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:antifaschistische Nr.

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nachrichten g 3336 22.5.2008 24. jahrg./issn 0945-3946 1,30 ¤
www.antifaschistische-nachrichten.de

Proteste
gegen das
Gebirgs-
jägertreffen
in Mitten-
wald
„Knapp 500 Besucher pilgerten am kriegsregierungen sogar aktiv vor Verfol- stoppte die Vollstreckung deutscher Lie-
Sonntag zur traditionellen Gedenkfei- gung geschützt wurden, sieht man in den genschaften in Athen (u.a. des Goethe-In-
er auf den Hohen Brendten. Zu Spit- Forderungen der Opfer und Hinterbliebe- stituts). Daraufhin wandten sich die Klä-
zenzeiten sollen es schon mal 5000 nen nur einen Störfaktor deutscher Nor- ger nach Italien, wo die Gerichte die Voll-
gewesen sein“, berichtete das Gar- malisierungspolitik. Für die Bundesregie- streckbarkeit des griechischen Urteils zu-
misch-Patenkirchener Tagblatt am rung ist das Thema Entschädigung erle- nächst anerkannten, nicht aber die Bun-
5.5.08 – sicher auch ein Ergebnis der digt. Ihre Wunschvorstellung ist es, nach desregierung. Diese brachte den Fall vor
seit Jahren stattfindenden Proteste Abschluss des Projekts „NS-Zwangsar- den Kassationshof. Am 6.5. wurde jetzt
gegen dieses die Wehrmacht verherr- beiterentschädigung“, zum letzten Mal für dort verhandelt. Rechtsanwalt Joachim
lichende Treffen. Bundeswehrsolda- die deutschen Verbrechen während des Lau, der die Distomo-Kläger in Italien
ten unterstützten auch diesmal die Nationalsozialismus gezahlt zu haben.“ vertritt, machte nochmals deutlich, dass
Veranstaltung mit Kranzträgern, Bereits im Jahr 2000 war den Opfern der Grundsatz der Staatenimmunität für
Kraftfahrern und Ehrenposten, wäh- eines Massakers, das SS-Truppen an der Kriegsverbrechen nicht gilt. Dies hatte der
rend das österreichische Militär sei- Zivilbevölkerung des griechischen Ortes Kassationshof bereits 2004 im Fall eines
nen Soldaten verboten hatte, in Uni- Distomo verübten, von griechischen Ge- italienischen NS-Zwangsarbeiters ent-
form teilzunehmen. richten eine Entschädigungssumme von schieden.
28 Mio. Euro zugesprochen worden. Der Der Generalanwalt beim Kassationshof
Auf der antifaschistischen Demonstration Areopag (oberster Gerichtshof Griechen- hingegen schlug sich auf die Seite
am Samstag durch Mittenwald sprach lands) hatte den deutschen Einwand der Deutschlands und kritisierte die damalige
auch ein Vertreter des Arbeitskreises Dis- Staatenimmunität zurückgewiesen und Entscheidung des Kassationshofs. Er ver-
tomo. Er verwies darauf, dass seit Jahren die Bundesrepublik Deutschland zur Zah- trat die Auffassung, dass eine Vollstre-
die Überlebenden von Kriegsverbrechen, lung verpflichtet. Diese erkannte das Ur- ckung zu diplomatischen Verwicklungen
die Wehrmachts- und SS-Einheiten wäh- teil nicht an und verweigerte die Zahlung. und zu vielen weiteren gleichartigen Ver-
rend der deutschen Besatzung Griechen- Die griechische Regierung gab dem fahren in Italien führen könnte. Rechtli-
lands im zweiten Weltkrieg an der Zivil- Druck der deutschen Seite nach und che Argumente trug der Generalanwalt
bevölkerung verübten, um Anerkennung nicht vor.
Fotos: www.arbeiterfotografie.com
und Entschädigung kämpfen: „Die Bun- Mit einer Entschei-
desregierung verweigert bis heute jeden dung des Kassations-
Dialog mit den Opfern und Hinterbliebe- hofs wird in spätestens
nen. Kategorisch wird jegliche Zahlung 3 Monaten gerechnet.
abgelehnt, doch damit nicht genug, wer- Sollte das Gericht den
den viele der von deutschen Truppen be- Klägern aus Distomo
gangenen Kriegs- und Besatzungsverbre- Recht geben, so wäre
chen zu normalen Kriegshandlungen um- der Weg für eine ge-
interpretiert. Während die Täter niemals rechte Entschädigung
für ihre Verbrechen zur Rechenschaft ge- frei. Dann könnten
zogen, ja von den bundesdeutschen Nach- z. B. zwei deutsche
Villen in Como, die
Aus dem Inhalt: bereits gepfändet sind,
Ein Denkmal für „Deserteure z w a n g s ve r s t e i g e r t
der Naziherrschaft“. . . . . . . . . . . 7 werden.
Sans Papiers-Streiks in der nach PM Arbeits-
Klemme . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14 kreis Distomo, Rom,
7. Mai 2008 ■
: meldungen, aktionen
satzungswidrig gehandelt zu haben, und
verlangen dessen vollständigen Rückzug
aus der Stiftung sowie die „Einstamp-
Sondierungsgespräche in ter-Treffen“ durchführen. Das unter dem fung“ des Buches. Das Buch sei „intel-
Sachsen Motto „Tag des Nationalen Widerstands lektuell grotesk“ und „weltanschaulich
im Rheinland“ geplante „Schlageter- haarsträubend“. Es zeichne sich durch ei-
Dresden. Im Dresdener Landtag haben Treffen“ fand im vergangenen Jahr bei nen „unbeholfenen Mischmasch und bib-
sich Anfang Mai führende Vertreter der dem NPD-Funktionär Ingo Haller in In- lischen Fundamentalismus“ aus. hma ■
sog. „Republikaner“ mit Funktionsträ- den-Pier statt. Für den 12. Juli wird eine
gern des „Bündnis für Sachsen e.V.“ und Demonstration „Freier Nationalisten“ Erfolgreiche Veranstaltung
der „Deutschen Sozialen Union“ (DSU) unter dem Motto „Für Meinungsfreiheit
getroffen. – gegen staatliche Zensur“ in Bonn ange- gegen Rechtsextremismus
Im Mittelpunkt der Gespräche stand kündigt. Als Treffpunkt wird um 12 Uhr Pulheim.Trotz des schönen Wetters ver-
die Vorbereitung der sächsischen Land- der „Bahnhof Bonn-Duisburg“ angege- sammelten sich am 8. Mai ab 18.00 Uhr
tagswahl 2009. Übereinstimmend wurde ben. Dabei dürfte es sich wohl eher um bis zu 350 Bürgerinnen und Bürger, Par-
festgestellt, dass „Sachsen eine seriöse den Bahnhof Bonn-Duisdorf handeln. teimitglieder des gesamten politischen
demokratische Alternative rechts der Bereits jetzt schon beworben wird auf Spektrums, Pressevertreter und zahlrei-
Union“ benötige, so die „Republikaner“ der Webseite ein „Trauermarsch“ von che Jugendliche in den Räumen des Ge-
in einer Pressemitteilung. Deshalb sei „Freien und parteigebundenen Kräften“ schwister-Scholl-Gymnasiums, um an
„eine Bündelung der demokratischen am 4. April 2009 in Stolberg. abk ■ der Informationsveranstaltung über „au-
Kräfte notwendig“. tonome Nationalisten“ und „Rechtsex-
An den Gesprächen nahmen u.a. der Henkels Visionen tremismus in der Mitte der Gesellschaft“
„Republikaner“-Bundesvorsitzende Rolf teilzunehmen.
Schlierer und der stellvertretende Lan- Dortmund. Hans-Olaf Henkel, bis 2000 Innerhalb der ersten Stunde konnte die
desvorsitzende der sächsischen „Repu- Präsident des „Bundesverbandes der sehr gelungene Ausstellung des Jugend-
blikaner“, Toralf Grau, teil. Unter den Deutschen Industrie“ (BDI), hat der Zeit- club Courage „Rechts um – und ab durch
Vorstandsmitgliedern des „Bündnis für schrift „Der Selbständige/DS-Magazin“ die Mitte!?“ betrachtet werden, eine Aus-
Sachsen e.V.“ befand sich auch deren ein Interview gegeben. In der vom „Bund stellung über rechtsextremes Gedanken-
Vorsitzender, der Landtagsabgeordnete der Selbständigen“ in NRW und der gut in der aktuellen Mitte der Gesell-
Klaus Baier. Das ehemalige NPD-Mit- „Bundesvereinigung mittelständischer schaft. Außerdem bot sich die Möglich-
glied gehört heute der DSU an. Zu den Unternehmer“ herausgegebenen Zeit- keit, mit Netzwerkmitgliedern in Kon-
weiteren anwesenden DSU-Funktions- schrift tritt Henkel u.a. für die Einfüh- takt zu kommen und mehr über die Ar-
trägern zählte die stellvertretende Lan- rung des Mehrheitswahlrechts in beit des Bündnisses zu erfahren.
desvorsitzende Gudrun Petzold. An den Deutschland ein. So könne man im Bund Die Teilnehmerzahl stieg gegen 19.00
Gesprächen nahm auch der Vorsitzende „hessische Verhältnisse“ verhindern. Er Uhr auf ca. 350 an. Pünktlich begann
der „Sächsischen Volkspartei“, Mirko könne sich vorstellen „dass wir DDR- Hans-Peter Killguss, Leiter der Info- und
Schmidt, teil. Der Landtagsabgeordnete ähnliche Verhältnisse in Gesamtdeutsch- Bildungsstelle gegen Rechtsextremismus
gehörte früher ebenfalls der NPD an. land wiederbekommen. Und das durch (IBS) des NS-Dokumentationszentrums
hma ■ demokratische Wahlen“. Außer bei der der Stadt Köln seinen Vortrag. Nach ei-
FDP sieht Henkel bei allen Parteien ei- ner Stunde ging man in eine Diskussi-
„Pro Köln“ nimmt Lehrer ins nen „Linksruck“. Das „Feindbild der lin- onsrunde über und konzentrierte sich un-
ken Rattenfänger“, so Henkel, sei heute ter anderem auf die Frage „Was tun? Was
Visier die Wirtschaft. „Viele Begriffe, die die tun!“:
Kerpen. Nach Protesten gegen die Ver- Linken benutzen,“ erinnerten ihn „fata- „Vielleicht verlassen wir heute Abend
teilung der „Pro Köln“-Jugendzeitschrift lerweise an die Terminologie der dreißi- alle den Saal mit dem Entschluss, ein-
„Objektiv“ an der Kerpener Europaschu- ger Jahre“. Man brauche nur das Adjek- fach nur mal unsere Nachbarn, Freunde,
le geht die extrem rechte Gruppierung tiv „jüdisch“ auszulassen. Historiker Kollegen oder Vereinsmitglieder auf das
gegen einen Lehrer der Schule vor. Der wiesen nicht zu Unrecht darauf hin, so Thema aufmerksam zu machen“, so ein
namentlich benannte Lehrer habe, so Henkel: „Auch Nazis waren Sozis, wie Redebeitrag. Und weiter: „Die Diskussi-
„Pro Köln“, Anfang Mai angeblich drei auch der Name „Nationalsozialistische on und die Auseinandersetzung mit dem
„Objektiv“-Verteiler genötigt und den Deutsche Arbeiterpartei“ schon sage. Thema, das Erkennen von alltäglichen
Vorsitzenden der „Pro Köln“-Fraktion Henkel, Vorsitzender des „Konvent für Diskriminierungen und Rassismus wäre
im Stadtteil Chorweiler, Martin Schöppe, Deutschland“, schreibt auch gelegentlich der erste Schritt, an dem sich jeder betei-
gewürgt. „Pro Köln“ hatte daraufhin ein im Berliner Rechtsaußen-Blatt „Junge ligen könnte“.
Foto des Lehrers auf seiner Webseite ver- Freiheit“. hma ■ Insgesamt zieht das Netzwerk zieht
linkt. Gegen den als „Würger“ von Ker- eine sehr positive Bilanz aus dem gestri-
pen bezeichneten Lehrer laufe nun, so Zoff in der Stiftung gen 8. Mai: Die noch jungen Netzwerk-
„Pro Köln“, ein Strafverfahren wegen strukturen wurden erfolgreich bestärkt,
Körperverletzung. Zudem fordert die ex- Das im vergangenen Jahr in Gert Sud- mittlerweile gibt es zugesagte Unterstüt-
trem rechte Gruppierung „dienst-rechtli- holts Druffel&Vowinckel-Verlag er- zung von allen im Rat vertretenen Partei-
che Konsequenzen“. abk ■ schienene Buch „Feindliche Übernah- en und auch die Stadtverwaltung konnte
me? Der Kampf des Islam in Europa“ ei- von der Notwendigkeit einer solchen Ini-
Neue Naziaktivitäten nes Gideon J. Harvey hat zu einem Streit tiative begeistert werden.
innerhalb der extrem rechten „Kontinent- PM Netzwerk Buntes Pulheim
angekündigt Europa-Stiftung“ geführt, deren Vorsit- Freitag, 9. Mai 2008 ■
Aachen/Bonn. Auf der Webseite der zender der Verleger ist. In einer Presse- Aufgrund des zeitweiligen Verbotes der
neonazistischen „AG Rheinland“ werden mitteilung der Stiftungsmitglieder „Terre Veranstaltung und aufgrund einer provo-
neue Naziaktivitäten angekündigt. So & Peuple“ (Frankreich), „Tierre y Pueb- kativen Anmeldung einer Kundgebung
wollen „Freie Nationalisten“ am 31.Mai lo“ (Spanien) und „Thule-Seminar“ der „AG-Rheinland“ zum 8. Mai, de-
„im Raum Aachen“ erneut ein „Schlage- (Deutschland) werfen diese Sudholt vor, monstrierten auch Antifaschisten aus

2 :antifaschistische nachrichten 10-2008


Münsterland“. In drei weiteren mals Strafanzeige gestellt hatte, lässt
Videobeiträgen werden neben sich davon nicht einschüchtern. „Wir
Sauer auch weitere Personen werden den Widerstand gegen die Nazis
aus Bocholt und Umgebung in unserer Stadt nicht aufgeben. Es bleibt
gezeigt, die sich gegen Rechts- dabei: Keinen Fußbreit den Faschisten.“
radikalismus und Fremden- Quelle: www.linke-nrw.de ■
feindlichkeit engagieren. Rai-
ner Sauer erstattete dagegen Ungebrochener Naziterror
Strafanzeige.
Dieser Angriff ist der trauri- im Kreisgebiet Mittelsachsen
ge Höhepunkt einer Hetzkam- Mittweida. Nachdem in der Nacht vom
pagne der Neo-Nazis gegen Freitag zum Samstag (9./10.5.) nahezu
den Mitbegründer und ehema- zeitgleich die Fensterfronten der drei Ge-
ligen Sprecher der Bürgerini- schäftsstellen der LINKEN in Mittwei-
tiative „No Nazis“ – Bocholt da, Rochlitz und Burgstädt zerstört wor-
stellt sich quer“. Erst vor vier den sind, ist es in der darauf folgenden
Wochen griffen etwa neun Nacht zu einem weiteren schweren Zwi-
Neo-Nazis auf offener Straße schenfall gekommen. Auf dem Heimweg
Rainer Sauer an. In der Nacht befindliche alternative Jugendliche in ih-
vom 11. auf den 12. Januar ha- rem PKW wurden durch zwei Wagen
ben bereits etwa 15 vermumm- verfolgt, die versuchten, sie von der Stra-
te Neo-Nazis sein Haus in Bo- ße abzudrängen. Die Täter flüchteten
cholt belagert. Sie umkreisten beim Nahen der Polizei; Anzeige wurde
das Haus mit Sprechgesängen erstattet.
während ein kleiner Autokon- In der Nacht zum Pfingstmontag war
voi auf der Straße auf und ab einer der alternativen Jugendlichen er-
fuhr und aus den Lautspre- neut Opfer eines Angriffs. Er wurde in
Köln und Umgebung am frühen Abend chern der Autos rechtsradikale Lieder seiner Wohnung in Geringswalde über-
spontan in Pulheim. Die eigentliche, von abgespielt wurden. fallen. Die Täter warfen Fensterscheiben
der „Antifa Koordination Köln und Um- Begonnen hat die Hatz gegen den Es- ein und zertrümmerten Türen. Täter und
gebung“ (AKKU) angemeldete Demo sener ver.di-Sekretär und Kreissprecher Fahrzeuge konnten eindeutig identifiziert
wurde nach der Eröffnung jedoch sofort der Linken im Frühjahr des vergangenen werden. Unseren Erkenntnissen nach
wieder beendet, da die Auflagen der Po- Jahres. Für den 19. Mai hatte die NPD ei- handelt es sich eindeutig um Neonazis.
lizei als unverhältnismäßig und rechtlich nen Infostand in Bocholt beantragt. Rai- Offenbar sollten mit diesen Angriffen ge-
nicht wirksam beurteilt wurden. Die ca. ner Sauer ergriff die Initiative und orga- zielt Zeugen eingeschüchtert werden, um
120 Antifas setzen sich spontan in Rich- nisierte innerhalb von vier Tagen eine Aussagen der Opfer in diversen Verfah-
tung Informationsveranstaltung in Bewe- Demonstration und Kundgebung, an der ren gegen den militanten „Sturm 34“ zu
gung und schafften es kurzzeitig, recht sich rund 500 Bürgerinnen und Bürger verhindern.
nahe zum Kundgebungsort der Nazis ab- beteiligten. Bereits im Vorfeld zu dieser Petra Steidten, stellvertretende Kreis-
zubiegen, was von der Polizei mit einem Demonstration kam es zu Attacken der vorsitzende der LINKEN Mittelsachsen:
Kessel beantwortet wurde. Die Demo Rechten. Bei einem Vorbereitungstreffen „Ich bin einmal mehr erschüttert über
führte anschließend ohne Auflagen durch in einer Gaststätte wurden die Teilneh- das unkooperative Verhalten der Polizei
stadtnahe Pulheimer Wohngegenden. merInnen von 15 bis 20 Neo-Nazis vor in Zusammenhang mit Delikten von
Die Nazis von der „AG-Rheinland“ dem Lokal abgefangen und bedroht. Fast Neonazis. Die Angriffe auf unsere Büros
und der „ANP“ hatten sich währenddes- zeitgleich begannen die Drohungen ge- wurden von einem Beamten mit der lapi-
sen spärlich auf einem hermetisch abge- gen Rainer Sauer. Über Wochen wurde daren Bemerkung, man habe schließlich
riegelten Innenstadtplatz versammelt. das Haus der Familie mit rohen Eiern be- Wahlkampf, abgetan. Der Versuch der
Ganze 30-35 Nazis fanden den Weg zur worfen. Teilweise fanden sich am Mor- Anzeigeerstattung durch das Opfer aus
Kundgebung. Quelle: indymedia gen 20 rohe Eier vor der Türe, an den Geringswalde wurde mit dem Hinweis
www.nazifrei.tk und Fenstern und dem Auto der Familie. An abgewimmelt, es werde bereits von Amts
http://infoportal.blogsport.de/ ■ einem anderen Tag fand die Familie zwei wegen wegen Sachbeschädigung ermit-
Küchenschaben, die über den Tür-Brief- telt. Er werde in den nächsten vierzehn
Neo-Nazis drohen Rainer kasten ins Haus geworfen wurden. Tagen eine Vorladung erhalten.
Rainer Sauer ließ sich davon nicht be- Inzwischen haben wir im Kreis Mitt-
Sauer im Internet mit eindrucken. Als die Neo-Nazis für den 8. weida längst wieder Zustände wie vor
Mordanschlag September eine Demonstration ankün- dem Verbot von ,Sturm 34‘. Ich kann das
Düsseldorf. Im Internetportal „You digten organisierte die von ihm gegrün- nur als ungebrochenen Terror charakteri-
Tube“ rufen Neo-Nazis seit Samstag- dete Bürgerinitiative eine Gegendemons- sieren. Wir als LINKE fordern von der
nachmittag (10. Mai) zu Mord gegen den tration, an der sich über 2.000 Menschen Polizei endlich ein schlüssiges Konzept
Bocholter Rainer Sauer auf. In einem in der rund 75.000 Einwohnerstadt betei- gegen die Gewalt von rechts. Wir werden
dreiminütigen Filmbeitrag wird zunächst ligten. Zugleich sammelte die Initiative den Polizeipräsidenten Chemnitz/Erzge-
sein Konterfei gezeigt, dann erscheint über 4000 Unterschriften für ein Verbot birge auffordern, den Bürgern in einer
ein Maschinengewehr, dazu im Hinter- der NPD. Am 24. November kam es zu öffentlichen Veranstaltung Rede und
grund Hetzmusik mit eindeutigen Tex- einem weiteren Übergriff. Rund zehn Antwort zu stehen. Und nicht zuletzt hal-
ten. Auch persönliche Daten werden ein- Nazis umstellten den Wagen des Ge- ten wir es für überfällig, dass die Polizei-
geblendet. werkschafters und seiner Frau und be- präsenz im Kreis, besonders Nachts und
Das Video ist laut Eingabedaten von drohten die beiden. Erst nachdem mit an Wochenenden, durch zusätzliche Ein-
„NS-Bocholter“. Im Film erscheint eine lautem Hupen und Motoraufheulen die satzkräfte deutlich verstärkt wird.“
Fahne mit „Nationaler Widerstand. Akti- Nachbarn alarmiert waren, konnten sie PM der LINKEN.Mittelsachsen
onsgruppe Bocholt.Widerstand aus dem sich befreien. Rainer Sauer, der auch da- v. 12.5.08 ■

: antifaschistische nachrichten 10-2008 3


Erneuter Neonazi-Angriff die nötigen Konsequenzen. Konsequent Volksverhetzung in Zusammenhang mit
auf Naturfreundejugend wäre jetzt ein Verbot der NPD als Haupt- der Herstellung und dem Vertrieb der
kraft der extremen Rechten. Doch das sa- Schülerzeitung „perplex“ sollen auch da-
Berlin. Die Naturfreundejugend Berlin botieren Union und SPD mit ihrer Wei- von 30.000 neue Exemplare vor allem an
ist zum wiederholten Male Ziel eines gerung, die Spitzel des Verfassungs- Jung- und Erstwähler wieder vor den
Angriffs von Neonazis geworden. Be- schutzes aus der NPD abzuziehen und so Schulen zur Verteilung kommen.
reits in der Nacht vom 17. auf den 18. die vom Bundesverfassungsgericht ge- Der aus der CDU ausgetretene Henry
März ‘08 wurde einen Scheibe des in nannten Bedingungen für ein neues Ver- Nitzsche hatte im Februar eine Wähler-
Friedrichshain gelegenen Büros mit ei- botsverfahren zu erfüllen. Antisemitis- vereinigung „Bündnis Arbeit, Familie,
nem Pflasterstein von Unbekannten be- mus, Rassismus und Nazihetze werden Vaterland“ gegründet, in dem nun ein an-
schädigt. Mitte April wurde das Fahr- im Fall der NPD also weiterhin staatlich derer Rechtsaußen, Martin Hohmann,
zeug der NFJ mit Farbe besprüht. Ob das subventioniert.“ Ulla Jelpke, MdB Ehrenmitglied geworden ist. Bei den
im Zusammenhang mit den anderen Vor- Innenpolitische Sprecherin sächsischen Kommunalwahlen tritt diese
fällen steht, ist unklar. Fraktion DIE LINKE ■ Vereinigung ebenfalls an, Nitzsche be-
In der Nacht auf heute (4./5. Mai ‘08) wirbt sich zudem als Landrat im neuen
kam es dann zu einem weiteren An- „Heimattreue Deutsche Kreis Bautzen.
schlag, der der NFJ gelten sollte: Bei je- Im Rahmen eines „Bündnis für Sach-
nem Auto wurde die Frontscheibe einge- Jugend“ muss weg sen“ nehmen auch die „Republikaner“ an
worfen. Des weiteren wurde ein Zettel Berlin. Anlässlich der Verbote von Bürgermeister- und Kreistagswahlen teil
mit der Aufforderung „UMZUG!“ an die „Collegium Humanum“ mit dessen Teil- und wollen Werbung für ihre „deutsch-
Büroscheibe geklebt. Zu diesen Angrif- organisation „Bauernhilfe e.V.“ und vaterländische Politik“ machen.
fen haben sich noch in der selben Nacht „Verein zur Rehabilitierung der wegen Newsletter Die Linke/BAG Rechtsextre-
Neonazis per Mail mit dem folgenden Bestreitens des Holocaust Verfolgten“ mismus/Antifaschismus 5-2008 ■
Inhalt bekannt: „Der Anschlag auf Euer am 7.5. erklärt Monika Lazar, Sprecherin
Büro und das Fahrzeug ist eine Antwort Bündnis90/Die Grünen für Strategien Schlageter-Gedenken auch
auf Euer antideutsches Nestbeschmut- gegen Rechtsextremismus:
zertum. Rotfront Verrecke !!!“ Der Verein „Heimattreue Deutsche Ju- in Düsseldorf?
Dieser Angriff ist wohl in einem Zu- gend e.V.“ (HDJ) muss weg. Die jetzt Düsseldorf. Für den 25. Mai 2008 mo-
sammenhang mit in der letzten Zeit ge- verbotenen Vereine sind nur die Spitze bilisiert die extrem rechte „Junge Land-
häuften, gewalttätigen Übergriffen durch des Eisbergs. Nazi-Aktivitäten durch- mannschaft Ostdeutschland“ (JLO, ehe-
Neonazis im Bezirk Friedrichshain zu dringen unsere gesamte Gesellschaft. mals „Junge Landsmannschaft Ostpreu-
sehen. In den vergangenen Wochen, be- Auch vor Kindern und Jugendlichen ßen“) zu einem „Schlageter-Gedenken“
sonders an den Wochenenden, versuch- macht rechtsextreme Propaganda nicht vor dem 39er Denkmal am Reeser Platz.
ten junge Nachwuchs-Neonazis aus dem halt. Die HDJ ködert sie mit Zeltlagern, Anlass ist der 85. Todestag des in der
Lichtenberger Kameradschaftsspektrum Kanufahrten, Wanderungen und Lager- extremen Rechten verehrten und zum
linke Räume und Personen anzugreifen. feuern. Sind sie erst einmal in die Ge- Helden und Märtyrer hochstilisierten
Dahinter steht der Versuch, in einem al- meinschaft integriert, indoktriniert man Freikorpskämpfers Albert Leo Schlage-
ternativ geprägten Stadtteil Fuß zu fas- sie mit aggressiver Nazi-Ideologie. ter. Dieser war am 26. Mai 1923 in Düs-
sen, der „Kampf um die Straße“. Eine Wir fordern die Bundesregierung auf seldorf wegen Sabotage gegen die fran-
Chronik der Vorfälle der letzten Wochen zu prüfen, ob die Voraussetzungen eines zösischen Truppen (u.a. einem Spreng-
ist aus der Seite der Antifa Friedrichs- Vereinsverbots der HDJ nach dem Ver- stoffanschlag auf die Bahnstrecke bei
hain nachzulesen unter: http://freeweb. einsgesetz vorliegen. Wir gehen davon Düsseldorf-Kalkum) und wegen Spiona-
dnet.it/ antifhain/chronik.htm aus, dass dies der Fall ist und erwarten ge hingerichtet worden.
Mehr Infos unter http://www.natur- ein baldiges Verbot dieser rechtsextre-
freundejugend-berlin.de/ ■ men Kinderkaderschmiede.“
PM Monika Lazar, MdB, Sprecherin
Verbot des Collegium für Strategien gegen Rechtsextremis-
mus,monika.lazar@bundestag.de
Humanum war überfällig Internet: www.monika-lazar.de ■
„Ein Verbot dieses Zentrums der Holo-
caustleugner war längst überfällig“, er- Rechte Materialschlacht in
klärt Ulla Jelpke, nachdem Bundesinnen-
minister Wolfgang Schäuble (CDU) das Sachsen
rechtsextreme Zentrum Collegium Hu- Sachsen. Mit massivem Materialeinsatz
manum in Vlotho endlich verboten hat. will die NPD in Sachsen den Sprung in
Die innenpolitische Sprecherin der Frak- die Kreistage der neuen sächsischen
tion DIE LINKE weiter: Großkreise erzwingen. Insgesamt wur-
„Jahrzehntelang konnten sich Neona- den 200 Kandidaten zu den Kreistags-
zis aus dem In- und Ausland ungestört und Landratswahlen am 8. Juni aufge-
im Collegium Humanum zu Schulungen stellt. In sieben Landkreisen will die
treffen. Das Zentrum war sogar als ge- NPD mit eigenen Landratskandidaten
meinnütziger Verein anerkannt und Nazi- antreten. In den nächsten Wochen sollen
hetze damit steuerlich absetzbar. rund eine Million Wahlkampfzeitungen
Obwohl das verfassungswidrige Trei- und 600.000 Flugblätter in die Briefkäs-
ben der Neonazis in Vlotho seit langem ten der Bürger verteilt werden. Dazu
bekannt war, ergriff die Bundesregierung kommen 30.000 Plakate und eine neue
erst nach langem Druck engagierter An- Schulhof-CD mit einer Auflage von
tifaschistinnen und Antifaschisten vor 10.000 Stück. Trotz der Anklageerhe-
Ort und einer Reihe parlamentarischer bung gegen den sächsischen Landesvor-
Initiativen der LINKEN und der Grünen sitzenden der JN Jens Steinbach wegen

4 :antifaschistische nachrichten 10-2008


Als Redner vorgesehen sind neben
Dirk Pott vom Bundesvorstand der JLO,
die enge Kontakte zur NPD und neona-
„Zug der Erinnerung“
zistischen „Freien Kameradschaften“ un-
terhält und jährliche Großaufmärsche in
Dresden zum Gedenken an den „Bom-
traf in Auschwitz ein
benholocaust“ veranstaltet, auch zwei Auschwitz/Oswiecim. Nach ei- de uns bewusst, dass all die Worte und
Düsseldorfer: der ehemalige stellvertre- ner zehnstündigen Reise von Gör- Geschichten Wirklichkeit sind, wirklich
tende Bundesvorsitzende der extrem litz über Zgorzelec und Wroclaw passiert sind.
rechten „Republikaner“, Rechtsanwalt erreichte der „Zug der Erinnerung“ am Heute haben wir Auschwitz besucht.
Dr. Björn Clemens aus Düsseldorf-Flin- Abend des 7. Mai Oswiecim (Ausch- Es ist schwierig, weiche Knie in Worte
gern und der heute 94-Jährige hochdeko- witz). Die stellvertretende Direktorin der zu fassen. Sprachlos stehen wir da. Fas-
rierte Kampf- und Jagdflieger der NS- Gedenkstätte, Frau Kristyna Oleksy, be- sungslos starren wir auf die Tausenden
Luftwaffe Hajo Herrmann. grüßte den Zug auf dem Bahnhof der Koffer, Prothesen, Zahnbürsten und
Düsseldorfs Polizeipräsident Herbert Stadt. In Anlehnung an ein Wort von Elie Schuhe. Plötzlich wird uns die Dimensi-
Schenkelberg erklärte, dass er die Nazi- Wiesel wünschte sie den mitreisenden on eines solchen Vernichtungslagers be-
Versammlung schützen werde, ein Ver- Jugendlichen, dass sie durch die Erfah- wusst. Ein Stück mehr können wir uns
bot komme für die Polizei nicht in Frage. rungen im ehemaligen deutschen Kon- nun das Unfassbare vorstellen.
(siehe WZ vom 17.5., http://www.wz-on- zentrations- und Vernichtungslager ver- Wir Kinder und Jugendlichen vom
line.de/?redid=198876&poll_id=1855 ) ändert werden. Teilnehmer der Spuren- Zug der Erinnerung fühlen uns geehrt,
Der Koordinierungskreis antifaschisti- suche überreichten Frau Oleksy ein Ge- die Möglichkeit gehabt zu haben, hier
scher Gruppen aus Düsseldorf und den denkbuch an die ermordeten Chemnitzer teilzunehmen. Danken möchten wir der
Umland (ANTIFA-KOK) ruft zu Protes- Juden. Leitung der Gedenkstätte und der polni-
ten auf: „Wir werden nicht tatenlos dabei
zusehen, wenn die extreme Rechte ein-
mal mehr die Geschichte umzuschreiben
versucht und öffentlich ihren Opfermy-
thos und Nationalismus propagiert.“
Infos über die Aktivitäten der Antifa un-
ter http://www.antifa-kok.de ■

Dokumentiert: Beschluss
des Bundesvorstandes des
Deutschen Gewerkschafts-
bundes vom 6. Mai 2008
I. Die Politik der NPD ist rassistisch, na-
tionalistisch, antisemitisch und demokra- Am Morgen des 8. Mai trafen Schul- schen Regierung, dass sie uns die Chan-
tiefeindlich. Die NPD ist verfassungs- klassen aus Krakow und andere Besu- ce geben, diesen Ort zu besuchen. Dan-
feindlich und will die demokratische Ord- cher der Region ein. Vor zwei Deportati- ken möchten wir vor allem aber auch al-
nung der Bundesrepublik abschaffen. Da- onswaggons der Deutschen Reichsbahn len Polen für ihre Gastfreundschaft.
her setzen wir uns nach wie vor für ein versammelten sich so am Tag der Befrei- Für die meisten deportierten Kinder
Verbot der Partei ein. Damit könnte ihr ein ung über 200 Teilnehmer zu einer Ge- und Jugendlichen war Auschwitz die
wesentlicher Teil der finanziellen Basis denkfeier, darunter der Direktor der Ge- Endstation. Wir aber können morgen
für ihre Propaganda entzogen werden. denkstätte Auschwitz sowie polnische Abend wieder nach Hause fahren. Wir
Die ablehnende Haltung der unionsge- Vertreter der Opferorganisationen. Ne- fahren mit einer Botschaft des Lebens
führten Länder gegen ein gut vorbereite- ben dem Direktor der Gedenkstätte zurück. Das Interesse der Nazis war es,
tes Verbotsverfahren ist für uns nicht Auschwitz sprachen die Vizepräsidentin alle Menschen umzubringen, die sie für
nachvollziehbar. Das Verfassungsgericht des Deutschen Bundestages, Frau Katrin nicht lebenswert befanden.
hat nicht gefordert, die Beobachtung ein- Göring-Eckardt sowie der Vorsitzende Dies ist ihnen nicht gelungen!
zustellen, sondern klarzustellen, dass des Zentralrates der Sinti und Roma in Wir haben das Glück, noch mit den
nicht Aussagen vom Verfassungsschutz Deutschland, Romani Rose. Im Namen letzten Zeitzeugen sprechen zu können
bezahlter NPD-Funktionäre zum Beweis der deutschen Spurensucher sagte Luise und von ihnen zu lernen.
der Verfassungsfeindlichkeit herangezo- Rauer (18) vom Friedrich-Engels-Gym- Diese Verantwortung übernehmen
gen werden. Die NPD hat schon das ge- nasium in Berlin-Reinickendorf: wir!
scheiterte Verbotsverfahren genutzt, um „Liebe Anwesende, liebe Gäste, liebe Diese Verpflichtung machen wir uns
offen mit Neonazis und rechtsextremen Vertreter der polnischen und deutschen zu eigen!
Kameradschaften zusammen zu arbeiten. Regierung, auf den Spuren der deportier- Dies versprechen wir vor den Wag-
Die öffentliche Ablehnung eines erneu- ten Kinder und Jugendlichen sind wir gons der Deutschen Reichsbahn, mit de-
ten Verbotsverfahrens gibt der NPD wie- seit Beginn der Woche mit dem Zug der nen die Kinder und Jugendlichen in den
derum Gelegenheit, sich als legale Partei Erinnerung unterwegs. Unsere Fahrt in Tod deportiert wurden.“
darzustellen. Statt einer öffentlich ge- die Vergangenheit hat jedoch schon viel Anschließend durchschritten die Ju-
führten Auseinandersetzung über das Für früher begonnen. Wir haben uns mit den gendlichen das Tor zum ehemaligen Ver-
und Wider eines Verbotsverfahrens und Schicksalen einzelner Kinder beschäf- nichtungslager Auschwitz II Birkenau, in
dessen mögliche Auswirkungen, sollten tigt. So wurden aus unfassbaren Zahlen dem zehntausende Kinder aus Deutsch-
die Innenminister von Bund und Ländern Gesichter! Gestern dann lief unser Zug land und ganz Europa den Tod fanden.
sich eindeutig für ein Verbot der verfas- in Oswiecim ein. In der Dämmerung sa- An den Baracken legten die Teilnehmer
sungsfeindlichen NPD aussprechen und hen wir zum ersten Mal das Tor von Erinnerungen an die Opfer nieder.
dann intern klären, wie die Voraussetzun- Auschwitz-Birkenau. Spätestens da wur- www.zug-der-erinnerung.eu ■
weiter Seite 6
: antifaschistische nachrichten 10-2008 5
gen für ein Verbotsverfahren geschaffen
werden können. Gedenkfeier in Bergen-Belsen
II. Der DGB ist überzeugt, dass als unver-
zichtbarer Bestandteil einer Gesamtstrategie Zu der Gedenkfeier in Bergen- sprach auch Peter Fischer vom Zentral-
zur Bekämpfung des Rechtsextremismus Hölsten anlässlich des 8. Mai hat- rat der Juden in Deutschland.
rechtsextremistische Organisationen konse- te die VVN/BdA den ehem. sow- Elke von Meding, Vorsitzende der
quent zu verbieten sind. Dazu gehört das jetischen Kriegsgefangenen Mark Tile- AG Bergen-Belsen eV berichtete über
längst überfällige Verbot der NPD. Ein er- witsch eingeladen. Er erzählte eindrucks- die Schul-Aktion „Namensziegel“, mit
neutes Verbotsverfahren beim Bundesverfas- voll über sein Leben und Leiden und der die Ermordeten vor der Vergessen-
sungsgericht bedarf der sorgfältigen Vorbe- über Solidarität vor mehreren Schulklas- heit bewahrt werden sollen.
reitung, um ein zweites Scheitern so weit ir- sen in Celle. Bei der Gedenkfeier von Umrahmt wurde die Feier von der
gend möglich auszuschließen, auf jeden Fall VVN/BdA, DGB und Liberal-jüdischer Bläsergruppe der Kirchenkreiskantorei
aber die Hindernisse auszuräumen, die zum Gemeinde auf dem Friedhof der sowjeti- Wolfsburg, die das gemeinsam gesun-
Scheitern des ersten Verbotsantrags geführt schen Kriegsgefangenen des Stalag XI gene „Lied der Moorsoldaten“ begleite-
haben. Deshalb nimmt der Deutsche Ge- C (Kriegsgefangenenstammlager) Bel- ten.
werkschaftsbund mit Sorge zur Kenntnis, sen-Hörsten sprach der fast 86-jährige Unter den 150 Anwesenden war
dass die Innenminister aus sieben CDU-ge- Moskauer. auch Dr. Habbo Knoch, neuer Ge-
führten Bundesländern (Baden-Württem- Mit 18 Jahren wurde er in die Rote
berg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Armee einberufen, wurde von der
Saarland, Sachsen, Hamburg, Hessen) und Wehrmacht gefangen genommen
der bayrische Innenminister sich der Koope- und ins Stalag Wietzendorf am Trup-
ration zur Vorbereitung eines erneuten An- penübungsplatz Bergen verschleppt.
trags der Bundesregierung für ein NPD-Ver- Dreimal floh er aus Arbeitslager
bot verweigern. Um ein erneutes Verbotsver- Meinkingsburg (bei Nienburg),
fahren erfolgreich vorzubereiten, müssen die Stammlager und Arbeitskommando,
Bundesländer ihren Widerstand gegen die wurde wieder gefasst, bis er im KZ
Sammlung von Daten und Informationen zur Sachsenhausen landete. Glück und
Verfassungsfeindlichkeit der NPD aufgeben. die Solidarität ließ ihn überleben.
Der DGB fordert Heute ist er Vizepräsident des Inter-
● verstärkte Aktivitäten der Bundesregie- nationalen Sachsenhausen-Komitees
rung zur Weiterführung der Vorbereitung ei- und des russischen Verbandes ehe-
nes erneuten Antrags der Bundesregierung maliger KZ-Häftlinge.
für ein NPD-Verbotsverfahren vor dem Bun- Über 20.000 sowjetische Kriegs-
desverfassungsgericht gefangene wurden in Hörsten bei
● die Landesregierungen auf, sich an die menschenunwürdigen Bedingungen
im Jahr 2007 getroffenen Vereinbarungen zu ermordet. Ab 1940 bestand das Sta- Mark Tilewitsch, ehem. sowjetischer Kriegsgefangener
halten und der Bundesregierung ihre Er- lag in Hörsten, wo nebenan ab 1943 spricht in Belsen-Hörsten
kenntnisse und Informationen über verfas- das KZ Bergen-Belsen errichtet wur-
sungsfeindliche Aktivitäten der NPD und ih- de. Die erste Maßnahme der Wehrmacht schäftsführer der Stiftung Niedersächsi-
rer Unterstützervereine zu übermitteln, bestand darin, um die Kriegsgefangenen sche Gedenkstätten.
● den Bundesinnenminister auf, rechtsex- Stacheldraht zu ziehen, Wachtürme auf- Mechthild Hartung (VVN) verwies
treme Organisationen wie den Verein „Colle- zustellen und geringe Mengen von darauf, dass Militär wieder in alle Welt
gium Humanum“ zu verbieten, und rechtsex- Steckrüben als einzige Nahrung zu ge- geschickt wird und betonte, dass keine
tremen Vereinen und Stiftungen als erster ben. Zum Schutz vor Eiseskälte konnten Entwarnung vor den Nazis gegeben
Schritt umgehend die Gemeinnützigkeit ab- sie sich, mit bloßen Händen und Löf- werden könne. Die Armuts- und Reich-
zuerkennen. feln, in Erdhöhlen eingraben. Sie star- tumsentwicklung nutzen Nazis, um da-
Der DGB stellt fest, dass über ein Verbot ben an Hunger, Kälte und Seuchen. ran demagogisch anzuknüpfen. Währen
rechtsextremer Organisationen hinaus die In seiner langen bewegenden Rede die offizielle Politik keine Entschieden-
Bekämpfung des Rechtsextremismus eine sprach er vor allem von dem unbändi- heit im Kampf gegen Rechts zeige, wer-
dauerhafte gesellschaftliche und politische gen Hunger, der keinen anderen Gedan- den AntifaschistInnen gar von Polizei
Aufgabe sein muss. Erforderlich sind ver- ken aufkommen lassen wollte, von der bedroht und angegriffen.
stärkte Maßnahmen zur Bekämpfung der Ur- beißenden Kälte, gegen die sich die Ge- Auf die Übergabe von 175.000 Un-
sachen rechtsextremistischer Einstellungen fangenen auch durch die gegenseitige terschriften für NPD-Verbot habe der
in der Bevölkerung, verbunden mit der Un- Körperwärme etwas schützten – und: Bundestags-Petitionsauschuss nicht
terstützung der Zivilgesellschaft, sowie prä- von der Kraft der Solidarität. Kraftvoll reagiert. Sie berichtete von rechten
ventive und repressive Maßnahmen gegen stieß Mark Tilewitsch bei diesem Be- Straftaten und wie der Staat Flüchtlinge
rechtsextreme Gewalt. richt die Faust in den Himmel und sag- ausgrenzt. „149 Flüchtlinge töteten sich
In der ausführlichen Begründung zu die- te: „Solidarität hieß auch länger zu angesichts ihrer drohenden Abschie-
sem Beschluss heißt es abschließend: überleben, wenn jemand zu einem ziel- bung oder starben bei dem Versuch, vor
„Verbote von Parteien und Organisationen los Herumtaumelnden sagte: Komm in der Abschiebung zu fliehen. 746 Flücht-
sind notwendig, um ihnen die Legalität und unser Loch!“ linge verletzten sich aus Angst vor der
die Infrastruktur zu entziehen. Gleichwohl Weiter sprachen: Rolf Keller, Mitar- Abschiebung oder versuchten, sich um-
bedarf es weiterer Maßnahmen zur Beseiti- beiter der Stiftung Niedersächsische zubringen, 67 Flüchtlinge starben bei
gung der Ursachen rechtsextremer Einstel- Gedenkstätten, Autor zahlreicher Veröf- Bränden oder Anschlägen auf Flücht-
lungen und präventive und repressive Maß- fentlichungen zum Thema „Sowjeti- lingsunterkünfte, 14 Flüchtlinge starben
nahmen zur Bekämpfung rechtsextremer sche Kriegsgefangenenlager“, Paul durch rassistische Angriffe auf der Stra-
Straftaten. Gerade im Bereich der politisch Stern, ver.di-Vorstand Celle, Dimitri ße.“ Es sei ermutigend, dass anders als
motivierten Kriminalität – Rechts ist die An- Tukuser, Lib.-Jüd. Gemeinde Wolfsburg 1933, es gegen jede Regung von Nazis
zahl der Körperverletzungen im Jahr 2007 und Mechtild Hartung, Sprecherin öffentliche Gegenwehr gebe.
massiv gestiegen.“ ■ VVN/BdA Niedersachsen Spontan Charly Braun ■

6 : antifaschistische nachrichten 10-2008


Ein Denkmal für „Deserteure, ‚Wehrkraftzersetzer’
und Kriegsdienstverweigerer der Nazi-Herrschaft“!
Zwischenbericht der Projektgruppe „Kriegsgegner/innen als Opfer der NS-Militärjustiz in Köln“

Seit 1996 findet in Köln am 27. Ja- auf Kölner Fälle gesichtet werden. Es Erstens handelt sich bei den Quellen um
nuar eine Gedenkveranstaltung stellte sich heraus, dass die weitaus meis- offizielle Akten der NS-Militärjustiz. Zu-
zur Erinnerung an die Opfer des ten Akten unabgeschlossene Fälle behan- sammengestellt von Militärstaatsanwäl-
NS-Regimes statt. Im Jahr 2006 standen delten, doch dazu weiter unten mehr. ten, Polizei, Gerichten, um fahnenflüchti-
die Opfer der NS-Militärjustiz, Kölner De- Eine andere Quelle bilden die Akten der ge Soldaten, ihre Helferinnen und Unter-
serteure, im Mittelpunkt des Gedenkens. Divisionsgerichte. Die Akten der Divisio- stützer zu fassen und zu verurteilen. Diese
Im Anschluss an die beeindruckende Ver- nen sind nicht nach Delikten sortiert, ent- „Täter“-Akten geben wenig Auskunft da-
anstaltung entstand der Wunsch, einen Er- halten also alle möglichen Delikte, wie sie rüber, welche Beweggründe die einzelnen
innerungsort für die Menschen einzurich- auch vor zivilen Gerichten verhandelt wer- Angeklagten hatten. Wer klug war, ver-
ten, die sich – in welcher Weise auch im- den (Diebstahl, Urkundenfälschung, Un- suchte im Gegenteil möglichst harmlose
mer – dem mörderischen Krieg der Wehr- terschlagung, Mord, Leichenfledderei, und sozial adäquate Gründe für sein Ver-
macht entzogen und dabei oft ihr Leben usw.). Darüber hinaus enthalten sie auch halten anzugeben. Politische Motive konn-
riskiert oder gar verloren haben. Dies die Verfahren über Anklagen wegen Fah- ten den sicheren Tod bedeuteten.
schien besonders vor dem Hintergrund nenflucht, unerlaubter Ent-
heutiger völkerrechtswidriger weltweiter fernung, Wehrkraftzerset-
militärischer Einsätze notwendig. zung, Militärischen Unge-
Ratsbeschluss horsams, Wachvergehens,
Landesverrat und anderer
Ein am 28. September 2006 von der PDS- militärischer „Vergehen“. Je
Fraktion im Kölner Stadtrat eingereichter nach Fortlauf des Krieges
Antrag fand breite Unterstützung, und so sind diese Akten umfang-
beschloss der Rat, für „Deserteure, ‚Wehr- reich oder nicht. Sie enthal-
kraftzersetzer’ und Kriegsdienstverweige- ten neben den üblichen juris-
rer der Nazi-Herrschaft“ ein Denkmal zu tischen Dokumenten wie
errichten. Der Standort, so heißt es in dem Anklageschrift und Urteile
Beschluss, soll sich in die bisherigen Ge- auch persönliche Dokumen-
denkstätten für die Opfer der Naziherr- te wie Feldpostbriefe, Fotos,
schaft eingliedern. Die Art des Denkmals usw.
soll laut Ratsbeschluss mit betroffenen Or- Eine weitere Möglichkeit der Recher- Zweitens sind viele Fälle in den vorlie-
ganisationen und Personen besprochen che bot die sogenannte Todesurteilskartei. genden Akten nicht abgeschlossen. In eini-
werden, wobei sowohl eine einfache Ge- Diese Kartei ist keine originale Quelle, gen Fällen wird noch im Frühjahr 1945 er-
denktafel als auch eine anspruchsvollere sondern eine karteimäßige Erfassung von folglos gefahndet. Andere schließen mit
künstlerische Umsetzung als möglich an- Gerichtsakten und gleichzeitig ein Hilfs- einem beschlagnahmten Brief, den der
gesehen werden. Der Rat stellt für das mittel zum Auffinden solcher Akten. Die Soldat aus der Kriegsgefangenschaft an
Denkmal einen Betrag von 50.000 Euro Kärtchen sind nach den Nummern der Di- seine Angehörigen abgeschickt hat. Als
zur Verfügung, appelliert aber auch dafür, visionsgerichte geordnet und enthalten nur weitere Beweise für eine Kriegsgefangen-
zusätzlich Spenden einzuwerben. knappste Hinweise über die Verurteilten, schaft werden Flugblätter der sowjeti-
Gründung einer Projektgruppe in den seltensten Fällen die Geburtsorte, schen Armee herangezogen, die deutsche
aber nie Wohnorte. „Kölner“ konnte man Soldaten zitieren. Einige Akten enden mit
Das NS-Dokumentationszentrum der also so nicht ermitteln. dem Todesurteil und den Anweisungen zur
Stadt Köln hat daraufhin alle an der Vorbe- Deswegen haben wir uns dafür ent- geplanten Vollstreckung, ohne dass er-
reitung des Gedenktages zum 27. Januar schieden, die Todesurteile der in Köln an- sichtlich wird, ob der Soldat dem Henker
beteiligten Initiativen, Parteien und Ein- sässigen Gerichte des sogenannten Ersatz- tatsächlich zum Opfer gefallen ist. Wie-
zelpersonen eingeladen, an der Entwick- heers auszuwerten. Im Ersatzheer wurden derum andere Akten schließen damit ab,
lung von Vorschlägen für dieses Denkmal die Rekruten ausgebildet, und zu diesem dass der Vorgang an andere Dienststellen
teilzunehmen. Aus diesem Kreis bildete Ersatzheer gehörten auch die von der abgeben wird, weil die Fahndung im San-
sich eine dem Verein EL-DE-Haus e.V. Front zurückgekehrten verletzten oder de verlief. In allen diesen Fällen sind er-
(Förderverein des NS-Dokumentations- kranken Soldaten. gänzende Nachforschungen notwendig,
zentrums) angeschlossene „Projektgruppe Bei der Suche nach Todesurteilen haben um den Ausgang der Geschichten zu er-
‚Kriegsgegner/innen als Opfer der NS-Mi- wir uns dann auf solche Fälle konzentriert, mitteln. Die Quellenlage ist insofern para-
litärjustiz in Köln‘“. bei denen die Urteile auch in Köln voll- dox, als die Fälle der hingerichteten De-
Schon bei der Vorbereitung der Gedenk- streckt wurden. Gefunden haben wir ins- serteure klarer dokumentiert erscheinen
veranstaltung zum 27. Januar hatte sich gesamt 72, vermutlich waren es aber mehr. als diejenigen der untergetauchten, ver-
herausgestellt, dass die Quellenlage für Von 20 Verfahren, die mit Hinrichtungen schwundenen, ihrem Truppenteil abhan-
Köln mehr als dürftig war. Eine gründliche in Köln endeten, haben wir Akten gefun- den gekommenen Soldaten – also der
Recherche im Bundesarchiv, und zwar in den, darunter vier von in Köln geborenen möglicherweise erfolgreichen Deserteure.
der Zweigstelle Militärarchiv Freiburg, Soldaten. Dennoch geben die aufgefundenen
war daher notwendig. Ehrenamtlich wälz- Zur Quellenlage Quellen erste Einblicke in die Geschichte
ten fünf Leute die völlig verstaubten Ak- der Deserteure in der Kölner Region.
ten, um Kölner Fälle herauszufischen. Die Recherchen in den Gerichtsakten för- Ergebnisse in Zahlen
Konkret sah das so aus: Etwa 12.000 Ak- derten erste Ergebnisse, zugleich aber
ten des ehemaligen Zentralgerichts der auch viele Fragen zutage. Die Projektgruppe hat bei ihren Recher-
Wehrmacht in Gera, die Fälle von „Fah- Vorab: Zur Einordnung der Recherche- chen im Militärarchiv in Freiburg bisher
nenflucht“ enthalten, mussten mit Blick Ergebnisse sind zwei Punkte von Belang. 104 Fälle von Kölner Soldaten gefunden,

: antifaschistische nachrichten 10-2008 7


die vor dem Krieg geflüchtet sind oder daten – hielten. Diese Beurteilun-
dies planten. Rund 55 % der Fälle betref- gen sind entscheidende Weichen-
fen das Delikt der Fahnenflucht, also den stellungen für die spätere Einschät-
Versuch, sich der Wehrmacht dauerhaft zu zung des jeweiligen Falls, wenn es
entziehen. 45 % werden als „Unerlaubte gilt, das Verhalten des Soldaten zu
Entfernung“ gewertet und damit als vorü- interpretieren. Verschwinden als
bergehende Abwesenheit. angepasst und pflichtbewusst ange-
Soldaten haben außerdem nicht nur sehene Soldaten, so wird zunächst
durch begrenzte oder endgültige Entfer- zu ihren Gunsten davon ausgegan-
nung „von der Truppe“ versucht, sich dem gen, dass sie gefangen genommen
Befehl zu entziehen, andere Menschen zu worden sein könnten oder getötet
töten. Als Wehrkraftzersetzung wird ge- wurden. Ist der Soldat hingegen
wertet, wenn Soldaten gefälschte medizi- schon vorher seinen Vorgesetzten
nische Gutachten vorlegen, um dienstun- negativ aufgefallen, werden durch-
tauglich zu erscheinen. Oder es wird die aus vergleichbare Umstände sehr
Anschuldigung erhoben, Soldaten hätten viel schneller als unerlaubte Entfer-
sich absichtlich verletzt oder verletzen las- nung oder Desertion gewertet.
sen, damit sie nicht weiter kämpfen müs- Auch Verstöße gegen die militäri-
sen („Selbstverstümmelung“). Weitere sche Disziplin und die verhängten
Anklagen beziehen sich auf sog. „Feigheit Strafen sind vermerkt. Bei etlichen Akten Die Wehrmachtjustiz verfasste detaillierte
vor dem Feind“: Soldaten werden ange- gibt es eine beachtliche Vorstrafen-Liste. Anweisungen, wie die Ermordung vollzo-
klagt, weil sie sich aus Kampfhandlungen Diese Soldaten konnten oder wollten sich gen werden sollte. Drehbuchartig wird
zurückziehen, befehlswidrig Stellungen offenbar nicht dem Zwangsapparat fügen. festgelegt, wer, wo, wann was zu tun hatte.
verlassen usw. Damit sind ganz verschie- Kinderbriefe und anderes Bürokratiegerecht wurden auch für Hin-
dene Strategien von widerständigem Ver- Beweismaterial richtungen entsprechende Formulare ent-
halten auch von Soldaten aus Köln doku- wickelt und verwendet.
mentiert. Nach den Feststellungen zur Person ent- Was dachten die Deserteure?
Soldatische Personalakten halten die meisten Akten mehr oder weni-
ger umfangreiche Ermittlungsergebnisse. Die bisher ausgewerteten Akten geben we-
Die Akten der NS-Militärjustiz bieten In- Dazu zählen Tatberichte, Vernehmungen nig Anhaltspunkte über die Motivationen
formationen über die Opfer, sie verraten von Kollegen oder Vorgesetzten, auch der Deserteure. Dies ist aus der Art der
aber auch eine ganze Menge über die Tä- Skizzen, beschlagnahmte Notizbücher, Quellen leicht erklärbar: Beschuldigte wie
ter: Ihre Verfolgungsakribie, den Ablauf Briefe, Fotos, Ausweispapiere der Be- Angehörige hätten z.B. mit deutlich er-
der Verfahren und nicht zuletzt über das schuldigten, etc.. Erstaunlich ist, dass z.T. klärter politischer Kritik eine noch schär-
Menschenbild der Richter und Anwälte. durchaus akribisch und hartnäckig recher- fere Strafverfolgung herausgefordert. Ein-
Nahezu alle Akten beginnen mit einem chiert wird. So können sich Befragungen zelne Hinweise ergeben sich in den Fällen,
Personalblatt, auf dem die wichtigsten An- und Beweisaufnahmen über ein Jahr hin- in denen Soldaten vor 1933 Parteien ange-
gaben wie Name, Alter, Beruf, Wohnort, ziehen. Es entsteht durchaus der Eindruck, hörten, etwa der KPD, oder Mitglieder der
Familienstand vermerkt sind. Auch die dass einzelne Ermittler auf diese Weise kommunistischen Jugendorganisation wa-
Namen der nächsten Angehörigen sind re- ihre Objektivität zu demonstrieren such- ren. Nähe zum nationalsozialistischen Re-
gistriert. Zudem ist der militärische Rang ten. So, als wollten sie dem Vorwurf be- gime ist allerdings kein Garant für soldati-
zu ersehen. Die vorliegenden Kölner Fälle gegnen, treue deutsche Soldaten, die vom sche Treue: auch SA-Männer werden als
beweisen, dass mit Recht bei Desertion Feind verschleppt oder ermordet wurden, Deserteure aktenkundig. Andere Spuren
vom „Widerstand des kleinen Mannes“ als Deserteure zu verunglimpfen. von weltanschaulichen Motiven für die
bzw. „kleinen Soldaten“ gesprochen wird. Hartnäckig ermittelt wird jedoch nicht Verweigerung finden sich da, wo Zeugen
Nahezu alle Fälle betreffen untere Dienst- nur im militärischen Umfeld, sondern Jehovas aus der Armee desertieren. Oder
grade wie Schütze, Gefreiter, Grenadier, auch an der Heimatfront. Ehefrauen, Väter wenn in der Sprache der NS-Militär-Justiz
Funker. und Mütter, Freunde und Freundinnen, von „anarchistischer Einstellung“ die
Mit bürokratischer Gründlichkeit ist auf Nachbarinnen und Nachbarn werden zu Rede ist.
dem Personalbogen auch das Ausscheiden Verhören einbestellt. Angehörige müssen Charakteristisch ist jedoch, dass viele
von Soldaten vorgesehen – hier in den Ka- Privat-Fotografien zu Fahndungszwecken Deserteure nicht gerade zu den Parade-
tegorien „gefallen“ oder „vermisst“. Da- abgeben. Regelmäßig werden Briefe kon- Soldaten zu zählen sind, sondern sich dem
nach sind im Personalblatt Angaben zur trolliert, die Familien überwacht. Selbst militärischen Drill immer wieder im Klei-
militärischen Laufbahn notiert. Neben Kinderbriefe hat die Wehrmachtsjustiz be- nen verweigern. Ablesbar ist diese, oft län-
Lehrgängen und besonderen Ausbildun- schlagnahmt. gere, Vorgeschichte aus dem Vorstrafenre-
gen auch Beförderungen und Orden. Als Sanktionsinstrument hält der Staat gister und den dienstlichen Beurteilungen.
Wichtig zudem: Die Orte, an denen der die Sperrung der Familienunterstützung Deserteure fallen durch unangepasstes
Soldat eingesetzt wurde, Kämpfe, an de- bereit. Ist ein Soldat nachweislich deser- Verhalten auf, streiten sich mit Vorgesetz-
nen er teilnahm, Verwundungen, Aus- tiert, wird Ehefrau und Kindern die finan- ten. Einschlafen beim Wachestehen, Ver-
zeichnungen, Beförderungen. Diese Anga- zielle Lebensgrundlage entzogen. Insofern weigern des formgerechten Grußes, Wi-
ben liefern erste Anhaltspunkte darüber, haben die Familien ein hohes Interesse da- derworte, die mangelhafte Pflege der Aus-
was der Mensch in Uniform erlebt haben ran, ihre Ehemänner oder Söhne vom rüstung und Waffen sind Anlässe für Kon-
könnte. (...) „Makel“ der Desertion reinzuwaschen. flikte. Und immer wieder setzen sich die
In vielen Personalakten sind Beurteilun- Wird den Soldaten nach ihrer Verhaf- späteren Deserteure schon vorher vorüber-
gen vorhanden, die einen tiefen Blick in tung der Prozess gemacht, sind zumeist gehend von der Truppe ab, werden be-
die nationalsozialistische Charakterkunde Abschriften der Urteile in den Akten vor- straft, weil sie etwa „den Urlaub über-
erlauben. Hier ist festgehalten, wen die handen. Die erschütterndsten Dokumente schritten“ haben. Möglicherweise sind
militärischen Vorgesetzten für einen guten sind die Todesurteile, die verzweifelten diese „Delikte“ Anzeichen für eine ver-
oder schlechten Menschen – das heißt, für Gnadengesuche von Justizopfern, ihren suchte, aber dann wieder abgebrochene
einen brauchbaren oder untalentierten Sol- Familien und die Hinrichtungsprotokolle. Desertion.

8 :antifaschistische nachrichten 10-2008


Dass der dauerhaften Flucht häufig eine Familie unterstützen und kehren deshalb Zeitpunkt der Desertion
langfristige Planung vorausgeht, zeigen verspätet aus dem Urlaub zurück. In den Das Diktum, aus einer siegreichen Armee
Indizien wie etwa das Erlernen der Spra- Augen der Armee gefährlicher Ungehor- desertiere niemand, scheint etwas Wahres
che des besetzten Landes, aber auch prak- sam. Auch der zutiefst menschliche zu haben. Jedenfalls sind in den ersten
tische Vorbereitungen wie die Beschaf- Wunsch, zu Hause zu sein, wenn die Ehe- Kriegsmonaten Desertionen selten. Dabei
fung von warmer Kleidung. Eine Gruppe frau schwer krank ist, das eigene Kind mag eine Rolle gespielt haben, dass in den
von vier Soldaten wartet mit der Flucht of- stirbt, der Bruder begraben wird, ist für die besetzten Gebieten die Gefahr bestand, von
fenbar so lange, bis die Regimentskasse militärische Ordnung nur eine strafwürdi- der vorrückenden Wehrmacht überrannt
durch Vorschüsse und Postgelder gut ge- ge Verfehlung. Der Mensch ist für das und gefangen genommen zu werden. Da-
füllt ist und „requiriert“ außerdem den Wa- Kriegführen einfach ungeeignet. gegen ergab sich beim Rückzug die Mög-
gen des Truppenarztes. Wo wird desertiert? lichkeit, sich den Gegnern in die Hände zu
Anlässe zur Flucht geben. Zudem konnten die Deserteure ge-
Rund 60 % der Deserteure, die bisher bei gen Kriegsende auf die allgemeine Konfu-
Als direkte Desertionsanlässe erscheinen den Recherchen über die Kölner Region sion, den Zusammenbruch von Verwal-
in den Akten Konflikte mit Vorgesetzen verifiziert werden konnten, verschwinden tungs- und Verfolgungsstrukturen hoffen.
oder Kollegen, Furcht vor militärischen an der Front. Dabei entsteht für die NS- Annäherung an die Gründe
Bestrafungen, beängstigende militärische Justiz das Problem, die aktiv Fahnenflüch-
Operationen, aber auch Probleme zu Hau- tigen von den gefangen genommenen oder Bei der Interpretation der Akten und Brie-
se bei den Angehörigen. Während es sich getöteten Soldaten abzugrenzen. Und fe, des Verhaltens der Deserteure, werden
beim angeführten Ärger am militärischen selbst bei gefangenen Soldaten ist oft un- einige Motive deutlicher sichtbar. Ein zen-
Arbeitsplatz, bei Mobbing-Schilderungen klar: Wurde der deutsche Soldat von den traler Grund ist: einfach leben zu wollen.
usw. im Einzelfall auch um eine sozial Gegnern überrascht und überwältigt – Und romantische Geschichten zeigen,
adäquate Schutzbehauptung handeln oder hat er sich freiwillig in Gefangen- dass Liebe die Lebensgeister weckt. Wer
kann, ist die Angst vor der Versetzung in schaft begeben, um nicht weiter kämpfen sich im besetzten Land Hals über Kopf
eines der berüchtigten Strafbataillone ein und töten zu müssen? Durch langwierige verliebt, eine Freundin findet, enge Bezie-
nachvollziehbarer, realistischer Grund zur Ermittlungen, Verhöre von Mitsoldaten, hungen eingeht, der möchte sich offenkun-
Flucht, vor allem, wenn man die hohe An- Beweisaufnahme in Stellungen, mit Skiz- dig nicht mehr so gerne töten oder verlet-
zahl von Todesfällen in diesen Einheiten zen des Vorfalls, mittels Landkarten, mili- zen lassen. Der verlorene Krieg, die aus-
berücksichtigt. tärischen Lageberichten und Leumunds- sichtslos gewordene militärische Lage lie-
zeugnissen versucht man zu rekonstruie- fern weitere gewichtige Argumente. Nicht
Gefängnis Klingelpütz ren, was vorgefallen sein könnte. In Ein- mehr in letzter Minute sterben wollen, bil-
zelfällen können sich diese Recherchen det den Refrain im Winter 1944, den Früh-
über Monate, ja länger als ein Jahr hinzie- lingsmonaten des Jahres 1945. Oder wie
hen. Die NS-Militärjustiz scheint bemüht, Gefreiter Wilhelm B. angesichts der ame-
den Anschein einer fairen und objektiven rikanischen Landung in der Normandie
Aufklärung zu wahren. Offenbar möchte bemerkt haben soll: „Ich wäre ja schön
man auch die Stimmung in der „Truppe“ dumm, wenn ich mich zusammenschießen
nicht trüben, indem man grundlos gefan- lassen würde, lieber gehe ich gleich zum
gene oder gar getötete Soldaten als Vater- Tommy oder stiften.“
landsverräter bezichtigt, ihren Familien Neben der privaten Kosten-Nutzenana-
die finanzielle Unterstützung entzieht. lyse stehen die brutalen Kriegserlebnisse.
Neben der Fahnenflucht aus der vor- Die Soldaten halten es einfach nicht mehr
dersten Linie, aus Kampfstellungen oder aus. Und sagen es auch so. „Halte es nicht
beim Wachestehen bieten Fahrten eine mehr aus“, „ohne mich“ oder „Die Herr-
Chance zur Desertion. Soldaten setzen schaften müssen alle gehenkt werden, da
Die so genannten „Wachvergehen“ – sich auf der Fahrt in den Urlaub ab, ver- hat man es in Gefangenschaft besser“. Aus
wie Einschlafen im Dienst – werfen schwinden auf der Rückkehr zur Front, den – noch schemenhaften – Bildern der
Schlaglichter auf den militärischen Alltag, wenn sie ins Lazarett, zum Arzt gebracht Deserteure erscheint die Desertion als eine
der sich zwischen ermüdender, womöglich werden, bei der Verlegung ihrer Einheiten. Rebellion des Lebens gegen den Krieg. Im
als sinnlos empfundener, Routine und Auf den Transporten können sie sich der Zentrum steht der menschlich-persönliche
Überforderung abspielt. Ebenso sprechen Kontrolle entziehen, sich Chaos und zu- Akt, nicht das politische Fanal.
die „Dienstvergehen aus Furcht“ oder sammenbrechende Strukturen zunutze Die Urteilspraxis
„Feigheit“ eine deutliche Sprache. Wer machen. Ihre Flucht bleibt zunächst häufig
sich nicht zum militärischen Schlachtvieh unbemerkt, die Fahndung wird verspätet Im Folgenden schildern wir die Urteilspra-
machen lassen will, wem das eigene (und eingeleitet. In einigen Fällen verschwin- xis und versuchen, an Hand einiger Fälle
fremde) Leben kostbarer ist als soldatische den mit den Soldaten gemeinsam Zivilis- die Besonderheiten vor allem der Todesur-
„Ehre“ und Gehorsam, der soll mit Sank- tInnen aus den besetzen Ländern. Diese teile herauszuarbeiten.
tionen zur Raison gebracht werden. In die- verfügen über Orts- und Sprachkenntnisse, Vielleicht zuerst ein Hinweis auf die
ser Zwangssituation war die Fahnenflucht unterstützen die untergetauchten Freunde. Gerichte und die Orte, an denen in Köln
ein Befreiungsakt. Eine etwas kleinere Gruppe der bisher Todesurteile ausgesprochen und voll-
Viele Soldaten standen über Briefe im bekannten Fälle von Deserteuren aus der streckt wurden. Es handelt sich dabei um
engen, regelmäßigen Kontakt mit ihren Kölner Region bilden diejenigen, die zu das Gericht der Division 156, das dann ab-
Familien, Freunden und Freundinnen. Im Hause untertauchen. Rund 40% der Solda- gelöst wurde vom Gericht der Division
Heimaturlaub erlebten sie die Probleme ten versuchen, sich in vertrauter Umge- 526. Für beide Gerichte haben wir als
der Zivilbevölkerung. Hier zu helfen, statt bung zu verstecken, ihnen dienen Keller Adresse sowohl Spichernstraße 30 wie
sich an der Front verheizen zu lassen, war und Trümmer als Unterkunft. Je weiter der auch Belfortstraße 9 gefunden. Die Ange-
ein weiterer Anlass zur Desertion oder – Krieg fortschreitet und je aussichtsloser klagten saßen entweder im Gefängnis
als Vorstufe – zur unerlaubten Entfernung. die Lage ist, desto mehr Soldaten ver- Klingelpütz oder im Wehrmachtsgefäng-
Söhne wollen auf dem elterlichen Hof die schwinden zu Hause, kehren aus dem Ur- nis Mülheim in der Grünstraße. Die Hin-
Ernte einbringen, Väter die ausgebombte laub einfach nicht mehr zurück. richtungen mit dem Fallbeil fanden im

: antifaschistische nachrichten 10-2008 9


Klingelpütz statt, die Erschießungen auf auch bei Kriegsgerichtsprozessen Spielräu- die bei der Wache erschöpft einschliefen,
dem Schießplatz in Köln-Dünnwald, eini- me. Bei der Abgrenzung zwischen „uner- um später wegen Wachvergehens mehrere
ge auch in Frechen-Bachem. laubter Entfernung“ und Fahnenflucht Monate Gefängnis zu erhalten. Sie berich-
Es wurde schon darauf hingewiesen: musste das Gericht entscheiden, ob der An- ten von bis zur Besinnungslosigkeit be-
Urteile sind Täterakten. Das springt be- geklagte die Absicht hatte, sich der Wehr- trunkenen Männern, die im Rausch keine
sonders ins Auge, wenn man sich etwa die macht auf Dauer zu entziehen, oder ob er militärischen Ehrenbezeugungen gegen-
Sprache der Beurteilungen und Personal- vorhatte, zurückzukehren oder sich zu stel- über Vorgesetzten leisteten und dafür
blätter, die man in den Untersuchungsak- len. D.h., es ging in erster Linie um die Be- schwere Gefängnisstrafen erhielten. Es ist
ten findet, ansieht, erst recht die Sprache wertung der Glaubwürdigkeit des Ange- die Rede von Auflösungserscheinungen an
der Urteile oder der Rechtsgutachten, die klagten, die jedem Gericht einen gewissen der Front, die besondere Härte bei Bestra-
für die Bestätigung oder die Zurückwei- Spielraum lässt. Eine besondere Rolle fungen nach sich zogen, um die sogenann-
sung der Urteile angefertigt wurden. Hier spielten hier, wie auch im Begnadigungs- te Manneszucht aufrechtzuerhalten. Sie
einige Beispiele für militärische Beurtei- verfahren, die Gerichtsherren, meist Divi- machen deutlich, dass die Männer an der
lungen: Feldwebel Gerhard H.: „Undurch- sionsgeneräle, und der Oberbefehlsha- Front unter mangelnder Verpflegung und
sichtig, unangemessenes Selbstbewusst- ber beim Ersatzheer, also Generaloberst Hygiene litten, was oft in Diebstahlsdelik-
sein, leicht reizbar, Hang zur Weiblich- Fromm, ein späterer „Verschwörer“ des 20. te mündete, indem sie Nahrungsmittel
keit.“ Pionier Kurt K.: „mürrischer, unste- Juli. So wurde in Aachen ein Angeklagter oder Seife stahlen. Dieses schlägt sich
ter Mensch, verschlossen und undurch- wegen des angeblichen Versuchs, sich der dann in den Akten als kriminelles Delikt
sichtig, nachlässig; Führung: mangelhaft, Einberufung zu entziehen, zu zwölf Jahren nieder, in Kombination mit einer unerlaub-
dienstliche Kenntnisse und Leistungen: Zuchthaus verurteilt. Dem zuständigen Ge- ten Entfernung oft auch Grund für eine
mangelhaft.“ Schütze Karl S.: „undurch- richtsherrn, Generalleutnant Baltzer, er- mehrjährige Zuchthausstrafe.
sichtiger Charakter, ohne inneren Halt.“ schien dieses Urteil jedoch nicht hoch ge- Aus den Akten sprechen auch die Angst
In einem Rechtsgutachten über einen nug, er schickte es „mit dem Ersuchen um um die Familie zu Hause, die den Bombar-
Fahnenflüchtigen, der sich mit Betrügerei- erneute Aburteilung“ an das Gericht zu- dierungen ausgesetzt ist. Wenn der ersehn-
en am Leben gehalten hat, konnte das rück, das dann ein Todesurteil aussprach. te Heimaturlaub gestrichen oder nicht ver-
dann so klingen: „Der Angeklagte ist sei- Ähnlich verlief das Bestätigungsverfahren längert wurde, führte dies oft zur uner-
ner ganzen Persönlichkeit nach wehrun- in einem Kölner Fall, in dem der Gutachter laubten Entfernung, vor allem bei den
freudig und war ohne ständige, strenge beim Oberkommando des Heeres ebenfalls Söhnen der Landwirte, die heimatnah ein-
Aufsicht als Soldat nicht brauchbar. ... Er die Todesstrafe anstelle einer Zuchthaus- gesetzt waren und zur Entlastung der alten
ist überdies ein unverbesserlicher, asozia- strafe beantragte (dieses Gutachten wurde Eltern zur Ernte nach Hause fuhren.
ler Mensch. ... Auch als Volksschädling hat bereits in Auszügen zitiert). Generaloberst In vielfacher Weise sprechen die Akten
er nach gesundem Volksempfinden die To- Fromm schloss sich dieser Urteilsverschär- eine Sprache, die deutlich macht, dass der
desstrafe verdient.“ fung an, das Gericht gehorchte. Mensch nicht für das Kriegführen ge-
Die Formulierungen finden sich wort- Wenig Genaues lässt sich über die Be- macht ist.
gleich im anschließend gefällten Urteil. gnadigungspraxis und vor allem über die Offene Fragen
Dieses Zitat ist vielleicht ein Extrembei- Begnadigungsgründe sagen. Von den ins-
spiel, aber es verdeutlicht in besonderer gesamt 30.000 verhängten Todesurteilen Die Akten lassen viele Fragen offen. Zu-
Weise die Rechtsprechung allerdings nicht wurden 10.000 nicht vollstreckt, sondern nächst ganz praktisch die, wie der Fall, der
nur der militärischen Strafjustiz: im Vor- in Zuchthausstrafen umgewandelt, und in nicht mit einem Urteil abgeschlossen ist,
dergrund steht weniger die Schwere des vielen Fällen wurden aus Zuchthausstra- weitergegangen sein mag. Sind die aus
Delikts als vielmehr die Täterpersönlich- fen auf dem Gnadenweg Gefängnisstra- dem Heimaturlaub nicht Zurückgekehrten
keit, die nicht dem nationalsozialistischen fen. In einem Fall, den wir untersuchen wirklich desertiert, oder vielleicht auf dem
Menschenbild entspricht. konnten, bei dem drei zum Tode verurteil- Weg zur Front umgekommen? Wann kann
(...) In den Akten findet sich wohl kein te Soldaten aus der Arrestanstalt Elsen- man von politischen Motiven der Fahnen-
einziges Beispiel, in dem die Eltern, Ehe- born geflohen waren, wurde einer von Ge- flucht sprechen? Ist dazu ein Überlaufen
frauen oder Verlobten der zum Tode Verur- neraloberst Fromm „auf Grund der mir er- zum Feind oder zu den Partisanen notwen-
teilten nicht mit Gnadengesuchen versuch- teilten Ermächtigung“, wie es in der Ur- dig? Ist es nicht schon politisch genug, das
ten, das Leben des Verurteilten zu retten – kunde heißt, zu einer Zuchthausstrafe von zu erkennen, was militärische Vorgesetzte
in den Fällen, die wir untersuchen konn- 15 Jahren begnadigt, obwohl der Aachener und Militärrichter in ihrem Fanatismus
ten, übrigens nur ein einziges Mal mit Er- Gerichtsherr und der Berliner Oberkriegs- nicht erkannten, nämlich dass der Krieg
folg. Aus der Vielzahl von Gnadengesu- gerichtsrat die Todesstrafe befürwortet verloren ist und jedes weitere Opfer ein
chen nur das folgende in Auszügen: „An hatten. Im Gegensatz zu den beiden ande- Opfer zuviel?
den Herrn Chef der Heeresrüstung und ren Verurteilten war der Begnadigte nicht Das Bild des Deserteurs nimmt beim
Befehlshaber des Ersatzheeres, Berlin. vorbestraft, hatte nur wenige Disziplinar- Studium der Akten immer mehr Konturen
Gnadengesuch meines Sohnes ..., der am strafen und hatte auch keine Folgedelikte an. Es zeigt einen Menschen, der sich
18.11.42 ... zu Tode verurteilt wurde. begangen – das dürfte der Grund für die nicht mehr instrumentalisieren lassen will,
Möchte Sie als Mutter herzlich bitten, vom Begnadigung gewesen sein. Aber mit Ge- der leben statt sterben will, der alles ande-
Todesurteil Abstand zu nehmen, und ihm wissheit lässt sich das nicht sagen, Spiel- re als feige ist, sondern begriffen hat, dass
lieber eine ordentliche höhere Zuchthaus- raum und Willkür liegen eben dicht beiei- ihm nicht das Vaterland, für das er sterben
strafe zu geben. Mein Sohn ist ... noch nander. soll, nahe steht, sondern die Menschen,
solch ein junger Mensch, der sich be- Das Alltagsleben an der Front und zu die er liebt. Es zeigt einen Menschen, der
stimmt noch bessert. ... Bitte lassen Sie Hause in der Bevölkerung des Feindeslandes sich
noch einmal Milde walten, und nehmen selbst erkennt, ein Mensch, der seinen
mir nicht meinen Sohn, der mein ganzes Das Studium der Akten lässt das Leben an ganzen Mut und seine Fähigkeiten dafür
Leben bedeutet. Bitte fassen Sie den Brief der Front plastisch werden. Die Akten zeu- einsetzt, um zu überleben.
so auf, wie ihn nur eine Mutter schreiben gen von körperlicher und psychischer Zusammengestellt von
kann, die um das Leben ihres einzigen Überbeanspruchung, zum Beispiel bei Malle Bensch-Humbach, Elvira
Sohnes kämpft.“ nächtelangen Märschen durch Matsch und Högemann, Jochen Kaufmann,
(...) Wie in vielen anderen Bereichen des Schnee bis zur völligen Erschöpfung. Sie Gregor Lawatsch und Anne Schulz
Alltags im Nationalsozialismus gab es zeugen von völlig übermüdeten Soldaten, (aus Platzgründen leicht gekürzt) ■

10 :antifaschistische nachrichten 10-2008


: ausländer- und asylpolitik
antrag gestellt: „Ich möchte hier bleiben.
Das ist ein freundliches Land“, sagt Alla
in bestem Bulgarisch zu den UNHCR
Zahl der Asylbewerber- bewegen. In den „Infos, die jeder haben Mitarbeitern. Sie muss wohl noch länger
leistungsempfänger weiter sollte“ finden sich Beiträge zum Thema auf eine Entscheidung warten.
rückläufig Rassismus, zum gewandelten Erschei- Bereits im Dezember 2007 fürchteten
nungsbild der Rechten, zu rechten Zei- Regierungsangehörige negative Auswir-
Berlin. Die Zahl der Empfänger von chencodes und zu rechten Parteien und kungen auf den Wohnungsmarkt in Bul-
Asylbewerberleistungen ist auch im Jahr Gruppen. Außerdem wird dargestellt, wie garien, wenn die Zahl irakischer Flücht-
2007 weiter zurückgegangen. Es habe ins- Rechte versuchen, mit Musik speziell an linge weiter zunehmen würde. UNHCR-
gesamt 30.303 Asylanträge gegeben, da- die Lebenswelt von Jugendlichen anzu- Vertreterin Catherine Hamon Sharpe for-
von 19.164 Erst- und 11.139 Folgeanträ- knüpfen. Für die Region Vechta sind au- dert daher eine schnelle Lösung der Pro-
ge, schreibt die Bundesregierung in ihrer ßerdem die Aktivitäten rechter Parteien bleme: „Das einzige, was zählt, ist das
Antwort (16/9018) auf eine Große Anfra- und Gruppierungen dokumentiert. Schutzbedürfnis des Einzelnen, um einen
ge der Linksfraktion (16/7213). Weiter ContRa e.V., info@contra-online.de Antrag anzunehmen oder aber abzuleh-
heißt es, seit 1994 sei die Zahl der Leis- Quelle: Publikation „Aktiv + Gleich- nen.“
tungsempfänger in den alten Bundeslän- berechtigt Mai 2008“ ■ Hamon Sharpe machte deutlich, dass in
dern stark gesunken. In den neuen Län- Griechenland (5.500) und in der Türkei
dern sei der Rückgang dagegen eher ge- Bulgarien: Hohe Anforde- (3.500) weit mehr irakische Staatsangehö-
ring gewesen, da dort zunächst ohnehin rige um Asyl nachsuchen als im bulgari-
vergleichsweise wenige Asylbewerber rungen für Iraker schen Nachbarstaat.
aufgenommen worden seien. Die nied- Sofia. Noch vor wenigen Monaten schien Quelle: www.unhcr.de ■
rigsten Aufnahmequoten (Leistungsemp- Bulgarien eine sehr sichere Anlaufstelle
fänger pro 1.000 Einwohner) habe es für irakische Asylsuchende. Aber das 5. festival contre le racisme
Ende 2006 in Bayern (ein Prozent) und Flüchtlingskommissariat der Vereinten
Baden-Württemberg (1,5 Prozent) gege- Nationen (UNHCR) fürchtet einen Kurs- 2008 – Tear down all
ben. Die höchsten Quoten verzeichneten wechsel der Regierung zum Nachteil der borders!
den Angaben zufolge die Stadtstaaten: Schutzbedürftigen, nachdem der Staat seit Der freie zusammenschluss von studen-
Berlin mit 3,9, Hamburg mit 5,7 und Bre- Dezember 41 Iraker abgewiesen hat. tInnenschaften (fzs) und der Bundesver-
men mit 6,2 Prozent. Im Jahr 2007 hat Bulgarien annähernd band ausländischer Studierender (BAS)
Die Regierung führt weiter aus, derzeit jeden Iraker, der einen Asylantrag gestellt rufen vom 2.-8. Juni 2008 zum 5. Mal
bestehe nicht die Absicht, eine neue Ver- hat, als Flüchtling anerkannt. Das waren zum bundesweiten festival contre le racis-
ordnung mit einer etwaigen Anpassung insgesamt 533 Personen, die zumeist über me auf. Im Rahmen des festival contre le
der Beträge nach dem Asylbewerberleis- die Türkei nach Bulgarien gekommen wa- racisme organisieren Studierende in ei-
tungsgesetz vorzulegen. Sie weist darauf ren. nem Mix aus Politik und Kultur Aktions-
hin, dass die Angemessenheit der Leistun- Jetzt hat die Regierung zwischen De- wochen gegen Rassismus, Rechtsextre-
gen „losgelöst von der Debatte um die zember 2007 und März 2008 schon 41 mismus und Antisemitismus sowie allge-
Angemessenheit“ der Regelsätze etwa Iraker abgewiesen, sagt Iliana Savova mein zu den Themen Migration, Flucht
beim Arbeitslosengeld II gesehen werde. vom bulgarischen Helsinki Komitee, einer und AusländerInnenstudium an vielen
Entsprechend der Grundkonzeption des unabhängigen Menschenrechtsorganisati- Hochschulen in der BRD.
Asylbewerberleistungsgesetzes erfolge on. Im gleichen Zeitraum hat der Balkan- „In diesem Jahr widmet sich das festi-
die Leistungsgewährung in Form von staat nur zwei Asylanträge anerkannt. In val contre le racisme dem Thema Gren-
Sachleistungen. Dadurch hätten Preisstei- 60 Fällen wurde irakischen Asylsuchen- zen. Dabei widmen wir uns mit dem dies-
gerungen „nicht die Auswirkungen auf den Aufenthalt aus humanitären Gründen jährigen Motto „Tear down all borders“
die Deckung des notwendigen Bedarfs“, gewährt. Das sei viel zu wenig, so Savova. nicht nur den Grenzen des Schengen-
wie dies der Fall beim Arbeitslosengeld II Dennoch besteht die Regierung darauf, raums, der Europäischen Union oder der
sein könne. dass Antragstellung und Umsetzung des Nationalstaaten, sondern auch hinsicht-
Quelle: Stefan.kessler@jesuiten- Asylverfahrens einfacher geworden sind: lich der Grenzen in unseren Köpfen gilt es
fluechtlingsdienst.de/ ■ „Wir gehen die Fälle lediglich realisti- für uns Horizonte zu öffnen.“ so die Intia-
scher an und haben daher mehrere Anträ- torInnen.
Jugendliche gestalten ge abgelehnt“, erklärte Todor Zhivkov, Weitere Informationen unter:
Direktor des Registrierungsbüros für www.contre-le-racisme.de ■
Broschüre gegen Rassismus Flüchtlinge in Sofia. Viele würden aber
„Handle jetzt und nicht erst, wenn es zu noch geprüft. Ausländerbehörde nimmt
spät ist!“ Unter diesem Motto schlossen Das Helsinki Kommitee vertritt derzeit
sich im Sommer 2006 Jugendliche aus 22 irakische Asylsuchende und versucht schwer kranken jungen
Vechta zur Gruppe ContRa zusammen um ihnen mit bereits gesprochenen Gerichts- Mann in Abschiebehaft
gegen Rassismus und Rechtsextremismus urteilen Mut zu machen. Gütersloh. In seiner Pressemitteilung
aktiv zu werden. UNHCR ist über den scheinbaren vom 19.3.2008 kritisiert der Arbeitskreis
Dabei stellt ContRa die Aufklärung von Kurswechsel der bulgarischen Behörden Asyl Bielefeld e.V. das Vorgehen der Aus-
Jugendlichen in den Vordergrund. In Ei- enttäuscht. Besonders, da sich das Profil länderbehörde des Kreises Gütersloh. Ein
genregie erarbeiteten sie eine Broschüre, der Neuankömmlinge nicht von dem der junger Iraker (17 Jahre alt), der an einer
die in einer Auflage von 25.000 Stück an bereits Anerkannten unterscheidet. Die schweren Sichelzellenanämie mit
Schulen und Berufsschulen und der Uni- meisten sind irakische Männer, obwohl Schmerzzuständen leidet, wurde auf Be-
versität verteilt wurde. Für dieses Engage- auch einige Familien und alleinstehende treiben der Ausländerbehörde bei einem
ment gewann ContRa einen Ehrenpreis Mütter unter den Schutzbedürftigen sind. Behandlungstermin im Krankenhaus fest-
beim Wettbewerb „Die gelbe Hand 2007“. So wie Alla, eine 36-jährige Elektrike- genommen und nach einem Haftprü-
Mit ihrer Broschüre wollen die Jugendli- rin. Sie ist mit ihren beiden Kindern aus fungstermin beim Amtsgericht Bielefeld
chen andere zum Nachdenken anregen dem Irak nach Bulgarien gekommen und in die Abschiebehaft nach Büren ge-
und zum Engagement gegen Rassismus hat bereits vor neun Monaten einen Asyl- bracht. Die Haft sei ohne Einsicht in die

: antifaschistische nachrichten 10-2008 11


Krankenakte angeordnet worden, so der ländischen Staatsangehörigen die Teil- Zwangsumverteilungen der
AK Asyl Bielefeld. nahme an dieser sicherlich integrations- Sprecher der Flüchtlings-
Der behandelnde Arzt habe dazu ge- förderlichen Veranstaltung! Er grenzt sol-
schrieben: „Sein Aufenthalt in der JVA ist che Menschen aus, welche sich (a) in ei- proteste in Katzhütte
ärztlicherseits nicht zu verantworten und nem Asylverfahren oder (b) in der Situati- Thüringen. Die Ausländerbehörde des
kann lebensbedrohlich sein.“ Der junge on eines „geduldeten“ Aufenthalts befin- Landratsamtes Saalfeld-Rudolstadt greift
Iraker sei mit seinem Vater über Schwe- den. Gleichwohl aber auch solche auslän- im Streit um die mehr als fragwürdigen
den nach Deutschland geflüchtet. Nach dischen Staatsangehörigen, welche nur Zustände im Asylbewerberheim Katz-
dem Dubliner Übereinkommen ist wegen des Fehlens eines Reisepasses ih- hütte zum Mittel der Zwangsumvertei-
Schweden zuständig für das Asylverfah- res Heimatlandes über eine Duldungsbe- lung der beiden aktivsten Protagonisten
ren. In Einzelfällen kann das Bundesamt scheinigung verfügen, ansonsten aber aus der Flüchtlingsproteste!
für Migration und Flüchtlinge aus huma- humanitären Gründen oder aufgrund einer Mohammed N. S. Sbaih und Saadad
nitären Gründen Ausnahmen gewähren. sog. gesetzlichen Altfallregelung ein Auf- Mustafa Sajren – beide Sprecher der
Im Fall des jungen Iraker lägen dem Bun- enthaltsrecht haben und eigentlich zum Flüchtlingsproteste in der so genannten
desamt u.a. eine psychosoziale Stellung- Kreis derjenigen zählen, die sich in unsere „Gemeinschaftsunterkunft“ Katzhütte –
nahme sowie ein ärztliches Gutachten vor, Gesellschaft integrieren sollen und von wurden heute morgen gegen ca. 09:00
die davon ausgehen, dass der Vater mit der uns integriert werden sollen. Aber das Uhr durch 2 Mitarbeiter der Ausländer-
Versorgung und Pflege seines Sohnes al- ficht ihn anscheinend nicht an. Wem eine behörde Saalfeld-Rudolstadt unter Zuhil-
leine völlig überfordert wäre, so der AK Duldung ausgestellt wurde, der hat zuhau- fenahme polizeilicher und sicherheits-
Asyl Bielefeld. Seine im Kreis Gütersloh se zu bleiben! dienstlicher Gewalt gezwungen binnen
lebenden Verwandten seien in dieser Si- Gegen diese Haltung hat sich gestern einer Stunde ihre persönlichen Sachen zu
tuation eine absolut notwendige Unter- die Ausländerbehörde für Stadt und Kreis packen, um einerseits nach Eisenach
stützung. Ein Onkel würde darüber hinaus Kassel ausgesprochen. Sie möchte – so- (Sbaih) und andererseits nach Greiz
die Vormundschaft übernehmen, falls der fern der/die Betroffene rechtzeitig persön- (Sajren) zwangsumverteilt zu werden.
Vater die Betreuung nicht mehr wahrneh- lich vorspricht – eine Durchfahrtgenehmi- Nach der Ankündigung des Landrats-
men könnte. Der Vater habe vorher meh- gung für die Stadt Hann. Münden (Nie- amtes die unmenschlichen (baulichen)
rere Jahre im Kreis Gütersloh gewohnt dersachsen) erteilen. Die Ausländerbehör- Zustände im Barackenlager Katzhütte
und gearbeitet und könne sofort wieder ei- de meint, den Gesetzen entnommen zu bis Ende April „gelöst“ (sprich saniert)
nen Arbeitsplatz bekommen. Dem haben, dass die Reise von Kassel in die zu haben, verstrich dieses selbst gestellte
Rechtsanwalt liegt bisher keine Entschei- Gemeinde Oberweser im Landkreis Kas- Ultimatum ohne die Einlösung der voll-
dung des Bundesamtes in dieser Angele- sel für jene ausländischen Staatsangehöri- mundigen Versprechungen. Kurz vor
genheit vor. gen nur dann durch die Stadt Hann. Mün- Monatsende wurde einigen(!) der betrof-
Der AK Asyl Bielefeld fordert die Aus- den hindurch führen darf, wenn hierzu fenen Flüchtlinge kurzfristig! das Ange-
länderbehörde auf, den Haftantrag sofort eine ausländerrechtliche Genehmigung bot unterbreitet, sich freiwillig in andere
zurückzunehmen, damit der junge Iraker erteilt wurde. Ansonsten läge eine Ord- Lager umverteilen zu lassen, welches
aus der Abschiebehaft entlassen werden nungswidrigkeit, bei wiederholtem Ver- von 2 Familien und 5 Einzelpersonen
kann. Darüber hinaus solle das Bundes- stoß gar eine Straftat vor. „dank“ der bestehenden Gesundheitsge-
amt von seiner Möglichkeit des „Selbst- In der Sitzung des städtischen Aus- fährdung auch angenommen wurde.
eintrittsrechtes“ Gebrauch zu machen und schusses für Sicherheit, Recht, Integration 10 Asylbewerberparteien, davon 4 Fa-
den Asylantrag von Vater und Sohn in und Gleichstellung am Donnerstag, den 8. milien entschieden sich allerdings, sich
Deutschland entgegenzunehmen. Nur so Mai 2008, im Rathaus der Stadt Kassel nicht von ihren aufgestellten Forderun-
könne der Vater bei der Versorgung des bekräftigte der Leiter des Ordnungsamtes gen nach dezentraler Unterbringung in
Sohnes hier die dringend notwendige Un- jedoch seinen guten Willen, für die recht- Saalfelder Wohnungen ohne „Lagersys-
terstützung durch die Verwandten erhal- zeitige Ausstellung von Transitvisa sorgen tem“ abbringen zu lassen und formulier-
ten. Beide Flüchtlinge haben im Irak zu wollen. ten den ihnen vorgesetzten „Antrag“
schreckliche Dinge erlebt und haben ein Diesen histori- dementsprechend.
Recht, endlich zur Ruhe zu kommen und schen Akt der Wie- Diese Asylbewerber ste-
menschenwürdig behandelt zu werden. dereinführung des hen als Beispiel für die
Quelle: Flüchtlingsrat NRW e.V. ■ ersten „innerdeut- Nachhaltigkeit der aufge-
schen Transitvi- stellten Forderungen nach
Wiedereinführung des „in- sums“ seit dem Schließung des Baracken-
Untergang der lagers in Katzhütte und für
nerdeutschen Transitvisums“ Deutschen Demo- die Unterbringung aller
Kassel. Jährlich einmal – und dies bereits kratischen Repu- Flüchtlinge in menschlich
ums:
seit 13 Jahren – veranstaltet das Regie- blik gilt es gebüh- rf eine s Transitvis normalen Wohnungen –
u
rungspräsidium Kassel das „Sattelfest“ – rend zu feiern! Da- Entw nnte es aussehen... ohne Anwendung des bis-
ö
eine Freizeitveranstaltung, bei der die her haben wir we- So k lang gängigen Lagersys-
Bundesstraßen entlang der Fulda und We- der Kosten noch tems mit Schikanierung
ser zwischen Kassel und der Gemeinde Mühe gescheut der Menschen durch eine
Oberweser (Landkreis Kassel) für den und ein Formular so genannte „Heimlei-
motorisierten Verkehr gesperrt sind, damit für das neue Tran- tung“ sowie die Anwen-
sich Fahrradfahrer/innen ungestört auf die sitvisum entwor- dung gesetzlich möglichen
Reise bei – hoffentlich – schönstem Wet- fen. Das Formular Bleiberechts für Flüchtlin-
ter machen können. Das 14. „Sattelfest“ wird möglicher- ge, die sich schon seit Jah-
findet nun am Sonntag, den 18. Mai 2008, weise im Format ren in Deutschland aufhal-
statt. Jedermann und jede Frau sind einge- DIN-A-5 ausgege- ten.
laden. Wirklich? ben werden und ist Von diesen 10 Asylbe-
Ausgerechnet der für’s Ausländerrecht dann doppelseitig bedruckt. werberparteien werden nun ausgerechnet
zuständige Dezernent beim Regierungs- Presseerklärung vom 9.5.2008, die zwei Protagonisten in zwei verschie-
präsidium Kassel verweigert einigen aus- Hessischer Flüchtlingsrat ■ dene Lager in unterschiedlichen Rich-

12 :antifaschistische nachrichten 10-2008


tungen umverteilt – „Ein Schelm, wer
Böses dabei denkt!“. Der Eindruck, dass
hier der Widerstand der Betroffenen
durch „bestrafende Zwangsumvertei-
lung“ für die politisch Aktivsten gebro-
chen werden soll ist nicht nur augen-
scheinlich, sondern nur allzu leidlich be-
kannter Aktionismus lokal zuständiger
Verwaltungsbehörden.
Erneut sollen hier die couragierten
Stimmen des Protestes auf diese weise
zum Schweigen gebracht oder zumindest
aus dem Fokus des Brennpunktes „ent-
fernt“ werden!
Ein anwesender Journalist von OTZ
(Ostthüringer Zeitung) wurde mit Ver-
weis auf das bestehende Hausrecht der
Behörde nicht auf das Gelände vorgelas-
sen und Fotografien der stattfindenden
Maßnahme durch solidarische Mitbe-
wohner im Barackenlager untersagt! „Es gibt viele Möglichkeiten sich gegen Sottrum hat’s völlig gereicht. Konkret:
Die Informationspolitik der Presse- Unterdrückung zur Wehr zu setzen und Die Aktion fing direkt vor der Firmen-
stelle des Landkreises ist gelinde gesagt für die eigenen Rechte einzustehen!“ zentrale von K&S an – mit Trommeln
„zurückhaltend“ – so gibt es keinerlei In- Mohammed N.S. Sbaih – Sprecher der und lauten Slogans: „Das Lager muss
formation über die im Weiteren geplan- Katzhütter Flüchtlinge (ab sofort in Ei- weg“ sowie „K&S – Lagerprofiteur“. Im
ten „Sanierungsarbeiten“ weder für die senach!) Anschluss wurden verschiedene Rede-
Vertreter der Flüchtlings-Selbsthilfe-Or- Für mehr Informationen: beiträge gehalten. Neben konkreten Infos
ganisation The VOICE Refugee Forum E-Mail: thevoiceforum@emdash.org über das Unternehmen K&S (als dem
noch für offizielle Vertreter der Presse – Homepage: http://thevoiceforum.org ■ größtem privaten Lagerbetreiber in
die Zusammenarbeit mit dem Flücht- Deutschland) gab es insbesondere zwei
lingsrat Thüringen wurde aufgekündigt! Katzhütte: Solidaritäts- weitere Redebeiträge: Zum einen von ei-
Die Katzhütter Flüchtlinge haben mit nem Lagerbewohner aus Katzhütte, zum
einer Erklärung auf die neue Situation aktion bei K&S anderen von einem Flüchtlingsaktivisten
reagiert: Sottrum. Seit Februar protestieren die aus Oldenburg, der im Oktober 2006 am
„Die Ausländerbehörde Saalfeld zu- BewohnerInnen des Flüchtlingslagers Flüchtlingsstreik im Ein- und Ausreisela-
sammen mit der Heimleitung Katzhütte Katzhütte gegen ihre Unterbringung in ger Blankenburg/Oldenburg beteiligt
haben uns Ende April dazu aufgefordert, einer völlig maroden Barackensiedlung war.
Umverteilungsanträge in andere Lager mitten im Thüringer Wald. Statt Lager- Nach der Auftaktkundgebung ging es
auszufüllen, damit die angekündigte unterbringung fordern sie das Recht, ei- als Demo weiter – einmal quer durch
„Renovierung“ der Baracken und Bun- gene Wohnungen zu beziehen – ein-
galows durchgeführt werden kann. schließlich eines Bleiberechts für alle.
Wir möchten hiermit erklären, dass Verantwortlich für das Lager sind in
wir uns nicht mit dieser Form der „Ver- erster Linie die zuständigen Behörden
teilung“ unseres Widerstandes gegen die in Thüringen, doch auch der private
seit Jahren praktizierte Behandlung Betreiber des Lagers – das Unterneh-
durch die zuständigen Behörden einver- men K&S – spielt eine zentrale Rolle.
standen erklären können, sondern darin Das ist der Grund, weshalb am
vielmehr eine weitere Form der „Bestra- Donnerstag vormittag (8.5.) eine Pro-
fung“ und Nichtanerkennung unserer testkundgebung vor der Firmenzentra-
Forderungen sehen. Wir akzeptieren kei- le von K&S in Sottrum (einem kleinen
ne „kleinen Lösungen“ um uns ruhig zu Örtchen zwischen Bremen und Ham-
stellen! burg) stattgefunden hat – inklusive an-
Gegen jede Kontrolle und Kriminali- schließender Demo. Die Aktion kam
sierung der Flüchtlinge werden wir tau- (unerwarteterweise) auch deshalb zur
send Mal aufstehen und protestieren! rechten Zeit, weil die Ausländerbehörde Sottrum. Sinn und Zweck der (hochsom-
Wir fordern die Schließung aller Isola- erst am Vortag zum bislang heftigsten merlichen) Veranstaltung war es, die
tionslager in Deutschland! Wir wollen in Gegenschlag ausgeholt hatte: Nachdem Leute über die Machenschaften von
normalen Häusern wohnen und nicht in sie bereits in den letzten Wochen die K&S zu informieren. Denn K&S ist vor
Baracken! Wir wollen ein Bleiberecht für FlüchtlingsaktivistInnen in Katzhütte allem als Betreiber von Seniorenresiden-
alle Flüchtlinge! Kein Kompromiss mit immer wieder auf unterschiedliche Wei- zen bekannt – und dieses Image galt es
Abschiebungen und Residenzpflicht! se bedroht hatte, wurden am Mittwoch anzukratzen.
Wir wollen ein selbst bestimmtes die beiden Sprecher des Protests in ande- Am Ende der Demo wurde einmal
Leben! re Lager in Thüringen strafverlegt. Um mehr darauf hingewiesen, dass K&S
Für die Unterstützung unserer Kampa- so schöner war es, dass aus Katzhütte nicht nur in Sottrum zu Hause ist – ein
gne gegen Isolationslager in Thüringen dennoch mehrere BewohnerInnen nach kurzer Blick auf die Webseite des Unter-
und Deutschland rufen wir euch zur Teil- Sottrum gekommen waren (wo im übri- nehmens macht vielmehr deutlich, dass
nahme und zu Spenden auf! Schließt gen auch die Katzhütter Lagerleiterin Soli-Aktionen für die AktivistInnen in
euch uns an! Schließt die Baracken in weilte...). Katzhütte an ganz verschiedenen Orten
Katzhütte!!! An der Aktion waren etwa 40 Leute über die Bühne gehen könnten.
Katzhütte, den 1. Mai 2008 beteiligt. Das ist zwar nicht viel, aber für http://thevoiceforum.org ■

: antifaschistische nachrichten 10-2008 13


S eit Mitte April machen in Paris Streiks von Beschäftigten ohne Papiere, den
Travailleurs sans papieres, Schlagzeilen. Bestreikt wurden Betriebe des
Reinigungs-, Bau-, Gaststätten- und Hotelgewerbes, u. a. das „le Café de la
Jatte“, ehemals Stammlokal von Nicola Sarkozy vor seinem Umzug in den
Elysee Palast. Zur Unterstützung der Forderung nach Ausweitung der Regulie-
rung und Ausstellung von Papieren war am Freitag, den 2. Mai die „Bourse
du Travail“, die Arbeitsbörse mitten im Zentrum von Paris am Place de la Ré-
publique besetzt worden. Wir besuchten die Bourse du Travail am nächsten
Tag. Im Innenhof und verteilt auf alle Etagen des Gebäudes waren Pappen
als Schlaflager ausgelegt. In der ersten Etage befand sich die Küche, in der
laufend Tee und Kaffee, dazwischen Brote und Reis- und Hirsegerichte ausge-
teilt wurden. Laut Auskunft der Besetzerinnen sind tagsüber um die 150 und
nachts doppelt so viele Leute da. Die Belegschaft wechselt ständig, weil die
Leute arbeiten und ihre Familien versorgen müssen. Zwischen musikalischen
Einlagen wurden verschiedenste Ansprachen vorgetragen oder Berichte zur
Situation abgegeben.

Die Tagespresse und selbst die Pariser Umsonstzeitungen wie Metro und
20-Minutes berichten täglich über die Auseinandersetzungen.
Die meisten der Betroffenen arbeiten seit über 10 Jahren in Frankreich. Weil
sie sich mit irgendwelchen Papieren beim Arbeitgeber angemeldet haben,
zahlen sie normal Steuer- und Versicherungsabgaben, ohne aber einen An-
spruch auf entsprechende Leistungen zu erwerben. Seit Sarkozys Zeit als In-
nenminister wurde ihnen der Anspruch auf Regulierung nach 10-jähriger Be-
schäftigung genommen und in eine willkürliche Kann-Regelung umgewan-
delt. Zur selben Zeit machen 100 Hungerstreikende im Abschiebegefängnis
in Vincenne von sich reden. Eine Demonstration von mehreren Hundert Teil-
nehmerInnen machte sich am Samstagnachmittag unter Begleitung dreier
bekannter Rap-Gruppen auf den langen Marsch von der Porte Dorré vorbei
am Bois de Vincenne bis zur Haftanstalt, um ihnen ihre Solidarität und die
Unterstützung ihrer Forderung zu bekunden. Pb ■

Der Arbeitskampf der Sans papiers Frankreich:


oder „illegalisierten“ Einwanderer,
die seit dem 15. April dieses Jahres
im Raum Paris um ihr Aufenthaltsrecht Sans papiers-Streiks
kämpfen (vgl. die letzten beiden Ausga-
ben der AN), steckt Mitte Mai in einer
schwierigen Situation. Regierung und
vorläufig in der Klemme
Präfekturen (Polizei- und Ausländerbe- litische Motive: Es soll nicht die Erinne- welle von „illegalen Einwanderern“ am
hörden) erfüllen entgegen mancher ur- rung an einen „leichten Sieg“ zurückge- 15. April begonnen wurde, sondern be-
sprünglicher Erwartungen die Forderung, lassen, sondern zumindest an Einzelnen reits am 27. März – isoliert von anderen
den einigen hundert Streikenden Aufent- ein Exempel statuiert werden. Denn jene, Kämpfen – ausbrach. Denn bei Fabio
haltstitel zu erteilen – was ihren Ausstand die nunmehr als „Illegale“ bekannt sind, Lucci war das auslösende Moment des
beenden würde –, überwiegend nicht. aber ihre „Legalisierung“ durch den aktu- Streiks das Ausbleiben seit Monaten nicht
Vielmehr setzen sie offenkundig in der ellen Kampf nicht erreicht haben, dürften ausbezahlter Löhne: Die Billiganbieter-
Mehrheit der Fälle auf eine Zermürbungs- nunmehr auch ihren Job verlieren – die kette hatte auf Subfirmen zurückgegriffen,
taktik, die den Streik „sich totlaufen“ las- geltende Gesetzgebung sorgt dafür, dass um Sicherheitspersonal und Wachleute
sen soll und als Abschreckung für zukünf- auch der Arbeitgeber sich strafbar macht, einzustellen. Von drei Subfirmen sind
tige Streikwillige wirken könnte. Denn wenn er bewusst und in vollem Wissen mutmaßlich zwei zum Objekt eines betrü-
alle Beteiligten wissen, dass es über die „illegal“ sich in Frankreich aufhaltende gerischen Bankrotts geworden, da der je-
rund 900 Personen, die derzeit im Rah- Lohnabhängige beschäftigt. weilige Chef allem Anschein nach mit der
men des Streiks ihre „Legalisierung“ be- Hingegen gibt es in Paris bislang noch Kasse durchgebrannt ist. Fabio Lucci hat-
antragt haben, geschätzte 200.000 bis keine positiven Antworten; die örtliche te auf solche dubiosen Subfirmen zurück-
400.000 weitere Einwanderer gibt, die Präfektur (die in der Hauptstadt „Polizei- gegriffen, um ihre Sicherheits- und Wach-
ohne gültigen Aufenthaltstitel in Frank- präfektur“ heißt) erklärte aber, unter ins- leute zu Stundenlöhnen von circa 3,50
reich arbeiten. gesamt 205 eingereichten Dossiers seien Euro einstellen und einer Überausbeutung
Die einzige positive Ausnahme aus „fünfzehn juristisch solide“, für die eine unterwerfen zu können – was nur deshalb
Sicht der Betroffenen findet sich bislang „Legalisierung“ in Aussicht stehen könn- möglich ist, weil es sich um Sans Papiers
im Département Hauts-de-Seine (92), das te. handelt, da solcherlei Stundenlöhne weit
unmittelbar westlich an Paris grenzt und Insbesondere wurde an den beiden unterhalb des gesetzlichen Mindestlohns
überwiegend wohlhabendere Vororte von größten „Brennpunkten“ des Streiks in (SMIC, rund 8,50 Euro die Stunden) total
Paris umfasst. Dort wurden 27 von insge- Paris, bei dem Billig-Klamottenverkäufer illegal sind. Die Streikenden bei Fabio
samt 30 streikenden Sans papiers, die im Fabio Lucci im 19. Pariser Bezirk (an der Lucci fordern die nachträgliche Ausbe-
Département zu verzeichnen waren, durch Porte de Pantin) sowie bei der Restaurant- zahlung sämtlicher ausstehender Löhne,
die Präfektur von Nanterre „legalisiert“ kette „Chez Papa“, bislang keine einzige dass die Kette die Verantwortung für das
(régularisés). Dass bislang drei Personen „Legalisierung“ ausgesprochen. Agieren ihrer Subfirmen übernimmt so-
von diesem Vorgang ausgenommen wur- Bei Fabio Lucci besteht insofern eine wie sich bei den Behörden für ihre „Lega-
den, hat hingegen offenkundig keine trifti- Sondersituation, als hier der Streik nicht lisierung“ einsetzt. Ihr Ausstand wird
gen juristischen Gründe, sondern rein po- im Rahmen der jüngsten Arbeitskampf- durch die CGT und örtliche linke Kräfte

14 antifaschistische nachrichten 10-2008


stark unterstützt. Nach über 50 Streikta- als Druckmittel betrachtet und benutzt bei den Präfekturen (= Polizei- und Aus-
gen sind die Teilnehmer an dem Arbeits- werden, um die Dossiers der betroffenen länderbehörden) eingereichten 1.000
kampf, die überwiegend aus Westafrika Sans papiers in ihrer Gesamtheit voran- Dossiers als (vor)dringlich zu behandeln.
stammen, jedoch nahezu erschöpft. kommen zu lassen. Bislang hatten die Was die CGT ihrerseits ablehnt, mit der
Die Kette Fabio Lucci will bisher von Hauptorganisatoren des Ausstands, der Begründung, jene, die sich selbst gewerk-
den Forderungen nichts wissen; nach ei- Gewerkschaftsbund CGT und Droits de- schaftlich organisieren und an einem
nem Streikmonat sah es Ende April vorü- vant!, noch eine sofortige Ausdehnung Streik teilnehmen, seien als Verhand-
bergehend nach einer Regelung des Kon- des Streiks – an dem gerne auch andere lungsteilnehmer vorrangig, „dies ist nun
flikts aus, aber in mehreren Fällen wurden abhängig Beschäftigte teilgenommen hät- einmal die Basis des Gewerkschaftswe-
Streikteilnehmer durch ungedeckte ten – abgelehnt. Und zwar aus der Erwä- sens“ (so die CGT-Sekretärin Francine
Schecks – die durch die Banken zurück- gung heraus, dass der unmittelbare Blanche).
gewiesen wurden – bezahlt. Nunmehr mi- Kampferfolg nicht gefährdet werden dür- Dies hat durchaus seine Logik, denn
schen sich bei ihnen Wut, Erschöpfung fe, indem man den Streik überdehne und tatsächlich definiert sich die Aktivität ei-
und ein Anflug von Resignation. Ihr eine Anzahl von „Legalisierungen“ forde- ner Gewerkschaft nun einmal zuvörderst
Kampf geht dennoch weiter, und wird am re, die politisch unter dem momentanen über die aktive Solidarität und das eigene
Dienstag Abend dieser Woche (20. Mai) Kräfteverhältnis nicht durchsetzbar ist. Einbringen in kollektive Streiks. Es hat
durch eine größere Kundgebung und die Tatsächlich kann perspektivisch nur ein ebenfalls seine Logik, dass die CGT
Aufführung eines engagierten Theater- gewonnener Kampf, nicht aber ein verlo- „ihre“ derzeit bei den Präfekturen in Paris
stücks wieder durch breite Kräfte von au- rener positiv im Gedächtnis bleiben und und in den Bezirkshauptstädten im Pariser
ßen unterstützt werden. Das ist auch bitter dadurch zur „Nachahmung“, also zu wei- Umland eingereichten Dossiers von
nötig, denn am selben Tag wird ein Pari- teren Kämpfen motivieren: Verlorene Streikteilnehmern zuerst behandelt sehen
ser Gericht über einen Antrag des Unter- Kämpfe hinterlassen nur bleischwere Re- möchte: Alle Kollektive und Koordinatio-
nehmens auf polizeiliche Räumung der signation und Bitterkeit. nen von Sans papiers, die bislang existie-
besetzten Arbeitsstätten verhandeln. Insofern hatte die Überlegung, den ren und (infolge von Demonstrationen,
Bei der Restaurantkette „Chez Papa“ Streik nicht sofort über einen gewissen Besetzungsaktionen, öffentlichem Druck
sind, an ihrem Stammsitz in der rue de Punkt (gut 900 Dossiers zur „Legalisie- usw.) de facto als Verhandlungspartner
Lafayette im 10. Pariser Bezirk, derzeit rung“, die bei den Präfekturen im Raum der Staatsmacht auftreten können, han-
über 30 Sans Papiers im Streik. Sie stam- Paris eingereicht wurden) hinaus auszu- deln ihrerseits ähnlich. Wenn die Präfek-
men aus Senegal, Mauretanien, Mali und dehnen, anfänglich durchaus eine gewisse tur einem Sans papiers-Kollektiv zu er-
dem Maghreb (Marokko/Algerien/Tune- Logik. kennen gibt, dass sie bereit sei, 200 Perso-
sien). Bislang war in ihrem Falle noch Auch wenn manche Unterstützer die nen zu „legalisieren“, dann wählt das Kol-
keine positive Antwort der Pariser Polizei- vorläufige Beschränkung der Streikziele lektiv seinerseits 200 Namen aus, um sie
präfektur zu verzeichnen. Auch ihr Aus- auf einen „zu legalisierenden“ Personen- bei der Präfektur einzureichen – und tut
stand, an dem Unterstützerkreise (in dem kreis von einigen hundert Streikteilneh- dies unter Berücksichtigung derjenigen,
Fall überwiegend KP und CGT) teilneh- mern als „Verrat der CGT“ u.ä. anpran- die selbst beim eigenen Kollektiv organi-
men, dauert fort. gerten, so war dieses Vorgehen dennoch siert oder dort aktiv sind.
Unterdessen hat Jean-Claude Amara nicht unlogisch. Aber gleichzeitig ist es Insofern handelt es sich um eine nach-
von der Bewegung „Droits devant!“ vor diesem Hintergrund auch nicht ver- vollziehbare, aber beklagenswerte „Kon-
(‚Rechte zuerst‘, „Rechte“ im Sinn von wunderlich, ja war es quasi unvermeid- kurrenz“logik, die jedoch aufgrund des
Rechtsansprüche und nicht von politi- lich, dass es auch zu ernsthaften Konflik- Handelns der Gegenseite quasi unver-
scher Rechter...), einer Art PR-Agentur ten innerhalb der Sans papiers- und Unter- meidlich zu werden schien: Die Pariser
für soziale Bewegungen, ein vorläufiges stützerInnen-Szene kommen würde. Regierung hatte der CGT signalisiert, das
mageres Fazit für die Streikergebnisse ge- Seit dem 2. Mai besetzt die „Pariser sie bereit sei, 1.000 „Legalisierungen“ in
zogen. Er rechne mit „15 bis 20 Prozent“ Koordination der Sans papiers“ bereits Erwägung zu ziehen, hat ihr aber zugleich
positiven Antworte auf die eingereichten mit rund 300 Leuten die Lokale der CGT als Gegenleistung abgefordert, die aktuel-
Dossiers, mehr nicht, erklärte Amara in und das Pariser Gewerkschaftshaus, um le Bewegung zu „beruhigen“. Also keine
einem am 16. Mai veröffentlichten Kom- Druck für ihre Forderung zu entfalten, neuen Streiks für „Legalisierung“ unmit-
muniqué. Deswegen werde nunmehr eine 1.000 ihrerseits zusammengestellte Dos- telbar nachkommen zu lassen.
zweite Welle von Streiks vorbereitet, der siers zu akzeptieren und ebenso wie die Das wirklich Niederschmetternde dabei
ist freilich, dass die Regierungsseite sich
nun nicht einmal an ihren eigenen, infor-
mellen Vorschlag (rund 1.000 „Legalisie-
Der Herausgabekreis und die Redaktion sind zu erreichen über:
GNN-Verlag, Venloer Str. 440, 50825 Köln Tel. 0221 / 21 16 58, Fax 0221 / 21 53 73. rungen“) gebunden zu sein fühlt, sondern
email: antifanachrichten@netcologne.de, Internet: http://www.antifaschistische-nachrichten.de im Moment sogar nur noch von rund 100
Erscheint bei GNN, Verlagsges. m.b.H., Venloer Str. 440, 50825 Köln. V.i.S.d.P.: U. Bach möglichen „Legalisierungen“ spricht. An-
Redaktion: Für Schleswig-Holstein, Hamburg: W. Siede, erreichbar über GNN-Verlag, Neuer Kamp 25, scheinend sieht das Regierungslager das
20359 Hamburg, Tel. 040 / 43 18 88 20. Für NRW, Hessen, Rheinland Pfalz, Saarland: U. Bach, Kräfteverhältnis zu seinen Gunsten.
GNN-Verlag Köln. Baden-Württemberg und Bayern über GNN-Süd, Stubaier Str. 2, 70327 Stuttgart, Tel.
0711 / 62 47 01. Für „Aus der faschistischen Presse“: J. Detjen c/o GNN Köln. Ob dem so ist, bleibt abzuwarten bzw.
Erscheinungsweise: 14-täglich. Bezugspreis: Einzelheft 1,30 Euro. auszutesten.
Bestellungen sind zu richten an: GNN-Verlag, Venloer Str. 440, 50825 Köln. Sonderbestellungen sind Ab dieser Woche ist deswegen mit er-
möglich, Wiederverkäufer erhalten 30 % Rabatt. neut ausbrechenden Streiks von Sans Pa-
Die antifaschistischen Nachrichten beruhen vor allen Dingen auf Mitteilungen von Initiativen. Soweit ein- piers in verschiedenen Betrieben, Restau-
zelne Artikel ausdrücklich in ihrer Herkunft gekennzeichnet sind, geben sie nicht unbedingt die Meinung rants usw. zu rechnen. Die beiden linken
der Redaktion wieder, die nicht alle bei ihr eingehenden Meldungen überprüfen kann. Basisgewerkschaften SUD-Rail (SUD
Herausgabekreis der Antifaschistischen Nachrichten: Anarchistische Gruppe/Rätekommunisten (AGR); Annelie Bun-
tenbach (Bündnis 90/Die Grünen); Rolf Burgard (VVN-BdA); Jörg Detjen (Verein für politische Bildung, linke Kritik und Kom-
Schienenverkehr) und SUD-Nettoage
munikation); Martin Dietzsch; Regina Girod (VVN - Bund der Antifaschisten); Dr. Christel Hartinger (Friedenszentrum e.V., (SUD Reinigungsgewerbe) haben ihrer-
Leipzig); Hartmut-Meyer-Archiv bei der VVN - Bund der Antifaschisten NRW; Ulla Jelpke (MdB); Marion Bentin, Edith Berg- seits am Montag, 19. Mai angekündigt,
mann, Hannes Nuijen (Mitglieder des Vorstandes der Arbeitsgemeinschaft gegen Reaktion, Faschismus und Krieg–
Förderverein Antifaschistische Nachrichten); Kreisvereinigung Aachen VVN-BdA; AG Antifaschismus/ Antirassismus in
solche Ausstände zu unterstützen und zu
der PDS NRW; Angelo Lucifero (Landesleiter hbv in ver.di Thüringen); Kai Metzner (minuskel screen partner); Bernhard begleiten.
Strasdeit; Volkmar Wölk. Bernhard Schmid, Paris ■

: antifaschistische nachrichten 10-2008 15


: aus der faschistischen Presse
es das in der Geschichte immer gegeben.
Die Beziehungen zwischen Türken und
Deutschen könnten freundschaftlich
Die Junge Freiheit und das ten beginnen zu lassen. Und weil der sein, wenn da nicht die von Bundesregie-
Existenzrecht Israels Prozess ein ,unabschließbarer‘ ist, wird rung und EU geduldete und forcierte
der siebzigste Gründungstag Israels in Massenzuwanderung wäre. „Zu denen,
Junge Freiheit Nr. 20/08 vom 9.05.2008 Deutschland gewiss mit noch größerer die mit uns im Kampfe lagen, gehörten
„Das Existenzrecht Israels ist eine Intensität begangen werden als jetzt der nicht die Moslems, aus deren Reihen kei-
Selbstverständlichkeit – wie das Exis- sechzigste.“ nerlei feindselige Akte gegen Deutsch-
tenzrecht eines jeden Landes!“, schreibt land erfolgen.“ Da sieht Frey ganz ande-
das Blatt. Nun ist das im Blatt nicht Peter Krauses Nichtantritt re Feinde: Merkel wolle das deutsche
selbstverständlich. Gegen das Existenz- Volk an der Seite Israels in den „Kampf
recht Polens und der Tschechoslowakei Junge Freiheit Nr. 21/08 vom 16.5.2008 der Kulturen“ zwingen. Bei ihrem Be-
in den bestehenden Grenzen hat das Blatt Der ehemalige JF-Redakteur Peter Krau- such in Israel habe sie eine Verpflichtung
bislang (und wohl auch weiterhin) die se hat seine Kandidatur zum Kultusmi- aller kommenden Gegenrationen „erfun-
Ansprüche der revanchistischen Vertrie- nister in Thüringen zurückgezogen. Vo- den, für alle Zeit die Interessen Israels
benenverbände gestellt. Im Fall Israel ist rausgegangen waren zahlreiche Proteste wahrzunehmen.“ Früher oder später wer-
auch die zitierte Aussage relativ gemeint. aus den Reihen demokratischer und anti- de aber „eine Generation in Deutschland
Auf der einen Seite bewundert das Blatt faschistischer Kräfte. Chefredakteur herrschen, die die Interessen Deutsch-
in seiner militaristischen Manier die mi- Dieter Stein behauptet: „In der vergange- lands wahrnehmen will.“ „Die Erbsün-
litärischen Leistungen der israelischen nen Woche hat die deutsche Demokratie de“, die Merkel den kommenden Gene-
Armee und fragt den Neffen von Moshe in den Spiegel geblickt und ins Antlitz ei- rationen aufzwingen wolle, sei für die is-
Dajan: „Vielen, vor allem konservativen ner Grimasse gesehen“ und fordert am lamische Welt ohne Interesse. Als Kron-
Deutschen, imponiert dieser nationale Ende: „Ist es billig, als im Rahmen der zeuge dient Frey dafür der iranische
Selbstbehauptungswille ungemein, eben- Kampagne gegen Krause mittelbar be- Staatspräsident, der in einem Interview
so wie das überragende militärische Ge- troffene Zeitung Fairness, offenen Dia- mit der Welt dafür plädiert habe, freie
schick Ihres Onkel, das sie zum Beispiel log und eine andere politische Kultur zu Forschung zuzulassen, auch in Bezug auf
an Feldmarschall Rommel erinnert.“ fordern? Nein, nicht nur im eigenen Inte- die Geschichte – ohne es direkt auszu-
Auf der anderen Seite veröffentlicht es resse der Meinungsfreiheit, sondern je- sprechen ist hier natürlich der Holocaust
ein Bild mit der Unterschrift: „Illegale des politisch Andersdenkenden wird die- gemeint. 60 Millionen Tote – „Wie
jüdische Einwanderung (1947): Landung ser Appell vorgetragen.“ kommt es, dass Menschen, die das –
der ,United States’ mit jüdischen Eiwan- Wie ernst dieser Appell gemeint ist, selbst in kleinstem Umfang – infrage
derern aus Mitteleuropa bei Nahariya lässt sich daran ablesen, dass das Blatt stellen, verfolgt und angegriffen wer-
(Palästina)“. gleichzeitig eine Kampagne gegen das den?“ lässt Frey Ahmadinedschad fra-
Dem 60. Jahrestag der Staatsgrün- Internet-Portal „Netz-gegen-Nazis.de“ gen. Holocaust-Leugnung? Nein, man
dungs Israels widmet das Blatt mehrere der Wochenzeitschrift „Die Zeit“ eröff- stellt ja nur Fragen, aber jede/r weiß, was
Aufsätze, die zwei Problemkreise an- net und zu Protesten bei der Chefredakti- gemeint ist. u.b. ■
sprechen: Zum einen die angeblich „ille- on der Zeit auffordert. uld ■
gale“ Gründung des Staates und zum
zweiten die Position der Bundesrepublik Bündnis gegen rechtsextreme Umtriebe
„Ist der Islam Deutschlands im Oberland:
Deutschland zu Israel und zur deutschen
Geschichte. Hier vertritt das Blatt nach Feind?“ Kommen am 1.6. doch Rechtsex-
wie vor die These, die Erinnerung und Nationalzeitung Nr. 19 vom 2.5.08 tremist/innen nach Schliersee?
die Lehren aus dem Nationalsozialismus Zu dieser Frage greift Dr. Gerhard Frey Schliersee. Am vergangenen Samstag fand
sei ein Prozess, bei dem es sich um „kei- selbst zur Feder und kritisiert erst ein- in Schliersee eine Informationsveranstal-
ne Essenz ihrer historischen Existenz mal die Behauptung der „Meinungsin- tung und ein antifaschistisches Konzert statt.
mehr (handele), sondern um deren Aus- dustrie“, „die Moslems strebten nach Die über 100 Besucherinnen und Besucher
löschung.“ Weltherrschaft“. „Das Streben nach der der Veranstaltung „love music hate fascism“
Zynisch endet der Aufsatz mit der Be- Weltherrschaft wäre noch keine Todsün- setzten ein deutliches Zeichen gegen
Rechts.
merkung „Längst wird überlegt, die Ho- de, auch nicht die Weltherrschaft Das Bündnis warnt jedoch davor, sich vor-
locaust-Erziehung schon im Kindergar- selbst...“ findet Frey (!), schließlich habe schnell über eine angebliche Absage der
extrem rechten „Annaberg-Gedenkfeier“ zu
BESTELLUNG: Hiermit bestelle ich … Stück pro Ausgabe (Wiederverkäufer erhalten 30 % Rabatt)
freuen. Nach aktuellen Informationen der
O Halbjahres-Abo, 13 Hefte 22 Euro
antifaschistischen Informations-Dokumenta-
O Förder-Abo, 13 Hefte 27 Euro
tions- und Archivstelle München (aida-ar-
Erscheinungsweise:
14-täglich
chiv), planen nämlich Neonazis aus dem
O Jahres-Abo, 26 Hefte 44 Euro
gesamten Bundesgebiet am 1. Juni am
O Förder-Abo, 26 Hefte 54 Euro
Weinberg aufzumarschieren. In einer ge-
O Schüler-Abo, 26 Hefte 28 Euro
heimen Mobilisierung versuchen sowohl
O Ich möchte Mitglied im Förderverein Antifaschistische Nachrichten werden. Der Verein unterstützt finanziell
und politisch die Herausgabe der Antifaschistischen Nachrichten (Mindestjahresbeitrag 30,- Euro).
NPD-Kader als auch die rechtsextreme Jun-
ge Landsmannschaft Ostdeutschland (JLO)
Einzugsermächtigung: Hiermit ermächtige ich den GNN-Verlag widerruflich, den Rechnungsbetrag zu Lasten
nach Schliersee zu mobilisieren. Die JLO
meines Kontos abzubuchen. (ansonsten gegen Rechnung)
richtet seit Jahren den mittlerweile bundes-
weit bedeutsamsten Neonaziaufmarsch
Name: Adresse:
zum Jahrestag der Bombardierung Dres-
dens aus. Das Bündnis gegen rechtsextre-
Konto-Nr. / BLZ Genaue Bezeichnung des kontoführenden Kreditinstituts
me Umtriebe kündigt für den Fall einer er-
neuten rechtsextremen Gedenkfeier oder
Unterschrift
GNN-Verlag, Venloer Str. 440, 50825 Köln, Tel. 0221 – 21 16 58, Fax 21 53 73, email: gnn-koeln@netcologne.de
anderweitiger rechtsextremer Aktivitäten
Bankverbindung: Postbank Köln, BLZ 370 100 50, Kontonummer 10419507 antifaschistische Proteste an. ■

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