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:antifaschistische Nr.

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nachrichten g 3336 6.5.2004 20. jahrg./issn 0945-3946 1,30 ¤
www.antifaschistische-nachrichten.de

Neonazis erfolglos bei


Aufmärschen am 1. Mai
Leipzig. Worch schaffte den Marsch zum
Völkerschlachtdenkmal zum wiederhol-
ten Male nicht. Ca. 2000 Gegendemon-
stranten behinderten den Nazi-Auf-
marsch. Erst am Vorabend war klar, dass
die Nazis dank Verwaltungsgericht über
Georgiring und Gerichtsweg zur Prager
Straße und weiter zum Völkerschlacht-
denkmal laufen dürften.

Berlin. Über „erfolgreichen Wider- Nazis hetzen


stand“ gegen den NPD-Aufmarsch am 1.
Mai freuten sich Lichtenbergs Bezirks-
bürgermeisterin Christina Emmrich
(PDS) und Birgit Stenzel von der Initiati-
ve gegen Rechtsextremismus Lichten-
berg/Hohenschönhausen am Abend des
ereignisreichen Tages. Es seien an der
Frankfurter Allee „wirkungsvolle, sicht-
bare und hörbare Aktionen“ gegen die
Rechtsextremisten organisiert worden.
Friedlich verlief am Vormittag des 1.
Mai die Antifa-Demonstration gegen den
NPD-Aufmarsch. Mehrere tausend De-
monstranten zogen vom Strausberger
Platz durch Friedrichshain. Gezeigt wur-
den gelbe, graue und weiße Transparente
mit dem Grundtenor, den „Naziaufmarsch
Ehrung der Waffen-SS
kippen“ zu wollen. Als der Zug am Box-
hagener Platz ohne Zwischenfälle ge-
verurteilt
stoppt wurde, machten sich hunderte Teil- Genf. Die Menschenrechts- beigetreten, sondern wegen ihres Anti-
nehmer durch Seitenstraßen auf den Weg, kommission der UN hat bei ih- kommunismus gegen die Sowjetunion.
um sich direkt der Nazi-Demo entgegen rem Treffen in Genf eine nach- Dabei war doch gerade der Kampf ge-
zu stellen. trägliche Glorifizierung der Waffen- gen den Kommunismus eine wesentli-
Immer mehr Menschen versammelten SS verurteilt. che Klammer dieser verbrecherischen
sich rund um die Aral-Tankstelle nahe des NS-Organisation. Unterdessen wird
Bahnhofs Lichtenberg. Um 13 Uhr blo- In der von Rußland eingebrachten Reso- auch in der Bundesrepublik die Ehrung
ckierten dessen Gegner die Frankfurter lution wird die tiefe Besorgnis über den von Angehörigen der Waffen-SS fortge-
Allee in Richtung Innenstadt. Die Polizei Bau von Denkmälern für die verbreche- setzt. Und dies nicht nur am offiziellen
baute sich vor ihnen auf und bildete kurz rische Nazi-Organisation ausgedrückt. Volkstrauertag.
danach in Höhe Atzpodienstraße eine Gedenkstätten dieser Art fügten den NS- Noch am 25. April hatten sich etwa
zweite Front. Um 14.16 Uhr fordert die Opfern Unrecht zu, vergifteten die Ge- 100 Neonazis auf einem Acker bei Car-
Polizei die Menschen auf, die Frankfurter danken junger Menschen und förderten pin (Mecklenburg-Strelitz) versammelt.
Allee in Richtung Tankstelle zu räumen. den Extremismus von Rechts. Die Anhänger der „Mecklenburgischen“
Gegen 14.40 Uhr wurden die Gegende- Die Resolution wurde mit 36 zu 13 und „Pommerschen Aktionsfront“ woll-
monstranten an der Araltankstelle einge- Stimmen verabschiedet. Während diese ten dort Holzkreuze für Gefallene einer
kesselt. Später eskalierte die Situation. vor allem bei Entwicklungsländern Zu- Panzergrenadierdivision der Waffen-SS
stimmung fand, stimmten die europäi- aufstellen. Die Polizei verhinderte dies
schen Staaten, Japan, Australien und die noch im Ansatz und ermittelt nun gegen
USA gegen die Resolution. Hintergrund zwei Personen wegen der Verwendung
Aus dem Inhalt: der Entschließung dürfte die Einwei- von NS-Symbolen.
NPD und „freie Kräfte“ hung eines Denkmals für die „Lettische Für den 8. Mai, dem Tag der Befrei-
rücken enger zusammen . . . . . . . 4 Legion“ im vergangenen Jahr sein. Let- ung von Faschismus, rufen der „Freun-
BdV-Kundgebund in München . . 12 tische Politiker hatten versucht, die Eh- deskreis Halbe“ und ein „Ehrenkomitee
Zuwanderungsgesetz scheitert? rung in Schutz zu nehmen. Die Angehö- 8. Mai“ erneut zu einem „Tag der Ehre“
Pro Asyl nimmt Stelleung . . . . . . 13 rigen der lettischen Waffen-SS seien die- und zum „Ehrendienst der Grabpflege“
ser nicht aus Sympathie für die Nazis auf. hma ■
: meldungen, aktionen
nicht sensibel genug für das Transparent
– die Neonazis brüsten sich damit, dass
sie die gesamte Route ungestört mitlau-
Bruch mit dem „VdS“ ? rung“, „Hereinnahme des aktuell Gesell- fen konnten. Ich bin der Meinung, wir
Bonn. Das Bundesverteidigungsministe- schaftlichen“ und „den gerichteten mili- müssen diesen Vorfall gemeinsam aus-
rium hat „mit sofortiger Wirkung“ alle tanten Antifaschismus“ geprägt gewesen werten und ernsthafte Schlüsse für zu-
„dienstlichen Kontakte“ seiner Truppe und durch „die Kritik am idyllisch ge- künftige Demos und Kundgebungen dar-
zum 1951 gegründeten „Verband deut- machten und dargebotenen Liedgut, am aus ziehen. Schon am 1. Mai kann uns
scher Soldaten e.V.“ (VdS) und seinen Romantizismus“ und der „Skepsis das wieder passieren.
Unterorganisationen „eingestellt“. Kon- gegenüber den traditionellen Liedformen 1. Müssen die Ordner auf diese Kräfte
kreter Anlaß ist der Abdruck eines Arti- überhaupt“. sensibilisiert werden.
kels in der Verbandszeitschrift „Soldat Die heutigen Festivals dienten nur 2. Müssen wir inhaltlich auf diese
im Volk“. Vor einem halben Jahr war noch der Bewahrung der „guten alten braunen Sozialdemagogen reagieren und
dort ein Beitrag des stellvertretenden Lieder“, die „nicht verstören sondern ge- in unseren Organisationen darüber infor-
Vorsitzenden der „Nationalsozialisti- fallen“ sollen. Eine solche „Mischung mieren und gegebenenfalls auch aufklä-
schen Partei Amerikas“ abgedruckt wor- aus provinziellem Mief und deutsch-na- ren.
den. Dabei ist es keineswegs neu, das in tionaler Gefühligkeit“ und die Unterstüt- Die braune Sozialdemagogie gab es
dem Blatt Autoren vom rechten Rand zu zung des neuen Zugs „vom Patriotismus nicht nur vor und nach 1933 sondern wir
finden sind. Das dem Verband auch loka- über den Nationalismus zur Barbarei“ hatten hier in Baden-Württemberg bei je-
le Strukturen ehemaliger Waffen-SSler lehnt Degenhardt rundweg ab. dem Wahlkampf gegenüber den Reps da-
aus der HIAG angehören, scheint die Be- Das „Geseiche dazu, man dürfe „das mit auseinanderzusetzen. Ich gerne be-
hörde nie gestört zu haben. Vaterland nicht den Rechten überlassen“ reit, auf Gewerkschaftsveranstaltungen
Nach dem Ende der Ära des General- sei „unappetitlich“. Für mich ist „die dazu zu informieren und zu referieren.
majors a.D. Jürgen Schreiber, dessen Bü- Waldeck nicht mehr, wie eine kurze Zeit Meine Recherchen und Unterlagen, die
cher in so einschlägig rechten Verlagen damals, ein Ort des freien Geistes, dem ich während der Anti-Reps-Wahlkämpfe
wie „Druffel“ und „Vowinckel“ erschie- Aufbruch, dem Neuen, der Aufklärung, gesammelt habe, sind noch vorhanden.“
nen, hoffte man 2001 mit der Wahl des der Revolte verpflichtet“, so Degenhardt. Anne Rieger, Landessprecherin der
CSU-Stadtrats und Gebirgsjägers Horst- „Ein Linker meiner Art geht da nicht VVN-Bund der Antifaschisten Baden-
Erich Hoppe zum neuen VdS-Bundes- mehr hin, und aus Nostalgie schon über- Württemberg ■
vorsitzenden, dem Problem Herr zu wer- haupt nicht“. peb ■
den. Fehlanzeige. Kein Einsatzbefehl für
Mit Spannung darf nun betrachtet Sozialdemagogie
werden, ob die Kontakte der Bundes- Mittenwald
wehr zum VdS, bei dem auch schon Stuttgart. Die Landessprecherin der Garmisch-Partenkirchen. Das Ge-
MdB Martin Hohmann (CDU) gespro- VVN-BdA, Anne Rieger, hat auf das birgsmusikkorps hat seinen traditionel-
chen hatte, auch tatsächlich eingestellt dreiste Auftreten von Neonazis bei der len Auftritt beim Pfingsttreffen auf dem
werden oder ob den „dienstlichen Kon- Demonstration gegen Sozialabbau am 3. Hohen Brendten abgesagt. Dieser Schritt
takten“ nun vermehrt private Kontakte April in Stuttgart hin (siehe Bild) hinge- habe nichts mit den „Krawallmachern“
folgen werden. hma ■ wiesen. Anne Rieger schreibt: zu tun, die in den vergangenen Jahren
„Die Neonazis Freier Widerstand versucht hatten, die größte Soldatenfeier
Alt-Neuer Waldeck-Geist brüsten sich auf ihre Web-Seite damit, Deutschlands zu stören, sagte der Presse-
dass sie in Stuttgart mit einem eigenen offizier Treude. „Die Bundeswehr kneift
Dorweiler/Hunsrück. Der linke Lie- Transparent an der Sozialabbau-Demo nicht“, so Treude, auch nicht vor dem
dermacher Franz-Josef Degenhardt hat teilgenommen haben. Unten der Text Ih- Westdeutschen Rundfunk. Der hatte im
eine persönliche Teilnahme am 40. Mu- rer Interneterklärung (hier nicht abge- Vorjahr in einem politischen Magazin
sikfestival auf der Burg Waldeck im druckt) mit der gleichzeitigen Beschimp- das Pfingsttreffen zu einer Veranstaltung
Hunsrück abgelehnt. In seinem, im Mit- fung der Gewerkschaftsfunktionäre. Un- „Ewiggestriger“ abgestempelt. „Diese
teilungsblatt „Köpfchen“ der „Arbeitsge- sere Ordner, aber auch unsere Mitglieder Feier ist nicht anrüchig“, betont Treude,
meinschaft Burg Waldeck e.V“ (ABW) und wir selber, waren offensichtlich aber aus „internen Gründen“ könne der
abgedruckten Brief, kritisiert Degen-
hardt, einer der frühen Akteure der Wal-
deck-Festivals, die „Rolle rückwärts“ die
„da oben im Hunsrück“ vorgeführt wird.
„Ein neuer „Geist“ kehrt zurück, hin zum
Traditionellen, Deutschnationalen, Ba-
nal-Idyllischen, Esoterischen, Anti-Auf-
klärerischen und Anti-Sozialistischen/
Anti-Kommunistischen“, schreibt der
Liedermacher. Dieser Geist sei in den
Sechzigern „bei unseren Festivals“ – we-
nigstens kurzzeitig – vertrieben worden.
Dieser „zurückgekehrte zutiefst konser-
vative bis reaktionäre „Geist“ zeige sich
„nicht nur direkt in politicis und philoso-
phicis“ sondern „zunehmend in der bei-
nahe fanatischen Vorliebe für das so ge-
nannte traditionelle Lied unter Aus-
schluss des musikalisch wie inhaltlich
Neuen“. Die Waldeck-Festivals der
Sechziger seien durch „Konkretisie-

2 : antifaschistische nachrichten 9-2004


Einsatzbefehl für das Gebirgsmusik- ter“. In einem entsprechenden Kommen-
korps am 30. Mai nicht ausgegeben wer- tar der TA, der neben dem Vortrag u.a.
den. das Singen der ersten Strophe der deut-
Gleichwohl werde der Standortälteste schen Nationalhymne kritisiert, wird das
von Mittenwald, Oberstleutnant Rainer Problem mit der Frage umschrieben, "wo
Stähler, wie gewohnt den Kameraden- wird Patriotismus zu Nationalismus?".
kreis bei der Ausrichtung der Großveran- U.a. dieser Frage wollen wir in diesem
staltung unterstützen, etwa in puncto Or- Jahr nachgehen und im Vorfeld des Bur-
ganisationspersonal, Ehrenposten oder schentages der Bevölkerung mit eigenen
Kranzträger. Für logistische Hilfe, zum Veranstaltungen und einer Zeitung einige
Beispiel den Transport von Gehbehin- Hintergrundinformationen rund um das
derten und älteren Teilnehmern, versi- Verbindungswesen vermitteln. Diese
chert Stähler, müssten die Veranstalter Zeitungen können über die Verwaltungs-
wie schon immer bezahlen. Der Kom- stelle Eisenach oder das DGB Büro in
mandeur der Gebirgs- und Winterkampf- Eisenach ab Mitte Mai 2004 bezogen
schule selbst wird auch heuer wieder am werden.
Pfingsttreffen teilnehmen, „denn der Ka- Mark Seeger, IG-Metall Jugendsekre-
meradenkreis bewegt sich auf der Linie tär, Verwaltungsstellen Eisenach/ Gotha
des Traditionserlasses der Bundeswehr.“ und Nordhausen Eisenach: 03691/
Der Gedenkgottesdienst am Ehrenmal 2549-21 Nordhausen: 03631/4689-15 ■
sei für ihn „der Volkstrauertag der Ge-
birgsjäger“. Bei einem „Abdriften nach Berufsverbot für Mahler
rechts“ würden die Soldaten den Hohen
Brendten selbstredend verlassen. Das sei Berlin. Das Amtsgericht Berlin-Tier- Ein neues Heft der „Informationen“
aber nicht zu erwarten.“ garten hat ein vorläufiges Berufsverbot ist erschienen mit vielen interessan-
Ob die Weisung aus München ein ein- gegen den Anwalt und Rechtsextremis- ten Aufsätzen zu Biografien von
maliger Vorgang ist oder sich 2006 ten Horst Mahler verhängt. Das Gericht Widerstandskämpferinnen und -
wiederholt, wollte Presseoffizier Treude habe auf Antrag der Staatsanwaltschaft kämpfern. Es ist zum Preis von 5,50
nicht konkret beantworten. bereits am 8. April entschieden, dem 68- Euro (Abo 11 Euro) beim Studien-
Garmisch-Partenkirchner Tagblatt Jährigen die Tätigkeit als Anwalt zu kreis Deutscher Widerstand, Ros-
28. April 2004 ■ untersagen, sagte ein Gerichtssprecher. sertstr. 9, 60323 Frankfurt/Main,
Anlass seien Äußerungen in einem Pro- email: kontakt@studienkreis-wider-
Burschentag in Eisenach zess wegen Volksverhetzung gewesen. stand-1933-45.de zu beziehen
Mahler habe gegen den Beschluss Be-
3.-6. Juni 2004 schwerde eingelegt, über die noch nicht
Eisenach. Wie auch in den letzten Jah- entschieden sei, so der Sprecher. dung“ aus dem gesamten Bundesgebiet
ren treffen sich in der Woche nach Pfing- Laut dem „Tagesspiegel“ wird Mahler und der Schweiz angereist.
sten Burschenschafter der Deutschen eine „menschenverachtendeHandlungs- Die Polizei hatte mit einem großen
Burschenschaft (DB) in Eisenach. In die- weise“ vorgeworfen. In dem Prozess Aufgebot Straßensperren am Ortsaus-
sem Jahr findet das Treffen in der Zeit nutzte Mahler demnach seine Rechte als gang von Auerbach und in der Mitte von
vom 3.-6. Juni statt. Nach wie vor ist die Angeklagter, um stundenlang gegen Ju- Hochstädten eingerichtet, an denen sie
Betrachtung innerhalb Eisenachs sehr den zu hetzen, den Holocaust zu leugnen bei potentiellen Besuchern der Feier Per-
ambivalent: Freuen sich vor allem die und sich abfällig über Ausländer äußern. sonalien kontrollierte und diese nach
Gaststätten und die Eisenacher Brauerei, Zudem erkenne Mahler die Gerichte der Waffen durchsuchte.
so irritiert der merkwürdige Aufzug der Bundesrepublik nicht an und gehe davon Die von den Neonazis auf 5 Jahre an-
Burschenschafter doch einige. aus, dass sämtliche Gesetze aus der gemietete Halle, die vermutlich zur
Im letzten Jahr sind die Burschen- Nazi-Zeit wie etwa die so genannten Schlosserei A. Greif gehört bzw. direkt
schafter mit dem festen Vorsatz angetre- Nürnberger Rassegesetze zur Entrech- an diese angrenzt, befindet sich in der
ten, „ihren Ruf zu verbessern" (TA, tung der Juden weiterhin gültig seien, Mühlthalstr. 22, schräg gegenüber der
11.06.2003). Anlass hierfür war, das bei heißt es in dem Zeitungsbericht. In dem Marmorwerke. Pikant ist dabei auch,
"früheren Treffen erlebbare Bild von ex- Strafverfahren ist Mahler gemeinsam mit dass zur Zeit des Nationalsozialismus
trem konservativen bis hin zu deutsch- zwei weiteren Rechtsextremisten der dort 46 griechische Zwangsarbeiter in ei-
nationalen und offen rechtsradikalen Volksverhetzung angeklagt. nem Steinbruch „arbeiten“ mussten; ihr
Meinungsäußerungen zu relativieren" www.tagesschau.de - 19.04.2004 ■ Grab findet sich außerhalb der Auerba-
(ebd.). Dies ist ihnen, wie man wenige cher Friedhofsmauern. Ebenfalls in Au-
Tage später bereits erneut in der TA le- Nazistische Umtriebe in erbach befindet sich eine jüdische Syn-
sen konnte, wohl kaum gelungen, denn – agoge.
so titelte die TA – „Nun doch eine extre- Südhessen – Einweihungs- Es ist damit zu rechnen, dass in den
me Rede“. Dieser Artikel berichtete über feier der „Kameradschaft Räumlichkeiten in Hochstädten neben
den Festkommers in der Assmann-Halle, Bergstraße“ regelmäßigen „Kameradschaftsabenden“
zu dem der ehemalige Bundeswehr-Ge- auch größere Feiern und Konzerte mit
neralmajor Gerd Schultze-Rohnhof eine Hessen. Am Samstagabend, den rechtsradikalen Bands stattfinden wer-
„dem Inhalt nach sehr streitbare Rede" 24.04.2004 fand in Hochstädten bei den. Ein Blick in Tageszeitungen und
(TA, 16.06.2003) hielt. In dieser ge- Bensheim eine Feier mit ca. 100 Neona- Polizeiberichte zeigt, dass solche Veran-
schichtsrevisionistischen Rede stellte er zis statt. Anlass der Feier war die Ein- staltungen ein erhebliches Gewaltpoten-
neue Thesen über den Ausbruch des weihung der neuen Räumlichkeiten der tial darstellen und es oft zu Straftaten
Zweiten Weltkrieges auf. Ihm zur Folge sogenannten „Kameradschaft Bergstras- (Verwendung verfassungswidriger
sei der zweite Weltkrieg auf keinen Fall se“. Zu dieser „geschlossenen Gesell- Kennzeichen, Abspielen verbotener
auf die Alleinschuld Deutschlands zu- schaft“, wie ein Schild an der Tür besag- rechtsradikaler Musik, Übergriffe auf
rückzuführen, sondern habe „viele Vä- te, waren Gäste mit „persönlicher Einla-

: antifaschistische nachrichten 9-2004 3


Düsseldorf. Einmal mehr führte
am 18. April der nordrhein-
westfälische Landesverband
NPD und „freie Kräfte“
der NPD ungestört seinen Parteitag
durch. Nachdem dieser in den letzten
rücken enger zusammen!
Jahren zumeist im Ruhrgebiet stattge-
funden hatte, bevorzugte man dieses Iserlohner Timo Pradel und der Bocholter „Partijleider“ Constant Kusters auch Sko-
Jahr die Abgeschiedenheit des Märki- Mathias Rochow als Stellvertreter Haa- da und Cremer auf dem Podium und hiel-
schen Kreises. ses. Ebenso in den Landesvorstand ge- ten Reden. Und am 1. Mai wird man ein-
wählt wurden Thorsten Bagehorn (Vel- ander in Berlin beim „Marsch der natio-
Eigenangaben zufolge stand der Parteitag bert, NPD KV Mettmann), Stephan Flug nalen Einheit zum Tag der Arbeit“
unter dem Motto „Offensive 2004“, um (KV Siegen-Wittgenstein), Manfred Gut- wiedersehen. Auch das „NIT Rheinland“
„zu dokumentieren, daß sich der einst im sche (KV Minden-Lübbecke), Detlef ruft hier zur Teilnahme auf, während
Dornröschenschlaf befindliche und von Hebbel (Velbert, KV Mettmann), Willi- Christian Worch mit seinem Gefolge ei-
V-Männern unterwanderte Landesver- bert Kunkel (KV Aachen), Bernd Kremer nen parallelen Aufmarsch in Leipzig
band nach deren Entfernung inzwischen (KV Essen), Wolfgang Mond (KV Ha- durchführen wird.
zu einen aktivistischen und funktionieren- gen), Matthias Pohl (KV Steinfurt), Horst Einen Monat später wird man einander
den Verband gemausert hat.“ Offenbar Rosenow (KV Dortmund), Dennis Witt dann erneut in den Niederlanden sehen.
war sich die Versammlung einig über eine (KV Essen) und Nico Wedding (KV Duis- Auf der Internet-Seite von „Widerstand
weitere Intensivierung der Zusammenar- burg). Insgesamt kann auch von einer Nord“ kündigen Neonazis für den 5. Juni
beit mit den „Freien Kameradschaften“. weiteren Verjüngung des Landesvorstan- eine „Gemeinschaftsdemonstration
Die Wahl des zuständigen Landesvor- des gesprochen werden, von den älteren
standsmitgliedes für „außerparteiliche langjährigen Funktionsträgern sind nur
Koordination“, Claus Cremer aus Bo- Kremer und Rosenow übrig geblieben.
chum, zum stellvertretenden Landesvor- Neben dem „Kampf um die Straße“
sitzenden untermauert dieses. Der ehema- möchte man auch bei den Kommunal-
lige NF-Stützpunktleiter Lüdenscheid, wahlen antreten: „In einigen Kreisverbän-
Stephan Haase, wurde zudem in seinem den, darunter in Aachen, Märkischer
Amt als NPD-Landesvorsitzender bestä- Kreis, Mettmann, Mönchengladbach,
tigt. Neben Crämer fungieren noch der Köln und Ennepe-Ruhr-Kreis“ plane man
„Kommunalwahlantritte im Herbst diesen
Jahres“.
Fortsetzung von Seite 3 Bezeichnend für das Zusammenwach-
sen von NPD/JN und „Freien“ in NRW ist
nicht-rechte Jungendliche, MigrantInnen auch, dass sowohl der „Kampfbund Deut- niederländischer und deutscher Nationa-
und Obdachslose) kommt. scher Sozialisten“ (KDS), als auch die listen“ an. Das Motto lautet: „Gegen ame-
Bei dieser Feier handelt es sich auch niederländische Neonazi-Partei „Neder- rikanische Aggressionspolitik“. Nähere
nicht um die erste rechtsextreme Veran- landse Volks Unie“ (NVU) „Grußbot- Infos würde beizeiten die NVU bekannt
staltung in der näheren Region, so fand schaften“ an den NPD-Parteitag richteten, geben. In der aktuellen Ausgabe der
z.B. am 25.01.2004 in einem Gasthof in die dort verlesen wurden. niederländischen Neonazi-Postille „Wij
Heppenheim eine Saalveranstaltung mit Bei den „Freien Kameradschaften“ in Europa“ kündigt deren Herausgeber Con-
Peter Naumann, einem verurteilten NRW scheint man sehr zufrieden mit dem stant Kusters außerdem einen Aufmarsch
Rechtsterroristen, statt (siehe auch Star- Ergebnis des Parteitages zu sein. „Der gegen einen Moscheebau in Arnheim an.
kenburger Echo vom 28.1.04, Seite 4). freie Widerstand in NRW begrüßt diese Des weiteren ist in dem Bochumer Orts-
Auch ein Konzert mit dem rechtsradika- Entscheidung“, ließ das „Nationale Info- teil Wattenscheid eine weitere Stärkung
len Liedermacher Frank Rennicke wurde telefon Rheinland“ wissen. „Der mit dem der Neonaziscene um die NPD/JN festzu-
schon in Heppenheim veranstaltet. neuen Landesvorstand einhergehende of- stellen.
Tim Weber, Pressesprecher des Antifa- fensichtliche Kurswechsel der NPD in Neben der seit Jahren dort ansässigen
schistischen Aktionstreffens Südhessen ■ NRW“ habe „in den vergangenen Mona- NPD Landeszentrale und der „freien Ka-
ten, speziell bei größeren Aktionen, für meradschaft“ „Wattenscheider Wider-
Death in June Konzert in eine sinnvolle Zusammenarbeit an der stand“ hat sich nun auch ein eigener NPD
Basis gesorgt.“ Kreisverband Wattenscheid gegründet,
Wien geplant Personell stehen für diese „Zusammen- der sehr aktiv in der Öffentlichkeit auftritt
Wien. Die rechtsextreme Band „Death in arbeit“ auf Seiten der „Freien“ unter ande- und neben der neuen NPD Landesver-
June“ soll am 12. Juni wieder einmal in ren die mit Cremer liierte Sauerländer bands Hompage nun auch eine eigene HP
Wien auftreten. Die 1980, von Douglas „Kameradschaftsführerin“ Daniela Wege- besitzt.
Pearce, gegründete Gruppe hat in Teilen ner, der NVU-„Partijsecretaris“ Christian Die Wattenscheider Nazis und der NPD
der Dark Wave Szene Kultstatus. „Death Malcoci sowie der in Venlo studierende Landesverband waren neben anderen Na-
in June“ bezieht sich mit ihrem Namen Düsseldorfer Sven Skoda. Auch im Vor- zis aus NRW maßgeblich an der antisemi-
auf den Todesmonat des SA-Führers feld der später endgültig verbotenen Neo- tischen Kampagne gegen den Synagogen-
Ernst Röhm, pflegt gelegentlich in SS- nazi-Demonstrationen in Bochum konnte bau in Bochum beteiligt, welche auch
Uniformen aufzutreten und spart auch man Skoda, Cremer, Wegener und nieder- jetzt noch weiter geführt wird. Als neuer
sonst nicht mit Nazi-Verherrlichungen. ländische „Kameraden“ beim Flugblatt- Termin für eine Nazidemo wurde der
Das letzte Konzert der Band in Wien verteilen in der Bochumer Innenstadt an- 26.6.2004 genannt und auf der eigens an-
konnte trotz Protesten schlussendlich treffen. Als am 2. November des Vorjahrs gelegten Hompage „Gegenoffensi-
stattfinden. Die Band würde Provokation in den Niederlanden anlässlich des 80. ve2004“ beworben. Mit Aktionen der
lediglich als künstlerisches Stilmittel be- Jahrestages des gescheiterten Hitlerput- Neonazis ist auch diesmal im Vorfeld der
nutzen, so die VeranstalterInnen damals. sches am 9.11.1923 eine Veranstaltung zu Demo zu rechnen.
Der genaue Veranstaltungsort steht noch Ehren der damals gefallenen „16 Kamera- Antifaschistisches AutorInnenkollektiv
nicht fest. TATblatt 209, April 2004 ■ den“ stattfand, saßen neben dem NVU- Homepage: http://www.terz.org ■
: antifaschistische nachrichten 9-2004
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Die Mitglieder des 1999 ge- Gedenkstätte „Alte Pathologie“ eingeweiht:
gründeten Gedenkkreises
Wehnen haben jetzt einen gro-
ßen Meilenstein zurück gelegt: Mit
Zu forschen gibt es
der Einweihung der Gedenkstätte
„Alte Pathologie“ auf dem Gelände
des Landeskrankenhauses in Wehnen
noch jede Menge von Thomas Klaus
(Landkreis Ammerland) bei Olden-
burg gilt eine der wichtigsten Forde- gen. Grundlage sei aber eine planmäßige sein wird, steht allerdings noch nicht
rungen dieses Zusammenschlusses Selektion gewesen. „Die Patienten star- fest. Zunächst müssen noch weitere Pa-
von Opferangehörigen der national- ben vereinzelt auf ihren Stationen in den tienten-Akten gesichtet werden. Bislang
sozialistischen Euthanasie als erfüllt. verschiedenen Gebäuden der Anstalt“, so konnte der ehrenamtlich wirkende wis-
Frau Knöttig. „Jedoch vereinte sie der senschaftliche Berater des Gedenkkrei-
Während der Nazizeit – sowie kurz vor Tod in der Alten Pathologie“, einem Ge- ses, Dr. Ingo Harms, erst 1.500 dieser
und nach ihr – wurden in Wehnen mehr bäude aus dem 19. Jahrhundert, das ur- Dokumente analysieren. Rund 10.000
als 1.500 Menschen als „unnütze Esser“ sprünglich als Leichenhalle konzipiert weitere Krankenakten müssten in abseh-
beziehungsweise „Lebensunwerte“ um- war. Unter dem Naziregime richteten die barer Zeit noch begutachtet werden –
gebracht. Man ließ sie verhungern, ver- Ärzte hier einen Obduktionsraum ein. Er ohne eine hauptamtliche Stelle ein Ding
abreichte ihnen tödliche Medikamente diente als Labor für ihre erbbiologischen der Unmöglichkeit, wie Gertrud Knöttig
oder nahm todbringende Infektionen in Forschungen an den getöteten Men- und Edda Minssen übereinstimmend
Kauf. schen. feststellen.
Beim Festakt aus Anlass der Einwei- Diese menschenverachtenden Experi- Ein anderes Ziel des Gedenkkreises
hung wurde der Ammerländer CDU- mente stehen im Fokus der neuen Ge- Wehnen:
Bundestagsabgeordnete Thomas Kos- denkstätte. Doch sie will noch mehr, wie Auf dem Friedhof in Wehnens Nach-
sendey besonders herzlich begrüßt. Der Gedenkkreis-Sprecherin Edda Minssen barort Ofen werden Massengräber von
Parlamentarier hatte sich leidenschaft- ausführt: „Mit dem Patientenmord ging Euthanasie-Opfern vermutet. Für sie soll
lich für das Projekt engagiert „und viele, ein mitleidloses System von Denunzia- ein Denkmal errichtet werden. Im Sep-
vor allem politische Türen für uns aufge- tion, Ausschnüffelung und Repression tember 2001 war bereits ein Gedenkstein
stoßen“, wie ihm die Gedenkkreis-Vor- einher, dem alle als erbkrank Verdächti- auf dem Gelände des Landeskranken-
sitzende Gertrud Knöttig bescheinigte. gen ausgeliefert waren. Auch diese und hauses Wehnen enthüllt worden. Sobald
Sie verdeutlicht: Die Euthanasie habe andere Seiten der NS-Gesundheitspolitik die Gedenkstätte „Alte Pathologie“ von
sich in der Heil- und Pflegeanstalt Weh- will die Gedenkstätte einer interessierten der Öffentlichkeit genutzt werden kann,
nen, der Vorgängereinrichtung des Lan- Öffentlichkeit nahe bringen.“ strebt der Gedenkkreis unter anderem
deskrankenhauses, in einer dezentralen Wann die Gedenkstätte „Alte Patholo- Wanderausstellungen beispielsweise
und scheinbar zufälligen Weise vollzo- gie“ für die Öffentlichkeit zugänglich durch Schulen an. ■

Hamburg-Blankenese.
ehemals etwa 150 in dem Ham-
Den

burger Elbvorort lebenden Jüdin-


Viermal Leben
nen und Juden ein Haus zu geben, das ist den, als den Faschisten in die Hände zu gramms Stolpersteine, die am 14. April
die Idee des „Vereins zur Erforschung fallen. Die Malerin Alma del Banco verlegt wurden. Mit diesen mit Mes-
der Geschichte der Juden in Blankene- nahm sich mit einer Überdosis Mor- singschildern versehenen Betonsteine, in
se“. Doch noch ist die Realisierung eines phium das Leben, nachdem sie den De- die die Namen der Toten eingraviert
solchen Ortes des Erinnerns und Geden- portationsbescheid nach Theresienstadt sind, kreierte der Kölner Bildhauer eine
kens in weiter Ferne. Mit der derzeit vom zugestellt bekommen hatte. Die Frauen- neue Form der Erinnerung an Opfer des
Verein präsentierten Ausstellung „Vier- rechtlerin Ida Dehmel schluckte eine Faschismus. Mittlerweile liegen in Ham-
mal Leben – jüdisches Schicksal in Blan- Überdosis Tabletten. burgs Gehwegen mehrere
kenese“ gelang es eindrucksvoll, dieses Die Massendeportatio- hundert solcher Steine,
dunkle Kapitel heimischer Historie nen und ihr hoffnungs- sie kennzeichnen Häuser,
schon jetzt in die Gegenwart zu holen. loser Gesundheitszu- in denen Jüdinnen und Ju-
Mit einfachen Mitteln – und gerade da- stand haben sie zu die- den, Sinti und Roma so-
durch sehr eindringlich – wird die Ge- sem Schritt veranlasst. wie Kommunistinnen und
schichte der „Entjudung“ Blankeneses Sophie Jansen, Autorin Kommunisten ehemals
erzählt: Jüdische Menschen wurden ver- und erste weibliche Ar- gelebt haben.
folgt, entrechtet, beraubt, enteignet und menpflegerin, brachte Konzipiert wurde die
deportiert, viele von ihnen überlebten sich in ihrer Küche um, Ausstellung „Viermal Le-
den barbarischen faschistischen Terror einen Tag, bevor sie ben“ von Ursula Böhm,
nicht. Hinter abstrakten Zahlen verber- nach Theresienstadt Petra Bopp und Hannes
gen sich persönliche Schicksale, das deportiert werden soll- Heer von der Agentur ex-
wird anschaulich anhand der Biogra- te. Der Kaufmann Ju- hibit. Sie ist noch bis zum
phien dreier Jüdinnen und eines Juden lius Asch wählte den Freitod in der Elbe, 18. Mai 04 im Gemeindesaal der evange-
verdeutlicht. nachdem sein Versuch, nach England lisch-lutherischen Kirchengemeinde,
Den vier in der Ausstellung Portrai- auszuwandern, endgültig gescheitert Mühlenberger Weg 63a, zu sehen. Öff-
tierten Alma del Banco, Ida Dehmel, So- war. Auch er wusste, dass andernfalls nungszeiten: Mo - Fr: 9 - 12h und 15 -
phie Jansen und Julius Asch ist ein sehr sein Weg nach Theresienstadt vorge- 20h, Sa u. So. 11 - 18h.
subjektiver Umgang mit der faschisti- zeichnet war. Infos zur Ausstellung und zum umfan-
schen Bedrohung gemein: Angesichts Ihnen – und einigen weiteren nament- greichen Rahmenprogramm unter:
der drohenden Deportation entschlossen lich bekannten Personen – widmete Gun- www.lab-01.de/4xleben.
sie sich, lieber aus dem Leben zu schei- ter Demnig im Rahmen des Begleitpro- Birgit Gärtner ■

: antifaschistische nachrichten 9-2004 5


Neuenkirchen (Landkreis 14- bis 17-Jährige unter NPD-Einfluss
Soltau-Fallingbostel). Am
Mittwoch 14.4.04 wurde dem
Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB)
Aber: NPD-Veranstaltung
bekannt, dass die NPD am Samstag
17.4.04 vor Jugendlichen in Neuenkir-
chen einen Vortrag halten wollte.
im Voraus verhindert!
Seit einem Jahr ist uns bekannt, dass neburg und Einlader zum Vortrag in Andere Veranstaltungen der NPD mit
sich in Neuenkirchen von rechtsextre- Neuenkirchen, ist verurteilter rechter Peter Naumann fanden jedoch statt: Am
men Gedankengut beeinflusste 14- bis Straftäter. Er war u.a. Funktionär der in- 15.4. im Raum Osnabrück, 16.4. in Ze-
17-jährige Jugendliche regelmäßig tref- zwischen verbotenen Wikingjugend und ven, 18.4. in Bremerhaven, 19.4. in Ha-
fen. Die Nazi-Musik, Bekleidung und an Aktionen einer „Wehrwolf“-Unter- genow.
ihre Aktionen passen so recht zur Nazi- grundgruppe beteiligt. Wegen eines Der DGB plant, den Neuenkirchener
Jugendszene. Sie unterhalten regelmäßi- Banküberfalls und eines Überfalls auf Schulen sein Jugendprojekt „Für Demo-
ge Kontakte zu Naziskins und ähnlichen ein Waffendepot der Bundeswehr wur- kratie Courage zeigen“ anzubieten. An
Gruppen in benachbarten Landkreisen den er und seine Freunde, u.a. Michael Projekttagen wird sich in Schulklassen
sowie zum NDP-Unterbezirk Lüneburg, Kühnen und Uwe Rohwer, als Mitglieder gezielt mit Rechtsextremismus, Frem-
zu dem auch der Landkreis Soltau-Fal- einer „kriminellen Vereinigung“ zu Haft- denfeindlichkeit und Gewalt ausein-
tingbostel gehört. strafen verurteilt. andergesetzt. Damit soll u.a. versucht
In einem ihrer Treffpunkte, in der seit Dass die NPD-Veranstaltung mit Ju- werden, dass erst gar kein Umfeld und
November 2003 geschlossenen Gaststät- gendlichen in Neuenkirchen verhindert Nachwuchs für Neonazis entsteht.
te „Waldschänke“, Pommernstr. 30 A in werden konnte, ist der Aufmerksamkeit Die Propaganda und Anhangbildung
Neuenkirchen, sollte am 17.4.04 ein Vor- der Antifa Infogruppe Celle und den der rechten menschenverachtenden Ideo-
trag mit Video-Projektion mit dem, in schnellen und breiten Aktivitäten der logie muss insbesondere bei jungen
Nazikreisen bekannten, verurteilten Antifaschistischen Initiative Soltau-Fal- Menschen unterbunden werden. Denn:
Rechtsterroristen Peter Naumann statt- lingbostel und des DGB zu verdanken. Faschismus ist keine Meinung, sondern
finden. Für die Veranstaltung zum The- Gemeinsam haben wir Schulen, Kom- ein Verbrechen.
ma „Bomben aus zweiter Hand - Die munalpolitikerInnen, Gewerkschaftsmit-
Lockspitzel des Verfassungsschutzes und glieder, Nachbarn, Lokalpresse u.a. in- PM DGB Region Nord-Ost-Niedersach-
der „rechte“ Terror“ wurden ausschließ- formiert. So viel Öffentlichkeit und die sen, Geschäftsstelle Celle, 22.4.04
lich Mitglieder und Sympathisanten der Möglichkeit, dass vor dem Lokal eine Tom Seibert, DGB Regionsvorstand
NPD geladen. Demonstration stattfindet, war den Neo- Nord-Ost-Niedersachsen
In der Veranstaltung will der verurteil- nazis für eine Veranstaltung zur Indoktri- H-D. Charly Braun,
te Rechtsterrorist nachweisen, dass An- nation Jugendlicher zu viel. Sie setzten DGB Regionssekretär ■
schläge und Morde von Neonazis vom die Veranstaltung ab.
Verfassungsschutz gesteuert bzw. durch-
geführt wurden. Durch solche Aktionen
sollte auch das NPD-Verbotsverfahren Neonazis mit Totschlägern störten GEW-Versammlung
„propagandistisch vorbereitet“ und eine
„Pogromhetze gegen nationale Deut- Verden. Am 22. April wollte die
sche“ initiiert werden. So behauptet Nau- GEW eine Versammlung zum
mann, dass z.B. der mörderische An- Thema Rechtsextremismus durch-
schlag auf das Münchener Oktoberfest führen. Rund 60 Pädagogen waren
am 23.9.1980 vom Verfassungsschutz der Einladung in den Niedersach-
selbst durchgeführt wurde. Angeblich ist senhof gefolgt. Kurz nachdem die
der Nazi Gundolf Köhler, der bei diesem Veranstaltung begonnen hatte,
Anschlag starb und ein weiterer Nazi tauchten 25 Rechtsextreme hinter
vom Verfassungsschutz zu einem Treff- dem Hotel auf. Die Neonazis wa-
punkt auf dem Oktoberfest gelockt wor- ren bewaffnet: mit Totschlägern,
den, wo dann die Bombe detonierte. Axtstielen, Reizgasen, Sturmhau-
Auch wenn nachweislich der Verfas- ben, mit Sand präparierten Hand-
sungsschutz eng mit Nazi-Strukturen schuhen. Auch NPD-Plakate hat-
verwoben ist und V-Leute an diversen ten sie dabei.
Gewalt- und Straftaten beteiligt waren Über Megaphon versuchten sie
und sind, versucht Peter Naumann mit mit rechtsextremen Parolen die Pä-
seinen Verschwörungstheorien von der dagogen im Saal massiv zu stören.
in Nazi-Strukturen und deren faschisti- Was sie nicht wussten: die Polizei war ge- konnte fortgesetzt werden. Ein gerichtli-
schen Ideologie innewohnenden men- rüstet. Aufmerksam geworden durch ei- ches Nachspiel für die Festgenommenen
schenverachtenden Gewalt abzulenken. nen ausspionierenden Anruf bei einem wird folgen.
Peter Naumann hat in Frankreich, Ita- GEW-Vertreter und aufgrund des Themas Die GEW kündigte an, verstärkt aktiv
lien und Deutschland etliche Sprengstof- war mit Störungen von Neonazis gerech- zu werden gegen Neonazis, denn bereits
fattentate verübt, u.a. auf zwei Fernseh- net worden, so dass etliche Einsatzkräfte seit längerem verteilen NPDler immer
masten, um die Ausstrahlung des Filmes vor Ort waren und der Dinge harrten, die wieder in allen Orten des Landkreises
„Holocaust“ zu verhindern. Bei der Auf- dann auch kamen. Nachdem sowohl Ver- Verden/Aller morgens früh vor allen
hebung eines großen Waffen- und sammlungs- als auch Waffengesetz gebro- Schulen (sowohl Haupt- und Realschulen,
Sprengstoffdepots in der Lüneburger chen waren, wurde die Polizei aktiv und als auch Gymnasien) ihre Zeitschrift RE-
Heide 1981 wurden Naumanns Finger- nahm von den Flüchtenden 22 Neonazis BELL und antifaschistische Jugendliche
abdrücke sichergestellt. im Alter von 19 bis 28 Jahre fest. werden oft bedroht.
Auch Manfred Börm aus Handorf, Bereits nach einer halben Stunde war
Vorsitzender des NPD-Unterbezirks Lü- der Spuk vorbei und die Veranstaltung Quelle: VAZ vom 23. April 2004 ■

6 : antifaschistische nachrichten 9-2004


Neonazi-Gewalt in Frankreich I:

Jüdischer Friedhof im Elsass geschändet


Die Täter wussten, was sie taten, denn sie des 1.800 Einwohner zählenden Herrlis- kommt es in Frankreich seit zwei Jahren,
hatten das Datum wohl mit Bedacht ge- heim wurde bereits zum vierten Mal ge- als ideologische Folgewirkung der 11.
wählt. Am Freitag, 30. April wurde vor- schändet, das letzte Mal davor am 30. Au- September-Attentate, auch vermehrt zu
mittags die Schändung des jüdischen gust 1992 (mit 193 umgeworfenen oder Attacken von Rassisten auf moslemische
Friedhofs von Herrlisheim im französi- zerbrochenen Grabsteinen). Das liegt ein- Kultstätten und daneben auf maghrebini-
schen Département Haut-Rhin (südliches erseits daran, dass er sich an einem relativ sche Geschäfte. Allein sechs davon wur-
Elsass), bei Colmar, entdeckt. Der Fahrer abgelegenen Ort befindet und daher den den nur im Monat April im südelsässi-
eines zufällig vorbei kommenden LKW Tätern das unbemerkte Agieren erleich- schen Département Bas-Rhin verübt
hatte die Behörden alarmiert. Die Datums- tert. Andererseits hängt es damit zusam- (Quelle: „Journal du dimanche“, 02. Mai).
wahl ist kein Zufall: Auf einem der be- men, dass die extreme Rechte im Elsass Positiv wurden im konkreten Fall die
schmierten und besudelten Grabsteine war insgesamt stark ist, mit 27 Prozent der schnellen Reaktionen aufgenommen:
„30.4. 1945“ aufgemalt. An jenem Tag be- Stimmen (für den Front National und die Staatspräsident Jacques Chirac telefonier-
ging Adolf Hitler in seinem Bunker in rechtsextremen Regionalisten von „Alsace te sofort mit dem Präsidenten der israeliti-
Berlin Selbstmord; ihm hatten die Neona- d’abord“ zusammen genommen) bei den schen Kultusgemeinde des Départements,
zis, die unzweifelhaft die Urheber der Regionalparlamentswahlen im März 04. Pierre Dreyfus. Und sein Innenminister
Schändung waren, auf ihre Weise „geden- Eine ausgeprägte „Deutschfreundlichkeit“ Dominique de Villepin nahm noch am
ken“ wollen. ist in manchen rechten Kreisen verbreitet, Freitag nachmittag an einer kurzen religiö-
Dabei wurden in der Nacht vom Don- wenngleich gesellschaftlich minoritär. sen Zeremonie teil. Frankreich war wegen
nerstag zum Freitag 127 Grabsteine und Insgesamt wurden in Frankreich im er- der hohen Anzahl von Attacken gegen jü-
eine Gedenktafel „für die Opfer der NS- sten Vierteljahr 2004 bereits 67 antisemiti- dische Einrichtungen und Personen, die
Barbarei (1940 - 45)“ mit Hakenkreuzen, sche Straftaten und 160 Drohungen regis- vor allem zwischen 2000 und 2002 - u.a.
SS-Runen, faschistischen Keltenkreuzen triert. Dabei gehen allerdings beileibe in Folge einer Identifikation französischer
oder Nazisprüchen beschmiert. In deut- nicht alle solche Taten auf rechtsextreme Juden mit der israelischen Politik durch ei-
scher Sprache wurde etwa „Juden raus“, Kreise zurück; denn auch sozial margina- nen (kleinen) Teil der französischen Ara-
„NSDAP“ oder „Ein Reich, ein Volk, ein lisierte Randgruppen der arabischstämmi- ber - verübt wurden, in die internationale
Führer“ geschrieben. Zwei schwarz-rot- gen Einwandererjugend verüben seit dem Kritik geraten. Am Sonntag, 2. Mai nah-
gelbe Deutschlandfahnen wurden aufge- Jahr 2000 vermehrt Übergriffe auf franzö- men in Herrlisheim mehrere hundert Men-
funden, auf denen „Ein Reich - Elsass - sische Juden, als Folge einer chauvinisti- schen an einer Protestkundgebung gegen
Sieg für unser Führer“ (Rechtschreibung schen Rezeption des Nahost-Konflikts. die Schändung des jüdischen Friedhofs
im Original) stand. Der jüdische Friedhof Gleichzeitig und unabhängig davon teil. BhS, Paris ■

Neonazi-Gewalt in Frankreich II:

Waffenarsenal ausgehoben
Wie am 7. April 04 landesweit bekannt aus ihrer Sicht unliebsamer Lehrkräfte. National sein früher alljährlich stattfinden-
wurde, hatte die französische Polizei am Die Durchsuchung der Kneipe im Vorort des Fest.
30. März sowie 2. April dieses Jahres eine von Châteauroux sowie eines Bauern- Von Interesse sind die Verbindungen
Neonazigruppe in der Region Centre (um hofs in Mézières-en-Beauce im gleichen der jetzt ausgehobenen Gruppe zur übri-
Orléans) ausgehoben und dabei beeindru- Bezirk förderten ein ganzes Waffenarse- gen extremen Rechten. Der verhaftete
ckende Mengen von Waffen sowie Propa- nal zutage: ein „perfekt unterhaltenes“ Kneipenwirt gilt als der früheren Neonazi-
gandamaterial beschlagnahmen können. Maschinengewehr aus dem Zweiten Gruppe Unité Radicale (UR) – die im Au-
Dabei wurden Strafverfahren gegen 14 Weltkrieg, Jagdgewehre, mehrere hun- gust 2002 nach dem misslungenen Atten-
vorwiegende jüngere Personen wegen Bil- dert Schuss Munition für Jagd- und auch tat auf Präsident Chirac verboten wurde,
dung einer illegalen „Kampfgruppe“ und Kriegswaffen, Handgranaten, Gasmas- siehe AN 17/02 - zumindest nahe stehend.
unerlaubtem Waffenbesitz eröffnet, wie ken und Militärklamotten. Beschlag- Aber auch zum Front National (FN) beste-
der Staatsanwalt von Châteauroux, Pierre nahmt wurde auch umfangreiche ge- hen zumindest Kontakte. Der Bezirksvor-
Valleix, vor der Presse erklärte. Und ihr schichtsrevisionistische Literatur sowie sitzende des FN in Châteauroux, Michel
mutmaßlicher Chef wurde in Untersu- mehrere Exemplare der Zeitschrift Hubault, räumte gegenüber „Le Monde“
chungshaft genommen. Es handelt sich „L¹Epervier“ (Der Sperber), die durch (08. April) wenigstens eine Mitgliedschaft
um den Besitzer einer Kneipe in Saint- den inhaftierten Kneipenwirt vertrieben des Kneipenwirts in seiner Partei ein. Die-
Maur, einem Vorort der Bezirkshauptstadt wurde. ser sei allerdings nicht in Parteifunktionen
Châteauroux; die Kneipe muss eines der Die Gruppe stukturierte sich anschei- aktiv gewesen. Ansonsten verstehe er
wichtigsten Anlaufzentren der Gruppe nend rund um diese Zeitschrift sowie um nicht, dass die Presse so viel Aufhebens
dargestellt haben. Aufgrund bereits damals Konzerte mit Neonazi-Musik, genannt „wegen ein paar gefundener Knaller“ ver-
über ihren Betreiber vorliegender Infor- „Rock identitaire“. Zu diesem Zweck hat- anstalte. Allerdings tauchte der Kneipen-
mationen hatten die örtlichen Behörden, te ihr Chef die Vereinigung „Bleu Blanc betreiber im Jahr 1998, laut Impressum,
zu Anfang des Jahrzehnts, zunächst die Er- Rock“ (Blau-Weiß-Rock) angemeldet. Die als „Chefredakteur“ des FN-Organs auf
öffnungsgenehmigung verweigert. Namensgebung lehnt sich an das auf der Bezirksebene „Le Patriote du Berry“ auf.
Die Polizei war ab 2001 auf die Grup- gesamten extremen Rechten verbreitete Und dessen Herausgeber war und ist nie-
pe aufmerksam geworden. Sie verteilte Identifikationskürzel BBR (eigentlich für mand anders als der Bezirksvorsitzende
Flugblättern vor Schulgebäuden und be- „bleu blanc rouge“, Blau-weiß-rot wie die der Partei, Michel Hubault.
schmierte die Wohnhäuser bestimmter, Nationalfarben) an – so taufte der Front BhS, Paris ■

: antifaschistische nachrichten 9-2004 7


Angekündigt war: Ab 15 Uhr
Blasmusik, Trachtengruppen und
Informationsstände der Lands-
Großkundgebung des BdV
mannschaften, um 17 Uhr Beginn des of-
fiziellen Programms. Neben dem BdV-
23.4.04, Marienplatz
Landesvorsitzenden Christian Knauer,
der „etwas länger“ sprechen werde, wa-
ren Grußworte von Thronfolger Otto von
Habsburg und dem CSU-Bundestagsab-
geordneten Johannes Singhammer, even-
tuell auch von dem Vorsitzenden der Su-
detendeutschen Landsmannschaft und
CSU-Europaabgeordneten Bernd Posselt
vorgesehen. Mit 1000 bis 2000 Teilneh-
mern wurde gerechnet.
Statt 1000 bis 2000 waren es dann ma-
ximal 200 Teilnehmer, die am 23. April
zu der Kundgebung des BdV (Bund der
Vertriebenen) auf den Marienplatz ka-
men. Info-Stände gab es praktisch nicht,
höchstens der Tisch des Deutschen Al-
penvereins, Sektion Sudetenland, ließe
sich bei gutem Willen so nennen. Anson-
sten drängten sich neben der Bühne vier
oder fünf kleine Bistro-Tischchen, auf
denen verschiedene Broschüren und Ver-
einsblättchen auf- und durcheinander la-
gen: Auf dem Tisch der Sudetendeut-
schen Landsmannschaft (SL) waren Bro-
schüren zu finden, in denen sich die
Landsmannschaft als Anwalt der Interes-
sen „aller vertriebenen und nationalen
Minderheiten in der Welt“ aufbläst und
mit einer Karte des „Heiligen Römischen
Reiches Deutscher Nation“ suggeriert,
dass Böhmen und Mähren eigentlich Bund der Vertriebenen-Kundgebung war ein Flop –
schon seit Jahrtausenden zum Deutschen und muss trotzdem ernst genommen werden
Reich gehören, bei der Schlesischen
Landsmannschaft verkündeten Faltblätter dingt Jörg Haider nach München einla- Dekrete, Heimat- und Selbstbestim-
in englischer Sprache: „‘Schlesien – den wollte) herbeigeeilt. Singhammer mungsrecht sowie der Drohung, bei
Deutschlands Osten’, diese Feststellung kommentierte den bevorstehenden EU- Nichterfüllung dieser Forderungen sei es
ist und bleibt politisch, historisch, geo- Beitritt Polens und Tschechiens mit den- „nicht selbstverständlich, dass wir in ei-
graphisch und moralisch gültig, und es selben Worten, mit denen einst Willy ner Zeit, in der erstmals die deutschen
müsste die Pflicht jedes verantwortlichen Brandt die Einverleibung der DDR durch Renten nicht mehr steigen, über Brüssel
Politikers in Deutschland sein, die heuti- die BRD begrüßt hatte: „Nun wächst zu- den Aufbau der Infrastruktur in den Bei-
gen Ungerechtigkeiten auf friedlichem sammen was zusammen gehört.“ Wenn trittsländern finanzieren“.
Wege zu überwinden“. die EU jetzt größer werde, so Singham- Der BdV-Vorsitzende Knauer (CSU)
Auch von der angekündigten Promi- mer kühn, dann sei das ein „Ergebnis der dankte in seiner Rede CSU und Sozial-
nenz war nicht viel zu sehen. Um Gruß- fast 60-jährigen Friedensarbeit der Hei- demokraten im Landtag dafür, dass sie
worte zu überbringen, waren lediglich matvertriebenen“. Dann folgten die üb- sich für die Forderungen des BdV nach
ein Abteilungsleiter aus dem bayrischen lichen Tiraden über die großartige Ver- Aufhebung der Beneš-Dekrete und „ein-
Arbeits- und Sozialministerium sowie der söhnungsbereitschaft der Heimatvertrie- heitlich“ für ein „Dokumentationszen-
Abgeordnete Singhammer (der vor eini- benen, verbunden mit der stereotypen trum gegen Vertreibungen in Berlin“ ein-
ger Zeit ins Gerede kam, weil er unbe- Forderung nach Aufhebung der Beneš- gesetzt hätten. Knauer weiter: „Unsere

8 : antifaschistische nachrichten 9-2004


Soldaten haben im Kosovo eingegriffen,
damit sich dort nicht wiederholt, was uns
passiert ist.“ Was im Kosovo alle für
richtig befunden hätten, „das muss uns
doch auch zustehen, dass wir das für un-
sere eigenen Leute einfordern“. Geschichte und ihre Instrumentalisierung in der aktuellen deutschen Politik
Zwei Transparente von BdV-Gegnern, Historische Fachtagung
die kurz vor seiner Rede am Rande der FREITAG 7. Mai SAMSTAG 8. Mai SONNTAG 9. Mai

Kundgebung aufgestellt worden waren,


19:00 Uhr 09:30 – 10:45 Uhr 09:30 – 10:45 Uhr
Podiumsdiskussion: Tobias Ebbrecht: Heimat TV. Kritische Anmerkungen Juliane Gilles: Die Wertung des “Münchner
zur Darstellung von “Flucht und Vertreibung” in Abkommens” im Nürnberger Kriegsverbrecherprozess

nahm Knauer zum Anlass für einige pri-


EU-Osterweiterung und deutsche Geschichtspolitik. deutschen Film- und Fernsehproduktionen
Deutsch-Tschechische Beziehungen und die 11:00 – 12:15 Uhr
Kampagne um die sogenannten „Beneš-Dekrete“ 11:00 – 12:15 Uhr Jörg Kronauer: Das “Münchner Abkommen” und die

mitive Ausfälle, die wiederzugeben nicht


Florian Weis: “Germans may have to face the choice Nachkriegsordnung in der außenpolitischen Strategie
Mit between migration and massacre” - Die britische der bundesdeutschen Rechten, namentlich der
Prof. Eckhard Mehls (Historiker, ehem. HU Berlin) Haltung zu Grenzziehung und Umsiedlung Vertriebenenverbände

lohnt.
Renate Hennecke (Redaktion DTN, München)
Jan Sicha (Tschechisches Zentrum, München) 13:15 – 14:30 Uhr 12:30 – 14:00 Uhr
Leo Furtlehner (Journalist, Linz) Jana Mikota: „Nicht selten reiste der also Steffen Bockhahn: Die Beneš-Dekrete und deren
Ausgewiesene im selben Zug wie der Beamte, freilich Auswirkungen auf den EU-Beitritt Tschechiens

Zum Abschluss seiner Rede konnte nicht in demselben Abteil, ins Landesinnere zurück“:
Das Verhältnis von Deutschen und Tschechen im
Grenzgebiet der 1930er Jahre
Kurt-Eisner-Verein für politische Bildung in Bayern
in Zusammenarbeit mit der

sich der BdV-Landesvorsitzende nicht 14:45 – 16:00 Uhr


Velten Schäfer: Ein großes Tabu. Aber welches? - Die
Rosa Luxemburg Stiftung
und der

enthalten, den offensichtlichen Flop der (west)deutsche Geschichtswissenschaft und das Erbe
von Volksgruppenpolitik und Volksgeschichte” Redaktion der Deutsch-Tschechischen Nachrichten

Veranstaltung zu einem großartigen Er-


16:30 – 17:45 Uhr
Florian Beck: Realpolitik und Hybris Mit freundlicher Unterstützeung durch:
Während der Tagung ist die Ausstellung “Am AK Kritische Geschichte
folg schön zu reden, gleichzeitig aber
20:30 Uhr Vorabend des 2. Weltkrieges: München 1938 / März
Die deutsche Böhmen-Neurose 1939 - Hintergründe, Ereignisse, Folgen” der Capek- AStA der Geschwister-Scholl-Universität München
Eine Text-Collage zur historischen Stereotypenfor- Gesellschaft für Humanismus und Völkerverständigung Offene Liste der PDS im Stadtrat München
auch seiner
schung zusammengestellt und gelesen von Eva Hahn e.V. zu sehen.
V.i.S.d.P.: Cornelia Fiedler, Schwanthalerstr. 139 Rgb, 80802 München

Enttäu-
Anlässlich der Vorbereitung der Fachtagung ist soeben eine Broschüre fertig geworden, die
schung über 33 Rezensionen einschlägiger Fachliteratur auf insgesamt 56 Seiten (DIN A4) enthält. Wir
die Abwe- dokumentieren das Vorwort. Die Broschüre (Preis 4 Euro) ist über die Veranstalter und Unter-
senheit der stützer der Fachtagung zu beziehen. Die einzelnen Texte finden sich auf der Internetseite des
eigenen kev (www.kurt-eisner.de/muedik/), dort auch die Broschüre im *.pdf Format. Wir dokumen-
Parteifreun- tieren das Vorwort:
de im Ver-
band recht
drastisch Vorwort Wie schon die Broschüre „Literari-
Ausdruck Diese Publikation ist im Zusammen- sche Reflexion – Flucht und Vertrei-
zu verleihen. „Als wir uns vor vier Wo- hang mit der Tagung „Vom Münchner bung in der DDR-Literatur“ erscheint
chen spontan entschlossen, auf den Ma- Diktat zur Nachkriegsordnung – Ge- auch dieses Heft in der Reihe DTN-
rienplatz zu gehen, um Flagge zu zeigen, schichte und ihre Instrumentalisierung Dossier.
gab es auch in den eigenen Reihen Be- in der aktuellen deutschen Politik“ ent- Dem liegt auch die Absicht der
denken. Jetzt werden sich Manche, auch standen. Sie enthält eine Literaturliste Deutsch-Tschechischen Nachrichten zu
in den oberen Etagen, in den Hintern bei- und Rezensionen einschlägiger Fachli- Grunde, die weitere Entwicklung der
ßen, dass sie zu feig waren, um hier mit teratur zu diesem Themenbereich. Wie politischen Literatur zu diesem Thema
uns Flagge zu zeigen.“ die Tagung, soll auch sie dazu dienen, zu beobachten und zu gegebener Zeit
Gesamteinschätzung: Es hat sich wohl Fach- und Hintergrundwissen für eine neuerlich auch in einem Sonderheft, das
um einen Vorstoß des rechtesten Flügels Diskussion zu liefern, die derzeit oft an die hier vorgelegte Broschüre an-
der Vertriebenenverbände gehandelt (ver- von einprägsam verkürzten Schlagwor- schließt, zugänglich zu machen. Über
mutlich des Witikobundes, der „nationa- ten wie „Beneš-Dekrete“, „Vertrei- weitere Rezensionsangebote für die fol-
len sudetendeutschen Gesinnungsge- bungsunrecht“, oder „Zentrum gegen genden Ausgaben der DTN würden wir
meinschaft“, die nach dem 2. Weltkrieg Vertreibungen“ dominiert wird. uns freuen.
von ehemaligen Funktionären der fa- Die Literaturliste hat sich aus den An dieser Stelle noch der Hinweis,
schistischen Sudetendeutschen Partei ge- Antworten auf unsere Anfrage an eine dass die Vorträge von der historischen
gründet und über lange Jahre geleitet Reihe von meist älteren Wissenschaft- Fachtagung sowie kurze Diskussions-
wurde). Dieser wollte offenbar auspro- lerinnen und Wissenschaftlern ergeben, beiträge, die schriftlich ein- bzw. nach-
bieren, wie weit er heute mit Provokatio- die sich in der Auseinandersetzung mit gereicht werden können, ebenfalls do-
nen gegen Tschechien und Polen Reso- der Instrumentalisierung dieses Be- kumentiert werden.
nanz findet und ob sich in der BdV-Mit- reichs von Nachkriegsgeschichte in den Interessierte können sich jederzeit an
gliedschaft und in der Bevölkerung vor- letzten Jahrzehnten positioniert hatten. den Kurt-Eisner-Verein (kev) oder die
handene Ängste vor der EU-Erweiterung Aus den Rückmeldungen der Expertin- DTN-Redaktion wenden oder sich über
demagogisch für die eigenen Zwecke nen und Experten, die wir angeschrie- die Internetseite (www.kurt-eisner-ver-
ausnutzen lassen. Die unter dem Einfluss ben haben, entstand die vorliegende ein.de/muedik) auf dem Laufenden hal-
der Paneuropa-Union stehende Fraktion Liste relevanter Fachbücher. Nochmals ten. Die Vorbereitungsgruppe
des BdV hat dabei nicht mitgezogen. herzlichen Dank dafür.
(Präsident der Internationalen Paneuro- Die so gewonnenen Titel wurden
pa-Union ist Otto von Habsburg, Vorsit- über das Internet zur Rezension ausge-
zender der deutschen Sektion Bernd Pos- schrieben, erklärtes Ziel war dabei,
selt.) Sie pflegt ihre hegemonialen Ziele NachwuchswissenschaftlerInnen für
„seriöser“ zu verfolgen und hatte kein die Befassung mit dem Thema zu ge-
Interesse daran, sich am Vorabend der winnen. Auf diesem Wege konnten wir
EU-Erweiterung zu kompromittieren. Rezensionen von 33 der 85 Titel der Li-
Auch wenn es den Akteuren vom 23. teraturliste erhalten.
April nicht gelungen ist, eine größere So ist nun ein Heft entstanden, das
Zahl von Menschen zu mobilisieren, als Momentaufnahme des Rezeptions-
zeigt ihr Vorstoß doch, dass sie ange- geschehens begriffen werden kann und
sichts des Verlaufs der Debatten zum den Einstieg in das schwierige Thema
Thema „Flucht und Vertreibung“ in den erleichtern soll.
letzten Jahren Morgenluft wittern.
Renate Hennecke ■

: antifaschistische nachrichten 9-2004 9


Es passierte am 1. April dieses
Jahres, hat aber nichts mit ei-
nem Aprilscherz zu tun. Frank-
Daniel Simonpieri
reichs bürgerlich-konservative Rechte
hat einen weiteren ehemaligen neo- ehemals FN und MNR
faschistischen Kader aufgenommen:
Daniel Simonpieri, den Bürgermeister
von Marignane, einer industriellen
von Frankreichs Konser-
Vorstadt von Marseille.

Simonpieri hatte bereits seit 1974 dem


vativen aufgenommen
Front National (der im Oktober 1972 ge-
gründet wurde) angehört. 1999 war er der zweiten Wahlgang einem FN-Kandidaten
Abspaltung unter Bruno Mégret, die zum gegenüber, den er besiegte, wobei er stol-
„Mouvement national républicain“ MNR ze 72,8 Prozent der Stimmen erhielte. Da-
wurde, gefolgt. Doch die chronische Er- mit schien für die bürgerlich-konservative
folglosigkeit des MNR, der sich gegenü- Regierungspartei in der Region Marseille
ber der Rumpfpartei des Front National alles klar: „Ab dem Moment, wo er in der
nicht behaupten konnte und immer bedeu- Stichwahl einen rechtsextremen Kandida-
tungsloser wurde, ließ ihn auf Distanz ge- ten besiegt hat, ist er (selbst) nicht mehr
hen. Im Jahr 2002 näherte er sich zu- rechtsextrem“. So verlautete Bruno Genz-
nächst wieder dem FN-Chef Jean-Marie ana, Vorsitzender der gemeinsamen Frak-
Le Pen an, und rief zu dessen Wahl bei der tion der beiden bürgerlichen Parteien
Präsidentenwahl jenes Jahres (im zweiten UMP und UDF im Bezirksparlament von
Wahlgang) auf. Am 1. Mai 2002 wurde er Marseille. Am 1. April wurde die Aufnah-
auch bei der Pariser Demonstration des me Daniel Simonpieris in diese Fraktion
FN gesehen. Doch auch Le Pen, der bei bekannt gegeben. (Siehe „Libération“
der damaligen Stichwahl zu deutlich vom 8. April 04)
gegenüber Jacques Chirac unterlag, Nicht zum ersten Mal nimmt das bür-
schien für Simonpieri dann doch das fal- gerliche Lager einen ehemals rechtsextre-
sche Pferd zu sein; ist er selbst in „seiner“ men Bürgermeister auf. Denn das Ober-
Kommune doch den Erfolg gewohnt. Im haupt der fünftgrößten französischen
Jahr 1995 war er für den FN gewählt wor- Stadt, Nizza, ein gewisser Jacques Peyrat,
den. Im März 2001 wurde er (damals im war seit gemeinsamen Tagen als Unterof-
Namen des MNR) wiedergewählt, wobei fizier (Anfang der 50er Jahre) mit Jean- Daniel Simonpieri, links und Le Pen
er im zweiten Wahlgang 65 Prozent der Marie Le Pen befreundet und zwanzig
Stimmen einsammelte. Jahre lang in dessen Partei. Dann kam wahlen von 1995 trat Peyrat deswegen
Bei den jüngsten Bezirksparlaments- Mitte der 90er Jahre der Sinneswandel: (Ende 1994) aus dem FN aus. Und im
wahlen, die im März 04 parallel zu denen Das Etikett „FN“ könnte Peyrat hinder- Juni 1996 nahm ihn dann der neogaullisti-
der Regionalparlamente stattfanden, trat lich bei dem Versuch sein, sich zum Ober- sche RPR, die Vorläuferpartei der heuti-
Simonpieri als „parteiloser Rechtskandi- bürgermeister von Nizza wählen zu las- gen UMP, in seine Reihen auf.
dat“ auf. Dabei stand er in Marignane im sen. Wenige Monate vor den Kommunal- BhS, Paris ■

Ergänzung zu AN 7/2004: „Militärisch-industrieller Komplex“


In der vorletzten Ausgabe der AN war die mäßigen“ Leser der Zeitschrift wählen Schrott erben wird, ist nicht nur konser-
Rede von dem Rüstungsindustriellen Ser- rechtsextrem, und weitere 65 Prozent vativer Abgeordneter im Nationalparla-
ge Dassault, der politisch mehr oder min- stimmen konservativ. Das ergibt zusam- ment. Er findet sich auch als Unterzeich-
der rechtsaußen aktiv ist und der künftig men 90 Prozen; eine solide Basis für die ner unter einer Gesetzesvorlage von über
ein Drittel der französischen Presse kon- Ideen des Rüstungsmagnaten und Me- 40 rechten Parlamentariern, die seit dem
trollieren wird. Dabei wurden die seit dienmogul Dassault. Beim „Figaro-Ma- 8. April dieses Jahres dringend „die To-
1998 von ihm herausgegebene Wirt- gazine“, das künftig auch unter den Fitti- desstrafe für die Urheber terroristischer
schafts- und Militärzeitschrift „Valeurs chen Dassault steht, stimmen insgesamt Taten“ fordern. Ohne Taten wie jene in
actuelles“ sowie das jetzt von ihm über- 85 Prozent rechts, wobei aber in diesem Madrid beschönigen zu wollen: „Kopf
nommene, ebenfalls weit rechts stehende Fall das Kräfteverhältnis besser zugun- ab für Terroristen“ ist ein Topos, der für
„Figaro-Magazine“ (Fig-Mag) erwähnt. sten der Konservativen ausfällt (71 Pro- Reaktionäre und Faschisten zu ihrer fest-
Passenderweise hat jetzt jüngst das zent, und „nur“ 14 Prozent stimmen für en politischen Agenda zählt. Ohne dass
linkspatriotische Wochenmagazin „Ma- den Front National). Ferner finden sich man erkennen würde, was sich durch
rianne“ (vom 12. April) Umfragewerte hohe Anteile von FN-Anhängern in der, diese Rübe-ab-Maßnahme außer Trieb-
veröffentlicht, die das politische Lese- insgesamt politisch diffusen und hetero- abfuhr für autoritäre Charakter verän-
verhalten der Franzosen näher erhellen. genen, Leserschaft von Regenbogenzeit- dern würde. Zwischen 1986 und 88, als
Dabei ist interessant, dass sich dabei schriften wie „Paris Match“ (21 Prozent) der FN eine eigene Parlamentsfraktion
auch die rechtsextreme Anhängerschaft und „VSD“ (23 Prozent). hatte, brachte die rechtsextreme Partei
den einzelnen Publikationen zuordnen Serge Dassault, der ja auch schon solche Anträge („Todesstrafe für terroris-
lässt. Und siehe da: „Valeurs actuelles“ Ende 70 ist, braucht unterdessen um die tische Straftaten“) ein. Die Leser von Pa-
liegt an vorderster Stelle, was die FN- stramme Natur seines Nachwuchses pas Kampfpresse dürfen mit Dassault Ju-
Sympathien seiner LeserInnen betrifft. nicht zu bangen. Sohnemann Olivier nior zufrieden sein.
Nicht weniger als 25 Prozent der „regel- Dassault (49), der einmal den ganzen BhS, Paris ■

10 : antifaschistische nachrichten 9-2004


: ausländer- und asylpolitik
ihre Häuser überhaupt zu verlassen. An
jenem 1. Juni fanden die Präsident-
schaftswahlen statt. Es waren Wahlen,
von denen der populärste Anführer der
Dezentraler Aktionstag Opposition ausgeschlossen worden war,
während Eyadéma die Verfassung änder-

der Karawane te, um seine Kandidatur zu gewähr-


leisten.
Sowohl die UNO als auch die EU
Hamburg. Am Samstag, lichen Ruins geführt. Fast siebzig Pro- lehnten wegen der offensichtlichen Un-
24.4.04, veranstaltete die Orga- zent der rund fünf Millionen Bewohner/- regelmäßigkeiten von vornherein ab,
nisation „Perspective Togo“ zu- innen sind arbeitslos. Ein Drittel lebt Wahlbeobachter zu schicken. Menschen-
sammen mit der „Karawane – für die unterhalb der Armutsgrenze. Öffentliche rechtsorganisationen, die ohnehin seit
Rechte von Flüchtlingen und MigrantIn- Einrichtungen wie Schulen und Kran- Jahren nicht mehr offiziell in Togo arbei-
nen“ eine Kundgebung im Rahmen der kenhäuser verfallen oder gibt es gar nicht ten dürfen, wurden nach ihrer Kritik an
„Kampagne zur Unterstützung des mehr, während die Armee weiterhin ein diesem Wahlbetrug bedroht. Doch die
Kampfes gegen die Diktatur in Togo und Viertel der Staatsausgaben für sich bean- Kritik seitens der Europäischen Regie-
die deutsche Abschiebepolitik“. sprucht. Fast alle wichtigen Positionen rungen am Regime in Togo hält sich in
Die etwa 80 TeilnehmerInnen infor- im Staat hat Eyadéma mit Familienmit- engen Grenzen.
mierten in mehreren Reden und mit gliedern und Angehörigen der Volks-
Stelltafeln die Öffentlichkeit auf dem gruppe Kabyé, der auch er angehört, be- Chartermaschine für
Hamburger Bahnhofsvorplatz über die setzt. Misswirtschaft und Korruption fin- Massenabschiebung
Situation in Togo. Diese Aktion sollte den sich im ganzen Land. 1990 erhob
auch zur Teilnahme an der bundesweiten sich die Bevölkerung Togos mit der For- Trotz dieser Bedingungen versorgt das
Demonstration vor dem Auswärtigem derung nach Demokratie. Eyadéma be- Auswärtige Amt unter dem Dienstherrn
Fischer die Verwaltungsgerichte wider
besseren Wissens mit Lageberichten, die
die Verfolgungs- und Gefahrensituation
für oppositionelle Flüchtlinge aus Togo
leugnen. Die Verwaltungsgerichte neh-
men diese Berichte als Grundlage für das
Nicht-Gewähren von Asylrechten. Op-
positionelle aus Togo können nach Auf-
fassung der Gerichte abgeschoben wer-
den, da angeblich keine Gefährdung be-
steht – und dies geschieht verstärkt. So
ist bekannt geworden, dass voraussicht-
lich für die zweite Maiwoche ein Groß-
flugzeug für eine bundesweite Massen-
abschiebung nach Togo von bundesdeut-
schen Behörden gechartert worden ist.
Hier muss der öffentliche Druck die Be-
hörden und die Fluggesellschaften zum
Einlenken bewegen. Auch deshalb sind
alle aufgefordert, sich mit den Forderun-
gen der Kampagne zu solidarisieren und
diese zu unterstützen:
l Wir unterstützen den Kampf der To-
Amt, am 27.04.04 in Berlin, mobilisie- zeichnete die massenhaften Proteste als goer und Togoerinnen für den Sturz
ren. Anlässlich des Unabhängigkeitsta- Landesverrat und verübte ein schonungs- des blutigen Regimes Eyademas!
ges von Togo bildet diese Demonstration loses Massaker an der Bevölkerung. l Wir fordern die Freilassung aller po-
den vorläufigen Abschluss der mit gro- Durch den öffentlichen Druck sah litischen Gefangenen in Togo und an-
ßem Interesse begleiteten Kampagne, die sich Eyadéma zwar 1991 gezwungen, deren Verfolgerstaaten!
am 13.12.03 hier in Hamburg mit einer oppositionelle Parteien und eine Über- l Wir fordern und kämpfen für den
Demonstration begann und in mehreren gangsregierung zuzulassen – doch nur Stop aller Abschiebungen nach Togo
bundesdeutschen Städten mit Erfolg für kurze Dauer. Noch im gleichen Jahr und in andere Verfolgerstaaten!
weitergeführt wurde. beendete er mit einem militärischen An- l Wir fordern und kämpfen für die An-
Hintergrund griff, bei dem 300 Personen getötet wur- erkennung des Rechts auf Asyl!
den, die kurze Hoffnung auf politische l Wir fordern und kämpfen für die
In Togo herrscht seit 1963 die mittler- Veränderung. Seitdem wird wieder jede Schließung aller (Abschiebe-)Lager
weile älteste Diktatur Afrikas. Anfang Art von Widerstand von Miliz und Ar- und Abschiebegefängnisse!
Juni 2003 wurde in Togo der dienstältes- mee unterdrückt. Um Regimegegner/-in- l Wir fordern und kämpfen für die so-
te Diktator Afrikas, Gnassingbé Eyadé- nen endgültig zum Schweigen zu brin- fortige Beendigung der Kollaboration
ma, durch Wahlbetrug für weitere fünf gen, wurden Gefängnislager geschaffen des deutschen Staates mit der Diktatur
Jahre im Amt „bestätigt“. Seit 36 Jahren – Agombio im Norden des Landes und in Togo und in anderen Ländern!
hält sich der Militärdiktator durch Terror Otadi im Süden. Kontakt:
gegen die Bevölkerung und brutale Seit dem 1. Juni 2003 gleicht Togo ei- Karawane Hamburg, c/o Brigitten-
Unterdrückung der Opposition an der nem besetzten Land. Schwer bewaffnete straße 5, 20359 Hamburg,
Macht. In dieser Zeit wurde das Land an Soldaten durchkämmen die Straßen, die Tel: 040/43189037, Fax:0 40/43189038
den Rand des sozialen und wirtschaft- Bevölkerung vermeidet es möglichst, mail: free2move@nadir.org ■

: antifaschistische nachrichten 9-2004 11


Migration ist Befreiung Flüchtling aus Kamerun im der Jugendorganisation der Südlichen
Mannheimer Abschiebege- Kameruner.
Köln. Am 19.4.04 wurde unter anderen Die Mountain Mourners waren in der
dem Kölner Appell gegen Rassismus der fängnis Tat ununterbrochen als politische Grup-
Preis für Demokratie und Toleranz ver- Mannheim. Findley wurde am Mittag pe aktiv. Das heißt etwas, wenn man je-
liehen. Im Folgenden dokumentieren wir des 8.4.04, als er seinen Ausweis verlän- des mal über 300 km oder mehr Entfer-
Auszüge aus der Rede von Arzu Toker gern lassen wollte, festgenommen und nung zusammenkommen muss, keine
(Kölner Appell gegen Rassismus): direkt zum Frankfurter Flughafen ge- Genehmigung dafür bekommt und dau-
Der Kölner Appell entstand 1983 aus bracht. Zur Zeit ist er im Abschiebege- ernde Angst vor Polizeikontrollen haben
der Unterschriftenaktion „Kölner Appell fängnis in Mannheim. Die Festnahme di- muss. Dann nicht aufzugeben, das be-
gegen menschenfeindliche Ausländerpo- rekt vor den Osterfeiertagen bedeutet, deutet etwas. Außerdem ohne Geldmittel
litik“, es war eine Reaktion gegen die dass er zunächst nicht einmal Kontakt zu und konfrontiert mit einer Ignoranz der
von der Regierung Kohl betriebene seinem Anwalt aufnehmen konnte. Behörden der gesamten Lage in Kame-
Findley ist Mit- run gegenüber. Die Gruppe war schon
glied der Mountain immer den Behörden in Kamerun als Teil
Mourners, einer po- der Opposition bekannt. Mit ihren Akti-
litischen Gruppe aus vitäten in Deutschland, insbesondere vor
dem südlichen Ka- der Kamerunischen Botschaft in Bonn
merun, die mit der sind sie dem Regime in Kamerun nun als
größten Organisa- Vorkämpfer für die Unabhängigkeit des
tion, dem Südka- Südlichen Kamerun in Deutschland be-
merunischen Natio- kannt – mit allen Konsequenzen. Dies ist
nalkongress, SCNC, alles bisher noch nicht einmal wahrge-
verbunden sind, nommen worden und es bedeutet reale
dem Widerstand ge- Gefahr für das Leben von Findley, wenn
gen die Diktatur von er abgeschoben würde.
Biya, der seit Jahr- Mitarbeit in der „Karawane für die
zehnten in Kamerun Rechte der Flüchtlinge und Migranten“
eine korruptes und war genauso Teil des Engagements von
brutales Regime Findley wie die Beteiligung an lokalen
Flüchltlingspolitik, die heute genauso ri- führt. Die Mountain Mourners sind vor Aktionen z.B. in Karlsruhe. Zuletzt be-
goros fortgeführt wird... 1988 wurde der etwa 4 Jahren von Kamerun nach teiligte sich Findley an einer von afrika-
Kölner Appell ins Vereinsregister einge- Deutschland gekommen, als die Verfol- nischen Flüchtlingen organisierten De-
tragen, es kamen Sozial und Asylbera- gung des Südkamerunischen Wider- monstration in Karlsruhe am 18.03.04,
tung hinzu.... Ich bedauere, dass sowohl stands gerade eskalierte. Es gibt u.a. von die sich gegen die Diktaturen in Afrika
der Name als auch die Aktivität des Köl- Amnesty International vielfache Berich- richtete und gegen die Ignoranz der Be-
ner Appell gegen Rassismus in unserer te über Inhaftierung, Folter, Verschwin- hörden und Gerichte, die nicht wahrha-
Gesellschaft immer noch seine Berechti- denlassen und grausame Polizeieinssät- ben wollen, was in den Länder passiert.
gung hat. zen gegen Oppositionelle besonders im In welcher Gefahr sich Findley tat-
Deshalb begannen Heinz Humbach südwestlichen, englischsprachigen Teil, sächlich befindet, wird am Schicksal sei-
vom NS-Dokumentationszentrum und dem Südlichen Kamerun. Die Mitglieder ner Mutter deutlich. Sie ist im letzen De-
Dogan Akhanil, Mitglied des Kölner Ap- der Gruppe haben hier Asyl beantragt. zember eine Woche nach einem brutalen
pell, weil Türken in Deutschland die Sie haben während des Asylverfahrens Verhör bei der Polizei gestorben. Sie hat-
größte Minderheit darstellen, mit tür- trotz aller Schwierigkeiten, verstreut in ten von ihr etwas über Findley erfahren
kischsprachigen Führungen im Kölner verschieden Asyllagern in Baden-Würt- wollen. Die Abschiebung von Findley
NS-Dokumentationszentrum „EL-DE- temberg und Rheinland-Pfalz und behin- bedeutet eine unmittelbare Gefahr für
Haus“, um ein dunkles Kapitel deutscher dert durch die so genannte Residenz- ihn. Es ist das schlimmste zu befürchten,
Geschichte und den Umgang mit dieser pflicht (das Verbot den Landkreis zu ver- wenn die kamerunischen Polizei Zugriff
Geschichte den Migranten näher zu brin- lassen) keinen Moment aufgehört, um auf einen Aktivisten der Mountain Mour-
gen und aufzuzeigen, wie aus „ganz nor- eine Änderung der Verhältnisse in Ka- ners hätte.
malen Deutschen“, Täter wurden... Ich merun zu kämpfen. Sie haben es trotz Es darf keine Abschiebung nach Ka-
bin überzeugt, wir Migranten haben Gefahren und fehlender Mittel geschafft merun geben! Politisches Asyl für die
nicht nur Rechte, sondern als Teil der immer wieder zusammen zu kommen, Mountain Mourners! Freiheit für Ndi
deutschen Gesellschaft auch Pflichten. um auf die Lage im südlichen Kamerun Findley Nkwate!
Wir wollen eine Welt, in der alle ohne aufmerksam zu machen. Ein politisches
Angst verschieden sein können... Theaterstück über die Geschichte und Bitte schicken Sie Protestschreiben an
Der Umgang mit den Roma-Kindern, Gegenwart im südwestlichen Teil von die folgenden Adressen:
sehr geehrter Herr Schramma, wird in Kamerun hat an verschiedensten Orten Innenministerium Baden-Württem-
diesem Sinne zum Prüfstein für eine er- in Deutschland überhaupt erst dazu bei- berg Dorotheenstr. 6, 70173 Stutt-
sehnte Kulturhauptstadt. getragen, dass vielen hier die Lage und gart Telefon Zentrale: 0711/231-4 /
Migration wird oft als eine Leidensge- der Widerstand gerade in diesem Teil Fax: 0711/231-3039
schichte dargestellt. Migration wird oft von Kamerun bekannt wurde. Radiosen- Stadt Sinsheim 74887 Sinsheim Tele-
als ein Zerren, ein Hin und Her zwischen dungen, Demonstrationen, Veranstaltun- fon: 07261/404-0 / Fax: 07261/404-
zwei Kulturen dargestellt. Wir sind über- gen, Kontaktaufnahmen mit Parteien, 165 e-Mail: Rathaus@Sinsheim.de
zeugt, dass Kulturen immer und überall politische Aktionen im SCNC, waren Regierungspräsidium Karlsruhe
viele Gesichter haben. Sie haben vonein- Teil der ständigen Aktivitäten, die Find- 76247 Karlsruhe Telefon: 0721/926-0
ander gelernt, sie haben sich miteinander lay als Mitglied der Mountain Mourners / Fax: 0721/926-6211 e-Mail: post-
und ineinander entwickelt. In diesem immer wieder mit organisiert hat. Er ist stelle@rpk.bwl.de
Sinne ist Migration freies Leben. Migra- außerdem Mitglied der Nationalver- Infotelefon Garfield AB +
tion ist Befreiung.“ MW ■ sammlung des Südlichen Kameruns und Fax: 06272-3559 ■

12 : antifaschistische nachrichten 9-2004


Die Verhandlungen
Bundesregierung mit der CDU
der

und der FDP scheinen zu schei-


Stellungnahme von
tern. Nach einer 17-stündigen Mara-
thonsitzung am 1./2. Mai wurden die Pro Asyl und Inter-
Verhandlungen ohne neuen Termin
verschoben. Schily und die Union
spielen sich immer wieder die Bälle
kulturellem Rat zum
zu. Zuletzt mit Schilys Vorschlag für
eine „Sicherungshaft für terrorver-
dächtige Ausländer“.
Zuwanderungsgesetz
Pro Asyl und der Interkulturelle Rat in passung an die Genfer Flüchtlingskon- Dies müsste eigentlich nicht nur für
Deutschland fordern die Bundesregie- vention (GFK) ist Deutschland aufgrund Bündnis 90/Die Grünen gelten, sondern
rung auf, die Verhandlungen abzu- europarechtlicher Verpflichtungen ge- für alle Parteien, alle Politiker und alle
brechen. Wir dokumentieren die zwungen. Die EU-Richt-linie zum gesellschaftliche Gruppierungen, die für
wichtigen Passagen. Flüchtlingsschutz macht in diesem Be- einen Paradigmenwechsel in der Ein-
reich verbindliche Vorgaben, die unab- wanderungs- und Flüchtlingspolitik ein-
Einwanderung ermöglichen, hängig vom Zuwanderungsgesetz umzu- treten ...
setzen sind.
Integration fördern und Dagegen bringt das Zuwanderungsge- Weitere Schattenseiten des
Flüchtlinge besser schützen: setz für Asylsuchende auch Verschlech-
Dies waren die Zielsetzungen des Zu- terungen. Zum Beispiel werden Exilakti- Zuwanderungsgesetzes
wanderungsgesetzes. Die ursprünglichen vitäten von Flüchtlingen entgegen der Die öffentliche Debatte um das Zuwan-
Ziele werden nicht erreicht. Die in dem GFK nicht mehr im Asylfolgeverfahren derungsgesetz konzentriert sich auf we-
Gesetz ohnehin eingebauten Verschär- berücksichtigt. nige exponierte Themen. Darüber gerät
fungen und Restriktionen werden von Bereits der Gesetzesentwurf war ein in Vergessenheit, dass der Entwurf selbst
den Verhandlungspartnern der Parteien vorweggenommener Kompromiss mit schon viele asyl- und ausländerpolitische
nicht mehr infrage gestellt. Stattdessen der Opposition. Trotzdem treibt die Fragen nicht löst und weitere Verschär-
werden die zukunftsweisenden Ansätze Union Rot-Grün mit immer weiteren fungen bringt, z.B.:
aus dem Gesetz gestrichen. Ein gesell- Verschärfungsvorschlägen vor sich her. ■ Das Zuwanderungsgesetz sieht vor,
schaftlich notwendiges Reformprojekt Von den Verhandlungen im Vermitt- dass die Länder Ausreisepflichtige in
ist inhaltlich gescheitert: lungsausschuss sind keine positiven Im- Lagern („Ausreiseeinrichtungen“)
■ Statt Einwanderung zu gestalten, pulse mehr zu erwarten. Die allgemeine unterbringen können. Hier wird Druck
bleibt es bei der Abkapselung Aufbruchstimmung, die von dem Zu- ausgeübt, um ihre „freiwillige“ Aus-
Deutschlands: Das Punktesystem als wanderungsbericht der Süssmuth-Kom- reise zu erzwingen. Die Ausreisezen-
arbeitsmarktunabhängiges und zu- mission im Sommer 2001 ausging, ist er- tren sind nicht die Alternative zur Ab-
kunftsorientiertes Steuerungsinstru- loschen. Das Gesetz ist in seiner jetzt schiebungshaft, sondern ihre Ergän-
ment der Zuwanderung wurde auf verhandelten Form weit davon entfernt, zung. Psychische Zermürbung ist die
Druck der Union wieder gestrichen. einen Paradigmenwechsel in der Ein- Taktik und das Abdrängen der hier
Der generelle Anwerbestopp von 1973 wanderungspolitik herbeizuführen. Von Untergebrachten in die Illegalität die
soll bestehen bleiben. der Idee eines modernen und innovativen Folge der „Ausreisezentren“.
■ Die Integration bleibt ein weitgehend Zuwanderungsgesetzes ist so gut wie ■ Die menschenunwürdige Praxis der
unbestelltes Feld! Integrationsmaß- nichts übrig. bis zu 1 1/2 Jahre dauernden Abschie-
nahmen werden ausschließlich auf bungshaft wird unverändert in das Zu-
den Spracherwerb beschränkt. Eine Deswegen fordern wir die Bundes- wanderungsgesetz übernommen.
Vielzahl von Flüchtlingen und Mi- regierung auf, die Verhandlungen mit ■ Das Thema der Menschen in der Ille-
granten bleibt ausgeschlossen. Der ur- der Union abzubrechen und dieses res- galität wird weiter verdrängt. Noch
sprünglich vorgesehene Rechtsan- triktive Gesetz nicht zu verabschieden. nicht einmal den Forderungen nach
spruch wird umgewandelt in eine für Die Bundesregierung kann statt des zu- der Sicherung sozialer Mindeststan-
die Betroffenen kostenpflichtige und stimmungspflichtigen Zuwanderungs- dards auch für diese Personengruppen
mit ausländerrechtlichen sowie sozia- gesetzes wesentliche Reformen im Aus- wird Rechnung getragen. Diejenigen,
len Sanktionsmechanismen gekoppel- länder- und Asylrecht auch ohne die die Illegalisisierte aus humanitären
te Pflichtveranstaltung. Zustimmung des Bundesrates beschlie- Gründen unterstützen, können weiter-
■ Der desaströse Zustand der Kettendul- ßen. hin kriminalisiert werden.
dung wird nicht beendet. Eine Bleibe- Fortsetung Seite 14
rechtsregelung für langjährig in Zu recht hat der Parteitag von Bündnis
Deutschland Geduldete fehlt. 90/Die Grünen im November 2003 davor
■ Unter dem Deckmantel der Terroris- gewarnt, das Zuwanderungsgesetz zu ei-
musbekämpfung werden zentrale nem Akt bloßer symbolischer Politik
rechtsstaatliche und menschenrechtli- verkommen zu lassen und eine echte Re-
che Standards zur Disposition gestellt. form eingefordert: „Wir werden es nicht
Im Ausländerrecht wird der Gedanke zulassen, dass ein schlechtes Gesetz den
der Gefahrenabwehr noch stärker aus- politischen Handlungsspielraum für mo-
geweitet. derne und humane Migrations- und
Flüchtlingspolitik auf Jahre verspielt. Interkultureller Rat in
Im Bereich des Flüchtlingsschutzes ist Verschlechterungen gegenüber dem gel-
Deutschland
positiv zu bewerten, dass es zur längst tenden Ausländerrecht wird es mit uns
überfälligen Anerkennung von nicht- nicht geben. Ein Gesetz ohne Reformge-
staatlicher und geschlechtsspezifischer halt werden wir nicht mittragen.“
Verfolgung kommen soll. Zu dieser An-

: antifaschistische nachrichten 9-2004 13


■ Die Regelungen des Gesetzes zur Fa- Absenkung der lebensnotwendigen kann zum Beispiel für eine Liberali-
milienzusammenführung sind nicht Versorgung soll zukünftig auch dieje- sierung des Nachrangigkeitsprinzips
nur hinsichtlich des Kindernachzugs- nigen treffen, die u.a. aus völkerrecht- sorgen.
alters unbefriedigend. Der generelle lichen oder humanitären Gründen eine ■ Ausländischen Studierenden, die an
Ausschluss des Familiennachzuges in Aufenthaltserlaubnis nach § 25 Abs. 4 deutschen Hochschulen studiert ha-
den Fällen des § 25 Abs. 4 und 6 Auf- oder 6 AufenthG erhalten. ben, kann nach dem Studium die
enthaltsgesetz ist inakzeptabel, weil Möglichkeit zur Arbeitsaufnahme er-
der angeblich vorübergehende Aufent- leichtert werden.
halt oft jahrelang andauert. Eine dau- Es geht auch ohne ■ Die Möglichkeit des Wechsels von der
erhafte Familientrennung widerspricht die Union Duldung in einen Aufenthaltsstatus
der Europäischen Menschenrechts- aus humanitären Gründen kann er-
konvention und dem Grundgesetz. Statt ein mangelhaftes Zuwanderungsge- leichtert werden.
■ Das Kindeswohl wird weiter missach- setz zu beschließen, sollte die Bundesre- ■ Eine Härtefallregelung kann ebenfalls
tet, indem die UN-Kinderrechtskon- gierung den Mut aufbringen, Reformen beschlossen werden.
vention durch das Zuwanderungsge- auf den Weg zu bringen, die für die Mi- ■ Die Bundesregierung kann die deut-
setz nicht umgesetzt wird und statt- grations- und Flüchtlingspolitik tatsäch- schen Vorbehalte zur UN-Kinder-
dessen der ausländerechtliche Vorbe- lich etwas Positives bewirken. Es gibt rechts-konvention zurückziehen und
halt gegen die Konvention aufrecht er- viele Bereiche, in denen die Bundesre- damit die Situation hier lebender min-
halten bleibt. gierung auch ohne Konsens mit der Op- derjähriger Flüchtlinge verbessern.
■ Das Flughafenverfahren wird – trotz position handeln kann. Die Bundesregie- ■ Ohne Zustimmung des Bundesrates
der rechtsstaatlichen Bedenken – nicht rung sollte diese Möglichkeiten nutzen, kann die Bundesregierung ihre An-
abgeschafft. statt sich auf faule Kompromisse einzu- strengungen im Integrationsbereich
■ Die so genannte Residenzpflicht lassen! durch Erhöhung des entsprechenden
bleibt unangetastet: Die Begrenzung Wer sich den drängenden gesell- Haushaltstitels verstärken.
des Bewegungskreises von Asylbe- schaftspolitischen Fragen, wie die mo- ■ Durch die Erarbeitung eines Anti-Dis-
werbern auf den Landkreis oder die derne Gestaltung von Einwanderung, kriminierungsgesetzes kann und muss
Stadt bleibt bestehen. Diese Restrik- wirklich stellen möchte, der kann das be- die Bundesregierung ohne weiteren
tion ist sachlich nicht gerechtfertigt, stehende Ausländerrecht – zumindest in Verzug die beiden Gleichstellungs-
unverhältnismäßig und unterläuft eu- Teilbereichen – auch ohne Zustimmung richtlinien der Europäischen Union
ropäische Vergleichsmaßstäbe. des Bundesrates reformieren. aus dem Jahr 2000 wirkungsvoll in die
■ Die Anwendbarkeit des Asylbewer- ■ Die Ausweitung der Möglichkeiten, nationale Gesetzgebung transferieren.
berleistungsgestzes wird ausgedehnt, eine Arbeitserlaubnis zu erteilen, be-
statt dieses unsoziale Gesetz endlich darf nicht der Zustimmung des
abzuschaffen. Die dreijährige massive Bundesrates. Die rot-grüne Mehrheit Internet: www.proasyl.de ■

: neuerscheinungen, ankündigungen

Bevorstehende Ralph Klein/Regina Mentner/Ste- schaft zählten und zählen zu ihren Mit-
Neuerscheinung: phan Stracke (Hg.) „Mörder unterm gliedern.
Edelweiß“ / Dokumentation des Hea- Wie aber funktionieren Reproduktion
„Mörder unterm rings zu den Kriegsverbrechen der
Gebirgsjäger, mit Beiträgen der Her-
und die Aufrechterhaltung des beeindru-
ckenden informellen Netzwerkes von
konservativ-männlicher Macht in Poli-
Edelweiß“ ausgeber und internationalen Teil-
nehmer sowie von Peter Gingold, Ul- tik, Wirtschaft und Gesellschaft?
rich Sander u.a., Papy Rossa, Köln Stephan Peters, *1969, Politikwissen-
Dokumentation des Hea- Broschur, 152 S., EUR 12,90 [D]/SFR schaftler, ordnet die Corps anhand ihrer
rings zu den Kriegsverbre- 23,50, ISBN 3-89438-295-3, erscheint Entstehungs- und Entwicklungsge-
Mitte Mai. schichte politisch ein, schlüsselt die
chen der Gebirgsjäger Wirkmechanismen zur Bildung und Re-
produktion des elitären Netzwerkes an-
Seit über 50 Jahren treffen sich jeden
Pfingsten Gebirgsjäger der ehemaligen
Elite sein.. hand der männerbündischen Rituale auf
und entzaubert so ein Stück geheimer
Wehrmacht und der Bundeswehr auf und höchst politischer Männerbündelei
dem Hohen Brendten in Mittenwald Wie und für welche Gesell- jenseits von Demokratie und Frauenem-
(Bayern), um ihrer toten Kameraden zu schaft sozialisiert eine stu- anzipation.
gedenken und ihre Traditionen zu feiern.
2003 wurden sie erstmalig mit Protesten
dentische Korporation? Stephan Peters: Elite sein... Wie und
und kritischen Veranstaltungen konfron- für welche Gesellschaft sozialisiert
tiert. Das Ziel der studentischen rechtskonser- eine studentische Korporation, ISBN
Dieser Band versammelt Beiträge des vativ gesinnten Corps ist es, eine männ- 3-8288-8635-3, 325 Seiten, 29,90
internationalen Hearings über die liche Elite zu reproduzieren. Und das Euro, Tectum Verlag, Neustadt 12,
Kriegsverbrechen der Gebirgsjäger, das tun sie seit über 150 Jahren nahezu un- 35037 Marburg, Tel. (06421) 48 15
am Vorabend dieses größten deutschen abhängig vom Staatssystem mit großem 23, Fax. (06421 ) 43 47 0, e-mail: tec-
Soldatentreffens in Mittenwald veran- Erfolg. Führende Politiker und wichtige tum.verlag@t-online.de,
staltet wurde. Personen aus Wirtschaft und Wissen- http://www.tectum-verlag.de

14 : antifaschistische nachrichten 9-2004


: ostritt
15 Jahre Besuchsprogramm für
ehemalige ZwangsarbeiterInnen –
D
er Bund der Vertriebenen
(BdV) beklagt sich über um-
Erinnerung, Verantwortung, keine fangreiche Sparmaßnahmen
der Regierung. Durch die Kürzungen
Zukunft? sei die Geschäftsstelle des Verbandes
in ihrem Bestand „gefährdet“, heißt
Köln. Anlässlich des aktuellen tion übernehmen. Hierbei soll nicht nur es im Deutschen Ostdienst (DOD).
Besuchsprogramms für ehema- ein Resümee der Entwicklungen seit Bereits im Juli 2003 habe die bayeri-
lige ZwangsarbeiterInnen führt 1989 gezogen, sondern auch nach der sche CSU-Staatsregierung den Ver-
die Projektgruppe Messelager am 19. Zukunft des Besuchsprogramms gefragt triebeneneinrichtungen des Freistaats
Mai im Kleinen Rheinsaal in der Köln- werden: Noch leben in den Ländern Ost- rückwirkend bis zu einem Viertel der
messe eine Veranstaltung zu diesem und Westeuropas viele ehemalige vorgesehenen Mittel gestrichen, nun
Thema durch. ZwangsarbeiterInnen, die auf eine Einla- kürze München auch die Gelder für
dung nach Köln hoffen. Trotz des ein- das Jahr 2004.
Am 20./21. Mai 1989, vor nunmehr 15 stimmigen Ratsbeschlusses von Septem-
Jahren fand auf Initiative der Projekt- ber 2000 ist aber schon 2005 – 60 Jahre Gegen die Einsparungen beim bay-
gruppe Messelager am gleichen Ort das nach Kriegsende –, die Durchführung erischen BdV-Landesverband scharf
Internationale Symposium Messelager des Besuchsprogramms finanziell nicht protestiert hat die SPD. Bereits im
statt. Zum ersten Mal berichteten in Köln mehr gesichert. vergangenen Jahr hatte der Jagd- und
Überlebende aus dem In- und Ausland Das Besuchsprogramm musss weiter „Vertriebenen“-Experte der bayeri-
über die Geschichte der Kölner Außenla- durchgeführt werden – dazu soll diese schen Sozialdemokratie, Albrecht
ger des KZ Buchenwald. Das Sympo- Veranstaltung ein Anstoß sein. Schläger, sich bitter beklagt, dass die
sium markierte für Köln den Beginn der 19. Mai 2004, 19.30 Uhr, CSU die BdV-Stiftung „Zentrum ge-
historischen und politischen Aus-ein- Kleiner Rheinsaal der KölnMesse in gen Vertreibungen“ nur halbherzig
andersetzung mit der Zwangsarbeit von Köln Deutz unterstütze. „Sehr enttäuscht“ war
Zehntausenden KZ-Häftlingen, Schläger, als er erfuhr, dass Edmund
Kriegsgefangenen und auslän- Stoiber die Stiftung nur mit 10.000
dischen ZwangsarbeiterInnen Euro unterstützen wollte, und plädier-
während des Zweiten Welt- te dafür, ihr statt dessen 600.000 Euro
kriegs. Ein Resultat des Sym- zu zahlen. Sie sei schließlich „aus
posiums war die Etablierung dem Geist der Versöhnung“ heraus
des städtischen Besuchspro- gegründet worden, ergänzte der SPD-
gramms für ehemalige Experte: „Ein großer Teil der europäi-
ZwangsarbeiterInnen, das seit schen Völker wurde im 20. Jahrhun-
1990 vom NS-Dokumenta- dert vertrieben, deportiert oder
tionszentrum in Verbindung zwangsweise umgesiedelt.15 Millio-
mit der Projektgruppe Messela- nen Deutsche wurden Opfer solcher
ger durchgeführt wird. Menschenrechtsverletzungen.“
An der Veranstaltung werden
u.a. der Widerstandskämpfer Auch jetzt steht die SPD wieder
und KZ-Überlebende Alexan- geschlossen hinter dem bayerischen
der Agafonow und Gäste des BdV. Im März, das berichtet der
aktuellen Besuchsprogramms DOD, hatte die SPD-Landtagsfrak-
teilnehmen. Martin Stankows- tion eigens einen Änderungsantrag
ki, Gründungsmitglied der Pro- zum Nachtragshaushalt eingebracht,
jektgruppe, wird die Modera- der die CSU-Kürzungen im „Vertrie-
benen“-Bereich verhindern sollte. Die
christlich-soziale Regierung des Frei-
Der Herausgabekreis und die Redaktion sind zu erreichen über:
staats wies jetzt jedoch das sozialde-
GNN-Verlag, Zülpicher Str. 7, 50674 Köln Tel. 0221 / 21 16 58, Fax 0221 / 21 53 73. mokratische Ansinnen zurück, „den
email: antifanachrichten@netcologne.de, Internet: http://www.antifaschistische-nachrichten.de Ansatz für die Förderung von Verbän-
Erscheint bei GNN, Verlagsges. m.b.H., Zülpicher Str. 7, 50674 Köln. V.i.S.d.P.: U. Bach den und kulturellen Einrichtungen der
Redaktion: Für Schleswig-Holstein, Hamburg: W. Siede, erreichbar über GNN-Verlag, Neuer Kamp 25, deutschen Heimatvertriebenen in vol-
20359 Hamburg, Tel. 040 / 43 18 88 20. Für NRW, Hessen, Rheinland Pfalz, Saarland: U. Bach,
GNN-Verlag Köln. Baden-Württemberg und Bayern über GNN-Süd, Stubaier Str. 2, 70327 Stuttgart,
ler Höhe beizubehalten“, und strich
Tel. 0711 / 62 47 01. Für „Aus der faschistischen Presse“: J. Detjen c/o GNN Köln. einen weiteren Teil der bisherigen
Erscheinungsweise: 14-täglich. Bezugspreis: Einzelheft 1,30 Euro. Landesmittel für den BdV Bayern.
Bestellungen sind zu richten an: GNN-Verlag, Zülpicher Str. 7, 50674 Köln. Sonderbestellungen sind Die Kürzungen, so BdV-Vizepräsi-
möglich, Wiederverkäufer erhalten 30 % Rabatt. dent Schläger, „sind unverhältnismä-
Die antifaschistischen Nachrichten beruhen vor allen Dingen auf Mitteilungen von Initiativen. Soweit ein- ßig und nicht zumutbar“.
zelne Artikel ausdrücklich in ihrer Herkunft gekennzeichnet sind, geben sie nicht unbedingt die Meinung jk ■
der Redaktion wieder, die nicht alle bei ihr eingehenden Meldungen überprüfen kann.
Herausgabekreis der Antifaschistischen Nachrichten: Anarchistische Gruppe/Rätekommunisten (AGR); Annelie
Buntenbach (Bündnis 90/Die Grünen); Rolf Burgard (VVN-BdA); Jörg Detjen (Forum kommunistischer Arbeitsgemein-
schaften); Martin Dietzsch; Regina Girod (VVN - Bund der Antifaschisten); Dr. Christel Hartinger (Friedenszentrum e.V.,
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pe gegen Militarismus und Repression); Marion Bentin, Edith Bergmann, Hannes Nuijen (Mitglieder des Vorstandes der
Arbeitsgemeinschaft gegen Reaktion, Faschismus und Krieg–Förderverein Antifaschistische Nachrichten); Kreisvereini-
gung Aachen VVN-BdA; AG Antifaschismus/ Antirassismus in der PDS NRW; Angelo Lucifero (Landesleiter hbv in ver.di
Thüringen); Kai Metzner (minuskel screen partner); Bernhard Strasdeit; Volkmar Wölk.

: antifaschistische nachrichten 9-2004 15


: aus der faschistischen presse
Archivs einzustampfen. Löw erklärt:
„Inhaltlich unterscheiden wir uns, aber
wir haben natürlich einen gemeinsamen
Kein Erbarmen ständnis für die andauernde Zerstritten- Punkt: die Ablehnung von Kollektiv-
mit Horst Mahler heit unter den nationalen Kräften.“ schuld zu Lasten ganzer Völker. Hoh-
Angesprochen auf das „Nationale mann hat das deutlich gesagt, auch in be-
Nationalzeitung Nr. 18, 23. April Bündnis“ zur Stadtratswahl am 13. Juni in zug auf das jüdische Volk ... Aber leider
Die Nationalzeitung sorgt sich um den Dresden (NPD, DVU, REP und DP) er- geht es nicht um längst geschlagene
rechtsextremen Rechtsanwalt Horst klärt Voigt: Schlachten. Zu befürchten ist vielmehr,
Mahler, dem am 8. April vom Amtsge- „Das Nationale Bündnis in Dresden ist dass wir am Anfang einer großen Kam-
richt Berlin-Tiergarten die Zulassung als ein Meilenstein auf dem oben geschilder- pagne gegen die Meinungs- und Wissen-
Anwalt entzogen worden ist und der ten Weg, nationaler Politik in Deutschland schaftsfreiheit stehen. Zumindest kann
wegen Volksverhetzung vor Gericht seht. zum Durchbruch zu verhelfen. Nachdem man all diese Fälle von Nolte über Jen-
Das Blatt klagt darüber, hatte nicht sogar die ,große Lösung’ ... noch nicht in greif- ninger und Walser ... bis hin zu Löw in
1988 der heutige Bundeskanzler Schrö- bare Nähe gerückt ist, kommt dieser zu- eine Reihe stellen.“
der, damals noch Rechtsanwalt, Mahlers nächst ,kleinen Lösung’ möglicherweise
Wiederzulassung durchgeboxte. schon bald hohe symbolische Bedeutung Scholl-Latour und die
Das war aber noch zu linken Zeiten, zu.“
meint das Blatt. Die dürfen sich alles er- europäische „Verteidigung“
lauben: Der Fall Hohmann wird Junge Freiheit Nr. 18/04 vom 23. April 2004
„Als Horst Mahler vor über dreißig Peter Scholl-Latour, bisher bereits öfter
Jahren, in seiner APO- bzw. RAF-Zeit, weiter genutzt Interviewpartner des Blattes, wird nun
linke Aufruhr- und Umsturzparolen zu Junge Freiheit Nr. 18/04 vom 23. April 2004 zum Autor und kommentiert zum Irak-
Papier brachte, konnte er in Teilen der Chefredakteur Dieter Stein nutzt das Er- Krieg: „ ,Kampf gegen den Terror’ – man
etablierten Medien- und Politikschicke- scheinen des Buches „Der Fall Hoh- mag die Parole kaum noch hören! Offen-
ria noch mit Verständnis und gelegent- mann“ von Fritz Schenk, um den Fall bar wurde immer noch nicht begriffen,
lich auch Sympathie rechnen ... All das Hohmann nochmals auf die Titelseite des dass der Terror eine Form der Kriegsfüh-
ist heute anders. Da geht es nicht um Blattes zu holen: rung ist ... Schon aufgrund ihrer geogra-
Verbrechen gegen Leib und Leben, die „Schenk ... legt hierbei die Finger in phischen Lage müssen die Europäer
man Mahler anlasten könnte, sondern die Wunde eines Bürgertums, das dabei dazu übergehen, ihre Verteidigung selb-
eben um Äußerungen, die als Volksver- ist, im Meinungskampf seine Freiheit ständig zu organisieren. Mit moralischer
hetzung usw. unter Strafe stehen ... Weil aufzugeben. Er weist nach, dass zwar Empörung und starken Sprüchen ist es
es um Inhalte geht, die man landläufig linke Spindoctors im öffentlich-recht- da nicht getan.“
unter Rechtsextremismus subsumiert, lichen Fernsehsender ARD ... den ,Fall
kennt niemand mehr aus der Gilde der Hohmann’ mit der Falschmeldung, er Empörung über Preis für
etablierten Medien- und Politikschicke- habe die Juden ,als Tätervolk’ bezeich-
ria Erbarmen mit dem Delinquenten.“ net, ins Rollen brachten. Den Sturz des „Kölner Appell“
Abgeordneten haber aber ,bürgerliche Junge Freiheit Nr. 18/04 vom 23. April 2004
Jubel über „Nationales Zeitungen’ ... zu verantworten – zusam- Der „Kölner Appell“ hat einen Preis des
men mit einer widerstandsunfähigen Wettbewerbs „Aktiv für Demokratie und
Bündnis“ in Dresden Führung der Union, die der Herausfor- Toleranz“ erhalten. Schirmherrin des
Deutsche Stimme 4/04 derung einer geschichtspolitischen Preises ist die Ausländerbeauftrage Ma-
Das NPD-Blatt veröffentlich ein Inter- Kampagne intellektuell nicht gewachsen rieluise Beck.
view mit ihrem Vorsitzenden Udo Voigt. ist. Dazu behauptet Manuel Ochsenreiter:
Auf das Scheitern einer gemeinsamen An den Fall Hohmann knüpft eben- „Der ,Kölner Appell’ ist mit Linksextre-
Kandidatur zu den Europawahlen ange- falls Konrad Löw an, dessen Aufsatz misten vernetzt. 1999 führte der Verein
sprochen, meint Voigt: „Schon als einfa- „Deutsche Identität in Verfassung und ,Protestaktivitäten’ gegen die Unter-
ches NPD-Mitglied und nationaler Wäh- Geschichte“ die Bundeszentrale für poli- schriftenkampagne von CDU und CSU
ler hatte ich vor Jahrzehnten keine Ver- tische Bildung dazu bewogen hat, die ge- gegen die doppelte Staatsbürgerschaft
samte letzte Auflage des Deutschland- durch. Selbstverständlich nimmt man
auch mit einem Vertreter an der Antifa-
Veranstaltung ,Kölner Ratschlag gegen
BESTELLUNG: Hiermit bestelle ich … Stück pro Ausgabe (Wiederverkäufer erhalten 30 % Rabatt)
Rechts’ teil ... Dabei müsste der Vorstand
O Halbjahres-Abo, 13 Hefte 22 Euro
Erscheinungsweise: des ,Kölner Appells’ eigentlich ein ganz
O Förder-Abo, 13 Hefte 27 Euro 14-täglich besonderes Verständnis für die Angst der
O Jahres-Abo, 26 Hefte 44 Euro
Bürger haben, stammen doch zumindest
O Förder-Abo, 26 Hefte 54 Euro
zwei von ihnen aus dem Umfeld der Ro-
O Schüler-Abo, 26 Hefte 28 Euro
ten Armee Fraktion (RAF).“
O Ich möchte Mitglied im Förderverein Antifaschistische Nachrichten werden. Der Verein unterstützt finanziell
und politisch die Herausgabe der Antifaschistischen Nachrichten (Mindestjahresbeitrag 30,- Euro). Besonders empört ist Ochsenreiter,
Einzugsermächtigung: Hiermit ermächtige ich den GNN-Verlag widerruflich, den Rechnungsbetrag zu Lasten
dass „wieder einmal ein Kölner CDU-
meines Kontos abzubuchen. (ansonsten gegen Rechnung) Politiker als Statist bei der links-linken
Preisverleihung wirken durfte. So assis-
Name: Adresse: tierte Beck bei ihrer Preisvergabe im
Historischen Rathaus zu Köln ausge-
Konto-Nr. / BLZ Genaue Bezeichnung des kontoführenden Kreditinstituts rechnet Oberbürgermeister Schramma
(CDU). Es darf natürlich bezweifelt wer-
Unterschrift den, dass dieser etwas über den ,Kölner
Appell’, dessen Arbeit sowie deren Spre-
GNN-Verlag, Zülpicher Str. 7, 50674 Köln, Tel. 0221 – 21 16 58, Fax 21 53 73, email: gnn-koeln@netcologne.de
Bankverbindung: Postbank Köln, BLZ 370 100 50, Kontonummer 10419507
cher wusste.“
jöd, uld ■

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