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Helaba Volkswirtschaft/Research

Währungsfokus 21. September 2009

Autor: Australischer Dollar im neuen Höhenflug?


Christian Apelt, CFA
Tel.: 0 69/91 32-47 26
• Der australische Dollar hat die Verluste aus der globalen Finanzkrise bereits größtenteils
research@helaba.de
wettmachen können.
• Die günstigere konjunkturelle Entwicklung sowie die Erwartung einer Zinswende stützen
die Währung auch fundamental.
Redaktion:
• Während gegenüber dem Euro noch Kurspotenzial besteht, hat der Austral-Dollar gegen-
Claudia Windt über dem US-Dollar sein Potenzial ausgeschöpft.

Herausgeber: Es ist ein Land mit einem hohen Leistungsbilanzdefizit, einem deutlichen Haushaltsdefizit, einer
geringen Sparquote, einem eher überbewerteten Häusermarkt sowie merklich gesunkenen Leitzin-
Dr. Gertrud R. Traud
sen. Nein, wir reden nicht von den USA, sondern von Australien. Denn der australischen Währung
Chefvolkswirt/Leitung Research
schadet dieses Umfeld nicht. Der Aussie-Dollar wertete seit Herbst letzten Jahres von 0,60 auf
über 0,85 US-Dollar auf. Im Vergleich zum Euro fiel der Kursanstieg zwar nicht ganz so deutlich
Landesbank Hessen-Thüringen
aus, war aber dennoch beträchtlich. Der Aufschwung des Australien-Dollar lässt sich aber leichter
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erklären, als es auf Basis der erwähnten strukturellen Faktoren den Anschein hat. Die Welt am
Neue Mainzer Straße 52-58
Devisenmarkt ist stets relativ. Und aus dieser Perspektive wird die Aufwertung der australischen
60311 Frankfurt am Main
Währung fundamental unterstützt.
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Rasante Aufholjagd des australischen Dollar
In AUD in USD

Quellen: EcoWin, Helaba Volkswirtschaft/Research

Austral-Dollar im Der australische Dollar gilt als Rohstoffwährung. Australien exportiert vor allem Mineralien und
Sog der Krise Metalle, Kohle sowie Agrarprodukte. Die Preisentwicklung der Rohstoffe hängt zumeist stark von
der globalen Konjunkturentwicklung ab. Deshalb ist der australische Dollar als zyklische Währung
anzusehen: Mit dem globalen Wachstumseinbruch im Herbst 2008 und dem Kurssturz an den
Rohstoffmärkten wertete der zuvor noch haussierende australische Dollar massiv ab. Umgekehrt
begünstigt die einsetzende weltweite Wachstumsverbesserung die australische Währung. Verstärkt
Australischer Dollar im neuen Höhenflug?

werden diese Kursschwankungen noch durch den Einsatz von Carry Trades. Bei dieser Handels-
strategie verschuldet sich ein Anleger in einer niedrig verzinslichen Währung und legt in einer
höher verzinslichen Devise wie z.B. dem Austral-Dollar an. Im Falle von Auflösungen dieser
Carry Trades steigt allerdings die Volatilität in der australischen Währung.

Keine Rezession Nicht nur die Erholung an den Rohstoffmärkten begünstigt die australische Währung. Schließlich
in Australien sieht die wirtschaftliche Situation in Australien freundlicher als in vielen anderen Ländern aus.
Wahrscheinlich wird die australische Wirtschaft, im Gegensatz zu wohl allen anderen westlichen
Industrieländern, im Gesamtjahr 2009 expandieren. Vermutlich kann man noch nicht einmal von
einer Rezession sprechen, da das Bruttoinlandsprodukt wohl nicht zwei Quartale in Folge
schrumpfte bzw. schrumpfen wird. Neben den deutlichen Zinssenkungen der Notenbank hat dabei
die Fiskalpolitik geholfen. Das damit einhergehende Budgetdefizit von knapp 4 % gemessen am
Bruttoinlandsprodukt (BIP) kann Australien relativ leicht verkraften. Denn die Staatsverschuldung
befindet sich mit rund 15 % (2008) am BIP im internationalen Vergleich auf niedrigem Niveau.

Die staatlichen Hilfsmaßnahmen stützten den privaten Konsum. Dieser wächst wieder zunehmend,
obwohl sich die Einkommensentwicklung merklich verschlechtert hat. Die Arbeitslosenquote
bildet vermutlich gerade ihren Gipfel, so dass sich die Haushaltseinkommen allmählich wieder
verbessern werden. Ungeachtet eines kurzfristigen Rücksetzers dürfte der private Konsum damit
das Wachstum tragen. Größere Störfeuer vom Immobilienmarkt werden wohl ausbleiben. Der
Preisrückgang scheint gestoppt, die Immobilienkredite wachsen stetig. Der Finanzsektor insgesamt
ist wohl vergleichsweise glimpflich durch die Krise gekommen, so dass er einer Beschleunigung
des Wachstums nicht im Wege steht.

Unternehmerstimmung fast schon euphorisch Zinswende in Sicht


% gg. Vj. Index %

Quellen: EcoWin, Helaba Volkswirtschaft/Research Quellen: EcoWin, Helaba Volkswirtschaft/Research

BIP wächst 2010 um 2,5 % Der Unternehmenssektor hat zwar unter der Krise gelitten und die Investitionen wurden entspre-
chend eingeschränkt. Der Rückgang fiel im internationalen Vergleich aber sehr milde aus. In Zu-
kunft ist sogar wieder mit Wachstum zu rechnen. Die Stimmungsindikatoren weisen wieder posi-
tive, teilweise fast schon „euphorische“ Werte auf. Die steigenden Rohstoffpreise stützen grund-
sätzlich die Investitionsbereitschaft in der australischen Wirtschaft. Aus dem gleichen Grund wer-
den vermutlich die Exporterlöse wieder anwachsen. Die globale Konjunktur erholt sich, insbeson-
dere in den wichtigsten Exportmärkten China und Japan. Dem Zuwachs bei den Ausfuhren steht
aber wohl eine verstärkte Importnachfrage entgegen, so dass per saldo der Wachstumsbeitrag aus
dem Außenhandel begrenzt bleibt. Insgesamt dürfte das Bruttoinlandsprodukt 2010 um rund 2,5 %
expandieren nach einem Zuwachs von vermutlich 0,5 % in diesem Jahr.

Notenbank beginnt Als Reaktion auf den Abschwung senkte die australische Notenbank ihren Leitzins von 7,25 % auf
Zinserhöhungszyklus aktuell 3,0 %. Die Inflation verlangsamte sich im zweiten Quartal 2009 auf 1,5 %. Nach Auslaufen
der Basiseffekte, die von den im Vorjahr gestiegenen Energiepreisen ausgehen, dürfte sich die

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Australischer Dollar im neuen Höhenflug?

Teuerung aber bereits Ende 2009 wieder beschleunigen. Im Verlauf von 2010 wird die Inflation
vermutlich auf rund 3,0 % akzelerieren, der oberen Zielmarke der Notenbank. Die Reserve Bank
of Australia wird deshalb im Vorfeld ihre Geldpolitik wieder straffen. Noch im vierten Quartal
2009 dürfte die Notenbank ihren Leitzins anheben. Weitere Schritte bis über die Marke von 4,0 %
werden wohl 2010 folgen.

Austral-Dollar weiterhin Damit wird die Reserve Bank eine der ersten Zentralbanken in den westlichen Industrieländern
„die“ Hochzinswährung sein, die eine geldpolitische Wende vollzieht. Da der australische Leitzins trotz der vorherigen
Senkungen immer noch das höchste Niveau in diesen Ländern bietet, wird sich der Zinsvorsprung
des Austral-Dollar zunächst sogar ausweiten. Der Anreiz für Carry Trades wächst. Am Kapital-
markt haben sich die Renditedifferenzen bereits deutlich zu Gunsten der australischen Währung
erhöht.

Austral-Dollar ist den Rohstoffpreisen zu weit vorgelaufen Zinsdifferenzen sprechen gegen weitere Aussie-Stärke
Index Index In USD %-Pkte.

Quellen: EcoWin, Helaba Volkswirtschaft/Research Quellen: EcoWin, Helaba Volkswirtschaft/Research

Insgesamt spricht die zyklische Bewegung für den australischen Dollar. Allerdings ist in den
Aussie gegenüber US-Dollar
Wechselkursen gegenüber dem Euro und insbesondere gegenüber dem US-Dollar bereits sehr viel
zu viel des Guten eskompiert
eingepreist, d.h. der Wechselkurs gegenüber dem Greenback ist der Ausweitung der Zinsdifferen-
zen sowie den Rohstoffpreisen bereits vorausgelaufen. Damit dürfte eine Zinswende der australi-
schen Notenbank dem Aussie-Dollar keinen nachhaltigen Impuls mehr verleihen. Zudem wird die
US-Zentralbank 2010 ebenfalls den Kurswechsel vollziehen. Auflösungen von Carry Trades könn-
ten im Vorfeld die australische Währung temporär unter Druck setzen. Nach Kaufkraftparitäten ist
der australische Dollar vor allem gegenüber dem Greenback überbewertet. Das nicht zu vernach-
lässigende Leistungsbilanzdefizit sowie die hohe private Auslandsverschuldung Australiens ber-
gen längerfristige Risiken. Gegenüber dem US-Dollar dürfte die australische Währung von derzeit
0,86 auf 0,80 im ersten Halbjahr 2010 abwerten. In Relation zum Euro hat der Austral-Dollar
dagegen noch etwas Potenzial. Schließlich hinkt dieser Wechselkurs der Ausweitung der Zinsdif-
ferenzen noch etwas hinterher. Ein Euro könnte sich von aktuell 1,70 auf 1,56 AUD verbilligen.

Australien: Konjunktur und Märkte 2009/10


2008 2009p 2010p 2009 2010
Q3p Q4p Q1p Q2p
Die Publikation ist mit größter Sorgfalt bearbeitet BIP real 2,3 0,5 2,5
worden. Sie enthält jedoch lediglich unverbindliche % gg. Vj.
Analysen und Prognosen zu den gegenwärtigen Verbraucherpreise 4,4 1,7 2,7
und zukünftigen Marktverhältnissen. Die Angaben
USD je AUD 0,71 0,84 0,83 0,82 0,84 0,80 0,77
beruhen auf Quellen, die wir für zuverlässig halten, Periodenende
für deren Richtigkeit, Vollständigkeit oder Aktualität AUD je Euro 1,98 1,55 1,57 1,71 1,55 1,56 1,56
wir aber keine Gewähr übernehmen können.
RBA-Leitzins Periodenende 4,25 3,25 4,50 3,00 3,25 3,75 4,00
Sämtliche in dieser Publikation getroffenen
%
Angaben dienen der Information. Sie dürfen nicht Rendite 10-jähr. Anleihen 4,00 5,80 5,60 5,50 5,80 5,80 5,70
als Angebot oder Empfehlung für Anlageentschei-
Quelle: Helaba Volkswirtschaft/Research, grau hinterlegte Fläche: p = Prognose ■
dungen verstanden werden.

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