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ProGenesis

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12/17/2012

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Bis vor Kurzem waren die meisten Geologen überzeugt, dass
sich granitische Magmen nur sehr langsam in Form von auf­
steigenden Diapiren von der Unterkruste zum endgültigen
Platz im Granitstock (Pluton) bewegen. Neuere Beobachtungen
der Gesteinszusammensetzung und -struktur, Labormessun­
gen der Erdkruste sowie flüssigkeitsdynamische Berechnun­
gen legen jedoch den Schluss nahe, dass die Magmen in den
meisten Fällen bis zu 100 000-mal schneller nach oben fließen,
als bisher angenommen wurde. Somit ist es naheliegend, dass
viele Diapire, denen bislang ein Alter von mehreren Millionen
Jahren zugeschrieben wurde, in Wirklichkeit sehr jung sind.

Granit ist ein fein- bis grobkörniges kristallines Gestein von
meist heller Farbe mit hohem Siliziumanteil. Als Diapir wird

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allgemein eine im Grundriss runde und im Aufriss pilzartige
Ansammlung aus niedrigviskosem Material bezeichnet, das
aufgrund von Auftriebskräften durch eine höher viskose Um-
gebung aufsteigt. Neben Granitdiapiren spricht man beispiels-
weise auch von Salzdiapiren.

Entstehung von Granit

Heißes Magma steigt bis wenige Kilometer unter die Erdober-
fläche auf und bildet dort einen meist unregelmäßig geform-
ten Körper, einen Granitstock (auch Pluton genannt). Gewisse
Minerale kristallisieren schon während des Aufstiegs aus. Aber
der größte Prozentsatz der Gemengteile kristallisiert am Ort
der Platznahme während der Abkühlung. Haben sich im Laufe
der Zeit mehrere Granitstöcke in einem engeren Umkreis an-
gesammelt, so spricht man von einem Batholithen.

Prozessabläufe mit »ungeologisch« hohen Geschwindigkeiten

Berechnungen zufolge kann eine durchschnittliche Schmelze
in 41 Tagen durch einen 6 m weiten und 30 km langen Dike4
transportiert werden. So kann sich ein Batholith von 6000 km3
inner halb von nur 350 Jahren füllen. Eine »häppchenweise«
Ent stehung über Zehntausende von Jahren ist ausgeschlossen,
weil entsprechende Spuren fehlen. Am Kontakt, der Nahtstelle
zwischen zwei Granitstöcken, müsste der schon abgekühlte
ältere Stock vom neu ankommenden heißen wieder erwärmt
und umgewandelt werden. Dicke und Erwärmungsspuren im
Nebengestein von gefundenen Feeder-Dikes5

bestätigen diese

Schlussfolgerung.
Chemische Analysen zeigen in gewissen Fällen, dass sich
zwischen der Schmelze und dem Restgestein im Quellengebiet

4 Dikes sind plattenartige, meist weitreichende Gesteinskörper aus magmatischem Ge-
stein, die größere Spalten ausfüllen und das umgebende Gestein schneiden oder durch-
kreuzen.
5 Dikes, die als Zufuhrkanäle für Plutone gelten, gab man den Namen »Feeder-Dikes«.

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kein chemisches Gleichgewicht einstellen konnte, bevor das
Magma entzogen wurde. Diese Befunde ergeben dann einen
Sinn, wenn in kurzer Zeit in einem eng begrenzten Bereich der
Unterkruste sehr viel Magma gebildet wurde und das Mate-
rial entweder vor der Segregation oder bei der Platzierung eine
chemische Homogenisierung erlebte.

Epidot

Ein sehr starkes Indiz für einen schnellen Transport ist das Mi-
neral Epidot, das in einigen Batholithen gefunden wurde. Epi-
dot ist nur in Tiefen ab ca. 20 km im Kontakt mit Magma sta-
bil. Gemäß experimentellen Untersuchungen zersetzen sich die
0,5 mm großen Epidotkörner des Front Range bei 800 °C in 50
Jahren, wenn sie den Weg in die Oberkruste antreten. Im Falle
des White-Creek-Batholiths errechnete man aus der Größe der
gefundenen Körner sowie der angenommenen Temperatur und
Tiefe vor dem Magmaaufstieg eine Fließgeschwindigkeit von
mindestens 700 m/Jahr. Somit ist die Entstehung eines Batho­
liths in Jahrzehnten bis Jahrhunderten durchaus realistisch.

Schnelle Intrusion von Granitschmelzen durch Dikes

Die Kontroverse um den Magmatransport ist in vollem Gange
(1). Trotz vieler Wissenslücken kann bemerkenswert deut-
lich festgestellt werden, dass im Erdinneren großräumige Pro-
zesse ablaufen (oder zumindest über gewisse Zeiten der Erd-
geschichte abgelaufen sind), die um viele Größenordnungen
schneller sind als die üblicherweise veranschlagten geologi-
schen Geschwindigkeiten, wie z. B. die Plattenverschiebungen
in der Plattentektonik (gegenwärtig einige Zentimeter pro Jahr).

Referenz

(1) Franz Egli-Arm, Studium Integrale, April 1998, S. 6-16, http://
www.wort-und-wissen.de/index2.php?artikel=sij/sij51/sij51-2.
html.

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