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Die Entdeckung einer bedeckten Frau: eine Charakter-Analyse

Kommentar: “Protokoll” ist eine von Zaimoğlu benutzte Bezeichnung für den Monolog, der er

für seine ProtagonistInnen schreibt.

Es ist unklar wie viel Zaimoğlu verändert oder beeinflusst die Stimme seiner ProtagonistInnen in

seinen Bücher, oder ob er überhaupt jemand interviewt. Zaimoğlu behauptet, dass er alltägliche

türkische Leute befragten hat. In dieser Aufsatz nehme ich an, dass Zaimoğlu die Frau Hatice

interviewt, und ihre Meinungen aufgeschrieben hat, obwohl die Wörter aus artistischen Grunde

geändert sein könnten.

.........

Dieser Aufsatz ist eine Charakter-Analyse der Hatice aus Ferdinun Zaimoğlus „Koppstoff“. Er

soll die Frage beantworten, in welcher Umgebung Hatice aufwächst und welche Ereignisse sie in

ihrem Leben beeinflussen und wie sie auf das reagiert, was um sie herum passiert und

umgekehrt. Dies wird zu Beginn erläutert, um ihren Charakter verständlich darzustellen. Das

Thema „Integration“ und die damit verbundenen Probleme und Herausforderungen für beide

Seiten wurden in vielen Aufsätzen besprochen. Das Ziel dieses Aufsatzes ist es nicht eine neue

Ansicht zu diesem Thema anzuführen, sondern die Beziehung zwischen den Deutschen und den

Türken und Hatices Meinung in Bezug darauf zu zeigen.

Hatice war der Ansicht, dass Zaimoğlus vorheriges Buch „Abschaum“ ein falsches Bild

über Türken in Deutschland unterstützt. Hatice versucht die Türken richtig darzustellen und

spricht die falschen Vorstellungen in ihrem Protokoll an. In „Die verlorenen Söhne“ und „Die

fremde Braut“ beschreibt Necla Kelek die vielen Kennzeichen der Integrationsprobleme der

Türken und analysiert die kulturelle Einflüsse dieser Probleme. Keleks Bücher und

1
Zeitungsartikel werden in diesem Aufsatz dazu benutzt, die Ansicht der Deutschen zu zeigen,

welche mit Hatices Interpretationen der Situation verglichen werden.

Es soll klargestellt werden, dass Hatices Welt in zwei Teile geteilt ist, in jene der

Deutschen und jene der Türken. Hatice behauptet, dass die Deutschen Anteil daran haben, eine

Parallelgesellschaft zu bauen. Sie ist der Ansicht, dass die Deutschen sie und andere Türken auf

dem Weg zum Erfolg behinderten und dass die Deutschen die Türken in ihrer freien Ausübung

ihrer Religion einschränken. Für Hatice ist es grundlegend, ein Koptuch zu tragen, da dies ein

Kennzeichen ihrer Religion, des Islam, ist; dies half ihr, die Herausforderung ihres Lebens zu

meistern.

Sprache

Zaimoğlus erster Komentar über Hatice betrifft ihre Sorge über die Sprache, die er in

seinem Buch „Abschaum“ benutzt. Sie erwähnt dabei die Kiez-Sprache, die eine Mischung von

Deutsch und Türkisch und andere Immigrantensprachen ist. Junge Immigranten und Deutsche,

die in Immigranten-Vierteln in großen Städten leben, sprechen diese Sprache. Eine bekannte

Phrase daraus ist: „Ich mach dich Messer“, was eine Angriffs-Drohung ist.

Wikipedia definiert Kreolsprachen als „Sprachen, die in einer Sprachkontaktsituation aus

mehreren Sprachen entstanden sind, wobei oft ein Großteil des Wortschatzes der neuen Sprache

auf eine der beteiligten Kontaktsprachen zurückgeht“ (Wikipedia). Wie andere Kreolsprachen

(z.B. Chicano-Englisch in der USA) wirkt die Kiez-Sprache auf Personen, die die

Standardsprache benutzen, falsch. Wie Chicano-Englisch wird mit der/dem Kiezsprecher(in) ein

negatives Bild verbunden, z.B. dass er/sie ungebildet sei. Kiezsprache ist mit der Gangsterkultur

verbunden, z.B. benutzt Ertan, Zaimoğlus Protagonist im Abschaum, ein Gangster und

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Drogenhändler, die Kiez-Sprache. Eine stilisierte Ausführung davon wird auch in Komöden wie

„Erkan und Stefan“ gezeigt, wo die zwei Hosts versuchen, sich „hart“ darzustellen.

Im Gegensatz dazu benutzt Hatice ein sehr formales Hochdeutsch und verwendet keine

Wörter aus der Umgangssprache. Manchmal wirkt es fast, als ob sie einen Aufsatz lesen würde.

Deswegen kommt sie dem/der Leser(in) gut ausgebildet und verständlich vor, also eine gebildete

Türkin. Kristin Dickinson, Robin Ellis und Priscilla D. Layne, die „Koppstoff” ins Englische

übersetzten, haben es folgendermaßen formuliert:

„[…] Hatice learned German as a foreign language, and that as a child she was forced to

repeat Kindergarten and then nearly sent to a remedial school due to her poor language

skills. Hatice’s very precise usage of German can also be understood as a response to this

false equation between her language ability and intelligence.”1 (Dickinson, Ellis, Layne,

40)

In den ersten drei Bücher Zaimoğlus wird Türkisch manchmal benutzt, wenn der

Sprecher etwas Wichtiges unterstreichen möchte. Ertan würde ganze Sätze in Türkisch

sprechen, große Teile seiner türkischen Phrasen sind vulgär. Im Gegensatz dazu benutzt Hatice

Türkisch anscheinend nur, wenn sie an oder über Allah spricht.

Hatice uses language to address the stereotype in Germany that Turks speak only

Kiezsprache, not correct High-German, and are therefore not educated. By using very formal

High-German Hatice attempts to portray Turks as educated.

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„(...)Hatice lernte Deutsch als Fremdsprache, und dass sie als Kind zum Wiederholung des Kindergartens

gezwungen und dann, wegen ihrer mangelnden Sprachkenntnisse, fast auf eine Sonderschule geschickt wurde.

Hatices präzise Benutzung der deutschen Sprache kann auch als Antwort auf diese falsche Gleichstellung von

Sprachfähigkeit und Intelligenz verstanden werden.“ (vom Autor ins Deutsche übersetzte)

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Schule

Der Artikel aus der Tagezeitung Der Standard „Schulkinder, die nicht Deutsch können"

beschreibt die Situation von einem Dutzend in Österreich geborenen türkischen Kindern, die am

Anfang der ersten Klasse kaum ein Wort Deutsch konnten. Der Artikel prophezeit diesen

Kindern eine harte Zukunft: Die Mädchen werden in jungen Jahren in der Türkei geschickt, um

einen unbekannten Verwandten zu heiraten, die Jungen „werden – bis zum Rand mit Aggression

und Testostern gefüllt – irgendwo herumlungern und kleinere, vielleicht auch größere Straftaten

begehen.“ (Rauscher)

Dieses Bild wird in Necla Keleks Buch "Die verlorenen Söhne" reflektiert, worin sie mit

drei jungen Türken aus dem Distrikt Wilhelmsburg in Hamburg spricht: Kenan, Faruk und

Senol. Diese ziehen als ‚harte Jungs‘ auf der Reeperbahn entlang. Alle konnten fast kein

Deutsch, als sie mit der Schule anfingen. Auch jetzt sprechen sie außerhalb der Schule

hauptsächlich Türkisch. Nur einer der drei plant eine Lehre zu machen, die andere zwei werden

für ihre Familien arbeiten, vermutlich als Bauarbeiter.

Trotz ihrer Probleme mit der deutschen Sprache gehen die Jungen gern zur Schule. So

sagt Senol, dass „er dort mit seinen 'Kumpels Spaß hat'" (Söhne, 158) . Das Grund dafür ist zum

Teil, weil viele türkische Familien der Schule keine große Wichtigkeit beimessen (Kelek). Viele

türkische Familien schicken ihre Söhne hauptsächlich auf die Schule, weil sie den „schlechten

Einfluss“ der Straße auf ihre Söhne fürchten (Söhne, 158). Manche türkische Eltern haben nicht

mehr als eine Grundausbildung beziehungsweise eine religiöse Ausbildung erfahren, so spielt

eine höhere Ausbildung auch keine Rolle für ihre Söhne.

So ein Bild haben viele LeserInnen und konservative Politiker von Immigrantenkindern,

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die nicht Deutschen können, wenn sie mit der Schule anfangen. Es ist dieses Bild von türkischen

Familien und ihrer Beziehung zu Bildung, worauf Hatice reagiert, wenn sie erklärt, dass sie auch

kein Deutsch konnte, als sie mit der Schule anfing. Für Hatice aber liegt die Verantwortung für

ihr mangelndes Deutsch bei den deutschen Lehrerinnen. Die Lehrerinnen versuchten Hatice und

die anderen türkischen Kinder „mit in die Spiele einzubeziehen, aber keine von ihnen konnte

Türkisch sprechen, und irgendwann gaben sie [die Lehrerinnen] es auf“ (Zaimoğlu, 68). Erst als

eine türkische Lehrerin Hatice Deutschunterricht gab, lernte sie endlich Deutsch. Hatice sagte

über ihre türkische Lehrerin, dass es schade wäre, „wenn ich nur wegen mangelnder

Sprachkenntnisse zur Sonderschule ginge.“ (Zaimoğlu, 69)

Das mangelnde Deutsch ihrer Eltern, fehlende Möglichkeiten Deutsch außerhalb der

Schule zu sprechen sowie die Annahme, dass vermutlich niemand in Hatices Familie großen

Wert auf das Erlernen der deutschen Sprache legte, waren wohl auch Faktoren, warum sie vorher

nicht Deutsch gelernt hat. An dieser Stelle muss erwähnt werden, dass Hatice im Deutschen nur

Fortschritte dank einer anderen Türkin machte, also durch eine Person, die aus ihrer eigenen

Kultur und Gesellschaft kommt und die die Wichtigkeit von Deutsch-Kenntnissen betont.

Es steht nicht im Text, ob Bildung wichtig für Hatices Familie war oder ob sie Bildung

für ihre Tochter nicht für wichtig erachtet haben, weil diese eine Frau ist. Es ist offensichtlich,

dass Hatice ehrgeizig ist und studieren wollte, besonders als sie erklärt, dass sie sehr erfolgreich

in der Schule war und dass es ihr Freude bereitet, auf die Uni zu gehen, um ihrer Familie und

ihrer türkischen Umgebung zu helfen. Das steht im Gegensatz zu Kenan, Faruk und Senol, die

fast keinen Ehrgeiz zum Lernen haben.

Es ist aber auch klar, dass Hatice und ihre Eltern es schätzen, gute Muslime zu sein. Am

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Anfang wollte der Vater Hatice auf die Realschule schicken, Hodscha hat aber ihn mit dem

Argument, „dass (Hatice) notfalls immer noch auf die Hauptschule wechseln könnte, falls [sie]

das Gymnasium zu sehr verändern würde," überzeugt, sie auf das Gymnasium zu schicken.

(Zaimoğlu, 69). Die Veränderungen ihres Charakters hätten bedeutet, dass sie sich nicht mehr an

die Regeln des Korans und Islams gehalten hätte. Als ihre Eltern sahen, dass Hatice eine gute

Muslime war, erlaubten sie ihr Jura zu studieren, „ohne Wenn und Aber" (Zaimoğlu 69), was

Hatice sehr stolz machte. Die Religion ist immer noch überaus wichtig für sie, seit sie an der

Universität ist, was auch an der folgenden Aussage erkennbar ist: „Lieber würde ich mein

Studium [als mein Kopftuch] aufgeben, denn meine Religion ist das Wichtigste in mein Leben“

(Zaimoğlu, 70).

Religion

Hatice führt ihren Erfolg, ihre Schwierigkeiten in Bezug auf das Bildungswesen zu

überwinden, auf ihre Intelligenz und ihren Ehrgeiz zurück, ebenso auf ihr Beachten der Regeln

des Islam. Hatice weiß sehr gut über das negative Bild des Islam in Deutschland Bescheid.

Kenan, Faruk und Senol, die drei Jungen aus Wilhelmsburg, deren Eltern religiös sind, wurden

„[m]it vier, fünf und neun Jahren […] in die Koranschule geschickt“ (Söhne, 159). Ihnen

werden die richtigen Gebetsmethoden und die Regeln des Islam beigebracht. Aber weil sie in

der Pubertät sind und „delikanli“ (verrücktes Blut) haben, beachten sie die Regeln nicht. Sie

sind gewissermaßen von den Regeln entschuldigt. Für sie ist es wichtig eine Frau zu haben, die

Muslime ist, da sie ihnen gehorchen wird. Später werden sie die Regeln des Islam beachten, um

die Ehre der Familie rein zu halten.

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Hatice wird auch früh in ihrem Leben auf die Koranschule geschickt, aber für sie spielt

die Religion eine große, aktuelle Rolle im Leben. Sie erzählt begeistert, dass sie als Kind die

Regeln des Islam befolgt hat, so wie z.B. Beten und Fasten während des Ramadan, obwohl sie es

noch nicht machen musste. Und danach „[fühlte ich] mich erleichtert und spürte, wie meine

Seele dadurch reiner wurde“ (Zaimoğlu 68). Sie behauptet, dass ihre Religion ihr die Kraft gab,

gegen Widerstände zu kämpfen. Sie bekam auch Disziplin und Kraft für die Schule und konnte

das Vertrauen ihrer Eltern gewinnen, indem sie den Regeln ihrer Kultur folgte.

Die Rolle des Islam ist demnach für Hatice anders als für Kelek. Diese stellt den Islam

als eine Religion dar, in der Mädchen gezwungen sind, wegen des Kopftuchs alles zu tun. Der

Islam entkräftet Frauen, so Kelek. Hatice weiß, dass viele in Deutschland so ein negatives Bild

über den Islam haben und gibt sich große Mühe, ihn als „gut“ darzustellen, sie nennt ihn die

„friedlichste“ und „die toleranteste Religion“ (Zaimoğlu, 70). Im Gegensatz zu Kelek findet

Hatice ihre Kraft im Islam, die durch das Kopftuch symbolisiert wird.

Kopftuch

In Österreich sagten 64%, in Deutschland 27% der im Zuge einer Muslimenstudie

befragte Frauen, dass sie „traditionelle oder religiöse Kleidung inklusive Kopftuch" tragen

(Österreich als Land der Kopftuchträgerinnen).

„Ich werde selten gefragt, warum ich ein Kopftuch trage, weil die meisten Leute glauben,

es schon zu wissen. Dabei können sie es gar nicht. Niemand kann wissen, was in meinem Kopf

vorgeht, es sei denn, ich habe es ihnen erzählt." (Zaimoğlu, 67)

Das Kopftuch ist ein Thema, über das viele im Westen debattieren. Viele Menschen in

den westlichen Ländern sehen das Kopftuch, so Necla Kelek, als „ein Instrument der Ab- und

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Ausgrenzung von Frauen" (Braut, 175). Es sei ein materielles Symbol der Unterdrückung der

Frauen in muslemischen Ländern. Und deswegen sei es ein entscheidender Faktor zum Aufbau

einer „Parallel-Gesellschaft“ in Deutschland und Österreich. Aus diesem Grund gibt es politische

Bewegungen für ein Kopftuchverbot in der Schulen, wie die von BZÖ-Generalsekretär Martin

Strutz in Österreich. Zur Zeit ist so ein Verbot für SchülerInnen nicht in Kraft.

Für Hatice ist das Kopftuch, wie für viele Muslime, ein Symbol ihres Glaubens. „Ich

bedecke meinen Kopf, wie die gläubigen, muslimischen Frauen es tun. Es ist wichtig für mich,

weil ich mich damit zum Islam bekenne und mich seinen Regeln und Gesetzen beuge"

(Zaimoğlu, 67). Das Kopftuch wirkt als die materialistische Verkörperung ihres Glaubens, der,

wie vorher gezeigt wurde, eine große Rolle in ihrem Leben spielt.

Kelek erklärt, dass am Anfang nur vornehme und freie Frauen den Schleier tragen

dürften. „Eine Sklavin hingegen machte sich strafbar, wenn sie den Schleier anlegte" (Braut,

175). Zuerst war das Kopftuch oder der Schleier ein Symbol des Zustands in der moslemischen

Gesellschaft. Wenn Hatice ihren unbedeckten Freundinnen erklärt, warum sie ein Kopftuch

tragen sollen, denkt sie wahrscheinlich an etwas Ähnliches: „Eine unbedeckte Frau, zum

Beispiel, hat Schwierigkeiten, unter Männern akzeptiert zu werden, denn diese Männer werden

immer in erster Linie eine Frau vor sich sehen und sich von ihr angezogen fühlen. [...] Wenn die

Frau aber bedeckt ist, [...] haben [die Männer] Respekt vor ihr und ihrem Glauben" (Zaimoğlu,

71).

Das Kopftuch ist Ausdruck von Ehre oder dem Respekt in der türkischen Gesellschaft.

Etwas, das normalerweise mit Männern und Gewalt verbunden wird. Hatices Idee, dass das

Kopftuch wichtig für die Ehre der Frauen ist, stellt das Konzept von „Ehre“ und wie das

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Kopftuch gesehen wird, in ein neue Licht. Im Altertum wurde eine Sklavin nicht als Teil der

moslemischen Gesellschaft gesehen, da Muslime nur Nicht-Muslime versklaven durften und

diesen vermutlich deswegen das Tragen des Kopftuchs nicht erlaubt war. Heutzutage wird diese

Rolle von Menschen niedrigen Ranges der Gesellschaft erfüllt, wie zum Beispiel von

Prostituierten. Das Tragen eines Kopftuches zeigt also nicht nur den Charakter einer Frau,

sondern auch ihre Moralität. Aus diesem Grund versuchte Hatice ihren unbedeckte Freundinnen

zu erzählen, warum sie eines tragen sollten. Im ihrem Protokoll betonte Hatice, dass der Islam

die „friedlichste Religion“ und „die toleranteste Religion“ sei (Zaimoğlu, 70). Im Vergleich

dazu scheint dieser Ratschlag ein bisschen heuchlerisch zu sein. Er ist aber für die türkische

Gesellschaft sehr praktisch.

Das Bild des Kopftuchs als ein Symbol der Unterdrückung der Frauen ist im Westen sehr

bekannt, wobei Hatice diese Erfahrung wohl auch in ihrem Leben gemacht haben wird.

Deswegen möchte sie erklären, wieso sie ein Kopftuch trägt und dass sie Freundinnen hat, die

sich entschieden haben, das Kopftuch nicht zu tragen. Etwas, das dem vorherigen Bild von

Frauen, die Kopftücher tragen müssen, widerspricht.

Parallelgesellschaften

Türken in Deutschland (und Österreich) leben in einer Parallelgesellschaft, was der

Leitgedanke für viele Diskussionen über Integration ist. Viele Deutsche und Österreicher

meinen, dass Türken nichts mit ihnen zu tun haben wollen und sie fast kein Deutsch können.

„Was tun wir Türken für Deutschland?'" fragte Frau Kelek 25 Kopftuch tragenden Frauen. Ihre

Antwort: „Was soll das denn heißen? Ich habe dreißig Jahre lang hier gearbeitet, das dürfte doch

wohl reichen!“ (Braut, 26-27)

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Hatice hat ein anderes Bild von den Deutschen. Obwohl sie auf die Uni geht, hat Hatice

keine deutschen Freunde. Sie unterhalten sich miteinander nur über Sachen, die mit der Uni zu

tun haben. „Ich habe nichts gegen sie, aber die Kulturen sind einfach zu unterschiedlich. Wir

können nicht so sein wie sie. Vieles, was ihre Kultur enthält, ist in unserer Religion verboten"

(Zaimoğlu, 71). Hatice gelingt es nicht, irgendwelche Gemeinsamkeiten zwischen den

Deutschen und den Türken zu finden, wobei dies wohl auf die großen kulturellen Unterschiede

zwischen diesen zwei Völkern zurückzuführen ist. Sie gibt den Deutschen die Schuld an der

Parallelgesellschaft, da die Deutschen regelmäßig versuchen würden, die türkische Kultur zu

unterdrücken.

Wegen solcher Erfahrungen behauptet Hatice Folgendes: „[L]eider werden vor allem

Moslems in Deutschland stark diskriminiert. Noch immer gibt es Schwierigkeiten, eine

Genehmigung für islamische Schlachthöfe zu bekommen, wohingegen dasselbe für Juden [eine

kleinere Gruppe als die Türken] überhaupt kein Problem darstellt“ (Zaimoğlu 69). Zum Beispiel

wollen im Jahre 2007 „die islamische[n] Organisationen in Köln eine Großmoschee bauen [...]“

(Kelek, Minarett), worüber ein großer Streit ausbrach.

„In a survey of Muslims in 14 EU Member states, the Agency for Fundamental Rights

said one in three Muslims had faced discrimination, and 11 percent of those questioned said they

had experienced a racially motivated crime"2 (Giles). Bei solchen Vorfällen, z.B. bei

Rechtsextremismus, kann es zu Ausschreitungen gegen Muslime kommen; „[e]iner Studentin

wurde auf dem Heimweg in Wien das Kopftuch heruntergerissen, ihr Schädel mit einer

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„In einem Umfrage unter Muslimen in 14 EU-Mitgliedsländern, stellt die Agentur für der Europäischen

Union Grundrechte fest, dass einer von drei Muslimen haben Diskriminierung angesehen, und elf Prozent der

Befragten sagten dass sie eine rassistisch motivierte Untat erfahren haben.“ (vom Autor ins Deutsche übersetzt)

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Flüssigkeit übergossen. Eine weitere Kopftuchträgerin wurde auf einem Bahnsteig der

Schnellbahn bespuckt," sagt Carla Baghajati, Sprecherin der Islamischen

Glaubensgemeinschaft. (Brickner)

Abschluss

Im ganzen Aufsatz wurden die Reaktionen Hatices im Bezug auf verschiedene deutsche

Auffassungen über Türken in Deutschland betrachtet, um über Aspekte ihres Charakters und die

Art und Weise, wie sie ihre Umgebung sieht, zu lernen. Hatice ist immer noch in der türkisches

Welt beheimatet und kann sich mit der deutschen Gesellschaft nicht identifizieren. Durch ihre

Worte und Beispiele wird offensichtlich, dass sie ganz und gar nicht den Stereotypen der

Deutschen über die Türken entspricht: sie ist gut ausgebildet, spricht prefektes Deutsch und

spielt nicht die traditionelle Rolle einer türkischen Tochter. Hatice zeigt anhand von Beispielen,

wie die Deutschen sie und andere Türken behindern, z.B. in Bezug auf ihre Schwierigkeiten im

Kindergarten wegen ihrer mangelnden Deutschkenntnisse oder die Probleme, die eine Freundin

an der Uni wegen ihres Kopftuchs hatte. Aus dem Protokoll wird das Bild einer jungen,

religiösen Frau ersichtlich, die ihre Disziplin, die sie in ihrer Religion gefunden hat, dazu

benutzt, um die Herausforderungen in ihrem Leben zu meistern.

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Quellenhinweise

Brickner, Irene: Österreich als Land der Kopftuchträgerinnen. Der Standard. URL:

http://derstandard.at/ (22. July 2009)

Dickinson, Kristin; Ellis, Robin; Layne, Priscilla D: Translating Communities:

Rethinking the Collective in Feridun Zaimoğlu’s Koppstoff. TRANSIT. URL:

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Kelek, Necla: Das Minarett ist ein Herrschaftssymbol. Frankfurter Algemein. URL:

http://www.faz.net/s/RubC4DEC11C008142959199A04A6FD8EC44/Doc~EC00525E16AE046

46B64CE296DA7CE08C~ATpl~Ecommon~Scontent.html (22. Juli 2009)

--: Die fremde Braut. Goldmann Verlag. München. 2006

---: Die verlorenen Söhne. Goldmann Verlag. München. 2007

Rauscher, Hans: Schulkinder, die nicht Deutsch können. Der Standard. URL:

http://derstandard.at/ (14. Juni 2009).

Wikipedia: Kreolsprachen. Wikipedia. URL: http://de.wikipedia.org/wiki/Kreolsprachen (26.

Okt 2009).

Zaimoğlu, Ferdinun: Koppstoff: Kanake Sprak vom Rande der Gesellschaft. Rotbuch

Verlag. Hamburg 32000. Auflag 3

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