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1 Material für Schülerinnen und Schüler 1 Material für Schülerinnen und Schüler

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Material für Schülerinnen und Schüler

1 Material für Schülerinnen und Schüler

Aufgabenstellung

In einem Medienprojekt an Ihrer Schule soll geprüft werden, ob das Rieplsche Gesetz (Mate- rial 1) auch in Zeiten des Leitmediums Internet Gültigkeit hat. Zur Vorbereitung auf das Pro- jekt werden Texte verfasst, die Veränderungen mehrerer sogenannter alter Medien (z. B. Radio, Fernsehen, Kino, Videos) darstellen und auf der Schulhomepage veröffentlicht wer- den.

Verfassen Sie einen sich auf Wesentliches konzentrierenden Text (500 bis 600 Wörter), der – im Hinblick auf die geplante Auseinandersetzung mit dem Rieplschen Gesetz – über die sich abzeichnenden Entwicklungen des Mediums Kino informiert. Werten Sie dazu die Mate- rialien aus und bringen Sie eigene Kenntnisse ein.

Material 1: Birgit Stark: Verdrängen neue Medien die alten?

[…] Die Frage, ob die neuen Medien die alten verdrängen, wird schon lange in Öffentlichkeit und Wissenschaft diskutiert. Denn in der Vergangenheit hat es immer wieder Befürchtungen gegeben, dass aufkommende neue Medien die alten ersetzen werden. Als das Fernsehen kam, sagte man das Kino tot, und das Internet sollte eigentlich schon längst alle beide aus-

  • 5 gerottet haben. In der Kommunikationswissenschaft wird diese Frage meist mit dem Verweis auf das „Riepl- sche Gesetz“ beantwortet. Diesem zufolge werden etablierte Medien keineswegs durch ein neues Medium verdrängt. Sie müssen sich allenfalls den neuen Gegebenheiten anpassen, was zu einer veränderten Funktion und Nutzung der alten Medien führen kann. Der Journa-

  • 10 list Wolfgang Riepl hat dieses „Gesetz“ bereits 1913 in seiner Doktorarbeit zum römischen Nachrichtenwesen aufgestellt und wird seither oft beschwichtigend zitiert. Denn prinzipiell besagt das Gesetz, dass kein neues, „höher“ entwickeltes Medium ein altes vollständig ver- drängen könne. Die Erfahrung scheint dies zu bestätigen, und auch die Medienbranche nimmt den scheinbar unerschütterlichen Grundsatz gerne auf.

  • 15 Aber besitzt das Rieplsche Gesetz auch im digitalen Zeitalter noch Gültigkeit? Gerade das Internet gilt durch den Wandel von einem reinen Textmedium zu einer multimedialen Platt- form als universelles Kommunikations-, Informations- und Unterhaltungsmedium, weshalb es besonders großes „Verdrängungspotenzial“ zu besitzen scheint. Die Tatsache, dass trotz eines gestiegenen Zeitaufwandes für Mediennutzung die neuen Angebote um das nicht un-

  • 20 begrenzt verfügbare Zeitbudget der Nutzer konkurrieren, ist nun einmal nicht von der Hand zu weisen. […]

226 Wörter

Stark, B. (2014). Verdrängen neue Medien die alten? Zugriff am 07.04.2015. Verfügbar unter http://www.result.de/

1 Material für Schülerinnen und Schüler Material 2: Filmförderanstalt: Kinobesucher 2013 Quelle: FFA Allgemeine Entwicklung des

1 Material für Schülerinnen und Schüler

Material 2: Filmförderanstalt: Kinobesucher 2013

1 Material für Schülerinnen und Schüler Material 2: Filmförderanstalt: Kinobesucher 2013 Quelle: FFA Allgemeine Entwicklung des

Quelle: FFA

Allgemeine Entwicklung des Kinomarkts. Kino vs. Home Video (2014). In Kinobesucher 2013. Zugriff am 10.12.2014. Verfügbar unter http://www.ffa.de/

Material 3: Hanns-Georg Rodek: Zelluloid: In Amerika gibt es keinen Film mehr im Kino

Das Studio Paramount hat entschieden, ab sofort in Amerika seine Filme nicht mehr auf Zel- luloid zu vertreiben. Keine Filmdosen mehr. Keine Rollen. Das Piktogramm mit dem Streifen und den Perforationsrändern – obsolet. 135 Jahre Film- und Fotogeschichte weggewischt. […]

  • 5 Das sind nicht unsere Sorgen, sondern die der Produzenten und Verleiher, die sich Trans- port- und Herstellungskosten nun sparen; eine Kopie kostet rund 800 Euro, und bei 1000 „Harry Potter“-Kopien, die unsere Kinos fluten, ist das ein Faktor. Den Zuschauern wird die Sache anders schmackhaft gemacht. Uns wird die makellose Kinowelt versprochen, eine ohne Schrammen im Filmbild, ohne Fussel, die riesenhaft vergrößert über die Leinwand ir-

  • 10 ren, ohne Sprünge in Bild und Ton, weil mal wieder Perforationslöcher gerissen waren. […] neun von zehn Leinwänden in Deutschland und den USA sind „digitalisiert“ […]. So ist die Filmanmutung verloren, jenes Korn, das immer leicht in Bewegung war, wenn man kon- zentriert auf einen bestimmten Punkt sah. Nun ist das Bild ebenmäßig, es hat sich dem Look

1 Material für Schülerinnen und Schüler von Fernseher, Computer oder iPad angepasst, und was nicht zu

1 Material für Schülerinnen und Schüler

von Fernseher, Computer oder iPad angepasst, und was nicht zu Humphrey Bogart 1 passte,

  • 15 passt nun zu Super Mario. […] Das Korn mit seinen Fehlern hat uns unterschwellig stets erinnert, dass wir es mit einem Abbild zu tun haben, nicht mit der Wirklichkeit. Die Perfektion des digitalen Bildes hingegen suggeriert die absolute Realität, obwohl die häufig gar nicht das Ziel des Regisseurs ist. Also gibt es bereits Computerprogramme, die digitalen Filmen den Filmkorn-Look künstlich über-

  • 20 ziehen, wie ein Häutchen; im Englischen heißt Häutchen ja film.

1 Humphrey Bogart (1899–1957): US-Filmstar der 1940er und 1950er Jahre

  • 238 Wörter

Rodek, H.-G. (2014, 21. Januar). Zelluloid: In Amerika gibt es keinen Film mehr im Kino. Die Welt. Zugriff am 07.04.2015. Verfügbar unter http://www.welt.de/

Material 4: Daniela Kloock: Cinema on Demand. Das neue Kino

Die Lichtspielhäuser stehen mehr denn je vor großen Umbrüchen. Die technischen Verände- rungen durch die Digitalisierung haben starke Konkurrenzmedien hervorgebracht, die das Kino als erstes und bisher kulturell wichtigstes Auswertungsfenster von Filmen zunehmend randständig machen. Hinzu kommt ein verändertes Freizeit- und mediales Nutzungsverhal-

  • 5 ten vor allem der jungen Generation. Die will schnell und komfortabel mit Informationen ver- sorgt werden, sich vernetzen und mitbestimmen. Dafür sind die Vertriebsstrukturen, die das Kino seit Jahrzehnten bestimmen, zu schwerfällig. Hinzu kommt, dass auch die Programme in den Kinos von vielen als zu monoton empfunden werden. Von dem weltweit riesigen Film- angebot bleibt nur ein vereinheitlichter, von Verleihern und Kinobetreibern ausgewählter Ex-

  • 10 trakt übrig. Damit musste der Kinogänger bisher leben. Doch die Branche, die sich jahrelang vor allem mit Finanzierungsfragen und den Problemen der Digitalisierung beschäftigt hat, entdeckt nun Potenziale und fängt langsam an kreativ zu werden. „Der aktive Zuschauer“ heißt das neue Paradigma, und das Geschäftsmodell nennt sich „Cinema on Demand“. Dieses Konzept geht nicht mehr davon aus, dass es ein Publi-

  • 15 kum gibt, das nimmt, was es bekommt. Man rechnet vielmehr damit, dass die Filmvorlieben sehr vielfältig sind und dass weit mehr Menschen in die Lichtspieltheater gehen würden, wenn sie dort das fänden, was sie suchen: Filme, die sie wirklich sehen wollen, die sie viel- leicht sogar selbst entdeckt haben, und Menschen, die einen ähnlichen Geschmack haben. Kinoinitiativen in Frankreich und den Niederlanden experimentieren bereits mit diesem Ge-

  • 20 schäftsmodell. […] Der Zuschauer meldet sich über eine E-Mail-Adresse und ein Passwort an und wählt den Film und das Kino, in welches er gehen möchte. Seine Auswahl wird dann öffentlich; über Facebook können sich Freunde der Option anschließen oder „ilikecine- ma.com“ sucht die Kontakte. Wenn mindestens 30 Personen Interesse haben, wird der Film im Kino für 7,80 Euro gezeigt. […]

    • 284 Wörter

Material 4: Kloock, D. (2013, 4. Januar). Cinema on Demand. Das neue Kino. Frankfurter Rundschau. Zugriff am 07.04.2015 von http://www.fr-online.de/ © Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Rundschau GmbH, Frankfurt.

1 Material für Schülerinnen und Schüler Material 5: Bert Rebhandl: Kino der Zukunft: Leinwandereignis und Film

1 Material für Schülerinnen und Schüler

Material 5: Bert Rebhandl: Kino der Zukunft: Leinwandereignis und Film sind nicht dasselbe

[…] durch neue Anbieter digitaler Inhalte werden nun nicht mehr nur Filme [in den großen Sälen der Multiplexkinos] abgespielt, es werden auch Opern oder Konzerte live übertragen, und selbst Sportereignisse werden angeboten. Warum es mit dem Fußball beim Public Vie- wing besser klappt als im Dunkel eines Kinosaals, dürfte unmittelbar einleuchten und ver-

  • 5 weist seinerseits zurück auf die einmalige Erfahrung, die ein Filmpalast oder eine Lichtburg oder ihre weniger glamourösen, aber umso mehr durch Funktionalität überzeugenden Nach- folger in den Multiplexxen 1 bieten. Die Sneak-Previews, bei denen sich Woche für Woche die kundigsten Fans des Mainstreamkinos vorab einen Film wie bei einem „blind date“ ansehen, bringen diesen Eventaspekt perfekt auf den Punkt: Es geht darum, Einmaligkeit zu simulie-

  • 10 ren unter den Umständen maximaler Standardisierung des Erlebnisses. Die Chance, einen potentiellen Kassenhit noch vor dem Start sehen zu können, ist eine Entsprechung zu jener Exklusivität, die durch die Live-Übertragung einer Aufführung an der Metropolitan Opera in New York global vervielfacht (aber nicht eigentlich preisgegeben) wird. Großes Kino hat da- mit nur noch zum Teil mit (wie immer großen) Filmen zu tun. […

1 Multiplex-Kinos: große Lichtspielhäuser mit mehreren Vorführungssälen, in denen gleichzeitig Filme verschie- dener Art gezeigt werden

173 Wörter

Rebhandl, B. (2012, 25. Juni). Kino der Zukunft: Leinwandereignis und Film sind nicht das- selbe. Frankfurter Allgemeine Zeitung. © Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Zur Verfügung gestellt vom Frankfurter Allgemeine Archiv.

Material 6: Hanns-Georg Rodek: Beeumelt euch! Projizieren Kinos bald Textnachrich- ten auf die Leinwand?

[…] Nun ist das Kino in den fast 120 Jahren seiner Existenz immer sehr erfinderisch gewe- sen, sonst hätte es nicht so lange überlebt. Als das Radio dem Stummfilm das Wasser ab- zugraben drohte, reagierte es mit dem Ton. Als das Fernsehen in die Stuben Einzug hielt, gab es Farbe und Breitwand. Der Blockbuster kann als Antwort auf den Videorekorder ver-

  • 5 standen werden, 3-D als die auf Raubkopierer und Internet. Es waren – fast – immer techni- sche Lösungen, mit denen reagiert wurde […]. Den technischen Weg ging Disney nun wieder. Besucher, die eine Karte für die Wiederauf- führung von „Arielle“ lösten, wurden aufgefordert, iPhone oder Tablet mitzubringen und zu benutzen. Die offizielle Ermächtigung zum Daddeln im Kino las sich so: „Bringt euer iPad in

  • 10 die ,Arielle'-Vorführung und interagiert mit dem Film! Spielt Spiele, singt mit, findet neue Überraschungen und tretet mit anderen im Publikum in Wettbewerb!“ Ausgelöst wurde die Interaktivität, indem man den Apparat hochstreckte und auf die Lein- wand richtete wie auf die Würfelmuster, die seit einiger Zeit überall auftauchen, auf Plakaten, Visitenkarten oder in Supermärkten.

  • 15 Der Bullet Screen ist nur eine konsequente Weiterentwicklung – und ein Paradigmenwechsel im Kinosaal. Nicht mehr ein (mehr oder minder) Kunstwerk steht im Zentrum des Interesses, sondern die Interaktivität der Besucher. Das Gemeinschaftserlebnis besteht nicht mehr in der gemeinsamen Rezeption, sondern in den Reaktionen darauf, wie beim Fußball und dem „Tatort“ in der Kneipe. Die Aufmerksamkeitsspanne wird weiter verkürzt, auf die Zeit bis zum

  • 20 Aufpoppen der nächsten Nachricht. […]

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1 Material für Schülerinnen und Schüler Die Frage lautet, ob es in der Zukunft noch ein

1 Material für Schülerinnen und Schüler

Die Frage lautet, ob es in der Zukunft noch ein Refugium geben kann, an dem die Spielre- geln der Social Media nicht zur Anwendung kommen. Präziser: Ob es noch genug Menschen geben wird, die nicht auch im Kino erwarten, ein aktiver Teil der Veranstaltung zu sein. […]

  • 280 Wörter

Rodek, H.-G. (2014, 22. September). Beeumelt euch! Projizieren Kinos bald Textnachrichten auf die Leinwand? Die Welt kompakt. Zugriff am 07.04.2015. Verfügbar unter http://www.welt.de/

Material 7: Daniela Kloock: Zukunft Kino

[…] Die Frage nach dem Attraktionsgrad von Kino in heutiger Zeit ist aber auch eine Frage nach dem Alleinstellungsmerkmal von Kino im Konkurrenzkonzert der Medien.

Die Dunkelheit ist die entscheidende Voraussetzung für die komplexen psychischen Prozes- se, die der Zuschauer durchläuft und die gänzlich unvergleichbar sind mit jedweder anderen

  • 5 Medienrezeption. Denn mit den Bildern – die im Erscheinen verschwinden – mit dem Ton, der uns umhüllt und den Kinoraum füllt, gibt der Zuschauer sich weit mehr auf und hin als bspw. im Theater. Mit dem Kino bleibt unserer Kultur, die ja zunehmend von „Coolness" ge- prägt ist, ein Ort, an dem wirklich Emotionen spürbar sind, Empathie erfahren wird. […] Hinzu kommt das Moment der feststehenden Zeit. Denn die Zeit im Kino ist die Zeit der er-

  • 10 zählten Geschichte – hier gibt es keinen „Cogito Interruptus"

    • 1 , kein Handyklingeln, keinen

Zu- und Angriff, egal vom wem oder von was

So ist Kino vielleicht einer der letzte Orte, die

... motorische Passivität, Entschleunigung und Sammlung garantieren, ein Antidote 2 zur „coffee

to go Kultur“. […]

1 Cogito Interruptus: Unterbrechung des Denkens 2 Antidote: dt. Antidot: Gegenmittel, Gegengift

  • 166 Wörter

Kloock, D. (2012). Zukunft Kino. Vortrag beim 42. Filmtheaterkongress Baden. Die Zukunft des Kinos. Zugriff am 07.04.2015. Verfügbar unter http://www.zukunftkino.com/

Material 8: David Fincher 5 : Schluss mit Zerstörungspornos!

Der Text kann aus rechtlichen Gründen nicht abgedruckt werden, steht aber über folgenden Link zur Verfügung: http://magazin.spiegel.de/EpubDelivery/spiegel/pdf/129853794

Als Material 8 werden folgende Zeilen des Essays genutzt: Z.1-25 („Wer heutzutage … das Gute.“) und Z. 31-46 („Die Bilder sind dreidimensional … zur Party gekommen.“)

Fincher, D. (2014, 20. Oktober). Schluss mit Zerstörungspornos! Der Spiegel. Zugriff am 07.04.2015. Verfügbar unter http://www.spiegel.de/

5 David Fincher: Erfolgreicher Hollywood-Regisseur; bekannt geworden durch düstere, provokante Thriller wie „Sieben“ (1995) oder „Fight Club“ (1999); produzierte für den Videostream-Anbieter Netflix die Serie „House of Cards“, in der Kevin Spacey einen skrupellosen Washingtoner Politiker spielt.

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