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Traumgesetze und Naturgesetze

Traumgesetze regieren im Schlaf. Die Macht der Naturgesetze endet hier – an den Pforten des
Traumlandes, der inneren Welt, der Märchenwelt. Was als ein Wunder gilt in der Realität, das
wird im Märchen zur Normalität: sprechende Tiere; fliegende Teppiche; unbedeutende Türen,
die sich öffnen in eine völlig neue Welt.

Wir leben in zweierlei Welten: innerer und äußerer Welt. Zwei verschiedene Gesetzeswerke
gelten für diese beiden Bereiche, Reiche. Tapfer versuchen wir Menschen die Gesetze der
äußeren Welt zu erfahren, offenzulegen: wir entdecken Quantenwelten, schauen in das Innere
von Atomen und finden dort das Nichts, was die Fülle ist: hochenergetische Felder, in denen
das Mögliche schlummert, als Virtualität darauf wartet, geboren zu werden in die Realität
hinein.

Doch im Traumreich, im inneren Erleben, vorm geistigen Auge, da ist eine Bühne, da spielen
sich Szenen ab, die frei sind, ungebunden von dem Zwang der Naturgesetze, der Schwerkraft,
der Logik, dem Zwang von der Kausalität von Ursache und Wirkung. Traumbilder sind nicht
verkettet miteinander durch Logik; ihre Beziehung ist eine andere: kleinste Ähnlichkeiten,
Nuancen im Gefühlserleben wecken ähnliche Situationen, Erinnerungen auf, die sich gesellen
zu den vorhandenen Traumfiguren auf der inneren Bühne des Ichs. Angelockt durch das
Gesetz der Ähnlichkeit, der Assoziation.

Gleiches zieht Gleiches an. Kreisen die Gedanken um Ärger, dann kommen andere verärgerte
Figuren auf die Bühne. Bis eine ganze Räuberhütte sich angefüllt hat mit wüsten, derben
Gesellen, die hinausgejagt werden müssen durch eine muntere Schar von singenden Tieren:
den Bremer Stadtmusikanten. Sie bringen neue Stimmung, einen veränderten Gemütszustand
in die Seelenhütte. Traumbilder wirken wirr, konfus, aber sie gehorchen Gesetzen:
Märchengesetze haben dort ihren Geltungsbereich. Deshalb faszinieren uns Menschen die
Märchen seit jeher. Ihre Märchenlogik zu begreifen, sie zu durchdringen mit unserem
Verstand, mit dem Gefühl, das ist essenziell, um sein Leben meistern zu können.

Es gibt dort im Märchen hilfreiche Mächte und es gibt bedrohliche Mächte. Wie kann man die
Drachen besiegen? Wie den Rat und die Hilfe einer Fee bekommen? Warum kann Cinderella
nicht gleich auf den Schlossball rennen und sich den Prinzen schnappen? Welche Hindernisse
liegen ihr im Weg? Es sind Hindernisse, Stolpersteine, die sich in ihrem Inneren aufgetürmt
haben. In ihrer inneren Welt muss sie klarkommen mit den Gesetzen, die dort gelten. In
Gedanken kann sie die Schwerkraft außer Kraft setzen und eine prächtige Kutsche
herbeischweben lassen. Doch was nützt ihr das? Sie fühlt sich unwohl in den prachtvollen
Traumkleidern, die sie sich maßgeschneidert anfertigen lässt mit Hilfe von Traumgespinsten.
Gefühle regieren in dieser inneren Welt. Sorge, Furcht, Hoffnung. Sie geben die Ziele und die
Hindernisse vor. Das ist der Parcours-Lauf, den jeder von uns in seinem Leben zurücklegen
muss.

Wird es uns je gelingen, die Naturgesetze zu erfahren, die Weltformel zu finden, die äußere
Welt zu bannen in ein handliches Format, so dass man sie berechnen kann, auskalkulieren,
vorausberechnen? Denn darauf zielten immer unsere Bemühungen ab: das Voraussehen,
Voraussahnen dessen, was da kommt. Sind es Gefahren, gute Dinge, die uns erwarten.

Gewappnet sein, dann überlebt man. Diesem Gesetz haben wir gehorcht. Es liegt in unseren
Genen, dass wir die Folgerichtigkeit von Ereignisketten durchschauen, sie zu nutzen
verstehen. Auch in der inneren Welt, in der Welt, welche die Märchen repräsentieren, dieser
inneren Seelenlandschaft, dort warten noch immer unentdeckte Gesetze und Entdeckungen
auf uns – womöglich in noch größerem Ausmaß, in mehr Dimensionen als in der Realität,
dem Weltraum, mit seinen vier oder elf Dimensionen. Raumzeit gilt nicht viel in der
Märchenwelt: Raum und Zeit sind unbestimmt in ihr, unwichtig, veränderbar. Die Dimension
des Gefühls ist vorherrschend, prägend. In diesen Gefühls-Labyrinthen muss sich der Held
zurechtfinden. Jeder harmlose Gegenstand könnte mit Magie verbunden sein, und zu einer
magischen Waffe werden, mit der er sich oder andere verzaubern oder entzaubern kann.

Die Stiefel des gestiefelten Katers geben ihm Würde, machen ihn zu etwas Besonderem,
Einzigartigem. So tritt er auf seiner Weltbühne gewandter auf, nutzt seine Tricks und
Schliche, um den größtmöglichen Vorteil für seinen Herrn, den Müllerssohn herauszuholen,
und das Schloss und die Prinzessin rücken in greifbare Nähe.

Wer es versteht die Magie der einfachen Dinge, der Alltagsgegenstände zu entdecken, dem
eröffnet sich wahrlich eine Märchenwelt. Aufgestoßen ist die Tür zur Fantasie, in der
probehalber die Naturgesetze aufgehoben sind – und in dieser Freiheit neue Thesen und
Hypothesen getestet werden können, um vielleicht somit neue Gesetze zu entdecken, neue
Zusammenhänge offenzulegen.
Einen Blick dafür zu entwickeln, was sich hinter dem vertrauten Bild verbirgt, was hinter der
Gewohnheit, dem Gewohnten an Neuartigem schlummert, das ist einerseits Wissenschaft und
andererseits Magie. Und seltsamerweise: je weiter die Wissenschaft vordringt in die größten
und in die kleinsten Bereiche, um so mehr wird sie zurückverwiesen auf die innere Welt, den
Beobachter, das Ich, was betrachtet und schaut – und durch sein Schauen, Realität erschafft
oder zumindest verändert.

Wissenschaft trifft auf Magie, findet sich im Märchenwald wieder. Sollten in der Quantenwelt
die Traumgesetze gelten? Wie unten – so oben – sagten die Alchimisten. Makrokosmos und
Mikrokosmos entsprächen einander, hätten Parallelen aufzuweisen, seien verbunden durch
Korrelation, die unerklärlich bleibt, wenn man sich nicht auskennt mit den Märchengesetzen.

Für die Märchenfiguren ist es selbstverständlich, dass sie mit Wölfen reden können, dass eine
gute Fee sich zu Wort meldet, wenn wirklich Hilfe vonnöten ist. Unbewusste Kräfte in uns
wirken mit, gestalten mit, haben teil an unserem Leben. Wirken, formen meist unerkannt. Nur
wer genauer hinschaut, oder bei günstigen Gelegenheiten wie im Wachtraum, kann man ihnen
bei der Arbeit zuschauen, bei ihrem Werk, dass sie wie Heinzelmännchen verrichten. Immer
tätig, bemüht um Hilfe und den optimalen Rat. Märchen vermögen diesen Zugang zu ihnen zu
verbreitern, zu verbessern.

Wer sich auskennt mit seinen unbewussten Kräften, den inneren Gesetzen, denen er
gehorchen muss, unterworfen ist, der wird sich zum Meister aufschwingen in diesem
Handwerk des Selbst-Verstehens. Denn wer sich selbst versteht, der hat eine Chance, die Welt
zu verstehen.

Zur weiteren Lektüre empfohlen:

Zwei Märchen-Romane: Cinderellas Wahl und Leon, der gestiefelte Kater


ISBN-10: 3940445754 ISBN-13: 978-3-940445-75-9
221 Seiten, Taschenbuch, EUR 11,80

Im Sommernachtstraum / Die Bürgschaft


ISBN-10: 3940445800 ISBN-13: 978-3-940445-80-3
210 Seiten, Taschenbuch, EUR 11,80