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Nürnberg, 20.5.

2010

Der griechische Staatsbankrott – die Euro-Krise – Gefährdung des


Weltwährungssystems

0. Vorbemerkung
Was nicht erklärt oder bewiesen werden muss, weil der Hergang der Ereignisse selbst die Klarstellung
liefert:
- dass es sich nicht um eine Schuldenkrise Griechenlands handelt, während „wir“ - Deutschland – glänzend
dastehen.
- dass das Misstrauen nicht besonderen europäischen Schuldenländern gilt, sondern dem Euro und der
ganzen Euro-Konstruktion – „unserem“ Geld, und sich auch auf die USA, Großbritannien und Japan
richtet.
- dass es sich damit um eine Eskalationsstufe der Finanzkrise handelt, die 2007/2008 begann und im
Zusammenbruch des internationalen Bankensystems ihren ersten Höhepunkt erreicht hatte:
- Damals waren die Staaten eingeschritten, haben den Kollaps nicht zugelassen; mit Staatskredit den
entwerteten Privatkredit vor dem Offenbarungseid gerettet – und dafür Billionen neuer
Staatsschulden aufgelegt.
Jetzt geraten die staatlichen Retter selbst in Misskredit – und zwar bei den Geretteten: Privates
Finanzkapital misstraut der Verlässlichkeit = der Bedienung der Staatsschulden, mit denen er gerettet
wurde.
- Zuerst Griechenland – jetzt muss es gerettet werden durch die europäischen Partnerländer, die noch
als kreditwürdig gelten: Prompt ist die Frage auf den Tisch, ob Deutschland vor allem, aber auch
Frankreich etc. nicht als Garantiemächte aller Euro-Staatsschulden überfordert sind bzw. sich
übernehmen.
Diese Frage ist nun auf dem Tisch – sie sollte durch das 750 Milliarden Rettungspaket totgeschlagen werden
– und jetzt wird täglich auf die Börsen gewartet, um zu sehen, ob das halb – oder gar nicht gelingt.
Hier soll nicht die Dramatik der Ereignisse unterstrichen werden. Das kann man getrost der Öffentlichkeit
überlassen, die einem das Geschehen im Ton der Sorge schildert, ob endlich wieder Normalität an den
Börsen einkehrt.
Es soll auch nicht darum gehen, die Chancen der staatlichen Rettungsversuche abzuschätzen. Denn ob denen
Erfolg beschieden sein wird, wird man schon sehen. Das ist kein Gegenstand der Theorie.
Was zu klären bleibt, sind die Lehren aus der Krise; nämlich was das ausnahmsweise Nicht-Funktionieren
der Euro-Zone, des Zusammenspiels der von kapitalistischen Staaten und Finanzmärkten sowie der globalen
Kooperation und Konkurrenz zwischen den kapitalistischen Staaten über deren normales Funktionieren und
die Zwecke verrät, um die es dabei geht.

I. Griechenland – Auslöser der Eurokrise, weil Nutznießer des Euro und Opfer des
europäischen Binnenmarkts
1. Warum erwischt es Griechenland?
a) Glaubt man der Presse, besonders BILD, dann bekommen die faulen, konsumfreudigen Griechen von
den Finanzmärkten die gerechte Strafe für ihre Misswirtschaft – und wir deutsche „Steuerdeppen“ sollen
dafür einspringen.
In der Sache ist das verlogen. Das Verfahren dieser nationalistischen Hetze: Gleichsetzung der Staatsschuld
mit privatem Konsum, vorstellig gemacht in Form der Rentner, Steuerverweigerer, gut bezahlter
Staatsangestellter usw.
Im Standpunkt eine Auskunft über die deutsche Stellung zu den europäischen Nachbarvölkern: Sie sollen
„unserem“ Export, Wirtschaftsraum, Euro zur Verfügung stehen, aber keine Probleme machen.
b) Tatsächlich hat Griechenland den Euro benutzt wie andere Staaten auch: das gute Gemeinschaftsgeld,
das den riesigen Wirtschaftsraum repräsentiert und in ihm Verwendung findet, für schuldenfinanzierte
Wachstumsinitiativen eingesetzt, und zwar in einem Umfang, in dem es das Land mit der früheren
Landeswährung nicht gekonnt hätte. So hat es am guten Kredit des europäischen Geldes partizipiert und eine
große Menge Schulden zu niedrigen Zinsen aufgenommen.
Die Schuldenaufnahme war ein Wachstumsprogramm. Und Wachstum gab es ja auch. Es ist nur nicht groß
genug gewesen, um den Schuldenstand zu rechtfertigen.
c) Insoweit ist Griechenland Opfer des europäischen Binnenmarkts und des europaweiten Geldes.
2. Dennoch, die Frage bleibt. Denn die Neuverschuldung Griechenlands ist etwa auf dem Niveau von
Großbritannien und den USA; der akkumulierte Schuldenstand ähnelt dem Italiens oder Japans.
Griechenland wird – auf der Basis des Vorigen – Opfer der besonderen Konstruktion der europäischen
Gemeinschaftswährung, d.h. des imperialistischen Charakters dieser eigenartigen Union der Völker.
a) Im Euro teilt Deutschland sein weltweit durchgesetztes, gefragtes hartes Geld mit den weniger potenten
Nachbarn. So sichert es sich und seiner Wirtschaft den europäischen Raum als Expansionssphäre und seinem
Geld den Aufstieg zum alternativen Weltgeld und Rivalen des Dollar.
Spätestens jetzt muss über das Teilen der Währung klar sein: Da geht es nicht um die Vereinfachung des
grenzüberschreitenden Austausches oder die Vermeidung umständlicher Geldumtauschaktionen. Es ist
Teilhabe an der Kreditmacht der alten D-Mark: Die Währung einer Nation ist das Resümee des nationalen
Konkurrenzerfolges und sein entscheidendes Mittel. Der Kredit, den das staatlich geschöpfte Geld bei der
internationalen Finanzwelt genießt, ist die Macht eines Landes und seiner Geschäftsleute, alles für den
nationalen Konkurrenzerfolg Nötige per Schulden zu finanzieren.
b) Der Euro stellt dabei folgenden Widerspruch dar: Gemeinschaftswährung – aber keine gemeinsame
ökonomische Sache; Trennung von internationalem Euro-Geld und nationalen Besitzern; Trennung der
Geldhoheit – die ist eine Sache der Staatsgewalt – von den Staaten, die damit wirtschaften.
Die Euro-Staaten wollten souveräne Nationalstaaten bleiben, die im und mit dem gemeinsamen Geld besser
um möglichst viel Kapitalwachstum auf ihrem jeweiligen Standort sowie um einen gesunden Staatshaushalt
konkurrieren.
Die Vergemeinschaftung des letzten Resultats der nationalen Konkurrenz auf dem Weltmarkt, das Teilen des
Schicksals dieses Geldes, das sich dann aus allen europäischen Erfolgen und Misserfolgen zusammensetzt,
sollte doch nur Mittel sein, um besser gegeneinander zu konkurrieren, einander als Partner besser be- und
ausnutzen zu können.
Daher: Gemeinschaftswährung – aber souveräne Haushalte; Staatsschulden in Euro sind rein nationale
Verbindlichkeiten. Keine europäische Wirtschafts- und Finanzpolitik – keine europäische Nation! No bail out
– keine „Transferunion“ wie zwischen deutschen Bundesländern.
c) Konkurrenz der Nationen mit gemeinsamen Geld muss dazu führen – Sieger und Verlierer sind
vorprogrammiert –, dass sich hier gute und dort schlechte, im Haushalt immer schwerer finanzierbare
Schulden ansammeln.
Die Trennung von Geldhoheit und Staatsschulden führt jetzt Griechenland in eine Notlage, in die sonst kein
Staat kommt, solange er sich in eigener Währung verschulden kann: Griechenland, der Mitbesitzer des Euro
geht pleite, kann seine Schulden nicht mehr revolvieren; ganz so, als ob er in Fremdwährung verschuldet
wäre.
Ansonsten nimmt nämlich zur Not die Nationalbank dem Staat seine Schulden ab – und die Wirkung des
Misstrauens der Finanzgemeinde richtet sich je nach ihrer Einschätzung und den Geschäften, die sie in der
Nationalwährung machen kann, gegen diese: In diesen Fällen sind die Schulden eines Staates so gut wie sein
Geld – und umgekehrt.
d) Jetzt kaufen internationale Finanzanleger (v.a. Banken) dem griechischen Schatzamt neue Schuldtitel
nicht mehr ab – und stellen damit die Frage, welchen Kredit sie eigentlich bewerten sollen, wer für
griechische Schulden bürgt: Über die Jahre hatte Griechenland Kredit als Euro-Teilhaber, mehr als es alleine
gehabt hätte – soll jetzt doch wieder nur Griechenland allein für seine Euro-Schulden bürgen? Dann wäre der
Euro ein Schwindel gewesen – und hätte nicht als Wachstumsmotor benutzt werden dürfen!
3. Diese Frage der Finanzwelt richtet sich sofort an die Hauptmächte des Euro deren Kredit vorerst noch
unbeschädigt ist: Auch sie lernen, dass der Euro der gemeinschaftliche Kredit seiner Mitgliedstaaten ist oder
eine haltlose Konstruktion: Die Trennung, die man im Vertrag zur Währungsunion vereinbart hat, gibt es
praktisch nicht: Es geht um die Kreditmacht Europas und das ganze Jahrhundertprojekt der EU.
- Dies wird bemerkt in der Form der Sorge vor einer Kettenreaktion – alle PIIGS-Staaten drohen ihren Kredit
zu verlieren: Sie alle haben Schulden gemacht, die durch die Teilnahme am Euro, nicht durch die nationale
Wirtschaftskraft gedeckt waren. Wenn es keine europäischen Garantien gibt, dann ist der Euro nichts und
bricht zusammen.
- Ferner: Auch bei den potenten Euro-Staaten wird deutlich, dass sich die Staatsschulden der einen und die
der anderen in dem gleichen europäischen Geld nicht mehr trennen lassen. Staatsschulden sind eine der
großen Quellen der Refinanzierung der Banken; mit ihnen – gleich von welchem europäischen Staat –
können sie bei der europäischen Zentralbank liquide Mittel beschaffen, die ihr Kreditgeschäft braucht. Jetzt
bilden griechische und andere Staatsschulden die Reserven der Banken, von denen in Europa schon wieder
die meisten pleite wären, wenn die Schulden der Südländer entwertet würden.
4. Jetzt hat die Krise die Entscheidung erzwungen, die in Deutschland gar nicht vorweg feststand und viele
Feinde hat:
Alle Euro-Staaten bürgen – bis zu einer hoch angesetzten Grenze von 500 Mrd./ 750 Mrd. + IWF – für die
Schulden aller; und die gemeinsame Zentralbank kauft, wie anderswo auch, die Anleihen ihrer
kreditunwürdigen Teilhaber auf.
Als Garanten in Anspruch genommen merken Deutschland, Frankreich etc. schnell, wie prekär auch bei
ihnen das Verhältnis von Staatsschulden und Wachstum ist, wie gefährdet also ihr Kredit, d.i. ihr
europäisches Geld, ist.
Durch die Bürgschaft ist es nun die Bewertung des Euro an den Devisenmärkten, die das Maß von Kredit
und Kreditunwürdigkeit der Euro-Zone anzeigt.
Nach der Seite ist die Konkurrenz um Kredit im Euro-Raum vorerst beendet: Staaten konkurrieren im
Binnenmarkt mit Euro und Euro-Schulden um lokales Kapitalwachstum und dadurch um einen gesunden
Staatshaushalt. Wenn sie dabei scheitern, werden die Schäden am Kredit aller von allen getragen.
5. Das ist aber nicht das Ende der Konkurrenz der Euro-Staaten, im Gegenteil: Im Tausch gegen die
Garantien wird die Kontrolle der Haushalte der auf Garantien angewiesenen Mitgliedsländer durchgesetzt –
tendenziell das Ende der fiskalpolitischen Souveränität. Was als erzieherische Durchsetzung
haushaltspolitischer Vernunft propagiert wird – Achten darauf, dass Griechenland nicht weiterhin über seine
Verhältnisse lebt –, ist etwas ganz anderes: Kredit nur im Maß, in dem die griechische Wirtschaft,
griechisches Steueraufkommen das rechtfertigt. Das ist die Umkehrung des Verfahrens aller kapitalistischen
Staaten, die etwas sind oder werden wollen: Sie initiieren künftiges Wachstum, indem sie auf erhoffte
Steuerzuwächse hin Schulden machen und mit diesem Geld Wachstumsbedingungen schaffen. Jetzt soll das
umgekehrt sein: Verzicht auf Antizipation; Reduktion der Verschuldung auf tatsächliche Wirtschaftskraft, die
bisher nur mit Schuldenexpansion zustande gekommen ist.
Als Mittel der Wiedergewinnung solider Staatsfinanzen und von Kredit ebenso fragwürdig wie der bisherige
– gescheiterte – Weg. Aber es ist ja auch kein Mittel, sondern die Niederlage in der Konkurrenz selber:
Rettung des Kredits für Europa, indem man Griechenland die Benutzung des Kredits untersagt: Auch so
herum hat es seine Finanzmacht verloren: Reduktion des ökonomischen Gebarens dieses Landes auf die
Rolle eines Mittels der anderen.
Griechenland und die Euro-Krise sind jedoch nur ein Unterfall der allgemeinen Krise – die damit eine neue
Stufe erreicht.

II. Symbiose – gegenseitiger Dienst – von Staat und Finanzkapital ist nicht nur in der Euro-
Zone, sondern ebenso in Großbritannien, Japan und den USA dahin.
Der Gegensatz beider und die Verwiesenheit auf einander wird in der öffentlichen Schimpferei dokumentiert:
Finanzkapitalisten
- sind wieder böse Spekulanten, „Wolfsrudel“
- haben zugleich den Rang von Staatsmännern (Ackermann)
- gehören Fesseln angelegt: Ihr national schädliches Geschäftsgebaren gehört unterbunden – aber man darf
sie nicht verprellen. Alle Verpflichtung auf staatsnützliche Bankgeschäfte ginge nur dann, wenn alle großen
Konkurrenznationen mitmachten.
1. Der Dienst des Staates am Finanzkapital: Lizenz – sogar Lizenz, unnational – alle Länder als
Anlagesphäre zu sichten und zu vergleichen.
2. Von den G7 eingeführt und gewährt, weil dadurch
- mehr Wachstum der großen Finanzhäuser und ihrer Kreditmacht
- garantierter Zuspruch für ihre – sicheren, potenten – Kapitalstandorte: Mehr nationale Finanzkraft durch
Internationalisierung des Finanzgeschäfts: Finanzkapital leistet einen größeren Dienst an der Nation, weil
sie ihm als sichere Renditequelle einen größeren Dienst leistet als andere.
3. Dienst des Finanzkapitals am Staat selber: Es vermarktet Staatsschulden als Geldkapital.
Leistung der Staatsschuld: Der nationale Kapitalismus ist die Quelle der ökonomischen Mittel der Herrschaft
– von da holt sie sich, was sie braucht. Anerkannt aber, dass was sie ihrer Quelle in Form von Steuern
wegnimmt, diese in ihrer Wachstumskraft beschränkt. Staat will Ökonomie fördern, damit sie ihm mehr
abwirft; dafür darf er sie aber nicht beanspruchen. Finanzierung der Staatsausgaben durch Kreditaufnahme
überwindet dieses Übel und macht die Unkosten, die die Wirtschaft belasten würden, zu lauter Mitteln ihrer
Förderung:
- Ausgaben versilbern Warenkapital (dies bei Steuergeldern ebenso).
- Niemanden wird etwas weggenommen, die Akkumulationsfähigkeit wird nicht beschnitten.
- Staatsschulden sind Kreditmittel erster Güte. Sie weiten die Kreditgeschäfte der Banken, d.h. deren
Fähigkeit dazu, aus.
4. Der Preis: Der Staatshaushalt und – weil er die Bilanz des ganzen nationalen Lebens ist – die ganze
Gesellschaft müssen funktionieren wie ein kapitalistischer Betrieb, der sie nicht sind.
Mit Schulden verpfändet der Staat zukünftige Staatseinkünfte als Zinsen an die Kreditgeber – sie müssen
also im Maß der Schuldenfinanzierung wachsen, damit sich die Staatsschulden in den Händen der
Geldkapitalisten als Kapital bewähren.
Staatsausgaben – Schulen, Straßen, Renten, Kriege – sind aber keine Kapitalinvestitionen; sie sind
Ausgaben, die keine Rückflüsse erzeugen, sondern Gebrauchswerte erwerben, die der Staat für seine Zwecke
braucht.
Somit spekuliert der Staat, der selbst kein Kapitalist ist, dass – durch seine Herrschaft und seine Förderung
von Wachstumsbedingungen – Kapitalisten schon ein Wachstum und damit ein wachsendes
Steueraufkommen erzeugen werden; groß genug, dass er seine Schuldenlast = Zinslast tragen kann, d.h. dass
ihm das Finanzkapital die Fähigkeit zur dauerhaften Schuldenbedienung (Tilgung ist nicht verlangt) abnimmt
und ihm die stetige Prolongierung seines Schuldenberges erlaubt.
Anders ausgedrückt: Durch Staatsschuld wird das Wachstumsziel der politischen Macht zum Sachzwang,
dem die Gesellschaft und alle Mitglieder bei Strafe ihrer Enteignung gerecht werden müssen.
5. Zu all den Staatsschulden für Wachstum kommen jetzt noch die Unsummen für die Bankenrettung 2008.
Diese stellen keine Vorfinanzierung größeren Wachstums dar, sondern einen Ersatz für geplatzten
Privatkredit, also Verwertungsversprechen, deren Kapitalcharakter schon widerlegt ist. Es fand eine
gigantische Vergrößerung der Staatsschuld nur zur Rettung von fiktivem Kapital statt, das nicht als Kapital
funktioniert, zur Rettung des Systems, gar nicht zur Erschließung neuer Renditequellen.
6. Genau dafür bedanken sich jetzt die geretteten Banken bei ihren Rettern durch Misstrauen in deren
Fähigkeit, den Kapitalcharakter ihrer Schulden zu garantieren:
- Sie verweigern Griechenland und anderen den Ankauf ihrer Schulden.
- Sie ziehen ihren Kredit aus Ländern und Währungen ab, denen sie misstrauen. So machen sie die
Gleichung wahr, dass das Geld der Nationen für sie als Kapital funktioniert oder nichts wert ist.
7. Allerdings, wenn Finanzkapitalisten Staaten, d.h. deren Anleihen und Währungen, den Kredit entziehen,
deren Papiere abstoßen, dann stets zugunsten anderer, denen sie dadurch Kredit geben und Zahlungsfähigkeit
verschaffen (Gold, Schweizer Franken sind quantitativ stark beschränkte Ausnahmen). Kritik nur per
Vergleich, Entwertung nur, wo eine Alternative in Sicht ist.
So macht sich geltend, dass die Macht des Finanzkapitals, die kapitalistische Qualität ganzer Staaten – ihrer
Schulden und ihres Geldes – zu bewerten und zu vernichten, doch eine lizenzierte ist, auf der Macht der
Staaten beruht, die ihm das aus Eigeninteresse erlauben: Wenn nicht auf die Macht jedes einzelnen, auf die
der kapitalistischen Staaten insgesamt, vor allem auf die der Größten, bleibt es angewiesen.
Diesen kommt – auch jenseits der Rentabilität, die zeitweise schlecht oder ganz ausfallen kann – die Größe
des Wirtschaftsraums zugute, den sie beherrschen. Um bedeutende Teile des Weltkapitalismus kommen
internationale Banken auch jenseits aktueller Renditen nicht herum:
So beruht der Kredit, den Staaten bei Banken haben, auf der Gewalt, die sie sind. Sie ist Vorbedingung aller
Rentabilität des Geldes.
8. Dennoch: Jetzt konkurrieren auch die G7-Staaten global um Kredit – und haben ihn nicht mehr
selbstverständlich.
Dass sie diese Konkurrenz jetzt durch Haushaltssanierung, Reduktion der Schuldenmacherei und der
Ausgaben, durch Erhöhung der Steuereinkünfte betreiben, zeigt, dass sich ihre Schulden nicht rentieren –
und sie sich auch nicht zutrauen, neue Schulden rentierlich zu machen. Ihre Schulden bewähren sich nicht als
Kapital.
Sparen, wenn die Staaten es denn machen, schafft nicht das Wachstum, das die Schulden solide macht, als
Kapital bestätigen würde. Aber das ganze ist auch keine Methode, die Kreditwürdigkeit zu festigen, sondern
der Umgang der Nationen damit, dass sie beschädigt sind.
Diese Sparpolitik ist in einer Hinsicht produktiv: Staatsausgaben – und auch neue Schulden – sollen ja nicht
ganz entfallen; sie werden in wachstumsförderliche und „bloß konsumtive“ sortiert; letzter werden
beschnitten.
Überall wie in Griechenland: Die Armut des Volkes soll die Kreditwürdigkeit des Staates wiederherstellen.
Das ist auf perverse Weise wahr:
Dass das Volk das mit sich machen lässt, verwertet noch kein Kapital; aber es beweist seine Loyalität und die
Intaktheit der politischen Herrschaft: Und solange die unangefochten ist, gelingt es ihr irgendwann schon
wieder, das Volk fürs Kapital nützlich und lohnend zu machen.