme in Form von Änderungen der Zen-
tralbankgeldmenge in Bezug auf das allgemeine Preisniveau ist, hängt von der Re-
lation zwischen Zentralbankgeldmenge und nominellem Transaktionsvolumen und

2 Andere Zentralbanken implementieren ihre Geldpolitik durch einen so genannten Zins-


korridor (z.B. Bank of Canada, Federal Reserve Bank of New Zealand, Schwedische
Reichsbank). Der vorliegende Beitrag konzentriert sich auf das institutionelle Arrange-
ment im Euroraum.
Die Auswirkungen von Zahlungsverkehrsinnovationen auf die Geldpolitik 95

von der Zinselastizität der Geldnachfrage ab. Im theoretischen Rahmen der (Neo-)
Quantitätstheorie ist die Geldnachfrage stabil und die Umlaufgeschwindigkeit
weitgehend konstant, d.h. zinsunabhängig. Je geringer die Zentralbankgeldmenge
ist, die ein gegebenes nominelles Transaktionsvolumen einer Wirtschaft ermög-
licht, desto höher ist die Umlaufgeschwindigkeit der Zentralbankgeldmenge. Im
Rahmen der (Neo-)Quantitätstheorie gilt: Je höher diese Umlaufgeschwindigkeit
ist, desto stärker wirkt sich eine gegebene Veränderung der Zentralbankgeldmenge
auf das aggregierte nominelle Transaktionsvolumen und auf das Preisniveau aus.
Die Geldpolitik ist also bei höherer Umlaufgeschwindigkeit effektiver in Bezug
auf das allgemeine Preisniveau. Im Rahmen der keynesianischen Liquiditätstheo-
rie ist die Umlaufgeschwindigkeit hingegen nicht konstant und wie die (reale)
Geldnachfrage eine Funktion des Zinssatzes. Die Effektivität einer Änderung der
Zentralbankgeldmenge auf die gesamtwirtschaftliche Nachfrage (und über diese
auf das allgemeine Preisniveau) hängt von der Zinselastizität der (realen) Geld-
nachfrage relativ zur Zinselastizität der Güternachfrage ab (inter alia Goodhart
1989, 271). Je höher diese ist, desto schwächer reagiert der kurzfristige Zinssatz
auf eine gegebene Änderung der Zentralbankgeldmenge. Ist die Zinselastizität der
Güternachfrage auch noch gering, ist die Effektivität der geldpolitischen Maß-
nahmen gering. Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass ein Sinken der Rela-
tion zwischen Zentralbankgeldmenge und nominellem Transaktionsvolumen (d.h.
eine Zunahme der Umlaufgeschwindigkeit des Zentralbankgeldes) und eine Zu-
nahme der Zinselastizität der (realen) Geldnachfrage gegenteilige Auswirkungen
auf die Effektivität der Geldpolitik haben.
Trotz der zentralen Bedeutung einer positiven Nachfrage nach Zentralbankgeld
spielt deren absolute Höhe für die effektive Implementierung der Geldpolitik kei-
ne Rolle. Im institutionellen Rahmen der Geldpolitik, der im Eurogebiet, in den
USA und in Großbritannien gegenwärtig besteht, ist die Existenz eines strukturel-
len Liquiditätsdefizits die zentrale Voraussetzung für die effektive Implementie-
rung der Geldpolitik (Europäische Zentralbank 2004). Dieses ist als Differenz
zwischen der aggregierten Nachfrage nach Zentralbankgeld bei einem bestimmten
kurzfristigen Zinssatz und dem aggregierten Angebot definiert. Dieses setzt sich
im Wesentlichen aus zwei Komponenten zusammen: erstens aus der Differenz
zwischen aggregiertem Angebot und aggregierter Nachfrage nach Reserven der
Banken bei der Zentralbank und zweitens aus den so genannten autonomen Fakto-
ren. Letztere sind unabhängig vom Liquiditätsmanagement der Zentralbank und
von der Nachfrage der Geschäftsbanken. Sie werden von Regierungen und den
Wirtschaftssubjekten nach Maßgabe ihrer Transaktionen determiniert und setzen
sich vor allem aus Einlagen der Regierung bei der Zentralbank, aus der Bargeld-
haltung und aus dem Float zusammen. Sie lassen sich nicht kurzfristig durch den
Geldmarktzinssatz steuern und werden von der Geldpolitik als exogen angesehen.
Für die Geldpolitik spielen sie nur insoweit eine Rolle als die Zentralbank das Vo-
lumen ihrer Offenmarktoperationen so bestimmt, dass nach Berücksichtigung der
autonomen Faktoren hinreichend Mittel zur Verfügung stehen, um die Nachfrage
der Banken nach Zentralbankgeld beim angestrebten Zinssatz befriedigen zu kön-
nen.
96 Stefan W. Schmitz

Da das aggregierte Angebot (weitestgehend) von der Zentralbank bestimmt


wird, kann nur sie die notwendigen Mittel zur Verfügung stellen, um das struktu-
relle Liquiditätsdefizit im Rahmen von Offenmarktoperationen zu überbrücken.
Diese Offenmarktoperationen werden als so genannte „repurchasing operations“
(Repos) durchgeführt. D.h. die Zentralbank kauft Wertpapiere von Banken und
schreibt diesen den entsprechenden Betrag auf ihrem Reservekonto gut, wodurch
sich das aggregierte Angebot an Zentralbankgeld erhöht. Gleichzeitig mit dem
Kauf wird auch der Rückkauf durch die Banken vereinbart, der im Euroraum nach
zwei Wochen erfolgt. Die Wertpapiere werden dann wieder dem Depot der Bank
übertragen und der Betrag wieder vom Reservekonto der Bank bei der Zentral-
bank abgebucht. Die Preisdifferenz zwischen Kauf und Rückkauf entspricht dem
kurzfristigen Zinssatz, den die Zentralbank im Rahmen ihrer geldpolitischen Ent-
scheidungen fixiert. Durch die Struktur der Offenmarktoperationen als Repos stellt
die Zentralbank sicher, dass das strukturelle Liquiditätsdefizit nur temporär ge-
deckt wird. Für die Banken bedeutet das, dass zumindest einige von ihnen an der
nächsten Offenmarktoperation wieder teilnehmen müssen. Da in der Erfüllungspe-
riode für die Mindestreserve (z.B. ein Monat) mehrere Offenmarktoperationen
(z.B. wöchentlich) stattfinden, können Offenmarktoperationen als enge Substitute
für Interbankkredite angesehen werden. Dadurch haben die Marktteilnehmer auf
dem Interbankmarkt keine Anreize, Mittel zu wesentlich höheren Zinsen auf dem
Interbankmarkt aufzunehmen. Sie können bis zur nächsten Offenmarktoperationen
warten, dort Mittel aufnehmen und in der Zwischenzeit ihrer Mindestreserve kurz-
fristig untererfüllen. Die Zinsen bei Offenmarktoperationen werden von der Zent-
ralbank als zentrales Politikinstrument eingesetzt. Aufgrund der Substituierbarkeit
von Interbankkrediten und Offenmarktoperationen ist sie in der Lage, die Zinsen
auf dem Interbankenmarkt (bis auf geringe Abweichungen) zu bestimmen. Dabei
spielt die Schätzung des strukturellen Liquiditätsdefizits beim angestrebten kurz-
fristigen Zinssatz die zentrale Rolle. Anhand dieser Schätzung wird das Volumen
der Offenmarktoperationen festgelegt. Fällt die Schätzung zu hoch aus, dann über-
steigt das aggregierte Angebot die aggregierte Nachfrage bei dem angestrebten
kurzfristigen Zinssatz und die kurzfristigen Zinsen auf dem Geldmarkt liegen un-
ter dem angestrebten Niveau und die Geldpolitik wirkt expansiver als geplant.

3 Die Auswirkungen der Verbreitung von Zahlungs-


verkehrsinnovationen auf die Geldpolitik

Zahlungsverkehrsinnovationen können prinzipiell über drei unterschiedliche Wir-


kungskanäle Auswirkungen auf die Nachfrage nach Zentralbankgeld sowie auf
das strukturelle Liquiditätsdefizit und damit auf die Geldpolitik haben (CPSS
2002):
Erstens, können sie die Nachfrage nach Bargeld und Reserven der Banken bei
der Zentralbank (Zentralbankgeld) beeinflussen. Neben dem Niveau der Nachfra-
ge nach Zentralbankgeld können sie auch ihre Prognostizierbarkeit, ihre Volatilität
Die Auswirkungen von Zahlungsverkehrsinnovationen auf die Geldpolitik 97

und ihre Reagibilität auf die Instrumente der Geldpolitik verändern (v.a. die Zins-
elastizität der Geldnachfrage).
Zweitens, können Zahlungsverkehrsinnovationen die operationale Effizienz des
gesamtwirtschaftlichen Zahlungssystems erhöhen (z.B. Abnahme des Float und
der Dauer von Zahlungen). Diese ist eine Voraussetzung für die Entwicklung li-
quider Interbanken-Geldmärkte. Im institutionellen Rahmen der EZB kommt letz-
teren eine große Bedeutung bei der Implementierung der Geldpolitik zu, die we-
sentlich auf der Variable kurzfristiger Geldmarktzins und auf Offenmarktopera-
tionen beruht.
Drittens, können Zahlungsverkehrsinnovationen auch Quellen von Schocks
sein, die die gesamtwirtschaftliche Liquidität unvorhergesehen reduzieren. Ver-
trauenskrisen in das Bankensystem können zu einem deutlichen, temporären
Rückgang der gesamtwirtschaftlichen Liquidität und in der Folge zu einer Reduk-
tion der realwirtschaftlichen Aktivität führen. Zudem kann durch eine Vertrauens-
krise in Bankbuchgeld die Nachfrage nach Zentralbankgeld temporär stark anstei-
gen.
Der erste Wirkungskanal bildet den Schwerpunkt für die Analyse der geldpoli-
tischen Implikationen von Zahlungsverkehrsinnovationen. Dabei stellen sich in
drei Bereichen folgende Fragen:
1. Bleibt Geldpolitik prinzipiell möglich? Können Zahlungsverkehrsinnovationen
die Nachfrage nach Zentralbankgeld eliminieren oder die Freiheit der Noten-
bank, den relativen Preis desselben zu manipulieren, einschränken?
2. Wie wirken sich Zahlungsverkehrsinnovationen auf die Effektivität der Geld-
politik aus? Beeinflussen Zahlungsverkehrsinnovationen die Geldmengenag-
gregate und die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes?
3. Wie wirken sich Zahlungsverkehrsinnovationen auf die Implementierung der
Geldpolitik aus? Verändern Zahlungsverkehrsinnovationen die Höhe des struk-
turellen Liquiditätsdefizits, seine Prognostizierbarkeit und seine Abhängigkeit
vom kurzfristigen Zinssatz?

3.1 Bleibt Geldpolitik prinzipiell möglich?

In einzelnen Arbeiten auf dem Gebiete der Geldtheorie und der E-Geld-Forschung
wird die erste entscheidende Frage – „Können Zahlungsverkehrsinnovationen die
Nachfrage nach Zentralbankgeld eliminieren oder die Freiheit der Notenbank den
relativen Preis desselben zu manipulieren einschränken?“ – affirmativ beantwor-
tet3. Im folgenden Abschnitt werden die angeführten Argumente kurz dargestellt
und einer kritischer Analyse unterzogen.
Dabei wird argumentiert, dass die Verbreitung des E-Geldes zur parallelen
Verwendung mehrerer unterschiedlicher Währungen und Recheneinheiten in ei-
nem relevanten Markt führen werde (u.a. Browne u. Cronin 1996; Kroszner 2001;
Cohen 2002). Die Konkurrenz werde die Stabilität des Preisniveaus erhöhen. Der
3 Für eine ausführliche kritische Diskussion der breiten Literatur siehe Schmitz (forthco-
ming a).
98 Stefan W. Schmitz

Verlust der geldpolitischen Kontrolle der Zentralbanken wäre allerdings eine (von
manchen Autoren begrüßte) Konsequenz der neuen institutionellen Struktur des
gesamtwirtschaftlichen Zahlungssystems. Die Zentralbanken könnten weiterhin
die Menge sowie den kurzfristigen Zinssatz des Zentralbankgeldes (in Zentral-
bankgeld) steuern, allerdings hätten diese Instrumente keine Steuerungseffekte auf
die gesamtwirtschaftliche Nachfrage, auf das Preisniveau und die Inflationsrate
(Friedman 1999; 2000): Die Nachfrage nach Zentralbankgeld wäre entweder eli-
miniert oder zahlreiche Substitute für Zentralbankgeld stünden zur Verfügung, so
dass die Zentralbank keine Freiheit bei der Manipulation des relativen Preises des
Zentralbankgeldes hätte. Würde Zentralbankgeld zu teuer (oder zu billig und da-
mit inflationsgefährdet), würden Individuen auf alternative Währungen umsteigen
und der geldpolitische Impuls hätte keine Wirkung auf das nominelle BIP und das
Preisniveau.
Der Wettbewerb der E-Geld-Emittenten werde auf drei Ebenen ausgetragen: (1)
Erfolg bei der Veranlagung der Reserven, (2) Management des Zahlungssystems
(z.B. Zuverlässigkeit, Sicherheit, Marketing, nicht pekuniäre Vergünstigungen)
und (3) ggf. Wahl des regulatorischen Regimes. Die angeführten Autoren gehen
allerdings davon aus, dass die Regulierung von E-Geld-Instituten infolge der mit
der Verbreitung des Internet verbundenen Deterritorialisierung nur sehr einge-
schränkt möglich sein werde. Die hohen Erwartungen, die in die Verbreitung des
E-Geldes gesetzt werden, basieren vor allem auf der Verbreitung neuer Technolo-
gien und technologieorientierten Argumenten: (1) Das Banknotenmonopol finde
auf die E-Geld-Emission keine Anwendung. (2) Die Transaktionskosten würden
bei Preisvergleichen auch im Falle der Preisauszeichnung in unterschiedlichen
Währungen durch die Verbreitung von Informations- und Kommunikationstech-
nologien deutlich sinken. Wechselkursdaten seien jederzeit, kostengünstig online
zugänglich, Güterpreise könnten auf ihrer Basis automatisiert umgerechnet und
verglichen werden. (3) Die Emission und Distribution von E-Geld sei durch die
Verbreitung von IKT (insbesondere durch das Internet und Verschlüsselungstech-
nologien) deutlich günstiger als im Falle physischer Banknoten und Münzen.
Wird die Verbreitung elektronischen Geldes zu einer parallelen Verwendung
mehrerer Währungen und Recheneinheiten führen? Im Rahmen der Analyse stellt
sich die Frage, ob Anbieter und Nutzer von Zahlungssysteminnovationen Anreize
haben, dem im jeweiligen Markt bestehenden Tauschmittel (im Eurogebiet der
Euro) bei moderaten Inflationsraten, alternative Tauschmittel vorzuziehen? Die
Methoden der Neuen Institutionellen Ökonomie (d.h. methodologischer Individua-
lismus, Transaktions- und Informationskosten, sowie die explizite Analyse des
Übergangs zwischen möglichen Gleichgewichten) bieten sich als methodische
Grundlagen für die Untersuchung dieser Frage an (Schmitz 2002a). Von zentraler
Bedeutung ist dabei die Pfadabhängigkeit der institutionellen Charakteristika des
gesamtwirtschaftlichen Zahlungssystem: in entwickelten Ökonomien besteht be-
reits ein allgemein akzeptiertes Tauschmittel (eine staatliche Währung), das auch
als einheitliche Recheneinheit fungiert. Weiteres beschränkt sich die Neue Institu-
tionalistische Ökonomie nicht auf komparativ statische Analysen zwischen zwei
Gleichgewichtszuständen, sondern analysiert die Dynamik, die zwischen ihnen
besteht. Während in der komparativ statischen Analyse die Frage gestellt wird,
Die Auswirkungen von Zahlungsverkehrsinnovationen auf die Geldpolitik 99

welche Konsequenzen der Übergang zu einem neuen Gleichgewicht hätte, stellt


die Neue Institutionelle Ökonomie die Frage, welche individuellen Anreize haben
Individuen vom bestehenden Gleichgewicht abzuweichen? Die folgende Analyse
basiert auf der Untersuchung der Anreizwirkungen von direkten und indirekten
Netzeffekten, Transaktions- und Informationskosten und den potenziellen Preis-
bildungsmechanismen in alternativen Zahlungssystemen (Schmitz 2002b).
Der Nutzen elektronischer Zahlungssysteme steigt mit der Zahl der Nutzer (di-
rekter Netzeffekt). Auch der Informationsgehalt der Preise in einem Markt erhöht
sich in der Regel mit der Wettbewerbsintensität und der Liquidität im betreffenden
Markt (indirekter Netzeffekt). Für Emittenten elektronischen Geldes stellt sich
somit die Frage nach der Kompatibilität des eigenen E-Geld-Angebots mit dem
bestehenden gesamtwirtschaftlichen Zahlungssystem. Diese Kompatibilität hat
sowohl technologische als auch ökonomische Komponenten, von denen allerdings
nur letztere hier diskutiert wird. Sie bezieht sich auf die Grenzkosten einer Zah-
lung, die Nutzer unterschiedlicher Zahlungssysteme miteinander tätigen. Völlige
Kompatibilität ist gewährleistet, wenn die Grenzkosten einer derartigen Zahlung
der Summe der Grenzkosten der Teiltransaktionen innerhalb der einzelnen invol-
vierten Zahlungssysteme entsprechen. Economides (1991) zeigt, dass in erster Li-
nie die Betreiber kleiner Netze starke Anreize haben, Kompatibilität mit größeren
Netzen anderer Anbieter zu gewährleisten, während für diese Inkompatibilität
Vorteile bringt. Der Anbieter des kleineren Netzes profitiert von einem positiven
externen Effekt der Kompatibilität auf Kosten des Wettbewerbsvorteils des Anbie-
ters des größeren Netzes. Dem zufolge hätten Zentralbanken – falls sie in erster
Linie Gewinn maximierende Unternehmen wären – Anreize, die Kompatibilität
elektronischen Geldes mit dem gesamtwirtschaftlichen Zahlungssystem zu ver-
hindern, um einen Rückgang der Nachfrage nach Zentralbankgeld und die Reduk-
tion ihrer Bilanzsummen hintan zu halten. Emittenten elektronischen Geldes kön-
nen daher Wettbewerbsnachteile gegenüber Anbietern traditioneller Zahlungs-
systeme teilweise wettmachen, indem sie einen fixen Wechselkurs gegenüber der
im relevanten Markt dominanten Währung garantieren. Dadurch vergrößert sich
die ökonomische Kompatibilität mit dem bestehenden größeren Zahlungssystem,
das auf der prinzipiellen finalen Abrechnung in Zentralbankgeld beruht. Dies imp-
liziert eine institutionelle Struktur, die durch die Einlösbarkeit des elektronischen
Geldes in Bargeld oder Bankbuchgeld sowie seine Denomination in der traditio-
nellen Recheneinheit charakterisiert ist.
Beim Wechsel zwischen (elektronischen) Zahlungssystemen spielen unter-
schiedliche Arten von einmalig auftretenden, fixen und teilweise irreversiblen
Transaktionskosten eine bedeutende Rolle, die durch die Einlösbarkeit elektroni-
schen Geldes und seine Denomination in der traditionellen Währung des relevan-
ten Marktes reduziert werden können. Falls ein Individuum sich zur Nutzung elek-
tronischen Geldes entschließt, wird es ceteris paribus jenes E-Geld-System wäh-
len, das mit den geringsten derartigen Transaktionskosten assoziiert wird, so dass
sich für Anbieter zusätzliche Anreize für Einlösbarkeit und Denomination in der
traditioneller Währung des relevanten Marktes ergeben (Schmitz 2002b)
Die Informationskosten bzgl. der Liquidität und Solvenz der Emittenten werden
durch die Einlösbarkeit elektronischen Geldes in die traditionelle Währung des re-
100 Stefan W. Schmitz

levanten Marktes gesenkt. Die Erwartungen bzgl. der Qualität des jeweiligen E-
Geldes werden durch seinen Wechselkurs in traditioneller Währung kontinuierlich
kommuniziert. Ein fixer Wechselkurs, also Parität, d.h. eine Einheit des elektro-
nischen Geldes entspricht einer Einheit der traditionellen Währung, senkt die ent-
sprechenden Informationskosten. Langfristige Parität lässt sich in der Regel nur
durch Denomination und Einlösbarkeit des elektronischen Geldes in die traditio-
nelle Währung sichern.
Zu den Wechselkosten (Switching Costs) zählen beim Übergang von einer
Recheinheit zu einer anderen vor allem psychologische Kosten (Umgang mit Prei-
sen in anderen Recheneinheiten – siehe Euro-Einführung) und Kosten der Umstel-
lung von Buchhaltungs- und Preisauszeichnungssystemen, die im Wesentlichen
nur einmal anfallen. Durch die E-Geld-Denomination in der traditionellen Wäh-
rung des relevanten Marktes können diese Kosten deutlich reduziert bzw. gänzlich
vermieden werden. Versunkene Kosten treten bei der Nutzung elektronischen Gel-
des zusätzlich in Form von Investitionen in Hard- und Software sowie in den Er-
werb der notwendigen Technologiekompetenz und durch den (entgeltlichen) Er-
werb eines Betrags elektronischen Geldes auf. Entwickelt sich das elektronische
Zahlungssystem nicht erwartungsgemäß, kann der eingangs erworbene Betrag
häufig nur suboptimal eingesetzt werden und damit ganz oder teilweise verloren
sein. Falls dieser Betrag allerdings in traditionelle Währung des relevanten Mark-
tes zurück getauscht werden kann, sinken die versunkenen Kosten und damit der
potentielle Verlust, wodurch die Nutzungsbarrieren gegenüber dem elektronischen
Geld des betreffenden Emittenten relativ zu jenen, die keine Einlösbarkeit und
Denomination in traditioneller Währung anbieten, reduziert werden.
Für die Preisbildung in Zahlungssystemen mit alternativen Währungen und Re-
cheneinheiten stehen zwei Mechanismen zur Verfügung: Erstens kann innerhalb
des alternativen Zahlungssystems ein Preisentdeckungsverfahren stattfinden. Da
der entsprechende Markt in der alternativen Währung weniger NutzerInnen hat, ist
er auch weniger wettbewerbsintensiv. Dadurch können die Preise in diesem Markt
höher sein, wodurch ein negativer Anreiz für potenzielle NutzerInnen gegeben
wäre, das alternative Zahlungssystem zu nutzen. Zweitens könnten die Preise der
Märkte in traditioneller Währung als Maßstab herangezogen werden. Diese müss-
ten anhand der Wechselkurse für die alternative Währung im alternativen Zah-
lungssystem umgerechnet werden. Sind diese Wechselkurse nicht fix, dann wird
ein Spread für die alternative Währung verrechnet, wie er beim Tausch von tradi-
tionellen Währungen üblich ist. Dadurch sind die Preise nach der Umrechung in
die alternative Währung wieder höher als in der traditionellen Währung, da der
Tausch ja zum Briefkurs (oder Verkaufskurs) – der über dem Mittelkurs liegt – er-
folgt. Wieder ergibt sich ein negativer Anreiz für potenzielle NutzerInnen das al-
ternative Zahlungssystem zu verwenden. Fixe Wechselkurse zwischen den Einhei-
ten im alternativen Zahlungssystem und in den Einheiten der traditionellen
Währung können diese negativen Anreize beseitigen. Dadurch ergibt sich für die
AnbieterInnen von Zahlungsverkehrsinnovationen ein positiver Anreiz ihre Zah-
lungsmittel in der traditionellen Währung zu denominieren und in diese Einlösbar
zu machen. Daraus folgt, dass das entsprechende Zahlungssystem letztlich auch in
Die Auswirkungen von Zahlungsverkehrsinnovationen auf die Geldpolitik 101

Zentralbankgeld abrechnet, wodurch die Nachfrage nach Zentralbankgeld gesi-


chert ist.
Goodhart (2000) argumentiert, dass nur Bargeld tatsächlich Anonymität garan-
tiert, während bei elektronischen Zahlungsverkehrsinnovationen zumindest die
Möglichkeit besteht, Transaktionen aufzuzeichnen. Ob und in welchem Ausmaß
sie genutzt wird, hängt von der rechtlichen Gestaltung der Zahlungsverkehrsinno-
vation ab. Er meint, dass das Bedürfnis nach Anonymität die Nachfrage nach
Banknoten weiterhin sichern werde. Zudem schlägt er vor, dass der Staat die
Nachfrage nach Zentralbankgeld sichern könne, indem Steuern in Zentralbankgeld
zu entrichten wären. Freedman (2000) setzt sich mit der Rolle des Zentralbankgel-
des im Interbanken-Zahlungsverkehr auseinander. Die Rolle der Zentralbank als
Zahlungsverkehrsanbieter für Banken sieht er durch Zahlungsverkehrsinnova-
tionen nicht gefährdet. Zentralbanken gelten als öffentliche Institutionen als be-
sonders kreditwürdig; ihre Verbindlichkeiten seien daher kredit- und liquiditätsri-
sikolose Zahlungsinstrumente. Zudem ist die Zentralbank kein Mitbewerber der
Geschäftsbanken, so dass von ihrer zentralen Rolle keine Wettbewerbsnachteile
für andere Banken herrühren können. Hingegen könnten Banken Wettbewerbs-
nachteile befürchten, falls Mitbewerber auf dem Markt die zentrale Rolle eines
Clearing-House übernähmen. Letztlich könne auch nur die Zentralbank, die Rolle
eines Lender of Last-Ressort glaubwürdig erfüllen. Capie, Tsomocos u. Wood
(forthcoming) zeigen anhand eines spieltheoretischen Models, dass eine einheitli-
che Recheneinheit auch bei weiter Verbreitung von Zahlungsverkehrsinnovatio-
nen die Transaktionskosten gegenüber technisch sehr effizientem Tausch ohne
einheitliche Recheneinheit senke.
Die Analyse ergibt, dass bei der Verbreitung von Zahlungsverkehrsinnovatio-
nen mikroökonomische Effekte und Kosten auftreten, die für AnbieterInnen und
NutzerInnen von Zahlungsverkehrinnovationen starke Anreize darstellen, die tra-
ditionelle Währung des relevanten Marktes weiterhin zu nutzen. Die parallele
Verwendung unterschiedlicher Währungen und Recheneinheiten ist daher auch bei
der Verbreitung von Zahlungsverkehrsinnovation nicht wahrscheinlich.
Über die mikroökonomischen Anreize hinaus bestehen vor allem regulatorische
Gründe, die sicherstellen, dass die Nachfrage nach der traditionellen Währung –
und damit ihre Funktion als allgemein akzeptiertes Tauschmittel sowie ihre Re-
cheneinheitsfunktion – erhalten bleiben. Nach Intervention der EZB (1999) wurde
die Einlösbarkeit elektronischen Geldes auch in die E-Geld-Richtlinie (Richtlinie
über die Aufnahme, Ausübung und Beaufsichtigung der Tätigkeit von E-Geld-
Instituten 2000/46/EC) aufgenommen. Inhabern elektronischen Geldes wird in Ar-
tikel 3 (1) das Recht zugesichert, während der Gültigkeitsdauer E-Geld zum Nenn-
wert in Banknoten, Münzen oder gegen Kontogutschrift zurückzutauschen. Die
Kosten und Bedingungen sind nach Maßgabe von Artikel 3 (1) und (3) im Vertrag
eindeutig zu nennen. In Artikel 3 (3) wird explizit eine Obergrenze für den Min-
destrücktauschbetrag von zehn Euro angeführt.
Die empirische Evidenz kann die theoretische Argumentation nicht widerlegen.
White (forthcoming) analysiert Zahlungsverkehrsinnovationen im Retail-Bereich
102 Stefan W. Schmitz

(z.B. PayPal4, Peppercoin, BitPass, elektronisches Geld). Er kommt zu dem


Schluss, dass diese Systeme in den USA in der Regel in US-Dollar denominiert
und auch in US-Dollar einlösbar sind. Die Systeme sind eng in das bestehende ge-
samtwirtschaftliche Zahlungssystem eingebunden und das Settlement (Abrech-
nung oder Saldenausgleich) erfolgt in Zentralbankgeld. In wenigen Ausnahmefäl-
len werden auch Zahlungsverkehrsinnovationen angeboten, die nicht in US-Dollar
sondern in Goldeinheiten denominieren. Die Nachfrage danach ist allerdings ge-
ring. Zu ähnlichen Schlüssen kommen zwei Studien der Federal Reserve Bank of
Kansas City (Bradford, Davies u. Weiner 2003) und der Bank of England (Allen
2003). Darin heißt es, dass zahlreiche Nicht-Banken in den USA und im Vereinig-
ten Königreich Zahlungsverkehrsinnovationen anbieten, aber nicht in die Abre-
chung involviert sind. Dieses laufe weiterhin über das Bankensystem.
Zahlungsverkehrsinnovationen, die in der traditionellen Währung des relevan-
ten Marktes denominiert sind, haben eine lange Tradition. White (forthcoming)
analysiert die Auswirkungen der Verbreitung von Kredit- und Debitkarten auf die
Geldpolitik in den USA. Er argumentiert, dass die Kreditkarte dem traditionellen
Handelskredit entspreche, der durch die Kreditkarte lediglich von jeweils einem
Händler auf zahlreiche Händler ausgedehnt werde. Es handle sich also um eine in-
stitutionelle und nicht um eine technologische Innovation. Das Modell wurde in
den 1950er Jahren von den US-Banken von Einzelhandelsketten übernommen.
Nach White könne der Strukturbruch in der zeitlichen Entwicklung der Umlaufge-
schwindigkeit des Geldes in den USA nach 1980 durch den Strukturbruch der
Entwicklung der nominellen Zinsen erklärt werden. Weiters trage die Deregulie-
rung der kurzfristigen Einlagen zur Erklärung bei. Die Verbreitung von Kredit-
und Debitkarten hingegen habe nicht signifikant zur Veränderung der Umlaufge-
schwindigkeit beigetragen und auf die Geldpolitik keine signifikanten Auswirkun-
gen gehabt.
Sowohl die theoretische als auch die empirische Analyse zeigen, dass die Nach-
frage nach Zentralbankgeld durch die Verbreitung von Zahlungsverkehrsinnovati-
onen nicht eliminiert werde. Auch bei einer weiten Verbreitung von Zahlungsver-
kehrsinnovationen behalten die Zentralbanken das Monopol über das allgemein
akzeptierte Tauschmittel, das sowohl die Funktion der einheitlichen Recheneinheit
in der relevanten Wirtschaft als auch die Funktion des finalen Zahlungsinstru-
ments im Interbanken-Zahlungsverkehr umfasst. Sie können daher prinzipiell über
die Steuerung der Zentralbankgeldmenge und des kurzfristigen Zinssatzes weiter-
hin Geldpolitik betreiben5.

4 Für eine genaue Beschreibung siehe das PayPal Praxisbeispiel in diesem Buch.
5 Zur Frage, ob und mit welchen Instrumenten Geldpolitik auch bei einem Verlust des ent-
sprechenden Monopols der Zentralbanken möglich ist, siehe Schmitz (forthcoming b)
sowie die dort angeführte Literatur.
Die Auswirkungen von Zahlungsverkehrsinnovationen auf die Geldpolitik 103

3.2 Wie wirken sich Zahlungsverkehrsinnovationen auf die


Effektivität der Geldpolitik aus?

Im konzeptionellen Rahmen der Geldmengensteuerung hängt die Effektivität


geldpolitischer Maßnahmen von der Umlaufgeschwindigkeit des Geldes ab. Wie
wirken sich Zahlungsverkehrsinnovationen auf die Geldmengenaggregate und auf
die Umlaufsgeschwindigkeit des Geldes aus? Neben dem strukturellen Liquidi-
tätsdefizit und dem Geldmengenaggregat Zentralbankgeld (M0) spielt auch das
Geldmengenaggregat M3 eine bedeutende Rolle in der Geldpolitik der EZB. Die
geldpolitische Strategie des Eurosystems basiert auf zwei Säulen – der wirtschaft-
lichen und der monetären Analyse. Erstere untersucht die Risiken für die Preissta-
bilität, die von realwirtschaftlichen Schocks ausgehen. Letztere untersucht die Ri-
siken für die Preisstabilität, die von der Liquiditätssituation (vor allem
Geldmengen- und Kreditwachstum) im Eurosystem ausgehen. Dabei setzt das Eu-
rosystem einen Referenzwert für das jährliche Wachstum der Geldmengenaggre-
gates M3 fest. Ändert die Verbreitung von Zahlungsverkehrsinnovationen die
Geldmenge M3? Neue Zugangsprodukte haben keine direkten Auswirkungen auf
die Geldmenge M3, da sie nur den Zugang zu mindestreservepflichtigen Einlagen
nicht aber deren aggregierten Stand ändern. Auch elektronisches Geld (elektroni-
sche Geldbörsen und Telefonwertkarten6) reduzieren die Geldmenge M3 nicht, so-
fern sie unter die E-Geld-Richtlinie (2000/12/EG) fallen. In der E-Geld-Richtlinie
wird die Meldepflicht der ausstehenden E-Geld-Beträge der E-Geld-Institute ge-
genüber den nationalen Zentralbanken normiert. Sie werden in die Geldmenge M3
eingerechnet.
Zahlungsverkehrsinnovationen erhöhen die Tiering-Struktur des gesamtwirt-
schaftlichen Zahlungssystems. D.h. ein wachsendes nominelles Zahlungsvolumen
wird über Innengeld (Bankbuchgeld) abgewickelt. Kleinbetragszahlungssysteme
sind häufig Nettozahlungssysteme und die Salden werden oft über Buchgeld des
Zahlungssystembetreibers abgerechnet. Dies führt anfänglich zu einem relativen
und langfristig möglicherweise zu einem absoluten Rückgang der Nachfrage nach
Zentralbankgeld. Da die Nachfrage nach Zentralbankgeld mit steigendem Brutto-
inlandsprodukt tendenziell steigt und Zahlungsverkehrsinnovationen sich nur
langsam durchsetzen, treten anfänglich keine absoluten Reduktionen der Nachfra-
ge auf, sondern nur Reduktionen relative zur Nachfrage ohne Zahlungsverkehrsin-
novationen. Der Banknotenumlauf des Eurosystems stieg in absoluten Zahlen seit
der Einführung des Eurobargeldes von 234 Mrd. Euro (4. Jänner 2002) auf 532
Mrd. Euro (19. August 2005). Der Anteil der in Bargeld durchgeführten Transak-
tionen am Point-of-Sale (POS) ist in Österreich seit 1997 gefallen (siehe Stix in
diesem Band). Die relative Bargeldhaltung (in Prozent des BIP) ist hingegen in
zahlreichen Ländern (Belgien, Frankreich, Großbritannien, Italien, Österreich) seit
1970 gefallen (Chakravorti forthcoming). Ein wachsendes gesamtwirtschaftliches
Transaktionsvolumen kann mit einer geringeren Zentralbankgeldmenge abgewi-

6 Telefonwertkarten stellen funktional elektronisches Geld in jenem Ausmaß dar, in dem


sie für die Bezahlung von Dienstleistungen und Waren Dritter (also nicht des Telekom-
Unternehmens) herangezogen werden (z.B. Konzerttickets, Klingeltöne, Musik).
104 Stefan W. Schmitz

ckelt werden. Dies führt zu einer Erhöhung der Umlaufgeschwindigkeit des


Geldmengenaggregats M0. Dadurch steigt die Effektivität einer Erhöhung der
Zentralbankgeldmenge auf das gesamtwirtschaftliche Preisniveau (Selgin u. White
2002). Allerdings hängt die Effektivität geldpolitischer Maßnahmen auch von der
Zinselastizität der Nachfrage nach Zentralbankgeld ab. Zahlungsverkehrsinnovati-
onen sind Substitute für bestehende Zahlungsmittel, d.h. bei steigenden Kosten der
Nutzung einzelner Zahlungsmittel (z.B. Bargeld) stehen nun mehr Alternativen
zur Verfügung, deren Nutzung häufig kostengünstiger möglich ist. Zudem wächst
die Zahl der Akzeptanzstellen für Zahlungsverkehrsinnovationen (Debit- und Kre-
ditkarten sowie elektronische Geldbörsen). Statt unverzinste Bargeldbestände zu
halten, können verzinste Einlagen gehalten werden, auf die erst bei Bedarf mittels
Zugangsprodukt (Debitkarte) oder durch Behebung vom Bankomat zugegriffen
wird. Die Tauschmittelfunktion des Geldes lässt sich besser von der Wertaufbe-
wahrungsfunktion trennen (Bundesbank 1997). Zusätzlich steigen durch neue
Zahlungsverkehrsanbieter die Wettbewerbsintensität und die Bestreitbarkeit des
Marktes an. Die Verfügbarkeit enger Substitute und die Zunahme der Konkurrenz
führen zu einer Erhöhung der Zinselastizität der (realen) Geldnachfrage. Da die
Zinselastizität der Güternachfrage unverändert bleibt, steigt somit auch die relative
Zinselastizität der (realen) Geldnachfrage. Dadurch sinkt die Effektivität einer Er-
höhung der Zentralbankgeldmenge auf das gesamtwirtschaftliche Preisniveau. Der
Nettoeffekt aus der Zunahme der Umlaufgeschwindigkeit und der Zunahme der
Zinselastizität der Geldnachfrage ist daher nicht eindeutig bestimmbar.

3.3 Wie wirken sich Zahlungsverkehrsinnovationen auf die


Implementierung der Geldpolitik aus?

Dennoch können sich Auswirkungen auf die Implementierung der Geldpolitik er-
geben: Wie wirken sich Zahlungsverkehrsinnovationen auf die Höhe des struktu-
rellen Liquiditätsdefizits, seine Prognostizierbarkeit und seine Abhängigkeit vom
kurzfristigen Zinssatz (Zinselastizität) aus?

3.3.1 Auswirkungen auf die Höhe des strukturellen Liquiditätsdefizits


Zahlungsverkehrsinnovationen (v. a. elektronisches Geld) dienen als Bargelder-
satz und reduzieren somit die Nachfrage nach Bargeld im Rahmen der Transakti-
onskassenhaltung. Da Bargeld eine der beiden Komponenten der Zentralbank-
geldmenge M0 ist, führt die Reduktion der Bargeldhaltung zu einer Reduktion der
Nachfrage nach Zentralbankgeld. Die Höhe der Bargeldnachfrage ist für die Geld-
politik aber weitgehend irrelevant. Zentralbanken beschränken sich in der Regel
darauf, die Bargeldnachfrage der Haushalte, der Unternehmen sowie der öffentli-
chen Verwaltung passiv zu decken. Für die Geldpolitik ist vor allem die Nachfra-
ge nach Reserven der Banken bei der Notenbank relevant.
Die Nachfrage nach Zentralbankgeld im Rahmen der Reservehaltung der Ban-
ken bei der Zentralbank kann im Zuge der Verbreitung von Zahlungsverkehrsin-
novationen zurückgehen, indem mindestreservepflichtige Substitute für Bargeld
Die Auswirkungen von Zahlungsverkehrsinnovationen auf die Geldpolitik 105

durch nicht mindestreservepflichtige (oder zu einem geringeren Mindestreserve-


satz reservepflichtige) ersetzt werden. So können Zahlungsverkehrsinnovationen
auch als Ersatz für andere bargeldlose Zahlungsmittel (v. a. Schecks; Federal Re-
serve System 2004) herangezogen werden. Die Bezahlung mittels Telefonwertkar-
te kann als Substitut für Banküberweisungen im Fernabsatz verwendet werden.
Sofern auf neue Zahlungsmittel – wie Elektronische Geldbörsen und Telefonwert-
karten – die E-Geld-Richtlinie (2000/46/EG) anwendbar ist, gelten die Emittenten
als Kreditinstitute (Richtlinie 2000/28/EG). Sie unterliegen daher auch denselben
Mindestreservebestimmungen (Verordnung (EG) 2531/98 des Rates und Verord-
nung (EG) 1745/2003 der Europäischen Zentralbank). Gegenwärtig müssen 2 %
des ausstehenden E-Geldbetrags als Mindestreserve gehalten werden. Durch die
Verwendung von E-Geld anstelle von Zahlungsmitteln auf Basis von mindestre-
servepflichtigen Einlagen (z.B. Überweisungs- oder Abbuchungsauftrag) reduziert
sich die Nachfrage nach Reserven bei der Zentralbank daher nicht direkt. Auch
neue Zugangsprodukte reduzieren die Nachfrage nach Zentralbankgeld im Rah-
men der Reservehaltung nicht, da sie lediglich die Form des Zugangs zu Bankkon-
ten ändern, aber deren Mindestreserveverpflichtung unberührt lassen.
Die Verbreitung von Zahlungsverkehrsinnovationen in Form von Zugangspro-
dukten reduziert die Kosten der Bargeldbeschaffung sowie die Verfügbarkeit von
Bargeld und kostengünstigen alternativen Zahlungsmitteln im Notfall (z.B. größe-
re Verbreitung von Geldausgabeautomaten). Dadurch werden die Anreize zur Hal-
tung von Vorsichtskasse in Form von Bargeld reduziert. Falls eine Transaktion
unerwartet notwendig wird, stehen in mehr Fällen statt Bargeld auch elektroni-
sches Geld, Debit- oder Kreditkarten zur Verfügung. Falls nur Bargeld akzeptiert
wird, ist die Wahrscheinlichkeit größer, in kurzer Zeit bei einem Geldausgabeau-
tomaten Bargeld beschaffen zu können. Sowohl das Risiko der Illiquidität als auch
die Kosten der Illiquidität werden reduziert, sodass der Grenznutzen der Vor-
sichtskassenhaltung entsprechend abnimmt. Bei gleich bleibenden Opportunitäts-
kosten der Vorsichtskassenhaltung nimmt die Nachfrage nach Vorsichtskasse in
Form von Bargeld ab. Zusätzlich zur Reduktion der Nachfrage nach Bargeld im
Rahmen der Transaktionskassenhaltung führt auch die Nachfrage nach Bargeld im
Rahmen der Vorsichtskassenhaltung zu einem Rückgang der Nachfrage nach
Zentralbankgeld in Form von Bargeld.
Wie wirkt sich der Rückgang der Nachfrage nach Zentralbankgeld auf das
strukturelle Liquiditätsdefizit aus? Bei gleich bleibendem aggregierten Angebot an
Zentralbankgeld würde das strukturelle Liquiditätsdefizit zurückgehen und null er-
reichen. Das aggregierte Angebot an Zentralbankgeld wird aber von den Zentral-
banken bestimmt. Um das strukturelle Liquiditätsdefizit aufrechterhalten zu kön-
nen, können die Zentralbanken daher M0 entsprechend reduzieren. Da sich
Zahlungsverkehrsinnovationen nur langsam durchsetzen und sie anfänglich nicht
die absolute Nachfrage nach Zentralbankgeld reduzieren, können Zentralbanken
das aggregierte Angebot an Reserven kontinuierlich den Nachfragebedingungen
anpassen und das strukturelle Liquiditätsdefizit sicherstellen. Sehr langfristig kann
dies zu einer Verkürzung der Bilanzen der Zentralbanken und zu einem Rückgang
der Seigniorage (Notenbankgewinn) führen. Da die Zentralbanken auch die Nach-
frage nach M0 teilweise beeinflussen, könnten sie durch höhere Mindestreserve-
106 Stefan W. Schmitz

verpflichtungen sowie durch die Mindestreservepflicht der E-Geld-Institute ein


strukturelles Liquiditätsdefizit auch ohne Bilanzverkürzung sicherstellen. Die
Verbreitung von Zahlungsverkehrsinnovationen führt daher nicht zwingend zu ei-
nem Rückgang des strukturellen Liquiditätsdefizits.

3.3.2 Auswirkungen auf die Prognostizierbarkeit des strukturellen


Liquiditätsdefizits
Das strukturelle Liquiditätsdefizit wurde als Summe der aggregierten Überschuss-
nachfrage der Banken nach Reserven bei der Zentralbank (Differenz zwischen der
Nachfrage der Banken und dem bestehenden Angebot) und den so genannten au-
tonomen Faktoren definiert. Letztere setzen sich vor allem aus Einlagen der Re-
gierung bei der Zentralbank, aus der Bargeldhaltung sowie dem Netto-Float zu-
sammen. Für die Implementierung der Geldpolitik muss die Zentralbank die
autonomen Faktoren und die Überschussnachfrage der Banken schätzen. Zah-
lungsverkehrsinnovationen können sich auf beide Komponenten des strukturellen
Liquiditätsdefizits auswirken.
Im Euroraum tragen die Einlagen der Regierungen bei den Zentralbanken am
meisten zur Volatilität der autonomen Faktoren bei, gefolgt von der Bargeldhal-
tung und den freien Reserven (über die Mindestreserveverpflichtung der Banken
hinausgehende Reservehaltung bei der Zentralbank), während der Float im Euro-
system praktisch keine Rolle spielt (Bindseil u. Würtz forthcoming). Zahlungsver-
kehrsinnovationen wirken sich nicht direkt auf die Transaktionskassenhaltung der
Regierungen in Form von Einlagen bei den Zentralbanken aus. Sie reduzieren aber
mittelfristig die Bargeldhaltung relativ zum BIP und langfristig die absolute Bar-
geldhaltung. Deren Volatilität ist vor allem auf periodische Konzentrationen von
Transaktionen zurückzuführen (z.B. wöchentliche und monatliche Lohn- und Ge-
haltsauszahlungen, Bargeldbehebungen vor dem Wochenende, Weihnachtseinkäu-
fe, Termine der Fälligkeit von Steuern und Auszahlung von Sozialleistungen). Da-
her ist sie relativ präzise prognostizierbar (Bindseil u. Seitz 2001). Die Verbrei-
tung von Zahlungsverkehrsinnovationen wird prinzipiell zu einer Reduktion der
Bargeldnachfrage und ihrer Standardabweichung führen und daher die entspre-
chenden Prognosefehler eher weiter senken. Der Substitutionsprozess des Bargel-
des könnte selbst Quelle von Prognosefehlern sein, was allerdings aufgrund der
langsamen Substitution unwahrscheinlich erscheint. (Allerdings können Vertrau-
enskrisen in Zahlungssysteme zu einem kurzfristigen Umstieg auf Bargeld und zu
einem starken Anstieg der Nachfrage nach Banknoten führen – siehe Abschnitt
3.5.)
Die Nachfrage der Banken nach Reserven bei der Zentralbank wird vor allem
durch die Mindestreservebestimmungen und durch die Liquiditätsbedürfnisse der
Banken im Interbanken-Zahlungsverkehr determiniert. Dieselben Konten der Ban-
ken bei den Zentralbanken können über Nacht zur Erfüllung der Mindestreserve-
verpflichtung und untertags für Transaktionen im Interbanken-Zahlungsverkehr
herangezogen werden. Um effektiv zu sein, müssen die Mindestreservebestim-
mungen bindend sein, d.h. über den zahlungsverkehrsbedingten Liquiditätsreser-
ven der Banken liegen. Die freien Reserven der Banken sollten daher nahe null
Die Auswirkungen von Zahlungsverkehrsinnovationen auf die Geldpolitik 107

sein, da sie anders als die Mindestreserve nicht remuneriert werden. Die freien Re-
serven der Banken bei der Zentralbank sind eine Funktion der Unsicherheit der
Liquiditätssituation am Ende des Tages, nachdem alle Transaktionen im Interban-
ken-Zahlungsverkehr abgerechnet sind. Freie Reserven dienen als Puffer gegen
diese Unsicherheit. Sie sollen verhindern, dass die jeweilige Bank durch überra-
schend ausgehende Zahlungen, die im Auftrag ihrer Kunden getätigt werden, unter
die Mindestreserve fällt (Bindseil u. Würtz forthcoming). Die Liquiditätssituation
der einzelnen Bank am Ende des Tages ist vor allem eine Folge der ein- und aus-
gehenden Zahlungen ihrer Kunden sowie der Kunden anderer Banken. Zahlungs-
verkehrsinnovationen haben darauf keinen direkten Einfluss, aber über die Effi-
zienz des gesamtwirtschaftlichen Zahlungssystems einen möglichen indirekten
Einfluss (siehe Abschnitt 3.4). Zudem sind die freien Reserven mit etwa 0,7 % der
Mindestreserven sehr gering (Bindseil u. Seitz 2001), sodass sie für die Prognose
des strukturellen Liquiditätsdefizits nur eine untergeordnete Rolle spielen und vor
allem die Mindestreservehaltung ausschlaggebend ist. Da die Mindestreservevor-
schriften ein geldpolitisches Instrument sind, wirken sich Zahlungsverkehrsinno-
vationen nicht direkt auf sie aus. Zahlungsverkehrsinnovationen, die als E-Geld
gelten, sind allerdings mindestreservepflichtig. Geht die Volatilität der Bargeld-
haltung auf die E-Geldhaltung über, so wird auch die absolute Höhe der Mindest-
reservehaltung volatiler. Dennoch sollte sie wie die periodischen Schwankungen
der Bargeldhaltung gut prognostizierbar sein. Prima facie ergeben sich keine ein-
deutigen Argumente, die auf eine Reduktion der Prognostizierbarkeit der Nachfra-
ge der Banken nach Reserven bei der Zentralbank schließen lassen.
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Prognostizierbarkeit der auto-
nomen Faktoren (v.a. der Bargeldhaltung) eher zunehmen wird, während jener der
Reservehaltung der Banken bei der Zentralbank nicht direkt berührt wird.
Selbst bei einer Zunahme der Prognosefehler im Zuge der Implementierung der
Geldpolitik stünden der Zentralbank Instrumente des Liquiditätsmanagements zur
Verfügung, um korrigierend einzugreifen und die Kosten der Prognosefehler zu
minimieren. Prognosefehler der Zentralbank führen zu temporären Liquiditätsun-
gleichgewichten auf dem Geldmarkt. Überschätzt (unterschätzt) die Zentralbank
das strukturelle Liquiditätsdefizit, so ist die aggregierte Nachfrage nach Zentral-
bankgeld beim angestrebten kurzfristigen Zinssatz niedriger (höher) als das aggre-
gierte Angebot und der kurzfristige Zinssatz fällt unter (steigt über) das angestreb-
te Niveau – die Geldpolitik wirkt expansionistischer (kontraktiver) als gewünscht.
Für die Zentralbank bedeutet dies, dass Prognosefehler schnell offenbar werden
und die Zentralbank korrigierend auf dem Geldmarkt intervenieren kann. Die EZB
führt ihre regelmäßigen Offenmarktoperationen (Hauptrefinanzierungsgeschäfte)
wöchentlich durch. Relativ zur Fed, die mehrmals täglich auf dem Geldmarkt in-
terveniert, ist dies selten. Der EZB stehen aber bei Bedarf so genannte „fine-
tuning“ Operationen zur Verfügung (z.B. Entgegennahme von Termineinlagen),
bei denen die EZB weder an regelmäßige Termine noch an bestimmte Laufzeiten
gebunden ist. Dadurch können etwaige Prognosefehler schnell ausgeglichen wer-
den, ohne an den Termin für das nächste Hauptrefinanzierungsgeschäft gebunden
zu sein.
108 Stefan W. Schmitz

Auch wenn die Prognosefehler durch Zahlungsverkehrsinnovationen nicht zu-


nehmen, könnten sie bei einer effektiveren Geldpolitik größere Kosten – im Sinne
von unerwünschten Auswirkungen auf geldpolitische Ziele – haben. Wie in Ab-
schnitt 2.2 argumentiert, lässt sich aber kein eindeutiger Zusammenhang zwischen
Zahlungsverkehrsinnovationen und der Effektivität der Geldpolitik identifizieren.
Die direkten Auswirkungen von Zahlungsverkehrsinnovationen auf die Prognosti-
zierbarkeit des strukturellen Liquiditätsdefizits sind vernachlässigbar. Indirekt
können sich Zahlungsverkehrsinnovationen über die Effizienz des gesamtwirt-
schaftlichen Zahlungssystems auf die Prognostizierbarkeit des strukturellen Defi-
zits auswirken.

3.4 Zahlungsverkehrsinnovationen und die Effizienz des gesamt-


wirtschaftlichen Zahlungssystems

Die Effizienz von Zahlungssystemen reduziert die Transaktionskosten auf dem


Geldmarkt und ist daher eine Voraussetzung für die Entwicklung eines liquiden
Interbank-Geldmarktes. Dieser wiederum ist für die Implementierung der Geldpo-
litik im institutionellen Rahmen des Eurosystems von zentraler Bedeutung. Ineffi-
ziente Zahlungssysteme führen zu großem und volatilem Float. Dadurch können
auch die Reservehaltung der einzelnen Banken sowie die aggregierte Nachfrage
nach Zentralbankgeld volatiler werden. In der Folge steigt damit auch die Volatili-
tät der kurzfristigen Zinsen auf dem Interbankenmarkt. Für die Zentralbank sind
diese allerdings eine wichtige Informationsquelle, um die Liquiditätssituation des
Bankensektors beurteilen zu können (Fry et al. 1999). Zusätzlich wird die Progno-
se der autonomen Faktoren des strukturellen Liquiditätsdefizits schwieriger. Kurz-
fristig kann die Zentralbank Float durch Buchhaltungsregeln reduzieren. Der Float
wird entweder dem Konto des Auftraggebers oder jenem des Empfängers gutge-
schrieben bevor die Transaktion abgewickelt ist. Dies ist allerdings mit uner-
wünschten Verteilungseffekten verbunden. Langfristig forcieren Zentralbanken
daher die Erhöhung der Effizienz des gesamtwirtschaftlichen Zahlungssystems.
Zahlungsverkehrsinnovationen werden in der Regel als Effizienz erhöhend ange-
sehen, so dass sie langfristig positive Auswirkungen auf den Informationsgehalt
der kurzfristigen Geldmarktzinsen haben sollten. Weiters senkt die höhere Effi-
zienz den Float sowie die freien Reserven (Woodford 2002), wodurch die Prog-
nostizierbarkeit des strukturellen Defizits von hohem Niveau noch etwas verbes-
sert werden könnte.

3.5 Zahlungsverkehrsinnovationen und Liquiditätsschocks

Die langfristig positiven Auswirkungen auf den Informationsgehalt der Geld-


marktzinsen können allerdings durch Liquiditätsschocks temporär konterkariert
werden. Zahlungsverkehrsinnovationen erhöhen die Tiering-Struktur des gesamt-
wirtschaftlichen Zahlungssystems. D.h. ein wachsendes nominelles Zahlungsvo-
lumen wird über Innengeld (Bankbuchgeld) abgewickelt. Kleinbetragszahlungs-
Die Auswirkungen von Zahlungsverkehrsinnovationen auf die Geldpolitik 109

systeme sind häufig Nettozahlungssysteme und die Salden werden oft über Buch-
geld des Zahlungssystembetreibers abgerechnet. Wird Bankbuchgeld als Zah-
lungsmittel zur Abrechnung von Verbindlichkeiten statt Zentralbankgeld genutzt,
steigen das Kredit- und das Liquiditätsrisiko. Im Gegensatz zum Zentralbankgeld
impliziert das Bankbuchgeld keine ökonomische Finalität. Es stellt lediglich eine
Forderung gegenüber der Bank dar. Kredit- und Liquiditätsrisiko können Quellen
indiosynkratischer und systemischer Risiken darstellen. Werden das Kredit- bzw.
das Liquiditätsrisiko durch die Insolvenz oder Illiquidität eines Emittenten von
Bankbuchgeld schlagend oder kommt es zu einer Vertrauenskrise in die Stabilität
des gesamtwirtschaftlichen Zahlungssystems, kann dies zu einem negativen Li-
quiditätsschock führen. D.h. die Liquidität im gesamtwirtschaftlichen Zahlungs-
system geht deutlich zurück, was negative realwirtschaftliche Konsequenzen ha-
ben kann. Für die Geldpolitik bedeutet es vor allem, dass es zu einer kurzfristig
stark steigenden Nachfrage nach Zentralbankgeld kommt, da dieses im Gegensatz
zum Bankbuchgeld kein Kredit- bzw. Liquiditätsrisiko aber ökonomische Finalität
impliziert. Die Prognostizierbarkeit der Geldnachfrage kann dadurch in Krisensi-
tuationen deutlich erschwert werden. Als Instrument zur Vermeidung von Liquidi-
tätsschocks steht den Zentralbanken vor allem die Zahlungssystemaufsicht zur
Verfügung, die das Vertrauen in die Funktionsfähigkeit von Zahlungssystemen si-
chern und die Ausfallswahrscheinlichkeit einzelner Komponenten reduzieren soll.
Weiters sind Zentralbanken oft Betreiber von Großbetragszahlungssystemen (z.B.
TARGET, Fedwire). Die Core Principles der Bank für Internationalen Zahlungs-
ausgleich sehen zusätzlich vor, dass bei systemrelevanten Zahlungssystemen die
Abrechnung in Zentralbankgeld erfolgen sollte (CPSS 2001).

4 Fazit

x Zahlungsverkehrsinnovationen werden vor allem durch politökonomische De-


terminanten (Liquiditätskosten) und nicht durch technologische Faktoren ge-
trieben. Rezente Innovationen reihen sich in einen historischen Prozess institu-
tionellen Wandels ein. Die adäquate Untersuchungsmethode ist die Neue
Institutionelle Ökonomie.
x Es bestehen starke Anreize für NutzerInnen und AnbieterInnen von Zahlungs-
verkehrsinnovationen, die die Denomination neuer Zahlungsmittel in der domi-
nanten Währung des relevanten Marktes sowie deren Einlösbarkeit sicherstel-
len. Auch bei einer weiten Verbreitung von Zahlungsverkehrsinnovationen
behalten die Zentralbanken daher das Monopol über das allgemein akzeptierte
Tauschmittel, das sowohl die Funktion der einheitlichen Recheneinheit in der
relevanten Wirtschaft als auch die Funktion des finalen Zahlungsinstruments im
Interbanken-Zahlungsverkehr umfasst. Sie können daher prinzipiell über die
Steuerung der Zentralbankgeldmenge und des kurzfristigen Zinssatzes weiter-
hin Geldpolitik betreiben.
x Zahlungsverkehrsinnovationen, die unter die E-Geld-Richtlinie fallen oder Zu-
gangsprodukte darstellen, haben keine direkten Auswirkungen auf die Geld-
110 Stefan W. Schmitz

menge M3. Sie führen allerdings zu einer Erhöhung der Umlaufgeschwindig-


keit der Zentralbankgeldmenge M0 sowie zu einer Erhöhung der Zinselastizität
der Nachfrage nach M0. Beide Effekte haben gegensätzliche Auswirkungen auf
die Effektivität der Geldpolitik. Der Nettoeffekt ist nicht eindeutig bestimmbar.
x Zentralbanken können das strukturelle Liquiditätsdefizit sowohl durch eine Re-
duktion des Angebots an Zentralbankgeld als auch durch eine Erhöhung der
Nachfrage (z.B. Mindestreserveverpflichtung) auch in Zukunft sicherstellen.
Die Auswirkungen von Zahlungsverkehrsinnovationen auf die Prognostizier-
barkeit des strukturellen Liquiditätsdefizits sind gering. Eine grundsätzliche Re-
form des institutionellen Rahmens der Implementierung der Geldpolitik im Eu-
roraum wird daher durch die Verbreitung von Zahlungsverkehrsinnovationen
nicht notwendig.
x Zahlungsverkehrsinnovationen werden in der Regel als die Effizienz des ge-
samtwirtschaftlichen Zahlungssystems erhöhend angesehen, so dass sie lang-
fristig positive Auswirkungen auf die Implementierung der Geldpolitik haben
könnten.
x Zahlungsverkehrsinnovationen können Quellen von negativen Liquiditäts-
schocks sein. Als Instrument zu ihrer Vermeidung stehen den Zentralbanken
vor allem die Zahlungssystemaufsicht sowie die Übernahme von operationalen
Aufgaben im gesamtwirtschaftlichen Zahlungssystem zur Verfügung.

Literatur

Allen H (2003) Innovations in retail payments: e-payments. Bank of England Quarterly


Bulletin, pp 428–438
Bindseil U, Seitz F (2001) The Supply and Demand for Eurosystem Deposits – The First 18
Month. ECB Working Paper No. 44. Frankfurt/Main
Bindseil U, Würtz F (forthcoming) Payment Systems from the Monetary Policy Implemen-
tation Perspective. In: Schmitz SW und Wood GE (ed) Institutional Change in the Pay-
ments System and Monetary Policy. Routledge, London
Board of Governors of the Federal Reserve System (2002) The Future of Retail Electronic
Payments Systems: Industry Interviews and Analysis. Staff Study 175, Washington, D.C.
Bradford T, Davies M, Weiner SE (2003) Nonbanks in the Payments System. Federal Re-
serve Bank of Kansas, Kansas City
Browne FX, Cronin D (1996) Payment Technologies, Financial Innovation, and Laissez-
Faire Banking: A Further Discussion of the Issues. In: Dorn JA (ed) The Future of
Money in the Information Age. Cato Institute, Washington D.C.
http://www.cato.org/pubs/books/money/money18.htm, Abruf am 26.8.2004
Capie FH, Tsomocos DP, Wood GE (forthcoming) Modelling Institutional Change in the
Payments System and its Implications for Monetary Policy. In: Schmitz SW und Wood
GE (ed) Institutional Change in the Payments System and Monetary Policy. Routledge,
London
Chakravorti S (forthcoming) The Evolving Payments Landscape and Its Implications for
Monetary Policy. In: Schmitz SW und Wood GE (ed) Institutional Change in the Pay-
ments System and Monetary Policy. Routledge, London
Die Auswirkungen von Zahlungsverkehrsinnovationen auf die Geldpolitik 111

Cohen BJ (2002) Monetary Instability: Are National Currencies Becoming Obsolete? In:
Busumtwi-Sam J, Griffin Cohen M, Dobuzinskis L, McBride S (ed) Turbulance and New
Directions in Global Political Economy. Palgrave MacMillan, London, pp 125–140
CPSS – Committee for Payment and Settlement Systems (2001) Core principles for sys-
temically important payment systems. Bank for International Settlements: Basel
CPSS – Committee for Payment and Settlement Systems (2002) Policy issues for central
banks in retail payments. Bank for International Settlements: Basel
Deutsche Bundesbank (1997) Monetary policy and payment systems. Deutsche Bundes-
bank Monthly Report (March), pp 33–46
Economides N (1991) Compatibility and the Creation of Shared Networks. In: Guerrin-
Calvert ME, Wildmann SS (ed) Electronic Services Networks. Praeger, New York
Europäische Zentralbank (2004) The Implementation of Monetary Policy in the Euro Area.
Frankfurt/Main
Federal Reserve System (2004) The 2004 Federal Reserve System Payments Study. Federal
Reserve System, Washington D.C.
Freedman C (2000) Monetary Policy Implementation: Past, Present, and Future – Will the
Advent of Electronic Money Lead to the Demise of Central Banking? International Fi-
nance 3, pp 211–227
Friedman B (1999) The Future of Monetary Policy: The Central Bank as an Army with On-
ly a Signaling Corps? International Finance 2, pp 321–338
Friedman B (2000) Decoupling at the Margin: The Threat to Monetary Policy from the E-
lectronic Revolution in Banking. International Finance 3, pp 261–272
Fry MJ, Kilato I, Roger S, Senderowicz K, Sheppard D, Solis F, Trundle J (1999) Payment
Systems in Global Perspective. Routledge, London
Goodhart CAE (1989) Money, Information, and Uncertainty. Macmillan, London
Goodhart CAE (2000) Can Central Banking Survive the IT Revolution. International Fi-
nance 3, pp 189–209
Krozner, RS (2001) Currency Competition in the Digital Age, paper prepared for “The Ori-
gins and Evolution of Central Banking”, 21-22 May, Federal Reserve Bank Cleveland
Krüger M (1999) Towards a Moneyless World? University of Durham, Department of Eco-
nomics & Finance Working Paper nr 9916, Durham
Latzer M, Schmitz SW (eds) (2002) Carl Menger and the Evolution of Payment Systems:
From Barter to Electronic Money. Cheltenham, Edward Elgar
Menger C (1909) „Money“ translated from „Geld“, Handwörterbuch der Staatswissen-
schaften 3rd edition, Jena. In: Latzer M und Schmitz SW (eds) Carl Menger and the Evo-
lution of Payment Systems: From Barter to Electronic Money. Cheltenham, Edward El-
gar, pp 26–108
Schmitz SW (2002a) Carl Menger’s „Money“ and Current Neoclassical Models of Money.
In: Latzer M und Schmitz SW (eds) Carl Menger and the Evolution of Payment Systems:
From Barter to Electronic Money. Cheltenham, Edward Elgar, pp 111–132
Schmitz SW (2002b) The Institutional Character of Electronic Money Schemes: Re-
deemability and the Unit of Account. In: Latzer M und Schmitz SW (eds) Carl Menger
and the Evolution of Payment Systems: From Barter to Electronic Money. Cheltenham,
Edward Elgar, pp 159–183
Schmitz SW (forthcoming a) Models of Worlds without Money: A Critical Assessment of
the Literature. In: Schmitz SW und Wood GE (ed) Institutional Change in the Payments
System and Monetary Policy. Routledge, London
Schmitz SW (forthcoming b) Monetary Policy in a World without Central Bank Money. In:
Schmitz SW und Wood GE (ed) Institutional Change in the Payments System and Mone-
tary Policy. Routledge, London
112 Stefan W. Schmitz

Schmitz SW, Wood GE (forthcoming) Institutional Change in Payment Systems and Mone-
tary Policy: An Introduction. In: Schmitz SW und Wood GE (ed) Institutional Change in
the Payments System and Monetary Policy. Routledge, London
Selgin GA, White LH (2002) Mengerian Perspectives on the Future of Money. In: Latzer M
und Schmitz SW (ed) Carl Menger and the Evolution of Payment Systems: From Barter
to Electronic Money. Cheltenham, Edward Elgar, pp 133–158
White LH (forthcoming) Payment System Innovations in the United States since 1945 and
their Implications for Monetary Policy. In: Schmitz SW und Wood GE (ed) Institutional
Change in the Payments System and Monetary Policy. Routledge, London
Woodford M (2002) Financial Market Efficiency and the Effectiveness of Monetary Policy.
FRBNY Economic Policy Review (May), pp 85–94
Internet-Zahlungssysteme für Händler und
Verbraucher im deutschen Rechtssystem

Dania Neumann1

Latham & Watkins, Frankfurt am Main

1 Mediengerechte Zahlungen für den Handel über das


Internet

Das Verfahren für das Bezahlen der über das Internet bestellten Produkte und
Dienstleistungen kann offline – ohne Verbindung zum zentralen Rechner oder
Netzwerk – oder online – mit Verbindung zum zentralen Rechner oder Netzwerk –
erfolgen2. Wird eine Verbindung zum Netzwerk aufgebaut, wird diese beispiels-
weise zur Autorisierung des Zahlungsvorgangs verwendet. Dies geschieht her-
kömmlich, indem die Daten des Zahlenden übertragen und einer Prüfung unterzo-
gen werden. Bei wertspeichernden Systemen ist diese Autorisierung nicht
notwendig, da sich die Bank bereits bei Erwerb der Werteinheiten Deckung ver-
schafft hat und das Erklärungsrisiko bei Einsatz der Werteinheiten von ihrem In-
haber zu tragen ist.
Die Trennlinie zwischen Systemen für das Bezahlen über das Internet offline
und online kann jedoch nicht immer eindeutig gezogen werden. Es ergeben sich
drei Systemgruppen nach Zahlungsverfahren
x offline veranlasst, gegen Nachnahme bei Lieferung der Ware, durch hand-
schriftliche Überweisung nach Rechnungsstellung oder mittels Lastschriftein-
zugsermächtigung, der auch eine Autorisierung der Zahlung mittels Mobiltele-
fons vorgeschaltet sein kann,

1 Nachfolgende, nicht anders bezeichnete Gesetze sind solche des Gesetzgebers der Bun-
desrepublik Deutschland. Die Autorin dieses Beitrages, Dr. Dania Neumann, ist als
Rechtsanwältin in der Bundesrepublik Deutschland zugelassen und in der internationalen
Anwaltssozietät Latham & Watkins in Frankfurt am Main (dania.neumann@lw.com) tä-
tig. Weiterführende rechtliche Informationen zu dem Thema „Zahlungsverkehr im Inter-
net“ aus der Sicht von Händlern und Verbrauchern in der Bundesrepublik Deutschland
finden sich bei Neumann u. Bock, Zahlungsverkehr im Internet – Rechtliche Grundzüge
klassischer und innovativer Zahlungsverfahren, Verlag C.H.Beck, München 2004.
2 Vgl. hierzu parallel die umsatzsteuerrechtlich begründete Unterscheidung zwischen Off-
line-Umsätzen und Online-Umsätzen des Elektronischen Geschäftsverkehrs. Dazu Hen-
seler UVR 2001, 305, 306.
114 Dania Neumann

x online veranlasst über Internet-Banking, selten im Mobile-Banking, via Kun-


denkonten und mittels Kreditkarte,
x online durchgeführt mittels Netzgeld und Geldkarte für das Internet, letztere
nur unter der Voraussetzung eines speziellen Kartenlesegerätes am Personal
Computer (PC) bzw. mobilen Endgerät.

1.1 Die offline veranlasste Zahlung

Charakteristisch für die Systemgruppe einer offline veranlassten Zahlung ist, dass
die Bezahlung unabhängig von der Online-Bestellung über das Internet erfolgt
(Stolpmann 1997). Die Vergütung erfolgt nicht während des Bestehens der Com-
puterverbindung zum Netzwerk. Das Internet wird nur als Medium genutzt, um
eine Bestellung innerhalb des Internet-Handels aufzugeben (Schuster et al. 1997).
Zu den Offline-Bezahlverfahren zählen Zahlungen gegen Nachnahme bei Überga-
be der Ware durch die Post, durch Überweisung nach Rechnungsstellung durch
Ausfüllen und Abgabe des Formulars in der Bankfiliale sowie Zahlungen, die aus
einer unterzeichneten Lastschrifteinzugsermächtigung resultieren3. Zwar können
die Offline-Zahlungen auf den ersten Blick nur als nicht mediengerechte Zahlun-
gen für den elektronischen Handel angesehen werden, gleichwohl sind die her-
kömmlichen Bezahlverfahren des bargeldlosen Zahlungsverkehrs mit Überwei-
sung und Lastschriftverfahren bewährte und beliebte Verfahren, die aller
Voraussicht nach als klassische Zahlungsverfahren der Banken im E-Commerce
unangefochten Bestand haben werden4. Die Zahlung gegen Nachnahme soll im
Folgenden unberücksichtigt bleiben. Der Scheck wird zukünftig von den Banken
nicht mehr als alternative Zahlungsform angeboten. Er kann schon aufgrund seiner
Formerfordernisse aus Art. 1 ScheckG nicht zur Zahlung über das Internet einge-
setzt werden. In die Kategorie der offline veranlassten Zahlungen können in der
Tat auch mobile Zahlungsdienstleistungen, Mobile Payments (M-Payments), ein-
zubeziehen sein. Der Begriff des M-Payments steht regelmäßig für Zahlungsver-
fahren, bei denen zwecks Zusammenführung der Transaktionsdaten das Mobilte-
lefon genutzt, jedoch die Zahlungsabwicklung über das Bankkonto oder die
Kreditkarte, die Zahlungskarte im Handy oder über die Telefonabrechnung vorge-
nommen wird (Henkel 2002). Anwendungen der M-Payments sind damit glei-
chermaßen über das virtuelle Internet im E-Commerce wie in der realen Welt an
der Kasse oder an dem Automaten möglich, was die klare Zuordnung in die hier
vorliegenden Systemgruppen erschwert und insofern im Einzelfall zu bestimmen
ist. Einen Standard gibt es unter den Verfahren mobiler Zahlungssysteme nicht,
der hier eine rechtliche Zuordnung erfahren könnte.

3 Zu der umstrittenen Frage notwendiger Anforderungen an eine Signierung der über das
Internet zu erteilenden Einzugsermächtigung siehe Neumann u. Bock, Zahlungsverkehr
im Internet, Ziffer E.I.2; m.w.N. Werner BKR 2002, 11f.; Schneider BKR 2002, 384f .
4 Vgl. auch Werner BKR 2002, 11.
Internet-Zahlungssysteme für Händler und Verbraucher im deutschen Rechtssystem 115

1.2 Die online veranlasste Zahlung

In einer dem Medium Internet gerechteren Zahlungsform kann die Vergütung on-
line veranlasst werden. Dies ist für den Zahlungspflichtigen unter Verwendung
von Zahlungsinstrumenten möglich, die einen Zugang zu dem Girokonto bezie-
hungsweise zu Zahlungsmitteln wie den Sichteinlagen vermitteln, wenn dieser
Zugang elektronisch erfolgt (z.B. über Internet-Banking, Mobile-Banking). Eben-
falls in diese Gruppe der online veranlassten Zahlungen kann die Zahlung über
Kundenkonten oder mittels Kreditkarte gehören. Bei der Zahlung über Kunden-
konten wird eine dritte Partei vermittelnd zwischen Kunde und Händler tätig
(Schuster et al. 1997). Die seitens des Kunden zu begleichenden Beträge werden
angesammelt und in regelmäßigen Abständen von seinem bezogenen Girokonto
abgebucht. Die Zahlung mittels Kreditkarte ist eine – wenngleich hinsichtlich der
Datenübertragung nicht durchweg sichere – aber gebräuchliche Form der Zahlung
im Internet. Auch sind zahlreiche der innovativen elektronischen Zahlungsverfah-
ren keine Bargeldsubstitute, sondern letztlich (nur) online veranlasste Zahlungen,
die unter Einsatz von mobilen Endgeräten die Transaktionsdaten bestimmen und
sichern.

1.3 Die online durchgeführte Zahlung

Die online durchgeführte Zahlung soll bargeldähnlich sein und bargeldlose Zah-
lungen substituieren. Das für die Bargeldzahlung typische Unmittelbarkeitsprinzip
soll ebenso für die Zahlung mit einem Bargeldsurrogat gelten. Der Schuld-
ner überträgt dem Gläubiger das Eigentum am Bargeldsurrogat, ohne dass Dritte
beteiligt werden (Tegebauer 2002). Ein Zahlungsmechanismus ist freilich nur
dann verkehrsgeeignet, wenn die Anforderungen hinsichtlich der Vertraulichkeit
der Daten5, der Integrität6 von Bestell- und Zahlungsinformationen sowie der Au-
thentifizierung7 von Händler und Kunde gegeben sind (Kossel u. Wronski 1997).
Diesen Anforderungen ist bei den Zahlungssystemen mit Netzgeld hinreichend
Rechnung getragen worden. Netzgeld gilt als weiterer Schritt im Entsubstantiali-
sierungsprozess der geldgeschichtlichen Entwicklung (Gramlich CR 1997, 11). In
Deutschland hatte zunächst das ecash-Pilotprojekt der Deutsche Bank AG von
1997 bis 2000 die Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Auch die Geldkarte kann
seit Ende 2002 als Zahlungsmittel für das Internet über ein Kartenlesegerät des
privaten Endverbrauchers eingesetzt werden. Als elektronische Geldbörse in Form
einer Chipkarte ermöglicht sie ihrem Inhaber die Abwicklung von Bargeschäften
des täglichen Lebens. Hardwarebasierte Geldkartensysteme und softwarebasierte

5 Es darf nicht jeder die Daten lesen können – nur Befugten soll dies möglich sein.
6 Die Daten dürfen während des Transports nicht verändert worden sein.
7 Es muss sichergestellt werden, dass der Benutzer auch derjenige ist, für den er sich aus-
gibt.
116 Dania Neumann

Netzgeldsysteme werden aufgrund ihres zum Teil deckungsgleichen Einsatzberei-


ches unter dem Begriff des elektronischen Geldes zusammengefasst8.

2 Belastungszeitpunkt

Der Zahlende kann im Wesentlichen zu drei verschiedenen Zeitpunkten mit dem


jeweiligen Transaktionsbetrag belastet werden (Rehm, Kreditwesen 2001, 1227,
1233).

2.1 Pay before – Pre-Paid

Werden sog. vor- oder vorausbezahlte Zahlungsverfahren, wie Netzgeld oder


Geldkarte, zur Zahlung verwendet, muss der Zahlende im Voraus einen Betrag
zum Erwerb der Werteinheiten an denjenigen Betreiber erbringen, welcher die
Werteinheiten emittiert. Der Erwerber hat im Weiteren insbesondere bei den Ver-
fahrensarten elektronischen Geldes einen Anspruch inne, für nicht verwendete
Werteinheiten Buchgeld gleichen Nennwertes auf seinem Girokonto gutschreiben
zu lassen. Vorbezahlte Systeme werden auch als Pre-Paid-Verfahren bezeichnet.
Nicht alle vorbezahlten Verfahren sind wertspeichernd. Die Geldkarte (z.B. Geld-
Karte) und das Netzgeld (z.B. ecash) sind wertspeichernde Verfahren, jedoch bei-
spielsweise nicht die vorausbezahlten Karten, die ähnlich einer Telefonkarte funk-
tionieren (z.B. paysafecard).

2.2 Pay now – Direct Debit

Alle kontenbasierten Verfahren, wie der Einsatz der Debitkarten mit ec-
Funktionalität am POS (englisch Point-of-Sale) oder POZ (Point-of-Sale-ohne
Zahlungsgarantie), englisch Direct Debit, beruhen auf einem unmittelbar veran-
lassten und innerhalb von ein bis zwei Bankarbeitstagen durchgeführten Geldaus-
gleich. Auch bei Kundenkarten wird das Konto des Karteninhabers unmittelbar
nach dem Zeitpunkt des Zahlungsvorgangs belastet (Szameitat 2001).

2.3 Pay later – Post-Paid

Wird der Transaktionsbetrag erst nach einem bestimmten Zeitablauf nach Ab-
schluss der Transaktion belastet, spricht man von Post-Paid. Ein typisches Post-
Paid-Produkt ist die Kreditkarte, mit der die durch den Karteninhaber autorisierten

8 Siehe Deutsche Bundesbank, Die Sechste Novelle des Kreditwesengesetzes, Monatsbe-


richt Januar 1998, S. 61 und Deutsche Bundesbank, Geldpolitik und Zahlungsverkehr,
Monatsbericht März 1997, S. 40 Fn. 7 (Deutsche Bundesbank 1997, 1998).
Internet-Zahlungssysteme für Händler und Verbraucher im deutschen Rechtssystem 117

Beträge typischerweise einmal im Monat im Lastschriftverfahren durch die Kar-


tenemittentin eingezogen werden.

3 Innovative vorbezahlte Zahlungsverfahren (Pay before)

3.1 Terminus Elektronische Geldbörsen

Der in der Literatur verwendete Begriff der Elektronischen Geldbörse (englisch


Electronic Purse) ist kein Rechtsterminus. Er ist ein Oberbegriff für vorausbezahl-
te wertspeichernde Zahlungsverfahren. Per Definition sind bei der Elektronischen
Geldbörse die Geldeinheiten direkt in einem Datenträger des Zahlenden, bei-
spielsweise der Karte, und nicht in einem Hintergrundsystem gespeichert (Rankl
u. Effing 2002). Für den juristischen Gebrauch ist jedoch die Begrifflichkeit des
Elektronischen Geldes (Netzgeld- und Geldkartenverfahren) von Interesse, auf die
im Weiteren noch eingegangen werden wird.

3.2 Vor- und Nachteile der Vorbezahlung

Ungeachtet ihrer Vorteile im Zahlungsverkehr haben vorausbezahlte Verfahren für


den Verwender einen Nachteil. Dem Börsenbetreiber wird beim Erwerb der Zah-
lungseinheiten ein zinsloser Kredit gewährt, da die vorausbezahlten Zahlungsein-
heiten nicht unmittelbar verbraucht werden. Für den Inhaber von Zahlungseinhei-
ten ist der Zinsverlust gering. In der Summe ist dies für den Börsenbetreiber eine
erhebliche Zusatzeinnahme (Rankl u. Effing 2002). In den Industrieländern soll
der durchschnittliche Geldbetrag einer im Chip einer Bankkarte gespeicherten E-
lektronischen Geldbörse – vorausbezahltes Netzgeld bleibt insoweit unberücksich-
tigt – ungefähr 75 Euro betragen. Dieser Bodensatz wird englisch als float be-
zeichnet. Bei der Annahme von 10 Mio. ausgegebenen Chipkarten und einem
Zinssatz von 2,5 % beträgt der Zinssatz über ein Jahr hinweg 18,75 Mio. Euro,
dem grundsätzlich keine Ausgaben gegenüberstehen. Zusätzlich hierzu nimmt der
Börsenbetreiber durch Sammlerkarten Geld ein, wenn diese noch werthaltig sind
und nicht mehr zu Zahlungszwecken eingesetzt werden, sowie durch nicht rekla-
mierte defekte Karten (Rankl u. Effing 2002).

3.3 E-Geld: Werteinheiten auf Karten oder in Netzwerken

Als Elektronisches Geld (E-Geld) werden Zahlungsmittel bezeichnet, deren Me-


chanismus darin besteht, Geldeinheiten auf einem Datenträger elektronisch zu
speichern. Der Datenträger befindet sich im Besitz eines Endverbrauchers. Der auf
dem Datenträger gespeicherte Betrag verringert oder erhöht sich abhängig davon,
ob der Inhaber des Datenträgers etwas kauft oder verkauft bzw. ein Betrag abge-
bucht oder das Zahlungsinstrument aufgeladen wird. Bei Transaktionen mit E-
118 Dania Neumann

Geld wird nicht auf ein Girokonto zugegriffen. E-Geld ist kein Zugangsprodukt,
da es wertspeichernd selbst über Werteinheiten verfügt (EZB 2000). Es basiert in-
folgedessen auf der Idee, ein Substitut für Banknoten und Münzen zu sein (EZB
2000).
Technisch lässt sich Elektronisches Geld nach Art des Speichermediums unter-
scheiden. Die Geldkarte zeichnet sich dadurch aus, dass der Datenträger ein Com-
puterchip ist, der in eine Plastikkarte eingebaut wird. Hier wird der Zugriff auf die
Kaufkraft mittels hardwaregestützter Sicherheitsmerkmale – in Verbindung mit
Software – geschützt. Die Idee des Systems liegt in der Mobilität der Hardware
„Chipkarte“. Hingegen funktionieren softwaregestützte Produkte – in Verbindung
mit Hardware – auf der Basis spezieller PC-Software. Mittels dieser PC-Software
werden die elektronischen Werteinheiten in der Regel über Telekommunikations
(TK)-Netze wie das Internet übertragen, so dass diese elektronischen Werteinhei-
ten als „Netzgeld“ bezeichnet werden9. Die Idee des Systems ist es, Daten mittels
Software zu übertragen. Jedes E-Geld-System besteht notwendig aus Hard- und
Software.
Im Jahr 1998 wurde für das Jahr 2006 geschätzt, dass weltweit Elektronisches
Geld im Wert von 8,6 Mrd. US-Dollar im Umlauf sein wird (Hayward 1998 nach
Hladjk MMR 2001, 731). Nach Angaben der Europäischen Zentralbank (EZB) be-
lief sich der Anteil des E-Geldes am Bargeldumlauf im Euroraum Ende Juni 2000
auf 0,04 % und 0,003 % der Geldmenge M310. Elektronisches Geld ist somit für
die laufende Wirtschaftsanalyse bis dato kaum relevant (EZB 2000). Es besitzt
gleichwohl das Potential, eine wesentliche Rolle im Finanzsystem des Euroraumes
zu übernehmen. Die Entwicklung von E-Geld befindet sich aber noch in den alle-
rersten Anfängen (Duisenberg bank und markt 2001, 12, 17; Hladjk MMR 2001,
731, 736). Die Transaktionskosten sollen im Vergleich mit einem Bargeldeinsatz
geringer sein, so dass Elektronisches Geld nicht nur im E-Commerce zur Verfü-
gung stehen soll, sondern neue Formen von Dienstleistungen ermöglicht (EZB
2000). Das United States General Accounting Office (GAO) sieht in seinem Re-
port to Congressional Requestors von Dezember 2002 die Möglichkeit, dass E-
lektronisches Geld dort an Bedeutung zunehmen wird, wo andere Zahlungsverfah-
ren nicht zugelassen sind. So versuchen Kreditkartenanbieter in den USA den
Einsatz ihrer Kreditkarten für das Glücksspiel im Internet dadurch zu unterbinden,
dass den Karteninhabern ein solcher Einsatz verboten wurde. Gleichzeitig wird

9 Siehe Hladjk MMR 2001, 731 nach EZB Monatsbericht November 2000, S. 56.
10 Die EZB richtet sich bei der Erstellung von Statistiken nach der Ratsverordnung
(EG) 2533/98. Die Erhebung der Geld- und Bankenstatistik nach Maßgabe der Anforde-
rungen der EZB ist durch die Verordnung EZB/1998/16 geregelt. In der Geld- und Ban-
kenstatistik der EZB wird jenes elektronische Geld erfasst, das von im Euroraum ansäs-
sigen Monetären Finanzinstituten (MFIs) ausgegeben wird. Hierzu und weiterführend
EZB Monatsbericht November 2000, Kasten 2 „Statistische Erfassung von elektroni-
schem Geld in der Geld- und Bankenstatistik der EZB“, S. 60.
Internet-Zahlungssysteme für Händler und Verbraucher im deutschen Rechtssystem 119

hiermit neuen Zahlungsformen die Gelegenheit geboten, ersetzend an die Stelle


von Kreditkartentransaktionen zu treten11.

3.3.1 Rechtsterminus Elektronisches Geld (E-Geld)


Der juristische Terminus, der für die innovativsten elektronischen Zahlungsver-
fahren steht, ist der des Elektronischen Geldes. Eine gesetzliche Legaldefinition
für den Begriff „Elektronisches Geld“ fand sich in bundesdeutschen Gesetzen lan-
ge Zeit nicht, gleichwohl das Elektronische Geld bereits vor seiner gesetzlichen,
bankaufsichtsrechtlichen Festschreibung als Oberbegriff für das Geldkarten- und
Netzgeldgeschäft rekurriert wurde. Aufgrund ihres zum Teil deckungsgleichen
Einsatzbereiches wurden hardwarebasierte Geldbörsensysteme und softwareba-
sierte Netzgeldsysteme mit Inkrafttreten des Vierten Finanzmarktförderungsgeset-
zes am 1.7.2002 unter dem Begriff des Elektronischen Geldes in § 1 Abs. 14 des
Gesetzes über das Kreditwesen (Kreditwesengesetz – KWG) zusammengefasst12.
Die Aufnahme dieser Legaldefinition und hiermit verbundener weiterer Vorschrif-
ten in das KWG ist vor dem Hintergrund der vorangegangenen Gesetzgebung zu
verstehen. Eingang fanden innovative Zahlungsformen in das KWG erstmalig mit
der Sechsten Kreditwesengesetz-Novelle vom 28.10.1997.

3.3.2 Sechste Kreditwesengesetz-Novelle vom 28.10.1997


Als Art. 1 des Gesetzes zur Umsetzung von EG-Richtlinien zur Harmonisierung
bank- und wertpapieraufsichtsrechtlicher Vorschriften hatte der Bundestag am
6.3.1997 das Sechste Gesetz zur Änderung des Gesetzes über das Kreditwesen
(6. KWG-Novelle) beschlossen13. Mit diesem Gesetz gemäß Bekanntmachung
vom 28.10.199714 wurde mit Wirkung zum 1.1.199815 erstmalig dem Einfluss di-
gitaler Medien auf den bargeldlosen Zahlungsverkehr Rechnung getragen und die
Geschäftstypen des Geldkarten- und Netzgeldgeschäftes in das KWG eingeführt.
Die Ausgabe Elektronischen Geldes konnte zuvor weder unter die Bankgeschäfte
des Einlagen- noch des Girogeschäftes nach § 1 Abs. 1 S. 2 Nr. 1 und Nr. 9 KWG
gefasst werden (Deutsche Bundesbank 1997). Aufgrund dessen entschied man
sich, diese innovativen Geschäftstypen gemäß § 1 Abs. 1 S. 2 Nr. 11 und
Nr. 12 KWG a.F. (6. KWG-Novelle) in den Kreis der Bankgeschäfte aufzuneh-
men. Legal definiert war somit:

11 GAO-03-89, Report to Congressional Requesters, Internet Gambling – An Overview of


the Issue, December 2002, siehe nur S. 6. Der Bericht ist abrufbar unter:
http://www.gao.gov/htext/d0389.html (Abruf: 8.9.2005).
12 Deutsche Bundesbank 1997, S. 39 u. S. 40 Fn. 7, Deutsche Bundesbank 1998, S. 63.
13 BT-Drs. 13/7142.
14 BGBl. I S. 2518.
15 Ein kleiner Teil der Bestimmungen ist unmittelbar nach Verkündung am 28.10.1997 in

Kraft getreten. Bis auf die Regelungen zur Angemessenheit der Eigenmittel und über
Großkredite, deren Beachtung erst ab 1.10.1998 obligatorisch ist, gilt die Mehrzahl der
Neuerungen erst seit 1.1.1998.
120 Dania Neumann

x „die Ausgabe vorausbezahlter Karten zu Zahlungszwecken, es sei denn, der


Kartenemittent ist auch der Leistungserbringer, der die Zahlung aus der Karte
erhält (Geldkartengeschäft), und
x die Schaffung und die Verwaltung von Zahlungseinheiten in Rechnernetzen
(Netzgeldgeschäft).“

3.3.3 E-Geld-Definition der EZB von August 1998


Im August 1998 veröffentlichte die Europäische Zentralbank (EZB) einen „Be-
richt über Elektronisches Geld“. Nach diesem Bericht war Elektronisches Geld zu
definieren als: „auf einem Medium elektronisch gespeicherte Werteinheit, die all-
gemein genutzt werden kann, um Zahlungen an Unternehmen zu leisten, die nicht
die Emittenten sind. Dabei erfolgt die Transaktion nicht notwendig über Bankkon-
ten, sondern die Werteinheiten auf dem Speichermedium fungieren als vorausbe-
zahltes Inhaberinstrument“ (EZB 1998)16.
Bereits mit dieser Definition wurde deutlich, dass Elektronisches Geld als
Sammelbegriff eingesetzt werden sollte. Die pauschale rechtliche Qualifikation
vorausbezahlter Werteinheiten als „vorausbezahlte Inhaberinstrumente“ ist
gleichwohl unzutreffend, worauf im Weiteren noch eingegangen werden wird17.

3.3.4 E-Geld-Institute gemäß EU-Richtlinien 2000/28/EG und


2000/46/EG vom 18.9.2000
Der aufsichtsrechtliche Rahmen für Institute, die sich auf das Geschäft mit Elekt-
ronischem Geld spezialisieren, E-Geld-Institute (Electronic Money Institutions –
ELMIs), wurde durch die Richtlinien 2000/28/EG und 2000/46/EG des Europäi-
schen Parlamentes und des Rates festgelegt. Diese Spezialkreditinstitute betreiben
das E-Geld-Geschäft ausschließlich. E-Geld-Institute können durch die Anwen-
dung von Bestimmungen der Richtlinie 2000/28/EG über die Aufnahme und Aus-
übung der Tätigkeit der Kreditinstitute ihre Geschäfte dank der gegenseitigen An-
erkennung EU-weit tätigen.
Am 21.9.1998 hatte die Europäische Kommission dem Europäischen Parlament
und dem Rat der Europäischen Union den Vorschlag über eine Richtlinie zur Auf-
nahme, Ausübung und Beaufsichtigung der Tätigkeit von E-Geld-Instituten sowie
zur Änderung der Richtlinie 77/780/EWG zur Koordinierung der Rechts- und
Verwaltungsvorschriften über die Aufnahme und Ausübung der Tätigkeit der
Kreditinstitute (KOM (98) 461) vorgelegt. Am 15.4.1999 billigte das Europäische
Parlament die Richtlinienvorschläge vorbehaltlich der von ihm vorgenommenen
Änderungen18.

16 Siehe auch Kasten I in EZB Monatsbericht November 2000, S. 55.


17 Siehe Ziffern 3.4.2 und 3.5.2.
18 In einem Bericht des Ausschusses für Recht und Bürgerrechte, der mit dem Ausschuss

für Wirtschaft, Währung und Industriepolitik abgestimmt ist, sind die Änderungsvor-
schläge genannt und begründet.
Internet-Zahlungssysteme für Händler und Verbraucher im deutschen Rechtssystem 121

Mit den gesetzlichen Rahmenbedingungen für neue Zahlungsformen in der Eu-


ropäischen Union wurden am 18.9.2000 die folgenden zwei Richtlinien über elekt-
ronisches Geld angenommen:
x Richtlinie 2000/28/EG19 des Europäischen Parlaments und des Rates vom
18.9.2000 zur Änderung der Richtlinie 2000/12/EG20 über die Aufnahme und
Ausübung der Tätigkeit der Kreditinstitute,
x Richtlinie 2000/46/EG21 des Europäischen Parlaments und des Rates vom
18.9.2000 über die Aufnahme, Ausübung und Beaufsichtigung der Tätigkeit
von E-Geld-Instituten22.
Während die Richtlinie 2000/28/EG geringe Änderungen der kodifizierten Richt-
linie über die Aufnahme und Ausübung der Tätigkeit von Kreditinstituten vor-
sieht, indem sie so genannte E-Geld-Institute in die Definition von Kreditinstituten
aufnimmt sowie für traditionelle Kreditinstitute eine Rücktauschverpflichtung für
E-Geld festlegt, ist es die Richtlinie 2000/46/EG, die nun den Terminus des Elekt-
ronischen Geldes umschreibt und das Vertrauen des E-Geld-Inhabers in Elektroni-
sches Geld begründen soll23.
Die sog. E-Geld-Richtlinie (2000/46/EG) befindet sich derzeit in Überarbei-
tung. Auf der Webseite der Europäischen Kommission wurden zunächst zwei
Konsultationspapiere über die E-Geld-Richtlinie und über die Anwendung der
Richtlinie über Elektronisches Geld auf Mobiltelefonanbieter unter Einbeziehung
der Mobiltelefonkarten veröffentlicht24. Darüber hinaus werden Konsultationen
mit den Mitgliedstaaten erfolgen sowie eine unabhängige Studie in Auftrag gege-
ben werden, die durch ein Consultingunternehmen durchgeführt werden soll. Die
Europäische Kommission beabsichtigt, im Frühling 2006 einen Report zusammen
mit angemessenen Empfehlungen für eine Überarbeitung der E-Geld-Richtlinie zu
veröffentlichen.

3.3.5 Viertes Finanzmarktförderungsgesetz vom 31.5.2002


Die Umsetzung der vorgenannten Vorgaben der Richtlinien 2000/28/EG und
2000/46/EG vom 18.9.2000 erfolgte über das Gesetz zur weiteren Fortentwick-
lung des Finanzplatzes Deutschland (Viertes Finanzmarktförderungsgesetz –
4. FMFG). Nach den drei Finanzmarktförderungsgesetzen von 199025, 199426,

19 ABl. L 275 vom 27.10.2000, S. 37.


20 ABl. L 126 vom 26.5.2000, S. 1.
21 ABl. L 275 vom 27.10.2000, S. 39.
22 Beide EU-Richtlinien sind über das Internet über die Materialien unter www.euzw.de

(Abruf: 8.9.2005) abrufbar. Siehe auch die ZBB-Dokumentation in ZBB 2000, 202.
23 Vgl. Erwägungsgrund 4 Richtlinie 2000/46/EG.
24 Siehe unter http://europa.eu.int/comm/internal_market/bank/e-money/index_de.htm, Ab-

ruf: 2.9.2005.
25 1. FMFG – BGBl. I 1990, S. 266f.
26 2. FMFG – BGBl I 1994, S. 1749f.
122 Dania Neumann

199827, sollte auch das 4. FMFG den Finanzplatz Deutschland und seine internati-
onale Wettbewerbsfähigkeit stärken28. Das Gesetz verfolgte weitere Ziele, von de-
nen hier nur die Anpassung der Bankenaufsicht an internationale Standards durch
Änderung des KWG und Einführung der gesetzlichen Voraussetzungen für eine
wirksamere Bekämpfung der Geldwäsche genannt sein soll29.
Das Bundesministerium der Finanzen hatte am 4.9.2001 den „Entwurf eines
Gesetzes zur weiteren Fortentwicklung des Finanzplatzes Deutschland (Viertes
Finanzmarktförderungsgesetz – 4. FinanzmarktförderungsG)“ (Diskussionsent-
wurf) vorgelegt30. Der Diskussionsentwurf war auf geteiltes Echo gestoßen, je-
doch wurde bei Anlegerschützern und Banken zumindest eine gedämpfte Zustim-
mung verzeichnet31. Am 14.11.2001 wurde der Regierungsentwurf, der ein
verlässliches regulatorisches Umfeld für den Finanzplatz Deutschland schaffen
soll, verabschiedet.32 Durch Beratung und Beschlussfassung des Finanzausschus-
ses des Deutschen Bundestages am 21.3.2002 waren noch zahlreiche Änderungen
des Gesetzes initiiert worden33. Die endgültige Zustimmung des Bundesrates er-
folgte am 31.5.200234. Das Gesetz trat am 1.7.2002 in Kraft. Neuerungen rechtli-
cher Rahmenbedingungen waren für eine Vielzahl von Gesetzen vorgesehen. Das
4. FMFG umfasst insgesamt 23 Artikel. In Artikel 6 findet sich eine Neufassung
von Paragraphen des KWG, womit auch die genannten Vorgaben der Richtlinien
der Europäischen Union (2000/28/EG und 2000/46/EG) umgesetzt werden. Ge-
genstand und Anlass der Anpassungen des KWG sind die zunehmende Nutzung
des Online- bzw. Internet-Banking, sowie Auswirkungen der technologischen
Fortentwicklungen auf das Bank- und Finanzdienstleistungsgeschäft.
a) E-Geld. Der Gegenstand des E-Geld-Geschäftes, das Elektronische Geld, ist in
§ 1 KWG durch die Einfügung des bereits genannten Abs. 14 (4. FMFG) nun
erstmalig wie folgt legal bestimmt: „Elektronisches Geld sind Werteinheiten, die
1. auf elektronischen Datenträgern gespeichert sind,
2. gegen Entgegennahme eines Geldbetrages ausgegeben werden und

27 3. FMFG – BGBl I 1998, S. 529f.


28 Zu seinem Werdegang siehe Escher BKR 2002, 652.
29 Einen Überblick über den Gesetzentwurf gibt Möller WM 2001, 2405ff.
30
Art. 1-3 des Diskussionsentwurfs ist abgedruckt als ZBB-Dokumentation in ZBB 2001,
398f.
31 So die Tagespresse FAZ (2001). Zum 4. FMFG aus Sicht der privaten Banken, Weber

Kreditwesen 2002, 18f.


32 Der RegE (Art. 1-3) ist abgedruckt als ZBB-Dokumentation in ZBB 2001, 507f.
33 Bericht des Finanzausschusses (7. Ausschuss) vom 21.3.2002 zu dem Gesetzentwurf der

Bundesregierung (BT-Drs. 14/8017, BT-Drs. 14/8601).


34 Siehe zu dem Gesetzgebungsverfahren nur Dreyling Die Bank 2002, 16; Pressemitteilung

des Bundesrates vom 26.4.2002: Bundesrat ruft Vermittlungsausschuss zum FMFG an;
Bundestag verabschiedet 4. FMFG nach erheblichen Änderungen im Finanzausschuss,
BKR 2002, 337; Pressemitteilung des Bundesfinanzministeriums (BFM) vom 25.4.2002:
4. FMFG-Anlegerschutz stärken – Geldwäschebekämpfung effektivieren.
Internet-Zahlungssysteme für Händler und Verbraucher im deutschen Rechtssystem 123

3. von Dritten als Zahlungsmittel angenommen werden, ohne gesetzliches Zah-


lungsmittel zu sein.“
Die Beschreibung des Elektronischen Geldes nach § 1 Abs. 14 KWG entspricht
inhaltlich, wenn auch nicht wortgleich, den Vorgaben der E-Geld-Richtlinie
(Art. 1 Abs. 3b RL 2000/46/EG). Auch in der bundesdeutschen Legaldefinition
dient das letztgenannte Merkmal der Abgrenzung der Vielzweckzahlungsmittel zu
elektronischen Warengutscheinen aus geschlossenen Zwei-Parteien-Systemen, wie
den vorausbezahlten Telefonkarten, die nur im Netz des ausgebenden Unterneh-
mens genutzt werden können. Die Telefonkarte wird nur zum Zweck spezieller
Zahlungen und nicht als allgemeines Zahlungsmittel eingesetzt35.
Neu geschaffen ist ferner die verbraucherschützende Regelung der Rücktausch-
barkeit von Elektronischem Geld nach § 22a KWG. Unter dem eigenen Unterab-
schnitt (3. Kundenrechte) erhalten erstmals Verbraucherschutzbestimmungen Ein-
zug in das KWG36.
b) E-Geld-Geschäft. Das bislang in § 1 Abs. 1 S. 2 unter Nr. 11 und
Nr. 12 KWG a.F. (6. KWG-Novelle) getrennt voneinander geregelte Geldkarten-
und Netzgeldgeschäft wird durch eine neue Nr. 11 (4. FMFG) als „die Ausgabe
und die Verwaltung von elektronischem Geld (E-Geld-Geschäft)“ersetzt. Materiell
änderte sich durch den neuen aufsichtsrechtlichen Tatbestand nichts37. Im Septem-
ber 2005 kann mangels einer zugänglichen Datenerhebung nur geschätzt werden,
mit wie vielen E-Geld-Verfahren am bundesdeutschen Markt operiert wird. Es ist
jedoch anzunehmen, dass dies nicht mehr als 5 bis 10 E-Geld-Verfahren sind.
c) E-Geld-Institut.
x aa) Legaldefinition: Entsprechend der Einführung des E-Geld-Geschäftes in
§ 1 Abs. 1 S. 2 Nr. 11 KWG erforderte der neue Bankgeschäftstatbestand „E-
Geld-Geschäft“ eine Legaldefinition der „E-Geld-Institute“ in § 1 Abs. 3d
KWG als „Institute, die nur das E-Geld-Geschäft betreiben.“ Damit unterlie-
gen E-Geld-Emittenten der Bankenaufsicht. Diese Spezialkreditinstitute betrei-
ben nur das E-Geld-Geschäft. Im September 2005 hatte ein Unternehmen den
Status eines E-Geld-Institutes durch die bundesdeutsche Bankenaufsicht, die
Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), erhalten. Weitere Ver-
fahren waren laufend. Drei Unternehmen waren gemäß § 2 Abs. 5 S. 1 KWG
von der Anwendung von Regelungen des KWG durch die BaFin befreit.
x bb) Befreiung von Regelungen des KWG: Die Befreiungsregelung des
§ 2 Abs. 5 S. 1 KWG, wonach die BaFin im Einzelfall im Benehmen mit der
Deutschen Bundesbank bestimmen kann, dass auf ein Unternehmen Regelun-
gen des KWG keine Anwendung finden, wurde neu gefasst. Statt des Unter-
nehmens, das nur das Geldkartengeschäft betreibt, handelt es sich nun erweitert
um (E-Geld-)Unternehmen, die auch das Netzgeldgeschäft betreiben. Solange
das E-Geld-Institut wegen der Art oder des Umfangs der von ihm betriebenen

35 Hierzu auch Behrend EuZW 2002, 364, Seite 6 von Bibow u. Wichmann (1998).
36 BT-Drs. 14/8017, S. 121 zu § 22a.
37 Siehe BT-Drs. 14/8017, S. 111f. zu § 1 (Zu Buchstabe a Doppelbuchstabe aa).
124 Dania Neumann

Geschäfte insoweit nicht der Aufsicht bedarf, kann bestimmt werden, dass die
§§ 2b, 10 bis 18, 24, 32 bis 38, 45 und 46a bis 46c KWG nicht anzuwenden
sind. Nach § 2 Abs. 5 S. 2 KWG ist diese Entscheidung im Bundesanzeiger be-
kannt zu machen. Nähere Bestimmungen für die Freistellung können durch
Rechtsverordnung erlassen werden, § 2 Abs. 5 S. 3 und S. 4 KWG. Die Aus-
nahmeregelung des § 2 Abs. 5 S. 1 KWG a.F. war im Geldkartengeschäft zu-
lässig, sofern im Hinblick auf die begrenzte Nutzung und Verbreitung der vor-
ausbezahlten Karten eine Gefährdung des Zahlungsverkehrs nicht zu erwarten
war. Dies wurde für kleine betriebsinterne Systeme, bei denen ein Pächter (z.B.
einer Kantine) nicht selbst als Emittent fungiert, sondern ein Dritter (z.B. der
Arbeitgeber der Kantinenbesucher) als Emittent auftritt, angenommen38.
x cc) Anfangskapital und Eigenmittelausstattung: Als Anfangskapital muss ein
E-Geld-Institut einen Betrag im Gegenwert von mindestens 1 Mio. Euro zur
Verfügung halten, § 33 Abs. 1 S. 1 Nr. 1 Buchstabe e) KWG. Durch diesen im
Vergleich zu Kreditinstituten relativ niedrig gehaltenen Betrag soll den in ihrer
Geschäftstätigkeit begrenzten Spezialkreditinstituten der Markteintritt erleich-
tert werden39. Gleichermaßen im Anschluss an den Markteintritt müssen die In-
stitute im Interesse der Erfüllung ihrer Verpflichtungen gegenüber ihren Gläu-
bigern angemessene Eigenmittel haben40. Nach dem neu eingefügten
§ 10 Abs. 10 S. 1 KWG müssen die Eigenmittel eines E-Geld-Instituts in der
laufenden Überwachung – vorbehaltlich weitergehender Anforderungen – min-
destens 2 % (1.) des aktuellen Betrags oder (2.) des Durchschnitts der für die
vorhergehenden sechs Monate ermittelten Summe der Verbindlichkeiten auf
Grund des noch nicht in Anspruch genommenen E-Geldes betragen. Maßgeb-
lich ist der jeweils höhere Betrag, § 10 Abs. 10 S. 2 KWG. Übt ein E-Geld-
Institut seine Geschäftstätigkeit noch keine sechs Monate aus, gilt an Stelle ei-
nes Sechsmonatsdurchschnitts ein Sechsmonatsziel. Das Sechsmonatsziel der
Summe der Verbindlichkeiten muss aus dem Geschäftsplan des Instituts her-
vorgehen (§ 10 Abs. 10 S. 3 und S. 4 KWG). Gemäß dem Rundschreiben
5/2004 (BA 15 – GS 4103 – 0002/04) der BaFin vom 15.3.2005 zum Grund-
satz II über die Liquidität der Institute gemäß § 11 KWG unterliegen E-Geld-
Institute bestimmten Kapitalanlagebeschränkungen und dürfen ihre Gelder aus-
schließlich unter Beachtung der aufsichtsrechtlichen Maßgaben anlegen.

3.4 E-Geld: Netzgeld (Werteinheiten in Netzwerken)

3.4.1 Das Netzgeld ecash im Pilotprojekt der Deutsche Bank AG vom


8.10.1997 bis Mai 2001
Netzgeld ist eine von den zunächst zwei bekannt gewordenen Formen Elektroni-
schen Geldes und ausschließlich ein Zahlungsmittel für Netzwerke wie das Inter-

38 So BFS-KWG/Fülbier, § 2 Rn. 49; Mielk WM 1997, 2200, 2202.


39 BT-Drs. 14/8017, S. 126 zu § 33 (Zu Buchstabe a Doppelbuchstabe aa).
40 BT-Drs. 14/8017, S. 116 zu § 10 (Zu Buchstabe a).
Internet-Zahlungssysteme für Händler und Verbraucher im deutschen Rechtssystem 125

net. Dieses Zahlungsmittel hatte in Deutschland durch das ecashTM41-Pilotprojekt


der Deutsche Bank AG die besondere Aufmerksamkeit der Tagespresse über Jahre
auf sich gezogen. Parallel zu dem ecash-Pilotprojekt der Deutsche Bank AG hatte
das Netzgeldgeschäft den bereits beschriebenen Eingang in das deutsche Bankauf-
sichtsrecht gefunden. Das Netzgeld galt als „größte Revolution im Geldumlauf,
seit das Gold die Muscheln als Zahlungsmittel abgelöst hat“ 42. Das Bargeldsubsti-
tut Netzgeld wurde konzipiert für Zahlungen an Empfänger aus Distanzgeschäften
und dient damit im Gegensatz zur Geldkarte eher der Übertragung von Sichteinla-
gen (Deutsche Bundesbank 1997). Als mediengerechte Zahlungsform für das
weltweite Netzwerk unterstützen die Zahlungseinheiten in Rechnernetzen den e-
lektronischen Handel über das Internet. Der monetäre Wert des Netzgeldes wird
als bits und bytes auf der Festplatte des Personalcomputers gespeichert43. Die Be-
zahlung mit Netzgeld erfolgt mit Übergabe der Werteinheiten und relativer Ano-
nymität. Der Zahlungsvorgang ist mit der zahlenden Person im Nachhinein nicht
mehr verkettbar, sog. Unverkettbarkeit. Die Unverkettbarkeit wird als Vorteil des
Bargeldes genannt und in unterschiedlicher Literatur auch mit unbedingter Ano-
nymität definiert. Hier soll der Begriff der relativen Anonymität bevorzugt wer-
den. Eine Person, die mit Bargeld bezahlt, ist zumindest über ihr Erscheinungsbild
wieder erkennbar. Eine Person, die mit Netzgeld im Internet bezahlt, ist zumindest
über ihre E-Mail-Adresse oder möglicherweise andere Kontaktdaten identifizier-
bar. Richtig ist, und das soll entscheidend für beide Systeme sein, dass der Zah-
lungsvorgang mit dem Zahlungsmittel an sich keine Verknüpfung mit dem Zah-
lenden zulässt.

3.4.2 Die Rechtsnatur des Netzgeldes


Das Netzgeld wurde in der Literatur zunächst entweder als auftragsrechtliche
Weisung gemäß §§ 665ff. BGB des Netzgeldverwenders an die Bank, die vorge-
legten Münzen in Buchgeld entsprechenden Wertes einzulösen, beurteilt (Kümpel
1998). Teilweise wurde die Ansicht vertreten, dass das Netzgeld als digitalisierte
Inhaberschuldverpflichtung bzw. Inhaberschulddaten analog den §§ 793ff. BGB
zu qualifizieren sei44. Dogmatisch ist Netzgeld als Anweisung im weiteren Sinne

41 TM steht für englisch trademark und weist auf eine geschützte Marke, wie im Falle von
„ecash“, hin. Es wird im Folgenden nicht weiter angeführt werden.
42 So damals das amerikanische Magazin „Business Week“ nach Schulz (1995).
43 Vgl. auch Pfefferle CR 2001, 200, zu seiner rechtlichen Einschätzung des Netzgeldes

zum Zeitpunkt des Zahlungsvorganges als ein Code, der versehen mit einer blind signatu-
re, einen weiteren Code aufgeprägt erhalten hat.
44 Escher WM 1997, 1173, 1181 und 1185, so noch Hoeren, nach Hafke WM 1997, 1729,

1731 auf dem Bankrechtstag 1997 in Basel, Rechtsfragen des Internet, S. 147, wonach
das Netzgeld wertpapierrechtlich als Anweisung gemäß den §§ 783ff. BGB einzuordnen
sei. Siehe hierzu auch die E-Geld-Definition der EZB von August 1998 unter Zif-
fer 3.3.3. (EZB 1998).
126 Dania Neumann

(i.w.S.) analog den §§ 783ff. BGB zu qualifizieren45. Das Netzgeld ist als Anwei-
sung i.w.S. wertpapierähnlich, da die Anweisung im engeren Sinne (i.e.S.) nach
den §§ 783ff. BGB zu den Rektapapieren und damit zu denjenigen Wertpapieren
zählt, bei denen die Leistung direkt („recta“) an die in der Urkunde benannte Per-
son oder deren Rechtsnachfolger zu bewirken ist. Eine direkte Anwendung der
anweisungsrechtlichen Normengruppe kommt aufgrund der Regelungsgehalte der
§§ 790 (Widerruf), 792 (Übertragung der Anweisung auf einen Dritten) BGB
nicht in Betracht46. Insbesondere die Übertragung des Netzgeldes durch den Zah-
lungsgläubiger an einen neuen Gläubiger ist im ecash-System in seiner Einweg-
Token-Struktur gemäß § 792 Abs. 2 S. 1 BGB ausgeschlossen. Die Bewertung des
Netzgeldes als Anweisung i.w.S. analog §§ 783ff. BGB wird der Tatsache gerecht,
dass die Innehabung des Netzgeldtokens erforderlich ist, um dessen Einlösung
verlangen zu können (Neumann 2000). Die für das Netzgeld erbrachte Vorbezah-
lung ist dabei an den – durch die im Netzgelddatensatz angegebene Kontokennung
– hinreichend bestimmten Zahlungsgläubiger zu bewirken und nicht an einen be-
liebigen Inhaber der elektronischen Werteinheiten47. Da die Leistung von der Vor-
lage des Netzgeldes abhängig ist, wird der Bank mit Übermittlung des Datensatzes
das Recht erteilt, mit Wirkung gegen den Angewiesenen Rechtsfolgen herbeizu-
führen. Der Zahlungsempfänger wurde zuvor mit Übermittlung der elektronischen
Werteinheiten im Sinne der Anweisung ermächtigt, die im Netzgelddatensatz be-
nannte Leistung bei dem Angewiesenen im eigenen Namen zu erheben. Die Netz-
gelddaten umfassen damit die für die Anweisung notwendige Doppelermächti-
gung auf Leistung einer Gutschrift auf das ecash-Konto des Empfängers in
entsprechender Höhe (Neumann 2000).

3.5 E-Geld: Geldkarte (Kontaktbehaftete Mikroprozessorkarte mit


Chip)

3.5.1 Die Geldkarte der deutschen Kreditwirtschaft seit August 1996


In Deutschland ist als nationales Produkt einer Elektronischen Geldbörse insbe-
sondere die GeldKarte der deutschen Kreditwirtschaft bekannt geworden48. Die

45 Neumann (2000), Die Rechtsnatur des Netzgeldes, S. 123ff.; ähnlich auch Langenbucher
(2001), Risikozuordnung, S. 306f., wo von der antizipierten Anweisung beim Erwerb ei-
nes wertspeichernden Zahlungsinstrumentes, einer abstrakt-generellen Gesamtweisung,
die Rede ist.
46 Vgl. weiterführend S. 172 in Neumann (2000).
47 Der Netzgeld-Inhaber erteilt der Emittentin damit im Weiteren gerade nicht die von Lan-

genbucher (2001) S. 317, beschriebene abstrakt-generelle Gesamtweisung, eine antizi-


pierte Zahlungsanweisung, an jeden Inhaber eines Tokens zu leisten, da eine Verbindung
zwischen dem Zahlenden und dem Zahlungsvorgang später nicht hergestellt werden
wird.
48 Siehe hierzu auch ausführlich Gentz (1999), Die elektronische Geldbörse in Deutschland,

S. 54, mit Hinweisen auf die PayCard der Telekom sowie die P-Card des Handels und
das Praxisbeispiel zur GeldKarte von Volker Koppe, später in diesem Buch.
Internet-Zahlungssysteme für Händler und Verbraucher im deutschen Rechtssystem 127

GeldKarte ist eine von mehreren Funktionen auf dem Chip der deutschen Kredit-
wirtschaft (Hintz 2001). Schon zwei Jahre, nachdem mit der Erstellung der euro-
päischen Norm EN 1546 im Jahr 1991 begonnen worden war, hatte der Zentrale
Kreditausschuss (ZKA), als eine Art Arbeitsgemeinschaft der Spitzenverbände der
deutschen Kreditwirtschaft, eine Ausschreibung zum Konzept einer multifunktio-
nalen Chipkarte (MFC) für den Zahlungsverkehr beschlossen. Aus einer Reihe
hierdurch hervorgegangener Spezifikationen für die ec-Karte mit Chip war die
Zahlungsverkehrskarte im Jahr 1996 in den Regionen Ravensburg und Weingarten
unter Verwendung von rund 100.000 ec-Karten und 500 Terminals in einem Feld-
versuch erstmalig eingesetzt worden. Ab 1997 wurde die neue Karte deutschland-
weit eingeführt und entwickelte sich zu einem der weltweit größten Zahlungssys-
teme mit Chipkarten (Gentz 1999, Wand 1998).
Die GeldKarte ist ein institutsübergreifendes System des Bundesverbandes der
Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR), des Bundesverbandes
deutscher Banken (BdB), des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV)
und des Verbandes öffentlicher Banken (VÖB). Das Konzept der Spitzenverbände
der deutschen Kreditwirtschaft wird zur bargeldlosen Bezahlung von Waren und
Dienstleistungen an hierfür eingerichteten Terminals bei den angeschlossenen
Handels- und Dienstleistungsunternehmen eingesetzt49. Die Aufteilung der deut-
schen Kreditwirtschaft in vier Verbandsbereiche gibt den organisatorischen Rah-
men des Zahlungssystems vor. Zur Verrechnung der GeldKarten-Transaktionen
sind als Kopfstellen vier Evidenzzentralen (BVR, BdB, DSGV, VÖB) entstanden.
Der Zentrale Kreditausschuss der deutschen Banken (ZKA) hat die Rolle des Sys-
temträgers übernommen, überwacht die technische Einhaltung der Spezifikationen
durch eigene Zulassungen von Chips und Terminals und verwaltet die für Ver-
schlüsselungen notwendigen Sicherheitscodes (Hintz 2001). Die Kreditwirtschaft
beabsichtigte mit der Einführung der GeldKarte als offenes Zahlungssystem die
Marktnische eines Zahlungsmittels für Kleinbeträge zu besetzen. Auch fünf Jahre
nach dem Marktstart hat sich dieses Produkt aber nicht zur „Killer-Anwendung“
entwickelt (Krüger 2002)50. Weniger als 1 % der Einkäufe werden mit der Geld-
Karte bezahlt. Gleichwohl registrierte der ZKA 29 Mio. Transaktionen mit der
GeldKarte im Jahr 2001, ein Anstieg von 6 Mio. zum Vorjahr 2000. Im Jahr 2001
lag der durchschnittlich mit der GeldKarte bezahlte Betrag bei 2,32 Euro (Kafsack
2002).
Die von den Banken üblicherweise in die ec-Karte integrierte Elektronische
Geldbörse ist optisch an den in die Plastikkarte eingesetzten goldfarbenen Kontak-
ten des Prozessorchips erkennbar. Die Elektronische Geldbörse gewährt keinen
Zugriff auf ein von der Bank verwaltetes Girokonto. Es ist kein Produkt, das den
Zugang zu den Sichteinlagen gewährt. Der Kartenverwender greift beim Zahlen
nur auf die Elektronische Geldbörse selbst zu, auf der ein Nennbetrag sowie die
digitale Unterschrift des emittierenden Institutes gespeichert sind. Die Verwen-
dung dieses Nennbetrages ist vergleichbar mit Bargeld. Den Geldbörsen-Stand er-

49 Zur Beschreibung des Systems kann die Vereinbarung über das institutsübergreifende
System GeldKarte, in Kraft getreten am 1.10.1996, herangezogen werden.
50 Siehe auch Handelsblatt (2002).
128 Dania Neumann

fährt der Verwender durch einen Blick in die elektronische Geldbörse, indem er
sich den aktuellen Kartensaldo über ein Terminal oder ein anderweitiges Lesege-
rät, beispielsweise einen Taschenkartenleser, auslesen lässt (Bibow u. Wichmann
1998)51. Der Speicherchip der Plastikkarte kann an Terminals im Wege der Vor-
bezahlung aufgeladen und im Einzelhandel ohne Eingabe einer PIN zum Bezahlen
eingesetzt werden. Diese auch als „schlaue Karte“ bezeichnete Smartcard ist mit
zusätzlicher Hard- und Software des Verbrauchers ein internet-taugliches Zah-
lungsmittel (tecchannel.de 2002). Wie auch andere Erscheinungsformen des Elekt-
ronischen Geldes können die elektronischen Börseneinheiten gleichermaßen einen
Wert aufbewahren oder entsprechend ihrer Konzeption als Zahlungsmittel ver-
wendet werden (Bibow u. Wichmann 1998).

3.5.2 Die Rechtsnatur der GeldKarte


Die rechtliche Qualifikation der GeldKarte wird in der Literatur aus vier Ansätzen
heraus diskutiert. Vertreten wird die Rechtsnatur der GeldKarte nicht als Wertpa-
pier, sondern als Bargeldsurrogat, mit der Folge, dass mit einer Sache gezahlt
werde52. Es wird diskutiert, dass die GeldKarte ein Recht verbrieft und ein Wert-
papier darstellt (Baumbach u. Hefermehl 1997, 1999)53. Schließlich könne es sich
bei der GeldKarte um eine Urkunde ohne Wertpapiercharakter handeln (Drygala
ZHR 162 (1998), 623, 625). Auch lasse sich die Konstruktion der Geldkarte mit
den herkömmlichen juristischen Ansätzen dogmatisch nicht erfassen, so dass ein
Verfahren sui generis vorliege54. Die GeldKarte ist als eine Urkunde ohne Wert-
papiercharakter zu qualifizieren. Es handelt sich bei ihr um einen Ausweis, gegen
dessen Vorlage der Karteninhaber bargeldlos die Leistungen des Vertragsunter-
nehmens in Anspruch nehmen kann. Verkörpert wird die Erklärung der Emitten-
tin, dass der Karteninhaber an dem System GeldKarte teilnimmt (Koblischek
2000). Allerdings übernimmt die GeldKarte zumindest wertpapierähnliche Funk-
tionen. Auf die kontogebundene GeldKarte, die den Inhaber namentlich benennt,
ist § 793 Abs. 1 S. 2 BGB analog anzuwenden, auf die kontoungebundene „wei-
ße“ Karte § 808 Abs. 1 S. 1 BGB analog (Tegebauer 2002). Die Interessenlage des
Emittenten kann hierbei mit der eines Ausstellers einer Inhaberschuldverschrei-
bung bzw. eines qualifizierten Legitimationspapieres verglichen werden55.

51 Zum Taschenkartenleser siehe Hintz (2001) S. 29.


52 Pfeiffer NJW 1997, 1036, 1037; Pfeiffer, ec-Bedingungen der Banken und Sparkassen
Rn. 161, in Westphalen, Graf von, Vertragsrecht und AGB-Klauselwerke; Staudin-
ger/Marburger, BGB, § 807 Rn. 6.
53 Baumbach u. Hefermehl, Wechselgesetz und Scheckgesetz, 20. Aufl., Anh. Art. 4

ScheckG Rn. 66, a.A. in der 21. Aufl., Anh. Art. 4 ScheckG Rn. 67.
54 BuB-Werner, Rn. 6/1756.
55 Siehe hierzu ausführlich Hofmann (2001) S. 132f.
Internet-Zahlungssysteme für Händler und Verbraucher im deutschen Rechtssystem 129

4 Fazit

x Im September 2005 gibt es in der Bundesrepublik Deutschland ein durch die


BaFin zugelassenes E-Geld-Institut. Weitere Zulassungsverfahren sind der Ba-
Fin zu dem Zeitpunkt vorgelegt.
x Drei Unternehmen waren gemäß § 2 Abs. 5 S. 1 KWG von der Anwendung
von Regelungen des KWG durch die BaFin befreit.
x Die Zahl der am Markt angewendeten E-Geld-Verfahren ist schwerlich be-
stimmbar, gleichwohl kann gesagt werden, dass sich zumindest im Bereich des
Netzgeldes ein Standardverfahren noch nicht etabliert hat.
x Der bundesdeutsche Markt für elektronische Zahlungsverfahren scheint noch
auf das Zahlungsverfahren der Zukunft zu warten. Gesättigt scheint er noch
nicht zu sein.

Literatur

Baumbach A, Hefermehl W (1997, 1999) Kommentar zum Wechselgesetz und Scheckge-


setz, 20. Aufl, München und 21. Aufl, München
Behrend P (2002) Das Mindestreservesystem des ESZB und elektronisches Geld. EuZW,
S 364–367
Bibow J, Wichmann T (1998) Elektronisches Geld: Funktionsweise und wirtschaftspoliti-
sche Konsequenzen. http://www.berlecon.de/tw/egeld.pdf, Abruf: 31.12.2002
Boos KH, Fischer R, Schulte-Mattler H (2004) Kommentar zu KWG und Ausführungsvor-
schriften. Boos KH, Fischer R, Schulte-Mattler H (Hrsg) bearbeitet von den Herausge-
bern und von Bock, Braun, Fülbier ua, 2. Aufl, München (zit.: BFS-KWG/Bearbeiter)
Deutsche Bundesbank (1997) Geldpolitik und Zahlungsverkehr. In: Monatsbericht
März 1997, S 33–46
Deutsche Bundesbank (1998) Die Sechste Novelle des Kreditwesengesetzes. In: Monatsbe-
richt Januar 1998, S 61–71
Dreyling G (2002) Das Vierte Finanzmarktförderungsgesetz – Überregulierung oder Not-
wendigkeit? In: Die Bank 2002, S 16–20
Drygala T (1998) Rezension Baumbach/Hefermehl, Wechselgesetz und Scheckgesetz,
20. Aufl, ZHR 162, S 623–626
Duisenberg WF (2001) E-Economy: Brauchen wir künftig Banken? In: bank und markt,
S 12–17
Escher M (2002) Bankaufsichtsrechtliche Änderungen im KWG durch das Vierte Finanz-
marktförderungsgesetz. BKR 2002, S 652–662
Escher M (1997) Bankrechtsfragen des elektronischen Geldes im Internet. WM 1997,
S 1173–1220
EZB (2000) Fragen rund um den Einsatz von elektronischem Geld. In: Monatsbericht No-
vember 2000, Frankfurt, Europäische Zentralbank, S 55–67
EZB (1998) Report on electronic money. Frankfurt, Europäische Zentralbank
FAZ (2001) Gewinner; Das Reformpaket schließt manche Lücke. In: Frankfurter Allge-
meine Zeitung vom 5.9.2001, S 17 u S 33
130 Dania Neumann

Gentz W (1999) Elektronische Geldbörsen in Deutschland – GeldKarte und Pay-Card.


DuD 1999, S 18–21
Gramlich L (1997) Elektronisches Geld – Gefahr für Geldpolitik und Währungshoheit?
CR 1997, S 11–18
Hafke HC (1997) Währungsunion und Internet im aktuellen Rechtsinteresse – Bericht über
den Bankrechtstag 1997 der „Bankrechtliche Vereinigung – Wissenschaftliche Gesell-
schaft für Bankrecht e.V.“ am 27.6.1997 in Basel, WM 1997, S 1729–1732
Handelsblatt (2002) Geldkarte tut sich schwer. In: Handelsblatt vom 6.5.2002, S 14
Hayward (1998): Digital Money: Stimulus for New Types of Commerce. In: Financial Ti-
mes vom 7.1.1998, zit. nach Hladjk MMR 2001, S 731
Hellner T, Steuer S (2001) Bankrecht- und Bankpraxis. Loseblatt-Ausgabe, Köln, Stand:
51. Lieferung 2001 (zit.: BuB-Bearbeiter, Rn.)
Henkel J (2002) Mobile Payment. In: Silberer G, Wohlfarth J, Wilhelm T (2002) Mobile
Commerce – Grundlagen, Geschäftsmodelle, Erfolgsfaktoren. Wiesbaden, Gabler
Henseler F (2001) Die Umsatzbesteuerung des Elektronischen Geschäftsverkehrs.
UVR 2001, S 305–310
Hintz A (2001) GeldKarte. In: Die Chipkarte der deutschen Kreditwirtschaft. Köln, Bank-
Verlag, S 21
Hladjk J (2001) E-Geld auf dem Vormarsch? – Rechtliche Rahmenbedingungen elektroni-
schen Geldes. MMR 2001, S 731–736
Hoeren T (1998) Rechtsfragen im Internet – Ein Leitfaden für die Praxis. RWS-Skript 295,
Köln
Hofmann C (2001) Die GeldKarte – Die elektronische Geldbörse der deutschen Kreditwirt-
schaft, Hallesche Schriften zum Recht, hrsg. von den Professoren der Juristischen Fa-
kultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Band 17, Köln/Berlin/Bonn/
München
Kafsack H (2002) Zusatzfunktionen sollen Geldkarte den Durchbruch bringen – Auch fünf
Jahre nach der Einführung der Karte zahlen die meisten Kunden bar. In: Frankfurter
Allgemeine Zeitung vom 6.2.2002, S 24
Koblischek A (2000) Die elektronische Geldbörse – Eine zivilrechtliche Untersuchung des
Börsenkarten-Systems. Banking & Finance aktuell – Band 2, Frankfurt am Main
Kossel A, Wronski HJ (1997) Bare Bytes: Online bezahlen im Internet. In: c’t report
16/1997, S 66–69
Krüger M (2002) Unternehmensberatung Paysys, nach Kafsack H (2002) Zusatzfunktionen
sollen Geldkarte den Durchbruch bringen – Auch fünf Jahre nach der Einführung der
Karte zahlen die meisten Kunden bar. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom
6.2.2002, S 24
Kümpel S (1998) Rechtliche Aspekte des elektronischen Netzgeldes (Cybergeld),
WM 1998, S 365–375
Langenbucher K (2001) Die Risikozuordnung im bargeldlosen Zahlungsverkehr. Münche-
ner Universitätsschriften, Reihe der Juristischen Fakultät, hrsg. von Canaris, Lerche,
Roxin, Band 160, München
Mielk H (1997) Die wesentlichen Neuregelungen der 6. KWG-Novelle – Teil 1. WM 1997,
S 2200–2210
Möller A (2001) Das Vierte Finanzmarktförderungsgesetz – Der Regierungsentwurf.
WM 2001, S 2405–2415
Neumann D (2000) Die Rechtsnatur des Netzgeldes – Internetzahlungsmittel ecash. Schrif-
tenreihe Information und Recht, Band 9, Hoeren, Spindler u.a. (Hrsg), München
Internet-Zahlungssysteme für Händler und Verbraucher im deutschen Rechtssystem 131

Neumann D, Bock C (2004) Zahlungsverkehr im Internet – Rechtliche Grundzüge klassi-


scher und innovativer Zahlungsverfahren. München, C.H. Beck
Pfefferle TM (2001) Die Zwangsvollstreckung in Netzgeldbestände – ein heißes Eisen.
CR 2001, S 200–204
Pfeiffer T (1997) Die Geldkarte – Ein Problemaufriss. NJW 1997, S 1036–1039
Pfeiffer T (2002) ec-Bedingungen der Banken und Sparkassen Rn. 161. In Westphalen F
Graf von (2002) Vertragsrecht und AGB-Klauselwerke, Bd II, München
Rankl W, Effing W (2002) Handbuch der Chipkarten: Aufbau – Funktionsweise – Einsatz
von Smart Cards. 4. Aufl, München/Wien
Rehm H (2001) Veränderungen im Zahlungsverkehr des Kreditgewerbes – neue Produkte
und Techniken. ZfdgKw 2001, S 1227–1235
Schneider C (2002) Das Lastschriftverfahren im Internet – Entgegnung auf Werner.
BKR 2002, 11; BKR 2002, S 384–388
Schulz W (1995) Virtuelles Geld als Währung in weltweiten Datennetzen. In: Die
Welt.Online vom 20.7.1995, http://www.welt.de/archiv/1995/07/20/0720ws01.html
(Abruf: 30.6.1999)
Schuster R, Färber J, Eberl M (1997) Digital Cash: Zahlungssysteme im Internet. Heidel-
berg, Springer
Staudinger J (2002) von Kommentar zum Bürgerlichen Gesetzbuch mit Einführungsgesetz
und Nebengesetzen, Berlin (zit.: Staudinger/Bearbeiter, BGB)
Stolpmann M (1997) Elektronisches Geld im Internet – Grundlagen, Konzepte, Perspekti-
ven. Cambridge ua, O‘Reilly
Szameitat (2001) Einführung und Überblick.Die Chipkarte der deutschen Kreditwirtschaft
– Einsatzmöglichkeiten, Chancen, Perspektiven. In: Bank-Verlag (2001), Köln
tecchannel.de (2002) Bezahlen im Internet: Smartcards/GeldKarte. In: tecchannel.de vom
21.2.2002, http://www.tecchannel.de/internet/394/10.html, Abruf: 8.5.2002
Tegebauer I (2002) Die GeldKarte – Ein neues Instrument des bargeldlosen Zahlungsver-
kehrs. Europäische Hochschulschriften, Reihe II Rechtswissenschaften, Bd. 3402,
Frankfurt am Main ua
United States General Accounting Office (GAO) (2002) Report to Congressional Re-
questers: Internet Gambling – An Overview of the Issues. December 2002, GAO-03-
89, http://www.gao.gov/htext/d0389.html, Abruf: 8.9.2005
Wand L (1998) Zahlung mittels elektronischer Geldbörse (GeldKarte). Vortrag auf dem
Bankrechtstag 1998 der Bankrechtliche Vereinigung – Wissenschaftliche Gesellschaft
für Bankrecht e.V. (BrV), Tagungsunterlagen, S 45–98
Weber M (2002) Das Vierte Finanzmarktförderungsgesetz. Kreditwesen 2002, S 18–19
Werner S (2002) Das Lastschriftverfahren im Internet. BKR 2002, S 11–16
Neuer europäischer Rechtsrahmen für den
Zahlungsverkehr: zivilrechtliche Aspekte

Julian Langner1

Frankfurt am Main

1 Ausgangsposition

Die EU-Kommission ist im Rahmen einer Bestandsaufnahme zu dem Ergebnis


gekommen, dass es einen einheitlichen Zahlungsverkehrsraum für bargeldlose
Zahlungen im Binnenmarkt trotz Einführung des Euros bisher nicht gibt. Die Vor-
teile eines solchen einheitlichen Zahlungsverkehrsraumes für EU-Bürger, Unter-
nehmen und Anbieter von Zahlungsdienstleistungen sieht die Kommission für die
Verwirklichung des Binnenmarktes aber als unverzichtbar an, denn ein reibungs-
loses Funktionieren des Binnenmarktes für Waren und Dienstleistungen sei ohne
preisgünstige, effiziente und sichere Zahlungsdienstleistungen nicht möglich. Die
EU-Kommission will deshalb Fortschritte hin zu einer weitgehenden Integration
der europäischen Zahlungsverkehrssysteme erzielen, die im Ergebnis jedem EU-
Bürger die Nutzung seiner aus dem Heimatmarkt bekannten Zahlungsinstrumente
zu denselben Konditionen auch für den gesamten Binnenmarkt eröffnet.
Nach Ansicht der EU-Kommission hat dabei insbesondere die Verordnung
(EG) Nr. 2560/2001 über grenzüberschreitende Zahlungen in Euro, die so genann-
te EU-Preisverordnung, zu einer spürbaren Senkung der Gebühren für grenzüber-
schreitende Zahlungen im Binnenmarkt beigetragen und dem Zahlungsverkehrs-
sektor dadurch einen wichtigen Anreiz zur Modernisierung seiner EU-weiten
Zahlungsverkehrsinfrastrukturen gegeben.
Andererseits sind die daraufhin erfolgten Anstrengungen nach Ansicht der EU-
Kommission noch nicht ausreichend. Zudem sind die bestehenden EU-
Regelungen in diesem Bereich, die hauptsächlich für grenzüberschreitende Zah-
lungen ergangenen sind, ihrer Ansicht nach konsolidierungsbedürftig.
Dies hat dazu geführt, dass die EU-Kommission am 2. Dezember 2003 nach
langwierigen internen Vorarbeiten das Projekt eines „neuen Rechtsrahmens für
den Zahlungsverkehr im Binnenmarkt“ im Rahmen einer öffentlichen Konsultati-

1 Der Autor ist Mitarbeiter des Zentralbereichs Recht der Deutschen Bundesbank, Frank-
furt am Main. Er gibt ausschließlich seine eigene Meinung wieder.
134 Julian Langner

on vorstellte2. Dabei forderte sie die interessierten Kreise auf, für 21 Themenbe-
reiche, die in Anhängen einzeln ausgeführt wurden, Stellungnahmen zu einem Re-
gelungsbedürfnis abzugeben3.
Von diesen Themenbereichen kam von Anfang an ein erheblicher Teil aus dem
zivilrechtlichen Bereich4. Ansatzpunkt hierfür ist, dass es den Anbietern von Zah-
lungsdienstleistungen möglich sein soll, europaweit einheitliche Zahlungsprodukte
für den gesamten europäischen Markt anzubieten. So sollen die notwendigen Ska-
leneffekte erzielt werden, die im Ergebnis zu erheblichen Kostenreduzierungen im
Bereich des Zahlungsverkehrs führen sollen. Wenn aber ein Anbieter im einen
Mitgliedstaat anderen zivilrechtlichen Regelungen, z.B. anderen Haftungs- oder
Rückrufsregeln, unterworfen ist als im anderen, kann er im Ergebnis nicht dassel-
be Produkt anbieten, zumindest nicht ohne langwierige Überprüfung der jeweili-
gen Rechtslage.
Gerade im zivilrechtlichen Bereich besteht deshalb auch von Anbieterseite ein
erhebliches Interesse an einer Harmonisierung der Rechtslage als Voraussetzung
für die Schaffung eines einheitlichen Zahlungsverkehrsraumes5. Die Industrie hat-
te massive Bedenken, ob einheitliche Produkte, wie z.B. Lastschriften, überhaupt
eurozonen- bzw. europaweit einsetzbar seien, weil es immer hieß, in einzelnen
Mitgliedstaaten seien diese schon aus juristischen Gründen gar nicht möglich. Die
Kommission hat deshalb eine intensive Untersuchung der Rechtslage gerade für
Lastschriften in den damaligen Mitgliedstaaten der EU ohne die letzte Erweitungs-
runde vorgenommen6. Dabei stellte sich zwar heraus, dass die gefürchteten Rege-
lungen, die eine Lastschrift an sich unmöglich gemacht hätten, in keinem Mit-
gliedstaat bestehen. Andererseits zeigte sich aber auch, dass die in den Mitglied-
staaten jeweils einschlägigen Regelungen in der Tat sehr unterschiedlich sind, was
zu jeweils sehr unterschiedlichen Produktausgestaltungen geführt hat. Eine euro-
paweite Harmonisierung der Produkte ohne Vereinheitlichung der zivilrechtlichen
Grundlagen ist so zwar grundsätzlich möglich, wäre aber bei ihrer Einführung mit
einem erheblichen Abstimmungsaufwand für die Anbieter verbunden, weil sie
sich in den 25 verschiedenen betroffenen Rechtsordnungen absichern und die je-
weilige Rechtmäßigkeit und Rechtsfolgen überprüfen müssten.

2 Commission Communication to the Council and the European Parliament concerning a


new legal framework for payments in the Internal Market (COM (2003) 718); veröf-
fentlicht unter:
http://europa.eu.int/comm/internal_market/payments/framework/communication_de.htm
#fulltext;
3 Vergleiche hierzu im Einzelnen Langner (2004)
4 Vergleiche: COM (2003) 718, besonders Anhänge 2, 4, 10, 11, 12, 13, 14, 15, 16, 21.
5 Vergleiche die vielfältigen Stellungnahmen zur genannten Kommunikation COM (2003)
718, veröffentlicht unter:
http://europa.eu.int/comm/internal_market/payments/framework/2004-
contributions_de.htm
6 Der so genannte Landwell-Report, veröffentlicht unter:
http://europa.eu.int/comm/internal_market/payments/directdebit/index_de.htm#studies
Neuer europäischer Rechtsrahmen für den Zahlungsverkehr: zivilrechtliche Aspekte 135

2 Regelungsinhalt

Hier beabsichtigt die Kommission nun den Anbietern entgegenzukommen, indem


sie in den von ihr für den Zahlungsverkehrsbereich relevant gehaltenen Zivil-
rechtsbereichen einheitliche Regeln schafft, sodass der Zusatzaufwand der Ausei-
nandersetzung mit den unterschiedlichen Rechtsordnungen für die Anbieter entfal-
len kann. Dabei wurde allerdings relativ schnell klar, dass die Kommission nicht
einen abschließenden eigenen Kanon für die zivilrechtlichen Fragen für den Zah-
lungsverkehr isoliert neben die nationalen sonstigen Regeln würde stellen können.
Der Aufwand hierfür wäre zu groß. Stattdessen sollen sich die europäischen Rege-
lungen auf für die Zahlungsverkehrsabwicklung spezifische Belange beschränken,
was allerdings erfordert, dass diese europäischen Regelungen harmonisch in die
bestehenden Zivilrechtsordnungen eingebunden werden.

3 Rechtsnatur

Damit beantwortet sich zugleich die Frage nach der Rechtsnatur einer solchen
Maßnahme, die die Kommission in ihrer Konsultation zum neuen Rechtsrahmen
vom 2. Dezember 2003 selbst gestellt hatte7. Die europarechtliche Verordnung,
die europaweit unmittelbar anwendbar wäre, würde wegen dieser sehr beschränk-
ten Regelungsinhalte als Fremdkörper neben dem nationalen Zivilrecht stehen.
Deshalb ist es sinnvoll, eine Richtlinie vorzusehen, die den Mitgliedstaaten die
harmonische Eingliederung der aus Zahlungsverkehrssicht erforderlichen Regeln
in das übrige Gefüge ihres Zivilrechts erlaubt. Andererseits sollen dadurch keiner-
lei Umsetzungsspielräume hinsichtlich des materiellen Inhalts der Regelungen er-
öffnet werden. Vielmehr sollen diese Spielräume alleine zur Einpassung dienen.
Gleichzeitig muss deshalb für den Bereich des Zahlungsverkehrs unbedingt si-
chergestellt werden, dass die nationalen Implementierungsregeln soweit möglich
zum selben Zeitpunkt in Kraft treten, da ansonsten wiederum keine verlässliche
rechtliche Grundlage für die Anbieter zum in Kraft Setzen europaweiter Zahlungs-
instrumente zur Verfügung steht.

4 Beschränkung auf das Endkunde-Anbieter-Verhältnis

Gleichzeitig hat die Kommission vor, was die zivilrechtlichen Belange angeht,
sich alleine auf die Vertragsbeziehung zwischen Kunde und Zahlungsdienstleis-
tungsanbieter beschränken. Das bedeutet, es soll keine Regelungen für das Innen-
verhältnis zwischen den Zahlungsdienstleistungsanbietern geben. Dies ist eine
Abkehr von dem noch in der Richtlinie 97/5 verfolgten Konzept, das dieses Ver-

7 Abschnitt 4.7 von Konsultation COM (2003) 718.


136 Julian Langner

hältnis mittels umfangreicher Regressregeln sehr wohl mitregelt8. Die Kom-


mission geht dabei davon aus, dass gerade der Bereich des Innenverhältnisses zwi-
schen Zahlungsdienstleistungsanbietern sich zur Selbst-Regulierung anbietet, die
von der Industrie immer wieder gefordert wurde9. Das erfordert aber auch, dass
die europäische Zahlungsdienstleistungsindustrie zunächst Strukturen schafft, über
die sie die erforderlichen Regelungen unter den beteiligten Zahlungsdienstleis-
tungsanbietern für alle verbindlich macht. Da dies ebenfalls nur in Form von zivil-
rechtlichen Bindungen erfolgen kann, erfordert dies zunächst die Ausarbeitung
dieser Regeln und dann eine Unterwerfung hierunter durch die Anbieter. In Anbe-
tracht einer Zahl von über 6.000 Betroffenen ist dies ein ehrgeiziges Unterfangen.
Es stellt sich die Frage, ob die Unterwerfung unter diese Vereinbarungen durch
eine Abschlussvollmacht für die Vereinbarungen durch Verbände oder Ähnliches
sichergestellt werden kann. Diese Form wird in Deutschland zum Beispiel seit
Jahrzehnten für die so genannten Zahlungsverkehrsabkommen praktiziert. Sie ist
jedoch in Europa durchaus nicht überall gängige Praxis, vielmehr erfolgt die Be-
teiligung am Zahlungsverkehr teilweise eher durch sehr beschränkte Clublösungen
– etwa in England – unter den unmittelbar beteiligten Kreditinstituten, für die die
Unterwerfung unter die Regularien durch Eintritt erfolgt. Üblicherweise binden
diese dann weitere Kreditinstitute als ihre Kunden ein, wobei die unmittelbaren
Teilnehmer die Konditionen an die mittelbaren Teilnehmer dann in ihrer Ver-
tragsbeziehung vorgeben. Dies bedeutet aber meistens sehr eingeschränkte Teil-
nehmerkreise, die insbesondere im Hinblick auf kartellrechtliche Belange europa-
weit wenig wünschenswert sein sollten, zumal die Kommission in diesem Bereich
ohnehin bereits eine Sektor-Untersuchung in die Wege geleitet hat (Kroes 2005).
Festzuhalten bleibt jedoch, dass die Industrie gefordert ist, schnellstmöglich eine
Lösung für die verbindliche Einbindung aller beteiligten europäischen Zahlungs-
dienstleistungsanbieter in interinstitutionelle Vereinbarungen zu finden. Ansons-
ten sind die vorgesehenen Zeitpläne kaum einzuhalten, und auch die von der
Kommission erwarteten Erleichterungen werden nur beschränkt eintreten.
Eine Beschränkung auf das Kunde-Anbieterverhältnis hätte den Vorteil, dass
die europäischen Regeln sehr schlank ausfallen könnten. Zu berücksichtigen bleibt
jedoch, dass bei einem Kettenrechtsverhältnis wie einer Zahlungsverkehrsbezie-
hung eine Kundenbeziehung sowohl auf der Sender- wie auch auf der Empfänger-
seite besteht. Erschwerend kommt hinzu, dass die Anbieterseite üblicherweise
nicht identisch ist. Die Regelungen der Kundenbeziehungen müssen für diese bei-
den Rechtsbeziehungen stimmig sein, damit es nicht zur Doppelung von Ansprü-
chen kommt und klar wird, wer das Forderungsrecht aus den neuen europäischen
Regelungen erhält. Deshalb darf man auch bei einer Beschränkung auf das Kunde-
Anbieterverhältnis das komplexe Ganze der Abwicklung von Zahlungen nicht aus
dem Auge lassen.
Da die Ideen der Kommission andererseits auch grundsätzlich nicht territorial
auf das Gebiet der Europäischen Union begrenzt werden sollen, muss gleichzeitig
berücksichtigt werden, ob die Ansprüche der in der Europäischen Union befindli-

8 Vgl. Art. 7 (2), (3), Art. 8 (2) der Richtlinie 97/5/EG (RL 97/5).
9 Siehe Stellungnahmen der Industrie zur Konsultation COM (2003) 718.
Neuer europäischer Rechtsrahmen für den Zahlungsverkehr: zivilrechtliche Aspekte 137

chen Anspruchsberechtigten mit dem für internationale Überweisungen bestehen-


den oder zu vereinbarenden Haftungsgefüge in Einklang zu bringen sind.

5 Abstraktion der Regelungsinhalte

Schon die Schnelllebigkeit der modernen Zahlungsverkehrsmärkte mit einer dy-


namischen Entwicklung neuer Produkte gebietet es, zivilrechtliche Regelungen
nicht auf einzelne bestehende Produkte zuzuschneiden. Das entspricht jedoch
nicht unbedingt der bestehenden Regelungsrealität, sowohl auf europäischer als
auch auf nationaler Ebene, die sich sehr wohl an bestimmten Zahlungsinstrumen-
ten orientiert hatte10. Das führt dazu, dass unterschiedliche Zahlungsinstrumente,
die letztlich alle demselben Ziel – der Durchführung einer Zahlung – dienen, sehr
unterschiedlichen Regeln unterliegen, die nicht unbedingt kohärent sind. So ist
z.B. die Rückgabehaftung des Zahlungsdienstleistungsanbieters je nach Mit-
gliedstaat nicht nur an sich unterschiedlich, sondern sie variiert zudem abhängig
vom eingesetzten Zahlungsinstrument. Sie unterscheidet sich etwa, je nachdem ob
per Überweisung oder per Kreditkarte bezahlt wird. Insofern wird der Kunde die
Auswahl des entsprechenden Zahlungsinstruments sinnvollerweise auch nach Kri-
terien der einschlägigen zivilrechtlichen Regeln treffen. Das ist auch aus Sicht der
Kommission nicht zweckmäßig. Die Grundregeln sollen alle Instrumente vielmehr
neutral behandeln, sodass insofern keine Präferenzen für die Nutzung eines be-
stimmten Instruments begründet werden. Das bedeutet aber nicht, dass der Anbie-
ter nicht durch die individuelle vertragliche Ausgestaltung eines Instruments, etwa
des Haftungsregimes, Anreize für dessen Nutzung schaffen können soll. Dies ist
dann gerade die gewünschte Marktoffenheit, die den Nutzern die Auswahl des
bestmöglichen Produkts ermöglicht, nur sollen bestimmte Qualitäten eben nicht
prinzipiell an bestimmte Instrumente gebunden sein. Das bedeutet aber auch, dass
die europäischen Regeln einen erheblichen Abstraktionsgrad aufweisen müssen,
damit sie allgemein und nicht instrumentsabhängig gelten können. Sich hierauf
einzulassen, wird auf Grund der gegenwärtig noch sehr anderen Regelungsrealität
erhebliche Schwierigkeiten für die Marktteilnehmer bedeuten. Außerdem erfordert
es beim Gesetzgebungsprozess große Sorgfalt, damit es nicht unbeabsichtigt dazu
kommt, dass bestimmte bestehende und vom Markt angenommene Zahlungspro-
dukte auf Grund der allgemeinen Gültigkeit der Regelungen unmöglich werden.

6 Die einzelnen Regelungsbereiche im Detail

Die Kommission hat die im Folgenden näher erläuterten zivilrechtlichen Bereiche


identifiziert, die für die Schaffung eines einheitlichen Zahlungsverkehrsraumes
von besonderer Bedeutung sind.

10 Vgl. etwa die Überweisungsrichtlinie 97/5/EG (RL 97/5).


138 Julian Langner

6.1 Transparenzregeln

Wichtige Voraussetzung für die Steigerung der Effizienz des gesamteuropäischen


Zahlungsverkehrs und die damit erstrebte Kostensenkung von gesamtwirtschaftli-
cher Bedeutung ist die Vergleichbarkeit von Zahlungsdienstleistungen für die
Kunden, damit sie überhaupt das für sie günstigste Angebot heraussuchen können.
Dies betrifft insbesondere die Konditionen, zu denen der Anbieter diese Dienst-
leistungen erbringt. Dabei muss allerdings berücksichtigt werden, dass solche
Dienstleistungen üblicherweise in Vollziehung von Rahmenverträgen erbracht
werden, die eine erhebliche wettbewerbsverhindernde Bindungswirkung für den
Kunden haben. Dass dagegen für eine bestimmte Transaktion individuell der
günstigste Anbieter von einem Kunden herausgesucht wird, kommt zwar auch vor,
stellt jedoch nicht die Mehrzahl der Fälle dar. Demgemäß sind, diesen unter-
schiedlichen Bindungswirkungen entsprechend, auch unterschiedliche und vor al-
len Dingen unterschiedlich umfangreiche Informationsanforderungen an die An-
bieter zu rechtfertigen. Dementsprechend muss genau unterschieden werden,
welche Informationen für Einzelverträge, welche für Rahmenverträge und ferner
welche für unter Rahmenverträgen abgewickelte Einzeltransaktionen noch zusätz-
lich gefordert werden müssen.

6.2 Beendigung der Vertragsverhältnisse

Um die konkurrenzhindernde Bindung des Kunden durch einen Rahmenvertrag im


Zahlungsbereich, etwa einen Girovertrag, zu mindern, sollen für seine Beendigung
keine zusätzlichen Bearbeitungsentgelte gefordert werden dürfen. Gerade wenn
diese Entgelte prohibitiv hoch sind, wird nämlich ansonsten wohl kaum ein Kunde
die Vertragsbeziehung so schnell wechseln. Das hat zur Folge, dass die Toleranz-
schwelle für Schlechtleistungen bei Kunden sehr hoch liegt und so wenig Anreiz
für Serviceverbesserungen durch die Anbieter besteht.

6.3 Autorisierung von Zahlungsaufträgen

Durch die technischen Entwicklungen wird die Erteilung von Aufträgen für Zah-
lungsdienstleistungen in Vollzug von Rahmenverträgen immer mehr entpersonali-
siert. Wenn etwa an Geldautomaten Geld abgehoben wird, Zahlungsaufträge per
Karte oder per Internet aus der Ferne erteilt werden, müssen sowohl Kunde als
auch Anbieter Rechtssicherheit haben, wann sie von einem wirksamen Auftrag
ausgehen können, der Kunde dafür also einstehen muss und wann nicht. Zudem
muss im Interesse einer möglichst frühzeitigen Endgültigkeit von Zahlungsab-
wicklungen, die in modernen elektronischen Systemen von besonderer Bedeutung
ist, genau festgelegt sein, unter welchen Umständen bereits autorisierte Zahlungen
eventuell doch noch rückgängig gemacht werden können. Darüber hinaus gehende
Rechte können immer nur im Rahmen individueller Vereinbarungen zwischen
Neuer europäischer Rechtsrahmen für den Zahlungsverkehr: zivilrechtliche Aspekte 139

Anbieter und Kunde erfolgen, können aber im Interesse geringer Kosten und größ-
ter Effizienz nicht das gesetzlich vorgeschriebene Grundsystem betreffen.
Gleichzeitig müssen die möglichst sichere Ausgestaltung der Identifizierungs-
medien durch den Anbieter und ihr Schutz vor Missbrauch durch die Inhaber für
derartige von Ferne erteilte Aufträge auf eine einheitliche und verlässliche europä-
ische Grundlage gestellt werden. Nur so können sich beide Seiten sicher sein,
nicht über Gebühr belastet zu werden, der Kunde durch Verantwortung für von
ihm nicht erteilte Aufträge, der Anbieter durch Missbrauch der Identifizierungs-
medien mit nachträglichem Abstreiten der Auftragserteilung, womit er die Ausfäl-
le übernehmen muss. Ansonsten ist eine verlässliche Kalkulation des Produkts auf
gesamteuropäischer Basis nicht möglich. Andererseits sollte auch für die Kunden
insofern Kalkulationssicherheit bestehen, als sie außer bei grober Fahrlässigkeit
von einer Deckelung ihrer Haftung ausgehen können, bis sie durch Meldung einer
Kompromittierung eine Sperrung der entsprechenden Medien ermöglichen.
Hierbei ist auch der tatsächlichen Verfügbarkeit von Beweismitteln Rechnung
zu tragen. Insofern muss der Anbieter zumindest alle bei ihm vorliegenden Auf-
zeichnungen vorlegen, um Ansprüche der Kunden abzuwenden.

6.4 Weiterleitung des vollen Betrages

Schon die Buchführungssysteme der Kunden erfordern, dass der volle zahlbare
Betrag beim Empfänger gutgeschrieben wird, wenn dieser vom Zahlenden ange-
wiesen wurde. Es muss deshalb für das gesamte europäische Zahlungsverkehrswe-
sen sichergestellt werden, dass keine Zwischenabzüge von Entgelten erfolgen, wie
das in den nationalen Systemen selbstverständlich der Fall ist, solange die Zahlung
in der Währung eines Mitgliedstaates erfolgt, ohne dass ein Währungswechsel
notwendig wird. Das soll allerdings nicht das Erheben legitimer Entgelte auf Sen-
der- wie Empfängerseite verhindern, vorausgesetzt, dass diese gesondert und
transparent in Rechnung gestellt werden. Dabei soll das Leitmodell sein, dass
Sender und Empfänger die jeweils anfallenden Entgelte für ihren Bereich tragen.
Ziel ist eine Kostenteilung, es sei denn das Entgeltmodell auf der Empfängerseite
sieht solche Entgelte auch national bisher nicht vor.

6.5 Ausführungsfrist

Für Überweisungen in Euro ist die europäische Integration am weitesten fortge-


schritten, was verbindliche Vorgaben hinsichtlich der Ausführungsfrist erlaubt.
Um Effizienzgewinne zu steigern, wird für diesen Bereich deshalb die Festschrei-
bung einer verbindlichen Ausführungsfrist von drei Tagen angestrebt. Diese Frist
soll auch für alle übrigen Zahlungsinstrumente gelten, jedoch soll für diese der
noch nicht so weitgehenden Integration insoweit Rechnung getragen werden, als
die Frist für diese durch Vereinbarung abdingbar sein soll. Gleichzeitig sollen na-
tionale Vorgaben für kürzere Ausführungsfristen aufrecht erhalten bleiben dürfen,
um den Eindruck von Rückschritten durch die europäischen Regeln zu vermeiden.
140 Julian Langner

6.6 Wertstellungsregelungen

Um den Kunden einen möglichst genauen Kostenvergleich zu ermöglichen, soll


jede Form von verspäteter Wertstellung bei Gutschrift bzw. verfrühter Wertstel-
lung bei Absendung verboten werden. Unter Wertstellung ist dabei eine von der
tatsächlichen Verfügbarkeit der Zahlungsbeträge für den Anbieter abweichende
Behandlung von positiven oder negativen Kontoständen für die Verzinsung zu
verstehen. Das bloße Herstellen größerer Transparenz in diesem Bereich reicht in-
soweit nicht aus, da die Kunden diese Modelle auf Grund ihrer Komplexität nicht
in all ihren Konsequenzen für sie erfassen können. Es ist deshalb für die Kunden
trotzdem nicht mehr möglich, den von ihnen tatsächlich bezahlten Preis für die
Zahlungsdienstleistungen zu ermitteln.

6.7 Verschuldensunabhängige Haftung des Zahlungsdienstleistungs-


anbieters

Die Kommission strebt es im Hinblick auf die bessere Übersicht und Ausgestal-
tungsmöglichkeit der Zahlungsabläufe des Anbieters an, diesem für Zahlungs-
dienstleistungen eine verschuldensunabhängige Haftung bis zum Zahlungserfolg
beim Empfänger aufzuerlegen. Dies ist auch hinsichtlich der Reichweite weiterge-
hend als die bisherigen Regelungen, die den Erfolg am Eingang bei dessen Kredit-
institut festmachten11. Zudem ermöglicht die große Zahl der ausgeführten Trans-
aktionen es nach Ansicht der Kommission dem Zahlungsdienstleistungsanbieter,
diese Haftung einzupreisen. So würden keine individuellen Spitzen für unmittelbar
Betroffene produziert, sondern die Kosten volkswirtschaftlich verträglich zu ver-
teilt. Hierbei fragt sich, ob auf Grund des geplanten weit reichenden Anwen-
dungsbereichs der Richtlinie auch Zahlungen erfasst werden sollten, bei denen
sich entweder der Sender oder der Empfänger außerhalb der Europäischen Union
befinden, oder ob es für Zahlungen mit „einem Arm außerhalb der Union“ ange-
passt werden muss. Hier machen die traditionell von diesem Regime abweichen-
den Regelungen für das Kunde-Anbieterverhältnis in den außereuropäischen Ju-
risdiktionen eine vollständige Anwendung des vorgesehenen strikten Regimes
schwierig, weil für die Anbieter die dafür notwendigen Regressansprüche gegen
ihre außereuropäischen Zahlungsverkehrspartner schwer durchsetzbar sein dürf-
ten. Im Gegenzug soll es den Anbietern aber auch möglich sein, genaue Vorgaben
für die Angaben zu machen, die der Kunde ihm machen muss, um den Leistungs-
empfänger zu bestimmen. Dadurch soll der erforderlichen Bestimmbarkeit in au-
tomatisierten Verfahren Rechnung getragen werden, die letztlich auf numerischen
Identifikationsmechanismen beruht. Über diese Nummerierung hinausgehende
Überprüfungsmaßnahmen, die der Automatisierung und damit der Effizienzsteige-
rung der Zahlungsverkehrssysteme zuwiderlaufen, sollen dem Anbieter durch das
Haftungsregime nicht mehr auferlegt werden. Damit würde sich etwa der in
Deutschland teilweise rechtlich gebotene Kontonummer-Namens-Vergleich erüb-

11 Vgl. Art. 3 1. Spiegelstrich, Art. 6 (1) der Richtlinie 97/5/EG (RL 97/5).
Neuer europäischer Rechtsrahmen für den Zahlungsverkehr: zivilrechtliche Aspekte 141

rigen. Andererseits würden die Sorgfaltsanforderungen für die Kunden erheblich


steigen, weil den Kunden – bei Fehlleitungen auf Grund fehlerhafter Kontonum-
mernangabe durch sie – nur ein direkter bereicherungsrechtlicher Ausgleich gegen
den Empfänger, aber kein Anspruch mehr gegen ihren Zahlungsdienstleistungsan-
bieter verbleiben würde.

7 Fazit

x Die EU-Kommission strebt eine weitgehende Integration der europäischen Zah-


lungsdienstleistungsmärkte an. Dabei misst sie den zivilrechtlichen Grundlagen
für das Angebot von Zahlungsdienstleistungen besondere Bedeutung zu.
x Vereinheitlichte zivilrechtliche Regeln sollen den Zahlungsdienstleistungsan-
bietern europaweit das Angebot von einheitlichen Produkten ermöglichen.
x Die dazu vorgesehenen Rechtsregeln sollen abstrakt, d.h. nicht produktspezi-
fisch, sein.
x Andererseits sollen sich die Regelungen auf – für das Angebot von einheitli-
chen Produkten – unbedingt notwendige Problemfelder beschränken und kei-
nen abschließenden Kodex darstellen.
x Das bedeutet, dass die jeweiligen Regelungen in die nationalen Zivilrechtsord-
nungen eingebunden werden müssen, was eine harmonische Eingliederung in
das bestehende nationale Zivilrechtssystem sicherstellen sollte.
x Dabei werden alle bestehenden nationalen Rechtsordnungen in mehr oder we-
niger großem Umfang angepasst werden müssen, wenn die Vorstellungen der
Kommission umgesetzt werden.

Literatur

COM (2003) 718: Mitteilung der Kommission an den Rat und das Europäische Parlament:
Ein neuer Rechtsrahmen für den Zahlungsverkehr im Binnenmarkt (Konsultationspa-
pier). http://europa.eu.int/eur-lex/de/com/cnc/2003/com2003_0718de01.pdf,
Abruf 1.9.2005
Kroes (2005) Communication by Commissioner Kroes in Agreement with Commissioner
McCreevy, Memorandum on Sector Inquiries in Financial Services (Retail Banking
and Business Insurance), IV 24,
http://www.europa.eu.int/comm/competition/antitrust/others/sector_inquiries/banking/,
Abruf 1.9.2005
Langner (2004) Mitteilung der Kommission an den Rat und das Europäische Parlament:
Ein neuer Rechtsrahmen für den Zahlungsverkehr im Binnenmarkt – so genannte
SEPA (Single European Payment Area) Initiative, BKR, Zeitschrift für Bank- und Ka-
pitalmarktrecht, 2004, S 131–135
RL (97/5) Richtlinie 97/5/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 27. Januar
1997 über grenzüberschreitende Überweisungen, Amtsblatt Nr. L 043 vom
14.02.1997, S 25–30
SEPA – Auf dem Weg zu einem einheitlichen
Euro-Zahlungsverkehrsraum

Thomas Lammer, Markus Pammer

Oesterreichische Nationalbank, Wien1

1 Einleitung

Durch die Einführung des Euro wurde ein einheitlicher Währungsraum innerhalb
der Europäischen Union geschaffen. Seither arbeiten die Notenbanken des ESZB
und die europäischen Kreditinstitute intensiv an der Schaffung eines einheitlichen
Euro-Zahlungsverkehrsraums – der so genannten „Single Euro Payment Area“
(SEPA). Dieser einheitliche Zahlungsverkehrsraum soll es den europäischen Bür-
gern und Unternehmen ermöglichen, unter Verwendung einheitlicher Zahlungs-
verkehrsinstrumente künftig im gesamten Euro-Gebiet Zahlungen von einem ein-
zigen Bankkonto aus vorzunehmen. Unabhängig davon, wo oder bei welcher Bank
im Euro-Raum das Konto geführt wird, sollen Zahlungen dadurch genauso einfach
und sicher wie derzeit auf nationaler Ebene abgewickelt werden können. Der Eu-
ro-Zahlungsverkehr innerhalb der EU soll mittelfristig zum Inlandszahlungsver-
kehr werden. Hinsichtlich Sicherheit und Effizienz gelten dabei die leistungsfä-
higsten nationalen Zahlungssysteme als Richtschnur. Die Jahre 2008 und 2010
stellen wichtige Meilensteine auf dem Weg zu diesem einheitlichen Euro-
Zahlungsverkehrsraum dar.

2 Rückblick und Entwicklung

Den generellen Zielen der Lissabon Agenda aus dem Jahr 2000 „die EU bis zum
Jahr 2010 zur wettbewerbsfähigsten und dynamischsten wissensbasierten Wirt-
schaft der Welt zu machen“ (KOM 2001a) wurde in den jeweiligen Wirtschaftsbe-
reichen unterschiedlich Rechnung getragen. Im Zahlungsverkehr erfolgte im Mai
2002 die Veröffentlichung des, von 42 Kommerzbanken der EU verfassten, White
Papers „Euroland: Our Single Payment Area!“ (EPC 2002). In diesem bekennen
sich die Banken zum einheitlichen europäischen Zahlungsverkehrsraum und dafür,

1 Dieser Beitrag spiegelt ausschließlich die persönliche Meinung der Autoren und nicht
notwendigerweise die der Oesterreichischen Nationalbank wider.
144 Thomas Lammer, Markus Pammer

dass innerhalb der Eurozone alle Zahlungen wie nationale Zahlungen behandelt
werden sollen. Im Juni 2002 wurde das European Payments Council (EPC)2 zur
Umsetzung des einheitlichen Euro-Zahlungsverkehrsraums durch europäische
Banken und deren Verbände gegründet. Sowohl die Europäische Kommission, als
auch die EZB begrüßten die Gründung des EPC und somit den Weg der Selbstre-
gulierung durch die Banken. Die Europäische Zentralbank und die nationalen No-
tenbanken agieren als Katalysator und „monitoren“ laufend die Entwicklungen der
Bankenindustrie. Die EZB veröffentlicht dazu jährliche Fortschrittsberichte über
den Stand der SEPA-Realisierung3. Ein erster wichtiger Schritt zur Angleichung
von Inlandszahlungen und Zahlungen in ein anderes EU-Land war die Umsetzung
der Verordnung (EG) Nr. 2560/2001 des Europäischen Parlaments und des Rates
vom 19. Dezember 2001 über grenzüberschreitende Zahlungen in Euro, wonach
seit 1. Juli 2002 für grenzüberschreitende elektronische Zahlungstransaktionen in
Euro bis zu einem Betrag von 12.500 Euro die gleichen Gebühren wie für entspre-
chende Euro-Zahlungen im Inland gelten. Seit dem 1. Juli 2003 gilt dies auch für
Überweisungen bis 12.500 Euro4, sofern sie die in der Verordnung definierten Kri-
terien erfüllen (Verordnung 2001).

3 Ziele des einheitlichen Euro-Zahlungsverkehrsraumes

Das strategische Ziel im Rahmen der SEPA-Initiative ist die Entwicklung des Eu-
ro-Währungsgebietes zu einem vollständig integrierten inländischen Zahlungsver-
kehrsraum. Dadurch soll es sowohl Privat- als auch Unternehmenskunden möglich
sein, Zahlungen im gesamten Euroraum so unkompliziert und zu den gleichen
Gebühren zu tätigen, wie eine Zahlung in der eigenen Heimatstadt (EZB 2004a).
Die Anpassung der aktuell zwölf unterschiedlichen nationalen Rahmenbe-
dingungen in der Eurozone sollen beträchtliche Wohlfahrtsgewinne mit sich brin-
gen. Schlussendlich soll SEPA den Weg zur Integration der gesamten EU berei-
ten, indem Nicht-Euro-Länder klare Anhaltspunkte über die Implikationen eines
Beitritts zur Wirtschafts- und Währungsunion erhalten (EZB 2004a).Diese Ziele
sollen durch die Schaffung von europaweit einheitlichen Zahlungsinstrumenten er-
reicht werden.

2 Nähere Informationen zum EPC sind unter http://www.europeanpaymentscouncil.org ab-


rufbar.
3 Diese Fortschrittsberichte sind auf der EZB-Website unter
http://www.ecb.int/paym/pol/sepa/html/index.en.html abrufbar.
4 Ab dem 1. Januar 2006 wird der Betrag von 12 .500 Euro auf 50.000 Euro hinaufgesetzt.
SEPA – Auf dem Weg zu einem einheitlichen Euro-Zahlungsverkehrsraum 145

4 Europaweite Zahlungsinstrumente

4.1 Überweisungen

Überweisungen sind in Deutschland und Österreich sowohl für Unternehmen als


auch für Konsumenten von großer Relevanz und weisen – wie Abbildung 1 zeigt –
während der vergangenen Jahre ein stetiges Wachstum auf.

18.000

16.000

14.000 EU15 ohne


Eurozone
Anzahl der Transaktionen in Mio.

Rest der
12.000 Eurozone
Österreich
10.000
Niederlande

8.000
Italien

6.000 Deutschland

4.000 Belgien

2.000

0
1999 2000 2001 2002 2003

Abb. 1. Entwicklung der Überweisungsanzahl im Zeitablauf (Blue Book 2005)

Der großen Bedeutung von Überweisungen trägt auch das SEPA-Vorhaben Rech-
nung. Auslöser war die Verordnung (EG) Nr. 2560/2001, welche auf Seiten der
Banken zu Handlungsbedarf führte. Im November 2002 verabschiedete daraufhin
das EPC die Credeuro-Konvention. Diese stellt Regeln hinsichtlich der Abwick-
lung von EU-Standardüberweisungen im Interbankenzahlungsverkehr auf, welche
sowohl die Höhe der Gebühren für Bankkunden auf Inlandsniveau, als auch die
Dauer der Abwicklung mit drei Tagen beschränken. Obwohl die Entwicklung in
Richtung SEPA bei Überweisungen relativ weit fortgeschritten ist, gibt es den-
noch weiterhin umfangreichen Handlungsbedarf (EZB 2004a).
146 Thomas Lammer, Markus Pammer

4.1.1 Traditionelle Überweisungen: Credeuro und Prieuro


Für Unternehmenskunden wären einheitliche Formate für elektronisch initiierte
Zahlungen vorteilhaft, unabhängig davon, in welchem europäischen Land der Be-
günstigte ansässig ist. Vice versa würde ein einheitliches Format auf der Ein-
gangsseite Unternehmen eine automatisierte Weiterverarbeitung in den eigenen
Buchhaltungssystemen ermöglichen. Aufgrund der sehr unterschiedlichen Leis-
tungsniveaus bei den heutigen nationalen Systemen wird im Rahmen von SEPA
darauf abgezielt, die besten Systeme als Benchmark heranzuziehen. Auf viertel-
jährlicher Basis wird eine Liste jener Banken pro Land veröffentlicht, die sich zur
Einhaltung der Credeuro Kriterien verpflichtet haben. Die Umsetzung der Credeu-
ro-Konvention kann als weit fortgeschritten betrachtet werden, bei der Bewusst-
seinsbildung auf Ebene der Kunden gibt es jedoch noch Steigerungspotenzial. Zur
Unterstützung der Credeuro-Kovention und zur Harmonisierung der Gebührenver-
rechnung hat das EPC im April 2003 die Interbank Convention on Payments (ICP)
verabschiedet. Die ICP definiert SHARE als die Standardgebührenregelung für
vollautomatisch verarbeitbare Verordnungszahlungen. SHARE regelt die Gebüh-
ren dahingehend, dass der Zahlungspflichtige die Gebühren seiner – der senden-
den – Bank trägt, der Zahlungsempfänger trägt die seitens der begünstigten Bank
verrechneten Gebühren. Gebührenabzüge von der Auftragssumme bzw. die Ver-
rechnung dieser Gebühren an den Begünstigten durch zwischengeschaltete Ban-
ken würden der ICP widersprechen. Diese Gebühren sollten durch Interbankge-
bühren ersetzt werden. Credeuro soll darüber hinaus um den Prieuro ergänzt
werden, welcher eine taggleiche Wertstellung der Zahlung sicherstellen soll. Ziel
ist es, beide Überweisungsarten den europäischen Bürgern, seien es nun Unter-
nehmen oder Privatkunden, ab 1. Jänner 2008 zur Verfügung zu stellen (EZB
2004a).

4.1.2 Innovative Zahlungsinstrumente: E-Payments und M-Payments


Dem Potenzial von E-Payments und M-Payments wird auch im Rahmen des ein-
heitlichen Euro-Zahlungsverkehrsraumes Rechnung getragen. Das EPC hat im
Rahmen der Electronic Credit Transfer Working Group eine Task Force zu E- und
M-Payments eingerichtet, welche seit Anfang 2003 regelmäßig mit dem Ziel der
Marktbeobachtung und Entwicklung einer gesamteuropäischen Vision für das En-
gagement von Banken im Bereich E- und M-Payment zusammentrifft (EZB
2004a). Im Jahr 2004 entschied sich das EPC zur Trennung der Task Force in
zwei separate Gruppen: die E-Payment Task Force wird Kooperationsmöglichkei-
ten im Bereich E-Commerce untersuchen, während die M-Payment Task Force
sich auf die Nutzung des Mobiltelefons als Medium zur Zahlungsinitiierung kon-
zentriert (EPC 2005).
Das Eurosystem fordert in diesem Zusammenhang, dass Banken wie auch Non-
Banks konstruktiv an der Förderung europaweiter Standards für E- und M-Pay-
ments arbeiten (ECB 2004).
SEPA – Auf dem Weg zu einem einheitlichen Euro-Zahlungsverkehrsraum 147

4.2 Europaweites Lastschriftverfahren

Die Bedeutung von Lastschriften hat in Europa in den letzten Jahren stark zuge-
nommen. Abbildung 2 zeigt, dass dies insbesondere auf Deutschland und Öster-
reich zutrifft und seit dem Jahr 2002 ein beschleunigtes Wachstum zu verzeichnen
ist. Aus dieser Bedeutung lässt sich auch das Engagement für ein europaweit ein-
heitliches Lastschriftverfahren, dem so genannten SEPA Direct Debit Scheme
(vormals Pan-European Direct Debit – PEDD), ableiten.
16.000

14.000 EU15 ohne


Eurozone

12.000 Rest der


Anzahl der Transaktionen in Mio.

Eurozone

10.000 Österreich

8.000 Niederlande

Italien
6.000

Deutschland
4.000

Belgien
2.000

0
1999 2000 2001 2002 2003

Abb. 2. Entwicklung der Lastschriftenanzahl im Zeitablauf (Blue Book 2005)

Insbesondere Unternehmen, die grenzüberschreitend in mehreren europäischen


Ländern tätig sind, würden von einem europaweit einheitlichen Lastschriftverfah-
ren profitieren, aber auch Bürger, die Versorgungsleistungen aus mehreren EU-
Staaten beziehen. Das Fehlen eines derartigen europaweiten Lastschriftverfahrens
ist einer der Hauptgründe für die Notwendigkeit Konten in mehreren Ländern zu
unterhalten (EZB 2004). Die Euro Banking Association (EBA) hat bereits die Ab-
sicht geäußert, ein derartiges SEPA Direct Debit Scheme im Rahmen ihres Pan-
Europäischen Clearing House STEP2 anzubieten (EBA 2005a). Aufgrund der
Vielzahl und Unterschiedlichkeit der derzeit existierenden Lastschriftverfahren,
kam das EPC zum Schluss, dass anstatt einer Harmonisierung bestehender Verfah-
ren die Entwicklung eines neues SEPA Direct Debit Schemes für die Erreichung
der SEPA-Anforderungen zielführender ist. Das ursprüngliche Ziel im Rahmen
des Weißbuchs, nämlich die ersten pan-europäischen Lastschriften per 1. Juli 2005
durchzuführen, wurde nicht erreicht. Nicht zuletzt aufgrund der Tatsache, dass es
148 Thomas Lammer, Markus Pammer

im Bereich von Lastschriften große Unterschiede in Europa gibt, gestaltet sich die
Definition des SEPA Direct Debit Schemes offensichtlich komplexer als erhofft:
Mit einer Verarbeitung der ersten Transaktionen ist nicht vor Ende 2006 zu rech-
nen. Das Eurosystem fordert, dass spätestens ab dem 1. Jänner 2008 das SEPA Di-
rect Debit Scheme den Kunden im Euroraum als Ergänzung zu den bestehenden
Lastschriftverfahren angeboten wird (EZB 2004a).

4.3 Karten

Die Verbreitung von Zahlungskarten und deren Nutzung hängt stark mit der Zah-
lungskultur in den einzelnen EU-Ländern ab. Wie die Beiträge zum Zahlungsver-
halten früher in diesem Buch dargestellt haben, gibt es einen Trend in Richtung
verstärkter Nutzung von Zahlungskarten und hier insbesondere der Debitkarten.

1.800

1.600

1.400

1.200

1.000

800

600

400

200

0
2002 2003 2002 2003 2002 2003

Karten mit Cash-Funktion Karten mit Debit-Funktion Karten mit Credit-Funktion

Belgien Deutschland Italien Niederlande Österreich EU15 Eurozone

Abb. 3. Anzahl der Karten pro 1.000 Einwohner (Blue Book 2005)

Auch wenn es in der EU noch große Unterschiede in der Verbreitung und Nutzung
von Karten gibt, so gibt es dennoch die Gemeinsamkeit, dass die Karte jenes Zah-
lungsinstrument ist, das bei grenzüberschreitenden Zahlungen innerhalb der EU
am besten funktioniert. Das Eurosystem merkt im dritten SEPA-Fortschrittsbericht
jedoch an, dass die Bedingungen bei grenzüberschreitenden Zahlungen innerhalb
der Eurozone noch stark von Zahlungen innerhalb eines Landes abweichen, wie-
derum um eine Folge der immer noch existierenden starken rechtlichen und ver-
fahrenstechnischen Fragmentierung unter den einzelnen Euroländern. Im Rahmen
SEPA – Auf dem Weg zu einem einheitlichen Euro-Zahlungsverkehrsraum 149

von SEPA sollen die Kunden jedoch ihre Karte in der gesamten Eurozone so ein-
fach und effizient einsetzen können, wie in der Heimatstadt. Ein Ziel, das nur mit
Änderungen nationaler wie auch internationaler Kartensysteme erreichbar ist
(EZB 2004a). Im März 2003 verabschiedete das EPC acht Empfehlungen für Kar-
tensysteme, welche bis Anfang 2006 umgesetzt werden sollten und die zusam-
mengefasst folgenden Inhalt haben (EZB 2004a):
1. Betrugsprävention und -bekämpfung durch aktive Kooperation aller involvier-
ten Akteure aus Industrie, Gesetzgebung und Regulierung sowie Festlegungen
von Mindestsicherheitsstandards.
2. Transparente und einheitliche Darstellung der Tarifmodelle von nationalen und
internationalen Kartenanbietern zur Erleichterung der Geschäftsplanung der
Banken.
3. Zügiger Abschluss laufender Änderungen der Kartenanbieter bei Bestimmun-
gen und Vereinbarungen.
4. Trotz der Präferenz für die Selbstregulierung soll mit Gesetzgebern und Regu-
latoren kooperiert werden, um legislative bzw. regulatorische Hindernisse auf
dem Weg zur SEPA für Karten frühzeitig zu erkennen und in der Folge zu be-
seitigen.
5. Banken sollen höhere technische Standardisierung im Rahmen der bestehenden
Standardisierungsorganisationen sicherstellen.
6. Die mit einer Teilnahme an (inter-)nationalen Kartensystemen verbunden Ver-
antwortung soll durch Banken vollständig ausgeübt werden.
7. Einigung von Banken und Eurosystem auf ein gemeinsames Verfahren zur Er-
hebung und Verteilung statistischer Daten.
8. Einrichtung der Karten-Arbeitsgruppe im Rahmen des EPC.
Das Eurosystem misst dem Bereich Kartenzahlungen große Bedeutung bei und
sieht trotz der gebührenmäßigen Gleichstellung nationaler und grenzüberschrei-
tender Kartenzahlungen durch die Verordnung (EG) Nr. 2560/2001 noch umfang-
reichen Handlungsbedarf, insbesondere hinsichtlich Gebühren, Authentifizierung,
Interoperabilität und Betrugsprävention (EZB 2004a).

4.4 Bargeld

Die Bürger der Eurozone verfügen seit 1. Jänner 2002 über das Euro-Bargeld. Das
Eurosystem arbeitet an einer Optimierung der Angebotsseite, insbesondere durch
einheitliche Prinzipien und Ziele. In einer Entschließung vom Dezember 2003
hebt das EPC die Notwendigkeit gleicher Wettbewerbsbedingungen für Euro-
Bargelddienste hervor. Gemeinsam arbeiten die Bargeld-Arbeitsgruppe des EPC
und die Notenbanken des Eurosystems an der Effizienzerhöhung in der Bargeld-
versorgung (EZB 2004a).
150 Thomas Lammer, Markus Pammer

5 SEPA Zeitrahmen

Ziel ist die Realisierung der so genannten „SEPA for citizens“ bis Jänner 2008.
Damit soll es Konsumenten und Unternehmen ermöglicht werden, die pan-
europäischen Zahlungsinstrumente der Überweisung, der Lastschrift und im Kar-
tenbereich auch national zu nutzen. Banken müssen demnach ab diesem Zeitpunkt
in der Lage sein, die pan-europäischen Verfahren zusätzlich zu den gebräuchli-
chen nationalen Zahlungsinstrumenten anzubieten.
Das zeitgerechte Erreichen des „SEPA for citizens“ Meilensteins ist eine wich-
tige Voraussetzung für den nächsten bedeutenden Schritt: Bis zum Jahr 2010 soll
gemäß dem EPC Weißbuch eine voll entwickelte SEPA-Infrastruktur zur Verfü-
gung stehen („SEPA for infrastructure“) und nationale Verfahren zunehmend von
pan-europäischen Zahlungsinstrumenten abgelöst werden (EPC 2004).
Scheme design and Implementation and
preparation deployment Co-existence and gradual adoption

2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010


Responsible
Scheme
EPC Framework

Design & Specification Stage for the


EPC 3 SEPA payments schemes/framework

EPC and operator(s) Pilots

EPC, banks and na- Planning Adoption and Implementation


tional communities
Programme Management
EPC

EPC and operator(s) Regulator, legislator and lobby groups relationships and communication

EPC Monitoring and Support

ECB (ESCB) Monitoring realisation of SEPA in accordance with Cooperation Model

Abb. 4. Roadmap des EPC auf dem Weg zum einheitlichen Euro-Zahlungsverkehrsraum:
2004 – 2010 (EPC 2004).

6 Aktivitäten der Oesterreichischen Nationalbank zum


Thema SEPA

Die OeNB hat bereits frühzeitig wesentliche Beiträge zur Umsetzung von Rah-
menbedingungen für einen einheitlichen bargeldlosen Euro-Zahlungsverkehrs-
raumes geleistet. So hat die OeNB im November 2003 – als erste Notenbank ne-
ben der Deutschen Bundesbank – einen neutralen und für alle Banken offenen
Zugang zum ersten und bis dato einzigen Pan-European Automated Clearing Hou-
SEPA – Auf dem Weg zu einem einheitlichen Euro-Zahlungsverkehrsraum 151

se (PEACH), nämlich EBA STEP2, geschaffen5. EBA STEP2 wurde von der Euro
Banking Association (EBA) Ende April 2003 in Betrieb genommen, baut voll-
ständig auf Straight-Through Processing (STP) auf und wickelt Zahlungen im
Batchverfahren ab. Aktuell nehmen ca. 90 europäische Banken direkt und ca.
1.500 indirekt (über eine direkte Teilnehmerbank) an STEP2 teil. Die Anzahl der
von STEP2 abgewickelten Zahlungsaufträge ist seit dessen Einsatz rasant gestie-
gen und lag im Juli 2005 nahezu 180.000 Transaktionen pro Tag (EBA 2005b).
Österreichische und deutsche Banken gehören zu den intensivsten Nutzern des
Systems und tragen zusammen nahezu die Hälfte aller Transaktionen bei.
EBA STEP2 ermöglicht europäischen Banken eine effiziente und kostengünsti-
ge Abwicklung von Standardüberweisungen innerhalb des EWR. Damit wurde
Kreditinstituten die Umsetzung der Verordnung (EG) Nr. 2560/2001 maßgeblich
erleichtert, auch zum Vorteil der Kunden. Zahlten Kunden gemäß Erhebungen der
Europäischen Kommission früher für eine 100-Euro-Überweisung in ein anderes
EU-Land durchschnittlich mehr als 24 Euro an Spesen (KOM 2001b), so dürfen
Standardüberweisungen seit dem Inkrafttreten der EU-Verordnung nur mehr die
Gebühr einer Inlandstransaktion kosten. Wovon österreichische und deutsche
Bankkunden besonders profitieren, da die Preise einer Inlandstransaktion – je nach
Kontovereinbarung – meist nur wenige Cent betragen. Aber nicht nur bei den Ge-
bühren, auch bei der Überweisungsdauer sind seit der Einführung von STEP2
merkliche Forstschritte zu verzeichnen. Wie ein Überweisungstest der Studienge-
sellschaft für Zusammenarbeit im Zahlungsverkehr (STUZZA) belegt, dauert eine
Überweisung von Österreich in ein anderes EU-Land durchschnittlich nur noch
2,2 Tage (Lammer u. Pieber 2005).
Weiters hat die OeNB die Neuorientierung der Studiengesellschaft für Zusam-
menarbeit im Zahlungsverkehr (STUZZA) Anfang 2005 unterstützt, wonach in-
nerhalb dieser das Austrian Payments Council (APC) – als Pendant zum European
Payments Council (EPC) – zur nationalen Umsetzung der SEPA gebildet wurde.

7 Fazit

x SEPA ist nicht nur ein Thema, das zwischen den nationalen Notenbanken und
Kreditinstituten abgehandelt wird. Das erklärte Ziel des Eurosystems ist es, den
europäischen Bürgern und den europäischen Unternehmen zu ermöglichen, alle
Vorteile eines einheitlichen Marktes und einer einheitlichen Währung zu nut-
zen. Voraussetzung dafür ist ein einheitlicher Zahlungsverkehrsraum.
x Für einen einheitlichen Euro-Zahlungsverkehrsraum sind pan-europäische Zah-
lungsinstrumente (Überweisung, Lastschrift und Karten) eine notwendige Vor-
aussetzung. Das EPC arbeitet im Rahmen von Arbeitsgruppen an den Regeln
für diese einheitlichen Zahlungsinstrumenten, die Zukunftsthemen E-Payment
und M-Payment werden in eigenen Task Forces behandelt.

5 Nähere Infos zur EBA und zu STEP2 sind unter http://www.pe-ach.org/ abrufbar.
152 Thomas Lammer, Markus Pammer

x Unternehmen und Konsumenten erwarten, dass in Zukunft Transaktionen be-


quem, kosteneffizient, transparent, sicher und ohne Verzögerungen abgewickelt
werden können. Dies bedingt eine Harmonisierung der Zahlungsinstrumente,
damit diese auf pan-europäischer Ebene genutzt werden können. Demnach soll
das end-to-end Processing der Zahlungsaufträge und eine nahtlose Einbindung
des Zahlungsprozesses in die bestehenden IT-Systeme gewährleistet werden.
x Die vollen Vorteile gemeinsamer pan-europäischer Zahlungsverkehrssysteme
können nur lukriert werden, wenn eine kritische Masse an potentiellen Teil-
nehmern diese auch wirklich nutzt. Eine Nutzung setzt das Wissen bei Unter-
nehmen und Konsumenten um die neuen europaweiten Zahlungsinstrumente
voraus. Aktive Information der Kunden ist demnach unabdingbar.
x Die Notenbanken der Eurozone unterstützen die Ziele eines einheitlichen Euro-
Zahlungsverkehrsraumes und sind bereit, ihren Beitrag zur Umsetzung dieser
Ziele im jeweiligen Land zu leisten (EZB 2004b). Eine der Hauptaufgaben des
Eurosystems liegt in der Förderung des reibungslosen Funktionierens von Zah-
lungssystemen, was auch durch Bereitstellung von Abwicklungseinrichtungen
im Euro-Massenzahlungsverkehr oder durch den Betrieb eigener Massenzah-
lungssysteme geschehen kann (EZB 2005).
x Eine wichtige Voraussetzung für einen einheitlichen Euro-Zahlungsver-
kehrsraum ist ein einheitlicher Rechtsrahmen. Diese Voraussetzung möchte die
Europäische Kommission mit dem „New Legal Framework“ schaffen (wie im
vorangehenden Beitrag von Julian Langner beschrieben).

Literatur

Blue Book (2005) Payment and securities settlement systems in the European Union, Ad-
dendum incorporating 2003 figures,
http://www.ecb.int/pub/pdf/other/bluebook2005addenden.pdf, Abruf 1.9.2005
EBA (2005a) STEP2: the pan-European ACH. Paris, Euro Banking Association,
http://www.abe.org/home/page.aspx?ID={DB4ACC57-625E-4C0D-9F33-
411F5BB67365}, Abruf 1.9.2005
EBA (2005b) STEP2 Statistics. Paris, Euro Banking Association,
http://www.abe.org/STEP2/Statistics.htm, Abruf 1.9.2005
EPC (2002) Euroland – Our Single Payment Area! Brüssel, European Payments Council,
http://www.europeanpaymentscouncil.org/documents/SEPA-
%20WhitepaperSummary.pdf, Abruf 1.9.2005
EPC (2004) Roadmap 2004–2010. Brüssel, European Payments Council,
http://www.europeanpaymentscouncil.org/documents/Roadmap%20public%20version
%204th%20April.pdf, Abruf 1.9.2005
EPC (2005) Annual Report 2004. Brüssel, European Payments Council,
http://www.europeanpaymentscouncil.org/documents/EPC006_05_Annual%20Report.
pdf, Abruf 1.9.2005
EZB (2003) Auf dem Weg zu einem einheitlichen Eurozahlungsverkehrsraum, Fortschritts-
bericht Juni 2003. Frankfurt, Europäische Zentralbank,
SEPA – Auf dem Weg zu einem einheitlichen Euro-Zahlungsverkehrsraum 153

http://www.ecb.int/pub/pdf/other/singleeuropaymentsarea200306de.pdf,
Abruf 1.9.2005
EZB (2004a) Auf dem Weg zu einem einheitlichen Euro-Zahlungsverkehrsraum – Dritter
Fortschrittsbericht, Frankfurt, Europäische Zentralbank,
http://www.ecb.int/pub/pdf/other/singleeuropaymentsarea200412de.pdf,
Abruf 1.9.2005
EZB (2004b) Pressemitteilung 2. Dezember 2004: Auf dem Weg zu einem einheitlichen
Euro-Zahlungsverkehrsraum – Dritter Fortschrittsbericht. Frankfurt, Europäische Zent-
ralbank, http://www.ecb.int/press/pr/date/2004/html/pr041202_1.de.html,
Abruf 1.9.2005
EZB (2005) Die Bereitstellung von Dienstleistungen für Kreditinstitute im Euro-
Massenzahlungsverkehr durch die Zentralbanken – Grundsatzerklärung. Frankfurt,
EZB, http://www.ecb.int/pub/pdf/other/policystatementretailpaymentservicesde.pdf,
Abruf 1.9.2005
KOM (2001a) Zu den Verpflichtungen stehen und den Reformprozess beschleunigen. Brüs-
sel, Europäische Kommission, http://europa.eu.int/scadplus/leg/de/lvb/n26020.htm,
Abruf 1.9.2005
KOM (2001b) Grenzübergreifender Zahlungsverkehr: Neue Kommissionsstudie bestätigt
Fortdauer hoher Gebühren. Brüssel, Europäische Kommission,
http://europa.eu.int/rapid/pressReleasesAction.do?reference=IP/01/1293&format=HT
ML&aged=1&language=DE&guiLanguage=en (Abruf: 1.9.2005)
Lammer T, Pieber C (2005) Europa als einheitlicher Zahlungsverkehrsraum. In:
TreasuryLog 2/2005, S 26–28
Verordnung (2001) Verordnung (EG) Nr. 2560/2001 des Europäischen Parlamentes und
des Rates vom vom 19. Dezember 2001 über grenzüberschreitende Zahlungen in Euro.
Brüssel, Europäische Union, http://europa.eu.int/eur-
lex/pri/de/oj/dat/2001/l_344/l_34420011228de00130016.pdf, Abruf 1.9.2005
Digitale Signatur – gelebte Praxis gerade auch im
Finanzdienstleistungsbereich

Eugen Pernkopf

A-Trust Gesellschaft für Sicherheitssysteme


im elektronischen Datenverkehr GmbH, Wien

1 Zum Begriff der (sicheren) digitalen Signatur

Der vorliegende Beitrag skizziert das Wesen der digitalen Signatur und hilft unter
Berücksichtigung einiger kritischer Aspekte ihr Potenzial anhand von Anwen-
dungs-Beispielen zu orten. Dabei wird auf eine allzu tief schürfende Darstellung
von technischen Details verzichtet: Die technische und organisatorische Sicherheit
von digitalen Signaturen liegt (gerade wegen der heute vorhandenen Rechtsgrund-
lagen) in der Verantwortung und Haftung der Anbieter von notwendigen techni-
schen Verfahren und von Signaturprodukten. Mit Recht wird diese Sicherheit da-
her von den Anwendern als gegeben vorausgesetzt.

1.1 Zweck öffentlicher Zertifikate

Unter einem Zertifikat wird eine elektronische Bescheinigung, die Signaturprüfda-


ten einer bestimmten Person zuordnet und deren Identität bestätigt, verstanden.
Der Zweck öffentlicher Zertifikate ist es also, die Authentizität der Quelle von In-
formation, Datenintegrität (d.h. Änderungen an digitalen Informationen sollen so-
fort bemerkt werden) und Rechtssicherheit beim Informationsaustausch im Inter-
net zu garantieren. Im Internet soll also eine Identität ermöglicht werden, deren
Qualität einer sicheren Abwicklung von Geschäften genügt.
Nach dem heutigen Stand der am Markt vorhandenen Technik sind viele Me-
dienbrüche obsolet geworden, werden jedoch wegen der bislang fehlenden
Rechtsverbindlichkeit bei der Abwicklung von Geschäften im Internet in Kauf ge-
nommen. Öffentliche Zertifikate zielen darauf ab, diese Medienbrüche zu vermei-
den, Kosten einzusparen, die Sicherheit des Geschäftsverkehrs über das Internet
zu erhöhen und das Internet besser als bisher zum Medium für die Abwicklung
von Transaktionen urbar zu machen.
Der praktische Zweck ergibt sich aus der Anwendbarkeit von öffentlichen Zer-
tifikaten für die Erstellung und Prüfung einfacher und sicherer digitaler Signaturen
und für, ohne sie nicht gekannte, sichere Login-Authentifizierung (d.h. eine echte
156 Eugen Pernkopf

User-Authentifizierung statt der bisherigen Client-Authentifizierung) in jedem


denkbaren konkreten Verwertungszusammenhang (Geschäftsfall).

1.2 Rechtliche Basis

Die Anwendbarkeit von Zertifikaten und digitalen Signaturen soll nicht auf
Staatsgrenzen eingeschränkt sein. Im Rahmen der Europäischen Union wurde da-
her im Lauf der 1990er Jahre an einheitlichen Rechtsnormen gearbeitet. Ergebnis
dieser Bemühungen ist die „Richtlinie 1999/93/EG des Europäischen Parlaments
und des Rates über gemeinschaftliche Rahmenbedingungen für elektronische Sig-
naturen“ (Signaturrichtlinie), die am 19.01.2000 im Amtsblatt der Europäischen
Gemeinschaften veröffentlicht wurde.
Schon 1999 erfolgte die nationale Umsetzung der Signaturrichtlinie im öster-
reichischen Signaturgesetz (Bundesgesetzblatt I 190/1999; SigG), das durch die
österreichische Signaturverordnung (Bundesgesetzblatt II 30/2000; SigV) am 3.
Februar 2000 in Kraft treten konnte. Diese legislative Initiativen haben sicherge-
stellt, dass das österreichische Signaturrecht vollständig der Signaturrichtlinie ent-
spricht. Ein wesentlicher Grund dafür, dass das In-Kraft-Treten des EU-Rechts
und die ihm voll entsprechende Umsetzung in Österreich quasi gleichzeitig mög-
lich war, liegt sicherlich auch an der intensiven Mitarbeit österreichischer Exper-
ten auf EU-Ebene.
Auch Deutschland hatte wesentlichen Einfluss auf die Signaturrichtlinie, da es
als erstes europäisches Land die Materie der digitalen Signatur bereits im Jahr
1997 gesetzlich regelte. Obwohl es im Laufe der Erörterung des Richtlinienvor-
schlages zu inhaltlichen Annährungen an die deutsche Regelung kam, wurde auf-
grund der Richtlinie eine Anpassung des deutschen Rechts notwendig. Diese er-
folgte im Rahmen des, am 22. Mai 2001 in Kraft getretenen, deutschen
Signaturgesetzes (Bund.de 2003).
Die somit erst vor wenigen Jahren geschaffenen Rechtsnormen sind die Basis
für die Anwendbarkeit digitaler Signaturen. Das Neue daran war nicht die zu
Grunde liegende mathematische/technische Methode. Die asymmetrische Krypto-
grafie, also die Verwendung eines Schlüsselpaares, bestehend aus einem privaten
und einem zugehörigen öffentlichen Schlüssel zur Ver- und Entschlüsselung von
Daten, ist bereits seit langem bekannt. Neu war hingegen die Festlegung klarer
und strenger Rahmenbedingungen zur allgemein verbindlichen Anwendungsmög-
lichkeit von digitalen Signaturen. Die in der Folge angeführten Verweise auf das
Signaturgesetz beziehen sich auf dessen österreichische Ausprägung.

1.3 Gesetzliche Definitionen und die Bezeichnung in der Praxis

Vorab ist es wichtig festzuhalten, dass der Begriff „(sichere) elektronische Signa-
tur“ die Intention des Gesetzgebers ausdrückt, neutral gegenüber konkreten For-
men technischer Umsetzung sein zu wollen. Die „(sichere) digitale Signatur“ ist
eine solche Umsetzungsform und kann als eine Teilmenge der (sicheren) elektro-
Digitale Signatur – gelebte Praxis gerade auch im Finanzdienstleistungsbereich 157

nischen Signatur angesehen werden. In der Praxis ist jedoch heute üblich, die Be-
griffe synonym zu verwenden.
Im Paragraf 2 leistet das Signaturgesetz die zum Zurechtfinden in der Welt der
digitalen Signatur unabdinglichen Begriffsbestimmungen. Paragraf 3 besagt, dass
jeder elektronischen Signatur Beweiskraft zukommt. Allerdings erfüllt nach § 4
SigG nur die sichere elektronische Signatur das rechtliche Erfordernis einer ei-
genhändigen Unterschrift, insbesondere der Schriftlichkeit im Sinne des Paragraf
886 des Allgemeinen Bürgerlichen Gesetzbuches. Dies ist insbesondere deshalb
relevant, da nur wenige Bereiche von der prinzipiellen Anwendbarkeit dieser „ei-
genhändigen Unterschrift in elektronischer Form“ ausgenommen sind. Diese An-
wendungsbereiche werden im Signaturgesetz klar definiert.
Bei einer digitalen Signatur, die keine sichere digitale Signatur im Sinne des
SigG ist, handelt es sich demnach keinesfalls von vornherein um eine (technisch
und/oder organisatorisch) unsichere digitale Signatur. Solche Signaturen leisten
vor allem eben nicht die Erfordernis der Schriftlichkeit im Sinne des ABGB,
könnten aber durchaus mit der alltäglichen Zeichnung von Dokumenten mittels
Namenszeichen verglichen werden. Je nach technischer Ausprägung können Da-
ten auch sehr verlässlich vor unentdeckter Änderung geschützt werden. In der
Praxis etabliert sich hierfür zunehmend der Begriff der einfachen digitalen Signa-
turen.
Bemerkenswert ist, dass bei der sicheren digitalen Signatur im Sinne des SigG
der Signator (dieser erstellt eine Signatur mit Mitteln, die er unter alleiniger Kon-
trolle halten kann) jedenfalls eine natürliche Person ist. Ob die Person in privater
oder beruflicher Eigenschaft signiert, ergibt sich aus dem Kontext des Anwen-
dungsfalls. Eine Logik, die mit der Anwendung der herkömmlichen persönlichen
Unterschrift, ident ist. Eine weitere Fassung des Begriffs des Signators hat jeden-
falls dort auch einen praktischen „umgangssprachlichen“ Sinn, wo unter Nutzung
von Zertifikaten, die auf juristische Personen wie Firmen oder Behörden ausge-
stellt wurden, beispielsweise serverseitige Massensignaturen erstellt werden.
158 Eugen Pernkopf

1.4 Funktionsweise der digitalen Signatur

Die Erzeugung einer digitalen Signatur ist ein hoch komplizierter mathematischer
Vorgang, der im Regelfall für den Anwender nicht sichtbar wird. Folgende Dar-
stellung illustriert die Prozedere des „Signierens“ und des „Prüfens“ der Unter-
schrift in vereinfachter Form am Versenden einer signierten Nachricht.

1. A verfasst eine Nachricht.

2. Aus dem Inhalt der Nachricht


wird der Hashwert errechnet.

3. Mit Hilfe des privaten privater


Signaturschlüssels, der sich Schlüssel
auf der Karte von A
befindet, wird der Hashwert
verschlüsselt, das ergibt die
digitale Signatur.

4. A schickt die signierte Nachricht


und den eigenen öffentlichen
Signaturschlüssel an B.

öffentlicher
Schlüssel

Abb. 1. Vereinfachte Darstellung des digitalen Signierens eines E-Mails (A-Trust 2005)
Digitale Signatur – gelebte Praxis gerade auch im Finanzdienstleistungsbereich 159

2.
Der Hashwert
der empfan-
1. B erhält die signierte Nachricht. genen Nachricht
wird erneut
gebildet.

3. Mit Hilfe des mitgesendeten


öffentlichen Signaturschlüssels
von A kann die Signatur
entschlüsselt werden, der
ursprüngliche Hashwert, vor dem
Versenden, wird nun bekannt.

4.
Die zwei Hashwerte werden nun
miteinander verglichen.

5.
Sind sie identisch, so hat B
nun die Garantie, dass die
Nachricht von A stammt und
unterwegs nicht verändert
wurde.

Abb. 2. Vereinfachte Darstellung des Prüfens einer signierten Nachricht (A-Trust 2005)
160 Eugen Pernkopf

Die Methode der digitalen Signatur ist die asymmetrische Kryptografie, die im
Prinzip immer einen geheimen (privaten) und einen genau zu diesem passenden
öffentlichen mathematischen Schlüssel, also ein Schlüsselpaar, nutzt.

1.4.1 Einfaches Prinzip für die Praxis nutzbar gemacht


Der private Schlüssel bleibt zum Zweck der Erstellung einer digitalen Signatur
tunlichst immer in der Obhut und Verfügung eines Signators, wohingegen der
buchstäblich öffentliche Schlüssel aller Welt zum Zwecke der Prüfung (Verifika-
tion) einer digitalen Signatur nicht nur verfügbar sein kann sondern sogar sein
muss. Dieses Prinzip der asymmetrischen Kryptografie dreht sich bei der Anwen-
dung zum Zwecke der Geheimhaltung einfach um: Verschlüsselt – also unlesbar
gemacht – wird ein Dokument mit einem öffentlichen Schlüssel. Entschlüsselt –
also lesbar gemacht – wird mit dem dazu gehörigen privaten Schlüssel, der wieder
tunlichst nur in der Obhut und Verfügung des Empfängers der vertraulichen In-
formation sein sollte. Das Verbleiben des privaten Schlüssels beim Signator schal-
tet Risiken und Aufwand beim Übermitteln des Schlüssels vom Sender zum Emp-
fänger aus, wie es bei symmetrischen kryptografischen Verfahren nötig ist. Bei
solchen Verfahren wird ein und derselbe Schlüssel zum Ver- und Entschlüsseln
verwendet.
Es geht bei der Überführung der Methode in die allgemeine, rechtsverbindliche
Anwendbarkeit als digitale Signatur um technische, aber auch organisatorische
Fragen von Schlüssel(paar)-Generierung und -Management, Nachvollziehbarkeit
und Verlässlichkeit der Zuordnung von Schlüsseln zu (natürlichen oder juristi-
schen) Personen, um Fragen der Prüfbarkeit und um die Absicherung dieser As-
pekte mit geregelter Haftung der verantwortlichen Stellen.
Die anerkannt höchste Verlässlichkeit der Geheimhaltung geheimer Schlüssel,
die beste Möglichkeit, auf ihn aufzupassen, ist seine Errechnung und Verwahrung
in einem von unabhängigen Prüfstellen zertifizierten und bescheinigten Token.
Ein Token ist ein intelligenter Chip, wie jener auf dem in Österreich äußerst weit
verbreiteten Tägermedium Maestrokarte, oder ein – im Falle von mittels Signatur-
server erstellten Massensignaturen – sicheres Hardwaremodul. Der Token wird
vor unbefugter „In-Gang-Setzung“ zusätzlich durch einen geheimhaltbaren Zu-
gangs-Code gesichert (PIN; Personal Identification Number). Ein damit möglicher
Schutz durch Besitz und Wissen kann als State of the Art betrachtet werden.
Die allgemein nachvollziehbare Verlässlichkeit der Zuordnung von Schlüsseln
zur Person eines Signators ist die Zuordnung per öffentlich prüfbarem digitalen
Zertifikat. Auf anerkannt höchster Stufe mit dem nach den strengen Regeln des
Signaturrechts registrierten, erstellten und verwalteten qualifizierten Zertifikat.
Die Vertrauenswürdigkeit dieser Public Key Infrastructure (PKI) als Mittel im
Geschäftsleben wird durch das Signaturgesetz begründet.

1.4.2 Hashwert
Die digitale Signatur hat jedoch nicht die Aufgabe, Daten unlesbar zu machen.
Nun besitzt der Signator aber einen privaten Schlüssel, den er (mit seiner PIN) in
Digitale Signatur – gelebte Praxis gerade auch im Finanzdienstleistungsbereich 161

Gang setzt, um etwas zu verschlüsseln. Der private Schlüssel des Signators wird
beim Signieren aber nicht direkt auf die zu signierenden Daten angewendet.
Mit mathematischen Algorithmen kann aus einer bestimmten Datenmenge eine
„Prüfsumme“, ihre „Substanz“ generiert werden, die so genannten Hash-
Algorithmen. Der Hashwert ist also die komprimierte Version einer Datei. Man
kann sich den Hashwert als den Fingerabdruck einer Datei vorstellen. Ein Mensch
ist durch seinen Fingerabdruck exakt identifizierbar, eine Datei durch ihren Hash-
wert. Im Falle der sicheren digitalen Signatur darf übrigens nur ein für diesen
Zweck als geeignet bescheinigter, Hash-Algorithmus angewendet werden.
Je nach verwendetem Algorithmus kommt immer ein Hashwert mit einer ganz
bestimmten Länge zu Stande, egal wie groß die „gehashte“ Datenmenge ist. Für
sichere digitale Signaturen geeignete Hash-Algorithmen stellen auch sicher, dass
die wiederholte Anwendung auf dieselbe – d.h. unveränderte – Datei immer den-
selben Hashwert ergibt! Der Hashwert leistet also einen essentiellen Beitrag zur
Prüfung der Unverändertheit der signierten Daten (Daten-Integrität).
Eine äußerst kurz formulierte Definition der digitalen Signatur könnte also lau-
ten: Sie ist der mit dem privaten Schlüssel eines Signators verschlüsselte Hashwert
von Daten.

1.4.3 Anwender der digitalen Signatur


Als Anwender der digitalen Signatur darf keinesfalls nur der Signator betrachtet
werden: Digitale Signaturen werden in unterschiedlichsten Verwertungszusam-
menhängen erstellt, beinahe immer kann davon ausgegangen werden, dass die di-
gitale Signatur einen Adressaten hat.

1.4.4 Signaturprüfung
Der Empfänger hat lebhaftes Interesse daran festzustellen, ob die digitale Signatur
die Rechtswirksamkeit der signierten Erklärung des Signators in dem Maße ge-
währleistet, wie er sich das versprechen darf. Zu diesem Zweck führt er (bzw. sei-
ne Software) eine Signaturprüfung durch, die prinzipiell folgende Aspekte berück-
sichtigt:
x Wurden die signierten Daten im Nachhinein verändert? Aufschluss gibt die
neuerliche Errechnung des Hashwerts der Datei und dessen Vergleich mit dem
vom Signator verschlüsselten Hashwert, der mit dem öffentlichen Schlüssel aus
dem Zertifikat des Signators entschlüsselt wird. Der verwendete Hash-
Algorithmus ist ebenfalls im Zertifikat eingetragen.
x Ist das Zertifikat abgelaufen? Die Gültigkeitsdauer ist in das Zertifikat einge-
tragen.
x Ist das Zertifikat widerrufen oder gesperrt? Der Ort (URL), wo die entspre-
chende Widerrufs- und Sperrliste abrufbar ist, ist in das Zertifikat eingetragen.
Das Zertifikat des Signators ist für die Signaturprüfung demnach von grundlegen-
der Wichtigkeit. Ohne das Zertifikat ist die Signaturprüfung nicht möglich, und
damit laut SigG die betreffende digitale Signatur hinfällig.
162 Eugen Pernkopf

2 Weitere Voraussetzungen der Anwendbarkeit

2.1 Weitere rechtliche Rahmenbedingungen

Ein Blick in das Rechtsinformationssystem des österreichischen Bundeskanzler-


amts zeigt eine Vielzahl von Gesetzestexten, welche auf das Signaturgesetz refe-
renzieren, welche also bereits den Einsatz von digitalen Signaturen in den durch
sie geregelten Bereichen vorsehen.
Als prominenteste Beispiele sind wohl das Bankwesengesetz, welches den Ein-
satz von sicheren digitalen Signaturen bei Durchführung von Transaktionen durch
den Bankkunden vorschreibt, aber auch die Verordnung des Bundesministers für
Finanzen über die Anwendbarkeit von digitalen Signaturen in der vorsteuerab-
zugsfähigen Rechnungslegung zu nennen. Daneben ist die digitale Signatur bei-
spielsweise bereits auch in den Lehrplan für Handelsakademien und Handelsschu-
len eingeflossen.
Zum Zeitpunkt der Formulierung dieses Textes zeichnet sich die Finalisierung
eines noch offenen wichtigen Lückenschlusses ab: Die Durchführungsverordnung
für die Signaturprüfung im Behördenbereich.

2.2 Signaturprodukte

Laut § 2 SigG ist ein Signaturprodukt Hard- oder Software bzw. deren spezifische
Komponenten, die für die Erstellung und Überprüfung elektronischer Signaturen
oder von einem Zertifizierungsdiensteanbieter für die Bereitstellung von Signatur-
oder Zertifizierungsdiensten verwendet werden.
Vor allem im Softwarebereich besteht schon heute Auswahlmöglichkeit zwi-
schen Produkten österreichischer Provenienz, welche die Umsetzung von Lösun-
gen in einer Reihe von Services: von Individualkommunikation unter Privatusern,
über Formularlösungen mit (sicherer wie einfacher) digitaler Signatur, die server-
seitige automatisierte Signaturprüfung unterstützen, bis hin zu serverseitiger Er-
stellung von Massensignaturen (beispielsweise in der elektronischen Rechnungs-
legung), aber auch Log-In Lösungen erlaubt haben.
Mitte 2005 kann der akkreditierte Zertifizierungsdiensteanbieter A-Trust öster-
reichweit Zugang zu seinem qualifizierten Zertifikat und Bürgerkartenfunktionali-
tät a.sign premium mit über 250 öffentlichen Registrierungsstellen bieten. In der
A-Trust-Empfehlungsliste scheinen sieben Modelle von Smartcard-Readern, die
für die Erstellung von sicheren digitalen Signaturen geeignet sind, auf. Einige die-
ser Modelle sind übrigens gleichzeitig zur Nutzung der elektronischen Geldbörse
Quick geeignet. Diese Quick Funktion ist auf allen österreichischen Maestro-
Karten, die seit Ende Jänner 2005 auch Trägermedium für qualifizierte Zertifikate
zur Erstellung sicherer digitaler Signaturen sind, angebracht1. Diese weite Verbrei-

1 Für eine detaillierte Beschreibung der elektronischen Geldbörse Quick siehe das Praxis-
beispiel „Quick – eine Erfolgsstory“ (Judt u. Komatz 2005) in diesem Buch.
Digitale Signatur – gelebte Praxis gerade auch im Finanzdienstleistungsbereich 163

tung bietet den Dienstleistern großes Potenzial für die Entwicklung von Angebo-
ten, welche die digitale Signatur nutzen.
Die A-Trust selbst bietet in Österreich die breiteste Palette von weiteren Perso-
nen- aber auch Serverzertifikaten (SSL- und Signaturserver-Zertifikate) an.

2.3 Institutionalisierte Gesamtsicherheit der digitalen Signatur

Beurteilt man die Gesamtsicherheit der sicheren digitalen Signatur, kommt die
zentrale Rolle sicherlich dem Zertifizierungsdiensteanbieter, dem Trust Center, zu.
Dieser hat unter der laufenden Kontrolle der im Signaturgesetz bestimmten Auf-
sichtsstelle (in Österreich die Telekom Control Kommission) seinen Betrieb so zu
führen, dass die Gesamtsicherheit jeder sicheren digitalen Signatur, die mit von
ihm zur Verfügung gestellten und/oder von ihm zur Verwendung empfohlenen
Mitteln (Signaturprodukte) erstellt wird, gewährleistet ist. Dazu gehört auch,
Sperr- und Widerrufslisten in seinem Verzeichnisdienst zu pflegen und verfügbar
zu halten, die dem Empfänger einer Signatur die Signaturprüfung ermöglichen.

2.3.1 Haftung des Trust Centers


Die Haftung des Trust Centers geht bis in die einzelne Transaktion, die auf einer
mit von ihm gelieferten und empfohlenen Signaturprodukten erstellten sicheren
digitalen Signatur zu Stande kommt.

2.3.2 Technologiebeobachtung
Im Auftrag der Aufsichtsstelle ist in Österreich das im Signaturrecht verankerte
Zentrum für sichere Informationstechnologie-Austria (A-SIT) mit der Aufgabe be-
traut, die Eignung von Signaturprodukten für sichere digitale Signaturen zu be-
werten. A-SIT betreibt auch generelle Technologiebeobachtung, um die in der
Signaturverordnung definierten Anforderungen an die technologische Sicherheit
up-to-date zu halten.

2.3.3 Erfüllbare Eigenverantwortung


Das Signaturgesetz definiert den Beitrag des Signators zur Gesamtsicherheit sei-
ner sicheren digitalen Signatur im § 21 wie hier kurz zusammen gefasst: Er hat die
Chance zur Sicherung seines privaten Schlüssels vor unbefugtem Gebrauch durch
Besitz (Karte) und Wissen (PIN) ernst zu nehmen und darf beides nicht anderen
überlassen. Daneben muss er die Widerrufsmöglichkeit des Zertifikats beim Trust
Center in Anspruch nehmen, wenn er nicht mehr in der Kontrolle über seinen pri-
vaten Schlüssel ist.
164 Eugen Pernkopf

2.3.4 Registrierung
Die Registrierung ist last but not least ebenfalls ein entscheidendes Qualitäts-
merkmal eines Zertifikats und daher Kriterium der Gesamtsicherheit von auf sei-
ner Basis erstellen digitalen Signaturen: Bei der Registrierung entscheidet sich,
mit welcher Qualität die wirkliche Identität des Signators hinter dem Zertifikat
beim Trust Center hinterlegt ist.

3 Einwände gegen die Nutzung der digitalen Signatur

3.1 Gläserner Mensch

Mitunter werden Befürchtungen geäußert, der Besitz eines öffentlichen Zertifikats


würde dazu führen, dass alle Welt Zugang zu den Daten einer Person erhielte.
Was also sind persönliche Daten zu einer Person, die wirklich in ein Zertifikat ein-
fließen?
Das Signaturgesetz erlaubt Ausstellern von Zertifikaten, eine Strategie des
schlanken Zertifikatsinhalts zu verfolgen. Vor allem zwei Aspekte sprechen für
eine solche: Zum einen laufen Zertifikate mit mehr Inhalt leichter Gefahr, auf
Grund einer Änderung des Inhalts widerrufen werden zu müssen. Zum anderen
stellt sich bei mehr Inhalten im Zertifikat schnell die Frage nach dem Aufwand zur
Bestätigung und Aktualisierung der Richtigkeit eines bestimmten Inhalts.
Das Signaturgesetz sieht im Übrigen sogar vor, dass auf Wunsch des Signators
anstatt seines Vor- und Zunamens ein Pseudonym, das als solches gekennzeichnet
ist im Zertifikat aufscheint.
Je nach weiter oben bereits abgehandelter Qualität der Registrierung besagt ein
Zertifikat im Grunde daher nicht mehr, aber auch nicht weniger über eine Person
als: Die wirkliche Identität der Person wurde bei Zertifikatsausstellung verlässlich
überprüft und ist bei einem haftenden Trust Center in Form der Ablichtung des bei
Zertifikatsausstellung vorgelegten amtlichen Lichtbildausweises hinterlegt. Im
Streitfall – also wenn es einen Geschädigten in einem Rechtsgeschäft gibt – kann
ein ordentliches Gericht die Aufdeckung dieser wirklichen Identität veranlassen.
Die Verlässlichkeit einer digitalen Signatur ergibt sich nicht aus den Daten über
eine Person im Zertifikatsinhalt, sondern aus der Haftung des Trust Centers und
der Rechtsverbindlichkeit der Erklärung, die ein Signator in Form eines digital
signierten Dokuments abgibt (z.B. Ich heiße Max Mustermann, bin Prokurist der
Firma Beispiel GmbH, diese ist Ihr Kunde Nummer 123, hiermit bestelle ich
1.000 Einheiten der Ware X). Zur allfälligen Überprüfung der einzelnen Inhalte
der Erklärung stehen nach wie vor Sets von lange bekannten Mitteln, wie das Fir-
menbuch, zur Verfügung.
Digitale Signatur – gelebte Praxis gerade auch im Finanzdienstleistungsbereich 165

3.2 Komplexität

Die Anschaffung der prinzipiell nötigen Hard- und Software ist ein weitgehend
einmaliger Aufwand. Natürlich wird dieser Aufwand als umso größer empfunden,
wenn der User noch relativ selten die Gelegenheit hat, seine eben angeschaffte
Infrastruktur in Applikationen zu nutzen. Hinzu kommt die „Pflege“ der Beschaf-
fenheit des Systems (PC, Virenschutz, Software-Upgrades, etc.), was jedoch eine
jedem PC-User bekannte generelle Notwendigkeit darstellt. Auch Nutzerfreund-
lichkeit ist kein Spezifikum der digitalen Signatur, sondern in allen Bereichen der
Informations- und Kommunikationstechnologie relevant.
Die Erfahrungen mit den ersten Anwendungen der digitalen Signatur beginnen
zu zeigen, dass das gemeinsame Interesse von Trust Center, Anbietern sonstiger
Signaturprodukte und gerade Anwendungs-Betreibern am kommerziellen Erfolg
der digitalen Signatur weitere und breitere Anstrengungen bei der Ansprache der
Nutzer erfordert. Oft sind die Einsatzmöglichkeiten der digitalen Signatur sogar
intern wenig bekannt, auch nicht, dass eine Anwendung dafür unter dem eigenen
Dach vorhanden ist, geschweige denn, wie man sein Zertifikat zur Nutzung dieser
Anwendung anmeldet.

4 Anwendungsbeispiele

Aus der Sicht der Funktionalitäten des konkreten Produkts a.sign premium lässt
sich das Potenzial von Zertifikaten so zusammenfassen:
x Sichere digitale Signaturen erstellen.
x Einfache digitale Signaturen erstellen.
x Login-Authentifizierungen abwickeln.
x Vertrauliche Informationen geheim halten.
x Bürgerkartenfunktion durch Infobox-Personenbindung.
x Überall dort, wo ein Dienstleister in E-Banking, E-Commerce und E-
Government von Nutzern Authentifikations- und Autorisierungsleistungen for-
dert.

4.1 Anwendung der digitalen Signatur im E-Banking

Die derzeit gebräuchliche Variante der Authentifikation und Autorisierung im E-


Banking mittels PIN/TAN-System (Persönliche Identifikations Nummern/Trans-
aktionsnummern) ist in den letzten Monaten durch die Zunahme so genannter
„Phishing-Angriffe“ (Versuch Anwendern Zugangsdaten zu entlocken und in wei-
terer Folge mittels der gestohlenen Identität einen Trickbetrug zu probieren) dis-
kutiert worden. Durch Nutzung der digitalen Signatur bei E-Banking wird die Ein-
gabe von TANs obsolet und ein Abfangen dieser demnach nicht mehr möglich. In
Österreich bietet die BAWAG P.S.K. Gruppe ihren rund 250.000 E-Banking-
166 Eugen Pernkopf

Kunden bereits seit Juli 2003 die digitale Signatur als Alternative zum PIN/TAN-
Verfahren an. Die Raiffeisen Zentralbank Österreich ermöglicht Geschäftskunden
seit November 2004 die Nutzung der digitalen Signatur, seit Mitte 2005 wird diese
Möglichkeit auch den rund 700.000 privaten E-Banking Kunden angeboten. Dar-
über hinaus bietet die Oesterreichische Nationalbank im Kommunikationsprozess
mit den Banken die digitale Signatur seit einigen Jahren an, beispielsweise beim
elektronischen Kontozugang „eKONTO“.

4.2 Anwendung der digitalen Signatur bei der elektronischen


Rechnungslegung

Das in diesem Punkt ausgeführte Beispiel bezieht sich auf massenhafte in einer
Serverlandschaft automatisch, also mittels integriertem PKI-(Signaturerstellungs-
und Signaturprüfungs-)Server und dort installiertem Signaturserverzertifikat, er-
stellte Signaturen. Bereits über 80% aller österreichischen Unternehmen sind im
Internet aktiv und jährlich werden in Österreich rund 700 Millionen Papier-
Rechnung versandt, davon 180 Millionen in regelmäßigen Abständen. Stellt man
Papier-Rechnungen auf elektronische Rechnungsdokumente um, schätzt das
Marktforschungsinstitut Ovum das Einsparungspotential auf bis zu 70% ein
(BMWA 2003). In Zahlen ausgedrückt sind das rund 1,5 Milliarden Euro pro Jahr.
Stellt ein Unternehmen im Monat 500 Rechnungen automationsunterstützt aus,
amortisieren sich die Kosten für die Infrastruktur für den Einsatz der Digitalen
Signatur bereits nach einem Jahr. Dank der digitalen Signatur ist zweierlei sicher-
gestellt:
x die Rechnung ist gegen nachträgliche Veränderung geschützt
x für den Rechnungsempfänger ist eindeutig der Absender der Rechnung erkenn-
bar.
Sowohl Rechnungsleger als auch -empfänger sparen sich in weiterer Folge das
Ausdrucken auf Papier und die Bearbeitung, Ablage und Weiterleitung an das Fi-
nanzamt von Hand. Elektronische Rechnungen können ohne Medienbrüche in
Buchhaltungs- und ERP-Systeme übernommen und archiviert werden, aber auch
online an den Steuerberater oder direkt an das Finanzamt weitergeleitet werden.

4.3 Fallbeispiel eines Klein- und Mittelbetriebes

Anhand eines Fallbeispiels kann das Potenzial der digitalen Signatur besser erfasst
werden: Ein Baumeister mit 15 Mitarbeitern, nebenbei gerichtlich vereidigter
Sachverständiger, beschließt nach Erwerb von a.sign premium und einem Karten-
leser die digitale Signatur vermehrt zu nutzen. Bei der Installation der notwendi-
gen Clientsoftware, welche im Serviceumfang beinhaltet ist, genügte ein Blick in
die Bedienungsanleitung. In folgenden Bereichen setzt er nun die digitale Signatur
ein:
Digitale Signatur – gelebte Praxis gerade auch im Finanzdienstleistungsbereich 167

x Signierte E-Mails an Geschäftspartner ersetzen zunehmend Fax-Nachrichten.


x Einfache Signaturen in Word und Excel ermöglichen, Veränderungen Dritter an
den Dokumenten sofort festzustellen.
x Als regelmäßiger Bieter bei Bauausschreibungen der ÖBB spart er durch den
Einsatz der digitalen Signatur merkbar Kosten. Je nach Entwicklungsstand des
Beschaffungsprozesses können bis zu 40 % an Prozesskosten eingespart wer-
den. Unternehmungen, die häufig Ausschreibungen tätigen, beziffern diese Ein-
sparungen mit 150 Euro bis 250 Euro pro Angebotsleger. Diese Summe resul-
tiert aus Reduktionen in den Bereichen Personalkosten, interne Genehmigungs-
und Prozessdurchlaufzeiten, Betriebsaufwand und Portokosten. Auf Bieterseite
entfallen die Kosten für das Beziehen der Ausschreibungsunterlagen, die in Pa-
pierform bis zu 200 Euro pro Ausschreibung betragen. Damit amortisieren sich
die einmaligen Infrastrukturkosten für die Anschaffung der digitalen Signatur
bereits nach der ersten Teilnahme an einer elektronischen Ausschreibung.
x Die beizulegenden Strafregisterauszüge bezieht er mit Signatur online und spart
neben Kosten auch Wegzeit. Unter der Annahme eines gängigen Geschäftsfüh-
rerstundensatzes, der einmaligen Anschaffungskosten für die Digitale Signatur,
also für Zertifikat, Signaturkarte, Kartenlesegerät etc., bezahlt er für den erst-
maligen Einsatz rund 40 Euro. Auf traditionellem Weg, das heißt auf das Amt
gehen und Wartezeiten in Kauf nehmen, kostet der Bescheid samt Gebühren
und Portokosten etwa 190 Euro. Interessant wird der Vergleich beim zweiten
Mal. Jetzt bezahlt man bei elektronischer Abwicklung für den Strafregisteraus-
zug nur noch 15 Euro an die Behörde. Unter Berücksichtigung der gleich blei-
benden Kosten des Weges in die Amtsstube von 190 Euro eine deutliche Er-
sparnis bei elektronischer Abwicklung.
x Einer Reihe von Geschäftspartnern schickt er mittlerweile die Rechnungen di-
gital signiert und spart bei jeder Rechnung Portokosten und Papier (für seine
Assistentin ist die Signaturkarte bereits bestellt). Bei seinem Rechnungsauf-
kommen braucht er keine PKI-Serverlösung.
x Sozialversicherungsangelegenheiten werden mit der Signatur abgewickelt.
x Er nutzt regelmäßig die Applikation des Bundesministeriums für Justiz als
Sachverständiger des Bauwesens.
x Privat wie geschäftlich nutzt er regelmäßig seine E-Banking-Applikation mit
Signatur.

5 Fazit

x Das Neue an der digitalen Signatur ist, dass sie durch ihre mittlerweile weit
fortgeschrittenen rechtlichen Grundlagen von am Markt teilnehmenden Zertifi-
zierungsdienste- und Signaturprodukt-Anbietern zu einem massenfähigen
„Produkt-Phänomen“ geworden ist. Diese Rechtsgrundlagen-Entwicklung setz-
te mit dem In-Kraft-Treten der österreichischen Signaturverordnung (SigV) erst
vor wenigen Jahren ein und fand/findet entsprechend rasant statt.
168 Eugen Pernkopf

x Wie alle noch sehr jungen technischen Errungenschaften gibt es zum Thema
digitale Signatur Skepsis, Beiträge zur (öffentlichen) Diskussion stellen mehr
oder weniger versteckt die Frage: „Brauchen wir digitale Signatur wirklich?“.
Dennoch gibt es bereits eine Reihe von Anwendungen. Wobei insbesondere die
E-Banking Anwendungen breitenwirksam sind und höhere Nutzungsfrequenz
erzielen werden, als heute schon vorhandene E-Government Anwendungen.
x Nichtsdestotrotz findet im heutigen Stadium die Verbreitung der digitalen Sig-
natur (sowohl der Zertifikate als auch der Anwendungen) in erster Linie im be-
ruflichen Umfeld statt. Da jeder berufliche Anwender sein Zertifikat gleichzei-
tig auch als Privatperson anwenden kann, entstehen damit in steigendem Maße
auch signaturfähige Konsumentengruppen.
x Heute ist feststellbar, dass die digitale Signatur bereits über diese Grundsatzfra-
ge hinaus gekommen ist und gelebt wird. Dort, wo man Sicherheitsgewinn er-
kennt und sich entschieden hat, kostenintensive Medienbrüche in den
Workflows durch Investition in Public Key Infrastructure und Zertifikatsan-
wendung ab zu schaffen.

Literatur

A-Trust (2005): Die digitale Signatur.


http://www.a-trust.at/info.asp?node=532&lang=GE&ch=14&mch=1,
Abruf 31.7.2005
Bund.de (2003): Europäische Signaturpolitik und nationales E-Government.
http://www.bund.de/nn_188678/DE/VuI/WIN/2003/08-August/INFO-1767-
Signaturpolitik-sb.html, Abruf 31.7.2005
BMWA (2003): Akzeptanz elektronischer Signaturen – Handlungsempfehlungen zur Stei-
gerung der tatsächlichen Nutzung. Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit,
Wien. http://images.derstandard.at/20040329/EndberichtES.pdf, Abruf 31.7.2005
INNOVATIVE
EINZELSYSTEME
mPAY24 Multi Payment Plattform
für E- und M-Commerce

Erich Gassner

mPAY24 GmbH, Wien

1 Entwicklung des Unternehmens

Die 1995 gegründete Einzelfirma Tom Wolf – BMC Business & Marketing Con-
sulting steht am Beginn der Entwicklungsgeschichte des heutigen, generisch ge-
wachsenen Unternehmens mPAY24 GmbH. Bereits im Jahre 1997 erfolgte eine
Neuausrichtung auf Transaktionssysteme für mobile Daten- und Internetdienste im
Unified Messaging Bereich – weg vom ursprünglichen Betätigungsfeld, der Ent-
wicklung von Web-Auftritten.
In Folge wurden zahlreiche transaktionsstarke, hochverfügbare Kommunikati-
ons- und Bestellservices geschaffen. Die Eigenentwicklungen des Unternehmens
wurden vorwiegend im ASP-Modell für Mobilfunkunternehmen betrieben und
stellten die medienkonvergente Verbindung zwischen Netzbetreiber, Dienst-
leistungsanbietern und Endkunden her. Die Entscheidung, sich voll auf diesen
1997 noch in den Kinderschuhen steckenden Bereich zu konzentrieren, bescherte
dem Unternehmen rasant wachsende Transaktionszahlen – vor allem im Bereich
SMS – und bestätigte den unternehmerischen Weitblick. Die über die Jahre entwi-
ckelte Messaging@Net Plattform, mit der Medientypen wie SMS, WAP, Sprache
und Internet auf unterschiedlichen Endgeräten bedient wurden, stand dabei im
Mittelpunkt.
Im Jahr 2000 folgte die Gründung der WiNAG.com – Wireless Intelligent Net-
work Services AG, in die das Einzelunternehmen eingebracht wurde. Bereits
2001, in der Vorbereitungs- und Entwicklungsphase von mPAY24, wurde die
Wichtigkeit einer prägnanten Marke erkannt und mit aller Konsequenz umgesetzt.
mPAY24 ist sowohl als österreichische Marke als auch europäische Gemein-
schaftsmarke eingetragen und bildet einen der Eckpfeiler der Unternehmenskom-
munikation.
Im Herbst 2002 ging die mPAY24 Multi Payment Plattform für E- und M-
Commerce in Produktivbetrieb und die ersten Kunden wurden angebunden. Aus-
gehend von Kreditkarten erfolgten ab diesem Zeitpunkt laufend Zahlungssystem-
erweiterungen und der Unternehmensfokus bewegte sich in Richtung Payment
Service Provider. Zum Jahreswechsel 2003/2004 wurden die Mobile Messaging
Systeme zu den Auftraggebern verlagert. Im August 2004 erfolgte die formwech-
172 Erich Gassner

selnde Umwandlung der WiNAG.com - Wireless Intelligent Network Services AG


in die mPAY24 GmbH.

2 Zahlungssysteme der mPAY24 Plattform

Als Payment Service Provider ist mPAY24 mit professionellen IT-Dienstleistun-


gen im elektronischen Zahlungsverkehr des E- und M-Commerce positioniert.
mPAY24 optimiert den Zugang zu mehr als 15 Zahlungssystemen und Bezahlver-
fahren im Hinblick auf Sicherheit, Verfügbarkeit und Wirtschaftlichkeit. Um Zah-
lungen entgegennehmen zu können, benötigen Shopbetreiber Akzeptanzverträge
mit den jeweiligen Zahlungssystembetreibern (z.B. Banken, Kreditkartenunter-
nehmen). Bei der administrativen Abwicklung leistet mPAY24 Unterstützung.

Abb. 1. mPAY24 Plattform - Überblick

2.1 Kredit- und Debitkarten

mPAY24 verfügt über direkte Anbindungen an die Payment-Systeme der Karten-


institute. Bei jeder Zahlung mittels Karte erfolgt eine sofortige Genehmigungsan-
frage bezüglich Gültigkeit der Karte und Autorisierung der Betragshöhe. Sowohl
der Kunde als auch der Händler erhalten die Rückmeldung, ob die Transaktion po-
sitiv oder negativ verlaufen ist. Dieser Vorgang dauert nur wenige Sekunden.
mPAY24 Multi Payment Plattform für E- und M-Commerce 173

2.1.1 Erhöhte Sicherheit mit dem „Three Domain Model“


x MasterCard SecureCode
x Verified by Visa
x Maestro SecureCode (voraussichtlich ab Herbst 2005)
Diese Verfahren stützen sich neben den üblichen Kartenparametern, auf ein vom
Karteninhaber beim Kauf einzugebendes Passwort. Der Ablauf einer Transaktion
wird auf drei Domänen verteilt:
Issuer-Domain. In der Issuer Domain wird die sichere Identifizierung des Karten-
inhabers durch den Kartenherausgeber durchgeführt.
Interoperability Domain. Hier erfolgt die sichere Kommunikation zwischen Is-
suer (Kartenherausgeber) und Acquirer (Händlerbank) sowie Händler und Karten-
inhaber.
Acquirer Domain. In der Acquirer Domain wird die sichere Abwicklung auf der
Händlerseite zwischen Acquirer und Händler durchgeführt.

2.1.2 Standardverfahren
x American Express
x Diners Club
x JCB
x MasterCard
x VISA
x Switch / Solo (Großbritannien)
x Carte Bancaire (Frankreich)

2.2 eps Online-Überweisung

eps (e-payment standard)1 bildet die Schnittstelle zu den Internet-Banking Syste-


men der österreichischen Banken. Es setzt auf dem jeweiligen Internet-Banking
der teilnehmenden Banken auf und eröffnet dem Händler mehr als 2 Millionen po-
tentielle österreichische Bankkunden bei gleichzeitig hoher Zahlungsgeschwindig-
keit und günstigen Transaktionskosten. Durch das endverbraucherseitig bereits
eingelernte PIN-/TAN-Verfahren ergibt sich hohes Vertrauen in die Methode, ge-
paart mit Sicherheit und Komfort für beide Seiten – Käufer und Händler. Per Au-
gust 2005 unterstützten folgende Banken die eps:
x Bank Austria Creditanstalt
x BAWAG P.S.K. Gruppe
x Erste Bank und Sparkassen

1 Eine nähere Beschreibung des eps e-payment standard erfolgt im Beitrag von Geisler
2005 zum Thema Standardisierung im Rahmen dieses Buches.
174 Erich Gassner

x Hypo Bankengruppe
x Raiffeisen Bankengruppe
x Volksbanken-Gruppe

2.3 Innovative Bezahlverfahren

2.3.1 paybox
paybox ist eine bargeldlose Bezahlmethode, die es jedem Mobiltelefonbesitzer
ermöglicht, mit dem Mobiltelefon Zahlungen durchzuführen. Der paybox Bezahl-
vorgang im Internet funktioniert folgendermaßen: Nachdem der Käufer die Zah-
lungsoption „paybox“ gewählt und seine paybox-Nummer (bzw. mobile Ruf-
Nummer) eingegeben hat, ruft paybox den Käufer an. Mittels Eingabe der vierstel-
ligen paybox PIN gibt der Käufer die Transaktion frei. Der so verbuchte Betrag
wird von paybox per Lastschrift eingezogen und an den Internetshopbetreiber wei-
tergeleitet2.

2.3.2 MIA (M-Commerce Interface Austria)


Die österreichischen Mobilfunkbetreiber ONE, T-Mobile, tele.ring und Hutchison
3G haben eine einheitliche Lösung für die einfache und sichere Abwicklung von
Geschäften mit Händlern entwickelt. Das Resultat – M-Commerce Interface
Austria - ist die standardisierte Schnittstelle zur Payment-Infrastruktur des jewei-
ligen Mobilfunkanbieters. Derzeit ist die auf MIA basierende ONE Service-
Abrechnung verfügbar.
Der Einkauf findet im Internet, über WAP oder SMS statt. Die Verrechnung er-
folgt für den Konsumenten einfach und bequem über die ONE Service-
Abrechnung. Die Abrechnung mit dem Händler erfolgt auf monatlicher Basis,
wobei ONE das Zahlungsausfallsrisiko übernimmt.

2.4 Pre-Paid Verfahren

Die Möglichkeiten anonymen Bezahlens mit paysafecard und @Quick werden


insbesondere bei Erwachsenenangeboten gerne offeriert und genutzt.

2.4.1 paysafecard
paysafecard ist eine einfach und anonym einsetzbare Wertkarte (Prepaid Card) für
den Einkauf im Internet. Sie ist im stationären Handel, zum Beispiel bei Postäm-
tern, bei Niedermeyer, Morawa, Hartlauer, in jeder BAWAG-Filiale sowie in zahl-
reichen Tankstellen und Internetcafes erhältlich. Beim Einkauf werden der freige-

2 Eine detaillierte Beschreibung von paybox erfolgt im Rahmen des Praxisbeispiels „pay-
box austria – eine M-Payment Erfolgsgeschichte“ in diesem Buch.
mPAY24 Multi Payment Plattform für E- und M-Commerce 175

rubbelte 16-stellige PIN-Code und gegebenenfalls ein Passwort eingegeben. Pro


Kauf können bis zu zehn paysafecards kombiniert werden. So können Restgutha-
ben aufgebraucht oder auch größere Beträge bezahlt werden3.

2.4.2 @Quick
@Quick überträgt die Quick Bargeld Funktionalität der Bankkarte auf den Ein-
kauf im Internet. Die elektronische Geldbörse – welche von Judt u. Komatz 2005
im Praxisbeispiel Quick im Detail beschrieben wird – ist so auch für den bargeld-
losen Interneteinkauf verfügbar. Auch die Verrechnung von kleinen Beträgen – so
genannte Micropayments – sind kostengünstig mit einem geringen Disagio mög-
lich. Auf der Endkundenseite wird ein Chipkartenlesegerät benötigt, das künftig
bei vielen Internetanwendungen – z.B. in Zusammenhang mit der elektronischen
Signatur wie sie Pernkopf 2005 in diesem Buch beschreibt – zum Einsatz kommen
wird.

2.5 ELV - Elektronisches Lastschriftverfahren (Deutschland)

Durch die Bekanntgabe von Kontoverbindung und Bankleitzahl durch den End-
kunden wird eine elektronische Lastschrift entsprechend des Einkaufsbetrages
ausgelöst.

3 mPAY24 Varianten

Das Produktportfolio von mPAY24 gliedert sich in die drei Produktfamilien:


mPAY24 Entry, mPAY24 Classic und mPAY24 Enterprise. So wird den Einsatzge-
bieten und Anforderungen von zeitgemäßen E-Payments, sowohl im Online-
Handel mit seiner klassischen Ausprägung als Online Shop für physische Güter,
als auch anderen Einsatzgebieten im und um den E-Commerce, umfassend Rech-
nung getragen.
Dabei sind Parameter wie erwartetes Transaktionsvolumen, Anzahl und Art der
Bezahlmethoden sowie Unternehmensgröße von Bedeutung. Passende Lösungen
für Sektoren bzw. Branchen wie Handel, Dienstleistung, Tourismus, Veranstalter,
Charity werden angeboten. Der Einsatz von mPAY24 ist unabhängig vom ver-
wendeten Betriebssystem und kann mit jedem Computersystem mit Internetanbin-
dung genutzt werden.

3 Für eine genaue Darstellung zur Funktionsweise siehe das Praxisbeispiel paysafecard in
diesem Buch.
176 Erich Gassner

3.1 mPAY24 Entry

mPAY24 Entry deckt die Basisanforderungen des E-Payment ab. Der Einsatz von
mPAY24 Entry ist auch ohne technische Einbindung in die IT-Infrastruktur des
Merchant-Unternehmens möglich. Das bedeutet sofortige Einsatzbereitschaft bei
niedrigen Kosten und einfacher Nutzbarkeit.

3.1.1 mPAY24 Start


mPAY24 stellt dem Merchant-Unternehmen eine sichere Zahlungsseite im Web
zur Verfügung. Diese Zahlungsseite beinhaltet das Logo und die Daten des Unter-
nehmens sowie ein Zahlungsformular, welches die jeweils verfügbaren Bezahlme-
thoden präsentiert. Die vielseitigen Einsatzmöglichkeiten umfassen das Bezahlen
von Mitgliedsbeiträgen, Teilnahmegebühren, Anzahlungen, Shopbestellungen, etc.
Die Variante mPAY24 Tourismus ist speziell auf die Anforderungen der Hotellerie
zugeschnitten.
Der Link zur jeweiligen mPAY24 Zahlungsseite eines Unternehmens kann per
E-Mail an Kunden versendet werden oder einfach als neues Fenster bzw. in einem
Frame in die Website des Unternehmens eingebettet werden. Da kein Daten-
austausch zwischen der Unternehmens-Website und der Zahlungslösung statt-
findet, kann diese Variante ohne Webshop verwendet werden.

Abb. 2. mPAY24 Startseite (www.mPAY24.com)


mPAY24 Multi Payment Plattform für E- und M-Commerce 177

3.1.2 mPAY24 TeleSales


mPAY24 TeleSales ist die Lösung für den telefonischen Fernabsatz und Mailorder
(MOTO/Mail Order Telephone Order). Die für eine Zahlung relevanten Daten
werden vom Händler direkt im sicheren mPAY24 Händlerbereich eingegeben.
Einzige Voraussetzung zum Einsatz von mPAY24 TeleSales ist ein mit Internet-
zugang und Webbrowser ausgestatteter Rechner. Sofern die Lösung in einem Call
Center Betrieb eingesetzt wird, können mehrere Benutzer gleichzeitig mit
mPAY24 TeleSales arbeiten. Die Zahlungsabwicklung dauert nur wenige Sekun-
den und der Zahlungsbetrag kann entweder reserviert (Autorisierung) oder gleich
abgebucht (Clearing) werden.

3.1.3 mPAY24 xChange


Diese Variante ist die effiziente, einfach bedienbare Alternative zur alther-
gebrachten Faxeinreichung. Nach Erstellung einer Liste mit Zahlungs-
informationen im mPAY24 Format, wird diese im Online-Händlerbereich in das
mPAY24 System hochgeladen. Anschließend wird per Mausklick die automati-
sche Bearbeitung gestartet und die Zahlungen werden vollautomatisch bei den
Kreditkartengesellschaften eingereicht. Das Ergebnis jeder Zahlung ist sofort
sichtbar. Eine Ergebnisliste kann anschließend herunter geladen und nach Bedarf
weiterverarbeitet werden. Alle Transaktionsdaten sind im mPAY24 Händlerbe-
reich übersichtlich archiviert und können dort auch bequem weiter bearbeitet wer-
den, z.B. Ausstellen von Stornos oder Gutschriften.

3.2 mPAY24 Classic

Mit nur einer Schnittstelle können Zahlungen aus einem umfassenden Angebot an
Bezahlmethoden abgewickelt werden.

3.2.1 mPAY24 Standard


mPAY24 Standard kann auf zwei Arten an einen Webshop angebunden werden:
als Zahlungs-Fenster bzw. in einem Frame oder mittels vollständiger Integration
der Schnittstelle und unter Verwendung eines eigenen SSL Zertifikats. Beide In-
tegrationsoptionen verfügen über den gleichen Funktionsumfang und ermöglichen
die Bezahlung per Kreditkarte, Banken-Online-Zahlungssysteme (eps), @Quick,
paysafecard, paybox und ONE Mobile Shopping (MIA).
Für das mPAY24Zahlungs-Fenster stehen mehrere Farbvarianten, Schriftarten
und Sprachen zur Verfügung – eine weitere individuelle Anpassung ist auf
Wunsch des Merchant-Unternehmens möglich. Bei der vollständigen Integration
in Online-Shop Systeme werden die für Transaktionen notwendigen Daten an
mPAY24 übermittelt. Die inhaltliche Gestaltung im Sinne des Corporate Design
des Zahlungsbereichs bleibt in diesem Fall dem Merchant-Unternehmen überlas-
178 Erich Gassner

sen. Mit mPAY24 Charity ist eine für Spendenorganisationen und NPO´s optimier-
te Lösung verfügbar.

mPAY24 mPAY24
Entry Classic mPAY24
Enterprise
TeleSales Start xChange Standard

Händlerbereich 9 9 9 9
Telefonverkauf 9 9 9 9

Individuelle Lösungen werden gemeinsam mit dem Merchant-


Fremdsprachen - 9 - 9

Fremdwährungen 9 9 9 9

Händler-eigene
Transaktions-ID
9 9 9 9

PlugIns/Module - - - 9

Unternehmen erarbeitet.
SSL/TLS-
Verschlüsselung 9 9 9 9

Individuelle Farban-
passung - 9 - 9

Transaktionsinfo per
E-Mail 9 9 - 9

Übergabe der Daten


in ERP 9 9 9 9

Zahlungslink
per E-Mail - 9 - -

Verified by Visa und


MasterCard Se- - 9 - 9
cureCode

Browser basierend 9 9 9 -

Schnittstellen-
Anbindung - - - 9

Abb. 3. mPAY24 Produkt-Matrix

3.3 mPAY24 Enterprise

Mit mPAY24 Enterprise, der Lösung für transaktionsstarke Unternehmen, richtet


sich mPAY24 ganz nach den vom Merchant-Unternehmen gestellten Anforderun-
mPAY24 Multi Payment Plattform für E- und M-Commerce 179

gen. Individuelle Lösungen werden gemeinsam erarbeitet – ausgehend von den


Paymentfunktionalitäten bis hin zum am besten geeigneten Abrechnungsmodell.
Mit dem Micropayment Modul mPAY24 Prepaid ist das Merchant-Unter-
nehmen in der Lage, Zahlungen über die an mPAY24 angebundenen Zahlungssys-
teme entgegen zu nehmen und diese auf Pre-Paid Konten des Endkunden gutzu-
schreiben. Diese buchhalterisch als Vorauszahlungen zu betrachtenden Guthaben
können dann als Kleinstbeträge abgerufen werden und so z.B. zur Bezahlung von
Archivrecherchen eingesetzt werden.

4 Technische und organisatorische Aspekte

mPAY24 arbeitet mit hochverfügbaren Unix-Systemen, die im Hosting-Center ei-


nes renommierten, internationalen Anbieters betrieben werden.

4.1 Schnittstelle

Die mPAY24 Schnittstelle arbeitet derzeit mit 128-Bit Verschlüsselung im https


Standard. Module und Beispiel-Templates für die am meisten verbreiteten Tech-
nologien wie ASP, JSP, PHP und Webservices werden von mPAY24 zur Verfü-
gung gestellt. Dadurch wird die einfache und rasche Anbindung von Merchant-
Unternehmen gewährleistet. Auf deren Seite ist keine Softwareinstallation not-
wendig. Investitionen für spezielle Hard- oder Software entfallen.

4.2 Module

mPAY24 ist kompatibel zu den meisten Shopsystemen. Für einige Shop- und
ERP-Produkte werden auch Module bzw. Konnektoren zur Verfügung gestellt.
Dazu zählen u.a. Mesonic, osCommerce und xt:Commerce.

4.3 Sicherheitszertifizierung

Um dem Missbrauch von Kreditkartendaten vorzubeugen, wurden neue Sicher-


heitsstandards und Verhaltensregeln entwickelt. Aufgrund der daraus entstandenen
verbindlichen Richtlinien müssen Händler ihre Infrastruktur und Sicherheitsvor-
kehrungen überprüfen und zertifizieren lassen. Alternativ ist die Abwicklung der
Kartentransaktionen von dzt. MasterCard und Visa an einen zertifizierten Pay-
ment-Service-Provider, wie mPAY24, zu übertragen.
2005 wurde der Zertifizierungsprozess nach dem Payment Card Industry Data
Security Standard (PCI) bei mPAY24 gestartet. Dieser umfasst die Sicherheits-
standards MasterCard Site Data Protection Programm (SDP) und Visa Account
Information Security (AIS). Im Rahmen der Zertifizierung werden die mPAY24
180 Erich Gassner

Systeme vierteljährlich einem Sicherheits-Scan, vergleichbar mit einem Hacker-


Angriff, unterzogen. Dabei liegt besonderes Augenmerk auf der Aktualität der
Systeme im Hinblick auf technische Sicherheitslücken. Weiters sind umfangreiche
Sicherheitsvorkehrungen technischer und organisatorischer Natur umzusetzen und
einzuhalten. Dies wird mittels regelmäßiger Betriebsbegehung (so genannter On-
Site Audits) überprüft und sichergestellt.

5 Gütezeichen und Vertrauen

Unabhängige Zertifizierungen (Gütezeichen) können die Vertrauenswürdigkeit ei-


ner Website entscheidend unterstützen und stärken das Vertrauen in den elektroni-
schen Geschäftsverkehr. Um den Erfolg im E- und M-Commerce nachhaltig zu si-
chern sind demnach der konsequente Aufbau von Vertrauen, die Einhaltung von
Datenschutzanforderungen und die sichere Datenübermittlung von großer Bedeu-
tung. Strenge, über die gesetzlichen Mindeststandards hinausgehende Vergabekri-
terien, deren Einhaltung regelmäßig überprüft wird, unterstreichen das Verantwor-
tungsbewusstsein.

5.1 EURO-Label

Als erster Payment Service Provider wurde mPAY24 mit dem EURO-Label aus-
gezeichnet und ist damit das erste Zahlungssystem mit dieser Auszeichnung in Ös-
terreich und darüber hinaus in Europa. Es signalisiert, dass Privat- und Geschäfts-
kunden auf der Internet-Plattform mPAY24 umfassend und nach der europäischen
E-Commerce-Richtlinie, dem österreichischen E-Commerce-Gesetz über den Be-
treiber sowie die spezifischen Zahlungsdienstleistungen informiert werden.

5.2 Certified Payment Services

Bereits 2002 wurde mPAY24 mit dem Internet-Siegel des Österreichischen Han-
delsverbandes ausgezeichnet. Das E-Commerce Quality-Siegel für Certified Pay-
ment Services wurde speziell für den sicheren Zahlungsverkehr und sichere Onli-
ne-Zahlungen im Internet entwickelt.

Abb. 4. Gütesiegel Eurolabel (links) und Gütesiegel Handelsverband (rechts)


mPAY24 Multi Payment Plattform für E- und M-Commerce 181

6 Merchant-Unternehmen

6.1 Die Händlerperspektive

Immer noch schrecken Händler vor den vermeintlichen Kosten eines Bezahlsys-
tems oder einer Bezahlplattform zurück, ohne die Kostenstruktur und Begleitef-
fekte genau analysiert und die Einsparungspotentiale bewertet zu haben.
Bei den im E-Commerce durch Merchant-Unternehmen zur Verfügung gestell-
ten Bezahlmethoden unterscheidet sich der Kundenwunsch oftmals von dem des
Händlers. Bei physischen Gütern, z.B. Bücher oder CDs/DVDs, ist der Nachweis
der Zustellung verhältnismäßig einfach möglich. Dies gestaltet sich bei digitalen
Gütern wie Software oder mp3-Dateien schon schwieriger.
Als Faustregel lässt sich ein Zusammenhang zwischen niedrigen Transaktions-
kosten und hohem Ausfallsrisiko herstellen. So sind bei Kauf auf Rechnung die
Transaktionskosten minimal, die Mahnquote und das Ausfallsrisiko jedoch be-
achtlich.

Abb. 5. Endkunde - Merchant - mPAY24


182 Erich Gassner

Die Kreditwürdigkeit von Kreditkarteninhabern ist im Normalfall gegeben. Die


Gründe für die relativ selten auftretenden Rückbuchungen (Chargebacks) sind in
der Regel nicht in der unmittelbaren Sphäre des Karteninhabers zu finden. Eher
sind diese dem unbefugten (kriminellen) Gebrauch von Kreditkartendaten zuzu-
schreiben, der in Folge vom tatsächlichen Karteninhaber beeinsprucht wird. Die
Einführung von dynamischen Betrugsabwehrmechanismen wird dies in Zukunft
weiter eindämmen.

6.2 Das Händlerprofil

Rund 300 Merchant-Unternehmen und Organisationen wurden binnen drei Jahren


ab Aufnahme des Produktivbetriebs an mPAY24 angebunden und nehmen Zah-
lungen in E- und M-Commerce entgegen. Produkte und Dienstleistungen verschie-
denster Art, physische und nicht-physische, werden von den mPAY24 Merchant-
Unternehmen in Business-to-Business und Business-to-Consumer Beziehungen
angeboten. Die Unternehmen unterschiedlicher Branchen und Größen agieren mit
sowohl nationalem als auch internationalem Betätigungsfeld in folgenden Berei-
chen:
x Handel
x Unterhaltung
x Medien
x Tourismus
x Ticketing
x Internetdienste und Provider
x Verwaltung
x Charity/NPO
Die mPAY24 Produkte sind darauf ausgerichtet, die verschiedenen Typen von
Merchant-Unternehmen und ihre Anforderungen zur Entgegennahme von Zahlun-
gen aus dem E- und M-Commerce bestmöglich abzubilden. Mit mehr als 15 Zah-
lungssystemen und Bezahlverfahren ist mPAY24 im Hinblick auf Sicherheit, Ver-
fügbarkeit und Wirtschaftlichkeit der ideale Partner.

7 Rechtliche Aspekte

7.1 Allgemeine Aspekte

Naturgemäß werden vor allem die Unternehmer, Käufer und Privatkunden im


Hinblick auf einen geregelten Geschäftsverkehrs anwendbaren Verordnungen und
Gesetze eine erhebliche Rolle beigemessen. Beide Seiten sind daran interessiert,
dass einerseits der Kaufpreis auf dem Geschäftskonto eingeht, die andererseits be-
stellte Ware auch tatsächlich geliefert wird.
mPAY24 Multi Payment Plattform für E- und M-Commerce 183

7.2 Spezielle Aspekte

Für den Payment Service Provider selbst ergeben sich ebenfalls vielfältige rechtli-
che Perspektiven. Hierbei sind derzeit bzw. werden zukünftig abhängig von der
weiteren Marktentwicklung, neben den allgemeinen Gesetzen die folgenden Son-
dergesetze in Betracht zu ziehen sein:
x Bankwesengesetz
x Datenschutzgesetz
x E-Commerce-Gesetz
x E-Geldgesetz
x Telekommunikationsgesetz
x Signaturgesetz
x …
Abgesehen davon ist auch die Perspektive der Oesterreichischen Nationalbank
von erheblicher Bedeutung. Die mPAY24 GmbH ist demnach Teilnehmer an ei-
nem Zahlungssystem und Infrastrukturbetreiber4. Sie wurde mit 2. Quartal 2005
zur quartalsweisen Berichterstattung im Rahmen der Zahlungssystemstatistik ver-
pflichtet.

8 Fazit

8.1 Erfolgsfaktoren

Die Kernkompetenz der mPAY24 GmbH ist, ein breites Spektrum an Bezahlver-
fahren zuverlässig, wartungsfrei und kostengünstig verfügbar zu machen. Die lau-
fend steigende Zahl von mPAY24 Merchant-Unternehmen, stark steigende Trans-
aktionszahlen und eine äußerst geringe Churnrate (Kündigungs-/Wechselrate)
verdeutlichen die hohe Kundenzufriedenheit und Akzeptanz des mPAY24 Ange-
bots. Kernvorteile für die mPAY24 Merchant-Unternehmen:
x Sicherheit von Daten- und Zahlungsverkehr
x Erweiterbarkeit des Systems
x Zahlungsgarantie bei bestimmten Zahlungssystemen
x rein internetbasierend; Softwareinstallation entfällt
x kein Wartungsaufwand
x übersichtliche Zahlungsverwaltung im Online-Händlerbereich

4 Auszug aus dem Nationalbankgesetz: Art. 8 § 44a. Abs. (6) Teilnehmer an einem Zah-
lungssystem im Sinne dieses Bundesgesetzes ist, wer gewerblich tätig ist und mit dem
Zweck der direkten oder indirekten Erzielung von Einnahmen am Transfer von Geldwer-
ten innerhalb eines Zahlungssystems oder aus einem oder in ein Zahlungssystem mit-
wirkt.
184 Erich Gassner

x Bearbeitungsmöglichkeiten der Zahlungen (Gutschrift, Storno)


x Datenübergabe in Warenwirtschafts-, ERP-, SCM- und CRM Systeme
x Vertrauen durch hohen Wiedererkennungsgrad der Marke mPAY24
x transparentes Preismodell (Einrichtungs- und Transaktionskosten)
x Sprachversionen des mPAY24 Bezahlfensters (Deutsch, Englisch, Französisch,
Russisch und Spanisch)
x Unterstützung beim Vertragsabschluß mit den Zahlungssystembetreibern

8.2 Ausblick

8.2.1 Osterweiterung
Mit dem 2004 erfolgten Beitritt der zehn neuen Staaten in die EU, von denen acht
osteuropäische Staaten sind, erweist sich der Sitz der mPAY24 GmbH in Wien als
idealer Ausgangspunkt für eine Ostexpansion. Als zukunftsorientiertes Unterneh-
men ist mPAY24 bereits intensiv mit dem Thema beschäftigt.

8.2.2 Einheitlicher EU-Zahlungsraum


Die Kernthemen Infrastruktur, Betrugsvermeidung und elektronisches Geld sind
die Anliegen der Europäischen Union im Rahmen der SEPA (Single European
Payments Area) und des neu zu definierenden, einheitlichen Rechtsrahmens für
den Zahlungsverkehr im Binnenmarkt.

8.2.3 M-Payment
simpay, der von Mobilfunkbetreibern ins Leben gerufene Standardisierungs-
versuch für grenzüberschreitendes M-Payment, ist leider fehlgeschlagen. Die Auf-
lösung von simpay Mitte 2005 spricht wohl gegen eine rasche Umsetzung län-
derübergreifender M-Payment Lösungen.
T-Pay von T-Com: Einfach und vielseitig online
bezahlen

Jens Pöschl, Axel Hübner

Deutsche Telekom AG, Bonn

1 T-Pay – Ein kurzer Abriss zur Entwicklungsgeschichte

Die Deutsche Telekom startete Anfang 2001 ein Projekt mit dem Namen „Micro-
payment“. Das Ziel dieses Vorhabens bestand darin, verschiedene Zahlungsfunk-
tionen in einem E-Payment-System zusammenzuführen. Mit Micropayment sollte
es möglich sein, Beträge über die Telekom Rechnung zu begleichen, per Micro-
Money (Prepaidkarte) zu bezahlen oder alternativ die Zahlungsmittel Lastschrift
und Kreditkarte zu nutzen – das alles unter der Berücksichtigung bestehender
Plattformen in der Telekom-Billing-Infrastruktur. Der Grund für die Entwicklung
eines Payment-Produkts mit mehreren Bezahloptionen war die Annahme, dass In-
ternet-Nutzer in unterschiedlichen Kauf-Situationen auch unterschiedliche Anfor-
derungen an ein Bezahlsystem haben. Dazu gehören Aspekte wie Sicherheit, Ano-
nymität, Schnelligkeit und Usability.
Die Entscheidung, welche Bezahlvarianten angeboten werden, trifft grundsätz-
lich der Händler. Dabei sollte er bestehende Zahlungsgewohnheiten seiner Kun-
den, die Bedienbarkeit der Verfahren, das Risikoempfinden der Nutzer sowie die
Eigenschaften seiner Waren oder Dienstleistung als Entscheidungskriterien in Be-
tracht ziehen1. Ein weiteres wichtiges Ziel der Deutschen Telekom war es, mit
dem neuen System so schnell wie möglich an den Markt zu gehen. Denn die
Prognosen und Wachstumszahlen für Bezahlsysteme zur Abrechnung von Klein-
beträgen – etwa für digitalen Content – waren in den Jahren 2000/2001 sehr gut.
Gestartet ist die Deutsche Telekom mit einem Feldtest im September 2002. Pi-
lotkunden waren Genios Wirtschaftsdatenbanken, Chip online und der Verlag RP
online. Im November 2002 gab T-Com das neue Internet-Bezahlverfahren für den
Vertrieb frei. Schon bald folgten neue Kunden wie RTL und Bild.t-online. Im
Sommer 2003 stellte T-Com die Abo-Funktion für die Bezahlvarianten Telekom
Rechnung, Lastschrift und Kreditkarte bereit. Diese Funktion macht mittlerweile
einen sehr hohen Anteil aller T-Pay-Transaktionen aus und bietet dem Händler ein

1 Eine detaillierte Betrachtung von Internetzahlungssystemen aus Händlersicht erfolgt im


Beitrag von Sebastian van Baal u. Jens-Werner Hinrichs im Rahmen dieses Buches.
186 Jens Pöschl, Axel Hübner

beachtliches Kundenpotenzial aus den Web-affinen Zielgruppensegmenten der


etwa 35 Millionen Anschlusskunden der T-Com.

Pay by Call/Call and Pay


• Beträge bis
30 Euro/Anruf
Telekom Rechnung • monatliche Abrechnung MicroMoney von T-Pay
• für Kleinbeträge
• Zeit- oder Blocktarif • Guthaben zur
• monatliche Abrechnung
anonymen Nutzung
• ideal für Kleinbeträge • keine Anmeldung
• für Kleinstbeträge
• hohe Akzeptanz
• auch für Jugendliche
• einmalige Anmeldung
• erhältlich in T-Punkten
und unter
einfach & vielseitig
www.micromoney.de

Lastschrift Kreditkarte

• Abbuchung vom • Zahlung mit VISA,


Bankkonto Mastercard, Amex, etc.
• einmalige Anmeldung • Abrechnung über die
Kreditkartenorganisation
• einmalige Anmeldung
• international einsetzbar

Abb. 1. T-Pay – Ein Produkt für fünf Bezahlvarianten

Um die Nutzerfreundlichkeit von T-Pay zu erhöhen, verzichtete T-Com im Sep-


tember 2004 bei der Anmeldung auf das Userzertifikat und stellte stattdessen auf
die gängige Authentifizierung mittels Anmeldename und Passwort um. Damit
konnte das Support-Aufkommen verringert und die Anzahl der Anmeldungen
stark erhöht werden.
Im Jahr 2004 wurde die Zahlungsfunktion „Pay by Call“ (Nutzung über Anruf
einer 0190-Rufnummer und Abrechnung zeitabhängiger Nutzung über die Tele-
kom Rechnung) und im Februar 2005 die Zahlungsfunktion „Call and Pay“ (Nut-
zung über Anruf einer 0800 Rufnummer und Abrechnung über die Telekom Rech-
nung) in T-Pay integriert. Die telefonbasierenden Bezahlvarianten finden aufgrund
der einfachen und spontan möglichen Anwendung bei Händlern und Usern regen
Zuspruch.
Innerhalb der Telekom ist T-Pay heute die anerkannte Payment-Plattform.
Auch zukünftig wird sich T-Pay kontinuierlich den Markt- und Kundenbedürfnis-
sen anpassen. Dazu beteiligt sich das T-Pay Team an neuen technischen Entwick-
lungen wie WLAN-Access von unterwegs oder an weiteren mobilen Datendiens-
ten über die neuen Mobilfunkstandards.
T-Pay von T-Com: Einfach und vielseitig online bezahlen 187

2 Funktionsweise von T-Pay

2.1 Bezahlvarianten

Mit T-Pay können Kunden ihre Einkäufe im Internet einfach, variabel und sicher
bezahlen. Rund um die Uhr, von jedem Computer aus und ohne zusätzliche Soft-
ware wählt der Kunde das gewünschte Produkt per Mausklick aus und entscheidet
anschließend selbst, auf welchem Weg er seine Rechnung begleichen möchte.
Wer kleine Beträge anonym und ohne Anmeldung bezahlen will, etwa für Of-
ferten im Kleingeldbereich, kauft in einem T-Punkt die T-Pay-Guthabenkarte
„MicroMoney“ im Wert von 15 Euro (unter www.t-com.de/t-pay online auch in
den Wertstufen 30 und 50 Euro erhältlich). Die Guthabenkarte enthält eine ver-
deckte Nummer, die der Kunde frei rubbelt und mit der er dann ohne vorherige
Anmeldung und weiteren Aufwand online bezahlen kann. Als Zusatzfeature lässt
sich MicroMoney auch als CallingCard etwa für Telefonate von unterwegs oder
aus dem Ausland einsetzen. Der Vorteil für den Internet-Händler: Da die Karten
im Voraus vom Kunden bezahlt werden, ist der Geldeingang garantiert.
Alternativ können Kunden die T-Pay-Varianten „Pay by Call“ bzw. „Call and
Pay“ wählen. Auch diese Bezahlsysteme sind ohne vorherige Anmeldung nutzbar
und somit ebenfalls besonders attraktiv für Spontankäufer. Mit „Pay by Call“ las-
sen sich minutenabhängige Beträge per Telefon abrechnen. Die ist besonders inte-
ressant für Chat- und Online-Beratungsangebote. Über die Anwahl einer individu-
ellen Rufnummer parallel zur Internetverbindung wird der gewählte Content
freigeschaltet. Mit „Call and Pay“ lassen sich per Blocktarif beliebige Warenprei-
se auf den Cent genau bis 30 Euro per Anruf abrechnen. Dies erfolgt mittels einer
separat aufgebauten Telefonverbindung über eine gebührenfreie Rufnummer von
T-Com.
Am geläufigsten ist den meisten Kunden die Bezahlung per Lastschrift oder
Kreditkarte. Die Shop-Umsätze werden dem Händler bei Lastschrifteinzug direkt
nach dem Zahlungseingang gut geschrieben. Bei Nutzung der Kreditkarte gelten
die mit dem Kreditkartenanbieter vereinbarten Abrechnungsmodalitäten.
Die wichtigste Bezahlvariante von T-Pay ist die Abrechnung über die Telekom-
rechnung. Dieses Verfahren können diejenigen Kunden nutzen, die über einen
Festnetz-Anschluss bei der T-Com verfügen und am Lastschriftverfahren teilneh-
men. Die Kaufsumme wird mit seiner monatlichen Telekom Rechnung abgebucht
und dem Händler gut geschrieben.

2.2 Einmalige Angabe persönlicher Daten

Für die Nutzung der Zahlvarianten Telekom Rechnung, Lastschrift und Kreditkar-
te muss sich der Surfer einmalig kostenfrei anmelden. Dabei wird automatisch die
E-Mail-Adresse des Kunden als Benutzername festgelegt. Zusätzlich ist noch ein
individuelles Passwort zu wählen. Die bezahlrelevanten Informationen, wie Kre-
ditkarten- und Bankdaten muss der Nutzer nur einmal bei der Anmeldung ange-
ben. Somit zahlen T-Pay Kunden nach dieser einmaligen Anmeldung nur noch mit
188 Jens Pöschl, Axel Hübner

Benutzernamen und Passwort. Eine zusätzliche Software ist nicht nötig. T-Pay
steht rund um die Uhr zur Verfügung und lässt sich von jedem Computer aus nut-
zen.

1 2 3 4
Produktauswahl

Bezahlvariante
Anmelden

Bezahlen durch Überprüfung der Daten


Abb. 2. Schematischer Ablauf eines T-Pay Bezahlvorgangs

Nach dem Kauf erhält der angemeldete T-Pay Kunde automatisch eine Quittung
mit allen transaktionsrelevanten Detaildaten per E-Mail zugesendet. Den aktuellen
Stand seines Einkaufskontos kann der Nutzer jederzeit auf der Website von T-Pay
(www.t-pay.de) in einem eigenen Bereich online überprüfen. Für Fragen steht das
T-Pay-Mailcenter unter dem Bereich „Kontakt“ auf eben dieser Website bereit.
Eine Übersicht über die Händler, die T-Pay als Bezahlvariante anbieten, finden
Interessierte im T-Pay Einkaufsführer unter www.t-pay.de. Dort bietet T-Pay zu-
sätzlich exklusive Web-Angebote an.

2.3 Weitere T-Pay Features für erfolgreichen E-Commerce

T-Pay möchte seine Händler über die Zahlungsabwicklung hinaus dabei unterstüt-
zen, Paid-Content-Angebote zu vermarkten. Angefangen bei bedarfsgerechten Lö-
sungen innerhalb des Standard-Shops für dynamischen Content bis hin zum T-Pay
Mini-Shop für statischen Content (zum Beispiel pdf-Files).
Ein Instrument zur Intensivierung des Kundenkontakts beim Online-Business
ist die T-Pay Abo-Funktion. Sie ist besonders für Händler interessant, die regel-
mäßig wiederkehrende Leistungen zur Verfügung stellen. Darüber hinaus ist das
T-Pay Abonnement das ideale Kundenbindungsinstrument, wenn Händler ihren
Online-Kunden unbeschränkten Zugriff auf Paid Content und Paid Services – zum
Beispiel im Rahmen einer Club-Mitgliedschaft – anbieten möchten. Die Abo-
Funktion kann mit den T-Pay Bezahlvarianten Telekom Rechnung, Kreditkarte
und Lastschrift genutzt werden. Der Anbieter kann selbst verschiedene Parameter
T-Pay von T-Com: Einfach und vielseitig online bezahlen 189

wie Abbuchungsintervalle, Laufzeit, Kündigungsfrist oder Freimonate bestimmen


und so zusätzliche Marketinganreize schaffen.
Über das virtuelle Händlerkonto kann der Anbieter jederzeit Statistiken über
das Kaufverhalten seiner Kunden abrufen und auswerten. Im Händler-LogIn las-
sen sich außerdem Transaktionslisten sowie Analysen zu Zahlverfahren, Waren-
wert, Transaktionsdatum, Warenbezeichnung (Subjectfeld), etc. anzeigen und zur
Weiterverarbeitung downloaden.

Abb. 3. Beispiel eines virtuellen Händlerkontos

2.4 Anbieterseitige Voraussetzungen

Professionelle Anbieter betreiben einen Online-Versandhandel meistens mit dy-


namischem Content bzw. umfangreichem Sortiment. Die T-Pay Standard-Schnitt-
stelle ist hier das am häufigsten genutzte Werkzeug, um das Bezahlverfahren an
die Shopsysteme der Händler und Shopping-Portale anzubinden. Der Vorteil dabei
ist, dass der Portal-Manager oder Webmaster nach wie vor die volle Steuerung
über seinen Web-Shop, das Warenkorbsystem, behält. Mit Einsatz von T-Pay ist
der Online-Händler nach wie vor vollkommen flexibel in der Gestaltung seines
eCommerce-Geschäftes. Er wählt selbst aus, welche Bezahlmethode er einsetzen
möchte. Alles, was der Händler benötigt, sind HTML- und Scripting-Kenntnisse
sowie einen Internet-Shop mit Scripting-Möglichkeit.
190 Jens Pöschl, Axel Hübner

3 Rechtliche Aspekte

Werden eigene Leistungen gegenüber Käufern direkt abgerechnet, wie zum Bei-
spiel bei Portalen von Internetserviceprovidern, spricht man nicht von einem Zah-
lungsverfahren. T-Pay hingegen ist ein echter Online-Bezahldienst, und zwar ein
so genanntes Mehrparteiensystem. Das bedeutet, dass ein Käufer bei mehreren
Händlern (Akzeptanzpartnern) bezahlen kann. Zweiparteiensysteme dienen dage-
gen nur der Abrechnung bei einem einzigen Händler.
Die prior genutzte Bezahlvariante von T-Pay ist die Abrechnung über die Tele-
komrechnung. Dieses Verfahren können ausschließlich Kunden nutzen, die über
einen Festnetz-Anschluss bei der T-Com verfügen. Die T-Pay-Beträge werden auf
der Rechnung in einem eigenen T-Pay-Block unter der Überschrift „Inkasso im
Namen und für Rechnung Dritter“ ausgewiesen. Ähnlich wie bei Call-by-Call-
Verbindungen vereinnahmt T-Com bei T-Pay nicht für eigenen Leistungen, son-
dern die Leistungen der T-Pay Händler. Aufgrund der marktbeherrschenden Stel-
lung der T-Com als Festnetzanbieter steht T-Pay grundsätzlich jedem Händler of-
fen, der z.B. Content verkauft.
Der Kaufvertrag für die Ware oder den Content kommt direkt zwischen dem
Händler und dem Käufer zustande. Der Händler beauftragt T-Com, die Bruttobe-
träge auf der Telefonrechnung auszuweisen und Zahlungen entgegenzunehmen.
Dieses Verfahren ist von Kreditkartenabrechnungen bekannt. Eine kaufmännische
Rechnung mit Ausweis der Mehrwertsteuer und der Warenbezeichnung stellt T-
Pay nicht, dies kann nur der Händler selbst tun. Im Unterschied zu anderen Zah-
lungssystem-Anbietern kauft T-Pay weder die Forderungen des Händlers auf (Fac-
toring), noch tritt T-Pay als Wiederverkäufer der Ware auf (Reselling).
Der Käufer über die Telekomrechnung wird über die Telekomsysteme authenti-
fiziert. Die Daten des Käufers bleiben gegenüber dem Händler grundsätzlich ano-
nym. Auf diese Weise ist der Käufer vor der unerwünschten Weiterverwertung
seiner Daten, insbesondere vor fremder Werbung, geschützt. Der Händler hat je-
doch die Möglichkeit, den Käufer in seinem Shop selbst zu personalisieren, zum
Beispiel in dem er eine Versandadresse abfragt oder ein Login anbietet. Auf die
Kundendatenhaltung der Händler hat T-Pay jedoch keinen Einfluss. Nichtzahler
werden bei T-Pay automatisch gesperrt. Der Händler trägt das Ausfallrisiko. So-
wohl die Zahlung der Telekomrechnung als auch die Ausschüttung an die Händler
erfolgt über die einschlägigen Zahlungsverkehrssysteme der Banken, per Last-
schrift oder Überweisung.
Eine Besonderheit ist das Zahlverfahren „MicroMoney“. MicroMoney ist eine
im Voraus bezahlte Guthabenkarte bzw. ein Code, der bzw. dem ein Konto auf ei-
nem Netz-Server zugeordnet ist. Mit MicroMoney kann der Kunde ebenfalls bei
mehreren Händler einkaufen, daher handelt es sich auch hier um ein Mehrpartei-
ensystem. Die Werteinheiten auf dem Konto sind formal äquivalent zu „Geld“.
Aus diesem Grund liegt die Guthabenführung bei einer Bank. Deshalb ist die
Postbank Herausgeber der MicroMoney-Karte, was durch das Banklogo auf der
Karte gekennzeichnet ist und in den AGB beschrieben wird. Reine Gutscheinkar-
ten oder -codes, die nur bei einem Händler eingelöst werden können, gelten nicht
T-Pay von T-Com: Einfach und vielseitig online bezahlen 191

als Zahlverfahren, da es sich, wie bereits erwähnt, um Zweiparteiensysteme han-


delt.
Die Europäische Kommission strebt eine Harmonisierung des Zahlungsver-
kehrs an und hat hierzu den Gesetzesentwurf „New Legal Framework for Pay-
ment“ (NLF) vorgelegt. Neben den Banken sollen dort auch die Rollen von E-
Geld Instituten und Payment Providern definiert werden. Es ist damit zu rechnen,
dass in diesem Zusammenhang die Rechtssicherheit für bestehende Internetpay-
mentsysteme bestätigt wird, was voraussichtlich den Internet-Handel mit klein-
preisigen digitalen Gütern (Content) weiter fördern wird.

4 Technik

4.1 Zahlungsabwicklung im Detail

T-Pay bündelt die zur Verfügung stehenden Bezahlsysteme und erfüllt somit die
Funktionalitäten eines Payment-Servers. Ein Internet-Anbieter, der über T-Pay
seine Bezahltransaktionen durchführen lässt, benötigt nur eine Anbindung
(Schnittstelle) an T-Pay, um seinen Kunden sämtliche T-Pay-Bezahlvarianten zur
Verfügung zu stellen.

 Telekom
Rechnung
Bezahlung
Dienstleistungs-
entgelt (monatlich)

MicroMoney Post-
bank Ausschüttung
Karte
(monatlich)
User Händler
(User- Anbietervergütung (Händler-
Pay by Call
Bank) (monatlich) Bank)

Lastschrift von User-Bank zu Händler-Bank

Ausschüttung
Zahlung per Kreditkarte Kreditkarten-
Einzug vom Userkonto organisation Disagio

Abb. 4. Übersicht der T-Pay Zahlungsabwicklung

Auf Seiten des Händlers muss für jede Art von Kommunikation eine Instanz vor-
handen sein, die Anfragen seitens T-Pay entgegennimmt. Dabei kann jede Tech-
nologie eingesetzt werden, die http-Request verarbeiten und http-Response liefern
kann. Hierfür bieten sich ASP, JSP, PHP oder Servlets an. Es findet insgesamt
dreimal hintereinander ein direkter Datenaustausch auf Basis einfacher Parameter
192 Jens Pöschl, Axel Hübner

zwischen dem T-Pay-System und dem Händler statt. Die T-Pay Seiten sind für ei-
ne Darstellung in 1024 x 768 Pixels optimiert.
Mit dem Transaktionsstart wird auf dem Server des Internet-Anbieters ein
Skript aufgerufen, das die für den Aufruf von T-Pay erforderliche URL inklusive
der Aufrufparameter generiert. Der Browser des Nutzers stellt dann die verschlüs-
selte SSL-Verbindung mit der T-Pay Plattform her. Der Shop des Internet-
Anbieters übergibt die notwenigen Parameter über den Browser des Kunden an
die T-Pay Plattform (POST- oder GET-Methode). Mit Abschluss der T-Pay
Kommunikation wird dem User über eine vom Internet-Anbieter gelieferte Rück-
sprung-URL wieder in den Shop geführt, wobei sich über die mitgelieferte Session
ID die Transaktion wieder eindeutig zuordnen lässt.
Der Shop initiiert nun die Warenfreigabe und muss zum endgültigen Abschluss
der Transaktion die bereits vorher vom T-Pay System erhaltene Transaktions-
nummer zurück übermitteln (bestätigen). Erst dann stößt T-Pay den Buchungspro-
zess an. Alle Parameter werden hierbei über eine Hash-Funktion (SHA-1) beim
Aufruf der Zeichenkette übergeben.
i
Payment g Händler-
Provider Shop
d
k
Telefon-
Netz-
betreiber
e
l jf c h

Käufer

 Telefon-
Rechnung

1 Ware und Zahlverfahren aussuchen 6 Warenlieferung


2 Daten zur Kasse leiten 7 Buchung der Zahlung
3 Kasse öffnen 8 Bestätigung
4 Authentisierung 9 Rechnungsdatensatz
5 Zahlungsautorisierung melden 10 Rechnungsstellung

Abb. 5. Ablauf eines T-Pay-Zahlungsvorgangs (Abrechnung über Telefonrechnung)


T-Pay von T-Com: Einfach und vielseitig online bezahlen 193

Die T-Pay Plattform selbst ist in einem Hochsicherheitsrechenzentrum von T-Com


untergebracht. Sie ist in die logischen Komponenten Firewall (extern/intern), Load
Balancer, Web Server (für Registrierung und Transaktionen), Application Server,
Billing Server, Datenbanken sowie Server für diverse angeschlossene Anwendun-
gen ebenso wie in Backup und LAN-Komponenten aufgeteilt. Die Plattform ist
über standardisierte Netzwerke (Internet, Intranet, LAN, etc.) verbunden und re-
dundant ausgelegt. Die verwendeten Komponenten basieren überwiegend auf
SUN und IBM Hardware in Verbindung mit Solaris und Oracle Services.
Die T-Pay Systeme sind gegenüber dem Internet durch eine geclusterte Fire-
wall-Lösung geschützt. Um eine optimale horizontale Skalierbarkeit zu erreichen,
steht für webbasierte Transaktionen im Frontendbereich ein Load-Balancing Sys-
tem zur Verfügung, das für die Registrierungs- und Transaktions-Webserver ein-
gesetzt wird. Die Applikationsserver von T-Pay befinden sich hierbei in einem se-
paraten Netzwerksegment. Für Systemanpassungen nutzt T-Pay eine Testumge-
bung, die zu 100 % der verwendeten Wirkbetriebsumgebung entspricht. Damit
garantiert diese zum Live-Termin, dass das Qualitäts- und Sicherheitsniveau von
T-Com eingehalten wird. Mit der Inbetriebnahme von T-Pay wurden auch inner-
halb von T-Com neue technologische und prozessuale Kriterien auf- und umge-
setzt. Diese werden es auch zukünftig ermöglichen, neue Anwendungen auf den
Markt zu bringen, die einem gewissen technologischen, aber auch einem hohen
qualitativen Standard entsprechen, der den Marktanforderungen gerecht wird.

4.2 Sicherheit

Sicherheit spielt im eCommerce und insbesondere bei T-Pay eine entscheidende


Rolle: Sämtliche Kundendaten werden verschlüsselt übertragen, damit unbefugte
Personen keinen Zugang zu persönlichen Informationen erhalten. Zusätzlich
schickt T-Com dem Kunden nach seiner Anmeldung und der Adress- und Plausi-
bilitätsprüfung per Post einen Freischaltcode zu. Wer zum ersten Mal mit T-Pay
bezahlt und daher noch nicht über einen Freischaltcode verfügt, kann aus Sicher-
heitsgründen nur Produkte in begrenzter Höhe einkaufen. Bei der Anmeldung zur
Bezahlvariante Telekom-Rechnung hat der Nutzer außerdem die Option, seine
Anmeldedaten automatisch durch den kostenfreien Anruf einer 0800-er Rufnum-
mer ermitteln zu lassen.
T-Pay erfüllt höchste Sicherheitsstandards, denn sämtliche Kunden- und Zahl-
und Transaktionsdaten werden per 128-Bit-SSL-Verschlüsselung übermittelt.
Der Bekanntheitsgrad von T-Com ist höher als der vieler anderer Anbieter von
ePayment-Systemen. Bei ihren Kunden steht die Deutsche Telekom für Kompe-
tenz und Sicherheit bei Zahlungsabwicklung, Billing, Inkasso und Internet-Diens-
ten. Ein Vertrauen, das sich ein unbekannter Online-Payment-Anbieter über Jahre
erarbeiten muss.
194 Jens Pöschl, Axel Hübner

5 Einsatzgebiete von T-Pay

Die Bereitschaft der Internet-Benutzer, für hochwertige Inhalte im Web zu zahlen,


nimmt nach einer Studie von Fittkau & Maaß zu. 56 % der Befragten haben keine
Vorbehalte, Geld für virtuelle Ware zu bezahlen. Die Zeiten der Gratismentalität
von Internet-Usern scheinen vorbei. Zahlreiche Studienergebnisse stützen diesen
Trend und prognostizieren ein rasantes Wachstum im Online-Markt beziehungs-
weise im Paid Content Markt, so auch eine aktuelle Studie von JupiterResearch
(siehe Abbildung).
5
4,5
4
Erträge in Mrd. Euro

1,7
3,5
3 1,4
2,5 1,1
2 0,9
1,5 2,8
0,6
2,3
1 0,3 1,9
1,4
0,5 1
0,7
0
2004 2005 2006 2007 2008 2009

Paid-Content Erträge Paid-Services Erträge

Abb. 6. Prognostizierte Umsatzentwicklung des Paid Content Marktes in Westeuropa


(Jupiter Research 2005)

x „Ich lade mir mal eben einen ÖKO-TEST-Bericht über Hunde- und Katzenfut-
ter herunter, die gesamte Zeitschrift benötige ich ja nicht“
x „Ich bewerbe mich lieber schnell online für die Sendung „Wer wird Millionär,
wenn ich sowieso gerade im Internet bin“ oder
x „Ich werde mir das Reise- und Badewetter ab jetzt im Abo regelmäßig zusen-
den lassen“
Diese und viele andere Beispiele von Contentanbietern verdeutlichen den nachhal-
tigen direkten Nutzen, Spaß und Mehrwert für Onliner. Dabei ist das branchenun-
abhängige Einsatzfeld von T-Pay besonders vielfältig: Von Games und Musik,
nützlichen Datenbank-Recherchen, Bonitätsauskünften über neue Geschäftspart-
ner, exklusiven (Wirtschafts-)News und Autobewertungen bis hin zu Ticketing,
Online-Partnersuche und exklusivem Fußball Bundesliga-Content. Technologi-
sche Trends, wie die rasche Ausbreitung von Breitbandanschlüssen, haben das
Feld zusätzlich um Streaming- bzw. Online-Videoanbieter und interaktive Spiele-
Anbieter erweitert.
T-Pay von T-Com: Einfach und vielseitig online bezahlen 195

Content (digitale Ware


oder Dienstleistung

Guthabenkarten*

Telefonrechnung*

Kleinpreisig Kreditkarte* Hochpreisig


(Micro-Payment) Lastschrift* (Macro-Payment)
Kein Markt Nachnahme**
Rechnung**
* Elektronische Zahlverfahren
** Offline Zahlverfahren Versandware
Abb. 7. Einsatzgebiete der Zahlverfahren abhängig von Betragshöhe und Warenwert

Insgesamt steigen die Durchschnittsumsätze für Paid Content und Paid Services
kontinuierlich, sie haben sich seit dem Jahr 2000 vervielfacht. T-Pay selbst wurde
anfänglich vorwiegend für Micro-Payments entwickelt, also für Kleinbeträge zwi-
schen 50 und 99 Eurocent. Doch inzwischen hat sich T-Pay auch bei größeren Be-
trägen bewährt, beispielsweise im Online Dating oder bei E-Books. Heute bewe-
gen sich die T-Pay-Transaktionen daher bei durchschnittlich 6,40 Euro. Down-
loads in verschieden Formaten und für unterschiedliche Einsatzfelder sowie der
Zugang zu Online-Services – auch von unterwegs – stehen im Fokus der Ausrich-
tung und Weiterentwicklung von T-Pay.

6 Kosten

Online-Händler und Contentanbieter zahlen für den T-Pay-Abrechnungsservice


durchschnittlich 11 bis 16 % des Marktpreises ihrer Angebote. Je nach Zahlvarian-
te gibt es ein individuell zugeschnittenes Pricing abhängig vom Warenwert. Für
die Bezahlformen Lastschrift und Kreditkarte werden derzeit 1 % des Warenwerts
als Dienstleistungsentgelt berechnet. Bei hohen Gesamtumsätzen gewährt T-Com
dem Händler einen Rabatt von bis zu 32 %.
196 Jens Pöschl, Axel Hübner

Beispiel:
Verkauf eines Produktes von 4,95 € T-Com
Provision für T-Pay 13 % oder 0,6435 €
4,31 € Abrechnung 4,95 €

Produkt
Händler/Anbieter Teilnehmer
4,95 €

Abb. 8. Rechnungsbeispiel für T-Pay Provision

7 T-Pay in der Praxis

T-Pay nutzen derzeit rund 500 Händler und Contentanbieter, die mit etwa 1.500
bis 2.000 Shops vorwiegend im deutschsprachigen Internet vertreten sind. Das
Spektrum der Händler ist vielfältig und verdeutlicht die branchenunabhängige
Einsetzbarkeit von T-Pay:
x Informationsdienste (z.B. Ratgeber, Testberichte, Online-Rechtsberatung)
x Medienvertrieb (z.B. Musik, Spiele, Video)
x TV-Sender (z.B. Clubmitgliedschaften)
x Online-Recherchen und Archive
x Verlage, auch Abonnements
x Handy Portale, Mobile Services
x Ticketverkäufer und Reisevertrieb
x Softwaredownload
x Online-Spiele und Wetten
x Chat und Dating
Seit der Markteinführung Ende 2002 haben sich zahlreiche Verlage und Großun-
ternehmen für T-Pay entschieden: Unter anderem nutzen die Verlagsgruppe Han-
delsblatt, der Heise-Verlag, die Frankfurter Allgemeine Zeitung, die Financial Ti-
mes Deutschland, der Stern, der Spiegel, Tomorrow Focus, GENIOS Wirtschafts-
datenbanken, ÖKO-TEST, der Duden-Verlag, friendscout24, der FC Bayern Mün-
chen, L´TUR, n-tv, Playboy, musicload, AOL und RTL das elektronische Bezahl-
system von T-Com. Im Vergleich zu 2003 hat sich der T-Pay Handelsumsatz im
Jahr 2004 vervierfacht.
T-Pay von T-Com: Einfach und vielseitig online bezahlen 197

8 Fazit: Gründe für den Erfolg von T-Pay

x „Wir sind sehr mit T-Pay zufrieden“, so oder ähnlich äußern sich viele Händler,
die T-Pay bereits einsetzen. Das Online-Bezahlsystem zeichnet sich dabei be-
sonders durch die Flexibilität aus, mit einer Schnittstelle sechs verschiedene
Bezahlvarianten abbilden zu können. Eine Anforderung, die von Internetnut-
zern ausdrücklich gewünscht wird. Auf Basis regelmäßig durchgeführter Usabi-
lity-Studien wird T-Pay kontinuierlich optimiert und auf die sich wandelnden
Kunden- und Händleranforderungen ausgerichtet.
x Heute bietet T-Com mit T-Pay ein Bezahlsystem an, welches sich für den In-
ternethändler oder Contentanbieter durch geringe Kosten, schnelle Implemen-
tierbarkeit und Monitoring-Tools zur Feinsteuerung der E-Commerce-Aktivi-
täten auszeichnet. Mit der Abonnement-Funktion verfügt der Händler zudem
über ein ideales Kundenbindungs- und Pricing-Tool. Ein Support-Team der T-
Com steht für technische Detailfragen bereits bei der Implementierung zur Ver-
fügung.
x Der Einkaufsführer von T-Pay (www.t-pay.de) bietet zusätzlich vielen Internet-
händlern und Contentanbietern die Möglichkeit, besondere Angebote zu plat-
zieren und damit Online-Traffic zu generieren sowie Reichweite zu erzeugen.
Im Einkaufsführer können sich T-Pay Kunden regelmäßig über die neuesten
Angebote informieren.
x Die Dachmarke mit dem magenta „T“ bürgt zudem für Seriösität, Vertrauen,
Innovationsführerschaft und Technologie-Kompetenz sowie Sicherheit. T-Com
hat heute mehr als 37 Millionen Endkundenbeziehungen. Eine kontinuierliche
Kundenorientierung, Anwenderfreundlichkeit und Zuverlässigkeit haben T-Pay
zu einem der erfolgreichsten Online-Bezahlsysteme werden lassen, das auf dem
Weg ist, in Deutschland zum Marktführer zu werden.

Literatur

JupiterResearch (2005) European Paid Content and Services Forecast, 2004 to 2009.
JupiterResearch, a division of Jupitermedia Corporation
Pago eTransaction Services GmbH – Acquirer &
Payment Service Provider

Markus Weber

Pago eTransaction Services GmbH, Köln

1 Kurze Pago-Historie

Die Pago eTransaction Services GmbH wurde im Januar 1999 in Köln gegründet.
Ausgangspunkt für die Gründung und die Definition des Geschäftszwecks waren
Überlegungen innerhalb der Handelsgruppe Metro zum Thema E-Commerce. Den
Verantwortlichen – unter anderem für eine der ersten deutschen E-Commerce-
Plattformen, Primus Online – war sehr schnell klar geworden, dass die Zahlungs-
abwicklung im Online-Handel einen der kritischsten Faktoren überhaupt darstellt.
Ziel der Unternehmensgründung war es deshalb, Verfahren zu entwickeln und
technische Rahmenbedingungen dafür zu schaffen, möglichst viele Transaktions-
schritte beim Bezahlen im Internet elektronisch abbilden zu können. Aus diesen
Überlegungen heraus entstand bereits 1999 die Pago-Plattform, die noch heute das
technologische Rückgrat des Unternehmens bildet.

Tabelle 1. Die wichtigsten Etappen der Pago-Historie

Jahr Meilenstein
1999 x Gründung der Pago eTransactions Services GmbH in Köln
x Einrichtung der Pago-Plattform für die Abwicklung von elektronischem Zah-
lungsverkehr
2000 x Einführung innovativer Risk-Management-Services zur Betrugsabwehr im E-
Commerce
x Einführung von Pago BIS (Business Information Service) als umfangreiches
Online-Reporting-Tool
2001 x Expansion als Kreditkarten-Acquirer für VISA und MasterCard in ganz
Europa
2002 x Pago gehört zu den führenden Service-Providern rund um den elektronischen
Zahlungsverkehr im E-Commerce
x Publikation der ersten Pago-Studie im Frühjahr.
2003 x Einführung der Pago Online-Überweisung als neue Zahlart
x Publikation der Pago-Studie 2003
2004 x Einführung der Kreditkartenakzeptanz für Visa und MasterCard am PoS für
stationären Handel
200 Markus Weber

Tabelle 1. (Fortsetzung)
2004 x Publikation der Pago-Studie 2004, die auf 16,5 Mio. realen Kaufvorgängen
basiert
2005 x Umstrukturierung des Service-Angebots
x Relaunch der Pago-Website
x Publikation des Pago-Report 2005, der auf 20 Millionen realen Kaufvorgän-
gen basiert

2 Online-Handel: anonym und asynchron

Das größte Problem des Online-Handels bestand aus Sicht der Pago-Entwickler
immer schon darin, dass der Online-Händler das Geld für seine Ware sicher und
schnell bekommen soll. Schon die ersten internationalen E-Commerce-
Erfahrungen aus den Jahren von etwa 1994 an haben gezeigt, dass für jeden Händ-
ler, der das Internet als Vertriebskanal nutzt, ein erhebliches Zahlungsausfallrisiko
besteht, weil der Zahlungsverkehr zwischen Händler und Kunde anonym und a-
synchron verläuft.
Noch grundlegender betrachtet: Im „klassischen“ Handel gilt das Prinzip „Ware
gegen Geld“, d.h. der Händler händigt dem Kunden die Ware erst aus, wenn dieser
Bargeld über den Tresen geschoben hat. Mit der Einführung der Kreditkarte wurde
dieses Prinzip bereits im stationären Handel aufgeweicht: Der Händler vertraut
nicht mehr dem Käufer, der mit einer Kreditkarte zahlt, sondern der Kreditkarten-
organisation. Solange galt, dass ein Kauf per Kreditkarte in jedem Fall die Forde-
rung des Händlers an den Käufer ausgleicht, musste sich ein Händler in diesem
Punkt wenig Sorgen machen.
In der Internet-Ära sieht das grundsätzlich anders aus. Da es beim Bezahlen in
den ersten Tagen des Online-Handels ausreichte, den Namen des Kartenhalters
sowie die Kreditkartennummer und -gültigkeit anzugeben, verlagerte sich das Ri-
siko ganz erheblich. Es entstand das, was heute allgemein als der „Card-not-
present-Bereich“ bezeichnet wird – also der Bereich des Handels, in dem beim
Bezahlen einer Ware oder Dienstleistung die eingesetzte Kreditkarte dem Händler
nicht physikalisch vorliegt. In diesem Fall ist der Konsument aus Sicht des Händ-
lers anonym. Da im Online-Handel das Zug-um-Zug-Geschäft wie im Laden oder
Kaufhaus nicht stattfindet, verlaufen die Kauftransaktionen zudem auch noch a-
synchron. Diese Aussage gilt übrigens unabhängig von der genutzten Zahlart.
In den Jahren vor 1999 und bis weit in die Jahre nach 2000 hinein stellte aber
nicht die Kreditkarte das größte Risiko für den Online-Händler dar sondern die so
genannten „Offline-Zahlarten“. Damit sind alle Zahlarten gemeint, bei denen es in
einer Transaktion zwangsläufig zu einem Medienbruch kommt, bei der also nicht
die gesamte Zahlungstransaktion elektronisch verläuft. Das beste Beispiel für eine
hochriskante Offline-Zahlart ist sicher der Rechnungskauf. Der Ablauf sieht so
aus: Der Käufer bestellt die gewünschte Ware im Online-Shop, der Händler nimmt
die Bestellung auf, schreibt eine Rechnung und liefert die Ware samt Rechnung
aus. Der Käufer bezahlt die Rechnung – oder auch nicht.
Pago eTransaction Services GmbH – Acquirer & Payment Service Provider 201

Die vollständige elektronische Abbildung aller Transaktionsphasen im Zah-


lungsverkehr war aus Pago-Sicht der wichtigste Schritt zum reibungslosen E-
Payment mit minimalem Zahlungsausfallrisiko für den Händler. Denn erst durch
die Überführung aller Zahlungsdaten in den elektronischen Datenaustausch kön-
nen sowohl die gewünschte Zahlungsgeschwindigkeit als auch die notwendige
Zahlungssicherheit erreicht werden.

3 Die Pago-Plattform: Transaktionen elektronisch

In der ersten Phase nach der Unternehmensgründung entwickelten die Pago-


Fachleute deshalb eine universelle Plattform für den elektronischen Zahlungsver-
kehr. Prinzip dieser Plattform war es, die mit einer Zahlungstransaktion verbunde-
nen Daten direkt im Online-Shop aufzunehmen und zu verarbeiten – und das un-
abhängig von der gewählten Zahlart. Der Vorteil einer solchen Plattform zeigt sich
besonders bei der elektronischen Lastschrift (ELV), weil hier die Daten nach der
Aufnahme direkt an die jeweiligen Banken weitergegeben werden können. Der
gesamte Geldfluss kann und wird hier elektronisch abgebildet. Das gilt natürlich
auch für Kreditkartentransaktionen, die allerdings in den Jahren 1999 und 2000
noch keine sehr große Rolle im deutschen Online-Handel spielten.

Abb. 1. Übersicht über die Pago-Service-Palette

Inzwischen hat sich die Pago-Plattform im elektronischen Zahlungsverkehr be-


währt; bis Ende des Jahres 2004 wurden insgesamt schon mehr als 120 Millionen
Transaktionen erfolgreich abgewickelt. Durch die vollständige Integration aller
Zahlungs- und Risk-Management-Transaktionen sowie die Umstellung auf den
202 Markus Weber

XML-Standard im Jahr 2002 zählt die Pago-Plattform zu den weltweit führenden


Lösungen auf dem Gebiet des E-Payment.

4 Pago Online-Reporting: Transparenz und Interaktion

Eine der bedeutendsten Innovationen, die Pago bereits im Jahr 2000 realisierte,
war die Einführung von Pago BIS (Business Information Service), einem umfang-
reichen Online-Reporting-Tool, das dem Händler die volle Transparenz über seine
Transaktionen und eine Reihe von interaktiven Steuerungsmöglichkeiten bietet.
Inzwischen sind unter der Bezeichnung Pago Online Administration eine Reihe
solcher Online-Tools zusammengefasst. Während Pago BIS verschiedene Berichte
über Transaktionen bereitstellt, bietet Pago CIS (Chargeback Information System)
dem Händler die Möglichkeit, alle Chargebacks aus Kreditkartentransaktionen zu
überwachen und bei Bedarf steuernd einzugreifen. Pago WebDebtor erlaubt die
Kontrolle und Steuerung von debitorischen Vorgängen online und in Echtzeit.
Für den Online-Händler bedeutet das, dass er jederzeit den Status aller Transak-
tionen abrufen kann und so die volle Transparenz über den elektronischen Zah-
lungsverkehr hat. Zudem besteht mit den Online-Administration-Tools die Mög-
lichkeit, zeitkritische Vorgänge und Entscheidungen über Transaktionen, die nur
der Händler fällen kann, direkt im Web umzusetzen.

5 Pago-Doppelrolle: Acquirer und Payment Service


Provider

Eine großer Schritt für das Unternehmen war im Jahr 2000 nicht nur die veränder-
te Gesellschafterstruktur durch die Beteiligung der Deutschen Bank sondern die
daraus resultierende neue Rolle als Kreditkarten-Acquirer für Visa und Master-
Card in deren europäischem Lizenzgebiet. In dieser seit 2001 gültigen Doppelrolle
als Kreditkarten-Acquirer und gleichzeitig Payment Service Provider ist Pago in
der Lage, Online-Händlern mit Sitz in Europa sowohl Akzeptanzverträge für Visa
und/oder MasterCard anzubieten als auch die Zahlungsabwicklung inklusive Clea-
ring und Settlement zu übernehmen.
Damit steht dem europäischen Online-Handel eine Servicepalette aus einer
Hand rund um die Kreditkartenakzeptanz zur Verfügung. Shop-Betreiber arbeiten
von Anfang an mit einem Team zusammen, das sie sowohl bei der Auswahl der
geeigneten Zahlarten und den technischen Voraussetzungen berät, als auch wäh-
rend der Aufschaltung betreut. Im laufenden Betrieb stehen dann Pago-Experten
aus dem Support-Bereich mit Rat und Tat bereit.
Pago eTransaction Services GmbH – Acquirer & Payment Service Provider 203

Abb. 2. Kreditkarten-Acquiring und -Processing aus einer Hand

6 Fokus Risiko-Management

Nachdem Pago im ersten Jahr nach der Gründung sein Hauptaugenmerk auf die
technische Abwicklung des elektronischen Zahlungsverkehrs gelegt hatte, geriet
das Risiko-Management rasch in den Fokus; dies unter anderem ausgelöst durch
die vielen schlechten Erfahrungen, die Online-Händler mit den Offline-Zahlarten
gemacht hatten. Hier war der Ausgangspunkt die – im „klassischen“ Versandhan-
del zum Allgemeingut zählende – Erkenntnis, dass bei jeder Transaktion, unab-
hängig von der Zahlart, ein Zahlungsausfallrisiko besteht, dass man aber anhand
verfügbarer Informationen das Risiko einschätzen und dass der Händler auf Basis
der Risikobewertung entscheiden kann, ob er diese Transaktion akzeptiert und
ausführt oder ablehnt.
Pago hat auf der Grundlage der Erfahrungen aus dem stationären und dem Ver-
sandhandel im Jahr 2000 eine Reihe innovativer Risk-Management-Services ent-
wickelt. Händlern, die diese Services nutzten, wurde im Augenblick der Bestel-
lung und nahezu in Echtzeit eine Risikobewertung der jeweiligen Transaktion
geliefert und dazu eine Empfehlung, welche Zahlarten dem Käufer anzubieten sei-
en. Die Pago-Risk-Management-Services der ersten Jahre waren naturgemäß stark
auf die hochriskanten Offline-Zahlarten ausgerichtet. Heute steht auch im Bereich
Risiko-Management die Kreditkarte im Mittelpunkt. Bereits seit 2001 unterstützt
Pago das auf dem 3-D-Secure-Standard basierende Authentifizierungssystem Ve-
rified by Visa. Seit 2002 kann auch das entsprechende SecureCode-Verfahren von
204 Markus Weber

MasterCard genutzt werden. Bei dieser Betrugsabwehrmethode muss der Karten-


halter jede Transaktion mit einem speziellen Passwort absichern. Für Inhaber von
Visa, MasterCard und American Express, deren Karten in den USA ausgestellt
wurden (bei Visa gilt dies auch für Karten aus Großbritannien), steht der Address
Verification Service (AVS) zur Verfügung, der ebenfalls komplett über die Pago-
Plattform abgewickelt werden kann. Dabei werden zusätzlich zu den üblichen
Kartendaten auch die bei der Bestellung angegebenen Adressdaten überprüft. Dass
Pago bei einer Kreditkartentransaktion auch die Angabe der Kartenprüfnummer
(CVV2 bzw. CVC2) auf Richtigkeit prüfen kann, ist selbstverständlich.
Mit dem Pago Fraud Screening kann ein Online-Händler eines der weltweit
umfassendsten Systeme zur Betrugsabwehr im Card-not-present-Bereich nutzen.
Dieser Risk-Management-Service umfasst nicht nur den AVS- und CVV2-/CVC2-
Check sondern setzt auf das bewährte Screening-System ebitGuard von Retail De-
cisions. Die angegebenen Kreditkartendaten werden mit Negativlisten verglichen.
Diese stammen von den Kreditkartenorganisationen und aus einem genossen-
schaftlich organisierten Verbund von Händlern und Dienstleistern sowie vom je-
weiligen Händler selbst. Mit der Technik der neuronalen Netze wird das Verhalten
rund um die angegebene Kreditkarte geprüft – zum Beispiel durch so genannte
„Velocity Checks“, bei denen getestet wird, wie oft eine Karte in einem bestimm-
ten kurzen Zeitraum benutzt wurde. Auch Fälle, bei denen eine Kartennummer mit
verschiedenen Namen, Adressen oder Mail-Adressen benutzt wurden, werden be-
wertet. Hinzu kommen die Richtlinien des jeweiligen Branchenmodells, das Er-
kennen von bekannten Betrugsmustern und von Betrugsmustern auf Basis von his-
torischen und Chargeback-Daten. Pago Fraud Screening liefert in Sekunden-
schnelle Empfehlungen für jede Kreditkartentransaktion in nur drei aussage-
kräftigen Bewertungskategorien: Accept, Deny oder Challenge. Je nach Bewer-
tung kann der Online-Händler eine Transaktion einfach annehmen oder ablehnen;
wird „Challenge“ zurückgemeldet, kann der Händler den Käufer zum Beispiel bit-
ten, die Bestellung per Fax zu bestätigen.
Für die bei deutschen Konsumenten auch im Online-Bereich beliebteste Zahl-
art, die elektronische Lastschrift (ELV), bietet Pago mit dem Account Check und
dem ELV Check zwei Risk-Management-Services an. Mit diesen beiden Prüfver-
fahren wird einerseits die Existenz der angegebenen Bankleitzahl überprüft und
dann festgestellt, ob die ebenfalls angegebene Kontonummer existieren kann.
Beim ELV Check wird kontrolliert, ob eine Kontonummer mit einem negativen
Eintrag in einer bundesweit gepflegten Sperrdatei festgehalten ist. Mit diesen be-
währten Risk-Management-Services können sich Online-Händler wirkungsvoll
gegen Zahlungsausfälle schützen und so ihren Geschäftserfolg absichern.

7 Pago-Services: Von der Kreditkarte bis zu Direct-


Debit-Verfahren

E-Commerce in Deutschland und Europa hat sich in der Zeit zwischen 1999 und
heute dramatisch verändert, das gilt ganz besonders für den Payment-Bereich.
Pago eTransaction Services GmbH – Acquirer & Payment Service Provider 205

Schon die Pago-Studie 2004 zeigte deutlich, dass die Kreditkarte mit Abstand das
wichtigste Zahlungsmittel im Internet ist und dass dies auch für einige Zeit so
bleiben wird. Pago hat diese Entwicklung zum Anlass genommen, im Jahr 2004
die Service-Palette neu zu strukturieren. Der Fokus liegt seit dieser Zeit eindeutig
auf der Kreditkarte, Services rund um die Offline-Zahlarten werden nicht mehr
angeboten. Neben der Kreditkarte spielen Direct-Debit-Verfahren – ELV für deut-
sche Kunden und die jeweiligen Direct-Debit-Verfahren für österreichische und
niederländische Konsumenten – die Hauptrolle. In Deutschland setzt sich zudem
immer mehr die von Pago als neue Zahlart etablierte Online-Überweisung durch,
die auf den Prinzipien des Homebanking beruht.
Im Kreditkartenbereich bietet Pago die Online-Akzeptanz für Visa und
MasterCard in deren jeweiligem Lizenzgebiet Europa an. Zu diesem Servicepaket
zählen neben den notwendigen Akzeptanzverträgen alle nachgelagerten Services
von Clearing und Settlement bis zum Online-Reporting. Im Rahmen des Card-
Processing übernimmt Pago die Abwicklung von Transaktionen der Kreditkarten-
Brands American Express, JCB und Switch/Solo. Die Pago-Payment-Services im
Überblick:
x Pago Online Acceptance (Visa und MasterCard im Online-Handel)
x Pago PoS Acceptance (Visa und MasterCard am Point-of-Sale)
x Pago Card Processing (Visa, MasterCard, American Express, JCB,
Switch/Solo)
x Pago Direct Debit (Elektronische Lastschrift Deutschland, Direct Debit Austria,
Direct Debit Niederlande)
x Pago Online-Überweisung
Die Transaktionskosten für den Händler richten sich nach der Art der Transaktion
und dem Transaktionsvolumen. Je nach Zahlart setzen sich die Preise zusammen
aus einem Einrichtungspreis, einem monatlichen Bereitstellungspreis und dem
Preis für die einzelne Transaktion abhängig von den abgewickelten Mengen. Für
Akzeptanzverträge wird ein umsatzabhängiges Disagio abgerechnet, das sich ins-
besondere nach dem Geschäftsmodell, der Branche und der Höhe der eingereich-
ten Umsätze orientiert.

8 Pago-Report: Marktstudien als Instanz

Im Frühjahr 2002 gab Pago die erste Studie zum europäischen Payment-Markt
heraus, die auf der Auswertung tatsächlich abgewickelter Transaktionen basiert.
Mit der vierten Ausgabe der jetzt „Pago-Report“ genannten Studie im Jahr 2005
hat sich das Unternehmen als von Fachleuten sowie Fach- und Wirtschaftsjourna-
listen anerkannte Instanz in diesem Markt etabliert.
Ausgewertet wurden rund 20 Millionen reale Kaufvorgänge, die im Jahr 2004
über die Pago-Plattform abgewickelt wurden. Diese Kaufvorgänge stammen aus
Online-Shops verschiedener Branchen in ganz Europa. Im Fokus standen dabei
das E-Retail, das Online-Gambling, der Pharmacy-/E-Health-Bereich, die Tele-
206 Markus Weber

kommunikationsbranche und die Travel-Branche. Dabei wurden mehr als zwei-


hundert Analysen durchgeführt und in neunzig Tabellen und hundert Grafiken
dargestellt. Branchenkenner aus aller Welt nutzen den Pago-Report 2005 als wich-
tige Informationsquelle für ihre Arbeit. Die der Pago-Report 2005 kommt u.a. zu
folgenden wichtigen Erkenntnissen:
x Die E-Commerce-Branchen entwickeln sich im Hinblick auf das Kauf- und
Zahlverhalten der Konsumenten sowie auf das Zahlungsausfallrisiko extrem
unterschiedlich. Während das E-Retail, also der Online-Handel mit materiellen
Gütern, immer mehr Ähnlichkeit mit dem klassischen Versandhandel annimmt,
bildet beispielsweise die Online-Reisebranche spezifische Profile in Bezug auf
Zahlverhalten und Zahlungsausfallrisiko aus.
x Während im internationalen Vergleich die Kreditkarte ganz eindeutig die wich-
tigste und beliebteste Zahlart im E-Commerce ist, hat sich bei deutschen Kun-
den der Trend hin zum elektronischen Lastschriftverfahren weiter verstärkt. Mit
64 % Anteil an den Kaufvorgängen deutscher Kunden liegt diese Zahlart jetzt
noch einmal fünf Prozentpunkte höher als im Vorjahr.

Tabelle 2. Verteilung der Zahlungsverkehrstransaktionen (Pago-Report 2005)


Zahlungsmethode 2004 2003
(Anteil in %) (Anteil in %)
Elektronische Lastschrift 16,92 6,59
Kredit- und Debitkarte 81,41 92,63
Offline Payment
1,12
(Rechnung, Nachnahme, Vorauszahlung)
0,75
Andere
0,55
(andere Karten, alternative Zahlungsmethoden)

x Auch E-Shopper aus Österreich und den Niederlanden nutzen im Online-


Handel gerne das jeweilige landesspezifische Abbuchungsverfahren – so kom-
men die so genannten „Direct-Debit-Zahlarten“ insgesamt schon auf einen An-
teil von fast 17 %.
x Im Online-Gambling entstehen die wenigsten Kreditkarten-Chargebacks, die
sich unter anderem dann ergeben, wenn beim Online-Bezahlen Kreditkartenda-
ten mit Betrugsabsicht eingesetzt werden. Im Online-Gambling liegt der Anteil
solcher Transaktionen – die so genannte „Chargeback-Quote“ – bei lediglich
0,26 %. Die Chargeback-Quote für alle Kaufvorgänge erreicht dagegen 0,83 %.
x Während sich allerdings die Chargeback-Quote bei deutschen Konsumenten
fast halbiert hat, ist sie bei Käufern aus dem europäischen Ausland (außer
Deutschland und UK) um das Vierfache gestiegen. Damit wird klar, dass die
Betrugsabwehr – insbesondere rund um Kreditkartenzahlungen – immer noch
ein wichtiger Erfolgsfaktor für E-Commerce-Anbieter ist.
x Der Anteil an Chargebacks die wegen manipulierter Kreditkartendaten entstan-
den sind, ist von knapp über 4 % im Jahr 2003 auf deutlich über 7 % im Jahr
2004 gestiegen – vermutlich eine Folge des insgesamt wachsenden organisier-
ten Kreditkartenbetrugs.
Pago eTransaction Services GmbH – Acquirer & Payment Service Provider 207

Tabelle 3. Übersicht der Chargeback-Raten (Pago-Report 2005)


Anteil der Durchschnittlicher Durchschnittliche
Kreditkartenzah- Einkaufskorb-Wert Chargeback-Rate
lungen in % in EUR in %
E-Retail 81,28 62,70 0,9
Online-Gambling 99,96 53,72 0,3
E-Pharmacy 100,00 107,56 n.a.
Telekommunikation 31,02 33,26 0,6
E-Travel 100,00 189,84 0,3

Unter den im Online-Handel verwendeten Kreditkarten-Brands liegt auch im Jahr


2004 Visa vorne; die Anteile von MasterCard- und Visa-Transaktionen sind je-
doch im Vorjahresvergleich annähernd gleich groß geblieben. Andere Kreditkar-
ten spielen beim Bezahlen im Internet nach wie vor keine große Rolle.

80%
68,69%
70%

60%

50%

40%
28,96%
30%

20%

10%
1,35%
0%
Visa MasterCard andere
Abb. 3. Anteile von Visa und MasterCard im Online-Handel (Pago-Report 2005)

9 Pago-Partner-Netzwerk

Einen entscheidenden Schritt hat Pago im Jahr 2004 mit dem Start des Pago-Part-
ner-Programms getan. Ziel dieses Programms ist es, die Pago-Services in Zukunft
ausschließlich über qualifizierte Partnerunternehmen an Online-Händler zu ver-
treiben. Schon seit den Anfangstagen hat Pago in Kooperation mit anderen Unter-
nehmen am Markt agiert, diese individuellen Kooperationen wurden so zu sagen
standardisiert. Unternehmen, die als Pago-Partner auftreten wollen, werden von
208 Markus Weber

Pago geschult, das Know-how und die Einhaltung der Qualitätsstandards werden
von Pago zertifiziert. Damit ist gewährleistet, dass die Betreuung eines Online-
Händlers durch einen Pago-Partner auf demselben fachlichen Niveau liegt als
wenn Pago selbst tätig wäre.

10 Fazit

x Pago eTransaction Services GmbH ist ein internationaler Acquiring & Payment
Service Provider, der für Unternehmen aus E-Commerce, stationärem und Ver-
sandhandel tätig ist.
x Pago ermöglicht es seinen Kunden, Zahlungen für Waren und Dienstleistungen
einfach, sicher und schnell auf elektronischem Weg zu erhalten.
x Durch die weltweit einzigartige Integration von Kreditkarten-Acquiring und
Zahlungsabwicklung aus einer Hand öffnen die Pago-Payment-Services Han-
delsunternehmen unterschiedlicher Größe den Zugang zu allen international
und national relevanten Zahlarten – von Visa und MasterCard über American
Express, Diners Club, JCB und Switch/Solo bis zu den regional etablierten Di-
rect-Debit-Verfahren.
x Zusätzlich zu den Payment-Services bietet Pago ausgefeilte und bewährte Risk-
Management-Services an, die das Zahlungsausfallrisiko erheblich minimieren
und so das Geschäft der Händler sichern.
x Pago ist ein Unternehmen der Deutschen Bank und der Beisheim Holding
Schweiz, das seine Services über ein weltweit operierendes Partner-Netzwerk
vertreibt.
x Zurzeit (Stand: August 2005) betreibt Pago über 5.700 aktive Online-Shop-An-
bindungen.
x Zu den Pago-Kunden zählen zurzeit mehr als 780 Unternehmen aus verschie-
denen Branchen – von Online-Gambling, Online-Pharmacy und E-Retail über
die Telekommunikation bis zum Tourismus.

Literatur

Pago-Report (2005) Erfolgs- und Risikofaktoren im internationalen E-Payment - Empfeh-


lungen auf Basis realer Kaufvorgänge im Jahr 2004. Pago eTransaction Services
GmbH, Köln
Click&Buy von FIRSTGATE

Philipp Barthold, Timo Seidel

FIRSTGATE AG, Köln

1 Einleitung

Der Ende der 1990er Jahre ausgelöste Internet-Boom basierte vorwiegend auf dem
Angebot kostenloser Inhalte und Dienstleistungen im Internet. So erwies sich die
Möglichkeit, permanent und unentgeltlich auf wertvolle Informationen zugreifen
zu können, als wichtiger Grund für die Entwicklung des Internets zum Massenme-
dium. Die Bereitstellung digitaler Inhalte erzielte ihre Erlöse vornehmlich aus On-
line-Werbung. Dieses Modell erschien nicht besonders zukunftsträchtig: Im Ver-
gleich hierzu werden Inhalte klassischer Printmedien immerhin zu rund einem
Drittel über den Verkaufspreis finanziert. Insbesondere Verlagshäuser strebten
auch im Online-Segment zunehmend eine Form der Finanzierung über den direk-
ten Verkauf digitaler Inhalte an. Der Verkauf im Internet ermöglichte es den Ver-
lagen zudem, anstelle der ganzen Zeitung oder Zeitschrift einzelne Artikel zu ver-
kaufen. Hierbei ging es um den Verkauf kleinpreisiger Güter, deren wirtschaft-
liche Abrechnung neue Konzepte verlangte. Um diese Anforderungen zu erfüllen,
entwickelte die FIRSTGATE AG von 1999 an die internetbasierte Tarifierungs-
plattform „Click&Buy“.
Dieser Beitrag erklärt die Funktionsweise von „Click&Buy“, die rechtlichen
Rahmenbedingungen sowie die wesentlichen Strategien der Produktentwicklung,
welche „Click&Buy“ in den letzten fünf Jahren zum europäischen Marktführer in
der Abrechnung digitaler Inhalte gemacht haben.

2 Funktionsweise

Das „Click&Buy“-System ist eine digitale Handelsplattform für Verkäufer und


Käufer im Internet, welche auf der Aggregierung von Kleinstbeträgen basiert.
Voraussetzung für einen Kaufvorgang ist, dass sich der Nutzer, bevor er mit
„Click&Buy“ zahlt, einmalig registriert. Dabei muss er eine Reihe persönlicher In-
formationen wie Adressdaten, E-Mail und Zahlungsmittel angeben. Nach Ab-
schluss des Registrierungsprozesses kann der Nutzer mit seinem selbst gewählten
Benutzernamen und Kennwort bei allen Anbietern kostenpflichtiger Inhalte („An-
bieter“) kaufen, die „Click&Buy“ als Zahlungsmittel akzeptieren. Die Beträge
210 Philipp Barthold, Timo Seidel

einzelner Kaufvorgänge werden summiert, monatlich dem Käufer belastet und an


die Anbieter ausgeschüttet. Dieses Aggregationsprinzip ermöglicht es, über
„Click&Buy“ auch sehr kleine Beträge wirtschaftlich abzurechnen.

Abb. 1. Das Click&Buy-System der FIRSTGATE AG

Eine Kernfunktionalität des „Click&Buy“-Systems ist neben der Abrechnung auch


die Auslieferung und die Zugriffsverwaltung der kostenpflichtigen Inhalte.
Befindet sich ein Nutzer auf der Internetseite eines Anbieters und klickt auf ein
kostenpflichtiges Angebot, so wird eine Verbindung zur „Click&Buy“-Rewrite-
Engine hergestellt (1). Sofern er bereits Nutzer ist, kann er sich durch Eingabe
seines Benutzernamen und Passworts identifizieren; andernfalls wird ihm die
Möglichkeit gegeben sich zu registrieren (2). Nach erfolgreicher Verifizierung (3)
werden die digitalen Inhalte von „Click&Buy“ ausgeliefert (4, 5 und 7). Dieser
Vorgang („Session“) wird gespeichert (6), damit der Nutzer einen erneuten Abruf
des Angebots innerhalb eines vom Anbieter festgelegten Zeitraums nicht bezahlen
muss.
Innerhalb des Registrierungsprozesses werden die Kundendaten durch viele
verschiedene Sicherungsmechanismen auf Plausibilität geprüft, um die Wahr-
scheinlichkeit eines Zahlungsausfalls zu minimieren.
Der Nutzer erhält eine monatliche Abrechnung über alle von ihm getätigten
Umsätze, welche die Rewrite-Engine zuvor in einer zentralen Datenbank erfasst
hat. FIRSTGATE belastet das hinterlegte Zahlungsmittel des Nutzers (Bankver-
bindung, Kreditkarte, Telefonrechnung) und führt die Umsätze, abzüglich einer
Umsatzprovision, den einzelnen Anbietern zu.
Einzelverbindungsnachweise der Kauftransaktionen, eine Übersicht über die
Zahlungsvorgänge und den aktuellen Stand der Abrechnungen sind im geschütz-
Click&Buy von FIRSTGATE 211

ten Servicebereich der FIRSTGATE-Homepage für Nutzer und Anbieter jederzeit


zugänglich. Anbieter erhalten zudem detaillierte monatliche Umsatzübersichten
und Statistiken.
Zahlungsausfälle, die z.B. entstehen können, wenn ein Nutzer sich weigert die
Rechnung zu begleichen oder zahlungsunfähig ist, versucht das interne Forde-
rungsmanagement beizutreiben.
Neben der Kauftransaktionsabwicklung, der Auslieferung digitaler Güter und
einem entsprechenden Forderungsmanagement stellt „Click&Buy“ dem Anbieter
weitere Dienstleistungen zur Verfügung. So werden beispielsweise sämtliche Nut-
zer des Systems durch ein Call-Center betreut und der Anbieter in Marketingmaß-
nahmen unterstützt.

3 Strategische Meilensteine

3.1 Markteinführung

Die Möglichkeit, digitale Güter zu kleinen Preisen wirtschaftlich abzurechnen,


war die Grundidee, die zur Entwicklung von Click&Buy im Jahr 1999 geführt hat.
Eine vergleichbare Möglichkeit existierte zu diesem Zeitpunkt noch nicht.
Diese Chance des Unternehmens erwies sich anfangs sogar als Risiko, denn im
Jahr 2000 herrschte noch die so genannte „Kostenloskultur“ vor. Für Anbieter
hochwertiger Inhalte standen Zugriffszahlen und „Page-Impressions“ im Vorder-
grund – ein klarer Gegensatz zum Verkauf angebotener Informationen.
Voraussetzung für das Geschäft mit „Click&Buy“ ist, dass sich sowohl Nutzer
als auch Anbieter einmalig registrieren. Zum Zeitpunkt der Markteinführung gab
es weder registrierte Anbieter, noch Nutzer - somit stand das System vor dem
klassischen „Henne-Ei-Problem“.
Um diesen Problemen zu begegnen, wurde der vertriebliche Fokus auf wenige
große Anbieter gelegt. Mit dem festen Glauben an Paid Content und dem Einbre-
chen des Werbemarkts im Internet konnten im ersten Geschäftsjahr eine Reihe
großer Verlagshäuser gewonnen werden.
Die Produktweiterentwicklung von „Click&Buy“ war zunächst sehr auf diese
Anbieter fokussiert und führte zur Integration einer Vielzahl von unterschiedli-
chen Abrechnungsmodellen, so z.B. zeit- und volumengesteuerte Zugriffe und
Abonnements. Neben dem Einzug der Forderungen für die Anbieter und der Rech-
nungsstellung waren diese Modelle ein wichtiges Argument für Anbieter
„Click&Buy“ einzusetzen.

3.2 Marktetablierung

Um den Nutzer mehr an das Produkt zu binden, wurde ein umfangreicher Kun-
denservicebereich geschaffen. In diesem kann der Nutzer transparent seine Aus-
gaben kontrollieren, Rechnungsdokumente abrufen, Abonnements kündigen und
212 Philipp Barthold, Timo Seidel

Nutzungsdaten ändern. Neben einer Erhöhung der Anzahl kostenpflichtiger Ange-


bote durch neue Anbieter, führte dies zu einer messbaren Verbesserung des Ag-
gregationseffektes, also der Möglichkeit mit einer Zahlungstransaktion mehrere
Kaufvorgänge abzurechnen. Nur so konnte der Anteil der realen Zahlungsver-
kehrskosten möglichst gering gehalten werden.
Um Anbieter zu gewinnen, die internationale Endkunden adressieren, wurden
im Jahr 2002 die nationalen Lastschriftverfahren für Österreich und die Nieder-
lande in die „Click&Buy“-Plattform integriert.
Auch wenn die einzelnen Kaufvorgänge vornehmlich im niedrigen Preisseg-
ment abgewickelt wurden, stieg der Anteil von Zahlungsausfällen. Konsequent
wurde „Click&Buy“ um präventive Systeme zur Betrugsverhinderung und um ein
nachgelagertes Forderungsmanagement ergänzt. Diese Produkterweiterungen
schafften den Anbietern digitaler Waren zusätzliche Mehrwerte, die von ihnen
selbst wirtschaftlich nicht durchzuführen waren.

3.3 Beginn der Internationalisierung

Anfang 2002 identifizierte die British Telecom („BT“) den Markt für Paid Content
als interessantes strategisches Geschäftsfeld. Mit der Hilfe eines Consultants wur-
de weltweit nach bestehenden Abrechnungssystemen für einen zügigen
Markteintritt gesucht. Aus verschiedenen Angeboten wurde „Click&Buy“ als bes-
te Lösung ausgewählt und die FIRSTGATE AG verkaufte an BT eine Lizenz zum
Betrieb von „Click&Buy“ in Großbritannien und Irland. Dort heißt das Produkt
„Click&Buy from BT“. Das Operating und die Produktentwicklung übernimmt
weiterhin die FIRSTGATE AG. Der erste Schritt zur internationalen Etablierung
des Systems war vollzogen.
Beide „Click&Buy“-Systeme wurden durch eine Roaming-Funktionalität mit-
einander verbunden. Diese ermöglicht es, dass ein britischer Nutzer bei deutschen
Anbietern einkaufen kann und umgekehrt. So konnte British Telecom direkt von
der Nutzer- und Anbieterzahl der FIRSTGATE AG profitieren.
Ein weiterer Aspekt des Roamingkonzeptes ist die Mehrwährungsfähigkeit, die
es ermöglicht, dass Angebote der Anbieter stets in der Währung des Nutzers ange-
zeigt und abgerechnet werden. Die Auszahlung des Anbieters erfolgt dann trotz-
dem in dessen nationaler Währung.
Inzwischen drängten andere Zahlungsanbieter auf den Markt die versuchten,
das „Click&Buy“-Modell zu kopieren. Der Nutzer hatte nun oft die Möglichkeit,
statt „Click&Buy“ andere Abrechnungsverfahren zu wählen. Um den eigenen
Wiedererkennungswert zu stärken wurde daher im Zuge der Expansion darauf ge-
achtet, dass die Zahlungsart „Click&Buy“ immer mit dem entsprechenden Logo
angeboten wurde.
Click&Buy von FIRSTGATE 213

Abb. 2. Logo von „Click&Buy“

3.4 Stärkung der internationalen Partnerschaften

Im Jahr 2003 gründete eine Gruppe internationaler Investoren in der Schweiz die
Webpay Holding AG und erwarb von der FIRSTGATE AG die weltweiten Rechte
an „Click&Buy“. Heute befinden sich unter dem Dach der Holding u.a. die
FIRSTGATE AG in Köln, die FIRSTGATE S.A. in Paris, die FIRSTGATE
S.A.S. in Madrid und die Webpay Inc. in New York. Diese Gesellschaften ver-
markten jeweils vor Ort das „Click&Buy“-System.
Das Lizenzgeschäft wird seitdem von der Webpay aus der Schweiz heraus vo-
rangetrieben. Am Beispiel der Lizenz an die British Telecom hatte man gelernt,
dass das Produkt „Click&Buy“ in neuen Märkten von dem Vertrauen der Konsu-
menten in die großen ehemals staatlichen Telefongesellschaften profitiert. Zudem
bieten diese Gesellschaften mit der Telefonrechnung für den Nutzer eine weitere
Abrechnungsmöglichkeit. Aus diesen Gründen legte man bei der Suche nach neu-
en Lizenznehmern den Fokus auf große Telekommunikationsunternehmen.
Mit der Swisscom wurde ein Lizenznehmer für den Schweizer Markt gefunden.
Auch das „Click&Buy“-System der Swisscom wurde technisch in den Roaming-
Verbund integriert.
Im Jahr 2004 wurde die „Click&Buy-Alliance“ gegründet, die alle
„Click&Buy“-Betreiber vertraglich zusammenfasste, stets treu der Devise „think
global and act local“.

3.5 Vernetzung als strategischen Vorteil begreifen

Durch die Internationalisierung und das starke Umsatzwachstum der angebunde-


nen Anbieter stieg auch die Zahl der registrierten Endnutzer auf 5 Mio. an (Stand
August 2005). Diese können nahezu ohne Hürde kaufen, nämlich nur mit ihrem
Benutzernamen und Kennwort. Dieses stellt einen weiteren Wettbewerbsvorteil
von „Click&Buy“ dar.
Die breite Kundenbasis liefert zudem einen umfangreichen Erfahrungsschatz,
so basieren z.B. die Betrugspräventions-Systeme der „Click&Buy-Alliance“ in-
zwischen auf einer Mustererkennung von Vorfällen, die in der Vergangenheit auf-
getreten sind. Weiterhin bieten sich gute Möglichkeiten für Marketingaktionen
und Cross- und Up-Selling-Effekte.
214 Philipp Barthold, Timo Seidel

Das außereuropäische Lizenzgeschäft wird weiter vorangetrieben. So hat nun


auch die größte mexikanische Telefongesellschaft, Telmex, eine Lizenz für
„Click&Buy“ erworben. In den USA wurde zusammen mit der Billing Services
Group ein Joint Venture, die Webpay Concepts LLC, gegründet. Mit weiteren In-
teressenten werden intensive Gespräche geführt. Die weitere Entwicklung des eu-
ropäischen Marktes wird von der Webpay-Gruppe selbst vorangetrieben.

4 Aufsichtsrecht

Als die FIRSTGATE AG 1999 gegründet wurde, musste zunächst ein rechtlich
einwandfreier Weg gefunden werden, mit dem ein Online-Zahlungsverfahren oh-
ne Bankenlizenz betrieben werden konnte. Um nicht in den Bereich des streng
reglementierten Bankengeschäfts zu gelangen, konnte aus zwei rechtlichen Alter-
nativen gewählt werden: Dem Forderungskauf (Factoring) und dem Einzug frem-
der Forderungen in fremden Namen (Inkasso).
Seitdem hat sich insbesondere auf der Ebene der europäischen Gemeinschaft
einiges getan. Im Jahr 2000 wurde das so genannte E-Geld von der EU auf den
Weg gebracht. Gab es Anfangs nur wenig Interesse an dieser Möglichkeit, so gibt
es heute einige Online-Zahlungsverfahren, die hiervon Gebrauch gemacht haben1.
Allerdings hat fast keiner dieser Anbieter eine E-Geld-Lizenz in Deutschland er-
worben, vielmehr haben sie zumeist ihren Sitz in London und unterstehen der
Aufsicht britischer Behörden.
Auf europäischer Ebene zeichnet sich nunmehr eine weitere Entwicklung ab:
Die europäische Kommission erarbeitet derzeit eine Richtlinie, mit der eine wei-
tere Institution, die so genannte „Payment Institution“, geschaffen werden soll.
Im Folgenden sollen die verschiedenen rechtlichen Modelle von Online-Zah-
lungsverfahren und ihre Vor- und Nachteile skizziert werden:

4.1 Postpaid/Inkasso

Die FIRSTGATE AG zieht Forderungen ihrer Anbieter in deren Namen und Auf-
trag ein. Der Einzug fremder Forderungen bedarf als rechtsberatende Tätigkeit ei-
ner behördlichen Erlaubnis. FIRSTGATE ist deshalb Inhaberin einer so genannten
Inkassoerlaubnis gemäß Art. 1 § 1 Absatz 1 Ziffer 5 des Rechtsberatungsgesetzes
(RberG). Die Aufsicht über die staatlich zugelassenen Inkassobüros führt der je-
weils örtlich zuständige Präsident des Amtsgerichtes.
Inkassounternehmen betreuen fremde Vermögensinteressen. Dem Schutz des
Auftraggebers entspricht der Gesetzgeber durch folgende Voraussetzungen: Das
Unternehmen muss zum einen über ein gewisses Ansehen und ausreichend Kapital
verfügen. Zum anderen muss der Ausübungsberechtigte entsprechend qualifiziert

1 PayPal (Europe) Ltd. (Richmond upon Thames, UK), Neteller (UK) Ltd. (London, UK),
Moneybookers Ltd. (London, UK).
Click&Buy von FIRSTGATE 215

sein und die Position eines leitenden Angestellten oder gesetzlichen Vertreter des
Unternehmens innehaben. Nach § 8 der ersten Verordnung zur Ausführung des
RberG muss der Ausübungsberechtigte seine Sachkunde und Eignung durch ge-
naue Angaben über seinen Ausbildungsgang und seine bisherige berufliche Tätig-
keit nachweisen.
Das noch aus dem Jahre 1935 stammende Rechtsberatungsgesetz soll dem-
nächst vollständig durch eine zeitgemäßere Regelung ersetzt werden. Das so ge-
nannte Rechtsdienstleistungsgesetz (RDG-E) befindet sich derzeit (Stand: 2005) in
der Phase des Referentenentwurfs des Bundesjustizministeriums2.
Nach § 1 Abs. 2 RDG-E wird der Anwendungsbereich nun auch auf den vorher
vom RberG nicht erfassten Forderungskauf (Factoring) erweitert3. Weiterhin wird
es für den Verbraucher einfacher, die Erfüllung der rechtlichen Voraussetzungen
entsprechender Dienstleister nachzuvollziehen: § 15 des RDG-E sieht ein elektro-
nisch geführtes Register vor, welches dann auch im Internet für jeden öffentlich
einsehbar ist.
Wählt man, wie die FIRSTGATE AG, die Inkasso-Systematik, so ergeben sich
daraus folgende schuldrechtliche Beziehungen zwischen dem Anbieter des Zahl-
verfahrens, dem Anbieter kostenpflichtiger Inhalte und dem Nutzer:

FIRSTGATE 1 Anbieter

2 3
Nutzer
Abb. 3. Schematische Darstellung der Vertragsbeziehungen bei Postpaid/Inkasso

1. Kooperationsvertrag: Der Anbieter schließt mit FIRSTGATE einen Kooperati-


onsvertrag, in dem er FIRSTGATE beauftragt Forderungen, die beim Abruf
seiner kostenpflichtigen Inhalte entstanden sind, in seinem Namen und auf sei-
ne Rechnung gegen den Nutzer geltend zu machen.
2. Nutzungsvertrag: Ein Internetnutzer der kostenpflichtige Inhalte mit
„Click&Buy“ bezahlen will, meldet sich bei FIRSTGATE an. Dabei hinterlegt
er seine Zahlungsdetails und akzeptiert die Nutzungsbedingungen von FIRST-
GATE. Danach kann der Nutzer mittels seines Nutzernamen und Passwortes
bei allen Anbietern bezahlen, welche „Click&Buy“ als Zahlungsmethode an-
bieten.

2 Der Entwurf kann unter http://www.bmj.de/media/archive/894.pdf eingesehen werden.


3 § 2 Abs, 2 RDG-E: „Rechtsdienstleistung ist auch die Einziehung fremder oder zu Ein-
ziehungszwecken abgetretener Forderungen sowie der Ankauf und sonstige Erwerb
fremder Forderungen zum Zweck der Einziehung, wenn die Forderungseinziehung als
eigenständiges Geschäft betrieben wird (Inkassodienstleistung). Abgetretene Forderun-
gen gelten für den bisherigen Gläubiger nicht als fremd.“
216 Philipp Barthold, Timo Seidel

3. Kaufvertrag/Dienstleistungsvertrag: An dem eigentlichen Vertrag über die In-


anspruchnahme kostenpflichtiger Inhalte ist FIRSTGATE vollkommen unbetei-
ligt. Der Vertrag über die Inanspruchnahme der Dienstleistung oder den Kauf
der Ware kommt zwischen dem Anbieter und dem Nutzer zustande. Typi-
scherweise wird der Anbieter auch eigene AGB vorhalten, die der Nutzer ak-
zeptieren muss.
FIRSTGATE unterliegt als Inkassoinstitut zwar den Regeln des RberG und der
Aufsicht des Präsidenten des Amtsgerichts, nicht aber den zumeist noch strenge-
ren Regeln des Bankenrechts. Somit ist das Inkassosystem immer noch eine att-
raktive Gestaltungsmöglichkeit.

4.2 E-Geld

Betrachtenswert ist auch der in Deutschland noch kaum beschrittene Weg der
bankrechtlichen Zulassung zum E-Geld-Institut. Der aufsichtsrechtliche Rahmen
für E-Geld-Institute wurde durch die Richtlinien 2000/28/EG4 und 2000/46/EG5
des europäischen Parlament und des Rates geschaffen. In Art. 1 Abs. 3 lit. b) RL
2000/46/EG der so genannten E-Geld-Richtlinie wird E-Geld als monetärer Wert
in Form einer Forderung gegen eine ausgebende Stelle bezeichnet, der „(1.) auf
einem Datenträger gespeichert wird, (2.) gegen Entgegennahme eines Geldbetra-
ges ausgegeben wird, dessen Wert nicht geringer ist als der ausgegebene monetäre
Wert und (3.) von anderen Unternehmen als der ausgebenden Stelle als Zah-
lungsmittel akzeptiert werden.“ Umstritten war lange Zeit noch die Bedeutung des
Merkmals „von anderen Unternehmen (...)“. Dies kann einerseits bedeuten, dass
das E-Geld eines Emittenten von mehreren Händlern akzeptiert werden muss. An-
derseits kann es auch so ausgelegt werden, dass E-Geld-Systeme interoperabel
sein müssen, also das E-Geld eines Emittenten bei anderen E-Geld-Instituten ak-
zeptiert wird. Letztere Auslegung lehnt sich an das Girosystem an, bei welchem
Überweisungen zwischen verschiedenen Instituten möglich sind. Die englische
Aufsichtsbehörde, die Financial Services Authority (FSA), ließ schon früh Anbie-
ter zu, welche nur der ersten Auslegungsvariante genüge taten und schlug damit
einen liberalen Kurs gegenüber innovativen Zahlverfahren ein6. Auch die deutsche
Aufsichtsbehörde, die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin),
folgt spätestens seit der Zulassung der NCS mobile payment Bank GmbH mit ih-
rem Zahlungssystem „Crandy“ zum E-Geld-Institut diesem Ansatz (BaFin 2005).
Die E-Geld-Lizenz ermöglicht seinen Inhabern, eine Reihe von Geschäften, die
sonst nach dem Kreditwesengesetz (KWG) nur Inhabern einer Bankerlaubnis vor-
behalten sind. So dürfen diese Institute E-Geld-Konten für Ihre Kunden unterhal-

4 Die Richtlinie 2000/28/EG ist einsehbar unter:


http://europa.eu.int/eur-lex/pri/de/oj/dat/2000/l_275/l_27520001027de00370038.pdf
5 Die Richtlinie 2000/46/EG ist einsehbar unter:
http://europa.eu.int/eur-lex/pri/de/oj/dat/2000/l_275/l_27520001027de00390043.pdf
6 Moneybookers Ltd. wurde am 5. Februar 2003 von der FSA als E-Geld-Institut zugelas-
sen.
Click&Buy von FIRSTGATE 217

ten, welche die Überweisung von vorausbezahlten Beträgen an andere Priva-


te oder aber Händler ermöglichen.
Durch die Anwendung von Bestimmungen der Richtlinie 2000/28/EG über die
Aufnahme und Ausübung der Tätigkeit der Kreditinstitute, können E-Geld-
Institute ihre Geschäfte dank der gegenseitigen Anerkennung EU-weit tätigen.
In Deutschland hat die E-Geld-Lizenz derzeit aber noch einen deutlichen Nach-
teil. Das E-Geld-Institut ist ein Institut im Sinne des § 1 Abs. 4 des Geldwäsche-
bekämpfungsgesetzes (GWG). Nach § 2 Abs. 1 GWG ist ein solches Institut „bei
Abschluss eines Vertrages einer auf Dauer angelegten Geschäftsbeziehung ver-
pflichtet den Vertragspartner ausreichend zu identifizieren“. Identifizieren im Sin-
ne des GWG ist „das Feststellen des Namens aufgrund eines gültigen Personal-
ausweises oder Reisepasses sowie des Geburtsdatums, des Geburtsortes, der
Staatsangehörigkeit und der Anschrift, soweit sie darin enthalten sind, und das
Feststellen von Art, Nummer und ausstellender Behörde des amtlichen Auswei-
ses“ (§ 1 Abs. 5 GWG). Zudem verlangt die BaFin die physische Präsenz des Nut-
zers bei der Identifizierung7. Jegliche Art der besonderen Legitimation verhindert
„Spontankäufe“ und schreckt Nutzer insbesondere dann ab, wenn es um die Ab-
wicklung kleinerer Beträge geht. Verlangt man aber auch noch die physische Prä-
senz des Nutzers, ist die Hürde für den Nutzer so hoch, dass er niemals ein E-
Geld-Konto eröffnen wird.
Dies hat offensichtlich auch die BaFin erkannt und hat gegenüber der Inhaberin
der ersten E-Geld-Erlaubnis in Deutschland, der NCS mobile Payment Bank
GmbH, auf die Einhaltung des § 2 Abs. 1 GWG unter folgender Maßgabe verzich-
tet: „Anonym registrierte Kunden können über insgesamt 150 Euro Guthaben auf
Ihrem Handy verfügen. Transaktionen für anonyme Kunden werden auf 30 Euro
pro Transaktion beschränkt“ (Crandy 2005).
Die Problematik der geldwäscherechtlichen Legitimation schränkt die Mög-
lichkeiten deutscher E-Geld-Institute deutlich ein. Folgt die BaFin zukünftig dem
insgesamt liberaleren Kurs der FSA, kann das E-Geld-Institut auch in Deutschland
und für FIRSTGATE zu einer echten Alternative zum klassischen Inkasso werden.

4.3 Payment Institution (New Legal Framework)

Auch Postpaid/Inkassosysteme wie „Click&Buy“ von FIRSTGATE werden in


wenigen Jahren in den Bereich des Bankenrechts fallen: Die Europäische Kom-
mission entwirft derzeit eine neue Richtlinie zur weiteren Vereinheitlichung des
Rechts des Zahlungsverkehrs innerhalb der EU (New Legal Framework – NLF8).
Die Beseitigung von rechtlichen Hindernissen für einen einheitlichen Zahlungs-
verkehrsraum soll insbesondere Wettbewerb unter gleichen Bedingungen gewähr-
leisten. Dazu sieht der Entwurf der Richtlinie die Schaffung eines neuen Instituts,

7 Verlautbarung der Bundesamtes für das Kreditwesen (heute BaFin) über Maßnahmen der
Kreditinstitute zur Bekämpfung und Verhinderung der Geldwäsche vom 30. März 1998.
8 Die Europäische Kommission informiert unter folgendem Link über das Vorhaben:
http://europa.eu.int/comm/internal_market/payments/framework/index_de.htm.
218 Philipp Barthold, Timo Seidel

der so genannten „Payment Institution“ vor. Wie der rechtliche Rahmen dieses In-
stitutes im Detail aussehen wird, kann derzeit noch nicht endgültig festgestellt
werden, da das Gesetzgebungsverfahren noch nicht abgeschlossen ist. Mit einer
Umsetzung in nationales Recht ist nicht vor 2008 zurechnen. Klar ist aber schon
jetzt, dass die Richtlinie alle Online-Bezahlsysteme erfassen wird, die als
Postpaid/Inkassosysteme zu klassifizieren sind (Hoffmann 2005). Genauso wie
das E-Geld-Institut genießt die Payment-Institution EU-weite gegenseitige Aner-
kennung.
Grundsätzlich ist diese Entwicklung aus Sicht der FIRSTGATE AG begrü-
ßenswert, da die Rechtslage innerhalb der EU derzeit in Bezug auf Inkassosysteme
sehr unterschiedlich und unübersichtlich ist. Heute muss jede einzelne nationale
Rechtsordnung auf möglicherweise anwendbares Aufsichtsrecht aus dem Bereich
des Banken- oder Rechtsberatungsrechts überprüft werden. Zu einer Vereinfa-
chung und damit zu einer Hilfestellung für den Markteintritt neuer und innovativer
Zahlungssysteme führt die neue Richtlinie aber nur dann, wenn der laufenden Be-
trieb des Zahlungssystems nicht überreglementiert wird, wie dies heute z.B. be-
züglich E-Geld-Instituten und dem deutschen Geldwäschebekämpfungsrecht der
Fall ist (siehe Punkt 4.2).
Wie sich aus deutscher Sicht das neue RDG und das NLF zueinander verhalten
werden, d.h. ob beide oder nur eine der beiden Erlaubnisse ab 2008 notwendig
sein werden, ist derzeit noch unklar. Bei der zukünftigen Implementierung des
NLF in nationales Recht sollte aus Sicht der FIRSTGATE AG der Gesetzgeber ei-
ne klare Regelung zugunsten des europaweiten Instituts der Payment Institution
schaffen.

4.4 Fazit - rechtliche Modelle im Bereich E-Payment

Im Bereich der Online-Bezahlverfahren wird es zukünftig kein rechtliches Modell


mehr geben, das nicht irgendeiner staatlichen Erlaubnis bedarf. Diese Reglemen-
tierungen schützen den Verbraucher, der somit innovative und bankenunabhängi-
ge Zahlungsverfahren sorgenlos nutzen kann.
Dabei kommt es hinsichtlich der neuen europäischen Institute auch entschei-
dend auf die Umsetzung der EU-Vorgaben in nationales Recht und auf die Ausle-
gung durch die nationalen Aufsichtsbehörden an. Unterschiedliche Auffassungen
können hier schnell zu klaren Wettbewerbsvorteilen und -nachteilen zwischen den
Anbietern von Online-Zahlverfahren aus verschiedenen EU-Ländern führen.
Die Entwicklung neuer, EU-weiter Regelungen hilft Anbietern wie der
FIRSTGATE AG, die nicht nur national, sondern europaweit tätig sind. Entschei-
dend bei dieser Entwicklung ist, dass sowohl der gemeinschaftsrechtliche, als auch
der nationale Rahmen den Risiken im Zahlungsverkehr Rechnung trägt, aber nicht
innovativen Zahlverfahren durch Überreglementierung den Weg versperrt.
Click&Buy von FIRSTGATE 219

5 Fazit

x FIRSTGATE hat als erster Anbieter eines Verfahrens zur Abrechnung von di-
gitalen Inhalten die Marktentwicklung wesentlich mitbestimmt und ist der er-
fahrenste Anbieter im Bereich innovativer E-Payment-Systeme. Click&Buy ist
heute das technisch ausgereifteste Zahlungsverfahren im Internet, welches für
die Vermarktung von digitalen Inhalten eine Vielzahl unterschiedlicher Ab-
rechnungsmethoden bietet.
x Die Zugangsbeschränkungen zum Internet für potentielle Kunden werden auf-
grund sinkender Preise der Onlineprovider und die wachsende Anzahl von
Breitbandzugängen abgebaut. Diese neuen infrastrukturellen Möglichkeiten
schaffen den Zugang für neue Produkte wie Video-on-Demand, Musikdownlo-
ads und Voice-over-IP Diensten, die dem Markt für Paid Content/Paid Services
zusätzliche Wachstumsimpulse geben.
x Der Trend zur Kommerzialisierung von derzeit noch kostenfreien Inhalten und
Dienstleistungen wird sich weiter verstärken, da auch die Bereitschaft der Nut-
zer, für hochwertige digitale Güter einen angemessenen Preis zu zahlen, steigt.
Schon heute verzeichnet Click&Buy ein enormes Wachstum – täglich melden
sich allein in Europa 4.000 neue Käufer an – was nicht zuletzt auf den hohen
Bekanntheitsgrad durch die langjährige Präsenz im Markt zurückzuführen ist.
x Außereuropäische Länder, in denen Click&Buy noch nicht bekannt ist, werden
schon jetzt und in Zukunft noch stärker durch lokale Lizenznehmer erschlossen.
So wird Schritt für Schritt eine globale Plattform zur Zahlungsabwicklung im
Internet geschaffen.

Literatur

BaFin (2005) Veröffentlichungen der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, 54.


Jahrgang Nr. 3. Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, Bonn.
Crandy (2005) NCS mobile payment Bank GmbH.
http://www.crandy.com/homepage/de/firma/firma.jsp (Abruf: 12.8.2005).
Hoffmann (2005) The way forward to a Single Payment Market in the EU. Vortrag am
21.4.2005 beim Arbeitskreis ePayment, Brüssel
Langebucher K, Gößmann W, Werner S (2004) Zahlungsverkehr, Handbuch zum Recht der
Überweisung, Lastschrift, Kreditkarte und der elektronischen Zahlungsformen 1. Aufl
Beck, München
Neumann D, Bock C (2004) Zahlungsverkehr im Internet, 1. Aufl Beck, München
Rennen G, Caliebe G (2001) Rechtsberatungsgesetz, 3. Aufl Beck, München
Seitz W (2000) Inkassohandbuch, Recht und Praxis des Inkassowesens, 3. Aufl Beck,
München
paybox austria – eine M-Payment
Erfolgsgeschichte

Jochen Punzet

paybox austria AG, Wien

1 paybox – Österreich zahlt mit dem Handy

paybox entwickelte im Jahr 2000 weltweit das erste System, das die einfache, be-
nutzerfreundliche und sichere Bezahlung via Mobiltelefon ermöglicht. In Öster-
reich bietet die paybox austria AG seit 2001 das "Bezahlen mit dem Handy" an
und ist heute mit mehr als 150.000 Kunden hierzulande die führende M-Payment
Lösung. Das Unternehmen ist seit 2003 eine 100-prozentige Tochter der mobil-
kom austria AG, dem Marktführer unter Österreichs Mobilfunkbetreibern.
paybox wurde von Beginn an als offene Zahlungs-Plattform konzipiert und
steht auch heute noch, unabhängig von seiner Eigentümerstruktur, Kunden aller
österreichischen Mobilfunkbetreiber gleichermaßen zum Bezahlen mit dem Handy
zur Verfügung. Voraussetzung für die Nutzung von paybox sind lediglich ein Ver-
trags- oder Wertkartenhandy, eine österreichische Bankverbindung und die An-
meldung bei paybox1.

1.1 paybox als M-Payment Motor

Die paybox austria AG hat in Österreich den Weg für erfolgreiches mobiles Be-
zahlen aufbereitet. Durch die Kooperation mit Branchenleadern der heimischen
Wirtschaft konnte paybox innerhalb weniger Jahre eine hohe Marktdurchdringung
erreichen. Zu den Akzeptanzpartnern zählen unter anderem die Stadt Wien und
andere Gemeinden für Handy Parken, die Österreichischen Bundesbahnen, Nah-
verkehrsbetriebe in sechs Landeshauptstädten, die Österreichischen Lotterien, Ca-
sinos Austria, betandwin.com, die Tankstellenkette OMV und Handelsketten wie
Libro, Cosmos und Hartlauer. In nur wenigen Jahren konnten über 150.000 pay-
box Kunden gewonnen werden, die heute bei mehr als 4.000 Akzeptanzstellen mit
ihrem Handy bezahlen. Und paybox wächst mit aktuell 5.000 Neuanmeldungen
pro Monat konstant weiter. Die Zahl der Akzeptanzstellen konnte innerhalb des
Jahres 2004 verdoppelt werden.

1 Die Anmeldung erfolgt auf der paybox Website www.paybox.at.


222 Jochen Punzet

1.2 paybox macht Österreich zum M-Payment Musterland

Eine durch das österreichische Markt- und Meinungsforschungsinstitut FESSEL-


GfK2 durchgeführte Befragung im November 2004 bescheinigt den Österreichern
eine sehr große M-Payment Affinität und stetig steigendes Interesse am mobilen
Bezahlen. Bereits 17 %, also rund 1,4 Millionen Österreicher, geben an, mit dem
Handy bezahlen zu wollen. Im März 2005 kennen bereits 80 % der Österreicher
„mobiles Bezahlen“ – im Dezember 2003 waren es vergleichsweise erst 28 %.
Auch das Vertrauen in die Sicherheit des M-Payment ist innerhalb eines halben
Jahres von 49 % (Mai 2004) auf 63 % (November 2004) gestiegen (FESSEL-GfK
2003–2005).
Österreich ist aufgrund der erfolgreichen Marktaktivitäten von paybox auch im
weltweiten Vergleich ein M-Payment Vorreiterland. Das bestätigt die von Arthur
D. Little im Jahr 2004 veröffentlichte globale Studie „Making M-Payments a Rea-
lity“. Sie reiht Österreich in die Führungsgruppe mit Korea, Singapur und Norwe-
gen als das Land mit dem bestentwickelten M-Payment-Markt ein (Taga u. Karls-
son 2004)3.
Grund für diesen Erfolg sind die vergleichsweise frühe Einführung von attrak-
tiven mobilen Anwendungen sowie die Möglichkeit, diese mit paybox unabhängig
vom Mobilfunkbetreiber zu nutzen. Weiters ist es paybox gelungen, sich als
glaubwürdige Marke zu etablieren und somit bei der österreichischen Bevölkerung
Vertrauen in mobiles Bezahlen zu schaffen.
Will Österreich seine Vorreiterrolle im M-Payment Bereich erfolgreich weiter
ausbauen, ist die Schaffung eines einheitlichen M-Payment Standards als Wachs-
tumstreiber jedoch unabdingbar. paybox ist bereits heute so offen konzipiert, dass
eine engere Zusammenarbeit mit weiteren Partnern aus dem Mobilfunk- und Fi-
nanzdienstleistungsbereich jederzeit möglich ist.

2 Funktionsweise von paybox

2.1 Bezahlen mit paybox – wie funktioniert es?

paybox ist ein zeitgemäßes, einfaches und sicheres Zahlungsmittel. Dementspre-


chend gerne und vielseitig setzen die Österreicher das Handy zum Bezahlen ein:
für mobile Anwendungen, zum sicheren Bezahlen im Internet, im klassischen
Handel und an Automaten.
Beim Bezahlen mit paybox gibt man einfach seine Handynummer (paybox
Nummer) an. Nach wenigen Sekunden erhält man einen automatischen Anruf von

2 FESSEL-GfK, repräsentative Befragung, österreichische Bevölkerung ab 12 Jahren,


2003–2005.
3 Weitere Studienergebnisse erläutern die Studienautoren Karlsson u. Taga im Rahmen des
Beitrages „M-Payment im internationalen Kontext“ in diesem Buch.
paybox austria – eine M-Payment Erfolgsgeschichte 223

paybox und hört Betrag sowie Zahlungsempfänger. Durch Eingabe einer vierstel-
ligen PIN wird die Zahlung freigegeben. Nun wird der Betrag vom Bankkonto ab-
gebucht. Der Bezahlende erhält im Anschluss per SMS bzw. per E-Mail eine Zah-
lungsbestätigung. Dauer des gesamten Bezahlvorganges: maximal 30 Sekunden.

2.2 Transaktionsablauf von paybox-Zahlungen im Detail

Während der paybox Kunde beim Bezahlen einfach nur seine Handynummer an-
gibt und danach die Zahlung mit einem PIN-Code bestätigt, läuft im Hintergrund
ein technisch komplexer, automatisierter Transaktionsprozess, der folgend kurz
beschrieben wird:

2.2.1 Auslösen einer Transaktion


Der paybox Kunde wählt beim Produktkauf bei einem Händler (online oder im
klassischen Handel) paybox als Zahlungsmittel und gibt seine Handynummer be-
kannt. Die Handynummer, der Betrag und die Händler-ID werden über eine gesi-
cherte Internetverbindung an paybox übermittelt. paybox prüft die Nutzungsbe-
rechtigung des Kunden und initiiert den automatisierten Autorisierungscall an den
Kunden.

2.2.2 Autorisierungsanruf
Der Kunde nimmt den automatischen paybox Anruf entgegen und gibt die Zah-
lung durch Eingabe seiner geheimen, vierstelligen paybox PIN frei.

2.2.3 Transaktionsbestätigung
paybox speichert die Transaktionsdaten sowie die Zahlungsfreigabe des Kunden
und übermittelt an den Kunden sowie an den Händler eine Transaktionsbestäti-
gung. Darüber hinaus bietet paybox Kunden und Händlern die Möglichkeit, alle
getätigten paybox Zahlungen auf der paybox Homepage in einem passwortge-
schützten Bereich zu kontrollieren.

2.2.4 Abbuchung und Verrechnung


Abhängig von dem durch den Händler festgelegten Abbuchungszeitpunkt wird der
genannte Betrag per Lastschrift vom Bankkonto des Kunden eingezogen und dem
Händlerkonto gutgeschrieben. Die Abrechnung zwischen dem Händler und pay-
box erfolgt – wenn nicht anders vereinbart – 14-tägig in Papierform. Die A1 Bank
ist von paybox mit der Abwicklung der Zahlungen beauftragt und tritt als Treu-
händerin für die paybox Konten auf.
224 Jochen Punzet

Abb. 1. Schematischer Ablauf einer paybox Zahlung


paybox austria – eine M-Payment Erfolgsgeschichte 225

3 Das Zahlungsmittel für das mobile Zeitalter

Mobiltelefon und Internet haben das Lebenstempo der Menschen im Privat- und
Berufsleben erheblich beschleunigt. Jede Technik, die eine Zeitersparnis und echte
Erleichterung für den Alltag bringt, wird von den Konsumenten deshalb ange-
nommen. Sei es zum Lösen von Parkscheinen, Lottospielen, für Geldüberweisun-
gen, den Einkauf im Internet oder im Geschäft – mobiles Bestellen und Bezahlen
hilft Zeit und somit Geld sparen.
paybox entspricht den Anforderungen des Internet- und Handyzeitalters: Das
Bezahlen mit dem Handy ist schnell und sicher, paybox einfach zu bedienen,
günstig in der Anwendung und vielseitig einsetzbar. Als offene Plattform ist pay-
box für alle Mobilfunknutzer eine echte Option zur Steigerung der Lebensqualität.

3.1 Einsatzmöglichkeiten von paybox

Wer verlässt heute das Haus noch ohne Handy? Das Handy ist stets griffbereit und
immer mehr Menschen wollen es daher, alternativ zu anderen Zahlungsmitteln,
auch als mobile Geldbörse einsetzen. Die Anwendungsmöglichkeiten von paybox
gliedern sich dabei in drei wesentliche Bereiche:
x mobile Anwendungen,
x Bezahlen im Internet und im
x klassischen Handel.

3.1.1 Mobile Anwendungen


paybox Kunden steht eine Vielzahl an erfolgreichen mobilen Anwendungen zur
Verfügung:
Erfolgsbeispiel: Handy Parken. Jeder kennt wohl die Situation: man steht in ei-
ner Kurzparkzone und hat kein Kleingeld oder keinen Parkschein, die Trafiken
haben bereits geschlossen. mobilkom austria und Siemens Business Services ha-
ben eine einfache Lösung entwickelt, mit der es möglich ist, Parkgebühren in
Kurzparkzonen jederzeit per Handy zu begleichen und mit paybox zu bezahlen.
Die Städte Wien, Gleisdorf, Mödling, Stockerau, Bregenz, St. Pölten und Wels
bieten ihren Bürgern Handy Parken bereits an.
Handy Parken im Detail. In Wien sendet man zum erstmaligen Registrieren ein-
fach ein SMS mit „Parken“ an die Telefonnummer 0664/6606000. Zum Lösen ei-
nes Parkscheines schickt man ein SMS mit den gewünschten Parkminuten (10, 30,
60, 90 oder 120) an dieselbe Nummer. Danach erhält man die Aufforderung zum
Aufladen eines Parkscheinguthabens, diese bestätigt man mit „Ja“. Der Handy-
Parkschein kommt direkt auf das Handy. Alle weiteren Parkscheine werden vom
Guthaben abgebucht, ist dieses erschöpft, wird man automatisch zum Wiederauf-
laden aufgefordert. In den anderen Städten registriert man sein Fahrzeug einmalig
mit der bevorzugten Gemeinde auf www.handy-parken.at. Zum Lösen eines Park-
226 Jochen Punzet

scheines schickt man ein SMS mit den gewünschten Parkminuten an


0664/6606990 und erhält seinen Parkschein auf das Handy. Die Parkgebühren
werden mindestens alle 15 Tage vom angegebenen Bankkonto abgebucht.
Handy Fahrschein. In den Städten Wien, Graz, Linz, Klagenfurt, Innsbruck und
Salzburg kann man bei den öffentlichen Verkehrsmitteln Einzel- und Tagesfahr-
scheine mit dem Handy kaufen. So kann man bereits den Weg zur Haltestelle für
den Fahrscheinkauf nützen.
Bahnkarten. Über lange Warteschlangen an den Bahnhofschaltern ärgern sich
paybox Kunden schon lange nicht mehr. Sie lösen ihr Ticket der Österreichischen
Bundesbahnen mittels SMS bequem von unterwegs und bezahlen mit dem Handy.
Dem Schaffner zeigen sie das Handydisplay mit der SMS-Fahrkarte.
Lottospielen per SMS. Mit SMS Lotto versäumt man keine Ziehung bei 6 aus 45,
dem österreichischen Lotto. Man kann über das Handy – immer und überall – sei-
nen Tipp abgeben.
Handymaut. Auf einigen stark befahrenen mautpflichtigen Autobahnen (z.B.
Brenner- und Tauernautobahn) zahlen payboxer ihr Videomaut-Ticket bereits vor-
ab per Handy. Dann fahren sie mit ihrem PKW an der Kolonne vorbei zum Vi-
deomautschranken. Kameras erfassen das Autokennzeichen und schon öffnen sich
die Schranken – ohne Anhalten oder Kleingeldsuche.
Kino- und Konzertkarten. Mit paybox kauft man seine Kinokarten im Internet
oder von unterwegs (per SMS) und bezahlt gleich mit dem Handy. Das Abholen
der Karte eine halbe Stunde vor Beginn der Vorstellung gehört somit der Vergan-
genheit an. Auch die Konzerttickets bestellt man mit dem Handy und erhält sie per
SMS direkt auf das Handy geliefert.
Geld überweisen mit dem Handy.
x Online Erlagschein: Über die Website www.paybox.at können paybox Kunden
schnell und einfach und ohne Eingabe von TAN-Codes mittels Online-
Erlagschein Geld an österreichische Mobilfunknummern oder österreichische
Konten überweisen.
x Geld überweisen von Handy zu Handy: paybox Kunden verfügen über die der-
zeit schnellste und bequemste Möglichkeit, Geldbeträge von privat zu privat
über das Handy zu überweisen. Voraussetzung ist, dass sowohl Zahler als auch
Empfänger bei paybox registriert sind.
x Geld anfordern via Handy: Gute Freunde – genaue Rechnung. Mittels paybox
kann man online oder über das Handy Geldbeträge anfordern, vorausgesetzt der
Empfänger der Zahlungsaufforderung ist ebenfalls bei paybox angemeldet.

3.1.2 Bezahlen im Internet


Online-Shopper legen besonderen Wert auf Sicherheit und Einfachheit beim Be-
zahlen, Ansprüche, welche die M-Payment Lösung von paybox optimal erfüllt.
Die Waren werden zwar online bestellt, die Autorisierung der Bezahlung erfolgt
paybox austria – eine M-Payment Erfolgsgeschichte 227

aber getrennt über das Handy. Es werden keine sensiblen Kundendaten über das
Internet weitergegeben. paybox Nutzer wissen das zu schätzen – 51 % aller pay-
box Transaktionen wurden im Jahr 2004 im Internet getätigt. Einkäufe in den
zahlreichen österreichischen Online Shops, der Kauf von Kinokarten (Cineplexx),
das Herunterladen von Klingeltönen (z.B. bei sms.at) sowie Spiele und Wetten
(z.B. win2day, betandwin.com) gehören zu diesem stark genutzten Bereich.

3.1.3 Klassischer Handel


paybox bietet mit seiner einfachen, bequemen und sicheren Zahlungsmethode im
klassischen Handel eine ideale Ergänzung zu Bankomat- und Kreditkarte. Geld-
börse vergessen? Kein Kleingeld für den Warenautomaten dabei? Oder einfach
bequem Shoppen mit dem Handy, das man sowieso immer bei sich trägt? Wer
einmal das Handy als Zahlungsmittel für sich entdeckt hat, schätzt seine Vielsei-
tigkeit und setzt es immer wieder ein.
Zahlen am POS. Mit paybox kann man in vielen Einzelhandelsgeschäften und bei
großen österreichischen Handelsketten wie Libro, Cosmos und Hartlauer mobil
bezahlen. Per Handy tanken und einkaufen im Tankstellenshop ist bei OMV
Tankstellen rund um die Uhr in ganz Österreich möglich.
Auch bei Händlern, die kein fixes Geschäftslokal betreiben, ist die Bezahlung
mit dem Handy möglich. So können beispielsweise Taxifahrer, Standbetreiber und
Hauszusteller – die im Regelfall ein Handy bei sich tragen – dieses als paybox
Zahlungsterminal verwenden.
Bargeldlos am Automaten zahlen. Warenautomaten bieten – besonders dann,
wenn man bargeldlos bezahlen kann – die äußerst praktische Möglichkeit Zigaret-
ten, Snacks und Getränke rund um die Uhr zu kaufen. Beim Einkauf braucht man
nicht nach Kleingeld zu suchen. Auch der Ärger mit steckenbleibenden oder
durchfallenden Münzen gehört der Vergangenheit an. Vorteile bringt paybox auch
für die Automaten-Betreiber: Für sie entfallen die hohen Kosten durch die Bar-
geld-Abwicklungen und das Risiko, dass Falschmünzen in Umlauf kommen. mo-
bilkom austria hat diese zukunftsweisende Lösung für die Bezahlung an Warenau-
tomaten entwickelt – bezahlt wird mit paybox. Und so funktioniert der Einkauf am
Automaten: Alle paybox-fähigen Automaten sind durch einen Aufkleber mit dem
Automatennamen gekennzeichnet. Diesen Namen sendet man per SMS an
0664/6600123. Ein pauschales Guthaben erscheint am Automatendisplay, die ge-
wünschte Ware kann ausgewählt werden. Die einzelnen Automatenzahlungen
werden gesammelt mindestens alle 15 Tage vom Bankkonto des Käufers abge-
bucht. Im passwortgeschützten Bereich auf der paybox Homepage kann man alle
getätigten Einkäufe überprüfen.
228 Jochen Punzet

4 paybox für Kunden und Partner

4.1 paybox Produkte

paybox bietet seinen Kunden derzeit zwei Produkte an: „paybox classic“ und
„paybox public“:

4.1.1 paybox classic


Mit paybox classic stehen dem Handynutzer alle im vorangegangenen Kapitel be-
schriebenen Funktionalitäten uneingeschränkt zur Verfügung. Das Jahresentgelt
beträgt 15 Euro.

4.1.2 paybox public


Dieses Service ist auf Angebote der öffentlichen Hand beschränkt und gratis. Es
kann für Handy Parken und den Kauf von Handy Fahrscheinen bei öffentlichen
Verkehrsmitteln eingesetzt werden. Ein Umstieg auf paybox classic ist jederzeit
durch einen einfachen Anruf bei der paybox Kundenhotline4 möglich.

4.2 paybox Partner werden

Händler, die paybox als Zahlungsmittel akzeptieren, sprechen über 7 Millionen ös-
terreichische Handy Nutzer als potenzielle Kunden an und bieten ihnen eine opti-
male Ergänzung zu anderen bargeldlosen Zahlungsmitteln. Die innovative Zah-
lungsform ermöglicht, neue, zahlungskräftige Kunden in einem jungen Kunden-
segment zu gewinnen. Die paybox Zahlungslösung ist sowohl im Internet als auch
im klassischen Handel mit geringem organisatorischen Aufwand schnell integrier-
bar. Aufgrund von Credit-Scorings, Zahlungslimits und einem sicheren Autorisie-
rungsverfahren ist paybox auch für Händler sehr sicher. Darüber hinaus besteht
die Möglichkeit der Umsatz- und Zahlungskontrolle über einen geschützten
Extranet-Zugang. Attraktive Konditionen mit einem transaktionsabhängigen Ser-
viceentgelt machen paybox für Partner besonders interessant.

4.2.1 paybox Lösung für Webshops


Im Online Bereich bietet paybox die Möglichkeit der eigenständigen Einbindung
mittels einfach integrierbarer Software. Die Transaktionsabwicklung erfolgt über
eine Schnittstelle. paybox stellt entsprechende Templates zur Integration zur Ver-
fügung, die der Händler in seinen Online Shop einbinden und individuell anpassen
kann. Im Zuge der Transaktionsabwicklung wird zwischen Händler und paybox
lediglich die Handynummer des Kunden, der Betrag und die Händler-ID des Kun-

4 Die paybox Kundenhotline ist unter der österreichischen Nummer 0810/729 269 erreich-
bar.
paybox austria – eine M-Payment Erfolgsgeschichte 229

den ausgetauscht – aber keinerlei sensible persönliche Daten. Darüber hinaus ko-
operiert paybox mit Payment Service-Providern, die eine Zahlungsplattform mit
unterschiedlichen Zahlungsmitteln anbieten5.

4.2.2 paybox Lösung für den klassischen Handel und sonstige


Dienstleister
Für die Integration in ein Kassensystem im klassischen Handel erfolgt die Zu-
sammenarbeit mit dem jeweiligen Kassensystemhersteller. Weiters bietet paybox
im Handel, wo keine Kassenintegration möglich ist, sowie im Zuge von telefoni-
schen Bestellungen (z.B. Ticket Hotline, Versandhandel, Zustelldienste), die Zah-
lungsabwicklung über ein webbasiertes Terminal an. Es besteht hier kein Integra-
tionsaufwand für den Händler. paybox stellt lediglich Benutzername und Passwort
zur Verfügung. Der Zugriff auf das Webterminal erfolgt über einen Link, der unter
anderem über die paybox Homepage erreichbar ist.

5 paybox macht Bezahlen einfach sicher

5.1 Gründe für die hohe Sicherheit

Bezahlen mit dem Handy gehört zu den sichersten bargeldlosen Zahlungsformen.


Modernste Technologien und ausgewählte Partner sorgen für einen sicheren Zah-
lungsverkehr. Folgende Gründe belegen die hohe Sicherheit des Bezahlens mit
paybox:
x Die hohe Sicherheit bei der Datenübertragung: Die Zahlungstransaktion wird
über Mobilfunk autorisiert. Die GSM-Mobilfunknetze gelten derzeit als die si-
chersten Wege der Datenübertragung.
x Schutz vor Missbrauch: Jede Zahlung wird durch eine persönliche paybox PIN
freigegeben und es werden keine sensiblen Daten übertragen. Damit hat sich
paybox gerade beim Bezahlen im Internet als besonders praktisch und sicher
erwiesen.
x Starke Partner: Die Sicherheit beim Zahlungsprozess wird durch starke paybox
Partner (z.B. A1 Bank AG, BA-CA) gewährleistet.

5.2 Ausgezeichnete Sicherheit

Für diese strengen Sicherheitsmaßnahmen erhielt paybox zahlreiche Auszeich-


nungen (EURO Label, Österreichisches E-Government Gütesiegel, E-Commerce
Quality Gütesiegel). Darüber hinaus wurde die Systemsicherheit von paybox auch
durch die Oesterreichische Nationalbank geprüft.

5 Ein Beispiel dafür ist die im Beitrag von Gassner in diesem Buch vorgestellte „mPAY24
Multi Payment Plattform für E- und M-Commerce“.
230 Jochen Punzet

5.3 paybox und Jugendschutz

Jugendschutz erhöht die Sicherheit, paybox legt deshalb großen Wert darauf, die
Anliegen des Jugendschutzes zu unterstützen. Ab Jänner 2007 wird in Österreich
ein Altersnachweis an Zigarettenautomaten verpflichtend eingeführt. Die rund
8.000 Automaten werden mit einer elektronischen Alterskontrolle für Jugendliche
unter 16 Jahren versehen, die nur mittels Handy oder Bankomatkarte mit Quick
Funktion sichergestellt werden kann.

6 paybox Facts & Figures

6.1 paybox im Einsatz

In Österreich wird bereits jede Minute eine paybox Transaktion durchgeführt


(März 2005). Die durchschnittliche Transaktion liegt mit 20 Euro auf hohem Ni-
veau. Die Liste der beliebtesten paybox Services im Jahr 2004 führte Handy Par-
ken vor dem Bezahlen von Lotto Tipps (win2day, SMS Lotto) und Mobile Con-
tent (z.B. auf sms.at) via Handy an. Die beliebtesten paybox-Services sind:
1. Handy Parken
2. Lotto
3. Mobile Content
4. Kinokarten
5. Tanken
6. Automaten
7. Wetten
8. Fahrscheine für öffentliche Verkehrsmittel
9. Wertkartenaufladung
10. Event-Tickets

6.2 payboxer Profil

Der durchschnittliche Handy-Zahler ist männlich (64 %), zwischen 21 und 39 Jah-
re alt (66 %) und nutzt sein Handy mehr als nur zum Telefonieren. Er ist mit ei-
nem Einkommen von rund 26.000 Euro überdurchschnittlich kaufkräftig, mobil
und legt auf Freiheits- und Conveniencegewinn wert6. paybox erfüllt diese Be-
dürfnisse mit seinen vielfältigen attraktiven Anwendungen.

6 Alle Zahlen paybox Statistik, Stand März 2005.


paybox austria – eine M-Payment Erfolgsgeschichte 231

6.3 Steigende Bekanntheit

Die Bekanntheit von paybox ist im Laufe der letzten Jahre enorm gestiegen
(FESSEL-GfK 2004 u. 2005):
x 80 % der Österreicher kennen die mobile Bezahlmöglichkeit (März 2005)
x Steigendes Nutzungsinteresse: 17 % der Österreicher wollen mobil bezahlen
(Nov. 2004)
x Vertrauen in mobiles Bezahlen steigt deutlich: von 49 % im Mai 2004 auf 63 %
im Nov. 2004

Abb. 2. Gestützte Bekanntheit von paybox, (FESSEL-GfK 2003–2005)7

6.4 Geografische Verbreitung

paybox wird generell in allen österreichischen Bundesländern gut angenommen.


In der Einführungsphase kamen die meisten paybox Kunden aus Wien. Durch at-
traktive Bundesländer Services wie Handy Parken in sieben Städten, Handy Tan-
ken in ganz Österreich, Handy Fahrscheine in sechs Landeshauptstädten und zahl-
reiche neue Akzeptanzpartner in den Bundesländern konnte die Zahl der paybox
Nutzer auch dort erheblich gesteigert werden. Im Bundesländervergleich wird
paybox derzeit von den Wienern (24 %) und Steirern (18 %) am stärksten ange-
nommen, gefolgt von Niederösterreichern (17 %) und Oberösterreichern (12 %).

6.5 Drei paybox Nutzer-Welten

Die Anwendungsmöglichkeiten von paybox lassen sich – wie bereits beschrieben


– drei M-Payment Bereichen zuordnen: Mobile Nutzer-Welt, Internet und klassi-
scher Handel.

7 repräsentative Befragung, n = 1.000


232 Jochen Punzet

6.5.1 Mobile Nutzer-Welt


In der mobilen Nutzer-Welt bewegen sich 20- bis 49-Jährige, die paybox für die
Convenience schätzen, Dinge jederzeit und überall von unterwegs zu erledigen
und gleich zu bezahlen. Ob bei Handy Parken, dem Kauf von Handytickets für die
öffentlichen Verkehrsmittel oder beim Lotto spielen per SMS. 35 % der paybox
Transaktionen sind auf den mobilen Bereich zurückzuführen. Im Durchschnitt
liegt eine Transaktion bei 18 Euro.

Abb. 3. paybox Anwendungsszenario „Handy Parken“

6.5.2 Internet
Das Internet ist mit 51 % aller Transaktionen nach wie vor stärkster Bereich des
Zahlungsmittels paybox und wird vorwiegend von der jüngeren Zielgruppe der
18- bis 30-Jährigen genutzt. Die durchschnittliche Transaktionshöhe liegt bei 32
Euro. Die beliebtesten Anbieter sind win2day, betandwin.com und sms.at. paybox
wird aber auch bei zahlreichen kleinen Online-Shops zum Bezahlen verwendet.

6.5.3 Klassischer Handel


Im klassischen Handel ersetzen die so genannten „Early-Adopter“ von M-Pay-
ment Bankomat- und Kreditkarte zunehmend durch das Handy-Zahlungsmittel
paybox, zum Beispiel bei den Handelsketten Libro, Cosmos und Hartlauer oder an
OMV Tankstellen. Aber auch das Bezahlen an Automaten erfreut sich zunehmen-
der Beliebtheit. Mit 14 % Anteil an den Transaktionen und durchschnittlich 23
Euro pro Transaktion stellt der klassische Handel die dritte Nutzer-Welt von pay-
box dar.
paybox austria – eine M-Payment Erfolgsgeschichte 233

Abb. 4. paybox Anwendungsszenarien „Bezahlen im klassischen Handel und im Internet“

7 Schlüssel zum Erfolg: Breites Angebot und


Kundenzufriedenheit

In nur vier Jahren ist es dem mobilen Zahlungsmittelanbieter paybox austria ge-
lungen, sich als glaubwürdige Marke zu etablieren und somit bei Kunden und Un-
ternehmen Vertrauen in mobiles Zahlen zu schaffen. Die einfache und schnelle
Nutzung und die hohen Sicherheitsstandards haben paybox zum Erfolg geführt.
Durch die Kooperation mit attraktiven Partnern konnte man innovative Services
anbieten und damit neue Akzeptanzpartner und Kunden ansprechen. So machte es
beispielsweise eine Mobilitätsoffensive möglich, dass Autofahrer mit dem Handy
parken (Partner: mobilkom austria und Siemens Business Services), Mautgebüh-
ren per paybox bezahlen (Partner: ASFINAG), in ganz Österreich mit dem Handy
tanken und in Tankstellen Shops einkaufen (Partner: OMV). Nicht motorisierte
Verkehrsteilnehmer können Bahnkarten für Österreich lösen (Partner: Österreichi-
sche Bundesbahnen) und Fahrscheine in den größten österreichischen Städten mit
dem Handy lösen (Partner: Nahverkehrsbetriebe). Ein Vertriebsschwerpunkt im
Elektrohandel hat dazu geführt, dass man überall dort, wo man Handys kaufen
kann, auch gleich die Anmeldung zu paybox durchführen und in weiterer Folge
auch mit dem Handy bezahlen kann (Partner u.a. Cosmos, Hartlauer). Nicht nur
das Angebot stimmt, sondern auch die Qualität. Kunden und Akzeptanzpartner
schätzen den guten Customer Service von paybox, nämlich kompetente und
freundliche Auskunft und schnelle Erreichbarkeit eines Ansprechpartners. Die
letzte Kundenzufriedenheitsstudie8 (IGF 2004) brachte folgendes Ergebnis:

8 IGF, Kundenzufriedenheitsstudie bei paybox classic Neukunden, 08-09/2004, n = 421


234 Jochen Punzet

Abb. 5. paybox Kundenzufriedenheit (IGF 2004)

x 92 % der paybox Kunden sind mit ihren bisherigen Erfahrungen sehr zufrieden
oder zufrieden.
x Sie können paybox jederzeit als Zahlungsmittel weiterempfehlen.
x Kunden bezeichnen paybox als nützlich, sicher und komfortabel.

8 Fazit

x paybox hat sich als Betreiber unabhängige, sichere mobile Zahlungslösung in


Österreich etabliert und ist als de facto Standard unangefochtene Nummer 1 des
M-Payment in Österreich.
x Das Bezahlservice, das sich aus einem Mobilitätsgedanken heraus entwickelt
hat, wird von der österreichischen Bevölkerung mit Begeisterung angenommen.
Mit über 150.000 Kunden (März 2005) konnte sich die junge paybox erstaun-
lich schnell neben Zahlungsformen wie Bankomat- und Kreditkarte etablieren,
aber noch längst sind nicht alle Potenziale ausgeschöpft.
x Das Mobiltelefon wird auch in Zukunft ständiger Begleiter des Menschen in al-
len Lebenslagen sein. Ziel von paybox wird es daher weiterhin sein, den Kon-
sumenten die Multifunktionalität ihres Handys und die damit verbundenen Er-
leichterungen noch schmackhafter zu machen, damit beim Bezahlen noch öfter
das Handy gezückt wird.
x paybox liefert dazu als etabliertes, einfaches und besonders sicheres Zahlungs-
mittel die besten Voraussetzungen. Weitere Informationen zu paybox sind unter
www.paybox.at abrufbar.
paybox austria – eine M-Payment Erfolgsgeschichte 235

Literatur

FESSEL-GfK (2003–2005) Repräsentative Befragung, österreichische Bevölkerung ab 12


Jahren. FESSEL-GfK Institut für Marktforschung GesmbH, Wien
IGF (2004) Kundenzufriedenheitsstudie bei paybox classic Neukunden, 08-09/2004
paybox Statistik (2005) Unternehmenseigene Daten, Stand März 2005
Taga K, Karlsson, J (2004) Arthur D. Little Global M-Payment Report – Making M-
Payments a Reality. Arthur D. Little Austria GmbH, Wien
PayPal – Globales Zahlungssystem mit
Kompetenz für lokale Zahlungsmärkte

Frerk-Malte Feller

PayPal Deutschland GmbH, Europarc Dreilinden

1 Geschichte von PayPal

1.1 Geschichte in den USA

1.1.1 Zahlungslandschaft USA


Mitte der Neunzigerjahre ist die Zahlungslandschaft in den USA geprägt durch
den Gebrauch von Bargeld, Schecks und Kreditkarten. Diese stellen sich jedoch
schnell als nur bedingt geeignet für den Handel im Internet heraus. Der Postver-
sand von Bargeld und Schecks erfordert einen hohen Vertrauensvorschuss, der bei
der hohen Intransparenz des Marktes und seiner Teilnehmer in den seltensten Fäl-
len vorhanden ist. Auch die Verbreitung der Kreditkarte bei Zahlvorgängen im
Online-Handel erfordert viel Vertrauen auf Seiten der Käufer.
Der Boom des Online-Handels machte schließlich neue, dem Medium entspre-
chende und den Ansprüchen der Nutzer angepasste Zahlungssysteme erforderlich.
Sicherheit, Geschwindigkeit und einfache Handhabung sind die entscheidenden
Determinanten der Systeme, die den Erfolg des Online-Handels unterstützen. Ins-
besondere für die Abwicklung kleinerer Beträge und den Handel zwischen Privat-
personen erweisen sich die gängigen Zahlungsmittel als ungeeignet. Gleichzeitig
entstehen Mitte der der Neunziger Jahre Online-Marktplätze wie eBay, bei denen
der Handel zwischen Privatpersonen im Mittelpunkt steht. Hier fiel die Kreditkar-
te zudem als Zahlungsmittel weitgehend aus, denn Privatpersonen und kleine
Händler erhalten von den Banken in der Regel nicht die Möglichkeit, Kreditkarten
direkt zu akzeptieren. Die Zahlungslandschaft in den USA stand vor einem Um-
bruch.

1.1.2 Gründung und Aufbau


PayPal wurde Ende 1998 von dem Amerikaner Peter Thiel, einem ehemaligen
Anwalt und Finanzhändler gegründet. Gemeinsam mit einer Gruppe von Freunden
von der Stanford Universität gründete er ein Unternehmen namens Confinity. Pe-
ter Thiel finanzierte Max Levchin, einen Software-Entwickler, der die Notwen-
238 Frerk-Malte Feller

digkeit für die Entwicklung eines sicheren Softwaresystems zum elektronischen


Transfer von Zahlungen erkannt hatte und zu diesem Zeitpunkt bereits an einer
entsprechenden Lösung arbeitete. Zunächst war PayPal eines von mehreren inner-
halb von Confinity entwickelten Produkten und für Palm-Geräte geplant – es soll-
ten Geldbeträge von einem Palm-Gerät auf ein anders übertragen werden. Schnell
zeigte sich jedoch die besondere Eignung von PayPal als internetbasiertes Zah-
lungssystem.
Anschubfinanzierungen durch Nokia Ventures und die Deutsche Bank be-
schleunigten den Entwicklungsprozess. Der Launch der Services von Confinity
(u.a. des Online-Zahlungssystems PayPal) im November 1999 rief weitere Betei-
ligungsunternehmen auf den Plan. So investierte Goldman, Sachs & Co in das
Confinity-Projekt PayPal.com.
Durch die rasche Verbreitung des Internet wurden bei PayPal schnell mehr als
1,5 Millionen Konten eingerichtet. Die Konzentration von Confinity auf das er-
folgreiche Produkt PayPal zeigte sich schon bald durch die Umfirmierung. Anfang
2002 ging das Unternehmen unter dem Namen PayPal für rund 900 Millionen US-
Dollar an die Börse. Im Juli 2002 werden über die 16 Millionen PayPal-Konten,
täglich bereits mehr als 295.000 Transaktionen abgewickelt.

1.1.3 Übernahme durch eBay


Der weltweite Online-Marktplatz eBay gehört zu den Treibern bei der Entwick-
lung neuer internetbasierter Zahlungssysteme. Der Erfolg des Online-
Marktplatzes, auf dem Millionen von Menschen miteinander handeln, ist nicht zu-
letzt abhängig von der nutzerfreundlichen Abwicklung der Zahlungen. Ganz
gleich, ob es um den Zahlungsverkehr zwischen Privatpersonen, den Versandhan-
del oder Geschäfte zwischen Unternehmen geht. Neben dem eBay-eigenen Servi-
ce BillPoint etablierte sich PayPal in den USA schnell für die Abwicklung von
Zahlungen bei eBay. Bald zeigte sich, dass PayPal dem von eBay angebotenen
Dienst überlegen war. Als mehr als 40 % aller bei eBay.com angebotenen Artikel
mit PayPal als Bezahlmethode angeboten werden, erwirbt eBay im Oktober 2002
PayPal für 1,5 Milliarden US-Dollar – BillPoint wird eingestellt.
PayPal entwickelt sich schnell zum bevorzugten Zahlungssystem bei eBay.com.
Im 2. Quartal 2005 werden 76 Prozent aller Artikel auf eBay.com via PayPal be-
zahlt. Auf dem weltweiten Online-Marktplatz sind zu diesem Zeitpunkt ständig
mehr als 55 Millionen Artikel gelistet. Entsprechend setzt sich auch außerhalb der
USA PayPal innerhalb der eBay-Gemeinschaft durch. Ende 2004 hat PayPal mehr
als 50 Millionen Konten in 45 Ländern. Mitte 2005 sind es bereits 56 Länder und
79 Millionen Kundenkonten. Es werden auf die Zahlungsgewohnheiten angepass-
te, lokalisierte Seiten in 13 Märkten außerhalb der USA angeboten. Die Expansion
von PayPal ist dabei eng an die Entwicklung von eBay gekoppelt.
Mit kostenlosen Zusatzangeboten für eBay-Nutzer erarbeitet sich PayPal eine
breite Vertrauensbasis bei Privatnutzern und gewerblichen Anwendern. Insbeson-
dere der PayPal-Käuferschutz ist umfassender, als die von Banken oder Kreditkar-
tenanbietern verfügbaren Programme. So erstreckt sich der Käuferschutz zum Bei-
spiel auch auf Zahlungen aus dem eigenen Bankkonto an ein PayPal-Konto und
PayPal – Globales Zahlungssystem mit Kompetenz für lokale Zahlungsmärkte 239

greift, wenn der Käufer die Ware trotz Bezahlung nicht erhält oder sie wesentlich
von der Produktbeschreibung abweicht. Auch der bereits in einigen Ländern ein-
geführte Schutz der Verkäufer gegen ungerechtfertigte Zahlungsrückbuchungen
ist für Händler in seiner Form einzigartig und ermöglicht Unternehmen eine zu-
verlässige Risikokalkulation ihrer Zahlungsabwicklung.

1.2 Geschichte in Deutschland

Im Gegensatz zur Situation in den USA ist die bargeldlose Zahlung von Privatper-
sonen an Unternehmen oder an andere Privatpersonen in Deutschland problemlos
möglich. Dennoch gibt es auch im deutschen Markt eine Vielzahl von Ineffizien-
zen: Bankdaten sind weitgehend öffentlich. Kreditkarten sind wenig verbreitet.
Zudem ist die Angst vor Missbrauch bei Kreditkarten in Deutschland verhältnis-
mäßig groß. Die Überweisung per Vorkasse an unbekannte Personen oder Händler
birgt ein häufig unterschätztes Risiko: da die Zahlungen nicht zurückgerufen wer-
den kann.
Auch wenn das in Deutschland verbreitete Girokontensystem die Zahlung per
Überweisung grundsätzlich einfacher macht, als dies in den USA der Fall ist, ist
das System dennoch vergleichsweise umständlich in der Abwicklung – denn die
Kontodaten müssen erst erfragt werden, die Menge an Daten birgt ein Fehlerrisi-
ko. Da der überwiegende Teil der Bankgeschäfte noch immer offline abgewickelt
wird, sind Zahlungen per Überweisung oft langsam und für den Käufer mit zusätz-
lichem Aufwand verbunden. Eine Alternative dazu in Deutschland ist die Zahlung
per Lastschriftverfahren. Dieses wird jedoch lediglich von großen gewerblichen
Händlern angeboten. Für den Einsatz des Lastschriftverfahrens ist zunächst die
explizite Beauftragung durch den Käufer erforderlich. Zudem sind Verbraucher
nur bei besonders vertrauenswürdigen Transaktionspartnern bereit, ihre Bankdaten
weiterzugeben und eine Genehmigung für Lastschriften zu erteilen. Bieten Händ-
ler direkt die Lastschrift an, tragen sie vielfältige Risiken, wie Kontounterde-
ckung, betrügerische Angabe fremder Kontodaten oder beliebige Rückbuchung.
Die unterschiedlichen Zahlungslandschaften in Deutschland und den USA
machten eine Anpassung der PayPal-Services an den deutschen Markt unumgäng-
lich. Deutsche Nutzer können daher beispielsweise Überweisungen von ihrem Gi-
rokonto direkt an PayPal-Konten vornehmen. Der weiten Verbreitung von Giro-
konten bei den deutschen Nutzern wurde zudem durch die Einführung des
elektronischen Lastschriftverfahrens Mitte 2005 Rechnung getragen. Damit kön-
nen Kunden Zahlungen mit PayPal in Echtzeit über mehrere Verfahren durchfüh-
ren. Deutsche Kunden profitieren bei der Bezahlung von eBay-Artikeln via PayPal
zusätzlich durch einen deutlich erhöhten Käuferschutz von 500 Euro ohne Selbst-
beteiligung. Händler wiederum werden durch umfassendes Risikomanagement vor
Betrug durch Käufer geschützt.
Neben Deutschland startet PayPal im Jahr 2004 lokalisierte Seiten in Öster-
reich, der Schweiz, den Niederlanden, Frankreich, Belgien und Italien. Seit Mai
2005 gibt es eine eigene PayPal-Seite für Spanien. In Großbritannien ist PayPal
bereits seit 2003 mit eigener Website vertreten.
240 Frerk-Malte Feller

2 Regulatorische Aspekte

PayPal ergänzt die bestehende Finanzinfrastruktur für den Zahlungsverkehr und


erleichtert Transaktionen zwischen Käufern und Verkäufern. Jede Zahlung zum
und vom PayPal-System durchläuft Bank- oder Kartenzahlungssysteme. PayPal ist
damit in hohem Maße von der bestehenden Bankinfrastruktur abhängig und arbei-
tet eng mit Banken und Kreditkartenunternehmen zusammen, um eine nahtlose
und effiziente Schnittstelle zwischen deren und den eigenen Systemen sicherzu-
stellen.
PayPal wird in Europa von der PayPal (Europe) Ltd., London, betrieben. Als E-
Geld-Institut (ELMI, Electronic Money Institution) wird PayPal von der britischen
Finanzaufsichtsbehörde Financial Service Authority (FSA) reguliert. Alle regula-
torischen Grundlagen für E-Geld-Institute (ELMIs) sind in der E-Geld-Richtlinie
der Europäischen Union festgelegt1. PayPal kann seinen Service daher von Groß-
britannien aus in allen anderen EU-Ländern auf der Grundlage der FSA-Zulassung
betreiben. Gleiches gilt für jede in Deutschland zugelassene Bank, die eine Bank-
dienstleistung in anderen EU-Staaten anbieten möchte. Die E-Geld-Richtlinie und
die entsprechenden FSA-Richtlinien bilden den rechtlichen und regulatorischen
Rahmen, in dem PayPal arbeitet. Diese Regeln gewährleisten, dass PayPal-
Kunden EU-weit angemessen geschützt sind. Die zuständigen Behörden in
Deutschland haben die PayPal-Lizenz der FSA anerkannt.
Wichtige Inhalte der E-Geld-Richtlinie: Alle Kundenguthaben auf PayPal-
Konten müssen sicher und kurzfristig verfügbar angelegt sein, um zu gewährleis-
ten, dass PayPal immer alle E-Geld-Beträge auszahlen kann, wenn seine Kunden
dies verlangen. PayPal unterliegt den strengen Richtlinien zur Geldwäschepräven-
tion und zum Verbraucherschutz sowie den von der FSA auferlegten Kapital- und
Unternehmensrichtlinien. In vielerlei Hinsicht sind diese Regelungen weit rei-
chender als die für Banken, dennoch ist PayPal keine Bank. Im Rahmen der
ELMI-Lizenz ist es dem Unternehmen nicht erlaubt, etwa Spareinlagen und Kre-
ditvergaben zu tätigen.

3 Funktionsweise von PayPal

Der Bezahlvorgang bei PayPal ist einfach und schnell. Von den PayPal-
Internetseiten aus kann das Geld dem Empfängerkonto bei PayPal zugewiesen
werden, welches über die E-Mail-Adresse des Empfängers identifiziert wird. Für
den Empfang und den Versand von Geld sind lediglich ein E-Mail-Account und
ein Bankkonto notwendig. Einmalige oder monatliche Kosten wie Anmelde- oder
Kontoführungsgebühren fallen für die Kontoinhaber nicht an.

1 EU-Richtlinie 2000/46/EG. PayPal FSA-Registrierungsnummer: 226056


PayPal – Globales Zahlungssystem mit Kompetenz für lokale Zahlungsmärkte 241

3.1 Anmeldung bei PayPal

Im ersten Schritt wählt der Nutzer die seinen Bedürfnissen entsprechende PayPal
Kontoart (siehe Punkte 3.1.1–3.1.3). Es folgt die Eingabe der persönlichen Kon-
taktinformationen. Die Angabe eines Bankkontos ist dabei obligatorisch. Eine
Kreditkarte kann optional angegeben werden.

3.1.1 Basiskonto
Das Konto für Käufer. Es können Zahlungen an jeden Transaktionspartner gesen-
det werden, der eine E-Mail-Adresse besitzt oder PayPal bei eBay oder in seinem
Online-Shop als Zahlungsmethode anbietet. Es gibt einen Käuferschutz bis zu
500 EUR bei eBay-Käufen.

3.1.2 Premiumkonto
Das Premiumkonto ist auf private Händler zugeschnitten, die Waren online ver-
kaufen. Inhaber eines Premiumkontos können optional Zahlungen per Kreditkarte
akzeptieren. Neben dem eBay-Kauferschutz stehen zahlreiche Auktions- und
Händler-Tools von PayPal zur Verfügung.

3.1.3 Businesskonto
Das Konto für gewerbliche Online-Unternehmen ermöglicht den Handel unter
dem Geschäftsnamen. Mitarbeitern können bestimmte Zugriffsrechte auf das Kon-
to erteilt werden. Auch hier stehen eBay-Käuferschutz sowie zahlreiche Auktions-
und Händler-Tools von PayPal zur Verfügung.

3.2 Geld senden

Der Versand von Geld erfolgt bei PayPal sehr einfach und schnell. Um eine Zah-
lung per PayPal anzuweisen, muss der Käufer nur die E-Mail-Adresse des Emp-
fängers kennen bzw. einen PayPal-Link bei eBay oder in einem Online-Shop nut-
zen. Die Zahlungen werden dem Empfänger innerhalb von Sekunden gutge-
schrieben. Der Empfänger erfährt nur den Namen und die E-Mail-Adresse jedoch
keine Bank- oder Kreditkartendaten des Versenders. Die für den erfolgreichen
Zahlungsvorgang notwendigen Informationen beschränken sich damit auf die Hö-
he des anzuweisenden Betrags, die Währung in der das Geld beim Empfänger ein-
gehen soll sowie die E-Mail-Adresse des Empfängers. Darüber hinaus kann die
Zahlung mit einer Nachricht an den Empfänger verbunden werden. Der Versand
von Geld mit PayPal ist immer kostenfrei und kann auf verschiedene Arten erfol-
gen. Wenn auf dem PayPal-Konto ein ausreichendes Guthaben vorhanden ist,
werden automatisch alle mit PayPal abgewickelten Zahlungen zunächst aus die-
sem Guthaben gezahlt. Nach der Zahlung wird der Zahlungsbetrag innerhalb von
Sekunden dem PayPal-Konto des Verkäufers gutgeschrieben. Bei der Zahlung per
242 Frerk-Malte Feller

Kreditkarte wird diese mit dem Kaufbetrag belastet und der Betrag unmittelbar
dem PayPal-Konto des Verkäufers gutgeschrieben.
Eine weitere Möglichkeit, Zahlungen in Echtzeit abzuwickeln führte PayPal
Mitte 2005 durch das Lastschriftverfahren für PayPal-Kunden in Deutschland ein.
Auch hier wird der Betrag sofort auf dem PayPal-Konto des Empfängers gutge-
schrieben – PayPal bucht den jeweiligen Zahlungsbetrag vom Bankkonto des Käu-
fers ab. Das Lastschriftverfahren wird dabei nur für die Zahlungen angewandt, für
die der Käufer auch die Ermächtigung erteilt hat. Die Kontrolle über die jeweilige
Zahlungsart liegt jederzeit vollständig beim Kontoinhaber, der Käufer kann für je-
de Zahlung entscheiden, ob er Lastschrift nutzen möchte oder nicht.
Nachdem bei der Zahlung die Überweisung ausgewählt wurde, kann die Zah-
lung von einem externen Bankkonto direkt auf das PayPal-Konto des Empfängers
erfolgen. Die dazu notwendigen Daten werden mitgeteilt. Auch wenn der Zeitvor-
teil der anderen Zahlungsarten bei dieser Variante entfällt, genießt der Versender
des Geldes den vollen PayPal-Käuferschutz. Diese Zahlungsform wurde von Pay-
Pal speziell für den deutschen Markt entwickelt und Mitte 2004 eingeführt.

3.3 Geld empfangen

Bei einem Zahlungseingang wird der Verkäufer umgehend durch eine E-Mail über
den Erhalt der Zahlung informiert und der Betrag auf seinem PayPal-Konto gutge-
schrieben. Für Nutzer eines Basiskontos ist der Empfang von Zahlungen immer
kostenlos, allerdings nur bis zu einem bestimmten monatlichen Limit möglich.
Lediglich für Währungsumrechnungen werden Wechselkursgebühren erhoben.
Auch bei Premium- und Businesskonten ist der Empfang von Zahlungen aus Gut-
haben, mittels Überweisung und Lastschrift während der aktuellen Einführungs-
phase in Deutschland kostenfrei (Stand Mitte 2005). Bei Kreditkarten- und inter-
nationalen Zahlungen müssen Premium- und Businesskonteninhaber eine Gebühr
für den Geldempfang zahlen – sofern sie die jeweilige Zahlung akzeptieren. Je
höher der monatliche Gesamtumsatz mit PayPal ist, desto niedriger fällt diese Ge-
bühr aus2.
Verkäufer können Zahlungen in verschiedenen Währungen annehmen – etwa in
Euro, US-Dollar, Britischen Pfund, Yen, etc. Erhält der Verkäufer eine Zahlung in
einer von ihm geführten Währung, wird der entsprechende Betrag automatisch im
Saldo der jeweiligen Währung aufgeführt. Erhält er eine Zahlung in einer von ihm
bisher nicht geführten Währung, muss der Empfänger die Zahlung akzeptie-
ren oder ablehnen. Gleichzeitig kann er ein neues Währungssaldo eröffnen oder
die Währung gleich in seine Hauptwährung übertragen lassen. Empfangsgebühren
werden in der Währung veranschlagt, in der das Geld gesendet wurde. Obgleich
die Gebühren für den Empfang von Auslandszahlungen geringfügig über denen
für Inlandszahlungen liegen, sind sie im Vergleich mit alternativen Zahlungsopti-
onen günstig.

2 Aktuelle Gebührenübersicht zu erreichen über den Link „Gebühren“ auf der Startseite
von www.paypal.de
PayPal – Globales Zahlungssystem mit Kompetenz für lokale Zahlungsmärkte 243

4 Einsatzgebiete

4.1 Online-Auktionen

Schon vor der Übernahme durch eBay entwickelte sich PayPal zum bevorzugten
Zahlungsmittel der amerikanischen eBay-Mitglieder. Ausschlaggebend dafür war
nicht zuletzt die sichere und schnelle Art der Bezahlung, die weder das Ausfüllen
von Schecks noch die Offenlegung sensibler Daten an Fremde beinhaltet. Vor al-
lem aber die Geschwindigkeit von PayPal hat zum Erfolg des Zahlungsservices
bei Online-Auktionen geführt. Denn bei Auktionen geht es zunächst um den Spaß
und die Spannung beim Kauf – jedes Höchstgebot ist Höhepunkt eines Spiels, das
gewonnen wurde. Der „Gewinner“ will den Artikel schnellstmöglich in den Hän-
den halten. Dank der tiefen Integration von PayPal in den Marktplatz, ist die Zah-
lungsabwicklung für Käufe bei eBay schnell, effizient und sicher.
Hinzu kommt der erhöhte kostenlose Käuferschutz für Zahlungen, die bei eBay
mit PayPal vorgenommen werden. Dieser beträgt in Deutschland, Österreich und
der Schweiz seit Mitte 2005 bis zu 500 Euro ohne Selbstbeteiligung. Das Risiko
wird hierbei jedoch nicht auf die Verkäufer abgewälzt, sondern durch PayPal ab-
gedeckt. Im Falle einer Käuferschutzbeschwerde muss der Verkäufer lediglich
nachweisen können, dass er den betreffenden Artikel versendet hat. eBay-
Verkäufer bieten ihren Kunden daher durch PayPal mehr Sicherheit und Ge-
schwindigkeit in der Abwicklung von Transaktionen. Der rasche Geldeingang er-
höht zudem die Liquidität des Verkäufers und ermöglicht damit schnelleres
Wachstum. Käufer können die Vielfalt von eBay genießen, ohne auf den raschen
Versandservice herkömmlicher E-Commerce-Angebote zu verzichten.
Die Kombination von eBay und PayPal ermöglicht Kunden eine sichere,
schnelle und einfache Kaufabwicklung, die höchsten Ansprüchen an den Internet-
handel und dem damit verbundenen Einkaufserlebnis gerecht wird.
Anzahl der Mitglieder (in Mio.)
244
Anzahl der Konten (in Mio.)

0
10
20
30
40
50
60
70
80
90
100
110
120
130
140
150
160
0
10
20
30
40
50
60
70
80
Q1 1998
Q2 1998 Q1 2001

(eBay 2005).
Q3 1998
Q4 1998 Q2 2001

2005 (eBay 2005).


Q1 1999
Q3 2001
Q2 1999
Q4 2001
Frerk-Malte Feller

Q3 1999
Q4 1999
Q1 2002
Q1 2000
Q2 2000 Q2 2002
Q3 2000
Q4 2000
Q3 2002

Q1 2001
Q4 2002
Q2 2001
Q3 2001 Q1 2003
Q4 2001
Q2 2003
Q1 2002
Q2 2002 Q3 2003
Q3 2002
Q4 2002
Q4 2003

Q1 2003
Q1 2004
Q2 2003
Q3 2003 Q2 2004
Q4 2003
Q3 2004
Q1 2004
Q2 2004 Q4 2004
Q3 2004
Q4 2004
Q1 2005
Abb. 1. Wachstum der PayPal-Konten im Zeitraum von Anfang 2001 bis Mitte 2005

Q1 2005
Q2 2005
79

Q2 2005
157

Abb. 2. Entwicklung der eBay-Mitgliedszahlen im Zeitraum von Anfang 2001 bis Mitte
PayPal – Globales Zahlungssystem mit Kompetenz für lokale Zahlungsmärkte 245

4.2 Internationaler Handel

Das Internet hat eine bis dato unbekannte Angebotstransparenz und globale Ver-
fügbarkeit von Waren geschaffen. Gerade eBay zeigt, wie einfach Handel interna-
tional funktioniert.
Jedoch gibt es im internationalen Handel nach Kaufabschluss noch viele Zah-
lungsbarrieren aufgrund unterschiedlicher Systeme – selbst innerhalb von Europa.
Während Kreditkarten in den USA, Großbritannien und Frankreich gängige Zah-
lungsmittel sind, ist das Girosystem in anderen Teilen Europas weit verbreitet und
gelernt. Zudem müssen sich die Kunden oft mit komplizierten Transaktionen, bei
denen BIC und IBAN abgefragt werden, auseinander setzen. Die von PayPal ent-
wickelte Lösung macht es den Nutzern einfach. Und als internationales Unter-
nehmen, steht die Marke für hohe Sicherheit und ein bekanntes, schnelles System.
Auch Händler profitieren von diesen Eigenschaften, denn PayPal ebenso wie
eBay übernehmen eine „Enabler Funktion“. Diese ermöglicht es auch Einzelper-
sonen oder kleinen Unternehmen international zu handeln und Kunden in aller
Welt schnellen und zuverlässigen Service anzubieten. Da PayPal auch außerhalb
von eBay nutzbar ist, hilft das System unbekannten Händlern beim Aufbau von
Vertrauen in ihre Zahlungsabwicklung. Denn die Kunden müssen ihre Kontodaten
nicht schwer greifbaren Unbekannten im Ausland anvertrauen, sondern wickeln
ihre Zahlungen über PayPal als Mittler ab.

5 Zahlen

Weltweit waren Mitte 2005 79 Millionen PayPal-Konten registriert, der Service ist
in 56 Ländern verfügbar. Im 2. Quartal 2005 betrug der Umsatz von PayPal welt-
weit 244 Millionen US-Dollar. Das internationale Geschäft von PayPal trug im 2.
Quartal 2005 mit 35 Prozent zum Gesamtumsatz bei.
Das Gesamtvolumen des Zahlungsverkehrs (Total Payment Volume) bei Pay-
Pal weltweit für das Jahr 2004, also der Wert aller Transaktionen, betrug 18,9 Mil-
liarden US-Dollar. Im 2. Quartal 2005 betrug das Gesamtvolumen des Zahlungs-
verkehrs bei PayPal mehr als 6,5 Milliarden US-Dollar. Damit übermittelte PayPal
im 2. Quartal 2005 pro Sekunde Zahlungen in Höhe von 823 US-Dollar.
246 Frerk-Malte Feller

7
6,5

6
Transaktionsvolumen in Mrd. US-Dollar

0
Q1 2001

Q2 2001

Q3 2001

Q4 2001

Q1 2002

Q2 2002

Q3 2002

Q4 2002

Q1 2003

Q2 2003

Q3 2003

Q4 2003

Q1 2004

Q2 2004

Q3 2004

Q4 2004

Q1 2005

Q2 2005
Abb. 3. Entwicklung des Gesamtvolumens des Zahlungsverkehrs (Total Payment Volume)
bei PayPal (eBay 2005).

6 Ausblick

PayPal plant den Ausbau der Zusammenarbeit mit Banken, ohne selbst eine Bank
sein zu wollen. Wie in den USA bereits geschehen, ist angedacht, auch in anderen
Märkten mit Bankpartnern Finanzdienstleistungen wie Finanzierungsangebote,
Anlagemöglichkeiten oder Kreditkartenservices zu entwickeln. Auch in Deutsch-
land wird PayPal die Partnerschaft mit Banken intensivieren, um spezifisch deut-
sche Zahlungsbedürfnisse mit neuen Angeboten noch besser zu bedienen.
Auf globaler Ebene setzt das Unternehmen seine Internationalisierung weiter
fort. Dieser Prozess findet sowohl auf quantitativer (mehr Länder) als auch auf
qualitativer Ebene (mehr Anpassung an lokale Märkte) statt.
Trotz der Konzentration auf das eBay-Geschäft wird bereits ein großer Teil des
über PayPal abgewickelten Zahlungsvolumens außerhalb von eBay initiiert. Hier
erschließt sich dem Unternehmen zusätzliches Potential. Für diese Zielgruppen
bietet PayPal bereits jetzt spezielle Lösungen an. Unter anderem die einfache Ein-
bindung von PayPal in Online-Shops.

7 Fazit

x Es gab bereits zahlreiche Versuche innovative Online-Zahlungssysteme im


Markt zu etablieren. PayPal ist als Produkt seit November 1999 auf dem Markt.
PayPal – Globales Zahlungssystem mit Kompetenz für lokale Zahlungsmärkte 247

Nach nur sechs Jahren haben PayPal-Kunden rund 79 Millionen Konten einge-
richtet.
x Mit der Übernahme durch eBay hat eine massive internationale Expansion ein-
gesetzt. Mittlerweile akzeptiert der Dienst sechs Währungen und kann in 56
Ländern genutzt werden. 13 Länderseiten bieten ein lokalisiertes Angebot an.
x PayPal ist eine der ersten Innovationen im E-Payment, die vom Markt ange-
nommen wurde. Der Erfolg in Europa, insbesondere in den Kernmärkten
Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien und Spanien beweist, dass das
Zahlungssystem international funktioniert. Voraussetzung hierfür ist nicht zu-
letzt die globale Funktionsfähigkeit mit lokaler Ausprägung. Der Erfolg von
PayPal basiert dabei auf der konsequenten Ausrichtung auf die Anforderungen
von Käufern wie Verkäufern im Online-Handel.
x PayPal ist erfolgreich, weil :
 Zahlungen in Sekundenschnelle abgewickelt und gutgeschrieben werden.
 dafür gesorgt ist, dass Dritte nicht in den Besitz von sensiblen persönlichen Fi-
nanzinformationen der Transaktionspartner kommen.
 Käufer es dank der vielfältigen Zahlungsarten als eine echte „Online-
Geldbörse“ nutzen.
 es Privatpersonen, als auch kleinen und mittleren Händlern ermöglicht profes-
sionelle Zahlungsabwicklung anzubieten.
 es Händlern gestattet, nur eine „Kasse“ zu haben, mit der sie verschiedene
Zahlungsfunktionen abrechnen können.
 es bei eBay, aber auch auf anderen Websites einfach eingebunden werden kann.
 es internationales Handeln auch für einzelne oder kleine Unternehmen ermög-
licht.

Literatur

eBay (2005) Unternehmenseigene Zahlen


paysafecard – die führende Wertkarte zum
Bezahlen im Internet

Michael Müller

paysafecard.com Wertkarten AG, Wien

1 Geschichte des Unternehmens paysafecard

paysafecard.com hat Europas erste Prepaid-Karte zum online shoppen entwickelt.


Die paysafecard.com Wertkarten AG wurde im März 2000 als Aktiengesellschaft
in Wien gegründet. Sechs Monate nach der Gründung erfolgte der operative Start
in Österreich, im Mai 2001 wurde die paysafecard in Deutschland gelauncht.
Überdies unterstützen renommierte Unternehmen wie BAWAG P.S.K., Com-
merzbank AG oder IBM im Rahmen strategischer Partnerschaften dieses neue
Zahlungsmittelsystem für das Internet. Die Expansion in weitere europäische Län-
der wird ab dem 4. Quartal 2005 erfolgen. Im April 2004 verzeichnete paysafecard
erstmals ein monatliches Transaktionsvolumen von über einer Million Euro, schon
im Mai 2005 übersteigt dieses bereits drei Millionen Euro pro Monat. Hintergrund
der erfolgreichen Entwicklung der paysafecard ist, dass ein Großteil der Internet-
User nicht bereit ist, finanz- und personenbezogene Daten im Internet bekannt zu
geben, insbesondere Kreditkartennummern aber auch Kontonummern für Last-
schrifteinzüge. Darüber hinaus war der Gedanke, ein Zahlungsmittel zu schaffen,
welches die Bedürfnisse der Internet-User erfüllt: Sicherheit, Anonymität, Ein-
fachheit. Und das ohne den Kunden mit Transaktionskosten oder Gebühren zu be-
lasten, unabhängig vom Alter bzw. finanzieller Situation.
Die Idee eines Prepaid-Zahlungsmittels ist nicht neu, da sie seit Jahren erfolg-
reich im Mobilfunksektor eingesetzt wird. Der Ansatz, diese bekannte Funktiona-
lität durch die Etablierung eines neuen Kartensystems zu erweitern und eine Integ-
ration mit den Telefon-Prepaid-Karten anzustreben, war abzusehen und die
Chance wurde von paysafecard als erster wahrgenommen. Nicht zu vergessen sind
natürlich die Webshop-Betreiber selbst, die zunehmend – wenn auch öffentlich
selten zugegeben – mit hohen Zahlungsausfällen zu kämpfen haben. Dieses Aus-
fall-/Inkassorisiko einzudämmen bzw. mit einem Prepaid-Zahlungssystem wie der
paysafecard auszuschließen, ist ein allgemeiner Wunsch bestehender und zukünf-
tiger Online-Geschäftsmodelle. Neben dem zunehmenden Ausfallsrisiko für Web-
shops, geht es auch um die Erschließung neuer Kundengruppen, vor allem die der
Jugendlichen, die mit Prepaid-Karten aus der Mobiltelefonie bestens vertraut sind.
250 Michael Müller

paysafecard ist ein Produkt, welches auf ideale Weise die Anforderungen der User
und der Webshops an ein Online-Zahlungsmittel kombiniert.
Derzeit wird die paysafecard in über 2.000 Webshops akzeptiert und ist in
über 10.000 Vertriebsstellen und im Internet erhältlich. Die beiden Vorstände der
paysafecard.com Wertkarten AG Herr Mag. Michael Müller und Herr DI Michael
Altrichter zählten bereits zu den Gründungsmitgliedern des Unternehmens.

2 Rechtliche Aspekte

Die paysafecard ist Europas erste bankenrechtlich genehmigte Prepaid-Karte für


die Bezahlung im Internet. Dies ist darin begründet, dass Prepaid-Verfahren, bei
denen Kartenausgabestelle und Akzeptanzstelle nicht oder nicht ausschließlich
dieselbe Person sind (Third Party Billing), rechtlich als Bankgeschäfte des Geld-
kartengeschäfts oder des Netzgeldgeschäfts qualifiziert werden. Entsprechend dem
derzeit geltenden europäischen Bankenrecht ist für das prepaid Online-
Zahlungsgeschäft daher eine Bankenlizenz notwendig. Im Falle des Prepaid-
Wertkarten Zahlungsverkehrs entsteht eine Dreiecksbeziehung zwischen Kunden,
Webshop und Kartenherausgeber, in welcher Letzter, als Anbieter des Zahlungs-
mittels, das Guthaben entgegen nimmt und verwaltet. Daher sind paysafecards
Bankenprodukte und werden in Österreich von der BAWAG P.S.K. und in
Deutschland von der Commerzbank AG herausgegeben und verwaltet.
Neben der wesentlichen Bedeutung für den Kunden, dass renommierte Banken
das Zahlungsmittel herausgeben, sprechen diese Banken den Webshops zusätzlich
eine Zahlungsgarantie aus. Der Hinweis, dass es sich bei der paysafecard um ein
Zahlungsmittel handelt, und daher von dem jeweiligen nationalen Bankenpartner
herausgegeben wird, befindet sich auf der Rückseite der paysafecard.

Abb. 1. Vermerk der paysafecard-Herausgabe durch den jeweiligen Bankpartner


paysafecard – die führende Wertkarte zum Bezahlen im Internet 251

3 Funktionsweise

3.1 Der Zahlungsprozess

Der Kunde befindet sich im Internet, hat sich zum Erwerb eines Produktes oder
Dienstleistung entschlossen und entscheidet sich danach für die Zahlungsoption
„paysafecard“. Er klickt auf die Funktion „Bezahlen mit paysafecard“ und wird
zum Zahlfenster auf der paysafecard Zahlungsseite weitergeleitet, wo er seinen
freigerubbelten PIN-Code (und optional das persönliche Passwort) eingibt. Auf
dem paysafecard Server werden der eingegebene PIN-Code, das Passwort und das
Guthaben der paysafecard überprüft. Bei festgestellter Unterdeckung (Betrag auf
der Karte reicht nicht aus) wird eine Information an den Karteninhaber gesendet,
der in diesem Fall noch bis zu neun weitere PIN Codes angeben kann. Der Karten-
inhaber erhält auch eine Information, sollte bei der Transaktion ein Fehler aufge-
treten sein. Bei erfolgreicher Prüfung des Betrages wird dem Kunden diese Infor-
mation zurückgesendet und der Betrag auf dieser Karte reserviert. Dieser
reservierte Betrag kann vom Webshop sofort, oder nach erfolgter Auslieferung
abgebucht werden. Nach erfolgreicher Zahlung wird der Kunde automatisch zum
Webshop zurückgeleitet.

1 Wertkarte oder 2 Im Web-Shop paysafecard 3 PIN-Code freirubbeln (bei


PIN-Code kaufen als Zahloption wählen Wertkarten) und 16-stelligen
PIN-Code eingeben.
Schon ist alles bezahlt.

Abb. 2. Der paysafecard-Transaktionsablauf


252 Michael Müller

3.2 Der Geschäftsprozess

Der gesamte Geschäftsprozess lässt sich schematisch folgendermaßen darstellen:

Abb. 3. Der paysafecard-Geschäftsprozess

1. Kauf der paysafecard: Der Kunde erwirbt in einer Vertriebsstelle (u.a. Bankfi-
lialen, Tankstellen, Kiosk) eine paysafecard. Ziel ist es, eine flächendeckende
Verfügbarkeit „rund um die Uhr“ zu gewährleisten sowie bei Vertriebspartnern
präsent zu sein, bei denen der User gewohnt ist, Prepaid-Karten aus dem Mo-
bilfunkbereich zu erwerben. Der Kunde erfährt alle aktuellen Vertriebsstellen
über eine eigene Vertriebsstellensuchfunktion auf www.paysafecard.com.
2. Zahlungen des Händlers: Sämtliche „prepaid“ Gelder werden von den Bank-
partnern der paysafecard direkt auf so genannte Nostro-Konten der Ban-
ken überwiesen. Hierdurch sind die Auszahlungen an die Webshop Partner zu
100 Prozent gewährleistet.
3. Kaufentscheidung: Unter www.paysafecard.com befindet sich eine Liste aller
angebundenen Webshops, bei denen der Kunde mit der paysafecard bezahlen
kann. Nach Auswahl des gewünschten Produktes bzw. der Dienstleistung klickt
der User unter Zahlungsoptionen den paysafecard Button an. Zeitgleich sendet
der Webshop ein Protokoll (u.a. mit Merchant-ID, Transaktionsnummer, Be-
trag, Währung) an paysafecard, in dem der paysafecard Server über den bevor-
stehenden Zahlungsvorgang informiert wird.
4. Routing: Über einen Redirect wird eine zweite Session zwischen dem User und
dem paysafecard Rechenzentrum geöffnet1. Auf der paysafecard Zahlungsseite
gibt der User nun seinen freigerubbelten PIN-Code und optional sein persönli-
ches Passwort ein, das er zu seinem persönlichen Schutz selber einrichten kann.
Pro Transaktion können bis zu 10 paysafecards eingesetzt werden. Nach erfolg-

1 Anmerkung: Hierdurch kann sichergestellt werden, dass der Webshop zu keinem Zeit-
punkt PINs oder Passwörter der User sammeln kann.
paysafecard – die führende Wertkarte zum Bezahlen im Internet 253

reicher Validierung des Kartenwerts erhält der User einen Hinweis, dass der
gezahlte Betrag auf seiner paysafecard reserviert ist und ihm nicht mehr zur
Verfügung steht. Gleichzeitig geht eine zweite Meldung an den Webshop, die
ihn über die, in diesem Fall erfolgreiche Zahlung seines Kunden informiert. Die
Verbindung zwischen paysafecard und User schließt sich, der Kunde ist nun
wieder auf der Webseite des Webshops.
5. Zahlung an den Webshop: Der Webshop wird nach Anweisung von paysafe-
card vom Bankpartner nach Abzug des Disagios ausbezahlt.

3.3 Die Karte

paysafecards werden in Österreich und Deutschland mit den Nominalwerten


EUR 10, EUR 25, EUR 50 und EUR 100 vertrieben. In Ländern, in denen der Eu-
ro nicht das offizielle Zahlungsmittel ist, werden die Karten in der jeweiligen
Landeswährung ausgegeben.

Abb. 4. Beispiel einer paysafecard classic mit 100 Euro Nominalwert

Neben der so genannten Classic-Karte gibt es auch eine Karte für Minderjährige.
Diese „<18“-Karte erlaubt nur den Bezug von jugendfreien Produkten und Dienst-
leistungen.
254 Michael Müller

Die Funktionsweise der paysafecard basiert auf dem bekannten und etablierten
System der Prepaid-Karten, wie zum Beispiel der Telefonie-Prepaid-Karte. Über
einen 16-stelligen PIN Code, der auf der Rückseite der Prepaid-Karte freigerub-
belt wird, kann der User Produkte bei den angeschlossenen Webshops einkaufen.
Die Merkmale der paysafecard: Jede paysafecard verfügt über vier gemeinsa-
me Merkmale, die unabhängig in welcher Form sie erzeugt wird, ob als physische
Karte oder als elektronischer PIN, vorhanden sein müssen:
x Nominale
x Seriennummer
x Produktionsdatum und
x PIN-Code.

Abb. 5. Die vier paysafecard-Merkmale

3.4 Der elektronische Ausdruck „POS PIN“

Europaweit werden derzeit die meisten physischen prepaid Karten durch elektro-
nische Ausdrucke, die direkt in der Verkaufsstelle auf Kundenanfrage ausgedruckt
werden, abgelöst. Auch die paysafecard wird bereits überwiegend in Form eines
elektronischen Ausdrucks verkauft. Die Vorteile des „POS PIN“ sind folgende:
x keine physische Lagerhaltung von Karten,
x kein Schwundrisiko für den Händler,
x schnelle Ausweitung des Vertriebsnetzes und
x jederzeit jedes Nominale verfügbar.
Alle wesentlichen Merkmale der paysafecard (PIN-Code, Seriennummer, Betrag,
Produktionsdatum) werden an der Verkaufsstelle direkt vor dem Kunden ausge-
druckt. Bereits ca. 99 % aller paysafecards in Deutschland werden – bei hoher
Kundenzufriedenheit – auf Basis des elektronischen POS PINs verkauft. In Zu-
kunft wird diese Technologie auch in Österreich sowie in den weiteren Märkten
der paysafecard die physische Karte Schritt für Schritt ablösen bzw. bei Zukunfts-
ländern bereits von Beginn weg eingesetzt werden.
paysafecard – die führende Wertkarte zum Bezahlen im Internet 255

Abb. 6. POS-PIN Ausdruck und Beispiel eines Kartenterminals

3.5 Die Inhouse-Karte

paysafecard ist bestrebt, sein Zahlungsmittel kontinuierlich weiter zu entwickeln,


um sich als multifunktionale Prepaid-Karte führend zu positionieren. Dementspre-
chend wurde bereits im Jahr 2001 die Inhouse-Karte entwickelt. Hierbei handelt es
sich um Sonderauflagen von Online-Gutscheinen in Form von paysafecards, die
ausschließlich auf vorab definierten Webseiten bzw. für Mehrwertdienste der Auf-
traggeber einsetzbar sind. Inhouse-Karten sind kein Bankenprodukt und somit
nicht an bankrechtlichen Bestimmungen gebunden. Sie sind als innovatives Wer-
betool insbesondere im Zuge von Promotions, wie z.B. Give-Away-Aktionen
(Verteilungen) oder Beigaben bei Käufen, aber auch im Verkauf von Gutscheinen,
einsetzbar.

Abb. 7. Beispiele für Inhouse-Karten


256 Michael Müller

4 Technik und Operations

Das von paysafecard entwickelte Zahlungssystem wurde mit der IBM Österreich
als Technologiepartner, in den vier Bereichen Applikations-Entwicklung, Ent-
wicklung eines integrierten Betriebs-Management-Systems, Schnittstellenmana-
gement und laufender Betrieb designed.
Das System besteht aus mehreren Servern, einem Storage System und einer
Tape-Library. Die Kernteile der Anlage sind redundant ausgelegt, d.h. bei Ausfall
einer Komponente des Systems besteht der Betrieb des verbleibenden Systems
weiter. Das von paysafecard entwickelte und von Partnern betriebene System ist
so konzipiert, dass ein Bezahlvorgang rasch abgewickelt werden kann, ein extrem
hohes Transaktionsvolumen gesichert ist, und dass es für die geplante Expansion
von paysafecard sowohl im EU-Raum als auch darüber hinaus gerüstet ist. Es ge-
hört damit europaweit zu den leistungsfähigsten Zahlungsabwicklungssystemen.
Das paysafecard System erfordert vom Kartenbesitzer keine weiteren Voraus-
setzungen, wohingegen Distibutoren ein Zertifikat und eine Distributor-ID benöti-
gen und Webshops, noch zusätzlich zu Zertifikat und Merchant-ID, die paysafe-
card-API (Application Programming Interface) zur Einbindung der paysafecard in
deren Webshop benötigen. Der paysafecard Server ist ein Web-Server, der auf be-
stimmte HTTP-Requests reagiert. Er bietet den Distributoren, unter dem Schlag-
wort „Online-Logisitk“, auch die Funktionalität der gesicherten „Online-PIN“-
Bestellung und Abholung, die betriebswirtschaftlichen Prozesse werden automa-
tisch über Schnittstellen mit dem SAP-System abgewickelt.
Da zwischen Merchant, Kunden und paysafecard vertrauliche Daten ausge-
tauscht werden, verläuft jegliche Kommunikation verschlüsselt über das von Net-
scape entwickelte Secure Sockets Layer (SSL) Protokoll. Die meisten modernen
Web-Browser unterstützen dieses Protokoll. SSL bietet nicht nur die Möglichkeit
der sicheren Kommunikation durch Verschlüsselung der übertragenen Daten, son-
dern auch die Möglichkeit, die an der Kommunikation beteiligten Parteien mittels
Zertifikaten zu authentifizieren. Die Kommunikation zwischen Kunden und pay-
safecard wird über das SSLv2-Protokoll abgewickelt, bei dem der Server sich dem
Client (dem Web-Browser des Kunden) gegenüber durch Vorweisen seines Ser-
ver-Zertifikates authentisiert, aber keine Authentifizierung des Client erforderlich
ist (der Kunde bleibt anonym).
Die Kommunikation zwischen Merchant und paysafecard läuft über SSLv3-
Protokoll. Dabei muss sich die Client-Maschine (der Webshop) dem Server ge-
genüber durch ein Zertifikat authentifizieren. Dadurch kann paysafecard die Iden-
tität des Merchant sicherstellen. Alle Funktionen des Merchant API resultieren in
HTTP-Requests über das SSLv3-Protokoll an den paysafecard-Server. Das Mer-
chant API hat die Aufgabe, die zur Abwicklung eines Bezahlungsvorganges not-
wendigen Funktionsaufrufe zu kapseln und einfach in den Webshop integrierbar
zu machen. Es besteht aus zwei Teilen. Das Front-End ist in „Java“, „Perl“
und „.net“ verfügbar. Der Back-End Prozess ist eine Java-Applikation, der die
SSL-Verbindungen aufbaut und das Zertifikat des Webshops verwaltet. Dieses
Back-End wird API-Proxy genannt. Um die Micropayment-Funktionalität nutzen
paysafecard – die führende Wertkarte zum Bezahlen im Internet 257

zu können, muss eine erweiterte Version des API-Proxy, der Micropayment Dae-
mon, verwendet werden. Dieser übernimmt zusätzlich noch das Zwischenspei-
chern der Micropayment-Befehle und das Übersenden der akkumulierten Geldbe-
träge an den paysafecard Server im Hintergrund. Die Kommunikation zwischen
dem Front-End und dem Back-End findet in der Regel durch HTTP-Requests an
die Loop-Back IP-Adresse (LocalHost: 127.0.0.1). Sollte nicht die Java-
Implementation des Merchant API verwendet werden, so kann ein API-Proxy als
Hintergrundprozess (als Dienst unter MS Windows Betriebssystemen bzw. als
Daemon unter den verschiedenen Unix-Varianten) laufen. Diese Konfiguration
garantiert die größtmögliche Flexibilität: Der Java API-Proxy kann auf jedem Be-
triebssystem laufen, für das es eine Java Virtual Machine gibt, während das Front-
End so einfach wie möglich gehalten ist – bei Bedarf kann das Programm des
Merchant auch direkt über HTTP-Requests mit dem Back-End kommunizieren.
Letztere Lösung wird dann gewählt, wenn weder Perl noch Java noch Visual Ba-
sic-Code (in ASP) in den Webshop integriert werden können.

5 Einsatzgebiete

Die paysafecard kommt zum Einsatz, wo der Webshop das Inkassorisiko vermei-
den möchte, keine Kosten für die Rückzahlung wie bei Kreditkarten (Charge-
Back-Gebühren) entstehen sollen und der Internet-User anonym, das heißt ohne
Bekanntgabe von finanz- oder personenbezogenen Daten sicher im Internet bezah-
len möchte. Grundsätzlich sind dem Einsatzgebiet keine Grenzen gesetzt.
Derzeit kommt die paysafecard im Versandhandel, für Onlinedienste, bei Onli-
nesportwetten und Onlinecasinos, Erotikseiten und im so genannten Paid Content-
Bereich wie Musik-Downloads, Klingeltönen und bei Paid Services wie Dating-
börsen, Handystyling und Informationsdatenbanken zum Einsatz. Die „<18 card“
ist als Jugendkarte auf Erotikseiten, Wettseiten oder vergleichbaren Websites ge-
sperrt. Eine kurze Übersicht über die Einsatzgebiete der paysafecard:
x Sportwetten
x Paid Services
x Datingbörsen und Flirtportale
x Handystylingportale für Ringtones und Handylogos
x Musicdownloads und Streaming
x Informationsdatenbanken und Archive
x Versandhandel (Bücher und CDs, Tickets und Konzertkarten, Kameras, Com-
puter, Zubehör, etc.)
x Erotik
Mit Kreativität und Phantasie kann die paysafecard aber auch als effektives Mar-
ketingelement eingesetzt werden, z.B. durch die Versendung von Gratis-PINs per
E-Mail an eine bestimmte Zielgruppe oder durch die Gestaltung von Sonderaufla-
gen für die Bewerbung von ausgewählten Webshops (Inhouse-Karte) und als
Give-Away.
258 Michael Müller

6 Kosten für Nutzer, Händler und Webshop-Partner

Für den Nutzer entstehen keine zusätzlichen Kosten durch die Bezahlung mit pay-
safecard, der Preis repräsentiert den Nominalwert der Karte. Der Händler (Distri-
butor) erhält für den Verkauf der paysafecard eine Provision (Disagio).
Anders als bei vielen anderen Anbietern bekommen die Webshop-Partner von
paysafecard das benötigte API (Application Programming Interface) sowie den te-
lefonischen Support zur Integration kostenlos zur Verfügung gestellt. Es fallen
weder zusätzliche Lizenzgebühren, Jahresgebühren, Stornokosten noch Gebühren
für Gutschriften an. Für den Webshop-Betreiber bedeutet dies, dass er lediglich
das vereinbarte Disagio zahlt und nur dann Kosten für ihn entstehen, wenn auch
Umsatz mit der paysafecard generiert wird. Die Höhe des Disagios hängt von der
Art der vertriebenen Güter oder Dienstleistungen ab. Hierbei differenziert die
paysafecard drei Bereiche: So genannte „Tangible Goods" (physische Waren, die
einer logistischen Nacharbeit durch einen Dritten bedürfen), „Intangible Goods“
(reine Content-/Download-Produkte, also digitale Inhalte) und „Micropayment“-
Produkte (digitale Inhalte mit einem Transaktionsvolumen zwischen 0,01 Euro
und 5,00 Euro). Darüber hinaus besteht ein Entgegenkommen im Spendenbereich
oder bei jenen Geschäftsmodellen, die aufgrund von rechtlich vorgeschrieben Ab-
gabestrukturen keine höheren Deckungsbeiträge erwirtschaften können. Demge-
genüber existieren Abweichungen nach oben, wo schnelles, anonymes Zahlen
durch den User und die inkassorisikofreie Einnahme im Mittelpunkt stehen (hier
im Besonderen die Bereiche Erotik und Spiele). Fazit ist, dass die paysafecard sich
nur an den Umsätzen beteiligt, die mit ihrem eigenen Zahlungsmittel generiert
worden sind und seine Partner mit keinen weiteren umsatzunabhängigen Kosten
belastet. Im Gegenzug besteht für den Webshop-Partner eine Abnahme des Inkas-
sorisikos durch die Zahlungsgarantie der Banken (BAWAG P.S.K. und Com-
merzbank AG).

7 Aktuelles

Der Vertrieb der paysafecard erfolgt neben dem Internet (Online-PIN-Shop) vor
allem über Banken, Postämter, Trafiken, Tankstellen und den Fachhandel. Derzeit
wird die paysafecard in den Ländern Österreich und Deutschland vertrieben. Noch
im Jahr 2005 soll zumindest ein weiteres Land aus dem EU-Raum hinzugewonnen
werden. Bis 2007 soll die paysafecard in 10 europäischen Ländern als Zahlungs-
mittel vertreten sein.
Ein kleiner Auszug aus der Liste der aktuellen paysafecard-Webshops, welche
auf der Website www.paysafecard.com zur Gänze abgerufen werden kann:
BAWAG Shop, Casinos Austria, Buch24.de, cds-24.de, Printshop, Niedermeyer,
Hartlauer Online, Dschungel.com, Tabakland, sms.at und uboot, Love.at, lovejet,
medianet.at, DeFacto, Kinderkrebsstiftung, Stargames, Aon Gamepoint oder
ÖKM.
paysafecard – die führende Wertkarte zum Bezahlen im Internet 259

8 Gründe für den Erfolg bei Kunden und Händlern

8.1 Mehrwert für den Kunden

Die grundlegenden Vorteile von paysafecard gegenüber manch anderen im Inter-


net üblichen Zahlungsverfahren sind:
x maximale Sicherheit bei jedem Online-Einkauf durch den begrenzten Wert der
Karte
x Easy to use, kein Software-Download und keine Hardware-Installation beim
Kunden
x die paysafecard kann von jedem Web-Terminal aus verwendet werden
x keinerlei vertragliche Bindung
x kein Bankkonto ist notwendig
x die paysafecard ist übertragbar und somit ein ideales Geschenk
x keine Eingabe von persönlichen Daten ist notwendig
x keinerlei Kosten für den Kunden
x einfache Überprüfung des Guthabens unter www.paysafecard.com
x einfache Nachvollziehbarkeit alter, mit der paysafecard getätigten Transaktio-
nen.

8.2 Mehrwert für den Webshop

Webshops, welche die paysafecard als Zahlungsmittel akzeptieren genießen ein-


zigartige Vorteile:
x Zugang zu Neukunden, die bisher noch nicht online eingekauft haben,
 weil sie ihre Privatsphäre schützen wollen,
 ihnen der Einkauf mit Kreditkarte zu unsicher erscheint,
 ganze 50 % der Bevölkerung gar keine Kreditkarte besitzen oder
 sie noch zu jung für eine Kreditkarte sind
x kein Inkassorisiko, denn die paysafecard wird im Voraus bezahlt
(Zahlungsgarantie)
x keine Kosten für Rückzahlungen wie bei der Kreditkarte (charge back rates)
x keine Applikationssoftware-Implementierungskosten
x die Einbindung der Webshops einfach durch Verlinkung
x Steigerung des Kundenverkehrs im Webshop durch gemeinsame Marketing-
Aktivitäten
x Listung auf der paysafecard.com Website
x die Erschließung neuer Geschäftsfelder durch Micropayment-Fähigkeit
x Teilnahme an einem First-Mover-Projekt
260 Michael Müller

9 Fazit

x Die paysafecard.com Wertkarten AG ist Österreichs führender Wertkarten-


Anbieter für anonymes und sicheres Zahlen im Internet und betreibt eine Toch-
tergesellschaft in Düsseldorf. Das Unternehmen hat im Jahr 2000 Europas erste
Prepaid-Karte zum Online-Shopping erfolgreich lanciert.
x Zu den strategischen Partnern zählen die BAWAG P.S.K., die Commerzbank
AG und IBM.
x Sicher und einfach: Die paysafecard garantiert absolut sichere und anonyme
Bezahlung von Gütern und Services aus dem Versandhandel, Online-Diensten,
Sportwetten und Erotik im Internet. Die Prepaid-Karte funktioniert wie eine
Wertkarte für Mobiltelefone. Die Angabe persönlicher Daten ist bei Zahlungen
mit paysafecard nicht erforderlich. Der 16-stellige PIN-Code der paysafecard
genügt, um eine Zahlungstransaktion zu tätigen. Die bezahlten Beträge werden
vom Guthaben der paysafecard abgebucht. Dieses kann jederzeit online abge-
fragt werden.
x Umfangreiche Wertkarten-Palette: paysafecards sind in den Nominalen
EUR 10, EUR 25, EUR 50 und EUR 100 erhältlich. Der Vorteil der Prepaid-
Karte liegt auf der Hand: das Guthaben ist sofort nach dem Kauf der Karte ver-
fügbar, der User benötigt kein Bankkonto, muss keine persönlichen Daten im
Internet angeben und wird mit keinerlei transaktionsverbundenen Kosten be-
lastet.
x Eine große Anzahl von Webshops arbeitet bereits erfolgreich mit paysafecard
zusammen. Bücher, CD’s, Schmuck, Reisen, Blumen, Haushaltsartikel und vie-
les mehr kann mit der paysafecard bezahlt werden. paysafecard verfügt über ein
Vertriebsnetz von über 10.000 Outlets und über 2.000 Webshops akzeptieren
die Wertkarte als Online-Zahlungsmittel.
x Beim Einkaufen im Webshop klickt der Kunde den Button „paysafecard“ an
und gibt anschließend seinen PIN-Code ein. Somit ist die Zahlung getätigt. Der
Kunde kann jederzeit das Guthaben seiner paysafecard einfach auf
www.paysafecard.com abrufen.
x In Österreich ist die paysafecard bei über 3000 Vertriebspartnern erhältlich
(Buchhandel, Postämter, Bankfilialen, Fachhandel usw.), in Deutschland bei
über 7.000 Vertriebsstellen (Kioske, Tankstellen).
x Seit 2005 gibt es auch die Möglichkeit paysafecards online zu beziehen. Da-
durch kann jeder Webshopper zu jeder Tages- und Nachtzeit neue paysafecards
erwerben, ohne den Platz vor seinem PC verlassen zu müssen.
x Die nächsten Schritte der erfolgreichen Start up Unternehmung sind bereits ak-
kordiert, nach der erfolgreichen Positionierung in Österreich und Deutschland,
wird die paysafecard ihren Erfolg in weiteren europäischen Ländern fortsetzen.
Die GeldKarte, das bessere Kleingeld

Volker Koppe

EURO Kartensysteme GmbH, Frankfurt

1 Status Quo: Die Chipkarte der deutschen


Kreditwirtschaft gewinnt weiter an Akzeptanz

Die GeldKarte1 ist auch neun Jahre nach ihrer Einführung weiterhin auf Erfolgs-
kurs und baut ihre Akzeptanz im Bereich elektronische Zahlungsmittel sukzessive
aus. Die Zahl der Akzeptanzstellen nimmt stetig zu und durch gezielte Marketing-
aktivitäten kann die Nutzung des Chips als praktischer Kleingeldersatz deutlich
erhöht werden (siehe dazu Punkt 3). Heute wird die GeldKarte vor allem am Au-
tomaten eingesetzt. Hier bietet die Chip-basierte Bezahlung Kunden und Akzep-
tanzpartnern derzeit die meisten Vorteile. Anders als Bargeld ermöglicht die
GeldKarte immer die passende Zahlung am Automaten, ohne die Notwendigkeit,
Geld zu wechseln. Für den Händler ist der Chip die kostengünstige Alternative
zum teuren Bargeldhandling – und dabei deutlich sicherer (siehe Punkt 1.6).

Abb. 1. Logo der elektronischen Geldbörse „GeldKarte“

1.1 Im Umlauf befindliche GeldKarten

Derzeit sind über 60 Millionen GeldKarten im Umlauf; die Funktion befindet sich
auf über 70 % aller ec- und Kundenkarten der Banken und Sparkassen in Deutsch-

1 Website unter www.GeldKarte.de abrufbar.


262 Volker Koppe

land. Damit weist die GeldKarte eine hohe Marktdurchdringung auf, die sich in
den kommenden Jahren aufgrund der ab 1. Januar 2007 gesetzlich geforderten Al-
terslegitimation via Chip am Zigarettenautomaten noch steigern wird (siehe Punkt
4.1). Immer mehr Kreditinstitute entscheiden sich für eine Ausstattung ihrer Kar-
ten mit dem Chip, u.a. kürzlich die HypoVereinsbank und die comdirect Bank.
Weitere Institute werden folgen.

1.2 Die Institute hinter der GeldKarte

Als institutsübergreifendes System wird die GeldKarte vom


x Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken e.V., dem
x Bundesverband deutscher Banken e.V., dem
x Bundesverband öffentlicher Banken Deutschlands e.V. und dem
x Deutschen Sparkassen- und Giroverband e.V.
gemeinsam getragen. Diese Verbände sind im Zentralen Kreditausschuss (ZKA)
zusammen geschlossen. Somit bürgt die gesamte deutsche Kreditwirtschaft für die
Bezahltransaktionen mit der GeldKarte.

1.3 Transaktionszahlen

Die GeldKarte wird von ihren Nutzern immer mehr in den Alltag integriert. Das
zeigen die aktuellen Zahlen: Im Jahr 2004 wurden knapp 40 Millionen Transakti-
onen mit der GeldKarte getätigt, der zugehörige Umsatz in Höhe von rund 80 Mil-
lionen Euro entspricht einem Zuwachs von 8 % gegenüber dem Vorjahr – Ten-
denz steigend. Die Anzahl der aktiven Akzeptanzstellen2 stieg gegenüber dem
Vorjahr um rund 18 % auf über 140.000 an (siehe Abbildung 2).
Bezhaltransaktionen in Mio.

50

40 37,4 38,3
35,9
29,4
30 26,6
20,7
20 13,6
10 4,3

0
1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004

Abb. 2. Steigende Tendenz der GeldKarte Bezahltransaktionen

2 „Aktive Akzeptanzstellen“ sind Akzeptanzstellen, an denen (erhoben auf Monatsbasis)


GeldKarte-Transaktionen getätigt werden.
Die GeldKarte, das bessere Kleingeld 263

Diese Zahl dürfte durch die Umrüstung von ca. 500.000 Zigarettenautomaten bis
2006 noch wesentlich steigen. Parallel dazu konsolidierte sich die Anzahl der
deutschlandweiten Ladetransaktionen bei rund 4,2 Millionen (siehe Abbildung 3).
Wie aus Abbildung 4 ersichtlich, lag der durchschnittliche Bezahlbetrag im Jahr
2004 bei 2,16 Euro, was ein eindeutiges Indiz dafür ist, dass die GeldKarte in den
Köpfen der Nutzer mittlerweile als Kleingeldersatz positioniert werden konnte
(ZKA 2004). Wie der stetige Anstieg von Bezahltransaktionen und Akzeptanzstel-
len zeigt, entdecken immer mehr Konsumenten und Akzeptanzpartner den Nutzen
der GeldKarte für sich. In den meisten Ballungszentren findet der Nutzer bereits
flächendeckend Einsatzmöglichkeiten.
Anzahl aktiver Akzeptanzstellen (in 1.000)

150 142

121
125
98
100 80

75 64
57 60
50
50

25

0
1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004

Abb. 3. Anzahl der aktiven GeldKarte Akzeptanzstellen


Ladetransaktionen (in Mio.)

5 4,4
4,2 4,2
4 3,7 3,7
3,1
3 2,4

2 1,6

0
1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004

Abb. 4. Anzahl der GeldKarte Ladetransaktionen (in Mio.)


264 Volker Koppe

80
68,6
70 Ladebeträge Bezahlbeträge
54,3
60
Beträge in Euro

50 40,1
40 31,6 28,3 27,4 25,4 25,3
30
20 10,6
6,6
3,6 2,7 2,3 2,1 2,0 2,2
10
0
1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004

Abb. 5. Entwicklung der durchschnittlichen GeldKarte Lade- und Bezahlbeträge

1.4 Geschichte der GeldKarte

Die GeldKarte ist ein noch junges Zahlungsmittel. 1996 wurde sie erstmals im
Einsatz getestet. Gerade bei der Entwicklung der Transaktionszahlen ist zu beach-
ten, dass Zahlungsmittel wie die ec-Karte weit über zehn Jahre benötigt haben, bis
sie sich im Markt durchgesetzt haben und umfassend genutzt wurden. Tabelle 1
stellt die GeldKarte-Meilensteine kurz dar.

Tabelle 1. Meilensteine der GeldKarte

Jahr Meilenstein
1996 x Startschuss für die GeldKarte der deutschen Kreditwirtschaft
x erster Pilottest in Ravensburg-Weinheim
1997 x bundesweite Einführung der GeldKarte
x alle Sparkassen-Karten mit Verfalljahr 1999 werden mit GeldKarte-Chip
ausgestattet
1998 x erstes erfolgreiches CityCard-Projekt im baden-württembergischen
Gaggenau
x Mehrheit der deutschen McDonald`s Restaurants mit GeldKarte Bezahl- und
Ladeterminals ausgestattet3
1999 x erste Parkhäuser mit GeldKarte-Akzeptanz
x Vorstellung der GeldKarte als Medium der Zeiterfassung für Firmen

3 Dieses Pilotprojekt wurde 2002/2003 aufgrund der technischen Komplexität beendet.


Die GeldKarte, das bessere Kleingeld 265

Tabelle 1. (Fortsetzung)
2000 x Einführung des „Elektronischen Fahrscheins“ in Bremen4
x Erfolgreicher Piloteinsatz der GeldKarte an 5.000 Zigarettenautomaten
x Pilottest zum internationalen Einsatz der GeldKarte im deutsch-
luxemburgischen Grenzgebiet
2001 x erfolgreiche erste Vermarktungsaktionen der GeldKarte in Münster, Böblin-
gen-Sindelfingen und Hanau
x bundesweite Einführung von 6.000 Briefmarkenautomaten der Deutschen
Post mit GeldKarte-Akzeptanz
x Marketing-Offensive in Parkhäusern
x erfolgreiche GeldKarte-Kampagne in Frankfurt am Main
2002 x Einrichtung zahlreicher GeldKarte-Akzeptanzstellen und begleitende Mar-
ketingaktivitäten in den Vorreiterstädten Leipzig und Hamburg
x erstmals Zahlen mit GeldKarte im Internet möglich
x „Schüler-GeldKarte“ startet am Saarlouiser Gymnasium
x Einführung der LemGoCard sowie der Gießen-Card als erste hessische City
Card
2003 x große Informationskampagne in München
x erste Bundle-Angebote für Chipkartenleser zur Nutzung der GeldKarte im
Internet
x Paid Content5 und Micropayments6 werden bei Online-Anbietern zuneh-
mend wichtiges Thema
x Wachstum der aktiven Akzeptanzstellen um 20 % auf 120.000
2004 x Über 60 Millionen GeldKarten im Umlauf
x Über 38 Millionen Bezahltransaktionen an rund 140.000 aktiven Akzeptanz-
stellen
x Informationskampagnen in Köln, München, Nürnberg/Fürth, Frankfurt
x „GeldKarte on Tour“ als buchbares Do-it-yourself-Promotionkonzept
2005+ x GeldKarte-Hochburg Aachen
x Gründung der Initiative GeldKarte e.V.
x Marketing CD-ROM mit Tipps für Kreditinstitute und Akzeptanzpartner
x GeldKarte Website in türkischer Sprache verfügbar
x Nutzung der GeldKarte als Jugendschutzmedium auch im Internet
x Bis Ende 2006 Umrüstung von rund 500.000 Zigarettenautomaten auf Ju-
gendschutz und Bezahlung per GeldKarte

4 Der elektronische Fahrschein ermöglicht es, dass im Bereich des Öffentlichen Personen-
nahverkehrs keine Papiertickets mehr ausgegeben werden müssen. Der Kunde kann mit
seiner GeldKarte nicht nur die Fahrkarte kaufen, sondern sie auch direkt in seinem Chip
abspeichern.
5 Kostenplichtige Internetinhalte.
6 Klein- und Kleinstbeträge.
266 Volker Koppe

1.5 Technische Abwicklung

1.5.1 Laden
Aufgeladen wird die GeldKarte am Geldautomaten oder an eigens dafür vorgese-
henen SB-Ladegeräten, die meist im Foyer von Kreditinstituten platziert sind.
Auch einige Akzeptanzpartner (z.B. Parkhäuser) haben für ihre Kunden Ladeter-
minals installiert. Beim Laden einer GeldKarte vermittelt das Ladeterminal die
Kommunikation zwischen der GeldKarte und der zuständigen Ladezentrale. Die
Ladezentrale ist ein Baustein im Sicherheitssystem der GeldKarte. Sie prüft und
genehmigt den Ladevorgang. Gleichzeitig wird der aufgeladene Betrag einem in-
ternen Verrechnungskonto des kartenausgebenden Instituts gutgeschrieben. Au-
ßerdem wird die Ladung an die so genannte Evidenzzentrale gemeldet, die den
Saldo der betreffenden Kartennummer anpasst (siehe den schematischen Ablauf in
der folgenden Abbildung).

Abb. 6. Ladevorgang mit der GeldKarte


Die GeldKarte, das bessere Kleingeld 267

1.5.2 Bezahlen
Beim Bezahlen wird die GeldKarte in ein entsprechendes Händler-Terminal an der
Kasse oder in den Kartenschlitz am Automaten geschoben. An der Kasse muss
dann der angezeigte Betrag bestätigt werden, am Automaten entfällt dieser Schritt.
Weder die Eingabe einer PIN noch eine Unterschrift sind notwendig. Der Zahlbe-
trag wird sofort vom Guthaben im Chip abgebucht und der so genannten Händler-
karte (einem kleinen Chip im Kassenterminal bzw. im Automaten) gut geschrie-
ben. Dies geschieht offline ohne Anbindung an ein Autorisierungssystem. Da-
durch werden die Transaktionskosten und die Transaktionsdauer niedrig gehalten.

1.5.3 Abrechnung von Bezahl-Transaktionen


Die Händlerkarte erzeugt erst nach Abschluss der Bezahltransaktion einen Daten-
satz zu jeder Zahlung und gibt diese an das Händlerterminal aus. Das Händlerter-
minal ergänzt den Datensatz der Händlerkarte um händler- und terminalspezifi-
sche Daten und speichert den Datensatz der Zahlung.
Mit dem so genannten Kassenschnitt schließt der Händler/Automat die Kasse.
Die Händlerkarte erzeugt nun aus allen gespeicherten Transaktionsdaten einen
Summensatz, der die Einzeltransaktionen zusammenfasst und eigenständig ver-
schlüsselt. Jeder Summensatz kann durch die Identifikationsnummer der Händler-
karte und eine Sequenznummer des Kassenschnitts eindeutig identifiziert werden.
Anhand dieser Kennnummern und der Sequenznummern der Einzeltransaktionen
kann die von der Hausbank des Händlers beauftragte Händlerevidenzzentrale spä-
ter feststellen, ob Transaktionen mehrfach eingereicht wurden. Die Zahlungsbe-
träge werden dem Händler gutgeschrieben, nachdem er die Einzeltransaktionen
und Summensätze bei der Händlerevidenzzentrale eingereicht hat. Die Kartenevi-
denzzentrale wiederum belastet die Verrechnungskonten der kartenausgebenden
Banken mit dem Gegenwert der Transaktionen, die die Karteninhaber getätigt ha-
ben. Gleichzeitig wird der Restsaldo der verwendeten GeldKarten um den getätig-
ten Umsatz herabgesetzt. Dadurch, dass die Umsätze nicht in Einzelbeträgen, son-
dern ausschließlich in Summen verrechnet werden, ist ein "Ausspähen" einzelner
Kundentransaktionen nicht möglich. Abbildung 6 stellt den Zahlungsvorgang mit
der GeldKarte im Detail dar.

1.5.4 Entladen
Kontogebundene GeldKarten (ec- oder Kundenkarten der Banken oder Sparkas-
sen) können an Ladeterminals des kartenausgebenden Instituts entladen werden.
Dies ist bis drei Monate nach Verfallsdatum der Karte möglich. Die Ladezentrale
veranlasst, dass der aktuelle Betrag der GeldKarte auf „0“ gesetzt und das Karten-
guthaben vom Verrechnungskonto auf das Konto des Karteninhabers zurückge-
bucht wird. Die Eingabe der PIN ist nicht erforderlich. Wie beim Laden vom Gi-
rokonto übernimmt das Terminal beim Online-Entladen nur eine Vermittlerrolle
zwischen der kontogebundenen GeldKarte und der Ladezentrale.
268 Volker Koppe

Abb. 7. Zahlungsvorgang mit der GeldKarte

1.6 Vorteile gegenüber Barzahlung

Die bargeldlose Bezahlung via GeldKarte-Chip bietet Händlern und Automaten-


betreibern diverse Vorteile gegenüber der Barzahlung:
x Die Zahlungen der Kunden werden von der jeweiligen Bank garantiert – wie
bei Bargeld. Die Legitimation erfolgt rein über den Besitz der Karte, PIN oder
Unterschrift werden nicht benötigt, was die Zahlung beschleunigt und den Ein-
satz insbesondere an Automaten erleichtert.
x Die GeldKarte ist dabei konkurrenzlos günstig: Das Garantieentgelt beträgt nur
0,3 % des Kaufumsatzes bzw. mindestens 1 Cent pro Transaktion.
x Die GeldKarte ist fälschungssicher. Um platt geklopfte ausländische Münzen
müssen sich Automatenbetreiber keine Sorgen mehr machen, Falschgeld gibt es
hier nicht.
x Die Abwicklung der Bezahltransaktionen mit der GeldKarte ist besonders be-
quem und schnell; eine Online-Autorisierung ist nicht notwendig.
x Die Kosten für das Handling von Bargeld sinken.
x Mit weniger Bargeld in der Kasse sind Automatenbetreiber besser gegen Van-
dalismus geschützt.
Die GeldKarte, das bessere Kleingeld 269

x Der Kassenabschluss wird beschleunigt, da alle Umsätze in der Händlerkarte


im Terminal gespeichert und beim Kassenschnitt ganz einfach ausgelesen wer-
den.
x Die eingereichten Umsätze werden dem Konto zeitnah und in einer Summe
gutgeschrieben, in der Regel schon am nächsten Tag.
x Das Marktpotenzial ist beachtlich: Mehr als 60 Millionen GeldKarten sind be-
reits im Umlauf. Kunden müssen kein neues Bezahlsystem beantragen oder er-
lernen.
x Durch das Anbieten bequemer bargeldloser Bezahlsysteme erhöht sich die
Kundenbindung.

2 Wahrnehmung der Konsumenten

Um herauszufinden, wie der GeldKarte-Chip in der Öffentlichkeit wahrgenommen


wird, wurde vom Institut für Demoskopie Allensbach im Zeitraum April bis Juni
2005 eine repräsentative Umfrage durchgeführt7. Die Ergebnisse geben Auf-
schluss darüber, wie der Kenntnisstand bezüglich der GeldKarte ist, welche Erfah-
rungen mit dem Chip gemacht wurden, wie hoch die daraus resultierende Akzep-
tanz ist und an welchen Akzeptanzstellen die GeldKarte am häufigsten zum Ein-
satz kommt. Die Umfrage zeigt, dass sich rund zwei Drittel aller GeldKarte-
Besitzer über die Bezahlfunktion des Chips informiert fühlen. Dennoch nutzt der-
zeit nur jeder Fünfte seine GeldKarte. Das mag an der Notwendigkeit einer vorhe-
rigen Ladung liegen, die 40 % als Grund für eine Nichtnutzung der Funktion an-
geben. Die Zahlen zeigen jedoch deutlich, dass nur ein sehr geringer Anteil der
aktiven Nutzer diesen Punkt bemängelt. Setzt man die GeldKarte regelmäßig ein,
ist das Laden ein ebenso gängiger Vorgang wie das Geldabheben. Wird der Chip
erst einmal geladen, empfinden die GeldKarte-Anwender ihn als praktischen
Kleingeldersatz. Laut Umfrage sehen 53 % der Nutzer große oder sogar sehr gro-
ße Vorteile gegenüber einer Zahlung mit Bargeld. Besonders die häufigen An-
wender bewerten die Vorteile der GeldKarte mit 64 % überdurchschnittlich posi-
tiv. Rund jeder Dritte ist überrascht, an wie vielen Stellen man mittlerweile per
GeldKarte zahlen kann.
Besonders oft wird die GeldKarte eingesetzt, wenn der Nutzer mit dem Auto
oder dem Öffentlichen Personennahverkehr unterwegs ist. Gut jeder Dritte zahlt
an Parkscheinautomaten oder im Parkhaus mit dem vorgeladenen Guthaben, und
23 % nutzen den Chip am Fahrkartenautomaten. In diesen beiden Bereichen sind
die Vorteile für die Nutzer besonders groß, denn die centgenaue Abbuchung er-
spart beim Parkticketkauf das Überbezahlen und der Fahrkartenautomat, der pas-
sendes Kleingeld fordert, ist auch kein Problem mehr. Um die Karteninhaber zu
zufriedenen Nutzern zu machen, bedarf es positiver Erfahrungen im Umgang mit
der GeldKarte. Das wird von den Umfrageergebnissen belegt: Zwei Drittel der

7 Persönlich-mündliche Befragung von 2.104 Personen. Institut für Demoskopie Allens-


bach, IfD-Umfrage 7070, April-Juni 2005 (Allensbach 2005).
270 Volker Koppe

häufigen und gelegentlichen Nutzer geben an, dass sie es sehr praktisch finden,
nicht immer Kleingeld im Portemonnaie haben zu müssen. Dementsprechend be-
urteilt die Mehrheit der Nutzer den Umgang mit der GeldKarte als sehr einfach
und unkompliziert.

3 Marketing

Die GeldKarte ist – wie auch die Allensbach-Umfrage zeigt – ein erklärungsbe-
dürftiges Produkt, an das der Nutzer herangeführt werden muss. Wie bei allen
Produkten, die man nicht zwingend benötigt, wird die GeldKarte nicht automa-
tisch nachgefragt. Deshalb ist es wichtig, das Interesse potenzieller Nutzer zu we-
cken, sie anzuregen, den Chip auf ihrer Karte zu laden, und sie durch positive Er-
fahrungen und Marketingaktionen zum langfristigen Einsatz zu motivieren.
Hierbei haben sich konzentrierte Kampagnen innerhalb einer begrenzten Region
als hilfreich erwiesen. Da sich die GeldKarte-Infrastruktur bisher bundesweit hete-
rogen darstellte, hätten nationale Werbekampagnen zu großen Streuverlusten ge-
führt8. Um dies zu verhindern, unterstützt die EURO Kartensysteme GmbH im
Auftrag des Zentralen Kreditausschusses (ZKA) Kreditinstitute und Akzeptanz-
partner bei derartigen Marketingaktionen. Hierfür schließen sich die Unternehmen
einer Region, die die Nutzung der GeldKarte ermöglichen, als Partner zusammen.
Dies sind neben den Banken und Sparkassen u.a. die Betreibergesellschaften des
öffentlichen Personennahverkehrs, die Kommunen und private Parkraumbewirt-
schafter, Zigarettenautomatenaufsteller, die Deutsche Telekom, Betreiber von
Snack- und Getränkeautomaten, die Deutsche Post sowie diverse andere Unter-
nehmen.
Um die Vorteile der GeldKarte möglichst effizient, zielgruppengerecht und
kostengünstig zu kommunizieren, wird während der Kampagne möglichst stark
auf vorhandene Kommunikationskanäle zurückgegriffen. So stellen die Partner
beispielsweise Plakatflächen zur Verfügung, versehen Automaten mit entspre-
chenden Hinweisaufklebern und informieren ihre Kunden auch aktiv vor Ort über
die Einsatzfelder der GeldKarte. Außerdem werden interne Medien wie Intranet
oder Mitarbeiterzeitungen genutzt, um die Angestellten der Unternehmen für das
Thema zu sensibilisieren. Unterstützt werden diese Maßnahmen durch einheitliche
Werbematerialien, umfangreiche Informationsbroschüren und aktive Pressearbeit.
Dadurch kann gewährleistet werden, dass alle beteiligten Partner zeitgleich eine
einheitliche Botschaft kommunizieren. Der Werbedruck und der Wiederer-
kennungswert bei den Bürgerinnen und Bürgern sind hierdurch sehr hoch. Ebenso
wichtig ist die kontinuierliche interne Kommunikation vor, während und auch
nach der Kampagne. Die Mitarbeiter müssen umfassend informiert sein, um auf
Kundenfragen eingehen zu können. Ansonsten verpufft der Effekt der Aktion spä-

8 In den vergangenen Jahren hat sich die GeldKarte-Infrastruktur dementsprechend weiter-


entwickelt, dass der nächste logische Schritt nationale Kampagnen sind. Aus diesem
Grund wurde auch im Jahr 2005 die Initiative GeldKarte e.V. gegründet (vgl. Punkt 5).
Die GeldKarte, das bessere Kleingeld 271

testens am Schalter der Banken und Sparkassen oder des Nahverkehrs-


unternehmens. Die Informationskampagnen werden maßgeblich durch zentrale
Marketingmittel der Kreditwirtschaft finanziert. In der Vergangenheit hat sich ge-
zeigt, dass für eine Großstadt ein Gesamtbudget von rund 250.000 Euro zu veran-
schlagen ist. Dieser im Vergleich zu Werbekampagnen für andere Konsumproduk-
te relativ geringe Betrag wird vorrangig zur Produktion der diversen Werbemittel
sowie für die komplexe Koordination der verschiedenen Partner eingesetzt. Durch
geschickte Nutzung der von den Kreditinstituten und Akzeptanzpartnern zur Ver-
fügung gestellten Werbekanäle ist ein effektives Mediavolumen von ein bis zwei
Millionen Euro durchaus realistisch. Entsprechend hoch ist der Anteil der Konsu-
menten, die mit der gemeinsamen Kampagne erreicht werden.

Abb. 8. Im Zuge der Promotion-Tour kommt das „GeldKarte-Mobil“ zum Einsatz

3.1 Beispiel München

In den Jahren 2003 und 2004 stand München ganz im Zeichen der GeldKarte. Und
das mit großem Erfolg: Laut einer Untersuchung von NFO (heute TNS) Infratest
Finanzforschung fühlten sich 72 % der Münchner, die die Kampagne wahrge-
nommen hatten, anschließend gut bis ausgezeichnet über die GeldKarte infor-
miert. Insgesamt wurde die Zahlung mit der GeldKarte durchwegs als einfach und
bequem empfunden. Aufkleber an Automaten, Poster, Broschüren und die direkte
persönliche Information durch Promotion-Teams haben sich dabei in München
ebenso wie in den anderen Vorreiterstädten als besonders effektiv erwiesen.
Fast die Hälfte aller Münchner, die mit der Kampagne erreicht wurden, wollte
in Zukunft ihre GeldKarte nutzen. Dieser Erfolg zeigt sich auch in den tatsächli-
chen Transaktionszahlen: Von Januar bis Juli 2003 stiegen die Bezahltransaktio-
nen in München um 116 %. Bis Juni 2005 hatten sie sich auf einem Niveau von
plus 80 % konsolidiert. Die Ladeumsätze konnten Januar bis Juli 2003 allein bei
der Stadtsparkasse um 70 % gesteigert werden. Hier hat sich das Niveau der lang-
fristigen Steigerungsrate im Juni 2005 bei rund 20 Prozent eingependelt. Diese po-
272 Volker Koppe

sitive Entwicklung lässt sich durchgängig bei allen Partnern verfolgen, besonders
erfreulich entwickelten sich die Transaktionszahlen gerade dort, wo die GeldKar-
te-Zahlung an einen finanziellen Vorteil gekoppelt ist, wie etwa bei der Münchner
Verkehrsgesellschaft.

3.2 Kundenvorteil als Vehikel zur Akzeptanzsteigerung: Beispiel MVG

Seit Frühjahr 2002 können an Automaten der Münchner Verkehrsgesellschaft


(MVG) und der S-Bahn München GmbH Einzelfahrscheine mit Hilfe der Geld-
Karte zum Preis einer entsprechenden Fahrt mit der Streifenkarte erworben wer-
den. Dadurch sind Einsparungen von bis zu 20 % möglich. Dieser Kundenvorteil
bietet einen nochmaligen Anreiz und wird an allen stationären Verkaufsautomaten
dauerhaft kommuniziert.

Abb. 9. GeldKarte-Promotion-Team bei der Beratung im MVG-Kundencenter

Ganz offensiv wurden die Kunden der MVG während der Maketing-Kampagnen
auf die Vorteile der GeldKarte aufmerksam gemacht. Das Ergebnis der Kampagne
belohnt den Einsatz der MVG: Die Bezahltransaktionen konnten innerhalb eines
halben Jahres nahezu verdoppelt werden. Lagen die Transaktionszahlen vor der
Aktion bei monatlich rund 38.000 Bezahlungen mit der GeldKarte, so stiegen sie
bis zum November 2003 auf einen Stand von 72.000 an und sind seitdem auch auf
diesem hohen Niveau (65.000 GeldKarte-Transaktionen, Stand: Juni 2005)
verblieben.
Die GeldKarte, das bessere Kleingeld 273

4 Jugendschutz-Instrument GeldKarte

Eine neue Funktion des Chips wird in Zukunft die Nutzungszahlen der GeldKarte
stark erhöhen: Jeder zweite GeldKarte-Chip trägt bereits ein so genanntes „Ju-
gendschutzmerkmal“. Bis 2007 sollen alle GeldKarten über diese Funktion verfü-
gen, die an Verkaufsautomaten und im Internet ausweist, ob ihr Besitzer das er-
forderliche Mindestalter erreicht hat oder nicht. Der goldene Chip auf den ec- und
Kundenkarten der Banken und Sparkassen wird damit zur sichersten und flexibels-
ten Jugendschutzlösung9.

4.1 Am Zigarettenautomaten

Vorreiter im Bereich Jugendschutz per GeldKarte ist der Tabakwaren-Großhandel.


Die Novellierung des Jugendschutzgesetzes aus dem Jahr 2003 verpflichtet die
Aufsteller von Zigarettenautomaten, ab 1. Januar 2007 alle öffentlich zugängli-
chen Automaten für Jugendliche unter 16 Jahren zu sperren. Als Lösung entschied
sich die Branche für den Chip auf der Bank- und Kontokarte als kombiniertes Be-
zahl- und Jugendschutzmedium. Dies wurde von mehreren Studien namhafter Un-
ternehmen, unter anderem von Roland Berger und dem TÜV, bestätigt.
Alle Zigarettenautomaten werden nun mit der entsprechenden Lesevorrichtung
für die GeldKarte versehen. Nur wer die Karte in das Lesegerät des Automaten
einführt und als berechtigt erkannt wird, kann ab 2007 einen Kaufvorgang auslö-
sen. Bei Volljährigen schaltet der Chip automatisch frei. Bei Minderjährigen er-
mittelt das Lesegerät, ob der Käufer über 16 ist, sofern die Erziehungsberechtigten
zuvor der Bank die Einwilligung zur verschlüsselten Aufbringung des Geburtsda-
tums erteilt haben. Die Bezahlung kann im gleichen Bedienvorgang schnell und
bequem aus dem Chip-Guthaben oder in Münzen erfolgen. Mitte 2005 verfügten
nach Angaben des Bundesverbands Deutscher Tabakwaren-Großhändler und Au-
tomatenaufsteller (BDTA) bereits 270.000 Zigarettenautomaten über GeldKarte-
Bezahlmöglichkeiten, allerdings noch ohne die Software für die Erkennung des
Jugendschutzmerkmals. Diese wird erst Anfang 2007 aktiviert werden.

4.2 Online10

Auch die Internet-Branche hat ihre Chance erkannt und die GeldKarte als Jugend-
schutzlösung für Online-Medien weiter entwickelt. Inzwischen ist die GeldKarte
eines der wenigen Verfahren, die von der Kommission für Jugendmedienschutz
der Landesmedienanstalten (KJM) offiziell als Jugendschutzlösung anerkannt

9 Mehr Informationen zur GeldKarte als Jugendschutzinstrument sind unter


www.GeldKarte-Jugendschutz.de abrufbar.
10 Mehr Informationen zur GeldKarte als Online-Bezahlverfahren sind unter

www.GeldKarte-online.de abrufbar.
274 Volker Koppe

werden. Die Branche braucht dringend eine praktikable Lösung, wie die Ergebnis-
se der folgenden Studien zeigen.

4.2.1 Studien zur Nutzung des Online-Erotikangebots


Die Deutschen sind Spitzenreiter in Sachen Online-Erotik. Mit 33,4 % liegen sie
im europäischen Vergleich weit vorne und werden nur von den Spaniern übertrof-
fen. Was die monatliche Verweildauer betrifft, liegt Deutschland ebenfalls an der
Spitze: Rund 70 Minuten werden durchschnittlich auf den virtuellen Erotik-Seiten
verbracht (NetValue 2001). Nach einer aktuellen Studie von Nielsen Netratings
nutzten allein im Februar 2005 knapp sieben Millionen Bundesbürger so genannte
Adult-Inhalte – das ist fast ein Viertel der aktiven Internet-Nutzer (Focus 2005)!
Bedenklich: Der o. g. NetValue-Studie zufolge surften bei den 15- bis 24-Jährigen
mehr Personen auf Erotikseiten als in jeder anderen Altersgruppe. 45,3 % der In-
ternetnutzer zwischen 15 und 24 Jahren besuchten damals diese „Erwachsenen-
Seiten“, von denen nach Schätzungen eines US-Filtersoftware-Herstellers welt-
weit allein im Erotik-Bereich rund 260 Millionen existieren. Seit 1998 sei die Zahl
um das fast Zwanzigfache gestiegen.
Eine aktuelle Studie des Medienpädagogischen Forschungsverbandes Südwest
zeigt, dass Kinder und insbesondere Jugendliche derzeit noch weit öfter pornogra-
fischen Darstellungen im Internet ausgesetzt sind, als allgemein angenommen
wird. Fast jeder zweite Jugendliche ist im Jahr 2004 im Internet einmal mit porno-
grafischen Seiten in Berührung gekommen, 2000 war es annährend jeder Dritte.
Weitere beunruhigende Ergebnisse waren, dass 70 % der Eltern nicht wissen, wel-
che Internetseiten ihre Kinder anklicken und sogar vier von fünf Kindern beim
Chat anzügliche Angebote erhalten oder gar sexuell belästigt werden (KIM 2003).

4.2.2 Rechtliche Grundlage


Als technische Zugangshürden für alle elektronischen Informations- und Kommu-
nikationstechnologien schreibt der Jugendmedienschutz-Staatsvertrag (JMStV)
vom April 2003 neben der Durchführung des so genannten „Vier-Augen-Ver-
fahrens“, einer einmaligen persönlichen Face-to-Face-Identifikation, eine zusätzli-
che verlässliche Authentifizierung bei jedem einzelnen Besuch eines Internetan-
gebotes vor. Denn jugendgefährdende Angebote wie „einfache Pornografie“, dür-
fen nur noch in so genannten geschlossenen Benutzergruppen angeboten werden,
deren Zutritt streng kontrolliert wird. Die Volljährigkeitsprüfung muss im persön-
lichen Kontakt erfolgen, und bei jedem Zutritt muss der Anwender erneut authen-
tifiziert werden.

4.2.3 Sicherheitsstandard, der gesetzlichen Anforderung erfüllt


Die KJM hat dem ZKA bescheinigt, dass das Jugendschutzmerkmal auf dem
GeldKarte-Chip den gesetzlichen Anforderungen für geschlossene Benutzergrup-
pen im Internet vom April 2003 entspricht, sofern es im Rahmen eines geeigneten
Gesamtsystems genutzt wird (KJM 2003).
Die GeldKarte, das bessere Kleingeld 275

Die Vorteile der GeldKarte liegen vor allem in der Anonymität des Nutzers.
Denn im Gegensatz zur Abwicklung beim Post-Ident-Verfahren, bei dem sich der
User vor Nutzung eines Erwachsenen-Angebotes persönlich von einem Postmitar-
beiter identifizieren lassen muss, trägt er den Schlüssel zur Altersverifikation hier
bereits im Portemonnaie: Vor dem ersten Einsatz der GeldKarte ist keine geson-
derte Vier-Augen-Kontrolle erforderlich, da diese bereits bei der Kontoeröffnung
im Kreditinstitut erfolgt ist. Einzige Voraussetzung ist ein Chipkartenleser: Viele
moderne PCs verfügen bereits ab Werk über einen eingebauten Leser, andernfalls
können Internet-Nutzer diesen im Elektronik-Fachhandel als separates Gerät er-
werben. Größter Vorteil neben der Anonymität und Bequemlichkeit für den Kun-
den: Die Jugendschutzfunktion ist kostenlos nutzbar, und als weitaus günstigstes
Internet-Zahlungsmittel mit einer Marge von nur 0,3 % vom Umsatz sowie einer
Zahlungsgarantie der kartenausgebenden Bank ist das System für den Anbieter
von kostenpflichtigen Inhalten gleichzeitig als Zahlungsmittel einsetzbar.

5 Initiative GeldKarte e.V.

Um noch umfassender über die Einsatzzwecke des Chips zu informieren, wurde


im Juni 2005 die Initiative GeldKarte e.V. gegründet. Sie versteht sich als Netz-
werk aller, die die GeldKarte akzeptieren oder die entsprechende Infrastruktur be-
reitstellen. Sie bündelt ihre Interessen und unterstützt aktiv das Eigenengagement.
Die Initiative ist darüber hinaus die zentrale Schaltstelle, an der alle Informationen
und Neuigkeiten rund um die Chipkarte der deutschen Kreditwirtschaft zusammen
fließen. Stellvertretend für ihre Mitglieder recherchiert die Initiative nach neuen
Einsatzmöglichkeiten, spricht Politik, Institutionen und neue Akzeptanzpartner an
und koordiniert Pilotprojekte für neue Anwendungsgebiete wie beispielsweise
Bonusprogramme, Jugendschutz oder E-Ticketing (siehe Punkt 3).

5.1 Ziele der Initiative

Lokale Informationskampagnen der letzten Jahre haben es gezeigt: Immer dann,


wenn sich mehrere Partner zusammenschließen und sich aktiv für die GeldKarte
stark machen, können sie die Popularität der GeldKarte enorm steigern. Diese Er-
folge auf lokaler Ebene sollen nun auch bundesweit fortgesetzt werden. Ziel ist es,
über Einsatzfelder und Funktionsweise der GeldKarte zu informieren, den Be-
kanntheitsgrad weiter zu erhöhen und ihre Nutzung nachhaltig zu fördern. Nicht
zuletzt die stark gestiegenen Kosten für das Bargeld-Handling machen die Geld-
Karte überall dort zu einem attraktiven Bezahlmedium, wo viel Münzgeld anfällt.
Eine wichtige Aufgabe ist zudem das Screening und die Ansprache von neuen
Akzeptanzpartnern zur Realisierung von Pilotprojekten zu neuen Anwendungen.
Darüber hinaus stärkt die Initiative die Kommunikation und den Informationsaus-
tausch aller ihrer Mitglieder untereinander, regt Kooperationen an und unterstützt
mit gezielten PR-Maßnahmen die Popularität der GeldKarte. Der daraus resultie-
276 Volker Koppe

rende Synergie-Effekt sorgt für eine stärkere Etablierung der GeldKarte bundes-
weit, zum Nutzen aller in der Initiative engagierten Partner.

5.2 Beteiligungsmöglichkeiten

Um den Partnern aus den verschiedenen Branchen die Möglichkeit zu bieten, sich
auf unterschiedliche Weise an der Initiative GeldKarte zu beteiligen und von die-
sem Netzwerk zu profitieren, hat die Initiative verschiedene Formen der Beteili-
gung entwickelt. Einzelheiten finden sich auf der Website der Initiative11.

6 Fazit

x Seit ihrer Einführung im Jahr 1996 hat sich die GeldKarte zu einem anerkann-
ten bargeldlosen Bezahlsystem im Kleingeldbereich entwickelt, das heute so-
wohl von Händler- als auch von Kundenseite auf wesentlich breitere Akzeptanz
trifft als noch vor wenigen Jahren.
x Natürlich gibt es auch zur Zeit noch ein großes unausgeschöpftes Potenzial für
die GeldKarte, doch über vielfältige Zusatzfunktionen des Chips wie
 den Jugendschutz am Zigarettenautomaten und im Internet
 den Elektronischen Fahrschein
 die Verwaltung von Bonuspunkten oder
 die digitale Signatur
wird die GeldKarte ihre führende Position als Bezahlsystem für Kleinbeträge in
der physischen Welt sowie im Internet in den kommenden Jahren weiter aus-
bauen.

Literatur

Allensbach (2005) IfD-Umfrage 7070. Institut für Demoskopie Allensbach im Auftrag der
EURO Kartensysteme GmbH, Allensbach, Mai 2005
Focus (2005) Virtuelle Verlockung. FOCUS 18/2005, S 113–117
KIM (2003) KIM 2003 – Kinder und Medien. Basisuntersuchung zum Medienumgang 6-
bis 13-Jähriger in Deutschland. Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest,
Stuttgart
KJM (2003) Pressemitteilung vom 11. Dezember 2003. http://www.kjm-online.de, Abruf:
18.8.2005
NetValue (2001) Europas Lust an Netz-Erotik. Marktforschungsinstitut NetValue Deutsch-
land, Eschborn

11 Mehr Informationen zur Initiative sind unter www.Initiative-GeldKarte.de abrufbar.


Quick – eine Erfolgsstory

Ewald Judt, Robert Komatz

Europay Austria Zahlungsverkehrssystem GmbH, Wien

1 Der Background

Als sich die österreichischen Geldinstitute im Jahr 1995 entschlossen hatten, die
damaligen eurocheque- und Bankomat-Karten (heute Maestro-Karten) mit einem
Chip auszustatten, hat die Stunde für ein neues Bankprodukt, die Elektronische
Geldbörse, geschlagen. Der Chip auf der Karte wurde in Hinblick auf eine verbes-
serte Card Authentication, um Kartenfälschungen zu erkennen, und die Offline-
Fähigkeit – die auch auf Magnetstreifenbasis möglich war, aber mit dem Chip
größere Sicherheit bietet – als Ersatz für den Magnetstreifen angebracht. Durch
die Verwendung von entsprechenden Prozessor-Chips wurde mit Quick auch eine
österreichische Elektronische Geldbörse möglich. Als Betreiber fungiert Europay
Austria, eine Gesellschaft mit einer Bankkonzession, die im Eigentum der öster-
reichischen Geldinstitute steht und eine zentrale Drehscheibe des kartengesteuer-
ten Zahlungsverkehrs in Österreich ist. Durch die Präsenz auf den österreichischen
Maestro-Karten und auf speziellen Quick-Wertkarten, weit verbreiteten Anwen-
dungsmöglichkeiten und dem damit verbundenen dynamischen Wachstum von
Lade- und Zahlungstransaktionen kann Quick heute als eine der erfolgreichsten
Elektronischen Geldbörsen der Welt bezeichnet werden.

2 Das Produkt

Eine Elektronische Geldbörse ist ein Bankprodukt, das sich auf dem Chip einer
Plastikkarte befindet, wobei es einerseits kontobezogene Karten und andererseits
nicht-kontobezogene Karten gibt. Aufgrund ihrer Ausformung ist sie ein so ge-
nanntes „Pay Before Product“, bei dem zuerst eine Ladung mit einem Geldbetrag
an entsprechenden Terminals – Ladeterminals genannt – erfolgen muss. Erst dann
kann aus der Elektronischen Geldbörse heraus an geeigneten Terminals – Zah-
lungsterminals genannt – ohne Codeeingabe und ohne Unterschriftsleistung ge-
zahlt werden. Diese Änderung der Zahlungsgewohnheiten der Kunden – sie waren
(und sind) es gewohnt, ohne vorheriges Prozedere bargeldlos zu zahlen – herbei-
zuführen, ist eine Herausforderung, die nur durch systematische und konsequente
Information der potentiellen Nutzer gemeistert werden kann.
278 Ewald Judt, Robert Komatz

Bei der Ladetransaktion wird der gewünschte Betrag (maximal 400,00 Euro) in
der Regel zulasten eines Girokontos, seltener gegen Barerlag, auf den Chip aufge-
bucht („geladen“). Parallel dazu wird dem vom Betreiber geführten Pool-Konto
der auf die Elektronische Geldbörse geladene Betrag gutgeschrieben. Bei der Zah-
lungstransaktion wird der zu zahlende Betrag von der Elektronischen Geldbörse
abgebucht und in einer Offline-Transaktion auf ein im Zahlungsterminal befindli-
ches Sicherheitsmodul (in Hard- oder Software) aufgebucht. Vom Zahlungstermi-
nal werden die summierten Beträge periodisch en bloc an das Rechenzentrum des
Betreibers übermittelt, der in der Folge die Bezahlung des Vertragsunternehmens
und die Belastung des Pool-Kontos vornimmt. Systemimmanent muss dieses Pool-
Konto immer ein Guthaben aufweisen. Je mehr Karten geladen sind, desto größer
ist der Float, der sich auf dem Pool-Konto befindet.
In Hinblick auf die Betragshöhe von Zahlungstransaktionen richtet sich eine
Elektronische Geldbörse vorwiegend an Klein- und Kleinstbeträge, so genannte
Low Value Payments. Da dieses Segment bisher keine bargeldlosen Zahlungen
kennt, bringt die Elektronische Geldbörse einen weiteren Schub in Richtung einer
„Less Cash Society“.
Bei der Suche nach einem Namen für das neue Bankprodukt wurde man schnell
fündig. Als Name wurde für die österreichische Elektronische Geldbörse „Quick“
– nomen est omen – gewählt. Quick steht dabei für schnelles, einfaches und be-
quemes Zahlen. Das Quick-Logo wurde so gewählt, dass es zu den beiden anderen
Produktlogos von Europay Austria (MasterCard und Maestro) passt.

Abb. 1. Logo der österreichischen Elektronischen Geldbörse „Quick“

Das Quick-Logo befindet sich heute auf allen Karten mit Quick-Funktion – bei der
Maestro-Karte auf der Logoleiste auf der Rückseite, bei allen anderen Karten auf
der Seite, wo sich der Chip befindet. Weiters ist das Logo bei allen Akzeptanzstel-
len präsent, damit der mit Quick zahlende Kunde weiß, ob er dort zahlen kann.

3 Die Kartenarten

Quick ist heute auf allen 6,4 Millionen österreichischen Maestro-Karten vertreten.
Damit haben heute nahezu alle Österreicher und Österreicherinnen zwischen 18
und 80 Jahren die Möglichkeit, Quick ohne eine weitere Karte nutzen zu können.
Quick – eine Erfolgsstory 279

Abb. 2. Österreichische Maestro-Karte mit Quick-Funktion

Insbesondere für Jugendliche, sich in Österreich aufhaltende Ausländer und jene


Personen, die Quick auf einer separaten Karten haben wollen, gibt es Quick-Wert-
karten, wobei hier keine Kontoverbindung erforderlich ist. Derzeit sind rund
200.000 derartige Karten im Umlauf.

Abb. 3. Quick-Wertkarte

Quick-Wertkarten können auch in einer Partnerschaft mit einem Dritten (wie z.B.
einem Handelsunternehmen, einer Schule oder einer Universität) als Affinity-
Wertkarten ausgegeben werden, wobei der Partner diese auch vertreibt. Diese Af-
finity-Wertkarten weisen neben der Quick-Funktion auch Eigenapplikationen des
Dritten auf. Ein gutes Beispiel ist hiefür die Kepler Card der Johannes Kepler-
Universität Linz, wo zusätzlich zur Quick-Zahlung diverse universitätsspezifische
Anwendungen realisiert sind.
Die KeplerCard ermöglicht – um nur einige Beispiele zu nennen – den Aus-
druck von Rückmeldebestätigungen und Studienerfolgsnachweisen, semesterweise
Rückmeldung der Studierenden sowie die Abfrage und den Ausdruck von Prü-
fungsergebnissen an so genannten Info-Points. Die KeplerCard dient weiters der
Identifikation bei den Studentenvertretungswahlen der Österreichischen Hoch-
schülerschaft. Darüber hinaus ermöglicht sie die Nutzung des universitätseigenen
Parkplatzes und den Zutritt in Bibliotheken oder PC-Labors. Weitere Universitä-
ten mit Affinity-Wertkarte sind
x die Karl Franzens-Universität Graz,
x die Technische Universität Graz,
x die Leopold Franzens-Universität Innsbruck,
x die Medizinische Universität Innsbruck,
280 Ewald Judt, Robert Komatz

x die Donauuniversität Krems,


x die Alpen-Adria-Universität Klagenfurt,
x die Montanuniversität Leoben,
x die Universität für künstlerische und industrielle Gestaltung Linz,
x die ParisLodron-Universität Salzburg und die
x Universität Mozarteum Salzburg.

Abb. 4. Affinity-Wertkarte der Johannes Kepler-Universität Linz

Die Nutzung all dieser Karten ist allerdings noch ausbaufähig. 2001 nutzten erst 4
%, 2002 6 %, 2003 8 % und 2004 10 % die Quick-Funktion auf ihrer Maestro-
Karte. Bei Quick-Wertkarten und Affinity-Wertkarten ist die Nutzungsquote deut-
lich höher.
Die Erhöhung der Inanspruchnahme von Quick auf vorhandenen Maestro-
Karten, Quick-Wertkarten und Affinity-Wertkarten sowie die Erhöhung der Nut-
zungsfrequenz geladener Karten sind die wesentlichsten Herausforderungen bei
der weiteren Etablierung von Quick als ein Zahlungsmittel für Klein- und Kleinst-
beträge.

4 Die Ladung

Voraussetzung für das Zahlen mit der Elektronischen Geldbörse ist deren vorheri-
ges Laden. Die Ladung von Quick kann unter Verwendung einer Maestro-Karte,
zu Lasten einer MasterCard-Kreditkarte bzw. gegen Barerlag erfolgen.
Wenn eine Ladung auf die Elektronische Geldbörse derselben Maestro-Karte
stattfindet, liegt eine Einkarten-Transaktion vor. Zur Ladung von Quick kann auch
eine zweite Karte – eine Maestro-Karte oder eine MasterCard-Kreditkarte – oder
Bargeld herangezogen werden. Bei Quick-Wertkarten und Affinity-Wertkarten ist
dies eine Notwendigkeit.
Das Quick-Laden ist bei allen 3.000 österreichischen Bankomaten sowie bei
1.550 Selbstbedienungsterminals und 1.450 Schalterterminals (hier auch gegen
Bargeld) in Geldinstituten möglich. Der maximale Ladebetrag beträgt 400 Euro.
Eine Ladetransaktion erfolgt immer online, der Ladebetrag wird dem Karteninha-
ber angelastet (oder bei nicht-kontobezogenen Quick-Wertkarten und Affinity-
Wertkarten vom Karteninhaber eingezahlt) und dem Poolkonto gutgeschrieben.
Quick – eine Erfolgsstory 281

Die Funktionsweise der Ladung an einem Bankomaten oder einem Selbstbe-


dienungsterminal ist identisch mit der Ausnahme, dass bei Bankomaten vorweg
die Wahl der Funktion „Quick laden“ vorgesehen ist. Die Ladung erfolgt nach
Eingabe eines Codes und Angabe des zu ladenden Betrages. Bei Bankomaten und
Selbstbedienungsterminals ist auch das Entladen des sich auf der Maestro-Karte
vorhandenen Quick-Betrages zugunsten des Girokontos möglich. Das von einem
Bankkassier bediente Schalterterminal ist nicht nur in der Lage, eine Ladung bzw.
Entladung wie dargestellt zu realisieren, sondern ermöglicht auch das Laden und
Entladen gegen Bargeld.

5 Die Zahlung

Quick-Zahlungen sind heute bei rund 89.000 Akzeptanzstellen (Bankomat-


Kassen, Automaten mit Quick-Modul, Quick-Only-Terminals) möglich. Die Be-
grenzung der Zahlung ist der geladene Betrag. Zahlungstransaktionen sind immer
offline, der Zahlungsbetrag wird vom Chip abgebucht und offline auf dem Sicher-
heitsmodul im Terminal gespeichert. Die Umsatzeinreichung durch den Quick-
Akzeptanten erfolgt über Datenleitung oder mittels Einreichkarten. Der Zahlungs-
betrag wird dem Poolkonto angelastet und dem Akzeptanten gutgeschrieben.
Quick ist als offene Elektronische Geldbörse konzipiert, die überall dort zur
Zahlung eingesetzt werden kann, wo zwischen dem Zahlungsempfänger und Eu-
ropay Austria ein entsprechender Akzeptanzvertrag geschlossen wurde und wo
dies von den Karteninhabern durch das an Automaten, Kassenplätzen, Türen oder
Auslagenfenstern angebrachte Logo als Akzeptanten erkannt wird. Durch die er-
folgte Limitierung des Ladebetrages wird Quick vorwiegend zur Bezahlung von
Klein- und Kleinstbeträgen ohne Code und ohne Unterschrift eingesetzt.
Quick wird heute an öffentlich zugänglichen Automaten, in geschlossenen Be-
reichen und am POS sowie im Internet (dort mit @Quick gekennzeichnet) akzep-
tiert.

5.1 Quick an öffentlich zugänglichen Automaten

Heute gibt es verschiedenste Automaten mit Quick-Akzeptanz. Die wichtigsten


Automatenlösungen sind Parkscheinautomaten, Fahrscheinautomaten, Zigaretten-
automaten, öffentliche Fernsprechanlagen, Kopierer und Waschautomaten.
In den jeweiligen Automaten sind Quick-Automatenmodule eingebaut, welche
dem Käufer der Automatenprodukte oder -dienstleistungen die Zahlung unabhän-
gig vom vorhandenen Bargeld und insbesondere von Münzen ermöglichen. Quick-
Automatenmodule werden in Österreich von den beiden Firmen Inform Datensys-
teme GmbH und PDTS – Gesellschaft für industrielle Datenverarbeitung GesmbH
vertrieben. Die Einreichung des in den Automaten gespeicherten elektronischen
Geldes zur Gutschrift erfolgt in der Regel über ein Absaugterminal und nachfol-
gender Übermittlung an das Rechenzentrum von Europay Austria über eine Daten-
282 Ewald Judt, Robert Komatz

leitung. Möglich ist auch bei vorhandenem Anschluss an eine Datenleitung die di-
rekte Einreichung von einem Automaten.
Bereits 80 % der Parkscheinautomaten in Österreich sind Quick-fähig bzw. ste-
hen kurz davor. Die Entscheidung über den Rest ist abhängig von der Umrüstung
der Parkscheinautomaten vor Ort auf die nächste Automatengeneration. Quick
wird heute bereits bei den drei größten Fahrkartenverkaufsbetrieben akzeptiert.
Bei den Österreichischen Bundesbahnen und den Wiener Linien wird Quick an al-
len Vorverkaufsautomaten, die mit einem Bankomat-Kassen-Modul ausgerüstet
sind, akzeptiert. Bei den Linz-Linien sind alle Vorverkaufsautomaten mit einem
Quick-Automatenmodul ausgestattet. Neue Quick-Nutzungen sind bedingt durch
die Technik in der Regel nur bei der Anschaffung neuer Fahrscheinautomaten
möglich.
Derzeit sind mehr als 1.500 Zigarettenautomaten mit Quick in Betrieb, die übli-
cherweise von der nächstgelegenen Trafik betreut werden – meist pro Trafik nur
ein Automat. Bei Neuanschaffungen von Zigarettenautomaten wird vom Lieferan-
ten üblicherweise gleich ein Zigarettenautomat mit Quick-Automatenmodul ange-
boten.
Bezüglich der Akzeptanz von Quick in öffentlichen Fernsprecheinrichtungen
wurden seit 1996 Gespräche mit der Telekom Austria geführt. Offenbar bedingt
durch die Reduktion der Bedeutung dieser Form der Telephonie durch die zuneh-
mende Verbreitung von Handys gibt es bislang nur einen Pilot-Betrieb mit 30
Payphones. Interessant wäre in diesem Zusammenhang, wenn es zu einem Ersatz
der von der Telekom Austria herausgegebenen Telefonwertkarten durch Quick
kommen würde. Zur Zeit funktionieren über 700 Kopiergeräte mit Quick, die sich
vorwiegend in öffentlichen Einrichtungen wie Ämtern, Schulen und Universitäten,
aber auch in Geldinstituten befinden. Diese Geräte werden entweder von diesen
Einrichtungen oder von Kopiereraufstellern betrieben.
Eine der interessantesten Quick-Anwendungen ist die Quick-Zahlung bei
Waschautomaten. Von verschiedenen Wohnungsgesellschaften wurden bisher in
etwa 2.200 Waschautomaten in Wohnhäusern auf ausschließliche Zahlung mit
Quick umgerüstet. Durch diese Quick-Only-Anwendung kommt es zu sehr hohen
Transaktionszahlen.
Quick – eine Erfolgsstory 283

Abb. 5. Quick an öffentlich zugänglichen Automaten

5.2 Quick in geschlossenen Bereichen

Die Quick-Akzeptanz in geschlossenen Bereichen wie Produktionsbetrieben,


Geldinstituten, Schulen und Universitäten kommt meist in der Form zustande,
dass bestehende proprietäre Schlüssel- oder Kartensysteme durch Quick ersetzt
werden. Die Anwendung umfasst meist die Kantine und alle Automaten. Diese
werden in der Regel von einem weitgehend gleich bleibenden Benutzerkreis fre-
quentiert. Bei der Kantinenlösung kommt als Zahlungsterminal meist ein Quick-
Only-Terminal und gelegentlich eine Bankomat-Kasse zum Einsatz. An Automa-
ten gibt es hier meist Snack- und Getränkeautomaten. Die Umsetzung erfolgt ent-
weder als eine Quick-Only-Lösung (nur Quick-Zahlung möglich) oder eine
Mischlösung (Quick-Zahlung und Barzahlung möglich).
Im Jahr 1998 stellte die Maschinenfabrik Engel in Schwertberg (Oberöster-
reich) als erstes Unternehmen Österreichs ihren firmeninternen Zahlungsverkehr
zu 100% auf Quick um. Etwas später wurden auch die Standorte in Dietach und
St. Valentin umgerüstet. Heute haben eine Reihe von namhaften Unternehmen wie
z.B. die Firma Blum in Höchst, die Firma AVL List in Graz, die Firma Fronius In-
ternational in Wels/Thalheim und Pettenbach, die Firma Internorm in Traun und
viele mehr Quick-Lösungen implementiert. Die Einreichung der Quick-
284 Ewald Judt, Robert Komatz

Transaktionen zur Gutschrift erfolgt für Kantinenzahlung wie bei Quick-


Zahlungen am POS (siehe Kapitel 5.3) und für Automatenzahlungen wie bei öf-
fentlich zugänglichen Automaten (siehe Kapitel 5.1)

Abb. 6. Quick in geschlossenen Bereichen

5.3 Quick am Point of Sale (POS)

Die Quick-Akzeptanz am POS erfolgt primär über die Bankomat-Kasse, Öster-


reichs dominierendes POS-Terminal. Die Bankomat-Kasse ist ein universelles
POS-Terminal, das alle Zahlungen mit Kreditkarten (mit Unterschrift), alle Maest-
ro-Zahlungen (mit Code) und alle Quick-Zahlungen (ohne Unterschrift und ohne
Code) abwickeln kann. Falls der geladene Quick-Betrag für die konkrete Zahlung
ausreicht, erscheint am Display der Bankomat-Kasse die Auswahlmöglichkeit „1
= Zahlen mit Quick“ oder „2 = Zahlen mit Maestro“. Die Einreichung der Quick-
Transaktionen zur Gutschrift erfolgt an der Bankomat-Kasse automatisiert mit
dem Tagesabschluss.
In der Einführungsphase wurde mancherorts die Meinung vertreten, dass es am
POS Unternehmen mit Bedarf an Quick-Only-Terminals gibt. Dies hat sich als
Trugschluss herausgestellt, da offenbar kein Handels- oder Dienstleistungsunter-
nehmen heute ausschließlich Zahlungen über Kleinbeträge abwickelt. Die poten-
tiellen Akzeptanten wurden vor die Wahl gestellt, eine Bankomat-Kasse als uni-
verselles POS-Terminal oder ein nur für Quick-Zahlungen geeignetes Terminal
anzuschaffen, wobei sich aus Kundenservice-Gründen nahezu alle Kunden für die
Quick – eine Erfolgsstory 285

Bankomat-Kasse entschieden haben. Diese gibt es als stationäre und als mobile
Bankomat-Kasse.

Abb. 7. Mobile Bankomat-Kasse (links) und stationäre Bankomat-Kasse (rechts)

5.4 Quick im Internet

Von Anfang an ist auch daran gedacht worden, Quick nicht nur in der „realen“,
sondern auch in der „virtuellen“ Welt des E-Commerce als Zahlungsmittel einzu-
setzen. Seit 2001 ist Einkaufen mit der Quick-Karte im Internet durch die Einfüh-
rung von @Quick möglich. Mit @Quick können Waren und Dienstleistungen, die
im Internet angeboten werden, online und ohne Risiko bezahlt werden. Die Vor-
aussetzungen hierfür sind sowohl vom Käufer als auch vom Verkäufer in der vir-
tuellen Welt leicht zu erbringen. Ideal ist @Quick für Zahlungen bis 400 Euro in
Internet-Shops, wozu insbesonders Micropayments wie z.B. für Digital Content,
mp3-Files oder Software-Downloads zählen.
@Quick ist bequem für Inhaber einer geladenen Quick-Karte. Voraussetzungen
für den Konsumenten sind neben einem Internet-Zugang eine geladene Quick-
Karte (Maestro-Karte oder Quick-Wertkarte) und einen an den PC angeschlosse-
nen handelsüblichen Chipkartenleser. Beim Zahlen mit der Quick-Wertkarte ist
keine Kontoverbindung notwendig und damit Anonymität gewährleistet. Das wei-
ters notwendige Software Plug In ist kostenlos und wird bei erstmaliger Verwen-
dung automatisch installiert. Der Zahlungsvorgang ist denkbar einfach: Die Ware
oder Dienstleistung wird ausgewählt, als Zahlungsmodus wird @Quick ange-
klickt, die Quick-Karte wird in den Kartenleser gesteckt und die Zahlung wird per
Mausklick bestätigt. Danach ist das Quick-Guthaben um den entsprechenden Be-
trag geringer geworden. Die letzten Lade- und Zahlvorgänge können am PC oder
mittels eines Value-Checkers ersehen werden.
286 Ewald Judt, Robert Komatz

Abb. 8. Bezahlung mit Quick im Internet

@Quick ist einfach für das Vertragsunternehmen. Ein Internet-Shop, der seinen
Kunden ermöglichen will, mit @Quick zu bezahlen, benötigt dafür weder eine ei-
gene Hard-/Software-Lösung noch ist spezielles technisches Know-How notwen-
dig. Über ein gehostetes Service ist es dem E-Commerce-Unternehmen – sofern es
nicht selbst @Quick installieren und technisch betreiben möchte – möglich,
@Quick-Zahlungen anzubieten, ohne selbst dazu etwas tun zu müssen. Sowohl
Installation als auch technische Abwicklung bieten so genannte Payment Service
Provider an, welche als Schnittstelle zwischen dem Vertragsunternehmen und Eu-
ropay Austria stehen. Ebenso ist eine Direktanbindung an das @Quick-System
über die Firma PDTS möglich. Die Einreichung der Umsätze wird über das glei-
che System abgewickelt. Für das @Quick-Vertragsunternehmen sind alle Transak-
tionen von Europay Austria garantierte Umsätze, die dessen Girokonto gutge-
schrieben werden.

6 Die Vermarktung

Quick ist – wie erwähnt – auf allen österreichischen Maestro-Karten enthalten.


Hier gilt es, die Karteninhaber auf Quick aufmerksam zu machen. Dazu bietet Eu-
ropay Austria den Geldinstituten Quick-Werbemittel (Folder, Poster, Pappkame-
rad), Quick-Value-Checker, mit denen jederzeit der geladene Quick-Betrag bzw.
die letzten Lade- und Zahlungstransaktionen festgestellt werden können, und ei-
nen Quick-Film an. Es fallen durch die zusätzlich auf der Maestro-Karte enthalte-
ne Quick-Funktion – ob genutzt oder nicht – den Karteninhabern keine zusätzli-
chen Kosten an. Quick-Wertkarten werden von den österreichischen Geldins-
tituten an Jugendliche und Ausländer sowie auf Nachfrage auch an Maestro-
Karteninhaber, die Quick auf einer separaten Karten nutzen wollen, angeboten.
Quick – eine Erfolgsstory 287

Affinity-Wertkarten werden von Unternehmen, mit denen Europay Austria einen


entsprechenden Vertrag geschlossen hat, an die vorgesehene Zielgruppe – mit o-
der ohne Entgelt – ausgegeben.
Die Akquisition von Quick-Vertragsunternehmen erfolgt durch den Außen-
dienst der Europay Austria. Dabei wird Quick am POS immer gemeinsam mit der
Maestro-Akzeptanz angeboten. Um die Verbreitung von Quick in gewissen Au-
tomatenbereichen und in geschlossenen Bereichen zu fördern, gibt es eine diffe-
renzierte Förderung von Quick-Automatenmodulen und von Quick-Only-
Terminals in Kantinen. Das Vertragsunternehmen zahlt in der realen Welt ein Di-
sagio von 0,5 % sowie ein Einreichentgelt von 0,44 Euro. In der virtuellen Welt
zahlt das Vertragsunternehmen für @Quick ein Disagio pro Transaktion von
1,5 % des Umsatzes sowie 0,05 Euro Fixentgelt. Zur Förderung der Nutzung wer-
den von Europay Austria Quick-Promotions (österreichweite Ladepromotions, lo-
kale Zahlungspromotions) durchgeführt und es wird Quick-Medienwerbung be-
trieben.

7 Das Wachstum

Quick, die österreichische Elektronische Geldbörse, befindet sich heute – im zehn-


ten Jahr ihrer Existenz – auf einem nachhaltigen Wachstumspfad.

86.690
Ladeterminals Zahlungsterminals
79.806
74.657

90.000

80.000
60.848

70.000

60.000
41.585

50.000
29.564

40.000
19.118

30.000
12.756

20.000
5.775

5.879
5.153

6.452
3.495

5.162

5.419
2.708

4.954
1.066

10.000

0
1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004

Abb. 9. Ladeterminals und Zahlungsterminals 1996 - 2004

Das Wachstum der letzten Jahre zeigt sich insbesondere bei der Anzahl der Quick-
akzeptierenden Terminals - wenngleich auch die Anzahl der Ladeterminals in den
letzten Jahren stetig angestiegen ist - und bei den an diesen Terminals generierten
Zahlungstransaktionen. Die Erfolgsstory setzt sich aus einer sukzessiven Expansi-
288 Ewald Judt, Robert Komatz

on seit 1996, einem stärkeren Wachstum der Quick-Transaktionsanzahl als jenem


bei der MasterCard- und Maestro-Transaktionsanzahl in deren Anfangszeit und
einem durch die Euro-Bargeld-Einführung bedingten Aufwärtstrend zusammen.

19.186.867
25.000.000

17.659.508
17.198.595
20.000.000

15.000.000

5.081.629
3.072.036
10.000.000
2.212.532
1.160.705
426.085

5.000.000
86.591

0
1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004

Abb. 10. Vergleich Zahlungstransaktionen 1996 - 2004

Quick – das jüngste Kartenprodukt – wird trotz seiner Jugend immer mit bereits
etablierten Kartensystemen wie der MasterCard (seit 1980 auf dem österreichi-
schen Markt) und Maestro (seit 1987 in Österreich) verglichen, ohne dass auf de-
ren bereits länger laufende Produktlebenszyklen Bezug genommen wird. Trotz-
dem eine Verhaltensänderung der Konsumenten sich insbesondere dann als
langwierig darstellt, wenn sie die Zahlungsgewohnheiten betrifft, hat sich Quick
erfolgreich entwickelt. Wenn man bei der bisherigen Entwicklung das Produktal-
ter berücksichtigt, können von Quick noch gewaltige Transaktionszahlen erwartet
werden.
Das Wachstum von Quick betrug bei den Zahlungstransaktionen und dem Zah-
lungsvolumen im Schnitt über 100 %. Inkludiert hierbei ist ein Sprung nach vorn,
den es durch die Euro-Bargeld-Einführung im Jahr 2002 gegeben hat. Quick, die
österreichische Elektronische Geldbörse, befand sich in den letzten Jahren auf ei-
nem nachhaltigen Wachstumspfad. Dieses Wachstum wird sich auch absehbare
Zeit in der Zukunft fortsetzen. In den kommenden Jahren werden mit Quick Stei-
gerungsraten von jeweils über 20 % erwartet. Unterstützt wird dieses Wachstum
mit der Verbreitung von @Quick. 2005 wird mit 25 Millionen Zahlungstransakti-
onen gerechnet. In weiteren 5 Jahren werden die Quick & @Quick-
Zahlungstransaktionen über 100 Mio. liegen.
Quick – eine Erfolgsstory 289

25.000

19.200
17.700
17.200
20.000
Transaktionszahl in 1.000

15.000

00
.2
11
10.000
0 0
70 90

5.100
3.100 6. 8.
2.200

5.000
0
1.200

90
0 4. 2.290
400

1.490
0 20 800 1.090
100

90 00 3.
1.7
0
160 229 383 547

a hr a hr a hr hr h r h r
ah
r
ah
r
ah
r
J J J Ja Ja Ja J J J
1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9.

Maestro (1987-95) MasterCard (1980-88) Quick (1996-2004)

Abb. 11. Vergleich Markteinführung in Österreich: MasterCard – Maestro – Quick

8 Fazit

x Der Aufwärtstrend von Quick wird sich in den kommenden Jahren fortsetzen.
Insbesondere durch die Umrüstung der rund 8.000 Zigarettenautomaten in Ös-
terreich. Denn ab 1.1.2007 wird bei Zahlungen an Zigarettenautomaten zuerst
die Maestro-Karte in den Chipkartenleser des Quick-Moduls eingeführt. Da-
nach erfolgt die Überprüfung, ob der Karteninhaber über 16 Jahre alt und somit
berechtigt ist, Zigaretten zu kaufen. Bei positiver Überprüfung kann im An-
schluss daran die Zigarettenmarke gewählt werden und entweder bargeldlos mit
Quick oder mit Bargeld gezahlt werden.
x Der Grund für das Reüssieren von Quick liegt darin, dass es möglich war, die
Funktion auf allen Maestro-Karten anzubringen. Dadurch fiel weitgehend die
Notwendigkeit weg, spezielle Quick-Karten nicht nur für Nischen, sondern für
die Allgemeinheit auf den Markt zu bringen.
x Bedingt durch die Tatsache, dass Quick von Anfang an auch auf dem in Öster-
reich am meisten verbreiteten POS-Terminal, der Bankomat-Kasse, angenom-
men wurde, war sofort eine relativ breite Akzeptanz gegeben, wenngleich
290 Ewald Judt, Robert Komatz

Quick dort in Konkurrenz zur etablierten Maestro-Zahlung und der Kreditkar-


tenzahlung steht.
x Das eigentliche Asse