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12/17/2012

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Seit einigen Jahren erscheinen in den öffentlichen Medien
viele populärwissenschaftliche Beiträge, in denen mensch liche
und tierische Verhaltensweisen im Kontext der Evo lutions-
theorie erklärt werden. Sehr häufig handelt es sich dabei um
Untersuchungen zum menschlichen Sexualverhal ten. Aller-
dings erweisen sich viele Folgerungen über die evolutionäre
Bildung kognitiver Mechanismen als Zirkelschlüsse. Andere
sind so schwammig und undifferenziert formuliert, dass man
sie lediglich als plausibel klingende Geschichten betrachten
kann, die sich weder bestätigen noch widerlegen lassen.

Wozu ist der weibliche Orgasmus gut? Ist die Orgasmus-
Häufigkeit bei Frauen, die einen einkommensstarken Partner
haben, höher? Wie haben sich geistige Phänomene wie »Zu-
neigung« und »Sorge um die eigenen Kinder« entwickelt? Ist
unser Gehirn das Produkt eines langen Adaptionsprozesses?

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Fragen wie diese werden im Modell der Evolutionstheo-
rie anhand der Evolutionstheorie abgehandelt und können
verschiedentlich sehr plausibel beantwortet werden. Ähnlich
gehen gottgläubige Philosophen und Theologen vor, wenn sie
im Modell einer von Gott geschaffenen Welt anhand der Bibel
oder anderer Schriften ihre glaubensmäßigen Ansichten vertre-
ten. In beiden Fällen kann kaum von einer Beweisführung im
eigentlichen Sinn gesprochen werden.

Definition und Geschichte der evolutionären Psychologie

Die evolutionäre Psychologie ist ein Forschungszweig, in dem
die Herkunft des menschlichen Geistes anhand der Evolution
erklärt werden soll. Die evolutionäre Psychologie ist inhalt-
lich nicht begrenzt. Vielmehr soll sie der gesamten Psycholo-
gie einen neuen methodischen Ansatz zur Verfügung stellen.
Sie soll auf jedes Teilgebiet der Psychologie anwendbar sein (1).
In der evolutionären Psychologie spielen klassische psycho-
logische Daten weiterhin eine große Rolle. Sie werden jedoch
beispielsweise durch Annahmen über die menschliche Evo-
lution, »Jäger-und-Sammler«-Studien oder ökonomische Mo-
delle ergänzt. Einige Überlegungen gehen bis auf Charles Dar-
win zurück, aber erst durch die Zusammenarbeit der Psycholo-
gin Leda Cosmides mit dem Anthropologen John Tooby wurde
die evolutionäre Psychologie in den frühen 1990er-Jahren zu
einem eigenständigen und einflussreichen Ansatz (2).

Ein Beispiel für »Schöpfungspsychologie«

Wenn man einige Hundert Frauengesichter dreidimensional
erfasst und anschließend ein typisches Durchschnittsgesicht er-
rechnet, so sieht man eine Frau, die Man(n) im Allgemeinen als
makellose Schönheit bezeichnet. Die Tendenz, einen »schönen«
Lebenspartner zu wählen, könnte »schöpfungspsychologisch«
so interpretiert werden, dass jedes Lebewesen nach seiner Art

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erschaffen wurde und die Individuen bestrebt sind, ihre Art im
Durchschnitt zu erhalten.
Demgegenüber wäre von einer evolutionären Verhaltens-
weise zu erwarten, dass entweder gar keine Tendenz oder
ein »experimentierfreudiger« Wunsch, sich in neue, »außer-
gewöhnliche« Richtungen zu entwickeln, erkennbar ist.

Referenzen

(1) Aaron Sell, Edward H. Hagen, Leda Cosmides und John
Tooby, Evolutionary Psychology: Applications and Criticisms, in
Lynn Nadel´s Encyclopedia of Cognitive Science, John Wiley &
Sons, Hoboken, 2006, S. 54.
(2) Jerome H. Barkow, John Tooby, Leda Cosmides, The Adapted
Mind: Evolutionary Psychology and The Generation of Culture
,
Oxford University Press, Oxford, 1992.

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