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jour-fixe-initiative berlin Jochen Baumann / Elfriede Müller / Stefan Vogt (Hg.

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Kritische Theorie und Poststrukturalismus Theoretische Lockerungsübungen

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Ursprünglich erschienen im Argument Verlag als Argument Sonderband 271.
(Die Seitenzahlen dieser Datei entsprechen nicht denen des Buches.) Die Deutsche Bibliothek – CIP-Einheitsaufnahme Kritische Theorie und Poststrukturalismus : theoretische Lockerungsübung / Jour-Fixe-Initiative Berlin. Jochen Baumann ... (Hrsg.). – Berlin ; Hamburg : Argument-Verl., 1999 (Argument-Sonderband ; N.F., AS 271) ISBN 3-88619-271-7 | Erste Auflage 1999

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Inhalt

jour-fixe-initiative berlin: Kritische Theorie und Poststrukturalismus. Theoretische Lockerungsübungen

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I. Teil Michael T. Koltan: Adorno gegen seine Liebhaber verteidigt Jochen Baumann: Wertkritik in der Postmoderne Roger Behrens: Die Rückkehr der Kulturindustriethese als Dancefloorversion. Zur Dialektik materialistischer Pop- und Subkulturkritik Andreas Benl: Eine Situation schaffen, die jede Umkehr unmöglich macht. Guy Debord und die situationistische Internationale

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II. Teil Katja Diefenbach: [The crack up:] Kapitalismus verstehen. Poststrukturalistische Mikropolitiken bei Guattari, Deleuze und Foucault Elfriede Müller: Die Fluchtlinien des Gilles Deleuze Monika Noll: »Radikalisierung des Marxismus«. Derridas dekonstruktive Lektüre der Wertformanalyse Kornelia Hafner: Liquidation der Ökonomie oder ihre Kritik?

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jour-fixe-initiative berlin

Kritische Theorie und Poststrukturalismus.
Theoretische Lockerungsübungen „Sicher ist, daß ich kein Marxist bin“ (Karl Marx) „Ich bekenne mich zum Geist des Marxismus“ (Jacques Derrida) Dieser Sammelband befasst sich mit dem Verhältnis von Kritischer Theorie und Poststrukturalismus. Die hier vereinigten acht Essays enstanden im Rahmen einer Veranstaltungsreihe der jour fixe-initiative (berlin) zu diesem Thema von Oktober 1997 bis April 1998 im Kulturhaus Mitte in Berlin und wurden für diese Publikation überarbeitet. Die Kritische Theorie und der Poststrukturalismus haben einen gemeinsamen Ausgangspunkt: Die Kritik der Philosophie der Aufklärung und die Kritik am traditionellen Marxismus. Beide lehnen den Etatismus der kommunistischen Bewegung ab. Gemeinsam ist ihnen die Ablehnung des Begriffs objektiver Interessen und des darauf aufbauenden Verständnisses des Klassenkampfs. Beide betrachten die Psychoanalyse als wesentlichen Teil der Gesellschaftstheorie. Ideologiekritisch re- oder dekonstruieren beide Theorien den sich als zweite Natur gerierenden Sinn, der tatsächlich historischgesellschaftlich konstruiert ist. Entgegen dem ursprünglich in der deutschen Rezeption von Habermas kommenden und vervielfältigten Urteil, der Poststrukturalismus sei eine letztlich irrationalistische theoriepolitische Strömung, der sich politisch neokonservativ artikuliere, sehen wir den Poststrukturalismus – genauer: die Gesellschaftskritik eines Gilles Deleuze und Félix Guattari, des späten Michel Foucault, Jacques Derridas und anderer - als eine Kritische Theorie der Gesellschaft auf der Höhe der Zeit. Dieser Perspektive schließen sich allerdings nicht alle AutorInnen an; einige haben ein kritisches Verhältnis zur Marxrezeption Derridas, andere sehen die Notwendigkeit, von Vereinfachungen und Banalisierungen der heutigen Kritischen Theorie abzurücken, die ihre Grundlagen bereits in der Gesellschaftskritik der Dialektik der Aufklärung haben. Im Schnittpunkt - in der Art eines „ausgesparten Zentrums“ - der Kritischen Theorie und der verschiedenen in den Beiträgen dargestellten Poststrukturalisten steht die Gesellschaftstheorie und Kapitalismuskritik von Karl Marx. Alle AutorInnen stehen in dieser Tradition und bemühen sich, diese in ihren Beiträgen im Sinne einer erneuerten Kritischen Theorie der Gesellschaft fortzuführen. Aus der Auseinandersetzung der Kritischen Theorie und des Poststrukturalismus mit der Philosophie Heideggers, Husserls und Nietzsches folgt ein neues Verständnis von Theorie als eigener Praxis. Allerdings stellt keine der beiden Schulen der Gesellschaftskritik ein homogenes Denkgebäude nach der Art eines Systems dar. Vielmehr verweisen sie in vielen ihrer Momente aufeinander. Gegen die lange in Deutschland herrschende Blockade versuchen wir in diesem Band eine Diskussion aufzunehmen, die in den USA, in Großbritannien, in Italien und vor allem in Frankreich schon längst geführt wird: Daß eine an Marx geschulte Kritische Theorie und ein kritischer Poststrukturalismus sich keineswegs diametral entgegenstehen, wenn es darum geht, die heutige kapitalistische Gesellschaft am Ende des 20. Jahrhunderts zu kritisieren. Im Gegenteil: beide Theorieschulen haben es auf ihre je

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die sich der politischen wie theoretischen Radikalität verpflichtet sieht. daß die gesellschaftliche Totalität als zu kritisierende zwar bestehe. wie dies etwa der radikale Konstruktivismus oder einzelne Vertreter der Postmoderne wie Baudrillard erledigen. worauf die Diskurse begründet und gerichtet sind . Die poststrukturalistische Theorie entwickelte sich spezifisch gegen den die Wissenschaften dominierenden Strukturalismus und gegen die Form. die gesellschaftliche Totalität. in ihren besten Momenten ihre Zeit in Gedanken zu fassen und damit über sie hinauszuweisen. die sie zum Simulacrum erklären. gesellschaftlichen Praxis und Subjektivität vor. Steven: The Postmodern Turn.auf ihre materiellen Voraussetzungen ebenso wie auf ihre keineswegs zufälligen Produkte. Diese Bemühungen in anderen Ländern können sich zum Teil auf eigene Publikationsreihen stützen. die an der Totalität festhalte. Dialektik als eine Logik des Zerfalls ist 1 Vgl. strikt ab. Baudelaire. Es existieren auf einer anderen Ebene erhebliche Differenzen zwischen beiden Theorieschulen. sei selbst Teil der gesellschaftlichen Normalisierung. in der Vermittlung von Allgemeinem und Besonderem gleichsam Idealismus wie Realismus in die Schranken zu weisen und zuallererst darauf zu bestehen. auch die Dialektik der Aufklärung beruht auf einer Ontologie der Herrschaft. Deshalb müsse Theorie vervielfältigen. Genau hier aber hat auch die Kritische Theorie gleich gelagerte Defizite. sondern auch dessen. aber trotzdem nicht vom Denken positiv auf den Begriff gebracht werden kann. die der Kritik bedürfen. Entgegen dem beliebten Vorwurf des „linguistischen Idealismus“ beharren Derrida. der sich von der Vernunft und damit einer vernünftigen Gesellschaftskritik verabschiedet hat. Deleuze/Guattari und Foucault darauf. Deleuze und Guattari stellen neue Modelle der Theorie. daß es auch nicht-diskursive Praktiken gibt. in der seit Descartes Aufklärung gedacht wurde. die ständig Totalisierungen vollziehe. Der Poststrukturalismus bietet dabei allerdings in seinem Rekurs auf eine nietzscheanische Ontologie der Macht und seiner eindimensionalen Kritik des Marxismus selbst Elemente. Die Kritik der »Metaphysik der Präsenz« (Derrida) verfolgt eine ähnliche Strategie der Kritik der Aufklärung wie die Kritische Theorie eines Adorno und Horkheimer. Foucault beispielsweise versteht sich in seinen späten Schriften als in der Tradition der kritischen Aufklärung und der Gesellschaftskritik stehend und betont gleichermaßen Kontinuität wie Diskontinuität der gegenwärtigen Epoche zu der Moderne. 1 Die in den Aufsätzen behandelten Gesellschaftstheoretiker entsprechen allesamt nicht dem feuilletonistischen Idealtypus des postmodernen Poststrukturalisten. welche sie als Alternative zu Praxen der Moderne verstehen. Der Poststrukturalismus ist eine Theorierichtung. New York/London (The Guilford Press) 1997. Bataille oder Rimbaud auf der einen und Nietzsche und Heidegger auf der anderen Seite ergeben sich offensichtliche Berührungspunkte zwischen der Gesellschaftskritik der Kritischen Theorie und Elementen poststrukturalistischer Gesellschaftskritik. daß die Macht in der Gesellschaft nicht nur eine Frage der Diskurse sei. ohne die Existenz einer gesellschaftlichen Realität zu leugnen. Douglas. Der Poststrukturalismus lehnt die zentrale Kategorie und Perspektive der Kritischen Theorie. Vergleicht man hiermit allerdings das Konzept der Kritischen Theorie Adornos. 4 . Eine Philosophie. springen die Verbindungen zur poststrukturalistischen Gesellschaftskritik förmlich ins Auge. Differenzen setzen und jegliche Totalität bekämpfen. Kellner.eigene Weise vermocht. so die explizite These von Deleuze und Guattari. beispielsweise die Semiotext(e) der New Yorker Columbia University oder die Critical Perspectives-Reihe der Guilford Press. Best. Nicht nur bezüglich der Quellen der »dunklen Denker der Bourgeoisie« (Habermas) wie De Sade.

Sie konzentrieren sich alleine auf bestimmte kulturelle Logiken wie Diskurse und Mikropraktiken in. Jacques: Marx‘ Gespenster. unter einer ähnlichen Denkblockade stehend. lehnten andere. die mit ihren Wunschmaschinen wahlweise Nachfolger Wilhelm Reichs oder gar unpolitische Hedonisten par Excellence seien. rückhaltlose Kritik spätkapitalisti2 3 Derrida. a. Sie setzen auf differentielle Betrachtung statt auf dialektische Erlösung des Nichtidentischen. der das Erbe Marx‘ und Adornos beansprucht. Der Poststrukturalismus entstand mit dem Rückzug des sozialphilosophischen Widerspruchsdenkens aus den Kernbereichen der Gesellschaft in die Felder der kulturellen Reproduktion. Stürzten sich die einen auf Mikropolitiken der Gegenmacht und betrachteten die marxistisch inspirierte Kritik kapitalistischer Vergesellschaftung als „totalitär“. und auch Derrida wird spätestens seit seiner fulminanten Neoliberalismus-Kritik kaum mehr als Agent der Bourgeoisie gelten können. daß dies nur für einzelne Teile seines Werkes gilt. es gibt nur deren immanente Kritik. Abgesehen davon aber. 74-75. jede Ontologisierung zu vermeiden und zu kritisieren. der nur politische Verwirrung stiften könne. Mal wurde die Kritik geäußert. Jacques: Marx‘ Gespenster.eine Logik des Denkens und eine Weise der Gesellschaftskritik. 3 Moishe Postone hat in einer Rezension von Marx‘ Gespenster gezeigt. trifft eine solche Kritik Deleuze/Guattari von vornherein nicht. die Dekonstruktion soll dafür das Potential freisetzen. die mit postmodernen und poststrukturalistischen Motiven mehr gemein hat als mit dem eindimensionalen Ableitungsmarxismus. Es gibt auch nach Adorno keine philosophisch haltbare Erkenntnis der Totalität. d.h. pluraler und dezentrierter als in der Kritischen Theorie. Damit stehen sie der ursprünglichen Intention Kritischer Theorie immerhin näher als der in Deutschland äußerst erfolgreiche radikale Konstruktivismus. und dann wurden wieder Deleuze/Guattari als bloß witzig-amüsante Kritiker Freuds wahrgenommen. das die Ereignisse des Mai 1968 in seine Theorie einfließen ließ. Derrida entwickelt ein Denken.a. Deleuze/Guattaris und Derridas in der deutschen Linken war lange blockiert. 89-91. 1995. Der Strukturalismus und der Poststrukturalismus hängen außerdem sehr eng mit der Mai-Revolte von 1968 zusammen. 2 Die postkapitalistische Zukunft muß nach Derrida total mit der bisherigen Geschichte brechen. Die Beschäftigung mit dem Poststrukturalismus liefert daher eine Reihe von thematischen Ergänzungen. die weder vom Marxismus noch von der Kritischen Theorie behandelt wurden. das in der Lage sein soll. 5 . Die Defizite des Marxismus resultieren für ihn aus einer »Ontologisierung des Spektralen«. oder als der negativistische Ableitungsmarxismus der Wertkritik. den Poststrukturalismus in toto als affirmative und völlig unkritische Denkrichtung ab. Derrida. S. Macht ist in der postmodernen Theorie verstreuter. Zutreffend an diesen Kritiken ist sicher. daß Makro-Mächte wie Staat und Kapital bei Foucault im Vergleich zur Kritischen Theorie nicht als zentral erachtet werden. S. Der Anti-Ödipus Deleuzes und Guattaris war das erste philosophische Werk. wie diese Kritik des traditionellen Marxismus bis hin zur Ontologisierung des Werts durch die postadornitische Wertkritik für eine radikale. Frankfurt/M. Foucault vernachlässige den Staat und die Institutionen als Basis der Macht in modernen Gesellschaften. Die wenigsten poststrukturalistischen Ansätze entwickeln eine Theorie kapitalistischer Vergesellschaftung oder reflektieren auf die Rolle des Staates.O.und außerhalb von Institutionen. Die im vorliegenden Band verhandelten Poststrukturalisten verstehen sich dafür als Philosophen der Aktion. die neueste Neuauflage des deutschen Idealismus. 21. mal galt Derrida als semifaschistoider Heidegger-Schüler. Die Rezeption der Theorien Foucaults..

a. Kapital und abstrakte Arbeit heraus. Auch für Derrida gilt daher. Conversations with Duccio Trombadori. in: History and Theory H. der Tigersprung aus der Geschichte. eine kritische Theorie auf der Höhe der Zeit zu entwickeln – befreit von diesem Ballast und offen für Neues. New York (Semiotext(e) 1991. Marx‘ Gespenster. das es transformiert und durch es selbst transformiert wird.ist dagegen. 3/1998. verändern bzw. wie für das Ausräumen des Ballastes. die der späte Foucault gegenüber der kritisch-aufklärerischen Haltung der Kritischen Theorie gegenüber empfindet. hätte er die Kritische Theorie früher rezipiert. Es tritt als Form in einen Kontext. Identität. vor dem Menschen und seiner Geschichte als Form existent gewesen sein. Moishe: Deconstruction as Social Critique: Derrida on Marx and the New World Order. sondern interpretiere Marx althusserianisch-orthodox. Derridas Marxlektüre sei nämlich nicht radikal.. was er geworden ist: ein eigenständiger radikaler Weg der Gesellschaftskritik. die es nicht selbst sind. setzt nämlich auch Distanz und Autonomie des Denkens voraus. Sprache und Geschichte aus der klassischen bürgerlichen Philosophie und Wissenschaft mit sich herumschleppt. darin besonders das Kapitel Adorno. in ein Kräfteverhältnis ein. dessen spezifische Form auf Voraussetzungen beruht.h. historisch genug. läßt sich so nicht mehr denken – außer als absolute Differenz zu allem Gesellschaftlichen. Die Bedingung der Möglichkeit von Gesellschaftskritik ginge verloren.Geschichte nicht zu brauchen sei. daß Marx einen Gebrauchswertstandpunkt einnehme und damit sein Denken für den angestrebten Sprung aus der – kapitalistisch determinierten . Sondierungen zu leisten: bedingt der Abschied von der leninistischen Borniertheit der Linken eine Verabschiedung von der Perspektive der Kritik der gesellschaftlichen Totalität? Muß eine notwendige Hinwendung zur Kritik an kulturellen Praktiken einen Rückzug aus der Gesellschaftstheorie bedeuten? In wel4 5 6 Postone. Freundschaftliche Solidarität und die Fähigkeit. Foucault. aber nicht das Kapitalverhältnis selbst. die Struktur der Kapitalisierung soll gar. wenn so argumentiert wird – mit der Vorstellung einer Genese des Kapitalverhältnisses geht notwendig auch seine spezifische Struktur verloren -. 5 Eine theoretische Verewigung des Kapitalverhältnisses dient nicht seiner Abschaffung und widerspricht nicht nur historischen Fakten. Er arbeite nicht den Zeitkern der Marxschen Kategorien wie Wert. d. Michel: Was ist Kritik? Berlin 1992. wie dies im Sinne eines Programmes Kritischer Theorie wäre. 6 Ohne diese Umwege hätte sich der Poststrukturalismus nämlich nicht zu dem entwickeln können. was der späte Michel Foucault selbstkritisch eingestand: er hätte sich einige Umwege und Holzwege in der Entwicklung seines eigenen Denkens ersparen können. 252. den die Kritische Theorie in ihren Konzepten der Subjektivität. eigenständig Gesellschaftstheorie und –kritik weiterzudenken. and Marcuse: Who is a ‚Negator‘ of History?. Derrida. bereits vor der Kultur. ist nach Postone partiell zurückzuweisen. 6 . sondern ein voraussetzungsreiches gesellschaftliches Verhältnis ist. abschaffen läßt sich so höchstens eine Vorstellung des Kapitalverhältnisses.scher Vergesellschaftung fruchtbar gemacht werden kann. der es ermöglicht. pp. sondern auch Derridas eigenem Anspruch: Das gewünschte „Ganz Andere“. nicht König.O. Die verschiedenen Beiträge zu diesem Band stellen sich dieser theoretischpolitischen Situation und versuchen. a. den Derrida gemeinsam mit Walter Benjamin und Adorno gerne ansetzen würde. daß auch das Kapitalverhältnis nicht Gott. wäre das genauso Gift gewesen. Horkheimer. Foucault. 115-130. 4 Derridas Kritik. Michel: Remarks On Marx. Aber für die »freundschaftliche Solidarität«. Richtig an Derridas Theorie – und das verbindet die Dekonstruktion des Kapitalverhältnisses mit dem Strukturalismus und mit der Kritischen Theorie . ähnlich der These der mittleren Kritischen Theorie. S.

die jede Umkehr unmöglich macht. Adornos Homologie von Tauschwert und Identität. Jochen Baumann kritisiert in Wertkritik in der Postmoderne die Konfudierung der Identitätsphilosophie mit der Marxschen Wertformanalyse. Georg Backhaus und anderer geschieht.und Subkulturkritik die "dritte Renaissance" der Kulturindustriethese der Kritischen Theorie. ob der Poststrukturalismus eine antidialektische Weiterentwicklung der Kritischen Theorie auf der Höhe der Zeit darstellt. Deleuze und Foucault fest und erläutert den Begriff der "Mikropolitik". Zur Dialektik materialistischer Pop. Guy Debord und die Situationistische Internationale den Fragen nach. Elfriede Müller begleitet im Aufsatz Die Fluchtlinien des Gilles Deleuze den radikalen Philosophen auf der Suche nach den Leckstellen der Vergesellschaftung. um sie mit der Marxschen Kapitalkritik zu kontrastieren. Kapitalismus verstehen. Poststrukturalistische Mikropolitiken bei Guattari. Die Thesen zur Kulturindustrie scheinen ihm für eine Kritik gesellschaftlicher Tendenzen wesentlich geeigneter als die verbreitete stereotype Lesart. Deleuze wollte Fluchtlinien schlagen. wo die Kritische Theorie über den Poststrukturalismus hinausgeht bzw. Monika Noll untersucht in ihrem Essay Dekonstruktion und Vermittlung. mit dem eine radikale Kritik des post-postmodernen Kapitalismus möglich ist? Der zweite Teil dieses Bandes geht der Fragestellung nach. die sich bei einer aktuellen Lektüre von Guy Debords Gesellschaft des Spektakels ergeben: Ist der Situationismus die letzte Rettung bewegungslinker und popkultureller Strategien? In welchem Verhältnis steht die hegelmarxistische Kritik des Spektakels zur Antidialektik postmoderner (Medien-) Theorien? Stellt die Theorie und Gesellschaftskritik Debords ein Bindeglied zwischen Marx. Mit Frederic Jameson argumentiert er. Ein neues produktives Verhältnis von Dialektik und Differenz ist für derartige Analysen nötig. Ihr können die Verfahrensweisen der immanenten Kritik und des konstellativen Denkens Adornos entgegengesetzt werden. um das Ereignis zu rehabilitieren. Roger Behrens untersucht in Die Rückkehr der Kulturindustriethese als Dancefloorversion. sondern daß das Problem der gesellschaftlichen Synthesis um die Reproduktion der Gesellschaft mit all ihrer Fraglichkeit und Gefährdetheit zu zentrieren ist. Im Aufsatz Adorno gegen seine Liebhaber verteidigt analysiert Michael T. der poststrukturalistischen Kritik nicht standhält. wie es in der „Wertkritik“ eines Alfred Sohn-Rethel.h. der Kritischen Theorie und dem Poststrukturalismus dar. die deren eigentlichen Kern einfach ausklammert. dem Denken seine Geschwindigkeit wiedergeben. daß der Begriff der gesellschaftlichen Synthesis nicht apriorisch. Gedanken zu Jacques Derrida den Begriff der Dekonstruktion am Beispiel von Marx‘ Gespenster 7 . der Reflexion oder Kommunikation der ewigen Werte befreien. sei eine Stärke der Analysen Foucaults und Guattaris. d. die zu einer Refundamentalisierung der Kritischen Theorie als Werttheologie führte. vorausgesetzt werden kann. Koltan die Nietzscheanischen Wurzeln in Theodor W.chem Verhältnis steht die Kritik der Kulturindustrie in der Kritischen Theorie zur Kritik kultureller Machtpraktiken des Poststrukturalismus? Ist die Kritik herrschaftlicher Codierung kultureller Praktiken die nötige Fortsetzung der Kritik der Kulturindustrie? Der erste Teil des Bandes untersucht. Das Eingreifen von politischen Technologien und Kontrollmechanismen in das Alltagsleben deutlich gemacht zu haben. stellt Katja Diefenbach in ihrem Beitrag [The crack up]. die auf die "Tauschwertlogik des Systems" verweist. Andreas Benl geht in seinem Beitrag Eine Situation schaffen. es von der Kontemplation.

a. daß das kritische Denken und die Gesellschaftskritik von den einzelnen Dingen aus denken sollte. Marx‘ Gespenster. der sich nicht in Einebnungen gewiß wichtiger Differenzen zwischen beiden ergeht. ohne Staat.O. S. In diesem Sinne sind beide Kritische Theorien der Gegenwart. Hier sind radikaler Poststrukturalismus und kritisch-materialistische Theorie notwendig aufeinander verwiesen. beide bestehen darauf. Nur so ist eine Kritik der Identitätslogik und des identifizierenden. ohne Organisation. die nicht in ihren Begriffen aufgehen. 8 . Gemeinsame gesellschaftstheoretische und politische Grundlagen sollten diese notwendige Debatte ermöglichen und befördern.und Subjektkritik hat erst begonnen. In Derridas Worten: »Es ergeht an uns die Forderung« der »Verbindung eines Wiederzusammenfügens ohne Verbündeten. ohne Eigentum«. Staats. ohne Partei. 7 jour-fixe-initiative berlin 7 Derrida. Gerade in der Negativen Dialektik zeigt sich deutlich der Punkt.und kritisiert an ihm einen radikalen Vermittlungsgestus. subsumtionslogischen und herrschaftlichen Denkens möglich. Kornelia Hafner interessiert sich für die Konsequenzen der Spätkapitalismuskritik Adornos und wirft ihr in Liquidation der Ökonomie oder ihre Kritik? vor. Diese Debatte und Auseinandersetzung zwischen neuer Kritischer Theorie und den gesellschaftskritischen Potentialen des Poststrukturalismus auf dem Feld der nicht nur bei Marx unterbelichteten Technik-.. Beide erweisen sich als Theorien der Differenz. sobald konkrete Gesellschaftskritik betrieben wird. an dem sich Kritische Theorie und Poststrukturalismus am stärksten in ihren Intentionen annähern. Ein weiterer Dialog zwischen beiden Theorien ist nötig. ohne Nation.a. der sich von dem der Kritischen Theorie Adornos nicht wesentlich unterscheide. der aber auch sieht. die sich produktiv gegenseitig befruchten und ergänzen können. daß ein vernünftiger Begriff vom Kapitalverhältnis darin verloren gehe. 56. daß beide verschieden ausgeprägte gesellschaftskritische Potentiale bergen.

I. Teil 9 .

als stünde hinter diesen Abwehrgesten das Bedürfnis. wird. sich der Adornoschen Zumutungen zu entziehen. Schließlich erlauben es einem diese. Was Adorno seinen Leser zumutet ist eigentlich derart unerträglich. als die Adornos Schriften empfunden werden. denn eine säuberliche Trennung von Theorie und Praxis läßt sich gar nicht so vornehmen. Hier läßt sich überhaupt nicht auseinanderhalten. keinesfalls illegitim ist: Adorno will widerlegt werden. Recht schnell hat man den Eindruck. von sich fernzuhalten. sich auf einer keineswegs intellektuellen Ebene der Zumutungen zu erwehren. die auf eine Überwindung der herrschenden Gesellschaftsordnung zielt.mit einem Hinweis auf eben diese Aussagen zum Jazz . sondern in der Praxis. Undenkbar was der Adorno-Rezeption zugestoßen wäre. oder ob sie nicht vor allem vom Wunsch beseelt ist. mit dem sie hervorgestoßen werden. Daß die Aussicht. entdeckt man ein höchst interessantes Phänomen: Noch in die wohlwollendsten Interpretationen schleichen sich meist einige gereizte Bemerkungen. durchaus zu Recht. wie die einfache Formulierung suggeriert.Michael T. Bei Adornos Texten ist dies grundsätzlich anders. Zur gesellschaftlichen Praxis. Es geht darum. daß der Wunsch. Adorno möge unrecht haben. in denen der Autor seine zumindest partielle Distanz zu Adorno dokumentiert. daß der Einzelne keineswegs Herr seiner selbst ist. Seine besondere Heimtücke erhält dieses Dilemma vor allem dadurch. die das Individuum darin spielt. andererseits aber . Wenn also im folgenden theoretische Kritik an Adorno geübt wird. das in Adornos Schriften entworfen wird. die gleichwohl nicht in einen durch nichts zu begründenden Optimismus. daß er doch manchmal über das Ziel hinausgeschossen sei. Schon wenn man die Literatur zu Adorno nur oberflächlich durchsieht. daß die Selbsterhaltung dazu zwingt. Diese affektive Seite der AdornoRezeption verweist auf den besonderen Charakter der Schriften Adornos. verfallen darf. Adorno zwar allgemein ganz prima zu finden. ein falsches oder vielleicht besser: schiefes Bild von gesellschaftlicher Synthesis zu kritisieren. das einzige Gefühl. Tatsächlich sind diese Reaktionen durchaus in der Sache begründet und legitim. nicht in der Theorie. ist Langeweile. gehört auch eine theoretische Widerlegung Adornos. und darauf ist mit aller Nachdrücklichkeit hinzuweisen. Undenkbar. Doch auch diese letztere Formel ist wieder zu einfach. Adorno möge unrecht haben. derer man sich zu erwehren hat. Die von Adorno permanent beschworene Einsicht. daß Habermas derartige Emotionen auslösen könnte. Interessanter als der Inhalt der dann doch meist ziemlich stereotypen Anwürfe ist der gereizte Ton. seine Diagnose der Gesellschaft und der Rolle. Koltan Adorno. Allerdings. was den Charakter dieser Gesellschaftsordnung betrifft. Dies wirft ein bezeichnendes Licht auf jede Kritik an Adorno. die dabei entworfen 10 . gegen seine Liebhaber verteidigt Kritik Kritik an Adornos Schriften zu äußern. sondern bis in die kleinsten Regungen gesellschaftlich präformiert. das dessen Texte beim Leser hervorbringen. dann nicht aus dem Grund. ist ein äußerst zwiespältiges Unterfangen. hätte dieser nicht seine Haßtiraden auf den Jazz veröffentlicht.darauf hinzuweisen. als eine Bedrohung empfunden. ob eine Kritik nun sachlich berechtigt ist.

allen anderen armseligen Trotteln. dem Rückfall in Barbarei bedroht. Dieser hängt mit den bereits beschworenen Abwehrstrategien gegenüber Adornos Schriften zusammen. Hier wird die Hermetik der kapitalistischen Gesellschaftsformation noch einmal verdoppelt. wo das Theorem vom universellen Schuldzusammenhang nurmehr dazu verwendet wird. daß Adorno meiner Ansicht nach teilweise sachlich unrecht hat. Tausch Diese Kritik setzt an einer für die Kritische Theorie zentralen Kategorie an. ohne daß es eine Garantie dafür geben kann. warum eine solche Kritik dringend nötig ist. die bislang nicht erwähnt wurde. und gegen diese Liebhaber soll Adorno auf die einzige Art und Weise verteidigt werden. Tatsächlich geht die Über- 11 . die ihm angemessen ist. Es gibt nämlich noch eine andere Strategie. so ist auch der Einzelne permanent von der Regression. nämlich indem man ihn kritisiert. Die Aussichtslosigkeit der Lage wird so zum sicheren Refugium. Adornos Einsicht. liegt möglicherweise im Pessimismus des Vortragenden. die über jedes xbeliebige Thema die immer gleiche Wertkritik-Soße ausschütten. Wie die Gesellschaft. der Wertform. Bei Marx hatte die Darstellung der Wertform längst nicht den hypertrophen Anspruch. die einen aller Anstrengungen entbindet. daß sie sich seinen Texten bedingungslos unterwerfen. sich der Bedrohlichkeit der Adornoschen Theoreme zu erwehren. die dem Vortrag seinen Titel gegeben hat.wird. sie könnten gesellschaftlich etwas verändern. Adorno wollte mit diesem bon mot daran erinnern. am einzelnen Phänomen braucht nur noch das bereits vollzogene Urteil vollstreckt werden. außer dem. indem man unter dem Deckmäntelchen Kritischer Theorie selbstgerechte Besserwisserei zelebriert. einen ruhigen Ort. vorzurechnen. Statt der realen Verstrickung wenigstens im Gedanken etwas entgegenzusetzen. den diese radikalen Kritiker ihr zuschreiben wollen. auf das man sich im Notfall immer zurückziehen kann. sich dem allgemeinen Sog zu entziehen. geschweige denn an ihr etwas zu verändern. die meinen. suhlt man sich begeistert in der Aussichtslosigkeit der Lage. vielleicht auch in der Sache begründet. zur unhinterfragbaren Position. jede Ambivalenz ausgemerzt. der des Tausches. wird hier gegen die Intention des Autors gewendet. bedarf es eigentlich keiner gesonderten Untersuchung irgendeines Phänomens. daß es innerhalb der kapitalistischen Gesellschaft niemals eine sichere Position. keineswegs rosiger aussieht als bei Adorno. Da man der Meinung ist. daß dieser Versuch auch nur ansatzweise gelingt. ist in den letzten Jahren Steckenpferd einer spezifischen Variante von Linksradikalen geworden. Psychoanalytisch ist diese Strategie unter dem Namen der "Identifikation mit dem Aggressor" bekannt. Es gibt allerdings auch noch einen guten zweiten Grund. und es bedarf der permanenten Anstrengung. diese Lage tatsächlich zu begreifen. Kritik des Warentausches. denn mit der Kritik der Wertform hat man apriori die Kritik schon geleistet. Ins Gegenteil verkehrt aber wird diese Einsicht. mit der Kritik der Wertform den wesentlichen Schlüssel zur Kritik der kapitalistischen Gesellschaft zu besitzen. ein einmal Erreichtes gibt. wie unglaublich dämlich sie doch sind. Kritik als Ketzerei verfolgt. Diese Sorte Liebhaber der kritischen Theorie ist es. Es gibt unter Linksradikalen eine Spezies von Adornojüngern. daß es kein richtiges Leben im falschen gebe. die Adorno gerade dadurch entschärfen. Mit der Rigidität typisch autoritärer Charaktere werden Adornosche Theoreme für sakrosant erklärt.

als echte arché im aristotelischen Sinne. Tatsächlich wird der Begriff des Tauschs aus dem Begriff des Opfers entfaltet. dient vielmehr der Konsolidierung. um die klassisch dialektische Formel zu gebrauchen. Die faschistischen Bilder. das die Faschisten von ihren Anhängern fordern. sondern vielmehr um erkenntnistheoretische Begrifflichkeiten handelt. Indem die archaischen Opferrituale der Aufklärung unterworfen werden. zu kanalisieren und gerade im Sinne dieser Modernisierung zu nützen. weil das Opfer sozusagen dem Tausch vorausgeht. im Unterschied zu Marx. der vor der Zeit lag. Bei letzteren hatte in der Tat der Begriff des Tausches und der Tauschwertlogik einen ganz zentralen Stellenwert in ihre Kritik der bürgerlichen Gesellschaft als bei Marx. in der der Opferkult eine wesentliche Rolle spielt. daß es sich keineswegs um ökonomische. Ich will dabei anhand der Dialektik der Aufklärung. die von vornherein auf Konzentration und staatliche Regulierung hinzielte. in denen. in dem Zirkulation und Intellekt diese imaginierte ursprüngliche Einheit zersetzten. daß die Marxsche Kritik der politischen Ökonomie überhaupt nicht konstitutiv in den Begriff eingeht. Aus naheliegenden Gründen haben Adorno und Horkheimer den Zusammenhang von Tausch und Opfer in der Dialektik der Aufklärung entfaltet. Gezeigt werden soll. Indem Horkheimer und Adorno den engen Zusammenhang zwischen dem Opfer und dem Tausch herausheben. Das Opfer. daß die philosophischen Fragmente der Dialektik der Aufklärung zuerst und vor allem die Absicht verfolgten. der Dialektik der Aufklärung zufolge. zu einem Zustand zurückzukehren. archaischen Zustand beschwören. Es wird deshalb länger bei diesem Begriff zu verweilen sein. die durch die kapitalistische Modernisierung ausgelöst wurden. In der Kritischen Theorie fungiert der Tausch. schlagen sie um in Tauschhandlungen. Der äußere historische Anlaß ist leicht zu konstatieren. was dieser Begriff bei Horkheimer und Adorno impliziert. Opfer Wenn ich nun mit dem Begriff des Opfers und nicht mit dem des Tausches beginne. vollstreckte aber gerade damit die bereits von Marx aufgezeigte Gesetzmäßigkeit dieser freien Zirkulation. die diffusen Ängste. das Opfer aufgehoben ist. dienen keineswegs dem Zweck. daß es sowohl überwunden als auch aufbewahrt ist. Der Tausch ist. in der die Zentralität der Tauschkategorie ausführlich entfaltet wird. und es wird zu zeigen sein. Die antikapitalistische Rhetorik der Faschisten verdammte zwar den losgelassenen laissez-faire-Kapitalismus. die ungegängelte Zirkulation. nicht der Abschaffung der kapitalistischen Akkumulation. die einen rohen. die Katastrophe des Nationalsozialismus in Worte zu fassen. Um die Wichtigkeit dieses Unterfangens deutlich zu machen. als grundlegendes Prinzip. in dem die Einheit des Volkes in Blut und Boden noch intakt war. darstellen. Und zwar aufgehoben in dem bekanntermaßen vertrackten Sinn. um seine Implikationen in ihrer ganzen Reichweite auszuloten. die in Konstellation mit der Kategorie des Tausches gebracht werden müssen. die rationalisierte Form des Opfers. betreiben sie Kritik an der Nationalsozialistischen Ideologie.bewertung des Wertformkapitals im Marxschen Kapital ganz wesentlich auf 68erRezeption der Kritischen Theorie Horkheimers und Adornos zurück. dann deshalb. In diesem Kontext müssen Adornos und Hork- 12 . sei an die Funktion der faschistischen Ideologie erinnert: Die kruden Archaismen der faschistischen Ideologie dienten im wesentlichen dazu. Man muß sich nur vergegenwärtigen.

auf Grund der Notsituation wahrscheinlich sogar in Form von Kannibalismus. Dem Opfer wird von den faschistischen Ideologen eine Unmittelbarkeit zugesprochen. Gleichzeitig. daß das Opfer umso wirksamer ist. verweist auf ihre prähistorischen Ursprünge. die der im Führer inkarnierten Nation im Arbeits-. darauf wies Klages bereits in der eben zitierten Passage hin. geheiligt.]. die das Individuum der Gattung opfert. die Horde oder den Stamm zu dezimieren. die Überwindung des Opfers darstellt. sich von dem zu trennen. Diese ultima ratio des Opfers. Die mehr oder minder banale Tätigkeit. wenn sie versuchen. und das macht die zweite Ebene des Opfers aus. weil jeder [. je schwerer es fällt. Fußnote. sondern muß eben opferwürdig sein. Es ist aber nicht vom Tauschen im Sinne des gewöhnlichen Gütertauschs die Rede [. was geopfert wird.] vom Leben und allen Gütern des Lebens den ihm umfaßbaren Anteil [. Dialektik der Aufklärung. ob dieses Absolute nun wie bei Klages als »das tragende und nährende Leben der Welt« halluziniert wird oder eher als die Opfer. Die Perfidie der Opferideologie liegt ja gerade darin. Th. wird das. Bd.« 1 Zwei Dinge vor allem zeichnen das Opfer aus: Zum einen. in dem Maße setzt auch die Aufklärung in ihrer ganzen Dialektik ein. sondern vom Austausch der Fluiden oder Essenzen durch Hingebung der eigenen Seele an das tragende und nährende Leben der Welt. sofort die höheren Weihen einer Kommunikation mit dem Absoluten. was geopfert wird.73.in: Max Horkheimer. begründet keineswegs die Legitimität der Opferideologie.. sich über die Naturnotwendigkeit zu erheben. die die Form bedingungsloser Unterwerfung annimmt. daß er beständig gibt und wiedergibt. Und gerade deshalb kann und darf das Geopferte nicht irgend etwas Beliebiges. um das Überleben der Gattung zu sichern..5. so Horkheimers und Adornos Feststellung. der seinen eigentlichen Wert bei weitem übersteigt. Wehr. daß bei zu stark ansteigender Population die Notwendigkeit bestand. Somit ist das eigentliche Opfer das des eigenen Lebens. bekommt es einen Wert. die scheinbar unmittelbare Kommunikation mit dem Absoluten. Werke.W. ganz im Gegenteil.. daß sie als Opfer deklariert werden. Indem das Geopferte Teil des Absoluten wird. Der Geist als Widersacher der Seele. Aufklärung.. In dem Maße. Adorno zitiert zur Illustration Ludwig Klages mit den Worten: »Das Opfernmüssen schlechthin betrifft einen jeden. das Büffeln am Schreibtisch oder das Krepieren im Schützengraben erhalten dadurch... ist wesentlich Überwindung des Opfers. das Opfer in eine Kommunikation mit einer höheren Macht und Heiligung der Opergabe 1 Ludwig Klages. wobei das Opfer selbst schon. wobei Kommunikation eigentlich schon zu distanziert ist: Es wird eine unmittelbare Einheit mit dem Absoluten imaginiert.] nur dadurch empfängt. 13 . Denn es macht gerade die Besonderheit der menschlichen Gattung aus. S. Horkheimer und Adorno erklären zumindest die Ursprünge des Menschenopfers daraus. und das verweist wieder auf die merkwürdige Dialektik von Opfer und Tausch. womit natürlich der Soldatentod als Opfer für die Nation zur ultima ratio des Opfers stilisiert werden kann. die dessen blutige Archaik der verabscheuten bürgerlichen Zirkulation entgegensetzte. Wo der Kannibalismus in Opferritualen gebändigt ist. die sie in unmittelbaren Gegensatz zu der in der Zirkulation der Waren gelegenen Vermittlung bringen soll. in dem eine hypothetische reale Notwendigkeit des Menschenopfers überflüssig wird. Wie dem auch immer sei: Daß das Opfer in irgendwelchen prähistorischen Zeiten vielleicht tatsächlich notwendig war.Adorno. das Kruppen in der Fabrik.heimers Bemühungen gesehen werden. die irrationalistischfaschistische Ideologie des Opfers zu unterminieren. zitiert nach: Max Horkheimer.und Wissensdienst gebracht werden müssen. ist prinzipiell nebensächlich..

die bei diesem Tausch die eigentlichen Verlierer sind.uminterpretiert und der Schmerz erträglich gemacht wird. Geopfert wird mit der Intention. für die Opfergabe etwas zurückzuerhalten. auf Geheiß der Götter. der seinen Sohn Isaak. Tausch. und Gott verspricht Abraham allein für seine Bereitschaft zum Opfer: »Weil du das getan hast und deinen einzigen Sohn mir nicht vorenthalten hast. sozusagen technisch eingesetzt wird. was sie an der bürgerlichen Gesellschaft verabscheute. durch die Intentionalität der Opferhandlung. bei dem man mehr zurückerhält als man tatsächlich gegeben hat. das für den Opfernden einen höheren Wert besitzt als die Opfergabe selbst. Das Opfer wird hier strukturell zu einem Geschäft. die Einmaligkeit der Opfergabe verflüchtigt sich in die Beliebigkeit eines Tauschobjektes. oder dasjenige Agamemmnons. weit davon entfernt.Heideggers "Entschlossen2 Gen 22. mit der die Götter übertölpelt werden sollen. was es der faschistischen Ideologie nach überhaupt nicht sein darf. will ich dir Segen schenken in Fülle und deine Nachkommen zahlreich machen wie die Sterne am Himmel und den Sand am Meeresstrand. Ein für Adorno und Horkheimer wesentlicher Schritt ist dabei der zur Substitution der Opfergabe. sondern schlägt um in einen deal. die das Opfer dem Tausch entgegengesetzt hatte. Dies wird deutlich. Isaak wird durch einen Widder ersetzt. durch ein Tieropfer ersetzt. ad absurdum geführt. wird der Tausch für Horkheimer und Adorno zu einer Art condition humaine. Dieser Schritt wird festgehalten in den klassischen Opfermythen. Subjekt und Objekt Die faschistische Ideologie hatte das Opfer als Gegenpol zu all dem. Das Menschenopfer wird hier. Hätte dieser Aufweis einer Dialektik von Opfer und Tausch nur diese ideologiekritische Dimension. Das Opfer selbst schlägt.26-27. Damit aber ist die archaisierende Ideologie. aufgerichtet: Individualismus. Doch dieser Schein trügt. könnte man sie als durchaus interessantes. ein Tauschgeschäft mit den höheren Mächten. in dem das Individuum über sein kleinliches Selbst hinauswächst und unmittelbar mit dem Kollektiv eins wird. als eine Art historischer Ergänzung zu Marx' rein logischer Analyse der Wertform. Das Opfer sollte ein nicht rational begründbarer Akt sein. Damit aber wird das Opfer gerade zu dem. das Endergebnis weist das Opfer als gelungenes Geschäft aus. von alleine um in Tausch. Doch gerade dadurch offenbart sich auch die Irrationalität des Opfers. ohne Hintergedanken zu opfern bereit ist. wenn wir den weiteren Implikationen dieses Theorems nachgehen. ein historischer Exkurs zu den Ursprüngen des Tausches zu sein. damit die griechische Flotte nach Troja segeln kann. Auch wenn Abraham Isaak sozusagen reinen Herzens. aber nicht allzuwichtiges Moment einer Theorie des Tausches zur Kenntnis nehmen. Zum Tausch wird das Opfer dadurch.« 2 Das Opfer ist von vornherein nicht einfach Hingabe an das Absolute. etwa des Opfers von Abraham. der seine Tochter Iphigenie den höheren Mächten zu übergeben bereit ist. die den Prozeß der Aufklärung weitertreibt. 14 . Es ist eine List. Iphigenie etwa wird für günstige Winde eingetauscht. rationales Kalkül. Ein sozusagen freier und unbegründbarer Entschluß . ist bereits die Unmittelbarkeit der barbarischen Naturnotwendigkeit gebrochen. daß es rational.

die ihren eigentlichen Ursprung in der Fortentwicklung der Produktivkräfte haben. der direkt zu denken ist. der Odyssee. Bei Marx war der Zusammenhang zwischen der Konstituition des bürgerlichen Subjekts und der Entfaltung des Warentauschs selbst nur indirekt.und gleichzeitig ein identisches Selbst zu erhalten. nämlich das Verhältnis von Subjekt und Objekt. Doch diese auf der Hand liegende Rationalität von Mittel und Zweck. als man geopfert hatte. Grundsätzlich hatten Horkheimer und Adorno diese Opferideologie schon dadurch ausgehebelt.wird dieser "Umweg" über die Entwicklung der Produktivkräfte ausgespart. kann nur auf den ersten Blick verblüffen.beziehungsweise Tauschhandlungen. für das Opfer mehr zu erhalten. Bei aller Irrationalität des Opfers im ganzen. Bei Horkheimer und Adorno . Abraham macht eine gute Investition für die Zukunft. sondern als ein durch die Warenzirkulation erst gesetztes interpretiert. Möglich wurde eine derartige. Daß die Konstitution des mit sich identischen Subjekts im Zusammenhang mit der Entstehung des Tausches gesehen wird. Beide Phänomen sind sozusagen parallele Entwicklungen. wie das identische Selbst auf einem Tauschgeschäft beruht. mit sich selbst identischen Individuums in die Köpfe einsickern.heit" läßt grüßen . die die ritualisierte Opferhandlung bereits in nuce enthält.und genau darauf wird unser Augenmerk zu richten sein . Schon bei Marx also ist der Zusammenhang von Subjektkonstitution und Warentausch entfaltet. Resultat der Auflösung vorbürgerlicher Produktionsverhältnisse. Es gehört zu den Kabinettstückchen der Dialektik der Aufklärung. die im Übergang vom Opfer zum Tausch entspringt.sollte über die kleinlichen Abwägungen von Zweck und Mittel. daß die rationale Abwägung von Mittel und Zweck. die personalen Abhängigkeiten aufgelöst und durch die Bande des Warentausches ersetzt werden. als er sich bereiterklärt. seinen Sohn Isaak zu opfern. das sich wesentlich durch Freiheit und Unabhängigkeit auszeichnet. die den bürgerlichen Krämerseelen so ans Herz gewachsen sind. Doch sie gehen noch weiter: Sozusagen als Negativbild der faschistischen Ideologie bemühen sie sich zu zeigen. weit über Marx hinausgehende Deutung durch die Einsichten der Psychoana- 15 . wie in diesem Übergang vom Opfer zum Tausch die wesentlichen Strukturen zumindest der abendländischen Rationalität grundgelegt werden. um im Tausch dafür das Überleben . Die Abenteuer des Odysseus werden von ihnen gedeutet als rudimentäre Opfer. daß noch ein anderer Dualismus als der von Zweck und Mittel in dieser ursprünglichen Form des Tausches schon angelegt ist. steckt insgeheim schon die listige Abwägung dahinter. Sie stellen einen Zusammenhang von Tausch und Subjektkonstitution her. die unsere Vernunft auszeichnet. Am Beispiel der Figur des Odysseus stellen sie dar. in denen Odysseus listig sein Leben aufs Spiel setzt. ist nicht die einzige grundlegende Struktur unserer Vernunft. Indem die mehr oder minder auf Subsistenz ausgerichteten agrarischen Produktionsverhältnisse sich zersetzten. Doch Adorno und Horkheimer gehen noch einen Schritt weiter. Diese Konstitution des bürgerlichen Subjekts aus dem Tausch entfalten sie anhand des Homerischen Epos. konnte überhaupt erst die Illusion des unabhängigen. hinausweisen. Nach Marx ist das bürgerliche Individuum. Bereits Marx hatte das bürgerliche Individuum nicht als ein sozusagen ursprüngliches Phänomen. bereits im Opfer enthalten ist. wie Horkheimer und Adorno die Konstitution des bürgerlichen Subjekts im Übergang vom Opfer zum Tausch lokalisieren. Horkheimer und Adorno behaupten vielmehr. Offensichtlich ist. daß sie den direkten Zusammenhang von Opfer und Tausch aufgedeckt hatten.

Dieser muß getrotzt und in der Überwindung der Gefahr stählt sich dann das Selbst. männliche Charakter des Menschen geschaffen war. bis das Selbst. Horkheimer und Adorno schreiben : »Furchtbares hat die Menschheit sich antun müssen. Geopfert wird die Lust auf dem Altar der Verfolgung langfristiger Ziele. Reinbek1974. sondern an Ort und Stelle wollten sie unter den Lotophagenmännern den Lotos rupfen und bleiben und der Heimkehr vergessen. geht einher mit einer Verdinglichung der Natur überhaupt. So wie in der Subjektkonstitution die eigenen Triebe zu einem Fremden. daß sie sich eilen und die schnellen Schiffe besteigen sollten. daß die Besonderheit der Opfergabe ausgelöscht wird. zweckgerichtete. sondern gaben ihnen zu essen von dem Lotos: und wer von ihnen aß die honigsüße Frucht des Lotos. Recht plastisch wird diese Struktur etwa in der Episode bei den Lotophagen: »Es sannen die Lotophagen gegen unsere Gefährten kein Verderben. die vom vom Genuß des Lotos droht. agiert als das personifizierte Überich. ist dieser Fortschritt an Humanität und Rationalität dadurch erkauft. Dialektik der Aufklärung. Bürgerliche Rationalität fußt auf der zunehmenden Entfernung von Natur und deren Degradierung zum bloßen Objekt technischer Manipulation. der identische. 16 .56. Was Adorno und Horkheimer letztendlich an Odysseus exemplifizieren ist die Ausbildung des Ichs durch Triebunterdrückung. die Heimkehr nach Ithaka. ist Horkheimer und Adorno bereits im Übergang vom Opfer zum Tausch angelegt. Die Konstitution des Selbst durch Ausschließung der eigenen. Planbarkeit der eigenen Existenz wird erkauft durch die Distanzierung von der eigenen Naturhaftigkeit. Auch die Verdinglichung der äußeren Natur. Adorno. Die Odyssee (Übersetzung von Robert Schadewaldt). Bd.« 3 Die einzige Gefahr. so die äußere Natur. Dieser teuer bezahlte Tausch muß laut Horkheimer und Adorno als eine Form von Naturbeherrschung gedeutet werden. ihre Reduktion auf bloße Objekte der Manipulation. bedrohen. Werke. Damit sind wir beim beim anderen Pol des Subjekt-Objekt-Dualismus gelandet. S. die eigenen Ziele zu vergessen und sich der unmittelbaren Lust hinzugeben. Um dies etwas genauer auszuführen: Wesentlich ist praktisch allen Abenteuern des Odysseus. Das höhere Maß an Rationalität. Diese führte ich weinend mit Gewalt zu den Schiffen und zog sie in den gewölbten Schiffen unter die Deckenbalken und band sie. in diesem Fall der Beherrschung innerer Natur. der wollte nicht mehr zurück Meldung bringen noch heimkehren. ausgerichtet ist. jede Lust unterdrückt. das Menschenopfer durch ein Tieropfer ersetzt wird.« 4 Der Preis für Rationalität und Selbsterhaltung ist der schmerzliche Verzicht auf unmittelbare Lust. Ständig schwebt über ihm das Damoklesschwert der Regression. Sicherheit. das bekämpft und überwunden werden muß. daß sie das identische Selbst.lyse. 1987. Die 3 4 Homer. der seine Gefährten gewaltsam wieder auf das Schiff schleppt.M. Odysseus. Aber die andern geschätzten Gefährten trieb ich. deren Besonderheit ausgelöscht wird. das mit Rücksicht auf die übergeordneten Ziele. das monomanisch auf einen einzigen Zweck. Frankfurt a.5. damit keiner auf irgendeine Weise von dem Lotos äße und der Heimkehr vergäße. inneren Natur. S. und etwas davon wird noch in jeder Kindheit wiederholt. Max Horkheimer und Theodor W. Bei der Konstitution des bürgerlichen Subjekts findet somit ein Tausch von unmittelbarer Triebbefriedigung gegen Selbsterhaltung statt. Wo das Opfer rationalisiert. die Rückkehr nach Ithaka. ist die. in: Max Horkheimer.111. umgearbeitet werden.

die weit über die gelegentlichen Verbesserungen. es kommt zu Überproduktionskrisen. Doch diese dynamische Entwicklung der Produktivkräfte. als auch der äußeren. im Gegenteil: Diese etwa für Marx grundlegende Ebene wurde noch gar nicht tangiert. verdinglicht. das Lamm. der selbst dazu anreizt. über die eigene Subsistenz hinaus zu produzieren. die älter ist als der Warentausch. Werke. der Selbsterhaltung durch Ausbildung einer speziellen Rationalität. die Besonderheit des Einzelnen ausgelöscht. Wenn also Horkheimer und Adorno die Logik des Tausches kritisieren. Die kapitalistische Produktionsweise erscheint in dieser Perspektive nur als die bislang jüngste und entwickeltste Form eines allgemeinen menschheitsgeschichtlichen Problems. deren weitere Entwicklung er fördert. Der Warentausch wird selbst zu einer Bremse des technischen Fortschritts. Bei Marx ist der Austausch von Waren Resultat eines bestimmten Standes der Produktivkräfte. daß die Kategorie des Tausches bei Adorno und Horkheimer keineswegs auf die Ebene der Ökonomie beschränkt ist. Dies sollte nach Marx der Punkt sein. stellten sie doch bereits die Gattung vor.32. einige nicht unbeträchtliche Probleme mit sich. Verdeutlicht werden sollte mit diesen Ausführungen. die die gesamte abendländische Rationalität bestimmen. noch eigene Qualitäten haben mußten. dann läßt sich diese Kritik keineswegs auf die Kritik der Warenform reduzieren. gerade aufgrund ihrer Universalisierung. Und in dieser Perspektive erscheint der Warentausch nur als Sonderfall einer allgemeinen Tauschlogik. 1987. sondern gerade durch seine Austauschbarkeit definiert ist: »Die Substitution beim Opfer bezeichnet einen Schritt zur diskursiven Logik hin. Dialektik der Aufklärung. Bd. Es wird mehr produziert. Damit greift diese Kritik weit über die Kritik der politischen Ökonomie hinaus. Der Tausch regelt. nicht etwa nur die gesellschaftlichen Verhältnisse der Menschen untereinander. die für die Tochter. das nicht mehr um seiner Besonderheit willen gewählt wird. vielmehr schließt sie eine grundsätzliche Kritik bürgerlicher Rationalität inklusive der dieser entsprechenden Formen der Subjektivität und Objektivität ein. Kritik der "Tauschlogik" Diese Universalisierung der Kategorie des Tausches bringt jedoch. zum anderen entwickelt sich gerade dadurch ein zunehmend anonymer Markt. Dadurch erhält die Entwicklung der menschlichen Produktivkräfte auf einmal eine Dynamik. in: Max Horkheimer.M. Diese Thematik von Naturbeherrschung. wie sie in vorkapitalistischen Formen der Produktion durchaus auch vorkamen. 17 . Die Geburtsstunde der Abstraktion schlägt. die selbst wieder durch den Tausch gesetzt ist. hinausgeht. Rationalität und Abstraktion soll jetzt nicht weiter vertieft werden. sowohl der eigenen.Opfergabe wird zu einem Tauschobjekt. Adorno.5. sondern in einem ganz wesentlichen Maß auch das Verhältnis der Menschen zur Natur. Frankfurt a. Wenn auch die Hirschkuh. Zum einen setzt eine rudimentäre Tauschwirtschaft bereits voraus. an dem der Warentausch selbst dysfunktional wird und seine eige5 Max Horkheimer und Theodor W. Deutlich wird dies etwa im Kontrast zur Marxschen Kategorie des Warentausches. Dem Tausch kommt bei Horkheimer und Adorno vielmehr universale Bedeutung zu: Er ist das praktische Modell grundlegender kategorialer Formen. Sie trugen die Beliebigkeit des Exemplars in sich. erreicht eine Grenze. wenn man Adorno und Horkheimer glaubt. das für den Erstgeborenen darzubringen war. als der Markt absorbieren kann. inneren. S.« 5 Natur wird entzaubert. die der Tausch befördert. daß über den unmittelbaren Bedarf hinaus produziert wird.

und daß es sich hier. die den Begriff schuf. in denen Adorno ansatzweise das Bilderverbot hinsichtlich einer befreiten Gesellschaft übertritt.] Von je. mit der Negation von Fortschritt entspringt in ihrem Prinzip. wie er von Horkheimer und Adorno unterstellt wird. der wahre Fortschritt dem Tausch gegenüber [wäre] nicht bloß ein Anderes sondern auch dieser. empfängt der eine. [.« 6 Man mag derartige Bemerkungen darauf schieben. gar nicht erst bei der kapitalistischen Aneignung des Mehrwerts im Tausch der Ware Arbeitskraft gegen deren Reproduktionskosten. daß der Faschismus als ökonomisches System die Zirkulationssphäre ausgelöscht habe. Kritische Modelle 2. nicht mehr. im Gegenteil. wie andere Elemente.. steht eine klassenlose Gesellschaft. Seine Ursprünge verlieren sich im Dunkel der Vorzeit. der Tausch verschwände. keineswegs eine Abschaffung dieser Logik in Frage. wenn wahrhaft Gleiches getauscht würde.. und auch für die Zukunft ist nicht mit einer Abschaffung zu rechnen. Tatsächlich aber ist diese Forderung eines "gerechten Tausches" durchaus konsequent. wenn man diesen ketzerischen Ausdruck verwenden darf: Da die abendländische Rationalität untrennbar in die Logik des Tausches verwoben ist. Letzteres ist durchaus nicht als Anspielung auf den durchaus berechtigten Pessimismus von Horkheimer und Adorno zu verstehen. in: Stichworte. so zumindest die Marxsche Utopie. zu sich selbst gebracht. um einen theoretischen Rückschritt allerersten Ranges handelt. aber trotzdem wichtige Impulse liefernden Gegenbild.ne Abschaffung provoziert. die über hochentwickelte Produktivkräfte verfügt und keines Austausches mehr bedarf. Frankfurt a. ist das ein Teil ihrer "Utopie". Demgegenüber wurde ihnen die Blütezeit des Bürgertums. zum zwar trügerischen. daß Adornos Beschäftigung mit der Marxschen Kritik der politischen Ökonomie nicht sehr weitgehend war. und insofern vielleicht der Monarchie als politischer Form zu vergleichbar. Doch man braucht sich zur Bestätigung des Befundes nur einige der zugegebenermaßen seltenen Stellen ins Gedächtnis rufen. Wenn man so will. Am Ende.. Diesen transitorischen Charakter hat der universalisierte Tausch.Adorno.W.. Die sozusagen außertheoretischen Gründe für diesen "Rückfall" vor die Marxsche Kritik der politischen Ökonomie dürften in der historischen Situation zu finden sein. gesellschaftlich mächtigere Kontrahent mehr als der andere. begleitet die Menschheit sozusagen ein Stück ihres Weges. Das mag jetzt auf den einen oder anderen begeisterten Adorno-Anhänger wie ein Schlag ins Gesicht wirken. die der Sphäre der Produktionsverhältnisse zuzuordnen sind. S. in der noch die freie Zirkulation die Akkumulation des Kapitals steuerte. diese Rationalität aber auch nicht über Bord geworfen werden soll. Er ist die rationale Gestalt der mythischen Immergleichheit.] Die Erfüllung des immer wieder gebrochenen Tauschvertrags konvergierte mit dessen Abschaffung. Fortschritt. dem Tausch. wenn wir die universale Geltung der Tauschkategorie und ihre Verschwisterung mit Rationalität bei Adorno in Rechnung stellen. 18 . zumindest aus der Marxschen Perspektive. So schreibt Adorno in dem für seine Philosophie grundlegenden Aufsatz mit dem Titel Fortschritt: »Die Konvergenz totalen Fortschritts in der bürgerlichen Gesellschaft. kommt eigentlich bestenfalls eine Modifizierung. Er ist. 1980.M. 6 Th.48. Der Warentausch taucht also in einem bestimmten Stadium der Menschheitsentwicklung auf. in der die Dialektik der Aufklärung entworfen wurde. und verschwindet dann wieder. Zu Unrecht gingen Horkheimer und Adorno in den vierziger Jahren davon aus. ein vorübergehendes historisches Phänomen. [.

daß Horkheimer und Adorno der Ansicht sind. mit einem abgewandelten Wort von Hans-Jürgen Krahl. daß dem Tausch überhaupt nicht die universale Bedeutung zukommt. die ihm Horkheimer und Adorno zuschreiben. wie fragil und gefährdet auch immer. ihr Zurückdrängen in immer kleinere und immer esoterischere Zirkel in einem direkten Zusammenhang steht mit der faschistischen Liquidation der Zirkulationssphäre. zum Faschimus schweigen solle. das. daß die präfaschistischen Spielarten des Kapitalismus keineswegs als Gegengift zum Faschismus herhalten können. soll zum Abschluß an zwei zentralen Theoremen der Kritischen Theorie skizziert werden. zum einen ihrer Kritik der naturbeherrschenden Ratio. wichtig ist für uns hier vor allem. utopische Gehalt der Kunstwerke zu fassen wäre. Das Tier. Kritische Theorie weiterdenken Soweit Horkheimers und Adornos Kritik der bürgerlichen Rationalität sich auf die Ebene der Symptome beschränkt. verliert seine Einzigartigkeit. Wie dieser. daß wer vom Kapitalismus nicht sprechen wolle. Das heißt nun allerdings nicht. nennen wir es ruhig einmal so. Adornos Trauer über den Verlust der Zirkulationssphäre durchaus nachvollziehbar. als die Dialektik der Aufklärung niedergeschrieben wurde. Insofern ist. in denen sich etwas entwickeln konnte. das an Stelle des einzigartigen Menschen. In welche Richtung eine derartige Wendung zu gehen hätte. daß der Niedergang der großen bürgerlichen Kunst. Doch die Fundierung dieser Rationalität in der Logik des Tausches ist mehr als obskur. Die Defizite einer rein technizistischen Rationalität. braucht uns an dieser Stelle nicht weiter zu interessieren. ist hier Beleg genug. Doch das wesentliche Problem besteht darin. sind heute noch weit offensichtlicher als sie es zu der Zeit waren. Horkheimers bis zum Erbrechen zitierter Satz. ganz im Gegenteil. Trotzdem hielten Horkheimer und der an ökonomischen Fragen sowieso desinteressierte Adorno wider die besseren Argumente der anderen Fraktion daran hartnäckig fest. Tatsächlich ist wohl zu konstatieren. Doch solange die freie Zirkulation noch existierte. Insbesondere die Kunst. geopfert wird.Natürlich war für Horkheimer und Adorno klar. die Natur nur als Objekt der Unterwerfung auffaßt. daß die Kritische Theorie über Bord zu werfen wäre. sondern ein utopisches Potential beinhaltete. in der die Substitution des Menschenopfers durch ein Tieropfer als der Beginn der diskursiven Logik interpretiert wurde. kurz: es 19 . aber auch die große Philosophie der bürgerlichen Epoche weisen. der zum Opfer vorherbestimmt war. ist wenig an ihr auszusetzen. über die durch die kapitalistische Akkumulation gesetzten Grenzen der bürgerlichen Gesellschaft hinaus. Vorhin wurde bereits die Textstelle zitiert. nicht in seiner Funktion für die bürgerliche Gesellschaft aufging. gab es nach Meinung von Horkheimer und Adorno durchaus noch Nischen. ist bloßes Exemplar der Gattung. wie widersprüchlich auch immer. als bloße Faktizität. zum anderen an der Kulturindustrie. die in jeder beliebigen Hinsicht zu manipulieren ist. Nur muß sie sozusagen vom Bauch auf den Rücken gedreht werden. daß der angenommene Zusammenhang zwischen der Liquidation der Zirkulationssphäre und der Zerstörung der utopischen Potentiale der bürgerlichen Gesellschaft so nicht existiert. weder im Guten noch im Schlechten. Tatsächlich war das Theorem von der schlechten Aufhebung der Zirkulationssphäre schon in den dreißiger und vierziger Jahren im Institut für Sozialforschung schwer umstritten.

mehr verdeutlicht als das des Jägers. der einen Widder schießt. Und hier ist genau der Punkt. Dialektik der Aufklärung. so lange sie nicht den historisch wechselhaften Zusammenhang zwischen destruktiver Rationalität und konkretem Produktionsprozeß aufzeigt. Das aber heißt. bei näherem Hinsehen. Es ist nicht die abstrakte Rationalität als solche. 1987. was die eigentliche Intention ist: Das Bild des Priesters dient dazu. [. einer Veranstaltung des Überbaus. Die Kritik der abendländischen Rationalität ist bei Adorno im wesentlichen eine Kritik der Trennung von Hand. wie die diskursive Logik sie entwickelt. Ausdrücklich stellen Horkheimer und Adorno diese Distanz ins Zentrum ihrer Überlegungen: »Die Distanz des Subjekts zum Objekt.« 7 Doch gerade in dieser Generalisierung verschwinden eben die spezifischen historischen Differenzen.M.] Die Allgemeinheit der Gedanken. Auch wenn das Bild des Jägers. was Adorno und Horkheimer als die Ursünde der technizistischen Vernunft ansehen: Die klare Distanz zum Objekt und das dadurch begründete Herrschaftsverhältnis. Bd. suchen. allerdings nicht in der affirmativen Variante eines apriorischen 7 Max Horkheimer und Theodor W. die Herrschaft in der Sphäre des Begriffs. eher unserer Vorstellung von Naturbeherrschung entspricht als das des Priesters. erhebt sich auf dem Fundament der Herrschaft in der Wirklichkeit. sie bleibt ohnmächtig. ist die Einzigartigkeit und Unverwechselbarkeit des individuellen Tiers mindestens ebenso egal wie dem Priester. Damit wird deutlich. an der starren Trennung von Subjekt und Objekt.. Dies wiederum heißt nicht mehr und nicht weniger. Um einiges plausibler wäre es sicherlich.findet eine Abstraktion statt. die der Herr durch den Beherrschten gewinnt. dem Gefängnis des Begriffs auch noch so begründet sein. Voraussetzung der Abstraktion. Werke. an dem über die Kritische Theorie hinausgegangen werden muß: Mag die Adornosche Kritik an der Abstraktion. würde man die Beliebigkeit des Exemplars nicht im Opferritual. sondern im Produktionsprozeß wenn diese etwas anachronistischen Termini hier gestattet sind. steht letzteres doch eher für das. Es ist nun aber. die zu den bekannten katastrophalen Folgen führt. die die Besonderheit auf dem Altar der Allgemeinheit opfert. Hauptsache es gibt einen guten Braten. Herrschaft und Distanz zur Sache sind zwei Seiten einer Medaille. Doch die eigentlich zerstörerischen Kräfte dieser distanzierten Rationalität werden eben zu dem Zeitpunkt freigesetzt. Dem Jäger. Frankfurt a. daß die Naturbeherrschung dem Leser gerade mit einem derartigen Bild vor Augen geführt wird. die kalte Emotionslosigkeit technokratischer Herrschaft zu denunzieren. als diese Denker ihre Distanz zur äußeren Natur aufgaben. S. undenkbar sind. gründet in der Distanz zur Sache. Es ist sicherlich richtig. insbesondere die zwischen kapitalistischen und vorkapitalistischen Formen der Herrschaft.5. nämlich mit der Industrialisierung.und Kopfarbeit.36. Nähere Überlegung aber macht deutlich. recht merkwürdig. der ein Tier umbringt. daß die von Adorno und Horkheimer unterschlagene Marxsche Kategorie der Produktivkräfte und deren Entwicklung wieder in die Theorie aufgenommen werden muß. in: Max Horkheimer. warum das Bild des Priesters. Adorno. daß die großen Werke der griechischen Philosophie ohne die Muse. sondern ihre Indienstnahme durch den kapitalistischen Produktionsprozeß. die die Sklaven den Philosophen verschafften. 20 . als aus den Philosophen Ingenieure wurden.. zumindest in der Perspektive der Kritischen Theorie. als daß der Marxsche Begriff der Geschichte als des Fortschreitens der Produktivkräfte wieder zu seinem Recht kommen muß.

nennen wir es ruhig einmal so . gezeigt zu haben. desto mehr alles beim Alten bleibt. Tatsächlich verstellt die ausschließliche Konzentration auf den Tausch den Blick in zwei Richtungen. in Richtung des Produktionsprozesses. Grund dafür ist eben die überzogene Bedeutung. auf die Marx seine Revolutionshoffnungen gründete. Von allen Spielarten des Marxismus hat die Kritische Theorie sich sicherlich am ausführlichsten mit derartigen Fragen beschäftigt. Die standardisierten Kulturwaren sind in dieser auf den Tausch fokussierten Optik nur ein spezielles. daß Geschichte nur mehr als unendliche Wiederholung stattfinden könne. eben korrigiert werden muß. Es wäre ein schwerer Fehler zu glauben. Darin allerdings kann sich eine Fortschreibung der Kritischen Theorie nicht erschöpfen.gesellschaftlichen Überbaus. Es gehört zu den großen Leistungen von Marx. von dem die immer wieder auftretenden Krisen des kapitalistischen Systems ausgehen. anhand 21 . je mehr sich alles ändert. entkäme man sowohl der Affirmation der kapitalistischen Produktivkraftentwicklung durch die marxistische Arbeiterbewegung wie auch der Ahistorizität der Rationalitätskritik von Horkheimer und Adorno. sondern ebenso in die Richtung des . daß diese Revolution nicht eingetreten ist. obwohl die Distribution der gesellschaftlichen Produktion dem Wahnsinn des Marktes überlassen bleibt. Nicht. Das eigentlich Verblüffende ist. wenn man ihn einmal eingesehen hat. den Tausch. daß die kapitalistische Entwicklung. Es ist dies die Erfahrung. Indem so die von Marx postulierte Kontingenz des Geschichtsprozesses wieder in ihr Recht gesetzt wird. eigentlich auf der Stelle zu treten scheint. Doch diese Einsicht bleibt abstrakt. genauer: verkauft werden müssen. daß gerade in der Zirkulationssphäre einerseits die Dynamik. Diese Erfahrung hatte Adorno und Horkheimer dazu bewogen. über die Kategorien der Produktionssphäre zu setzen. Aufs erste klingt das freilich nicht übel: Der Tausch macht alles mit allem vergleichbar. mit der Entwicklung der Produktivkräfte ändert. Ihr korrespondiert eine ganz wesentliche Erfahrung. wenn auch wichtiges Segment der totalen Warenwelt. wie bereits angemerkt. Doch die Kritik der Kulturindustrie. die Ahistorizität des von Horkheimer und Adorno behaupteten Verhängnisses sei ein bloßer Irrtum. Diese Auffassung prägt grundlegend die Kritik der Kulturindustrie. nämlich nicht nur. stiftet einen Zusammenhang von allem und jedem und bildet somit einen universellen Zusammenhang. bleibt in bestimmter Hinsicht defizitär. im Gegenteil. die sie dem Tausch zuschrieben. Diese Einsicht ist es ja. wie sie von Horkheimer und Adorno geleistet wurde. daß alle Produkte getauscht. eine Kategorie der Zirkulationssphäre. die mitnichten ignoriert werden kann und darf. in den Formen des Tausches."Fortschritts der Produktivkräfte". das einheitsstiftende Moment faßbar zu sein. Es ist die banale Tatsache. daß. was getauscht wird. Auch wenn die universale Warenzirkulation die Einheit der kapitalistischen Gesellschaft stiftet. so läßt sich die Sphäre der Zirkulation ebensogut als der gesellschaftliche Bereich begreifen. daß die Kritische Theorie dem Überbau keine Aufmerksamkeit geschenkt hätte. der. Die Kritik des kulturindustriellen Schunds hat bei Adorno oft genug nur den Charakter eines bloßen Beispiels. bei all ihrer Dynamik. Tatsächlich produziert die kapitalistische Gesellschaft permanent den Schein. was die kapitalistische Gesellschaftsformation immer wieder in katastrophale Krisen stürzt. Auch wenn sich der materiale Inhalt dessen. so schien hier. sondern eben als konkrete Kritik der kapitalistischen Produktivkraftentwicklung. andererseits auch die Krisenanfälligkeit der kapitalistischen Produktionsweise begründet liegt.

dessen die Tauschlogik exemplifiziert wird. Doch tatsächlich ist seine Kritik des Jazz, der Freizeit, des Fernsehens in ihrem materialen Gehalt bedeutsamer als er wahrscheinlich selber wahrhaben wollte. Denn die zentrale Bedeutung der Kulturindustrie wird erst dann deutlich, wenn man von der irrigen Annahme Abstand nimmt, die Logik des Warentausches stifte den Totalitätscharakter der kapitalistischen Ordnung. Denn die Totalität der kapitalistischen Ordnung ist nicht einfach gegeben, sondern muß immer wieder neu hergestellt werden. Um einen Sartreschen Begriff zweckzuentfremden: Die kapitalistische Gesellschaftsordnung ist gezwungen, sich ständig neu zu totalisieren. In dieser Bewegung der Totalisierung kommt der Kulturindustrie eine erheblich größere Bedeutung zu, als Adorno und Horkheimer wahrhaben wollten. Die standardisierten Kulturwaren sind keineswegs bloß Symptom einer allgemeinen Vereinheitlichung der Gesellschaft durch den Wert, sondern gerade sie stellen überhaupt erst die Einheit, die durch die Entwicklung der Produktivkräfte in Frage gestellt wird, immer wieder auf's Neue her. Und deshalb, so das Fazit dieses Vortrags, ist vor allem die Kulturindustriekritik der Kritischen Theorie weiterzudenken, nicht indem man die Kulturindustrie aus der Zirkulationssphäre ableitet, sondern indem man sie als gesellschaftlichen Bereich sui generis gemäß dessen eigener Logik analysiert und denunziert.

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Jochen Baumann

Wertkritik in der Postmoderne
„Jeder Begriff reproduziert die Differenz von Denken und Gedachtem“ Theodor W. Adorno Für Karl Marx war es einfach, ein Konzept der Gesellschaftskritik zu entwerfen. 1 Er konnte einen Bruch diagnostizieren, der moderne von vormodernen Gesellschaften unterscheidet: die Warenproduktion. Die kapitalistische Produktionsweise stellt ihm zufolge eine neue Form der Vergesellschaftung her, die um die Akkumulation und Selbstverwertung des Kapitals und die Warenproduktion zentriert ist. Die Warenform wird dadurch zum konstitutiven Organisationsprinzip des Sozialen selbst. Gegen die zentrale Behauptung der Postmoderne, es gebe kein Zentrum der Vergesellschaftung mehr, es gebe gar ein „Ende des Sozialen“, soll hier dargestellt werden, daß es notwendig ist, an zentralen Einsichten Kritischer Gesellschaftstheorie von Marx bis Adorno festzuhalten. Im Konzept Kritischer Theorie nämlich wird angenommen, daß sich von Kapitalismus reden läßt und daß auch genau angegeben werden kann, was darunter zu verstehen ist. Im durchgesetzten Weltkapitalismus von Marx Kapitaltheorie abzurücken erscheint unsinnig. Wenn er irgend Aktualität besaß, dann heute. Dies gilt auch für andere Formen Kritischer Theorie, etwa die Georg Lukàcs, die Frankfurter Schule oder poststrukturalistische Wertkritiker in der Nachfolge Guy Debords. Diese erweitern das marxsche Konzept des Warenfetischismus auf die Totalität kapitalistischer Vergesellschaftung. Für eine an die Kritische Theorie anschließende Gesellschaftskritik ist es auch unverzichtbar, sich außer einer kritischen Untersuchung dieser Erweiterung des Marxschen Konzepts auch zentraler Elemente negativer Dialektik zu vergewissern. Dazu zählen die Analyse des Tausches als Basisform der Vergesellschaftung und der repressiven Vergleichung, der spezifische Kritikbegriff, mehr generell die um die Theorie und Kritik gesellschaftlicher Synthesis zentrierte Analyse kapitalistischer Vergesellschaftung. Gerade in Zeiten der Konjunktur des „Endes des Sozialen“ (Jean Baudrillard) oder der „Gesellschaft des Verschwindens“ (Stefan Breuer), von Theorien also, die Gesellschaftskritik mit dem Postulieren des angeblichen Verschwindens des Gegenstandes der Kritik verwechseln, ist es aber nötig, sich auch mit Adornos Kritik integraler Vergesellschaftung kritisch auseinanderzusetzen. Seine Konzepte können nicht unbesehen übernommen werden, schließlich entstanden wesentliche Teile seiner Gesellschaftstheorie bereits in den vierziger und fünfziger Jahren in einer anderen geschichtlichen und gesellschaftlichen Situation. Außerdem gab es aus poststrukturalistischer Richtung überzeugende Einwände gegen – teilweise unbeabsichtigte – Folgen seiner theoretischphilosophischen Konzepte, wie es auch Versuche gab, sein Konzept integraler Vergesellschaftung zu fundieren. Beides soll hier dargestellt und bewertet werden. Nach oder in Ergänzung zu Adorno bemühten sich verschiedene Kritiker wie HansGeorg Backhaus und Alfred Sohn-Rethel, die kritische Theorie in Richtung einer Wertformanalyse oder Wertkritik weiterzuentwickeln. Mit diesem „Zurück zu Marx“ sollte
1 Für wichtige Anregungen danke ich Andreas Benl, mit dem zusammen ich eine frühere Fassung dieser Überlegungen erarbeitet habe: Jochen Baumann / Andreas Benl: Das Identische ist der Wert. Tausch-, Wert- und Kapitalkritik nach Adorno. In: Leidig, Holger / Ghanaat, Henrik u.a. (Hrsg.): Kritisierte Gesellschaft. Gabi Althaus zum 60. Geburtstag, Berlin (Metropol) 1999.

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das ökonomische Defizit kritischer Theorie, vielbeklagt seit den 40er Jahren - dem Zeitpunkt des Auseinanderbrechens des interdisziplinären Arbeitszusammenhangs mit Ökonomen wie Grossmann und Pollock am Institut für Sozialforschung - beseitigt werden. Diese gegen Habermas’ sprach- und kommunikationstheoretische „Tieferlegung“ der kritischen Theorie, die zurecht als »Depotenzierung kritischer Theorie« bezeichnet wurde 2 , angetretene Rezeption zentraler marxscher und kritisch-theoretischer Einsichten verdient zunächst Sympathie. Hält sie doch an wesentlich kritischen Kategorien wie der Totalität kapitalistischer Vergesellschaftung und der zentralen Rolle des Fetischcharakters der Ware für die Bildung gesellschaftlichen Bewußtseins fest. Nicht zuletzt war es ja Adorno selbst gewesen, der immer wieder darauf hingewiesen hatte, daß er eine kritische Theorie mit »ausgespartem Zentrum« betreibe, da er nun einmal Philosoph und nicht Ökonom sei. 3 Im Anschluß an Hans-Georg Backhaus’ Studien zur Dialektik der Wertform entwickelte sich damit eine von Adorno in diesem Sinn gewissermaßen selbst ins Leben gerufene Strömung in der bundesdeutschen Neuen Linken, die versuchte, dieses Defizit der kritischen Theorie durch eine Rekonstruktion und Modifikation der Marxschen Wertformanalyse zu beheben. »Making sense of Marx« 4 kann als das gemeinsame Motto aller Rekonstruktionsversuche des historischen Materialismus der siebziger und frühen achtziger Jahre gelten. Marx’ kritische Theorie der Kapitalvergesellschaftung sollte durch eine systematische Neulektüre des Kapitals rekonstruiert werden. Der Tauschbegriff, die verschiedenen Formen des Werts und die Kapitalform als »automatisches Subjekt« werden in dieser Neurezeption identisch gesetzt und als Basis einer jeden noch möglichen Gesellschaftskritik ausgegeben, die sich um das Problem der Synthesis der Gesellschaft gruppiert bzw. an der Kategorie der Totalität der Vergesellschaftung festhält. Daß an dieser neomarxistischen Adornorezeption Kritik notwendig ist und daß es zugleich eine an Adorno orientierte kritische Alternative zu diesem Vorgehen der Wertkritik gibt, soll hier gezeigt werden. Durch die Rückübertragung diverser im Anschluß an Adorno gewonnenen Theoreme auf die Theorie Adornos durch die Schule der Wert-

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Im Anschluß an Habermas bemühten sich verschiedene Autoren, eine Anschlußfähigkeit des Horkheimerschen interdisziplinären Forschungsansatzes gegen die „zu philosophische“ Negative Dialektik Adornos auszuspielen. Vgl. Dubiel, Helmut: Wissenschaftsorganisation und politische Erfahrung. Studien zur frühen kritischen Theorie, Frankfurt/M. 1978; Brunkhorst, Hauke: Paradigmakern und Theoriendynamik der Kritischen Theorie der Gesellschaft. In: Soziale Welt 3/1983 sowie Bonß, Wolfgang; Honneth, Axel (Hg.): Sozialforschung als Kritik. Zum sozialwissenschaftlichen Potential kritischer Theorie, Frankfurt/M. 1982. Johannes, Rolf: Das ausgesparte Zentrum. Adornos Verhältnis zur Ökonomie, in: Schweppenhäuser, Gerhard (Hg.): Soziologie im Spätkapitalismus. Zur Gesellschaftsanalyse Theodor W. Adornos, Darmstadt 1995. John Elster: Making sense of Marx, Cambridge 1985. Mit den damals neuen Großtheorien von Jürgen Habermas’ Theorie des kommunikativen Handelns und Niklas Luhmanns Theorie sozialer Systeme kamen diese ganzen Rekonstruktionsversuche bis Mitte der achtziger Jahre zum Erliegen und die theoretische Soziologie debattiert seitdem nur noch pragmatisch kommunikations-, handlungs- bzw. systemtheoretisch. Regelmäßig bleibt sie bei der Reformulierung von Problemen, die auch zuvor schon sattsam bekannt waren, in der eigenen Theoriesprache stehen. Insbesondere Niklas Luhmann besticht dadurch, ständig zu erklären, wie er die Welt und ihre Zusammenhänge sortiert sehen möchte und kommt gar nicht mehr dazu, Etwas, d.h. ein Objekt, einen gesellschaftlichen Gegenstand zu untersuchen, der nicht seine eigene Theorie wäre.

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andererseits existiert der zentrale. Auf dieser einfachen Wertform beruhe nach Marx »alles Weitere«. Heinrich. die maßgeblich im kritisch-konstellativen Verfahren negativer Dialektik liegt. keineswegs ein qualitativer Bruch. heißt es in den Grundrissen. Natur. aus ihr im Kapital »alles« logisch entwickelt zu haben. als dessen »Substanz« Marx die abstrakte menschliche Arbeit gilt. Somit kann in Marx‘ Kritik der politischen Ökonomie von zwei Ebenen der Kritik der politischen Ökonomie gesprochen werden. Jahrhunderts und insbesondere Hegels Wirkung zuzuschreiben. Einerseits finden sich auf der Ebene der Produktionsverhältnisse selbst inhärente Widersprüche. daß das Transformationsproblem als solches nicht lösbar ist. Band zugänglich. Produktionspreisen. Die Erstfassung des Kapital ist über die MEGA. die der Marxschen Kritik zum Opfer fallen.. dem »variablen Kapital«. ders. Hamburg 1991). die Dialektik von Produktivkräften und Produktionsverhältnissen. unter den prozessierenden. der Zirkulations. Das gemeinsame Dritte im Tausch Auf der Ebene der einfachen Wertform müssen nach Marx im Tausch die beiden Waren auf ein gemeinsames Drittes reduzierbar sein. auch wenn seine Behauptung natürlich im Raume steht. die im Widerspruch. auf dessen Seite die Wertformanalyse analysiert. System. ist doch die Dialektik von Produktivkräften und Produktionsverhältnissen nicht überzeugend gelöst. Abteilung. in der Kapitalform zu entwickeln sei. daß zwischen Arbeitswerten und Marktpreisen nur ein Formwandel stattfinden soll. der eine relative Autonomie der Produktions-. Berlin 1970. 2. Geschichte. Wissenschaft und Technik würden mitsamt den Arbeitern. aber auch in einem Ergänzungsverhältnis zueinander stehen. 6 Das Problem der Transformation von Werten in Preise ist in der Marxschen Theorie ungelöst. Tauschwerten und schließlich Marktpreisen soll das Problem verdecken. Die Produktivkräfte dominieren zwar auf längere Sicht die Produktionsverhältnisse . 6 25 . Die Marxsche Kritik der politische Ökonomie zwischen wissenschaftlicher Revolution und klassischer Tradition.. daß die Produktivkräfte die sie einengenden Produktionsverhältnisse sprengen und beseitigen würden. Struktur und Widerspruch im 'Kapital'. sich selbst verwertenden Wert alias Kapital subsumiert. Vgl. Arbeit.kritiker wird seine Kritik kapitalistischer Vergesellschaftung ihrer kritischen Pointe beraubt. und die Produktivkräfte andererseits noch gesellschaftlich vermittelt werden. Michael: Die Wissenschaft vom Wert. was im entfalteten Wertverhältnis bzw. Eine Reihe "simultaner Gleichungen" von Arbeitswerten. Zu einer universalgeschichtlichen Theorie der Wirtschaftsformen. steht doch von vorne herein fest. 5.Marx glaubt bekanntlich. Allerdings beläßt Marx es dabei. Daß das Kapital. In der Erstfassung des Kapital von 1867 findet sich dieser Einfluß Hegels deutlicher als in der MEW-Fassung. der Wertform wesentlich darstellungstechnische Bedeutung zuzuschreiben. Allerdings kann schon bei Marx die Darstellung dieser Dialektik nicht recht überzeugen. Diese Behauptung ist dem Geist des 19. Hamburg 1990. die sechs Jahre später entstand (vgl. Im Kapitalismus aber gelte eher das Gegenteil: »Die Produktion greift über«. Am besten herausgearbeitet hat diesen Widerspruch in der Marxschen Theorie Maurice Godelier. ders. setzt Marx allerdings voraus. dialektisch gefasste Widerspruch zwischen Produktivkräften und Produktionsverhältnissen. 5 Marx theoretischer Ausgangspunkt. Dieses Dritte ist der Wert. verhindert aber in seinem Werk eine einseitige Auflösung der Kritik der politischen Ökonomie nach der Seite des Werts. Es kann systematisch nicht gelöst werden.und der Konsumtions5 Marx betrieb jeweils vor der Niederschrift der Grundrisse und des Kapital eine systematische Neulektüre Hegels.

erkenntnistheoretische Kategorie. Frankfurt/M. was gesellschaftlich Wertstatus dadurch besitzt. Dobb. in: Soziologische Schriften 1. Bei diesem handelt es sich zunächst nicht um eine ökonomische. daß der Wandel des Kapitalismus die umstandslose Anwendung des kategorialen Rahmens von Marx unmöglich macht. Im Spätkapitalismus 8 im allgemeinen. in dem deren Bestimmungen bereits erschöpfend dargestellt seien. in seinen zeitgleich zum Kapital entstandenen Schriften jegliche Kritik am Kapitalismus und seiner Gesellschaft auf eine Kritik der Wertform zu reduzieren. Wert. in dem eigenständig Werte geschaffen werden .sie ist ein Tausch mit den Göttern. 7 Diese Sphären fallen heute aber weiter auseinander als zu Marx' und Adornos Zeiten vorhersehbar war.sie sind nämlich faktisch da. Zur Auseinandersetzung darüber v. Tausch bei Adorno Die Marxsche Kritik der politischen Ökonomie geht nicht konstitutiv in den Tauschbegriff Adornos ein.die „strukturale Revolutionierung“ des Marxismus in den siebziger Jahren durch Reichelt. Daß sie eine spekulative Blase darstellen. ist entgegen der aktuellen Rede vom Neoliberalismus aufs höchste politisiert und durchstaatlicht. des Geldes/Kapitals als Referenzpunkt. 1979. vgl. Dem sollte ja gerade . 9 Wesentlich geht die Verdinglichung und Fetischisierung des Wertformkapitels als gewissermaßen logisches Apriori der kapitalistischen Gesellschaft. 1977.schlägt sie 7 8 vgl. Herbert: Der eindimensionale Mensch. was die Theorie bestimmt. der „freie“ Markt sind nicht nur politisch modifiziert.als Verteidigung des „authentischen Marx“ gegen den Marxismus . im bundesdeutschen Postfaschismus im besonderen. Eigentlich unbestritten dürfte daher sein.Wert ist nicht. 1988 und Adorno: Spätkapitalismus oder Industriegesellschaft. da von ihrer Beantwortung nichts abhängt . durch den Tausch des Opfers mit ihnen soll ein Mehr zurückerhalten werden. Eine nationalökonomische Dogmengeschichte. sondern um eine philosophische bzw. S.a. eine Art präkapitalistischer Mehrwert . Maurice. die Zirkulationssphäre hat sich mit dem weltweiten Kapitalismus tatsächlich relativ autonom weiterentwickelt zu einem Bereich der Ökonomie. in anderen Worten: Opfermythologie mit den Mitteln der Aufklärung. Frankfurt/M. sind entscheidende Änderungen im Verhältnis von Staat und bürgerlicher Gesellschaft zu verzeichnen. sondern alleine. Marx jedenfalls hütete sich davor.und Verteilungstheorien seit Adam Smith. 9 26 . 177ff. Durch die Intentionalität der Opferhandlung . Marcuse. sie können getauscht werden. die nichts mit der "wirklichen" Wertschöpfung zu schaffen hat. MEW 17 und MEW 22 (Der Bürgerkrieg in Frankreich). mag zutreffen oder nicht diese Frage kann erstens nicht beantwortet werden. MEW 19 (Kritik des Gothaer Programms). Adorno selbst hat dieser Rezeption durch seinen soziologisch amorphen Tauschbegriff Vorschub geleistet. sondern auch immer stärker politisch vermittelt. Der Tausch ist der Dialektik der Aufklärung zufolge die rationalisierte Form des Opfers. Die Kritik der politischen Ökonomie stellt also von vornherein mehr und anderes dar als die Kritik des „Zur-Ware-Werdens“ und hat damit nicht nur das automatische Subjekt der Wertform bzw. Die Ökonomie bzw. zweitens wäre sie auch irrelevant.sphäre bedingen würde. daß es getauscht werden kann. Frankfurt/M. Die Gesellschaft. auf die 68erRezeption der kritischen Theorie zurück. insbesondere die Wirtschaft. Studien zur Ideologie der fortgeschrittenen Industriegesellschaft. Backhaus und andere Rechnung tragen.

Die Perspektive. Das Leben ist nicht nur durch die Aufhebung der Grenze zwischen Tod und Leben in den Konzentrationslagern und durch die Dialektik von Produktion und Vernichtung beschädigt. a. Adornos Kritik des Tausches greift weit über die Kritik politischer Ökonomie hinaus. eine Wesensverwandtschaft von Äquivalententausch. München 1988. Adorno und Horkheimer behaupten einen direkten Zusammenhang von Tausch und Subjektkonstitution. S. Der Tausch dominiert damit nicht. Der Tausch bestimmt nicht nur die Verhältnisse der Menschen untereinander. 1988. S. er dominiert die gesamte abendländische Rationalität. so der bezeichnende Untertitel der Minima Moralia. 169. da es der Bildung von Subjektivität durch Herrschaft unterliegt. daß Adorno den für seine Gesellschaftslehre maßgeblichen Tauschbegriff nicht aus einer Auseinandersetzung mit der Marxschen Theorie der abstrakten Arbeit. sondern aus einer Reflexion über Nietzsches Genealogie der Moral und die Homersche Odyssee gewinnt. wie konstitutiv diese auch für alle anderen Bereiche der Gesellschaft sein mag. Philosophische Fragmente. eine Veranstaltung der Menschen. in diesem Band. da der Diskurs des kommunikativen Handelns abstreitet. Die Ontologie der Macht. 13 findet sich 10 11 12 13 Horkheimer. so erscheint dieses selber schon wie das magische Schema rationalen Tausches. vgl. Michael T. und Nietzsche. 11 Das identische Selbst des Odysseus wie des modernen Bürgers beruhten auf dem Tausch. die gestürzt werden gerade durch das System der ihnen widerfahrenden Ehrung. Adorno. daß man Foucault als Kritik der politischen Anatomie lesen könnte. Entsprechend widmen Adorno und Horkheimer ihre im zeitlichen Kontext zur Dialektik der Aufklärung entstandenen Aufsätze Aspekten der Selbsterhaltung durch die Ausbildung einer instrumentellen Vernunft und »Reflexionen aus dem beschädigten Leben«. »Ist der Tausch die Säkularisierung des Opfers. Diese Bestreitung auf der eigenen Seite findet ihren Spiegel in umso wüsteren Beschimpfungen der Anderen als Machtontologen. Werkgeschichtlich läßt sich nachweisen. vielkritisiertes Theorem bei poststrukturalistischen Denkern wie Foucault. die Götter zu beherrschen. die Ebene der Ökonomie. Hamburg 1992.12 Nietzsche behauptet wie Adorno einen Ursprungszusammenhang bzw. Friedrich: Genealogie der Moral. Stefan: Die Gesellschaft des Verschwindens. gegen seine Liebhaber verteidigt. seit dem Austritt der Menschen aus der Naturgeschichte.: Dialektik der Aufklärung. Frankfurt/M.O. Kritik des Tausches nach Adorno/Horkheimer heißt wesentlich Kritik dieses gesellschaftlichen Naturverhältnisses und keineswegs Kritik der kapitalistisch spezifischen Form des abstrakten Werts. Der Adornosche Tauschbegriff ist nicht nur wegen seiner herrschaftlichen Herleitung problematisch. Max. Koltan. am pointiertesten. Die Konstitution des bürgerlichen Subjekts und die Dialektik von Subjekt und Objekt selbst gehen aus diesem herrschaftlichen und angstbesetzten gesellschaftlichen Naturverhältnis hervor. S. mit Macht etwas zu tun zu haben. KSA 5. sondern auch die zur inneren wie zur äußeren Natur des Menschen.« 10 Der Kern dieses im Opfer-Tausch beschlossenen Verhältnisses geht indessen nach Adorno/Horkheimer weit über eine Zweck-MittelRelation und damit über das bloß instrumentelle Denken hinaus. Axel Honneth hat in seiner Kritik der Macht die machttheoretische Fundierung der Theorie Foucaults ausführlich dargestellt. Zu dieser Kritik an Foucault vgl. kommt den Erben nicht in den 27 . Horkheimer/Adorno. 50 ff. Der »Zeitkern der Wahrheit« gesellschaftstheoretischer Begriffe und ihre historische Gebundenheit wird an diesem zentralen Begriff des Tausches nicht reflektiert. Theodor W. Die PoststrukturalismusRezeption in der Erbengeneration der kritischen Theorie unter der Anleitung von Habermas und Honneth ist allerdings systematisch verzerrt.: Adorno.a. S.selbst um in Tausch. Geschichte der Subjektivität und Denken. sondern ist dies bereits von Anfang an.. Breuer. vgl. 56. 41ff. wie noch bei Marx.

’ Darum konvergiert das spezifisch Materialistische mit dem kritischen. Aus derartigen Widersprüchlichkeiten läßt sich leicht eine allumfassendes Apokalyptik zusammenrühren. 28 . an vergegenständlichte Arbeit. S. Zum Anderen betonte Foucault abseits der inkriminierten Stellen in der Wille zum Wissen durchaus Unterschiede zwischen Macht und Herrschaft und insbesondere staatlich-institutionelle Fundierungen der Herrschaft. Vgl. daß es anders werden solle. Baudrillard. Für die Dialektik von Denken und Gegenstand des Denkens. ist ein originär nietzschescher Gedanke wie derjenige der Sehnsucht nach der »Auferstehung des Fleisches« als dem Punkt.« 14 Diese Überwindung des Problems der klassischen Philosophie. alle Formen werden immer wieder konsequent auf einen alles umfassenden Tauschbegriff zurückgeführt. Theodor W..: Negative Dialektik. 1985 und ders.B. Eine systematische Untersuchung zur Nietzsche-Rezeption Adornos in der Dialektik der Aufklärung bietet Norbert Rath: Zur Nietzsche-Rezeption Horkheimers und Adornos. besonders deutlich in Überwachen und Strafen und in seinem Begriff der Biopolitik. gemeinsamen herausgestückt sind. Nietzsche.O. an dem für Adorno Materialismus und Theologie sich berühren. Willem. Adorno. 207. eigene eingestandene Defizite in der Analyse des Warentauschs und des Tauschs zwischen Kapital und Arbeit aufzuheben. Frankfurt/M.auch in der Dialektik der Aufklärung und im Tauschbegriff der Kritischen Theorie als nietzscheanisch fundierte Ontologie der Herrschaft wieder. S. Ein Ensemble der gesellschaftlichen Austauschverhältnisse wird von ihm nicht analysiert. wie dies z. 395ff. in: Van Reijen. 15 Adorno weigerte sich aus philosophischem Interesse heraus. Arbeit als Quelle des Werts und der Tod werden bei Baudrillard strukturell dasselbe. S. Beim Tauschbegriff der kritischen Theorie wie im Poststrukturalismus eines Baudrillard wird historisch spezifisches und divergierendes als identi- 14 15 16 17 Sinn.. im Leiden der Körper: »Das leibhafte Moment meldet der Erkenntnis an. 54ff. der nicht zufällig in seiner pessimistischen und eschatologischen Konsequenz an den Tauschbegriff Baudrillards erinnert: der Tausch ist bei Baudrillard der (Opfer-)Tod. 203. S. Das Nachtwandler-Lied. 16 Dies verweist darauf. ‘Weh spricht: vergeh. Jean: Der symbolische Tausch und der Tod. Friedrich: Also sprach Zarathustra. München 1991. KSA 4. mit gesellschaftlich verändernder Praxis. (5.): Vierzig Jahre Flaschenpost: ‘Dialektik der Aufklärung’ 1947 bis 1987. vgl. Stefan Breuer in der Gesellschaft des Verschwindens erledigt. des Auseinanderfallens von Sein und Sollen. in Adornos dialektischer Philosophie der Trennung von Subjekt und Objekt. von Subjekt und Objekt. Schmid Noerr. 1987. sozialer und kultureller Tausch. daß sie weder absolut getrennt noch aus einem dritten. Freiburg/Br. das doch seine Voraussetzung ist. Produktion ist Vernichtung. München 1988. 69ff. das totalitär die totale Vergesellschaftung produziert. Negative Dialektik. gilt nach Adorno nicht nur. sondern sie kommunizieren miteinander im Materiellen. Das bürgerliche Subjekt konstituiert sich bei Adorno durch Mimesis ans Tote. an den Wert. Breuer. Gesellschaftlich vielfältig produziertes und voraussetzungsreiches wird auf eine »Expansion des Tauschverhältnisses« reduziert. Die Gesellschaft des Verschwindens. vgl. vgl. Auflage) 1988. Gunzelin (Hg. daß Leiden nicht sein. Stefan: Aspekte totaler Vergesellschaftung. Frankfurt/M. Hamburg 1992. a. Gabe und Warentausch. daß der Gehalt des Tauschbegriffs bei Adorno ein metaphorischer ist. 17 Das Allgemeine liquidiert das Besondere.a. Vernichtung wird produktiv. Adorno. und S.

Axel (Hg. Helmut. Adorno nahm die Unhaltbarkeit der These einer politischen Ökonomie des staatskapitalistischen Monopols nach 1945 durchaus wahr. das die inneren Widersprüche des Kapitalverhältnisses beseitige bzw. Vielmehr ließ er die unbrauchbar gewordenen Begriffe »Monopol«. 20 Dieser Rückfall hinter zentrale Marxsche Einsichten entspringt eindeutig der zentralen ökonomietheoretischen Fehleinschätzung der kritischen Theorie der dreißiger und vierziger Jahre: Pollock und mit ihm Horkheimer insistierten seit 1935 darauf. S. krisenfrei. der endgültigen Ablösung des Goldstandards im Weltwährungssystem. Recht und Staat im Nationalsozialismus.« 19 Der Tausch verschwindet in der integralen Verwaltung oder wird mit ihr gleichgesetzt. politisch aufhebe. Horkheimer. die Texte in Dubiel/Söllner (Hg. Honneth. daß der Faschismus die Zirkulationssphäre durch staatliche Herrschaft ersetzt habe und damit ein auf Ewigkeit angelegtes Herrschaftssystem bilden könne.und Erkenntniskritik. Frankfurt/M. In: Bonß. Wirtschaft. Wolgang. 1984. Barbara. Max: Autoritärer Staat. Frankfurt/M. zur Kritik: Brick. die den Stand kapitalistischer Vergesellschaftung nicht durch unmittelbaren Zugriff auf die Ökonomie analysiert. Analysen des Instituts für Sozialforschung 1939-1942. vgl. Neumann. Er reagierte darauf jedoch nicht mit der offensiven Neuformulierung einer Kritik der politischen Ökonomie im Rahmen des Instituts für Sozialforschung. Horkheimer und Adorno einerseits und Franz Neumann andererseits über das Primat von Ökonomie oder Politik im Nationalsozialismus 21 ist durch die Geschichte inzwischen eindeutig beschieden: Faschismus und Nationalsozialismus haben keineswegs zu einer Verewigung totaler Herrschaft geführt.): Wirtschaft. vgl. Anstatt so wie Baudrillard völlig unkritisch von einer ewigen Wiederkehr der Dialektik von Produktion und Vernichtung.): Horkheimer. die Sphäre der Zirkulation wird liquidiert. Geht es um die konkrete Kritik der bestehenden Gesellschaft. daß er als überhistorischer Strukturbegriff abseits der Marxschen Kategorien tendenziell mit dem Begriff der Aufklärung verschmilzt und sich das Problem der Differenz von Denken und Tauschen praktisch nicht mehr stellt. Zum sozialwissenschaftlichen Potential der Kritischen Theorie.O. Postone. 29 . ordnet sich seine Philosophie dem Imperativ unter. 18 19 20 21 Adorno hat dabei selbstverständlich vor Baudrillard.a. In: Dubiel. »Rackets« etc. zum alleinigen Zweck. Und diese verläuft keineswegs. die Integration des Todes in die Kultur und Philosophie zu widerrufen. dem postmodernen Zyniker. Der Streit innerhalb der kritischen Theorie zwischen Pollock. 55. Söllner. Recht und Staat im Nationalsozialismus. Alfons (Hg. wie es Horkheimer in der Theorie des integralen Etatismus und des autoritären Staates meinte. Pollock. stillschweigen fallen oder stellte sie doch zumindest nicht mehr ins Zentrum seiner Überlegungen. daß er sich weitaus kritischer mit Lebensphilosophie und Existenzialismus auseinandersetzte.sches gefaßt. sondern durch eine konstellativ vorgehende Philosophie. Statt dessen arbeitete er an einer Methodologie negativer Dialektik. den Vorzug. der wichtigste Motor kapitalistischer Entwicklung. die Zirkulationssphäre erfreut sich nach dem Krieg bester Gesundheit und wurde seit 1972. Gurland. findet die gegenteilige Bewegung statt: »Das Dorado der bürgerlichen Existenzen.18 Der Tauschbegriff wird in den Frühschriften der kritischen Theorie derartig ausgeweitet und metaphorisch aufgeladen. Marcuse. Moishe: Kritischer Pessimismus und die Grenzen des traditionellen Marxismus. Kirchheimer. a.): Sozialforschung als Kritik. von Leben und Tod zu reden. daß sich Auschwitz und nichts ähnliches wiederhole. aktuelle gesellschaftstheoretische Begriffe und Kategorien werden ahistorisch auf die Vergangenheit projiziert und damit ihres materiellen Kerns beraubt. 1981.

Hans-Georg Backhaus und andere haben verschiedene Vorschläge gemacht. Weinheim 1989.O. ist urverwandt mit dem Identifikationsprinzip. Zur Epistemologie der abendländischen Geschichte. Am Tausch hat es sein gesellschaftliches Modell. Negative Dialektik. weil er von ihrem Gebrauch nicht nur verschieden. Sohn-Rethel. identisch. S. a. das in der Wissenschaft sein Ideal in der Ausschaltung aller subjektiven Faktoren aus dem Experiment findet. daß die Tauschabstraktion als »Realabstraktion« die moderne Rationalität entscheidend bestimmt hat. Zur Theorie gesellschaftlicher Synthesis... S. Besonders Sohn-Rethel hat verdeutlicht.a. Handlungstheoretisch macht Sohn-Rethel den Tauschakt zum Ausgangspunkt abstrakt wissenschaftlichen Denkens. wie im Anschluß an Adornos Theorie das Tauschprinzip als Basisform der gesellschaftlichen Rationalisierung im Sinne einer gesellschaftlichen Totalität mit dem Marxschen Wertgesetz zu vermitteln sei. 22 Adorno beläßt es mit seinem abgerüsteten Tauschbegriff in der Negativen Dialektik bei relativ knappen Ausführungen über die Analogie von Tauschprinzip und Identifikationsprinzip: »Das Tauschprinzip. Sohn-Rethel. »Der Austausch der Waren ist abstrakt. 17. Alfred: Geistige und körperliche Arbeit. 30 . 149. die Reduktion menschlicher Arbeit auf den abstrakten Allgemeinbegriff der durchschnittlichen Arbeitszeit. (. Was das Wertgesetz allerdings sein soll. durch ihn werden nichtidentische Einzelwesen und Leistungen kommensurabel.) Eine zu einem definitiven Preis ausgezeichnete Ware z. Adorno. Sie schaffe so die Voraussetzungen für das abstrakte Denken. 1970. Sohn-Rethel.) aus Prinzipien a posteriori und a priori« 24 im Doppelcharakter der Ware historisch-kritisch zu verorten. zur Totalität. Selbst von der Natur wird angenommen. Frankfurt/M. Die Trennung von Kopf.« 25 Erst die Tauschabstraktion als totale Abstraktion von der lebendigen Natur mache die Trennung Mensch-Natur / Subjekt-Objekt überhaupt denkmöglich. Alfred Sohn-Rethel.« 23 Genau an dieser Analogie setzt Sohn-Rethel mit seiner materialistischen Verortung des Kantschen Transzendalsubjekts in der Warenform an. und er wäre nicht ohne es. solange der Preis der gleiche bleiben soll.Schwierigkeiten der spätmarxistischen Theorie I. Alfred: Geistige und körperliche Arbeit. a. Die Ausbreitung des Prinzips verhält die ganze Welt zum Identischen. zu modifizieren und so zu einer aktuelleren und soziologisch wie gesellschaftstheoretisch gehaltvolleren Vermittlung von Produktivkräften und Produktionsverhältnissen zu kommen. 33. scheint nach Adorno geboten.und Handarbeit im Kapitalismus folgt laut Sohn-Rethel notwendig aus dieser Entwicklung.B. was darunter genau zu begreifen ist. Es gilt die von Kant ontologisch bestimmte »dualistische Zusammensetzung der Erkenntnis (.. und dies nicht nur von seiten menschlicher Hände. Geistige und körperliche Arbeit.. daß sie gleichsam im Warenkörper ihren Atem anhält. Warenform und Denkform Adornos »Tauschprinzip« im Sinne des Marxschen Wertgesetzes zu präzisieren bzw. Schon bei Marx ist es keineswegs evident. ist umstrittten.O. unterliegt der Fiktion vollständiger materieller Unveränderlichkeit.. sondern zeitlich getrennt ist. denn als das Kommando der 22 23 24 25 vgl.a. S.. So lassen sich die Entwicklungen von Philosophie und Naturwissenschaft von der griechischen Antike über die Renaissance bis in den modernen Kapitalismus aus den unterschiedlichen Stadien warenförmiger Vergesellschaftung ableiten. Sie ist weniger als soziologisch definierte Herrschaft „der Wissenschaftler“ über „die Arbeiter“ zu verstehen.

Sohn-Rethel und andere direkte Anschlußmöglichkeiten ihrer neomarxistischen Studien an die kritische Theorie sahen. die einfache Warenzirkulation bei Marx in eine vormoderne »Epoche der einfachen Warenproduktion« zu übersetzen. 26 27 28 29 30 Müller.. doch auch für ihn enthält der »reale Vergesellschaftungsprozeß in seiner Widersprüchlichkeit« immerhin »die Forderung. Zur Entstehungsgeschichte von Identitätsbewußtsein und Rationalität seit der Antike. Das »Wertgesetz« wirke im eigentlichen Sinn »erst in der bereits etablierten kapitalistischen Produktionsweise.« 29 Müller formuliert vorsichtiger. S. Mehrwert und Kapital determinierte.O. a.« 30 Seit Lukács hatten sich westliche Marxisten bemüht.Tauschabstraktion über die im Stoffwechsel mit der Natur stehende Arbeitskraft. 372. a. Müller. Ihm wirft Müller vor. Sohn-Rethels Erkenntniskritik verharre in einer »mechanistischen Widerspiegelungstheorie« und zeichne das undialektische Bild einer linearen Entfaltung der Warenwirtschaft von den alten Griechen bis in die Gegenwart. der direkten Vergesellschaftung der Arbeit.« 26 Darüber hinaus beschrieben Adorno und Horkheimer die »Tauschgesellschaft« nicht als eine durch Lohnarbeit.und Identifikationsprinzip entgehe noch die historische Besonderheit der Wertform. Frankfurt/M. die erst im modernen Kapitalismus gegeben sei. Die Dialektik wertförmiger Vergesellschaftung hat bei ihnen ein emanzipatorisches Happy End. philosophischere Lesart von Marx und Adorno..) den blinden Automatismus des sich selbst bewegenden Werts aufzuheben durch bewußte und einheitliche Lenkung. 27 Aus dieser Kritik ergibt sich auch die Abgrenzung zu Sohn-Rethel. Rudolf Wolfgang: Geld und Geist. a. Müller folgt in seinem 1977 erstmals erschienenen Buch Geld und Geist Sohn-Rethels Gedankengang. kritisiert Müller die mangelnde Spezifik des Tauschbegriffs bei Horkheimer und Adorno. Rudolf W.64. 198ff. Dies entspreche jedoch der bürgerlichen Gesellschaftsauffassung.... Ebenda. sondern als Ansammlung vereinzelter Warenbesitzer.« 28 Einig sind sich Müller und Sohn-Rethel jedoch in ihrem Bruch mit Adornos Feststellung.O. Vorher befindet sich der Wert im Konflikt mit einem ihm entgegenstehenden Strukturprinzip. Sohn-Rethel. Müller.a. »Nur wenn die einfache Zirkulation als Oberfläche des sich zum gesellschaftlichen Subjekt erhebenden Kapitals verstanden wird. Eine neue. S. 91. die als Gebrauchswert für das Kapital bestimmt ist. weicht aber in zwei zentralen Punkten ab: Während Backhaus. ist »fällig geworden und im Gange. 31 .a. S. Dies verkenne jedoch die Besonderheit einer gesamtgesellschaftlichen Synthesis durch den Wert. die nun dargestellt wird. (.New York 1981. 208. deren Glorifizierung der im Tausch hergestellten Gleichheit lediglich negativ gewendet werde. Anm.O. 200f. S. Geistige und körperliche Arbeit. S. Bei Sohn-Rethel entspringt der Kommunismus ganz klassisch der Entwicklung der Produktivkräfte. daß auch die Negation der Negation keine unmittelbare Positivität hervorbringe. . brach in den 70er Jahren scheinbar mit dieser Tradition. ist auch die ‘Unbewußtheit’ (Adorno) des Transzendentalsubjekts zu dechiffrieren.a. Auch der oben zitierten Analogie von Tausch. abseits der sowjetischen Orthodoxie dialektische Letztbegründungen für das kommende Ende der bürgerlichen Gesellschaft zu liefern.

ob die Integration der Arbeiterklasse unwiderrufliches Schicksal oder aufhebbarer Schein sei. der selbst noch Marcuse als dem einzigen kritischen Theoretiker von Rang. wie eine solche Kritik trotzdem möglich sei. 1977.« 33 Die Trauer der antiautoritären 68er um die vermeintliche Auflösung des Gebrauchswerts läßt sich dagegen als entkontextualisierter.II.. »daß Auschwitz nicht sich wiederhole. wie ihre innerlinken Gegner. zum Teil eine ähnliche Naivität an den Tag. Breuer. Breuer und anderen dient dieser Zustand lediglich als Anlaß melancholischer Spekulationen und ist damit der Endpunkt der Reflexion. Der mißlungenen praktischen Aufhebung der kritischen Theorie sollte nun ihre theoretische Überbietung folgen. Dieser Paradigmenwechsel steht in Verbindung mit einer Differenz der historischen Verortung kritischer Theorie. 358. Am Anfang der antiautoritären Revolte von 1968 stand die Distanzierung von der Praxisfeindschaft der Überväter aus Frankfurt. Stefan: Die Krise der Revolutionstheorie. S. 31 die bald in die „organisationspraktischen Stabilisierungen“ des Neoleninismus und Reformismus mündete. 32 . die volkstümelnden Anhänger der „revolutionären Praxis“. 1971. a.einst die revolutionären Potentiale des Kapitalismus repräsentierende . quasi automatisch durch den Automatismus des Kapitalverhältnisses und 31 32 33 Prägnant formuliert von Hans-Jürgen Krahl. Ausgangspunkt der Fragestellung. S. der sich jeder diskursiv-dialektischen Relativierung entzieht: daß die Menschheit ihr Denken und Handeln so einzurichten habe. Hans-Jürgen: Konstitution und Klassenkampf. seine »Ideologiekritik der Eindimensionalität« lasse »die empörten Intellektuellen in Ungewißheit darüber. vorwarf.als »Gebrauchswert« Subjektstatus: »Und solange die Kritik auf ihn sich berufen konnte. nichts Ähnliches geschehe. Negative Vergesellschaftung und Arbeitsmetaphysik bei Herbert Marcuse. In Wolfgang Pohrts Theorie des Gebrauchswerts und Stefan Breuers Die Krise der Revolutionstheorie erhält Adornos Begriff der „Nichtidentität“ . legten bei dem Versuch.solange war die kapitalistische Produktionsweise als eine bloß transitorische gekennzeichnet. Das absolute Wissen der Wertkritik: Wert-Theologie Die Rezeptionsgeschichte der kritischen Theorie in der bundesdeutschen Linken ist höchst ambivalent.wider Adornos Warnung vor dessen Verdinglichung .a. Frankfurt/M. Adorno formuliert als Konsequenz aus dem Holocaust einen kategorischen Imperativ .und Geschichtsvorstellung konfrontiert: Historische Möglichkeiten bereiten sich von langer Hand vor. Zur historischen Dialektik von bürgerlicher Emanzipation und proletarischer Revolution. sondern dem Nachweis. Frankfurt/M. 301).« (Krahl. daß radikale Gesellschaftskritik weder ein Subjekt a priori noch eine historische Notwendigkeit ihrer praktischen Umsetzung kennt. die dieser Dogmatisierung nicht folgen wollten. Pohrt.« 32 Diese begriffliche Operation diente nun jedoch nicht mehr dem Ziel gesellschaftsumwälzender Praxis. solange die Wertabstraktion mit einem anderen Prinzip konfrontiert war. Negative Dialektik. Auch diejenigen Intellektuellen. Adornos Negative Dialektik ist geprägt von der Erfahrung des Nationalsozialismus. S. 243.O. der sich mit den 68ern solidarisierte. das Scheitern der Neuen Linken zu erklären.Gebrauchswert im Spätkapitalismus endgültig vom Wert und/oder den Monopolen zerstört worden sei. auf das sich eine mögliche Neuorganisation der Produktion stützen konnte . Bei Adorno ist die Tatsache. daß der . Adorno. wortwörtlicher Verweis auf Adornos Rede vom versäumten Moment der Aufhebung der Philosophie lesen: »Wir sehen uns hier mit folgender Zeit.

Ebenda. S. Ebenda. meint Türcke. Lüneburg (2. auch und gerade unter Theologen gibt es schließlich nie einen Konsens.a. daß die »bürgerliche Gesellschaft ein System ist.) selbst das Absolute« 36 sei. in der idealistischen Philosophie als ‘Geist’ bezeichnet wurde .« 37 Die Einheit der bürgerlichen Gesellschaft sei damit keine Einheit der Arbeit. strukturiert. läuft die ganze Chose leer. Wird er nicht erfaßt. Integration durch eine Sphäre. sich selbst bewegende 34 35 Hafner.dann kommt der entscheidende Augenblick. zitiert er Marx. niemand anderes als der Teufel. Breuer. Auf dem höchsten Stand des gesellschaftlichen Fortschritts tritt somit ein Gott das Regiment an.« 34 Wo kritische Theorie in solcher Weise geschichtsmetaphyisch abgedichtet wird. In: Schweppenhäuser. weil er sich als das den Gesellschaftsprozeß bestimmende Prinzip tatsächlich beweisen läßt. Ebenda. In der Gesellschaft des Verschwindens behauptet er. S. daß der jüngste Tag bereits eingetreten sei. Sie bringt die Gesamtheit des Gesellschaftsprozesses aus sich hervor und läßt sie ebenso wieder in sich verschwinden. der alle seine Vorgänger übertrifft . Stefan Breuer hingegen. Zur Aktualität der Marxschen Theorie.): Krise und Kritik. 70.« 38 Breuer ordnet aus diesen Identifikationen heraus Adornos kritische Theorie dem Theorietypus einer »strukturalistischen Systemtheorie« zu. »Der Wert ist eine ’prozessierende.. was die Einheit herstellt. ist der Wert. etwas. reine Vergesellschaftung. der Wert aber ist eine reine Abstraktion. Türcke. Stefan: Die Gesellschaft des Verschwindens. Gerhard u. S. Freiburg/Br. und an Ungöttlichkeit. »sondern eine des Werts. da das Kapitalverhältnis durch seine Expansion alles in eine leere Wüste der Abstraktion verwandele: »Das. die in der traditionellen Metaphysik als ‘Schein’.) gelingt. 11. 71. der es ermöglicht.. Von der Selbstzerstörung der technischen Zivilisation. Der Gottesbeweis (. Der Religionswissenschaftler Christoph Türcke etwa macht das Kapital gleich zum Teufel: »In der Theologie aber ist der Imitator Gottes. Auflage) 1987. Kornelia: Gebrauchswertfetischismus. S. der Stellvertretung. das gottähnlichste und ungöttlichste Wesen zugleich.an göttlicher Wirklichkeit. 77. erscheint die Konsequenz naheliegend. S. 1993. beharrt darauf. 33. jenen Automatismus zu sprengen. Hamburg 1992. nirgends direkt greifbar und doch allgegenwärtig.. weil sich ebenso beweisen läßt.): Gesellschaft und Erkenntnis.. in das ‘kein Atom Naturstoff’ eingeht. der Abstraktion von der Arbeit.« 35 Alleine ein Trost bleibe noch: der jüngste Tag stehe noch aus. um zu schlußfolgern: »Bürgerliche Vergesellschaftung heißt dementsprechend abstrakte. der Kairos. von der Zirkulation über Recht und Staat bis zu den subtileren Gestalten der Kunst. der Substitution. Zur materialistischen Erkenntnis. auch Affe Gottes genannt..) ist. Die Bewegung des Kapitals ist dieses Wesen. Seine »dialektische Entropologie« begründe die Einsicht. Sie ist unsichtbar. 36 37 38 39 33 . eine Einheit also. Christoph: Über die theologischen Wurzeln der marxschen Kritik. die alle Erscheinungsformen des Sozialen.und Ökonomiekritik.«39 Aus Marx und Adornos Kritischer Theorie macht Breuer eine Systemtheorie: »Selbstreferenz« sei der Schlüsselbergriff in Marx’ Theorie des kapitalistischen Systems. in: Diethard Behrens (Hg. daß das »Kapitalverhältnis (.eine Welt des Symbolischen. daß er von Menschen gemacht ist. indem er zugleich scheitert: Dieser Gott ist beides . da für Adorno außer Frage stehe.. sie auch quasi-theologisch zu formulieren. eine bloß ‘ideelle’ oder ‘nur gemeinte Bestimmung’«.sowohl höchste Realität als auch Schein. der Wissenschaft und der Philosophie. S. (Hg. 69. die aus einem Punkt heraus erzeugt (. daß die kapitalistische Gesellschaft von vornherein eine Gesellschaft des Verschwindens ist.

. S.: Phänomenologie des Geistes. als das „automatische Subjekt“. Zur kritischen Theorie der Nation. Subjekt. 44 Das Kapital bekommt so als absolute Positivität und Negativität zugleich eine gottgleiche Position.) Das Soziale System.Substanz’.wollen letztlich eine Gesellschaftstheorie bereitstellen. nur muß es anders gedacht werden nicht als Großsubjekt oder als Geist. als nicht konstituiertes. die diesen Namen verdient. sondern nur die Methode. indem das Bewußtsein sich selbst prüft.) vielmehr als autopoietischer Prozeß mit katastrophalem Ausgang..a. Backhaus und Sohn-Rethel . S. Die Vermittlungen zwischen Ware. Freiburg 1995. nicht das „Automatische Subjekt“ als.« 41 Eine Kritische Theorie. als die es sich so gerne präsentiert. als dies nach den Gesetzen der spontanen Evolution der Fall wäre.F.. Das Kapital Bd. kann an diese negativtheologische Wert-Systemtheorie mit ihrer apriorischen Setzung der Identität von Wert und Wertform nicht anknüpfen. wenn auch negativ gewendetes. Jochen: was deutsch ist. G. Kapital. nicht anders als in der christlichen Theologie die Trinität«. 1986. sondern vielmehr konstituierendes Subjekt. S.ihre Theorie dient auch Stefan Breuer. Vgl. (. uns auch von dieser Seite nur das reine Zusehen bleibt. Hegel. um gegen Hegel aufzutreten und dann wieder von der Bühne zu verschwinden. grundlegend noch bei Adorno. das zu sich selbst in einem ‘Privatverhältnis’ steht.« 45 Dieses Vorgehen ist das genaue Gegenteil materialistischer Theorie . ein ‘automatisches Subjekt’. »der Mühe und Vergleichung beider und der eigentlichen Prüfung enthoben. faßt Breuer seinen essential Marx zusammen. Der Tausch wird 40 41 42 43 44 45 Ebenda. 209. 72.. identisches SubjektObjekt der Geschichte. Ebenda. wie schon Hegel selbst. 40 Marx wird zu Adorno wird zu Luhmann. Gesellschaft. Die Wert-Theologie endet in der „Götterdämmerung“: »Es gibt das Absolute. Begriff und Gegenstand.konsequenter Idealismus im materialistischen Gewand. 169. Marx. die an Sohn-Rethel und die Backhaussche Dialektik der Wertform anknüpfenden Ansätze der Wertkritik um die Zeitschrift „Krisis“ und die Initiative Sozialistisches Forum. Bruhn. Eine solche Wertkritik kennt das Problem der Unterscheidung von Wissen und Gegenstand nicht mehr. falls von Geschichte hier überhaupt noch die Rede sein kann. die „dialektische Entropologie“ löst die Kritik der politischen Ökonomie ab. es schneller herbeizuführen. vgl. (. Individuum müssen im Zentrum der kritischen Theorie stehen. 79. fallen hier immer in die vorgeblich untersuchten Bewußtseinsgestalten selbst. Staat. sind sie doch. geht dabei verloren. S.. Da durch das mit-sich-selbst-identisch-setzen aller Erscheinungen mit der Kapitalform alias Warenfetisch ja eine »Zutat« (Hegel) von den Betrachtern selbst vorgeblich überflüssig wird. die auf "gesellschaftlichen Naturgesetzen" basiert.W. 1. 34 . S. Ebenda. Wolfgang Pohrt und Christoph Türcke als Basis . Die Präformierung des Tauschverhältnisses durch das Klassenverhältnis. so daß. das schon als Gespenst im Kapital auftaucht. in dem es sich manifestiert. die wiederum durch die Ökonomie in der Gesellschaft wirken sollen. a. Frankfurt/M. ist nicht die Überwindung des Chaos. 42 Diesem Gespenst des sich selbst verwertenden Werts 43 wird nun in der theoretischpolemischen Nachfolge Sohn-Rethels alleine die Funktion der gesellschaftlichen Synthesis übertragen. 174. frei nach Hegel der Maßstab und das zu Prüfende.O. Die Marxsche Arbeit wird bei Sohn-Rethel durch den Wert und das Geld als Transzendentalsubjekt ersetzt.

wenn genau vom Wertgesetz. Die Rede vom abstrahieren vom Gebrauchswert führt in die Irre. Jahresband des Sozialistischen Büros. der Tausch selbst. das an den Bedürfnissen vorbei produziert wurde. entscheidet sich doch erst im konkreten gesellschaftlichen Bedarf und Gebrauch. weil sich das Kapital. S. Münster 1998. Klaus: Historisierung der Gesellschaftstheorie. Schließlich wird jede Differenz durch diese Identitätslogik von Wert und Wertform zunichte gemacht. ein Gewaltmonopol. der Totalität aus dem Wertgesetz ergibt sich daraus aber noch lange nicht. hier 333ff. von dem abstrahiert werde. 47 Der Wert einer Sache wird gesamtgesellschaftlich bestimmt. hier S. er produziert nämlich nichts anderes. Eine hervorragende Interpretation und Kritik der dialektischen Identitätslogik im Ansatz Backhaus' und Sohn-Rethels findet sich bei: Holz. zweitens ist auch für den ökonomischen Tausch im Kapitalismus etwa die Norm der Gewaltfreiheit. in dessen Seminar er seine eigenständigen Identitätssetzungen entwickelte. 324348. S. anerkannte Währungssysteme. Erstens nämlich ist das der Sohn-Rethelschen Theorie zugrundeliegende orthodoxe Basis-ÜberbauSchema mit seiner Entsprechungslogik schlicht überholt. Backhaus 1997. ist ein Konstituiertes und gesellschaftlich höchst voraussetzungsvolles. Soweit der Tausch als synthetisierendes Prinzip der gesellschaftlichen Totalität zuzurechnen sein soll.seines sozialen Kerns beraubt. daß der Gebrauchswert. Zirkulation und Konsumtion. 152-182. macht dies nur Sinn. Der Ansatz. die als Wert die Identität von Identität und Nichtidentität zugleich ihr Anderes. 48 35 . eine ideologische. 46 Der Tausch mag zwar mit Adorno weiterhin der Schlüssel zur Gesellschaft sein. Das Kapital kann nämlich die Voraussetzungen des Tausches. des Einhaltens von Verträgen. daß die Ware. das Konstituens der Gesellschaft schlechthin dagegen war er nie und wird er nie sein können. immerhin nach Marx der äußerst wichtige Träger des Tauschwerts im Kapitalismus. Diese Argumentation entwickelte zuletzt Jürgen Ritsert: Realabstraktion. was ein Gebrauchswert und was unnützes Zeug ist. der Habitus der Tauschenden auf dem Markt genauso konstitutiv wie die Realabstraktion im Tausch der Produkte selbst. das Geld etc. erst recht als Tausch zwischen Arbeit und Kapital. das Geld. bes. (Vgl. verschwinde. wie Marx es einmal formulierte. eine historische Tat.): Kein Staat zu machen. S. verhindert gerade die Erklärung der Differenz von Wert des Arbeitsprodukts und Wertform des Austauschprodukts. Eine kausale Ableitbarkeit der Gesellschaft bzw. zum Ausdruck zu bringen. Ein zu recht abgewertetes Thema der kritischen Theorie? In: Christoph Görg/Roland Roth (Hrsg. Zur Erkenntniskritik marxistischer und kritischer Theorie. die sich jeden Augenblick neu vollzieht. im Gegenteil: er selbst. Vergesellschaftung wesentlich über ihn konstituiert werden. wird dadurch zum Nichts. da er nur noch als ein Abstraktionsprozeß durch die Reduktion verschiedener Gebrauchswerte auf Arbeitswerte gefasst wird. die funktionierenden Sphären der Produktion. nicht durch einen Gedankengang. auch wenn er noch so abstrakt ist. sondern benötigt hierzu immerhin mindestens einen Staat. Die Entdeckung neuer Gebrauchswerte ist nach wie vor. und nicht vom generelleren Tausch gesprochen wird. 502). selbst zu bewegen scheint. Schließlich ist auch die Rede vom Gebrauchswert. eine Bürokratie. 160f. sein soll. als eine logisch bereits immanent vorhandene Identität von Wert und Wertform zur Entfaltung bzw. die Verrechtlichung im Vertragswesen und nicht zuletzt die Individuen. die diese Verhältnisse anerkennen. Zur Kritik der Sozialwissenschaften. Der Warenaustausch.48 Letztlich führt die Theorie 46 47 Backhaus kann sich hierbei auf Adorno berufen. Pfaffenweiler 1993. nicht selbst schaffen.

der Identität von Wert, basierend auf gesellschaftlicher Arbeit, und Wertform, also letztlich der Kapitalform, zu abstrusen Konsequenzen: Arbeit und Kapital werden identisch. Auf dieser Grundlage eine Gesellschaftskritik zu entwickeln, ist unmöglich. »Der Wert als Identität / Subjekt, das von allem Anfang an sich durchhält und sich in das Resultat hinein entfaltet, gibt der Marxschen Frage eine Logik vor, die die gesellschaftliche Genese des Warenwertes und des Kapitals als Produkt gesellschaftlicher Beziehungen nicht erfassen kann.« 49 (Holz 1993: 164) Daß Adorno in der Negativen Dialektik eine Alternative zu dieser Ableitung- und Identitätslogik bereitstellt, soll nun gezeigt werden. Anschlüsse an Adorno I. Negative Dialektik als Kritik der Identität(sphilosophie) Nachdem die gesellschaftsumwälzende Praxis gescheitert und auf unabsehbare Zeit vertagt ist, muß Gesellschaftskritik laut Adorno die bestimmte Negation der idealistischen Philosophie, die Marx unter dem Aspekt der Praxis vollzog, neu formulieren. »Die Marxsche Theorie insgesamt kann (...) aufgefasst werden als eine Kritik an der Philosophie, und zwar insoweit die Philosophie glaubt, aus irgendwelchen letzten allgemeinen Prinzipien die Realität ableiten zu können. Indem er diesen Begriff der Philosophie bekämpft, ist Marx der Erbe der nominalistischen Theorie (...).« 50 Das Bedürfnis nach Systematik, erst recht nach widerspruchsfreier Ableitung gesellschaftlicher Phänomene aus einem großen Ganzen, ist nach Adorno selber ein problematisches. »Dem Menschen ist heute an sozialen Ordnungskategorien und Orientierungen, ihrer Meinung nach, so wenig vorgegeben, daß sie ein gewisses überwertiges Bedürfnis, möchte ich sagen, nach Systematik haben; dieses Bedürfnis selbe garantiert noch in keiner Weise die Möglichkeit oder gar die Wahrheit dessen, wonach dieses Bedürfnis geht. Die Möglichkeit des Systems steht in der Philosophie zur Diskussion. Sie muß sich dabei aber auch mit jenem im Grunde von Verwaltungskategorien hergeleiteten Bedürfnis nach Totalität beschäftigen, das im Systemzwang sich äußert.« 51 Diese klaren Absagen an Letztbegründungen, Ableitungslogiken und Totalitätsbestimmungen sind nicht nur als vorweggenommene Absage an Habermas' Forschungsprogramm zu deuten, sondern auch als Kritik der Werttheologie mit ihren systematischen Identifikationen. Im Zentrum von Adornos Kritik an der Philosophie der Aufklärung steht deren Ziel, Begriff und Sache in vollständige Übereinstimmung zu bringen, die in Hegels absolutem Weltgeist als totaler Identität kulminiere. Die »identischen Bestimmungen« als Wunschbild der traditionellen Philosophie sind für Adorno nichts anderes als »Geist gewordener Zwang«. Adornos Kritik des Identifikationsprinzips ist keine philosophieimmanente: Der Zwang zur Identität, der zur Zurichtung des Erkenntnisobjekts auf seinen Begriff hin führt, ist Ausdruck der menschlichen Naturbeherrschung, der Herrschaft des Subjekts über das Objekt, die im ebenfalls identitätslogischen Tauschprinzip als »zweite Natur« auf jenes zurückfällt. Das mit sich selbst identische Ganze, von Hegel als absoluter Weltgeist gefaßt, ist für Adorno nicht das Positive, sondern die Chiffre für das - theoretisch und praktisch - Un49 50 51 Holz, Historisierung der Gesellschaftstheorie, a.a.O., S. 164. Adorno, Philosophische Terminologie, Band 2, Frankfurt/M. 1974, S. 255. Adorno, Philosophische Terminologie, Band 2, Frankfurt/M. 1974, S. 265f.

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wahre. Die Negation der Negation bringt keine unmittelbare Positivität hervor, die Dialektik bleibt negativ. »Nichtidentität« ist zwar das vor dem Zugriff des logischen und gesellschaftlichen Zwangscharakters der Identität zu Rettende. Auch Nichtidentisches wie Nichtidentität sind jedoch keine absoluten Gegenbegriffe zur Identität, kein positiver Archaismus. Eine abstrakte Negation der bürgerlichen Gleichheit wäre ein Rückfall hinter sie. Das Nichtidentische soll vielmehr »die eigene Identität der Sache gegen ihre Identifikationen« sein, das »was der Begriff im Inneren weggeschnitten hat, das Mehr, das er sein will so sehr, wie er es nicht sein kann.« 52 Da Denken ohne Begriffe unmöglich ist, wäre die Utopie der Erkenntnis dann, »Nichtbegriffliches mit Begriffen aufzutun, ohne es ihnen gleichzumachen«. Dies ist wiederum nur durch begriffliche »Konstellationen« möglich, als »Versuche, durch die Versammlung von Begriffen um den gesuchten zentralen auszudrücken, worauf er geht, anstatt ihn für operative Zwecke zu umreißen.« 53 »Erkenntnis des Gegenstands in seiner Konstellation ist die des Prozesses, den er in sich aufspeichert.« 54 So ist die Nichtidentität nicht das positiv zu bestimmende "ganz Andere" der Identität. Adorno lehnt das Konzept einer einheitlichen und mit sich selbst identischen Vernunft ab und beruft sich dabei auf Hegel: »Er hat gezeigt, daß sinnvoll von einem Identischen nur dort geredet werden könne, wo zumindest (...) ein Moment des NichtIdentischen hineinspielt; denn bei der einfachen Wiederholung wäre die Behauptung der Identität ein ganz Inhaltsloses.« 55 Eine Annäherung an die Sache kann nur durch die Identität der Begriffe hindurch stattfinden. Identität verschwindet durch ihre Kritik nicht, sie soll sich vielmehr qualitativ verändern. Die zunächst paradox anmutende Annahme Adornos, rationale Identität durch gerechten Tausch wäre möglich, zeigt auf, daß es keine Gesellschaft und kein Individuum ohne Identität geben kann. Alleine zu kritisieren wäre damit die unvernünftige Identität, die durch die kapitalistische/ nationale/ patriarchale Vergesellschaftung produziert wird. Diese umfasst allerdings keineswegs alle Formen der Identität, und sind wiederum nicht alle unmittelbar aus der Wertform ableitbar, wie es die an Sohn-Rethel anschließende Wertkritik suggeriert. Zu derartigen Unterscheidungen - und neuen Begriffen - muß eine Theorie aber geeignet sein, soll sie überhaupt etwas über Gesellschaft aussagen können. Das Denken der Nichtidentität von Denken und Objekt ist dabei die erkenntnistheoretische Prämisse. Das bedeutet: auch eine negativ-dialektische Philosophie kann nicht mit dem Anspruch der alten idealistischen Philosophie auftreten, die Welt als Ganzes zu erklären bzw. die Totalität auf den Begriff bringen zu können, und sei es, wie in der Wertkritik, auf den Begriff des Kapitals als des wahrhaft identischen oder nichtidentischen, also des Wesens oder Unwesens. Das »Nichtidentische« ist bei Adorno keineswegs als eine bloß formale Kategorie vorzustellen, in ihr zieht sich vielmehr das gesamte inhaltliche Spektrum von Adornos Soziologie und Philosophie zusammen. Auch Nichtidentität ist allerdings kein Letztes. Nichtidentisches verhält sich zu Identischem nicht als Gegensatz, sondern dialektisch und kritisiert es immanent.

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Adorno, Negative Dialektik, a.a.O., S. 164. Ebenda, S. 168. Ebenda, S. 165f. Adorno, Philosophische Terminologie, Band 2, Frankfurt/M. 1974, S. 115.

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II. Konstellation und Synthesis Adorno selbst weist an verschiedenen Stellen darauf hin, daß die Bedingung der Möglichkeit von Gesellschaftskritik nicht alleine davon abhängt, daß die Totalität der Gesellschaft erfasst werde. Im Gegenteil, nur die Erfahrung und kritische Durchdringung des Einzelnen kann die Perspektive der Kritik offenhalten. Die Kritik der Totalität ist nicht unmittelbar oder gar kategorial zu haben: Für eine kritische Theorie der Gesellschaft ist es unabdingbar, den »schwersten Nachdruck« auf das Konkrete und Einzelne zu legen und die Existenz der Totalität nicht einfach zu postulieren, da die »Vormacht der Totale, die zwar abstrakt ist, aber dem allgemeinen Begriff in einem gewissen Sinn sich auch entzieht, nur in der Erfahrung des Einzelnen und in der Deutung dieser Erfahrung des Einzelnen getroffen werden kann.« 56 Bezeichnend für das philosophische Verfahren, mit dem Gesellschaftskritik sich entwickeln läßt, ist der Begriff der Konstellation. Er ist zwar nach wie vor an Philosophie, an eine »schwache Metaphysik« und einen Zeitkern der Wahrheit gebunden als Bedingung ihrer Möglichkeit. Der Begriff der Konstellation bezeichnet aber vorrangig die Einsicht des nicht-begrifflichen im Begriff. Dem Nichtidentischen an der Sache wie am Begriff soll zum Ausdruck verholfen werden. Die Negative Dialektik als Verfahren der Kritik arbeitet daher nicht als System, sondern in Modellen als »Verbindlichkeit ohne System«. Konstellationen, die sich als Begriffe um den Gegenstand versammeln, belichten das Spezifische des Gegenstandes, das dem klassifikatorischen Denken gleichgültig ist. Sie bestimmen potentiell deren Inneres. »Der Konstellation gewahr werden, in der eine Sache steht, heißt soviel wie diejenige entziffern, die es als Gewordene in sich trägt.« 57 Die Gegenstände der Reflexion können dadurch in ihrer Vermittlung mit Subjektivität und Objektivität und nicht als hypostasierte erfaßt werden. »Als Konstellation umkreist der theoretische Gedanke den Begriff, den er öffnen möchte, hoffend, daß er aufspringe etwa wie die Schlösser wohlverwahrter Kassenschränke: nicht nur durch einen Einzelschlüssel oder eine Einzelnummer, sondern eine Nummernkombination.« 58 Der Widerspruch, Gegenstand der Kritik, liegt in der Sache. Dialektik ist bei Adorno damit keine Methode, sondern sie bezeichnet ein Verfahren der Kritik des »konstitutiven Bewußtseins selbst.« Die Substruktion eines Ersten gilt auch für die Negative Dialektik, die sich als Ideologiekritik noch gegen sich selbst wenden können muß: »Der Totalität ist zu opponieren, indem sie der Nichtidentität mit sich selbst überführt wird, die sie dem eigenen Begriff nach verleugnet.« 59 Für den Totalitätsbegriff oder die Synthesis der widersprechenden Momente bedeutet dies, daß er unkritisch bleiben muß, solange er für selbstverständlich gehalten wird, solange automatisch gilt, daß einzelne Gegenstände in ihm repräsentiert sind. Gerade diese Repräsentation ist das, was ständig zu untersuchen ist. Die Möglichkeit eines realistischen Zugangs zur gesellschaftlichen Totalität von außerhalb, vom Standpunkt der gesellschaftlichen Synthesis aus, wird von Sohn-Rethel für selbstverständlich gehalten. Dabei zeichnet sich eine kritische Theorie, die diesen Namen verdient, gerade dadurch aus, daß sie sich an der Fragwürdigkeit dieser Totalität bildet. Allerdings zeigt sich die Differenz der Elemente der Totalität nicht postmodern-beliebig, sondern alleine im Vollzug der Synthesis. Nur durch den gedanklichen Vollzug der Synthesis läßt sich Dif56 57 58 59 Adorno, Diskussionsbeitrag zu Spätkapitalismus oder Industriegesellschaft?, in: GS 8, S. 587. Adorno, Negative Dialektik, a.a.O., S. 165. Ebenda, S. 166. Ebenda, S. 150.

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370. Synthesis steht als leitender und oberster Akt des Denkens zur Kritik . die nicht selber dem universalen Fetischcharakter erliegen. 369. beanspruchen die Nachfolger. »Alles sei eins« (Adorno). Mit einer Theorie. ist gewiß »gesellschaftlich notwendiger Schein.a. sei’s noch so Bescheidene. das Ihre.ferenz bestimmen.und subjekthafte Ausdruck des Kapitalverhältnisses sei.« 62 Dies gilt allerdings auch für das Gegenteil. 60 Zu kritisieren ist. Durch die hier verhandelte und kritisierte Wertkritik wird das Problem der Repräsentation des Besonderen im Allgemeinen zerschlagen. Negative Dialektik als (Selbst-)Kritik alles Partikularen. ist theoretisch nicht haltbar. Synthesis ist allerdings tatsächlich nur noch der Moment der Gleichsetzung im Wert. Ebenda. Eine ähnliche inhaltliche Verschiebung in der Wertkritik zeigt sich auch bezüglich der Synthesis. daß die Adornosche Kritik des Identitätsdenkens und der Identitätslogik auf jegliche Identität übertragen und damit verabsolutiert wird .O. Spätkapitalismus oder Industriegesellschaft. zumindest nicht unter dem alten Primat der Identität von Subjekt und Objekt. um dessentwillen sie einmal konzipiert ward. Das eine Mal subjektiv im Denken. Daß Produktivkräfte und Produktionsverhältnisse heute eines seien und man deshalb umstandslos die Gesellschaft von den Produktivkräften her konstruieren kann. läßt sich keine Theorie der Krise kapitalistischer Vergesellschaftung entwerfen.und sieht nur noch überall das gleiche. 158.. nämlich dem Kapital als »realem Subjekt-Objekt der Geschichte« oder »automatischem Subjekt«. so ist es an ihr. Es bedeutet aber. Allerdings zeigt die Selbstreflexion des Denkens in der Negativen Dialektik. Weder die Gesellschaft verschwindet noch ihre Kritik. die Wert-Theologie.mittels der Identifizierung von Identität und Wert. Mit den Mitteln der imma60 61 62 Ebenda. beizutragen. d. eine »um die Theorie der Synthesis« (der Gesellschaft) zentrierte Theorie zu besitzen. S. wird von der Wertkritik systematisch übersehen. 39 . für die Wert und Wertform identisch sind.als Ergebnis am Objekt. die etwas dumm dastehen. noch nicht seine Überwindung. daß negativdialektisches Denken aus dem Immanenzzusammenhang des Immergleichen der Herrschaft in der Dialektik der Aufklärung hinauszuführen vermag. daß der Bann sich löse. Sie affirmiert die scheinbare Alternativlosigkeit des Kapitalismus. Adorno.. daß die Synthesis der Gesellschaft sich alleine im Kapitalverhältnis herstelle. das sich absolut setzt. Die apokalyptische Rede vom »Ende des Gebrauchswerts« (Wolfgang Pohrt) oder der »totalen Vergesellschaftung« (Stefan Breuer) erinnert an die Weltuntergangspropheten. sich von der Vorstellung totaler Vergesellschaftung zu verabschieden die impliziert. jegliches konstellative Denken ist mit ihr unmöglich. Das bedeutet keineswegs.und daß dies bereits bei Adorno der Fall war. mit der Setzung. wenn das Jahr 2000 doch stattfindet. sich von dem Trug zu lösen. das andere Mal . daß alles objekt. Aus dieser polemischen Abgrenzung macht die Wertkritik ihren einzigen und zentralen theoretischen Bezugspunkt . a. Der Begriff des automatischen Subjekts für das Kapital ist nur erklärbar aus der notwendigen Abgrenzung Marx’ zu Hegel und Ricardo.) etwas von dem erfüllen. die Kategorie der Totalität (der Gesellschaft) zu verabschieden. Steht sie bei Adorno zur Kritik.. S. Das Komplettieren Adornos mit Hilfe der Wertkritik. Die Metaphysik der Substanz wird in eine Metaphysik des Werts transformiert. ist Selbstbewußtsein des falschen Zustands. »Soll Soziologie (. mit Mitteln. S.h.« 61 Dazu gehört für die heutige kritische Theorie zuerst.

daß sie sich an der Fragwürdigkeit der Totalität bildet. konstellativ verfahrenden Kritik am Schein des gesellschaftlichen Gesamtsubjekts Kapital festzuhalten und diese Kritik zu radikalisieren. GS 8. was nicht apriori vorausgesetzt werden kann. die es als Gewordene in sich trägt. den »schwersten Nachdruck« auf das Konkrete und Einzelne zu legen. Adorno. Hamburg 1991.und selbstkritischen Gehalt seiner Erkenntnistheorie bringt.O. Die konstellativ verfahrende »Methodologie der kritischen Theorie mit ausgespartem Zentrum« (Rolf Johannes) ist gegen die „wertkritische“ Nivellierung zu verteidigen. Nur so ist die Selbstreflexion des Denkens möglich. daß die Repräsentation des Allgemeinen im Besonderen das Fragliche ist. für die theoretische Konstruktion der Totalität gilt daher. nur die Erfahrung und kritische Durchdringung des Einzelnen kann die Perspektive der Kritik offenhalten. die sich als Ideologiekritik noch gegen sich selbst wenden muß: »Der Totalität ist zu opponieren.« 64 Die »Substruktion eines Ersten« gilt daher auch für die Negative Dialektik. indem sie der Nichtidentität mit sich selbst überführt wird. die durch ihre wechselseitigen Beziehungen und weniger durch ihren substantiellen Gehalt bestimmt wird. daß es in einer Konstellation keine ‘grundlegenden’ Eigenschaften gibt. dieses Verfahren Kritischer Theorie umzusetzen: Die Gesamtstruktur einer Konstellation bedeutet nach ihm eine »bewegliche und ständig wechselnde Reihe von Elementen«. S. nur in der Erfahrung des Einzelnen und in der Deutung dieser Erfahrung des Einzelnen getroffen werden kann. S. Adorno oder die Beharrlichkeit der Dialektik. 299. keine endgültigen Resultate. keine ‚Determination letzter Instanz‘. keine Zentren. Eine Kritische Theorie zeichnet sich dadurch als solche aus. Diskussionsbeitrag zu Spätkapitalismus oder Industriegesellschaft?. die in der unkritischen Fusion von Marx und Adorno den einen um die reflektierte Wertformanalyse.am Objekt. daß die Totalität der Gesellschaft erfaßt werde. Jameson. sondern das. Ebenda. Darmstadt 1997. Im Gegenteil.nenten. S.« 63 Konstellativ verfahrende Kritik bezeichnet die Einsicht des nicht-begrifflichen im Begriff. was kritisch zu untersuchen und zu dekonstruieren ist. das andere Mal . »Das bedeutet. Die Kritik der Totalität ist nicht unmittelbar oder gar kategorial zu haben: Für eine Kritische Theorie der Gesellschaft ist es unabdingbar. Das eine Mal subjektiv im Denken. 150.als Ergebnis . 63 64 65 66 Adorno. Allerdings läßt sich nur durch den gedanklichen Vollzug der Synthesis qualitative Differenz bestimmen. »Der Konstellation gewahr werden. 40 . aber dem allgemeinen Begriff in einem gewissen Sinn sich auch entzieht.« 66 Für die Synthesis der widersprechenden Momente. genau das. Adornos antiteleologische Negative Dialektik.. ist dafür ein geeigneter Stützpunkt. die zwar abstrakt ist. 165. Negative Dialektik. heißt soviel wie diejenige entziffern. da die »Vormacht der Totale. a. daß die Bedingung der Möglichkeit von Gesellschaftskritik nicht vorrangig davon abhänge. die sie dem eigenen Begriff nach verleugnet.a. in: ders. Wertkritik in der Postmoderne Adorno selbst weist an verschiedenen Stellen darauf hin. S. die sich »in einer letzten Bewegung noch gegen sich selbst« kehrt. Frederic: Spätkapitalismus.« 65 Insbesondere Frederic Jameson hat es verstanden. in der eine Sache steht.. ist um so notwendiger. 587. den anderen um den ideologie.

ist Aufgabe der Kritik der post-postmodernen politischen Ökonomie. 41 . letztlich begründet durch die Kategorie der abstrakten Arbeit. im gesellschaftlichen Moment der Identifizierung von Wert und Wertform. Diesen zu dekonstruieren. ist jedenfalls gesellschaftlich notwendiger Schein.Daß die Synthesis der Gesellschaft sich alleine im Kapitalverhältnis herstelle.

die die Ansprüche der bürgerlichen Kultur auf Genuß. Heute wird nicht selten Kultur insgesamt als Popkultur vorgestellt. das gilt auch für Marcel Duchamp. ohne diese einzulösen. die hier Konzertsaal. Die materialistische Theorie der Gesellschaft hat dies mit dem Verhältnis von ökonomischer Basis und Überbau ausgedrückt. Während die bürgerliche 1 Dem Text ging ein . einen sozialen Bereich zu umgrenzen. die sich auch als Reich der Freiheit ideologisch anmeldete. daß der Überbau kaum mit der ökonomischen Produktivkraftentwicklung schritthalten konnte. diese Veränderungen mit Begriffen der Ästhetik zu fassen beziehungsweise die philosophische Ästhetik selbst als Resultat dieser Veränderungen darzustellen. Die bürgerliche Ideologie Ästhetik des Scheins verwandelte sich in den ideologischen Schein der Ästhetisierung. Die Ungleichzeitigkeit zwischen Kultur und Ökonomie fand nicht nur ihren Ausdruck in der Ideologie.Vortrag zum selben Thema im Rahmen der Veranstaltungsreihe zu Poststrukturalismus und Kritische Theorie voraus. Pop ist nur der gemeinsame Nenner einer Kultur. der materiellen Praxis nicht entgegengesetzt. der ausschließlich dem Genuß vorbehalten ist. 42 .Es trat eine Massenkultur hervor. kaum akzeptiert. als eine gewissermaßen zweite Kultur errichtet wurde. so gering scheinen die Unterschiede zu den Grundprinzipen der bürgerlichen Kulturentwicklung.inhaltlich anders gelagerter . Schönheit und dergleichen übernahm. die aus der individualistischen Kultur des 19. nicht ohne schon von Anbeginn an einen Widerspruch zu konstatieren: die Entwicklung des Überbaus stimmt keineswegs unbedingt mit der Entwicklung der materiellen Grundlage überein: die kapitalistische Ordnung war zunächst dadurch geprägt. . sondern diese bloß als Reproduktionssphäre verlängernd. aber nicht mehr war als ein Reich der Freizeit.Roger Behrens Die Rückkehr der Kulturindustriethese als Dancefloorversion Zur Dialektik materialistischer Pop. wonach die Reinheit der bürgerlichen Kultur das Reich der Freiheit jenseits der materiellen Praxis bewahrte. die längst ihren Begriff verloren hat: sie bezeichnet jene Massenkultur. Nan Goldin oder Frank Zappa und so weiter). die sich fabrikmäßiger Formen bedienen. die die bürgerliche Gesellschaft als Kultur bezeichnet. Andy Warhol. nur nicht in den heiligen Hallen der Kultur. noch heute werden Künstler. Mit der Veränderung der Produktionsverhältnisse und der durch sie freigesetzten Produktivkraftentwicklung veränderten sich auch die menschlichen Lebensweisen. Jahrhunderts und den anonymen Arbeitskollektiven des fortgeschrittenen Kapitalismus zusammengewachsen ist. Autonomie. Die ungeheure Ausdehnung der Arbeit machte es notwendig. Die bürgerliche Theorie hat versucht. John Cage. die sich in der Sphäre manifestieren. dort Museum. solange sie nicht im entscheidenden Moment die Grenzen der kulturellen Sphäre akzeptieren. so begrifflich unspezifisch dies Etikett bleibt. für die Orchestermusik Hector Berlioz'. immer aber ein festes Reglement symbolischer Formen bedeuten (das gilt für die Massenliteratur Alexander Dumas'. sondern ebenso sachlich: Die industrielle Revolution sollte überall stattfinden. Eine entscheidende Änderung trat zum Ende des letzten Jahrhunderts ein.und Subkulturkritik 1 I.

der regungslosen Kollektivrezeption im Konzertsaal. auch die music halls und Riesenorchester. die gefürchtet wurde. die das Ideal der Humanität verwirklicht. indische Bhangramusik oder Hip Hop zu hören. einen gregorianischen Choral. wurden romantisch mit Pflanzenornamenten umspielt oder in Samtetuis wie ein geheimnisvoller Kristall verhüllt. das soziale Gefüge zusammenzuhalten. die sich vortrefflich mit einer industriell organisierten Kulturproduktion verbinden ließen. 43 . es fürchtet eine Gefahr. Kunst aus ihrem Funktionszusammenhang zu lösen: eine Entwicklung. diese merkwürdige Mischform aus Hochkultur und Freizeit zu vermitteln und in der Vermittlung ihren Gebrauch und ihre Funktion neu zu definieren. während man irgendwelchen anderen Tätigkeiten konzentriert nachgeht. die sich gleichzeitig aus der zunehmenden Entfremdung zwischen Publikum und Kunst fast zwangsläufig ergab. Die technische Reproduzierbarkeit der Kunst machte es möglich. sondern auch die Haltung von Emotionen. die in der Sinfoniemusik und Oper entwickelten Formen von Melodie.Reproduktionstechnik löst das Reproduzierte aus dem Bereich der Tradition heraus. ob dodekaphonische Kammermusik oder DadaBewegung. um eine afrikanische Tanzmaske. vielmehr versteckten sich Stahl und Beton. um eine Oper. Um diese Zeit entstehen die Fabrikhallen bürgerlicher Kultur. Grammophon und Fabrikware im Gewand der bürgerlichen Behaglichkeit. Photographie und Elektrizität. dem Hören eines Konzertes als Hintergrundmusik. bürgerlicher Kultur und Unterhaltung fürchtet das Bürgertum. Rezeption und Konsum gegenüber den Kulturwaren: so ist in der Popmusik längst die geographische wie historische Codierung des Materials in der sinnlichen Präsenz des Hier und Jetzt verschwunden und es macht keinen funktionalen und emotionalen Unterschied. Dies tangiert nicht nur das Produkt. freigesetzt werden könnten. ob die unverstandene Neue Musik oder die unverstandene Jugend von Rock & Roll bis Punk: man glaubte. eine barocke Messe.Kultur sich vollends auf ihr individualistisches Leitmotiv. oder von nicht gewollten Mischformen. Hier hat die Trennung von highbrow and lowbrow ihren Ort. der das soziale Gefüge bedrohen würde. Die Gefahr. wie bei dem Komponieren einer Großsinfonie in den sommerlichen Alpen. die rituellen Zwecken diente. die es in eben dieser Kultur aufbewahrt. Einfall. als Tonträger. war stets dieselbe. Welche Übersetzungsleistungen sind notwendig. zurückzog und das Subjekt verklärte. aus der Kultur könnte jene emanzipatorische Gewalt losbrechen. nutzte die Massenkultur eben jene romantischen Ausdrucksformen. gibt es keinen Widerspruch. die Versenkung ins Kunstwerk. und dem privaten Individualkonsum. Der Widerspruch zwischen Individuum und Masse hat kulturell eher dazu geführt. Leitmotiv und dergleichen konnten ohne weiteres für Zwecke des Schlagers oder der Filmmusik nutzbar gemacht werden. Es sind dafür genauso wenig Übersetzungsleistungen notwendig. überhaupt die Unterscheidung von hoher und niederer Kultur.wie Walter Benjamin feststellte . Zwischen der öffentlichen Massenrezeption von Kultur. als Kunstobjekt in europäischen Museen zu präsentieren? Offenbar wenige.oder Rundfunk-Aufzeichnung privat genießen zu können? Welche Übersetzungsleistungen sind notwendig. die von unkontrollierbaren Räumen kultureller Rezeption ausgehen könnte. ob Jazzkeller oder Kunstsalon. die scheinbar auf Bühne und Konzertsaal angewiesen ist. die . E und U. Es galt. Die neuen Produktionsweisen drängten verspätet in die um den Alltag erweiterte kulturelle Sphäre. daß die emanzipatorischen Utopien. die dann in New York vor einem urbanen Massenpublikum aufgeführt wird. Seit dieser Allianz zwischen Freizeit. welches vom Bürgertum selbst in ihr affirmatives Reich der Kultur verbannt wurde. ohne aber die alten Formen abzustreifen.

geschah die Unterdrückung vermeintlicher emanzipatorischer Potentiale oder unkontrollierbarer Ausdrucksformen durchs offene Verbot. die solche rebellischen Motive längst zu ihrem inneren Prinzip erklärt. Von manchen wird dies mit Bezug auf Pierre Bourdieu und Michel Foucault als ein Verschieben von Machtdispositiven beziehungsweise symbolischen Kapital im sogenannten kulturellen Feld verstanden. Marcuse sprach treffend von der repressiven Toleranz und die Werbung bestätigt. die strukturellen sozialen Bedingungen rutschen durch diese Erklärungsmuster hindurch. daß sie nicht mehr getauscht wird. nach der die Popkultur respektive Kulturindustrie als Ausverkauf.Die Popkultur modelte diese vermeintliche Gefahr zu ihrem Programm. Adorno und Max Horkheimer haben in der Dialektik der Aufklärung (1944/47) diese Entwicklung mit dem Begriff der Kulturindustrie beschrieben. monieren dem entgegen Adorno und Horkheimer weniger die ökonomische Distribution der Kulturwaren . Denn anfänglich hatte das System kultureller Codes an der Bändigung dieser Gefahr nur einen geringen Anteil. Nicht die Kapitalkonzentration und Konzernverflechtungen sind das Problem an der Kulturindustrie. so Adorno 1963 in seinem Resümée über Kulturindustrie. das den Untersuchungen Adornos und Horkheimers voransteht. Scheinbar gelingt es der Kulturindustrie periodisch. sie geht so blind im Gebrauch auf. 44 .als wenn ein geschenkter Beethoven besser wäre als ein gekaufter -. daß alle gleichen Zugang zu den gleichen Produkten haben. sondern den Fetischcharakter. Industrie meint. Verschiedentlich wurde in letzter Zeit auf die Schwierigkeiten in Adornos und Horkheimers Kapitalismuskritik hingewiesen. Das subversive Gegenmodell bleibt durch solche theoretischen Annahmen allerdings beschränkt auf Dekontextualisierungen und Repräsentationen von Macht. Solange sich in den einzelnen kulturellen Schichten von U nach E allerdings noch die Charakteristik der Klassengesellschaft bemerkbar machte. womit gleichsam die fundamentale Stabilität des kapitalistischen Systems konzediert wird.von der Kontrollgesellschaft sowie vom Differenzkapitalismus sprechen. Sowohl in ihrer modernen Variante einer politischen Gegenkultur wie in ihrer postmodernen Variante als Praxis von angeblicher Lebenskunst verkehrt sich das Ideal einer Gefahr zum Subversionspotential. die Standardisierung der Kulturwaren. wie leicht ein Avantgardekonzept in marktstrategische Trendsettings überführt werden kann. die alle Kulturwaren demokratisch gleichgestellt. sondern daß die Kulturwaren auf der Ebene des symbolischen Tauschs verwertbar geworden sind. Profitmacherei oder Vermarktung ehrlicher. (sub)kultureller Interessen bemäkelt wird. bestehen nur oberflächlich. Sie steht so völlig unterm Tauschgesetz. wonach alle Kultur zur Ware wird. Angedeutet ist mit dem Wort Kulturindustrie die zunehmende Verflechtung von kulturellem Überbau und ökonomischer Basis im Laufe der bürgerlichen Epoche. die entweder . diese Gefahr durch ökonomische Vereinnahmungen zu bändigen. Daher verschmilzt sie mit der Reklame. Theodor W. daß man sie nicht mehr gebrauchen kann. Die Wirksamkeit von kulturellem Kapital ist erst in einer eindimensionalen Gesellschaft möglich (und notwendig) geworden. oder die im Sinne von Joachim Hirsch und anderen von einem postfordistischen Regulationsmodell ausgehen. Adornos und Horkheimers ökonomiekritische Prämissen erweisen sich zwar als problematisch. In dem Grundsatz der Kulturindustrie. und die Demokratisierung der Kultur besteht nicht darin. durch physischen Zwang. krisensicheren Monopolkapitalismus. tatsächlich ist es aber eine hegemoniale Option der Kulturindustrie. Das ökonomische Modell. Gemeinsamkeiten zu Überlegungen. doch geht es ihnen keineswegs um eine ökonomistische Reduktion. den die Kultur als Ware annimmt. ist das eines stabilen. »Kultur ist eine paradoxe Ware.inspiriert von Gilles Deleuze .

Gesammelte Schriften Bd. Leipzig 1976. Susan Buck-Morss und Klaus Schultz. S. was in den meisten Fällen musikalisch mir so problematisch scheint wie im übrigen auch politisch Kulturindustriekritik wäre ebenso wie ihre Aktualität im Spiegel der Popkultur mit einer modifizierten Lesart der Kulturindustrietheorie zu begründen. München 1988. 3. Th. konzentriert sich die Kritik hauptsächlich auf die Musik.« 4 2 3 4 Vgl. im Popdiskurs verbreitete Anmaßung. S. Geschichte. Eisler. zu viel Übersättigung und Apathie muß sie unter den Konsumenten erzeugen. Es geht gleichwohl gegen eine bestimmte. hieß es 1944.Je sinnloser diese unterm Monopol scheint. oder die von der Industrie eingeforderte Produktwerbung als objektivistisches Urteil über eine Musik eventuell sogar als politisch hochbedeutsam beizubiegen. 1997. Materialen zu einer Dialektik der Musik. 45 . Reklame ist ihr Lebenselexier. 17. wenn man etwa über Waschmittel oder Astrologie spricht. Vgl. Dieser Satz ist in der Buchausgabe der Dialektik der Aufklärung gestrichen. daß eben die Kultur auf das Niveau von Waschmittel und Aberglaube reduziert wird. Nicht umsonst wollte Adorno seine Philosophie der neuen Musik als Exkurs zur Dialektik der Aufklärung verstanden wissen. unter Mitwirkung von Gretel Adorno. die man bei Bekannten im Plattenregal entdeckt. Zit. um so allmächtiger wird sie. Horkheimer. 360.« (Dialektik der Aufklärung) Obgleich im Kulturindustriekapitel der Dialektik der Aufklärung von Magazinen. in: ders. Rolf Wiggershaus. daß mitnichten Adorno und Horkheimer diesen Begriff allein gebrauchten. Adorno. von Rolf Tiedemann. S.n. anders sieht das beim Urteil über die Musik aus. auch wenn ja die zentrale Behauptung der Kulturindustriethese besagt. wenn man ihnen ihre Waschmittelmarke streitig macht. hg. 3 Der Abschnitt über Kulturindustrie ist »mehr noch als die anderen (…) fragmentarisch. in: Adorno. Radio und dergleichen die Rede ist. das theoretisch meist bodenlose und der Subjektivität verpflichtete Geschacksurteil. Wenige fühlen sich persönlich angegriffen. Gesellschaftliche Grundfragen der modernen Musik. Die Motive sind ökonomisch genug. 171ff. Sofern es nun um Musik zu tun ist. ergeben sich meist einige Probleme. daß mit dem Kulturindustriebegriff keine monolithische Theorie sozialer Aporie und Hermetik gedeckt werden sollte. Vor allem Komposition für den Film spricht dafür. 2 Adornos und Eislers Gemeinschaftsarbeit Komposition für den Film erscheint sogar als konkrete Auseinandersetzung mit der Kulturindustrie – neben Adornos Untersuchungen über das Radio (Radio Research Project). W. Vor allem spricht für einen engen Gegenstandsbezug der Kulturindustriethese zur Musik. Philosophische Fragmente. theoretische Entwicklung. Vielmehr finden sich Hinweise auf die Annahme einer gewissen Dynamik der Kulturindustrie – es sollten »auch die positiven Aspekte der Massenkultur zur Sprache kommen«. Die Frankfurter Schule. Ffm. noch um ein Verdikt. aus sich selbst vermag sie wenig dagegen. Ich greife dies als Rezeptionsproblem des vermeintlich kritischen Hörers auf. daß es weder um die Diffamierung eines subjektivemotionalen Bezugs zu irgendeiner Musik geht. politische Bedeutung. Ich möchte vorausschicken. Zu gewiß könnte man ohne die ganze Kulturindustrie leben. Max: Dialektik der Aufklärung. sondern der Komponist Hanns Eisler ebenso. das über diese oder jene Musik verhängt werden soll. die sich nicht in der Schärfe ergeben..

wie heute bis weit in die selbst fortschritts-sensibilisierte Linke herein neueste Computertechniken .postmodern operierenden . weil in den technischen Notwendigkeiten der Massenbelieferung der Menschen mit Kultur scheinbar ein demokratische Potential neuerer technologischer Verfahren steckt. daß von den "Interessenten" die Kulturindustrie deshalb technologisch gerechtfertigt wird. Beiden Ansätzen ist die materialistische Ausrichtung auf eine zunehmende Konzentration der gesellschaftlichen Kräfte gemeinsam. vergleiche man einmal mit dem.Elvis Presley. die ganze Richtungen markieren sollen .« Während Adorno und Horkheimer in der Dialektik der Aufklärung die zunehmende Verflechtung von Kultur und Ökonomie beschreiben. Allein vom technischen Stand der Gesellschaft ist noch 46 .Popdiskurs werden diese Momente der Kritik nicht aufgegriffen. die Disco Queen. In seinem Kunstwerk-Aufsatz hat Walter Benjamin aus der These. die auch einem musikalischen Laienpublikum Zugang zur kulturellen Produktion ermöglichen sollen. sie verbindet in einer Mischung von Individualisierung und kollektivem Konsum die technologisch fortgeschrittenen künstlerischen Medien mit einer regressiven Form des Rituals: das bürgerliche Ideal des Künstlers als Genie und der Anspruch einer Autonomie der Kunst lebt fort im Star und der Esoterik popkultureller Moden.sei es einzelner Exponate. ein weiteres Umschlagen von Rationalität in den Mythos beziehungsweise ins Ritual. Die Popkultur ist die kulturindustrielle Rückeroberung des rituellen Charakters von Kunst. eine Aufklärung als Massenbetrug. Der PopProduzent tritt innerhalb des kulturindustriellen Verwertungszusammenhangs als Handwerker hervor und reproduziert die rückwärtsgewandte Utopie feudal-ökonomischer Prägung . bei Politik. Dem steht nicht nur die bürgerlich-soziologische Annahme entgegen. in solchen Totalitätsannahmen verstecke sich selbst totalitärer Logozentrismus. sei es Tendenzen. Die kritische Theorie begründet solches Systemdenken mit ihrem emanzipatorischen Anspruch auf eine gesamte. Gegen Vereinseitigung der technischen Aspekte heißt es. gefolgert. grundlegende Umwälzung der Gesellschaft. sahen Adorno und Horkheimer in der Massenkultur. daß damit die Kunst sich gleichsam vom »parasitären Dasein am Ritual« emanzipiere. DJ-Culture. Wirtschaft und Kultur handle es sich um getrennte.II. also ein weiteres Moment der Dialektik der Aufklärung. die mit einer Politisierung der Kunst einer Ästhetisierung der Politik (= Ritualisierung) entgegensteuert.das Internet . Während Benjamin noch auf eine linke Massenbewegung hoffen konnte. Was damals bejahend und verteidigend über Radio und Film gesagt wurde.mit einer quasi selbstmächtigen Ideologie der Informationszugänglichkeit gepriesen werden. Verfahren. sondern ebenso die postmoderne Vermutung. geht es Benjamin um das Ineinandergreifen von Kultur und Politik. »An die Stelle ihrer Fundierung aufs Ritual ist ihre Fundierung auf eine andere Praxis getreten: nämlich ihre Fundierung auf Politik. Der Befund dieser Konzentration deckt sich mit der kritischen Theorie einer konkreten Totalität des gesellschaftlichen Seins. Tina Tuner. eigenständige Sphären der Gesellschaft. Auch in der Beurteilung der Popmusik . in der eine politische Emanzipation durchaus angelegt war. Im gegenwärtigen .wird auf Hervorhebung technologischer Eigenarten zurückgegriffen: Sampling. daß die technische Reproduktion ein Herauslösen der Kunst aus dem Zusammenhang der Tradition ermögliche. Märchenstoff und romantische Traumwelt durchwachsen thematisch die ansonsten sachlich gehaltenen Ausdrucksformen der Popmusik. King of Rock & Roll.

das sie ihnen vorschwindelt. 16. betrügt sie um das Glück.1. daß man sein Leben versäumte. daß in modernen massenkulturellen Tanzformen Bewegungsabläufe wiederholt werden. In der temporären Freigabe der Ahnung. daß trotz Versäumnis alles seinen rechten Gang nimmt. Doch solche Technik wird kaum noch in Frage gestellt. daß und weshalb über Musik sowieso nicht geredet werden könne. die Welt sei in eben der Ordnung.. wie in der Massenkultur Bedürfnis. wagt es sich einzugestehen. 6 Die Kulturindustrie reduziert die Reaktionsweisen der Menschen auf Reizschemen. die die Kulturindustrie den Massen bereitet. der kulturindustriell in die Popkultur sich verlängert: im Zentrum einer materialistischen Kritik der Popkulturindustrie und ihrer subkulturellen Unterwanderungsstrategien steht die konkrete Ideologie. Musikalische Warenanalysen. so sagte einmal Leo Löwenthal. den Massenkonsumenten die Unterhaltung zu mißgönnen. schreibt Adorno in seinen Musikalischen Warenanalysen. einmal ziehe ein jeder das große Los. 337. Gesammelte Schriften Bd. Resümée über Kulturindustrie. S. das den Chef heiratet. daß die Gesellschaft in all ihren Grundzügen als natürlich und menschlich aner5 6 7 8 Adorno. Die Feststellung.a. Aber im Angesicht jenes Glücks. greift zu kurz.« 8 Die materialistische Kritik an der Popkulturindustrie hat keineswegs im Sinn. die psychologischen Muster von Filmmusik im positiven oder sachlichen Sinne herauszuarbeiten: wie etwa das Sehen vom Hören psychologisch und phänomenologisch zu unterscheiden wäre und sich Filmmusik überhaupt begründet. Die Frage.« 7 Gleichwohl haben Eisler und Adorno einige Analysen darauf verwandt. um die gegenwärtige Gestalt von Volkskunst. die schon aufs emotionale Hören zugeschnitten sind. in: ders. »Die Ersatzbefriedigung. Gefühl und Befriedigung gelöst werden. was einzugestehen sonst die gesamte Einrichtung des Lebens verwehrt: daß es am Glück keinen Teil hat«. Es erweist sich vorab an der Musik. die sie ihnen suggerieren will. der Film sei eine Traumfabrik und das happy end eine Wunscherfüllung. bricht sich emotional stets mit der Beruhigung.wollte Adorno Deutungen ausschließen. 345. Ebenda.. »Das Ladenmädchen identifiziert sich nicht unmittelbar mit dem als Privatsekretärin kostümierten glamour girl. Massenkultur sei.der eben von Massenkultur sprach (sich auf die bürgerliche Literaturgeschichte beziehend) . defensiv beurteilt man die Resultate und schiebt die Beurteilung solange hin und her. hat den Begriff der Kulturindustrie gegen andere Varianten zur Bezeichnung derselben Sache begründet: gegen Löwenthal . Genau dies bestimmt dialektisch die Kritik des Fetischzusammenhangs der Warengesellschaft. Resümée über Kulturindustrie. 5 Auch "Traumfabrik".O. »daß es sich um etwas wie spontan aus den Massen selbst aufsteigende Kultur handele.nichts über ihren Strukturzusammenhang ableitbar. Adorno. a. wer über die Technologie verfügt und in wessen Dienst sie genommen ist. sondern hinterfragt das Versprechen des Glücks. die sich von denen der kapitalistischen Arbeit nicht unterscheiden. indem sie das Wohlgefühl erweckt. Der Schock. wovon etwa Ernst Bloch sprach. Nicht darf verheimlicht werden. fallen längst die Dümmsten nicht mehr herein.. auf Stereotypen und Klischees: »Auf den Trick. von seiner Möglichkeit überwältigt. Gesammelte Schriften Bd. faßt das Phänomen nicht präzise: Die Vorstellung populärer Sozialpsychologen. 10. mit dem Gefühl. besteht das Recht des Kitsches.a. war eine Frage. a. Adorno. Die meisten hören emotional: alles in Kategorien der Spätromantik und der von dieser derivierten Waren. S.. spricht kein kulturpessimistisches Verdikt über solche somatischen Impulse. in: ders. 295.. um das die Tanzenden betrogen werden. bis sie sich mit dem getroffenen Emotionen decken. daß das Leben versäumt wurde. auf das sich in letzter Instanz gerne berufen wird. Psychoanalyse verkehrt herum. 47 . S.O.

die Kritik der politischen Ökonomie von Marx. dann ist der Betrug um das Glück gemeint. kein Schacher um die Kunst. Sie sind keineswegs zu vereinseitigen und meinen für sich noch nicht die Erklärung des Gesamtzusammenhangs. Ausgangspunkt war .als Basisgerüst . Eine gewisse Beliebtheit hat in diesem Spiel der Scheingefechte mittlerweile erreicht. die in den letzten Jahren durch entsprechende Publikationen auf sich aufmerksam gemacht haben. daß innerhalb des popkulturindustriellen Gesamtgefüges sehr wohl Strategien der Subversion und der Dissidenz. decken sich mit dem Konstruktionsaufbau der Kulturindustrietheorie. daß es möglich wurde. Diedrich Diederichsen. sie sollte erweitert werden um Elemente der Kantischen Erkenntnistheorie. Die theoretisch-philosophischen Grundlagen der kritischen Theorie. Mark Terkessidis und Tom Holert. schon im Bestehenden.»der 48 . der in der Frage mündet: »Wer repräsentiert was unter welchen Bedingungen?« (Gurk) Daß die im Popdiskurs geäußerten Positionen allerdings mitunter in heftigsten persönlichen Denunziationen münden und in einschlägigen Zeitschriften dann in polemischen Streitereien zur Belustigung der Leserschaft ausgetragen werden. deutet kaum auf die Kraft des besseren Arguments. befreite Gebiete dingfest machen zu können.die Analysen werden zu Formeln einer postmodernen Beliebigkeit. durch das »Vermeiden von Kollektivformeln möglichst konkret über Individuen zu reden« (Jacob). ästhetische und ökonomisch-ideologische Aspekte. sozialpsychologische. Der Gedanke der Emanzipation. also Opposition und Widerstand möglich sind. Obwohl soviel Wert auf die textuelle Repräsentation und die Selbstverortung im Popdiskurs gelegt wird. den Kritikbegriff soweit zu modifizieren. wie sie von Max Horkheimer im Forschungszusammenhang des (Frankfurter) Instituts für Sozialforschung projektiert wurden. also den erkenntnistheoretischen Wahrheitsanspruch von Kunstwerken. Emanzipationsansprüche werden bloß noch für den eigenen Lebensstil geltend gemacht und dienen zum Beweis korrekter politischer Haltung. oder der »Mainstream der Minderheiten« (Holert und Terkessidis) . Jutta Koether. Die Theorie der Kulturindustrie umfaßt damit technologischtechnische.kannt wird. sich jeweils nachzuweisen. um eine materialistisch gedeutete Hegelsche Geschichtsphilosophie und um die Psychoanalyse Freunds. und die nichts anderes meinen als den subjektivistischen Reflex. ob das Ende vom »Subversionsmodell Pop« (Jacob und andere) proklamiert wird. Anders als in dem ästhetischen Ansatz der kritischen Theorie der Gesellschaft zielt dies jedoch nicht mehr auf eine materialistische Bestimmung des Materials. Mit Bezug auf Subkulturtheorien ist Ende der siebziger Jahre. fiel es merkwürdigerweise niemandem bisher auf.also Vermittelndem . Christoph Gurk. weil die jeweiligen theoretischen Prämissen gar keinen Standpunkt mehr zulassen.oder Scheinaffirmation benennt. in den achtziger Jahren und schließlich heute eine postmodern-dekonstruktive Variante verteidigt worden. Nicht selten hat man sich darauf eingelassen. daß kaum ein Unterschied zum inszenierten Talk-Show-Brimborium besteht. die Diederichsen mit Strategien der Über. sondern auf eine soziale und technologische Charakteristik von Kultur. und insofern ist Gurks Formulierung vom »Pop als Medium« . um so in der Reflexion auf die eigene kulturelle Praxis Widerstandsmomente deutlich zu machen. der etwa in produktiver Weise in linker Kulturpolitik mündete. innerhalb der Kulturindustrie. kein sell-out oder Kuhhandel. Wenn Adorno und Horkheimer vom Massenbetrug sprechen. Redlich erscheint zunächst der Anspruch von am Poststrukturalismus und an der Dekonstruktion geschulten Autoren wie Günther Jacob. daß der gelebte Hedonismus lediglich der Sicherung eigener ökonomischer Interessen dient. Gleich.

Nötig wäre es. Widerständigem und dergleichen zu lesen. Widerstand zur Einschätzungssache. gegenüber der Kultur insgesamt eine offensive Position zurückzugewinnen. nämlich die Totalität des Systems. vielmehr hätte eine kritische Theorie der Popmusik die regressiven Tendenzen freizulegen. ohne sich blind mit der Befreiung zu identifizieren. Zwar ist von der Poplinken viel von Subversion. die Utopie einer freien Gesellschaft vorscheinen zu lassen. sie kehrt als Dancefloorversion wieder. die Verhältnisse als naturgegeben anzuerkennen. Letzte Konkretion bleibt ein subjektiver Erlebnisraum. Utopie. samt ihren Spannungen. die Dialektik von Wesen und Erscheinung. da der Begründungsrahmen kritischer Theorie. von der Krise der bürgerlichen Gesellschaft überhaupt. Die Kulturindustriethese ist nicht nur theoretisch zur Dancefloorversion verkürzt. ist für die kritische Theorie aus gutem Grund maßgeblich in der Kunst aufbewahrt.Befreiung« aufzugreifen. Schwierig ist es. 49 . als in Strategien regressiven kulturellen Ausdrucksformen lediglich eine andere Form von Repräsentation zu geben. Ist jetzt noch mit kritischer Absicht von ökonomischer. Sie fehlen notwendig. gerät die Kritik der Warenlogik. Subversion wird zum binären Entweder/Oder. die für den Kunstbegriff der kritischen Theorie so wichtig sind: Glück. Das wäre dann auch eine neue Sachlichkeit der Kulturkritik. Freiheit und so weiter. Es macht keinen Sinn. doch fehlen die Kategorien. wo Fortschritt in der Popmusik ist. als Remix einer neuen Innnerlichkeit. in den Hintergrund – und reproduziert damit selbst ein Moment des Fetischismus. Folglich realisiert sich ein Subversionsanspruch auch nicht anders. sondern Kulturindustrie selbst erscheint mittlerweile nur noch als Tanzboden einer neuen Innerlichkeit. in einem solchen Rezeptionsklima den Gehalt der Kulturindustriethese wiederzuerkennen: wo einmal die Theorie zur Ästhetik gemodelt wurde. Kulturindustriekritik verkürzt sich auf das unmittelbare Erlebnis. die Einheit des Subjekts und dergleichen blindlings als Gewalt eines Logozentrismus verworfen wurde. die sich ohnmächtig der Gesellschaft gegenübersieht. nach der Kultur heute funktioniert. so in der kurzen Reichweite. wie auch der Subkulturkritik. etwa am Technischen festgemacht. der Krise der Gesellschaft kulturell auszuweichen – so emotional man sich auch immer einzelner Popmusik verbunden fühlen mag: sie bleibt selbst Ausdruck von der Krise bürgerlicher Musik. Deswegen ist die Frage verfehlt. Unvereinnahmbarkeit. die in dem Denken der Welt als Text angelegt ist: alles reale Leiden wird zum Moment von Konstruktionen. von der man gleichzeitig theoretisch nicht soviel wissen möchte. nämlich in ihrer Fähigkeit. rassistischer oder geschlechtlicher Unterdrückung die Rede.

über den kunstimmanenten Rahmen der lettristischen Revolte hinauszugehen. die Revolution neu erfinden wollte und jede populistische Verwässerung ihrer Kritik zurückwies. Die Lettristen schufen eine Art postdadaistische Buchstabenpoesie und wurden vor allem durch ihre Beschimpfungen der zeitgenössischen Koriphäen aus Philosophie. als der rumänisch-jüdische Emigrant Isidore Isou in Paris die Bewegung des Lettrismus ins Leben rief. genauso wie bei ihren marxistischen Nachfolgern. den Weg der parteipolitischen Organisierung in der KP oder einer anderen bolschewistischen Organisation gehen. 50 .I. »Die ökonomischen Verbote und ihre moralischen Folgen werden ohnehin in Kürze vollständig zerstört und beseitigt sein. die warenförmig nicht zu befriedigen seien. Der sozialdemokratischen und leninistischen Konzeption von „sozialer Gerechtigkeit“ als bloßer Umverteilung setzten Sie die systemsprengende Kraft von Bedürfnissen entgegen. die keine der zahlreichen linken Ikonen anerkannte. Literatur und Kunst bekannt. Ihre provokanten Aktionen waren ein Kontrapunkt in der Nachkriegsstimmung des eifrigen Wiederaufbaus.I. das über kleine Zirkel von Eingeweihten hinausging. »Freizeit ist das wirklich revolutionäre Problem« Die Vorgeschichte der Situationistischen Internationalen beginnt 1946.Andreas Benl Eine Situation schaffen. ihre Zeitschrift benannte) tauche als Möglichkeit in den Industrieländern in Ost und West wieder auf. Für eine Universitätskarriere war die situationistische Theorie zu antiakademisch. die jede Umkehr unmöglich macht Guy Debord und die Situationistische Internationale Mehrere Anläufe und über drei Jahrzehnte hat es gebraucht. die sich zum Ziel setzte.steht in den kapitalistischen Staaten bereits auf der Tagesordnung. Die L.I. 1952 gründeten Guy Debord und einige andere inzwischen zu den Lettristen gestoßene Personen eine Parallelorganisation zu Isous Bewegung. Auf der Ebene der politischen Praxis zeigte sich die westdeutsche Linke in ihrer Ohnmacht desinteressiert an den Experimenten einer Gruppe.). Überall hat man sich mit der obligatorischen Erniedrigung durch Sportstadien und Fernsehprogramme abzufinden.die Organisation der Freiheit einer Masse.) in der bundesdeutschen Linken ein Echo gefunden haben. Die Organisation der Freizeit .I. die in einem etwas geringeren Ausmaß zu geregelter Arbeit genötigt wird .-Mitglieder und späteren Situationisten wollten aber auch nicht. die „Lettristische Internationale“ (L. bis die Geschichte und Theorie der „Situationistischen Internationale“ (S. »Freizeit ist das wirklich revolutionäre Problem« war 1954 in der siebten Nummer des „Potlatch“ zu lesen. wie so viele Surrealisten. Allerdings nur dann. Der „Potlatch“. wenn sich die Menschen nicht mit einer rein quantitativen Ausweitung der Konsumtionsmöglichkeiten und einer Erweiterung der homogenen und leeren Freizeit zufrieden gäben. ein altindianischer Kult der Verschwendung (nach dem die L. aber sie erreichten kaum die subversiven Qualitäten der dadaistischen und surrealistischen Experimente der zwanziger Jahre.

. Die Grundprinzipien sind uns klar (. nur 70 Mitglieder an. Geprägt wurde dieser Terminus schon 1947 von dem französischen marxistischen Soziologen Henri Lefebvre. die sich dessen vielleicht nur noch nicht 1 2 Zit.Deshalb müssen wir die uns auferlegten unmoralischen Bedingungen anprangern.)« 1 In diesem Manifest sind die wichtigsten Aktivitäten benannt. S. ohne ein neues Bedürfnis erkannt und durchgesetzt zu haben . Entwürfen für eine revolutionäre Architektur. dann wird Veränderung nichts weiter sein als ein schlechter Witz. die einmal mehr die Ziele der alten Gesellschaft aufgreift. Bd.I. der industriellen Automation und der Kritik des Alltagslebens und der Kultur.I. Die Situationisten machten das 1961 von der Pariser Polizei an algerischen Demonstranten verübte Massaker publik (das die französische Gesellschaft erst heute schockiert zur Kenntnis nimmt) und prangerten den Unwillen der französischen Linken an.denn in einer einstweilen immer noch auf Arbeit basierenden Gesellschaft haben wir ernsthaft versucht. Zwischen 1957 und 1972 gehörten der S.) So eine Synthese wird eine Verhaltenskritik. da vor allem über den Maler Asger Jorn Kontakte in fast alle westeuropäischen Länder hergestellt werden konnten. 1957 entstand aus der L.. für das sich die Mitspieler bewußt entschieden haben (. diesen Zustand der Verarmung.I. Die kühle Bosheit. die für jeden gesellschaftlichen Konflikt ein revolutionäres Maximalprogramm aufstellte und sich damit nicht nur mit dem Staat.. unter dem Titel „Ein Bürgerkrieg in Frankreich“ zum notfalls bewaffneten Widerstand gegen den Putsch des französischen Militärs in Algerien und die Herrschaft General de Gaulles auf. in: Situationistische Internationale 1958-1969. eines Spiels.) Die Konstruktion von Situationen wird die ununterbrochene Verwirklichung eines großartigen Spiels sein.I.I. mit dem die Situationisten bis zum Zerwürfnis 1962 eng zusammenarbeiteten. nie mehr als ein gutes Dutzend auf einmal. Die neue Gesellschaft.: Die Theorie der Momente und die Konstruktion von Situationen (1960). deren Theorie überall Anhänger hat. S. konnte auf Dauer nicht unbekannt bleiben: Schon 1958 rief die S. Da wir einige Jahre buchstäblich mit Nichtstun verbracht haben. eine rigide Politik des Ausschlusses betrieben wurde.das ist die wirklich utopische Tendenz des Sozialismus. Wird diese Frage nicht vor dem Zusammenbruch der aktuellen ökonomischen Entwicklung offen aufgeworfen. mit der sich die Situationisten scheinbar sinnloser Ereignisse bemächtigten. eine unwiderstehliche Städteplanung und eine Beherrschung der Umgebungen und Beziehungen beinhalten müssen. ging jedoch schon bald weit über ihre Zirkel hinaus. (. in der Algerienfrage mit dem nationalen Konsens zu brechen..I. Neben diesen internationalistischen Interventionen blieb die „Kritik des Alltagslebens“ 2 zentral für die Aktivitäten der S. uns ausschließlich der Freizeit zu widmen. 1. ohne daß sie deswegen zu unkritischen Parteigängern der algerischen nationalen Befreiungsfront geworden wären.I. Der Einfluß der S. Vgl. Berlin 1976.125-127. Erst jetzt war der Titel „Internationale“ kein vollständiger Euphemismus mehr. Hamburg 1993. nach Greil Marcus: Lipstick Traces. die Situationistische Internationale.. sondern auch mit der gesamten traditionellen Linken anlegte.360f. denen sich die L. 51 . und später die Situationistische Internationale in den folgenden Jahren widmen sollten: Der Erkundung neuer Bedürfnisstrukturen. Eine Organisation.. da in der S. ließ das Bild einer Organisation entstehen. dürfen wir unsere soziale Einstellung als avantgardistisch bezeichnen .

mit der auch in den USA verbreiteten Schrift „Niedergang und Fall der spektakulären Warenökonomie“ nicht nur. Natürlich sahen auch die Situationisten in den Streiks und Fabrikbesetzungen von 1968. 52 . politischen. Am 11. daß er von einem als normalem Menschen verkleideten Priester hintergangen worden war. ihm abzuhelfen (1966). 2.. Die Gesellschaft des Spektakels In der Geschichte der Situationistischen Internationalen findet eine Akzentverschiebung von der Konstruktion von Situationen zur Kritik des modernen Kapitalismus. aus denen er vom Standpunkt der revolutionären Kritik her wirklich verachtungswürdig ist und verachtet wird. nichts anderes als die Verwirklichung der situationistischen Forderung einer Revolution im Dienste der Poesie und gegen die Arbeit. sie müßte nur heute noch schärfer formuliert werden. so werden die Gründe.174. Hamburg 1995.. Als er schließlich erfuhr. S.« . Situationistische Internationale: Über das Elend im Studentenmilieu betrachtet unter seinen ökonomischen. hat Robert Burger diesen auf der Stelle getötet. Berlin 1977. Wenn auch die Gründe für seine Verachtung oft die falschen sind und aus der herrschenden Ideologie stammen.« 3 Als 1965 der von links und rechts verurteilte Aufstand im Watts-Stadtviertel von Los Angeles den Beginn schwarzer Militanz in den USA einleitete. uns zu irren. in: Situationistische Internationale 1958-1969.216. in zwei 3 4 5 6 Die Letzte Show: Die Pfaffen machen ihre Klappe wieder auf (1964). sondern auch »ihnen Gründe zu geben. Niedergang und Fall der spektakulären Warenökonomie (1966). Die Polizei rätselt immer noch über den Sinn dieser beispielhaften Tat. Daß diese Bewegung scheiterte.I. den Rebellierenden Recht. an denen sie selbst beteiligt waren.bewußt sind. in: Der Beginn einer Epoche. versuchte die S.I. daß der Student in Frankreich nach dem Polizisten und dem Priester das weitestgehendst verachtete Wesen ist.a.I. der Herrschaft des Spektakels statt. die Wahrheit theoretisch zu erklären. war wahrscheinlich der Hauptgrund für die Auflösung der S.« 6 Die Bücher „Handbuch der Lebenskunst für die jungen Generationen“ von Raoul Vaneigem und „Die Gesellschaft des Spektakels“ von Guy Debord.« 4 1966 verwandte eine Gruppe von Sympathisanten der S. Die Schrift hat hat als Kritik der Fetische und Illusionen linker Ideologie kaum etwas an Aktualität verloren.I. S. psychologischen. in: Karoshi 2/1997. deren Suche sich hier durch die praktische Aktion ausdrückt. die Finanzmittel der Straßburger StudentenInnenvertretung für den Druck der Broschüre „Über das Elend im Studentenmilieu“. 5 Sie beginnt mit den berühmten Sätzen: »Ohne große Gefahr. den Versuch von Negator: »Das Elend . der ihm zu trinken anbot und ihn dazu anregte. von seinen Schwierigkeiten im Leben zu erzählen. Texte der Situationisten.103.. a. So kommentiert die Nummer 9 der „Internationale Situationiste“ lakonisch das Zeitungsfoto eines jungen Mannes: »Robert Burger. können wir behaupten. in: Der Beginn einer Epoche. verdrängt und nicht eingestanden. August 1963 hat Burger in New York jemanden in einer Bar getroffen. beide 1967 erschienen. mußten schließlich im Licht des Mai 1968 wie prophetische Vorwegnahmen erscheinen. die ihren Weg bis nach Japan fand. sexuellen und besonders intellektuellen Aspekten und über einige Mittel. Guy Debord selbst teilte 1968 die Aktivität der S. Bd. Vgl. Anfang der 70er Jahre. S.O.revisited.

und das Scheitern dieser Bewegung. GdS. 53 . wenn auch nur auf eine relativ bewußte Weise. (. Architektur und Stadtplanung waren somit der sichtbarste Ausdruck der modernen Entfremdung. Die Pazifizierung des Klassenkonflikts vollzieht sich in den westlichen Metropolen nicht mehr in erster Linie über staatliche Repression.« 7 Der S.ä. a. die das Ende der modernen Kunst kennzeichneten. Die erste (von 1957 bis 1962) habe die „Aufhebung der Kunst“ zum Hauptthema gehabt. sei vielmehr die beste Propaganda für dessen Abschaffung. dieses getrennt bestehende kritisch-utopische Potential der kulturellen Avantgarde in eine revolutionäre Praxis zu überführen.. Berlin 1996. sei es als Angriff auf die kulturindustriell »etablierten Beziehungen zwischen den Begriffen«. Sie sind. boten aber auch potentiell die Möglichkeiten einer für alle wahrnehmbaren revolutionären Intervention in das Alltagsleben. sondern Ausdruck des situationistischen Verständnisses der „umkehrbaren Kohärenz“ kapitalistischer Totalität. ohne sie zu verwirklichen. ging es darum..) wirkten wie eine Mischung aus Surrealismus und Avantgarde-Architektur. Komplementär dazu war die situationistische Praxis des „Umherschweifens“ (dérive). und der Surrealismus wollte die Kunst verwirklichen. das sie gerade im künstlerischen Feld.91. Ähnlich wie Adorno beschreibt Debord die Kultur als »allgemeine Sphäre der Erkenntnis und der Vorstellungen des Erlebten der in Klassen geteilten geschichtlichen Gesellschaft«. Ein weiteres.« Beides seien jedoch die »unzertrennlichen Aspekte ein und derselben Aufhebung der Kunst«. 9 Die urbanistischen Projekte der S. 1967). „psychogeographische“ Viertel. § 191. die getrennt besteht. Comics. Hier wollte man »den schrecklichen Gegensatz zwischen möglichen Konstruktionen des Lebens und dem gegenwärtigem Elend« sichtbar machen. ohne sie wegzuschaffen. von Anfang an in der situationistischen Theorie und Praxis eingesetztes Element ist die subversive Entwendung/Zweckentfremdung (détournement) von Zitaten historischer und revolutionärer Autoritäten und Produkten der Kulturindustrie (Werbung.I. die Debord folgendermaßen formulierte: »Der Dadaismus und der Surrealismus sind die beiden Strömungen.) Der Dadaismus wollte die Kunst wegschaffen. Anleitung zum Kampf (1961). eingeschlossen hielt. in: Der Beginn einer Epoche. als »jene Fähigkeit zur Verallgemeinerung. Die Entwendung ist jedoch kein simpler Spaßguerrilla-Gag. sei es als Rekonstruktion revolutionärer Theorie 7 8 9 Guy Debord: Die Gesellschaft des Spektakels (GdS. S.a. sondern durch die Überführung ständischer Unterscheidungen in die hierarchische Demokratie des Konsums. § 180.Phasen ein. die der Kapitalismus dem „unitären Urbanismus“ auferlege. Die Stadt war das Modell der kapitalistisch gestalteten Raum-Zeit. dessen Hinfälligkeit sie proklamiert hatten.. wird die entwendende Intervention entscheidend. Dies setzte jedoch die Kritik der Halbheiten und Fehler früherer kulturrevolutionärer Versuche voraus. Filme u.I. (bewegliche Gebäude und Städte. die verschiedenen Gefühlen entsprechen u.a. 8 Die kulturrevolutionären Aktivitäten der Situationisten richteten sich zunächst vor allem auf Entwürfe für einen sogenannten „Unitären Urbanismus“.). Sie sollten jedoch im Gegensatz zu diesen keinen reformistischen Ersatz für die soziale Revolution bieten. Zeitgenossen des letzten großen Ansturms der revolutionären proletarischen Bewegung. Da die moderne Gesellschaft sich im Spektakel eine »abgesonderte Pseudowelt« als »Gegenstand der bloßen Kontemplation« schafft. die kollektiv organisierte Erkundung unentdeckter Nutzungsmöglichkeiten der bestehenden Städte. ist der Hauptgrund für ihre Immobilisierung.O. das Aufzeigen der Verfälschungen und Beschränkungen.

wie schon im Surrealismus .h. GdS.« 13 Diese doppelte Bedeutung der Theorien von Freud und Reich für die S. kann man diejenigen als Proletarier betrachten. »Wo wirtschafliches Es war. (. §§ 2 u. Einerseits sollte diese . S. in dem die Trennung von aufgezwungener Arbeit und passiver Freizeit aufgebrochen wird und die mögliche Aufhebung dieser Trennung im kollektiven Spiel einer postkapitalistischen Gesellschaft aufscheint. a. 10 Die „Situation“ ist schließlich der Moment. Ideologien und Klassen (1963).durch die Neuzusammensetzung der »vergangenen kritischen Folgerungen. die keine Möglichkeit haben. Andererseits diene sie der Radikalisierung der Ideologiekritik und dem Prozeß der Bewußtwerdung des revolutionären SubjektObjekts. Aber durch die Tatsache. § 52.. wird sie wie ein bewundernswerter Fetisch respektiert. a. bezog sich in zweifacher Form auf die Psychoanalyse.a. 10 11 12 13 GdS. die nur die Rechtsform des Eigentums oder die soziale Herkunft der Herrschenden verändert).« 12 Die S. d. daß er unmittelbar eingeholt und nicht mehr durch entfremdete Arbeit und die Vermehrung der hinausgeschobenen sozialen Bedürfnisse unbestimmt lange Zeit verfolgt wird. Als Beispiel für eine solche Situation kann der oben erwähnte Aufstand im Wattsviertel von Los Angeles gelten. Niedergang und Fall der spektakulären Warenökonomie (1966).. die zu respektablen Wahrheiten erstarrt sind. daß dieser Überfluß beim Wort genommen wird.. Nur wenn sie mit Geld als einem Zeichen für den Rang im Überleben bezahlt wird.I. wird sie kritisierbar und kann in allen ihren speziellen Erscheinungsformen verändert werden.) Revolutionär ist eine Bewegung. daß die Ideologie dieser Gesellschaft in ihrem modernsten Aspekt eine strenge Hierarchie künstlicher Werte aufgegeben hat. verdeutlichte Debord in seiner Kritik des zum Selbstzweck gewordenen Irrationalismus der Surrealisten: »Der Erfolg des Surrealismus hat selbst viel dazu beigetragen. definiert und produziert werden. 54 . muß Ich werden. drücken sich schon die echten Begierden aus (..) Sobald die Warenproduktion nicht mehr gekauft wird. die gesellschaftliche Raum-Zeit zu verändern.das Instrument zur Freisetzung unterdrückter Wunschenergien als revolutionäres Potential sein. Bedürfnisse.O. Gerade in den von den Ideologen des Reformismus verurteilten Plünderungen sahen die Situationisten eine temporäre Durchbrechung des Fetischcharakters der Ware. die die Organisation dieser Raum-Zeit sowie die künftigen Entscheidungsformen ihrer permanenten Neuorganisation radikal umgestaltet (und nicht eine Bewegung. die sich zur Zeit andeutet. in: Der Beginn einer Epoche. in Lügen verwandelt wurden«. 206.. S. der sich unter anderem über die zeitliche Trennung von Tauschhandlung und Gebrauchshandlung realisiert: »Die Plünderung des Wattsviertels ist die kürzeste Verwirklichung des abartigen Prinzips „Jedem nach seinen falschen Bedürfnissen“. als das das Proletariat bei den Situationisten immer noch definiert wurde.I. die die Gesellschaft ihnen zum Konsum zuteilt.« 11 Vor diesem Hintergrund wurden die Begriffe „Proletariat“ und „Revolution“ neu definiert: »Folgt man der Wirklichkeit. die vom ökonomischen System.O. das die Plünderung gerade ablehnt.176f.a.160. in: Der Beginn einer Epoche.. Herrschaft über die Natur. gleichzeitig aber ganz offen das Irrationale und auch das benutzt. was vom Surrealismus übrig geblieben ist.

kehrt sich diese Denkweise der herrschenden Klasse um.und Überwachungsbedingungen der Produktion deutlich beweisen. mit überaus zuvorkommender Höflichkeit scheinbar wie ein Erwachsener behandelt. der die staatliche Hierarchie aufheben und die warenförmige durch eine direkte Vergesellschaftung ersetzen sollte. Die Folge sei eine kontemplative Passivität. das Spektakel sei das Resultat der »Schwäche des abendländischen philosophischen Projekts (. wie es Debord einmal nannte. § 43.). Debord geht so weit zu behaupten. GdS. auf den Rat. beschreibt Debord die Differenz zwischen dem Kapitalismus des 19..I. das in einem von den Kategorien des Sehens be- 14 15 16 Guy Debord: Rapport über die Konstruktion von Situationen und die Organisations. Die.das ist die Vorbedingung. weil einseitigen Pseudokommunikation denunziert. a. § 221.. um in ihr die Leidenschaft zu entzünden. die an einer ausschließlich kulturrevolutionären Tätigkeit festhalten wollten. in: Der Beginn einer Epoche. in der Verkleidung des Konsumenten. Radio. findet dieser Arbeiter sich jeden Tag außerhalb dieser Produktion. ist der seit Ende der 20er Jahre in Europa herrschende gesellschaftliche Zustand: Im Westen die Niederschlagung oder Kapitulation der antikapitalistischen politischen und kulturellen Avantgarden.. Film und Fernsehen werden als Träger einer autoritären.I. was die Situationisten Spektakel nannten. S.« 15 Dies hatte jedoch zur Folge. Der historische Ausgangspunkt dessen.« 16 Dieser Scheinstatus des Erwachsenseins wird jedoch laut Debord sofort wieder durch den infantilisierenden Charakter der Konsumwaren negiert. ausgeschlossen. Parallel zu diesen Verzögerungen bei der Liquidierung der Warenwirtschaft. anstatt es aktiv umzugestalten. ohne ihn jemals „in seiner arbeitslosen Zeit. Ein neuer Vergesellschaftungsmodus war in den Augen der S. der das zur Erhaltung seiner Arbeitskraft unentbehrliche Minimum bekommen muß. daß die unmittelbare künstlerische Intervention. als Mensch“ zu betrachten.a.. Urplötzlich von der vollständigen Verachtung reingewaschen. Jahrhunderts und dem Fordismus nach 1945 folgendermaßen: »Während in der ursprünglichen Phase der kapitalistischen Akkumulation „die Nationalökonomie den Proletarier nur als Arbeiter betrachtet“. die „positive“ Konstruktion von Situationen als Wahres im Falschen zurückgenommen und schließlich verworfen wurde. indem er »alle Macht auf die entfremdungsauflösende Form der verwirklichten Demokratie zurückführt.(.) Wir müssen weitergehen und mehr Rationalität in die Welt bringen . die ihm alle Organisations. Die Menschen konsumierten nur noch ein Bild ihres Lebens.und Aktionsbedingungen der internationalen situationistischen Tendenz (1957).31. in dem die praktische Theorie sich selbst kontrolliert und ihre Aktion sieht. Vor allem die neuen Medien. Marx zitierend.O. breitete sich die Herrschaft der Warenform von der Despotie der Fabrik auf immer weitere Sektoren von Freizeit und Alltagsleben aus. sobald der in der Warenproduktion erreichte Überflußgrad vom Arbeiter einen Überschuß an Kollaboration erfordert. im Osten die Stalinisierung der isolierten Sowjetunion.« 14 Unter dem Einfluß der Gruppe „Socialisme ou Barbarie“ um Jean-Francois Lyotard und Cornelius Castoriadis entwickelten die Situationisten ihre Thesen zur kohärenten Theorie eines Rätekommunismus weiter. wurden Schritt für Schritt aus der S. die den Arbeitenden für ihre arbeitslose Zeit zur Verfügung gestellt werden. für das Ausbleiben der überfälligen revolutionären Aneignung und Nutzbarmachung des aufgehäuften kapitalistischen Reichtums verantwortlich.. GdS. 55 .

Führern und Parteien hindurch realisierten. den realsozialistischen und TrikontStaaten. worin die Ware zur völligen Besetzung des gesellschaftlichen Lebens gelangt ist. eine neue gesellschaftliche Totalität. muß dieses „konzentrierte Spektakel“ die Formen des materiellen und kulturellen Konsums beschränken und den jeweiligen autoritären Herrscher zum unhinterfragbaren absoluten Star machen. Außerdem repräsentierte das Spektakel für die S. auch in ihrer Freizeit seien die Lohnarbeitenden nicht „bei sich“. in dem die liberalistische „Empfehlung“ freier Wahl im Warenangebot in den „Befehl“ zum Zwangskonsum umschlägt. Nicht die von Horkheimer und Adorno konstatierte staatliche Abschaffung der Zirkulationssphäre. S. In seinem Versuch. (. § 19. Er beschreibt das Spektakel analog der von Georg Lukács in „Geschichte und Klassenbewußtsein“ formulierten These.170 . Es ist kein Zusatz zur wirklichen Welt. einen manipulativen Filter im Dienste des Monopolkapitals reduzieren ließ. Die Situationisten waren jedoch optimistischer als die Kritischen Theoretiker. 18 Georg Lukács: Geschichte und Klassenbewußtsein (1923). daß die Pazifizierung des Klassenwiderspruchs via „Amusement“ nicht von Dauer sein könne. demokratische aber passive Wahl von Waren. Für Debord war es ausgemacht. Debord definierte solche autoritären Formen kapitalistischer Vergesellschaftung dagegen als unflexibel und instabil und verortete sie im historischen Faschismus und in den unterentwickelten Zonen des Weltmarkts. Darmstadt 1986. Darum mangelte es diesem unterentwickelten Spektakel an Attraktivität gegenüber den fordistischen Konsumgesellschaften.I..17 Die Entfremdung sei nicht mehr auf den kapitalistischen Arbeitsprozeß beschränkt. sondern deren Totalisierung ist das Medium des modernen Spektakels.Information oder Propaganda. der den prekären gesellschaftlichen Zusammenhang garantiert.herrschten Begreifen der Tätigkeit bestand«. 19 GdS. Die kulturindustriell produzierte Langeweile und die kümmerliche kapitalistische Nutzung der Freizeit müßten letztendlich einen revolutionären Umsturz auslösen. Das Spektakel wird von Debord gar nicht erst als separater ideologischer Staatsapparat eingeführt..« Es ist »der Moment. §§ 6 u. in denen sich kapitalistische Ökonomie und staatliche Herrschaft durch die freie.ist das Spektakel das gegenwärtige Modell des gesellschaftlich herrschenden Lebens. kein aufgesetzter Zierat. Werbung oder unmittelbarer Konsum von Zerstreuungen .« 19 Die Differenz von Debords Spektakeltheorem zum Kulturindustriekapitel von Horkheimer und Adorno zeigt sich nicht zuletzt am völlig unterschiedlichen Gebrauch von Begriffen wie „Monopol“ und „Staatskapitalismus“. den Rückstand gegenüber der entfalteten Warenproduktion in den westlichen Metropolen aufzuholen. die sich nicht wie Horkheimer/Adornos Kulturindustrie auf einen klar umrissenen audio-visuellen Produktions. 56 . 17 GdS. 42. Zahlreiche Passagen der „Gesellschaft des Spektakels“ erinnern an die zwanzig Jahre früher verfaßten Thesen von Horkheimer und Adorno zur Kulturindustrie. Sie repräsentieren für Horkheimer und Adorno eine Rationalisierung bürgerlicher Herrschaft im „integralen Etatismus“.und Distributionssektor. in der Warenstruktur könne das »Urbild aller Gegenständlichkeitsformen und aller ihnen entsprechenden Formen der Subjektivität in der bürgerlichen Gesellschaft aufgefunden« 18 werden: »In seiner Totalität begriffen ist das Spektakel zugleich das Ergebnis und die Zielsetzung der bestehenden Produktionsweise.) In allen seinen besonderen Formen .

§§ 5 u. die für die Anti-Drogen-Einheiten leicht zu kontrollieren waren.. verabreden. Ein praktisches Beispiel. 57 . Vielleicht hätten sie bedauernd festgestellt. fast völlig hilflos.) Der fetischistische Schein reiner Objektivität in den spektakulären Beziehungen verbirgt deren Charakter als Beziehung zwischen Menschen und zwischen Klassen: eine zweite Natur scheint unsere Umwelt mit ihren unvermeidlichen Gesetzen zu beherschen. August 1997. anstatt dem Umherschweifen im Dienste des Kommunismus. ist vielleicht kein Zufall.« Konsequenterweise sieht Debord im »engeren Gesichtspunkt der „Massenkommunikationsmittel“« lediglich die »erdrückenste Oberflächenerscheinung« des Spektakels. so wird er bei Baudrillard nur noch elektronisch simuliert. Zweitens werden Zeichen und Wertform tendenziell selbstreferentiell. 24.« 21 Zumindest bei den frühen Situationisten hätte eine derartige Zwangsvorstellung wahrscheinlich nur belustigtes Achselzucken hervorgerufen. Während bisher der Drogenhandel in einigen ganz bestimmten Vierteln abgewickelt wurde. was sie einst bezeichneten. wurden letztere durch die unerwarteten und überhaupt nicht mehr an einen bestimmten Umschlagplatz gebundenen Treffen von Dealern und Drogenkonsumenten. die per Handy telefonisch miteinander in Verbindung treten und sich an jedem beliebigen Ort. Paul Virilio beantwortet die Fragezeichen. die ihren eigenen technischen Inhalt wählt.und Ökonomiekritik in Medientheorie spricht. sie emanzipieren sich von dem.Das Verhältnis der Theorie des Spektakels zu neueren Medientheorien kann hier nur angedeutet werden. Debord hatte wohl geahnt. Aber das Spektakel ist nicht dieses notwendige Produkt der als eine natürliche Entwicklung betrachteten technischen Entwicklung. ins Materielle übertragene Weltanschauung. in: Le Monde Diplomatique.9. 20 Jean Baudrillard bezieht sich explizit auf den Begriff des Spektakels. Wurde der Wert bei Horkheimer/Adorno unter staatliche Kontrolle genommen. das gegen die Auflösung von Staats. 21 Paul Virilio: Eine überbelichtete Welt. sieht sich die Polizei im Bezirk von Los Angeles mit einer neuen Art von Schwierigkeit konfrontiert. ist der Fall Berlusconi. daß die angeblich völlig unkontrollierbaren Treffen an geheimen Orten auch nur einem prekären Warentausch gälten. jenseits davon könne sich so etwas wie ein wahres Leben verbergen.. Daß dagegen dort. irgendwo. die Rezession und Kursstürze hinter solche postökonomischen Theorien setzen mit der nicht gerade überzeugenden Behauptung. lehnt aber erstens die Annahme ab. Die Gesellschaft des Spektakels ist im Gegenteil die Form.T. Börsencrashs seien lediglich ein Symptom der Abschaffung der Geographie durch die Telekommunikation. als Produkt der Techniken der Massenverbreitung von Bildern begriffen werden. Der Besitz von Fernsehkanälen und Fußballclubs reichte offensichtlich nicht 20 GdS. naive situationistische Einforderung einer „authentischen“ Kommunikation gegen die verfälschte des Spektakels weicht bei Virilio einem polizeilich-paranoiden Blick auf unkontrollierbare Datenfluten: »Seitdem die Zahl der Benutzer von Mobiltelefonen sprunghaft angestiegen ist. (. Kulturpessimismus und die Technikkritik eines Ernst Jünger wieder salonfähig werden. Es ist vielmehr eine tatsächlich gewordene. daß seine Theorie der Produktion von Zeichen zur Zeichentheorie entwendet werden könnte und schrieb deshalb: »Das Spektakel kann nicht als Übertreibung einer Welt des Schauens. Die z. wo der Terror der Ökonomie der technischen Entwicklung angelastet wird. S. Der vermeintliche Prototyp eines spektakulären Politstars zeigte sich den Ansprüchen an eine moderne autoritäre Herrschaft nicht gewachsen und mußte ausgerechnet einer postkommunistischen Sozialdemokratie weichen.

daß er vom Vordergrund der Bühne abtreten mußte (. 58 . war es normal. auf eine radikale Arbeiterbewegung abseits des Parteikommunismus setzte. Denn »da der Faschismus auch die kostspieligste Form der Aufrechterhaltung der kapitalistischen Ordnung ist. Aber auch von den Untertanen eines neo-autoritären Staats würde wohl größerer Einsatz verlangt werden als der Konsum des Bildes der Macht im Fernsehen. die Trennung von Kopf.) Die Sprache des Spektakels besteht aus Zeichen der herrschenden Produktion. die zugleich der letzte Endzweck dieser Produktion sind. behält die Totalität dagegen jene Ambivalenz. S. Jahrhunderts hätte aber auch die Selbstverständlichkeit infrage gestellt. § 109. nicht das positive Subjekt.31. Der Situationist René Viénet schrieb rückblickend: »Wenn die revolutionäre Krise des Mai wirklich etwas verdeutlicht hat.) und durch rationellere und stärkere Formen dieser Ordnung beseitigt wurde. 1992. Die „Unterentwickelten“.« 25 Ein schärferer Blick auf die Ursachen und Folgen der faschistischen Formierung in der ersten Hälfte des 20. Die »Unvermeidbarkeit des Sieges der Revolution« Unter dem Eindruck des Mai 1968 in Frankreich revidierte die S. GdS.. Theodor W.115f. Hamburg 1977. die in Auschwitz kulminierte. »System ist die negative Objektivität. die totale kapitalistische Vergesellschaftung.I. Adorno: Negative Dialektik (1966). Ganz im Sinne des traditionellen Marxismus wird statt dessen in der 22 23 24 25 René Viénet: Wütende und Situationisten in der Bewegung der Besetzungen (1968). Das Spektakel vollendete das Universum der Trennungen. mit der die S. die Shoah als nationales Projekt der Deutschen wurde gänzlich ausgeblendet oder diente als beliebige Metapher für alle möglichen Verbrechen des modernen Kapitalismus. der. Pessimisten und Soziologen müssen ihre Rechnungen neu aufstellen. keiner besonderen Untersuchung bedarf. Frankfurt/M. § 7.. habe der Siegeszug der westlichen Demokratien jene Herrschaftsform überflüssig gemacht. (.und Handarbeit. Negativ ist sie das Ensemble der repressiven Trennungen der bürgerlichen Gesellschaft.I. Dieser blinde Fleck läßt sich nicht ausschließlich auf die unterschiedliche gesellschaftspolitische Situation in Frankreich zurückführen. obwohl eine der »Gründermächte der gegenwärtigen Gesellschaft«. tendenziell ihren eigenwilligen Proletariatsbegriff und näherte sich immer mehr einem traditionellen Klassenstandpunkt (abzüglich parteimarxistischer Vereinnahmungen) an. Nachdem die faschistischen Bewegungen das ihre zur Zerstörung der alten Arbeiterbewegung beitrugen.I. die Black-Power-Bewegung und die Dutschkisten ebenfalls. Ihre Kehrseite. GdS.« 24 Die situationistische Analyse der negativen Aufhebung der Trennungen in der »repressiven Egalität« (Horkheimer/Adorno) der nationalsozialistischen Volksgemeinschaft blieb marginal. indem es die gesellschaftliche Praxis »in Realität und Bild aufgespalten hat.. dann das Gegenteil der Thesen Marcuses: eben daß das Proletariat nicht integriert ist. Also vor allem die Trennung der Produzenten von den Produktionsmitteln und die kapitalistische Arbeitsteilung.. und die entscheidende revolutionäre Kraft der modernen Gesellschaft darstellt.« 22 Für die kritische Theorie bezeichnet der Begriff der Totalität das radikal Negative. S.« 23 In den Schriften der S. Für Debord ist „der Faschismus“ ein »technisch ausgerüsteter Archaismus«.aus. die sie im Marxismus immer hatte.

« 28 Georg Lukács wurde zum Leninisten. der antistaatlichen Diktatur des Proletariats. wo sie nur in einer totalen Form durchgeführt werden kann. daß die Absage an die revolutionäre Einheit von Theorie und Praxis abstrakt bleibt und damit falsch wird. und wo die Totalität des Funktionierens der Gesellschaft absurd und außerhalb dieser Durchführung unmöglich wird.in die Zirkulationssphäre negiert Lukács“ Privilegierung des proletarischen Klassenbewußtseins als revolutionstheoretischen Hebel. mit denen er hinter seine eigenen theoretischen Einsichten zurückfällt.. 29 Die spektakuläre Verlagerung der gesellschaflichen Selbstwahrnehmungen und Konflikte von der Produktions. 27 Debord hätte wahrscheinlich erwidert. Vgl. überführt die proletarische Revolution die negative Totalität der kapitalistischen Gesellschaft in die positive des antiautoritären Rätekommunismus. wenn sie sich mit der praktischen Strömung zur Negation vereinigt. AB).. Adorno: Negative Dialektik.38. reagierte Debord darauf mit den „Kommentaren zur Gesellschaft des Spektakels“. Die kommunistische Kaderpartei wurde für ihn zur Stellvertreterin von Geschichte und Klassenbewußtsein. die in den Schriften der S. indem sie die Kritik des Spektakels (. Noch 1972.O.. »sein menschlich-seelisches Wesen nicht zur Ware ver- 26 27 28 29 Guy Debord. 59 . die Wiederaufnahme des revolutionären Klassenkampfes. Guy Debord: Kommentare zur Gesellschaft des Spektakels.: Die Gesellschaft des Spektakels. Vgl. a.) entwickelt und umgekehrt das Geheimnis dessen enthüllt. S. verabschiedete sich aber nicht von dessen revolutionstheoretischen Prämissen. die Adornos „Ontologie des falschen Zustands“ diametral entgegengesetzt ist. anläßlich der Auflösung der Situationistischen Internationalen. gerade in dem Moment. Düsseldorf 1973. wird sich ihrer selbst bewußt werden. als sich dieses Ereignis post festum lediglich als Modernisierungsfaktor der Demokratie erwiesen hatte. Salopp gesagt. als sich die Differenz zwischen seiner Theorie des Proletariats und dessen empririscher Praxis herausstellte. Öffentliches Zirkular der Situationistischen Internationalen (1972). Debord hat Lukács für seinen Leninismus verhöhnt. Am Ende nahm er alle kritischen Erkenntnisse über die sozialdemokratische „Weltanschaung“ der Arbeiterbewegung zugunsten einer naturdialektisch fundierten „Ontologie des gesellschaftlichen Seins“ zurück.« 26 Eine solche Sicherheit setzt sich derselben Kritik aus.a. Zwanzig Jahre nach 1968.und Mediendemokratie läßt sich die Annahme nicht mehr halten. § 203. 18 (Hervorhebungen von mir. in: Ders. und diese Negation. da sie sein Bewußtsein (anders als bei Intellektuellen und Kleinbürgern) unangetastet lasse. die körperliche Arbeit befähige das Proletariat zur revolutionären Selbsterkenntnis. Berlin 1996. bereits antizipiert wird. die Adorno gegen Hegel formulierte: sie sei im Widerspruch zur eigenen dialektischen Intention vorgedacht.(späten) situationistischen Theorie der Totalität der Trennungen die herzustellende revolutionäre Einheit des Proletariats entgegengesetzt. Gianfranco Sanguinetti: Die wirkliche Spaltung in der Internationalen. GdS. § 20 u. was sie zu sein vermag.I. Unter den Bedingungen der spektakulären Konsumenten. schrieben Guy Debord und Gianfranco Sanguinetti von der »Unvermeidbarkeit des Sieges der Revolution«: »Mit der neuen Epoche erscheint dieses bewundernswerte Zusammentreffen: die Revolution wird in einer totalen Form gewollt. 1967 schrieb er: »Die kritische Theorie des Spektakels ist nur wahr.

244. das integrierte Spektakuläre. ohne daß sich damit das Problem einer adäquaten Kritik kapitalistischer Totalität erledigt hätte. Daß diese Annahme heute utopischer denn je wirkt. sogar die Stimmung der öffentlichen Plätze entlarvt die Verzweiflung und Isolierung des einzelnen Gewissens.a. Das Spektakel der Ware gleicht einer Kuppel aus Glas.. sogar die geschäftige Anfüllung des Raumes läßt sich durch Leerlauf ermessen. sind angeblich wieder aktuell: Zensur. S. in dem jedoch die Verweigerung der alten spezialisierten Politik. a. sind das schon die beiden Gesichter eines 30 31 Lukács: Geschichte und Klassenbewußtsein. muß das Scheitern der Revolte von 1968 als Resultat einer von außen an dieses Subjekt herangetragenen Repression erscheinen. All die autoritären Herrschaftstechniken. der Kunst und des Alltagslebens unmittelbar eingeschlossen ist.O. Die Kritik der gesellschaftlichen Totalität des modernen Kapitalismus tritt zugunsten einer traditionellen Manipulationstheorie in den Hintergrund. Aufgabe der S. erklärt Debord in den „Kommentaren“ verschwörungstheoretisch. und der Niedergang der Subversion sei durch die Ausweitung staatlicher Manipulationstechniken verursacht. indem sie die kulturindustriell-spektakuläre „Banalisierung“ der Welt gleichzeitig als eine universelle „Proletarisierung“ faßten.« 30 Die Situationisten umgingen diese bittere Wahrheit.300. 60 . Resümée Die Situationisten setzten ihre Hoffnungen nicht in eine traditionelle revolutionäre Organisation. die eine allgemeine Empörung gegen den tendenziellen Fall des Gebrauchswerts hervorrufe und damit die Revolution unumgänglich mache. Bd. Der Grund dafür liegt in Debords Ontologie des proletarischrevolutionären Subjekts. die in den 70er und 80er Jahren die „mikrologischen“ Fragestellungen des Poststrukturalismus auch für Linksradikale plausibel machte. die über den durch den prosperierenden Nachkriegskapitalismus produzierten Reichtümern liegt und die Individuen an deren sinnvollem Gebrauch hindert.I. Geheimlogen und die Mafia seien das Modell des Kapitalismus im ausgehenden zwanzigsten Jahrhundert. 1. Ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt will Debord im Westen eine neue Herrschaftsform entdeckt haben. Da diese nicht infrage gestellt werden darf. Doch »sogar die Wirklichkeit der Glaswände kann die unwirkliche Kommunikation nicht verdecken. sei es lediglich. Fälschung und Desinformation.« 31 Die freie und selbstbestimmte Konstruktion sämtlicher Aspekte des modernen Lebens scheint zum Greifen nah. Ende der 80er Jahre kündigte sich bereits der Zusammenbruch des realsozialistischen Staatskapitalismus an. die Abschaffung der Demokratie und die Fusion von Staat und Ökonomie. Berlin 1976. Raoul Vaneigem: Anmerkungen gegen den Urbanismus (1961).wandelt. Es war nicht zuletzt diese Selbstbeschränkung und „Immobilisierung“ der Marxschen Theorie nach 1968. dessen Name nicht umsonst an Horkheimers „integralen Etatismus“ erinnert. die uneingestandenen Ziele der Kämpfenden zu entlarven: »Wenn die antigewerkschaftlichen Kämpfe der Arbeiter im Westen zunächst von den Gewerkschaften unterdrückt werden und die aufständischen Strömungen der Jugend einen ersten formlosen Protest erheben. S. in: Situationistische Internationale 1958-1969. in denen bereits die Wahrheit der kapitalistischen Gesellschaft als ihre revolutionäre Negation aufscheine. sondern in alltägliche Gesten der Unzufriedenheit und des spontanen Protests. die Debord 1967 zurecht als gegenüber der freiwilligen Unterwerfung unter die Sachzwanglogik der Ware als zurückgeblieben bezeichnete.

Darin waren sich die Situationisten mit Benjamin und Horkheimer einig. H. zu konfrontieren. nahmen sie jedoch Schritt für Schritt zurück. a. Es sind die ersten Vorzeichen des zweiten proletarischen Ansturms gegen die Klassengesellschaft. besteht darin. Hg. 1984.I. Daß diese Energien auch eine andere. daß sie einerseits so scharf wie kaum eine andere linksradikale Organisation die vulgärmaterialistischen „Gesetze der Geschichte“ des Stalinismus kritisierte. in abstrakter Negation verharrende kritische Theorie Horkheimers und Adornos.neuen spontanen Kampfes. S. baute sie in der Bundesrepublik positiv auf den Resultaten der nationalsozialistisch formierten Gesellschaft auf. S. In den 50er und 60er Jahren lag es nahe. Die Kritik der Trennungen wird deshalb nicht durch eine der „repressiven Egalität“ nationalistischer Staatsbürger ergänzt. Sie haben jedoch einen der anspruchsvollsten Versuche unternommen. in: Wirtschaft. der als krimineller beginnt. agierte in einer Zeit. Max Horkheimer: Autoritärer Staat.O. möglich. 32 33 34 GdS. Die Differenz im analytischen Interesse der negativen Dialektiker aus Frankfurt und der situationistischen Revolutionstheoretiker hat jedoch ihr fundamentum in re.T. nicht mehr die Arbeit. daß sie sich nicht mit der traditionslinken Kritik sozialen Elends begnügte. 61 .Dubiel / A. sondern ihre Kritik gegen den gesellschaftlichen Glücksbegriff richtete. § 115. »Geschichte mit der Möglichkeit. nicht zu gefährden. als die auf diesem Gebiet z.. Während die spektakuläre Gesellschaft in den westlichen Industrieländern die Reaktion auf eine mehr oder weniger revolutionäre Geschichte war.Söllner. um den Fetisch des apriori gesetzten revolutionären Subjekts.66. Das Paradox der Geschichtsphilosophie der S. eine aktuellere und dichtere Kritik des Alltagslebens zu formulieren. Das situationistische Projekt zielte als revolutionäre Verwirklichung der Psychoanalyse auf die Freisetzung der durch die Tyrannei der Ware gefesselten Wunschenergien. Recht und Staat im Nationalsozialismus. Frankfurt/M. die das Ende der Ausbeutung nicht als Beschleunigung des kapitalistischen Fortschritts sondern als »Sprung aus dem Fortschritt heraus« 33 definierten.67. die stets konkret in ihr sichtbar wird« 34 . des Proletariats.I. Was die Situationisten der kritischen Theorie in der Analyse der Funktionsweise der spektakulären Nachkriegsgesellschaften voraus hatten. Auch die Situationisten konnten die Unvermeidbarkeit des Umsturzes der spektakulären Gesellschaft nicht praktisch unter Beweis stellen. Andererseits ist die historische Notwendigkeit dieses Sprungs (im Sinne eines deterministischen historischen Materialismus) die zentrale Voraussetzung situationistischer Theorie und Praxis.« 32 Die S. v. antiemanzipatorische Richtung nehmen könnten war für die Situationisten unvorstellbar.a. sondern die Freizeit als das Hauptproblem und den Ausgangsunkt einer revolutionären Umwälzung anzusehen. Die situationistische Praxis der Entwendung populärkultureller Erscheinungen machte es den Mitgliedern der S.I. in der sich der fordistische Kapitalismus in den westlichen Metropolen auf dem Höhepunkt seines ökonomischen Erfolgs befand. Horkheimer. Es ist ihr Verdienst.

II. Teil 62 .

Henri Torrubia. »einen freudianischen Wagen an den Marxismus-Leninismus zu hängen« 1 : »Im groben und ganzen ist ein Marxist an dem Argument zu erkennen. die noch jeweils getrennte Bereiche führen wie Politik + Sexualität oder Ökonomie + Psychologie + Semiologie und die die Prozesse dieser Bereiche analogisieren: Geld-PhallusSignifikant usw. in: Ders. 2 63 . Gilles Deleuze/ Claire Parnet. wie die Dinge sich zutragen. anders zu denken. die den Vorschlag macht. Roger Dadoun.Katja Diefenbach [The crack up:] Kapitalismus verstehen Poststrukturalistische Mikropolitiken bei Guattari. unabhängig von ihrer Beschaffenheit. die Machtausübung? Oder geschieht mehr? Gesten. dass eine Gesellschaft sich anhand ihrer Fluchtlinien bestimmt. Hinter diesen Analogiebildungen erkennen Deleuze und Guattari eine Aufspaltung in Ökonomie auf der einen Seite. inner1 Félix Guattari in: Deleuze und Guattari erklären sich. was passiert? Geht es um die Verordnung. eine Gesellschaft sei widersprüchlich. Pierre Rose und Serge Leclaire. ein Knacks. von denen alle Massen. Deleuze und Foucault Kontingenz. Francois Chatelet.. Es geht um mehr als um SexPol und Freudomarxismus.« 2 Deleuze und Guattari gehen davon aus. keine schöpferische Kraft der Negation bemühen. die nicht den Charakter eines kleinen persönlichen Geheimnisses tragen. keine Story von Ich und Nicht-Ich. Eine mögliche Version. den bürokratischen Akt. Begehren. über ihre ganze Fülle zu schreiben. Sie gehen nicht vom Gesetz der Struktur oder des Systems aus. Mikro-Politik des Wunsches. Auf diesem Feld schichtet sich das Gesellschaftliche. Herrschaftspraktiken ineinander auf. ihre versteckten Serien. Sie glauben an keine kommunikative Vernunft und schreiben keine Psychoanalyse. nichts Grosses. ist. dass innerhalb einer Gesellschaft alles flieht. die den alleinigen Ort der Produktivität darstellen soll und in Fragen des Geschlechts. darüber zu schreiben. die ein Feld öffnet. was passiert. um den Lauf dessen. über die Weitläufigkeit ihrer Verbindungen und über ihre stillen Reserven. die noch das Nicht-Identische einer höheren Identität zuschlägt. Aber was ist das eigentlich. dass es eine positive Beweglichkeit des Begehrens gibt. Gefüge Etwas passiert. Pierre Clastres. richten sich Institutionen. Eine Diskussion mit Maurice Nadeau. S. aber manchmal grosse Veränderungen auslösend. die kritischen Theorieerweiterungsprojekte ihrer Zeit. beschleunigen oder verlangsamen sich. ergriffen werden [. sondern Teil ihres Funktionierens sind. Dialoge. auf dem sich die Verhältnisse ineinander fügen. S. Subjektivitäten. Wir dagegen.. eine kleine Verschiebung. Berlin 1977. 146. Ein Verwaltungsbeamter stellt eine Verordnung aus. die nicht auf den Tisch geblättert werden. Félix Guattari und Gilles Deleuze gehen viele Umwege. der Repräsentation und Reproduktion auf der anderen Seite. Wünsche.. es aber könnten — nur eine kleine Begebenheit und schon wäre man woanders. vornehmlich der Klassenwidersprüche. 41. Raphael Pividal. nicht als Philosophie eines erkennenden Subjekts. des Aussagens. Damit ist eine abstrakte theoretische Figur ins Spiel gebracht. nicht als Dialektik. bestimmt durch ihre Widersprüche. Also gaben sie sich nicht damit zufrieden.]. Frankfurt/ Main 1980. sagen. Er streichelt die Formulare. eines psychologischen Restes oder Überschusses innerhalb der grossen institutionellen Verläufe.

Anti-Ödipus.B. in dem die technischen Ausgangsbedingungen vorhanden gewesen wären? Warum nicht Sindbad. Nehmen wir ein Beispiel: Würde man deduktiv vorgehen. was klappt. als erster Handelskapitalist? 4 Kapitalismus entstand. S. Die Zunft hielt so etwas wie eine Lebensgemeinschaft zusammen. und 17. S. Grund. der Namenlosen!« 5 Guattari und Deleuze vermeiden Reduktionismen und erkennen so im Kapitalismus ein Fest der Fügungen. die nicht einfach die Interessen ihrer Mitglieder vertrat. an dem er auftaucht und den Feudalismus ablöst. der unmittelbaren Umgebung. sondern eine leere. [. Jahrhundert daraus ableiten. dass das Gegenteil getan werden muss. was ist Kapitalismus? Kapitalismus verstehen. Diese nicht-reduktive Sicht auf die Geschichte ist mit Foucaults Versuch verwandt. zweitens das Auftauchen des Handelskapitals.vom allgemeinen Phänomen der Herrschaft der Bourgeoisie [lässt sich] jedwede Sache ableiten. 289f. abstrakte Regulierung: Geld. die sich mit dem Kapitalismus miteinander verbunden haben. sondern durch das Zusammenkommen unterschiedlicher Entwicklungen hervorgebracht... sondern auch anders möglich. der Seefahrer. S.halb einer immanenten Ökonomie zu denken: »Es gibt nur den Wunsch und das Gesellschaftliche. mit dem sich Reichtum allmählich von Abgabenwirtschaft.B. Ebenda. der untersten Zellen 3 4 5 Gilles Deleuze/ Félix Guattari. Jahrhunderts. könnte man z. oder 9. die er währenddessen ausstellt. [. wobei eine Entwicklung weder blosse Folge einer anderen noch Ausdruck einer übergeordneten Notwendigkeit ist. Mir scheint. nicht von einer höheren historischen Notwendigkeit diktiert. Im Unterschied zu den vorangegangenen Gesellschaften stellt der Kapitalismus keinen Code mehr zur Verfügung. ein Gedanke. die freien Arbeiter und das Geldkapital hätten beiderseits ‘virtuell’ existieren können. was Deleuze und Guattari Begehren nennen. Der Kapitalismus ist Produkt einer Begegnung: erstens das Auftauchen eines Arbeiters. sondern feste soziale. historisch von den untersten Ebenen der Analyse auszugehen und aufsteigend von den einzelnen kleinen Ereignissen her zu zeigen.und Bodenbesitz usw. Ein Code würde dagegen eine verpflichtende Verbindung darstellen wie man sie z.] Kontingente Faktoren aller Art begünstigen die Vereinigungen. ein Traum. 39. Warum zu diesem Zeitpunkt? Warum nicht im antiken Rom? Warum nicht im China des 3. Kapitalismus verstehen 1 Diese Überlegungen verbinden Deleuze und Guattari in fast allen Texten mit der Frage. voll funktionierte. als keine zentrale Regulierung mehr von dem. Berlin 1977. 287. Sein ‘namenloses’ Funktionieren entsteht aus der Vielfalt der Entwicklungen. 64 .] so gilt es herauszufinden. u. Aber: ». bei einer Zunft finden konnte. sonst nichts. was passiert. Geschichtliches und Soziales werden dabei kontingent gedacht.. heisst für sie. Es ist. ablöste: »Das Aufeinandertreffen hätte auch nicht stattfinden können.a. Ebenda. der die gesamte Gesellschaft umfasst. die Internierung von ‘Irren’ im 16.« 3 In dieser positiven Ökonomie ist alles von gleicher Realitätsmächtigkeit.. dass sie für die Bourgeoisie ökonomisch unnütz waren. der frei von Leibeigenschaft und Schollengebundenheit war und nur noch seine Arbeitskraft zu verkaufen hatte. den Moment zu verstehen. Kontingent meint nicht zufällig. die heimliche Phantasie eines Verwaltungsbeamten genauso wie die Akten.. Welche Zusammentreffen für die Bildung der einen Sache. religiöse und alltagspraktische Verbindlichkeiten pflegte.. ein Arbeitstag. wie auf der konkreten Ebene der Familie.

Kennt der Wunsch eine feste. Das ist es. Baruch de Spinoza. Gemeint ist Foucault.oder Ebenen der Gesellschaft diese Unterdrückungs. S. einem Gott. Natürlich wird ein Gefüge des Begehrens auch Dispositive der Macht umfassen. sonst nichts« spannt ein Diagramm auf. Dieses »Eine Gesellschaft widerspricht sich nicht«9 . 6. S. S. und vor allem ein anderer Blick auf die Frage nach Emanzipation und warum die Leute »für ihre Knechtschaft kämpfen. Macht. auch wenn die grossen subjektiven Sinn. der Begehren an die erste Stelle setzt. einem grossen Zeichen? Kennt er eine grosse Zeremonie wie den feudalen Hof? Oder rennt der Wunsch relativ frei umher. Berlin 1996. bei der ein anderer Blick auf Subjektivität. dass ihr Blick auf die Stellung des Wunsches in diesen Verhältnissen fällt. entstand in den 70er und 80er Jahren in subkulturellen und politischen Zusammenhängen eine Begeisterung. Gilles Deleuze. Das ist es. [. was dazu führt.. Nationalismus? »Das Begehren ist nichts anderes als ein bestimmtes Gefüge. Recht der Souveränität. sondern die Gefüge des Begehrens würden die Machtformationen innerhalb einer ihrer Dimensionen ausbreiten. nicht die Dispositive der Macht würden etwas zusammenfügen oder etwas konstituieren. die mit kleinen verknitterten 6 7 8 9 10 Michel Foucault. Mechanismus der Disziplin. die sich u. Hamburg 1976. als sei es für ihr Heil« 10 . Sekte.« 8 Deleuze und Guattari kommen damit bei einem theoretischen Rigorismus an. was die Dinge in Bewegung hält. die die tyrannische Bitterkeit eines Lebens ausmachen können oder eben die glückliche Intensität eines Augenblicks.]. Das Besondere ist dabei. in: Ders. sei es in der der moralischen Empörung. das die Veränderungen des Spätkapitalismus genauso umfasst wie winzige Momente des Alltags. Kombination/ Rekombination von Begriffen Die fragmentarische Ingebrauchnahme von Theorie war Guattari und Deleuze explizit wichtig und als sie bei ihren eigenen Texten kurzfristig funktionierte. Deshalb gibt es keine Teleologien und Notwendigkeiten. ein gemeinsames Funktionieren. Dispositive der Macht..und Bedeutungsregler wie Erfolg. 21 Ebenda. aber genauso auch wieder rückwärts gewandt in Kirche.. Verwirklichung. Was mir ermöglichen würde.oder Ausschlussphänomene ihre Werkzeuge und ihre eigene Logik hatten. Theologisch-politischer Traktat. in hohem Masse nichtdeterministisch und variabel zu denken.« 6 Guattari und Deleuze verstehen Gesellschaft als Verknüpfung von heterogenen Verhältnissen. wie Begehren reguliert wird. im Auftauchen von Leuten äusserte. von einer Sache zur nächsten stolpernd. zentrale Repräsentation in einer Religion. Berlin 1978. dass überhaupt etwas passiert. auf die (für mich. Diese Theorie versucht. 85. wie sie einer gewissen Anzahl von Bedürfnissen entsprachen [. Gesellschaft ist die Art und Weise. dass die Macht für mich eine Affektion des Begehrens ist. 25. Das lässt sich für eine Analyse des Kapitalismus in Gebrauch nehmen. sei es in der des frontalen Angriffs oder radikalen Bruchs.] Kurzum. nicht für Michel7 notwendige) Frage zu antworten: Wie kann die Macht begehrt werden? Die erste Differenz wäre also. S. oder: »Es gibt nur den Wunsch und das Gesellschaftliche. 65 . ist mal im Supermarkt anzutreffen.. Ideologie und Kontrolle fällt.a. Anerkennung nach unten zeigen.. was in einer Reihe unterschiedlicher linker Praktiken zuwenig bedacht wird. Lust und Begehren.

Sadie Plant. als mit einer Schallplatte. Mannheim 1996. Leben im Netz. Berlin 1998. das sich keiner Repräsentation einer philosophischen Tradition oder einer geschlossenen Bedeutung mehr verpflichten wollte. das Funktionärswesen des Politischen genauso wie den Eifer des Lehrens und Lernens. Gilles Deleuze. das Buch als »kleines Werkzeug für ein Aussen« 14 . mit der bestimmte Ausschlüsse im Denken vorgenommen werden.Büchern in ihren Jackentaschen auf Plenen sassen. obwohl Deleuze und Guattari betont haben. Macht/ Begehren und Gebrauch.« 12 Der Ratschlag. Brief an einen strengen Kritiker. Das Anordnende wird nicht einem unschuldigen Material der Sprache hinzugefügt. Die Philosophiegeschichte übt in der Philosophie eine offenkundig repressive Funktion aus. Pierre Lévy. die man mehr oder weniger mit der Philosophiegeschichte umgebracht hat. einsamer Reflexionen. Mit den mikropolitischen Selbstermächtigungen der sozialen Bewegungen. Sherry Turkle. nicht äußerlich. Stefan Bollmann/ Christiane Heibach. die seit Ende der 80er Jahre mit einer Inflation neuester Neuigkeiten über eine herannahende Epoche der Netzwerke und der technisch induzierten Enthierarchisierung der Gesellschaft aufwarten. was Foucault die Wahrheitsproduktion der Wissenschaften genannt hat. S. was Deleuze in einer selbstkritischen Bemerkung über den Anti-Ödipus als ein noch Zuwenig beschrieb: »Er ist noch recht akademisch. mit einem Buch nicht anders umzugehen. 137. verknüpfte sich gut. um ihre Gleichung 16 von Rhizomatik und Nomadologie zu verifizieren. Frankfurt/ Main 1993. dem.] einer der letzten Generationen. Sucht keine Wurzeln. hauptsächlich aus den Texten von Guattari und Deleuze 15 . philosophische Tradition und akademischer Erfolg sind: »Ein erfolgreiches Leben ist kein bessres. 17. die die Welt repräsentativer Politik-Politik verlassen wollten. Die Anordnungen von LehrerInnen sind z.B. Gemeint ist die von Deleuze und Guattari. war ein schöner Satz. Dialoge. sondern ist im je11 12 13 14 15 16 17 Gilles Deleuze. S. das Sprechen-für-andere. deren Subtext nicht Gelehrsamkeit.. was sie lehren. S. Das störte die Medientheorie wenig. Unterhandlungen 1972-1990. Gilles Deleuze/ Claire Parnet.« 13 Mit der Zeit fiel der anti-ödipale Theoriebaukasten.. z. Reinbek 1998. eine Philosophie zu machen. um der Disziplinierung und Unterwerfung unter Text und Wissen auszuweichen und das zu verlassen. Brief an einen strengen Kritiker. sondern eine moderne mythologische Konstruktion. Vor allem Medientheorie und -kunst. sind nicht Lohn eines freizügigen Geistes. Deleuze hat in den 70er Jahren in einem Brief an Michel Cressole geschrieben: »Ich gehöre zu [. in einen anderen Kontext. dass Wunschmaschine und technische Maschine nicht miteinander identisch sind. in: Kursbuch Internet. vgl. sie ist der eigentliche philosophische Ödipus: ‘Du wirst doch wohl nicht wagen. Gilles Deleuze /Félix Guattari. kein Kind grosser. 66 . S. 14. Cyberculture. 476. Theorie jenseits universitärer Regeln zu formulieren. Nullen und Einsen.. organloser Körper auf die Beschreibung rein technischer Strukturen herunterdefiniert. Plateau. Wahrheit und richtige Aussagen zu produzieren. in: Ders. dem www Vielheit und différance als strahlende Substantive zur Seite zu stellen: »Mittlerweile genügt die tägliche Dosis Surfen auf dem Internet. folgt dem Kanal. bevor du nicht dieses und jenes gelesen hast’.« 17 In Tausend Plateaus schreiben Guattari und Deleuze im Kapitel Postulate der Linguistik über die Verschränkung von Sprache.B. Anti-Ödipus. Mannheim 1996. S. importierten eine ganze Reihe poststrukturalistischer Begriffe.« 11 Es ging darum. in deinem Namen zu sprechen. 40. Bei diesem Transfer wurden Begriffe wie Rhizom. recht vernünftig und ist nicht die erträumte Pop-Philosophie oder Pop-Analyse.

die einen Schüler abfragt. deren Wahrheit. der noch das zu integrieren versucht. das in das unangenehme Dilemma führt. fünfzehn Jahre später nun diese Rekombination von Begriffen eines nicht-repräsentativen Denkens mit einer diffusen Repräsentation von Hipness.. [. 40. als Teilstück einer Absetzbewegung vom Geiste der Beamten der Wahrheit. der Begehren nicht schlicht unterdrückt. Strebsamkeit. Dies.. nehmt was ihr wollt!« von Deleuze und Guattari 19 . Das »Ja. Sie wurden mit dem repräsentativen Interesse der Kulturwissenschaften für Nicht-Repräsentation und Dekonstruktion verkoppelt. indem sie den Kapitalismus als System beschreiben. Félix Guattari in: Deleuze und Guattari erklären sich. Rhizom. Tisch. Freud und Saussure einen neuen dreiköpfigen Konzern des Denkens geschaffen hatten.« 18 Das Gleiche kann man über die Rekombination poststrukturalistischer Begriffe in Medien. Zuhören: »Eine Lehrerin. seine eigenen Grenzen zu erweitern. ihre Rede von »Büchern als Plateau eines Rhizoms für den Leser. S. S.]: der Strom der ökonomischen Macht des Warenkapitals und der so höhnisch mit der Bezeichnung ‘Kaufkraft’ bedachte Strom. die Rekombination von Begriffen einer anti-kapitalistischen Theorie mit Kapitalismus-affirmativen Theorie.. die Arbeiterklasse und die Gewerkschaften. eine neue herrschende Grosssprache: Freudo-Marxismus-Linguistik. Deleuze und Guattari in ihren Texten zeigen wollen. Zudem gerieten diese Begriffe in die noch unangenehmere. Tausend Plateaus. S. S. 40f. Anfang der 70er Jahre hingegen war der Anti-Ödipus im Sinne des 68er Aufstands geschrieben worden. religiösen und konservativen Beschränkungen freizusetzen in der Lage ist . »die im Delirium aufbrechende dunkle Wahrheit« 23 . Ebenda. Schule. dass es dann unterdrückt wurde. Angst.und Kunstpraktiken des Medienbusiness.] der die absolute Ohnmacht der Lohnabhängigen wie die relative 18 19 20 21 22 23 Gilles Deleuze/ Félix Guattari. 67 . informiert sich nicht. »dass sich während dieser entscheidenden Zeitabschnitte etwas von der Ordnung des Wunsches im Massstab des Ganzen der Gesellschaft gezeigt hat. 9. 41. wird gemacht. zensiert. [. hier: dem Bildungshumanismus-Setting von Lehrer. Rückstrom und Ansammlung. Ebenda. liquidiert und zwar ebensowohl von den Kräften der Macht. Das führt in die trickreichen Ebenen des Kapitalismus. immer bereit.] Denn alles beruht auf der Disparität zweier Arten von Strömen [. 39. Neugier. zu dem es passt« 21 sind in eine andere Anordnung geraten. die mit Marx. S.und Poptheorie sagen. Kind... Berlin 1977. wie von den sogenannten Arbeiterparteien und -gewerkschaften und. bis zu einem gewissen Grade. der Differenzen als Innovationen bejahen kann. sich selbst verstärkende Anordnung von Medientheorie-Schick plus Pop-Beflissenheit plus massiver kapitalistischer Investitionen in die Informationstechnologien. Seite an Seite. beide. was ihn negiert. 106. und von nun an wird der Profit auf die Seite des Lohns fliessen. Gilles Deleuze/ Félix Guattari.und in der Folge ständig bemüht bleibt.. dieses freigesetzte Begehren innerhalb der Logik von Markt und Geld zu halten: »Welche Geschmeidigkeit in der Axiomatik des Kapitalismus.weiligen Setting schon vorhanden. auch von dem der damaligen strukturalistischen NachfolgerInnen. von den linksradikalen Organisationen selbst. über queer zu schreiben statt queer zu werden. um ein neues Axiom dem eben noch saturierten System anzufügen! Sie möchten ein Axiom für die Lohnabhängigen. verbietet. sondern aus moralischen. Der Abbruch der 68er Revolte führte für Deleuze und Guattari zur Überlegung. ihre Aufforderung »Schlagworte schreiben« 20 . S.« 22 Und zehn. Anti-Ödipus. Berlin 1992..

in dem ein Es seine Witze über ein Ich macht. Nicht-subjektives Denken. dass Guattari und Deleuze nicht deshalb an einem Denken-ohne-Subjekt-im-Zentrum gearbeitet haben.eine Maschine in beiden. Und selbst die analytische Vorstellung eines durchgestrichenen Subjekts konzentriert sich noch auf ein Universum. aber nicht ausreicht. Nichts ist verändert. und immer nur ein Teil eines Subjekts konsumiert Teile von Situationen. Geld. Félix Guattari. sondern . Aber es geht darum. den Kapitalismus zu verstehen. die vor allem Kulturkonservative dann missbilligend ins Feld führen. [. Nur wer an der Unhintergehbarkeit von Subjektivität festhält. dass der »Tod Gottes zwar ein ohrenbetäubendes Ereignis ist.. Und jetzt: Negation dieser höheren Werte. der ökonomischen Flüsse usw.« 25 Diese theoretische Konstruktion. das Differenzen als Negativität. Autos und andere Sachen. ist der Versuch aus der Sonne der Subjektivität zu treten. erkennt zwanghaft immer dasselbe Schauspiel wieder: das gleissende Licht eines sterbenden Subjekts. dass Guattari und Deleuze die Welt eines Ichs für nicht individuell genug halten. 61f. aus der Sonne des Zentrums. eine relative Unwichtigkeit von Ideologie und die Veränderung des kapitalistischen Kontrollregimes.] Nihilismus bedeutete bis eben: Entwertung und Negation im Namen höherer Werte. Wunsch und Revolution. die Nähe zu Foucault. Augen. Statt dessen geht es bei Guattari und Deleuze weg vom Ich: »Was ich als Verkettung definiere. S. Deleuze und Guattari haben das Subjekt-Objekt-Universum einfach in ein Gefüge unterschiedlicher Situationen und Verhältnisse zerfallen lassen. Manchmal legt die Rede vom Tod des Subjekts das nahe. Schichten. denn es sind dieselbe Sklaverei und dasselbe reaktive 24 25 Gilles Deleuze/ Félix Guattari. die Liebe zu Differenz und Mikropolitik. Plateaus. Ein Gespräch mit Franco Berardi und Paolo Bertetto. in Strömen zu denken. Linien und verschiedenen Geschwindigkeiten. Geld und Markt sind die wirklichen Polizisten des Kapitalismus. in Feldern. die immer ihren Schatten des Nicht-Ichs schlägt. 306f. Es lässt sie einfach hinter sich.« 24 Deleuze’ und Guattaris Versuch. Hier kommen viele Dinge zusammen: das Interesse für Nietzsche. das immer seine Peripherie produziert. Grinsen ohne Katze Zuerst einmal muss betont werden. [. In den Verkettungen gibt es Wort. ein Primat des Begehrens vor der Macht. wenn sie post/strukturalistisches Denken kritisieren wollen. die Kritik an Hegel. weil sie das Subjekt verachteten. führt in ein Feld interessanter theoretischer Einsätze. Heidelberg 1978. Elektrizität. Dagegen erscheint die Vorstellung eines geschlossenen Ichs als idealistische Illusion.Abhängigkeit des Industriekapitalisten offenkundig werden lässt.. Ihr Denken ohne Subjekt handelt also nicht von der spektakulären Vernichtung grosser abendländischer Selbstgewissheiten wie Ich und Du und Müllers Kuh. als Gegensatz zu etwas anderem fasst. S. ein Austausch durch die menschlichen-allzumenschlichen Werte (die Moral ersetzt die Religion. Mund. 68 . ist weder Subjekt noch Objekt. darunter ein Denken ohne Subjekt. Nietzsche hat darauf hingewiesen. als Nicht-Ich. Anti-Ödipus. der Fortschritt und die Geschichte selber ersetzen die göttlichen Werte).man braucht einen Begriff für ‘mitten durchgehen’ ...] in der Montageanordnung der materiellen und sozialen Flüsse. Körper. die reine Nützlichkeit. Es konsumiert sie. die von einem Subjekt durchquert werden.

an denen ein Subjekt teilhat. ein Winter. 32. blockiert. Für Deleuze und Guattari ist das Ich-sagende-Ich-Subjekt ein nachträglicher Effekt. die im Schatten göttlicher Werte triumphierten und die jetzt mit Hilfe der menschlichen Werte triumphieren« 26 . bleibt die Stelle erhalten. das uns auf der Strasse begegnet in seiner unauffälligen Selbstdisziplinierung und das so gerne stehenbleibt. die vielfältiger und individueller als es selber sind: »Ein Leben ist überall. Deleuze und Guattari wollen sowohl das cogito-ergo-sum-Subjekt der Philosophie umgehen als auch dieses modern formierte Subjekt. staunend zu sich selber zu sagen oder von sich sagen zu hören: Das also bin ich! Das also bist du!. Ein Lesebuch. 202 69 . welche sich in den Subjekten und Objekten nur aktualisieren. die von diesem oder jenem lebenden Subjekt durchlaufen und von diesen oder jenen erlebten Objekten gemessen werden: ein immanentes Leben. Gilles Deleuze/ Félix Guattari. nachdem es Teil einer Situation gewesen ist. S. wenn ein Polizist Hey. Gilles Deleuze – Fluchtlinien der Philosophie. der es an nichts fehlt. die Struktur der Stelle. Das tut aber noch so. dort das Subjekt. der sich von dem einer Person. in dem Unterschiedliches ineinandergreift. dort seine Triebstruktur. Linien Stellen wir uns zum Beispiel die Sekunde vor. Guattari und Deleuze folgen einer anderen Vorstellung: alles ist real und passiert in einem soziopolitischen Raum.« 27 Es gibt also einen Modus der Individuation. S. München 1996. Wenn das Subjekt an die Stelle Gottes rückt. Flucht. in allen Augenblicken. 354. Nun ist es der Mensch. in dem eine Serie in die nächste explodiert oder implodiert. Deleuze und Guattari haben diesen Modus »Diesheit« genannt: »Eine Jahreszeit. Gilles Deleuze über Lewis Carrolls Paradox eines Grinsens ohne Katze in: Differenz und Wiederholung.Leben. Sie da! ruft. eines Dings unterscheidet.. Die Immanenz: ein Leben. das Mikro im Makro steckt und umgekehrt. den Kopf gewendet. Zwischen Realität und Phantasie würden dabei nur zweitrangige Verbindungen von Projektion oder Verinnerlichung bestehen.« 28 Ein Grinsen ohne Katze 29 . Es gibt dafür die Erklärungsweise des analen Charakters. bei der die Dinge noch alle getrennt voneinander gehalten werden: hier die Arbeitswelt. so als gäbe es hinter der Anfass-Welt der Realität noch eine zweite schemenhafte Schattenwelt der Phantasmen. München 1992. S. was gesellschaftlich untersagt ist. eine Erklärungsweise die Gleichungen und Analogien bildet: Scheisse-GeldBürokratie etc. als ob es auf der einen Seite gesellschaftliche Produktionen von Realität gäbe und auf der anderen Wunschproduktionen von Phantasie. sich überlagert. 31. der darin besteht. sich unterbricht oder unterläuft. das die Ereignisse oder Singularitäten mit sich reisst. Tausend Plateaus. 26 27 28 29 Gilles Deleuze. stillen Genuss empfindet. Berlin 1979. auch wenn sie nicht mit der eines Dings oder Subjekts zu verwechseln ist. katalysiert.. S. ein Sommer. übersieht die Differenzen. in der ein Richter seine Akten streichelt und dabei für einen kurzen Moment einen leisen. der sich selbst zum Notwendigen ermahnt. in: Friedrich Balke/ Joseph Vogl. eine Stunde oder ein Datum haben eine vollkommene Individualität.. Nietzsche. So ist sich das Subjekt nach dem Tod Gottes zur eigenen Polizei geworden. der sich selbst verbietet. Vgl. Wer diese Nachträglichkeit zu einem gesicherten Ich des Ichs festzurren will. Gilles Deleuze.

langweilig. kinderlos. Geld verdienen-Einkaufen gehen. sein eigenes Machtwissen. subjektiv. politisch. dann Lehre. Fluchtlinie zählt zu den theoretischen Lieblingsoperationen von Guattari und Deleuze. 70 . Hier grenzt ein Bereich direkt an den nächsten: Arbeit-Urlaub. ödipalisierten Feminismus etc. S. dass es das ist. Ereignisse.]. den Tennispartner-Richter des Freizeitclubs usw. was schon gedacht worden ist. sozial. eine Linie. Nun kommt aber noch eine weitere Linie zum Tragen. sondern darum. Ebenda. von Wert und Geltung sind. der das Berufssegment bewohnt. Wir sind nicht für ebenso dicke wie hohle Begriffe: DAS Gesetz. dass es nicht genügt. ein crack-up. ödipale Homosexuelle. Jedes Segment hat sein eigenes Territorium. dass Vorsicht geboten ist. und doch verknüpft mit den öffentlichen Mächten — etwa Professor sein oder Richter.« 30 Der Richter. den Gatten-Papa-Richter der Familie. dann Beruf oder Militär. Hausfrau!?« 32 . Auch die Begriffe sind ‘Diesheiten’.. dem Bannkreis des allgemeinverständlichen common sense. 135. wie in einer bizarren Abdriftbewegung das Begehren alltäglich und massenhaft den Bereich der Bürokratie kreuzt und sich plötzlich in einer subjektiven Geste aktualisiert. und dass es allen passiert. Die erste ist die molare Linie.« 31 So zerfällt der Richter in den Richter-Richter. wenn sie sich immer nur als molares Subjekt sehen.und unterkreuzt.. Aktivist: »welche geheimen Verrücktheiten und Manien. das sie gestatten. DER Meister und Gebieter. dass sie nur aufgrund ihrer Variablen.. die Deleuze und Guattari molekular nennen und die die molare Linie in vielen Richtungen über. Gruppenmitglied. um Ödipus zu entkommen. etwas Unbekanntem. einer Überraschung. säuberlich gegliederte. 135. von dem die Rede ist. die die Theorie aus verschulter Terminologie herausstösst und aus dem Gefilde dessen. uns an allen Ecken und Enden zerschneidend [. wie er sich verhalten soll. Junggeselle zu sein. Familie-Beruf. mannigfache. 155. der meist beim Konservativen verweilt und das Besondere als Ausdruck des Allgemeinen fasst: »Wir haben mit den globalisierenden Begriffen Schluss gemacht. Die Erfindung von Begriffen wie molare Linie.] Es 30 31 32 Gilles Deleuze/ Claire Parnet. konventionell. Eine kleine Schwelle wird überschritten. molekulare Linie.Guattari und Deleuze haben versucht. Ebenda. Die molare Linie ist hart. in alle Richtungen sich erstreckende Segmente. Ohne Anstrengung weiss der Richter. was passiert. auch wenn sie es nicht repräsentieren. die harte Segmente absteckt. diese Vorstellung mit unterschiedlichen Linien zu erklären. solange es Gruppen-Ödipusse. [. An vielen Stellen weisen sie darauf hin. Die Bereiche sind gegensätzlich oder in aufsteigender Reihenfolge definiert: erst Familie. Studentin. S. als Richter. Vorsicht zum Beispiel mit dem politischen Rigorismus des radikalen Bruchs. Interessant an derartigen Begriffen wie ‘Begehren’. Dialoge.. Hier streichelt der Richter seine Akten und geniesst es. schwul. Ehe: »Kurzum. Hier passiert der Knacks. Buchhalter. seine eigenen Regeln. Dabei handelt es sich nicht um das perverse Geheimnis seines analen Charakters. um das Denken mit etwas Unwillkürlichem zu konfrontieren. Man kann die Texte von Deleuze und Guattari nicht als blinde Herausforderung eines Jetzt mal los mit den Begehrensströmen! missverstehen. wie hartnäckig sich die Macht auch im Wunsch nach Emanzipation aufrichtet: »Und du solltest wissen. wenn er von einem Segment ins nächste wechselt. S. gibt. dass das permanent passiert. Das Lustige ist. wird von mehreren Linien durchzogen. Rechtsanwalt. DER Rebell. dann Schule. traditionsreich. des Höchstmasses an Variablen. ‘Maschine’ oder ‘Verkettung’ erscheint. dann wieder Familie. der in einer zu schnellen Bewegung blind dafür machen kann.

[. Millionen und Abermillionen potentieller Alices. bravo. 71 .. können uns sicherlich eine Menge Dinge beibringen.. Alice ist der Teufel. die von Minorität und Begehren ausgingen und sich Realsozialismus-kritisch und links von den kommunistischen Parteien verorteten. S. 33 34 35 Gilles Deleuze. Félix Guattari et.al. der Rhythmus von Schule und Fabrik. sondern die Orte beschrieben und politisierten. machte eine Reihe von Einsätzen in den mikropolitischen Kämpfen. die Lohnarbeit. So bekam im Laufe der 60er Jahre das marxistische Theoriemodell Konkurrenz durch ein Denken und durch Praktiken. 11f. in: Ders. Brief an einen strengen Kritiker. die immer wieder einmal versucht. Félix Guattari. 1977. als der italienische Sender Radio Alice kriminalisiert wurde. traf sich mit Praktiken wie Kommune gründen. die die Macht nicht einfach auf den Staatsapparat oder die ökonomische Verfügungsgewalt des Kapitals zurückführten. zwischen Radikalität und Macht. Vor allem Félix Guattari. sondern um Querverbindungen. dass das Enteignet-die-Kapitalistenschweine. Und es wurde klar.. Ausschlafen. die passive Hinnahme einer Trennung zwischen Arbeit und Begehren. dieses Triangel: Prostituierte-Lude-Geld. alternativer und politischer Lebensstile. Was wissen die davon? Was begreifen die denn dabei? Ich jedenfalls glaube. So führte die mikropolitische Perspektive zu einer Kette subkultureller. 80.. in: Colletivo A/traverso..] Wir geben uns nicht damit zufrieden. auch gegen die KPF. das Wir-besetzenRathaus-Postamt-Polizeistation-Modell nicht ausreicht. d. aber die Zuhälter. in den 60ern Teil der linken Opposition. Sie. die zur Droge wird zur Abschaffung aller Wünsche. Familie usw. wir greifen die Wurzel an. Mikro-Politik des Wunsches. Das Politische muss versuchen. die den sozialen Raum ordnen. Diese Politik verabschiedet sich von jedem für andere sprechen: »Sieh dir zum Beispiel die Frage nach der Beziehung zwischen Eros und Geld an. die erst einmal durch nichts miteinander verbunden sind. die zur Welt öffnen. dass das sehr kompliziert ist.« 35 Für eine linke Diskussion. 22f. Berlin 1977. Revolution und falschem Reformismus. auf keinen Fall’. die täglich regressiv statthaben. die sehr schnell eine Front zwischen sich und den anderen aufmacht. die Prostituierten.« 33 Einsätze in den mikropolitischen Kämpfen Die neuen sozialen Bewegungen haben an den Schwellen des Politischen Politik gemacht. S. massenhaft neue Verbindungen zu konstruieren. an denen Machtmechanismen in den Alltag eingreifen: Ehe und Beziehung. Diese ganzen Dussel die sagen: ‘Die Prostituierten. Die Untersuchung der Kräfteverhältnisse. S.h. 9. die Substanz der kapitalistisch-bürokratischen Ausbeutung. Gefängnis. Jedenfalls habe ich nichts dazu zu sagen. homosexuell Werden usw. Krankenhaus.« 34 Eine Zeit lang verbanden sich so Praktiken und Theorien. Sexualisierung im Umbruch. in denen Ausbeutung und Unterdrückung nicht mehr begehrt werden und die kleinen molekularen crack ups.geht nicht um die Natur dieser oder jener exklusiven Gruppe. Abhauen. Lernen und Malochen. Ein Gespräch mit Christian Descamps. um transversale Beziehungen. die emotionale Besetzung der Arbeit. als auf irgendeine Art nicht mit dem gesellschaftlich dominanten Normsubjekt übereinzustimmen. aus ihrem stillen Dasein heraustreten.. von der voie communiste kommend. in den 70ern in der Nähe zur italienischen autonomia operaia stehend. schrieb er zusammen mit Danièle Guiellerme und Mario Montessano: »Alle Schaufenster des Kommunismus ‘New Look’ sind zersplittert. die Verhältnisse zwischen Ausbeutern und Ausgebeuteten anzuklagen.

Michel Foucault. Unterdrückung. in: Dispositive der Macht. und es ist ganz gleich. ohne etwas zu gestehen. S. Foucault geht davon aus. Dabei geht es auf keinen Fall um eine grössere Anstrengung. Man ist mit ihm verbunden. Dialoge. zerschlägt man sich selbst dabei. Denn das. zu wissen. sondern um weniger Anstrengung. Das heisst. nun eine Politik der Sparsamkeit und der kleinen Brötchen zu beginnen. Macht etc. S. bleiben die Dinge unverrückt.« 36 Das argumentiert sehr nah an der Perspektive.« 38 Was die Entwicklung der neuen sozialen Bewegungen und linksradikaler Gruppen anbelangt. bedeutet das. Es liegt nicht an dir in einem grossen. wie bei Deleuze und Guattari.« 37 Das gleiche Modell. S. was sich ändern lässt. Weniger pathetisch. Man kann sie auch nicht zerschlagen. Man besitzt es nicht. wie sich Verbindungen herstellen 36 37 38 39 Gilles Deleuze/ Claire Parnet. Ders. sie sind stets ihre Verbindungselemente. so ist für Guattari und Deleuze gerade der Moment der Nicht-Repräsentation und der Verkettung von Macht und Begehren nicht stark genug gesehen worden. Sie ist weniger ein massives und homogenes Phänomen der Herrschaft eines Individuums über das andere. ihm ausgeliefert. 72 . die Zirkulationsweise von Macht. dass die Macht zirkuliert. das Elend aufzudecken.. mit der Foucault. und schon ist es. 229. sondern positive Praktiken zu entwickeln: »Solange man nur ad infinitum das immergleiche AntiRepressionslied singt. ohne sich schuldig zu bekennen und damit in das Hin und her von Angst und Angriff zu geraten oder in eine analytische Inspektion des eigenen Ichs. 82. gegen eine Art Ent-Individualisierung einzutauschen. dass »die Mächte. 143f. Der Anti-Ödipus . wenn der Druck nicht mehr ausgehalten oder durch Überdosierung wirkungslos geworden ist. die Mischungsverhältnisse. Ein Begehren nach Macht.« 39 Es wäre falsch verstanden. von diesem Wind gepackt... in der sie diese Macht zugleich ausüben und erfahren. Sie sind niemals unbewegliche und bewusste Zielscheibe dieser Macht. es hört ihm doch keiner zu. die Lügen. Zum Teil kann sie darin liegen. einer Klasse über die andere. als sich das anhört. die das Begehren vernichten oder unterjochen. wer den Gesang anstimmt. Recht der Souveränität/ Mechanismus der Disziplin. was Guattari die eigenen Mikrofaschismen genannt hat. S.Eine Einführung in eine neue Lebenskunst. dass es im Politischen nicht allein darum geht. Vielmehr geht es um die Frage. 234. Und so muss es möglich sein. Vielmehr bilden Revolution. sondern sind auch stets in einer Position. das anzusprechen. in Verhältnissen und Prozessen und nicht in Subjektivitäten und Repräsentationen zu denken. Feminismus oder Autonomie zu repräsentieren. politischen Moralismus. Macht als Kräfteund nicht als Besitzverhältnis analysiert hat. mit dem AktivistInnen sich und andere unter Druck setzen. sie geht durch sie hindurch. die Repressionen und Verbote. aktuelle Linien einer gegebenen Verkettung. Genauso ist es mit dem Begehren.] bereits selbst Teil der Begehrensverkettungen [sind]. Mit anderen Worten: Die Macht wird nicht auf die Individuen angewandt. Dispositive der Macht. und der immer dann in Ignoranz oder in ein Mitallem-Aufhören umschlägt. nach Selbstunterdrückung oder Unterdrückung der anderen existiert ebensowenig wie das Begehren nach Revolution. um an die Verteilungsweisen von Macht heranzukommen.einen jeweils guten Gesamtzusammenhang von Linksradikalismus. dass man traurig sein muss. wie ein Segelboot. Sie ist eine Praxis: »Und die Individuen zirkulieren nicht nur in ihren Maschen. um militant sein zu können. Michel Foucault. schuldig machenden Sinne: »Denke nicht. [. Man kann Macht nicht besitzen. sondern eher eine netzförmige Organisation. Das Begehren muss bloss dieser Linie da folgen. ist die Verteilung.

in denen wer dem Chef widerspricht. die nichts übergreifend allgemeines ausdrücken. S. wird in ihm rein. Sie besetzen das ganze gesellschaftliche Feld. die Dinge an sich. die Massen sind nicht getäuscht worden. die dem Sein das Anders-Sein entgegensetzt und — von dieser Kraft weiter getrieben einer höheren Synthese zusteuert: »Das Negative ist nun das Werden des Positiven [. Moralen. sie haben den Faschismus in diesem Augenblick und unter diesen Umständen gewünscht. S. die Börse. 29. Plötzlich merkt eine. in: Lettre International.. eine paranoische Gegen-Flucht vor den Möglichkeiten der Veränderung: »Nein. denkt sich Hegel. Die »Gesellschaft ist etwas. Deleuze und Guattari haben deshalb die Frage nach dem Vernichtungswillen des Faschismus damit beantwortet. musste das Ende der Entwicklung. Gilles Deleuze. München 1997. sagte Nijinskij . »ein abgekartetes Spiel des Anfangs. Da für ihn aber das Grosse nicht aus dem Niederen kommen kann. Differenz und Wiederholung. 17.. 40 41 42 43 44 Gilles Deleuze/ Félix Guattari. was Guattari und Deleuze Werden nennen. Friedrich Balke. Gilles Deleuze/ Félix Guattari. schon retroaktiv in seinem unbestimmten. wie komisch die Sinn. S. um einen »verallgemeinerten Antihegelianismus« 43 . spürt den Spass. »‘alles das’ nicht mehr ertragen kann. es gibt überall Leckstellen« 41 . Für Deleuze denkt Hegel im Kreis.]. S. das jeder Bestimmung entkleidet ist. Gilles Deleuze. Die Differenz erfährt im gesetzten Widerspruch ihren eigenen Begriff. qualitativ. sondern zu produzieren und damit. wie Deleuze im Vorwort zu Differenz und Wiederholung geschrieben hat.Werte. Anti-Ödipus. Das ermöglicht das. Frankfurt/ Main 1998. Dort werden sie zwar manchmal als Gesten sichtbar. Religionen und private Gewissheiten« 40 . Selbst wenn man sich für sein eigenes Leben vorgenommen hat. S. wesentlich. Berlin 1996. bei Stillstand und Reaktion zu verharren.Erinnerung an ein Denkexperiment. sich zu blöd ist. Aussagen . finanziell. Dessen Anfangspunkt war ein konkretes Sein. innerlich. das leckt.und Freizeitterrorismus des Kapitalismus und schlägt ausweichend eine andere Richtung ein. dass sich eine Politik des Wunsches auf dem ganzen gesellschaftlichen Feld artikulieren kann und nicht nur als Randgruppen-Politik und Nischen-Praxis. Anti-Ödipus. ideologisch. Differenz der Differenz Theoretisch geht es darum. die Aktualisierung der Möglichkeit. 441. vorhanden sind sie aber überall. nicht das ganze Falsche. Ein Sein aber. der absolute Geist. Sehen und Sprechen. das Geld. die Todesmächte.und Sexgeschäfte von Beziehungen sind und tut etwas anderes. Vaterländer. Sie ist keine Totalität. synthetisch. Wie geht das? Das geht dialektisch durch die selbsttätige Bewegung der Negativität. Gilles Deleuze. wird in ihm als Negativität bestimmt. So entweicht in der Gesellschaft immer etwas. Erfahrungen. ist eigentlich Nichts. 11.lassen zwischen den vielen Situationen. geht das Begehren seine Wege und koppelt sich mit einer Fülle von Ticks an die Prozeduren der Macht an. 73 . Wobei sich die Dinge des Begehrens nicht alle im Kleinen abspielen. leeren Anfang miteingeschlossen sein. dass die Deutschen massenhafte Vernichtung gewünscht haben. 39. Differenz nicht zu repräsentieren. in der die Arbeit des Widerspruchs am Werke ist.« 42 Der Mai 68 und die italienische autonomia der 70er Jahre waren für Deleuze und Guattari dagegen der andere Horizont. der immer schon mit dem Ende konspiriert« 44 . zu spät kommt.

. Berlin 1980.. auch wenn das andere z. sie funktioniert. im Sinnlichen. [. Gilles Deleuze/ Félix Guattari. Wenn das andere immer noch das andere des Eigenen ist. der ihre Wiederkunft oder Reproduktion ebenso wie ihre Vernichtung ist. deterritorialisiert.und Repräsentationspolitik zurückzufallen. bis zum Grund. Er denkt alles gerade anders herum. Karl Marx/ Friedrich Engels. sondern die Fehlzündung. Ebenda. ehe sie verknöchern können. 4. Sie verortet sich nicht im Begriff und der Negativität des Widerspruchs. Beim Versuch. nicht-repräsentierte differentielle Differenz.« 45 Hegel und die Dialektik sind für Deleuze ein grosses Ärgernis. Kapitalismus verstehen 2 Im Kommunistischen Manifest schreiben Marx und Engels. alle neugebildeten veralten. in: MEW. Differenz ist nicht das Andere des Eigenen. zurechtdefiniert. Bei Deleuze ist Differenz Mannigfaltigkeit. S. wird das Unterschiedene umzäunt. im Empirischen also. Den Prozess. in dem die Langeweile des Kulturmanagements sich dem Populären zuwendet. Alle festen eingerosteten Verhältnisse mit ihrem Gefolge von altehrwürdigen Vorstellungen und Anschauungen werden aufgelöst. begegnet ist: minoritärer Motor eines Differenzkapitalismus zu werden. S. der von einem nichtigen Kampf träumt« 46 . So ist das Negative zwar das Bild von der Differenz. Differenz und Wiederholung. Religion. wenn sie kaputtgeht. den Kapitalismus zu unterlaufen und damit auch auf die zweite Schwierigkeit. in Identitäts.] Auf diese Weise wird die Differenz bis zum Ende getrieben. verbleibt alles in einer Logik von Identität und Repräsentation. Alles Ständische und Stehende wird entweiht. Der Kapitalismus ist in diesem Sinne ein positives Regime: »Darin offenbart sich die Identität von Gesellschafts. wie die Kerze im Ochsenauge .« 47 Für Guattari und Deleuze besteht die Wahrheit des Kapitalismus darin.« 48 Das verweist auf die Schwierigkeiten. Differenz der Differenz. Die Differenz ist bei ihm positiv und primär. Sittlichkeit modernisiert. 193. als Geschichte von Verrat und Sellout 45 46 47 48 Gilles Deleuze. wenn sie knirscht. Er bejaht ihre Verwertung als Innovation. sie zu repräsentieren. Bd. Sie bedrohen ihn nicht. Diese Überlegungen finden sich auch in feministischen Diskussionen oder in Kritiken des Multikulturalismus. 77.produktiv und lässt keine Indifferenz fortbestehen. »allerdings ihr flachgedrücktes und verkehrtes Bild. das vom Eigenen aus sich herausgestellt wurde. in den Ereignissen selbst. multikulturalistisch positiv bewertet wird. aufbricht.B. In der Hochkonjunktur von Pop zeigt sich. wie Guattari und Deleuze sagen würden: »Die fortwährende Umwälzung der Produktion.im Auge des Dialektikers. S. die ununterbrochene Erschütterung aller gesellschaftlichen Zustände. der die Mikropolitik neben der Gefahr. d. gegeneinander gesetzt. sondern in der unglaublichen Fülle. 70. wie der Kapitalismus selbst Differenzen produziert. indem er vorangegangene Codes der Moral.und Wunschmaschine: nicht Abnutzung macht ihre Grenze aus. dessen was passiert. 74 .h. Differenzen sollen nicht zum Zwecke der Repräsentation dem Identischen untergeordnet werden. Anti-Ödipus. 465. auf Begriffe gebracht. S. Das kommunistische Manifest. die ewige Unsicherheit und Bewegung zeichnet die Bourgeoisieepoche vor allen früheren aus. wie einfach das funktioniert. Damit beinhalten sie nicht mehr das Negative und den Widerspruch. in kleinen Explosionen birst — die Dysfunktionen sind Teil ihres Funktionierens. dass er sich von Widersprüchen ernährt.

S. Ihre Wünsche sind real und materiell mit dem verbunden. Gerade die Deterritorialisierungsbewegung des Kapitalismus bedeutet aber auch. doch dieses Delirium ist keines des Bewusstseins. in dem er darüber schreibt.. vor allem in den medialen Repräsentationen. Nicht mehr geschlossene Einschliessungsmilieus wie Gefängnis. Guattari und Deleuze gehen einen Schritt weiter. als ein ideologisches. Postskriptum über die Kontrollgesellschaften. das Imaginäre ist real. Was den Kapitalismus charakterisiert. der wie ein Schleier über den Verhältnissen liegt. Schule oder Krankenhaus produzieren und formieren die Subjekte.« 50 Man darf sich die Deterritorialisierungsbewegung des Kapitalismus nicht als einsinnige. Und deshalb gibt es keine Ideologie als grosses Wahrheitsverschleierungsinstrument.und Reterritorialisierung. in denen Teile von Subjekten. In gewisser Weise geht es um eine Radikalisierung der These Althussers. Der Gegenstand der Verwertung ist dabei tendenziell relativ egal. sie sind sozialdemokratisch modernisiert und angepasst worden. auf irre geleiteten Glaube an etwas. funktionabel zu halten. seine Anschlussfähigkeit. Die Vorstellung von einer »erweiterten Immanenz des Systems [. seine Gleichzeitigkeiten und Diskontinuitäten. genauso essentiell wie Politik und Ökonomie. Ausdruck verfeinerter Kontrollen.] [. nämlich imaginäres Verhältnis zu seinen Lebensbedingungen aufzunehmen. dass immer etwas entkommt. wie der Kapitalismus an beiden Horizonten. Sie denken in Gefügen. De. ist gerade seine Geschmeidigkeit. Diese Milieus sind in einer mehrfachen Bewegung reformiert und geöffnet worden. Sie haben sich durch den Druck sozialer Auseinandersetzungen und Kämpfe verändert. führt zu einer Abwertung von Ideologie. von Machtformationen. Ideologie verweist noch auf die Weltanschauung eines Individuums. Stimmungen und Verhältnissen. an dem Kapitalismus Dissidenz ermöglicht und dann versucht. Nationalismen und Rassismen verbindet sich mit weiteren kulturellen Freisetzungsprozessen. Wünschen und Verwertungen zusammen funktionieren. wäre ganz falsch. Vor allem die Entwicklung der 80er und 90er Jahre zeigt. das auf verwertbares Funktionieren setzt.. Die Subjekte erliegen keinem falschen Schein. Fabrik. 75 . zum Teil aber auch in den Lebensstilen. Schon bei Althusser handelt es sich dabei nicht um falsches Bewusstsein. 1990 hat Deleuze einen kleinen Artikel in L’ autre journal veröffentlicht. fortschreitet: das Wiederauftauchen reaktionärer Weltanschauungen. Anti-Ödipus. über das man ein Subjekt aufklären kann. Gilles Deleuze/ Félix Guattari. weil es eher um einen Grenzverlauf geht. Sie sagen.zum Skandal zu machen. Objekten. 17. dass dieses System kein Gesamtintegrationsmonster darstellt. vorwärtsstürmende Tendenz vorstellen. Sie kennen keine Trennung zwischen sogenannter objektiver Realität der Dinge und Verhältnisse und sogenannten subjektiven Imaginationen und Phantasmen. was passiert. um die Einzelnen auf der Ebene ihres Bewusstseins zu verwirren: »Die Gesellschaft erstellt ihr eigenes Delirium im Akt der Aufzeichnung des Produktionsprozesses. dass das Subjekt nicht anders kann. Rafinessen der Macht. dass der Spätkapitalismus allmählich von der Disziplinierung zur Kontrolle überwechselt. um das System in Frage zu stellen. Das Imaginäre ist für Althusser eine ganz und gar unabdingbare Dimension sozialer Existenz. Deleuze und Guattari versuchen aber den Kapitalismus als etwas zu beschreiben. S. wirkliche Wahrnehmung einer objektiv-scheinhaften Bewegung. 297. Gleichzeitig sind sie unter dem Druck einer neoliberalen Sparpolitik von oben schlank reformiert 49 50 Ebenda. was vielleicht nur zu vereinzelt und unverbunden bleibt. oder das falsche Bewusstsein ist vielmehr wahres Bewusstsein einer falschen Bewegung. auf falsches Bewusstsein. das] die Grenze durch ihre Verschiebung zu rekonstituieren [sucht]« 49 .

in: Ders. wurden dann aber Bestandteil neuer Kontrollmechanismen. Im Sinne einer nicht-reduktionistischen Theorie werden sie beides sein. Ebenda. von der Kaserne in die Fabrik). So ergibt sich eine Mischlage aus Fortschritt. Wobei sich wiederum die Frage stellt. Tageskliniken oder häusliche Krankenpflege zunächst neue Freiheiten markieren. Sie markieren jenen ambivalenten kapitalistischen Grenzverlauf. Unterhandlungen. Heterosexualität. neue Waffen zu suchen. die den härtesten Einschliessungen in nichts nachstehen. das Normale zu erhalten und zu stabilisieren oder ob sich in ihnen etwas anderes zeigt. Flexibilisierung und Kapitalisierung: »In den Disziplinargesellschaften hörte man nie auf anzufangen (von der Schule in die Kaserne. Weiterbildung. Beruf.« 51 Die grossen molaren Institutionen sind in eine krisenhafte Bewegung gekommen. Krankenhaus. anders gelebte Leben. Dienstleistung sind metastabile und koexistierende Zustände ein und derselben Modulation. während man in den Kontrollgesellschaften nie mit irgend etwas fertig wird: Unternehmen. Familie. Gefängnis. der ein Kräfteverhältnis beinhaltet — und eine Aufforderung: »In der Krise des Krankenhauses als geschlossenem Milieu konnten zum Beispiel Sektorisierung. 76 . S.worden. ob die momentanen Abweichungen von der Norm dazu beitragen..« 52 51 52 Gilles Deleuze. Freizeit usw. die einem universellen Verzerrer gleicht. 255f. Ehe. Postskriptum über die Kontrollgesellschaften. Weder zur Furcht noch zur Hoffnung besteht Grund. 257. sondern nur dazu. S.

Fluchtlinien statt Utopie Mir ist klar. Aus der strukturalistischen Schule entstand nicht zuletzt deshalb 1972 eine radikale Kritik.Elfriede Müller Die Fluchtlinien des Gilles Deleuze Die Verabschiedung vieler der Postmoderne zugeordneter Denker vom abendländischen Vernunftbegriff und der Bewußtseinsphilosophie von Descartes bis Hegel geschah aus den selben Beweggründen. aus denen Adorno und Horkheimer die Dialektik der Aufklärung verfaßten. die größte gesellschaftliche Bewegung. Gleichwohl insistierten sie auf ihrer Notwendigkeit. daß dies ein sehr waghalsiges Unterfangen ist und dem komplexen Theoriegebäude von Deleuze kaum gerecht werden kann. Gleichwohl fordern seine Arbeiten dazu auf. die zentrale Elemente seiner Philosophie in die Nähe von Theoremen und Einsichten der Kritischen Theorie rückt. die auch in der Phase der Herausbildung der Kritischen Theorie der Gesellschaft in den späten dreißiger Jahren gestellt wurde. interessiert auch Gilles Deleuze bei seiner Analyse von modernen Subjektivierungsmechanismen. Ich stelle mit dem folgenden eine bestimmte Lesart des philosophischen Denkens von Deleuze vor. nämlich in jeder beliebigen Situation. kann sich auch anders Ausdruck verschaffen als durch die Einzigkeit eines Ereignisses. wurde durch die Ereignisse von 1968. an jedem Punkt der sich permanent auflösenden und sich wieder neu zusammenschließenden Gesellschaft. Der Widerstand gegen die Gegenwart. er »blieb in den Knochenhaufen von Auschwitz« (Emmanuel Terray). Statt dem Universellen sucht Deleuze eine nicht lokalisierbare Flucht. als ginge es um ihr Heil? ! Das Verhältnis von Staatsapparaten und Kriegsmaschinen ! Werden und Ereignis. das von den fünfziger Jahren bis Ende der siebziger Jahre den kritischen philosophischen Diskurs in Frankreich bestimmte. Mit der Erörterung der folgenden drei Themenblöcke werde ich versuchen. dem die Idee einer Revolution zugrunde liegt. die Frankreich je erlebte. Das Folgende will so- 77 . Eine revolutionäre Umwälzung konnten sie sich im Spätkapitalismus weder als Umkehrung noch als Praxis vorstellen. Die Frage nach den Ursachen des Ausbleibens der sozialen Revolution. Die Revolutionsvorstellung der Kritischen Theorie war noch durch die Einzigkeit eines Ereignisses und die subjektive Handlung geprägt. Adorno und Horkheimer zogen in der Dialektik der Aufklärung 1944 die Konsequenz aus den Massakern dieses Jahrhunderts und überführten das Ganze als solches der Unwahrheit. Diese Vorwürfe könnten leichterhand auch auf die Kritische Theorie ausgeweitet werden. behauptet Gilles Deleuze. heftig in Frage gestellt. beschäftigte die französische Philosophie der Nachkriegszeit wie die Kritische Theorie in der Bundesrepublik. Das Unbewußte der kollektiven Praktiken nach dem Nationalsozialismus zu verstehen. Die Kritiker Gilles Deleuze und Felix Guattari werfen dem Strukturalismus sein Verharren in der bürgerlichen Philosophiegeschichte und der Psychoanalyse vor. die als erste die Ereignisse des Mai philosophisch interpretierte. Der Optimismus der Aufklärung war nicht mehr aufrechtzuerhalten. dem Deleuzschen Denken auf die Spur zu kommen: ! Warum kämpfen die Menschen für ihre Knechtschaft. Das strukturalistische Denken. Gleichviel sind die Elemente der Deleuzschen Kritik der Kritischen Theorie verwandter als es auf den ersten Blick erscheinen mag. von ihnen ausgehend zu denken und zu schreiben.oder Widerstandslinie. Mit der Theorie vom unterworfenen Subjekt und seiner Selbstregulierung hatten die 10 Millionen Streikenden wenig am Hut.

auf die er sich vor allem in seinen letzten veröffentlichten Texten mehrfach bezieht. deren Mittel zu benutzen.a.« 2 Deleuze nimmt diese Philosophie als bedroht wahr. ohne dessen Klassen. und immer wieder neue Kämpfe entfalten. am Marxismus und der klassischen Philosophie bewahrenswert erscheint. Hume. dessen Verstricktheit in das Bestehende er erkennt und gedanklich systematisch bekämpft. sie sei damit ein Traum. sie neu zu bestimmen. C. Deleuzes Sub1 Luc Ferry und Alain Renaut: Antihumanistisches Denken. 7/98: S. ISF: Heideggerisierung der Linken. als unendliche Bewegung. Die Philosophie von Deleuze ist einer Guerilla vergleichbar. 18. Zourabichvili. Es wäre sogar leicht möglich. etwas. Hegel. Was ist Philosophie?. Das Subjekt existiert in seinem Denken. 2 78 . in der es um das Hier und Jetzt der Revolution geht. Deleuze. Seine philosophischen Quellen sind zahlreich: Spinoza. Die übliche Lesart von Deleuze sieht den Philosophen als Gegner der Aufklärung. aber als ein singuläres und serielles. In Bezug auf Nietzsche setzt er die Idee der Kritik in eins mit der Philosophie. ihm eine neue Subjekt. mit den herrschenden Verhältnissen in einen Krieg zu treten. Francois: Deleuze. deleuze uns von diesem Übel. 15-18. Deshalb ist es falsch. Wie die Kritische Theorie hält Deleuze nichts von der Trennung von Theorie und Praxis. Sie beansprucht. Der Begriff der Revolution dürfte außer bei Karl Marx bei keinem Philosophen eine so bedeutende Rolle spielen wie bei Gilles Deleuze. die Revolution selbst sei eine Utopie der Immanenz. Frankfurt 1991. Deleuze negiert das Subjekt daher keinesfalls. des Marxismus und der Kritischen Theorie. Die Negative Dialektik war ein Versuch. Paris 1994. er wertet es eher auf. Die Sperrigkeit der Texte von Deleuze und ihre fragmentarische Rezeption stempeln ihn zu leichtfertig vom Antihegelianer zum Antimarxisten. der die Möglichkeit von Erkenntnis auf Bewußtsein und Erfahrung beschränkt. allerdings insofern diese Merkmale sich mit dem verbinden.wohl ein Einstieg in dieses Denken sein. sobald der vorhergehende verraten ist. Das selbstdefinierte Ziel in seinem Denken ist. mit der Philosophie von Gilles Deleuze zu experimentieren. die Revolution als Immanenzebene zu setzen. »Das Wort Utopie bezeichnet folglich diese Verbindung der Philosophie oder des Begriffs mit dem vorhandenen Milieu: politische Philosophie. 46/97. die Möglichkeit philosophischer Erfahrung zu retten und zu exponieren. Zu sagen. Leibniz.1 Daß das genaue Gegenteil zutrifft. Einige der Arbeiten von Deleuze versuchen diese Möglichkeit zu nutzen. die alle dem Strukturalismus verwandten Denker als anti-emanzipatorisch diffamiert: Nr. Deshalb unternimmt er den Versuch. die Bewegung individueller Kräfte zu erhalten und zu ermöglichen. was ihm an den Ereignissen des Mai 1968. Nr. Adorno fort. als auch eine Aufforderung. Deleuze die Negation des Subjektes unterstellen zu wollen. das sich nicht verwirklicht oder nur verwirklicht. Kant. aber sie weigert sich. München u. absolutes Überfliegen. Vgl. was es hier und jetzt im Kampf gegen den Kapitalismus an Realem gibt. Seine Neubestimmung schafft neue Begrifflichkeiten und bewahrt. heißt nun aber nicht. Im Gegenteil. S. Gilles. 115. Newton. Deleuze schreibt über die soziale Revolution als grundlegender Umwälzung aller gesellschaftlichen Verhältnisse im Sinne von Karl Marx. möchte ich am folgenden nachweisen. Deleuze. Bergson und Marx. indem es Verrat an sich selbst begeht. In gewisser Weise führt Deleuze die Negative Dialektik von T. stellt eine theoretische Immanenzebene her.oder Revolutionstheorie zu unterstellen.W. es bedeutet. Deleuze betreibt eine Revolution des traditionellen philosophischen Denkens.und Interessenbegriff zu verwenden. auch die Schlammschlacht in der Berliner Wochenzeitung Jungle World. S. Nietzsche. Nachtmann: O Herr. 1992. Une philosophie de l’événement.

sie zerstöre und überhole. Jäger. Gilles. sei der fortschreitende und gestreute Aufbau einer neuen Herrschaftsform. S. Seine Bindung an das Marx’sche Werk hat seine akademische Rezeption erschwert. Deleuze und sein Freund Felix Guattari. Die tiefgreifende Mutation des Kapitalismus im späten 20. Chr. Deleuze schätzt an Nietzsches Werk die permanente Kritik aller gesellschaftlichen Mythen. mit dem zusammen er vier Bücher verfasste 3 . Deleuze. Umwertungen alter Werte vorzunehmen und neue Werte zu schaffen. die dieser Mutation nichts mehr entgegenzusetzen haben und. konnte er zu ihrem gründlichsten Kritiker werden. 117. Félix: Anti-Ödipus. Die Krise der Institutionen als Dauerzustand. daß seine Philosophie des Willens die Metaphysik ersetze. die ihn diffus der Postmoderne zuordnet. daraus keine Fluchtlinien mehr entwickeln könnten. Die Transzendenz ersetzt er durch die Genealogie. bewegte Deleuze zu einer Revolution der traditionellen Denkmuster. 4 79 .. Mit der Einführung des Begriffs des Ereignisses hat Deleuze bereits das strukturalistische Denken von Lacan und dessen statische Schematik überschritten. der Wandel der Fabrik zu einem Unternehmen mit „Seele“. Die philosophische Schaffung von Fluchtlinien aus dem Bestehenden hat bei Deleuze viel mit dem Begriff der Wahrheit zu tun. Frankfurt/M. daß. Wahrheit sei nichts. die so gut wie die von Marx wäre und sie weiterführen würde. Er warf den „Neuen Philosophen Frankreichs“ häufig vor. das schon da sei und nur zu entdecken 3 Deleuze. 1988 in einem Gespräch mit dem Magazine littéraire stellte Deleuze richtig. München 1997. Er beansprucht. mehr Wissen über das zu einem bestimmten Ereignis führende Handeln zu produzieren. Tausend Plateaus. keinesfalls eine neue Analyse des Kapitals vornehmen würden. Die aufklärerische Position von Deleuze manifestiert sich zum ersten Mal deutlich in der Logik des Sinns.jektkonzeption geht auf Nietzsche zurück. Deleuze interpretiert das Verhältnis von Nietzsche und Kant wie das von Marx zu Hegel: Nietzsche wolle die Kritik vom Kopf auf die Füße stellen. wie dieser Unerträglichkeit noch zu entkommen sei. daß es zur Zeit bestimmt nicht an einer Kritik des Marxismus fehle. um mit Deleuze selbst zu sprechen. Diese Haltung verlangt es. Für eine kleine Literatur. dies. Gilles: Was ist Philosophie?. Berlin 1996 und ders. Jahrhundert. Statt dessen verliere das Kapital mysteriöserweise jede Existenz und die vermeintlichen Kritiker beschränkten sich auf die politischen und ethischen Konsequenzen des Stalinismus. Gerade weil Deleuze sich als ihr exquisiter Kenner erweist. Berlin 1992.: Gilles Deleuze. Zusammen mit Guattari wendet er sich im AntiÖdipus gegen die strukturalistische Lesart der Ethnologie und Linguistik und führt das Unbewußte »aus dem Labyrinth der Kellerräume der Psychoanalyse ans Licht«. so wie seine Weiterentwicklung der Marxschen Gesellschaftstheorie seine Rezeption innerhalb der Linken bis heute schwierig gestaltet. hielten an der immanenten Analyse und Kritik des Kapitalismus als System fest. Frankfurt/M.. sondern an einer modernen Theorie des Geldes. 1974. wenn sie Marx anprangern. Deleuze hat in langwierigen theoretischen Prozessen die philosophischen Bedingungen einer kritischen Philosophie nach dem Strukturalismus geschaffen. 4 Deleuze nimmt das Unerträgliche der gesellschaftlichen Zustände im Detail wahr und entwickelt Fluchtlinien. so prognostizierte Deleuze. Guattari. die sie auf Marx zurückführen würden. 1976. Bei Nietzsche wird die Freiheit mit dem Willen zur Freiheit erkämpft. Die Analyse der Fabrik und ihren Auswirkungen auf die gesamte Gesellschaft vagabundiert durch das Werk der beiden Philosophen. Kafka. Der Wille bedeutet bei Nietzsche. Eine Einführung. Wie Adorno folgt Deleuze Nietzsche in der Ablehnung eines Bezugs auf eine ideale Welt neben der existierenden. Die Philosophie als Kritik sei ein Unternehmen zur Entmystifizierung von Gesellschaft.

Diskussion. sondern die ständige alltägliche Banalität. sie wende sich gegen einen beliebigen Feind im In. es erzeuge sich selbst in der Einheit von Natur und Mensch. einem Anderen gegenüberzutreten und konsequenterweise ein neues Problem anzugehen. dessen Machtausübung sich über Mikrogefüge erstrecke. Der Kapitalismus sei ein weltweites Subjektivierungsunternehmen. Unterwerfung definieren Deleuze und Guattari als Subjektkonstitution des Menschen durch eine höhere Einheit. Wahrheit hänge immer von einem Gedanken ab. Statt der Identität von Subjekt und Objekt sucht Deleuze den Ausdruck einer möglichen anderen Welt. Deshalb ist sie nicht zu tolerieren. in der wir leben. die einem Individuum aufgezwungen werden. es sei schlicht eine 80 . Begriffe zu schaffen. Das Regime der Lohnarbeit habe die Unterwerfung der Menschen bis zu einem noch nie dagewesenen Punkt vorangetrieben. Nach dem Zweiten Weltkrieg hätte der Frieden technisch den grenzenlosen materiellen totalen Krieg ausgelöst. das Grundmodell der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft.h. zur bloßen Meinung. das Ergebnis sei die freiwillige Unterwerfung der Individuen unter die gesellschaftliche Logik. sondern Wahrheit müsse auf jedem Gebiet erst geschaffen werden. Dieses Subjekt beziehe sich auf ein äußerlich gewordenes Objekt. d. Im Spätkapitalismus werde man nicht mehr unterjocht. Deshalb sei der Faschismus gar nicht mehr nötig.oder Ausland. ganz gleich was es ist. die moderne Knechtschaft sei sowohl freiwillig als auch erzwungen. immer konformer mit einem angenommen Ideal sein sollen. Die unterschiedlichen Formen von Erziehung und Normalisierung. Die maschinelle Unterjochung sei durch gesellschaftliche Unterwerfung ersetzt worden. Diese Welt ermögliche es einem nicht mehr. die Unterjochung sei durch die freiwillige Unterwerfung abgelöst worden. so lautet sein Grundaxiom. Mit der Genauigkeit seiner geschaffenen Begriffe will er das Denken daran hindern. Das Unbewußte sei elternlos. von der Kapazität dieses Gedankens. Die Kriegsmaschine des materiellen Krieges aller gegen alle brauche keinen bestimmten Feind mehr. einem Außen. Der Umgang der traditionellen Philosophie mit der Wahrheit setze voraus. die immer höher und erhabener.wäre. Die bestimmten postmodernen Denkern zurecht unterstellte Beliebigkeit des Begriffes ist Deleuze völlig fremd. Indem er neue Begriffe bildet. bestehen darin. I. sei als Subjektivierungsprozeß durchgesetzt. Statt von Subjektivierungsprozessen schreibt Deleuze von neuen Typen von Ereignissen. Warum kämpfen die Menschen für ihre Knechtschaft. Ansicht. daß diese Welt. Der Vertrag. Die Verbindung zwischen Mensch und Welt ist gerissen. Das nicht zu tolerierende sei nicht mehr eine große Ungerechtigkeit. die wahre. es zum Wechsel der Subjektivierungspunkte zu veranlassen. bedeutet für Deleuze zu widerstehen. Das Kapital wirke als Subjektivierungspunkt. zum reinen Geschwätz zu werden. 1969 haben Deleuze und Guattari im Anti-Ödipus eine neue Bestimmung des Unbewußten vorgenommen.h. die richtige sei. Die Tätigkeit des Philosophen. d. als ginge es dabei um ihr Heil? Anläßlich des Erscheinens von Tausend Plateaus im Jahre 1980 charakterisierten Deleuze und Guattari die aktuelle politische Situation als entmutigend. der die Menschen als Subjekte konstituiere. Das ödipale Dreieck existiere nicht. will er die traditionelle Philosophie einer überholten Welt überwinden und Erkenntnis ermöglichen. ja. sich selbst oder gar eine andere mögliche Welt zu denken. sondern unterworfen.

verlagere sich nun von der Sphäre der direkten materiellen Ausbeutung in die politische Herrschaft. 126. in dem die Herrschaft abstrakt und parasitär werde.ideologische Form. so Deleuze weiter. (. In dem Maße. der sie in Gang setze. Anti-Ödipus. Dreyfus.« 5 Die ödipale Theorie wird als funktional für die kapitalistische Vergesellschaftung analysiert. in denen sich die Subjektivität produziere. politischen. Der Vorwurf von Deleuze und Guattari an die Psychoanalyse lautet. Stalinismus etc. in denen sich das Leben organisiere. S. werde das Kommando nutzlos und überflüssig. Je anonymer und funktionaler die Herrschaft werde.h. Die Maschinen selbst seien die vom Kapitalismus konstruierte Realität. die die Produktion in den Wunsch einführe und umgekehrt den Wunsch in die Produktion. Die Herrschaft verfahre nicht ideologisch. Deleuze und Guattari halten der familialen Besetzung der Libido.. 81 . 6 ebenda.. Auch Leute. Der Ödipuskomplex sei grundsätzlich ein Unterdrückungsapparat der Wunschmaschinen und keineswegs eine Formation des Unbewußten. daß die Psychoanalyse die Psychose verkenne. Die Ökonomie setze die Mechanismen der Herrschaft bereits voraus. »Als ein unübertreffliches Masseninstrument bildet Ödipus die letzte unterwürfige und private Territorialität des europäischen Menschen. d. die Welt sich verändere und gleichzeitig die materialen Verknüpfungen. Bereits die Marx’schen Grundrisse hatten das System der Maschine als allgemeine gesellschaftliche Tendenz vor Augen.) die Commune. Faschismus. Die Herrschaft sei anonym und beruhe viel eher auf der Maschine als auf dem. Ihrer Argumentation zufolge existiert das Subjekt im Kapitalismus sowieso nur als Funktion im Warenverhältnis selbst. Ihr Anspruch ist es. die gesellschaftliche Besetzung der Libido entgegen.O. so daß der Antagonismus seiner äußersten Zuspit5 Deleuze/Guattari. Die produktive Verwertung. ökonomischen und kulturellen Hintergrund. Jedes Delirium besitze einen welthistorischen. desto mehr würden die ihr Unterworfenen individualisiert.a.« 6 Die erneute Begrenzung des Wunsches auf eine Familienszene bewirke. daß das Unbewußte einem viel bedeutenderen Einfluß unterliegt. sich nur mehr in der Neurose wiedererkenne und von der Neurose selbst eine Interpretation abgebe. S. Denn Ödipus sei stets offen in einem selbst offenen gesellschaftlichen Feld. Sie bescheinigen der Psychoanalyse eine tiefe Verbundenheit mit der kapitalistischen Gesellschaft und sprechen ihr deshalb einen emanzipatorischen Gehalt ab. 132. sondern produktiv. in ihren Auswirkungen erschreckende grundlegende Operation der modernen Gesellschaft die Normalisierung und sieht in ihr etwas grundlegend anderes als eine Ideologie oder Repression. ihres Potentials zur Subjektwerdung beraubt. diesen Kurzschluß aufzubrechen und klarzustellen. Sie produziere Reales und operiere nur noch selten mit Gewalt oder Repression.. daß diese die Gesellschaft durch die Familie ersetze. Es sind die libidinösen Besetzungen gesellschaftlicher Macht. Sie seien die konkreten Formen. Deleuze nennt die qualitativ neue. da das sogenannte Interesse immer dem Begehren folge. die zu reformistischen oder gar reaktionären Haltungen führen können. wie sie in der Psychoanalyse behauptet wird. Dieses Subjekt produziere die Welt entlang des Gesamthorizontes seiner Projektionen und immer mehr auch sich selbst. »Niemals stellt die Familie einen Mikrokosmos im Sinne einer autonomen Figur dar. deren Interesse eigentlich nicht darin liege. Eine materialistische Psychiatrie sei diejenige. bilden die Komplexe des Unbewußten und sie sind wirksamer als der immerwährende Ödipus. verbinden sich gleichwohl mit der Macht und betteln um ihre Brosamen. die die Kräfte des Unbewußten entstelle. a.

Von dem Augenblick an. ganz wie Michel Foucault. wie kann es seine eigene Unterdrückung wünschen? Sicher. faschistisch zu sein. Diese spätkapitalistische Form der Macht vollführe einen permanenten Krieg gegen uns selbst. Die Bildung von grammatisch richtigen Sätzen sei für das durchschnittliche Individuum die Voraussetzung für jede Unterwerfung unter die gesellschaftlichen Gesetze. komme von unten und sei keinerlei Manipulation geschuldet. fallen sie nicht auf ein ideologisches Täuschungsmanöver herein. Ein individuelles Leben sei eine serialisierte. die mit molekularen Energien umgeht und das Begehren eventuell schon dazu determiniert. Berlin 1992. Seine Kritik des traditionellen philosophischen Denkens ist eng damit verwoben.zung gleichsam entleert sei. kapitalistische Mini-Krise. Berlin 1993. Und je weniger die Menschen das Denken ernst nehmen würden. Bereits das Denken als solches sei konform mit einem Modell. erklärt. Leitungen und Kanäle vorschreibe. S. eine historisch-materialistische Geschichte der Wahrnehmung. sondern die Machtergreifung einer herrschenden Sprache in einer politischen Vielheit.die Massen würden von den herrschenden Eliten durch ideologische Manipulation an der Erkenntnis ihrer wahren Interessen gehindert und unterdrückt . desto mehr denken sie in Übereinstimmung mit dem. vor allem aber. Tausend Plateaus zieht daraus die Konsequenzen und wagt neue Konstruktionen.weist Deleuze damit. Félix: Tausend Plateaus. Der Faschismus beginne als Mikrofaschismus. Gilles. daß sie das Begehren wesentlich beeinflussen. das Lieblingskind der postmodernen Philosophie. S. das bereits im imperialen Staat vorhanden gewesen sei. Zum Verhältnis von Staatsapparaten und Kriegsmaschinen Fundamentale Staatskritik ist zentraler Bestandteil aller Arbeiten von Deleuze. II. 82 . im Spätkapitalismus falle die Macht mit dem Kapital zusammen. das Euren Namen trägt«. aus einem engineering mit lebhaften Interaktionen: eine ganz geschmeidige Segmentarität. 8 Deleuze. Die politischen Strukturen erstrecken sich so weit auf das Unbewußte.« 8 Die dem traditionellen Marxismus zugrunde liegende Manipulationstheorie . Deleuze. die Massen beugen sich der Macht nicht passiv. 89. ein entschiedener Gegner jeder Abstammungsbehauptung. der im Ursprungsdenken den Herrschaftsanspruch erkennt. stellt den Staat und die Kriegsmaschine in den Mittelpunkt. Die Einheit einer Sprache sei in erster Linie politisch. So auch die Sprache. wurde aus dem Staat selbst abgeleitet. es gebe keine Muttersprache. was der Staat wolle. sie ‚wollen‘ auch nicht in einer Art von masochistischer Hysterie unterdrückt werden.) Das Begehren ist nie eine undifferenzierte Triebenergie. als die Staatsform ein Denkmodell hervorgerufen habe. Tausend Plateaus 7 Massumi. Die Gesellschaft habe sich dem Kapital vollständig unterworfen. In: Karten zu 1000 Plateaus. Brian: Everywhere you want to be.. 293. sei alles geregelt gewesen. Auf dem Feld einer ideologisch strukturierten Wahrnehmung führen Deleuze und Guattari ihren Kampf gegen die Gesellschaft. 7 Die gesellschaftliche Normalisierung ergreift Deleuze zufolge jeden einzelnen Bereich. »Warum begehrt das Begehren seine eigene Unterdrückung. Schon das rational vernünftige. sondern resultiert selbst aus einer komplizierten Montage. Wege. weit von sich. (.. Tausend Plateaus. so daß dieser zwangsläufig vernünftig sein müsse. Guattari. »ein Desaster. Im Anti-Ödipus wurden Kriegsmaschinen gegen die Psychoanalyse errichtet. das vom Staatsapparat übernommen wurde und das Ziele.

lösen Bindungen und Abkommen. 83 . und eine neue Bedeutung erhalten haben. Technik. ein historisches Beispiel die spanischen Anarchisten 1936. wenn der Staat sie sich aneigne. Es beginne bereits mit der Geschichtsschreibung: Man schreibe Geschichte immer aus der Sicht der Seßhaften im Namen eines einheitlichen Staatsapparates. daß mit dem Kapitalismus die Staaten nicht abgeschafft. die Deleuze und Guattari als Koexistenz von abrupten Veränderungen und extremen Formen des Konservatismus definieren. werden sich diese im Dienste des Staates den Krieg zum Ziel nehmen.h. Der globale Kapitalismus habe Natur. Im Prinzip hat der Kapitalismus eine gesellschaftliche Ordnung entwickelt. Der Staat werde durch das Fortbestehen und die Erhaltung von Machtorganen definiert. 9 Eine Kriegsmaschine neigt viel eher dazu. den sie bilde. d. Dieser Markt sei nicht universalisierend. dem der moderne Staat als Unterwerfungsprozeß entspreche. Sie werden durch die Aktion definiert. Der Krieg bringe nur dann einen Staat hervor. Guerillakrieg oder Revolution). Im vorherigen Abschnitt wurde behauptet. das sich auf Fluchtlinien selbst konstruiert. Deleuze und Guattari unterscheiden drei staatliche Hauptformen: 9 Ein aktuelles Beispiel für eine Kriegsmaschine wären die Zapatisten in Mexico. sie führen Ereignisse herbei. wie der Begriff vermuten läßt. werde eine Kriegsmaschine wiederbelebt und ein neues nomadisches Potential tauche auf. Mensch. weil es einen universellen Markt gebe. Gleichwohl habe die Kriegsmaschine einen anderen Ursprung und ein anderes Wesen als der Staat. dessen Zentren und Börsen die Staaten wären. Der Plan von Tausend Plateaus besteht darin. sondern einen glatten Raum. Das Wesen des Staates sei die Schwerkraft. Die Nation sei das Ergebnis einer kollektiven Subjektivierung. das verinnerlichte Bild der Weltordnung zu sein. der sich gegen den Staat richte und ihn verhindern wolle. Sie kritisieren ebenso alle im Staat sublimierten Gestalten des objektiven Geistes. Falls jedoch die Staatsapparate sich die Kriegsmaschine aneignen. wenn zumindest eine der beiden Parteien schon vorher ein Staat sei. Sie habe nicht den Krieg zum Ziel. seien die ersten Anmaßungen des Staates gewesen. Es gebe im Kapitalismus aber keinen universellen Staat. Jeder Staat sei in diese Fabrikation des menschlichen Elends zutiefst involviert. Staat. Kriegsmaschinen brechen feste Strukturen auf. während der Krieg der Modus eines Gesellschaftszustandes sei. revolutionär oder künstlerisch als kriegerisch zu sein. Den Menschen zu verwurzeln und zu behaupten. Deleuze und Guattari definieren eine Kriegsmaschine als ein lineares Gefüge. Herrschaft und Begehren miteinander verknüpft. Im Laufe der Zeit habe sich der Staat zu einem Verbindungseffekt einer Vielzahl von Räderwerken und Brennpunkten entwickelt. Disziplin werde erst dann zum Charakteristikum von Armeen. die ohne Staat auskommen könnte. während die Kriegsmaschine versuche. Immer wenn gegen den Staat gekämpft werde (Undiszipliniertheit. Der Staat in jedweder Form könne weder reformiert noch destruiert werden: die einzig mögliche Zerstörung des Staates sei die Flucht. Der Staatsapparat führe immer und überall den »gekerbten Raum« des Zwangs ein. über Fluchtlinien einen glatten Raum zu bilden. daß die maschinelle Unterjochung tendenziell durch ein Regime der gesellschaftlichen Unterwerfung ersetzt wurde. besetze und ausbreite. Die überzeugende These von Deleuze und Guattari dazu lautet. sondern ein Produzent von Reichtum und Elend. sondern verändert werden.wendet sich gegen die Postmoderne. das Geschaffene aus dem Blickwinkel seiner Erschaffung zu begreifen.

sondern dessen Zurückdrängung. Werden ist keine Entwicklung. das formulierte. Der Ausdruck basiert Deleuze zufolge auf dem Ereignis als Einheit des Ausgedrückten. erklärt Deleuze in der Logik des Sinns.1. das ausgedrückte. Frankfurt/M. die Gleichförmigkeit von Denken und Sein zu unterbrechen. Es ist einer unkörperlichen Aktion oder Reaktion vergleichbar. Der Kapitalismus habe den Urstaat wiederbelebt und ihm neue Kräfte verliehen. Das Ereignis sei nicht das. Monarchien). 245. Sobald es sich körperlich manifestiert.« 11 Ein Ereignis muß 10 11 Deleuze. was eintritt. Moderne Nationalstaaten. Deleuze entwickelt einen Plan oder ein philosophischaufklärerisches Programm. die sich als Ereignis den Projektionen der Geschichte als linearer und verbundener entzieht. Werden und Ereignis. die sie verwirkliche. das vom Chaos zum Hirn bzw. während die Kriegsmaschine möglichst viele zivile Aufgaben übernehme. die menschliche Aktivität. die Subjektivierung und Unterwerfung hervorbringen. Die Vernunft sei ein Ereignis und die Ereignisse seien Wirkungen. Die Ereignisse ermöglichen also die Sprache. Frankfurt/M. es sei in dem. das nicht angelegt oder determiniert gewesen ist und bloß zu einem bestimmten Zeitpunkt möglich wurde. Alles. 2. « 10 Das Werden bedeutet für Deleuze eine Gegengeschichte. III. Aber das Ereignis ist nicht der Begriff. sondern aktive Gestaltung von etwas. Verstand führen soll. Gilles: Unterhandlungen 1972-1990. Feudalsysteme. Fluchtlinien statt Utopie Das Ereignis hat keinen Sinn. werde die Fluchtlinie. das uns erwarte. »Mai ’68 war die Manifestation. Wenn der Staatsapparat die Kriegsmaschine übernehme. Aufklärerisch gedeutet läßt sich das Ereignis als plötzliche Erhellung des vorher Undurchschaubaren begreifen. Die untereinander sehr verschiedenen Staaten (entwickelte Reiche. die Produktion geht in ein Produkt über. Ein Ereignis ereignet sich zwischen Dingen. was existiert. Prinzipiell seien alle Staaten Bereiche zur Realisierung des Kapitals in Abhängigkeit von einem einzigen und gleichen äußeren Weltmarkt. in den er seinen Traum von der permanenten Revolution einschreibt. Die imperialen archaischen Staaten als Unterjochungsmaschinen. Gilles: Logik des Sinns. es ist der Sinn. Das Ereignis ist nicht vorausbestimmt. 3. es ist das Nichtbegriffliche.. Die Produktion von unkörperlichem Sinn läßt sich als Herstellung von Ereignissen begreifen. Die Produktion von Sinn geht ihm zufolge vom Revolutionär aus.und Zerstörungslinie. Der politische Staat der Französischen Revolution tendiere zur Auflösung. S. Stadtstaaten. ist ein Werden. was eintrete. Leibniz war später der erste Theoretiker des Ereignisses. Sie ermöglicht das Werden. Seine Absicht ist es. was die Sprache möglich macht. Das Werden entspringt bei Deleuze keinerlei Selbstzweck. der den technischen Fortschritt und die gesellschaftliche Totalität trennt. 72. das Hereinbrechen eines Werdens im Reinzustand. der »in jenem Abstand lebt. Das Ereignis resultiere aus den Körpern und ihrer Aktionen. zu einer Todes. Deleuze. Zwischen den modernen und archaischen Staaten gebe es eine Art Raum und Zeit übergreifende Einheit. 1993. Nietzsche hat diesen Gedankengang fortgeführt. S. ist das Ereignis beendet. Das Ereignis sei die Identität der Form und der Leere. nichts ist gegeben. Die Stoiker fanden Jahrhunderte vor unserer Zeit in den Gegenständen des Denkens selbst das. Ein Ereignis bedeutet nicht den Einbruch des Irrationalen. 84 .

O. S. Die Mehrheit entwickelt sich als eine Konstante aus einer Reihe von Variablen. 1978. Deleuze nimmt folgende Dreiteilung vor: »Das Mehrheitliche als homogenes und konstantes System. Diese Minderheiten bieten für Deleuze die Möglichkeit des Werdens. Weder Minorität noch Majorität zeichnen sich durch Quantität aus. das nicht bei jeder Gelegenheit flieht. auf eine Deterriorialisierung..a. wenn sie im Namen eines menschlichen Wesens oder einer reinen Vernunft gesprochen habe. durch. müsse sich das Individuum des Ereignisses bemächtigen. 100. Politisch setzt Deleuze auf eine Fluchtlinie. daß diese keineswegs verbindlich im Sinne einer Determination sei und das Werden jedem offenstehe. Logik des Sinns. die Welt zu fliehen. Eine Deterriorialisierung führe dazu. sonst wird es wieder zu einer feststehenden Struktur. a. die Entscheidungs-.und Handlungsmöglichkeiten freisetzt. »Und die Fluchtlinien bestehen niemals darin. Die Spezifizierung von Subjekten führe in deren Minderheitlichkeit. S.« 14 12 13 14 Deleuze. Wahrnehmungs.O. so kritisiert Deleuze. Deleuze. Dadurch unterstelle es sich dem Ereignis. Tausend Plateaus. an ein Ende geführt werden könne und somit erst einschätzbar werde. Das Deleuzianische Werden bedarf einer Vermittlung.a. »den Sinn zu produzieren«. Die Aufgabe der zeitgenössischen Revolutionäre besteht für Deleuze also darin. 85 . a. daß ein vermeintlicher Naturzustand an seine Grenzen stoße. denn jede Abweichung von der Konstante zeige. Auch die Philosophie. Deleuze/Guattari. sondern vielmehr darin. Diese Konstante setzt sich.« 12 So paradox es klingen mag: heute könnten Universalisten und Kosmopoliten eine Minorität in bezug auf die Majorität der Völker. Die Konstante wurde historisch immer mit Gewalt durchgesetzt..also durch permanente Neuereignisse im Zustand des Werden erhalten bleiben. rekurriere auf diese Herrschaftsverhältnisse. Jede Minderheit wird durch die Mehrheit bezeichnet. 279. vermittelt durch Herrschaftsverhältnisse. 13 Damit eine Praxis zustande kommen kann. Gilles: Philosophie und Minderheit. erschaffenes und schöpferisches Werden. wenn deren Bestimmungen von der Konstante abweichen. Ein Werden entziehe sich immer der Mehrheit. 28. indem es von seiner Subjektivität absehe und sich als Werden projiziere. die Minderheiten als Subsysteme und das Minderheitliche als potentielles. als wenn man ein Rohr zum Platzen bringt und es gibt kein Gesellschaftssystem. Regionen und Ethnien darstellen. die erneut aufgebrochen werden müßte. Es hat die Aufhebung des Majorität/Minorität-Gefälles zum Ziel. Frankfurt/M. sie fliehen zu lassen. S.

in allen möglichen Varianten Verbreitung gefunden hat. zeigt. die der gesellschaftliche Realprozeß mitproduziert. Kunstworte wie différance oder destinerrance löst er nie in Definitionen auf (oder nur um diese sogleich zu widerrufen). um diesen Ruf. muß also das Fundament seines Denkens nicht minder sein als das der Foucaultschen Theorie. Anders als Foucault. Dunkle Begriffe wie Dekonstruktion. Rand. förmlich zum Reisenden in Sachen Dekonstruktion werden konnte -. wie sie erscheinen mag. den Derrida zu fliehen bemüht ist. * 86 .und Derrida. Gabe. wie er selbst einmal sagt. verbreitet Derrida die resignierte Gewißheit. daß die Gedanken des Intellektuellen von der Aura originärer Produktivität befreit und als reflektierender Nachvollzug gesellschaftlicher Veränderung erkennbar werden. den ihm schon die ersten Schriften einbrachten. Zögern. In den Interviews. Gestade. Aufschub. ihre uneinholbare Autonomie behaupten können. Dennoch ist Esoterik nur die halbe Wahrheit über diese Theorie. der poststrukturalistische Philosoph aus Frankreich. daß das Esoterische sich übersetzen und aufschlüsseln läßt: aufschlüsseln freilich nicht so. auf dem Philosophie und Geistesgeschichte unangefochten ihren Sonderstatus. undefinierter Wörter wie Spur. Gastfreundschaft. wie sehr er Bestandteil jener allgemeinen Reflexionstätigkeit ist. wo mit Kategorien wie "Vernunftkritik" und "Pluralität" ein Feld abgesteckt wird. der sich gemeinsam mit seinen Gesprächspartnern stets auf den Boden der Erfahrung stellt. sondern auch in Feuilleton und Kulturbetrieb überhaupt Eingang gefunden hat . Allein dieses Fundament berechtigt zu der Annahme. Mehr als einmal hat er denn auch über Verflachung. Verwässerung und Entstellung seines Denkens und die große Zahl falscher Schüler geklagt. Tatsache ist nämlich. Während Foucault die zuversichtliche Überzeugung verbreitet. Daß ein Begriff wie "Dekonstruktion" nicht nur in akademische Literaturwissenschaft und feministische Theorie. als ihm gehorsam durch seine verschlungenen Gedankengänge zu folgen und ihn als unersetzbaren Initiator in sein Denken anzuerkennen. Verkauf und Verbreitung sind das beste Indiz dafür. Grammatologie oder Dissemination. läßt Derrida seinem Gegenüber keine andere Wahl. noch zu bekräftigen. die er gegeben hat. Der Erfahrungszusammenhang.ob es ihrem Urheber paßt oder nicht . sondern in eine Vielzahl nicht minder dunkler. tut er das Seine. Auch wenn Derrida beständig den Eindruck des Gegenteils erweckt: er wird verstanden. Stempel. wie es häufig in Poststrukturalismus-Studien geschieht. daß nur wenige seine von beständigen Wortkorrekturen und Formulierungsverboten begleiteten Reflexionen nachvollziehen können. daß sie sich bestens verkauft und . die sich der Anstrengung der Dekonstruktion letztlich entzögen. hat den Ruf eines Esoterikers. daß sie eine gesellschaftliche Funktion hat.Monika Noll »Radikalisierung des Marxismus« Zu Derridas dekonstruktiver Lektüre der Wertformanalyse Derrida. die sich beständig darauf bezieht. vielmehr in der Weise. Abstand. daß ein gesellschaftlicher Bedarf an ihr besteht. daß seine Theorie gar nicht so schwer ist. Gespenst und viele andere mehr.

2 Nach diesen Bemerkungen verwundert es nicht. mit dem Wirklichen gegen das Scheinhafte antritt. weil sie. 256f. S. dann muß er das Falsche getrost falsch sein lassen können.). Die im folgenden angeführten Zitate entstammen dem französischen Original und sind von mir übersetzt. in das wirkliche Tun der wirklichen Menschen auflöst und dem »Unheimlichen« an ihm die Wirklichkeit aberkennt. Philosophen im Gespräch. Diese Immunität freilich zeitigt ein paradoxes Resultat: Keine Dekonstruktion ohne das Tun der Kritik. So hat sie immer ein Mehr gegenüber der Kritik und bleibt ihr. als Aufruf »zur unendlichen Selbstkritik« (ebd.meist summarisch als Metaphysik oder Ontologie gefaßt . Die Dekonstruktion ist keine »Kritik der Kritik«. und eben deshalb bedarf es nach seinen Worten auch gänzlich »anderer Begriffe. das kritische Interesse oder Motiv aufgegeben. Zur Erleichterung des Textvergleichs habe ich hinter dem Schrägstrich die entsprechende Seite der deutschen Übersetzung angegeben. Florian Rötzer (Hg. kann dem dekonstruktiven Philosophen irgendwie gleichgültig sein . Frankfurt/M. wie Derrida einem seiner Interviewer versichert. man übernimmt ihn als Erbe«. per definitionem. möglich«. In ihnen findet er nämlich nach eigenem Bekunden eine besonders »radikale Kritik« vor (145/143). das mit dem Wahren gegen das Unwahre.Derrida selber findet die Legitimation der esoterischen Begriffe im Novum seines philosophischen Unternehmens. es hat sozusagen die Besetzung abgezogen. sie folgt vielmehr einer gänzlich »anderen Logik«. ob sie etwa notwendig falsch. es entmächtigt. 144. Mehr noch. Das Kritische an der Marxschen Kritik sieht er zumal darin. Radikal aber scheint ihm diese Kritik deshalb. München 1986. 1995.: Marx' Gespenster.). 258/S. selber noch »vordekonstruktiv« (269/267). mit dem Richtigen gegen das Falsche. das »Achthaben« auf diesen unerbittlich sich wiederholenden Fehler (Spectres. sondern auch eine »Erfahrung des Versprechens. denn jede Auflösung oder Zerstörung des Falschen wäre Kritik. so viele Spannungen und Widersprüche hindurch« zur »marxistischen Ontologie« gelangt (146. was ich mache. daß er nicht stante pede zur Beseitigung des Falschen schreitet. Ob eine Vorstellung falsch. hinter sich lassen und statt kritisch vielmehr dekonstruktiv denken will. 278/275f. ob sie Ideologie im Sinne eines notwendig falschen Bewußtseins ist. 2 87 . 146/145). von vornherein entzogen. Dekonstruktion ist nichts als der wachsame Blick. die er seinerseits dekonstruktiv zu radikalisieren gedenkt (151/149-50). Gegen die Impulse der Kritik bleibt er einfach immun. 86. Ganz ungerührt stellt Derrida fest: Der von der Kritik gemachte »Fehler« . 1 Jacques Derrida. Paris 1993. jenes urteilende.« [Spectres de Marx/Marx' Gespenster S. 147.»wiederholt sich. daß Derrida sich in einem seiner Bücher mit Schriften von Marx befaßt. dt. er muß es recht eigentlich konservieren.] 1 Wollte man die »andere Logik« erst einmal negativ fassen. so könnte man sagen: Das dekonstruktive Denken hat einfach den hinter der Kritik wirksamen Antrieb. die den Schein in Wirklichkeit. weil Kritisieren das Falsche ist.. mit dem er das jahrhundertealte Verfahren der Kritik. Spectres de Marx. »ist in der Tat keine Kritik an dem. Wenn der dekonstruktive Denker nicht kritisiert. Entscheidungen treffende Denken. 145). der Verheißung« abtrotzt und nur »durch so viel Zögern. daß sie sich auf einen vom Kritisierten ganz und gar unberührten Standpunkt stellt und den von ihr ins Visier genommenen gesellschaftlichen Schein einer Analyse unterzieht. erstmals den dekonstruktiven Spielraum eröffnet. 146 / 145. weil sie dem kritischen Prozeß nicht bloß eine »Fragehaltung«.oder ist ihm doch wenigstens soweit gleichgültig.

ihre je besonderen. treten die Gespenster auf den Plan. der sich als Subjekt darin vermißt oder nicht wiedererkennt. spukhafte Züge annehmen. Diese Verselbständigung findet Marx in einer Gesellschaft vor. die sie hervorgebracht hat (z.. obgleich er mit nie dagewesener Konsequenz bei den »wirklichen Menschen« begonnen habe. der sie als Eigenes beansprucht.wimmele es von »Gespenstern«. « (88) Im gespensterhaften Treiben der Waren verselbständigt sich nur die »Gestalt des Produktionsprozesses« (94). Wie sollte die Dekonstruktion da auf das Falsche verzichten können. Fremdes nur für den. Die im Warenaustausch hergestellte Gleichheit von Wertkörpern. wo er die konkrete Wirklichkeit der Menschen . was zu ihrer Dekonstruktion erforderlich ist: das Unheimlichwerden der gesellschaftlichen Normalität.als »Spuk und Zauber« thematisiere. die den menschlichen Subjekten so etwas wie einen intentionalen Vorsprung vor dem Zusammenhang ihrer gesellschaftlichen Reproduktion einräumt. nämlich »beim Spuk«. Die Warenwelt. die für den Gebrauch erforderlich sind.. Während sie als Träger von Gebrauchswert. die der Warenproduktion inhärente Realabstraktion. wo er hätte 'beginnen können' müssen«. deren Eigenleben er zu beenden suche. liegt nicht an persönlichem Versagen. welche Waren produziert« (87). schlicht und einfach die sinnlichkonkreten Eigenschaften besitzen. die Ungleiches.B. eine »gespenstige Gegenständlichkeit« (MEW 23. der nicht bloß ihren Kopf heimsucht. als Dinge erscheinen. die Welt der Fetische »entspringt . Und aus der Produktionsform sieht er sie entstanden. Gesellschaftliches wird Geistererscheinung nur für den. Liefert doch die falsche Subjektperspektive selber genau das. in der die Warenproduktion zur allgemeinen gesellschaftlichen Produktionsform geworden ist. indem er die fetischisierende. die das gesellschaftliche Leben der Menschen. mit einem Willen ausstattet. mit der sie den Menschen. die ein Eigenleben führen. er hat nur begonnen »wie jedermann« (278/275). daß die Arbeitsprodukte. als nützliche Gegenstände. Aus dem Problem gibt es kein Entkommen. den Markt . Daß Marx »nicht dort begonnen hat. die als unmittelbarer Verkehr zwischen den Sachen erscheint. nehmen sie als Träger von Tauschwert.Der »Fehler« selbst ist Derrida zufolge also unvermeidlich. sondern ihnen mit der Festigkeit von Dingen entgegentritt. 52) an. sobald sie Warenform annehmen. ist nur ein für die Menschen undurchschaubar gewordenes Resultat ihres eigenen Tuns. die sie produziert haben. Sie selbst setzen. als Natur 88 . aber sie tun es. nichts als der »gegenständliche Schein der gesellschaftlichen Arbeitsbestimmungen« (ebd. kann diese Reproduktion überhaupt unheimliche.. die den gesellschaftlichen Produzenten als Fremdes.den Warenaustausch. Im Fetischismus-Abschnitt zeigt Marx. konkret-nützlichen Arbeiten einander gleich und machen damit deren Produkte austauschbar. als Wertverkörperungen. Geschichte wird Anderes. wie selbständige Wesen gegenübertreten.so interpretiert Derrida . »Sie wissen das nicht. ihre aus Gewolltem und Ungewolltem unlösbar gemischte Existenz. 97). übersinnlich-abstrakte Qualitäten. wenn sie die zur Befriedigung gesellschaftlicher Bedürfnisse gedachten Gebrauchsdinge produzieren. Gerade bei Marx . Mit besonders lebendigen Gespenstern aber befaßt er sich Derrida zufolge in der Fetischismus-Analyse des Kapital. Bereits in den frühen ideologiekritischen Werken entdecke Marx sie allenthalben in Gestalt religiöser und ideologischer Wahngebilde. Nur in der Subjektperspektive. abstrahierende Tätigkeit des Kopfes rekonstruiere. aus dem gesellschaftlichen Verhältnis der privaten Warenproduzenten. Unterschiedenes gleichmacht. Nur in einer Geschichtsphilosophie. aus dem eigentümlichen gesellschaftlichen Charakter der Arbeit. 201-207 / 199-205).

Legitimiert dazu sieht er sich durch Marx' Thematisierung des Unheimlichen. GesellschaftlichWerden« (249/247) als die für die Existenz der Menschen überhaupt entscheidende Spaltung festzuschreiben. Geschichte hat unweigerlich das letzte Wort. auf eine bestimmte Produktionsweise. Aber weil Marx nicht. die für die Bildung der Wertgegenständlichkeit verantwortlich zeichnet. indem er sie enthistorisiert. ist historisch entstanden und historisch aufhebbar. in denen die Arbeitsprodukte Waren sind. 3 * Diese Marxsche Kritik.unter der Bedingung nämlich. verschwindet Marx zufolge auch der ganze »Zauber und Spuk« (90) eines von den Produzenten unabhängigen gegenständlichen Zusammenhangs (92f. die der vertrauten. um sie »allzu schnell verjagen. Wenn Marx den Fetischismus der Arbeitsprodukte zielstrebig als Resultat besonderer gesellschaftlicher Verhältnisse aufklärt. Aus dieser Sicht gerät nun Marx. austreiben« zu können (277/274). "radikalisiert" Derrida. das historische Auseinandertreten von Privatheit und »Vergesellschaftung.). macht er Derrida zufolge den Versuch. 89 .erscheint. nicht für die Produktion von Gebrauchsdingen überhaupt. Mit diesem Grenzenziehen bleibt. nämlich zweite Natur. ist ihr eigenes Produkt. Aus der strikt mit den Erfahrungen bürgerlicher Subjekte liierten Fremdheit und Gespenstigkeit der Gesellschaft macht Derrida eine generelle Einheit von »gesellschaftlich und gespenstig werden« (249/247). hat Derrida es darauf abgesehen. 3 Marx wird hier nur soweit dargestellt. von den Menschen selber tagtäglich neu erzeugten Unmittelbarkeit der Warenwelt den Reiz des Fremden. Exotischen verleiht. der die Vorstellung von einem den einzelnen gespenstig entgegentretenden gesellschaftlichen Ganzen »auf die Warenproduktion« (263/261) beschränkt sehen will.dieser Befund gilt einzig und allein für die Produktion von Waren. weil die Menschen den Zusammenhang der arbeitsteilig verrichteten gesellschaftlichen Gesamtarbeit nicht unmittelbar und bewußt herstellen. in den Verdacht des willkürlichen Grenzenziehens. sondern nur nachträglich und bewußtlos. so Derrida. Die in seiner Analyse der kapitalistischen Ökonomie diagnostizierte Realabstraktion. das mit der Warenproduktion auf der Bühne der Geschichte erscheinende Unheimliche zu entmächtigen. sondern sie als vermittelt. die einen wohldefinierbaren Anfang und ein ebenso definierbares Ende hat (259-61/259-61). wie Derrida meint. daß sie ihre gesellschaftliche Tätigkeit generell in der Form des Privaten. daß die Menschen in bestimmten gesellschaftlichen Verhältnissen . mit der Wirklichkeit des Marktes.dem gesellschaftlichen Zusammenhang ihrer Reproduktion auf dem Markt als Naturzusammenhang von Dingen begegnen. der Privatarbeit verrichten . . die sie im Laufe ihrer Geschichte selbst hervorbringen. Während Marx zeigen will. Mit der Abschaffung der gesellschaftlichen Verhältnisse. in der der Fetischismus der Arbeitsprodukte ebenso kompromißlos herausgearbeitet wie auf die Warenproduktion beschränkt wird. Zutritt gewährt sie den Gespenstern nur. die Analyse an den »Exorzismus« gebunden (263f./261f. mit sinnlich unmittelbaren Dingen (oder Menschen) beginnt. als Resultat materieller Produktionstätigkeit begreift. wie es für eine Betrachtung von Derridas Lektüre erforderlich ist: also ausschnitthaft.). ist er noch nicht am Ende. Daß Geschichte die Form von Natur annimmt.

ist ein dem Spuk eigentümliches »Schon immer« oder »Von vornherein. Allein dadurch. zu dem es kein erstes gibt. Die historische Entstehung der Warenform. »Vom Tisch«. alles erscheint »zweimal auf einmal«. »schreibt ihn von vornherein in ein Außer-Gebrauch ein«. gegen den Gedanken. aus dem sie. Auch der historische Auftritt.) Mit seinen für andere bestimmten nützlichen Eigenschaften (256/254). Nicht daß Derrida sich nun anheischig machte. dekonstruktiv geltend macht. so Derrida. wie es Marx bezeichnenderweise genannt habe. war der Warenfetisch. so Derrida. nützliche Tisch habe ja die Metaphysik der Warenwelt bereits im Kopf (255/253). nur heraustreten. nämlich in der berühmten Beschreibung des Tisches. des Fetischcharakters der Ware wird nicht einen Augenblick negiert. Im vorhinein«. diese Reihenfolge umzukehren und nachzuweisen. »Die Möglichkeit des Austauschs«.). und »der 'mystische Charakter' der Ware schreibt sich ein. sondern bleibt an die Warenproduktion gebunden. Das »vor« kann also nur meinen. 90 . Vor seinem historischen Auftritt nämlich. wie der Fetischismus aus der Religion. Was Derrida vielmehr gegen das Marxsche VorherNachher. gespenstigen Gesellschaftlichkeit. als Kopie und Wiederholung. bevor es anfängt« (254. einfach weil er. daß wir nichts anderes haben als Zweites. daß sich in der Geschichte eigentlich alles andersherum abgespielt hat. gegenständlich erscheinen müsse. wie Marx mit seiner Analogie zwischen Waren. Aber. verhält es sich wie die Ware: »die Warenform (hat) vor der Warenform begonnen« (254/252). das man nur jenseits der Geschichte findet. das Gespenst.auch ohne Markt und Warenverkehr. mit seinem Gebrauchswert. Der konkrete. heißt es bei Derrida. / 253). im Innern von Religion und Ideologie).und Kultfetisch zeige. 253). Derrida zufolge »schon da« . »sich allen anderen Waren gegenüber auf den Kopf (stellt) « und »aus seinem Holzkopf Grillen (entwickelt)« (MEW 23. bietet er sich doch anderen zum Gebrauch an und fungiert dergestalt . den gleichen Bedürfnissen unterschiedener einzelner dient . das gegenständliche Erscheinen des Fetischs wird nicht zeitlich vorverlegt. von Hand zu Hand gehendes Ding. 255f. dann die »vertrackte« Ware (MEW 23. sondern als etwas. Das »erste Erscheinen« ist nach dekonstruktiver Logik »schon beim ersten Mal ein zweites«. gehöre er bereits auf die Seite einer von Grund auf fremden.Im Zentrum der Dekonstruktion steht deshalb die Marxsche Unterscheidung von Gebrauchswert und Tauschwert und die mit ihr gemeinte historische Reihenfolge: erst der Gebrauchswert. 85). daß der Gebrauchswert vom Unheimlichen noch unberührt ist. bevor er sich einschreibt« (254. unmittelbaren Wirklichkeit (255/253). als Ware. Noch ehe das Arbeitsprodukt als Ware produziert wird.« (257/253f. ohne »gegenwärtig [zu] sein«. dann der Tauschwert. als das Gespenst. In diesem Jenseits ist Derrida zufolge die Warenform weder identisch mit dem Gebrauchswert noch von ihm ablösbar. (259/257) Das historisch Neue erweist sich in der Dekonstruktion als weder alt noch neu. der »als Ware auftritt«. um die Verwirrung komplett zu machen. das heißt »vor seinem ersten Erscheinen«. von den Problemen der Warenform 'noch nicht' heimgesucht wird (253f./251f. daß der Tisch einen gesellschaftlichen Nutzen hat.im Modus der »Verheißung oder Erwartung« (oder. 255 / 252. »werden wird« . das er einmal. sie »affiziert [ihn] von vornherein« und erfüllt ihn mit dem möglichen Ende seiner konkreten. das zweite Mal ist ein zweites. 85).als per definitionem austauschbares. »kann man dasselbe sagen.und »von vornherein ist« (257/256). was Marx über die Ware sagt. sie »spukt« in ihm. »prostituiert [er] sich bereits« (258/256). Nicht zufällig habe Marx das »triviale« Gebrauchsding im höchsten Maße gespenstig dargestellt. erst das »triviale« nützliche Ding. »sich in ein sinnlich übersinnliches Ding (verwandelt) «. bei dem »alles anfängt.

Derart enthistorisiert. sachlichen Grundlage lösen und frei durch die Zeiten und Gesellschaftsformationen geistern kann. 91 .Keine Arbeit ohne diese »ursprüngliche Prostitution« (258/256). Vergesellschaftung als veritablen Akt der Selbstentleibung oder doch zumindest der Vergeistigung oder Entmaterialisierung plausibel zu machen.« (255/253) * Um klarer zu fassen. dem die eigene gesellschaftliche Tätigkeit. Mit Formeln wie »Es gibt«. sein Leben. unmittelbaren Zusammenhang. nämlich das »Gespenstige. nämlich in den jeweiligen Produktionsverhältnissen gelegenen gesellschaftlichen Zwecken. und sie zugleich als Phantasmagorie zu kennzeichnen (MEW 23. in der alles Neue produziert. wenn alles schon da wäre. zum verselbständigten Es. indem er sein »Immer schon« nicht als ein starres Immer-schon-da-Sein. 86). mit bürgerlicher Gesellschaft und allgemeiner Warenproduktion herausgebildete Perspektive eines Subjekts. »Genau dort beginnt der Spuk. Aus der Realabstraktion der Warenproduzenten wird die Realabstraktion der ihre Lebensmittel herstellenden Gesellschaftswesen schlechthin: Gesellschaftliches Bedürfnis abstrahiert vom Bedürfnis und gesellschaftliches Leben vom Leben. keine Produktion ohne den Fetischismus der Produkte (263/261). daß es nichts Neues gäbe.die den bürgerlichen Gegensatz von Gesellschaft und Privatheit an der einzelnen Ware als Gegensatz von "Geist" und "Leib" darstellt . was Derrida damit macht.. via Vergespenstigung« (249/247). in dem Derrida zufolge das Gesellschaftliche am Leben bestehen soll. und damit ein in seiner bloßen Möglichkeitsform irreduzibles Mehr gegenüber dem Zusammenhang der wirklichen Gesellschaft. daß es aber unleugbar Neues gibt. um zu erscheinen. wird bei Derrida zum geschichtslos-transzendentalen Rahmen der »Vergesellschaftung . Die strikt historische. Diese Analogie verselbständigt Derrida und liest sie als irreduziblen. das nicht erst noch produziert werden muß. dient die Marxsche Fetischismus-Analyse . möchte ich noch einmal zur Marxschen Analogie zwischen warenförmigem und religiösem Fetisch zurückkehren und mir anschauen. Unterm Titel der Virtualität wird Gesellschaft zu einem vom materiellen Tun der Realsubjekte unabhängigen Prozeß sui generis. als fremder Prozeß entgegentritt. gemacht wird. Er trennt ihn zugleich von einer Geschichte. als »Vergegenwärtigung. Geisterhafte« (14/10).. Den Fetischismus trennt er nicht nur von allen außer ihm. Marx zieht den Fetischglauben zum Vergleich heran.nur noch dazu. materiellen Existenz abstrahierenden Geist. Die Analogie dispensiert ihn mit einem Schlag von jedem Bezug auf realhistorische Entwicklung und materiellen gesellschaftlichen Prozeß überhaupt. Virtualität ist nur ein anderer Name für den von der leiblichen. in der sich der historisch neue. zum »Ereignis«. als Beleg für eine Sphäre reiner Beziehungen. worauf die dekonstruktive Lektüre eigentlich hinausläuft. um die Verselbständigung der Waren am Beispiel des Kultobjekts in eine Distanz zu rücken. »Es kommt/Es geschieht/Es ereignet sich« oder »Es spukt/ Es gespenstert/Es geistert« verschafft Derrida dem entmaterialisierten Gesellschaftlichen ein Subjekt. In dekonstruktiver Lektüre erweist sich also das aus der bestimmten gesellschaftlichen Form der Arbeit Hervorgegangene als Nichtproduziertes. Repräsentation« (268/266) von etwas. aus der man sie leichter wahrnehmen kann. mit der Ware verknüpfte Fetischismus von seiner materiellen. löst Derrida. sondern eher als Ersatz für die Produktion faßt: als »irreduzible Virtualität« (259/257). Das darin enthaltene Dilemma.

erkennt man wieder. und erweist sich als Resultat der ungeheuren Geschäftigkeit. das heißt aus der metaphorischen Form. Mit Hilfe der Marxschen Metaphern entsteht bei ihm tatsächlich so etwas wie ein lebendiger Tisch. Das dekonstruktive Unternehmen ist tatsächlich nicht abschließbar. Derrida selbst hat die Dekonstruktion mehrfach mit dem Affirmieren. Auch die bildhafte Form. das selbstgenügsam für sich allein besteht und dessen unmittelbare Materialität sich nicht im funktionalen Zusammenhang verflüchtigt. Kein Wunder also. daß die Menschen die Dinge des täglichen Gebrauchs in einer bestimmten gesellschaftlichen Form produzieren. einen sehr konstruierenden Zug hat. der muß bei jedem Versuch. macht er ein Absolutum. Wenn man ihm bei der Dekonstruktion der Marxschen Kritik über die Schulter schaut. Er bejaht die Metaphorik. muß Wirkliches in Mögliches. auf die Tatsache. Und nun erklären sich auch die Schwierigkeiten von Derridas Sprachduktus. mit ständigen Vorbehalten und Korrekturen versieht. das auf die reale gesellschaftliche Praxis verweist. und jedes fertige Buch zur Täuschung darüber erklärt. Bei Derrida gibt es derlei realhistorische Verhältnisse nicht. daß sie nämlich ihre konkrete Arbeit in der Form abstrakter Arbeit leisten. was er Dekonstruktion nennt. daß der Text oder das Schreiben anfangs. daß die Warenform eines Tisches. weil er die Formelemente verselbständigt. daß er bei allem. in Wirklichkeit etwas Hochvermitteltes und schwer Durchschaubares sind. So geht das in einem fort. was er schreibt. die er entfaltet. Was macht er zum Beispiel aus der Koexistenz von Gebrauchswert und Tauschwert im »Doppelcharakter der Ware«? Bei Marx ist damit ein Verhältnis von Inhalt und Form gemeint. der für das Simpelste von der Welt gehalten wird. immer den Eindruck hat. tanzen). als Konstrukt. was er sagt und schreibt. und schafft damit etwas. daß Derrida alles. als Unmittelbares zu affirmieren und gegen ihre Mitteilungsfunktion abzudichten. In dieser Verselbständigung besteht sein Verfahren. der einen wahrhaft zur Verzweiflung bringen kann. wer mehr will als den Realprozeß. eigenständiger Realität.Beim Blick auf Derridas dekonstruktive Anstrengungen hat man denn auch oftmals den Eindruck. Die Mitteilung gehört in den gesellschaftlichen Normalprozeß und versperrt jene Realisierung des Mehr. Wer etwa in einem Wort wie "Zukunft" durch die Trennung in »Zu-kunft« den selbständigen Zusammenhang eines Kommens findet. Wer konsequent versucht. der nicht nur alles mögliche Konkrete tut (auf der Bühne auftreten. auf die es die Dekonstruktion abgesehen hat. Aus der schon genannten Analogie zwischen warenförmigem und religiösem Fetisch zum Beispiel. diesen Zusammenhang aufs äußerste bedroht sehen. Vielleicht aber täuscht der Eindruck. in dem dann neben vielem anderen auch das Wiederkommen der Gespenster Platz hat. daß er weniger dekonstruiert als konstruiert oder daß das. in der Marx zu zeigen versucht. das Entdeckte mitzuteilen. daß er recht eigentlich etwas zusammenbaut. die für etwas Natürliches. und der Warenaustausch. auch diese Form wird bei Derrida zu unmittelbarer. sondern in seinem Holzkopf sogar wahrhaftig denken kann. bekommt etwas vom Sisyphus. schafft oder konstruiert. Normales in unheimlich Fremdes 92 . in die Marx an einer bestimmten Stelle seinen Gedanken faßt. das sich in den mit dieser Redeform ausgedrückten Inhalt nicht zurückverwandeln läßt. Bejahen und Jasagen in Verbindung gebracht. was er meint.und endlos darüber hinausgeht. die Metaphorik. die bei Marx strikt metaphorische Funktion hat. aus dem es kein Herauskommen gibt. das sprachliche Mittel der bildlichen Ausdrucksweise. als etwas. er werde nicht fertig. kopfstehen. Und kein Wunder. wo sie nur auftritt und bis in die einzelnen Wortteile hinein. Derrida baut die vorgefundenen Metaphern zu einem Verweisungszusammenhang auf.

Wien 1985. weil sie mit ihresgleichen leben. mit den Gespenstern zu leben« (13. auch diese Gespenstigkeit schon im Marxschen Text zu finden. immer wieder vergeblichen Mühen? Warum der beständig erneuerte Versuch.verwandeln. daß die Warenform den Menschen die Gesellschaftlichkeit 4 Philosophien. daß das Gespenstige sich geändert hat. 269 / 257-59. Sie sind die abstrakten Schemen. die Derrida zu retten unternimmt. Derrida nennt ihn Warten. die wie Bühnenfiguren erscheinen. daß er keine Anstrengung scheut. weil er Marx' Gespenster vor ihm selbst. sich nicht verflüchtigen lassen. auf. weil er etwas anderes darunter versteht. das historisch Produzierte als »Artefakt« zu nehmen. die Metapher vor dem normalsprachlichen Reduktionismus zu bewahren. er muß. daß man sie in den allermeisten Fällen überhaupt nicht mehr wahrnimmt? Warum der obsessive Wunsch. »alles wieder-beginnen« (278/276). ohne ein eigenes körperliches Leben zu besitzen. daß die Marxschen Gespenster. formuliert Derrida fast nebenbei: daß alle Gesellschaftswesen per se zum Gespensterdasein verurteilt sind. Daher das Leitthema des Marx-Buches: Wer »endlich leben lernen (möchte) «. in dem sie 'bloß' Metapher. Für Derrida ist es eine Selbstverständlichkeit. wie Derrida selbst formuliert. an dem nur die »Maserung« interessiert? 4 Wenn Derrida die von Marx gebrauchten Metaphern in ihrer Unmittelbarkeit zu retten unternimmt. kommen und gehen. 60. Lyotard u. Rufen. Begehren. ganz anders als Marx. die Gespenster so lieb und teuer sind. 15 / 9. Ankündigen. daß sie eine ganz eigene unauflösliche. weil die dem gesellschaftlichen Bedürfnis (und dem Gebrauch) immanente Äquivalenz aus den Lebewesen bloße Geister.). 10f. eher seine eigenen Gespenster sind. Derrida. Die Affirmation einer von realer Existenz abstrahierenden gesellschaftlichen Existenz verspricht also einen subjektiven Spielraum neuer Art.. Denn was Marx nicht im Traum eingefallen wäre. Verheißen. die Menschen selber.und abtreten. eine Selbstverständlichkeit. Mittel für anderes ist und so sehr verschwindet. obgleich sie 'nur' Erscheinungen sind. Wenn ihm.wie Tote umherspuken und sich als sinnliche Erscheinungen des Übersinnlichen präsentieren. Ganz im Sinne des dekonstruktivistischen Projekts wirft dieses Leben mit der Unheimlichkeit des Lebens einen Gewinn ab. Für Marx ist es. also wieder und wieder einen Anfang machen. muß »lernen. um sie immer wieder lebendig werden zu lassen. einfach deswegen. vor dem Reduktionismus seiner Kritik retten will.mit ihrer Gebrauchsorientierung . 268).a. dann allein deshalb. wie sein dekonstruktiver Leser feststellt. Freilich meint er. die mit ihren abstrakt gleichen Bedürfnissen . der immer schon der zweite ist. Von Marx ist Derrida durch mehr als hundert Jahre und eine unübersehbare Entwicklung der kapitalistischen Gesellschaft getrennt. Wenn es dort nämlich heiße. die Waren. daß Gespenster sich auflösen. materielle Festigkeit besitzen. Lévinas. muß die »Vergespenstigung« als Form seiner gesellschaftlichen Existenz affirmieren. * Und warum nun diese ganzen. Gespräche mit Foucault. S. dann deshalb. weil es mehr ist als leben. sich verflüchtigen lassen (259-61. Der Unterschied muß also darin liegen. messianisches Zögern oder auch Überleben respektive Über-leben. Gespenstig sind bei Marx die »gesellschaftlichen Dinge«. daß Gespenster sich nicht auflösen. 93 . Verkörperungen von Geist macht. gespenstig sind bei Derrida die Gesellschaftswesen.

daß es eine Gesellschaftlichkeit gibt. dann läßt er sich problemlos als »Verkehr . er weiß. die Waren seien Spiegel. sondern allein daran. Daß Derrida bei Marx die Menschen als Gespenster vorfinden kann. mit Blindheit schlagenden Form nicht sehen.. fern aller Reproduktionstätigkeit besteht es in Freundschaft. Derridas Vertrauen in die Lebendigkeit der heutigen Gespenster kann er damit gar nicht erschüttern. was ihn so esoterisch und auratisch macht.also gespenstige gesellschaftliche Existenz und das heißt eine unüberbrückbare Kluft zwischen dem einzelnen und dem Gesellschaftswesen. daß die Menschen in den Warencharakteren das Spiegelbild ihres Tuns nicht erkennen. die nicht mehr das privatistische Anhängsel. in der seine Gespenster bestens aufgehoben sind. besonders willkürlich mit dem Text umspringt und aus der Marxschen Feststellung. erwachsen muß. Derrida zweifelt keinen Augenblick. Die Gespensterwelt. mit der Marx auf dem damaligen 94 . zu essen geben. willkommen heißen oder Besuch empfangen. Ist gesellschaftlicher Zusammenhang nämlich nichts als ein »Verkehr der Personen ohne Verkehr der Sachen (commerce sans commerce) «. das Derrida der von ihm diagnostizierten gesellschaftlichen Abstraktion abzuringen sucht. das er ist. den Stempel der Entmaterialisierung. daß Derrida sie so sieht. charakterisiert! Vielleicht ist es kein Zufall. Es zeigt sich nämlich.). Nur im Blick auf die vielen Konsumenten kann Derrida der Gedanke kommen. Und das tut er. die Aussage macht. Gastfreundschaft. Nur in der Gleichsetzung von Konsumtion und Gesellschaftlichkeit kann er Gesellschaft ohne die menschliche Reproduktionstätigkeit denken und gesellschaftliches Leben als etwas prinzipiell Fremdes. daß auch wir uns beim Nachdenken über die Gesellschaft mit einer Festigkeit der Erscheinungswelt herumschlagen müssen. daß Derrida hier. die es zu Marx' Zeiten so noch gar nicht gab. Diese Erfahrung macht er tagtäglich in einer Konsumtionssphäre. Er weiß schließlich mehr als Marx. daß sie dort so dargestellt werden. die Menschen aber ihr Spiegelbild in dieser »die Augen blendenden« 108). als der bloß gesellige und nicht etwa geschäftliche Umgang der Konsumenten. als unseren Zeitgenossen erkennen. * Sobald wir Derrida. mitsamt allem. der Gespenster« beschreiben (15/11). Mag Marx daher vom möglichen Ende des Warenspuks überzeugt sein. das ist für Marx noch das scheinbar unmittelbare gesellschaftliche Verhältnis der Arbeitsprodukte. in denen das leiblich sichtbare Bild der Menschen nicht erscheint (247f. Folgerichtig trägt auch das gesellschaftliche Leben. das heißt als Wesen. als das Andere des Lebens betrachten. sondern gesellschaftlich nützlicher Teil des Verwertungsprozesses geworden ist und eine Schlüsselrolle bei der Lösung des Problems der Mehrwertrealisierung erhalten hat. die kein Spiegelbild haben.zum Verschwinden zu bringen sucht. einladen. rückt seine Philosophie uns verflixt nahe. daß seine Gespenster gegen diesen Versuch der Reduktion gefeit sind. für Derrida hingegen das scheinbar unmittelbare gesellschaftliche Verhältnis der die Produkte konsumierenden Menschen./245f. und wir sind mit ihr plötzlich mitten in den Schwierigkeiten der heutigen Gesellschaftstheorie. so würden sie damit als Gespenster.. liegt also nicht daran. daß aus der Gebrauchsorientierung der Menschen eine abstrakt gleiche . Soll Marx doch fetischistische Natur in die Gesellschaftlichkeit der Arbeit auflösen. weil er in seiner Gesellschaft eine andere oder doch veränderte Erscheinungssphäre vor Augen hat. wo er den Abstand zwischen sich und Marx .ihres eigenen Tuns als Naturform der Dinge »zurückspiegelt« (86).wiederum durch Verselbständigung der Metapher .

Die heutige Konsumtionssphäre ist ein gegenüber der gesellschaftlichen Produktion verselbständigter Bereich sozialen Handelns.der Eindruck einer unmittelbaren. Eine Anschauung von dem Problem bekommt man vielleicht in den vielen Werbespots. um die es eigentlich geht. hinter einer nur auf sich selbst bezogenen sozialen 'Aktivität' verschwindet. kann ein Lied davon singen. Macht. allemal Wirklichkeit und Gesellschaft genug ist. Diese Entwirklichung der Gesellschaft ist nicht nur ein Problem der Dekonstruktion. erweist sich. zahlt man einen hohen Preis: Auf einmal ist die Gesellschaft weg. als habe der Verkehr der Menschen nichts oder jedenfalls primär nichts mit den Sachen und den ökonomischen Zwecken zu tun. wenn nur eins draußen bleibt: die Ökonomie. Auch wenn ich nichts mit ihr am Hut habe und über handfeste gesellschaftliche Dinge wie Herrschafts-. daß das. Das »Come together« scheint Lichtjahre entfernt vom Verkaufstresen . Nationalitäten. die Zigarette gezückt oder die Bierpulle geöffnet oder das Parfümfläschchen vor die Augen des Zuschauers gerückt wird. daß sie die Konsumenten zusammenführt und ihren sozialen Zusammenhang stiftet . Dieses Soziale. wie bei anderen. in das alles. und das. Derrida und die Dekonstruktivisten sind nicht die einzigen Theoretiker. als geselliger Umgang und Verkehr der Gespenster oder. Die in unserer Gesellschaft entstandene Sphäre. . ist in der Theorie allgegenwärtig. was man zur Gesellschaft erklärt hat. der etwa. den Versuch gemacht hat. ganz zum Schluß. individuelle Verantwortlichkeit und Schuld. das der Theorie neue Vermittlungsprobleme stellt. rassistische. nicht auf sachlich-ökonomische Zwecke bezogenen Gesellschaftlichkeit wird dadurch nicht wieder ausgelöscht. Rassen. antisemitische oder sexistische Gewalt als autonomes. kommt dann gelegen. Rollen. wie bei Derrida. Verkleidungen. Kulturen oder auch in der Diskurstheorie. bis endlich.ganz zu schweigen von der Werkbank -: Menschen unter sich. Geschlechter. ein von den Problemen der Ökonomie scheinbar unabhängiges Soziales. Unweigerlich entsteht hier der Eindruck.Stand der kapitalistischen Entwicklung noch nicht zu tun hatte. die bei der Darstellung des gesellschaftlichen Zusammenhangs mit dieser Naturförmigkeit des Sozialen zu tun haben. Auch wenn nachträglich die Ware gezeigt und damit deutlich wird. kann ich allerhand Schwierigkeiten mit der Realität des Sozialen bekommen. alles hineindarf. daß die heutige Gesellschaftstheorie durchaus ohne die Ökonomie auskommt. von der Gesellschaft 95 . Jeder.diese Sphäre wird zum Paradigma des gesellschaftlichen Zusammenhangs überhaupt und zum Beweis dafür. was sich zwischen Tätern und Opfern abspielt.aber ohne was dahinter. Aber sobald man nur den unmittelbaren Personenzusammenhang für lebendig und wirklich erklärt und den Sachzusammenhang der Ökonomie als schattenhafte und tote Struktur wegschlägt.oder Unterdrückungsverhältnisse nachdenke. Jede Kategorie. in der die sachliche Vermittlung der sozialen Beziehung unsichtbar wird und das funktionale Tun. eine Gesellschaft von Menschen. Aber je mehr man dieses ausdrücklich aus dem Zusammenhang der gesellschaftlichen Produktion herauspräparierte soziale Handeln zu bestimmen versucht. Im anthropologischen. um nur ein Beispiel zu nennen. Dabei meint man doch sicher zu sein. das ganze Industrien am Leben erhält. die die Selbständigkeit des Sozialen gegenüber dem Prozeß der gesellschaftlichen Produktion affirmiert. von der Gesellschaftlichkeit der Arbeit unabhängiges soziales Handeln zu bestimmen. ethnologischen oder psychologischen Interesse ebenso wie im Pluralismus der Klassen. Parodien . desto mehr stößt man auf individuelles Handeln: individuelle Motive und Interessen. als bloßes Theater: als Masken. die nichts sind als sie selbst. wo hochlebendige Menschen sich eine Weile gemeinsam irgendeiner Freizeitaktivität hingeben.

bleibt ausgeschlossen und läßt sich nicht nachträglich wieder integrieren.konfrontiert ist und welchen Preis sie zahlt. Derridas Esoterik und Gespensterkult signalisieren freilich etwas. weil man Rassismus. wird man vor lauter Rassisten den Rassismus nicht sehen. der irreduziblen Erscheinungen. Ausschließen und Vermittlung widersprechen einander. das man ausgeschlossen hat. aus der sie entstanden ist. Sie signalisieren. mit welchen Vermittlungsproblemen die Gesellschaftstheorie . Deshalb ist auch die Dekonstruktion keine Vermittlung: Ihre Welt der Konstrukte. In einer Theorie des Rassismus zum Beispiel. Das Gesellschaftliche. daß sie irgendwie auch noch da ist. der sie hervorbringt.angesichts einer verselbständigten Sphäre sozialen Handelns . verdankt sich allein dem permanenten Ausschluß des gesellschaftlichen Prozesses. 96 . das der gängige. den Prozeß der Verselbständigung zu thematisieren und die gesellschaftliche Natur in die Entwicklung des Kapitalismus zu integrieren. wenn sie es unterläßt. die das rassistische Interesse nicht als gesellschaftliches faßt. Antisemitismus oder Sexismus von ihrer Funktion ablöst und auf unmittelbare soziale Beziehungen zwischen einzelnen reduziert. von aller Gespenstermetaphorik gereinigte und nüchtern mit »sozialen Konstrukten« befaßte Dekonstruktivismus nicht mehr zu erkennen gibt.aber (ob man sie nun Kapitalismus nennt oder nicht) weiß man eigentlich nur.

Deshalb wird sie hier als weiterreichende verteidigt. Derrida . 3 4 97 . Deleuze. Les styles de Nietzsche. was Ökonomie sei. geheime Verwandtschaften zwischen Kritischer Theorie und poststrukturalistischem Denken aufzuspüren. 17. hält die Kritische Theorie Adornos fest. in: Ders. Heinz Kimmerle. gleichsam zur Einführung in »die Stile Derridas« 4 . Jacques Derrida. Die Struktur. und über Geschichte. das ist die bürgerliche Gesellschaft als freie Konkurrenz. Mit dem traditionellen Marxismus teilt der Poststrukturalismus den Umschlag von Kritik in Affirmation. Heidegger. Lehrmeister Nietzsche scheint hier Pate gestanden zu haben. Dies mag auf den ersten Blick so scheinen. daher was Gesellschaft ausmache. 441. Das Vorwort zur in diesem Band dokumentierten Vortragsreihe Kritische Theorie und Poststrukturalismus behauptet. Daß ausgerechnet Derrida. In welcher Form Derridas Gespenst in die Kritische Theorie geraten ist. das Zeichen und das Spiel im Diskurs der Wissenschaften vom Menschen. das heißt Ideologie. konterkariert die poststrukturalistische Seite durch Erkenntnisverzicht. nämlich den naiven Glauben. hat für einiges Erstaunen gesorgt. den Staat. Lyotard u. Ich werde versuchen zu zeigen. der Philosoph. München. Frankfurt 1976. Jacques Derrida. Seit allerdings Derrida hier eine Transgression vorgenommen hat. als Vertreter einer »Philosophie der Differenz« gehandelt wird 3 . S. dies lehrt die Dialektik der Aufklärung. Hamburg 1977. weil störend. 2 vol. Gewaltverhältnisse stehen wie im Anfang also auch am Ende. daß der Anspruch auf Wissenschaft und Wahrheit nicht aufgegeben werden kann und ebensowenig die Einsicht.Derrida. den Gegenstand Marx im Titel führt.. Deshalb wird hier. Esperons. bei dem auch die Poststrukturalisten in die Schule gegangen sind. Vgl. 17. Wien. 15. die Kritische Theorie und der Poststrukturalismus hätten einen gemeinsamen Ausgangspunkt.Kornelia Hafner Liquidation der Ökonomie oder ihre Kritik? Der weite Mantel Versuche. bleibt der verschämte Bezug auf Marx.Nietzsche. S. in: Nietzsche aujourdhui?. Jacques Derrida. Dessen methodische Schwäche.: Die Schrift und die Differenz. daß alles Wissen gesellschaftlich vermittelt und deshalb Moment verkehrter Verhältnisse ist. »das das Spiel bejaht« und »über den Menschen und den Humanismus hinausgelangen« 2 will und mit Foucault. Hamburg 1977. wie sich zeigt. als ihnen lieb sein kann. Positivität qua normalwissenschaftlichem Zugriff auf Realität gewinnen zu können. mit seiner Beschwörung dieses Gegenstandes als Gespenst begonnen. Zit. Paderborn. Jacques Derrida. Zürich 1988. Dies gilt für ihre Vorstellungen darüber. Den Widerspruch. Paris 1974. Habermas be1 2 Heinz Kimmerle. sind in jüngster Zeit von verschiedener Seite unternommen worden. Unter dem weiten Mantel der Kritik des identifizierenden Denkens 1 läßt sich Adorno gemeinsam mit Nietzsche. Ausgeklammert. S. nämlich die Kritik am traditionellen Marxismus. daher auch für ihre Vorstellungen über das Politische. Marx. wird in der Folge untersucht: Nämlich zunächst gar nicht.a. das ist die Ökomomie. daß beide mit diesem Gegenstand ihrer Kritik mehr gemein haben. wie heimlich auch immer. scheint der allseitigen Vereinnahmung nichts mehr entgegenzustehen. Foucault und Derrida anscheinend bequem unterbringen. nach Ernst Behler. und diese ist verschwunden. S. an dem Adorno. festhält. der sich zu einem Denken bekennt. Nietzsche .

wenn er die Leugnung des Unterschiedes von Wesen und Erscheinung (Nietzsche). Frankfurt 1995. Derrida möchte Marx integrieren in seine Galerie väterlicher Hausgespenster. i. die Differenz zwischen beiden zu erfassen.« 5 Ich stimme Monika Noll zu.) Man sollte sich nicht beeilen. Der weite Mantel ist zerissen. 274 (Hervorh. was sich nicht denken läßt (Heidegger). daß es magische Kräfte habe. Adorno argumentiert gegn diese Position. S. Daß Adorno die Warenform als zentrale Verkehrung festhält. 98 . Theorie in der Illegalität oder: »der unheimliche Marx« „Marx . das der übermächtigenden Macht leitmotivisch. den Jacques Derrida 1993 in Kalifornien gehalten hat. so wie sich die bürgerliche Ökonomie auf der Ebene der einfachen Warenzirkulation darstellt.). wie er es sein ganzes Leben lang war (. Es gibt keine Gemeinsamkeit zwischen der Position der Ideologie und der der Ideologiekritik. Voraussetzung. Allerdings bleibt dabei das Motiv des geldheckenden Geldes oder. vorgeblich wegen „totalisierender“ Kritik. nicht der Verzicht auf diese. Diese jedoch war Anliegen und Programm.der Unheimliche“ so hätte der Untertitel des Vortrags lauten können. sind ihm Wesen und Schein einerlei.O. nämlich Erkenntniskritik. was immer aufs selbe hinauszulaufen droht... der die verkehrten Formen nurmehr als Reproduktion gereinigter Gewaltverhältnisse und ihrer geistigen Entsprechungen erscheinen ließ. So können sie ihr Wechselspiel unendlich weiter treiben. nicht auch ihn. warum. Er glaubt. aber es ist eher die Kritik. von der Ökonomie gereinigt. Kongenial zu Derrida argumentiert Hartmut Böhme in seinem Aufsatz Das Fetischismus-Konzept von Marx und sein Kontext. reine Konkurrenz und reine Mechanik. ist ein Begriff von Erkenntnis.und Antimarxisten unter dem Titel Marx’ Gespenster auf Deutsch erschienen ist. den illegalen Einwanderer mit einem Aufenthaltsverbot zu belegen oder. »Marx ist bei uns immer noch ein Einwanderer. von dem man glaubt. die ihn stört. Ihn zu assimilieren. die Liquidierung des Moments der Objektivität am Begriff (Husserl) und die Verabsolutierung dessen. nämlich die an kapitalistischer Vergesellschaftung. als Ding. S. Freud und Heidegger. den Begriff des Unheimlichen explizit zum Thema 5 6 Jacques Derrida. in: Berliner Debatte INITIAL 8. damit man aufhören kann. Ihn durch Einbürgerung neutralisieren. Derrida bleibt nicht bei der Warenanalyse stehen. der „totalen Ideologie“ zuschlägt. aber immer noch illegal. sich mit ihm angst zu machen. 6 Wir verstehen. 1/2. 1977. aber deswegen sollte man ihn nicht an die Grenze zurückbringen. wenn die Kritik nicht weiterdringt. Er läßt unbekümmert die Begriffe auf der Marxschen Gespensterbühne auftreten und wieder abtreten. um mit dieser Position zugleich die beiden anderen Positionen abzuweisen. 8-23. Marx’ Gespenster. daß Derrida sehr wohl verstanden wird. Er gehört nicht zur Familie. kennzeichnet seine Position als eine bürgerlicher Ökonomie und zugleich als eine der Kritik. Doch da er in der Nachfolge Nietzsches mit der wahren Welt auch die Scheinbare abgeschafft hat. von denen zwei.merkt solches. Allerdings führte die Vorstellung von der »Liquidation der Ökonomie« in einen Zirkel. worüber er nicht sprechen will und wir haben vielleicht eine Ahnung davon. nicht noch einmal. Er vergißt dabei. daß nicht alle Formen des Kapitalverhältnisses sich als Fetisch präsentieren. ihn zu domestizieren. ein ruhmreicher. wenn sie schreibt. geheiligter Einwanderer zwar. frei nach Blumenberg den „Fetisch“ bei Marx eine »absolute Metapher« nennen zu können. und der inzwischen zur launigen Unterhaltung aller Noch. verflucht.

O. mit denen im Bunde zu stehen sie sich von vorneherein für verdächtig hielten. Jacques Derrida. wohl aber hat man noch Angst vor gewissen Nicht-Marxisten. ist bezeugt. Berichtet wird. jedoch »in einer Art. daß sie die Ordnung der geltend gemachten begrifflichen Unterscheidungen dauerhaft und mehr oder weniger unterirdisch erschüttert. die implizit oder explizit daran anschließt. verhalte es sich mit der »Marxschen Spektrologie«.a. 132ff. 10 Derrida ruft den Beistand des Gespensts an gegen den evangelianischen Geist Fukuyamas und entsprechender „christlicher Apologeten“. die »jeden Blick auf die Geschichte überflüssig« macht. Hier der Bezug auf Martin Heidegger: Der Spruch des Anaximander. Frankfurt am Main 1950. jene Geister zu beschwören. das tausendjährige Reich des Kapitalismus als beste aller Welten ausgerufen haben.oder Para-’Marxisten’. ebenso. »gegen Impulse der Kritik einfach immun« bleibt und statt dessen Metaphern in ihrer Unmittelbarkeit zu selbständigem Leben erweckt. a.a. S. a. Jacques Derrida. daß man nach ihrem Tode heftige Exorzismen vorgenommen hat. 274. S. A. was hat es geantwortet? Haben sie es überhaupt befragt? Daß man Angst hatte vor diesen „Krypomarxisten“. in: Holzwege.O. der gegenüber dem Erben die Verfügung ausspricht. Daß dieses »sich Einrichten im metaphorischen tête à tête mit Geistern« nur möglich ist. Frankfurt 1995... S.O. es befragen. a.O. Die »scholars« sollen zu ihm reden. Was haben die „scholars“ Horkheimer und Adorno das Gespenst Marx gefragt.gemacht haben. 7ff. die bereit wären. Einen Zeugen findet er in Benjamins Rede von der »schwachen messianischen Kraft« als geheimer Verbindung zwischen den gewesenen Geschlechtern und den lebenden.. Derrida beschwört Marx als Geist von Hamlets Vater. siehe Jacques Derrida: Marx’ Gespenster. dieses Gespenst. in entsprechenden mitteilungsfeindlichen Strategien der Textproduktion lasse sich ein Zeitsymptom erkennen. angesichts der aus den »Fugen (out of joint)« 8 geratenen Zeit. Der Name durfte nicht ausgesprochen werden. wenn man die Textintention für uninteressant erklärt. die zu demaskieren die verängstigten Experten des Antikommunismus nicht geübt genug wären. Berlin 1990. In beiden Diskursen ermögliche diese Bezugnahme grundlegende Entwürfe und Argumentationslinien. Der Satz des Hamlet findet sich auch schon bei Gilles Deleuze am Anfang seiner Arbeit über die kritische Philosophie Kants im Zusammenhang mit dem Problem des Zeitbegriffs. daß sie an dieser Angst Anteil hatten. die auf das Marxsche Erbe nicht verzichtet haben. das zu tun. 86 9 10 11 99 . »Vielleicht hat man keine Angst mehr vor den Marxisten. wie Marcello im Hamlet. die als den endgültigen Sieg über den ewigen Widersacher Gottes. 326-327. daß man sie für Wiedergänger in der Maske hielt. die Ablösung zu übernehmen. Ebenso müßte sie die Ethik und Politik erschüttern. S. mit Bindestrichen oder in Anführungszeichen. Sie fürchteten in der Tat. 9 Er „verschwört“ sich mit diesem Gespenst (Spektre) gegen den Neoliberalismus und listet säuberlich die zehn großen Plagen der Menschheit auf. was ihm die Pflicht auferlegt. S. Kants kritische Philosophie (Paris 1963). 94ff. 7 8 Jacques Derrida.a. Pseudo.. In der Tat kann man versucht sein zu glauben.« 7 Genau so. die diesen begleiten. womit er ihn dann endgültig in der Falle des Messianischen einfangen zu können meint. die Geisterbeschwörung fortzusetzen. S. Gilles Deleuze.« 11 Man bekommt Lust. hat Monika Noll in diesem Sammelband gezeigt. Krypto-marxisten. Theorien in »unauflöslicher Gleichzeitigkeit« miteinander verkuppelt.a. 46ff. S. nur sein Pseudonym: Kritische Theorie. behauptet Derrida.

hier S. denen es um die Reintegration in die „Familie“ geht. oder: vom Kampf für den Sozialismus zur Liquidation der Ökonomie Greifen wir aus der Vielzahl der zur Kritischen Theorie inzwischen veröffentlichten Sekundärliteratur eine schlichte Einführungsschrift heraus. Dämmerung.a. Nun geht es darum zu erklären.« 15 Entgegen den nicht nur empirisch genaueren und theoretisch stimmigeren Forschungen von Franz Neumann zum nationalsozialistischen Staat 16 insistiert Pollock und in 12 Christoph Türcke/Gerhard Bolte. Gesammelte Schriften. 1941. also weder zu jenen gehören. 342 „Skepsis und Moral“. S.O.18. Hg. 373 ff. Notizen in Deutschland. Adornos Verhältnis zur Ökonomie. 2. 251ff. Darmstadt 1995. nach Christoph Türcke/Gerhard Bolte. Zitat nach Max Horkheimer... und zum sozialdemokratischen Reformismus.. warum dieser Weg beschritten wurde. 14 Dieser glaubt zunächst. Rolf Johannes. Frankfurt am Main 1987. Frankfurt am Main 1974. S. 41-68. Für die Ökonomie war Pollock zuständig. Vgl. S. Zitate nach Max Horkheimer. daß sie eine relativ nahestehende Position vertreten. Frankfurt am Main 1987.. Kommandowirtschaft und Zwangsarbeit seien hier erfolgreich implantiert worden. 440. 45. der diesen Ausgangspunkt festhält. 17f. Neumann vertritt die Position. Adornos. die die endgültige Ausweisung betreiben. S. 281ff. und hier können inzwischen einige Erkenntnisse für gesichert gelten: Mit Hilferding und Lenin ging man davon aus. Gerhard Schweppenhäuser. muß der Weg der Kritischen Theorie dann als einer erscheinen. Darmstadt 1994. S. 9.).O. S. »Die Kommando-Wirtschaft ist in der Lage. von deren Autoren man annehmen könnte.Der Weg der Wiedergänger. S. 2. bei gleichzeitig freier Entfaltung privatkapitalistischer Ökonomie. Jg.« 13 Dem Blick. kumulativen Zerstörungsprozessen und Brachlegung von Kapital und Arbeit auszuschalten. noch um solche. Is a National Socialism a new order? ZfS. Dämmerung. Christoph Türcke und Gerhard Bolte markieren als Ausgangspunkt Horkheimers Reflexionen zur Ohnmacht der deutschen Arbeiterklasse mit der Konsequenz doppelter Distanz: zum Kommunismus. dessen politische Praxis sich in vielfach »erfolglosen Befehlen und moralischer Zurechtweisung der Ungehorsamen und Treulosen« erschöpft habe. S. Notizen in Deutschland. teilweise dysfunktionalen Oligopols konkurrierender Institutionen und Machtgruppen. Staatliche Kontrolle habe die Eigendynamik der Wirtschaft abgelöst. daß qua planstaatlicher Modelle eine sozialistische Ökonomie zu konzipieren sei. 52ff. Gesammelte Schriften. F. Vgl. dank Ausschaltung der Gewerkschaften und Staatsaufträgen und gerade unter den Bedingungen der von den „Wirtschaftsführern“ schon vor der Implementierung der Regierung Hitler 13 14 15 16 100 . auch: Ders. der sich weit von diesem Punkt entfernt. Pollock. zit. Nach der Enttäuschung angesichts der Nachrichten aus der Sowjetunion projiziert er ein verwandtes Konzept in umgekehrter Bewertung auf das nationalsozialistische Deutschland: „Staatskapitalismus“. der »das Wissen um die Unmöglichkeit einer wirksamen Verbesserung der menschlichen Verhältnisse auf kapitalistischem Boden verloren« habe. zugunsten eines unübersichtlichen. Das ausgesparte Zentrum. Einführung in die KritischeTheorie.. a. Christoph Türcke/Gerhard Bolte. a.a.. Frankfurt am Main 1974. 12 Für den Horkheimer der Zeit vor der Emigration sei jedoch selbstverständlich gewesen: »daß man um den Sozialismus kämpfen muß. daß man sich im Monopolkapitalismus als höchstem und letztem Stadium des Kapitalismus befinde. Bd. Bd. daß der „NS-Staat“ die Auflösung eines Staates im klassischen Sinne bedeutet. die ökonomischen Ursachen von Depressionen. so daß Wertgesetz und Akkumulationsgesetz ausgehebelt seien. Vgl. Ökonomische Probleme im herkömmlichen Sinne wird es nicht mehr geben (. auch: Ders. in: Soziologie im Spätkapitalismus: Zur Gesellschaftstheorie Theodor W. S.

a. Reflexionen zu Klassentheorie. Hier gehen Christoph Türcke und Gerhard Bolte zurecht auf Distanz: »Wenn Adorno als ökonomisch nur noch gelten lassen will. Spätkapitalismus oder Industriegesellschaft. n. 381.a. in dem dieser die Frage wiederaufnimmt.O.a.O.a.O. Theodor W.. Adorno.O. Vgl. S. S.« Max Horkheimer. a. 385. Adorno. S.O. in: Theodor W.. 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 101 . Christoph Türcke/Gerhard Bolte. Th. (Hervorhebung K.O. Reflexionen zu Klassentheorie.. wie sie Grossmann vertreten hat.H. Christoph Türcke/Gerhard Bolte.a. Christoph Türcke und Gerhard Bolte betonen daher zurecht. Frankfurt am Main 1987. 64. 332. W. noch Geltung haben könne. S. Frankfurt am Main 1997. ob das Gesetz vom tendenziellen Fall der Profitrate im Sinne seiner Deutung als Zusammenbruchsgesetz. »Nicht einbrechende Gangster haben in Deutschland die Herrschaft über die Gesellschaft sich angemaßt. so referiert Johannes die Adornosche Position von 1968. 19 Jedoch weist uns diese Zentrierung geradewegs auf das.seinem Gefolge Horkheimer und auch Adorno auf der Vorstellung vom Sieg eines Primats der Politik. zit. Spätkapitalismus und Industriegesellschaft. S. W. Darmstadt 1998. S. sondern schlicht hinfällig. 25 Verwiesen wird auf die Passagen im Einleitungsvortrag Adornos auf dem Soziologentag 1968. so sei die Mehrwerttheorie nicht nur affiziert.. referiert nach Theodor W. 46. marktvermittelten Ökonomie für die Realität einer bestimmten historischen Phase. Soziologische Schriften I. mit einer Mikrophysik der Macht anzuknüpfen.O.. A. S. wie Horkheimer dieses „Machtmotiv“ in seiner Theorie der „Rackets“ weiterentwickelt 18 und sich dabei in die Nähe von Denkfiguren Friedrich Nietzsches und Carl Schmitts bewegt: „Gewalt setzt Recht“. Wenn sich herausstelle. 5. Ein Partialphänomen sei hier überbetont worden. S. 57..) Rolf Johannes. A. 51. a. Diesen Schein hat die Marxsche Kritik aufgelöst.« 24 Rolf Johannes hat in seinem Aufsatz zum „ausgesparten Zentrum“ der Kritischen Theorie Adornos ähnlich argumentiert. Th.. in der freie Konkurrenz einer Vielzahl individueller Wirtschaftssubjekte vorherrschte. ders. dann nimmt er den Schein einer geschlossenen. Gesammelte Schriften Bd. Im Spätkapitalismus übernehme eine racketähnliche Machtclique die Kontrolle der Produktion und die Verteilung des Profits und lenke die Gesellschaft durch Terror und Gratifikationen.a. 26 initiierten „Zwangsverbänden“. Dabei nähert er sich Neumanns Position wieder von anderer Seite. Vernunft und Selbsterhaltung. was zum ‘ungestörten autonomen Ablauf des Wirtschaftsmechanismus’ 23 gehört. S. Seine Thesen sind durch die neuere Forschung (Broszat) weitgehend bestätigt worden. als gegen besseres Wissen 22 unterstellt wird. Adorno. Adorno. 53. es habe eine Phase kapitalistischer Ökonomie gegeben. Spätkapitalismus oder Industriegesellschaft. S.. daß hier das Machtmotiv das Profitmotiv ersetzt habe.. Beide sind insofern miteinander verknüpft. in: Ders.a. daß sich das tendenzielle Verschwinden des Mehrwerts mit dem Fortbestand kapitalistischer Reproduktion vertrage. sondern die gesellschaftliche Herrschaft geht aus ihrem eigenen ökonomischen Prinzip heraus in die Gangsterherrschaft über. Christoph Türcke und Gerhard Bolte sind vorsichtig mit ihrer Kritik. 359. wie er von den Nationalsozialisten stets propagiert wurde. 367f. Adorno. a. Christoph Türcke/Gerhard Bolte. a. 17 Kritisch verfolgen sie. was nunmehr die Gesellschaftstheorie Horkheimers und Adornos kennzeichnen wird: die These vom Faschismus als Wahrheit der modernen Gesellschaft 20 und die These (Adornos) von der »Liquidation der Ökonomie« 21 . Gesammelte Werke Band 8. a. Das ausgesparte Zentrum ... Hier könnte man in der Tat versucht sein.

Marx hatte es insofern leichter. durch den Umfang des technischen Fortschritts. entsprochen habe.). die zweifeln lassen. Den Nichtökonomen will es bedünken. mit ihr ginge eine Rückbildung der Gesellschaft und des Denkens über sie einher. nicht allein der sterile Dogmatismus ihrer Anhänger. Unterdessen ist die Marktökonomie so durchlöchert. wie das Verhältnis von „objektiver Werttheorie“ zu den Marxschen „dynamischen Kategorien“ und „bestimmter Negation“ zu verstehen ist.) an der „subjektiven Ökonomie“ und behauptet.Weil Adorno seine Position zum ausgesparten Zentrum Ökonomie hier sehr deutlich werden läßt und damit die Möglichkeit gibt. Der gegenwärtige Mangel an einer objektiven Werttheorie ist nicht nur vom Ansatz der akademisch heute fast allein akzeptierten Schulökonomie bedingt.O. aus der seinem Begriff nach allein der Mehrwert fließt. sondern Ausdruck zwangshafter Resignation. folgt zwar aus der deduziblen Dynamik des Systems ist aber zugleich eine zu objektiver Irrationalität hin. dürfte erklären helfen. Anm.a. diesem habe er „nur“ seine eigenen dynamischen Kategorien gegenüberstellen müssen. die Bildung von Klassen ohne Mehrwerttheorie objektiv zu begründen. die Mehrwerttheorie affiziert. Denkbar. Die Perspektive.H. daß sie jeglicher solcher Konfrontation spottet. um in »bestimmter Negation des ihm vorgegebenen theoretischen Systems eine ihrerseits systemähnliche Theorie hervorzubringen«. der Anteil der lebendigen Arbeit. Entscheidend dafür. Mandel u.) 102 . daß auch die sogenannten neomarxistischen Theorien ihre Lücken in der Behandlung der konstitutiven Probleme mit Brocken aus der subjektiven Ökonomie zuzustopfen versuchen. Jhs. Verantwortlich dafür ist gewiß nicht allein die Schwächung des theoretischen Vermögens.a. um in bestimmter Negation des ihm vorgegebenen theoretischen Systems eine ihrerseits systemähnliche Theorie hervorzubringen. Marx habe es leichter gehabt. als was für eine Art kritischer Theorie die Marxsche Kritik der politischen Ökonomie gedacht ist. ist hier die Frage.. als ihm in der Wissenschaft das durchgebildete System des Liberalismus vorlag. Adorno behauptet auch. ob hier die Position der Dogmatik nur präsentiert oder geteilt wird: »Eine dialektische Theorie der Ge27 A. K. S. Gillman. warum es längst zu keiner überzeugenden objektiven Gesellschaftstheorie mehr kam. (Hervorhebungen K. ob der Kapitalismus in seinen eigenen dynamischen Kategorien diesem Modell entspricht. Die Irrationalität der gegenwärtigen Gesellschaftsstruktur verhindert ihre rationale Entfaltung in der Theorie. Er kritisiert zurecht die Anleihen des Neomarxismus (Baran/Sweezy. so wird davon das Kernstück (der marxistischen Lehre. sein Verständnis von Marxscher Theorie und Ökonomie überhaupt zu durchleuchten. daß diese in der Marxschen Mehrwerttheorie vorgelegen habe und der gesellschaftlichen Realität des 19. da in der Wissenschaft das durchgebildete System des Liberalismus vorgelegen habe.H. daß die gegenwärtige Gesellschaft sich einer kohärenten Theorie entwindet. tendenziell bis zu seinem Grenzwert. Er brauchte nur zu fragen. Das. Parallel zur Rückbildung der Gesellschaft läuft eine des Denkens über sie. Er weist zurück auf die prohibitive Schwierigkeit. Unter diesem Aspekt wäre der Verzicht auf jene kein kritischer Fortschritt wissenschaftlichen Geistes. Er hält fest an seiner These von der Liquidierung der Ökonomie und verbindet diese mit der Behauptung. tatsächlich durch Industrialisierung. In der Tat finden sich Aussagen. daß die Lenkung der ökonomischen Prozesse an die politische Macht übergeht.359f.« 27 Adorno geht hier vom Desiderat einer objektiven Werttheorie aus und unterstellt. soll besagte Textstelle aus dem Aufsatz Spätkapitalismus oder Industriegesellschaft genauer betrachtet werden: »Sinkt aber.

Die traditionelle Vorstellung. Machtontologie und »hemmungslose Vernunftskepsis« Michael Koltan 29 präsentiert eine spezifische Lesart der Dialektik der Aufklärung. daß Adorno den Theorietypus. dann gelangt man in der Tat mit Koltan zu der Gleichung: Triebverzicht = Opfer = Tausch = Technik = Erkenntnis = Macht.O. Odysseus als Beispiel für »Selbstbeherrschung«. der dort im Unterschied zu Marx als grundlegendes Prinzip im aristotelischen Sinne gebraucht sei. denen der Verzicht technisch aufgeherrscht wird und zuletzt die Behauptung einer paradigmatischen Bedeutung der gesamten Konstruktion für das »bürgerliche Subjekt«. Gesetz der Akkumulation. Grundlage scheint eine Freudrezeption. Horkheimer und Adorno lokalisierten in jenem vielrezitierten Exemplum vom Odysseus die Konstitution des bürgerlichen Subjektes im Übergang vom Opfer zum Tausch.. daß nur das von den Trübungen der Leidenschaften gereinigte Bewußtsein die VIA ABSTRACTIONIS der Erkenntnis beschreiten könne. 103 . Rationalität als Machtgewinn über andere. Adorno gegen seine Liebhaber verteidigt.H. Einheit in der Form bedingungsloser Unterwerfung und gleichzeitige Heiligung dieses Aktes. die mehr oder minder stringent aus historischen Konstituentien des Gesamtsystems folgen. Dies erinnert an die Studien von Marcel Mauss und Georges Bataille. Das Opfer jedoch impliziere bedingungslose »Kommunikation mit dem Absoluten«. »Selbstbeherr-schung« als Reinigung von den Trieben. 356 (Hervorhebungen K. Er will zeigen. wird über Neukantianismus und Weber säkularisiert und Freuds Unbehagen in der Kultur entsprechend zum Lohn des Opfers stilisiert. welche in Tauschhandlungen umschlage. Festzuhalten ist hier. Es empfiehlt sich. Es geht aber gar nicht primär um den „Tausch“ im Odysseus-Kapitel. Faßt man die Argumentation. die Glieder der Kette von Ineinssetzungen zu betrachten: Das Opfer als Vorform »rationalen Tauschs«. in diesem Band. Unter Strukturgesetzen versteht sie Tendenzen. Marxistische Modelle dafür waren Wertgesetz. was ihm als Spätkapitalismus gilt. welche die Fakten bedingen. Dies hat Konsequenzen für die nur mehr möglichen Formen von Kritik. Zusammenbruchsgesetz. den Gefährten die Ohren zu verschließen und ihnen zu befehlen.sellschaft geht auf Strukturgesetze. gegen Sprachduktus und Intention der Autoren. den er mit der Marxschen Theorie assoziiert. welche die Libidotheorie und die psychoanalytische Methode im Sinne angeleiteter Selbstreflexion individuellen (bürgerlichen) Bewußtseins als Folie nimmt. 31 Resümieren wir zunächst den Stand der Erkenntnis und der Verwirrung. die sich in ihnen manifestieren und von ihnen modifiziert werden. Tatsächlich werde der Begriff des Tauschs aus dem Begriff des Opfers entfaltet. der Triebaufschub als »Opfer«.« 28 Darauf ist weiter unten noch einzugehen. als »Prozeß der Liquidation der Ökonomie« zu kennzeichnen.a. Oder umgekehrt: Denn die Macht. 28 29 30 31 A. jetzt nicht mehr für möglich hält. in dem die „alte Herrschaft“ ihre bürgerliche Form in sich zurücknimmt. das. 30 Die Dialektik der Aufklärung begreife den Tausch als rationalisierte Form des Opfers. S.) Michael Koltan. Er hat sich offenbar mit Gründen entschieden. in denen dieses aufgehoben sei. daß die Marxsche Kritik der politischen Ökonomie überhaupt nicht konstitutiv in den Begriff des Tausches eingehe. definitorisch gleichsetzend zusammen. Gewinn von Rationalität als Technik des Verzichts.

skeptischer Einstellung durchgeführt werde. Bataille. die in Wirklichkeit die Untergebenen sind. der.a. Die Verschlingung von Mythos und Aufklärung. Lacan und Foucault. die die »Wurzeln des metaphysischen Denkens« ausgrabe. die Gefährten.und damit die Rücknahme einer Perspektive. 33 Er plaziert die Dialektik der Aufklärung in einem Argumentationszusammenhang. 3. Horkheimer und Adorno. psychologischen und historischen Methoden enthüllen möchte. Voraussetzung der Abstraktion. Foucault zu führen und zu den Aporien einer Machttheorie. Bd. Adorno. Das Ästhetische als Tor zum Dionysischen werde zum »Anderen der Vernunft« hypostasiert. ebenso wie die Erkenntnis: Macht und List (Betrug) verfügen über die Technik. Derrida. in: Ders. 34 Er verdanke seinen machttheoretisch entwickelten Begriff der Moderne einer demaskierenden Vernunftkritik. zugunsten einer. die Ineinssetzung dieser mit instrumenteller Rationalität.soweit diese im Mythos überhaupt erscheinen . die der Herr über den Beherrschten gewinnt. ausgehend von einem »Exkurs zum Veralten des Produktionsparadigmas«. S. Einerseits suggeriere er die Möglichkeit einer artistischen Weltbetrachtung..den Herrn zu fesseln. steht am Anfang. den Aufstand der reaktiven Kräfte und die Entstehung der subjektzentrierten Vernunft mit anthropologischen. 34 35 104 . der 32 33 Max Horkheimer und Theordor W. Bezweifelt wird die Aussagekraft des Exempels für die Herausbildung bürgerlicher Individualität. S. um uns in der Folge über die Dialektik der Aufklärung zu Heidegger. gründet in der Distanz zur Sache. Dann allerdings verliert der Tausch seinen Platz. Werke. den Stimmen der Verführung gar nicht erst auszusetzen und den Herren davor zu bewahren. Andererseits behaupte er die Möglichkeit einer Kritik der Metaphysik. findet Nachfolger in Bataille. Für Nietzsche. die auf historische Differenz zielte. 108. so Habermas. Aufl. 119. Nietzsche als Drehscheibe zum Eintritt in die Postmoderne figurieren läßt. Dies gibt Anlaß. Frankfurt am Main. daß er ihnen folgt: »Die Distanz des Subjekts zum Objekt.O. Nietzsche betreibe eine Ideologiekritik. Zwölf Vorlesungen. die Reduktion bürgerlicher Verhältnisse auf Herrschaftsverhältnisse im antiken Sinne . Dialektik der Aufklärung.O.« 32 Die Dialektik der Aufklärung stellt für die habermasianisierende ebenso wie für die linke Rezeption der Kritischen Theorie als der problematischste Text dar.. der im antiken Mythos die Wahrheit der Konstitution bürgerlicher Individualität und Rationalität ausgesprochen wähnt. a. die mit wissenschaftlichen Mitteln. S. S. Letzere kritisiert zurecht den »überhistorischen Zugriff«. der die Pervertierung des Willens zur Macht. die ihre eigenen Grundlagen angreife. sondern spitze es zu. aber in antimetaphysischer. 36. die dem Schein des Immergleichen aufsitze. in: Max Horkheimer. »ohne sich selbst als Philosophie aufzugeben«. Jürgen Habermas. Frankfurt am Main 1987. hier auf Habermas zu rekurrieren.. Dennoch negiere er nicht das moderne Zeitbewußtsein. »Der skeptische Wissenschaftler. Jürgen Habermas.a. * Jürgen Habermas widmet unter dem Titel »Die Verschlingung von Mythos und Aufklärung« der Kritik an Horkheimer und Adorno ein Kapitel in seinem Buch Der philosophische Diskurs der Moderne (1985). Der philosophische Diskurs der Moderne.. 35 Auf beiden Pfaden sei Nietzsches Kritik der Moderne fortgesetzt worden. sei die Moderne nur noch eine Epoche in einer weit ausgreifenden Geschichte der Rationalisierung. 5. die sich selbst außerhalb des Horizontes der Vernunft stelle. A. 130-158.

Erst wenn Wissenschaft. Neuwied 1962. 40 Verblüffend seien die Übereinstimmungen. 38 Nietzsche wird hier ins Zentrum der Wahrheit gerückt.a. a. Den Versuch des Aufweisens einer solchen unzulässigen Vermischung von Macht und Geltung mißversteht Habermas als das Anliegen der Marxschen Ideologiekritik.. die dazu führe. 145. sondern die Kritikposition.. d. Mandeville.allerdings mache erst dann einen Sinn. 147..und Herrschaftsimperative«.) A. wie man Kritik totalisiert.. S.« 42 Habermas faßt den Prozeß der Aufklärung mit Piaget als Dezentrierung des Weltbildes.O. daß die Sphäre der Geltungszusammenhänge intern differenziert werde unter den Gesichtspunkten von Wahrheit.. A. Jürgen Habermas. Zur Konstruktion der Dialektik der Aufklärung fänden sich Punkt für Punkt Entsprechungen bei Nietzsche: Ihrer Instinkte beraubt. Georg Lukács. könne der Verdacht entstehen. Max Horkheimer.a.h. die Adorno teilt. 120.a. (Hervorhebung K. benutzten die Menschen ihr Bewußtsein als Apparat der Vergegenständlichung und Verfügbarmachung der äußeren Natur.O.O. A. normativer Richtigkeit und subjektiver Wahrhaftigkeit. die Geltung einer Theorie sei Schein.eingeweihte Kritiker der Metaphysik. Der Rückgriff auf die Nietzscheanische Formel der „zweiten Aufklärung“ also das Doppelt-reflexiv-werden . nämlich von Georg Lukács. Moral und Kunst jeweils ihrer eigenen Logik folgten und von kosmologischen. Dialektik der Aufklärung. a. 41 Die Gemeinsamkeit geht Habermas zufolge noch über diese »Strukturanalogie« hinaus: »Nietzsche hatte vorgemacht.a. da sich in ihre Poren verschwiegene Interessen und Machtansprüche eingeschlichen hätten. die zu anderer Zeit und mit anderer Intention.O. Adorno. den Horkheimer und Adorno in ihrer Kritik der instrumentellen Vernunft 39 entwickelt hätten: »Hinter den Objektivitätsidealen und den Wahrheitsansprüchen des Positivismus. theologischen und kultischen Schlacken gereinigt seien. wenn die 36 37 38 39 40 41 42 43 44 A. wie sehr Habermas’ Verständnis der Ideologiekritik als Aufzeigen einer Verunreinigung der Geltung durch Herrschaft sich von dem Verständnis Adornos und Marx' unterscheidet. Hobbes. in Heidegger und Derrida. hier: de Sade und Nietzsche). S.H. S.a. Dies gehe einher mit einem Prozeß der Zähmung der alten Instinkte qua »Verinnerlichung« von Herrschaft. 43 Vor diesem Hintergrund will er den Marxschen Ideologiebegriff plazieren. Die Zerstörung der Vernunft. 140. Habermas konstatiert. S. Desozialisierung der Natur und Denaturalisierung der Menschenwelt.O. Deutlich wird. Gemeint ist hier nicht nur die Schrift Horkheimers von 1947 (Eclipse of Reason). Nietzsches Kritik der Erkenntnis und der Moral habe einen Gedanken vorweggenommen.. 44 Mit dieser Art Kritik werde Aufklärung zum ersten Mal reflexiv. hinter den asketischen Idealen und den Richtigkeitsansprüchen der universalistischen Moral verbergen sich Selbsterhaltungs. der ein Sonderwissen in Anspruch nimmt und die Entstehung der Subjektphilosophie bis in die vorsokratischen Anfänge hinein verfolgt. als Prozeß der Zerstörung der Vernunft 37 gefaßt wurde.a. S. 105 . Berühmt ist das Diktum Horkheimers und Adornos über die dunklen Schriftsteller des Bürgertums (Machiavelli. S. die nicht wie seine Apologeten die Konsequenzen der Aufklärung durch harmonistische Doktrinen abzubiegen getrachtet hätten. 146f.O.« 36 Die Plazierung von Adorno/Horkheimer zwischen Nietzsche und Heidegger ordnet diese in den Kontext einer Theorieentwicklung. Theodor W. Mit Weber denkt er ihn als Rationalisierung von Weltbildern.141f.

der sie nicht genügen können. indem sie den »performativen Widerspruch« einer totalisierenden Kritik. S.. die im Anschluß an Nietzsche das. er könne diese auch nur halten. S. a.O.Ideologiekritik selbst in den Verdacht gerate.« DA 36. das heißt ein Vorgehen. in einer Paradoxie verharre. Dies sei bei Horkheimer und Adorno der Fall gewesen.a. dem er sie zurechnet. wie Habermas meint. 45 Einen Ausweg aus der Verlegenheit einer Kritik.O.a. Habermas zitiert hier Adorno zum Begriff der bestimmten Negation 47 und kommentiert. Diese Auffassung vertritt Habermas nicht.a. 154 »Die bestimmte Negation verwirft die unvollkommenen Vorstellungen des Absoluten. 155. in der Tradition der Aufklärung entwickelte Repressionsmodell der Herrschaft von Marx und Freud »durch einen Pluralismus von Machtstrategien« ersetzen. das würde heißen. sich einer hemmungslosen Vernunftskepsis überlassen zu haben. Jener habe Zuflucht gesucht bei einer Theorie der Macht. aufeinander folgten«.. dem treu zu bleiben. daß die Differenzen zwischen allen an dieser Stelle verhandelten Autoren vor allem deren jeweiligem Begriff der Kritik geschuldet ist. Horkheimer und Adorno träfen eine andere Option. zit.« Jacques Derrida. daß er mit dem Pauschalurteil einer totalisierenden Selbstkritik der Vernunft Nietzsche. indem sie ihnen die Idee entgegenhält. brächten auch jene Theorien nicht. wenn mindestens plausibel zu machen sei. das ihm seine Macht entreißt und sie der Wahrheit zueignet.O.. »Sich weiter von einem gewissen Geist des Marxismus inspirieren zu lassen.a. weil »jene Fusion von Vernunft und Macht«. Sie lehrt aus seinen Zügen das Eingeständnis seiner Falschheit lesen. Adorno/Horkheimer und Derrida in einem treffen zu können glaubt. nach Jürgen Habermas. dem »unversöhnlichen Kampf der Mächte« überlasse. die sich aber »nicht unter Geltungsaspekten beurteilen« ließen. Mit dem Begriff der bestimmten Negation hat Hegel ein Element hervorgehoben. was konsequent sei. die die Kritik enthülle. S. keine Wahrheiten mehr zu produzieren. daß es »keinen Ausweg« 48 gebe. die »einander durchkreuzten. neben der Nietzscheanischen Philosophie. S. S. a. Für Habermas markiert die Dialektik der Aufklärung. eine zweite Variante der »auf sich selbst bezogenen totalisierenden Kritik«. Nietzsches „zweite Aufklärung“ mündete bekanntlich in die Figur der »großen Bejahung«. 153. als sei es die mythische. Derridas dekonstruktives Vorgehen soll Kritik radikalisieren 50 und dadurch »den Zugang zu einem affirmativen Denken des messianischen Versprechens eröff- 45 46 47 48 49 50 Jürgen Habermas. 106 . das bereit ist sich selbst zu kritisieren.a. Vielmehr wirft er Horkheimer und Adorno vor. Damit wird die Sprache mehr als bloßes Zeichensystem.O. wird von anderen unterschieden. S..O. denen einer »marxistischen Ontologie«. Dialektik offenbart vielmehr jedes Bild als Schrift. A. 143 Dieser Geist des Marxismus. A. der einen Geist der Aufklärung beerbe. offenhielten. 156. A.a. 49 Habermas schneidet sich für seine Argumentation die Positionen so zurecht. 46 Diese regressive Wendung stelle noch die Kräfte der Emanzipation in den Dienst der Gegenaufklärung. die die Voraussetzungen ihrer eigenen Geltung angreife. was aus dem Marxismus im Prinzip immer zuerst eine radikale Kritik gemacht hat. wer an einem Ort. nicht wie der Rigorismus. den die Philosophie einst mit ihren Letztbegründungen besetzt gehalten habe. die Welt. Demgegenüber soll der Rekurs auf Habermas hier verdeutlichen.. nehme nicht nur einen unbequeme Stellung ein. verknüpft mit der Geschichte der Apparate und der Strategien der Arbeiterbewegung..O. die sich gegen ihre eigenen Grundlagen wende. die es zu dekonstruieren gilt. a. das Aufklärung von dem positivistischen Zufall unterscheidet. die Götzen. 154f.

86. Eben der Kautsky-Hilferdingschen-Lenin-Lukàcsschen Tradition ist der Ansatz der Ineinsziehung von Ökonomietheorie des Kapitalismus als Tauschtheorie und Sozialismuskonzeption als „Überwindung der Anarchie des Marktes“ geschuldet. Studentenbewegte. Anhänger der Kritischen Theorie. gerät in eine »unbequeme Stellung«. Was im Rückblick deutlich zu sein scheint ist.O. universalistischer Moral und wissenschaftlichem Fortschritt. Christoph Türcke und Gerhard Bolte urteilen folgendermaßen: »Hier stieß nicht nur höchste Reflexion mit blinden Aktionismus zusammen. Derrida bezieht in diesem Sinne auch Position gegen den AntiMessianismus der Althusserianer wie gegen den Messianismus der Antimarxisten. obwohl sie doch behauptete. so attestiert ihr Habermas. die diesen aus guten Gründen unheimlich war. Sozialdemokraten. Mitmachen wollte ich nie.a. Strukturalisten und Poststrukturalisten mit den 51 52 53 54 55 Jacques Derrida. 145. berichtet Leo Löwental. daß das Gespenst Marx gründlich vertrieben war. das dann zum Gegenstand ernster Bemühungen um Denkformtheorien 54 wurde. Deutlich ist. Dies entspricht dem weitgehendsten Stand der Marx-Rezeption der Kritischen Theorie. Müller. in neukantianisch-Sohn-Rethelianischer Gestalt. Die Flaschen-post diesbezüglich. Habermas verteidigt gegen Adorno und Horkheimer jene Einheit von bürgerlicher Kultur. Lukács und Korsch. Diese Vorstellungen von der Marxschen Theorie teilen Kommunisten.76. nämlich die von Adorno im Exil so apostrohierte Dokumentation und Tradition der Gesellschaftskritik für spätere Generationen. Habermas selbst benutzt die Rede von Kritik im oberflächlichen Sinne der Normalwissenschaft.« 53 Das ist jedoch nur zum Teil zutreffend.O. Großmann. daß sie dem Zweck der Erarbeitung einer neuen „positiven“ Theorie kapitalistischer Gesellschaft diene.a. S.O. sondern auch die kritische Theorie mit sich selbst. sei mit einem Knall entkorkt worden.. daß deren Revolutionarismus die Frankfurter Professoren zutiefste erschreckte. 88. indem sie das Zwitterwesen der »Realabstraktion« in die Öffentlichkeit brachte. Für Nicht-Frankfurter: Die Marxisten-Leninisten inclusive dem Trotzkismus und den linken Sozialdemokraten auf der einen Seite und der Kritischen Theorie und den „Undogmatischen“ auf der anderen. a. daß bei aller Kritik an den LeninHilferdingschen Positionen die streitenden Parteien 55 Marx mehr oder weniger aus der Perspektive dieser Tradition 56 rezipiert hatten und deren Grundpositionen übernommen hatten: Marx wird primär als Ökonom verstanden. auch Rudolf W. Die ersten Beschwörungsversuche förderten dann auch wieder Lenin und Hilferding zutage. Normgeltung ist ihm Voraussetzung des Urteils. a. ihren eigenen Einsichten und Impulsen. 124ff. S. Gleichzeitig trug die Dialektik der Aufklärung ihre Früchte. 56 107 . daß der Kapitalismus die Tendenz zu seiner eigenen Aufhebung beinhalte. A. genau gegen das zu kämpfen. Vgl. zuletzt Luxemburg. Vgl. Interessanter ist es. wenn er die Marxsche Kritikstrategie als Versuch einer unzulässigen Vermischung von Macht und Geltung darzustellen versucht. Frankfurt am Main 1980. aus der inzwischen gewonnenen kleinen historischen Distanz die Theoriestränge zu verfolgen. S. die sich Wissenschaft jenseits von Traditioneller Theorie nicht denken kann. S.. nach Christoph Türcke/Gerhard Bolte. Geld und Geist. die hier aufeinandertrafen und weiterwirkten. was von den akademischen Lehrern der Kritik preisgegeben worden war. Frankfurt-New York 1977. 52 In der Auseinandersetzung mit der Studentenbewegung wurde deutlich. Von ihr erwartet wird der Nachweis. Anarchisten.a.nen.« 51 Die Kritische Theorie. Bahr und Bulthaup verfolgten in der Tradition der Kritischen Theorie die Wissenschaftskritik weiter. S. Dies zeigt sich nicht zuletzt dann. Leo Löwenthal.. Ökonomiekritik bei Marx wird so gedacht. die vielleicht mit ihr etwas anzufangen wüßten.

will sie sich als kritische Theorie verstehen. qua Subsumtion. sondern daß. nur wenig von dem entfernt sind. Sie ist nicht. wird technisch begriffen oder überhaupt nicht analysiert.h. als Produktion und Distribution. den Tausch. wie. kontingent. Ideologie im Marxschen Sinne ist. es aussparen muß. zu etablieren.über die Köpfe und damit endgültig die Herrschaft des Allgemeinen über das Besondere.oder spriralförmig oder postmodern bruchstückhaft.Greifens der Kritik bei Horkheimer und Adorno werde ich an ihrer Vorstellung vom Kapitalismus als Tauschgesellschaft erläutern. Die Hobbes’sche Konstruktion bleibt. 57 Mit der 57 Adorno stellt in seinem grundlegenden Artikel Gesellschaft von 1965 seinen kritischen Gesellschaftsbegriff folgendermaßen dar: »Die Abstraktheit des Tauschwerts geht vor aller besondren sozialen Schichtung mit der Herrschaft des Allgemeinen über das Besondere. d. die vorausgesetzt werden müssen. was dieser sei. Sie läßt die Kritik schon bei der vermeintlichen Einsicht in die Charaktere des Warenfetischs abbrechen und nimmt damit das Moment.kurz . ob man ihn zu fürchten. am Individualismus-Modell hängen. sofern sie wirklich ihr Programm der immanenten Kritik qua bestimmter Negation angeht. Der totale Zusammenhang hat die Gestalt. Das bleibt wahr trotz all der Schwierigkeiten. wie die Logizität des Reduktionsvorgangs auf Einheiten wie die gesellschaftlich durchschnittliche Arbeitszeit vortäuscht. zumindest in der Tendenz. gesellschaftlich neutral. Ist es möglich. Es ist. für das Ganze.soweit geht Hobbes nicht ganz . Apokalyptik oder gar nicht. was sie selbst als „traditionelle Theorie“ kritisiert? Kritische Theorie. Staat erscheint per se als diesen Individuen aufgeherrschter Zwangsapparat. ist als bekannt vorauszusetzen. ob schwarz oder weiß gezeichnet. der Gesellschaft über ihre Zwangsmitglieder zusammen. auch die kritischsten. gleichgültig ob sie subjektiv von einem Profitmotiv geleitet werden 108 . Ökonomie. wie ihr Habermas vorwirft. auf ihn zu hoffen oder ihn zu bewerkstelligen habe und wenn ja. Sie kritisiert also nicht. Die Beschwörung des Warenfetischs Die Behauptung des Zu . was ihr als ökonomische Theorie Garant des „Materiellen“ zu sein scheint. Rückschritts. Dabei gibt es allerdings wieder die merkwürdigsten Gemeinsamkeiten in bezug auf Begrifflichkeiten. wissen Horkheimer und Adorno. Evident ist. meint das. weil ihre Vorstellungen von dem. Gesellschaft erscheint per se als Zusammenschluß von Individuen. will man sich auf solche Fragen einlassen: Geschichte erscheint in der Regel als Eschatologie. Daß die Vorstellung vom einzelnen Einzelnen ein historisches Produkt ist. nämlich auch die eigenen Grundlagen. sondern sie kritisiert zu wenig und ohne Schärfe. sondern auch . was dieses ausmache. zu viel. wenn sie nicht zugrundegehen wollen. daß alle Positionen. als ob der Gesellschaftsvertrag darin bestanden habe. daß die »unhaltbare Stellung« der Kritischen Theorie nicht zuletzt darin begründet liegt. vorschnell retten zu können. hier die Ware. wenn sie in bestimmten Momenten negativistisch pauschalisierend argumentiert. kreislauf. In der Reduktion des Menschen auf Agenten und Träger des Warentauschs versteckt sich die Herrschaft von Menschen über Menschen. scheinbar unhintergehbar. Daß sie notwendiger Schein. Uneins waren sich diese Parteien jedoch stets in der Frage des Sozialismus. daß alle dem Tauschgesetz sich unterwerfen müssen. nicht nur dem Souverän die Gewalt über die Leiber zu übertragen.bürgerlichen Ökonomen. in den gängigen Varianten linearen Fortschritts. daß sie das ökonomische Zentrum ausspart. mit denen mittlerweile manche Kategorien der Kritik der politischen Ökonomie konfrontiert sind. Das Verhältnis von Gesellschaft und Staat bleibt undurchsichtig.

Der Tauschvorgang gilt als gesellschaftliches Apriori .. der gegenseitigen Anerkennung der Tauschenden als Rechtssubjekte und ebenso der Betrug. Adorno. Auch deswegen ist von Herrschaft des Menschen über den Menschen und von fixierter Unmündigkeit die Rede.. Gesellschaft. S.) Sollte eine Beschwörungs-Zeremonie den Verlauf eines immensen kritischen Diskurses skandiert haben? Sollte sie ihn wie sein Schatten begleitet. um einen Slogan zu gebrauchen.). damit als eigene Wahrheit ausposaunt werden kann. als sie.O. sie wird vom ersten Mal an sekundär gewesen sein (. zit. zit. er findet sie gleichursprünglich vor bei Smith und Ricardo und bei diesen in der Tat als »geschichtsloses ‘Schon immer’. als Bedin-gung der Möglichkeit der Vergesellschaftung. Gebrauchswert und Tauschwert kommen.und abtreten. 58 Wer nicht zugrundegehen will. jedoch nicht zuletzt Kritik der politischen Ökonomie ist. wie Derridas Gespenster. sich vom Prinzip des Warencharakters unterjochen lassen. Es ist nicht so. S. die geleugnete Ungleichheit zwischen dem. Negative Dialektik. z. Dekonstruktion und Vermittlung. lebendiges Fortleben? Und ist dieses 58 59 60 oder nicht. Derrida weiß darum. der die Ware Arbeitskraft zu Markte trägt. macht er den Anfang mit deren »Elementarform« und zwar so. ihm im geheimen gefolgt oder vorangegangen sein als ein im vorhinein erfordertes. Gesammelte Werke Bd. So gäbe es also Exorzismus schon in der Ouverture des Kapitals? (. wenn sich das noch sagen läßt. in diesem Band. Adorno. Darmstadt 1998. unwahr.. wie Derrida meint. 13f. daß das Gespenst schon da war vor dem Theaterstreich des Augenblicks. Am Tausch hängen aber auch Verdinglichung im Sinne von Lukács und quantifizierendes Denken. daß Marx erst den Gebrauchswert und dann den Tauschwert auftreten ließe. unerläßliches und.. Kritische Theorie versteht sich hier insofern als kritische. 59 Am Tausch hängt das Versprechen der Freiheit und Gleichheit. und dem. und in der Folge eine Wissenschaft. weil den im Begriff des Äquivalententauschs selbst enthaltenen Ideen von Gleichheit. bevor es anfängt’« 60 . 101. 8. das die Individuen unterjoche. muß sich dem Tauschgesetz unterwerfen. die sich nur noch als Systematisierung von Meßoperationen präsentiert. verwandelt er sich in ein sinnlich übersinnliches Ding«. Entsprechende Verkehrungsfiguren finden sich bei Marx von Anfang an. auf der Begriffe nacheinander auf. Das Spiel mit Marxens Gespensterbühne. . Gesammelte Werke Bd.. in historischer Reihenfolge. wie er sie in dieser Wissenschaft begrifflich bestimmt vorfindet: als Gebrauchswert und Tauschwert.a.. der sie kauft. vor dem »sobald er als Ware auftritt. Anerkennung widersprechend.. nach: Ders. S. Monika Noll. Adorno lobt in der Negativen Dialektik das Marxsche Fetischkapitel als ein »Stück Erbe der klassischen deutschen Philosophie«. nach: Ders. hier das Ganze als das Unwahre präsentiert. 8. 190.Die hierbei von Adorno präsentierte Vorstellung vom Tausch als gesellschaftlichem Apriori wird von Alfred Sohn-Rethel weiterentwickelt. in unterschiedlichen Masken vor. als Gebrauchswert der Ware Arbeitskraft und als deren Tauschwert. A. bei dem ‘alles anfängt. Rechenhaftigkeit. Darmstadt 1998. Theodor W.« Theodor W. In derselben Schrift redet Adorno im Zusammenhang der Kritik des ontologischen Bedürfnisses vom Warencharakter als reinem Prinzip des Füreinanderseins. an unterschiedlichen Orten. Insofern seine Kritik. Freiheit. 109 .B. verkennt absichtlich den Kontext der Argumentation oder will ihn nicht kennen. denn die bürgerliche Ökonomie kennt keine Geschichte. Derrida dagegen: »Die Erscheinung hat sich immer schon angekündigt.Herrschaft des Tauschwerts geht die des Allgemeinen über das Besondere einher und zugleich die von Menschen über Men-schen.

und Verschwörung meint qua Radikalisierung des kritischen Stils die Frage der Objektivität hinter sich lassen zu können. aber wie? Die Arbeit. die Theorie um sie. sie könnten einfach die Plätze tauschen: Eine nach wie vor in der Ökonomie stets aufs neue beschworene Geistererscheinung. Es tritt auf: das Kapital. als Geld. als gesellschaftlich durchschnittliche vorausgesetzt im Wert.und Ökonomiekritik...O. Marx’ Gespenster . daß in Wirklichkeit überhaupt nicht getauscht. Der kritische Gehalt der Marxschen Wertformanalyse. auf der sie ihr Wesen getrieben haben: die einfache Zirkulation. Da die Formen. verwandeln und vervielfältigen sich jedoch dabei. zumal unter Theologen. stelle ich diesem Textauszug ein Adorno-Zitat gegenüber: »(. macht dem herrschenden Bewußtsein und dem kollektiven Unbewußten die kritische Theorie idealistisch akzeptabel. in Gestalt seiner Funktionen als Maß. Kritische Theorie aber wäre gegenstandslos.« 62 Die Sprache der Be. Es wird weiterhin getauscht.a. also um Kritik des Wertbegriffs. Dem verdanken die frühen Schriften von Marx ihre gegenwärtige Beliebtheit. Zunächst glaubt man sie in Gestalt zweier Inkarnationen zu haben. Die ewige Wiederkehr des Gleichen Man mag in der Tat Derridas Metapher enteignen und das Spiel weitertreiben. Die »Geister des Geldes« verschwinden dabei ebenso wie die Bühne.verschwörerische Fortleben nicht ein unauslöschlicher Bestandteil des revolutionären Versprechens? Der Verfügung oder des Schwurs. was Marx mit Shakespeare für Wunderdinge über dessen magische Kraft zu berichten weiß. 257. S. Es gibt jedoch Schwierigkeiten. Das Geld. Diethard Behrens. a. S. von Diethard Behrens. Freiburg 1993. von denen angenommen wird. der Das Kapital in Gang bringt?« 61 Um den Kontrast zum Denken der Kritischen Theorie deutlich zu machen. Die Betonung auf die Reflexionsformen zu legen und dort falsches Spiel zu treiben wird zurecht als Pfaffenhandwerk denunziert. als Wertaufbewahrungsmittel und Zahlungsmittel. obwohl doch jeder weiß. glaubt man Marx. Theodor W. Der nächste Exorzismus trifft den Geldbegriff. Adorno. daß dieses Geisterreich stets gegenwärtig bleibt. Negative Dialektik. S. zu zentrieren. Am Ende glaubt man den Arbeitswert in glänzender Fetischgestalt zu haben. zielte sie nicht auf diese als Falsche. Das Wesen erscheint. Die Beschwörung des Geldfetischs wird in den Grundrissen der Kritik der politischen Ökonomie am deutlichsten vorgeführt.. Zur Materialistischen Erkenntnis.) Verdinglichung selbst ist die Reflexionsform der falschen Objektivität. hg.. ist nämlich kein »listig erdachtes Auskunftsmittel«.O. dies nicht beliebig tun.. Die Diskussion im Anschluß an Hans-Georg Backhaus 63 hat deutlich gemacht. In der Kritischen Theorie ist vom Geld bezeichnenderweise in diesem Zusammenhang nicht die Rede. in: Gesellschaft und Erkenntnis. Aber man weiß doch. 165-191. Derrida ist fasziniert von dem. Marx beschwört Gespenster. a.a. erscheint aber dort nicht. sondern verkauft und gekauft wird und dies ist beileibe nicht dasselbe.. die hier im Gang der Argumentation aufeinanderfolgen. die beiden Inkarnationen wechseln zwar die Plätze. Zirkulationsmittel.. 61 62 63 Jacques Derrida. 110 . 191. eine Gestalt des Bewußtseins. daß es bei den Exorzismen in den Anfangskapiteln des Kapital um Kritik prämonetärer Werttheorie geht. wie auch Adorno bezeugt. wie er zunächst vorliegt: als Wertsubstanz Arbeit in Form aliquoter Quanten gesellschaftlicher Durchschnittsarbeit und als Wertrelation in Gestalt der Tauschgleichung.

Soziologica II. die kapitalistische Realität habe die Ökonomie .sprich. Deshalb erscheint der Kritischen Theorie der Tausch zwischen Arbeit und Kapital als Betrug. Dort heißt es weiter: »Nicht enträt es der Ironie. mit der Realität sich deckte.sondern. Von wo? warum? Die Form der einfachen Zirkulation liegt den gängigen makroökonomischen Modellen zugrunde. am Moment des Äquivalententauschs festzuhalten als dem liberalen Modell einfacher Zirkulation. erwiesen. sondern in der Argumentation zu Arbeits. den die bürgerliche Gesellschaft von sich selbst hegte. Spätkapitalismus und Industriegesellschaft.statt ökonomischer Kreisläufe die Wiederkehr des Gleichen.hier: S. daß alle Welt von den existenten Naturkreisläufen überzeugt ist. Gesammelte Werke Band 8.und Verwertungsprozeß. Marx zeigt. inwieweit die Momente. Die Rede von der freien Konkurrenz überträgt dieses nur auf die Ebene des Austauschs der Kapitale. nicht nur in der Kritik der bürgerlichen und frühsozialistischen Arbeitsethiker. Adorno. Kooperation. 223ff. Die »Tauschgesellschaft« Adornos entspricht bei Marx noch am ehesten dem. die die Kritische Theorie in ihrer Kritik der Arbeitsteilung und der instrumentellen Vernunft im Auge hatte. daß diese Form.) Sondern Ahistorizität des Bewußtseins ist als Bote eines statischen Zustandes der Realität mit ratio notwendig verknüpft. wenn es nicht gelingt. in: Theodor W.. Der Kapitalismus erscheint als »enthistorisierendes« Verhältnis . Es war bereits bei Marx Ideologiekritik. 64 Die Rede vom Äquivalententausch bleibt an diese Form fixiert. Aus der industriellen Produktion verschwindet dann auch die konkrete Zeit. wie weit der Begriff. in der Marxschen Kritik bereits impliziert. der die einfache Zirkulation als Sphäre des Scheins hinter sich läßt. S. beides zusammen. Maschinerie. mit Notwendigkeit. Frankfurt 1962. Es ist wenig wahrscheinlich. hier die Gespensterbühne wieder zu verlassen. bei denen eigentlich nichts zurückbleibt: alles Historische aber wäre ein Rest. Darmstadt 1998. als Revokation eines Aktes durch einen anderen. die Ideologisierung so weit zu treiben. denen man mit einer ökologischen Kreislaufwirtschaft entsprechen zu müssen glaubt. 234. in sich selbst keinen Bestand hat. Diese fällt zurück in archaische Formen. wie die liberale Apologie es unterstellt. mit der Fortschrittlichkeit des bürgerlichen Prinzips und seiner eigenen Dynamik.tendenziell zum Verschwinden gebracht und das »Systemfremde« archaisch als Herrschaft. sehen wir uns genötigt. in: Max Horkheimer/Theodor W. daß sie die Vorstellungen vom Arbeitswert der klassischen und marxistischen Tradition teilt. Adorno. dem Sinn seines Vollzugs nach selber zeitlos. 65 Der Gang der Argumentation. daß gerade dies kritische Motiv: daß der Liberalismus in seinen besten Zeiten keiner war. keinen Antrieb in sich hat. daß die Fixierung auf die Zirkulationssphäre mehr ist als nur Moment bürgerlicher Kultur und daß damit einhergeht. die er in den Grundrissen eine erste Totalität nennt. Mehr stets verläuft sie in identischen und stoßweisen. als »Konstituens des Systems«. warum die Fähigkeiten der 64 Die Ökologie hat es inzwischen erfolgreich verstanden. 65 66 67 111 . 367f. was dort »einfache Zirkulation« heißt. erscheinen ihr als Merkmale bürgerlicher Herrschaft. Theodor W. in der Darlegung.« »(. die aufgehen. der Kapitalismus sei eigentlich keiner mehr. leere Zirkularität repräsentiert. heute umfunktioniert wird zugunsten der These. Tausch ist.Adorno. potentiell gleichzeitigen Zyklen. wird von Adorno nicht wirklich zur Kenntnis genommen: »Das Kapitalismusmodell selbst hat nie so rein gegolten. sollte dartun. von denen man aber keinen Begriff gewonnen hat. mag er auch in der Zeit stattfinden: sowie ratio in den Operationen der Mathematik ihrer reinen Form nach Zeit aus sich ausscheidet.. der Schein der Wertgleichung und das Wissen um die Ausbeutung.«66 Jedoch hält er fest. Es ist das des universalen Tauschs. die freie Konkurrenz . das ist der Anspruch der Theorie als Kritik. daß ernsthaft wahrgenommen wurde.« Theodor W Adorno: Über Statik und Dynamik als soziologische Kategorien. 67 Kann es sein. Die Waren müssen in den Kreislauf von außen hineingebracht werden. des Gleich und Gleich von Rechnungen. S.

Martin Heidegger. MEW 25. hier: S. Die Beschwörung des Kapitalfetischs Das Kapital erscheint als klassisches Gespenst des christlichen Abendlandes. S.) 112 . nämlich in trinitarischer Gestalt. das 68 69 70 Vgl. So wird ihm der Wille zur Macht zum Willen zum Wert. nachdem die Ebenen der Produktion. Diese Reflexion nennt Marx Verdinglichung. Nietzsche. der es Nietzsche enteignet hat..« A. hier: S. Die Macht kann sich selbst zu einer Übermächtigung nur ermächtigen. Frankfurt 1971. als seien sie mit Habermas einig im Kampf gegen das veraltete Produktivitätsparadigma und dieser gebe hiermit den 68er Verfallserscheinungen von André Gorz bis zu Robert Kurz seinen Segen. indem sie Steigerung und Erhaltung zumal befiehlt. So haben wir es in der Form. 44. 69 Sie spukt jedoch auch anders: »Macht ist der Befehl zu mehr Macht.W .G’. in: Konstitution und Klassenkampf. S. In der Tradition der Kritischen Theorie geht man über zur Diskussion der Ware und des Tauschwerts. 31-82.O. 405 »Die Hegelsche Logik ist nach Marx die metaphysische Verkleidung der Selbstbewegung des Kapitals. Entsprechende Formulierungen bei Horkheimer und Adorno mögen den Anschein erweckt haben. 68 Hans-Jürgen Krahl hat vor allem diese Form als Wahrheit der Hegelschen Wesenslogik festzuhalten gesucht. Die unterschiedlichen Ebenen der Darstellung der Kritik bei Marx verbieten es. Zur historischen Dialektik von bürgerlicher Emanzipation und proletarischer Revolution. daß die Macht und nur sie die Bedingungen der Steigerung und Erhaltung setzt. Geld heckendes Geld. Mehr Aufmerksamkeit findet die Form G-G’.Arbeit als solche des Kapitals erscheinen. »Das Wesen ist die Reflexion des Seins in sich selber. auf der Ebene des kapitalistischen Gesamtprozesses beim Zins wieder auftaucht.. sondern festgehalten und gesichert werden.a.« Hans-Jürgen Krahl. nur um gleich zu allgemeinen Aussagen über den industriellen Produktionsprozeß und die kapitalistische Gesellschaft überhaupt zu gelangen. Auch sie erweist sich als unhaltbar.« 70 Dieses automatische Subjekt gehört Martin Heidegger an. 268 (Hervorhebung K. Dem ist aber nicht so. der Zirkulation zur Darstellung gekommen sind. Geld als Kapital präsentiert und dann. als »Kapitalmystifikation in der grellsten Form«. angeblich in metaphysikkritischer Absicht. Sie ist. der »zuletzt und ausdrücklich jenes werden und bleiben« müsse. muß diese Stufe nicht nur erreicht. 141. Pfullingen 1961. S. von wo alle Wertsetzung ausgehe und was alle Wertschätzung beherrsche. a. S. Damit aber der Wille zur Macht als Übermächtigung eine Stufe übersteigen kann..H. Zur Wesenslogik der Marxschen Warenanalyse. die den Übergang zum Kapital markiert. Vgl.O. 137. Hegel und Marx aufeinander zu beziehen. als Verkehrung und Versachlichung des Produktionsverhältnisses in höchster Potenz. die Marx als die des Kapitals als automatisches Subjekt kennzeichet: G . bezeichntet worden. auch ders. gerade diese Form hätte ins Auge fallen müssen bei den Versuchen. von Marx als »begriffloseste Form des Kapitals«. die Subsumtion des Besonderen unter das Allgemeine als generalisiertes Verhältnis des Bewußtseins und der sozialen Wirklichkeit in einem zu denken. Dazu gehört.a. Nur aus solcher Machtsicherheit läßt sich die erreichte Macht erhöhen. Man könnte versucht sein anzunehmen. in der Kritik des Technikfetisch und in der Darstellung des Übergangs von der formellen zur reellen Subsumtion. Bemerkungen zum Verhältnis von Kapital und Hegelscher Wesenslogik.

S. Im Rechnen mit Werten und im Schätzen nach Wertverhältnissen rechnet der Wille zur Macht mit sich selbst. ein Geschenk mit einem größeren zu erwidern. 75 Der Anarchismus hat seinen Enkeln noch immer Geistfeindschaft und Kapitalismusapologie hinterlassen. die Gespenster zu befragen. S..a. das Erbe anzutreten.a. dann dokumentiert er deutlich. was ja auch Derridas Programm darstellt. solange sie an die Utopie der Gabe à la Marcel Mauss und Georges Bataille gebunden bleibt. wo sie nur auftritt und bis in die einzelen Wortteile hinein als Unmittelbares zu affirmieren. die spätsurrealistische Vernunftkritik den Hang zum gepflegten Sadomasochismus. weil er im Grunde dessen Intentionen teile. a. Die Aufhebung der Ökonomie. nur als der bessere Hegelschüler dastehen wolle 73 . München 1975. Es scheint also doch in der Tat darauf anzukommen. S. Man erfährt eben nichts. . daß die jeweiligen Gemeinwesen zunehmend Arbeit darauf verwandten. das ausgeht vom Konstrukt „Ich als G-G’ und alle Iche ebenso“ um auf diesem Wege zum »Verein der Freien« zu gelangen.ist mit Recht notwendig ein Wertdenken.Das Schema der Wertsetzung gemahnt an das Stirnersche Postulat: »Verwerte Dich selbst. sei ein komplizierter Prozeß. die Semantik zu deuten. Georges Bataille. bis ihnen Gerechtigkeit widerfährt. So werde »die Wahrheit als Denken des Willens zur Macht unweigerlich zu einem Denken nach Werten.und nur sie . mit regressiven Tendenzen hin zum Wert und seiner Setzung. a.. die Logik nachzuvollziehen. muß ernst genommen werden. eines Geschenkeaustausches zwischen Häuptlingen. Vgl. 289-407. bekommt etwas von Sysiphos. die Welt von heute sei eben so. das Eingeschriebene zu lesen.a. 272 Ebd. Die Toten kommen solange nicht zur Ruhe. Vgl. Das Stirner-Nietzscheanische Schema. indem man die begriffliche Vermittlung aller Erkenntnis in ein Metaphernspiel aufweicht 76 . solange man mit Fetischen handelt. Jacques Derrida. Marx`Gespenster. Die Idee der Gerechtigkeit als »irreduzible« bleibt solange ein bloßes Phantom.O. von Gerd Bergfleth. auch wenn man es in eine Foucaultsche Mikrophysik der Macht oder in eine Deleuze-Guattarische Wunschmaschine umdeutet.nehmen wir Derrida beim Wort: Seine Aufforderung. das den Mechanismus des geldheckenden Geldes auf den Austausch unter Freunden projiziert oder auf die Lust an der Selbstverschwendung. folgt seiner eigenen Logik. Das theoretische Werk.»Prinzip der Wertsetzung«.« 76 113 .O. 206ff. an ein Schema. wobei der Name Bewußtsein nicht mehr ein gleichgültiges Vorstellen bedeutet. Georges Bataille macht dies zu einem Leitmotiv in seiner Theorie der Verschwendung. Enteignung ist schnell getan. die Metaphorik. Wie die Derridasche Rede von der „différance“ im Deutschen sinnig übersetzt wird. die Sprache der Alten zu übersetzen.« 71 »Die Metaphysik des Willens zur Macht . Im Wertdenken besteht das Selbstbewußtsein des Willens zur Macht. Monika Noll. der dazu führte.« 72 Die Umwertung aller Werte hat ein Abbild des Kapitalfetischs zutage gebracht.O: »Wer konsequent versucht. Wenn Derrida der Überzeugung ist. daß ihm der eine so gut wie der andere ist. Daß man es affirmiert und behauptet. wie man zu den „Gespenstern“ spricht oder wie man versteht.« Hier fangen die Differenzen an. hg. sondern das machtende und ermächtigende Rechnen mit sich selbst. hilft nicht weiter. Marx betreibe deshalb seine Exorzismen gegenüber Stirner besonders heftig. Marcel Mauss (essai sur le don) hatte als Ethnologe die Kwaikutl-Indiander im Nordwesten Kanadas erforscht und dabei das System des „Potlatch“ beschrieben. behauptet Derrida. Wie aber soll dann die vielgerühmte Genauigkeit und das Sensorium für die Differenz mit „ä“ gewonnen werden? 74 Aber . 71 72 73 74 75 A. auch wenn man sich darüber hinwegtröstet.

a. Husserls und Heideggers verteidigen. verschwindet Dialektik. die gleichsam als Zentrum falscher Vergesellschaftung figurieren und obwohl Vorstellungen. dann wird deutlich.Die Behauptung der Dekonstruktion als Erbe und Radikalisierung »eines gewissen Marxismus«. weil dieser durch die Orthodoxie einvernahmt. 114 . Wird er Foucault. Marx’ Gespenster. die illegitimen Freier der Penelope? Die Pfeile. Entsprechend zeigt sich bei Monika Noll. um diesem ein messianisches Versprechen entgegenzusetzen als Bedingung von Repolitisierung 79 . im nietzscheanisierenden Einerlei machtontologischer Figuren unterzugehen. Insofern Adorno auf dem Äquivalenzprinzip als dem Kern bürgerlicher Gesellschaft beharrt und ihm das Lohnarbeitsverhältnis nur als dessen einfache Negation und Vehikel der Reproduktion beider erscheint. 124.78 Wenn Stirner und Marx gleich-gültig nebeneinandergestellt werden können. wenn Marx gemeinsam mit Hegel (und Heidegger) ein onto-theologischer aber auch archäo-teleologischer Begriff der Geschichte unterstellt werden. Gekappt wird der Gang der Darstellung. hatte die Kritische Theorie von dessen Problematik einen elaborierteren Begriff. systematisch verhindern. Jacques Derrida. Er verharrt im »unbequemen Spagat«. S. S. die ein permanentes Allerheiligen feiern. welche die Bezugnahme auf Marx nur scheute. wie sie mit der Rede von der Tauschgesellschaft einhergehen. Auf dieser Grundlage kommt er zu einem unzureichenden Verständnis der Methode der Darstellung. sondern aus der Überzeugung heraus. Deleuze.O. dem als eine Art kategorischer Imperativ die Forderung nach Aufhebung des Kapitalverhältnisses vorausgesetzt ist. Nicht. seine eigenen sind.a.. oder wird er den Bogen ergreifen gegen die Erbschleicher. a. die bürgerliche Gesellschaft.O. a. der Kapitalismus der Marxschen Kritik der politischen Ökonomie. das Produktionsverhältnis. Exorzismus Obwohl. über den allein Kritik als die wissenschaftlicher Begrifflichkeit zu ihrem Gegenstand gelangt. 77 erweist sich als Erbschleicherei. wie sie in der Rede von der Rückkehr der alten Herrschaft vorliegt. auf instrumentelle Vernunft reduziert. um mit Penelope Odysseus die Treue zu halten.O.. mit denen der Bogen zu bestücken wäre. Derrida als Erben anerkennen. wie dargelegt wurde. daß das Erbe kritischen Denkens seit Kant von vorneherein ausgeschlagen ist. der nicht Gefahr läuft. »daß die Marxschen Gespenster. Adorno bleibt stehen bei einem unzureichenden Kapitalbegriff und daher einer verkürzten Gesellschaftskritik. hat Adorno jedenfalls selbst geschmiedet: 77 78 79 Jacques Derrida. möchte ich Adornos Ansatz gegen die vorgeblich metaphysikkritischen Positionen in der Nachfolge Nietzsches.a. Adorno rezipiert die Marxsche Theorie über die marxistische Tradition weitgehend als ökonomische Theorie. ganz dem Kapital anzugehören scheint. im Denken von Adorno den Kategorien der Ware und des Tauschwerts verhaftet bleibt.a. daß sein Bogen tatsächlich weiter reicht als die der Freier. daß kritischer Geist im Sinne von Unterscheidungsvermögen durch pseudoreligiöse Stilübungen ersetzt wird. die Kritik so weiterzutreiben. daß überhaupt ein Begriff vom Kapitalverhältnis gewonnen werden könnte. die Derrida zu retten unternimmt«. indem er dennoch an einem Verständnis von Theorie als Kritik im Sinne negativer Dialektik festhält. Marx’ Gespenster. 149f. Beschwören wir Adorno als Geist des Odysseus..

K... Produkte der Selbstreflexion der Seinskategorien. der genau jene Identität mangelt. auf Begriffe. K.a.H. a. S. Im Sein soll das Absolute gedacht werden.). die logischen Sätze.a. so geht die Analyse über in Subreption. was selbst nicht Wesen ist. hatte den Unterschied von Wesen und Erscheinung verspottet und die Hinterwelt den Hinterwäldlern überantwortet. unversöhnlicher Widersacher des theologischen Erbes in der Metaphysik.. gemäß Heideggers eigener Methode. um des einmal an der Sache erfahrenen Widerspruchs willen und gegen ihn in Widersprüchen denken.H.). der sinnlichen Wahrnehmung nachbilden. Die Konstellation der Momente ist nicht auf ein singuläres Wesen zu bringen. erlaubt nicht seine Verklärung zu einem jenen beiden Bestimmungen gegenüber Transzendenten. was im Abgrund des Seins verschwand. Jeder Versuch. S. nicht mehr heran. die des Subjekts gezogen werden. 115 . nicht der Organisationsdrang des Gedankens veranlaßt zur Dialektik. 171 (Hervorh. A. S.O. bestreiten. wie bei den Idealisten. A. da Dialektik als Verfahren der Kritik Negativität als bewegendes Moment in sich trägt.O. Daran reichte ein Denken. 148 (Hervorh. heißt sich auf die Seite des Scheins. weil die Vernunft ihr Bestes nicht denken kann. alle Vermittlungen auf die noetische Seite.). scheint es jenseits der Momente.O. während Husserls Grundthema. S.H. aber nur weil es nicht sich denken läßt.O. nur weil es magisch die Erkenntnis der Momente blendet. welche Wortprägung eine Tautologie.). sondern negative Dialektik. daß ein Wesen sei. wie objektiv gültig. wie nicht. die der Gedanke surrogiert. ihr wohnt inne. darin eines Sinnes mit dem gesamten Positivismus. mit erkenntnistheoretischem Gewaltakt. das der Dialektik zelotisch sich versagte. führt auf Seiendes hier und dort.« 81 Gegen die Gefolgschaft Heideggers: »Die Erkenntnis. den er mit dem Hochmut der Ignoranz verdammte. sei es das Absolute. Negative Dialektik. ist widerspruchsvoll und sperrt sich gegen jeglichen Versuch ihrer einstimmigen Deutung. 111 (Hervorh. Hegel. 170 (Hervorh. das ‘Ist’ und wäre es in der blassesten Allgemeinheit. Nirgendwo anders vielleicht ist so greifbar. wird sie sich selbst zum Schlechten.« 83 80 81 82 83 Theodor W. daß das Wesen trotz allem auch seinerseits Moment ist: entsprungen. ihn darauf hätten stoßen müssen.a. kann er das Moment der Objektivität am Begriff anders denn als Unmittelbarkeit sui generis nicht konzipieren und muß sie. währt nur so lange. daß ‘Ist’ kein bloßer Gedanke und kein bloß Seiendes. Wesen ist. die denkende Konfrontation von Begriff und Sache. Kein schlicht Reales: denn Widersprüchlichkeit ist eine Reflexionskategorie. Sie. überhaupt nur zu denken. seine Bedeutung analysiert wird. daß die Wesenskategorien des zweiten Buchs der Logik wohl geworden sind. Widerspruch in der Realität ist sie Widerspruch gegen diese. Adorno. eine jede solche Analyse fördert zutage.Gegen Nietzsche und seine Enkel: »Nietzsche. K. ist allerdings weniger „totalisierende Vernunftkritik“ angesagt. zu der mittlerweile das Dasein wurde. Wird aber die Analyse von Sein selber tabu. wie es nicht gedacht.. K. der totalen Ideologie schlagen.H.« 82 Um dies zu denken. A. hatte vor ihm die Einsicht voraus. was nach dem Gesetz des Unwesens selbst verdeckt wird.« 80 Gegen Husserl und seine Nachfolger: »Weil indessen bei Husserl.a. Krampfhaft hat er verleugnet. die das Wort Sein verspricht. Dialektik als Verfahren heißt. Die Einheit. wie unverdrossene Aufklärung den Dunkelmännern zustatten kommt. »Tatsächlich ist Dialektik weder Methode allein noch ein Reales im naiven Verstande: denn die unversöhnte Sache.