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:antifaschistische Nr.

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nachrichten g 3336 26.1.2006 22. jahrg./issn 0945-3946 1,30 ¤
www.antifaschistische-nachrichten.de

In München konnten am Sams-


tag, den 14. Januar Neonazis
ihre Propaganda öffentlich ver-
breiten. AntifaschistInnen hingegen
sahen sich immer wieder mit teils ge-
waltsamen Polizeieinsätzen konfron-
tiert.

Durch einen Polizeigroßeinsatz konnten


Neonazis um die Kameradschaft „Auto-
nome Nationalisten“ durch München
marschieren. In zahlreichen Vorkontrollen
sowie bei Blockadeversuchen durch Anti-
faschistInnen wurden über 30 Nazigegen-
erInnen verhaftet. Neonazis wurden laut
Pressemitteilung der Polizei 13 festge-
nommen, darunter einer der Redner.
„Wie in München ständige Praxis,“ so
die Rote Hilfe in ihrer Pressemitteilung,
„wurde die Dauer des Polizeigewahrsams,
ohne die gesetzlich vorgeschriebene rich-
terliche Überprüfung, stundenlang hi-
nausgezögert. Um 22 Uhr befanden sich
Propagandafreiheit für
noch immer mehr als die Hälfte der Ge-
fangenen in Haft. Gegen zwei Antifa-
schisten verhängte die Polizei Unterbin-
Neonazis
dungsgewahrsam. Wegen der schnellen fer und Hasselbach waren als weitere teilt. Philipp Hasselbach greift Mitte De-
Intervention eines Rechtsanwalts wurde Redner angekündigt: Mike Nwaiser zember bei einer versuchten nichtange-
diese umgehend durch den Ermittlungs- (München), Mitglied im Bundesvorstand meldeten Demonstration von 15 Neonazis
richter aufgehoben. Damit scheiterte die der „Jungen Nationaldemokraten/JN“; in der Sendlingerstraße Polizeibeamte tät-
Polizei ein weiteres Mal mit ihrem Ver- Christian Worch (Hamburg), seit Jahren lich an und wird daraufhin wegen Körper-
such, Protestierende ohne Strafvorwurf eine zentrale Figur der Neonaziszene und verletzung und Widerstand gegen Voll-
bereits im Vorfeld zu kriminalisieren. Die Anmelder zahlreicher Demos; Alexander streckungsbeamte vorläufig festgenom-
,harte Münchner Linie‘ der Polizei, dient Neidlein (Schwäbisch-Hall) und Hartmut men. (mehr Informationen dazu: Antifa-
offensichtlich dazu, junge Menschen von Wostupatsch (Würzburg). schistische Informations-Dokumentati-
Ihrem antifaschistischen Engagement ab- Die „Autonomen Nationalisten/AN ons- und Archivstelle München e.V.,
zuschrecken.“ München“ sind eine neonazistische Ab- A.I.D.A., info@aida-archiv.de, Internet:
Vollkommen ungeachtet der Ereignisse spaltung der „Kameradschaft München“ www.aida-archiv.de)
der letzten Tage und Wochen, bei denen des Kameradschaftsführers und NPD- Bei der antifaschistischen Kundgebung
z.B. der Anmelder des rechten Auf- Funktionärs Norman Bordin und treten sprachen Martin Löwenberg von der
marschs mehrfach nach gewalttätigen seit ihrer Gründung im Frühsommer 2005 VVN-BdA, Christian Beuker, Fraktion
Übergriffen festgenommen wurde, sowie äußerst aggressiv auf. Sie lehnen zum ei- Grüne-Rosa Liste sowie Claus Schreer,
verbotenen Nazi-Schmierereien im Vor- nen die derzeit starke Zusammenarbeit Sprecher des „Aktionsbündnisses gegen
feld der Versammlung bemühte sich die von Teilen der „freien Kräfte“ mit der die Nato-Konferenz“.
Polizei um eine auch gewaltsame Durch- NPD im Wesentlichen ab und vertreten Aus der Rede von Claus Schreer
setzung des braunen Marsches. zum anderen ein deutlich militanteres
Die Demonstration war von den beiden Verhalten auf Demonstrationen und Ver- „Was wir heute hier erleben, ist kaum
Anführern der Münchner „Autonomen anstaltungen: Da wird sich zwar schwarz noch zu überbieten. 1000 Polizisten zum
Nationalisten“ Hayo Klettenhofer und gekleidet und vermummt, auf Demos ein Schutz der Nazis, AntifaschistInnen wer-
Philipp Hasselbach angemeldet worden. „black block“ gebildet, Ton Steine Scher- den eingegittert und von der Polizei in
Neben den beiden Anmeldern Klettenho- ben, sozialistische Arbeiterlieder und Hip- Schach gehalten, damit sich die Nazis un-
hop gehört, sich ziemlich hemmungslos gestört von Protesten frei bewegen und
an „linken“ Codes, Subkulturen und Sym- präsentieren können. Eine unerträgliche
boliken bedient. An der neonazistischen Zumutung ist das, die offen zur Schau ge-
Aus dem Inhalt: Ideologie wird dabei aber natürlich nicht stellte Komplizenschaft zwischen den
Kulturkampf und Angriff auf gerüttelt. Anfang November 2005 wird Staatsorganen und den Nazis. Ich fordere
demokratische Grundsätze . . . . 9 Hayo Klettenhofer wegen Zeigens des die Polizeiführung auf: Stoppen Sie die
„Vielvölkeranstalt“ Knast . . . . . 12 Hitlergrußes am Ende der Neonazi-De- Nazis und missbrauchen Sie nicht hunder-
monstration vom 2. April 2005 in Mün- te von Polizeibeamten für derart misera-
chen zu einer Strafe von 1500 Euro verur- ble Zwecke. Fortsetzung Seite 3
: meldungen, aktionen
wie dass alle ehemaligen Aktivisten wie-
der nach Südtirol einreisen dürfen.
Um welche Personen es sich dabei
handelt, veröffentlichte die Zeitschrift
„GfP“-Kongress im April ranz des Westens“ bezeichnet. Wer „Der Eckart“ im vergangenen Jahr.
Wolfenbüttel. Die neofaschistische „nicht die Darstellung der Söhne Zions Knapp die Hälfte der 13 Südtirol-Terro-
„Gesellschaft für freie Publizistik e.V.“ teile“, werde verfolgt. hma ■ risten, die in Italien wegen Bomben- u.a.
(GfP) um den Mitarbeiter der NPD- anderen Anschlägen in den 60er Jahren
Landtagsfraktion in Sachsen, Andreas „Fachkraft“ der „Deutschen in Abwesenheit zu langjährigen Haftstra-
Molau, will vom 28. bis 30.April einen fen verurteilt wurden, leben unbehelligt
Kongress unter dem Motto „Sturm auf Akademie“ in Deutschland: Dr. Fritz Bünger (Urteil:
Europa – Im Fadenkreuz von Massenein- Köln. Der Kölner NPD-Funktionär Be- 26 Jahre u. 8 Monate Gefängnis) in Düs-
wanderung und Amerikanisierung“ nedikt Frings, der im Stadtteil Nippes als seldorf, Dr. Heinrich Bünger (21 Jahre u.
durchführen. Mit dem „drohenden Bei- Facharzt für Psychiatrie und Psychothe- 7 Monate) in Siegburg, ein Heinrich
tritt der Türkei in die EU“ werde „ein rapie tätig ist, hat sich der neofaschisti- Oberlechner (2x Lebenslänglich u. 9 Jah-
weiteres Tor für Fremde nach Europa schen „Deutschen Akademie“ um Jürgen re u. 4 Monate) in Starnberg, Peter Kie-
aufgemacht“, heißt es in der Veranstal- Schwab als Fachkraft angeboten, um nesberger (Lebenslänglich) in Nürnberg
tungsankündigung. Eine „geistige und „kooperationswillige Mitwisser über und Dr. Erhard Hartung (Lebenslänglich
seelische Überfremdung durch Amerika- Agententätigkeit und Agenten im Rah- u. 2 Jahre u. 4 Monate) in Meerbusch.
nisierung“ habe „längst stattgefunden“, men einer Gruppentherapie betreuen zu hma ■
weswegen sich die europäischen Völker wollen“, heißt es in einem Beitrag im
„nur langsam zu wehren beginnen“. einschlägig rechten „Störtebeker-Netz“. Sklavenarbeit darf nicht
Als Referenten werden u.a. der ehe- Im Zusammenhang mit dem V-Leute-
malige Gorbatschow-Berater Prof. Wjat- Skandal um die NPD hatte der „Spre- verjähren
scheslaw Daschitschew, der neurechte cherrat“ der „Deutschen Akademie“ die Berlin/Köln. Während der Pressekon-
Publizist Guillaume Faye, „Nationalzei- Gründung eines „Agentenaussteigerpro- ferenz in der Pause der Sitzung der Stif-
tungs“-Herausgeber Gerhard Frey und gramms“ beschlossen. Mit dem studier- tung „Erinnerung, Verantwortung und
der für die FPÖ ins Europaparlament ge- ten Psychologen Frings stehe „eine qua- Zukunft“ am 19. Januar 2006 im Bun-
wählte Andreas Mölzer angekündigt. lifizierte Fachkraft zur Leitung diese desfinanzministerium in Berlin wurde
Auch ein Kulturprogramm wird für die Projektes zur Verfügung“. Wer sich der den anwesenden Vertretern der Stiftung
auf 500 Teilnehmer begrenzte Veranstal- „Deutschen Akademie“ offenbare, soll EVZ ein Offener Brief übergeben, den
tung angekündigt, die ein „europäisches „als Gegenleistung Solidarität hinsicht- die „Projektgruppe Messelager“ des Köl-
Signal der nationalen Kräfte“ setzen soll. lich einer späteren Rehabilitierung erfah- ner EL-DE-Haus Vereins verfasst hat.
Der Veranstaltungsort ist bisher nicht be- ren“, heißt es dort. Der ehemalige CDU- Den Vertretern der Wirtschaft waren
kannt. hma ■ Mann Frings hofft, das damit der NPD die Briefe vorab per Post zugeschickt
insgesamt geholfen werde, um „einen worden, ebenso allen anderen Kuratori-
Verbotsgesetz im Visier sauberen Trennungsstrich zwischen ihrer umsmitgliedern. Auch den Fraktionsvor-
politischen Arbeit und der Wühlarbeit sitzenden der Parteien im Bundestag war
Österreich/Wien. Die Zeitschrift „Der des VS zu ziehen“. dieser Brief vorab zugegangen mit den
Eckart“ der „Österreichischen Lands- An der Tagung der „Deutschen Akade- zentralen Forderungen:
mannschaft“ kritisiert die Verhaftung des mie“, die im Oktober in Thüringen statt- – Aufhebung der Antragsfrist,
britischen Geschichtsrevisionisten David fand, hatten Mitglieder aus NPD/JN, – Transparenz über die Ablehnungsgrün-
Irving und die Anklageerhebung gegen NHB und sogenannte „Freie Nationalis- de (1/3 der Anträge wurde abgelehnt).
ihn. Das österreichische NS-Verbotsge- ten“ teilgenommen. Tagungsleiter – Zusatzfonds aus den Nachzahlungen
setz sei nicht „mit einer modernen, an Schwab war in den 90er Jahren Schrift- derjenigen Unternehmen, die bislang
den Menschenrechten orientierten leiter der Zeitschrift „Junges Franken“, nicht in den Fonds gezahlt haben.
Rechtsordnung vereinbar“ und müsse die vom „Deutschen Freundeskreis Fran- Eine Änderung des Gesetzes über die
daher abgeschafft werden, heißt es dort. ken“ (DFF) herausgegeben wurde, eines Stiftung Erinnerung, Verantwortung und
Publizistische Unterstützung erhält Ir- Aktionsbündnisses verschiedener neofa- Zukunft zugunsten von ehemaligen
ving auch von der „Deutschen National- schistischer Gruppen in der Region. Zwangsarbeitern hat auch Ulla Jelpke,
Zeitung“ des DVU-Chefs Gerhard Frey. abk ■ innenpolitische Sprecherin der Links-
Dort wird u.a. der ehemalige FDP-Bun- fraktion im Bundestag gefordert. Ulla
destagsabgeordnete Ralf Lord Dahren- Heim im Reich Jelpke, die künftig dem Stiftungs-Kura-
dorf zitiert, der sich im Zusammenhang torium wieder angehören wird, verwies
mit Irvings Verhaftung im November Italien/Südtirol. Der „Südtiroler Hei- darauf, dass bisher 1,6 Millionen Überle-
2005 gegen die strafrechtliche Verfol- matbund“ will mit einer Plakataktion an bende der weit über 13 Millionen Men-
gung der Leugnung des Holocaust aus- die vermeintliche Folterung von Südti- schen aus ganz Europa, die während des
spricht. „Direkte Anstiftung zu Gewalt“ rol-Terroristen durch die italienische Po- Zweiten Weltkrieges Zwangsarbeit für
sei nicht zu verwechseln mit den „Tira- lizei in den 60er Jahren erinnern. Die das faschistische Deutschland leisten
den“, die etwa Irving von sich gebe. Heimatbund-Aktivisten Hans Stieler, mussten, Zahlungen aus der Stiftung er-
„Manche Einschränkungen“ seien „ver- Luis Steinegger und Sepp Mitterhofer hielten. Allerdings wurden auch 700 000
ständliche Relikte aus der Vergangenheit, forderten in diesem Zusammenhang die Anträge abgelehnt. Die bisherigen Erfah-
die aber trotzdem überprüft werden soll- italienische Regierung auf, ihre Vergan- rungen zeigen Jelpke zufolge, dass das
ten“, so der Botschafter der Initiative genheit aufzuarbeiten. Mitterhofer, vor Stiftungsgesetz wie folgt geändert wer-
„Neue soziale Marktwirtschaft“. Unter- zwei Jahren Interviewpartner der Zeit- den müsse:
stützung gibt es auch von der islamisti- schrift „Der Eckart“ der „Österrei- ● Erstens müssen die Antragsfristen
schen „Moslembruderschaft“. Deren chischen Landsmannschaft“, forderte da- aufgehoben werden. Immer mehr frühere
„Führer“, Mohammed Mahdi Akef aus rüber hinaus eine Entschuldigung der ita- Zwangsarbeiter/innen erhielten Ableh-
Kairo, hatte die strafrechtliche Verfol- lienischen Regierung für Verbrechen der nungsbescheide wegen „Fristversäum-
gung Irvings als „Beispiel für die Intole- italienischen Faschisten in Südtirol so- nis“, weil sie ihren Antrag nach dem

2 : antifaschistische nachrichten 2/2006


dazu dient, den Geist des Na- tern und mit Ausrufezeichen), dann wird
tionalsozialismus wieder zu das von den sogenannten Hütern des
Globalisierung beleben oder zu fördern ver- Rechtsstaates nicht einmal beanstandet.
und boten ist! Eskortiert von der Polizei dürfen die Na-
Prekarisierung Es gibt kein Recht auf Na- zis damit durch München marschieren
der Arbeit: zipropaganda. Wir werden und auf eine Anzeige von uns erklärt die
Nährboden für das niemals akzeptieren! Am Staatsanwaltschaft, diese Werbung für
extrem rechte 2. April letzten Jahres sagte den Nationalsozialismus sei keine Fa-
Orientierungen? OB Christian Ude auf dem schismuspropaganda.
Marienplatz: bei den Neona- ● Die Verherrlichung der verbrecheri-
Prof. Dr. Klaus Dörre, zis handele es sich nicht um schen Organisationen des Hitler-Regimes
Jena skurrile Spinner, sondern um ist in unserem Land kein Straftatbestand.
gefährliche Drahtzieher mit ● Die Parole „Ruhm und Ehre der Waffen
Die Ethnisierung
krimineller Energie. Ein SS“ wurde letztes Jahr vom höchsten
soz ialer Konflikte – Antworten der wahres Wort! Doch eine deutschen Gericht, dem Bundesverwal-
Regierenden und der Rechten Stunde später räumten 1.400 tungsgerichtshof in Karlsruhe, für nicht
Beispiel Frankreich: Bernhard Schmid, Paris Polizisten diesen Kriminel- strafbar erklärt.
Beispiel Deutschland: Dr. Kemal Bozay, Köln len die Straßen frei und ● Wenn wir aber zum Protest gegen die
machten Jagd auf Antifa- Nazis aufrufen, wenn wir Rote Karten
schistInnen. und Plakate verteilen – erhalten wir Straf-
Genau das ist der eigentli- befehle und werden zu hohen Geldstrafen
Samstag, 4. Februar 2006 che Skandal, verurteilt.
14.00 Uhr ● dass sich Behörden, Polizei Mit Rechtsstaat und Demokratie hat
Köln, Bürgerzentrum Alte Feuerwache und Justiz als Dienstleister das rein gar nichts zu tun.
Melchiorstr. 3, Großes Forum der Neonazis verstehen, Herr Blume Beyerle hat uns für heute
Veranstalter: Herausgabekreis der Antifaschistischen Nachrichten ● dass sie Nazipropaganda den Ratschlag gegeben, wir sollten die
Infos: Tel. 0221 - 21 16 58
dulden und mit juristischen Nazis einfach ignorieren und mit Nichtbe-
Tricks rechtfertigen achtung strafen. Noch naiver kann man
Kreisverwaltungsreferent Blume Bey- ● und dass sie Nazi-Aufmärsche mit Poli- kaum noch sein. Genau das haben vor
erle sagte gestern in einem Zeitungsinter- zeigewalt ermöglichen und durchsetzen. 1933 Millionen Deutsche getan – und wir
view: Das Recht auf Meinungs- und Ver- Der eigentliche Skandal – gerade hier alle wissen, wohin diese Haltung geführt
sammlunsfreiheit gelte auch für Neonazis. in München – ist dieses Zusammenspiel hat. Pfeift auf solche Ratschläge! Lasst
Im Grundgesetz (in Artikel 139) steht al- zwischen den Staatsorganen und dem euch hier nicht wegsperren. Lasst euch
lerdings etwas ganz anderes, nämlich: braunen Sumpf. nicht euer Recht nehmen, gegen die Nazis
dass die 1945 zur Befreiung vom Natio- Wenn die Neonazis – wie wir es erlebt aufzustehen und zu demonstrieren.“
nalsozialismus erlassenen Rechtsvor- haben – auf einem großen Fronttranspa-
schriften immer noch gültig sind. Und das rent den NATIONALSOZIALISMUS zusammengestellt aus Lokalberichte
heißt, dass jede Art der Propaganda, die propagieren (unübersehbar, in roten Let- München 1-2/2006 ■

Stichtag 31. Dezember 2001 gestellt ha- Kulturladen Westend unsere Aufgabe alles zu tun, dass der Fa-
ben. „Menschen, die unter grausamen angegriffen schismus nie wieder Fuß fassen kann.
Bedingungen Zwangsarbeit leisten Wir lassen uns durch derartige Über-
mussten, durch bürokratische Regelun- München. In den Nachtstunden des 12. griffe nicht einschüchtern und werden
gen von berechtigten Entschädigungs- Januar wurden die Hauswände des Kul- auch in Zukunft antifaschistische Veran-
zahlungen auszuschließen, ist zynisch“, turLadens mit nationalsozialistischen staltungen durchführen und die Räume
erklärte Jelpke. „Bei Sklavenarbeit darf Symbolen großflächig beschmiert. In der für solche zur Verfügung stellen.“
es keine Verjährungsfristen geben!“ Nacht vom 13. auf 14. Januar wurden KulturLaden Westend ■
● Zweitens dürfe Beweisnot aufgrund beim Kulturladen und beim benachbar-
fehlender Unterlagen kein Grund sein, ten Tattoo-Laden die Scheiben eingewor- NPD-Funktionäre verurteilt
einem Anspruch nicht weiter nachzuge- fen. In der Mitteilung des Kulturladens
hen. heißt es: „Wir gehen davon aus, dass bei- Stade. Adolf Dammann, stellv. Landes-
● Drittens dürften die Zahlungen an de Male Münchner Faschisten die Täter vorsitzender der NPD in Niedersachsen,
überlebende Opfer nicht befristet wer- waren. Wir gehen auch mit Sicherheit wurde am 10. Januar 2006 vom Amtsge-
den. Die Linksfraktion fordere, weitere davon aus, dass der Anlass eine antifa- richt Stade zu einer Geldstrafe von
Gelder von jenen Unternehmen einzufor- schistische Veranstaltung am 12. Januar 1.200,- Euro wegen Verunglimpfung des
dern, die von Zwangsarbeit profitiert, mit Martin Löwenberg und A.I.D.A. im Staates und Beleidigung verurteilt. Ein
bislang aber nicht in den Fonds einge- KulturLaden war, die als Teil der Mobili- Text von Dammann auf der Internetseite
zahlt haben. Diese Unternehmen müss- sierung gegen den Nazi-Aufmarsch in „Nationaldemokraten Stade“ im Dezem-
ten öffentlich benannt werden. München am 14. Januar stattfand. ber 2004 ist der Grund der Verurteilung.
● Viertens müsse der Kreis der An- Der KulturLaden Westend ist ein Ort, Martin Zaha, Mitglied des Unterbe-
spruchsberechtigten ausgeweitet werden. der allen Bewohnern des Viertels zur zirksvorstandes Stade/Elbe-Weser der
Es sei nicht einzusehen, dass italienische Verfügung steht, um dort öffentliche Ver- NPD, wurde vom Amtsgericht nach dem
Militärinternierte, die auch Zwangsarbeit anstaltungen durchzuführen oder Interes- Jugendstrafrecht verwarnt und zu einer
leisten mussten, nicht entschädigungsbe- sengemeinschaften zu gründen. Wir ge- Geldstrafe von 1.000,- Euro verurteilt,
rechtigt sind. hören keiner Partei oder weltanschauli- sein PC bleibt eingezogen.
Jelpke will in der Linksfraktion anre- chen Richtung an – AntifaschistInnen Zaha, Betreiber der inzwischen abge-
gen, entsprechende Initiativen im Bun- sind wir aber auf jeden Fall. Wir fühlen schalteten Internetseite, erhielt die Stra-
destag einzubringen. uns den Millionen Opfern der Nazi-Bar- fe, da er den „diffamierenden Text“ im
wim/PM Ulla Jelpke ■ barei verpflichtet und betrachten es als Auftrag von Dammann von seinem PC

: antifaschistische nachrichten 2/2006 3


ins Internet gestellt hat und weil er am 4. des Landesverbandes der Jungen Natio- ErHAIDERung zu Silvester
Dezember 2004 an einer schweren Kör- naldemokraten (JN) in Ammelstädt, bei Dass es sich bei Trachtenvereinen, Män-
perverletzung beteiligt war. Gemeinsam Rudolstadt statt. Gegen die Veranstaltung nergesangsvereinen und Volksmusikver-
mit Sascha F. hatte er nach einem Disco- protestierten ca. 60 AntifaschistInnen. anstaltungen nicht um die Speerspitzen
Besuch in Heinbockel (Landkreis Stade) Schon im Vorfeld fand die Veranstal- der Revolution handelt dürfte bekannt
einen jungen Mann mit dem Auto ver- tung der JN in Ammelstädt in den Me- sein. Immer wieder zeigt sich, dass die
folgt und danach zusammengeschlagen. dien Beachtung. Besonders in der Kritik deutschtümelnde Volksmusik eine unge-
Der NPD-Anhänger Sascha F., er will stand der Betreiber des Gasthauses, der deckte rechte Flanke besitzt.
inzwischen mit der rechten Szene gebro- den Nazis nicht das erste Mal Raum ge- Ganz normal durfte sich der österrei-
chen haben, wurde wegen gemeinschaft- währte. Schon im Juli 2004 veranstalte- chische Rechtspopulist Jörg Haider bei
licher schwerer Körperverletzung nach ten die RechtsextremistInnen hier die so der Fernsehmusikshow „Silvesterstadl“
dem Jugendstrafrecht verwarnt und muss genannte „5. Thüringer Runde freier Na- im Ersten am 31.12.05 präsentieren. Das
90 Stunden soziale Arbeiten leisten. tionalisten“, die der Kaderschulung die- „Silvesterstadl“ zum Jahreswechsel wur-
Eine Gruppe Neonazis verfolgte inter- nen sollte. Auch ein Nazikonzert am 11. de diesmal live aus Klagenfurt gesendet
essiert den Prozess. Auf ihrer Kleidung März 2005 im Rahmen einer Saalveran- und da durfte zwischen DJ Ötzi und dem
prangten Aufschriften wie „Germania“ staltung des JN-Kreisverbandes fand hier MDR-Deutsches-Fernsehkabarett der
oder „Sturm 18 – Rache für 45“. schon statt. Kärntner Landeshauptmann natürlich
Dammann fühlt sich unschuldig verur- Die Reorganisation des Landesverban- nicht fehlen. Dieser hielt mit seinem al-
teilt, er will in die Revision gehen. des der JN kommt nicht überraschend. ten Freund, dem Moderator Karl Moik,
miq ■ Bereits 2004/05 gründete die extreme einen kleinen unbeschwerten Plausch
Rechte JN-Stützpunkte im Saale-Orla- und wechselte mit ihm Geschenke. Die
Landeschef der Kreis und in Jena. Ein weiterer Stütz- Gäste fanden’s gut und applaudierten
punkt besteht im Kreis Saalfeld-Rudol- reichlich.
„Republikaner“ wirft hin stadt. Hier engagiert sich der thüringen- Die mediale Öffentlichkeit für Haider
Leipzig. Nach Informationen der „Leip- weit in Erscheinung getretene NPD- und die Wahl des Ortes dürften eine Ge-
ziger Volkszeitung“ ist der sächsische Kreisvorsitzende Thomas Wienroth. Be- genleistung von Karl Moik für das „Gro-
REP-Landesvorsitzende Martin Kohl- reits vor 5-6 Jahren existierte in Thürin- ße Ehrenzeichen des Landes Kärnten“,
mann zurückgetreten. Der 28-jährige gen ein JN-Landesverband. Jene Vereini- verliehen für seine Verdienste um das
Chemnitzer sei nicht mehr Mitglied der gung zerfiel jedoch mit dem Verlust sei- Land Kärnten, sein.
Partei, die Funktion des Landeschefs ner Köpfe: Patrick Wieschke, der im Ja- Gottseisgedankt war das die letzte
habe Vize Mario Heinz kommissarisch nuar 2002 seinen Bruch mit NPD und JN Sendung mit Moik, dessen Vertrag von
übernommen, sagte eine Sprecherin der erklärte und der enttarnte VS-Spitzel ARD und ORF nicht verlängert wurde.
Rep-Bundeszentrale der Zeitung. Kohl- Tino Brandt. Allerdings drohte Haider Moik in einem
mann war als Beisitzer auch Mitglied im http://www.slf.antifa.net zukünftigen Kärntner Fernsehen zu be-
Bundesvorstand. Zuletzt hatte Kohlmann http://www.agst-antifa.tk ■ schäftigen. TL ■
für Aufsehen gesorgt, als er zur Kommu- Termine Berlin ... Termine Berlin ... Termine Berlin ... Termine Berlin ... Termine Berlin ...
nalwahl 2004 in Chemnitz ein Bündnis Erinnern und nicht Vergessen: Strafverfolgung Ausstellung „Der zweite Sonntag im Septem-
aus REPs, Deutscher Partei und DSU der Täter – Entschädigung der Opfer ber – Zur Geschichte des OdF-Tages
schmiedete und anschließend in der dritt- Veranstaltung zum Gedenktag für die Opfer des In den frühen Nachkriegsjahren wird der zweite
größten Stadt Sachsens 10,3 % holte. Nationalsozialismus Sonntag im September zum ersten Gedenktag für
Der Jurist ist seit 1999 Stadtrat in Chem- Donnerstag, 26. Januar 2006, 19 Uhr die Opfer des Faschismus in Deutschland. Der Kalte
nitz und seit eineinhalb Jahren Fraktions- Humboldt-Universität, Audimax, Berlin Krieg führt zu einer Teilung der Erinnerung an die
Die rhetorische Anerkennung der deutschen Verbre- Verbrechen des deutschen Faschismus in Ost und
chef. Kohlmann will trotz seines Aus-
chen in Kombination mit kleineren finanziellen Zu- West. In der Bundesrepublik und Westberlin fokus-
tritts Fraktionschef im Stadtrat bleiben. wendungen an die Opfergemeinden ist eine bis- siert sich das offizielle Gedenken schon bald auf
Die Staatsanwaltschaft Chemnitz er- lang erfolgreiche Strategie der Bundesregierung, den Volkstrauertag für alle Opfer von Krieg und Ge-
mittelt seit Herbst 2005 gegen Kohlmann ihre Verweigerung von weiteren Entschädigungs- waltherrschaft. Der von der VVN in einigen Städten
wegen des Verdachts der Urkundenfäl- zahlungen an NS-Opfer und ihren Unwillen zur Ver- weiterhin organisierte „OdF-Tag“ ist bis in die sech-
schung. Es bestehe der Verdacht, dass folgung der Täter zu kompensieren und sich als ge- ziger Jahre Behinderungen und Verboten ausge-
Kohlmann Unterstützerunterschriften läuterte Demokratie zu präsentieren, die nun das setzt. Seit 1990 führt ein breites Bündnis den Ge-
zur Bundestagswahl von verstorbenen Recht habe, „nach vorne zu schauen“. Inwieweit es denktag als „Tag der Erinnerung, Mahnung und Be-
der Bundesregierung allerdings gelingen wird, ihre gegnung“ fort. Die Ausstellung zeigt auf zwölf Tafeln
und entmündigten Bürgern gesammelt Abwehrhaltung gegenüber den Forderungen nach die wechselvolle Geschichte des „OdF-Tages“.
habe, so die Staatsanwaltschaft. Die Entschädigung der NS-Opfer und Strafverfolgung Anlässlich der Eröffnung der Ausstellung zur Ge-
Reps in Sachsen hatten akute Probleme, der Täter in den kommenden juristischen Auseinan- schichte des OdF-Tages im Haus der Demokratie
innerhalb von acht Wochen 2000 Unter- dersetzungen aufrecht zu erhalten, ist offen. und Menschenrechte, Greifswalder Str. 4, fin-
stützerunterschriften für die Landesliste ReferentInnen: det am Dienstag, dem 24. Januar um 19 Uhr, im
zu sammeln. Kurt Goldstein, Internationales Auschwitz-Komitee, Robert-Havemann-Saal eine Podiumsdiskussion
Er selbst könne sich vorstellen, in die Holocaust-Überlebender statt: „Gedenken für die Opfer des Nationalsozia-
DSU einzutreten, zitiert die Leipziger Gabriele Heinecke, Rechtsanwältin der Opfer von lismus – Perspektiven antifaschistischer Gedenkkul-
Sant´Anna in der BRD tur“ mit Kurt Goldstein, Internationales Auschwitzko-
Volkszeitung Kohlmann. In Frage kom- Martin Klingner, Rechtsanwalt der Opfer von Disto- mitee, Peter Fischer, Zentralrat der Juden, Susanne
me aber eventuell auch die „Sächsische mo in der BRD Willems und Marek Voigt, Jungdemokraten, Martin
Volkspartei“. Diese will vor allem der Prof. Norman Paech, Experte für Völkerrecht, MdB Schönfeld (Moderation).
aus der NPD ausgetretene Landtagsabge- für die „Linkspartei“ Vor dem Hintergrund der (Opfer)-Debatten um den
ordnete Mirko Schmidt gründen. Veranstalter: Arbeitskreis Distomo (Hamburg), Berliner Initiative 8. Mai will die Veranstaltung der Frage nachgehen,
„Griechenland unterm Hakenkreuz“, Unterstützer: Bundesvereini-
Leipziger Volkszeitung, 19.1.2006 ■ gung Opfer der NS-Militärjustiz e.V., Interessengemeinschaft ehema- inwieweit die Erinnerung an die Opfer des Faschis-
liger Zwangsarbeiter unter dem NS-Regime, Verband Deutscher in
mus in das kollektive Gedächtnis der Deutschen ein-
der Résistance, in den Streitkräften der Antihitlerkoalition und der Be- gegangen ist, ob die Gedenkkultur den Opfern
Aktionen gegen JN- wegung „Freies Deutschland“ e.V. (DRAFD), Kampagne gegen wirklich gerecht wird und sie dem Ausmaß der Ver-
Gründungsveranstaltung Wehrpflicht, Zwangsdienst und Militär, Berliner Vereinigung der Ver- brechen angemessen ist.
folgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten und Antifaschis- Berliner VVN-BdA, JUNGDEMOKRATinnEN/JUNGE LINKE, Antifa-
Thüringen. Am Samstag, dem 14. Ja- tinnen (VVN-BdA), Stiftung Haus der Demokratie, Antifaschistische
schistische Initiative Moabit, Stiftung Haus der Demokratie
Initiative Moabit
nuar fand die Gründungsveranstaltung
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Köln. Die Kontroverse um die
Rolle von Carl Diem im National-
sozialismus läuft bereits seit
Carl-Diem-Weg: Zeitzeuge
mehreren Jahren. Carl Diem (1882-
1962) war einer der bedeutendsten
sorgt für Aufklärung
deutschen Sportfunktionäre des 20.
Jahrhunderts und Begründer der tionalen Olympischen Komitee erbrin- „zum siegreichen Endkampf für Führer,
Sporthochschule in Köln. Die zustän- gen solle. Volk und Vaterland“ in der Rede von
dige Bezirksvertretung beschloss Etwa zwei Wochen später traf bei den Diem nicht wörtlich gesagt worden
jetzt, den Carl-Diem-Weg, an dem die Mitgliedern der Bezirksvertretung ein sei. Es geht weiter: „Sicher können
Sporthochschule liegt, umzubenen- Schreiben vom 20. Dezember 2005 ein. sie uns auch sagen, was an der Rede
nen. Verfasser waren Dr. Jürgen Buschmann ,flammend‘ war? Gibt es ein Tonband?“.
und Dr. Karl Lennartz, Leiter und ehe- Auch von diesem Schreiben ließ man
Fakt ist, dass Carl Diem zwischen 1933 maliger Leiter des Carl und Liselott sich von Seiten der Grünen keineswegs
und 1945 hochrangige Stellen im Be- Diem-Archivs der Deutschen Sporthoch- einschüchtern und so sendete Roland
reich des Sports für die Nationalsozialis- schule Köln. Schüler am 6. Januar 2006 ein Schreiben
ten besetzte. Fakt ist ebenfalls, dass er Diese versuchen in einem sehr iro- an Oberbürgermeister Schramma. Be-
am 18. März 1945 im Berliner Kuppel- nisch formulierten und teilweise unsach- reits zuvor hatte man den Sachverhalt
saal eine Rede hielt, in welcher er den Carl Diem „sehr intensiv mit den Mate-
Tod für das Vaterland lobte. So feuerte er rialien, Gutachten und
Tausende von Jugendlichen zur sinnlo- Dokumenten“ recher-
sen Verteidigung des Reichssportfeldes In Kenntnis chiert. So kam es auch zu
an, die 2000 Tote forderte. der Diskussi- einem Gespräch mit
Auch findet sich in Texten Diems na- on um Carl Reinhard Appel, Chefre-
tionalsozialistischer Rassismus, wie be- Diem machte dakteur des ZDF i.R.
reits in der Sendung „Monitor“ am 26. Konrad Ade- Dieser war selbst als Ju-
Oktober 1995 aufgedeckt wurde. Zwar nauer den gendlicher Soldat im
wird immer wieder von der Gegenseite Rektor der Zweiten Weltkrieg, war
darauf verwiesen, Diem habe unter dem Sporthoch- auf dem Reichssportfeld
Druck einer drohenden Exekution ge- schule Köln bei Diems Rede dabei
handelt, ebenso wie auf die Tatsache, 1949 zum und tritt so als Zeitzeuge
dass er mit einer Vierteljüdin verheiratet Sportreferen- auf.
war. Doch die Diskussion führte letztlich ten der Bun- Am 3.1.06 richtet er
dazu, dass es in vielen Städten ab den desregierung. ein Schreiben an die Be-
1990ern zu vielen Umbenennungen von KPD und SED zirksvertretung Linden-
Straßen, Plätzen, Schulen etc. kam, die veröffentlich- thal, in welchem er end-
Carl Diems Namen trugen. ten daraufhin gültig Klarheit schafft
Auch die Bezirksvertretung Linden- den nebenste- und mit den Argumenten
thal beschloss am 12.12.05 auf einen An- henden Steck- der Gegenseite aufräumt.
trag der Fraktion der Grünen, den Carl- brief. So heißt es:
Diem-Weg, welcher sich an der Sport- „Ich weiß nicht, worü-
hochschule befindet, umzubenennen. lichen Brief anhand von historischen ber ich mich mehr wundern soll: Über
Bereits im Vorfeld waren die Grünen Fakten die Beibehaltung des Namens das schlechte Gedächtnis dieser Herren,
in einem Schreiben vom 5.12.05 von Dr. Carl-Diem-Weg zu rechtfertigen. denn über den Vorgang Diem liegen
Tokarski, Prof. der Sporthochschule, an So wird beinahe jeder Punkt der Argu- Briefwechsel und zahlreiche Diskussi-
Roland Schüler, Bezirksvertreter der mentation der Grünen Fraktion angegan- onsprotokolle vor, in denen meine Zeu-
Grünen, dafür angegriffen worden. Be- gen, teilweise mit Zeitdokumenten. Man genschaft für das menschenverachtende
gründung war, dass es „aus wissen- bedient sich wieder der gleichen Punkte Verhalten Diems im März 1945 im
schaftlicher Sicht und nach Meinung der wie Tokarski in seinem vorigen Schrei- Reichssportfeld belegt ist, oder über die
Experten der Deutschen Sporthochschu- ben. Chuzpe, mit der sie durch Weglassen
le Köln […] nichts Neues bzw. bisher Unter einer Fülle geschichtlicher Er- meiner Aussagen Geschichtsfälschung
Unbekanntes gäbe, was eine Umbenen- eignisse in Carl Diems Leben nach 1945 betreiben“.
nung rechtfertigen würde“. In dem Brief kommt erneut seine Rede als solche, und Bezüglich der Endkampf-Formulie-
wird der Fraktion eine „lückenhafte und die Rede ist Mittelpunkt der Begründung rung schreibt Appel eindeutig: „[...]bin
auf Gerüchten beruhende Basis“ in der für die Umbenennung, nur sehr kurz. ich Zeuge dieser Formulierung und stehe
historischen Argumentation vorgewor- Es finden sich Passagen wie „Sicher dafür gerade“. Auch bezeichnet er, der
fen. ist es unerheblich, dass die Deutsche die Rede selber erlebt hat, den Appell
Besonders hingewiesen wird auf die Sporthochschule als einziger Anrainer sehr wohl als „flammend“.
angeblich falsche Besucherzahl bei der des Carl-Diem-Weges keine Änderung Diesen Brief, der für sich spricht, über-
Rede im Kuppelsaal, 2000 anstatt 5000, des Namens will. Es ist doch richtig, sandte die Fraktion der Grünen als An-
Diems Rolle in der Veranstaltung und auf dass diese sturen Wissenschaftler endlich hang an Oberbürgermeister Fritz Schram-
die Tatsache, dass die Schlacht um das bevormundet werden“ oder „Sicher ist es ma und kommt zum Schluss, „dass zum
Reichssportfeld angeblich nicht stattge- nicht von Belang, dass eine Umbenen- zentralen Punkt der Umbenennung – die
funden habe. Über den Inhalt der Rede nung die Hochschule mehrere hundert- Rede Carl Diems im März 1945 – alle In-
wird interessanterweise kein Wort verlo- tausend Euro kosten wird. Besser dafür, formationen vorhanden sind“.
ren. als für die Ausbildung der Studenten.“. Die Sporthochschule erwägt juristi-
Zudem möge man die Ergebnisse ab- Auf die Rede wird zwar eingegangen, je- sche Konsequenzen. Wie es weitergeht,
warten, die ein derzeit laufendes wissen- doch versteifen sich bleibt also offen. Doch der Beschluss
schaftliches Projekt von Sporthochschu- die Herren hier anhand des Protokolls vom 12.12.05 besteht.
le, Deutschem Sportbund und dem Na- der Rede darauf, dass die Formulierung Benjamin Wernigk ■

: antifaschistische nachrichten 2/2006 5


„Die Münchner Sicherheitskonfe- Aufruf zu Protesten gegen die NATO-Militärtagung
renz“ schrieb die Financial Times
Deutschland im Februar 2005, am 3./4. Februar 2006 in München:
„ist das wichtigste Treffen, auf dem die
Mitglieder der NATO-Militärallianz stra-
tegische Einscheidungen beraten und un-
Für Frieden und soziale
tereinander abstimmen.“
Seit 2002, als es erstmals zu Massen-
protesten der Antikriegsbewegung gegen
Gerechtigkeit weltweit
diese Militärtagung kam, sind die Orga- Wir wenden uns gegen ein System, Zerstörung von Sozialsystemen und von
nisatoren der Tagung darum bemüht, das sich ausschließlich am Profit orien- Rechten der ArbeiterInnen unter einer
sich gegen die Vorwürfe zu rechtfertigen, tiert und das sowohl in Friedens- als auch großen Koalition noch weiter beschleu-
die Münchner Sicherheitskonferenz die- in Kriegszeiten über Leichen geht. Die nigt. Diese Politik der Konzerne, der
ne der Vorbereitung und Propagierung wirtschaftlich und politisch Mächtigen Banken und der neoliberalen Parteien
der Welt, insbesondere der USA, führt zu dauerhafter Umverteilung von
Deutschlands und der anderen EU- unten nach oben. Krieg und Sozialkahl-
Staaten beanspruchen für sich das schlag bedrohen alle: Arbeitslose und
Recht „auf ungehinderten Zugang Beschäftigte, Jugendliche und Rentne-
zu Märkten und Rohstoffen in aller rInnen, Menschen mit und ohne deut-
Welt“ (Wortlaut der Verteidigungs- schen Pass. Nur gemeinsam können wir
politischen Richtlinien der Bundes- wirksam Alternativen durchsetzen, um
wehr). Sie wollen ihre wirtschaftli- eine friedliche und gerechte Welt zu
chen Interessen und globalen schaffen.
Machtansprüche auch mit militäri- Die NATO-Militärtagung verdient wie
scher Gewalt durchsetzen. Folgen in den vergangenen Jahren eine gebüh-
einer solchen Gewaltpolitik sind rende Antwort: Massenhaften Protest
globale Verarmung, Zerstörung de- und Widerstand!
mokratischer und sozialer Rechte ◗ Stoppt die weltweite Kriegs- und Be-
und die Vernichtung natürlicher Le- satzungspolitik der NATO-Staaten
bensgrundlagen. Im Rahmen ihrer ◗ Für ein soziales Europa – Keine EU-
gemeinsamen Außenpolitik setzen Militärmacht
die Regierenden Deutschlands und ◗ Keine Auslandseinsätze der Bundes-
der anderen EU-Staaten auf die Mi- wehr – gegen jegliche deutsche Kriegs-
litarisierung und Abschottung unterstützung
Europas. Dazu gehören die Inter- ◗ Internationale Solidarität gegen Aus-
ventionstruppen, ebenso die rassis- beutung, Unterdrückung und Rassismus
tischen Ausländergesetze, die fakti- ◗ Öffnung der Grenzen statt Stacheldraht
sche Abschaffung des Asylrechts und Lager – Fluchtursachen bekämpfen
und die Errichtung von „Auffangla- ◗ Abrüstung und Umverteilung von oben
gern“ in Nordafrika. Vor den Toren nach unten statt sozialer Demontage
von weltweiten Kriegseinsätzen der Europas herrscht tödliche Gewalt gegen ◗ No Justice – No Peace.
NATO-Staaten. Um der NATO-Tagung MigrantInnen.
einen friedenspolitischen Anstrich zu ge- Militarisierung nach außen und die Freitag, 3. Februar 2006: Aktionstag
ben, erfanden die Veranstalter ein neues Zerstörung der Sozialsysteme sind zwei mit kreativen Aktionen gegen die
Konferenz-Motto: „Frieden durch Dia- Seiten einer Medaille. NATO-Militärtagung
log“. Allein in Deutschland soll die An- Samstag, 4. Februar 2006: Großde-
Bei der jährlich stattfindenden soge- schaffung neuer Waffensysteme in den monstration gegen die NATO-Kriegs-
nannten Sicherheitskonferenz geht es nächsten 10 Jahren rund 100 Milliarden strategen im Bayerischen Hof, 12 Uhr
nicht um internationale Sicherheit, son- Euro verschlingen. Gleichzeitig wird die vom Lenbachplatz zum Marienplatz
dern um Kriegsvorbereitung.
Im Münchner Nobelhotel Bayerischer
Hof versammelt sich die militärpoliti-
Alternativveranstaltungen
sche Elite der NATO-Staaten – abge- Eine Expertenkonferenz am 1. und 2. Februar, unmittelbar vor der NATO-Sicherheits-
schirmt durch einen kostspieligen Poli- konferenz, soll die Umrisse einer europäischen Sicherheitsarchitektur skizzieren, die eine
zeieinsatz vor der Antikriegsbewegung friedliche Alternative zur herrschenden Militärdoktrin der NATO wie der EU darstellt. Als Ex-
auf Münchens Straßen. Dort tagen die perten nehmen kompetente Vertreter einer aktiven Friedens- und Sicherheitspolitik aus der
Außen- und „Verteidigungsminister“, so- Friedensforschung und aus Kreisen ehemaliger Militärs teil.
genannte Sicherheitsexperten, führende Eine internationale Friedenskonferenz am 3. und 4. Februar soll die Kritik an der be-
NATO-Generäle sowie Vertreter der stehenden Kriegspolitik ausdrücken und Konzepte für Frieden, Abrüstung und Konfliktbear-
größten Rüstungskonzerne. Hier werden beitung öffentlichkeitswirksam vorstellen. Sie soll zeigen, dass Krieg Probleme immer nur
Militärstrategien koordiniert, weltweite verschärft und auch die Gefahren des „internationalen Terrorismus“ erhöht, wie die jüngste
Interventionspläne abgesprochen und Vergangenheit drastisch vor Augen geführt hat. Die starke Beteiligung an den Veranstaltun-
Kriegskoalitionen geschmiedet. 1999 gen der letzten Jahre hat gezeigt, dass ein großes Interesse besteht, sich mit Chancen und
war es der NATO-Krieg gegen Jugosla- Möglichkeiten einer kooperativen Politik auseinander zu setzen und Alternativen zu einer
wien, 2002 der sogenannte „Krieg gegen auf Machtstreben und Gewalt basierenden Politik kennen zu lernen. Die öffentliche Gegen-
den Terror“, 2003 die Beteiligung am konferenz soll der Entwicklung einer anderen politischen Kultur und deshalb auch der Ver-
Angriffskrieg gegen den Irak, in den fol- netzung der internationalen Friedens- und Sozialbewegung dienen.
genden Jahren ging es um die Besat- Näheres auf den Webseiten von attac, DFG-VK und der Rosa-Luxemburg-Stiftung:
zungsherrschaft im Irak und um Pläne www.attac.de – www.muenchner - friedensbuendnis.de – www.rosalux.de
gegen den Iran.

6 : antifaschistische nachrichten 2/2006


Gedenken in der Hafenstraße zum
Brandanschlag vor 10 Jahren
Lübeck. Am 18.1.1996 starben zehn zung von Flüchtlingen ein und forder-
Flüchtlinge durch einen Brandanschlag ten „mehr Zivilcourage“. Kritisch wur-
auf ihr Wohnhaus in der Lübecker Ha- de auch angemerkt, dass außer einem
fenstraße. Vier rechtsradikale Jugendli- Bürgerschaftsabgeordneten kein einzi-
che, die sich zur Brandzeit in der Nähe ger Stadtvertreter sich zum Gedenken
des Hauses aufhielten, wurden nach in der Hafenstraße einfand. In Hinblick
kurzer Zeit wieder auf freien Fuß ge- auf den geplanten Neonaziaufmarsch
setzt – trotz versengter Haare und Au- am 1.April in der Hansestadt sagte eine
genbrauen. Der Anschlag ist bis jetzt Sprecherin, man werde sich auch die-
nicht aufgeklärt... ses Mal der rassischtischen Hetze in
Am Jahrestag versammelten sich den Weg stellen. Als „beschämend“ be-
rund 70 Personen an dem errichteten zeichnete ein Sprecher die Tatsache,
Gedenkstein und gedachten dieser Op- dass der Gedenkstein – umgrenzt von
fer. Darunter befanden sich auch zahl- einem Zaun auf einem baustellenähnli-
reiche Betroffene und Angehörige. Es chen Grundstück – eher unansehnlich
wurden Kränze und Blumengestecke platziert ist.
niedergelegt sowie einige Ansprachen Die (An-)Teilnahme an der Gedenk-
gehalten. veranstaltung zehn Jahre nach dem
Die fünf Redner und Rednerinnen Verbrechen war enttäuschend gering.
gingen dabei auf die ständige Ausgren- www.antifainfo.de ■

Am 10.12. fand in Garbsen bei


Hannover eine Aktion gegen Ras-
sismus und rechte Gewalt statt.
„Break the silence:“
Aufgerufen hatte eine Garbsener Initiati- Demonstration und Festival gegen Rassismus und Rechtsextremismus
ve und zahlreiche Unterstützer. Darunter
die Schülervertretungen der IGS Garb- sich als Reaktion auf den hohen Organi- ‚kriminelle Selbstdarsteller‘, die Angst
sen, der Caroline-Herschel Realschule, sationsgrad der Rechtsextremen, gewalt- und Schrecken verbreiteten.“ (Zitat NP)
Hauptschule Garben, Johannes-Kepler tätige Übergriffe, die Verteilung der – Alles Lüge, wie auch die angegebene
Gymnasium und der Schule am Klee- ‚Schulhof-CD‘ und geklebte Aufkleber. Zahl von angeblich „nur 100“ Demons-
grund. Ferner die Unabhängige Schüle- Die neue Presse berichtete am 12.12.: tranten.
rInnenitiative Garbsen (UsiG), die evan- „Laut Polizeichef Detlev Edeler gibt es Im Gemeindezentrum gab es Bücher-
gelische Jugend der ev.-luth. Kirchenge- keine rechtsextreme Szene in Garbsen.“ tische und Infostände der VVN-BdA, der
meinde, die Vereini- Demgegenüber heißt Antifaschistischen Aktion und der Kir-
gung der Verfolgten es im Aufruf der Initia- chengemeinde Garbsen.
des Naziregimes – tive: „Ein deutliches Als einzige politische Partei war die
Bund der Antifa- Zeichen für das Zuneh- Linkspartei.PDS Hannover mit Infos und
schistInnen (VVN- men rechtsextremer Ak- Büchern vertreten und mit heißem Glüh-
VdA), die Freie Ar- tivitäten in wein gegen die Käl-
beiterunion Hanno- Garbsen ist te. Über einen Ghet-
ver (FAU), die Anti- unter ande- to-Blaster wurde
faschistische Aktion rem die mas- Rock- und Punk-
Hannover AAH, sive Wahl- Musik gespielt. Es
Avanti Hannover, das werbung der kam gut an.
Projekt für Demokra- NPD zur Insgesamt war
tie – Courage zeigen, die IG Metall- und Bundestagswahl im Septem- diese Veranstaltung
die DGB-Jugend Hannover sowie [‘so- ber. Im Vorfeld der Wahlen ein voller Erfolg ge-
lid] – die sozialistische Jugend und die wurden ... besonders viel gen Rassismus,
Linkspartei.PDS Hannover. NPD-Plakate und Sticker um rechte Propaganda
Die Demonstration begann um 13 Uhr Schulen und Hauptverkehrs- und Gewalt. „Wir
mit einer kurzen Kundgebung auf dem staßen in Garbsen aufgehängt wollen das Schwei-
Rathausplatz. Teilgenommen haben etwa bzw. geklebt.“ gen brechen! Keine
300 – darunter der größte Teil Schüler Bei den Bundestagswahl Akzeptanz dem
und Jugendliche, aber auch ca 40 ältere erreichte die NPD immerhin rechtsextremen Ge-
Antifaschisten. Die Demonstration zog 1,3% der Zweitstimmen, dankengut! Weder in
mit zahlreichen Transparenten und Fah- 2002 waren es gerade mal Garbsen, noch sonst
nen quer durch Garbsen zum ev. Ge- 0,1%! wo!“ heißt es am
meindehaus in Alt-Garbsen. Dort fand Noch in der Nacht vor der Schluss des Aufrufs.
von 16 bis 21 Uhr ein Festival mit Info- Aktion hatten sogenannte Das ist gut gelungen.
Ständen, Essen und Trinken sowie Live- „Unbekannte“ wie die Neue Axel Ulrich und
Acts von Rock über Metal bis (Ska)Punk Presse schreibt, „Plakate an Robert Niemann ■
statt. das Gemeindehaus ... ge-
Die Garbsener Initiative gegen Rassis- klebt.“ Bei den Demonstran-
mus und Rechtsradikalismus gründete ten „handele es sich ... um

: antifaschistische nachrichten 2/2006 7


Generalmajor a. D. Gerd Schult- Generalmajor a. D. Gerd Schultze-Rhonhof
ze-Rhonhof (Buxtehude) hat
2003 sein geschichtsrevisionisti-
sches Buch: „1939 – Der Krieg, der viele
Politischen Standort 2005
Väter hatte“ veröffentlicht. In diesem in
dritter Auflage erschienenen Buch stellt
er Nazi-Deutschland als einen Zufluchts-
gehalten: Rechtsaußen
ort (!) für hunderttausende Juden aus Po- übervollen Saal des Hotel Eden-Wolff mehr ertragen“. Auf die Frage „Welche
len dar. Er behauptet: „... daß in den Jah- am Münchner Hauptbahnhof. Mitglieder Wirkung erhoffen Sie sich von der An-
ren 1933 bis 1938 557.000 Juden ihr pol- von Revanchistenverbänden und kahlge- zeige?“ antwortete er: „Ich hoffe, daß die
nisches Heimatland verlassen und Zu- schorene Burschenschaftler sind auch patriotischen und wertkonservativen
flucht im benachbarten Deutschland su- dabei. Auf der Anwesenheitsliste tragen Leute durch so eine Aktion ein wenig
chen.“. sich viele Akademiker ein. Fast jeder legt mehr Mut finden, sich zu äußern.“
In einem längeren Interview mit der einen Geldschein in den Spendenkorb.“ „Stimme der Mehrheit“
„National-Zeitung“ äußerte er sich im Und an anderer Stelle im Text:
April 2005 über die Zielgruppe seines „Schrenk-Notzings Ehefrau Regina Schultze-Rhonhof war weiterhin aktiv
Buches: „Ich habe das Buch vor allem leitet die Winterakademie. Sie kennt ihre für die Arbeitsgemeinschaft „Stimme der
für junge Menschen geschrieben. Die Pappenheimer. ,Keine Agitation, keine Mehrheit“, zu deren Gründungsmitglie-
jungen Deutschen sollten wissen, was Verschwörungstheorien‘ mahnt sie vor dern er gehörte. Die „Stimme der Mehr-
mit uns gespielt wurde und wird.“ Fragen aus dem Publikum. Was der Ge- heit“ ist der Meinung, dass das Mei-
Schultze-Rhonhof war auch im Jahr neral über das ,Zusammenspiel von kapi- nungsklima in der Bundesrepublik „sti-
2005 gefragter Partner und Referent im talistischen und kommunistischen Juden ckig“ geworden sei, da die „selbst er-
rechtem Milieu. Sein Buch ist mittler- hinter Roosevelt und Stalin denke‘, woll- nannten Tugendwächter der Political
weile als Hörbuch erhältlich und eine Vi- te ein junger Mann wissen. ,Ich habe Correctness“ die „geistige Auseiander-
deoaufzeichnung seines Vortrages kann dazu natürlich meine Meinung, aber setzung“ verhindern würden.
über den einschlägigen Versandhandel wenn ich die äußern würde, hätte ich das Die Präsidiumsmitglieder Gerd
bezogen werden. ganze Buch nicht veröffentlichen kön- Schultze-Rhonhof, Heiner Kappel und
Vortragsreise nach Bayern nen‘, deutet Schultze-Rhonhof an und Norman von Scherpenberg (Staatssekre-
erntet dafür schallenden Applaus.“ tär a. D.) hatten für den 20. und 21. Okto-
Schultze-Rhonhof referierte am 15.2.05 Einen weiteren Vortrag in Bayern hielt ber 2005 zur „zentralen Vortragsveran-
beim Treffpunkt „Friedensengel“ der Schultze-Rhonhof beim außen- und si- staltung“ und zur „Besinnung“ hinsicht-
Münchener Burschenschaft „Arminia- cherheitspolitischen Arbeitskreis der lich Zweck und Zielrichtung der „Stim-
Rhenania“ zum Thema: „1939 – Der CSU in Landshut. Die Landshuter Zei- me der Mehrheit“ nach Bremen eingela-
Krieg, der viele Väter hatte“ und war am tung titelte am 18.2.05: „Ehemaliger Ge- den.
folgendem Tag Gast bei der nationalkon- neralmajor stellt beim Landshuter CSU- Burschenschaftsveranstaltung in
servativen Münchner Winterakademie. Arbeitskreis Geschichtsschreibung auf Universitätsgebäude untersagt
Ludwig König, München, schrieb den Kopf: ,Zweiter Weltkrieg hatte viele
über diese Versammlung:„Fast 300 zu- Väter‘“. Die Zeitung berichtete am Die Greifswalder Burschenschaft
meist ältere Zuhörer drängen sich im nächsten Tag ausführlich über den Vor- „Rugia“ plante für den 24.11.2005 eine
trag. Den anschließenden Kommentar Vortragsveranstaltung in einem Hörsaal
Naziaufmarsch in Lüneburg beendete der Redakteur mit der Feststel- der Universität mit Schultze-Rhonhof.
am 28.1.06 lung: „Dass der ehemalige Generalmajor Der Vortrag wurde auf den Internetsei-
sich seinen eigenen Reim auf die Ge- ten der Burschenschaft mit „Der Krieg,
Lüneburg. Neonazis wollen am 28. Ja- schichte macht, ist seine Sache. Bedenk- der viele Väter hatte“ angekündigt. Der
nuar. in drei Städten aufmarschieren. In lich ist, dass er vom außen- und sicher- Universitätsrektor untersagte der „Ru-
Karlsruhe, Dortmund und in Lüneburg. heitspolitischen Arbeitskreis der CSU für gia“ kurzfristig die Nutzung von Räum-
Lüneburg ist Demonstrationsort gewor- seine verqueren Geschichtsdeutungen lichkeiten in der Universität für diesen
den, nachdem der Aufmarsch in Celle auch noch Beifall erhält.“ Vortrag. Die Veranstaltung musste da-
verboten blieb, da es C. Worch versäumt Aufruf der Generale raufhin in das Verbindungshaus der Bur-
hatte, rechtzeitig einen Widerspruch ge- schenschaft verlegt werden.
gen das Verbot einzulegen. In der Kürze Schultze-Rhonhof war einer der Erstun- Resümee
der Zeit soll nun auch in Lüneburg eine terzeichner des Aufrufes „8. Mai 2005 –
antifaschistische Aktion auf die Beine Gegen das Vergessen“, der am 16. April Generalmajor a. D. Gerd Schultze-Rhon-
gestellt werden. Antifa Gruppen aus 2005 in der Frankfurter Allgemeinen hof hatte im Jahr 2005 weniger öffent-
Norddeutschland und darüber hinaus ru- Zeitung als Anzeige, von ihm initiiert, er- lichkeitswirksame Auftritte und Veröf-
fen wir dazu auf, am 28. Januar nach Lü- schien. Erstunterzeichner des „Aufrufes fentlichungen als in den Vorjahren. Der
neburg zu kommen. Da auch die Aktio- der Generale“ waren auch Brigadegene- von ihm propagierte „Aufruf der Genera-
nen in Dortmund und Karlsruhe unter- ral a. D. Reinhard Günzel und Brigade- le“ fand insgesamt wenig Beachtung.
stützt werden müssen, sollte die Ent- general a. D. Reinhard Uhle-Wettler und Schultze-Rhonhof hat sich durch sein In-
scheidung, wo man hinfährt, von der je- neun weitere ehemalige Generale. Der terview mit der „National-Zeitung“, der
weiligen Entfernung zum Demonstrati- Aufruf der Generale wurde in Zusam- auflagenstärksten periodischen Publika-
onsort abhängig gemacht werden. menarbeit mit dem Institut für Staatspo- tion im Bereich des Rechtsextremismus
Antifaschistische Aktion Lüneburg / litik (IfS) veröffentlicht. in Deutschland, erneut eindeutig poli-
Uelzen ■ In der Wochenzeitung „Junge Frei- tisch positioniert. In neofaschistischen
Demonstration gegen den Naziauf- heit“ äußerte sich Schultze-Rhonhof am Kreisen hat er sich mittlerweile durch
marsch: Samstag, 28. Januar 2006, 22.4.2005 über seine Beweggründe für sein Buch „1939 – Der Krieg, der viele
10 Uhr, Clamart - Park, Lüneburg den Aufruf: „Dieses falsche Geschichts- Väter hatte“ einen Namen als revisionis-
Weitere Infos: aa.lg-ue@gmx.net bild, das uns jeden Tag im Fernsehen, in tischer Historiker gemacht.
www.kein-naziaufmarsch.tk Kinofilmen und in Zeitungsartikeln prä- Michael Quelle (VVN-BdA Stade),
Infotelefon: 0172 - 4152311 sentiert wird, kann ich einfach nicht Januar 2006 ■

8 : antifaschistische nachrichten 2/2006


Der baden-württembergische „Gesprächsleitfaden für die Einwanderungsbehörden“

Kulturkampf und Angriff auf


demokratische Grundsätze
Der „Gesprächsfaden“ ist ein Der Staat muss die entsprechenden forschung bzw. des Ausschnüffelns von
Stück Durchsetzung deutscher Gesetze formulieren und umsetzen, und Gesinnung. Die amtliche Prüfung der
Leitkultur und eine Strategie, den die gesellschaftlichen Gruppen, z.B. Verweigerung des Wehrdienstes ist eine.
Anteil der muslimischen Bevölkerung auch die Kirchen, müssen diese Gesetze Die Berufsverbotspraxis seit den siebzi-
klein zu halten bzw. ihren Anteil an der anerkennen. Einengende Traditionen und ger Jahren hat Tausenden von jungen
Zuwanderung zu drosseln. Er ist zu- Sitten, Familienzwang und religiöse In- Leuten den Beruf, den sie angestrebt und
gleich Teil der Wahlkampfstrategie der toleranz in der Gesellschaft lösen sich für den sie ausgebildet wurden oder stu-
CDU, die damit traditionsbewusste, ob- nicht durch Gesetze auf, sondern durch diert hatten, verschlossen. Bei Asylsu-
rigkeitsgläubige und autoritätsorientierte gesellschaftliche Kritik und Ächtung. chenden spielt die Gesinnung eine Rolle,
Leute für sich an die Wahlurne bringen Vor allem müssen sich die einzelnen man denke nur an die kurdischen Flücht-
will. Hier geht es um die Formierung linge.
der gesellschaftlichen Eliten und die Mit politischen Methoden wie der
Durchsetzung einer gesellschaftlichen Gesinnungsprüfung und jetzt aktuell
Homogenität. Und es sollen diese Eli- mit dem „Gesprächsleitfaden“ greift
ten zusammengeschlossen werden mit der Staat selbst seine demokratischen
denjenigen Ausgegrenzten, die glau- Grundlagen an. Hier wird versucht,
ben, ihre Arbeitsplätze und ihre Le- eine Mehrheitsgesellschaft zu formie-
bensweise gegen Fremde verteidigen ren, die bestimmte Personen oder
zu müssen. Gruppen ausgrenzt. Damit wird in der
Wie stehen Sie zur Homosexuali- Tendenz eine offene Gesellschaft zu ei-
tät? Was würden Sie sagen, wenn Ihre ner autoritären. Wer also z.B. Frauen-
Tochter einen Mann schwarzer Hautfar- Menschen daraus befreien können, es rechte verteidigen will, sollte dies nicht
be oder aus einer niedrigeren Gesell- muss einen Ausweg oder einen Flucht- unter Preisgabe von Grundrechten versu-
schaftsschicht heiraten will? Mit dem weg und Hilfe dazu geben. Das heißt, chen. Es wäre letztlich gar nicht möglich
„Gesprächsleitfaden“ sollen die Auslän- dass die Rechte der Person gesetzlich in einem formierten, autoritären Staat.
derbehörden im Land herausfinden, ob und praktisch garantiert werden. Demokratie und Gerechtigkeit setzen
eine einbürgerungswillige Person würdig Eine Ausforschung und Gesinnungs- voraus, dass nicht der Staat bestimmt,
ist, den deutschen Pass zu erhalten. Wür- schnüffelei ist jedoch nicht legitim und was gut ist oder was ein gutes Leben ist.
de man den „Gesprächsleitfaden“ traditi- nicht rechtens. Das Grundgesetz hält Das muss jeder Mensch oder jede gesell-
onsbewussten Deutschen und zum Bei- ausdrücklich fest, dass eine Diskriminie- schaftliche Gruppe selbst entscheiden.
spiel CDU-Mitgliedern oder strengen rung aufgrund von Meinungen, Glauben, Notwendig ist nur, dass niemand anderen
Katholiken vorlegen, würden diese eini- politischer Gesinnung verboten ist. Menschen das Lebensrecht, die mensch-
ge Fragen sicher ähnlich beantworten Dieses Grundrecht ist in Jahrhunder- liche Würde, die Freiheit der Person, das
wie gläubige Muslime oder andere Men- ten erkämpft worden. In die Prüfung des heißt die Grundrechte abspricht und dass
schen aus traditionellen Gesellschaften. eigenen Gewissens, in die Zwiesprache niemand einen anderen Menschen oder
Wie lange ist es her, dass „ledige“ Mütter mit Gott darf sich kein Staat oder keine eine andere Gruppe vernichten will oder
und Kinder bei uns diskriminiert wur- Institution einmischen. Trotzdem gibt es ihnen die Lebensmöglichkeit nimmt.
den? Wie lange ist es her, dass Frauen in in der Bundesrepublik immer noch eine Und dies müssen die Gesetze sichern.
technischen Berufen keine Lehrstelle be- Tradition der staatlichen Gewissenser- ulk ■
kamen? Werden Frauenberufe nicht im-
mer noch schlechter bewertet und be- Der Leitfaden, dokumentiert nach FAZ vom 10.1.2006:
zahlt und werden Frauen bei gleicher Tä-
tigkeit wie Männer nicht immer noch Vorbemerkung wertet werden und – auch noch nach Jahren –
schlechter bezahlt? Ist Homosexualität Das Bekenntnis zur freiheitlichen demokrati- zur Rücknahme der Einbürgerung führen kön-
nicht immer noch gesellschaftlich um- schen Grundordnung des Grundgesetzes für nen. (. . .)
stritten? die Bundesrepublik Deutschland ist Einbürge- 1. Das Bekenntnis zur freiheitlichen demokrati-
Im Gefolge der Globalisierung kom- rungsvoraussetzung nach § 10 Abs. 1 Satz 1 schen Grundordnung des Grundgesetzes für
men vermehrt Einbürgerungswillige aus Nr. 1 StAG. Entsprechendes gilt im Rahmen die Bundesrepublik Deutschland umfasst die-
ganz unterschiedlichen Gesellschaften, der Ermessenseinbürgerung. Es darf deshalb Werteordnung des Grundgesetzes, die inhalts-
zum Teil aus solchen, die (noch) rück- keineswegs als Formalie gehandhabt werden, gleich für alle Staaten der Europäischen Union
schrittliche Rechtsnormen haben und in die mit der Unterschrift unter die Bekenntniser- gilt. Dazu gehören unter anderem
denen traditionelle Zusammenhänge und klärung erfüllt ist. Soweit die Einbürgerungsbe- • der Schutz der Menschenwürde
Sitten der Familie und der Sippe höher hörde Zweifel hat, ob der Einbürgerungsbe- • das Gewaltmonopol des Staates, das heißt,
werber den Inhalt seiner Erklärung wirklich außer dem Staat darf in der Bundesrepublik
stehen als die Rechte des Individuums,
verstanden hat und ob sie seiner inneren Über- Deutschland niemand Gewalt gegen einen an-
der Person. Die Einwanderungswilligen zeugung entspricht, führt sie ein Gespräch mit
werden nun aber nicht etwa aufgeklärt deren anwenden, es sei denn in Notwehr. Der
ihm unter Verwendung dieses Leitfadens. Die Staat selbst darf Gewalt nur auf Grund einer
über die Rechtsnormen in Deutschland, Ergebnisse des Gesprächs sind zu dokumen- gesetzlichen Ermächtigung anwenden
sie werden nicht darauf hingewiesen, tieren und vom Einbürgerungsbewerber zu un- • sowie die Gleichberechtigung von Mann
dass der Verstoß dagegen – zum Beispiel terschreiben. Dabei sind auch Erläuterungen und Frau. Entsprechen diese Grundsätze Ihren
die Mehrfach-Ehe oder das Verstümmeln zu den jeweiligen Antworten zu erfragen und persönlichen Vorstellungen?
oder das Einsperren eines Familienmit- festzuhalten. Der Einbürgerungsbewerber ist
darauf hinzuweisen, dass unwahre Angaben 2. Was halten Sie von folgenden Aussagen?
glieds – sanktioniert wird, sie werden
als Täuschung der Einbürgerungsbehörde ge- • „Demokratie ist die schlechteste Regierungs-
ausgeforscht.

: antifaschistische nachrichten 2/2006 9


form, die wir haben, aber die beste, die es 13. Man hört immer wieder, dass Eltern ihren begangen haben oder planen. Wie verhalten
gibt.“ volljährigen Töchtern verbieten, einen be- Sie sich? Was tun Sie? (Hinweis für die EBB:
• „Die Menschheit hat noch nie eine so dunk- stimmten Beruf zu ergreifen oder einen Mann Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime
le Phase wie unter der Demokratie erlebt. Da- ihrerWahl zu heiraten. Wie stehen Sie persön- in Deutschland, Dr. Nadeem Elyas, hat im
mit der Mensch sich von der Demokratie be- lich zu diesem Verhalten? Was würden Sie ZDF am 15.7.2005 – nach den Anschlägen
freien kann, muss er zuerst begreifen, dass die tun, wenn Ihre Tochter einen Mann anderen in London – erklärt, die Zusammenarbeit mit
Demokratie den Menschen nichts Gutes ge- Glaubens heiraten oder eine Ausbildung ma- den Sicherheitsbehörden sei für Muslime „ein
ben kann . . .“ chen möchte, die Ihnen nicht gefällt? islamisches Gebot und kein Verrat“!)
3. In Filmen, Theaterstücken und Büchern wer- 14. Was halten Sie davon, dass Eltern ihre 23. Sie haben von den Anschlägen am 11.
den manchmal die religiösen Gefühle von Kinder zwangsweise verheiraten? Glauben September 2001 in New York und am 11.
Menschen der unterschiedlichen März 2004 in Madrid ge-
Glaubensrichtungen verletzt. hört.Waren die Täter in Ih-
Welche Mittel darf der einzelne ren Augen Terroristen oder
Ihrer Meinung nach anwenden, Freiheitskämpfer? Erläutern
um sich gegen solche Verletzun- Sie Ihre Aussage.
gen seines Glaubens zu wehren,
24. In der Zeitung wird
und welche nicht?
manchmal über Fälle be-
4. Wie stehen Sie zu Kritik an ei- richtet, in denen Töchter
ner Religion? Halten Sie diese oder Ehefrauen von männli-
für zulässig? Setzen Sie sich da- chen Familienangehörigen
mit auseinander? wegen „unsittlichen Lebens-
wandels“ getötet wurden,
5. In Deutschland können politi-
um die Familienehre wie-
sche Parteien und Vereine we-
derherzustellen. Wie ste-
gen verfassungsfeindlicher Betä-
hen Sie zu einer solchen
tigung verboten werden. Wür-
Tat?
den Sie trotz eines solchen Ver-
bots die Partei oder den Verein 25. Was halten Sie davon,
doch unterstützen? Unter wel- wenn ein Mann in Deutsch-
chen Umständen? land mit zwei Frauen
gleichzeitig verheiratet ist?
6. Wie stehen Sie zu der Aussa-
ge, dass die Frau ihrem Ehe- 26. Wie beurteilen Sie es,
mann gehorchen soll und dass wenn ein verheirateter
Sie, dass solche Ehen mit der Menschenwür-
dieser sie schlagen darf, wenn sie ihm nicht Mann aus Deutschland in seinen früheren Hei-
de vereinbar sind?
gehorsam ist? matstaat fährt und dort ein zweites Mal heira-
15. In Deutschland gehört der Sport- und tet?
7. Halten Sie es für zulässig, dass ein Mann
Schwimmunterricht zum normalen Schulunter-
seine Frau oder seine Tochter zu Hause ein- 27. Manche Leute machen die Juden für alles
richt. Würden Sie Ihre Tochter daran teilneh-
schließt, um zu verhindern, dass sie ihm in der Böse in derWelt verantwortlich und behaup-
men lassen? Wenn nein: Warum nicht?
Öffentlichkeit „Schande macht“? ten sogar, sie steckten hinter den Anschlägen
16. Wie stehen Sie dazu, dass Schulkinder an vom 11. September 2001 in New York? Was
8. In Deutschland kann die Polizei bei gewalt-
Klassenausflügen und Schullandheimaufent- halten Sie von solchen Behauptungen?
tätigen Auseinandersetzungen zwischen Ehe-
halten teilnehmen?
leuten einschreiten und zur Abwehr von weite- 28. Ihre Tochter bewirbt sich um eine Stelle in
ren Gefahren den Täter für einige Tage aus 17. Ihre volljährige Tochter/Ihre Frau möchte Deutschland. Sie bekommt jedoch ein ableh-
derWohnung verweisen? Was halten Sie da- sich gerne so kleiden wie andere deutsche nendes Schreiben. Später erfahren Sie, dass
von? Mädchen und Frauen auch. Würden Sie ver- eine Schwarzafrikanerin aus Somalia die Stel-
suchen, das zu verhindern? Wenn ja: Mit wel- le bekommen hat. Wie verhalten Sie sich?
9. Halten Sie es für einen Fortschritt, dass
chen Mitteln?
Männer und Frauen in Deutschland kraft Ge- 29. Stellen Sie sich vor, Ihr volljähriger Sohn
setzes gleichberechtigt sind? Was sollte der 18. Bei Einbürgerungsbewerberinnen: Ihre kommt zu Ihnen und erklärt, er sei homosexu-
Staat Ihrer Meinung nach tun, wenn Männer Tochter möchte sich gerne so kleiden wie an- ell und möchte gerne mit einem anderen
dies nicht akzeptieren? dere deutsche Mädchen und Frauen auch, Mann zusammenleben. Wie reagieren Sie?
aber Ihr Mann ist dagegen? Was tun Sie?
10. In Deutschland kann jeder bei entspre- 30. In Deutschland haben sich verschiedene
chender Ausbildung nahezu jeden Beruf er- 19. Ihre Tochter/Schwester kommt nach Hau- Politiker öffentlich als homosexuell bekannt.
greifen. Was halten Sie davon? Sind Sie der se und erzählt, sie sei sexuell belästigt wor- Was halten Sie davon, dass in Deutschland
Meinung, dass bestimmte Berufe nur Män- den. Was tun Sie als Vater/Mutter/Bruder Homosexuelle öffentliche Ämter bekleiden?
nern oder nur Frauen vorbehalten sein sollen? /Schwester?
Erklärung des Einbürgerungsbewerbers:
Wenn ja, welche und warum?
20. Ihr Sohn/Bruder kommt nach Hause und
Meine Antworten und Erläuterungen zu den
11. Welche Berufe sollte Ihrer Meinung nach erzählt, er sei beleidigt worden. Was tun Sie
gestellten Fragen sind korrekt wiedergegeben
eine Frau auf keinen Fall ausüben? Hätten Sie als Vater/Mutter/Bruder/Schwester?
und entsprechen meiner tatsächlichen inneren
bei bestimmten Berufen Schwierigkeiten, eine
21. Erlaubt das Grundgesetz Ihrer Meinung Einstellung. Ich hatte keine Schwierigkeiten,
Frau als Autoritätsperson anzuerkennen?
nach, seine Religion zu wechseln, also seine die Fragen zu verstehen; soweit ich sie nicht
12. In Deutschland kann jeder selbst entschei- bisherige Glaubensgemeinschaft zu verlassen gleich verstanden habe, wurden sie mir so er-
den, ob er sich lieber von einem Arzt oder ei- und ohne Religion zu leben oder sich einer klärt, dass ich alles verstanden habe. Ich wur-
ner Ärztin behandeln lässt. In bestimmten Si- anderen Religion zuzuwenden? Was halten de ausdrücklich darauf hingewiesen, dass un-
tuationen besteht diese Wahlmöglichkeit je- Sie davon, wenn man wegen eines solchen wahre Angaben als Täuschung der Einbürge-
doch nicht: Notfall, Schichtwechsel im Kran- Religionswechsels bestraft würde (z. B. mit rungsbehörde gewertet werden und – auch
kenhaus. Würden Sie sich in einem solchen dem Verlust des Erbrechts)? noch nach Jahren – zur Rücknahme der Ein-
Fall auch von einer Ärztin (männlicher Einbür- bürgerung führen können, selbst wenn ich da-
22. Sie erfahren, dass Leute aus Ihrer Nach-
gerungsbewerber) oder einem Arzt (Einbür- durch staatenlos werden sollte.
barschaft oder aus Ihrem Freundes oder Be-
gerungsbewerberin) untersuchen oder operie- Ort, Datum Unterschrift“
kanntenkreis einen terroristischen Anschlag
ren lassen?

10 : antifaschistische nachrichten 2/2006


: ausländerpolitik
Fight Club mit Nazis fand Verband gegen die stärker werdende Prä-
trotz Stadtratsresolution senz der „rechtsextremistischen Szene“
bei Fight Clubs aus und erklärt, dass sol-
statt che „Veranstalter, Vereine und Sportler“
12 000 Menschen droht
Gera. Ungestört konnte am 26. Dezem- nicht unterstützt werden. Dabei stellt die Abschiebung
ber eine Fight Club Veranstaltung mit Na- FFA klar, dass sie „rassistisches, antisemi- Hannover. Mehr als 12 000 lange in
zis in Gera ablaufen. Trotz einer Stadtrats- tisches und anderes Gedankengut“ sowie Niedersachsen geduldete Flüchtlinge
resolution und einer Erklärung der Free „Bestrebungen, die versuchen den Free müssen ihre Abschiebung befürchten.
Fight Association versammelten sich etwa Fight Sport als Plattform zur Verbreitung Darauf haben die Caritas-Verbände am
400 Zuschauer in der nach dem ermorde- von neofaschistischer Ideologie“ zu nut- Donnerstag in Hannover hingewiesen.
ten Antifaschisten Erwin Panndorf be- zen, nicht toleriert. „Diese Menschen, die seit mindestens
nannten Sporthalle in Gera, unter ihnen Anlass für das politische Aufsehen war fünf Jahren hier wohnen und von denen
auch mehrere Nazigruppen. ein Offener Brief der Antifaschistischen viele arbeiten und unsere Sprache gut
Neben unauffällig gekleideten Nazis Aktion Gera [AAG] Anfang Dezember, in sprechen, leben in ständiger Angst,“ sag-
tauchten auch T-Shirts mit Labels wie dem mehrere Sponsoren und die Stadt te Direktor Hans-Jürgen Marcus aus Hil-
*Landser“ oder *Hauptkampflinie“ auf. Gera als Vermieter der Sporthalle aufge- desheim. Die Caritas nehme das Problem
Außerdem waren Mitglieder mehrerer fordert wurden, wegen derVerstrickungen so ernst, dass sie Integration in diesem
Nazibands und Nazi Free Fight Vereinen in die Naziszene dem Fight Club jedwede Jahr zum Schwerpunktthema ihrer Arbeit
präsent. Aus Altenburg tauchten Personen Unterstützung aufzukündigen. mache. Die katholischen Wohlfahrtsver-
der Nazihatecorebands „Moshpit“, „Abo- Antifaschistische Aktion Gera [AAG], bände forderten Innenminister Uwe
lition“ und „Eternal bleeding“ und aus aag@systemli.org ■
Wurzen Matthias Eichler vom Nazi Free
Fight Verein „Fighting Fellas“ auf. Dieser Gewaltig zugelegt
betreibt den Onlineshop „Gewalttäter-
sport“ und unterhält gute Kontakte zu Berlin. Die Zahl rechtsextremer Delikte
Thomas Persdorf, der den nazistischen und Straftaten steigt dramatisch – auch
Onlineshop „Front Records“ betreibt. die neonazistische Szene wächst. Die bis-
Außerdem waren Nazis der Band lang bekannten, vorläufigen Zahlen der
„Blitzkrieg“ aus Chemnitz, die bei ande- Polizei liegen um mehr als 30 Prozent
ren Fight Clubs auch in „Hoonara“ (Hoo- über den vergleichbaren Werten von 2004.
ligans, Nazis und Rassisten) Gruppen auf- So wurden von Januar bis Ende Novem-
treten und Aktivisten aus dem in Deutsch- ber 2005 insgesamt 9453 rechte Straftaten
land verbotenen „Blood & Honour“ Spek- registriert. Im gleichen Zeitraum 2004
trum in der Sporthalle zugegen. Einlass waren es 7145 Delikte. Diese Zahlen ge-
und Ordnerdienst übernahmen Personen hen aus den Antworten der Bundesregie-
des Eastfight e.V. und der Alpha DSD Se- rung auf monatliche Anfragen der Bun-
curity, über deren Kontakte in Nazikreise destagsabgeordneten Petra Pau (Linkspar-
die Antifaschistische Aktion Gera [AAG] tei/PDS) und weiterer Mitglieder ihrer
Anfang Dezember berichtete. Fraktion zur Entwicklung rechter Krimi- Schünemann (CDU) unter Hinweis auf
Zwei Wochen vor dem Fight Club mit nalität in Deutschland hervor. Eine deutli- das christliche Menschenbild auf, für
Nazis verabschiedete der Stadtrat von che Zunahme ist auch bei den in der Ge- sechs Monate einen Abschiebestopp zu
Gera auf Initiative der Linkspartei.PDS samtzahl enthaltenen rechten Gewalttaten erlassen. Bei der Überarbeitung des Zu-
eine Resolution, welche die Kündigung zu verzeichnen. Die Angaben der Bundes- wanderungsgesetzes müsse dann ein
des Mietvertrages als Ziel hatte. Ungeach- regierung summieren sich von Januar bis großzügiges Bleiberecht vereinbart wer-
tet des Beschlusses und der erdrückenden November 2005 auf 531 Körperverletzun- den.
Recherchen über Verbindungen vom East- gen und andere einschlägige Delikte. Das Kai Weber vom Niedersächsischen
fight e.V. und mehrerer Sponsoren in die sind 98 mehr als in den elf Monaten 2004. Flüchtlingsrat in Hildesheim bestätigte
Naziszene, sah die Stadt Gera keinen In ihren Antworten erwähnt die Regie- die Zahl, die aus dem Ausländerzentral-
Kündigungsgrund, der eine Absage recht- rung auch jedes Bundesland. Dabei fällt register hervorgehe. Bundesweit würden
lich rechtfertigen würde. Somit wurde auf auf, dass in Ostdeutschland vor allem rund 180 000 Altfälle geduldet. Als Ab-
das Sound & Light Veranstaltungstechnik Sachsen und im Westen Nordrhein- West- schiebehindernisse gelten zum Beispiel
Eventmanagement aus Altenburg, wel- falen besonders stark von rechter Krimi- Krankheiten. Ein Teil der Flüchtlinge,
ches sich als eigentlicher Veranstalter he- nalität heimgesucht werden. In Sachsen etwa aus dem Irak und dem Kosovo,
rausstellte, weder Druck ausgeübt noch stellte die Polizei von Januar bis Novem- kann zunächst mit weiteren befristeten
eine Kündigung des Mietvertrages er- ber 2005 insgesamt 1662 Delikte fest, da- Duldungen rechnen. Diese Frist kann ein
wirkt. runter 69 Gewalttaten. In Nordrhein- Jahr, aber auch nur eine Woche betragen.
„Solch inakzeptable Ignoranz gegen- Westfalen waren es 1681 Delikte, mit ein- Andere, auch CDU-regierte Bundeslän-
über Nazis ist städtische Kontinuität. Dass gerechnet sind 100 Gewalttaten. Auch der handhabten die Duldung und die
dies erfolglos bleibt und sich eine radikale wenn sich die Zahlen der beiden Länder Möglichkeit von Härtefallregelungen
Kritik an diesen Deutschen Zuständen ar- ähneln, zeigen sie doch, dass der Osten weniger restriktiv, sagte Weber. Das In-
tikuliert, zeigte das bewirkte öffentliche härter getroffen wird. In Nordrhein- West- nenministerium sprach auf Anfrage von
Interesse und wird weiterhin eines unserer falen „verteilen“ sich die rechten Delikte insgesamt 22 000 vorübergehend Gedul-
Ziele sein“, so Anna Schneider, Presse- auf 18 Millionen Einwohner – in Sachsen deten in Niedersachsen, 2005 habe es
sprecherin der [AAG]. sind es nur 4,3 Millionen. Die Angaben 1300 Abschiebungen gegeben. Minister
Auch der bundesweite Free Fight Ver- der Bundesregierung sind vorläufiger Na- Schünemann wolle nicht mit einer gene-
band, die „Free Fight Association“ (FFA) tur, da in der Regel zahlreiche Straftaten rellen Bleibeerlaubnis die begünstigen,
sprach sich gegen den Fight Club mit Na- von den Polizeien der Länder nachgemel- die mit falschen Angabe ihre Rückkehr
zis in Gera aus und veröffentlichte eine det werden. Außerdem fehlen noch die verhindert hätten.“ bee
Stellungnahme unter dem Titel „Kein Angaben zum Dezember. Quelle: Hann. Allgemeine Zeitung v.
Sport mit Nazis“. Darin spricht sich der Quelle: Tagesspiegel 6.1.06 ■ 19.01.06 /Fluchtliste v. 20.1.06 ■

: antifaschistische nachrichten 2/2006 11


Was Gefangene verbindet und ih- Bundesrat will „Überbewertung der Resozialisierung
nen gemeinsam ist, ist vor allem entgegenwirken“
die Mauer, die sie umgibt und ein-
schließt – eine ihnen äußerliche Gewalt.
In Gesprächen mit jungen Gefangenen ist
von ihnen immer wieder zu hören, dass
Vielvölkeranstalt „Knast“ von Klaus Jünschke
sie keine Freunde in der Haft finden und
dass es wichtig und richtig sei, nieman- Straftaten zu begehen. Es hat überhaupt gendliche mit Migrationshintergrund we-
dem zu vertrauen. Es sei denn, sie entde- noch keine Untersuchung gegeben, die gen der Höhe ihre Haftstrafen auch dann
cken einen Mitgefangenen gleicher Her- uns Auskunft darüber geben könnte, wie abgeschoben, wenn sie hier geboren sind.
kunft. viele Minuten bzw. Stunden die als Straf- Von 1990 bis 1999 hat die Zahl der deut-
Wenn sich heute Maria M. und Paolo Z. täter bezeichneten Jugendlichen in ihrem schen Gefangenen um 8,9% zugenom-
in Italien oder Ayse T. und Dogan A. in Leben mit dem Begehen von strafbaren men, und die Zahl der Nichtdeutschen um
der Türkei auf den Weg nach Deutschland Handlungen verbracht haben. Aber stän- 161,7%.
machen, machen sie sich als Individuen dig werden sie genau darauf reduziert. Dass der Jugendvollzug gar kein Ju-
oder vielleicht noch mit ihren Familien Auf dem 26. Deutschen Jugendgerichts- gendvollzug im wörtlichen Sinn ist, son-
auf den Weg, aber sie kommen als „Völ- tag vom 25. bis 28. September 2004 in dern ein Heranwachsenden- und Junger-
ker“ an und sie werden zu Italienern, Tür- Leipzig ist im Arbeitskreis „Grenzen der wachsenen-Vollzug, ist nur in der Fach-
ken usw., weil sie sich hier ihrer „commu- Erziehung – Intensivtäter außen vor?“ in welt bekannt. 1999 z.B. waren von allen
nity anschließen, die ihnen Schutz ge- Abgrenzung zum polizeilichen Konzept 7.150 Insassen des Jugendstrafvollzuges
währt, die ihnen Arbeit besorgt, mit der des „Intensivtäters“ deutlich gemacht in Deutschland nur 12,6% im Alter von
und durch die sie sich verständigen und worden, dass es bisher nur unzureichend 14-18 Jahren. Dagegen waren 48,1% im
politisches Gewicht verschaffen können. erforscht ist, wie aus Jugendlichen in Alter von 18 – 21 und 39,3% älter als 21.
Von Anfang an bilden sich nach Nationa- Schwierigkeiten schwierige und schwie- Gleichfalls öffentlich ignoriert ist, dass
litäten getrennte Hilfsvereine…“ (1) rigste Jugendliche werden. (3) (DVJJ die im Jugendstrafvollzug Einsitzenden
(d’Eramo 1998:164) 2004) und wegen ganz schwerer Kriminalität
In den Jugendgefängnissen beobachten Für mich ist auch immer wieder er- Verurteilten die Minderheit sind. „Legt
wir ähnliches. Die deutschen Gefangenen staunlich, dass wenig bekannt ist, wie re- man als Kriterium für schwere Taten z.B.
berichten manchmal voller Bewunderung lativ wenige Jugendliche und Heranwach- zu Grunde, dass das Opfer schwer oder
über ihre deutsch-russischen Mitgefange- sende in der Bundesrepublik inhaftiert gar tödlich verletzt wurde, dass eine Waf-
nen, weil diese neu ankommende werden. Nach einer dreitägigen Veranstal- fe gebraucht oder ein Schaden von mehr
Deutschrussen sofort mit allem versorgen, tung über Jugendgewalt, in der auch über als 5.000 DM verursacht wurde, so trifft
was jenen fehlt, beispielsweise Kaffee, Kriminalitätsfurcht und die Rolle der Me- auch nur eines dieser Merkmale gerade
Zucker und Tabak. Ein Jugendlicher türki- dien bei der Skandalisierung der Jugendli- einmal auf ein Viertel der Jugendstrafge-
scher Herkunft, der in Haft kommt, geht chen als immer gewalttätiger informiert fangenen zu.“ (4) (Walter, Joachim
„natürlich“ auch direkt auf die inhaftier- und diskutiert wurde, habe ich in Köln das 2000:64)
ten Jugendlichen seiner Herkunft zu. Eini- Publikum gefragt, wie hoch denn ihrer Die Deliktstruktur bei Jugendstrafge-
ge deutsche Gefangene ohne Migrations- Schätzung nach die Zahl der Jugendlichen fangenen für 1999 nach einer Grafik aus
hintergrund vermissen diesen Zusammen- aus Köln ist, die zur Zeit inhaftiert sind: dem Greifswalder Inventar zum Strafvoll-
halt unter sich. über 1000, zwischen 500 und 1000, zwi- zug: Diebstahl 36,5%, Raub, Erpressung
Das allgemeine Merkmal der Insassen schen 100 und 500 oder unter Hundert? 24,9%, Körperverletzungsdelikte 11,5%,
der Justizvollzugsanstalten ist die Tatsa- Zwei Drittel der Anwesenden schätzten Drogendelikte 11,2% , Tötungsdelikte
che, dass alle einen Haftbefehl haben. Sie 500 und mehr. Nur ein einziger hat richtig 4,5%, Sexualdelikte 2,9 % , Straßenver-
sind dringend verdächtig, eine oder meh- gelegen und für „unter 100“ plädiert. In kehrsdelikte 2,8 %, Betrug, Untreue, Ur-
rere Straftaten begangen zu haben, oder einer Millionenstadt wie Köln sind zu ei- kundenfälschung 2,0% , Sonstige Delikte
deswegen verurteilt worden. Erving Goff- nem beliebigen Stichtag ca. 60 Jugendli- 5,7% . Da davon ausgegangen wird, dass
mann hat in seinem zuerst 1963 erschie- che und Heranwachsende in Haft. Sozusa- jeder zweite Inhaftierte ein Drogenpro-
nen Buch „Stigma. Über Techniken der gen drei Schulklassen. Die Zahlen aus den blem hat, kann man Jörn Foegen, dem
Bewältigung beschädigter Identität“ zu skandinavischen Ländern zeigen, dass Leiter der JVA Köln, leicht folgen, wenn
bedenken gegeben, ob „alle Abweichen- auch diese Haftzahlen in der Bundesrepu- er sagt, er könnte ein Drittel seiner Zellen
den genug Gemeinsamkeit haben, um blik weiter reduziert werden könnten. Das dicht machen, wenn es zu einer nicht-re-
eine spezielle Analyse zu rechtfertigen; zeigt sich beispielhaft an der Entwicklung pressiven Drogenpolitik kommen würde.
weit mehr unterscheidet sie voneinander, der Zahl der inhaftierten nichtdeutschen Zur Charakterisierung der Justizvoll-
als sie Gemeinsamkeiten haben…“ So Gefangenen. zugsanstalten
gebe „es auch Personenkategorien, die „Eine gute Sozialpolitik ist die beste
von den Forschern der Gesellschaft erst Kriminalpolitik“ Die Insassen der Strafanstalten für Ju-
geschaffen und dann von ihnen studiert gendliche in unserer Gesellschaft sind für
wurden.“ (2) (Goffmann 1980:172) Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre gab mich Menschen, die in aller erster Linie
Der Begriff „Intensivtäter“ es in der Bundesrepublik vier Studien zur folgende Gemeinsamkeiten haben: sie
Kriminalität von Jugendlichen mit Migra- sind arm, schlecht ausgebildet und waren
Am Beispiel des polizeilichen Begriffs tionshintergrund, die in der Tradition von mehrheitlich bei der Tatbegehung arbeits-
des jugendlichen „Intensivtäters“ kann Franz von Liszt („Eine gute Sozialpolitik los. (5) (Wirth 1998) Das gilt für männli-
gezeigt werden, wie wenig die Kategorien ist die beste Kriminalpolitik“) eine Reihe che und weibliche Gefangene gleicherma-
kriminell, abweichend, deviant, delin- von Forderungen aufstellten, ergänzt um ßen. Wir haben es folglich zuallererst mit
quent usw. geeignet sind, die Persönlich- ausländerrechtliche Verbesserungsvor- „Armenanstalten“ zu tun.
keit junger Menschen zu verstehen oder schläge. Heute sitzen die Kinder der da- In zweiter Linie ist aus meiner Sicht be-
sie zu charakterisieren: selbst die aktivs- mals Inhaftierten in den Jugendstrafan- merkenswert, dass mehr als 95 % der
ten der von der Polizei als „Intensivtäter“ stalten, wir haben ein Zuwanderungsge- Zellen in den JVAs mit männlichen Ju-
bezeichneten Jugendlichen sind keine setz, das sich als Zuwanderungsbegren- gendlichen belegt sind und weniger als
acht Stunden am Tag damit beschäftigt, zungsgesetz versteht, und es werden Ju- 5% von weiblichen Jugendlichen und He-

12 : antifaschistische nachrichten 2/2006


stellt auf mögliche Folgen des unter- Schutzmaßnahmen destabilisierter Bevöl-
schiedlich sicheren Aufenthaltsstatus für kerungsschichten einerseits…offensive
Lebensverhältnisse, Integration und Kri- Wiederherstellung der sozialen Leistungs-
minalität ab, anstatt auf Nationalitätszu- fähigkeit des Staates andererseits.“ (10)
gehörigkeit.“ (6) (Bundesministerium (Wacquant 2000: 149)
2001:307) Die Regierenden in Deutschland wol-
Zunehmend haben in den letzten Jahren len sich offenbar für „einerseits“ entschei-
dabei auch die deutschen Migranten aus den. In der Ausgabe von „Das Parlament“,
den Ländern der ehemaligen Sowjetunion Januar 2006 ist unter dem Titel „Schutz
eine Rolle gespielt. Ich habe mit einigen vor Straftätern“ zu lesen: „Der Bundesrat
von ihnen gesprochen und oft gehört, dass hat erneut den Entwurf eines Gesetzes zur
sie sich als Russen verstehen – nur wenn Änderung des Strafvollzugsgesetzes beim
sie auf die Ämter gehen, würden sie sa- Deutschen Bundestag eingebracht…Mit
gen, sie seien Deutsche. Aber das nur ne- dem Gesetzentwurf soll unterstrichen
benbei. werden, dass der Schutz der Allgemein-
Selten kommen inhaftierte Jugendli- heit neben der Resozialisierung der Straf-
che selbst zu Wort täter als gleichwertiges Vollzugsziel aner-
kannt werden muss. Zur Begründung
Die Veröffentlichungen über Straftaten weist der Bundesrat darauf hin, dass sich
ranwachsenden. Ohne genaue Zahlen zu und Straftäter sind unüberschaubar ge- in der Vollzugswirklichkeit eine grund-
haben, ist mein Eindruck, dass die Ge- worden, die Zahl der Arbeiten, in denen sätzlich veränderte Gefangenenpopulati-
schlechterpolarisierung bei den Inhaftier- die Gefangenen selbst zu Wort kommen on finde, die eine Korrektur des Strafvoll-
ten nichtdeutscher Herkunft etwas ausge- ist klein und überschaubar. In der Bewer- zugsgesetzes erfordere. Immer mehr Ge-
prägter ist, als bei den Inhaftierten mit tung der Anwendung narrativer biographi- fangene seien behandlungsungeeignet,
deutschem Pass. In zweiter Linie hätten scher Interviews wird oft betont, dass die viele seien nicht resozialisierungsfähig, -
wir es folglich mit „Männer- bzw. Jun- Jugendlichen die besten Experten für ihre willig, oder -bedürftig. Der Überbewer-
genanstalten“ zu tun. Situation seien. Ohne den Wert der quali- tung der Resozialisierung müsse entge-
Umfragen bei Sozialarbeitern in der Ju- tativen Methoden in Zweifel ziehen zu gengewirkt werden. Die vorrangige Aus-
gendabteilung der JVA Köln Ossendorf wollen, möchte ich dazu anmerken, dass richtung des Vollzugs auf die Bedürfnisse
oder in den Jugendstrafanstalten haben er- es auch eine Ohnmacht der Täter gibt, der Gefangenen müsse gegenüber einem
geben, dass sie davon ausgehen, dass über eine „Unfähigkeit, die Erfahrung ihrer erhöhten Schutzbedürfnis der Bevölke-
50 % der männlichen und über 70% der Lage in einem sinnvollen Ganzen zu loka- rung zurücktreten.“
weiblichen Inhaftierten ein Drogenpro- lisieren. Die Frage lautet daher: Was sind Gekürzter Vortrag vom vergangenen
blem haben. Was den Leiter der JVA Köln die Wurzeln dieser Desorientierung?“ (7) Wochenende in der Evangelischen
schon öffentlich überlegen ließ, ob er (Zizek 2005:42) Akademie Bad Boll
noch Leiter einer Einrichtung für Unter- Als die Anwerbung der so genannten
(1) D’Eramo, Marco (1998): Das Schwein und der
suchungs- und Strafgefangene ist oder Gastarbeiter vor 50 Jahren begann, war Wolkenkratzer. Chicago: Eine Geschichte unserer
schon Chef einer „Suchtkrankenanstalt“. die Geschichte der Kriminalisierung von Zukunft. Reinbek
Aus den Haftakten kann man sehen, Minderheiten und Migranten schon einige (2) Goffmann, Erving (1980): Stigma. Über Tech-
dass die Mehrheit der Insassen vorbestraft hundert Jahre alt. (8) (Jünschke/Paul, niken der Bewältigung beschädigter Identität.
Frankurt a.M.
ist. Folglich wäre „Vorbestraften-Anstalt“ 2005) Frage auch hier: obwohl das Thema (3) DVJJ (Hrsg.) (2004): Ergebnisse des 26. Deut-
eine weitere Möglichkeit der Kennzeich- „Ausländerkriminalität“ die Öffentlich- schen Jugendgerichtstages. Leipzig, 25. bis 28.
nung der Jugendgefängnisse. keit seit Jahrzehnten außerordentlich be- September 2004. Hannover
Wer mit Gefangenen vertrauensvoll schäftigt, mit dem Resultat, dass viele (4) Walter Joachim (2000): Die Umsetzung der
UN-Kinderrechtskonvention im Jugendvollzug.
über ihre Kindheit spricht, erfährt regel- glauben, Kriminalität sei quasi eine „Aus- In: National Coalition für die Umsetzung der UN-
mäßig, dass sehr viele von ihnen in der ländereigenschaft“, gibt es kaum Studien Kinderrechtskonvention in Deutschland (Hrsg.):
Kindheit schwerstens misshandelt worden zur Situation der Ausländer in den deut- Rechte von Kindern und Jugendlichen bei Frei-
heitsentzug. Dritter Deutscher Kinderrechte Tag.
sind. Man könnte also auch von „Miss- schen Gefängnissen. Wie kann/muss man Berlin, S. 57-76
handelten-Anstalten“ sprechen. das verstehen? (5) Wirth, Wolfgang (1998): Ausländische Gefan-
Erst dann käme, dass Menschen ohne Wegschluss der Armen oder Wieder- gene im Jugendstrafvollzug NRW. Ergebnis einer
deutschen Pass in Haft überrepräsentiert Stichtagserhebung (15.Juli 1997). In: Zeitschrift
herstellung des Sozialstaats? für Strafvollzug, Heft 5/98, S. 278-286(6) Bundes-
sind. Aber auch hier zeigt uns die Zusam- ministerium des Innern / Bundesministerium der
mensetzung der Insassen nichtdeutscher Der Hamburger Kriminologe Fritz Sack Justiz (Hrsg.) (2001): Erster Periodischer Sicher-
Herkunft, dass der Volksbegriff oder die rät, der „Zurichtung“ der Gruppe der ju- heitsbericht. Berlin
Nationalität zum Verständnis ihrer Anwe- gendlichen Straftäter für Zwecke der stra- (7) Zizek, Slavoj (2005): Pure Gewalt. Unkorrek-
te Reflexionen zu New Orleans, Frankreich und
senheit im Gefängnis nichts hergibt. Siehe fenden und repressiven Transformation Verwandtem. In: Lettre International, Heft 71,
unter „Armutsanstalten“: arm, keine oder der Gesellschaft nachzugehen. „Und na- Winter 2005, Seite 36-43 (8) Jünschke, Klaus /
schlechte Schulabschlüsse, arbeitslos. So türlich damit auch jene außerkriminellen Paul Bettina (2005): Über die Kriminalisierung
sind beispielsweise Gymnasiasten türki- Faktoren bloßzulegen, die diesen Prozess von Minderheiten und MigrantInnen. In: Klaus
Jünschke und Bettina Paul (Hrsg.): Wer bestimmt
scher Herkunft oder Kinder japanischer der gesellschaftlichen inneren Aufrüstung denn unser Leben? Beiträge zur Entkriminalisie-
Manager in den Justizvollzugsanstalten in Gang bringen und halten.“ (9) (Sack rung von Menschen ohne Aufenthaltsstatus. Karls-
kaum oder gar nicht anzutreffen. 1999:34) Die Geschichte des strafrecht- ruhe
In der Auseinandersetzung mit der so lichen Common Sense von den USA bis (9) Sack, Fritz (1999): Jugendgewalt – Schlüssel
zur Pathologie der Gesellschaft? In: Schweizeri-
genannten „Ausländerkriminalität“ geht nach Europa kann bei Loic Wacquant scher Nationalfonds, Programmabteilung NFP 40
man denn auch mehr und mehr dazu über, nachgelesen werden. Er sieht Europa vor (Hrsg.): Gewalttätige Jugend – ein Mythos? Bulle-
die Menschen mit Migrationshintergrund eine historische Entscheidung gestellt: tin Nr.4, Bern, S. 5 - 36
(10) Wacquant, Loic (2000): Elend hinter Gittern.
nach ihrem Aufenthaltstatus und der Dau- „Wegschluss der Armen und polizeiliche Konstanz
er ihres Aufenthalts in der Bundesrepu- und strafrechtliche Kontrolle der von den
blik zu unterscheiden: „Die Thematisie- Umwälzungen auf dem Arbeitsmarkt und Weitere Veröffentlichungen des
rung ‚Zuwanderung und Kriminalität’ dem entsprechenden Abbau sozialer Autors unter ww.klausjuenschke.de

: antifaschistische nachrichten 2/2006 13


Frankreich steht nicht mehr un- Frankreich:
ter dem Ausnahmezustand,
doch andere, längerfristige Ver-
schärfungen lassen nicht auf sich war-
Drastische Verschärfung der
ten, die in dem innenpolitischen Klima
nach den Unruhen in den ghettoisier-
Gesetze zur Einwanderung
ten Trabantenstädten (banlieues) vom ders, der Familienmitglieder nachkommen ten – was ihre spätere Situation natürlich
November 2005 leichter durchsetzbar lassen möchte, wird von ein auf zwei Jah- prekarisiert, falls die Ehe in die Brüche
geworden sind. Dies gilt etwa für die re erhöht; vor allem aber werden die übri- geht. Künftig sollen ferner die ausländi-
jetzt angekündigte, drastische Ver- gen Bedingungen weit regressiver gefasst. schen Ehepartner/innen von Franzosen
schärfung der Gesetze zur Einwande- Neben ausreichendem Wohnraum und während 3 Jahren nach der Hochzeit noch
rung und zum Aufenthalt von Auslän- Einkommen ist künftig auch eine „Integra- abgeschoben werden können, falls die Ehe
dern in Frankreich. Sie soll bis Ende die- tions“bestätigung durch den Bürgermeis- in die Brüche geht (egal, ob familiäre Ge-
ses Monats verabschiedet werden und ter erforderlich. Die „republikanische Inte- walt oder eine sonstige Ursache dies er-
im Februar dem Parlament vorgelegt gration“ wird ferner nunmehr auch für klärt). Falls das gemeinsame Eheleben
werden. Bis im Mai 2006 soll er durch ausländische Ehegatten von französischen während mindestens eines Jahres ohne
die Abgeordneten in dritter und letzter Staatsbürgern geprüft, die künftig nicht Unterbrechung in Frankreich stattfand,
Lesung verabschiedet sein. mehr automatisch ein Recht auf Aufent- kann der oder die ausländische Ehepart-
halt in Frankreich nach zwei Jahren Ehe- ner(in) künftig nach nunmehr vier Jahren
Ähnlich wie bei den erweiterten Befugnis- schluss haben werden. Ein Vorentwurf aus – statt bisher zwei Jahren – die französi-
sen für den Polizeiapparat, die in den wäh- dem Hause Sarkozy will die Integrations- sche Staatsbürgerschaft annehmen, an-
rend des Dezember verabschiedeten neuen prüfung sogar auf die französischen Ehe- sonsten nach fünf Jahren statt bisher drei.
Antiterrorismus-Gesetzen enthalten sind partnerinnen selbst anwenden. ■ Neue Elite?
(darunter die Verpflichtung für Internetca- Seit einem Gesetz von Sarkozys kon-
fés und Server, alle Verbindungsdaten für servativem Amtsvorgänger Jean-Louis Im Gegenzug zu all diesen Verschärfungen
mindestens ein Jahr aufzubewahren und Debré von 1997 bestand die Möglichkeit, soll künftig eine besonders privilegierte
den Behörden den Zugang dazu zu gewäh- dass ein Einwanderer, der nachweislich Kategorie von Ausländern geschaffen wer-
rend), sind auch in diesem Falle die Pläne seit mindestens 10 Jahren ohne Unterbre- den, deren Aufenthaltsrecht allerdings auf
älter als der Ausbruch der Unruhen wäh- chung in Frankreich lebt, seinen Aufent- drei Jahre befristet werden und/oder an das
rend des Herbstes. Einen ersten Auftrag haltsstatus „legalisieren“ lassen kann. Die- Bestehen ihres Arbeitsverhältnisses ge-
zur Überarbeitung der Einwanderungsge- se Legalisierungsoption will Sarkozy nun koppelt werden soll. Dazu sollen Personen
setze erteilte Innenminister Nicolas Sarko- völlig abschaffen. Auch solche Immigran- mit besonderen „Fähigkeiten oder Talen-
zy seinen Untergebenen schon im Septem- ten, die seit mehreren Jahren in Frankreich ten“ gehören, die „geeignet sind, auf be-
ber. Doch im einen wie im anderen Falle leben und nachweislich intensive „familiä- deutende und dauerhafte Weise zur Ent-
haben das politische Klima nach den Un- re oder persönliche Bindungen“ entwi- wicklung der französischen Ökonomie,
ruhen und der verbreitete Ruf nach autori- ckelt haben, konnten bisher „legalisiert“ zur Ausstrahlung Frankreichs in der Welt“
tären „Lösungen“ erheblich zur Durch- werden – was sich schon aus der Europäi- oder zur Entwicklung ihres Herkunftslan-
setzbarkeit von Verschärfungen beigetra- schen Menschenrechtskonvention ergibt, des beizutragen. Ferner geht es auch um in
gen. Nicht zufällig hatte Premierminister die den Respekt des Familienlebens garan- Frankreich ausgebildete, ausländische
Dominique de Villepin die Neuauflage der tiert. Dieses Recht will Sarkozy unter Studierende. Beide Gruppen sollen – im
Ausländergesetzgebung am 19.11.05, auf strikte Voraussetzungen stellen, etwa hin- Gegensatz zu allen anderen Einwanderern
dem Höhepunkt der politischen Schock- sichtlich der Integrationsvoraussetzungen – ein sofortiges Recht auf Familiennach-
welle infolge der Unruhen, verkündet. in Gestalt von „Lage“ und „Komfort“ des zug wahrnehmen können. Ihre Förderung
Am Donnerstag, 12. Januar gab Innen- Wohnraums; je nachdem, ob der betreffen- liegt völlig im Trend der Politik selektiver
minister Nicolas Sarkozy, anlässlich der de Mensch in einer Trabantenstadt oder in Zuwanderung von Hochqualifizierten, die
Verkündung seiner Neujahrswünsche an einem Stadtzentrum lebt, könnte die Ant- auch auf EU-Ebene verfolgt wird. Früher
die Presse, nähere Einzelheiten bekannt. wort auf diese Frage ziemlich unterschied- nannte man so etwas „Brain Drain“, also
Aber längst waren schon präzisere Infor- lich ausfallen. das Abziehen der fähigsten oder bestaus-
mationen an die Öffentlichkeit gedrungen, Eine Maßnahme, die für das Gros der gebildeten Führungskräfte aus ärmeren
denn acht Initiativen und NGOs – von der in Frankreich lebenden Immigranten eine Ländern – es wurde angeprangert, solange
AIDS-Hilfegruppe Act Up! über die starke Destabilisierung bedeutet, ist ferner dessen Ablehnung als Argument dafür her-
Rechtsberatungsinitiative GISTI bis zur die faktische Abschaffung der so genann- halten konnte, das Asylrecht in Deutsch-
Antirassismusbewegung MRAP – stellten ten Zehn-Jahres-Karten. Diese 1984 mit land oder Frankreich (jeweils 1993) einzu-
schon am 3. Januar einen Entwurf aus Sar- den Stimmen aller großen Parteien einge- schränken. Jetzt, wo es nur noch ein
kozys Ministerium (http://www actuppa- führten Aufenthaltstitel, die bei Fehlen ei- Bruchteil der früheren Asylsuchenden
ris.org/IMG/pdf/projet-reforme-immigra- nes Verweigerungsgrundes verlängerbar überhaupt noch in „unsere“ Länder
tion-CESEDA.pdf ) ins Internet, begleitet sind, stellten de facto eine unbefristete schafft, wird dagegen ganz ungeniert um
durch ein kritisches Kommuniqué Aufenthaltserlaubnis für seit längerem „le- die Anwerbung der „Besten“ gebuhlt. Bei
(http://www.actupparis.org/article2310. gal“ in Frankreich lebende Einwanderer Nicolas Sarkozy läuft das unter dem Slo-
html#documents). dar; ihn erhielten Nicht-EU-Ausländer gan, der jetzt sogar explizit in dem Geset-
■ Die Neuerungen nach 10 Jahren regelmäßiger Wohndauer zes-Vorentwurf auftaucht: „Kampf der er-
in Frankreich. Kippt die Zehn-Jahres-Re- littenen Zuwanderung“, gemeint ist: den
Heraussragende Neuerung ist die Ein- gelung würde dies eine erhebliche „Desta- durch das arme Frankreich erlittenen Ein-
schränkung des Rechts auf Familienzu- bilisierung“ der auf Dauer und mit einem wanderern, „und Förderung der ausge-
sammenführung – der Familiennachzug legalen Titel in Frankreich sich aufhalten- wählten Zuwanderung“.
war im November durch konservative Par- den Einwanderungsbevölkerung nach sich Selbst schwer kranke Ausländer, die
lamentarier als eines der angeblichen ziehen. bisher aus humanitären Gründen einen
Hauptübel, die hinter den Unruhen steck- Ebenso sollen mit Franzosen verheira- Aufenthaltstitel erlangen konnten, werden
ten, angegriffen worden. Die minimale tete ausländische Staatsbürger nicht mehr dagegen nur noch unter strengen Konditio-
„legale“ Aufenthaltsdauer eines Auslän- diesen unbefristeten Aufenthaltstitel erhal- nen in Frankreich bleiben können: Recht-

14 : antifaschistische nachrichten 2/2006


: ostritt
liche Voraussetzung dafür wird künftig tersuchung der individuellen Situationen,
sein, dass das Krankheitsbild „die Überle- unter Berücksichtigung der Rechtspositio-
bensprognose aufs Spiel setzt“ – also le- nen der jeweiligen Individuen und der von ie „Landsmannschaft Ostpreu-
bensbedrohlich ist – und eine angemesse-
ne Behandlung im Herkunftsland „auf-
grund des Nichtvorhandenseins entspre-
ihnen im Falle einer unerwünschten Rück-
führung ins Herkunftsland gelaufenen Ri-
siken, haben all diese Zahlenspiele offen-
D ßen“ intensiviert ihre kommunal-
politische Tätigkeit in Polen. Wie
der Deutsche Ostdienst (DOD) berichtet,
chender sanitärer Mittel“ nicht möglich kundig nichts zu tun. haben BdV-Präsidiumsmitglied Bernd
ist. Das bedeutet, dass es nicht mehr den Die extreme Rechte gerät durch diese Hinz, angeblicher „Kreisvertreter“ des
Aufenthalt in Frankreich rechtfertigt, Sprüche und die entsprechenden Taten des 1945 aufgelösten „Kreises Preußisch Hol-
wenn medizinische Behandlungsmöglich- zuständigen Ministers leicht ins Dilemma: land“ (ehemals Ostpreußen, heute Polen),
keiten im Herkunftsland zwar vorhanden, Soll sie die praktizierten „Lösungen“ ver- und Landrat Adam Sierzputowski (Olsz-
aber aus finanziellen Gründen einer klei- bal noch übertrumpfen und die real durch- tyn) eine „Arbeitsgemeinschaft Kommu-
nen Elite vorbehalten sind. Besonders be- geführte Politik der Schwächlichkeit zei- nalpolitischer Partnerschaften“ gegründet.
troffen davon sind HIV-Patienten, weshalb hen – um sich damit aber eventuell auch in Die „Arbeitsgemeinschaft“ dient der Ver-
auch die AIDS-Hilfeorganisation „Act den Augen von Rechtswählern dem Ver- tiefung der bisherigen „Kommunalpoliti-
Up!“ zu den besonders scharfen Gegnern dacht einer übertriebenen, rein ideologisch schen Kongresse“, die die „Landsmann-
von Sarkozys Plänen zu Gesetzesverschär- motivierten Härte auszusetzen? Oder soll schaft Ostpreußen“ seit mehreren Jahren
fungen gehört. sie dazu applaudieren und zugleich versu- regelmäßig durchführt (vgl. AN /05).
■ Reaktionen von Rechts chen, ihr angebliches „politisches Urhe- In der „Arbeitsgemeinschaft“ sollen so
berrecht“ einzufordern – damit aber viel- genannte „Heimatkreisgemeinschaften“
Die Konzeptionen von Nicolas Sarkozy leicht zu wenig als Oppositionskraft er- mitarbeiten, also Zusammenschlüsse ehe-
sollen unter anderem auch die Funktion kennbar sein? maliger Bewohnerinnen und Bewohner
erfüllen, die an die extreme Rechte verlo- Bisher ist noch keine offizielle Reaktion eines ehemals ostpreußischen Landkrei-
renen Wähler wieder anziehen bzw. zu po- von Le Pen bekannt. Die extreme Rechte ses bzw. einer ehemals ostpreußischen
tenziellen konservativen Wählern zu ma- „einholen“ oder gar überholen wird das Kreisstadt. Sie sollen mitarbeiten, sofern
chen. Dabei teilt das durch die extreme konservative Regierungslager natürlich sie inzwischen dem Vorbild der „Heimat-
Rechte angezogene Publikum sicherlich auch mit den geplanten, recht harschen kreisgemeinschaft Preußisch Holland“
nicht die Ambitionen zur Schaffung einer Maßnahmen nicht können. So forderte gefolgt sind und eine „Partnerschaft“ mit
neuen Einwandererelite; auf seinen Beifall Jean-Marie Le Pen in seinem Wahlpro- derjenigen polnischen Gebietskörper-
dagegen stoßen im Prinzip wohl alle Maß- gramm von 2002 die „Abschaffung“ jegli- schaft unterzeichnet haben, die heute in
nahmen, die darauf hinauslaufen, gegen chen Rechts auf Familiennachzug, des- ihrem Herkunftsgebiet besteht. „Partner-
die weiter unten in den sozialen Hierarchie gleichen tat der Rechtskatholik Philippe schaft“ bedeutet dabei, dass die „Heimat-
stehenden Einwanderer oder Zuwande- de Villiers jüngst in seinen Neujahrswün- kreisgemeinschaft“ sich in kommunalpo-
rungskandidaten zu „treten“. Insbesondere schen an die Presse vom 11. Januar (vgl. litische Angelegenheiten der heutigen pol-
im Hinblick auf solche Reaktionen be- dazu http://www.liberation.fr/ page.php? nischen Gebietskörperschaften einmischt.
treibt Minister Sarkozy weiterhin sein Me- Article=350715). Nicht vorgesehen ist hingegen, dass
dienspiel mit den „Erfolgszahlen“, das er Dies sind natürlich Sprüche, denn eine polnische Gebietskörperschaften sich in
auf Abschiebezahlen ebenso anwendet völlige Schleifung dieses Rechts, das mit Angelegenheiten der „Heimatkreisge-
wie bei Aufgriffszahlen von (mutmaßli- der Garantie des Anrechts auf ein „norma- meinschaften“ einmischen.
chen) Straftätern durch die Polizei. Für das les Familienleben“ durch die Europäische Die „Arbeitsgemeinschaft Kommunal-
zurückliegende Jahr hatte Sarkozy den Menschenrechtskonvention (Artikel 8) im politischer Partnerschaften“ soll „die bis-
ihm untergebenen Dienststellen im Juni Einklang steht, wäre sicherlich – ohne herigen partnerschaftlichen Beziehungen
2005 die Sollvorgabe erteilt, „23.000 Ab- Aufkündigung mehrerer internationaler zu einer überregionalen Kooperation zu-
schiebungen“ im laufenden Jahr zu errei- Verpflichtungen Frankreichs – mit den nächst im südlichen Ostpreußen zusam-
chen gegenüber einer Vorjahresquote von Richtern nicht so einfach zu machen. Aber menführen“, berichtet der DOD. An-
16.000. Laut der konservativen Tageszei- der Wettlauf um den autoritärsten und ras- schließend will man „in die dann gefestig-
tung „Le Figaro“ vom vergangenen Don- sistischsten Teil der Wählerschaft hat be- te Struktur (...) auch Partnerschaftsver-
nerstag könnten es freilich real – „nur“ – gonnen. hältnisse in den weiteren historischen ost-
rund 20.000 geworden sein. Mit einer Un- Bernhard Schmid Paris ■ deutschen Siedlungsgebieten in der Repu-
blik Polen (...) integrieren“. Sollte dies ge-
lingen, entstünde ein Zusammenschluss,
der schließlich die fiktiven Vertretungen
Der Herausgabekreis und die Redaktion sind zu erreichen über:
GNN-Verlag, Zülpicher Str. 7, 50674 Köln Tel. 0221 / 21 16 58, Fax 0221 / 21 53 73. sämtlicher 1945 aufgelöster deutscher
email: antifanachrichten@netcologne.de, Internet: http://www.antifaschistische-nachrichten.de Landkreise und Kreisstädte umfasste –
Erscheint bei GNN, Verlagsges. m.b.H., Zülpicher Str. 7, 50674 Köln. V.i.S.d.P.: U. Bach und ihre kommunalpolitischen Aktivitä-
Redaktion: Für Schleswig-Holstein, Hamburg: W. Siede, erreichbar über GNN-Verlag, Neuer Kamp 25, ten in den bis 1945 deutschen Gebieten
20359 Hamburg, Tel. 040 / 43 18 88 20. Für NRW, Hessen, Rheinland Pfalz, Saarland: U. Bach, koordinierte.
GNN-Verlag Köln. Baden-Württemberg und Bayern über GNN-Süd, Stubaier Str. 2, 70327 Stuttgart,
Tel. 0711 / 62 47 01. Für „Aus der faschistischen Presse“: J. Detjen c/o GNN Köln. Die Gründung der „Arbeitsgemein-
Erscheinungsweise: 14-täglich. Bezugspreis: Einzelheft 1,30 Euro. schaft“ wurde im vergangenen Oktober
Bestellungen sind zu richten an: GNN-Verlag, Zülpicher Str. 7, 50674 Köln. Sonderbestellungen sind am Rande des fünften „Kommunalpoliti-
möglich, Wiederverkäufer erhalten 30 % Rabatt. schen Kongresses“ der Landsmannschaft
Die antifaschistischen Nachrichten beruhen vor allen Dingen auf Mitteilungen von Initiativen. Soweit ein- Ostpreußen verkündet. Anwesend waren
zelne Artikel ausdrücklich in ihrer Herkunft gekennzeichnet sind, geben sie nicht unbedingt die Meinung der heutige Bundesinnenminister Wolf-
der Redaktion wieder, die nicht alle bei ihr eingehenden Meldungen überprüfen kann. gang Schäuble und der heutige Chef des
Herausgabekreis der Antifaschistischen Nachrichten: Anarchistische Gruppe/Rätekommunisten (AGR); Annelie
Buntenbach (Bündnis 90/Die Grünen); Rolf Burgard (VVN-BdA); Jörg Detjen (Forum kommunistischer Arbeitsgemein-
Bundeskanzleramtes und Minister für be-
schaften); Martin Dietzsch; Regina Girod (VVN - Bund der Antifaschisten); Dr. Christel Hartinger (Friedenszentrum e.V., sondere Aufgaben Thomas de Maizière.
Leipzig); Hartmut-Meyer-Archiv bei der VVN - Bund der Antifaschisten NRW; Ulla Jelpke (MdB); Jochen Koeniger (Ar- An der Politik, die die „Arbeitsgemein-
beitsgruppe gegen Militarismus und Repression); Marion Bentin, Edith Bergmann, Hannes Nuijen (Mitglieder des Vor-
standes der Arbeitsgemeinschaft gegen Reaktion, Faschismus und Krieg–Förderverein Antifaschistische Nachrichten);
schaft“ vorantreiben will, führt – so der
Kreisvereinigung Aachen VVN-BdA; AG Antifaschismus/ Antirassismus in der PDS NRW; Angelo Lucifero (Landesleiter DOD – „kein Weg vorbei“.
hbv in ver.di Thüringen); Kai Metzner (minuskel screen partner); Bernhard Strasdeit; Volkmar Wölk. jk, nach DOD 11/2005 ■

: antifaschistische nachrichten 2/2006 15


: aus der faschistischen presse
mit ihm auseinander gesetzt und auch sein
Tod wird keinen antifaschistisch denken-
Der Nazi-Überfall auf die fonds, Schiffsbeteiligungen und ähnlichen den Menschen mit Schönhuber versöhnen.
Sowjetunion: Eine geschicht- ,Steuerspar-Modellen‘ abzuschaffen, ge- Den Nachruf von WERNER BAUMANN,
konnt in Szene gesetzt. Der Öffentlichkeit Redakteur von N&E aber hat er nicht ver-
liche Leistung! sollte auf diese Weise suggeriert werden, dient: „Heute weiß man, daß dem Vorsit-
Nation & Europa Januar 2006 daß die Zumutungen ,sozial ausgewogen‘ zenden eine gegen ihn gerichtete Ver-
Immer mal wieder und in letzter Zeit ver- seien – da lachen nicht mal mehr die Hüh- schwörung eingeredet worden war....
stärkt, bemühen sich Neofaschisten wie ner. Das Deutsche Institut für Wirtschafts- Gleichwohl schätzte er die schönen Seiten
Linke zu wirken, geben sich als Antikapi- forschung hat nachgerechnet und kam zu des Lebens, die Frauen, einen guten Rot-
talisten oder prangern den US-Imperialis- dem Ergebnis, daß Geringverdiener durch wein.... Beim Umtrunk mit Freunden
mus an. Das geht bis zu den Aufmärschen das Maßnahmenpaket am meisten belastet stimmte er gern ein Lied an, animierte
einiger Gruppen aus dem Bereich der Ka- werden“. zum Mitsingen, war selten der Erste, der
meradschaften, die auf den ersten Blick Dem ist nicht zu widersprechen. Eine zu Bett ging.... Weniger lag ihm das Pro-
wie linke Demonstrationen wirken weil solche Kritik könnte aus Gewerkschafts- grammatische, die ,akademische‘ Debatte,
die Nazis sich einen bestimmten, antifa- kreisen kommen oder aus den Reihen der obwohl er sich auch ihr nicht entzog... Da-
schistisch/autonomen Dresscode angeeig- Linkspartei. Aber Rose blinkt nur deshalb bei half ihm sein Drang ins Rampenlicht,
net haben. An Inhalt steckt dahinter links, um anschließend rechts abzubiegen: seine Eitelkeit, zu der er stand.... Manch-
nichts. Kein Saulus wurde zum Paulus, „Überhaupt wird fiskalisch ein völlig fal- mal kam eine gewisse Egozentrik hinzu.“
kein Neonazi mutierte zum Gegner des sches Bild vermittelt. Nach dem letzten Wer Freunde hat, die solche Nachrufe
kapitalistischen Systems. Es wird ledig- Armuts- und Reichtumsbericht der Bun- schreiben, braucht keine Feinde mehr.
lich versucht, an bestimmte, diffus vor- desregierung zahlen die über dem Durch- KARL RICHTER berichtet unter der
handene Grundstimmungen größerer Tei- schnitt Verdienenden 91,7 Prozent der Überschrift „Achsenbau“ über eine (auch
le der Menschen anzuknüpfen, um die ei- Lohn- und Einkommenssteuer, die weni- wenn er sie nicht so nennt) NPD-Delegati-
gene menschenfeindliche Ideologie und ger als den Durchschnitt 8,3 Prozent. Kei- on, die Russland besuchte, „um das Ter-
Politik besser verbreiten zu können. ne Gruppe deutscher Bürger entrichtet zu rain zu sondieren“ und u.a. Gespräche mit
DETLEV ROSE, der jüngste Redak- wenig Steuern und Abgaben. Das wußten Abgeordneten von Schirinowskis „Libe-
teur von „Nation & Europa“ zeigt in der vor der Wahl (mit Ausnahme der Kommu- raldemokratischer Partei Russlands“ führ-
Januarausgabe wie das und worum es nisten) noch alle Parteien. Erst nach der te. Dabei zitiert Richter aus einer Rede des
geht. Unter der Überschrift „Mit alten Re- Wahl fing man damit an, die einen gegen sächsischen NPD-Landtagsabgeordneten
zepten ins neue Jahr: Merkels Giftcock- die anderen auszuspielen. Divide et impe- Jürgen Gansel, der offen aussprach, um
tail“ geht er mit der unsozialen Wirt- ra. Teile und herrsche! Stehen erst die un- was es den deutschen wie russischen Fa-
schafts- und Steuerpolitik der Großen Ko- terschiedlichen Interessengruppen gegen- schisten ging:
alition ins Gericht: „Die Abschaffung der einander auf den Barrikaden, redet nie- „Immer dann, wenn Russen und Deut-
Eigenheimzulage soll nach mehreren Jah- mand mehr über die Gesamtverantwor- sche verbündet waren, ging von diesen
ren ,Übergangszeit‘ sechs Milliarden tung der Politik. Richtig bleibt: Steuerer- beiden Völkern ein ganz starker Impuls für
Euro pro Jahr zusätzlich in die Staatskasse höhungen, egal, wen sie treffen, ziehen Freiheit, Frieden und Gerechtigkeit in
spülen. Außerdem wird die Pendlerpau- Kaufkraft ab, mindern die Leistungsbe- Europa aus... Heute ist es das Gebot der
schale gekürzt, der Sparerfreibetrag nahe- reitschaft, beflügeln die Schattenwirt- Stunde, sich gegen den amerikanischen
zu halbiert und Freibeträge für Abfindun- schaft (,Schwarzarbeit‘), treiben Men- Wirtschafts- und Kulturimperialismus, ge-
gen fallen weg. Kosten für Steuerberater schen und Gelder ins Ausland, sind also nauer: gegen das Weltherrschaftsstreben
und ein häusliches Arbeitszimmer sollen Gift für die Konjunktur“. amerikanischer Ostküsten-Kapitalisten zu
künftig nicht mehr abgesetzt werden kön- Es würde zu kurz greifen, zu behaup- wehren. Wir müssen die politischen und
nen. Mit diesem Maßnahmen-Mix plün- ten, Rose sei in Fragen sozialer Gerech- wirtschaftlichen, die geistigen und kultu-
dert das Kabinett hauptsächlich den Nor- tigkeit als Tiger gesprungen, um als Bett- rellen Kräfte Europas bündeln und gegen
malbürger aus. ... Um dies zu kaschieren, vorleger zu landen. Schaut man genauer die Welttyrannen hinter dem großen Meer
versucht es die neue Führung mit Show- hin, verbirgt sich hinter der sozialen De- richten. Der Wall Street und ihren politi-
Effekten. So wurden die ,Reichensteuer‘ magogie ordinärer Marktradikalismus. schen Kräften werden wir aber nur dann
und der Beschluss, die Abschreibungs- Am 27. November starb Franz Schön- Paroli bieten können, wenn wir tragfähige,
möglichkeiten für Verluste bei Windkraft- huber. Wir haben uns an dieser Stelle oft außenpolitische Bündnisse schmieden.
Für Europa gesprochen, heißt das eine
starke, geschlossene Achse Paris-Berlin-
BESTELLUNG: Hiermit bestelle ich … Stück pro Ausgabe (Wiederverkäufer erhalten 30 % Rabatt)
Moskau“.
O Halbjahres-Abo, 13 Hefte 22 Euro
Erscheinungsweise: Neben dem, auch in Russland virulen-
O Förder-Abo, 13 Hefte 27 Euro 14-täglich ten, Antisemitismus, an den deutsche
O Jahres-Abo, 26 Hefte 44 Euro
Neonazis anknüpfen können, sind diese
O Förder-Abo, 26 Hefte 54 Euro
Worte Ausdruck imperialistischer Kon-
O Schüler-Abo, 26 Hefte 28 Euro
kurrenz. Aber selbst Richter und seine
O Ich möchte Mitglied im Förderverein Antifaschistische Nachrichten werden. Der Verein unterstützt finanziell
und politisch die Herausgabe der Antifaschistischen Nachrichten (Mindestjahresbeitrag 30,- Euro). Freunde sind erstaunt, in Moskau mit of-
Einzugsermächtigung: Hiermit ermächtige ich den GNN-Verlag widerruflich, den Rechnungsbetrag zu Lasten
fenen Armen empfangen worden zu sein:
meines Kontos abzubuchen. (ansonsten gegen Rechnung) „Kein Ressentiment, kein Aufrechnen frü-
herer Feindschaft trübt die Stimmung,
Name: Adresse: vielmehr zeigen sich die russischen Spre-
cher beeindruckt von den Deutschen und
Konto-Nr. / BLZ Genaue Bezeichnung des kontoführenden Kreditinstituts ihrer geschichtlichen Leistung, gerade
auch im Krieg, der die Wehrmacht bis an
Unterschrift die Vororte Moskaus führte“. Manchmal
sind Worte verräterisch: 20 Millionen to-
GNN-Verlag, Zülpicher Str. 7, 50674 Köln, Tel. 0221 – 21 16 58, Fax 21 53 73, email: gnn-koeln@netcologne.de
Bankverbindung: Postbank Köln, BLZ 370 100 50, Kontonummer 10419507
ter Sowjetbürger - welch eine geschichtli-
che Leistung! tri ■

16 : antifaschistische nachrichten 2/2006