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Facebook - wie Journalisten und Medien profitieren

können
Bald 500 Millionen Facebook-Nutzer gibt es weltweit. Davon 9,5 Millionen in
Deutschland (12 % der Gesamtbevölkerung), 2 Millionen in Österreich (24 %) und
2,25 Millionen in der Schweiz (29 %). Zahlen, die insbesondere auch aufgrund
des hohen Wachstums, nicht zu ignorieren sind. So haben sich die Nutzerzahlen
beispielsweise in Deutschland von Sommer 2009 bis heute fast verdreifacht.
Auch ist die durchschnittliche Besuchshäufigkeit und -dauer von Facebook höher
als bei anderen Social Networks. Ebenso wird der mobile Zugriff auf Facebook
attraktiver, der über eine Mobilversion unter m.facebook.com, der iPhone-App
sowie neuerdings mit der „Facebook Zero“ genannten Option mit zahlreichen
Mobilfunk-Providern – in Österreich Telering – sogar kostenlos möglich ist.

Facebook und Journalismus

Facebook für sich allein genommen eignet sich nicht für Online-Journalismus. Es
bietet zu wenige Möglichkeiten der Struktur und die Verlinkung ist schwierig.
Allerdings wird Facebook immer mehr zu einer zentralen, fast schon
monopolartigen Informationsdrehscheibe im Internet. Es dient als News-
Aggregator im Sinne der neuen mit dem Satz “If the news is important, it will find
me” umschriebenen Online-Vertriebsrealität. Die Effektivität der gegenseitigen
Linkempfehlungen („Word of Mouse“) insbesondere über den „Gefällt-mir-Button“
der User darf nicht unterschätzt werden. Spannend ist die erst seit wenigen
Wochen implementierte Funktion diesen Button auch auf Websites außerhalb von
Facebook einzubinden, wie das zum Beispiel bei der Bild-Zeitung auf bild.de
geschieht. Mit einem einzigen Klick auf diesen Button können Nutzer nun Inhalte
auf Facebook empfehlen und die Community wird außerhalb von Facebook
sichtbar. Die starke Position von Facebook im Online-Bereich zeigt auch die
Befürchtung des deutschen Verlegerverbands VDZ, dass 10% der Werbeerlöse im
Printgeschäft bis 2012 zu Facebook abwandern könnten. Der VDZ will nun von
Facebook eine Umsatzbeteiligung an den Werbeeinnahmen bei den Facebook-
Angeboten von Verlagen einfordern.

Facebook-Praxis

Für den österreichischen Journalisten (taz, Falter, profil, Standard) und


Sachbuchautoren Robert Misik ist das persönliche Facebook-Profil die
Hauptpräsenz seiner vielfältigen Social-Media-Aktivitäten. Neben seinem Video-
Podcast für den Standard betreibt er auch ein Weblog und einen Twitterkanal.
Mittlerweile hat er rund 4.700 „Freunde“ auf Facebook. „Das stellt mich vor
gewisse Probleme, denn die Vernetzung mit mehr als 5000 Personen lässt
Facebook nicht zu.“ Daher versucht Misik die weiteren Kontakte nun auf einer
Facebook-Seite – mit unbegrenzter Anzahl – zu sammeln. Circa eine halbe Stunde
am Tag verbringt er auf Facebook um zumindest bei direkt an ihn gerichteten
Kommentaren mitzudiskutieren. „Als freier Autor führt für mich kein Weg an
Facebook vorbei“, erläutert er die Notwendigkeit zum Aufbau einer Community.
„Von dieser bekomme ich substantielle Antworten und Unterstützung bei der
Themenfindung und Recherche. Dem Zeitaufwand steht somit auch eine
Zeitersparnis gegenüber.“

Bei der Neuen Zürcher Zeitung findet sich zwar eine Facebook-Präsenz, diese
wurde aber nicht von der NZZ angelegt. Auf den ersten Blick ist das aber nicht
offensichtlich. Redaktionsleiter Fredy Greuter dazu: „Wir entfalten keine
Aktivitäten in Social Media. Das ist gegenwärtig unsere Policy.“ Nun ersucht der
ab August für den Bereich der digitalen Medien bei der NZZ zuständige Peter
Hogenkamp den Administrator um Übergabe der immerhin rund 1.700 Kontakte
zählenden Facebook-Seite und verspricht als Lohn: „Eine Flasche Champagner
und ein Händedruck vom NZZ-CEO“. Der ebenso von dritter Seite eingerichtete
Twitter-Account unter www.twitter.com/nzz, in den der RSS-Feed der NZZ
eingespeist wird, ist mit fast 4.500 Followern kürzlich an die NZZ übergeben
worden. Hogenkamp zieht daraus folgendes Resümee „Auch wenn man die Policy
verfolgt, sich nicht aktiv in Social Networks zu engagieren, sollte man zumindest
die entsprechenden Accounts reservieren.“

Der österreichische Privatsender ATV setzt Facebook unter anderem erfolgreich


für zwei Sendeformate ein. Bei der Diskussionssendung „Am Punkt“ können sich
die Seher per Email, Video, Facebook oder Twitter live und direkt beteiligen.
Zahlreiche der 1.210 Personen, die sich mit der Sendung auf Facebook vernetzt
haben, können auch live über einen in Facebook integrierten Chat mitdiskutieren.
Geradezu verselbständigt hat sich die Facebook-Präsenz der Doku-Soap
„Saturday Night Fever - So feiert Österreichs Jugend“. Neben der offiziellen
Facebook-Seite mit fast 36.000 „Fans“ – einige Einträge bekommen mehr als 200
Kommentare – gibt es weitere Facebook-Seiten von begeisterten Zuschauern.
Alexandra Damms, Pressesprecherin von ATV zeigt sich vom Einsatz von
Facebook begeistert: „Damit erreichen wir genau unsere jugendliche Zielgruppe,
die sich dann über die Sendungen austauscht.“ Die Facebook-Seite trägt dazu
bei, dass die Sendung im Gespräch bleibt und sehr hohe Einschaltquoten
erreicht.

Einen Spitzenplatz im TV-Bereich dürfte die Krimiserie „Tatort“ in Facebook mit


mehr als 72.500 Fans und regen Diskussionen belegen. An dieser Stelle sei
angemerkt, dass die Kommentarqualität aufgrund der in der Regel nicht
vorhandenen Anonymität zumeist höher ist als bei anderen Beteiligungsforen.

Die Kleine Zeitung setzt ebenso auf Facebook als zusätzlichen Vertriebskanal.
Gemeinsam mit der Digitalredaktion befasst sich Georg Lux von der Abteilung
Business Development der Styria Media AG mit den Möglichkeiten „die Leser dort
zu finden, wo sie sind. Wir haben zum Beispiel eine Facebook-Seite zum Thema
Eishockey, die mit Blogeinträgen gefüllt wird.“ Zu Spitzenzeiten kommen mehr
als 20% der Besucher von Facebook auf das entsprechende Weblog. Das neueste
Produkt der Styria „G7 - die Stadtzeitung für Graz“ hat auch eine eigene
Facebook-Präsenz. Den Aufbau unterschiedlicher Communities für ein Medium
mit Hilfe von Facebook sieht Heinz Wittenbrink, Lehrender für Online-
Journalismus an der FH Joanneum, als interessante Chance die Bindung an das
Medium zielgruppenspezifisch zu erhöhen.

International gehören CNN und die New York Times bei der Nutzung von
Facebook zu den führenden Medien. CNN, dessen Facebook-Seite mittlerweile
über 900.000 Kontakte hat, begann damit Live-Events wie die Amtseinführung
von Präsident Obama in einem Facebook-Chat zu begleiten. Interessant auch,
dass einige CNN-Mitarbeiter wie die Journalistin Soledad O'Brien eigene
Facebook-Seiten haben, wobei direkt beim Namen die Zugehörigkeit zu CNN
kenntlich gemacht wird. Larry King baut eine Community um seine Sendung mit
exklusiven Fotos und Videos auf. Seine Facebook-Seite hat ein eigenes Layout
und beinhaltet auch den Twitterfeed.

Judith Denkmayr, Geschäftsführerin der vor wenigen Monaten gegründeten Social


Media Agentur „Digital Affairs“ empfiehlt allen Medien und Journalisten die
Nutzung von Facebook. Dabei sind insbesondere die sogenannten „Weak Ties“,
Kontakte zu einem erweiterten Personenkreis, von Bedeutung. Über diese können
Journalisten auf neue Themen aufmerksam gemacht werden. Die
Reichweitenerhöhung ist für Medien ein weiteres wichtiges Argument: „Da der
Trafficeinbruch bei traditionellen Web-Sites beachtlich ist, sollten sich alle
Informationsanbieter im personalisierten und interaktiven Newsstream
wiederfinden.“ Auch für die Monetarisierung der Facebook-Präsenzen von
Medienunternehmen gibt es Vorschläge. Hans-Joachim Fuhrmann vom
Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger wünscht sich eine Kooperation mit
Facebook um Werbekunden auch Präsenz im Umfeld der eigenen Facebook-Seite
zu bieten.

Mit Facebook verschärft sich der Wettbewerb um Aufmerksamkeit, dem sich


niemand entziehen kann. Angesichts der schnellen Entwicklung ist ständiges
Probieren und Lernen notwendig, um den besten Nutzen aus den neuen
Möglichkeiten zu ziehen.

Was Medien und Journalisten tun und beachten sollten:

- Beobachten, wie der Mitbewerber Facebook nutzt


- Facebook-Account anlegen; Achtung: Persönliche Profile dürfen nur von
Personen angelegt werden. Für Medienunternehmen sind die Facebook-
Seiten vorgesehen.
- Community aufbauen und dabei nicht nur gute Bekannte zulassen
- Interesse an Themen durch kurze Statements auf der eigenen Pinnwand
testen
- Recherche durch Fragen an die eigene Community um Hinweise zu
beispielsweise interessanten Interviewpartnern zu bekommen
- Pinnwandeinträge von Facebook-Seiten haben einen RSS-Feed, der zum
Monitoring genutzt werden kann
- Glaubwürdigkeit von Information auf Facebook besonders gut prüfen
(Fake-Accounts)
- Die Trennung zwischen Beruf und Privat wird auf Facebook schwierig
- Auch mit einem „privaten Profil“ repräsentieren Journalisten das Medium
für das sie arbeiten.
- Nicht ausschließlich Facebook verwenden. Die eigene Web-Site oder ein
Weblog bleiben zentral. Allerdings sollten deren Feeds sowie Twitter in
Facebook eingebunden werden.

Autor:
Mag. David Röthler, Social-Media-Experte, Medienjournalist, Kursleiter; Email:
david@roethler.at