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Höchste Eisenbahn!: Ein literarischer Zugbegleiter

Höchste Eisenbahn!: Ein literarischer Zugbegleiter

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Höchste Eisenbahn!: Ein literarischer Zugbegleiter

Longitud:
239 página
2 horas
Publicado:
Aug 29, 2016
ISBN:
9783863512699
Formato:
Libro

Descripción

Seit die Eisenbahn fährt, erregt sie die Gemüter nicht nur der Reisenden, sondern ganz besonders auch die der
Literaten und Geschichtenerzähler. Euphorisch begrüßt von den einen, zum Teufel gewünscht von den anderen.
Und tausendfach entdeckt als Ort der Handlung – und oft als deren Wendepunkt.

Von der Eisenbahn erzählen fast alle, mal romantisch, mal unromantisch:
Hermann Hesse, Mark Twain, Thomas Mann, Ernest Hemingway, Johnny Cash, Franz Kafka, Heinrich Heine, Karl Valentin, Charles Dickens, Michael Ende, Joseph Roth, Franz Hohler, Wolfgang Hildesheimer, Jules Verne, Kurt Tucholsky, Udo Lindenberg, Martin Walser, Robert Walser, Eugen Roth, Reinhard Mey, Leo Tolstoi, Erich Kästner, Harald Schmidt – um damit wirklich nur ein paar wenige zu nennen.
Darüber hinaus wird die Eisenbahn besungen, nicht nur als »Schwäb'sche Eise'bahne« von Stuttgart nach Durlesbach,
sondern auch als Fahrt mit einer Dampflok von New York City nach Chattanooga in Tennessee – beziehungsweise als
Sonderzug von Hamburg (West) nach Pankow (Ost).
Große Welt – und kleine Welt: Auch die Eisenbahn en miniature, die im Maßstab 1 : 87 hunderttausendfach durch deutsche Kinder- oder Wohnzimmer und Keller und Speicher fährt, hat ihre Geschichten. Und nicht zuletzt machen wunderbar witzige Eisenbahnanekdoten das berühmte i-Tüpfelchen dieses schönen Buches …
Publicado:
Aug 29, 2016
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9783863512699
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Libro

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Höchste Eisenbahn! - Klöpfer & Meyer Verlag

hangen!

Vorwort

Die Frage ist doch berechtigt: Wieso eigentlich drängt es den Menschen nach draußen, in den Schnee, in den Regen, in die unwirtliche Welt, auf zugige Bahnsteige und hinein in überfüllte und überteuerte Züge, wo es keine kuscheligen Kissen und keine gemütlichen Betten gibt.

Wir reisen aus demselben Grund, aus dem wir auch lesen: Weil wir auf der Suche nach Geschichten sind. Denn:

Wenn jemand eine Reise tut,

So kann er was verzählen;

Drum nahm ich meinen Stock und Hut,

Und tät das Reisen wählen.

Matthias Claudius bringt es poetisch auf den Punkt.

Ins gleiche Horn stößt Wilhelm Busch:

Viel zu spät begreifen viele

Die versäumten Lebensziele:

Freude, Schönheit der Natur.

Gesundheit, Reisen und Kultur,

Darum, Mensch, sei zeitig weise!

Höchste Zeit ist’s! Reise, reise!

Und mit bedauerndem Unterton vermerkt Kurt Tucholsky: Ich höre nachts die Lokomotiven pfeifen, sehnsüchtig schreit die Ferne, und ich drehe mich im Bett herum und denke »Reisen …!«

A propos Bett. Mark Twain dreht den Spieß um, indem er darauf verweist, dass unvergleichlich viel mehr Menschen im Bett sterben als beispielsweise in Zügen. »Sie werden verstehen«, so Twain, »dass ich keinerlei Risiko mit diesen Betten eingehe.« Entsprechend reich war seine Ausbeute an Geschichten.

Seit die Eisenbahn fährt, erregt sie die Gemüter nicht nur der Reisenden im Allgemeinen, sondern ganz besonders die der Literaten. Euphorisch begrüßt von den einen, zum Teufel geschickt von den anderen. Und tausendfach entdeckt als Ort der Handlung und oft als deren Wendepunkt.

Von der Eisenbahn erzählen fast alle: Hermann Hesse, Mark Twain, Sten Nadolny, Thomas Mann, Franz Kafka, Heinrich Heine, Karl Valentin, Charles Dickens, Michael Ende, Joseph Roth, Franz Hohler, Jack London, Wolfgang Hildesheimer, Jules Verne, Kurt Tucholsky, Martin Walser, Robert Walser, Eugen Roth, Hans Christian Andersen, Leo Tolstoi, Erich Kästner, Harald Schmidt – um nur ein paar wenige zu nennen.

Darüber hinaus wird die Eisenbahn besungen, nicht nur als »Schwäb’sche Eise’bahne« von Stuttgart nach Durlesbach, sondern auch als Fahrt mit einer Dampflok von New York City nach Chattanooga in Tennessee – beziehungsweise als Sonderzug von Hamburg/West nach Pankow/Ost.

Große Welt – kleine Welt: Auch die Eisenbahn en miniature, die im Maßstab 1:87 zigtausendfach durch deutsche Wohnzimmer oder Kellerräume fährt, hat ihre Geschichten …

Johann Peter Eckermann, 1792 – 1854

Visionär Goethe

Wir sprachen sodann über die Einheit Deutschlands, und in welchem Sinne sie möglich und wünschenswert sei.

»Mir ist nicht bange«, sagte Goethe, »daß Deutschland nicht eins werde; unsere guten Chausseen und künftigen Eisenbahnen werden schon das ihrige thun. Vor allem aber sei es eins in Liebe untereinander, und immer sei es eins, daß der deutsche Thaler und Groschen im ganzen Reiche gleichen Wert habe; eins, daß mein Reisekoffer durch alle sechsunddreißig Staaten ungeöffnet passieren könne.

Es sei eins, daß der städtische Reisepaß eines weimarischen Bürgers von dem Grenzbeamten eines großen Nachbarstaats nicht für unzulänglicher gehalten werde als der Paß eines Ausländers.

Es sei von Inland und Ausland unter deutschen Staaten überall keine Rede mehr. Deutschland werde ferner eins in Maß und Gewicht, in Handel und Wandel, und hundert ähnlichen Dingen, die ich nicht alle nennen kann und mag.«

Jetzt pfeift der Dampf und läßt im Sturm uns reisen;

Verwandelt ward die Zeit und wir mit ihr.

Emanuel Geibel,1815 – 1884

Justinus Kerner, 1786 – 1862

Im Eisenbahnhofe 1852

Hört ihr den Pfiff, den wilden, grellen,

Es schnaubt, es rüstet sich das Tier,

Das eiserne, zum Zug, zum schnellen,

Her braust’s wie ein Gewitter schier.

In seinem Bauche schafft ein Feuer,

Das schwarzen Qualm zum Himmel treibt;

Ein Bild scheint’s von dem Ungeheuer,

Von dem die Offenbarung schreibt.

Jetzt welch ein Rennen, welch Getümmel,

Bis sich gefüllt der Wagen Raum!

Drauf »Fertig!« schreit’s, und Erd und Himmel

Hinfliegen, ein dämon’scher Traum.

Dampfschnaubend Tier! Seit du geboren,

Die Poesie des Reisens flieht;

Zu Roß mit Mantelsack und Sporen

Kein Kaufherr mehr zur Messe zieht.

Kein Handwerksbursche bald die Straße

Mehr wandert froh in Regen, Wind,

Legt müd sich hin und träumt im Grase

Von seiner Heimat schönem Kind.

Kein Postzug nimmt mit lust’gem Knallen

Bald durch die Stadt mehr seinen Lauf

Und wecket mit des Posthorns Schallen

Zum Mondenschein den Städter auf.

Auch bald kein trautes Paar die Straße

Gemütlich fährt im Wagen mehr,

Aus dem der Mann steigt und vom Grase

Der Frau holt eine Blume her.

Kein Wandrer bald auf hoher Stelle,

Zu schauen Gottes Welt, mehr weilt,

Bald alles mit des Blitzes Schnelle

An der Natur vorübereilt.

Ich klage: Mensch, mit deinen Künsten

Wie machst du Erd und Himmel kalt!

Wär ich, eh du gespielt mit Dünsten,

Geboren doch im wildsten Wald!

Wo keine Axt mehr schallt, geboren,

Könnt’s sein, in Meeres stillem Grund,

Daß nie geworden meinen Ohren

Je was von deinen Wundern kund.

Fahr zu, o Mensch! Treib’s auf die Spitze,

Vom Dampfschiff bis zum Schiff der Luft!

Flieg mit dem Aar, flieg mit dem Blitze!

Kommst weiter nicht als bis zur Gruft.

Theodor Fontane, 1819 – 1898

Die Brück’ am Tay

(28. Dezember 1879)

When shall we three meet again?

Macbeth

»Wann treffen wir drei wieder zusamm?«

»Um die siebente Stund’, am Brückendamm.«

»Am Mittelpfeiler.«

»Ich lösche die Flamm.«

»Ich mit.«

»Ich komme vom Norden her.«

»Und ich vom Süden.«

»Und ich vom Meer.«

»Hei, das gibt einen Ringelreihn,

Und die Brücke muß in den Grund hinein.«

»Und der Zug, der in die Brücke tritt

Um die siebente Stund’?«

»Ei, der muß mit.«

»Muß mit.«

»Tand, Tand

Ist das Gebilde von Menschenhand!«

Auf der Norderseite, das Brückenhaus –

Alle Fenster sehen nach Süden aus,

Und die Brücknersleut’ ohne Rast und Ruh

Und in Bangen sehen nach Süden zu,

Sehen und warten, ob nicht ein Licht

Übers Wasser hin »Ich komme« spricht,

»Ich komme, trotz Nacht und Sturmesflug,

Ich, der Edinburger Zug.«

Und der Brückner jetzt: »Ich seh’ einen Schein

Am anderen Ufer. Das muß er sein.

Nun, Mutter, weg mit dem bangen Traum,

Unser Johnie kommt und will seinen Baum,

Und was noch am Baume von Lichtern ist,

Zünd’ alles an wie zum heiligen Christ,

Der will heuer zweimal mit uns sein, –

Und in elf Minuten ist er herein.«

Und es war der Zug. Am Süderturm

Keucht er vorbei jetzt gegen den Sturm,

Und Johnie spricht: »Die Brücke noch!

Aber was tut es, wir zwingen es doch.

Ein fester Kessel, ein doppelter Dampf,

Die bleiben Sieger in solchem Kampf.

Und wie’s auch rast und ringt und rennt,

Wir kriegen es unter, das Element.

Und unser Stolz ist unsre Brück’;

Ich lache, denk’ ich an früher zurück,

An all den Jammer und all die Not

Mit dem elend alten Schifferboot;

Wie manche liebe Christfestnacht

Hab’ ich im Fährhaus zugebracht

Und sah unsrer Fenster lichten Schein

Und zählte und konnte nicht drüben sein.«

Auf der Norderseite, das Brückenhaus –

Alle Fenster sehen nach Süden aus,

Und die Brücknersleut’ ohne Rast und Ruh

Und in Bangen sehen nach Süden zu;

Denn wütender wurde der Winde Spiel,

Und jetzt, als ob Feuer vom Himmel fiel’,

Erglüht es in niederschießender Pracht

Überm Wasser unten… Und wieder ist Nacht.

»Wann treffen wir drei wieder zusamm?«

»Um Mitternacht, am Bergeskamm.«

»Auf dem hohen Moor, am Erlenstamm.«

»Ich komme.«

»Ich mit.«

»Ich nenn’ euch die Zahl.«

»Und ich die Namen.«

»Und ich die Qual.«

»Hei!

Wie Splitter brach das Gebälk entzwei.«

»Tand, Tand

Ist das Gebilde von Menschenhand.«

Theodor Fontane, 1819 – 1898

Effi Briest

Elftes Kapitel

Die Fahrt verlief ganz wie geplant. Um ein Uhr hielt der Schlitten unten am Bahndamm vor dem Gasthaus »Zum Fürsten Bismarck«, und Golchowski, glücklich, den Landrat bei sich zu sehen, war beflissen, ein vorzügliches Dejeuner herzurichten. Als zuletzt das Dessert und der Ungarwein aufgetragen wurden, rief Innstetten den von Zeit zu Zeit erscheinenden und nach der Ordnung sehenden Wirt heran und bat ihn, sich mit an den Tisch zu setzen und ihnen was zu erzählen. Dazu war Golchowski denn auch der rechte Mann; auf zwei Meilen in der Runde wurde kein Ei gelegt, von dem er nicht wußte. Das zeigte sich auch heute wieder. Sidonie Grasenabb, Innstetten hatte recht vermutet, war, wie vorige Weihnachten, so auch diesmal wieder auf vier Wochen zu »Hofpredigers« gereist; Frau von Palleske, so hieß es weiter, habe ihre Jungfer wegen einer fatalen Geschichte Knall und Fall entlassen müssen, und mit dem alten Fraude steh es schlecht – es werde zwar in Kurs gesetzt, er sei bloß ausgeglitten, aber es sei ein Schlaganfall gewesen, und der Sohn, der in Lissa bei den Husaren stehe, werde jede Stunde erwartet. Nach diesem Geplänkel war man dann, zu Ernsthafterem übergehend, auf Varzin gekommen. »Ja«, sagte Golchowski, »wenn man sich den Fürsten so als Papiermüller denkt! Es ist doch alles sehr merkwürdig; eigentlich kann er die Schreiberei nicht leiden und das bedruckte Papier erst recht nicht, und nun legt er doch selber eine Papiermühle an.«

»Schon recht, lieber Golchowski«, sagte Innstetten, »aber aus solchen Widersprüchen kommt man im Leben nicht heraus. Und da hilft auch kein Fürst und keine Größe.«

»Nein, nein, da hilft keine Größe.«

Wahrscheinlich, daß sich dies Gespräch über den Fürsten noch fortgesetzt hätte, wenn nicht in ebendiesem Augenblicke die von der Bahn her herüberklingende Signalglocke einen bald eintreffenden Zug angemeldet hätte. Innstetten sah nach der Uhr. »Welcher Zug ist das, Golchowski?«

»Das ist der Danziger Schnellzug; er hält hier nicht, aber ich gehe doch immer hinauf und zähle die Wagen, und mitunter steht auch einer am Fenster, den ich kenne. Hier, gleich hinter meinem Hofe, führt eine Treppe den Damm hinauf, Wärterhaus 417 …«

»Oh, das wollen wir uns zunutze machen«, sagte Effi. »Ich sehe so gern Züge …«

»Dann ist es die höchste Zeit, gnäd’ge Frau.«

Und so machten sich denn alle drei auf den Weg und stellten sich, als sie oben waren, in einem neben dem Wärterhaus gelegenen Gartenstreifen auf, der jetzt freilich unter Schnee lag, aber doch eine freigeschaufelte Stelle hatte. Der Bahnwärter stand schon da, die Fahne in der Hand. Und jetzt jagte der Zug über das Bahnhofsgeleise hin und im nächsten Augenblick an dem Häuschen und an dem Gartenstreifen vorüber. Effi war so erregt, daß sie nichts sah und nur dem letzten Wagen, auf dessen Höhe ein Bremser saß, ganz wie benommen nachblickte.

»Sechs Uhr fünfzig ist er in Berlin«, sagte Innstetten, »und noch eine Stunde später, so können ihn die Hohen-Cremmer, wenn der Wind so steht, in der Ferne vorbeiklappern hören. Möchtest du mit, Effi?«

Sie sagte nichts. Als er aber zu ihr hinüberblickte, sah er, daß eine Träne in ihrem Auge stand.

Effi war, als der Zug vorbeijagte, von einer herzlichen Sehnsucht erfaßt worden. So gut es ihr ging, sie fühlte sich trotzdem wie in einer fremden Welt. Wenn sie sich eben noch an dem einen oder andern entzückt hatte, so kam ihr doch gleich nachher zum Bewußtsein, was ihr fehlte. Da drüben lag Varzin, und da nach der anderen Seite hin blitzte der Kroschentiner Kirchturm auf und weithin der Morgenitzer, und da saßen die Grasenabbs und die Borckes, nicht die Bellings und nicht die Briests. »Ja, die!« Innstetten hatte ganz recht gehabt mit dem raschen Wechsel ihrer Stimmung, und sie sah jetzt wieder alles, was zurücklag, wie in einer Verklärung. Aber so gewiß sie voll Sehnsucht dem Zug nachgesehen, sie war doch andererseits viel zu beweglichen Gemüts, um lange dabei zu verweilen, und schon auf der Heimfahrt, als der rote Ball der niedergehenden Sonne seinen Schimmer über den Schnee ausgoß, fühlte sie sich wieder freier; alles erschien ihr schön und frisch, und als sie, nach Kessin zurückgekehrt, fast mit dem Glockenschlag sieben in den Gieshüblerschen Flur eintrat, war ihr nicht bloß behaglich, sondern beinah übermütig zu Sinn, wozu die das Haus durchziehende Baldrian- und Veilchenwurzelluft das ihrige beitragen mochte.

Hans Christian Andersen, 1805 – 1875

Oh, welches große Werk …

Oh, welches große Werk des Geistes ist doch diese Erfindung! Man fühlt sich ja mächtig wie ein Zauberer der Vorzeit! Wir spannen unser magisches Pferd vor den Wagen und der Raum verschwindet; wir fliegen wie die Wolken im Sturm, wie der Zugvogel fliegt; unser wildes Pferd wiehert und schnaubt, der Dampf entsteigt seinen Nüstern. Schneller konnte Mephistopheles nicht mit Faust auf seinem Käppchen fliegen! Wir sind durch natürliche Mittel in unserer Zeit ebenso stark, als man im Mittelalter nur durch die Hilfe des Teufels sein konnte! Wir sind ihm durch unseren Verstand an die Seite gekommen, und ehe er es selber weiß, sind wir an ihm vorbei.

Die Zeit wird kommen, in der Menschen in dampfbetriebenen Postkutschen von einer Stadt zur anderen reisen, fast so schnell wie ein Vogel fliegt, fünfzehn oder zwanzig Meilen in der Stunde.

Oliver Evans, amerikanischer Erfinder, 1755 – 1819

Jules Verne, 1828 – 1905

In 80 Tagen um die Welt

Kapitel 29

– Die Stunden hier auf der Eisenbahn sind doch recht lang und langweilig.

– In der That, erwiderte der Gentleman, aber sie gehen doch vorüber.

– Pflegten Sie nicht während der Schiffsreisen Ihr Spielchen Whist zu machen? fragte der Agent.

– Ja, erwiderte Phileas Fogg, aber hier wäre das schwierig. Ich habe weder Karten, noch Mitspieler.

– O! Karten werden wir schon zu kaufen bekommen. Auf den amerikanischen Waggons gibt es alles zu kaufen. Und was Mitspieler betrifft, wenn vielleicht, Madame …

– O gewiß, mein Herr, erwiderte lebhaft die junge Frau, ich verstehe Whist. Es gehört ja zur englischen Erziehung.

– Und ich, fuhr Fix fort, bilde mir sogar ein, gut zu spielen. Nun, also wir drei und ein Strohmann …

– Nach Ihrem Belieben, mein Herr, erwiderte Phileas Fogg, der froh war, sein Lieblingsspiel selbst auf der Eisenbahn zu spielen.

Passepartout wurde abgeschickt, den Stewart aufzusuchen, und brachte bald zwei vollständige Kartenspiele, Marken und ein mit Tuch beschlagenes Tischchen. Es fehlte nichts, und das Spiel nahm gleich seinen Anfang. Mrs. Aouda verstand Whist zu Genüge, so daß ihr der strenge Phileas Fogg sogar darüber Komplimente machte. Der Polizei-Agent war besonders stark darin, und konnte dem Gentleman die Spitze bieten.

– Jetzt, sprach Passepartout zu sich selbst, haben wir ihn fest!

Um elf Uhr Vormittags befand sich der Zug auf dem Höhepunkt der Wasserscheide zwischen den beiden Ozeanen, zu Passe-Bridger, 7.524 Fuß über dem Meeresspiegel. Noch etwa zweihundert Meilen, dann befand man sich auf den weit ausgedehnten, bis zum Atlantischen Meere reichenden Ebenen, welche der Anlage von Eisenbahnen so günstig sind.

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