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Zur ‘Geschichtstheologie’ der AENEIS, zur Entwicklung ihres Erz¨ ahlstoffes sowie zur Herausbildung der Gestalt des

Aeneas
Men do not find the truth; they create it, as they create their history. Paul Veyne1

Von dem, was die moderne Wissenschaft – Arch¨ aologie, Sprachwissenschaft, Ge¨ schichtswissenschaft und Philologie – uber die Fr¨ uhgeschichte Italiens und Roms als mehr oder weniger gesicherte Erkenntnisse erarbeitet hat, davon hatten die R¨ omer ebensowenig eine Ahnung wie etwa die Griechen von dem, was wir heute – so wenig ¨ ber das Geschehen des 2. Jahrtausends im a ¨ g¨ es auch immer noch ist – u aischen Raum 2 wissen. ¨ ber diese a ¨ lteste Zeit an ‘geschichtlichem’ Wissen besaßen, war Was die Griechen u die in der epischen Dichtung, vor allem in den homerischen Epen als dem f¨ ur den Men¨ ltesten Geschichtswerk, gegebene sagenhafte schen der griechisch-r¨ omischen Antike a ¨ Uberlieferung. Der trojanische Krieg etwa, Agamemnon, Odysseus oder K¨ onig Minos von Kreta waren f¨ ur die Griechen und die R¨ omer Geschichte und geschichtliche Gestalten, die man schließlich sogar in ein chronologisches und genealogisches Schema glaubte einordnen zu k¨ onnen.3 Nicht anders verhielt es sich bei den R¨ omern. Was wir heute als Sagen bezeichnen, ¨ ltesten Dichtern und bildet auch bei ihnen die ‘Fr¨ uhgeschichte’, angefangen bei den a ¨ ber Cato und Vergil bis zu den Geschichtsschreibern Naevius und Fabius Pictor u Verfassern von Weltchroniken in der ausgehenden Antike. M¨ ogen nun Sagen gegebenenfalls auch historisches Geschehen – wenn auch in mannigfaltiger Brechung – widerspiegeln: zugleich und vor allem – und das ist f¨ ur uns deswegen auch der wichtigere Aspekt – sind sie Ausdruck des Selbstverst¨ andnisses eines Volkes zur Zeit ihrer Entstehung, sind sie Deutung des Geschehens, sehr oft aus einem bestimmten Interesse heraus, d.h. ‘parteilich’ gestaltet. Besonders klar wird das an derjenigen Sage, die nicht nur Rom in die griechische Welt eingliederte, sondern auch immer mehr in Rom einerseits als politisches Argument und f¨ ur mehrere gentes als Adelstitel diente, andererseits in der Zeit des Augustus von Vergil in seinem
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Paul Veyne, Did the Greeks believe in their myths? An essay on the constitutive imagination, Chicago ¨ ` leurs mythes? Paris 1983) and London 1988 (Englische Ubersetzung von: Les Grecs ont-ils cru a Cf. Moses I. Finley, Myth, Memory, and History in: History and Theory 4 (1965), S. 281 – 302, hier: S. 288: The plain fact is that the classical Greeks knew little about their history before 650 B. C. ” (or even 550 B. C.), and that what they thought they knew was a jumble of fact and fiction, some miscellaneous facts and much fiction about the essentials and about most of the details.“ M. I. Finley l. c. S. 284: For there must be no misunderstanding about one thing: everyone accepted ” the epic tradition as grounded in hard fact. Even Thucydides. He tells us that right off, as soon as he finishes introducing himself.“ Im Falle des Odysseus glauben manche bis zum heutigen Tag, die Stationen seiner Irrfahrten auf der Landkarte ‘festmachen’ zu k¨ onnen, wie ja auch – dank Heinrich Schliemann – die arch¨ aologisch gen¨ ahrte Sagengl¨ aubigekit viele die ILIAS heute noch bzw. wieder f¨ ur ein Geschichtsbuch halten l¨ aßt.

Gen. Sternberg. . legitim. Aen. Topitsch (in: E. S. 16 bzw. 14) – weswegen wir uns den religi¨ osen Geist von Vergils Weltgedicht vielleicht am besten nahebringen. gottgewollt oder als vorbildlich f¨ ur die eigene Gegenwart zu erweisen“ (B. wenn wir ¨ es in die Sprache der j¨ udisch-christlichen Uberlieferung ‘¨ ubersetzen’. projizierte Vorg¨ ange und ” Interessen der Gegenwart in geschichtliche oder in vorgeschichtliche Zeit zur¨ uck. Salamun. J. dar¨ uber hinaus aber seinen Nachkommen die ‘Weltherrschaft’. zu einer von bestimmten (ideologischen4 ) Erw¨ agungen getragenen. von subjektiven Werturteilen be” stimmte. Bloomington/ Indiana 1985. um sie je nachdem als alt. 25) – . ” Thukydides II. welches die Macht” und Lebensanspr¨ uche bestimmter gesellschaftlicher Gruppen legitimiert und dessen Unwahrheit oder Halbwahrheit auf eine interessen. zu einer ‘Theologie des r¨ omischen Weltreiches’ ausgestaltet wurde. 48. Ideologie. S. 3 cf.2 Zur ‘Geschichtstheologie’ der «Aeneis» ‘Sakralgedicht’. von Ranke. was und wie es eigentlich gewesen ist“ (L. sondern um eine (ideologische) (Re-)Konstruktion aus sp¨ aterer 4 ROM cf. 1972. zu einer Art ‘Geschichtstheologie’. der AENEIS. auf dem ihm das Nationalheiligtum errichtet werden soll. In seinem heiligen Land hat sich dieser h¨ ochste Gott einen heiligen Berg auserw¨ ahlt. den Gegenstand der Erkenntnis verh¨ ullende. Kelsen) eine nicht objektive. I. The Poetics of Biblical Narrative. S. Die Landnahme muß notgedrungen zum Heiligen Krieg gegen die fr¨ uher Gekommenen f¨ uhren. In beiden F¨ allen – im Falle Israels und im Falle Roms – handelt es sich nicht eigentlich um eine Darstellung dessen. Ein Heiliges Land ist ihm bestimmt. aus bestimmten (ideologischen) Interessen heraus konstruierten Schau in und von Roms Vergangenheit und Geschichte. sie verkl¨ arende oder entstellende Darstellung dieses Gegenstandes“ verstanden. nicht un¨ ahnlich der deutenden Schau Israels in seine ‘Vergangenheit’ – denn auch Israel.und sozialbedingte Befangenheit ihrer Vertreter zur¨ uckzuf¨ uhren ist“. 3 zitierend) – history-writing is not a record of fact – of what ‘really ” happened’ – but a discourse that claims to be a record of fact“ (M. 12. Diebner in: DBAT 8. Topitsch – K. 278ff. S. 1975. Ideological Literature and the Drama of Reading. Unter ‘Ideologie’ sei hier (mit H. und zwar haupts¨ achlich das der exilischen und nachexilischen Zeit. 53) versteht darunter ein Gedankengebilde oder ein Aussagesystem. ISRAEL Ein auserw¨ ahlter Stammvater verl¨ aßt auf Befehl des h¨ ochsten Gottes seine angestammte Heimat und zieht in Gehorsam und und im Glauben ins Ungewisse. E.

daß es sich darin wiederfinden . in: id..). S. nationale. 461 f. z. 302 – 308 nach der Ubersetzung von Roland Hampe). Er hat die Sprache geformt. 447f.). Gleichwohl besitzen diese ‘Uberlieferungen’ f¨ ur uns einen wichtigen Quellenwert. er hat das geschichtliche Rombild des Friedensreiches entworfen“ ” (S. Politik wird historisch legitimiert und motiviert“. ‘homerischen Aeneis’ (ILIAS 20. den Zeus vor allen seinen S¨ ohnen geliebt hat. der Geschichte schreibende Politiker schafft sie herbei. 328) es ausdr¨ uckt – : Die Zukunftsprojektion ” jeglicher Fortschrittsphilosophie.. die sich – und darin unterscheiden sie sich nicht von antiken Geschichtsschreibern – nicht damit abfinden k¨ onnen. n¨ amlich als Dokumente ihrer jeweiligen Entstehungszeit – diese pr¨ agte der ‘Uberlieferung’ ihre Spuren und Zeichen auf. Finley. sonst kann er seine Pl¨ ane und Vorschl¨ age nicht rechtfertigen. hier S. S. hier S. 26 f.). In der sog. welches sich auf politische 5 3 6 Nach J. bestimmten Intentionen verpflichtete Darstellung.6 Die fr¨ uheste Erw¨ ahnung des Aeneas findet sich in der Ilias (vielleicht Mitte des 8. vgl. 445). 446). ‘Begebenheiten’. wer diese ‘Vergangenheit’ wann und warum (re-)konstruiert hat. jede liberale.. Die Worte des Poseidon sind zweifellos ein vaticinium ex eventu. Jahrhunderts).] . Der Althistoriker und seine Quellen. soziale Reformpolitik braucht die R¨ uckversicherung in der Geschichte. 4. in ihrer Qualit¨ at nicht von unserem Wissen u unterscheidet. verifizierbare Geschehen diesem berichteten. / daß das Geschlecht des Dardanos nicht ohne Samen und spurlos / untergehe. (re-)konstruierten Geschehen zugrunde liegen k¨ onnte – denn sehr oft liegt ein solches gar nicht zugrunde – . sondern Hilfsmittel im Dienst der Gegenwartsprobleme. das um seiner selbst willen aufzeichnungswert ist. c.. 325 – 334. um eine interessierte.. f¨ ur welche Vergangenheit auch nicht einfach das einmal Geschehene ist. 445f. den R¨ uckenwind der Geschichte. / Denn schon ist des Priamos Stamm verhaßt dem Kronion. in denen tats¨ achliches Geschehen mit Erfindungen und Halbwahrheiten ¨ ¨ vermischt ist. / die von ihm selber stammten sowie von sterblichen Frauen. mochte. / nun aber wird des Aineias Gewalt die Troer (bzw. obwohl sich unsere Kenntnis von den Wanderungen des ‘Stammvaters’ Abraham oder von der ¨ ber die Fahrten des Odysseus ‘W¨ ustenwanderung’ etc. welches reale.. “) Die Politik des heutigen Staates Israel ist f¨ ur diese ‘R¨ uckversicherung in der Geschichte’ nicht das schlechteste Beispiel. [F. Aufl. unter der positiven Bezeichnung ‘Uberlieferung’ (oder ‘m¨ undliche Uberlieferung’) hin¨ uberzuretten“ (M.. Bei ihm finden wir. 1961. 38. in: Geschichte in Wissenschaft und Unterricht Jg. wie man sp¨ ater auch gelesen hat: alle) beherrschen / und die Kindeskinder. B. denn Livius hat dem alten Rom in seiner bedeutendsten ” Situation seine Geschichte so erz¨ ahlt. S. Fehlen sie. vor dem Nichts zu stehen. Lacan ist die Rekonstruktion der Vergangenheit abh¨ angig von unserem Bild der Zukunft. die sp¨ ater noch ¨ werden geboren“ (vv. 16 – 38. S. so erfindet er sie . 1987. (In diesem Zusammenhang ist nat¨ urlich auch an die r¨ omische Geschichtsschreibung als eine Form r¨ omischen Vorbilddenkens zu erinnern. Denn – wie Th. jener Epoche“ (S. 1987. um die Gegenwart. welche eine Gruppe von ihrer ‘Vergangenheit’ gibt. die Bibel als Geschichtsbuch zu betrachten und die darin erz¨ ahlten Begebenheiten auf einer Landkarte ‘festzumachen’. in ihrer unerkl¨ arbaren Abneigung dagegen. Klingner im Zusammenhang mit dem Geschichtswerk des Livius in: R¨ omische Geisteswelt. an Livius etwa und vor allem an Sallust. gegenw¨ artige Interessen und Anspr¨ uche.Zur ‘Geschichtstheologie’ der «Aeneis» Zeit. der ” Politiker braucht sie. Nipperdey (Der Mythos im Zeitalter der Revolution. Quellen und Methoden der Alten Geschichte. in der das Rom des Augustus sein Verh¨ altnis zu der neu erschlossenen Vergangenheit ausgesprochen hat“ (S. dazu auch die Ausf¨ uhrungen von F. Nat¨ urlich versuchen auch heute noch viele Althistoriker. 460 f.) von der Begegnung Roms mit seiner Vergangenheit in Livius“ und bezeichnet das Werk des Livius als ” ¨ ” ¨ ber Außerung des Geistes . I. sondern vielmehr die Frage.5 Die Hauptfrage f¨ ur uns ist in solchen F¨ allen deswegen auch nicht die Frage. Nun gut.: Exempla maiorum sucht der R¨ omer in der Geschichte. Klingner spricht (l. Und gerade israelische Gelehrte neigen auch in besonderem Maße dazu. wie das Rom des Augustus u ” seine Vergangenheit gedacht hat“ (S. auf das eroberte Land. zu legitimieren. eine Niederlage einzugestehen und eine L¨ ucke ” zuzugeben. 79 – 352) wird ihm und seinen Nachkommen von Poseidon eine große Zukunft verheißen: Es ist ihm vom ” Schicksal bestimmt zu entkommen..

a uhl der Einheit und der Zusammengeh¨ origkeit vermitteln. nach Hesperien“. die ein Gr¨ underheros erfuhr. und so wurde der aus Etrurien eingef¨ uhrte Gr¨ underheros Aeneas mit dem einheimischen pater Indiges (cf.] Wie die Sage nach Etrurien gelangte. 6). ‘Kampfplatz’. das Bild bei M. nur die G¨ otter l¨ osen einander ab [cf. der Ort bleibt derselbe. in Lavinium verschmolzen und zum Ahnherrn der Latiner erhoben. 5. den man jetzt im nachhinein mit der Landung des Trojaners Aeneas an eben dieser K¨ uste in Verbindung brachte – . die von der Gr¨ undung Laviniums durch Aeneas selbst aufgrund der Erf¨ ullung eines Orakels. Die traditionelle Religiosit¨ at wird gewahrt. sich u an der K¨ uste Latiums gab es einen Ort namens Troja (cf. H. Mit der Ausbreitung des etruskischen Einflusses. der Aeneas-Kult die Grenze des etruskischen Stammlandes u schritten und in dem jetzt unter etruskischem Einfluß stehenden Latium Fuß gefaßt. B. wo Aeneas eine ungeheuere Popularit¨ at genoß und in mehreren St¨ adten S¨ udetruriens als Gr¨ underheros und g¨ ottlicher Ahnherr verehrt wurde (z. der Zeit der Entstehung der ILIAS. sie wird nur neu interpretiert (Gesetz der Erbfolge der Kultst¨ atten: Heilige St¨ atten bleiben auch dann heilig. Veji u. dem g¨ ottlichen Ahnherrn des latinischen Stammes. den Sitz der Urk¨ onige des Stammes. schuf man im Laufe der Zeit eine ganze Reihe von (sog. bezeugen diese Popularit¨ at. vornehmlich auf die Latiner. Fast alle Darstellungen zeigen das Motiv des fliehenden Aeneas mit seinem Vater Anchises auf den Schultern (vgl. aber auch einheimische Terrakottastatuetten. das Symbol. Kreuz u. Vergil. Livius I.TABULA ILIACA (cf. Hier konnte die Sage. Eine F¨ ulle von bildlichebn Darstellungen besonders auf nach Etrurien importierten attischen schwarzfigurigen Vasen. zweifellos Kultgaben. sondern ¨ berdies an o ¨ rtliche Gegebenheiten binden – einen lokalen Haftpunkt ben¨ otigte. v. kult¨ atiologischen) Legenden (oder Kult¨ atiologien). Um den so entstandenen Kult des Aeneas in Lavinium zu erkl¨ aren und zu rechtfertigen. a ¨ . 78) und mit den trojanischen sacra. Vermittler k¨ onnten in Etrurien lebende Griechen gewesen sein.4 Zur ‘Geschichtstheologie’ der «Aeneis» Realit¨ aten des 8. Jahrhunderts war die Aeneas-Sage in Etrurien bekannt. Jh. Donner. welches Aeneas als Ahnherrn bezeichnete. B. wohl auch ‘mit Palisaden umgebener Lagerplatz’). welche Alba Longa. 1979. einem Volk oder einer Gemeinschaft das Gef¨ Krone. [Die Gr¨ undungslegende ihres Volkes bzw.). wenn die Religionen wechseln. Kultischer Mittelpunkt der Latiner war zu Beginn der etruskischen Herrschaft in Latium die Stadt Lavinium. Giebel.) nach deren eigenem Bekunden als Quelle.]). den heiligen trojanischen Reliquien. Jahrhunderts. Jahrhundert vornehmlich in Himera auf Sizilien lebenden Chorlyrikers Stesichoros mit dem Titel Iliupersis. hat ¨ berdie Aeneas-Sage bzw. die ja nicht im luftleeren Raum spielen konnte. ein ursp¨ unglich vorindogermanisches Wort mit der Bedeutung ‘Ebene’. aber die vermutlich ebenfalls aus Kleinasien stammenden Etrusker k¨ onnten in ihr auch eigene geschichtliche Erfahrungen aufbewahrt und tradiert haben. ist nicht gekl¨ art. gemeinsame Identit¨ at ausdr¨ uckte. 2. Wie dem auch sei – sp¨ atestens gegen Ende des 6. 1. 1986. Nationalhymne. Dieses Gedicht diente neben Werken anderer Dichter den Darstellungen der aus dem 1. S. das ihre ¨ hnlich wie heute noch Staatsflagge. in Vulci. Wir haben also . LAW s. ist wohl ein (uns nicht erhaltenes) l¨ angeres Gedicht des im ” 7. n. abgel¨ ost hatte. ihrer Stadt war f¨ ur die alten V¨ olker der verbindende Faktor. S. stammenden sog.Chr. welche ihrerseits die ungeheuere kultische Verehrung widerspiegelt. 25 f. a. ¨ lteste literarische Quelle f¨ Die f¨ ur uns a ur die Wanderung des Aeneas nach dem Westen. gr¨ unden d¨ urfte: die Herrschaft eines Geschlechtes in der Troas. Pilgerfahrten ins Heilige Land. Livius I. wie z.

um so das Prestige des noch jungen Gemeinwesens zu heben und zugleich seinen G¨ ottern eine vom Mythos getragene Legitimation zu verleihen. 347) heißt. 204) – neben mehr historischen wie etwa Mose – identifizierte. S. daß dieses Volk.]) In z. diesen Anspruch mit den vorgefundenen Gegebenheiten – dem Kult des Aeneas in Lavinium und dem alten ¨ Priorit¨ atsanspruch dieser Stadt. dem pater Indiges. ¨ hnlich wie die nachexilische j¨ mit ihm konnte man sich identifizieren. erz¨ ahlte. Gott zur¨ uckgef¨ uhrt. seinen bis zur¨ uck zu Noah (!) reichenden Stammbaum anbringen lassen. (Noch gegen Ende der Republik f¨ uhrten etwa f¨ unfzig r¨ omische Familien ihre Herkunft auf Begleiter des Aeneas zur¨ uck! Adel ¨ ber Abraham ist Macht! [N. die Adelsfamilien im etruskischen Viertel am Fuße des Kapitols. ob sie nun besteht oder noch im Werden ist. Verantwortungsgef¨ uhl und Pflichtbewußtsein. ja die Verk¨ orperung. daß er den unsterblichen G¨ ottern lieb und teuer sei.Zur ‘Geschichtstheologie’ der «Aeneis» so etwas wie eine ‘Trojanisierung’ des latinischen Sagenkreises zugunsten des aus Etrurien eingef¨ uhrten Ahnherrn vor uns. sozusagen als mythologische Legitimation f¨ ur sich selbst und seine G¨ otter beansprucht. wie man sp¨ atestens im 6. a udische Orthodoxie zu einer Zeit. die etruskischen Herrscher Roms und ihr Gefolge im vicus Tuscus. ¨ nach der Ubernahme der Herrschaft durch die Patrizier. Nach Erringen der Selbst¨ andigkeit. ist nicht zuletzt darin begr¨ undet. das Inbild einer Eigenschaft sehen konnte. sich die Oberhoheit u erk¨ ampfen. hat es den etruskischen Gr¨ underheros. geh¨ orte auch Rom. verschmolzen war. wird die Aeneas-Sage und der Aeneas-Kult in Rom urspr¨ unglich an die etruskischen Elemente der Stadt. Auf sie kann die betreffende Gesellschaft Bezug nehmen. ebenso wie die u stand – was nat¨ urlich auch einen starken Einfluß der Etrusker auf seine staatliche ¨ ffentliche Leben und die religi¨ Organisation. aber auch die trojanischen Heiligt¨ umer (speziell die Penaten) – geradezu eine Symbolgestalt f¨ ur eine. In ihm konnte man den ‘typischen’. Das ideologische Interesse ist in diesem Fall mit H¨ anden zu greifen. um ihre soziale Dimension und ihr Selbstverst¨ andnis zu erreichen. 1985. diese Werte anschaulich zu machen. als der exemplarisch Gerechte ben¨ otigt wurde. urbildhaften vir vere Romanus sehen. Livius. 10). dessen Leben in einem von uns nur schwer nachvollziehbaren Ausmaß vom Denken und Handeln nach Vorbildern gepr¨ agt war und das infolge dessen in der Geschichte vor allem einen Vorrat von exemplasah (cf. Daß gerade Aeneas zum Ahnherrn der gens Romana werden konnte. J. die zu den Grundwerten seiner Lebensordnung geh¨ orte: pietas. sie zu konkretisieren. welcher mittlerweile in Lavinium auch mit dem latinischen Ahnherrn. welchen man offiziell anerkannte – in Ubereinstimmung zu bringen. k¨ uhnen ‘geschichtlichen’ Konstruktionen versuchte man. weil er den G¨ ottern allezeit gef¨ allige Opfergaben reicht (ILIAS 20. Auf Burg Karlstein bei Prag hat Kaiser Karl IV. h. Jh. Die Modelle dienen dazu. sich mit der Gestalt des Abraham als einer der (mythischen) Identifikationsfiguren ‘Israels’ (B. ehrfurchtsvolle R¨ ucksicht gegen¨ uber den G¨ ottern und den Angeh¨ origen. Diebner in: DBAT 22. das Urbild des R¨ omertums. Denn: Jede Gesellschaft. gebunden gewesen sein. 23 – 37) wird der Stammbaum Jesu u und Noah bis auf Adam bzw. 298). als Rom in einem z¨ ahen Ringen ¨ ber Latium zu mit den latinischen Nachbargemeinden daranging. praef. seinen greisen Vater auf den Schultern aus dem brennenden Troja rettete. Jh. B. der. Zu den St¨ adten. d. Da ¨ brigen Latinergemeinden unter etruskischer Oberhoheit es im 6.: Im NT (Lk 3. in diesem Mann – von welchem es in der ILIAS (20. T. das o osen Einrichtungen wie auch auf die ganze technische Zivilisation bedeutete – . braucht gewisse ” Werte und menschliche Modelle. sich beru- 5 . welche in Aeneas ihren Gr¨ underheros sahen.

als figura einer Gestalt oder eines Ereignisses des NT gesehen wird. Aeneis I. Der Begriff ‘Teleologie’ (von griech. als tÓpos. 161 – 172. in welchem die ganze bisherige r¨ omische Geschichte. ¨ ber Livius Gesagte!] dazu auch das in Anmerkung 6 u Daher ist es auch nicht verwunderlich. oder auch wenn in sp¨ aterer christlicher Bibelauslegung (die aber schon im Judentum und im NT grundgelegt ist) und dann vor allem auch in der Kunst des Mittelalters eine Gestalt oder ein Ereignis des AT als Vor-Bild.). zur Zeit eines großen Herkulesfests ankommen: am selben Festtag kehrte im Jahre 29 der siegreiche Octavianus aus dem Orient heim. wie wenn die j¨ udischen Schriftsteller die ‘Erzv¨ ater’ des Buches GENESIS die Erfahrungen des Exils beispielhaft vorwegnehmen ließen. In Buch VIII z. 165 f. B. ihren eigentlichen Sinn. B. beispielhaft vorweggenommen sein l¨ aßt. 1).). 21]) vor-gebildet sein. ” Unter ‘Typologie’ versteht man zun¨ achst die auf dem christlichen Verst¨ andnis der Schrift beruhende ” Lehre vom ‘typischen’ Sinn des AT“. Auch der griechischen Antike war die ‘typologische’ Betrachtung nicht ganz fremd. Zweck. h. von denen das AT berichtet. den Kampf der G¨ otter gegen die Giganten (vgl. seine Siege u einen Amazonenkampf und die Schlacht bei Marathon. tËkor = Ziel. ein zweites ‘Saturnisches Reich’ sehen wird (cf. folgerichtiges Verhalten sch¨ opfen“ (J. Erf¨ ullung) bedeutet die ” Lehre von der Zielgerichtetheit der Welt(bereiche) und ihres Geschehens“. 791 ff. ihre Erf¨ ullung (tËkor) erh¨ alt. Aber bereits bei Naevius dient die mythische Vergangenheit als Fundament f¨ ur das Verst¨ andnis der Gegenwart. die sich ihrerseits auf die geglaubte Teleologie9 der r¨ omischen Geschichte gr¨ undet. Vollendung gebende T¨ atigkeit“.. was die Vollendung als Ziel [tËkor] in sich hat) versteht Aristoteles die zielstrebige. 1 Kor 10. ‘typologische’ Betrachtung und Deutung der r¨ omischen Geschichte8 . tÓpoi. der 241 a. 41 [1009 ” ¨ ber die kleinasiatischen Kelten (Galater) in Athen durch Bronzen.6 Zur ‘Geschichtstheologie’ der «Aeneis» fen. die Herrschaft u nach herrlichen Werken im Kampf f¨ ur die Freiheit Griechenlands“ starb (Polybios XVIII. So verherrlichte ¨ ber Pergamon erhielt und 197 im Alter von 72 Jahren z. wo ihm K¨ onig Euander vor allem auch von der Urgeschichte Latiums berichtet. ihr Ziel. u Bedeutung hinaus noch auf eine h¨ ohere Wirklichkeit hinweisen.). Sp. der Mann. 1 Petr 3. welche am Ende]). 6]) Gestalten und Ereignisse der sp¨ ateren r¨ omischen Geschichte (als ŘmtÏtupoi [cf. Jh. den Zeus-Altar von Pergamon. . Allerdings war bei ihm die Sage nur Einlage. in welchem unter der Herrschaft des Saturn das ‘Goldene Zeitalter’ l¨ anger w¨ ahrte als anderswo. daß ¨ ber die ihnen immanente Ereignisse. z. ŸmtekËweia = das. im Grunde genommen ist es nichts anderes als ‘typologische’ Gestaltung bzw. ihre Parallele haben. 7 8 9 10 Unter ‘Entelechie’ (griech. Chr. n. hier Sp. Personen oder Einrichtungen. Personen oder Einrichtungen des NT sind. w¨ ahrend die Haupthandlung geschichtlich war. jetzt in Berlin) und Pergamons Keltensiege darstellten. Alberto Soggin. durch welches das im AT Berichtete erst seinen vollen Sinn. daß dann gerade Vergil in seinem ‘geschichtstheologischen’ Werk in Aeneas und in einzelnen Elementen und Motiven der Aeneas-Handlung (als den tÓpoi [cf. dieser ‘typische’ Sinn besteht nach dieser Lehre darin. B. l¨ aßt Vergil den Aeneas an der Stelle des zuk¨ unftigen Rom. an deren Anfang Aeneas und das Aeneas-Geschehen (gleichsam als entelechisches7 Geschehen. die Opferung Isaaks im AT als Vor-Bild des Kreuzesopfers Christi im NT: d. Geschichte als Glaubensbekenntnis – Geschichte als Gegenstand wissenschaftlicher Forschung. unter welchem die ganze Welt ein neues ‘Goldenes Zeitalter’. seine Erf¨ ullung (tËkor) erh¨ alt. Im Grunde genommen ist das dasselbe. in: ThLZ 110. 1985. Vor(her)-Bilder zuk¨ unftiger Ereignisse. AENEIS VI. Vollendung. in welchem keimhaft alles Folgende beschlossen liegt) steht (cf. aus ihnen ihre Vorbilder f¨ ur rational-ethisches. speziell des Christus-Geschehens. [Vgl. Attalos I.10 Die erste Gestaltung der Aeneas-Sage in lateinischer Sprache bot das BELLUM POENICUM des Naevius (Ende 3.

Chr. n. English Series 17. S. in welcher er Julus (das war der neue Name f¨ ur den Aeneas-Sohn Ascanius) – nun Ahnherr der gens Iulia – als den ersten der großen ontifices maximi verherrlichte (ein Amt. . 1985. welches am Beginn der politischen Laufbahn Caesars steht). wie ein vor wenigen Jahren bei Beth Shean in Israel gefundener Torso des Kaisers nahelegt: Die Gestalt tr¨ agt einen Brustpanzer mit Kampfszenen der AENEIS (G. 136 – 160). Foerster.11 Guido Herzog 7 11 ¨ ber Jud¨ Noch Kaiser Hadrian hat offensichtlich den Sieg seiner Truppen u aa im Jahre 135 p.Zur ‘Geschichtstheologie’ der «Aeneis» Selbst Caesar bem¨ achtigte sich der Aeneas-Sage und verfaßte (wahrscheinlich) eine Schrift mit dem Titel PONTIFICALIA. in: Atiqot. A Cuirassed Bronze Statue of Hadrian. ¨ ber die Latiner und deren Verb¨ mit dem Sieg der Aeneaden u undete und sich selbst mit Aeneas identifiziert.