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SELBSTBESTIMMUNG STATT VORURTEILE

DISKRIMINIERUNG VON MUSLIMINNEN UND MUSLIMEN IN EUROPA – ZUSAMMENFASSUNG

SELBSTBESTIMMUNG STATT VORURTEILE DISKRIMINIERUNG VON MUSLIMINNEN UND MUSLIMEN IN EUROPA – ZUSAMMENFASSUNG
SELBSTBESTIMMUNG STATT VORURTEILE DISKRIMINIERUNG VON MUSLIMINNEN UND MUSLIMEN IN EUROPA – ZUSAMMENFASSUNG

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SELBSTBESTIMMUNG STATT VORURTEILE – ZUSAMMENFASSUNG

Diskriminierung von Musliminnen und Muslimen in Europa

«Kürzlich … wurde ich von einem Mann angeschrien. Er sagte, dass ich mein Kopftuch ablegen müsse. Ich bin in der Schweiz aufgewachsen und betrachte sie als meine Heimat. Ich verstehe nicht, wieso andere Bürger glauben, sie hätten das Recht, mich so zu behandeln.»

P., die in der Schweiz lebt

Muslime und Musliminnen in Europa bilden keine homogene Gruppe. In einigen Ländern gibt es seit Jahrhunderten musli- mische Bevölkerungsgruppen, so zum Bei- spiel in Russland, Mazedonien oder Bos- nien-Herzegowina. In anderen Ländern haben sie vor allem einen Migrationshinter- grund. In Frankreich, Belgien und den Nie- derlanden wurden viele Musliminnen und Muslime eingebürgert, während in der Schweiz die meisten ausländische Staats- angehörige sind.

Muslime und Musliminnen mit Migrations- hintergrund haben eine unterschiedliche ethnische Herkunft. So stammen beispiels- weise die grössten muslimischen Gruppen in Frankreich aus Algerien, Marokko, Tune- sien und Afrika südlich der Sahara, während in Belgien und in Holland die meisten musli- mischen MigrantInnen marokkanische oder türkische Wurzeln haben. In Grossbritannien ist dagegen nur ein kleiner Prozentsatz der islamischen Diaspora nordafrikanischer Her- kunft; die meisten kommen ursprünglich aus Bangladesh, Pakistan oder Indien.

Auch die religiösen Riten und Gebräuche der muslimischen Gemeinschaft in Europa sind unterschiedlich. Einige Gebräuche, die als religiös wahrgenommen werden könnten, sind eher Ausdruck kultureller oder traditioneller Gewohnheiten von Musli- mInnen, die sie befolgen. In einer Schwei- zer Studie* gab beispielsweise die Hälfte der MuslimInnen, die sich als nicht religiös bezeichnen, an, islamische Essvorschriften zu befolgen, während ein Viertel der sich als sehr religiös bezeichnenden MuslimIn- nen das nicht tat.

In den vergangenen zehn Jahren haben ei- nige politische Parteien in Europa muslimi- sche Gemeinschaften und ihre religiösen und kulturellen Gebräuche in ein schlech- tes Licht gerückt. Die Möglichkeit zur Kritik an kulturellen und religiösen Riten und Ge- bräuchen ist in einer demokratischen Ge- sellschaft zwar wichtig und Ausdruck des Rechts auf freie Meinungsäusserung. Ebenso wichtig ist aber die Anerkennung der Menschenrechte jener, die einer be- stimmten Religion angehören.

Diese Zusammenfassung des Berichts «Choice and Prejudice: Discrimination against Muslims in Europe» gibt einen Überblick darüber, wie Muslime und Musli- minnen in Europa aufgrund ihrer Religion oder ihres Glaubens von Diskriminierung betroffen sein können. Recherchen wurden insbesondere in Belgien, Frankreich, Hol- land, Spanien und der Schweiz durchge- führt. Die Beispiele aus diesen Ländern sollen aufzeigen, wie Muslime und Musli- minnen in Europa von dieser Form der Diskriminierung betroffen sein können.

Klischeevorstellungen über kulturelle und religiöse Gebräuche von MuslimInnen führ- ten zur Diskriminierung von Menschen am Arbeitsplatz und in der Ausbildung, wenn sie bestimmte, mit dem Islam in Verbin- dung gebrachte Kleidungsstücke oder Sym- bole trugen.

* Marco Giugni, Matteo Gianni und Noémi Michel:

Entre demandes de reconnaissance et politique d’accomodation: les orientations culturelles, sociales et politiques des musulmans en Suisse. Rapport final. Dezember 2010.

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© Marcokalmann (CC BY-NC-ND 2.0)

Oben: PassantInnen auf einer Brücke in Genf, Schweiz, August 2007. Unten: Laura Rodríguez Quiroga, Präsidentin des Verbandes muslimischer Frauen in Spanien,

2011.

Cover: Muslime beten im Freien in Badalona, Katalonien, Spanien, Februar 2012. Muslime müssen regelmässig im Freien beten, weil die bestehenden Gebetsräume zu klein sind.

DAS TRAGEN SPEZIELLER KLEIDUNGSSTÜCKE

Das Tragen – und Nichttragen – von reli- giösen und kulturellen Symbolen und Klei- dungsstücken ist Teil des Rechts auf freie Meinungsäusserung und des Rechts auf Reli- gions- oder Glaubensfreiheit. Religionsfreiheit beinhaltet sowohl eine positive als auch eine negative Komponente. Die positive Kompo- nente ist beispielsweise das Recht, seine Re- ligion oder seinen Glauben durch das Tragen von bestimmten Kleidungsstücken oder Sym- bolen zu bekunden. Die negative Komponente ist das Recht, nicht zum Tragen von bestimm- ten Symbolen oder Kleidern gezwungen zu werden. Jeder Mensch sollte frei darüber ent-

scheiden können, ob er bestimmte Symbole und Kleider aufgrund seiner religiösen Über- zeugung, wegen kultureller Bräuche oder aus einem anderen Grund tragen will oder nicht. Verbote für das Tragen von bestimmten kultu- rellen Symbolen oder Kleidern in der Öffent- lichkeit können das Recht auf Meinungsfrei- heit und das Recht auf Religions- oder Glaubensfreiheit verletzen, insbesondere wenn solche Einschränkungen keinen berech- tigten Zweck haben und damit weder verhält- nismässig noch notwendig sind. Die Berechti- gung solcher Einschränkungen sollte – wie jede andere Einschränkung des Rechts auf freie Meinungsäusserung oder des Rechts auf Religions- und Glaubensfreiheit – von Fall zu Fall beurteilt werden.

© Amnesty International
© Amnesty International

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© Reuters/Jacky Naegelen

Diskriminierung von Musliminnen und Muslimen in Europa

Angestellte von BKM, einem Fast-Food-Restau- rant in Clichy-sous-Bois, Paris, Frankreich, August 2005.

R.’S GESCHICHTE, ANTWERPEN, BELGIEN

Nach einer Ausbildung im Tourismusbereich suchte R. eine Praktikumsstelle in einer Rei- seagentur. Sie erhielt gewöhnlich ein positi- ves Feedback am Telefon, aber beim direkten Gespräch mit den Geschäftsführern wurde sie regelmässig gefragt, ob sie bereit sei, ihr Kopftuch abzulegen (das manchmal fälsch- licherweise als Hijab bezeichnet wurde). Ihr wurde gesagt: «Wir können Sie nicht für Po- sitionen mit direktem Kundenkontakt ein- stellen; wir möchten unsere Kundschaft nicht verlieren.» Manchmal wurde ihr auch gesagt, dass Kolleginnen und Kollegen sich in Gegenwart von Frauen mit Kopftüchern nicht wohl fühlten. R. kontaktierte über 40 Reiseagenturen. Oft wurde ihr offen er- klärt, dass Kopftücher nicht geduldet wür- den. Die staatliche Beschäftigungsagentur Flanderns (VDAB) riet R., sich für adminis- trative Stellen zu bewerben, bei denen kein direkter Kundenkontakt erforderlich sei.

DISKRIMINIERUNG AM ARBEITSPLATZ

In vielen europäischen Ländern ist die Be- schäftigungsrate von MuslimInnen tiefer als jene der NichtmuslimInnen. Bei Frauen ist der Unterschied besonders ausgeprägt. 2006 betrug die Beschäftigungsrate von Frauen türkischer und marokkanischer Her- kunft in Holland beispielsweise 31 bzw. 27 Prozent, während die Rate der Holländerin- nen, die keiner ethnischen Minderheit an- gehörten, bei 56 Prozent lag.

Dieses Phänomen ist auf viele verschiedene Faktoren wie geringere Schulbildung und mangelnde Sprachkenntnisse zurückzufüh- ren, aber Diskriminierung spielt dabei auch eine Rolle. In Ländern wie Belgien, Frank- reich, Holland und der Schweiz werden Muslime und insbesondere Musliminnen in der Arbeitswelt diskriminiert, weil sie eine bestimmte Art von Kleidung oder ein Sym- bol tragen, das ihre Religion oder ihren Glauben zum Ausdruck bringt.

Ein Verbot zum Tragen religiöser oder kultu- reller Symbole oder Kleidung ist nicht diskri- minierend, wenn es dafür einen objektiven und angemessenen Grund gibt, beispiels-

weise öffentliche Gesundheit oder Sicherheit. Aber es sollte in einem vernünftigen Verhält- nis zum damit verfolgten Ziel stehen. Der Uno-Menschenrechtsausschuss musste sich zum Beispiel mit einer Beschwerde befassen, wonach die Arbeitssicherheitsvorschrift, einen Helm zu tragen, indirekt Sikhs diskriminiere, weil diese gemäss religiösem Brauch zum Tragen eines Turbans verpflichtet seien. Er kam zum Schluss, dass der Schutz der Arbei- tersicherheit ein objektiver und verhältnismäs- siger Grund sei und folglich der Grundsatz der Nichtdiskriminierung nicht verletzt werde.

Die nationale Gesetzgebung in Ländern wie Belgien, Frankreich, Holland und Spanien verbietet religiöse Diskriminie- rung in der Arbeitswelt schon jetzt. Diese Gesetzgebung entspricht der EU-Be- schäftigungsrahmenrichtlinie, gemäss der eine Ungleichbehandlung aufgrund der Religion oder des Glaubens diskrimi- nierend ist, es sei denn, es besteht eine wesentliche und entscheidende berufli- che Anforderung, die das rechtfertigt. Solche Anforderungen sollten jedoch auf ein Minimum beschränkt sein und sich aus der Art der Stelle und der damit ver- bundenen Aufgaben ergeben.

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5 Amnesty International ist besorgt darüber, dass die Antidiskriminierungsgesetzgebung im Arbeitsbereich in Belgien,

Amnesty International ist besorgt darüber, dass die Antidiskriminierungsgesetzgebung im Arbeitsbereich in Belgien, Frankreich und Holland nicht angemessen umgesetzt worden ist. Insbesondere Frauen, die reli- giöse und kulturelle Symbole und Klei- dungsstücke tragen, wurde eine Anstellung verwehrt, weil ihr Erscheinungsbild «Kun- den und Kundinnen missfallen könnte», «einem spezifischen Firmenimage nicht entspricht» oder «den Grundsatz der Neu- tralität missachtet». Gemäss der EU-Be- schäftigungsrahmenrichtlinie gelten diese Begründungen nicht als entscheidende be- rufliche Anforderungen: Sie sind zu allge- mein gehalten und lassen sich auf alle Arten von Positionen anwenden.

In der Schweiz stellt sich ein anderes Problem: Eine lückenhafte Antidiskrimi- nierungsgesetzgebung, keine richtige Definition von direkter und indirekter Dis- kriminierung und das Fehlen von effizienten Präventionsmechanismen bedeuten, dass Opfer von Diskriminierung nur eine sehr geringe Chance auf Rechtshilfe haben.

AMELS GESCHICHTE, PARIS, FRANKREICH

Amel ist Sozialarbeiterin mit mehrjähriger Erfahrung. Vor zwei Jahren beschloss sie, ein Kopftuch zu tragen, und seither ist es für sie schwierig, Arbeit zu finden. Sie be- warb sich für mehrere Stellen in gemein- nützigen Organisationen. Bei den Bewer- bungsgesprächen wurden ihr immer wieder Fragen zu ihrer religiösen Praxis gestellt. Am Schluss des Bewerbungsver- fahrens bei einer Organisation zur Unter- stützung von Frauen, die Opfer von häus- licher Gewalt wurden, sagte man ihr offen, dass ihr berufliches Profil den An- forderungen entspreche, sie aber das Kopftuch ablegen müsse. Als sie eine Be- gründung verlangte, hiess es: «Wir müs- sen die Unabhängigkeit sicherstellen. Wie könnten Sie eine Muslimin, die Opfer von häuslicher Gewalt geworden ist, davon überzeugen, ihr Kopftuch abzulegen, um eine Stelle zu finden und finanziell unab- hängig zu werden?»

DIE ENTLASSUNG VON AHMED, SCHWEIZ

Ahmed ist Schweizer Bürger mit nordafrika- nischen Wurzeln. Er war 15 Jahre lang bei derselben Institution angestellt. «Ich bin ein Muslim, der seinen Glauben diskret lebt. Ich habe nie zusätzliche Freitage beantragt, um islamische Festtage zu feiern, und nie am Arbeitsplatz gebetet. Manchmal habe ich Einladungen von Kollegen und Kolleginnen an soziale Anlässe in Bars, in denen Alkohol ausgeschenkt wird, abgelehnt. Nach einer Weile stellte ich fest, dass sie misstrauisch wurden und sich von mir distanzierten. Als eine neue Kollegin zum Team stiess, wurde es noch schlimmer, weil sie offen antiara- bisch und antiislamisch eingestellt war.» Als Ahmed sich einen Bart wachsen liess, machten die KollegInnen feindselige Bemer- kungen wie «Du bist unheimlich» und «Du siehst aus wie Bin Laden».

2010 wurde er ohne Angabe von Gründen entlassen. Der Direktor bot ihm jedoch an, ihm bei Bedarf Referenzen für eine neue Ar- beitsstelle zu geben. Einige Monate später erhielt Ahmed ein Schreiben, das ihm ein gutes Verhältnis mit seinen KollegInnen at- testierte. Ein Jahr vor seiner Entlassung hatte er eine Lohnerhöhung bekommen und einige Monate davor einen Bonus. Ahmed sagt, seine Entlassung sei von seinen Kolle- gInnen und dem Direktor aufgrund seiner Religion und seiner Herkunft orchestriert worden.

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© REUTERS/Rafael Marchante

Diskriminierung von Musliminnen und Muslimen in Europa

Muslimische StudentInnen während der Pause, Melilla, spanische Enklave in Nordafrika,

2008.

DISKRIMINIERUNG IM BILDUNGSWESEN

In vielen europäischen Staaten wie Spanien, Frankreich, Belgien, der Schweiz, Holland und der Türkei wurde im letzten Jahrzehnt Kindern verboten, in der Schule ein Kopf- tuch oder andere religiöse oder traditionelle Kleidung zu tragen, wobei die Regelungen je nach Land unterschiedlich sind: In Frankreich ist das Tragen von auffallenden religiösen Symbolen an jeder öffentlichen Schule untersagt, während in Holland und Spanien an einzelnen Schulen Einschrän- kungen auferlegt werden können.

Grundsätzlich sollten Kinder das Recht haben, in der Schule religiöse Symbole zu tragen. Über jede Einschränkung muss von Fall zu Fall entschieden werden. Einschrän- kungen sollten nur in speziellen Fällen erfol- gen, zum Beispiel wenn die öffentliche Si- cherheit, Anweisungen, Gesundheit oder Sitten bzw. Grundrechte und -freiheiten anderer tangiert sind. Zudem müssen sie verhältnismässig und notwendig sein.

Der Staat ist verpflichtet zu begründen, warum er die Religions- oder Glaubensfrei- heit einschränkt. Ein Verbot des Tragens von religiösen Symbolen, das auf Spekula-

tion und Vermutungen statt auf nachweis- baren Fakten beruht, gilt als Verletzung der individuellen Religionsfreiheit.

In Bezug auf die Religions- und Glaubens- freiheit von Kindern hält die Uno-Kinder- rechtskonvention fest, dass das Interesse des Kindes bei allen Massnahmen, die Kin- der betreffen, oberste Priorität haben soll. Damit dieser Grundsatz sicher respektiert wird, sollten Beschränkungen bezüglich re- ligiöser und kultureller Symbole und Klei- dung nur nach eingehender Rücksprache mit Eltern und Kindern eingeführt werden. Alternative Massnahmen, mit denen das- selbe Ziel erreicht werden könnte, sollen ebenfalls berücksichtigt werden.

In Flandern, Belgien, wurde im September 2009 an öffentlichen Schulen ein allgemei- nes Verbot von religiösen, politischen und philosophischen Symbolen eingeführt. Einige vom Verbot betroffene Schülerinnen und Schüler brachten ihren Fall vor den Staatsrat, dessen Urteil im Februar 2012 noch hängig war. In Frankreich gilt an öffentlichen Schulen seit 2004 ein allgemei- nes Verbot von auffälligen religiösen Symbo- len. Diese Verbote diskriminieren muslimi- sche Schülerinnen und Schüler bei der

Ausübung der Meinungsäusserungs- sowie der Religions- und Glaubensfreiheit.

Diese allgemeinen Verbote wurden als Folge von kontroversen Diskussionen ein- geführt, die von Kopftuch tragenden musli- mischen Mädchen ausgelöst worden waren. In Frankreich zeigte eine Untersu- chung über die Durchführbarkeit aus dem Jahr 2005, dass sich das Verbot unverhält- nismässig auf muslimische Schülerinnen und Schüler auswirkte, wobei auch Turban tragende Sikhs davon betroffen waren. In Flandern gibt es keine Berichte über mög- liche Auswirkungen eines solchen Verbots auf Schülerinnen und Schüler von religiö- sen Minderheiten.

Die Verbote wurden damit gerechtfertigt, dass bei Mädchen, die das Kopftuch nicht tragen wollen, elterlicher Nötigung oder se- xistischer Schikane entgegengewirkt werden muss. Auch wenn es in manchen Fällen elterliche Nötigung gab, ist nicht klar, inwie- weit mit dieser Massnahme angemessen dagegen vorgegangen werden kann, wenn ausserhalb der Schule nichts gegen den auf Kinder ausgeübten Druck unternommen wird. Auf jeden Fall verletzt ein solches all- gemeines Verbot die Rechte jener Schülerin-

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7 nen und Schüler, die von sich aus religiöse Kleidung tragen möchten. Beschränkungen bezüglich des Tragens

nen und Schüler, die von sich aus religiöse Kleidung tragen möchten. Beschränkungen bezüglich des Tragens von religiösen und kulturellen Symbolen und Kleidern an ein- zelnen Schulen können gerechtfertigt sein, um sexistischen Schikanen bei Mädchen, die das Kopftuch nicht tragen, entgegenzu- wirken, sofern das Phänomen dort tatsäch- lich auftritt. Ein allgemeines Verbot ist dage- gen kaum verhältnismässig, insbesondere wenn es dazu führt, dass Mädchen die Schule abbrechen müssen.

Die französischen Behörden argumentie- ren auch damit, dass die Säkularisierung im Bildungswesen gestärkt werden muss. Amnesty International stellt sich auf den Standpunkt, dass es im Rahmen der Men- schenrechtsgesetzgebung nicht gerechtfer- tigt ist, wegen der Säkularisierung die Mei- nungsäusserungs- sowie die Religions- und Glaubensfreiheit einzuschränken.

Einzelne Schulen in Spanien und Holland haben das Tragen von religiösen und kultu- rellen Symbolen und Kleidern einge- schränkt. In einzelnen Fällen gab es Zwei- fel, ob die Einschränkungen notwendig und verhältnismässig seien und ob damit die In- teressen der Kinder gewahrt würden.

In Spanien wurde beispielsweise eine 16-jährige muslimische Schülerin wegen des Tragens eines Kopftuches vom regulä- ren Unterricht an einer öffentlichen Mittel- schule in Pozuelo de Alarcon in Madrid ausgeschlossen. In Holland verbot eine ka- tholische Schule in Volendam das Tragen des Kopftuches, was zum Ausschluss einer muslimischen Schülerin vom regulären Un- terricht führte. Die Schule argumentierte, dass mit dem Verbot das katholische Ethos gewahrt werden solle. Amnesty International ist überzeugt davon, dass ein Verbot dafür weder notwendig noch verhältnismässig ist. In beiden Fällen hatten die Schülerinnen keine andere Wahl, als an Schulen zu wechseln, an denen sie das Kopftuch tra- gen durften.

Unter Umständen können einzelne Ein- schränkungen bei Kindern je nach Alter und Reife, sozialem und pädagogischem Umfeld, erforderlichem Schutz vor Druck und Nötigung inner- und ausserhalb der Schule und verfügbaren Alternativen für die Weiterführung des Bildungswegs gerecht- fertigt sein. Derartige Beschränkungen las- sen sich aber bei erwachsenen Schülerin- nen und Schülern kaum rechtfertigen.

VERBOTE FÜR DAS TRAGEN VON RELIGIÖSEN SYMBOLEN BEI ERWACHSENEN STUDIERENDEN UND ELTERN

Die Francisco Ferrer High School ist eine städtisch geführte Mittelschule in Brüssel, Belgien. Ein internes Reglement untersagt den Schülerinnen und Schülern das Tragen von Symbolen oder Kleidern, die religiöse, politische oder philosophische Haltungen zum Ausdruck bringen. A. berichtete Am- nesty International von ihrer Erfahrung mit der strikten Auslegung dieses Reglements:

«Ich wusste, dass Schülerinnen und Schüler keine religiösen Symbole tragen dürfen. Ich begleitete einmal eine dort eingeschulte Freundin, die ihre Prüfungsergebnisse einse- hen wollte, dorthin. Obwohl ich klarstellte, dass ich keine Schülerin bin, wurde ich von Mitarbeitenden aufgefordert, das Schulge- lände zu verlassen, da ich ein Kopftuch trug, was gegen die Schulvorschriften verstiess.»

Im Juni 2011 wurde die in Frankreich le- bende F. von der Lehrerin ihres Kindes ge- fragt, ob sie ihr Kopftuch für den auf Ende Monat angesetzten Schulausflug abnehmen würde. Als F. verneinte, liess die Lehrerin sie wissen, dass sie nicht am Ausflug teilneh- men könne. F. kontaktierte eine Antirassis- musorganisation, die sich an den Schuldi- rektor wandte. Am nächsten Tag teilte die Lehrerin F. jedoch mit, dass sie nicht am Schulausflug teilnehmen könne, weil es keine freien Plätze mehr gebe. Dann fragte die Lehrerin F., warum sie ein Kopftuch trage, und äusserte die Meinung, dass das Kopftuch ein Zeichen der Ungleichheit zwi- schen den Geschlechtern sei.

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Diskriminierung von Musliminnen und Muslimen in Europa

Rechts: Transparent gegen einen muslimischen Gebetsraum im Keller des Gebäudes, Katalo- nien, Spanien, 2011. Rechte Seite: Abstimmungsplakat der Schwei- zerischen Volkspartei (SVP), 2010. In der Volksabstimmung wurde das Verbot, neue Mi- narette zu bauen, angenommen. Die SVP argu- mentierte, dass das Verbot von Minaretten – bis jetzt gibt es davon in der Schweiz deren vier – nötig sei, um die «Islamisierung des Landes zu stoppen». Rechts unten: Industriegebiet in Lleida, Katalo- nien, Spanien, 2011. Die lokalen Behörden stellten einen Teil dieses Areals für den Bau einer Moschee zur Verfügung. Die muslimische Organisation Al-Umma plant deren Bau 2012.

EINSCHRÄNKUNGEN FÜR MUSLIMISCHE KULTSTÄTTEN

Das Recht, Kultstätten zu errichten, ist Teil des Rechts auf Religionsfreiheit. Es gibt politische Parteien, die eine voreingenom- mene und klischeebehaftete Ansicht über Moscheen propagieren. Diese Ansichten wurden von Teilen der öffentlichen Meinung weiterverbreitet, so wurde beispielsweise gegen die Eröffnung von neuen muslimi- schen Gebetsräumen protestiert.

In der Schweiz ist derzeit als Ergebnis der Volksabstimmung vom 29. November 2009 ein Verbot für den Bau von Minaretten in der Verfassung verankert. 57,5 Prozent der Stimmberechtigten sagten Ja zum Verbot. Zur Abstimmung geführt hat eine Volksini- tiative, die von der Schweizerischen Volks- partei und der Eidgenössisch-Demokrati- schen Union lanciert worden war.

Gemäss der Koordination Islamischer Orga- nisationen Schweiz gibt es etwa 300 musli- mische Vereinigungen und 200 islamische Zentren im Land. Die meisten davon sind in kleinen, an muslimische Organisationen vermieteten Räumlichkeiten untergebracht. Es gibt im ganzen Land zwei eigens erbaute

© Jordi Moreras
© Jordi Moreras

Moscheen (in Genf und Zürich) und vier Mi- narette (Genf, Zürich, Winterthur und Wan- gen bei Olten). Dennoch argumentierten die Initianten, dass das Verbot nötig sei, um die «Islamisierung des Landes zu stoppen».

Die Schweizer Regierung räumte vor der Volksabstimmung ein, dass das Verbot für den Bau von Minaretten das Diskriminie- rungsverbot in der Menschenrechtsgesetz- gebung verletzen könnte. Das Schweizer Parlament empfahl Volk und Ständen, das Verbot abzulehnen, konnte die Volksinitia- tive aber nicht für ungültig erklären. Das wäre nur möglich gewesen, wenn die Initia- tive zwingendes internationales Völkerrecht (Gewohnheitsrecht) verletzt hätte, was nicht der Fall war. Seit Anfang 2012 ist eine De- batte über eine Reform des Systems der Volksinitiative im Gange.

In Katalonien, Spanien, gibt es einen nachweislichen Mangel an Kultstätten für Muslime und keine speziell errichteten Moscheen. Im März 2010 gab es ca. 195 muslimische Kultstätten in Katalonien, von denen die meisten kleine, bescheidene Ge- betsräume sind. Oft befinden sie sich im Erdgeschoss ehemaliger Geschäftsräume,

die an muslimische Vereinigungen vermie- tet werden.

In Städten wie Barcelona, Badalona, Lleida und anderswo in Katalonien müssen Mus- lime im Freien beten, weil die bestehenden Gebetsräume zu klein sind, um alle Gläubi- gen aufzunehmen. Einige politische Par- teien erklärten, Gesuche muslimischer Organisationen für die Eröffnung neuer Moscheen seien unvereinbar mit der Ach- tung vor katalanischer Tradition und Kultur.

In Katalonien kam es zwischen 1990 und 2008 zu mindestens 40 Auseinanderset- zungen zwischen muslimischen Vereinigun- gen, Nachbarn und Gemeindebehörden wegen der Errichtung von muslimischen Kultstätten. In einigen Fällen unterstützten politische Parteien wie die «Plattform für Katalonien» (PxC), die eine islamfeindliche Haltung vertreten, solche Proteste. Als Folge davon verweigerten einzelne Gemein- den die Bewilligung für die Errichtung neuer muslimischer Gebetsräume.

Staaten sollten sicherstellen, dass Religions- gemeinschaften die Möglichkeit erhalten, Kultstätten zu errichten. Falls dies nicht so-

© rytc (CC BY-NC-ND 2.0)
© rytc (CC BY-NC-ND 2.0)
© Amnesty International
© Amnesty International

fort möglich ist, sollten sie Strategien zur Vermeidung von Auseinandersetzungen und Spannungen zwischen Religionsge- meinschaften und anderen Gruppen der Gesellschaft ausarbeiten. Wenn Behörden städtebauliche Pläne aus- oder überarbei- ten, sollten sie Rücksprache mit Religions- gemeinschaften und anderen örtlichen Gruppen nehmen, um deren Bedürfnisse abzuklären. Behörden sollten bei der Pla- nung Orte vorsehen, die bei Bedarf für den Bau von neuen Kultstätten verwendet wer- den können – genau so, wie sie auch Orte

für andere Einrichtungen vorsehen, die von der Bevölkerung benötigt werden.

Behörden dürfen an Kultstätten den An- spruch stellen, dass sie den technischen Bestimmungen zur Gewährleistung der öf- fentlichen Sicherheit entsprechen, sofern diese verhältnismässig und notwendig sind. Erfüllt eine beantragte muslimische Kult- stätte alle Anforderungen, sollten die Behör- den die Bewilligung nicht bloss deshalb ver- weigern, weil einige Ortsansässige keine Moschee in der Nachbarschaft wollen.

SANTS, BARCELONA, SPANIEN

Es gibt 17 kleine muslimische Gebetsräume in verschiedenen Vierteln der Stadt. In den Vierteln St. Marti, Raval und Sants sind die muslimischen Gebetsräume ständig über- füllt. Das Amt für religiöse Angelegenheiten der Stadt berichtete Amnesty International, dass die verbreiteten Proteste gegen die Er- richtung oder Vergrösserung von muslimi- schen Kultstätten oft auf Vorurteilen und Klischees beruhen.

Der Gebetsraum in Sants ist einer der ältes- ten in Barcelona. Am Freitag kommen 600 bis 1000 Gläubige in diesem etwa 70 bis 75 m 2 grossen Raum zusammen. Folglich beten viele Gläubige im Freien, auf der Strasse, die an der Moschee vorbeiführt. Das islamische Kulturzentrum von Sants, das den Raum mietet, berichtete Amnesty Inter- national, dass Gespräche mit der Stadtver- waltung geführt wurden, um einen grösseren Raum zu bekommen. Es wurde jedoch keine Lösung gefunden.

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© Amnesty International (Photo: Ana Quelhas)
© Amnesty International (Photo: Ana Quelhas)

GESETZGEBUNG FÜR DAS VERBOT DER VOLLVERSCHLEIERUNG

In den letzten Jahren wurde in mehreren europäischen Ländern wie Österreich, Bel- gien, Bosnien-Herzegowina, Dänemark, Frankreich, Italien, Holland, Spanien, Schweiz und Grossbritannien über die Mög- lichkeit debattiert, die Vollverschleierung zu verbieten. In Frankreich und Belgien wur- den allgemeine Verbote eingeführt, die mit wenigen Ausnahmen für den gesamten öf- fentlichen Raum gelten. In Holland legte die Regierung dem Parlament im Februar 2012 einen Gesetzesentwurf vor, der ein ähnli- ches Verbot vorsieht.

Einige wenige klar definierte Einschränkun- gen der Vollverschleierung sind gerechtfer- tigt: zum Beispiel, wenn das Gesicht an sicherheitsrelevanten Orten oder für Identi- tätskontrollen sichtbar sein muss. In Län- dern wie Belgien, Frankreich, Holland und Spanien sieht die nationale Gesetzgebung bereits vor, dass Identitätskontrollen vorge- nommen werden dürfen, wenn begründeter Anlass zur Vermutung besteht, dass eine Einzelperson eine Bedrohung für die öffentli- che Sicherheit darstellen könnte. Besteht aber kein nachweisbarer Zusammenhang

zwischen Bedrohungen für die öffentliche Sicherheit und dem Tragen eines Vollschlei- ers, verletzt ein Verbot das Recht auf Mei- nungsäusserungs- sowie Religions- und Glaubensfreiheit.

Ein allgemeines Verbot der Vollverschleie- rung sei notwendig, um die Gleichstellung der Geschlechter zu gewährleisten und Frauen davor zu schützen, zum Tragen des Vollschleiers gezwungen zu werden, wird ar- gumentiert. Staaten sind verpflichtet, die Gleichstellung der Geschlechter durchzu- setzen und dafür zu sorgen, dass alle Mit- glieder der Gesellschaft ihr Recht auf freie Meinungsäusserung sowie andere Men- schenrechte wie Recht auf Arbeit, Bildung und Bewegungsfreiheit uneingeschränkt ausüben können. Staaten müssen folglich Massnahmen treffen, um Frauen vor Unter- drückung und dem Tragen des Vollschleiers gegen ihren Willen zu schützen. Wo Gewalt oder Gewaltandrohung eingesetzt wird, um Frauen zum Tragen von bestimmter Klei- dung zu zwingen, ist der Staat verpflichtet zu intervenieren. Staaten müssen gegen jede Form von Gewalt gegen Frauen vorge- hen, und zwar durch Einführung einer um- fassenden Gesetzgebung, indem sie Sensi-

Oben: Bild aus dem Fotowettbewerb im Rah- men der Kampagne «Fight Discrimination in Europe» von Amnesty International, 2011. Die belgische Gesetzgebung sieht ein Vermum- mungsverbot im öffentlichen Raum vor. Damit werden auch Gesichtsschleier muslimischer Frauen verboten.

bilisierungskampagnen lancieren, um Frauen über ihre Rechte zu informieren, und Mechanismen einführen, mit denen Opfer Wiedergutmachung fordern können.

Die Behörden, mit denen Amnesty Interna- tional in Belgien, Holland, Spanien und der Schweiz sprach, konnten keine Angaben zur Zahl der Frauen machen, die in ihrem Land, ihrer Region oder ihrer Stadt einen Vollschleier tragen. Es gibt auch keine Un- terlagen darüber, ob Vollschleier als Folge von Nötigung getragen werden.

Frauen von ethnischen und religiösen Minderheiten erfahren verschiedene Formen von Benachteiligung in Europa. Gegen alle diese Benachteiligungen sollte umfassend vorgegangen werden. Amnesty International ist besorgt darüber, dass sich

© 2011 – StampMedia – Liesbeth Merckx
© 2011 – StampMedia – Liesbeth Merckx
© Amnesty International (Photo: Maria Margarida Gaspar)
© Amnesty International (Photo: Maria Margarida Gaspar)

Oben: Demonstration in Genk, Belgien, März 2011. Etwa 300 flämische MuslimInnen protestierten dagegen, dass eine Angestellte von der HEMA-Warenhauskette entlassen wurde, weil sie ein Kopftuch trägt. Unten: Bild aus dem Fotowettbewerb im Rahmen der Kampagne «Fight Discrimination in Europe» von Amnesty International, 2011. StudentInnen der Escola Superior de Educação e Ciências So- ciais do Instituto Politécnico de Leiria, Portugal, 2011.

Staaten in den letzten Jahren derart auf das Tragen des Vollschleiers konzentriert haben. Dadurch könnte der Eindruck entstehen,

dass dies die meistverbreitete und schlimmste Form der Benachteiligung wäre, der Frauen in Europa ausgesetzt sind.

FAZIT

Amnesty International ist äusserst besorgt darüber, dass das Verbot der Diskriminie- rung nicht effizient umgesetzt wird. Mus- lime und Musliminnen werden in der Ar- beitswelt diskriminiert, und das sogar in Ländern, in denen religiöse Diskriminierung explizit verboten ist. Muslimische Frauen werden bloss deshalb nicht angestellt, weil ihr religiöser, kultureller oder traditioneller Hintergrund aufgrund ihrer Kleidung sicht- bar wird. An Schulen führen Einschränkun- gen beim Tragen von religiösen und kultu- rellen Symbolen und Kleidungsstücken dazu, dass muslimische Schülerinnen vom Unterricht ausgeschlossen werden. Man- cherorts begegnet man MuslimInnen kri- tisch und verwehrt ihnen die Eröffnung eines Gebetsraums nur deshalb, weil es Ortsansässigen missfällt.

Amnesty International ruft europäische Institutionen und Regierungen dazu auf, effiziente Gesetze, Strategien und andere Massnahmen zu erarbeiten und umzuset- zen und so möglichst rasch gegen die Diskriminierung von Muslimen vorzugehen.

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Diskriminierung von Musliminnen und Muslimen in Europa

EMPFEHLUNGEN

Um der Diskriminierung von MuslimInnen in der Arbeitswelt ein Ende zu setzen, emp- fiehlt Amnesty International, dass:

Regierungen sicherstellen, dass private

Arbeitgeber keine Verbote von religiösen und kulturellen Symbolen und Kleidungsstücken einführen, um lediglich ein Neutralitätskon- zept durchzusetzen, ein spezifisches Firmen-

image zu fördern oder ihren Kunden und Kundinnen zu gefallen;

die Europäische Kommission sicherstellt,

dass die Beschäftigungsrahmenrichtlinie konsequent unter der Berücksichtigung in- ternationaler Antidiskriminierungsnormen umgesetzt wird. Insbesondere sollte es eine strikte Auslegung der «entscheidenden be- ruflichen Anforderungen» geben;

die Europäische Kommission die Auswir-

kungen der Diskriminierung von Frauen aus ethnischen und religiösen Minderheiten in der Arbeitswelt überprüft und Vorschläge zur Bekämpfung der mehrfachen Diskriminie- rung ausarbeitet.

Um zu gewährleisten, dass Schülerinnen und Schüler sowie Studierende ihr Recht auf Meinungsäusserungs- und Religionsfreiheit diskriminierungsfrei ausüben können, emp- fiehlt Amnesty International, dass:

Regierungen allgemeine Verbote für das

Tragen von religiösen und kulturellen Sym- bolen und Kleidern an Schulen vermeiden;

Regierungen sicherstellen, dass jede

Schule, die eine Einschränkung bezüglich religiöser und kultureller Symbole und Klei- dungsstücke einführt, dies ausschliesslich

zu Zwecken tut, die mit internationaler Men- schenrechtsgesetzgebung vereinbar sind;

der EU-Rat den Entwurf für eine neue

Gleichbehandlungsrichtlinie verabschiedet, die in verschiedenen Bereichen, einschliess- lich Bildungswesen, für einen EU-weiten Schutz vor religiöser Diskriminierung sorgt.

Um Muslimen und Musliminnen das Recht auf angemessene Kultstätten zu gewährleis- ten, empfiehlt Amnesty International, dass:

Behörden bei der Aus- oder Überarbeitung

von städtebaulichen Plänen Rücksprache mit Religionsgemeinschaften und anderen örtlichen Gruppen nehmen, um deren Be- dürfnisse abzuklären, und dass sie Orte vor- sehen, die bei Bedarf für den Bau von neuen Kultstätten verwendet werden könnten;

Behörden die Bewilligung für die Errich-

tung einer neuen Kultstätte nicht bloss des- halb verweigern, weil das einigen Ortsansäs- sigen missfällt;

Behörden das Bewusstsein dafür wecken,

dass die Errichtung von Kultstätten ein Schlüsselelement der Religions- und Glau- bensfreiheit ist, und bestehende Vorurteile gegen Moscheen bekämpfen.

Bezüglich Vollverschleierung empfiehlt Amnesty International, dass:

Regierungen auf die Einführung allgemei-

ner Verbote verzichten und sicherstellen, dass allfällige Einschränkungen verhältnis- mässig und notwendig sind, um ein gemäss der Menschenrechtsgesetzgebung gerecht- fertigtes, anerkanntes Ziel zu erreichen.

© Elisa Angioletti/Indira Riadi
© Elisa Angioletti/Indira Riadi

Basketballerinnen am internationalen «Run the World Festival» in Katar, Dezember 2011.

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Für weitere Informa- tionen siehe: Choice and Prejudice: Discri- mination against Muslims in Europe (Index:

EUR 01/001/2012)

mination against Muslims in Europe (Index: EUR 01/001/2012) Amnesty International ist eine weltweite Bewegung mit über
Amnesty International ist eine weltweite Bewegung mit über 3 Millionen Mitgliedern in mehr als 150

Amnesty International ist eine weltweite Bewegung mit über 3 Millionen Mitgliedern in mehr als 150 Ländern, die sich gegen schwere Menschen- rechtsverletzungen einsetzen. Unsere Vision ist eine Welt, in der jede Person alle Menschenrechte geniesst, die in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte und anderen inter- nationalen Menschenrechtsnormen verankert sind. Wir arbeiten unabhängig von Regierungen, politischen Parteien, Ideologien, Wirtschaftsinteressen und Religionen – finanziert wird unsere Arbeit haupt- sächlich durch Mitglieder und SpenderInnen.

Index: EUR 01/002/2012 Deutsch April 2012 AMNESTY INTERNATIONAL Schweizer Sektion Postfach, 3001 Bern T: 031 307 22 22 F: 031 307 22 33 E: info@amnesty.ch PC 30-3417-8 IBAN CH52 0900 0000 3000 3417 8

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