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Die Charismatische Bewegung im Licht der Bibel

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Viele Christen wŸrden einwenden, da§ es hier um kleinliche Wortfechterei,
um theoretische Spitzfindigkeiten gehe, die ihnen fŸr ihr persšnliches Glau-
bensleben nichts ÈbringenÇ. Sie wŸnschen sich mehr geistliche Kraft und
eine Lšsung fŸr ihre Probleme und sind nur allzu leichtfertig bereit, die
scheinbar Ÿberzeugenden Angebote der Pfingst- und Charismatischen Be-
wegung ÈauszuprobierenÇ.
Aber es ist in unserer Zeit von Ÿberlebenswichtiger Bedeutung, da§ wir
unser ganzes Glaubensleben radikal und konsequent am Wort Gottes und der
gesunden Lehre der Schrift ausrichten und alles zurŸckweisen, was nicht
dieser gesunden Lehre entspricht. Sonst laufen wir Gefahr, der IrrefŸhrung
des Feindes ins Netz zu gehen, der vielfŠltige Spielarten falscher Fršmmig-
keit und betrŸgerischer KrŠfte anbietet, um GlŠubige vom Weg der einfŠl-
tigen, hingegebenen Nachfolge abzubringen.

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a)Die irrefŸhrende Orientierung auf subjektive Erlebnisse

Eine schwerwiegende Gefahr der falschen Lehren von der ÈGeistestaufeÇ
besteht darin, da§ sie die GlŠubigen ablenken von ihrer herrlichen Stellung in
Christusund von den vielfŠltigen Segnungen, die jedes Gotteskind in Chri-
stus empfangen hat, um ihren Blick in unbiblischer Weise auf sich selbst, ihr
eigenes Befinden und Erleben zu richten.
Im Grunde machen sie die Wahrheiten des Wortes Gottes, da§ wir in Chri-
stus die ganze FŸlle haben, auf raffinierte Weise zunichte, indem sie Segnun-
gen, die jeder GlŠubige nach dem Zeugnis der Schrift bereits empfangen hat,
als subjektive, ÈhšhereÇ Erfahrungen darstellen, denen man erst nachjagen
mŸ§te, um sie unter viel Beten und DrŠngen, Fasten und ÈWartenÇ schlie§-
lich irgendwann zu ÈerlebenÇ. Ein solches Sich-StŸtzen auf Erfahrungen hat
schon manchen GlŠubigen in gro§e Verwirrung und innere Not gebracht.6
Die falschen Lehrer knŸpfen an den Erfahrungen der Kraftlosigkeit, der
Niederlage gegenŸber der SŸnde, der geistlichen DŸrre an, wie sie sich in der
Tat bei vielen GlŠubigen finden. Doch anstatt sie anzuleiten, Bu§e zu tun und
hinwegzuschauen auf Jesus Christus, ihren Herrn, der alle Kraft und Gnade
fŸr sie bereithŠlt, lenken sie den Blick der GlŠubigen auf Durchstršmungs-
erlebnisse, Šu§erliche Kraftwirkungen oder mystische ÈGottesbegegnun-
genÇ, die den biblisch vorgezeichneten Weg des Glaubens (2.Kor.4,18; 5,7)
durch einen falschen Weg des Schauens, SpŸrens und FŸhlens ersetzen
(vgl. auch 1.Petr.1,8).
Die GlŠubigen werden verleitet, irgendwelchen ÈDurchbruchserlebnis-
senÇ nachzujagen, die die Bibel nicht kennt und bei denen seelische oder
auch falschgeistige KrŠfte beteiligt sind, statt glaubensvoll mit den unsicht-
baren und doch wirklichen geistlichen Verhei§ungen in Christus zu rechnen
und durch den Glauben Kraft zu empfangen (Hebr.11,34; vgl. Hebr.11,1).
Die geistlichen Segnungen in Christus sind RealitŠten, die durch den
Glaubenempfangen werden. Die Seele kann sie nicht spŸren; nicht sie wird
dadurch genŠhrt, sondern unser Geist, der sich durch den Geist Gottes im
Glauben das aneignet, was ihm das Wort Gottes bereits zugesagt hat. Selbst-
verstŠndlich bezeugt sich der Geist Gottes an uns und lŠ§t uns manche tiefen
und beglŸckenden Erfahrungen machen Ð doch von solchen Erfahrungen, die
vorŸbergehend sind und jedem GlŠubigen unterschiedlich zuteil werden, darf
sich der Glaube nicht abhŠngig machen, weder in bezug auf das empfangene
Heil noch in bezug auf das Wachstum in Christus.
Hier besteht fŸr viele GlŠubige eine gro§e Gefahr, wenn sie das Fleisch,
das alte menschliche Wesen, bei sich dulden und fšrdern und noch nicht zu
einem tiefen Zerbruch ihres selbstsŸchtigen Ichlebens gekommen sind. Die
fleischliche Natur des Menschen Šu§ert sich nŠmlich durchaus nicht nur in
groben, sinnlichen SŸnden. Sie kann sich auch ungemein ÈvergeistigtÇ, aske-
tisch und religišs geben Ð und dabei doch verderbten, sŸndigen Gštzendienst
der Selbstverwirklichung betreiben. Paulus hat uns im Kolosserbrief (2,8-23)
eine solche falsche Fršmmigkeit als warnendes Beispiel vorgestellt.
Letztlich ist alle fleischliche Fršmmigkeit christusfeindlich; das Fleisch
kann mit der geistlichen RealitŠt des innewohnenden Christus nichts anfan-

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gen und verlangt stattdessen nach €u§erlichem Ð seien es selbstgemachte
Werke der ÈHeiligungÇ oder sensationelle, die Sinne befriedigende
ÈGeisteserweisungenÇ, die einen von der ÈMasseÇ abheben und angeblich
besonders nahe zum Herrn bringen.
Wo solche GlŠubigen Christus auf seelische Weise so besonders nahe sein
wollen, haben sie sich Ð geistlich gesehen Ð von Ihm entfernt. Sie sind vom
Boden der Wahrheit des Gotteswortes auf den schlŸpfrigen Boden der LŸge
geraten und somit anfŠllig geworden fŸr die VerfŸhrungen des Widersachers.7
Das gilt auch fŸr Christen, bei denen man eine ernsthafte Glaubensbeziehung
zu Jesus Christus und gewisse FrŸchte des Geistes erkennen kann.
Das einfŠltige Vertrauen auf den unsichtbaren Christus, der in mir ist und
in dem ich bin, wird ersetzt durch ein fromm-eigensŸchtiges Drehen um sich
selbst, durch ein Vertrauen auf Erfahrungen statt auf das Wort Gottes. Wenn
es dem Feind erst einmal geglŸckt ist, einen GlŠubigen dazu zu bringen, da§
er seinen Stand in Christus, seine Heiligung oder seine KraftausrŸstung von
subjektiven Erfahrungen abhŠngig macht, dann hat er freie Bahn, GlŠubige in
schwere Zweifel bis zum Verlust der Heilsgewi§heit zu stŸrzen Ð und sie zum
DrŠngen nach ÈGeisterfahrungenÇ zu verleiten, die durch verfŸhrerische
Geister bewirkt sind.

b)Die Ablenkung vom Fleisch als dem eigentlichen Hindernis
fŸr geisterfŸllten Wandel

Die ganzen hochgeistlich anmutenden Lehren Ÿber eine ÈGeistestaufeÇ als
notwendigem zweitem Segen laufen im Grunde darauf hinaus, das Fleisch
des GlŠubigen zu schonen und ungerichtet zu lassen; sie bieten fŸr die Sym-
ptome eines fleischlichen Wandels eine falsche Diagnose, um dann auch eine
falsche Therapie anzuschlie§en. Diese falschen Lehren suchen den GlŠubi-
gen zu Ÿberzeugen, die Ursache fŸr seine Kraftlosigkeit sei, da§ er den Geist
Gottes bzw. die GeistesfŸlle noch gar nicht habeund deshalb gar nicht geist-
lich leben kšnne.

Je nach der speziellen Richtung dieser Lehren werden dem GlŠubigen
zwar bisweilen strenge Ma§stŠbe fŸr konsequente Bu§e Ÿber jeder erkannten
SŸnde, všllige Hingabe und Ringen in Fasten und Gebet vorgeschrieben,
damit er zum Ziel kommt. Aber da§ die eigentliche Wurzel fŸr seine Pro-
bleme aus seinem Fleischkommt Ð diese biblische Erkenntnis wird ihm fast
durchweg verschwiegen.
Nun ist es eine traurige Tatsache, da§ der Wandelund Zustandvieler GlŠu-
biger ihrer objektiven Stellung, dem, was sie in Christus objektiv sind und
haben, nur recht wenig entspricht. Nur allzu viele Gotteskinder haben Ð nicht
zuletzt durch unzureichende und falsche Belehrung Ð kaum erkannt, was der
Herr Jesus Christus fŸr sie ist und ihnen geschenkt hat.
Sehr viele GlŠubige sind ihrer Gesinnung und ihrem Lebenswandel nach
ÈfleischlichÇ, wie es Paulus auch von den GlŠubigen in Korinth sagen mu§te
(1.Kor.3,1-4). Sie lebten und dachten noch Ènach MenschenweiseÇ, nicht in
der Gesinnung und Kraft des Christus, die doch durch den Heiligen Geist in

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sie gelegt worden war. Die Folge war, da§ ihnen Christus nicht alles war und
sie nicht ganz auf Ihn ausgerichtet waren, sondern sie lebten noch in eigener
Kraft, fŸr sich selbst, eigensŸchtig, streitsŸchtig, hochmŸtig, anfŠllig fŸr alle
Arten von SŸnden, unheilig, noch offen fŸr den dŠmonischen Gštzendienst.
Die biblische Diagnose fŸr solche geistlichen Fehlentwicklungen ist im
Grunde sehr einfach und klar. Jedes Gotteskind hat in Christus die FŸlle der
Gnade und geistlichen Kraft empfangen, um ein frohes, von geistlicher
Frucht erfŸlltes Leben zu leben. Wenn wir das nicht ausleben und erleben,
was uns in Christus geschenkt wurde, dann mu§ das daran liegen, da§ wir
selbstdie Quelle unserer Kraft verstopft haben.
Wir mŸssen unserem Fleisch Raum gegeben haben, sich zu betŠtigen und
so das Wirken des Heiligen Geistes und damit des innewohnenden Christus
in uns zu beeintrŠchtigen. Das mag sich in Ungehorsam oder Auflehnung
gegen den Herrn Šu§ern, in Undankbarkeit, Neid, Eigensucht, Bequemlich-
keit, im Festhalten an unbereinigten SŸnden, in eigenwilligen Wegen, in
Hochmut Ð den zerstšrerischen Wirkungen des Fleisches sind leider kaum
Grenzen gesetzt, wenn wir selbst ihnen keine Grenze setzen.
Wenn wir das anerkennen, dann kann der Weg zu einem geisterfŸllten
Leben nur Ÿber Umkehr, €nderung der Gesinnung, ganze Hingabe an den
Herrn und Gehorsam gegenŸber Seinem Wort fŸhren. Allein auf diesem Weg
kšnnen wir die Hindernisse fŸr die uns gegebene GeistesfŸlle beseitigen und
dem Geist in uns Raum machen. Unser Fleisch, unser Selbstleben mu§ bewu§t
in den Tod gegeben werden, sonst kann die in uns wohnende Kraft des Aufer-
stehungslebens Jesu Christi sich nicht entfalten. ÈIch sage aber: Wandelt im
Geist, und ihr werdet die Lust des Fleisches nicht erfŸllen. Denn das Fleisch
begehrt gegen den Geist auf, der Geist aber gegen das Fleisch; denn diese sind
einander entgegengesetzt, damit ihr nicht das tut, was ihr wolltÇ (Gal.5,16f.).
Wenn ich meinem Fleisch Raum gebe, dann dŠmpft und betrŸbt das den
Heiligen Geist in mir, und wenn ich nicht Bu§e tue, wandere ich in einer
geistlichen WŸste wie einst Israel. Wenn ich dagegen mein eigensŸchtiges
Wesen in den Tod gebe und verleugne und in AbhŠngigkeit von Gottes Wort
und dem Leiten des Geistes in mir lebe, dann sprudelt die Quelle des geistli-
chen Lebens und der Kraft, und ich habe volle GenŸge in Christus.
Wie aber kann ein Christ das Fleisch Ÿberwinden und in den Tod geben?
Wer in eigener Kraft gegen die Begierden des Fleisches zu kŠmpfen versucht
hat, wei§, welche zŠhe Widerstandskraft die menschliche Natur entwickelt.
Auf diesem Weg ist der Sieg unmšglich. Aber in Christus haben wir auch hier
den Sieg. Der SchlŸssel fŸr diesen Sieg (der bezeichnenderweise in den
falschen Lehren von der ÈGeistestaufeÇ kaum je einmal klar genannt wird) ist
unser Mitgekreuzigtsein mit Christus.

ÈWir sind also mit ihm begraben worden durch die Taufe in den Tod,
auf da§, gleichwie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters von den
Toten auferweckt worden ist, so auch wir einem neuen Leben wandeln.
Denn wenn wir mit ihm einsgemacht worden sind im gleichen Tod, so
werden wir es auch in der gleichen Auferstehung sein, wissen wir doch,
da§ unser alter Mensch mitgekreuzigt worden ist, damit der Leib der

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SŸnde au§er Wirksamkeit gesetzt sei, so da§ wir der SŸnde nicht mehr
dienen;(É)Ç (Rš.6,5f. Ð revSch).

Vielleicht der knappste und verdichtetste Ausdruck eines biblischen Heili-
gungslebens findet sich in dem bekannten Wort von Gal. 2,20: ÈIch bin mit
Christus gekreuzigt, und doch lebe ich; aber nicht mehr ich, sondern Christus
lebt in mir; was ich aber jetzt im Fleische lebe, das lebe ich im Glauben an
den Sohn Gottes, der mich geliebt und sich selbst fŸr mich hingegeben hatÇ

(revSch). Ein Leben geistlicher Kraft und biblischer Heiligung setzt also vor-
aus, da§ ich im Glauben mit der geistlichen Tatsache rechne, da§ mein alter
Mensch mit Christus gekreuzigt ist und au§er Wirksamkeit gesetzt wird,
wŠhrend Christus in mir Sein Leben auszuleben sucht. Wenn ich so im Glau-
ben und in hingegebenem Gehorsam in Christus wandle und Seiner FŸhrung
folge, dann lebe ich ein geisterfŸlltes, Ÿberstršmendes Leben.
Dieser biblische Weg zum Sieg Ÿber das Fleisch und zu geistlichem Wan-
del wird in der falschen Lehre von der ÈGeistestaufeÇ verdunkelt und ersetzt
durch die Behauptung, der Weg zur Kraft und zum Sieg sei der Empfang
eines Geistes, der angeblich der Heilige Geist sein soll und der die sŸndigen
Begierden ÈausbrennenÇ oder besiegen werde. Den wahren Heiligen Geist
hat jedes Gotteskind schon bei der Bekehrung empfangen und damit auch
alles an Kraft, was fŸr ein Leben in Gottesfurcht nštig ist. Die betrŸgerische
ÈGeistestaufeÇ aber, das mu§ jeder ÈGeistgetaufteÇ, der noch zu ehrlicher
SelbstprŸfung fŠhig ist, zugeben, hat keinesfalls die Auswirkungen, da§ das
Fleisch besiegt und ÈausgebranntÇ wŸrde Ð es ist im Gegenteil im Leben
ÈgeistgetaufterÇ Christen oftmals sehr stark und mŠchtig am Wirken.

c)Die gefŠhrliche Ablenkung von der Einfalt Christus gegenŸber

Die falschen Lehren von der ÈGeistestaufeÇ lenken die GlŠubigen ab von der
Person des Herrn Jesus Christus und Seinem vollkommenen Erlšsungswerk.
Er, der Sohn Gottes, ist im tiefsten Sinn die eigentliche Gnadengabe Gottes,
das Geschenk an die Gemeinde (vgl. Joh.3,16; s.a. 2.Kor. 9,15). Nur in Ihm,
durch Ihn, und aufgrund Seines vollbrachten Erlšsungswerkes haben wir
Gnadengaben empfangen. Nur durch Ihn empfangen wir das Geschenk, die
Gabe des Heiligen Geistes (vgl. Apg.2,32f.). FŸr jeden echten GlŠubigen
sollte daher der Herr Jesus Christus wirklich Èalles in allemÇ sein; er findet
seine volle GenŸge in Christus Jesus, dem Geliebten und kann von Herzen
sagen: ÈWenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und ErdeÇ
(Ps.73,25 Ð Lu12).

Genau auf diese geistgewirkte Einfalt der Liebe und des Glaubens an den
Herrn Jesus Christus zielen die raffinierten Irrlehren der ÈGeistestaufeÇ. Sie
besagen letztlich trotz all ihrer ÈgeistlichenÇ Redeweisen: Sollte Gott gesagt
haben, da§ du in Christus die ganze FŸlle hast? Schau doch mal auf dich! Dir
fehlt doch das Entscheidende! Kraft! Macht! Hast du schon Wunder getan?
Bist du schon všllig durchheiligt? Dir fehlt der Geist! Du mu§t erst einmal
den Geist empfangen, vorher kann aus deinem Christsein nichts werden! Du

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brauchst eine wunderbare Erfahrung, ein mystisches Erlebnis, vorher bist du
nur ein halber Christ!
Die Lehre von einer zweiten Geistesmitteilung verkehrt und verdeckt die
objektive, im Wort Gottes geoffenbarte geistliche Wirklichkeit des GlŠubi-
gen in Christus; sie fŸhrt den GlŠubigen gerade weg von der echten Kraft-
quelle, die Gott in ihn gelegt hat; zugleich fŸhrt sie ihn hin zu gefŠlschten,
anderen Quellen. ÈDenn zweifach Bšses hat mein Volk begangen: Mich, die
Quelle lebendigen Wassers, haben sie verlassen, um sich Zisternen auszu-
hauen, rissige Zisternen, die das Wasser nicht haltenÇ(Jer.2,13).
Den echten Heiligen Geist kann ein Gotteskind niemals mehr empfangen,
so sehr es sich, von falschen Lehren verfŸhrt, auch danach ausstrecken mag Ð
Er ist ihm ein fŸr allemal gegeben worden. Wohl aber kann auch ein wahres
Gotteskind einen andersartigen, gefŠlschten, irrefŸhrenden Geist empfangen,
wie 2. Kor. 11,4 beweist.
Wo die Glaubenseinfalt Christus gegenŸber zerstšrt und verdorben wer-
den soll, und sei es auch mit noch so ÈheiligenÇ, ÈŸbergeistlichenÇ Argumen-
ten, da ist nach 2. Kor. 11,3 das listige Wirken der Schlange mit im Spiel. Wer
den GlŠubigen die gšttliche Wahrheit raubt, da§ sie in Christus die FŸlle
bereits haben und in ihm geheiligt und vollkommen gemacht sind, der richtet
gro§en geistlichen Schaden an und trŠgt objektiv zu dem verfŸhrerischen
Werk des Feindes bei.

d)Die falsche ÈHeiligungÇ als Feind des echten Heiligungslebens

Die Lehre von der ÈGeistestaufeÇ betrifft wesentlich das Heiligungsleben des
GlŠubigen, und in diesem Bereich, der ja fŸr die Vollmacht und Fruchtbarkeit
eines christlichen Lebens sehr wichtig ist, setzt der Feind mit seinen Ver-
fŸhrungen an zwei Fronten an. Zum einen versucht er, Christen zu einem
Leben in Lauheit und Weltfšrmigkeit, im Ungehorsam gegen Gottes Wort zu
verleiten; er verfŸhrt sie dazu, die Heiligung zu vernachlŠssigen, anstatt eifrig
nach ihr zu streben, wie es uns die Schrift gebietet (Hebr. 12,14). Leider hat
er damit heute bei vielen GlŠubigen Erfolg.
Diejenigen GlŠubigen jedoch, die diese VerfŸhrung nicht mitmachen, die
wirklich nach Heiligung streben, versucht er in eine falsche †bergeistlich-
keit, in ein unbiblisches, verzerrtes und entstelltes Heiligungsleben hineinzu-
ziehen, und diese Spielart der IrrefŸhrung ist in manchem noch gefŠhrlicher
als die erste. Sie entzieht den GlŠubigen das biblische Fundament echter
Heiligung und bringt sie in einen Irrgarten von Erlebnissen und Lehren, die
ihr ganzes Glaubensleben schwer beeintrŠchtigen und schŠdigen kšnnen.

Biblisches Heiligungsleben

Das biblische Heiligungsleben beruht, wie wir gesehen haben, ganz und gar
auf unserem Herrn Jesus Christus selbst, der uns zur Heiligung gemacht ist
(1.Kor.1,30), und nicht auf dem, was wir sind oder in uns haben. Das uner-

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schŸtterliche Fundament biblischer Heiligung ist das vollkommene Erlš-
sungswerk Jesu Christi, das, was der GlŠubige in Christus ist. Wir sind gehei-
ligt (d.h. innerlich verwandelt und abgesondert fŸr Gott) durch das ein fŸr
allemal geschehene Opfer des Leibes Jesu Christi (Hebr.10,10).
Biblische Heiligung hat zwei Aspekte: unser Wesen und unsere Stellung
vor Gott einerseits und unsere Praxis, unseren Lebenswandel andererseits. Es
ist nun ganz wesentlich, da§ unser heiliger Wandel von unserer Stellung in
Christus bestimmt wird und nicht umgekehrt.

All meine Heiligung beruht auf dem, was der Herr Jesus Christus fŸr mich
und in mir getan hat. Wir sind ÈGeheiligte in Christus JesusÇ und damit Hei-
lige vom ersten Tag unseres neuen Lebens als Christen an (vgl. 1.Kor.1,2).
Ich bin geheiligt, weil ich durch das Werk des Geistes mit Christus einsge-
macht bin, mit Ihm gekreuzigt, gestorben, begraben, mitauferstanden und
versetzt in die Himmelswelt. Allein meine Stellung in Christus befŠhigt
mich, im Glauben an diese geistlichen RealitŠten und in AbhŠngigkeit von
dem innewohnenden Christus auch heilig zu leben.
Christus selbst ist unsere Heiligung; Seine Innewohnung, Sein Leben und
Wirken in uns heiligt uns in unserem praktischen Wandel. Unsere Aufgabe
als GlŠubige ist es, in der Erkenntnis unserer Stellung in Christus, im
Glauben und Gehorsam diese von Christus gewirkte Heiligung in unserem
Lebenswandel zu verwirklichen bzw. zu vollenden, zum Ziel zu bringen in
der Furcht Gottes (vgl. 2.Kor.7,1). In diesem Sinn lautet die biblische
Grundregel fŸr unseren Wandel als GlŠubige: ÈWie ihr nun den Christus
Jesus, den Herrn, empfangen habt, so wandelt in ihm, gewurzelt und auf-
erbaut in ihm, befestigt im Glauben, wie ihr gelehrt worden seid, darin
Ÿberstršmend mit DanksagungÇ (Kol. 2,6f.).
Praktische Heiligung bedeutet, im tŠglichen Leben und Dienen fŸr
Christus zu leben und nicht mehr fŸr sich selbst (2.Kor.5,15), seinen Leib
bestŠndig Gott zur VerfŸgung zu stellen als Werkzeug der Gerechtigkeit
(Rš.6,12-23; Rš.12,1); es bedeutet Absonderung von SŸnde und Weltliebe,
von falschen Verbindungen mit UnglŠubigen und Irrlehrern (2.Kor.6,14-18;
Rš.16,17f. u.a.); es bedeutet ein Verwandeltwerden durch die Erneuerung
der Gedanken und der Gesinnung, um den Willen Gottes immer mehr zu ver-
stehen und zu tun (Rš.12,2). All das ist nicht von einer Èzweiten ErfahrungÇ
oder Geistesmitteilung abhŠngig, sondern davon, da§ ich das auslebe, was
ich in Christus empfangen habe, als ich Ihn aufnahm.8
In diesem Sinn gibt es also keine Èhšheren StufenÇ, keinen Èzweiten
SegenÇ Ÿber das Empfangen des Herrn Jesus Christus im Glauben hinaus.
Wohl aber gibt es im Leben des einzelnen GlŠubigen ein unterschiedliches
Ma§, wie die empfangene FŸlle zur Auswirkung und Ausreifung kommt.
Hierbei ist der Glaube und Gehorsam ebenso wichtig wie das Ma§ der
Hingabe und der Wandel in der praktischen Heiligung. Nicht zuletzt spielt
eine gute Lehre und eine feste GrŸndung im Wort Gottes sowie ein Wachsen
in der Erkenntnis der Stellung des GlŠubigen in Christus, der Herrlichkeit der
eigenen Berufung und der Person des Herrn selbst eine entscheidende Rolle.
Biblische Heiligung im Wandel ist damit grundsŠtzlich ein Wachstums-
proze§,nicht eine einmalige, hšhere ÈStufeÇ des Glaubenslebens. Sowenig

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ich mich durch meine eigenen HeiligungsbemŸhungen in eine heilige
Stellung vor Gott bringen kann Ð Christus hat mich ein fŸr allemal dahin ge-
bracht Ð, so klar ist, da§ der GlŠubige in seinem Wandel nicht ein fŸr allemal,
durch eine ÈGeistestaufeÇ oder Šhnliches geheiligt ist, sondern bestŠndig
seinen Willen, seinen Glauben einsetzen mu§, um in der Kraft Jesu Christi
heilig zu wandeln und in der Heiligung fortzuschreiten. Das Gebot in 1. Petr.
1,15 lautet deshalb wšrtlich Ÿbersetzt: Èsondern wie der, welcher euch beru-
fen hat, heilig ist, werdetauch ihr heilig in eurem ganzen WandelÇ (Sch).
Biblische Heiligung bedeutet also ein zunehmendes Wachsen in Christus
und zu Ihm hin, mit dem Ziel, da§ wir Èzur vollkommenen Mannesreife, zum
Vollma§ des Wuchses in der FŸlle ChristiÇ gelangen (Eph.4,13 Ð Me) und
da§ Christus in uns Gestalt gewinnt (Gal.4,19).

Das Zerrbild falscher ÈHeiligungÇ

Das Grundmerkmal aller falschen Heiligung liegt darin, da§ sie nicht wirk-
lich auf der Gnade beruht, die uns in Christus dargeboten wird. Das voll-
brachte Werk Jesu Christi, der uns geheiligt hat,die objektive Stellung der
GlŠubigen als Geheiligte in Christus Jesus wird verdunkelt und ausgeblendet.
Die falsche ÈHeiligungÇ beruht auf eigenen BemŸhungen und Menschen-
werken einerseits und auf unbiblischen ÈGeisteserfahrungenÇ andererseits.
Sie baut also nicht auf den Herrn Jesus Christus in Seiner AllgenŸgsamkeit,
sondern auf andere KrŠfteÐ zum einen auf das Fleisch,auf die eigene Kraft
des Menschen, zum anderen auf falschgeistige KrŠfte.
Falsche Heiligung ist somit immer ein Werk des Fleisches;sie ist der
Versuch des Menschen, durch eigene Anstrengungen und AktivitŠten eine
Èhšhere StufeÇ zu erklimmen und sich bei Gott angenehm zu machen. In der
falschen Heiligung werden deshalb vielfach €u§erlichkeiten in unbiblischer
Weise zum Ma§stab erhoben, Handlungen des Menschen wie Fasten und
stundenlanges Beten, HingabeerklŠrungen und SŸndenbekennen, Askese
und herausgestrichene Enthaltsamkeit, bestimmte Haartrachten und Klei-
dungsformen (wobei ein angemessenes €u§eres sehr wohl zu echter bibli-
scher Heiligung gehšrt!) oder die Beachtung alttestamentlicher Gesetze, die
in Christus abgetan sind usw.
Der fleischlichen Heiligung ist im Grunde die freie Gnade Gottes in
Christus zuwider; sie neigt daher grundsŠtzlich zur Elitebildungund trachtet
danach, sich durch herausgehobene Leistungen und Erfahrungen zu einer
auserwŠhlten Schar der besonders Gefšrderten und Begnadigten zu erklŠren,
die weit Ÿber dem ÈFu§volkÇ der ungeheiligten, ÈunerleuchtetenÇ GlŠubigen
in Christus steht.

Dutzende von Lehren von der ÈAuswahlentrŸckungÇ Ÿber die Dreiteilung
der glŠubigen Christen in Vorhof, Heiligtum und Allerheiligstes (wobei man
selbst sich gerne im Allerheiligsten sieht) bis hin zu einer ÈHerausaufer-
stehungÇ entschlafener ÈGeheiligterÇ innerhalb von drei Tagen nach dem
Tod kursieren in den Kreisen der schwarmgeistigen ÈHeiligungsÇstršmung.9
Ihnen allen liegt eine verborgene Werkgerechtigkeit zugrunde, auch wenn

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das den oft sehr ernsthaften und aufrichtigen GlŠubigen in diesen Kreisen
nicht bewu§t ist. Das Fleisch will sich fŸr die eigenen Leistungen des Ver-
zichts oder der Fršmmigkeit einen besonderen Lohn zuschneidern, der nicht
aus der Schrift kommt, sondern gewaltsam in sie hineingedeutet wird.
Der fleischliche Hochmut kann es nicht ertragen, da§ ein GlŠubiger, der
vielleicht weniger treu war (oder aber lediglich auf einige fleischliche Selbst-
heiligungsbemŸhungen verzichtete) ebenso errettet, entrŸckt und verherrlicht
wird wie man selbst. Die ÈfrommeÇ Selbstgerechtigkeit mag sich nicht damit
zufrieden geben, da§ nach der Schrift jeder GlŠubige vor dem Preisgericht
Jesu Christi offenbar werden mu§ und seinen Lohn empfŠngt. Sie denkt sich
eine eigene Auferstehung fŸr die ÈEliteÇ aus oder verbreitet die Lehre, da§
die ÈungeheiligtenÇ GlŠubigen nicht mit entrŸckt werden, wenn er sie nicht
sogar in die Hšlle schickt Ð all das im krassen Widerspruch zu den geoffen-
barten Lehren der Schrift.
Es entspringt sicherlich der vorausschauenden Weisheit Gottes, da§ einige
wichtige Lehraussagen Ÿber die Heiligung, das Preisgericht und die Ent-
rŸckung gerade an die Korinther gerichtet sind, die trotz all ihrer Fleischlich-
keit und Fehler als ÈHeiligeÇ und ÈGeheiligte in Christus JesusÇ angespro-
chen werden.

Falsche Heiligung ist jedoch nicht nur ein Werk des Fleisches. Sie ist
immer auch ein Wirken des VerfŸhrers und Widersachers der Gemeinde.Die
Lehren der ÈGeistestaufeÇ und andere falsche Lehren Ÿber Heiligung sind
sicher bei vielen aufrichtig suchenden Christen, die sie vertraten, einfach
LehrirrtŸmer gewesen. Dennoch haben sie sich letztlich als dŠmonisch inspi-
rierte Irrlehren herausgestellt, die falschgeistiger VerfŸhrung den Weg berei-
tet haben. Denn neben den religišsen Eigenleistungen baut die falsche Heili-
gung zumeist auch auf Èhšhere spirituelle ErfahrungenÇ, die keinen bibli-
schen Grund haben und von betrŸgerischen Geistern(1.Tim.4,1) gewirkt
werden. Das wird an der Geschichte der Mystik ebenso deutlich wie an
gewissen Entwicklungen im Pietismus und der Heiligungsbewegung. Es gilt
in besonderer Weise fŸr die falsche ÈHeiligungÇ der Pfingstbewegung und
ihre ÈGeistestaufeÇ, die eindeutig das Werk eines betrŸgerischen, dŠmoni-
schen Geistes ist.

e)Die Èzweite ErfahrungÇ als Einfallstor fŸr einen falschen Geist

Die Pfingstbewegung entstand auf dem Boden einer falschen Heiligungs-
lehre und einer schwŠrmerisch-ichhaften, nach au§ergewšhnlichen Erfah-
rungen dŸrstenden Fršmmigkeit. Die ÈVŠterÇ dieser Bewegung kamen Ÿber-
wiegend aus einem extremen FlŸgel der ÈHeiligungsbewegungÇ; sie fŸgten
der ÈStufeÇ der Èvšlligen HeiligungÇ noch die Stufe der ÈGeistestaufeÇ
hinzu und verbanden diese mit der Erwartung, da§ urchristliche Geistesgaben
wie Prophetie, Zungenreden und Heilungen das Ergebnis einer echten
ÈGeistestaufeÇ sein mŸ§ten.10
In drŠngendem Gebet erwarteten sie eine Èneue Geistesausgie§ungÇ, ein
Èneues PfingstenÇ Ð und in der Tat wurde ein Geist auf sie ausgegossen, der

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sich in Prophetie, Zungenreden und Heilungen kundtat, der aber von der
Ÿberwiegenden Mehrheit der ernsthaften Christen aufgrund seiner bšsen
FrŸchte Ð Spaltungen, Verwirrungen, Falschprophetie, spiritistische PhŠ-
nomene und Zwangserscheinungen, massive SŸnden und Verirrungen angeb-
lich ÈGeistgetaufterÇ Ð als ein falscher, dŠmonischer Geist erkannt und abge-
lehnt wurde.

Was war geschehen? Hier gibt es auch heute noch viel Verwirrung und
Unsicherheit bei GlŠubigen, die sich weigern zu glauben, da§ der Geist der
Pfingstbewegung ein falscher, irrefŸhrender Geist sein kšnnte. Besonders
wird hier immer wieder auf Lk. 11,13 verwiesen. ÈHier steht doch ganz klar,
da§ Gott denen, die um den Heiligen Geist bitten, keinen Skorpion geben
wird!Ç

Wenn wir aber diese Stelle im biblischen Zusammenhang betrachten,
sehen wir, da§ dies zu den JŸngern gesagt wurde, als der Geist noch nicht
gegeben war, und im Hinblick auf die spŠtere Weisung des Herrn an die
JŸnger: ÈUnd siehe, ich sende die Verhei§ung meines Vaters auf euch. Ihr
aber, bleibt in der Stadt, bis ihr angetan werdet mit Kraft aus der HšheÇ
(Lk.24,49). In der Tat sehen wir die JŸnger vor Pfingsten, wie sie einmŸtig
im Gebet verharren (Apg.1,14), und wir sehen, wie sich die Zusage aus
Lk. 11,13 an ihnen erfŸllt, als der Heilige Geist auf sie ausgegossen wird.
Nach Pfingsten jedoch lesen wir nirgends mehr davon, da§ wir um den
Heiligen Geist bitten sollten; Ÿberall geht das Wort Gottes davon aus, da§
die GlŠubigen den Geist bereits empfangen habenund mit ihm versiegelt
sind(vgl. Eph.1,13f.).
In Wahrheit liegt, wie wir gesehen haben, die Wurzel fŸr geistliche Kraft-
losigkeit und fleischlichen Wandel nicht bei Gott, weil er uns angeblich
Seinen Geist noch nicht gegeben hŠtte, sondern allein bei den GlŠubigen, die
den innewohnenden Geist gedŠmpft und betrŸbt haben. Wenn nun GlŠubige
dazu verfŸhrt werden, mit drŠngendem Gebet um etwas zu bitten, was sie laut
der Zusage von Gottes Wort bereits haben, und sich aus fleischlichen, ich-
haften Motiven heraus nach Geistesgaben und ŸbernatŸrlichen KrŠften aus-
strecken, so stehen sie objektiv, auch wenn sie es aufrichtig meinen, auf
dem Boden der LŸge, des Hochmuts und der Vermessenheit. Sie kšnnen
keinesfalls Lk. 11,13 fŸr sich in Anspruch nehmen. Zu den Bedingungen
fŸr erhšrliches Gebet gehšrt nŠmlich u.a., da§ Seine Worte in uns bleiben Ð
Joh. 15,7 Ð und da§ wir etwas nach Seinem Willen bitten Ð 1. Joh. 5,14. Wer
Gott nicht glaubt, da§ er den Geist schon empfangen hat, macht Ihn zum
LŸgner (1.Joh.5,10).
Dagegen lesen wir in 2. Thess. 2,7-12, da§ in der Endzeit mit all ihren
antichristlichen VerfŸhrungen Gott selbst denjenigen ein Gericht sendet, die
die Liebe zur Wahrheit nicht angenommen haben.Er sendet nŠmlich eine
wirksame Kraft des Irrwahns, da§ sie der LŸge glauben. Das gilt fŸr die SŸn-
der, aber es gilt auch im Ÿbertragenen Sinn fŸr Seine Gemeinde, denn das
Gericht fŠngt beim Haus Gottes an (1.Petr.4,17). Daher mahnt uns auch das
Wort Gottes ernstlich: ÈGeliebte, glaubt nicht jedem Geist, sondern prŸft die
Geister, ob sie aus Gott sind; denn viele falsche Propheten sind in die Welt
ausgegangenÇ (1.Joh.4,1).

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Schon damals hatten sich also irrgeistige Offenbarungen in die Gemeinde
eingeschlichen, und der Apostel setzt sie mit der antichristlichen VerfŸhrung
in Beziehung (vgl. 1.Joh.2,18-19; 2.Joh.7-11). Auch der Apostel Paulus
bezeugt, da§ gerade die Gemeinde der Korinther, die trotz aller Geistesgaben
fleischlich war, sich der satanischen VerfŸhrung šffnete und einen falschen
Geist empfing. Und dies durch falsche Apostel, die ein anderes Evangelium
und einen anderen Jesus predigten! (Vgl. 2.Kor.11,1-15). Das Wort Gottes
selbst warnt uns vor der Gefahr, da§ GlŠubige einen falschen, verfŸhreri-
schen Geist empfangen bzw. sich seinen Lehren šffnen kšnnen (vgl. dazu
auch 1.Kor.12,1-3; 2.Thess.2,1f.; 2.Petr.3,17).
Die pfingstlerische Lehre von der ÈGeistestaufeÇ verfŸhrt dazu, sich auf
eine unbiblische Geisterfahrung zu orientieren und sich nach mystisch-eksta-
tischen Erlebnissen und GefŸhlen auszustrecken. Gerade dadurch šffnet sie
verfŸhrerischen Geistern die TŸr, denn Erfahrungen zu produzieren ist fŸr
den Widersacher, der sich als Engel des Lichts verstellt, kein Problem.
Durchstršmungen und ÈherrlicheÇ Schauer, himmlische GefŸhle und
Lichterscheinungen, Stimmen, Visionen und ekstatische Erlebnisse kšnnen
auch Spiritisten und Bhagwanis, Sufis und Yogis vorweisen. Solche Erfah-
rungen, die dem betrogenen Menschen ÈheiligÇ und ÈgšttlichÇ vorkommen
und ihn vermeintlich in die unmittelbare Gegenwart Gottes stellen, und die
dennoch von Satan gefŠlscht sind, sind in der Geschichte der Gemeinde viel-
fŠltig bezeugt.11

So schreibt der pietistische Gelehrte Heinrich Jung-Stilling,
der selbst nicht ohne schwarmgeistige Verirrungen geblieben war, Ÿber die
charismatische Bewegung der ÈInspiriertenÇ im 18. Jh., bei denen falsche
Prophetien, Ekstasen und kšrperliche ZwangszustŠnde auftraten:
ÈMir sind viele mŠnnliche und weibliche Personen bekannt geworden,
die auch solche Zuckungen bekamen, dann in eine EntzŸckung gerie-
ten und so die herrlichsten und heiligsten Bibelwahrheiten aussagten,
die pŸnktlich eintraten. Aber allmŠhlich und am Ende ging es klŠglich
und oft schŠndlich aus, und nun zeigte sich, da§ sich ein falscher Geist
in einen Engel des Lichts verstellt hatte (É) Nichts in der Welt ist
gefŠhrlicher als Inspiration [d.h. der Glaube an ein unmittelbares
Reden Gottes durch Propheten Ð R.E.], sie ist eine offene TŸr fŸr
falsche Geister. Die Bibel ist unser einziger Leitstern, der uns zu Jesus
Christus fŸhrt. Er sei und bleibe uns alles in allem.Ç12
Der Geist der Pfingst- und Charismatischen Bewegung hat sich Ÿber eine
erwiesene Irrlehre, Ÿber eine unbiblische LŸge den Zugang zu fehlgeleiteten
GlŠubigen verschafft. So wie der echte Heilige Geist, der Geist der Wahrheit,
durch den einfŠltigen Glauben an das geoffenbarte Wort Gottes empfangen
wird, so wird durch den manipulierten Glauben an eine Verdrehung der Bibel,
an eine Irrlehre zwangslŠufig ein falscher, lŸgnerischer Geist empfangen.
Der GlŠubige, der sich diesem Geist šffnet, wei§, da§ er einen Geistemp-
fangen hat, und da§ er von da an von einer anderenKraft geleitet und
bestimmt wird wie vorher. Weil ihm weisgemacht wird, er habe bisher noch
nicht den Heiligen Geist empfangen, meint er, da§ dieser andere Geist der
Geist Gottes sei. Aber die Schrift sagt, da§ er den wahren Geist Gottes bereits

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bei seiner Bekehrung empfing. Der Geist, den er spŠter durch Handauflegung
oder Gebet empfing, kann also nicht der Heilige Geist sein. Er ist ein dŠmo-
nischer Geist der VerfŸhrung, und alle Erlebnisse (einschlie§lich aller ÈGe-
betserhšrungenÇ, ÈFŸhrungenÇ, ÈReden GottesÇ, ÈVisionenÇ, ÈBerufungenÇ
u.Š.), die von ihm gewirkt sind, sind raffinierter religišser Betrug.

Wahre Heiligung und GeistesfŸlle setzt die Abkehr von der verfŸhrerischen
ÈGeistestaufeÇ voraus

Gerade in unserer Zeit, den letzten Tagen, die stark von schwarmgeistigen
VerfŸhrungen und EinbrŸchen des Weltgeistes in die Gemeinde geprŠgt sind,
ist gesundes, erweckliches geistliches Leben, Bu§e und Heiligung sowie das
schriftgemŠ§e Streben nach der FŸlle des Geistes ganz besonders notwendig.
Ohne die Kraft des Heiligen Geistes sind wir zu einem Leben als †berwinder
gar nicht in der Lage. Weil echte geistliche Belebung und GeistesfŸlle so
wichtig sind, hat der Widersacher fŸr suchende Christen auf diesem Gebiet
seine Fallstricke ausgelegt. Eine falsche GeistesfŸlle und eine irrgeistige
Pseudo-Erweckung sind die gefŠhrlichsten Hindernisse fŸr echtes geistliches
Leben. Aus diesem Grund ist die Auseinandersetzung mit der Pfingst- und
Charismatischen Bewegung so bedeutsam, um klare Orientierung fŸr ein
echtes Leben in der Heiligung zu schaffen.
Wer wirklich danach strebt, ein geisterfŸlltes, geistgeleitetes Leben in der
FŸlle Jesu Christi zu leben, mu§ sich zuallererst von diesem falschen Geist
und von dem gefŠlschten ÈHeiligungslebenÇ, das er bewirkt, radikal lossagen
und grŸndlich reinigen. Dann kann er, wenn er bereit ist, den biblischen Weg
der Heiligung zu gehen, den Unterschied zwischen der Lauterkeit, Schšnheit
und inneren Kraft eines Wandels im Geist und dem gleisnerischen, trŸgeri-
schen Schein des pfingstlich-charismatischen Irrgeistes erfahren. Er wird
sich, wenn er das Echte erkannt hat, nie mehr nach der FŠlschung zurŸckseh-
nen, sondern nur mit Schaudern an das betrŸgerische Spiel zurŸckdenken,
das der ÈEngel des LichtsÇ mit ihm spielte.

Anmerkungen zu Kapitel II

1FŸr dieses Kapitel waren dem Verfasser einige Werke hilfreich, auf die nicht stŠn-
dig Bezug genommen wird. Als kurze EinfŸhrung sei besonders empfohlen A.v.d.
Kammer, Der Heilige Geist, der in uns wohnt. Ebenfalls wertvoll ist R.Brockhaus,
Die Gabe des Heiligen Geistes. Sehr ausfŸhrlich und informativ ist das Buch von
A.Kuen, Der Heilige Geist. GrŸndliche Orientierung zum Thema ÈTaufe mit dem
Heiligen GeistÇ bietet die Studie des Bibellehrers Merrill F.Unger, The Baptism
and Gifts of the Holy Spirit.
2Zur Geschichte der Lehre Ÿber die ÈGeistestaufeÇ in der Heiligungs- und Er-
weckungsbewegung informiert recht aufschlu§reich E.v. Eicken, Die charisma-
tische Frage Ð Heiliger Geist oder Schwarmgeist?Torreys Werke wie etwa Der
Heilige Geist Ð Sein Wesen und Wirken, Ÿben auch heute noch Einflu§ aus. Seine

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Position zur Pfingstbewegung wird in dem Aufsatz ÈIs the Present ÝTonguesÜ
Movement of God?Ç deutlich, wo Torrey diese Bewegung als Ènicht von GottÇ
kennzeichnet und u.a. schreibt (†bersetzung aus dem Amerikanischen von A.Sei-
bel): ÈDie ÝZungenbewegungÜ ist von schwerwiegendster Unordnung und
schlimmster Unmoral begleitet. Gott erklŠrt klar in Seinem Wort in 1. Kor. 14,33,
da§ ÝGott nicht ein Gott der Unordnung istÜ (das hier mit ÝUnordnungÜ Ÿbersetzte
Wort bedeutet Ýein Zustand der UnordnungÜ, ÝStšrungÜ, ÝVerwirrungÜ). Auf einer
der bedeutendsten Versammlungen der Zungenredner, die kŸrzlich in dieser Stadt
(Los Angeles) abgehalten wurde, hat sich die unbeschreiblichste Unordnung,
Stšrung und Verwirrung abgespielt. Viele MŠnner und Frauen haben stundenlang
bis weit in die Nacht hinein Seite an Seite am Boden oder auf der BŸhne in unan-
stŠndigster und unzŸchtigster Weise in einem Zustande hypnotischer Bewu§tlosig-
keit gelegen, und haben sich damit schŠndlicher Mi§achtung in den Augen der
…ffentlichkeit ausgeliefert. Die Leiterin in diesen Versammlungen, eine Frau von
gro§er BerŸhmtheit, hat diese bedauernswerten MŠnner und Frauen mit Methoden
in diesen Zustand versetzt, die eindeutig hypnotischer Natur waren und všllig iden-
tisch mit den Methoden der Heiden in Afrika und den Hypnotiseuren in spiritisti-
schen oder anderen Versammlungen in diesem Land sind. (É) Die ganze Sache ist
absto§end fŸr jeden, der die biblischen Lehren wirklich kennt und wei§, was das
tatsŠchliche Wirken des Heiligen Geistes ist. (É) Mit der Ausbreitung der ÝZun-
genbewegungÜ wurde es in zahlreichen FŠllen offenbar, da§ sie dŠmonisch war.
(É) Die Wahrheit ist, da§ so viele Leute so begierig sind, von irgendeinem Ÿber-
natŸrlichen Geist gesteuert zu werden, da§ sie nicht mehr darauf achthaben, ob die-
ses ŸbernatŸrliche Wesen, das sie kontrolliert, nun der Heilige Geist oder ein
DŠmon ist, und die ÝZungenbewegungÜ hat einige der erschreckendsten Entwick-
lungen auf diesem Gebiet vorzuweisen.Ç Dies wurde etwa 1912 geschrieben Ð die
jŸngsten Entwicklungen des ÈToronto-SegensÇ beweisen, da§ der falsche Geist der
Pfingstbewegung seine Natur nicht geŠndert hat.
3Dazu A.v.d. Kammer, aaO, S.65-72; A.Kuen, aaO, S.116-133.
4Vgl. dazu TBLNT, Stichwort ÈTaufeÇ.
5Vgl. Kap. I, Anm. 3.
6Mit unbiblischen Heiligungslehren und ihren Folgen befa§t sich u.a. recht aus-
fŸhrlich H.A.Ironside in seinem Buch Heiligung Ð Zerrbild und Wirklichkeit, das
wertvolle Hilfen fŸr eine biblische Sicht des Heiligungslebens bietet.
7Vgl. hierzu E.Buddeberg, Wo fŠngt die SchwŠrmerei an?; F.Binde, Vom Geheim-
nis des Glaubens.
8AusfŸhrlicher hierzu L.A.T. Van Dooren, Das Leben, das ich jetzt lebe.Eine sehr
schšne Betrachtung zu diesem Thema ist J.Kausemann, Das Geheimnis des Chri-
stus. Seelsorgerlich wertvoll ist auch J.Lohmann, Tausendfache Kraft.
9Beispiele solcher falscher ÈHeiligungsÇlehren, die z.T. ausgesprochen beein-
druckend und faszinierend wirken kšnnen, finden sich u.a. in BŸchern von Arthur
Booth-Clibborn, Samuel Brengle, Jonathan Paul, ÈMater BasileaÇ Schlink, Marga-
rete v.Brasch oder Christian Ršckle. Aber auch in Schriften solcher beliebten
Autoren der Heiligungsbewegung wie Andrew Murray oder Markus Hauser finden
sich unbiblische Lehren und Tendenzen.
10Zur Bewertung der Heiligungsbewegung und der in ihr vertretenen Lehren vgl.
A.Kuen, Der Heilige Geist, S.148-162; W.BŸhne, Spiel mit dem Feuer, S.15-28;
Erichv. Eickens Buch Die charismatische Frage Ébietet eine gute, recht ausfŸhr-
liche Darstellung der StŠrken und SchwŠchen der Heiligungsbewegung. WŠhrend
er sich aus wohlerwogenen GrŸnden klar von der Charismatischen Bewegung
abgrenzt und ihren schwarmgeistigen Charakter erkennt, zeigt das Vorwort von
JŸrgen Blunck zur Neuauflage 1988, wie blind manche Evangelikale inzwischen in
ihrer ÈOffenheitÇ gegenŸber der Charismatischen Bewegung geworden sind.

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11Rudi Holzhauer, der selbst seine Erfahrungen mit der Pfingstbewegung machte, hat
zahlreiche Beispiele irrgeistiger VerfŸhrung in seinen sehr lehrreichen BroschŸren
dargestellt, vgl. vor allem Erleuchtung aus dunklem Hintergrundund Die Mystik Ð
ein faszinierender Irrweg. Vgl. auch R.Ising, KrŠftige IrrtŸmer.
12Zitiert nach R.Holzhauer, Erleuchtung, S.121. Von Jung-Stilling stammt auch das
bemerkenswerte Wort: ÈJede Art und Form der Schwarmgeisterei hat ihren Grund
in dem noch unertšteten Hochmut der GlŠubigen (É)Ç (ebd., S. 127).

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