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Max Seltmann Heft 25 Heimgefunden

Max Seltmann Heft 25 Heimgefunden

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Nach einer ganz kurzen Zeit kam Anton allein in das Heim der Liebe. Er konnte
nicht anders, das Drängen in ihm war so mächtig, daß er Abschied von seinen
Lieben nahm und zu Hendrick und Mutter Anna eilte, wo er herzlich empfangen
wurde. Nach einem kurzen und seligen Verweilen drängte es ihn zu Johanna und
Maria. Diese wieder erwarteten ihn, da es ihnen der Herr offenbart hatte.
Ohne viel zu reden sagte Anton:
„Johanna, mit mir ist es soweit, ich muß zu meinen verirrten Brüdern und
Schwestern, ihr Elend macht mich unfroh. Ich fühle es, ich gehöre zu ihnen oder
sie zu mir, würdest du mir helfen?“
„Gern, Anton, aber dann hast du nicht den Anteil an Freude, weil du ja fremde
Hilfe in Anspruch nimmst.“
„Aber Johanna, ich will ja gar keinen Anteil, sondern, daß sich die anderen in
unserer Freude finden und freuen. Auch kann ich dem Drängen nicht mehr länger
widerstehen.“
„Wenn dem so ist, Anton, dann wollen wir nicht zögern, deine Liebe ist auch des
Herrn Liebe. Es bedarf keiner langen Vorbereitung, denn wir sind bereit. Aber
diesmal geht ihr alle, meine Schwestern, mit.“
Dies war eine Freude, Liesa umarmte Johanna und sagte: „Endlich gewürdigt zum
größeren Werke, o Du herrlicher Jesus, wie gut bist du!“
Nach kurzem Abschied von allen Lieben, wie auch von Mutter Anna, treten sie
hinaus in die ihnen bekannte aber dunkle Welt. Sie eilen nach Abend zu, wohin
eine schlechte Straße führt.
Johanna fragte: „Anton, hast du ein bestimmtes Ziel oder willst du dich von deiner
Liebe leiten lassen?“
Anton: „Johanna, zu meinen Freunden zieht es mich, die auch im Geisterreiche
leben und schon verstorben waren, ehe ich von der Erde gehen mußte.“
Da tritt ihnen ein Engel entgegen, grüßt herzlich und sagt: „Ich bin als Diener euch
beigegeben nach dem Willen des Herrn, ich stehe euch mit aller mir zu Gebote
stehenden Kraft und Macht zu Diensten, da dieser Bruder noch unerfahren ist, ihr
dürft nur anordnen, willig und gern diene ich euch.“
Johanna: „Wie dürfen wir dich nennen? Ich bin Johanna, dieser Bruder ist Anton;
Maria, Lena, Christa, Liesa und Rosel gehen das erstemal mit zu den Unerlösten.“
„Nennet mich Gotthard, auch ich bin gleich euch ein Diener der Liebe, aber mein
Wesen ist hart wie Gott.“
„Dieses habe ich noch nie gehört, daß Gott hart sein soll, ich kenne Ihn von der
lieblichsten Seite.“
„Auch du wirst Ihn noch von dieser Seite kennen lernen, denn wo Gott nur Gott
ist, ist nur heiliger Ernst, heilige Ordnung und heilige Wahrheit, denn auch du hast
dieses erfahren müssen.“
„Nun verstehe ich dich, Gotthard, dein Dienst mit uns bindet uns für ewig
zusammen.“

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Gotthard sagte: „Umhänget euch mit diesen Mänteln, wir sind schon nahe dieser
Sphären, die kein Licht vertragen können. Du, Anton, brauchst keinen, da dein
Kleid noch von dunkler Farbe ist. Nun noch einen guten Rat, lieber Anton. Du
bist der Führer dieser Schar, wie du die uns Begegnenden behandelst, ist deine
eigene Sache, vor allem fürchte dich nicht und vertraue dem Herrn, der in deiner
Liebe unter uns ist. Ihr Schwestern seid ohne Furcht, denn ihr dürfet zum
Gelingen des heiligen Werkes mit beitragen. Fürchtet euch nicht, seid stark im
Glauben, auf daß dieses Werk gelinge. Ich darf nichts zum Gelingen beitragen,
sondern habe euch zu schützen nach dem Willen des Herrn.“
Sie kommen in bewohnte Gegenden. Es wird immer finsterer. Rötlicher Schein
wie von einer Feuersbrunst wird sichtbar.
„Dort muß eine Stadt brennen“, spricht Anton, „dem Feuerschein nach ist es ein
Riesenbrand.“
„Du irrst, lieber Freund, dieses ist die Außensphäre derer, die ihr besuchen
wollet. Je heftiger der Widerstreit unter den dort weilenden Geistern tobt, desto
rötlicher ist für uns der Anblick. Es sind dieses sehr zornige und streitsüchtige
Wesen, wenn wir unter sie treten, merken wir nichts von dem Feuerschein.
Also Mut und Vertrauen, wir sind am Ziel!“
Eine Menge von vielen Geistern ist auf einem engen Raum zusammengedrängt,
einer hat eine Rede gehalten, die allem Anschein nach nicht den Erfolg hatte, denn
ein Drängen und Schubsen war in der Menge. Mehrere wollten hin zum Sprecher,
der auf einem lockeren Sandhaufen gesprochen hatte.

Endlich war ein anderer auf den Sandhaufen gestiegen, da war Ruhe. Er sagte: „Der Vorredner hat uns
Hoffnung gemacht auf Hilfe, hat aber vergessen uns zu sagen, wo wir Brot hernehmen sollen, denn
nicht ich, sondern wir alle haben furchtbaren Hunger; auch ist er uns die Erklärung schuldig geblieben,
wie wir überhaupt hierher gekommen sind. Finster ist es schon reichlich lange, wir erkennen uns kaum
noch und ich frage nun: „Was soll mit uns eigentlich geschehen und was ist zu tun, zu Hause geht
manches Geschäft verloren, wer ersetzt mir den Schaden?“ Brüllt einer: „Du hast auch immer dein
Geschäft vor Augen, hier geht es um größere Dinge, wir wollen die Herren sein und keine Knechte.“
„Dann wünsche ich euch allen viel Glück, ich wollte, ich wäre zu Hause in meinem Geschäft.“ Einige
reißen den Redner herunter von seinem Sandhügel, viel fehlte nicht, so wäre er zusammengetreten
worden. Da kommt ein anderer und tritt auf den Sandhaufen, wartet ein Weilchen, dann spricht er:
„Leute, keinen Streit! Wir sind fast am Ziel angelangt. Wenn ihr geschlossen hinter uns steht, gibt
es keine Macht, die uns verdrängen kann. Die ganze Stadt ist unser Eigentum, alle Bewohner haben
sich nach uns zu richten. Die Widerspenstigen sitzen in Gefängnissen, nur noch kurze Zeit, dann
betteln sie alle nach Brot.“ Anton glühte vor Eifer, er hatte keine Ruhe mehr, er drängte zu dem Redner
und erkennt in ihm einen seiner schärfsten Konkurrenten. „Was willst du hier“, herrschte dieser ihn an,
„willst du mit uns gehen?“ Da spricht Anton: .Nein, mit euch nicht, aber auffordern, mit mir zu gehen.“
„Da hast du dir einen schlechten Zeitpunkt gewählt, denn für uns ist die Zeit günstig.“ Anton wurde nun
ruhig, auf den Sandhaufen ging er nicht, aber laut sagte er: „Freunde höret, was ich sagen muß, ich
komme aus einer Welt des Lichtes und des Friedens, wo Tausende und Abertausende in Freude und
Zufriedenheit leben. Brot und die besten Früchte, Wein und die besten Fruchtsäfte stehen uns zur
Verfügung, so daß keiner zu hungern braucht. Ich kenne viele von euch. Ich, wie auch ihr alle, seid
Gestorbene, ihr seid Geister und keine Menschen mehr, seid gefangen von eurer Hab- und
Herrschsucht. Was wollt ihr noch anstreben, ihr wollt herrschen über die, die ihr gefangen habt, weil
sie besser als ihr waren. Ist euch noch nicht der Gedanke gekommen, daß bei euch etwas nicht stimmt?
Warum wird es bei euch nicht Tag, warum scheint bei euch keine Sonne, kein Mond, keine Sterne?
Wie lange habt ihr nichts gegessen? Dies sind Tatsachen, die euch zum Nachdenken anregen müssen.“
Da brüllt der andere ihn an: „Du Habenichts! Pleite hast du gemacht und gehst auf den Fang, Dumme
dir zu holen, die dich wieder hochbringen sollen. Bezahle erst alle die, die du betrogen hast, oder hast du
vergessen, wie viele durch dich pleite geworden sind?“ Anton besann sich zur inneren Ruhe und sagte:
„Ich habe nichts vergessen. Um das große Unrecht gutzumachen, das ich euch als Mensch zufügte,
deswegen bin ich ja zu euch gekommen. Glaubet doch das einmal, ihr seid Gestorbene und bedürfet

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irdischer Dinge nicht mehr.“ „Schweig“, brüllte der frühere Redner, „behalte deine
Weisheit für dich, oder du lernst uns von der anderen Seite kennen. Dir haben wir
einmal geglaubt und nie wieder! überhaupt, mache dich mit deiner Gesellschaft
nicht so breit, mit einem Lumpen wie du, wollen wir nichts mehr zu tun haben.“
Anton wollte sich erregen, da sagte Johanna: „Bruder, wenn du dich von den
Beschuldigern getroffen fühlst, dann ist das Spiel verloren! Bleibe in der Ruhe,
denn es gilt ja, die Liebe des Herrn zu verherrlichen.“ „Es ist schwerer, als ich
dachte. Ich sehe gar keinen Weg mehr. Sie lehnen mich ab. Versuche du einmal
dein Heil.“ „Wenn ich dir dienen kann, gern.“ Sie stellte sich vor den Redner und
sagte: „Freund, ich wüßte nicht, daß ich dir oder einem anderen von euch Leid
zugefügt hätte, darf ich die Bitte des Anton wiederholen und euch fragen, ob ihr
dieses traurige Leben für ewig behalten wollt? Denn es ist so, wie Anton sagte,
wir sind Geister und keine Menschen mehr. Ihr wollet es nicht glauben und doch
ist es nicht anders. Ist es dir, lieber Freund, noch nicht zum Bewußtsein
gekommen, daß du von deiner Familie getrennt bist?“ „Wer bist denn du
eigentlich, daß du solches Interesse an uns hast? Ob wir gestorben sind oder
nicht, kann ja euch egal sein; wir haben euch nicht gerufen, darum verschwindet,
sonst brauchen wir Gewalt!“ „Ich möchte dir raten, lieber Freund, nicht so
prahlerisch zu sein, denn die Gewalt, die ihr besitzet, ist herzlich wenig. Aber
wenn du schon nicht Vernunft annehmen willst, so hast du kein Recht, andere
davon abzuhalten, vernünftig zu werden oder uns zu wehren, euch die Wahrheit
zu sagen über euren Zustand. Darum wende ich mich nun zu euch, liebe Zuhörer,
und frage euch, seid ihr mit eurem Zustand wirklich zufrieden?“ „Nein, nein“,
rufen die Umstehenden, „wir wollen nach Hause.“ Da brüllt der frühere Redner:
„Fort mit euch, ich werde euch helfen!“, und will Johanna niederschlagen.
Gotthard greift zu und spricht: „Noch eine Bewegung, dann fühlst du die ganze
Härte Gottes, du ohnmächtiger Maulredner!“ Da wurde Gotthard geschlagen, und
im Nu brannte der Arm des Schlägers lichterloh. Die Menge wich entsetzt zurück.
Der Mann brüllt vor Schmerzen, er wirft sich auf den Boden, will das Feuer
totdrücken; es nützt nichts, der Arm brennt weiter. Die anderen sind entsetzt
über diese brennende Fackel. Aber nun jagt der Brennende wie von Furien
getrieben fort.
Da sagt Johanna: „Entsetzt euch nicht, liebe Freunde, wir sind gekommen euch
zu dienen, zu helfen, auf daß ihr zu einem rechten und wahren Leben kommt. Daß
euer Bruder die Rüge einstecken muß, ist ja seine eigene Schuld, er wurde
gewarnt von diesem Gottesboten. Überleget euch ordentlich, ob ihr unsere Hilfe
annehmen wollt oder nicht, wir sind eure Freunde.“
Tritt ein Mann hin und spricht: „Wie gern würden wir euch glauben und eure Hilfe
annehmen, aber es geht einfach nicht, wir sind an unsere Gläubiger gebunden, sie
sind es, denen wir gehorchen müssen.“
Anton kennt den Mann und spricht: „Lorenz, du mußt midi doch kennen, du hast
durch mich keinen Schaden gelitten, aber ich sage dir, löset euch von euren
Gläubigern, so sie auf ihrem Standpunkt beharren. Hier sind alle Schulden durch
Jesum Christum bezahlt, wenn du bereit bist, an Ihn zu glauben und dein Leben
Ihm zu weihen. Es kommt dann alles in die rechte Ordnung, denn ihr seid keine
Menschen mehr.

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Auch ich mußte dieses erst einsehen und glauben lernen. Was habt ihr getan, seit
ihr im Geisterreiche seid, nichts weiter als gesucht, gehungert und zugehört, was
euch eure Gläubiger sagten. Ich mit vielen eurer Freunde haben uns besonnen
und die helfende Jesu-Hand ergriffen und führen ein Leben wohl reich an Arbeit,
aber noch reicher an Freude.“
Da drängen sich viele hin und sagen: „Sage ja! Wir wollen ein ordentliches
Leben. Lorenz, habe keine Angst, der Gottesbote hat unseren Peiniger gestraft,
weil er zugeschlagen hatte.“
Da kommen wieder andere und schreien: „Lorenz, wehe dir, so du zum Verräter
wirst, wir sind die Herren und niemand anders.“
Spricht Anton zu dem Engel: „Lieber Gottesbote, wir brauchen deine Hilfe, denn
hier sind wir machtlos, dort schau hin, wie sich die große Menge duckt vor den
paar Männern.“
Spricht der Engel: „Anton, ich darf nicht helfen, nur schützen darf ich euch, aber
rede mit Johanna, was diese sagt.“ Anton: .Johanna, hast du gehört, was der
Engel sagte, was soll nun werden?“ Johanna: .Aber Anton, warum bist du mutlos
und kleingläubig geworden, ist der Herr nicht unter uns in Seinem Geiste, warum
wagst du nicht im Namen des Herrn deinen Willen durchzusetzen? Hier in dieser
Welt ist der Sieger, der den stärksten Willen hat. Ermanne dich und sei würdig
der großen Gnade, die dich berufen hat, ein Helfer zu werden!“ Anton ging in sich,
betete innig, dann sagte er: „Lorenz, mit dir möchte ich weiterreden und ihr, die ihr
die Herren seid, habt jetzt zu schweigen, da es gilt, Hilfesuchenden zu helfen.“
Da schrie einer: „Was, du Pleitegeier willst uns Schweigen gebieten, hier hast du
deinen Lohn!“ Anton erhielt mit einer Knute einen Schlag in das Gesicht, dann
sagte er: „Halt, im Namen Jesu des Herrn, diesen Schlag verzeihe ich dir, weil du
der Geschädigte durch mich warst. Aber ich sage dir, mit einem zweiten Schlag
schlägst du den Herrn Jesus, der in mir lebt, und dieses würdest du schwer büßen
müssen!“ Da holte dieser zum Schlage aus. Anton hielt die Hand hoch und sagte:
„Im Namen des Herrn Jesu! wirf die Knute weg, sonst verbrennst du wie dein
Freund verbrannte!“ Der andere zögerte. Da fing die Knute an zu brennen. Rasch
warf er sie weg, wo sie auf dem Boden verbrannte. Anton bekam Mut, nun sagte
er: „Ihr alle habt die Macht des Herrn Jesu erlebt und kennengelernt, fürchte sich
keiner darob, wir wollen euch helfen, darum überleget euch nicht lange und lasset
euch führen in ein besseres Sein.
Du, Lorenz, rufe deine Freunde, sie sind unsere Freunde, ihr alle, die ihr wollet,
seid angenommen.“
Spricht Lorenz: „Du, Anton, wo willst du uns hinführen? Wenn es wirklich wahr
ist, daß wir gestorben sind, dann sage uns, wo die Reise hingeht? Jetzt ist mir
alles schrecklich.“
Anton: „Lorenz, das alles hat später Zeit, vor allem sammle, die mit dir gehen
wollen, damit Einigkeit unter uns werde.“
Auch Lorenz besann sich und sagte: „Leute, ihr habt gehört, was unser Freund
Anton will, wer mit mir in ein besseres Sein gehen will, mag mit mir gehen!“
Viele gehen mit Lorenz. Unter den anderen ist noch ein Zögern, da tritt Johanna
hin und spricht:

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„Ist es denn gar so schwer, an ein besseres Sein zu glauben? Wenn ihr schon
eurem Bekannten nicht glaubet, so glaubet wenigstens mir, die ich die geringste
Magd und Dienerin des Herrn Jesus bin. Da sehet mich an, sehe ich wie eine
Unselige und Unzufriedene aus?“ Sie zog das dunkle Gewand ab, da sahen alle
das strahlende Kleid, das strahlende Stirnband und den strahlenden Gürtel. Da
waren sie alle wie gebannt. Johanna aber nahm das Gewand wieder über ihren
Körper und sagte: .Ihr habt midi in meinem wahren Sein geschaut. Verdient
habe ich dieses auf keinen Fall, ich habe es nur der Liebe, Gnade und
Erbarmung des Herrn Jesus, des wahren und ewigen Heilandes und Erlösers zu
danken. Ich war genau so elend wie ihr und wurde doch angenommen. Freilich
mußte ich viel lernen, noch mehr ablegen, mit dem ich verwachsen war. Aber seit
des Heilandes Jesu Beistand und Hilfe bin ich doch eine Gerettete und Erlöste, die
nur einen Wunsch hat, daß sich alle, die noch im Falschen und Verkehrten leben,
finden möchten zum Herrn alles Lebens und Seins. Zögert nicht länger, ergreift die
erlösende Hand des Herrn und Heilandes Jesu, die Er durch uns euch
entgegenstreckt, ihr werdet nur danken, danken und niemals bereuen.“
Da drängten sie hin zu Lorenz. Es wurden immer mehr. Da wurde es auch heller
und heller, so daß man jedes Gesicht erkennen konnte. An hundert, vorwiegend
Männer, blieben stehen, sie gingen nicht mit den anderen, da fragte Anton:
„Brüder, wollet ihr nicht mit den anderen ziehen? Sehet doch hin, wie hell und
licht es bei denen geworden ist, was halt euch noch zurück, das wahre Leben zu
ergreifen?“
Spricht einer: „Du, Anton, ich glaube dir nicht, wenn es schon einen Himmel
geben würde, so wäre es unmöglich, daß so ein Halunke wie du darinnen sein
könnte. Wir sind gewiß nicht die besten, aber gegen dich waren wir reine
Lämmer. Nein, nein, das ist ein Trick, mit dem du uns ködern willst und diese
Weiber? Na, schweigen wir, bei uns versagt deine Kunst.“
Anton: „Freunde, diesmal verkennt ihr mich. Ich verstehe euch, wenn ihr zweifelt,
daß ich ein Bewohner der Himmel bin. Ich bin es auch nicht, sondern lebe in einer
Welt, die ich mit Freunden erst zum Paradiese machte. Da ich die unendliche
Liebe und Gnade des Herrn Jesu erfahren durfte, ging mein Denken zu euch
zurück, möchte gutmachen im Geiste der erlösenden Liebe und euch mein
Paradies überlassen, wo es sich schön und gut leben läßt. Glaubt mir nur dies
eine Mal noch. Wenn ihr unzufrieden seid, könnt ihr wieder zurückgehen, bei
uns ist die höchste und größte Freiheit.“
Sagt der Vorredner: „Anton, ich bin nicht abgeneigt, ich glaube die anderen auch
nicht, aber wer gibt uns die Gewähr, daß du ehrlich bist?“
Anton: „Dittrich, jetzt habe ich dich erkannt, du hast mir schon als Mensch
mißtraut. Es ist deine Vorsicht gut und auch in Ordnung, aber wir sind Geister,
dieser Freund ein Engel und Gottesbote, zu unserem Schutz beigegeben, damit wir
auf den Wegen des Herrn, die wir jetzt gehen, nicht Opfer von Teufeln werden,
wie es Meinhard wollte. Oder glaubst du, daß der Heiland Jesus Seinen Engel
uns zum Vergnügen mitgibt? Ihr habt seine Macht kennengelernt, ist dies nicht
Beweis genug?“
Dittrich wollte antworten, da zog ein Flammenmeer daher, kam immer näher und
näher. Da fragte Anton den Engel, was das bedeutet?

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Dieser sagte: „Bruder, jetzt kommt die Probe. Diese da sind alle ungefährlich, sie
alle sind zu überzeugen mit den Mitteln, die dir die Liebe zur Verfügung stellt.
Aber jetzt kommen Teufel, die von der Fackel der Zornwut entzündet sind.
Empfange sie im Namen des Herrn und fürchte dich nicht, wenn ihr Zorn verraucht
ist, sieht alles halb so schlimm aus.“
Jetzt waren sie da, an hundert waren es, die die brennenden Fackeln schwenkten
und die Meute umstellte, die zurückgeblieben war.
Lorenz war schon weitergewandert auf Geheiß der Johanna, da die Straße zu ihrer
Bestimmung führe.
„Wo sind die anderen“, brüllt einer Anton an; dieser aber sagte: „Meinhard, dein
Haß ist unnütz und deine Wut machtlos, denn wir sind im sicheren Schütze des
Herrn Jesus, dir aber sage ich, die anderen sind schon auf dem Wege zu ihrem
zukünftigen Heime, wo Liebe, Friede und Freude herrscht. Deine Macht ist zu
Ende oder sag, was hast du in der langen Zeit deinen Freunden bieten können?
Nichts, gar nichts.“
Meinhard stieß ein Wutgeheul aus, die anderen hoben ihre Fackeln und wollten
zuschlagen. Da hob der Engel die Hand, und sie warfen die Fackeln weg, denn sie
wurden brennend heiß, nur bei Meinhard brannte der Arm weiter.
Der Engel machte das Zeichen des Kreuzes über Meinhard, da verlosch das Feuer,
der verbrannte Arm blieb, ebenso auch der Schmerz.

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